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22 konservative Vordenker des 20. Jahrhunderts werden in diesem Sammelband kundig portraitiert. Dabei geht es nicht darum, eine bloße historische Zusammenfassung ihres Gedankengebäudes zu liefern, sondern konkrete Punkte herauszuarbeiten, wo ihr Denken brennende Probleme der Gegenwart berührt und damit für unsere Zeit aktuell wird. Aus diesem Grund hat der Herausgeber auch einen weiten Konservativismus-Begriff bei der Auswahl der zu behandelnden Philosophen und Publizisten angelegt. Der Band versammelt daher so unterschiedliche Denker wie Julius Evola und Günther Rohrmoser, Ernst Jünger und Nicolas Gomez Davila oder Ortega y Gasset und Arnold Gehlen, Eric Voegelin und Carl Schmitt. Auch noch lebende Autoren wie Prof. Robert Spaemann und Günter Maschke werden behandelt. Weitere Portraits widmen sich Plinio Corrêa de Oliveira, Julius Evola, Ivan Illiev, Gerd-Klaus Kaltenbrunner, Russel Kirk, Edgar Jung, Arthur Moeller van den Bruck, Johannes Messner, Michael Oakesshott, Wilhelm Röpke, Hans Sedlmayr, Leo Strauss und Othmar Spann. Der Herausgeber Daniel Führing, geboren 1973 in Pietersburg/Südafrika, Sohn eines deutschen Vaters und einer burischen Mutter. Studium der Politikwissenschaft, Rechtswissenschaften und Theologie in Bonn, Leuven/Belgien und Rom. Privatlehrer und Dozent an diversen katholischen Hochschulen in Nord- und Südamerika
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Seitenzahl: 545
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Daniel Führing (Hg.)
KonservativeDenker im Portrait
Umschlaggestaltung: DSR – Digitalstudio Rypka GmbH, Thomas Hofer, Dobl, www.rypka.at
Bildnachweis: Umschlagabb. Vorderseite: Archiv des Verlages. Von oben lks. und nach unten rechts: Carl Schmitt, Robert Spaemann, Arnold Gehlen, Othmar Spann, Ernst Jünger, Nicolás Gómez Dávila, Günter Maschke und Günter Rohrmoser
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ISBN 978-3-902732-21-7eISBN 978-3-990810-88-0
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Printed in Austria
Einleitung
Plinio Corrêa de Oliveira und die Gegenrevolution
VON MATHIAS VON GERSDORFF
Nicolás Gómez Dávila und die ewigen Wahrheiten der Philosophie
VON TILL KINZEL
Julius Evola – Spiritualität und Politik
VON HANS THOMAS HAKL
Arnold Gehlen und die Suche nach dem Kontakt mit der Wirklichkeit
VON MICHAEL WLADIKA
Ivan A. Ilin – Vom Wesen der Rechtgläubigkeit
VON DIRK BUDDE
Ernst Jünger – Mit Schwert und Feder
VON ALBERT PETHÖ
Gerd-Klaus Kaltenbrunner – Vordenker und Weltweiser jenseits des Zeitgeistes
VON MAGDALENA S. GMEHLING
Russell Kirk und die Begründung des amerikanischen Konservatismus
VON HARALD BERGBAUER
Günter Maschke – Von Kuba nach Plettenberg
VON SEBASTIAN MAASS
Johannes Messner – Priestergelehrter der katholischen Soziallehre
VON CHRISTIAN MACHEK
Arthur Moeller van den Bruck und Edgar Julius Jung – Vordenker des Reiches
VON SEBASTIAN MAASS
Michael Oakeshott als politischer Denker
VON ULRICH E. ZELLENBERG
Günter Rohrmoser: Politik und Philosophie
VON HARALD SEUBERT
Wilhelm Röpke – Eine mahnende Stimme für das rechte Maß
VON JOHANNES GRAF
Carl Schmitt und José Ortega y Gasset – Wider den modernen Menschen
VON GIOVANNI NAFETTI
Hans Sedlmayr: Die Kunst als Wahrheit – und wie sie verloren ging
VON MICHAEL WLADIKA
Alexander Solschenizyn: Leben und Werk. Eine Annäherung anhand fünf thematischer Bereiche
VON JOHANNES AUER
Robert Spaemann und das von Natur her Rechte
VON HARALD SEUBERT
Othmar Spanns Vision vom „wahren Staat“
VON J. HANNS PICHLER
Leo Strauss und Eric Voegelin – Die Rehabilitierung der Ordnung
VON CHRISTIAN MACHEK
Autoren
Namenregister
Ja, es gibt sie noch, jene Zeitgenossen unter uns, die beanspruchen, konservativ zu sein und damit meinen, eine durchdachte Weltanschauung zu vertreten. Und sie tun es entgegen des heute noch verbreiteten „aufgeklärten“ Vorurteils, Konservative hätten ihre Überzeugungen unreflektiert übernommen und hafteten gestrigen Denk- und Lebensmustern an. Dass sich solche Vorurteile lange halten konnten, sagt natürlich nichts über ihre Richtigkeit aus. Meist sind Vorurteile auch nur bequeme Entschuldigungen, sich mit einer Sache nicht ernsthaft auseinandersetzen zu müssen. Es trifft zweifelsohne auf den politischen Konservatismus zu, dass eine geistige Auseinandersetzung mit ihm gemieden wird. Dadurch wird der hartnäkkige Verdacht nicht ganz aus der Welt verbannt, dass seine Kritiker nicht eingestehen wollen, dass der Konservative vielleicht doch irgendwo Recht hat. Aber könnte wiederum eine Anfrage der Kritiker nicht vielleicht doch berechtigt sein: Was sollte oder könnte denn heute noch bewahrt werden? Die Untergrabung unserer bewährten Werte und Lebensmaximen etwa?
