Gefährliche Neugier - Aldo Razzani - E-Book

Gefährliche Neugier E-Book

Aldo Razzani

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Beschreibung

Junge Frau kommt nicht zur Erfüllung und erinnert sich an alte Freunde, die ihr schon einmal geholfen haben. Hanne und Alex entwerfen ein regelrechtes Schulungsprogramm für Charlotte, das diese endlich zu ersehnten Höhepunkt führt. Doch in ihr werden dabei ungeahnte Lüste geweckt, die sie bis nahe an den Abgrund bringen. Nur konsequentes Handeln ihrer Freunde rettet sie vor dem Sumpf, und sie wird zur Kuschelkatze.

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Seitenzahl: 685

Veröffentlichungsjahr: 2015

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GEFÄHRLICHE NEUGIER

Wie weit will ich wirklich gehen?

Das Buch: Das Buch setzt den Roman „brennende Neugier“ fort, die Beschreibung der wildesten Zeit in der Ehe von Hanne und Alex, mit wechselnden Partnern und sexuellen Experimenten. Sechs harmonische Ehejahre später taucht plötzlich Charly wieder auf, die seinerzeit mit beiden Ehepartnern ihre ersten Erfahrungen gesucht hatte. Jetzt scheint ihr Leben nach zahllosen Affären ohne sexuelle Befriedigung aus den Fugen zu geraten. Sie bittet Beide, sie erneut anzuleiten und Alex dienen zu dürfen, um endlich Erfüllung zu finden. Die Ehegatten geben nach langen internen Diskussionen diesem Wunsch nach, befehlen Charly verschiedene Aufgaben, sowie die Erziehung durch eine Domina. Die Bewältigung aller Herausforderungen löst verwirrende Facetten von erotischer Lust und Gefühlen in ihr aus, und sie erlebt endlich die ersehnte sexuelle Erfüllung. Öffentlich zur Schau gestellte Nacktheit und Auftritte bei Insider-Partys führen Charly bis dicht an den Abgrund, machen sie aber im Nachhinein stark. Doch auch an Hanne und Alex gehen diese Abenteuer nicht spurlos vorbei und stellen ihre Ehe auf den Prüfstand. Besondere Spannung erfährt dieser Roman durch die wechselseitige Schilderung der Erlebnisse aus Charlys (kursiv)

GEFÄHRLICHE NEUGIER

Wie weit will ich wirklich gehen?

Prolog: Alex erzählt

Hanne hatte Tränen in den Augen, und auch ich hatte einen dicken Kloß im Hals: Felicitas, unsere Feli, verabschiedete sich von uns, trat aus unserem Leben aus, aus unserer jahrelangen harmonischen Ehe zu Dritt.

Die Frau, der ich so viele Seiten in meinem Buch ’brennende Neugier’ gewidmet hatte, die Frau, die wirklich ein Teil von uns war. Es fiel ihr selbst schwer, das sah ich ihr an, aber „Es muss sein, ich muss endlich mein eigenes Leben leben, ich bin immerhin schon 40. Ich werde heiraten, das passt einfach, ich als Vize eines Versicherungskonzerns, und er Banker aus der Top-Etage.“

Sie hatte es uns schon vor Monaten angekündigt, dass eine wichtige Änderung ansteht, dass wir uns trennen müssen. Aber jetzt, wo es tatsächlich soweit war, ergriff uns alle Drei der Abschiedsschmerz. Wir hatten wundervolle Jahre miteinander gehabt, fast ihre gesamte Freizeit hatte sie mit uns verbracht, Bett und Leben mit uns geteilt, war Hannes große Liebe – neben mir, an zweiter Stelle, wie Hanne mir immer wieder versicherte.

Und jetzt würde sie heiraten, einen Mann, der, wie sie selbst eine steile Karriere hingelegt hatte, der sie achtete und verehrte. Wir hatten Manfred kürzlich kennengelernt, für ihn waren Hanne und ich nur alte, beste Freunde seiner Zukünftigen. Das heißt, Feli hatte ihn darauf vorbereitet, dass es eine feste Beziehung zu einer Frau in ihrem Leben gab, so hatte sie es uns versichert. Und Manfred hatte das akzeptiert, sich mit ihr auf bestimmte Modalitäten für die gemeinsame Ehe geeinigt. Feli würde sich mehrmals im Jahr ihre Auszeit nehmen, um ungestörte Tage mit meiner Frau zu verbringen.

Darüber hatte sie uns gestern Abend informiert, sie würde also zu Hanne weiterhin Kontakt haben, wenn auch nur sporadisch. Meine Liebste hatte diese bittere Pille geschluckt, zugleich aber auch mich getröstet, denn ich würde Feli komplett verlieren. Einem Abendessen in gedrückter Atmosphäre folgten Einzelheiten zu Felis Zukunftsplanung. Sie hatte sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht: „Durch Euch bin ich erst richtig Frau geworden, ihr habt mir gezeigt, wie harmonisch eine glückliche Ehe sein kann, habt mich frei gemacht, lieben zu können. Als ich später Manfred auf einem Meeting von Konzernspitzen getroffen habe, hatte ich gleich das Gefühl, dass die Chemie stimmt, dass ich mit ihm könnte. Erinnert Euch daran, Ihr selber wolltet, dass ich in dieser Hinsicht frei werde, in der Lage bin, mich einem Mann hinzugeben. Und jetzt ist es soweit. Ich bin mir darüber im Klaren, dass es diese himmelhoch erfüllenden Nächte, die ich mit Euch erlebt habe, mit ihm nicht geben wird. Sex wird nur ab und zu stattfinden, das haben wir Beide inzwischen festgestellt, aber wenn sonst Alles stimmt, bin ich bereit mich einzuschränken. Und ich kann jederzeit ohne Heimlichkeiten mit Hanne zusammen verreisen. Nur, eine Beziehung zu einem Mann will ich als verheiratete Frau nicht. – Alex, ich werde Dich und Deine Zärtlichkeit und Dein Begehren sehr, sehr vermissen, aber ich bitte Dich, meine Entscheidung zu akzeptieren. Lass mir das schöne Gefühl, dass wir auch aus der Ferne gute Freunde bleiben.“

Was war dem hinzuzusetzen, was konnte ich schon ändern? Nichts. Felis Entscheidung stand, und ich wünschte ihr Glück für ihren neuen Lebensabschnitt. Es war schon sehr spät geworden, außerdem hatten wir doch Einiges an Rotwein genossen. Deshalb schlugen wir ihr vor, nicht mehr zu fahren, die Nacht über hierzubleiben.

„Ich hatte gehofft, dass ihr das sagt. Darf ich zusammen mit Euch auf Eurer Liegewiese schlafen, ein letztes Mal?“

Natürlich stimmten wir zu, gingen nacheinander ins Bad, uns fertig für die Nacht zu machen. Feli räumte im Gästezimmer ihren Kleiderschrank leer und packte ihren Trolley, während Hanne und ich schon zu Bett gingen, züchtig in Nachtwäsche, um ja keine Gefühle wie Begehren oder Lust zuzulassen, hielten uns bei den Händen, konnten und wollten Beide nicht reden, die endlosen Gespräche vorher hatten eine gewisse Trauer in uns ausgelöst. Das mag irgendwie kitschig klingen, aber wir litten stumm, würden Beide in dieser Nacht nicht wirklich gut schlafen können, hatten aber endlich doch das Licht ausgeschaltet, vielleicht würden wir wenigstens für kurze Zeit einnicken können.

Und dann kam Feli ins Zimmer, tastete sich zum Fußende vor, zog die Bettdecke beiseite und kroch zwischen Hanne und mich. Meine Lebensgeister wurden sofort hellwach, ich hatte etwas gespürt, nackte Haut an meiner Haut, Brüste, die mich kitzelten. Und dann Hände, Hände, die langsam an mir herunter glitten und mein Glied sachte verwöhnten. Es raschelte, und ich registrierte, es war ihr Kopf, der sich über meinen Bauch nach unten vortastete. Ich fühlte, wie sich ihre Lippen über meinen Penis schlossen, wie Feli, über mir hockend, meinen Kopf zwischen ihre Schenkel nahm und ihren Schoß langsam auf mein Gesicht senkte. Herrlich, dieser unnachahmliche Duft, ich war nur allzu bereit.

Meine Zunge suchte sich ihren Weg hinein in Felis immer noch schmale Blüte, fühlte die Lippen sich öffnen, leckte tief hinein. Ich packte Felis Pobacken, presste sie gegen mein Gesicht, um Druck auf ihrer kleinen Perle zu spüren. Und die Antwort kam unmittelbar, ein erstes Stöhnen, dann heftige Bewegungen der Venusregion auf meinem Gesicht – und ein Aufschrei. Zitternd fiel sie herab auf mich, blieb eine Weile so liegen. Dann tastete sie zu Hanne hinüber, „bitte zieh Dich aus, wir haben doch die ganze Nacht. – Alex, Du auch. Ich möchte, dass Du mich liebst, dass ihr Beide mich liebt, ich will mich immer an diese Nacht erinnern.“

Wer hätte damals gedacht, dass sie sich so entwickeln würde. Feli, richtiger Felicitas von W., letzter Abkömmling eines alten preußischen Adelsgeschlechts, promovierte Volks- und Betriebswirtin mit Vorstandsambitionen, hatte vor sechs Jahren auf eine Anzeige geantwortet, die meine Frau und ich in einem Szeneblatt geschaltet hatten, um Hannes Drang nach sexueller Entfaltung zu nachzugeben.

