Gefangen! - Jan Schneider - E-Book

Gefangen! E-Book

Jan Schneider

0,0

Beschreibung

Sechs grundverschiedene Menschen bleiben 2050 in einem Lift stecken: Die alte Rosa tuschelt mit ihrem fiktiven Ehemann. Die hartnäckige Anwältin Kathrin führt einen Biografen mit sich. Der besserwisserische Lehrer Dirk und die Crazy Hip-Hopperin Patricia versuchen es mit Gesprächen der anderen Art. Leider hat auch die Elektronikanbeterin Leta keinen Plan, um die ausweglose Situation zu retten. Als der Biograf "Und der Koi, der sitzt da oben" singt, wird das Drama zu einem Krimi. Lacher garantiert.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 57

Veröffentlichungsjahr: 2018

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Impressum

© 2017 Jan SchneiderAlle Rechte liegen beim Autor. Kein Teil des Werks darf in irgendeiner Form ohneGenehmigung des Autors verwendet werden.

Druck und Verlag: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de Umschlagbild: fotolia.com

ISBN: 978-3-746727-03-5

Printed in Germany

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Infos zu Autor und Werk: www.janschneider.ch

Jan Schneider

Gefangen!

Komödie in drei Akten

für sechs Personen

und einen Lift

Personen

Dirk Krähebühl -Lehrer

Patricia Held -Hip Hopperin

Kathrin Meinswohl -Staranwältin

Rosa Wenger -ältere Frau

Biograf -Biograf

Leta -Computerspezialistin

- ERSTER AKT -

Ein moderner Schweizer Lift, genannt Aufzug im Jahre 2050. Zwei moderne Plexiglastüren, die sich surrend öffnen und schliessen lassen, aussen ein überdimensionaler Liftknopf aus Plastik, der mit durchsichtigem Klebeband mehrfach überklebt ist. Über der Tür eine vierstellige LED-Anzeige, ebenfalls mit Klebeband befestigt. Im Lift auf der rechten Seite ein fein geordnetes Bedienpanel mit in die Jahre gekommenen überklebten Plastikknöpfen. 45 Stockwerke insgesamt, einen grossen Knopf zum Schliessen der Tür, ein kleiner zum Öffnen. Auf Armhöhe befindet sich eine durchgängige an die drei hinteren Wände befestigte Eisenstange zum Festhalten, die auch nur zur Andeutung der Wände dienen kann. Wegen Beleuchtungszwecken ist der Aufzug oben offen.

Dirk und Patricia stehen unruhig im Lift. Während Lehrer Dirk in Hemd und Weste gekleidet rechts auf einem der Knöpfe herumdrückt, um die Türe zu schliessen, steht Patricia mit Baggy Trousers, weitem T-Shirt, Baseball-Cap und auffällig farbigen Schuhen in der linken Ecke des Lifts. Sie hält ein futuristisches Smartphone in der Hand, trägt Ohrhörer und drückt unruhig auf dem Display herum. Von Zeit zu Zeit lacht sie laut auf, schüttelt den Kopf oder wechselt das Standbein. Vielleicht tanzt sie. Dirk drückt mehrmals wütend auf den Schließknopf, nichts geschieht.

Rosa kommt mit Gehstock und grosser Tasche von rechts ins Bild. Blumenrock in allen Farben, Schuhe mit dicken Absätzen, graues Haar zu einem Dutt zusammengebunden, eventuell mit Stricknadeln als Befestigung. Aus den Lautsprechern ertönt leichte Musik wie im Vorspann eines Hollywood-Films.

DIRK aufgeregt: Kein billiger Hollywood-Film! Keine Musik zu Beginn! Schaltet sie aus!

Musik wird ausgeschaltet.

ROSA bestimmt zu Dirk: Entschuldigen Sie, Chauffeur. Wohin fährt dieser Lift?

DIRK sich nicht vom Liftpanel abwendend: Nach Nimmerland.

ROSA: Wie die Titanic. Danke! Kneift Dirk in die Wange. Sie sind ein guter Mann!

Rosa nimmt einen Klappstuhl, vielleicht einen Melkstuhl aus der Tasche, klappt diesen auf und setzt sich zwischen Dirk und Patricia.

ROSA: Ah. Überall sitzen und wieder aufstehen, so bleibt man sportlich. Zu Fritz neben ihr: Du kannst auf dem Boden sitzen.

Dirk versucht die Lifttür zu schliessen, indem er den entsprechenden Knopf drückt. Dann schlägt er mehrmals auf den Knopf.

DIRK: Verdammt. Klemmt. Schautzu Rosa. Und woher kommen Sie?

ROSA zeigt auf den leeren Platz neben ihr: Wir sind von hier und wohnen in einer kleinen Wohnung.

DIRK: Aha. Schön. Ich bin Lehrer.

Endlich schliesst sich die Lifttür mit lautem Knarren, stoppt dann aber in der Mitte. Rosa hält den rechten Arm, als legte sie ihn um die Fritz‘ Taille und flüstert diesem etwas ins Ohr. Dirk versucht indes, die Tür mit Gewalt zu schliessen. Erfolglos.