Den Konservatismus näher zu erfassen, ist kein leichtes Unterfangen. Der Begriff selbst deckt zunächst ein Bedeutungsfeld ab, das von erprobt, wertgebunden, rettend, stabil bis reaktionär, rückständig, verknöchert reicht. Als speziellen Terminus bezieht er sich auf eine bestimmte weltanschauliche Strömung der politischen Ideengeschichte. Da das Gebiet der politischen Theorie auf unseren Hochschulen und andere gesellschaftspolitische Positionen genauso wie die „veröffentlichte Meinung“ – von einigen wenigen lobenswerten Ausnahmen abgesehen – vom meist oberflächlichen Zeit(un)geist dominiert werden, ist es nicht leicht zu erfahren, was eigentlich die Grundaussagen der Repräsentanten des Konservatismus sind. Auch dieser Sammelband kann nur ein kleiner Streifzug sein. Dafür wurde der Konservativismus-Begriff weit gefasst, wobei inhaltliche und auch historische Spannungen zwischen den vorgestellten Denkern bewusst in Kauf genommen wurden. Dessen ungeachtet stellt diese Sammlung einige verborgene Einsichten, Leitbilder und Maßstäbe konservativen Denkens dar. Sie mögen vom Schutt zeitgeistiger Vorurteile, denen wir ausgesetzt sind, freigelegt werden – eine schwierige und auch unerschöpfliche Aufgabe.
Es kann gesagt werden, dass jene konservative Weltanschauung erfassbar ist, handelt es sich dabei doch um die Grundlagen unserer eigenen geistigen Kultur. Diese klassischen und christlichen Traditionen sind heute zurückgedrängt und diskreditiert, aber sie sind durchaus nicht tot. Als bewusste politische Richtung gibt es den Konservativismus seit dem Ausbruch der Französischen Revolution und der Verbreitung ihrer Ideen, die das überkommene Ordnungsgefüge Europas radikal in Frage gestellt und erschüttert haben. Somit ist der Konservativismus insbesondere eine Reaktion auf das rationalistische, ungeschichtliche und auch lebensfeindliche Denken der „Aufklärung“ in all seinen Variationen, die Papst Benedikt XVI. als „lebensgefährliche Erkrankung des Geistes“ bezeichnet hat. Seit über zweihundert Jahren und bis in die Gegenwart hinein richtet er sich im Kern gegen die Hybris des modernen Menschen und seines Wirklichkeitsverlustes. Bedingt durch die „Impulse“ von 1968 hat sich eine neue „konservative Intelligenz“ herausgebildet, die (unter anderem in Anknüpfung an die „Konservative Revolution“) wieder versucht, Dinge zu erschaffen und nicht nur als Status-quo-Konservative alten Zeiten nachweint.
Der erwähnte Wirklichkeitsverlust ist insbesondere zurückzuführen auf die Abkehr von den Fragen nach dem guten Leben und somit generell den übergeordneten, existentiellen Zielen des Daseins. Die Antworten der Tradition auf diese scheinbar einfachen Fragen sind heute kaum mehr bekannt. Doch leben wir auch noch heute in unserer Zivilisation mehr schlecht als recht irgendwie von Voraussetzungen einer „geschichtlich gereiften Vernunft“, die längst nicht mehr als selbstverständlich erachtet werden und ihrer Legitimität beraubt wurden.
Wenn der Vorwurf des Wirklichkeitsverlusts erhoben wird, dann müsste dies vornehmlich an der Frage nach dem, was der Mensch eigentlich ist, festgemacht werden können. Die Frage der Anthropologie trifft den Kern divergierender Weltanschauungen mit all ihren politischen Konsequenzen. Der Konservative trachtet danach, den Menschen nicht auf Teilaspekte zu reduzieren, sondern er will ihn in der Gesamtheit seiner Realität sehen. Demnach ist der Mensch nicht nur ein materielles, biologisches, politisches Lebewesen, sondern insbesondere auch homo religiosus. An diesen anthropologischen Grundkonstanten hält der Konservative fest. Und in einem bestimmten Sinne haben die klassischen Definitionen des Konservatismus auch heute ihre Gültigkeit: „Konservativ sein ist nicht hängen an dem was war, sondern leben aus dem, was immer gilt“ (Antoine de Rivarol), oder: „Nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme“ (Thomas Morus).
Zum anthropologischen Realismus des Konservativen gehört es, zu beachten, dass der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist. Es entspricht dem Menschen, dass er mit allen Zügen seines Wesens als Teil eines gemeinschaftlichen Organismus, insbesondere der Familie und dem Volk, existiert. Er ist unabdingbar um seiner selbst willen auf jene bezogen, und um seine existentiellen Bedürfnisse befriedigen sowie seine intellektuellen und moralischen Fähigkeiten erst verwirklichen zu können, benötigt er sie. Ein realistischer Zugang zum Wesen des Menschen kann die Augen nicht vor den Abgründen der menschlichen Natur verschließen: Von Natur aus mag der Mensch gut geschaffen sein, doch ist er immer ein schwaches, zum Bösen neigendes „Mängelwesen“ (Johann G. Herder). Nach Carl Schmitt ist es als Symptom des politischen Verfalls anzusehen, wenn Menschen unfähig oder unwillig würden, die „böse Natur“ des Menschen anzuerkennen. „Böse“ kann bei Schmitt bedeuten: korrupt, korrumpierbar, schwach, feige, dumm, roh, triebhaft, vital, irrational. Im Gegensatz dazu kann „gut“ so viel bedeuten wie: vernünftig, perfektibel, erziehbar, friedlich. Ein nicht zu vergessender Aspekt hierbei ist (wie die biblische Geschichte des Sündenfalls lehrt) die Angst und die Unwilligkeit des einzelnen Menschen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Und eine Antwort kann man immer nur einer höheren Instanz gegenüber schuldig sein.
Ein Weiteres darf unserer Achtsamkeit nicht entgehen: Menschen sind nicht gleich. Das klassische Gerechtigkeitsverständnis, das im Widerspruch zum heute dominanten Egalitarismus steht, ist das von Platon stammende suum cuique. Der römische Jurist Domitius Ulpianus formulierte folgendermaßen: „Die Gerechtigkeit ist der beständige und unwandelbare Wille, einem jeden sein Recht zu gewähren. Die Vorschriften des Rechts sind folgende: ehrenhaft leben, den anderen nicht verletzen, jedem das Seine zu gewähren.“
Der Konservative weiß mit dem hl. Augustinus, dass die Bewährung in der Bewahrung des Ewigen ein großer und schwieriger Kampf ist, für die man im Diesseits nicht unbedingt belohnt werden muss: „Solange wir leben, kämpfen wir, solange wir kämpfen, ist es ein Zeichen, dass der gute Geist in dir nicht erloschen ist. Und wenn dein letzter Tag dich nicht als Sieger findet, so soll er dich als Kämpfer finden.“ In der Bindung an Ewigkeitswerte wie Familie, Volk und Gott, für die es zu sterben und somit erst zu leben lohnt, kämpft der Konservative!