Ich hatte Hanne, eine mädchenhaft grazile und jugendliche Schönheit als junge und nahezu unerfahrene Frau von 23 Jahren kennengelernt und mit ihr acht Jahre lang eine bürgerliche und wirklich harmonische Ehe geführt. Bei mir war es Liebe auf den ersten Blick gewesen, doch schien sie mir unerreichbar. Unser zweites, rein zufälliges, Treffen änderte dann plötzlich Alles. Wir erkannten Beide, dass Einer ohne den Anderen nicht mehr sein wollte, und haben schon zwei Monate darauf geheiratet. Es folgte für uns eine herrliche, erfüllte Zeit, in der wir uns mehr und mehr aufeinander einstellten. Ein mit uns wachsender Kreis guter Freunde rundete unser Leben ab. Hanne war einfach die ideale Frau für mich, nicht nur wunderschön, sondern auch als Hausfrau perfekt. Und immer wieder überraschte sie mich mit kleinen Aufmerksamkeiten, die unseren Alltag abwechslungsreich und unsere Nächte prickelnd machten. Bis sie eines Tages eine unstillbare Lust auf sexuelle Experimente verspürte und vor einem Paar, das bei uns zu Gast war, einen heißen Striptease tanzte. In der Folgezeit animierte sie mich zu teilweise sehr deftigen Abenteuern, die immerhin ein ganzes Buch füllten. Um unsere harmonische Ehe zu retten, hatte ich nachgegeben, Hanne mit harten Aufgaben herausgefordert, dazu auch Inserate in Szeneblättern geschaltet. Und eine dieser Anzeigen hatte dann den Kontakt mit Felicitas zur Folge.

Feli hatte sich bislang ausschließlich um ihre Karriere in einem Versicherungskonzern konzentriert, und war seinerzeit trotz ihrer 34 Jahre auf sexuellem Gebiet noch gänzlich unerfahren. Deshalb auf eine unserer Anzeigen geantwortet, wollte mit uns ’Neuland’ erkunden und alles über die Erotik zwischen Mann und Frau erfahren. Daraus hatte sich eine enge Beziehung entwickelt, die auch beide Frauen zueinander führte, und schließlich unsere Ehe zu Dritt. Und, so ganz nebenbei, stieg Felicitas in der Hierarchie ihrer Versicherung unaufhaltsam auf, war jetzt, mit nur 40 Jahren, stellvertretende Vorstandssprecherin. Sie war nicht nur exellent gebildet und fachlich hochqualifiziert, nein, sie war auch eine rassige dunkelhaarige Schönheit, das Erbe ihrer Großmutter, die aus Brasiliens höheren Kreisen stammte und ihrem Gatten, einem deutschen Diplomaten. in seine Heimat gefolgt war.

Und diese von uns geliebte und verehrte Schöne war jetzt im Begriff, uns zu verlassen, eine bürgerliche Ehe einzugehen, wollte noch eine letzte Nacht in erfüllender Dreieinigkeit mit Hanne und mir erleben. Mit der Aufforderung an uns Beide, uns komplett zu entkleiden, rutschte sie von mir herunter, zog mir einfach die Hose aus. Ich setzte mich auf, um die Jacke loszuwerden, und wurde gleich darauf wieder zurückgedrückt, schon hockte Feli sich über mich, ließ ihre Vagina an meiner Eichel auf und ab gleiten, und nahm sie nach zärtlichen Tändeleien in sich auf. Ihre Jagd nach Erfüllung begann unmittelbar, sie war in den Jahren mit uns eine ausdauernde, wilde Geliebte geworden, die ihre Höhepunkte fast so gut steuern wie meine Hanne. Und so kam sie schon nach kurzer Zeit zum nächsten Höhepunkt, biss mich ins Ohrläppchen, „Alex ich brauche das, kannst Du Dich noch zurückhalten?“

Es fiel mir schwer, mich zu bremsen, aber irgendwie schaffte sie noch zwei weitere Orgasmen, bis ich mich unter lautem Keuchen in sie ergoss, für’s Erste bedient. Doch sie war in dieser Nacht unersättlich, war darauf aus, einen Höhepunkt nach dem anderen zu erleben, vereinigte sich jetzt direkt mit Hanne, die mit ihren Fingern in meiner Spermanässe landete. Aber das war ihr egal in dieser Nacht, sie würde ihre Geliebte für lange Zeit nicht sehen, nicht lieben können. Und schon folgte Felis nächster Aufschrei, bevor sie sich an Hannes Nachtschränkchen herantastete, die Schublade öffnete und den Doppeldildo herausnahm. Sie war ja all die Jahre bei uns zuhause gewesen, kannte sich überall bestens aus. Ich selbst schaltete jetzt endlich das Dämmerlicht ein, als Augenmensch will ich doch sehen und genießen zugleich.

Beide Frauen begrüßten die Beleuchtung, konnten sich endlich tief in die Augen sehen, die Liebe in ihren Blicken finden. Sie küssten sich, erst ganz zart, und dann immer wilder, immer fordernder. Steigerten ihre Lust, waren bereit für einen täuschend echten Hetero-Liebesakt. Feli schob Hanne den Dildo in die Vulva, bog das freie Ende in Richtung Bauchnabel, hockte sich über ihre Gefährtin und führte sich das andere Ende aufstöhnend hinein in ihren Schoß. Was dann folgte, war einfach unbeschreiblich, wild und schön, und immer wilder. Beide kamen kurz nacheinander zu ihrer Erfüllung, begleitet von lauten Lustschreien, lagen dann nebeneinander, sich zugewandt, umklammerten sich – und weinten. Der Abschiedsschmerz brach sich durch das Gefühl des Höhepunktes hindurch Bahn. Ich versuchte, mich nicht von diesem Gefühl einfangen zu lassen, sah einfach nicht hin, drehte mich auf die andere Seite. Selbstschutz, sollte mich das heulende Elend doch noch übermannen, wollte ich wenigstens nicht dabei gesehen werden. – Und irgendwann bin ich dann wohl eingeschlafen.

Wurde wach, als kundige Hände mich streichelten, mich schließlich packten, forderten. Sah erstaunt, wie Feli neben mir immer wieder ihre Finger in sich versenkte, hörte ihr heiseres Flüstern: „Komm, Alex, mach es mir, besitze mich, sei noch einmal mein Herr, mein Mann.“ Gegen derart fordernde Finger und so deutliche Worte sind wir Männer einfach machtlos, ergeben uns nur allzu gerne, so wie ich jetzt gerade eben. Ich fand mich zwischen Felis Schenkeln wieder, meinen Penis tief in ihr versenkt und ihre Beine um die meinen geklammert. Kein Ausweichen, nur wilder Tanz, wildes Zustoßen, heißes Entgegenkommen, dann Arme um mich gelegt, mich dicht an sie herangepresst, wieder freigegeben, Hände an meinen Hüften, steuernd, sich von mir lösend und ihre eigenen Brüste knetend, unkontrolliertes Aufbäumen, unter mir und bei mir selbst, tierisch lauter Aufschrei – war sie das oder ich? - vögeln bis fast zur Besinnungslosigkeit, und endlich das total ermattete Fallenlassen, atemlos keuchend. Was war das eben? Das war die Nummer des Jahres, das war die Jahrhundertnummer, so wild und so ausdauernd wie nie in unseren gemeinsamen fast sechs Jahren.

Wir müssen unmittelbar danach eingeschlafen sein; denn ich wurde erst wieder wach, als Kaffeeduft meine Nase kitzelte. Hanne saß auf der einen Seite neben mir, hielt mir ein aufgebackenes Croissant vor mein Gesicht, und auf der Bettkannte hockte Feli mit einem Becher Kaffee. Beide gönnten mir großzügig den nackten Anblick ihrer immer noch schönen und begehrenswerten Körper. So ein besonderes Frühstück mit Beilage und Gedankenaustausch muss einfach schmecken...

*

Keiner von uns Dreien wollte das Reden miteinander beenden, jeder wollte das Zusammensein ausdehnen, denn danach würde nichts mehr sein wie bisher. Endlich gelang es Feli, ihre Gefühle abzuschalten, und sie verabschiedete sich von uns, wie eingangs geschildert, zögerte kurz, sah mich an und fragte: „Alex, ich habe immer noch einen Hausschlüssel von Euch – darf ich den behalten? Dann weiß ich, wenn alle Stricke reißen, habe ich hier immer noch ein Zuhause.“

Natürlich durfte sie, ließ damit im Gegenzug etwas Hoffnung bei mir zurück. Feli würde immer einen Platz in unserem Leben haben...

Ich, Charlotte

Rrrrummms, fiel meine Wohnungstür hinter ihm zu, mitten in der Nacht, endgültig, das war mir in diesem Moment bewusst. Warum nur, warum pasierte so etwas immer nur mir, warum hielt es keiner mit mir aus?

Immerhin hatte ich sechs Wochen lang meine Nächte mit Peter verbracht, ihn bekocht, mein Bett mit ihm geteilt, ihm meinen Körper geschenkt – und das war doch eine ganze Menge, wie ich meinte.