PATRICIA flüsternd zu Dirk: Zu wem sie wohl spricht? Dann zu Rosa. Und? Was meint er?

ROSA: Dasselbe wie ich, Fritz meint immer dasselbe. Das ist doch schön. Streicht über Fritz‘ Wange.

PATRICIA zu Dirk: Voll krank. Die halluziniert.

ROSA: Die übliche Geschichte: Demenz, sagen sie. Ich sei nicht ganz bei Trost, flüstern sie und die Wahrheit verschweigen sie. Freudig: Dann ist Fritz wieder gekommen. Und die Liebe war zurück. Schaut an die Decke. So ein Lieber, macht alles, was ich will.

DIRK zynisch: Das ist äusserst verwunderlich. Kurze Pause, dann zornig. Die verdammte Lifttür! Ruhig zu Rosa. Und? Haben Sie einen Namen?

ROSA: Nun, das versteht sich doch von selbst, dass ich einen Namen habe.

Dirk lacht kurz auf und Patricia schüttelt den Kopf.

PATRICIA: Details?

ROSA: Warum wollen Sie meinen Namen wissen? Ist das wieder irgendein Hackerangriff?

DIRK: Nun. eigentlich nicht, trotzdem, da wir drei, ich meine vier, noch eine längere Reise (lacht verlegen) vor uns haben, bis der Lift endlich funktioniert, dachte ich, es wäre angebracht, wenn sie, nun, wenn sie nicht wollen, dann…

ROSA: Nennen Sie mich Rosa oder so. Das ist Fritz, mein Geliebter und Mann! Gell, mein Schnäuzchen. Streicht jemandem über die Wange.

PATRICIA verwundert zu Dirk. Hey, voll schräg, wenn man sich jetzt im Lift schon vorstellen muss, Alter.

ROSA zum fiktiven Fritz: Warum? Die Welt wäre viel ehrlicher, wenn wir Schuldigen einen Namen geben. Lächelt.

PATRICIA: Voll geil der Kommentar, Alter.

ROSA: Alte, wenn schon.

DIRK schmunzelt.

DIRK: Angenehm. Dirk Krähebühl. Wie geht es Ihnen, Frau Rosa oder so?

ROSA: Was will man. Das Alter. Unaufhaltbar.

PATRICIA hält den Mund geöffnet.

PATRICIA: Patricia Held. Freut mich.

ROSA: Recht angenehm, meine Liebe Hip Hopperin! Niedliche Kleidung!

Leichte Hip Hop-Musik. Rosa nuschelt in ihrer Damenhandtasche. Dann nimmt sie begeistert ein eingerahmtes Foto von Fritz und lachend die Steuererklärung aus der Tasche, dann einen Handstaubsauger. Sie beginnt kurz zu saugen, auch unter Patricias Füssen, räumt dann alles wieder weg. Dirk und Patricia reagieren auf Rosa, wenn diese etwas findet, die Nase rümpft, die Augenbrauen hebt und das Herausgeholte wieder liebevoll in der Tasche verstaut. Endlich findet sie die Strickarbeit und beginnt zu stricken. Musik aus.

DIRK: Die verdammten Minergie-Gebäude mit Vollfunktion und ohne Notstromaggregat, ohne Treppen, nur noch Lifte. Es lebe der Rückschritt. Was machen wir nur?

ROSA zeichnet mit den Händen eine Sonne über ihrem Kopf. Die Lösung ist immer irgendwo, nur kennen wir sie, wenn wir zuhören…

DIRK zu Rosa: Wie poetisch.

ROSA: Man kann nicht genügend spät damit beginnen.

PATRICIA: I’m so excited. I can’t just wait to reach the sky.

DIRK: So hoch hinaus wollen wir nun auch wieder nicht.

ROSA zu Fritz: Ja, gell Fritz, Türen mit Griffen, Treppen mit Stufen und Fenster, die sich öffnen lassen. Alles vorbei.

Dirk sucht mit der flachen Hand das Liftpanel nach Hohlräumen ab, lässt es dann aber.

DIRK zu Rosa: Entschuldigen Sie, Frau Rosa oder so!

ROSA: Ja, mein Lieber!

DIRK: Haben wir uns nicht schon mal gesehen?

ROSA: Rümpft die Nase und scheint sich an sein Gesicht erinnern zu wollen. Verzeihen Sie! Dreht sich zum imaginären Fritz. Weisst du woher wir den Mann kennen? Pause. Zu Dirk: Nein! Auch mein Mann kennt Sie nicht.

DIRK: Nun, ich glaube, wir waren gestern im selben Zug. Sie hatten auch diese Strick…

ROSA hastig: Ja, wissen Sie! Lismen ist bei uns alten Weibern Zeitvertrieb Nummer eins. Auch Hilda, Rita und Vroni, meine Freundinnen, lismen gerne.

PATRICIA: Bullshit! Jetzt reden die alten Weiber übers Stricken. Und sind stolz darauf. Die ganze Emanzipation für rein gar nichts. Where’s the Emancipation, ladies without Gentlemen.

ROSA verwundert: Warum? WIR hatten doch immer das Sagen.