Das Gedächtnis der in diesem Band vorgestellten und ebenso der zahlreichen ihnen verwandten politischen Theoretiker hat für die Bewältigung unserer Gegenwartsprobleme nichts von ihrer Aktualität eingebüßt, ganz im Gegenteil. Leuchttürme wie etwa Nicolás G. Davilá, Ernst Jünger und Gerd-Klaus Kaltenbrunner oder Othmar Spann erinnern uns daran, was einer gesunden Ordnung von jeher zugrunde gelegen hat und auch in Zukunft zugrunde liegen wird. Jeder von ihnen hat uns den einen oder anderen wertvollen Gedanken für unsere Zeit überlassen. Sie mögen dem Leser geistige Kraftquelle sein.
Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich einem Denker und seinem Werk zu nähern. In dieser Hinsicht wurde den Autoren freie Hand gelassen. Unsere Beiträge sollen zum Weiterlesen, zu einem Sichvertiefen in das vorgestellte Werk anregen. Bei der Auswahl der Autoren wurde darauf Bedacht genommen, dass sie sich nicht nur durch tiefe Kenntnis der Behandelten auszeichnen, sondern auch, dass sie ihrem Thema mit Empathie gegenüberstehen: nicht die bloß anscheinend objektive Distanz, sondern ein echtes Ringen mit dem Gegebenen, nicht ein bloßes Nacherzählen, sondern ein Nach-denken. Dass führt naturgemäß zu einem persönlichen Herangehen an das Thema. Dabei wurde aber auch darauf geachtet, dass die Gesamterscheinung der Autoren und Zugänge, bei aller Vielfalt der behandelten Denker, die Einheit des Gedankens wahrt: die Flamme weiterzureichen. Herrn Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker, dem Verleger des Grazer Ares Verlages, sei an dieser Stelle gedankt, eben dies mit dieser Veröffentlichung ermöglicht zu haben.
Es bleibt dem Herausgeber, dem Leser für die weitere Lektüre und sein politisches Leben, dem nie (ganz) entflohen werden kann, an die heute in Zeiten einer Hegemonie der politischen Korrektheit zu selten praktizierte Tugend der Tapferkeit hinzuweisen. Für Perikles liegt in der Tapferkeit bekanntlich das Geheimnis der Freiheit begründet. Und auch die paulinische Regel, alles zu prüfen und das Gute zu bewahren, sei in Erinnerung gerufen: Omnia autem probate, quod bonum est tenete (1. Thess. 5, 21).
Dr. Daniel Führing
VON MATHIAS VON GERSDORFF
In seinem Hauptwerk, „Revolution und Gegenrevolution“, beschreibt Plinio Corrêa de Oliveira den Revolutionsprozess, der seit über 500 Jahren dabei ist, die Katholische Kirche anzugreifen und die christliche Zivilisation zu zerstören. Dieser Prozess begann im Europa des ausgehenden Mittelalters, als der christliche Geist, vor allem die Liebe zum Kreuz Christi, an Kraft verlor. Die Revolution ist einzig und universell und besteht aus mehreren Etappen: Renaissance, Protestantismus, Französische Revolution, kommunistische Revolution und 1968er-Revolution samt ihrer vielen Verästelungen. Motor dieses Prozesses ist der Hochmut und die Sinnlichkeit. Beide haben die Gleichmacherei zu einem metaphysischen Wert erhoben. Die Welt, die die Revolution anstrebt, ist eine Utopie der völligen Gleichheit. Da aber die Schöpfung von Gott hierarchisch aufgebaut wurde, ist die Revolution nichts anderes als eine Hinführung zum Chaos und zur Unordnung. Die Gegenrevolution ist der Prozess, der als Reaktion zur Revolution entsteht: „Wenn die Revolution Unordnung ist, so ist die Gegenrevolution die Restauration der Ordnung. Unter Ordnung aber verstehen wir den Frieden Christi im Reiche Christi; das heißt, eine strenge, hierarchische, wesenhaft sakrale, antiegalitäre und antiliberale christliche Kultur.“1
Plinio Corrêa de Oliveira definiert die christliche Zivilisation als diejenige, die sich aus der Treue der Menschen zur göttlichen Gnade, also zum Erlösungswerk Gottes, ergibt: „In dem Maße, in dem der Mensch also im Gnadenleben fortschreitet, schafft er auch durch die Ausübung der Tugend eine Kultur, eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung, in völliger Übereinstimmung mit den grundlegenden, unvergänglichen Prinzipien des Naturgesetzes und des göttlichen Gesetzes. Wir bezeichnen diese als christliche Zivilisation.“
Für Plinio Corrêa de Oliveira besitzt jede Revolution drei Stufen oder Etappen: die Revolution der Tendenzen, der Ideen und der Fakten. Viele Denker haben die Revolution der Ideen oder der Fakten beschrieben. Corrêa de Oliveira war wohl der Erste, der den Tendenzen, also den menschlichen Neigungen im Inneren der menschlichen Seele, große Bedeutung zumaß. Aus diesem Grund publizierte Corrêa de Oliveira immer wieder Analysen von Architektur, Kunst, Moden, Musikstile, Verhaltensformen usw., denn sie drücken eine innere Einstellung im Menschen auch dann aus, wenn sie (noch) nicht einer bewussten und ausformulierten Idee entspringt. So konnte ein überzeugter Monarchist vor der Französischen Revolution unbewusst republikanische Verhaltensweisen angenommen haben.
Das ist in wenigen Worten der Inhalt von „Revolution und Gegenrevolution“. Plinio Corrêa de Oliveira schrieb es im Jahr 1959, als er schon seit Jahrzehnten am öffentlichen und politischen Leben Brasiliens als katholischer Anführer und Publizist teilnahm. Es ist also ein Buch, das aus langen Überlegungen entstammt, aber auch aus einer langen Erfahrung und vielen Beobachtungen.