Aber er wollte mehr, wollte mich ganz, meine Seele. Ich hatte ihm doch mein Herz geschenkt, hatte ihm stets das Gefühl gegeben, ein echter Mann zu sein, ein Mann, der mich zum Höhepunkt bringt. Doch irgendwann war er doch dahinter gekommen, dass meine Höhepunkte nur vorgetäuscht waren. Ich wollte ihn nicht verletzen, war doch selbst verletzt genug wegen meiner Orgasmus-Unfähigkeit. Auch die Freude am Sex, die doch zu einer festen Beziehung gehört, war mir im Laufe der Zeit abhanden gekommen.

Voller Selbstzweifel stellte ich mich vor den mannshohen Spiegel in der Diele meines zweieinhalb-Zimmer-Appartements in Mannheims bester Innenstadt-Wohnlage. Was ich sah, war doch wirklich nicht schlecht: Ein hübsches Gesicht, von dem viele sogar sagten, es sei schön, schlanke 172 Zentimeter mit sehr schmaler Taille und langen Beinen, und volle wohlgeformte Brüste mit gleichmäßigen Brustwarzen, die immer ein wenig erregt schienen – äußerlich also Alles bestens bei mir.

Mein Aussehen hatte es mir auch immer leicht gemacht, einen Partner zu finden. Doch was heißt schon Partner, keiner hielt es lange mit mir aus, obwohl ich mich nie verweigert hatte, immer mitgemacht hatte, wenn mein jeweiliger Freund Sex wollte. Oder ich hielt es mit ihm nicht aus, weil er mich nicht befriedigen konnte. Selten, dass ich öfter als zweimal mit demselben Mann im Bett war. Peter war da schon eine richtige Ausnahme gewesen, immerhin sechs Wochen...

Irgendwann waren Alle, so wie eben er, dahinter gekommen, dass mein nächtliches Temperament zwar echt, mein Höhepunkt aber nur gespielt war. Ich selbst blieb stets unbefriedigt zurück, versuchte es immer wieder auf’s Neue. Allmählich befürchtete ich, nymphoman zu sein, mehr und mehr machte mein Männerverschleiß mir diese unangenehme Tatsache bewusst. Hatte ich mich während des ersten Studienjahres nur zwei Männern hingegeben, waren es allein im letzten Semester bereits vier Männer gewesen, ich hatte auf der Uni schon einen entsprechenden Ruf weg. Und jetzt, seit über einem Jahr Angestellte eines weltweit agierenden hiesigen Chemiekonzerns, hatte ich bereits mit so vielen Männern geschlafen, dass ich den Überblick verloren hatte. Immerhin hatte ich bislang, seit ich hier mein Geld verdiene, eine gewisse Schutzzone eingehalten, fand meine jeweiligen Partner außerhalb, in den Studentenkneipen in Karlsruhe oder Heidelberg, nie in meinem unmittelbaren Umfeld.

Das war eigentlich gar nicht schwer, ich ging einfach in die Lokale, setzte mich an einen Tisch oder an die Bar – und die Männer fanden mich, da war mein ansprechendes Äußeres eine große Hilfe. Und geschmackvoll zu kleiden wusste ich mich auch.

*

An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken. Also machte ich mir einen starken Kaffee, nahm mir Schreiber und Block und versuchte, wenigstens auf dem Papier Ordnung in mein Gefühls-Chaos zu bringen. Ich hatte zwar viele Namen schon längst wieder vergessen, brachte aber alltägliche Ereignisse mit einigen Affären in Verbindung – und erschrak. Die Bilanz wäre ein gefundenes Fressen für einen Psychater: Dreiundzwanzig verschiedene Bettpartner in nicht einmal 6 Jahren, und ich hatte mit Sicherheit den Einen oder Anderen dabei vergessen. Mir kamen die Tränen, ich dachte an die verlorene Zeit, an die verlorene Unschuld. Nicht die Unberührtheit, nein, die Unschuld, die man auch dann noch in sich findet, wenn man bereits einen oder zwei Partner gehabt hat. Dieses Gefühl würde ich nie in meinem Leben haben können.

Aus den Tränen wurden Sturzbäche, ich zerfloss in meinem Selbstmitleid, gab mich diesem Leiden voll und ganz hin. Doch irgendwann waren einfach keine Tränen mehr da, und das Gefühl von Trotz machte sich in mir breit. ’Ihr Männer werdet mich noch kennenlernen, ich werde mich rächen. So wie ihr Euch in mir befriedigt habt, werde ich mich an Euch befriedigen, Euch keine Chance auf Liebe geben, Euch ausnutzen und anschließend wegwerfen’.

Mit neuem Elan mixte ich mir einen Campari-Orange, setzte mich an den Tisch, um Pläne zu schmieden. Kam nicht recht weiter, mixte mir noch einen, und dann noch einen. Die richtigen Gedanken wollten sich einfach nicht einstellen, also noch ein Campari-Orange. Mein Geist schien zu schweben, kreiste irgendwo über mir, dann wieder wurde mein Kopf schwer, so muss es sein, wenn man betrunken ist. Genauso fühlte ich mich. Und als ich an meinem Drink nippte, dem wievielten eigentlich? - fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen – der Drink, der Orangensaft, hatte mich an etwas erinnert, das in der Zeit um mein Abi herum lag. Da gab es auch so einen Drink, Wodka-Orange, richtig, Hanne und Alex. Ich war nicht immer frigide oder nymphoman gewesen, ich hatte früher etwas ganz Wunderbares erlebt. Beide hatten ein total verunsichertes junges Mädchen, mich, auf die richtige Liebe vorbereitet, hatten mich einfühlsam angeleitet.

*

Nach der sehr unerfreulichen Erfahrung meiner Entjungferung durch einen Klassenkameraden, nur ein schmerzhaftes Rein-Raus ohne jede Zärtlichkeit, ohne Gefühle, hatte ich auf eine Anzeige in einem Erotik-Magazin geantwortet und dadurch Hanne kennengelernt, eine sehr warmherzige junge Frau, die mir so vieles gezeigt und erklärt hat. Und weil ich so neugierig auf die Liebe war, hatte sie mich wie selbstverständlich mit ihrem Mann zusammengebracht - Alex. Der war so ganz anders, so einfühlsam und voller Verständnis. Ich wusste damals einfach, es wäre richtig, mich von ihm nehmen zu lassen. Ein wundervolles Erlebnis, ich war voller Temperament und voller Liebe, und ich hatte einen wahnsinnigen Orgasmus. Ja, ich hatte einen Orgasmus gehabt, weil er tief in mir etwas ausgelöst hatte. Aber er wollte keine Wiederholung dieses Wochenendes, er meinte, dass ich mich sonst vielleicht in die falsche Richtung entwickeln würde, wollte, dass ich doch besser mit altersnahen Leuten zusammenkäme, er selbst war ja bereits 38. Das war damals wohl richtig gedacht, aber scheinbar hatte diese eine erfüllende Liebesnacht stets als störender Vergleich zwischen mir und meinen zahlreichen Affären gestanden – Wunschdenken.

Hastig kippte ich meinen Drink hinunter, mixte mir gleich noch einen weiteren. Ich musste zu einem Entschluss kommen, überlegte hin und her, soweit mein Kopf noch mitmachte, fühlte bei dem Gedanken an damals, wie sich eine wohlige Wärme in mir breit machte. Schnell noch einen großen Schluck genommen. Ungewollt berührte meine Hand meinen Busen und – es war ganz deutlich – meine Brustwarze zog sich zusammen. Ich fasste die andere Brust an, jetzt ganz bewusst, und meine Knospe wurde sofort hart und prall. Das war so ein wunderbares Ziehen in meinen Brüsten, ein Gefühl, das ich in den vergangenen Jahren total vermisst hatte. Ich trank das Glas hastig leer und lehnte mich zurück, ließ meine Hände an meinem Körper spielen, soo schön, dieses Gefühl,

Wärme machte sich in mir breit, wurde zur Hitze, als ich über mein Venusdreieck strich und den Eingang meiner Vagina berührte. So hatte Alex mich damals berührt, und meine Lippen hatten sich für ihn geöffnet, so wie jetzt. Sie öffneten sich für ihn, für Alex, und er führte mir jetzt die Hand. Ohh Alex, das ist so schön, mach bitte weiter – und er machte weiter, drang jetzt in mich ein, von meiner Nässe freudig empfangen. Und er bewegte sich in mir, das war so unbeschreiblich, hinein und hinaus, hinein und hinaus, immer mehr und immer noch einmal. Ich fühlte, wie sich in mir Alles zusammenkrampfte – und dann trugen mich endlose Wellen zu einem ungeahnten Höhepunkt. Ich schrie meine Lust hinaus und keuchte, atmete schwer. Und war glücklich, so glücklich: Ich hatte gerade einen unvorstellbaren Orgasmus gehabt, das erste Mal nach all den Jahren. Und es war nur meine Hand gewesen, meine eigene Hand, geführt von Alex.

*

Schlagartig wusste ich, was ich tun müsste, um aus meinem Affärenkarussell auszubrechen. Ich musste Alex unbedingt wiedersehen, er hatte es mir selbst angeboten, wollte mein Freund sein, den ich jederzeit anrufen und um Rat fragen könnte. Und all die Jahre hatte ich dieses Angebot nicht wahrgenommen, jetzt würde ich es tun, am besten sofort. Es war inzwischen schon drei Uhr nachts, eine wahrhaft unchristliche Zeit für Kontakte, aber kann man Freunde nicht jederzeit anrufen, wenn man in Not ist? Ich war in Not, ich würde entweder jetzt anrufen, oder ich würde mich nie mehr trauen. Die Telefonnummer der Beiden lag seit Jahren griffbereit – und ich blöde Gans hab nie darauf geachtet, vergessen, dass es eine Episode in meinem Leben gegeben hatte, die mir so vieles hätte ersparen können, wenn ich nur auf die Zeichen geachtet hätte.

Noch schnell einen großen Schluck getrunken, Mut machen, und schon tanzten meine Finger etwas unsicher über die Tasten. Nach endlosem Läuten wurde am anderen Ende der Hörer abgenommen: „Alex, bist Du’s? Ist was passiert?“

„Hallo Hanne, hier ist Charlotte, Charly. Erinnerst Du Dich?“

„Buh, lass mich erst mal wach werden. Ja, natürlich, Charly. Was ist los? Du rufst mitten in der Nacht an.“

„Hanne, bitte, bitte, entschuldige, passiert ist eigentlich nichts – oder doch, sehr vieles sogar. Ich bin verzweifelt. Ich muss mit Euch reden, ich habe sonst niemanden, dem ich so sehr vertrauen kann.“

„Hat das Zeit bis morgen oder brauchst Du sofort Jemanden?“

„Sofort wäre mir am Liebsten, nachher verlässt mich vielleicht der Mut, und dann fängt Alles wieder von vorne an.“

„Dann komm her, ich mach uns einen kräftigen Kaffee – dann können wir miteinander reden.“

„Ich müsste mir ein Taxi nehmen, ich hab getrunken, viel zu viel zum Fahren.“

„Bist Du verrückt, von der Pfalz bis her zu mir, das wird doch endlos teuer.“

„Ich bin schon etwas näher dran, ich wohne inzwischen in Mannheim, Collini-Center.“

„Dann bleib da, gib mir die Appartementnummer, ich bin in einer Stunde bei Dir, ich mach mich gleich auf den Weg.“

*

Tatsächlich, eben über eine Stunde, sie musste wirklich sehr schnell gefahren sein. Da stand sie vor mir, wunderschön noch immer, hatte sich eigentlich überhaupt nicht verändert, trotz ihrer hohen Hacken beträchtlich kleiner als ich. Damals war mir das nicht so bewusst gewesen, sie war so sehr Persönlichkeit mit ihrem Wissen und ihrer Wärme, dass sie über ihre körperliche Größe hinauswuchs.

Und jetzt war sie hier, ich fiel ihr um den Hals, und dann ergossen sich wahre Tränenströme, ich konnte mich nicht mehr beherrschen, weinte mich schon in der offenen Tür aus. Hanne schob mich in die Wohnung und auf die Couch, setzte sich neben mich und hielt mich ganz fest in ihren Armen. Das war so tröstlich, so beruhigend.

Wiedersehen mit Hanne

Mitten in der Nacht klingelte das Telefon, und Hannes erster Gedanke war der an mich, der ich mich noch auf Geschäftsreise befand. Meine Rückkehr war für den Samstagnachmittag geplant, und ich freute mich schon sehr auf meine Hanne. Ich hielt es unterwegs nie lange ohne sie aus, strebte immer danach, möglichst schnell wieder bei ihr zu sein.

Als sie im Halbschlaf den Hörer abnahm, musste sie sich erst einmal orientieren, und dann war es Charly, unsere unschuldige Erfahrungssuchende von vor einigen Jahren. Wir hatten immer gehofft, mal von ihr zu hören, aber sie hatte sich nie wieder gemeldet. Demnach musste es ihr gut gehen, nahmen wir jedenfalls an. Und jetzt dieser nächtliche Anruf, verzweifelt, hilfesuchend. Hanne war alarmiert, zumal Charlotte spürbar angetrunken war, das hatte sie ja auch selbst zugegeben.

Meine Liebste war eigentlich schon immer spontan gewesen, packte stets sofort an, wenn es Probleme zu lösen galt. Und jetzt sorgte sie sich um die junge Frau.

Schon die Begrüßung an der Haustür zeigte ihr, in welch kastrophalem Zustand sich ihr Gegenüber befand, Charly war einem Zusammenbruch nahe. Erst einmal galt es, sie zu beruhigen, soweit zu beruhigen, dass sie reden konnte. Hanne machte für sie Beide einen kräftigen Kaffee, setzte sich dann wieder zu Charly, nahm ihre Hände, sah ihr in die Augen: „Charly, rede mit mir, was ist los mit Dir, wie kann ich Dir helfen?“

„Guck mal da auf den Zettel, guck genau hin, ich habe mit mehr als zwanzig Männern geschlafen.“

Hanne war jetzt doch leicht geschockt, das übertraf ja sogar ihre Erfahrungen aus der wildesten Zeit ihres eigenen Lebens bei Weitem. „Das allein kann Dich doch nicht so verzweifelt sein lassen, was steckt dahinter, hat dich jemand gezwungen?“

„Ich hab das Alles freiwillig gemacht, ich hab mir die Männer gesucht, weil ich so gerne eine feste Beziehung wollte. Aber die Männer laufen alle weg, wenn sie ein- oder zweimal mit mir geschlafen haben. Ich fühle mich so benutzt.“

„Charly, kein Mann rennt einfach so davon, schon garnicht, wenn er eine so hübsche und liebenswerte Freundin wie Dich hat. Was ist der wirkliche Grund. Du musst mir schon vertrauen, wenn ich Dir helfen soll.“

„Heute Nacht hat mich der Peter verlassen, hat mich beschimpft, ich sei frigide, ich würde ihm immer nur etwas vormachen mit meinen Höhepunkten.“

„Und, stimmt das?“

„Ja, leider. Seit damals, seit Alex mich so verständnisvoll eingewiesen hat, hab ich nie wieder einen Orgasmus gehabt. Das Wochenende mit Euch Beiden hat mir soviel gegeben, da war alles Andere nur ein billiger Ersatz, da lief einfach nichts mehr. Ich denke gerade, wenn ich für längere Zeit mit Euch zusammen gewesen wäre, hätte ich meine Gefühle besser in den Griff gekriegt.“

„Wir hatten es doch nur gut mit Dir gemeint, wir wollten nicht, dass Du Dein Leben und Deine Gefühle an uns hängst, weil wir viel zu alt für Dich sind, Du warst doch erst 18. Du brauchst junge Leute um Dich herum, so jedenfalls haben wir gedacht, wir wollten Dich schützen.“

„Ich weiß ja, dass Ihr es gut mit mir gemeint habt. Ich war mir auch lange Zeit nicht bewusst, was mit mir los ist, bis heute. Heute Nacht hat mir der Alkohol die Augen geöffnet.“

„Jetzt raus mit der Sprache, was genau war los?“

„Nachdem Peter abgehauen ist, habe ich an seine Vorwürfe gedacht, und ich musste ihm Recht geben, ich habe ihm und auch allen anderen Männern immer etwas vorgespielt. Und heute Nacht hab ich mir Mut angetrunken und versucht, die Männer zu zählen, die ich in den letzten Jahren hatte. Auf 23 bin ich gekommen, aber es waren noch einige mehr, die ich schon längst vergessen hatte. Darauf hab ich dann noch einen ziemlich starken Campari-Orange getrunken – und plötzlich habe ich vor mir nicht den Campari-Orange gesehen, sondern Wodka-Orange, Euren Lieblingsdrink. Irgendwie bin ich ins Grübeln geraten, hab an das eine wunderschöne Wochenende mit Dir und Alex gedacht - dabei habe ich mich unabsichtlich selbst berührt. Und zum ersten Mal seit sechs Jahren war da wieder dieses Ziehen in der Brust, irgendwie lustvoll, das war so toll, das wollte ich unbedingt festhalten und hab mich selbst befriedigt. Ich hab die ganze Zeit Alex vor mir gesehen, ich war so weit weg, dass ich mir eingebildet habe, dass er es mit mir macht. Das war soo schön. Und dann hat mich ein Orgasmus gepackt, wie ich ihn mir nie vorstellen konnte, das erste Mal nach über sechs Jahren...“

„Charly, ich weiß im Moment nicht, wie ich Dir helfen kann, das ist eine Situation, die mich regelrecht überfährt.“

„Hanne, ich müsste mich jetzt eigentlich schämen, aber kann ich nicht wenigstens einmal noch mit Alex schlafen? Bitte, bitte. Vielleicht heilt mich das, dass ich selber Freude am Sex hab, ich will doch nur ganz normal lieben können, ich wünsch mir so sehr eine Beziehung, die hält.“

„Ich würde Dir das schon gönnen, aber Alex und ich haben uns von unserer Freizügigkeit verabschiedet, wir sind jetzt nur noch ein solides und glückliches Ehepaar, und sehr zufrieden ohne andere Partner.“

„Hanne, bitte, bitte, mach doch eine Ausnahme, hilf mir und rede mit Alex, bitte. Ich brauche Euch Beide, und ich brauche ganz besonders Alex, der soll mir diese Gedanken aus dem Kopf bringen.“