Der Einfluss der Meditation der zwei Fahnen in den Exerzitien des hl. Ignatius von Loyola in „Revolution und Gegenrevolution“ ist offensichtlich. Über die Einflüsse auf Plinio Corrêa de Oliveira sowie seine geistesgeschichtliche Einordnung hat mehrmals der italienische Autor und Gründer von „Alleanza Cattolica“, Giovanni Cantoni, publiziert. Im Aufsatz „A contribuição de Plinio Corrêa de Oliveira e de Revolução e Contra-Revolução no desenvolvimento do pensamento e da ação contrarevolucionários“2 kategorisiert er folgendermaßen die Leistung des Brasilianers: 1. Vor allem durch sein Hauptwerk „Revolution und Gegenrevolution“ kann Plinio Corrêa de Oliveira in die Tradition des hl. Augustinus und seiner Doktrin der zwei Städte (die Stadt Gottes im Gegensatz zur Stadt des Menschen) eingeordnet werden. 2. Cantoni sieht Corrêa de Oliveira in der Tradition des Ultramontanismus des 19. Jahrhunderts. Dies vor allem, weil die „Katholische Bewegung“ Brasiliens der 20er und 30er Jahre, der Corrêa de Oliveira in leitender Stellung angehörte, erheblich vom Geist Pius’ IX. und seinem „Syllabus“ beeinflusst war. 3. Für Cantoni ist Plinio Corrêa de Oliveira der wichtigste Vertreter der gegenrevolutionären Bewegung in Brasilien und 4. in Lateinamerika. 5. Plinio Corrêa de Oliveira muss als ein Vordenker und Aktivist für den Aufbau einer von der Revolution zerstörten christlichen Zivilisation angesehen werden.
Die Einordnung Cantonis ist eine gute Orientierung, darf aber nicht zu eng gefasst werden, denn in Wahrheit war Plinio Corrêa de Oliveira für alle Einflüsse offen, soweit sie dem wahren und authentischen katholischen Geist entsprachen. In den letzten Jahrzehnten seines Lebens war er zwar unermüdlich gegen Sozialismus und Kommunismus aktiv, doch in seinen Vorträgen und Artikeln, die sich nicht mit aktuellen Themen beschäftigten, breitete er immer wieder und immer tiefer seine Vision einer wieder aufzubauenden christlichen Zivilisation aus. Für die jüngeren Generationen, die ihn gekannt haben, ist dieser der bei Weitem dominante Aspekt seiner intellektuellen Arbeit und Persönlichkeit überhaupt. Die Publikationen, die nach seinem Tode erschienen sind, befassen sich insbesondere mit diesem Bereich seiner großen intellektuellen Leistung.
Plinio Corrêa de Oliveira entstammte einer aristokratischen Familie des riesigen Landes. Früh trat er in die Marianischen Kongregationen ein, in denen er dank seiner großen Fähigkeiten als Redner zu einer führenden Figur der damals stark wachsensenden „Katholischen Bewegung“ wurde. Die Jugend Brasiliens trat mit Begeisterung in die Organisationen des Jugendapostolats ein, das während des Pontifikats von Papst Pius XI. sehr populär wurde.
Die Bedeutung der „Katholische Bewegung“ Brasiliens der Zwischenkriegszeit und der Marianischen Kongregationen, die Teil dieser Bewegung waren, darf man nicht unterschätzen. Plinio Corrêa de Oliveira beschreibt folgendermaßen die Rolle und die Bedeutung der Marianischen Kongregationen für Brasilien im Jahr 1928: „Die Katholische Bewegung begann ihre Phase des Aufschwungs. Ihre Stärke kam von der großen Ausdehnung, die die Marianischen Kongregationen erreicht hatte. Bis dahin war die Situation ganz anders gewesen. Es war schlecht angesehen, wenn ein Mann sich als Katholik bekannte. Die wenigen männlichen Kongregierten galten als seltsam bei der Mehrheit der Menschen und lebten etwas am Rande des gewöhnlichen Lebens. Anfang der 1920er Jahre begann diese Situation sich umzukehren, sodass 1930 es als renommiert galt, zu den Reihen der katholischen Bewegung zu gehören. […] Die Marianische Bewegung zeichnete sich durch eine große Authentizität und einen großen religiösen Eifer aus, eine wachsende Verehrung der Muttergottes und eine entschiedene antikommunistische Haltung. Außerdem stand diese Bewegung in Opposition – auch wenn das nicht auf den ersten Blick erkennbar war – zu den antichristlichen Aspekten der Französischen Revolution und ihren kulturellen und ideologischen Konsequenzen, die sich im Laufe des XIX. und in den ersten Jahrzehnten des XX. Jahrhunderts immer mehr entfalteten. Es soll bemerkt werden, dass die internen Krisen, die damals innerhalb der führenden Gruppen des katholischen Milieus in Europa und den Vereinigten Staaten zu entstehen begannen, noch nicht Brasilien erreicht hatten. Die Kirche lebte einen vollkommenen religiösen Frieden mit einer absoluten Übereinstimmung zwischen den kirchlichen Organisationen; alle respektierten die Autorität der kirchlichen Hierarchie. Kurz, Brasilien genoss noch den religiösen Frieden, den Papst Pius X. für die Kirche in heroischer Art und Weise durch seinen Kampf gegen die modernistische Häresie erkämpft hat. Niemand kam auf die Idee, dass ein praktizierender Katholik untreu sein oder bösen Willen haben oder innerhalb der Kirche für die Feinde dieser arbeiten könnte.“3
Die Existenz der „Katholischen Bewegung“ bedeutet nicht, dass es auch Milieus gab, die ganz und gar anti-katholisch gesinnt waren. Leider war ein wichtiger Teil der Eliten des Landes völlig laizistisch gesinnt und in der Freimaurerei organisiert. Corrêa de Oliveira erlebte ein solches Milieu mit voller Wucht, als er sein Jurastudium an der renommierten Fakultät des „Largo de São Francisco“ begann. Die Reaktion von Corrêa de Oliveira auf die Zustände in seiner Jurafakultät war die Gründung einer Katholischen Studentenaktion, der „Ação Universitária Católica“ (Studentische Katholische Aktion), zusammen mit einigen weiteren Mitgliedern der Marianischen Kongregation, die von Anfang an einen militanten Charakter hatte.