Hanne dachte ein wenig nach, dachte an die Zeit vor über sechs Jahren, als sie selbst sich einen knallharten Dreier mit zwei Männern gewünscht hatte, um Klarheit über ihre eigenen Gefühle zu Felicitas zu erlangen. Und dieser Dreier hatte ihr geholfen, hatte sie mutig gemacht, ihre Gefühle zu akzeptieren und Feli ihre Liebe zu gestehen. Eigentlich war Charly jetzt in einer vergleichbaren Situation. Und sie wusste, sie würde ihr helfen, “ich rede mit Alex, ich unterstütze Dich. Er bekommt von mir sämtliche Freiheiten für Dich. Einzige Bedingung – Du musst immer offen und ehrlich zu uns sein, nur so kann das Ganze funktionieren.“

Charly fiel vor Hanne auf die Knie, presste ihren Kopf in ihren Schoß und umarmte sie, ließ dabei ihren Tränen freien Lauf, schluchzte, „ich werde alles tun, was ihr verlangt, alles, wenn ich nur wieder mich selbst akzeptieren kann.“

Hanne hob die Weinende hoch, nahm deren Kopf in die Hände und küsste ihr die Tränen fort, küsste sie auch auf den Mund. Und die klammerte sich an ihr fest, „kannst Du noch etwas hier bleiben, hier bei mir?“

„Charly, Du gehst jetzt zu Bett, ich bleibe hier, ich setze mich noch zu Dir, bis Du eingeschlafen bist.“

„Aber dann nicht wegfahren, bitte.“

„Nein, ich bleibe bei Dir, ich habe ja Zeit, Alex kommt erst heute Abend nach Hause.“

Und damit führte sie die erleichterte Charlotte ins Schlafzimmer, bettete sie liebevoll, legte ihr die Bettdecke über und streichelte zärtlich ihr Gesicht. Charly hielt die streichelnde Hand fest, küsste sie, küsste jeden einzelnen Finger und dann wieder die Handfläche, legte sie auf ihre Wange, fühlte sich befreit.

Ihren Gedanken nachhängend, rief Hanne sich die Ereignisse von vor sechs Jahren ins Gedächtnis, als eine völlig verunsicherte Charlotte von ihr wissen wollte, ob lesbische Liebe verwerflich sei, erinnerte sich auch an die gemeinsame Nacht, in der Charly sich voll ihren Gefühlen hingegeben hatte, um in der Folgenacht zu erfahren, dass sie doch eher zur Hetero-Liebe tendierte. Sie hatte, nach abstoßender Erfahrung mit einem Mitschüler, mit mir ihren ersten Höhepunkt erlebt. Aber sie hatte sich auch sehr stark zu Hanne hingezogen gefühlt, die war mit ihrer grazilen Figur, knapp einssechsundfünfzig groß und 45 Kilo leicht, der Inbegriff weiblicher Schönheit, sonnengebräunt, mit langem hellen Blondhaar und blauen Augen. Und jetzt war diese schöne Frau bei ihr und weckte wieder alle damaligen Empfindungen in Charly. Komplett beherrscht von diesen Empfindungen nahm sie mutig erneut Hannes Hand, küsste die Händfläche und zog sie auf ihren Busen.

In Hannes Kopf kreisten die Gedanken, ’warum nicht. Ich habe tatsächlich etwas tiefer gehende Gefühle für sie. Und da ist noch immer die Sehnsucht nach Intimitäten mit einer anderen Frau, wenigstens ab und zu, ich brauche das. Aber Feli werde ich erst in vielen Monaten wiedersehen, für ein gemeinsames Auszeit-Wochenende.’ Mit diesem Gedanken gab sie dem Begehren der Anderen nach, schlüpfte zu ihr unter die Decke. Zarte Küsse erst, dann verlangende mit suchenden Zungen, und Alles war wieder so wie in jener Nacht vor vielen Jahren. Die Beiden rieben sich aneinander, bis plötzlich Charly die Bettdecke von sich warf und Nachthemd und Höschen auszog, Hanne war ebenfalls in kürzester Zeit nackt. Beide betrachteten sich ausgiebig, rieben sich dann aneinander. „Hanne, Du bist noch genauso schön wie damals, ich war da schon in Deine Figur verliebt, ich habe noch nie so eine schöne Frau wie Dich gesehen,“ und berührte ehrfurchtsvoll Hannes immer noch einmalig feste Brüste, glitt mit der Hand hinunter zum sauber enthaarten Schoß, der sich ihr bereitwillig öffnete, schon leicht feucht. Charly wurde immer mutiger, verwöhnte Hannes Blüte „Du, das ist soo schön mit Dir, Hanne, ich habe seit damals nie wieder eine Frau so berührt, fass mich bitte auch an, ich brauche Dich so sehr.“

Und die ließ ihre erfahrenen Hände auf dem Körper der Jungen spielen, umfasste deren straffe Hinterbacken und griff kundig von hinten her zwischen Charlys Beine. Die hob ihren Hintern leicht an, wollte die Finger tiefer in sich aufnehmen, bewegte ihr Becken rhythmisch auf und ab, um sich so Befriedigung zu verschaffen. Wurde ungeduldig, drehte sich auf den Rücken und nahm jetzt auch einen dritten Finger in ihrer Vagina auf, widmete sich ganz dem Gefühl, sich ihrem Höhepunkt zu nähern. Ihr Becken geriet in hastige Bewegung, ihre Vulva zuckte mit starken Kontraktionen, schloss sich fest um die wohltuenden Finger – und dann geschah es, ein wunderbarer Orgasmus ließ sie aufstöhnen und schreien, aber sie gab die Finger noch nicht frei, rieb sich weiter an ihnen, ließ sie weiterhin tief in sich anstoßen und wurde von einem zweiten Höhepunkt überrascht, und dann von einem dritten, der sie endlich erschöpft zurücksinken ließ.

Hanne selbst war noch nicht so weit, sie hatte sich voll auf die Aufgabe konzentriert, der jungen Frau zur Erfüllung zu verhelfen, und die schwebte auf einer Wolke des Glücksgefühls, konnte in ihrer Euphorie nicht antworten, nicht auch Erfüllung spenden. Doch das Miterleben dieses Taumels ließ auch in ihr die Sehnsucht nach Erfüllung übermächtig werden, sich mit ihrer langen Erfahrung selbst zu helfen, und erreichte mit intensivem Fingerspiel in kurzer Zeit ihren Höhepunkt, ließ sich dann auf die Andere fallen. Fest umarmt, rollten sich Beide auf die Seite, und Charly mit ihrem immer noch leicht verschleierten Blick flüsterte, „ich hätte mir die ganzen Männer sparen können, wenn ich schon eher zu Dir gekommen wäre, oder Du zu mir. – Bleib bitte noch, halt mich fest, ich möchte so gerne in Deinen Armen schlafen.“

*

Gegen Mittag waren beide Frauen wach, machten sich ein schnelles Pasta-Gericht und einen erfrischenden Salat, und unterhielten sich, als wären sie nie getrennt gewesen. „Hanne, ich bin so froh, dass Du hier bei mir bist, ich bin glücklich, ich weiß jetzt, dass ich nicht frigide bin. Es waren immer nur meine Gedanken, die mich ausgebremst haben. Ich muss das endgültig loswerden, ich bin fast sicher, dass Alex mich davon befreien kann.“

„Dann hoffe ich, dass Du nicht enttäuscht bist, Alex ist jetzt immerhin schon 45, kein jugendlich knackiger Lover mehr. Obwohl, er ist noch immer ein wunderbarer und aufmerksamer Liebhaber.“

„Das glaube ich sofort, das sieht man an Dir, Du bist überhaupt nicht älter geworden, Du müsstest doch auch schon 33 oder 34 sein.“

„Ich bin 39... – Ich habe Dir versprochen, mit Alex zu reden, das werde ich noch an diesem Wochenende tun. Du möchtest mit ihm schlafen, nicht wahr? Also, versprich mir bitte, keine Männer, keine Affären in der nächsten Zeit. Ich melde mich bei Dir, sobald ich etwas erreicht habe. Geht das klar?“

„Alles, was Du willst, und sag auch Alex, dass ich alles mache, was er verlangt, wirklich Alles, Hauptsache er hilft mir.“

*

Hanne war gleich gekommen, und das, obwohl ich ihres und Alex’ Freundschaftsangebot so lange missachtet hatte. Eine echte Freundin. Und sie würde mir helfen, auch mit Alex zusammenzukommen, der würde mir die Freude am Sex wiedergeben können. Wahrhaft tolerant auch von ihr, nachdem Beide seit Jahren keine außerehelichen Erlebnisse mehr wollten. Sie hat das so hervorgehoben – ist da noch mehr gewesen außer damals mit mir? Egal, dass Menschen so großherzig sein können, ist schon sehr besonders. Ich würde das nur vergelten können, indem ich alles tun würde, was die Beiden von mir verlangen. Das hatte ich Hanne versprochen, und daran würde ich mich halten, mit allen Konsequenzen.

Charlotte und die Männer

Ich kam gegen achtzehn Uhr wieder zuhause an, der Tag war irgendwie anstrengend gewesen. So war ich froh, dass Hanne schon ein leichtes Abendessen vorbereitet hatte, und sie saß mir strahlend gegenüber. Einfach schön, wieder daheim zu sein und die Liebe meiner Frau zu spüren. Sie trug, wie so oft, wenn ich von einer Reise kam, ihren gelben Seidenkimono, und sicher nicht mal ein Höschen darunter, wie ich vermutete. Das verfing bei mir noch immer, nach 15 Jahren Ehe.

“Du, Alex, ich möchte nachher etwas mit Dir besprechen, aber erst später, jetzt möchte ich erstmal mit Dir schlafen, Du hast mir gefehlt.”

Mein Gefühl, vielmehr Hannes Aufmachung hatte mich nicht getrogen, zumal ich mich selbst danach sehnte, meine Frau in den Armen zu halten und sie zärtlich zu lieben, wie immer, wenn wir nach ein oder zwei getrennten Nächten wieder zusammen waren. Unser Abendessen war bald beendet, und ich ging hinüber ins Bad, zog mich zum Duschen aus. Hanne räumte schnell meine abgestreiften Klamotten fort, legte den Kimono ab und kam zu mir unter die Dusche, massierte mich mit Duschgel, widmete sich dem einen Körperteil ganz besonders, rieb sich an mir, drehte ihren Körper an mir einmal um sich selbst herum, war jetzt selbst voll eingeschäumt. Es machte einfach Spaß, sich mit seifenglatten Fingern zärtlich zu befummeln, beste Einstimmung auf mehr, auf viel mehr. Schließlich duschten wir den Seifenschaum ab und rubbelten uns gegenseitig trocken. Ich schaltete den Föhn ein, um Hannes lange Haare wenigstens teilweise zu trocknen, und dann tobten wir nach nebenan, auf unsere Spielwiese, alberten herum wie die kleinen Kinder, bis sich endlich unsere Lippen und Zungen fanden. Unsere “Wiedervereinigung” feierten wir ausgiebig, erst zärtlich, dann wild, und wiederum zärtlich. Unsere Höhepunkte genossen wir gleichzeitig, ohne hastiges Stoßen, Aufbäumen, einfach nur harmonisch und zutiefst befriedigend.

Völlig entspannt fing Hanne an: “Ich habe heute Charly besucht, erinnerst Du Dich noch an sie?”

“Ja, natürlich, die hingebungsvolle, brave Abiturientin. Wie geht es ihr? Hat sie sich bei Dir gemeldet? Ist sie immer noch so schüchtern?”

“Es geht ihr ziemlich mies, aus der schüchternen braven Schülerin ist eine Nymphomanin geworden – und wir sind schuld, so empfinde ich es jedenfalls.”

“Das musst Du mir erklären, ich kann das nicht glauben.”

“Sie hängt immer noch dem Wochenende bei uns nach, sie vergleicht alle Männer mit Dir und findet keine Befriedigung. Inzwischen hat sie mit mehr als zwanzig Männern geschlafen, wie sie gesagt hat, und es nicht geschafft, daraus eine einzige echte Beziehung aufzubauen.”

“Ich habe doch damals nur das angerührt, was in ihr schon die ganze Zeit über geschlummert hat.”

“Das ist mir auch klar, aber für sie war dieses eine Wochenende prägend. Vielleicht hätten wir damals doch ihrer Bitte nachkommen sollen, sie nochmals zu uns einzuladen, dann hätten wir sie ein wenig steuern können, auf den richtigen Mann einstellen…”

“Hat sie das wirklich gesagt, keine Befriedigung, kein Höhepunkt?”

“Charly hat mir gestanden, dass sie, nachdem ihr letzter Freund sie verlassen hat, unter Alkoholeinfluss plötzlich an Dich gedacht hat, sie hat dabei masturbiert und ihren ersten Höhepunkt seit damals erlebt.”

“Kann das tatsächlich so sein, glaubst Du ihr das? Du als Frau kannst das bestimmt am Besten beurteilen.”

“Ich bin noch nachts zu ihr gefahren, sie wohnt jetzt in Mannheim, sie war nur noch ein heulendes Häufchen Elend, hat mir alles gebeichtet, was mit ihr los ist. Und das mit Dir ist absolut glaubhaft. Ich konnte sie nach und nach beruhigen, bin bei ihr geblieben. Irgendwie ging mir ihre Situation sehr, sehr nahe, und dann hat es sich so ergeben, dass wir Beide miteinander geschlafen haben. Dabei hat sie nochmal einen Orgasmus gehabt, es geht also. Wir müssen ihr helfen, Alex, Du musst ihr helfen!”

“Hanne, ich will doch das Alles nicht mehr, ich will keine anderen Frauen, DU bist meine Einzige!”

“Das weiß ich doch, und es war die ganzen Jahre schön zu wissen, dass Dir alle Anderen egal sind. Aber jetzt, denke ich jedenfalls, sind wir Beide in der Pflicht. Charly hat doch damals ihre ersten echten Erfahrungen durch uns bekommen, und jetzt müssen wir sie auf den richtigen Weg bringen, damit sie ihr Leben auf die Reihe kriegt. Bitte Alex, überwinde Dich, ich möchte gerne, dass Du Charly hilfst. Ich sehe sie nicht als Konkurrenz, sie ist einfach nur hilflos und unglücklich.”

“Ich habe nicht vor, mit ihr zu schlafen, falls Du das meinst, aber gut, vielleicht finden wir gemeinsam eine Lösung. Ich möchte nur nicht, dass sie gleich hierher kommt, dann sieht sie darin vielleicht ein zu direktes Zeichen dafür, dass Alles wieder von vorn beginnt, das will ich nicht. – Ruf sie an, wir besuchen sie, und dann sehen wir weiter.”

“Danke, Alex, das wollte ich von Dir hören. Ach, etwas fällt mir dazu noch ein, ich will Dich nur vorwarnen, da ist eine Sache, die mir sehr zu denken gibt. Sie hat immer wieder betont, sie würde Alles tun, was Du von ihr verlangst, mit aller Konsequenz, Hauptsache, Du kümmerst Dich um sie…”

“Das hört sich jetzt weniger gut an, das klingt schon wieder nach Abhängigkeit, aber ich hab’s Dir zugesagt, ich bin dabei. Mach Du bitte einen Termin mit ihr fest, ich bin die nächsten drei Wochen voraussichtlich immer hier, keine Reisen geplant.”

*

Sie kommen, Hanne und Alex kommen, Alex kommt zu mir. Ich fühle, wie es mir innen drin ganz warm wird. Alex kommt hierher, der einzige Mann, der wirklich Alles in mir zum Klingen gebracht hat. Er wird mir helfen, er versteht mich bestimmt.

Eben läutet es, gleich ist der Fahrstuhl auf meiner Etage. Ich höre Schritte, höre die Beiden miteinander reden, und dann sind sie da. Mein Gott, Alex ist da. Älter ist er geworden, aber immer noch ein interessanter Typ, ein echter Mann eben, und immer noch angenehm schlank, etwas über einsachtzig groß, und mit grauen Schläfen. Ich laufe ihnen auf dem Flur entgegen, falle Alex um den Hals, ich kann nicht anders. Und dann, als er seine Arme um mich legt, spüre ich, wie sich in mir etwas regt, ein Hochgefühl, mein Körper reagiert auf ihn.

*

Da waren wir also, Charlotte kam uns regelrecht entgegengestürmt, umklammerte mich. Ich nahm sie kurz in die Arme und hielt sie dann etwas auf Abstand, sah Tränen in ihren Augen, Freudentränen. Ihre Gefühle waren ihr ins Gesicht geschrieben, Hanne hatte recht gehabt, Charly brauchte wirklich Hilfe von uns. Ja, sie würde sie bekommen, von uns Beiden.

Wir setzten uns in ihrem gemütlichen Appartement auf die Couch, Charly hatte in Erinnerung an damals Wodka-Orange für uns Drei vorbereitet, und wir stießen miteinander an. Dann erst mal Schweigen, keiner wollte den Anfang machen. Bis endlich Hanne unser Gegenüber aufforderte: “Charly, jetzt sind wir hier, jetzt erzähl Alex, was los ist mit Dir. Wie sollen wir oder wie soll er Dir helfen? Raus mit der Sprache, und keine Beschönigung!”

Charly war plötzlich knallrot, dann sah sie mir in die Augen und legte los, sehr direkt, ohne sich zu schonen: “Ich habe in den letzten Jahren mit genau 27 Männern geschlafen, habe ich festgestellt. Ich fühle mich jetzt wie eine Hure, weil, es hat nie lange gedauert, kein Mann hat mich innen drin berührt, und alle haben gemerkt, dass ich ihnen im Bett etwas vorgespielt habe, dass meine Höhepunkte nicht echt waren. Meistens waren sie entweder nach dem ersten oder zweiten Mal verschwunden. Am Anfang habe ich gedacht, das liegt vielleicht daran, dass man sich erst aneinander gewöhnen muss, habe mich gefühlsmäßig voll auf den Partner eingestellt, wirklich so etwas wie Liebe empfunden. Aber da war nie dieser besondere Kick, der zur Erfüllung führt. Und bei jedem neuen Mann habe ich mich weiter von ihm entfernt, zuletzt hat es mich regelrecht angewidert. Da war nur noch die Jagd nach dem Höhepunkt. Liebe habe ich da schon lange nicht mehr gesucht. Dann habe ich Peter kennengelernt, der hat sich wirklich um mich bemüht, hat mich wieder an die Liebe glauben lassen. Immerhin waren wir sechs Wochen zusammen, bis er gemerkt hat, was mit mir los ist. Und dann hat er mich beschimpft, ich sei frigide, ich würde ihn vom Gefühl her immer nur auf Abstand halten, hat seine Sachen gepackt und ist abgehauen, mitten in der Nacht. Wahrscheinlich war er von mir genauso enttäuscht wie ich selbst. Ich bin total verzweifelt, ich sehne mich so sehr nach einem normalen Leben, nach einer normalen Beziehung, in die ich mich wirklich ganz einbringen kann. Dazu gehört doch auch, dass man sich im Bett versteht, den Sex miteinander genießen kann. – So soll es doch sein, Alex, oder?”