Im ersten Exemplar des Mitteilungsblattes mit demselben Namen schreibt Plinio Corrêa de Oliveira anlässlich der Gründung der katholischen Studentenaktion das Manifest „Zur Verteidigung der höchsten Interessen der Kirche, der Zivilisation und des brasilianischen Heimatlandes“: „Viele haben schon eine Ahnung dieser schönen Initiative zur geistlichen Wiederherstellung der brasilianischen Gesellschaft. […] Einen Überblick über die aktuellen Geschehnisse in Brasilien führt uns zur unausweichlichen Überzeugung, dass es nicht mehr möglich ist, in einem Zustand der Trennung zwischen dem religiösen Gewissen und dem zivilen Gewissen zu leben, als ob sich das Zweite nicht vom Ersten inspirieren lassen soll […] zwischen dem Gewissen derjenigen, die andere regieren und dem Gewissen derjenigen, die sich selbst regieren müssen, als ob das gesamte gesellschaftliche Leben nicht Schaden nimmt durch die Vernachlässigung der ewigen Prinzipien, die der Menschheit die Orientierungen gaben und sie bis zu unseren Tagen geleitet haben.“
Im selben Exemplar des Mitteilungsblattes beschreibt Plinio Corrêa de Oliveira, dass das oben zitierte Manifest in allen höheren Schulen von São Paulo verbreitet wird und ruft alle Mitglieder der Marianischen Kongregationen auf, bei diesem Kampf mitzumachen: „Heute ist jeder Katholik selbstverständlich ein Kämpfer. In einer Stadt, vor dessen Toren der Feind postiert ist, befinden sich alle Einwohner im Kriegszustand. Sie kämpfen, wie sie können und Verräter ist derjenige, der vor den Ungewissheiten des Kampfes flieht, um feige Schutz zu Hause zu suchen. Nun, in diesem Kampf, der mehr denn je droht, zyklopische Ausmaße anzunehmen, muss jeder Katholik ein Kämpfer sein und jeder Kämpfer ein wahrer Held.“
Die 1920er und 1930er Jahre waren politisch und gesellschaftlich sehr turbulente Jahre in Brasilien. 1930 kam es zum Putsch von Getúlio Vargas, der für immer das Land verändern sollte. Die alte Aristokratie der Landbesitzer verlor die Macht, im Land begann ein Prozess der Industrialisierung und der Verstädterung, der bis heute fortgesetzt wurde. 1933 war Getúlio Vargas allerdings aufgrund der politischen Umstände gezwungen, eine Verfassunggebende Versammlung einzuberufen. Nun zeigte sich, dass die „Katholische Bewegung“ nicht nur sehr fromm, sondern sich ihrer politischen Macht bewusst war. Aus dem katholischen Milieu wurde die „Katholische Wahlliga“ (Liga Eleitoral Católica) gegründet und Plinio Corrêa de Oliveira war einer ihrer wichtigsten Kandidaten. Zu diesem Zeitpunkt war er nicht nur aufgrund der Marianischen Männerkongregation bekannt, sondern hatte sich schon als Studentenführer an der Rechtsfakultät und als Publizist – er schrieb regelmäßig für die offiziöse Erzbistumszeitung „Der Legionär“ – einen Namen gemacht. So wurde er bei der Wahl der meist gewählte Abgeordnete im ganzen Land. Die „Katholische Wahlliga“ wurde so stark, dass sie alle Forderungen, wie etwa finanzielle Verbesserungen für die Familien, Gottesbezug in der Verfassung, Religionsunterricht in den Schulen usw., durchsetzen konnte.
Nach Ablauf des Mandats widmete er sich der Hochschullehre und übernahm den Lehrstuhl für Kulturgeschichte am Hochschulkolleg der Fakultät für Rechtswissenschaften an der Universität São Paulo. Später wurde er Ordinarius für Geschichte der Neuzeit und der Gegenwart an der Fakultät für Philosophie und Wissenschaften São Bento und Sedes Sapientiae der Katholischen Universität von São Paulo.
Plinio Corrêa de Oliveira war im Jahr 1940 einer der Gründer der „Katholischen Aktion“ des Erzbistums São Paulo und ihr erster Präsident. Damit wurde er die leitende Figur des brasilianischen Laientums. Als solcher war er einer der wichtigsten Redner beim legendären IV. Nationalen Eucharistischen Kongress im Jahr 1942 – mit etwa einer halben Million Teilnehmern, eine für damalige Zeiten gigantische Zahl. Aufgrund der damals schlechten bzw. langsamen Informationswege und auch aufgrund des Ersten Weltkrieges blieb Lateinamerika mehrere Jahre isoliert von Europa, weshalb progressistische Ideen, die noch von Papst Pius X. bekämpft wurden, sehr spät in Brasilien ankamen. Doch sie kamen, was Plinio Corrêa de Oliveira, schon erfahren in der Leitung von Organisationen, bald erkannte. Manche Milieus, Laien wie auch Priester, waren der Meinung, die Katholische Kirche müsse sich modernisieren. Konkret bedeutete das, man müsse die „veralteten“ Devotionsformen wie Herz-Jesu-Verehrung, Rosenkranzgebet, Heilige Stunde usw., abschaffen. Außerdem sollte eine größere Gleichheit zwischen Laien und Priestern geschaffen werden. Der Weg, wie man diese Neuerungen in die Katholische Kirche Brasiliens einführen wollte, war die Aufwertung der Katholischen Aktion, also die mit Abstand wichtigste Laienbewegung im Lande. Praktisch sollte sie Zuständigkeiten erhalten, die nur das Priestertum haben darf. 1943 schrieb Plinio Corrêa de Oliveira sein erstes Buch: „Zur Verteidigung der Katholischen Aktion“. Damit wollte er öffentlich machen, wie die laizistischen und liberalen Gedanken das Leben der Katholischen Kirche umgestalten sollten, nämlich nach dem Vorbild der modernen Räte- und Gremienkirche in Deutschland.