Sie sah mich ratlos an, aber sie hatte Recht, zu einer echten Partnerschaft gehört neben dem normalen Alltag auch das Genießen, speziell der Genuss des gemeinsamen Sexerlebnisses. Ich konnte ihre Aussage nur bestätigen.

Charly hatte inzwischen einen roten Kopf, redete sich jetzt alles von der Seele: “Und das kann ich keinem Mann geben, ich habe seit damals, mit Dir, bei keinem Mann einen Orgasmus gehabt. Erst nachdem Peter weg war, fiel es mir wie Schuppen von den Augen, ich musste plötzlich an Dich denken, und dass es mit Dir doch wirklich ganz von selber ging, das kam damals direkt aus mir raus. Mit dem Gedanken daran habe ich mich selber berührt – und das war soo toll, ich hatte einen wunderbaren Höhepunkt. Ich bin also nicht frigide, kann normal empfinden, aber irgendwas stimmt nicht mit mir.”

“Und, klare Ansage, welche Art Hilfe erwartest Du von mir?” Diese fast schon brutale Direktheit musste einfach sein, obwohl ich ihre Antwort im Voraus zu wissen meinte. Sie sah zu Hanne hin, die ihr lächelnd zunickte, “jetzt sag’s ihm schon, ich bin auf Deiner Seite.”

Charlotte stand auf, der Kopf noch eine Nuance röter, kam zu uns herüber und fiel völlig unerwartet vor mir auf die Knie, umklammerte meine Beine, “Alex, bitte, bitte, schlaf mit mir, zeig mir, dass es geht, dass ich normal bin. Ich verspreche Dir, ich werde Alles tun, was Du verlangst, aber tu es, bitte. Du allein kannst mir helfen, wieder normal zu werden. Ich will doch nur lieben können wie jede gesunde junge Frau.”

*

Sie hatte es ausgesprochen, offen und ehrlich, klarer als erwartet, kein Herumdrucksen. Jetzt musste ich genauso deutlich werden. ’Heilen’, wie sie es ausgedrückt hatte, würde ich sie nicht können, indem ich ein oder mehrere Male mit ihr schlief, zumal ich allen Frauen abgeschworen hatte, außer Hanne. Unser eheliches Sexualleben war nicht nur intakt, es war immer noch voller Höhepunkte, nach 15 Jahren noch, und ich wollte absolut keine Ablenkung zulassen. Andererseits war da eine junge Frau, die mitten im Leben stand, Schule und Studium mit Bravour gemeistert hat, mit einem tollen Job in einem Konzern, die aus grundsoliden bürgerlichen Verhältnissen stammt, ihr Leben eigentlich gut im Griff haben sollte. Eigentlich, nur das Eine, das partnerschaftliche Leben entscheidende, hatte sie nicht im Griff – ihr Innenleben, ihre Gefühle.

“Charly, so einfach geht das nicht, ich bin mir nicht mal sicher, dass ich der Einzige sein könnte, Dir zu helfen. Du klammerst Dich an Deine Erinnerungen von damals, und die blockieren Deine Gefühle, aber Du lebst im Heute. Stattdessen hast Du Dir selbst und auch den Männern gar keine Chance gegeben, Euch aufeinander einzustellen. Das ist durchaus nicht unnormal, dass neue Partner bei ihren ersten Malen nicht zum Höhepunkt kommen, das muss wachsen.”

“Aber mit dem Letzten war ich doch sechs Wochen zusammen – und es hat immer noch nicht geklappt…”

“Auch das ist nicht ungewöhnlich, manche Partner passen sexuell nicht zusammen, oder erleben befriedigenden Sex erst nach und nach, wenn sie tiefer gehende Gefühle zulassen. Wir müssen Deine Blockaden lösen, über das Wie muss ich erst nachdenken. Was meinst Du dazu, Hanne?”

“Alex, gib Dir einen Ruck, lass Dir was einfallen, so wie früher, da hast Du doch auch immer die richtigen Ideen gehabt, wenn es um mich oder um uns Beide ging, und es hat mir nie geschadet. Gib Charly eine Aufgabe, die zeigt, dass Du ihr hilfst.”

Ich hob Charlotte hoch, setzte sie neben Hanne, dachte lange nach und hatte tatsächlich eine Idee. “Gut, Charly, Du willst Alles tun, was ich verlange. Und jetzt werde ich etwas von Dir verlangen, das vielleicht Deinen Widerstand auslöst, aber ich verlange es nicht einfach so, sondern alleine wegen Dir, um Dir zu helfen. Nimmst Du mir das ab?”

“Ja, Alex, ich weiß, das Du es für mich tust.” Dabei fasste sie Hannes Hand, fühlte doch eine gewisse Unsicherheit.

“Ich schreibe Dir jetzt eine Telefonnummer auf, das ist die Nummer eines Mannes, eines ganz bestimmten Mannes. Den wirst Du morgen Abend um Punkt acht Uhr anrufen, Deinen Vornamen nennen, nur den Vornamen, Dich auf mich berufen und ihm sagen, dass Du mit ihm schlafen möchtest. Er wird Dir einen Termin nennen, und Du fährst zu ihm, sei aber pünktlich. Wenn Du das einhältst, können wir Beide das später im Gespräch aufarbeiten, und habe ich mehr Klarheit, weiß dann besser, wie ich Dir auf Dauer helfen kann. Ist das ok für Dich?”

“Ja, Alex, gib mir die Nummer. Auf den Einen kommt es jetzt auch nicht mehr an.”

Sieh das bitte nicht so abwertend – von wegen‘auf den Einen kommt es auch nicht mehr an’. Es geht um Dich, und da kommt es auf Jeden und auf jede Kleinigkeit an. Mach Dich von dem Gedanken frei, Du wärest nichts wert. Genau das hast Du nämlich gerade betont, und davon musst Du weg!”

Ich schrieb ihr die Nummer meines langjährigen Männerfreundes auf und gab ihr den Zettel. Dabei hielt sie meine Hand etwas länger fest, legte meine Hand an ihre Wange, küsste dann die Handfläche. Sie wollte diese Berührung, brauchte sie. Und Berührungen zur rechten Zeit, aber wohl dosiert, gehörten ebenfalls zu meinem Plan.

Wir verabschiedeten uns, dabei nahm ich Charlys Kopf in beide Hände, sah ihr in die Augen, sagte: “Ich helfe Dir, und am nächsten Samstag kommst Du abends um acht zu uns, Du bleibst über Nacht, wenn Du möchtest.”

Mit “danke Alex,” drückte sie sich an mich, nahm dann Hanne in die Arme, “und Dir danke ich auch, Hanne, dass Du Alex mitgebracht hast. Ich bin jetzt sicher, dass ihr Beide mir helfen könnt, dass ihr wirklich meine Freunde seid.”

*

Unterwegs nahm meine Frau mich ins Gebet: “Alex, was soll das? Du verlangst, dass sie mit einem fremden Mann schläft. Mach sie nicht noch unglücklicher als sie es jetzt schon ist. Das hatte sie doch Alles schon.”

“Ich verfolge damit einen Plan, gewissermaßen eine Therapie, und dies ist jetzt der erste Schritt. Du hast selbst gesagt, dass ich immer die richtigen Ideen habe. Glaube bitte auch jetzt daran, ich verspreche Dir, es wird Alles gut werden. Die Einzelheiten besprechen wir zuhause.”

*

Ich habe diesen fremden Mann angerufen, so wie Alex es verlangt hat. Und ich bin gleich für den nächsten Abend hinbestellt worden. Schon irgendwie komisch, diese ganze Situation. Ich ging auf Bestellung zu einem Mann, den ich nicht kannte, gerade so wie ein Callgirl. Aber wirklich etwas ausgemacht hat es mir nicht, Alex wollte es so, und ich würde Alles tun, was er verlangt, er wird mir helfen, vielleicht belohnt er mich mit seiner Zärtlichkeit, so wie damals.

Der Mann war ein sympathischer Typ, das machte es mir leichter, so an die 40 Jahre, mit einer sonoren Stimme. Komisch, mit einem Mal verspürte ich wieder die Vorfreude, mit einem Mann zu schlafen. Er gab mir einen Wodka-Orange, sagte, dass er das von Alex wüsste, und stieß mit mir an. Er machte mir auch Komplimente über mein Aussehen, meinte dann irgendwann später: “Du bist eine ausnehmend schöne Frau, nur, warum versteckst Du Dein Aussehen hinter einer hochgeschlossenen Bluse und dem langen Rock? Zieh bitte beides aus.”

Mit dem Gedanken an Alex zog ich Rock und Bluse aus, stand jetzt in Unterwäsche vor ihm, sah mit Befriedigung, dass der Mann, er hatte sich mit Volker vorgestellt, glänzende Augen bekam und leise durch die Zähne pfiff “Du hast eine traumhafte Figur, darauf war ich nicht vorbereitet. - Dreh Dich bitte mal.”

Ich wusste ja, dass Alex dieses Treffen arrangiert hatte, ich hatte also nichts zu befürchten und folgte, folgte auch seiner Aufforderung, “ich will Dich richtig sehen, ganz.”

Er sah mir nicht zu beim Entkleiden, das machte es etwas leichter für mich, und zog sich ebenfalls aus, hatte nur noch seine Boxershorts an. Dann nahm er meine Hand, küsste sie und führte mich nach nebenan, zu seinem großen Bett. Wir legten uns hin, und er nahm mich in seine Arme, redete leise auf mich ein, wählte die richtigen Worte. Es stimmte einfach Alles. Ich fühlte mich recht schnell geborgen bei ihm, kuschelte mich an ihn, schnupperte sein aufregend fremdes Rasierwasser und gab mich seinen zärtlichen Händen hin. Es war richtig aufregend, ihn zu küssen, seine Lippen in meinen Haaren zu spüren, seine zärtlich gemurmelten Worte zu hören, ein traumhaftes Date mit einem tollen Mann. Volker war wirklich sehr aufmerksam, er wusste, wie man eine Frau verwöhnt, ich konnte es richtig genießen, wollte mehr, wollte auch meine Bestätigung. Ganz automatisch griff ich nach unten, fühlte durch die Shorts seine beachtliche Männlichkeit. Würde er mir geben können, was ich so lange vermisst hatte? Würde er mich befriedigen können? Dieser Mann war wirklich eine Sünde wert, und er half mir, ihm seine Shorts auszuziehen, hob sein Becken an. Ich wollte es wissen, habe es herbeigesehnt, von ihm genommen zu werden, und habe mich auf den Rücken fallen lassen, ihn über mich gezogen. Seine Eichel strich mehrfach über meinen Eingang und langsam, ganz langsam und vorsichtig drang er in mich ein, ein schönes Gefühl. Volker war ein sehr erfahrener Liebhaber, deutlich zu spüren, wie er spielerisch und mit Ausdauer meinen Körper beherrschte. Es war ganz einfach wunderbar, ihn in mir zu fühlen und mich seiner Zärtlichkeit hinzugeben, endlich wieder Freude am Sex zu empfinden. Aber trotz aller schönen Gefühle, trotz seiner Zärtlichkeit, es fehlte der letzte Kick, den es braucht, um zum Höhepunkt zu kommen. Nicht schon wieder… nicht bei ihm! Das durfte nicht sein, ich wollte es doch unbedingt, ich wollte diesen Mann und seinen Zauberstab, wollte, dass er mit mir zufrieden ist, wollte ihn glücklich machen und selber Glück fühlen. Und es klappte einfach nicht…

Wie konnte ich nur annehmen, dass ihm das nicht auffallen würde, so erfahren, wie er war? Er legte sich ganz flach auf mich, griff mit beiden Händen meinen Po und drehte sich auf den Rücken, jetzt lag ich auf ihm und er gab meinen Oberkörper frei. So konnte ich mich aufrichten, auf ihm hocken, und während er meine Brüste liebevoll drückte, flüsterte er heiser: “Ich will Dich. Gib’s mir, Charlotte, gib mir Alles.”

Ich gab wirklich Alles, mein wildes Becken ließ sein Glied immer wieder anstoßen, halb aus meiner Vagina entlassen und dann wieder ganz tief versenken. Ich rieb meine Klitoris an seiner Peniswurzel, ich wollte es doch selbst, ich wollte selber Alles. Und plötzlich war er so weit, hatte ich ihn so weit. Ein irres Gefühl, zu spüren, wie sein heißer Samen in mich hineinfloss, ich war total zufrieden, weil ich ihn soweit gebracht hatte – und war doch enttäuscht, bei mir war es wieder einmal nicht gekommen, es wollte einfach nicht. Es wollte nicht, obwohl ich doch diesen tollen Mann wirklich zum Verlieben fand, so einfühlsam, so zärtlich, so männlich. In ihn könnte ich mich glatt verlieben – aber ohne Erfüllung?

*

Volker hatte sich nichts anmerken lassen, nahm mich einfach in seine Arme, und so schliefen wir gemeinsam ein. Erst gegen sechs Uhr wurde ich wach, gerade noch rechtzeitig, schließlich hatten wir Werktag, und ich musste um Acht in der Firma sein. Statt Frühstück kurzer Abschied, ich war in Eile. Aber trotzdem enttäuscht, er hatte mich nicht um ein Wiedersehen gebeten – aber das kannte ich ja schon. Dann war Volker eben, trotz einer ansonsten schönen und zärtlichen Nacht, einfach nur Mann Nummer 28.

Volker – oder wer?

Samstag, achtzehn Uhr. Mein Freund Volker kam zum Abendessen zu uns, berichtete von der Nacht mit Charlotte. Hanne, inzwischen eingeweiht, hörte genau zu, als er über Charly sprach: “Ich muss Euch sagen, Eure Freundin ist, was ihr Aussehen und ihr Wesen betrifft, eine wirklich tolle Frau, eine Frau zum Verlieben. Aber im Bett… Sie kommt nicht zum Höhepunkt, obwohl ich wirklich alle Register gezogen hab. Irgendwas in ihr tief drinnen blockiert sie. Ich selber kann mich eigentlich nicht beschweren, sie hat sich sehr viel Mühe gegeben, mich zu befriedigen, hat mich geschickt zum Höhepunkt gebracht. Aber irgendwie war zu spüren, dass sie verzweifelt ihrem eigenen Orgasmus hinterherjagt. Das muss ein psychisches Problem sein, denn körperlich ist bei ihr Alles in Ordnung. Eine richtige Traumfrau, und intelligent noch dazu.”

“Volker, ich habe genau das befürchtet. Deshalb habe ich Dich für heute eingeladen. Heute Abend möchte ich Teil zwei meiner Therapie starten. Du wirst wieder eine Rolle dabei spielen. Du hast ja selbst gesagt, für Dich hat sie es gut gemacht, Du selbst warst befriedigt.”

“Ja, das ist absolut richtig. Was hast Du jetzt vor?”

“Du wirst bitte heute Abend noch einmal mit ihr schlafen, aber sie wird nicht wissen, dass Du es bist. Charly ist sich sicher, dass sie mit mir zum Höhepunkt kommt, das meint auch Hanne. Wir werden Charly als Teil eines Liebesspiels die Augen verbinden, sie wird glauben, dass ich bei ihr bin. Du bleibst so lange im Gästezimmer, bis Hanne Dich holt. Und dann sei lieb und zärtlich zu Charly, aber bitte absolut nicht reden, nimm sie, sei einfach ich, mach sie glücklich. Ich habe das Gefühl, dass es so klappt. Wenn sie in dieser Situation zum Höhepunkt kommt, finde ich einen Weg, um auf Dauer helfen zu können. Andernfalls müssen Hanne und ich wieder von vorne anfangen und andere Ansätze suchen.”

“Ok, Alex, Hanne, ihr seid meine Freunde, ich bin dabei. Das hört sich jetzt so blöde an, wie ein Geschäft, dabei ist Eure Charlotte doch wirklich eine supertolle Frau, schön und begehrenswert. Andere Männer würden mich um diese Aufgabe beneiden.”

*

Acht Uhr abends, ich bin auf die Minute pünktlich, ich will Alex und Hanne nicht enttäuschen. Ich werde mich an Alles halten, was sie mir vorschlagen. Sie haben mich zu sich eingeladen, darüber freue ich mich riesig. Vielleicht schläft Alex heute mit mir, vielleicht tut er es wirklich. Warum sonst die Einladung zu ihnen nach Hause? Sie hätten ja genauso gut zu mir kommen können.

Hanne macht mir die Tür auf, ich bin da, habe irgendwie das Gefühl, endlich zuhause zu sein. Sie strahlt mich an mit ihrem warmherzigen Blick und umarmt mich, ihre Freude mich zu sehen ist wirklich echt. Oh Gott, wie ich diese Frau verehre, wie ich sie liebe. Wir setzen uns an die Küchentheke, wo schon Wodka-Orange bereitsteht, beinahe ist es so wie damals – ist das wirklich schon sechs Jahre her?

Hanne spricht mich an: “Wir gehen gleich zu Alex rüber, er schaut sich gerade noch die Nachrichten an. Ich hatte Dir doch erzählt, dass er und ich früher des öfteren unsere erotischen Spielchen getrieben haben, das tun wir immer noch, wir haben Beide weiterhin richtig Spaß daran. Mich persönlich macht diese Abwechslung immer richtig heiß. Ich will Dich nur darauf vorbereiten, dass ihm heute mal wieder nach Spielen zumute ist. Machst Du mit? Das gibt der Liebe einen echt tollen Kick.”