„Zur Verteidigung der Katholischen Aktion“ hatte eine immense Wirkung, denn jeder erkannte, was vor sich ging. Diejenigen, die eine liberale und moderne Kirche anstrebten, konnten nicht mehr insgeheim arbeiten. Mit diesem Buch konnte Plinio Corrêa de Oliveira um Jahrzehnte den Verweltlichungsprozess der Kirche, der heute allerorts zu beobachten ist, in seinem Land verhindern.
In seinem ersten Buch verwendet Corrêa de Oliveira dieselbe Strategie, die er auch in den Mitteilungsblättern der Katholischen Aktion an der Universität verwendet hat: den Unterschied bzw. den Kontrast zwischen der liberalen, sozialistischen, kommunistischen oder faschistischen Position zum Lehramt der Katholischen Kirche. Er scheute dabei keine Polemik und keine Diskussion. Die Sache der Katholischen Kirche stand für ihn über allen Dingen und sie musste verteidigt werden, koste es, was es wolle.
Allerdings hatte diese Veröffentlichung einen hohen persönlichen Preis: Corrêa de Oliveira machte sich viele Feinde und wurde zu einer polemischen und schillernden Persönlichkeit. Im Laufe von wenigen Jahren verlor er die Posten, die er in Kirchengremien innehatte. Er wurde als Präsident der Katholischen Aktion abgesetzt und verlor auch seinen Posten als Chefredakteur des „Legionario“, zu dem er zwischenzeitlich aufgestiegen war.
An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass der offiziöse „Legionario“ keine Kirchenzeitung war, die sich nur dem Leben der Kirche widmete, sondern auch ständig auf die Gefahren für die christlichen Wurzeln Brasiliens aufmerksam machte. So wurden von 1929 bis 1947 insgesamt 2.936 Artikel gegen den Nationalsozialismus und den Faschismus veröffentlicht, davon stammten 447 aus der Feder Corrêa de Oliveiras.
Beschäftigt man sich mit dem Leben und mit den vielen Publikationen von Plinio Corrêa de Oliveira – von denen leider die meisten noch nicht aus dem Portugiesischem übersetzt wurden –, stellt man rasch fest, dass er seine Weltanschauung und auch seine Methoden, die Revolution zu bekämpfen, nie im Kern verändert hat. Seine Analysen wurden zweifelsohne immer reicher und komplexer, sein Verständnis des Feindes, also der Revolution, wurde immer umfassender. Doch er baute auf das auf, was er schon in jungen Jahren entwickelt hatte. Dies hatte zur Folge, dass er immer wieder Verbündete und ideologische Freunde verlor, wenn diese sich dem Zug der Revolution anschlossen.
An dieser Stelle muss etwas über die Spiritualität von Plinio Corrêa de Oliveira gesagt werden, um verstehen zu können, woher er die Kraft nahm, seinen Weg und seinen Kampf für die christliche Zivilisation auf sich zu nehmen.
Wie schon oben gesagt wurde, trat er recht früh in die Marianischen Kongregationen ein. Doch schon zu Hause konnte er die Atmosphäre eines katholischen Heims genießen. Das bedeutete nicht nur, dass er schon früh beten lernte und die Sakramente empfing. Er lernte auch, was ein katholischer Alltag ist. Dank dieser Erfahrung entwickelte er ein feines Gespür, mit dem er feststellen zu konnte, was nicht dem katholischen Geist entsprach. So war er problemlos in der Lage festzustellen, dass der Faschismus eine Falle für die Katholiken war, die eine antikommunistische Einstellung hatten. Unermüdlich bekämpfte er deshalb Faschismus und Nationalsozialismus, die durchaus eine Gefahr für seine Heimat gewesen sind. Er war dazu nicht nur in der Lage, weil er sehr früh das katholische Lehramt studiert hat, sondern weil er die psychologischen Konsequenzen dieser falschen Ideologien kannte. Seine brasilianische Intuition zeigte ihm sehr schnell, wenn jemand oder etwas nicht dem katholischen Geist entsprach.
Besonders großen Einfluss auf ihn hatte die Lektüre der „Abhandlung über die vollkommene Andacht zu Maria“ (Goldenes Buch) des hl. Ludwig Maria Grignion von Monfort. Die Weihe zur Muttergottes entsprechend dieser Abhandlung war die Grundlage seines Gebetslebens. Die Verehrung der Muttergottes und ihre Rolle in der Geschichte nehmen einen wichtigen Platz in seiner publizistischen Arbeit ein, aber auch in seinen Vorträgen und sonstigen Begegnungen mit Menschen, beispielsweise Aktivisten der TFP, die sich dem gegenrevolutionären Aktivismus widmeten. „Die Gottesmutter war stets das Licht meines Lebens, und ich erhoffe von ihrer Barmherzigkeit, dass sie mein Licht und meine Hilfe bis zum letzten Augenblick meines Daseins sein möge“, schrieb er 1978 in seinem geistigen Testament.
Im Jahr 1950 beteiligt er sich an der Gründung der Monatszeitschrift „Catolicismo“ für Kultur und Zeitgeschehen, für die er in den 1950er Jahren praktisch jeden Monat lange Artikel schreiben würde. In diesen zehn Jahren schreibt Corrêa de Oliveira zu einer Vielzahl von Themen. Besonders bekannt wurde sein Kreuzweg, der unzählige Male aufgelegt wurde. Jeden Monat schrieb er die Kolumne „Ambiente, Bräuche, Zivilisationen“, in der er anhand der Analyse von Architektur, Kunst, Persönlichkeiten den Gegensatz zwischen einer modernen Zivilisation, die die Wurzeln zu ihrer christlichen Vergangenheit durchschnitten hat, eben mit einer Zivilisation, die – wenn nicht direkt christlich war, wie beispielsweise die Gotik –, doch zumindest noch vom christlichen Geist und Lebensauffassung beeinflusst ist. Die meisten Artikel über die Muttergottes verfasste er in dieser Zeit. Noch heute liest man mit großem Gewinn seine langen soziologischen Studien.
Am Ende der 1950er Jahre schrieb er „Revolution und Gegenrevolution“. Er verfasste diesen Essay zunächst für die 100. Nummer von „Catolicismo“. Plinio Corrêa de Oliveira ist Autor von 2.500 Artikeln, viele von erheblicher Länge. Er formulierte aus katholischer Perspektive soziologische und historische Studien, die immer die aktuelle Situation und die Bedürfnisse der Kirche im Blick hatten.
„Catolicismo“, eigentlich eine Monatszeitschrift, entwickelte sich zu einem Archipel in ganz Brasilien von Leservereinen, deren Mitglieder ehemals in den Marianischen Kongregationen aktiv waren und die mit der moderneren Linie der Laienverbände nicht einverstanden waren. In seiner Biografie über Corrêa de Oliveira schreibt Massimo Introvigne, dass es nur durch die Zeitschrift „Catolicismo“ im Brasilien der 1950er Jahre möglich war, über die lehramtlichen Dokumente aus Rom zu erfahren. Die Kirchenpresse war schon weitgehend in den Händen derjenigen, die die Kirche modernisieren wollten und Papstdokumente, traditionelle Devotionen und generell eine militante Haltung gegen die Entwicklungen der Gesellschaft hin zum Sozialismus ablehnten. Aus diesem Kreis gab es zunehmend Stimmen, die Plinio Corrêa de Oliveira um eine knappe Darstellung seiner geschichtsphilosophischen Gedanken baten. So entstand „Revolution und Gegenrevolution“.
Neben seiner Tätigkeit für „Legionario“ und „Catolicismo“ war Plinio Corrêa de Oliveira Kolumnist von 1968 bis 1990 für die auflagenstärkste Tageszeitung des Bundesstaates São Paulo, die „Folha de São Paulo“. Im Oktober 1960 veröffentlichte Plinio Corrêa de Oliveira das umfangreiche Buch „Bodenreform: Gewissensfrage“ zusammen mit Geraldo de Proença Sigaud, Erzbischof von Diamantina, Antonio de Castro Mayer, Bischof von Campos, und dem Volkswirt Luiz Mendonça de Freitas. Mit diesem Buch, das in Brasilien zu einem wahren Bestseller wurde, beginnt der jahrzehntelange Kampf von Plinio Corrêa de Oliveira gegen Sozialismus und Kommunismus.
Trotz intensiver Bemühungen, das Land zu industrialisieren, war Brasilien immer noch ein Agrarland. Nur durch die Einführung kommunistischer Strukturen auf dem Land konnte es gelingen, den Kommunismus einzuführen. Die Intention von „Bodenreform: Gewissensfrage“ war genau diese: Die Bodenreform, sozialistisch und konfiskatorisch, wie sie geplant war, sollte den Weg in den Kommunismus ebnen. Corrêa de Oliveira durchreiste das Land und stellte das Buch und seine Thesen vor. Auch hier war die Grundlage seiner Argumentation das katholische Lehramt.
Mit diesem Buch begann eine völlig neue Phase im Leben Corrêa de Oliveiras. Aufgrund der Expansion des damaligen Kommunismus wurde er definitiv zum Aktivisten. Die vielen Bücher und Artikel, die er in den Folgejahren schreiben sollte, waren fast alle im Hinblick auf die kommunistische Bedrohung verfasst. Etwa zehn Bücher schrieb er zwischen 1960 bis 1987 zu diesem Zweck.
Doch der Kommunismus konnte nicht allein mit Texten bekämpft werden. Im Jahr 1960 gründete er die „Brasilianische Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Privateigentum“ (TFP) als Organisation, die sich kampagnenmäßig für die Verbreitung von „Bodenreform: Gewissensfrage“ und generell für den Widerstand gegen Sozialismus und Kommunismus einsetzen sollte. In allen großen Städten des Landes konnte die TFP Vertretungen öffnen. Zeitweise zählte sie Tausende von Mitgliedern und Sympathisanten. Dadurch wurde diese Organisation die wichtigste antikommunistische Kraft im Land. Die TFP fand rasch Sympathisanten in anderen Ländern, sodass ähnlich gesinnte Vereinigungen in mehreren Ländern gegründet wurden. Zunächst in Chile und Argentinien, später in anderen Ländern Süd- und Nordamerikas. Dieses Netz von autonomen, aber befreundeten Organisationen konnte rasch weltweit Manifeste und Bücher gegen den Kommunismus veröffentlichen. Eines der wichtigsten war „Der selbstverwaltete Sozialismus: gegenüber dem Kommunismus eine Barriere oder ein Brückenkopf“ im Jahr 1981 gegen den ersten Regierungsentwurf des französischen Präsidenten François Mitterrand. Auch in Deutschland wurde dieses mehrseitige Dokument veröffentlicht und dank der hervorragenden Resonanz konnte etwas später ein „TFP-Büro“ in Frankfurt am Main eröffnet werden.
Aufgrund des rasanten Wachstums der brasilianischen TFP und der befreundeten Organisationen im Ausland verlagert sich seine Tätigkeit zunehmend auf die Leitung seiner Gründung. In den letzten Jahrzehnten seines Lebens hält er jede Woche mehrere Vorträge. Zu dem kommt eine immense Korrespondenz mit den unterschiedlichsten Personen und Institutionen. Zum Zeitpunkt der Redaktion dieses Aufsatzes wird die gigantische geistige Hinterlassenschaft Corrêa de Oliveiras immer noch zwecks Veröffentlichung aufgearbeitet. Doch ein Großteil ist schon im Internet unter pliniocorreadeoliveira.info frei zugänglich. Dort können auch viele übersetzte Texte gelesen werden.
Von 1960 bis zum Ende der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa war der Einsatz Corrêa de Oliveiras und der diversen TFPs unermüdlich. Die vielen Publikationen, öffentlichen Stellungnahmen und Kampagnen aufzuzählen, würde den Rahmen dieses kurzen Aufsatzes sprengen. Um die Wirkkraft zu dokumentieren, soll die Unterschriftensammlung für die Unabhängigkeit Litauens erwähnt werden, die im Jahr 1990 durchgeführt wurde und die Rekordzahl von 5.218.520 Unterschriften sammeln konnte, wodurch sie eine Erwähnung im „Guiness Book of Records“ fand. Die Unterschriftensammlung machte das Schicksal des kleinen baltischen Landes weltweit bekannt. Die Weltöffentlichkeit verfolgte die Unabhängigkeitsbestrebungen mit solcher Aufmerksamkeit, dass sich eine Welle der Empörung erhob, als sowjetische Panzer am 13. Januar 1991 versuchten, das Parlament in Vilnius zu stürmen. Wenige Monate später erkannte Russland die Unabhängigkeit widerwillig an.
Das große Ziel von Plinio Corrêa de Oliveira war nicht nur die Zerstörung der Revolution, sondern auch zum Aufbau einer christlichen Zivilisation beizutragen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs verfasste er sein letztes Buch: „Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten“, das 1993 im portugiesischen Original erschien. Corrêa de Oliveira kommentiert in diesem Buch die Ansprachen von Papst Pius XII. an den römischen Adel und das Patriziat und zeigt, dass der traditionelle Adel, also die historischen Eliten, auch in der modernen Welt eine Rolle besitzen. Doch nicht nur das: Diese Eliten sollen einen entscheidenden Beitrag zur Wideraufrichtung der christlichen Zivilisation leisten.
Plinio Corrêa de Oliveira:Revolution und Gegenrevolution, Tradition, Familie und Privateigentum (TFP) Büro Deutschland/Deutsche Vereinigung für eine christliche Kultur (DVCK) e. V., Frankfurt am Main 1996
Plinio Corrêa de Oliveira:Betrachtungen für die Karwoche, Deutsche Vereinigung für eine christliche Kultur e. V., Frankfurt am Main 2003
Plinio Corrêa de Oliveira:Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten, Österreichische Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum, Wien 2008
Roberto de Mattei:Il crociato del secolo XX. Plinio Corrêa de Oliveira, dt.: Der Kreuzritter des 20. Jahrhunderts. Mit einem Vorwort von Kardinal Alfons Maria Stickler SDB, Deutsche Vereinigung für eine christliche Kultur e. V., Frankfurt am Main 2004
1Revolution und Gegenrevolution, zweiter Teil, zweites Kapitel.
2Dt. etwa: „Der Beitrag Plinio Corrêa de Oliveiras für die Entwicklung des gegenrevolutionären Denkens. Entnommen aus: „Associação dos Fundadores da TFP: Plinio Corrêa de Oliveira 1908–1995: Dez anos depois. Sao Paulo 2005“).
3Zitiert aus „Tradición, Familia Propiedad – Un ideal, un lema, una gesta“ (eigene Übersetzung).
VON TILL KINZEL
Literatur ist das Gegenteil von Philosophie. Philosophie ist das Bestreben, möglichst klare und distinkte Ideen zu erhalten. Es geht also in der Philosophie darum, Exaktheit als Maßstab des Denkens zu begründen. Denn nur durch Exaktheit, durch strenge Definition von Begriffen, durch Abgrenzung und Präzision im logischen Schließen kann die Philosophie ihre Existenzberechtigung im Konzert der modernen Wissenschaften, die im Idealfall allemal mathematisierte Wissenschaften sind, halbwegs erweisen. Weil Philosophie also Anteil hat am Ideal der Exaktheit, kann Philosophie im wesentlichen identisch gedacht werden mit „analytischer Philosophie“. Denn wenn Philosophie auf die logische Klärung der Gedanken zielt, darauf vor allem, wenn sie die Welt und Menschen auf den Begriff bringen soll, wenn die Anstrengung des Begriffs dem Menschen eine geordnetere Welt als zuvor hinterläßt, dann ist Philosophie zuallererst analytisch, dann muß sie analytische Philosophie sein.
Literatur dagegen ist das Gebiet ästhetischer Empfindungen und Wertungen, die daher notwendig subjektiven Charakter haben müssen. Literatur kann nach allgemeiner Überzeugung (und trotz der gegenwärtig modischen Rede vom „Wissen der Literatur“) keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben, weil sie sich aus dem Reich der Imagination speist, ohne notwendige Kontrolle durch irgendeine Realität. Literatur schafft eine zweite Realität, eine Wirklichkeit, die sich nicht dadurch angemessen erfassen läßt, daß sie als Repräsentation der ersten Realität verstanden wird. Denn Literatur stellt dem Leser eine Realität vor, die nicht notwendigerweise dem Gebot der Referenz unterliegt, das für wissenschaftliche Darstellungen unabdingbar ist. Literatur verweist auf etwas anderes nicht im Modus der Wissenschaftlichkeit, sondern im Modus des Spiels, eben ästhetisch, metaphorisch, allegorisch, poetisch, also anverwandelnd, verfremdend, phantasierend, imaginierend und umdeutend. Literatur ist in vielen Fällen wesentlich narrativ strukturiert, Erzählungen aber sind als solche weder wahr noch falsch, sondern eben gut erzählt oder schlecht erzählt, simpel oder raffiniert. Darüber, welcher Erzählung wir lauschen, welche wir weiterlesen wollen, entscheidet weit mehr das Wie als das Was, obwohl auch dieses eine wichtige Rolle spielt. Literatur ist das, was zunächst keinen echten primären Nutzen zu haben scheint, während doch die analytische Durchdringung von Begriffen wenigstens dies zu versprechen scheint, daß nämlich unsere Gedanken geklärt werden. Literatur dagegen, so könnte man dagegen meinen, kläre nicht unsere Gedanken, sondern fülle unseren Geist mit Bildern und Assoziationen, mit Stimmungen und Anmutungen, die gerade nichts klären, sondern die Dinge wie sie sind, sogar im Modus der Verzauberung oder der Wiederverzauberung verfremden.
Um so befremdlicher muß es da wirken, wenn angesichts des auch faktischen Siegeszuges der analytischen Philosophie etwa an den mitteleuropäischen Universitäten an den Rändern der Philosophie, sozusagen als Marginalien, Tendenzen einen Widerhall finden, die diesem Analytizitätsmodell der Philosophie zuwiderlaufen. Ein solches (im wahrsten Sinne des Wortes) Randphänomen, ein Marginalium, stellt die in jüngster Zeit vermehrt zu beobachtende Rezeption des kolumbianischen Denkers und Schriftstellers Nicolás Gómez Dávila (1913–1994) dar. Denn wenn dieser auch nicht im Herzen der akademischen Philosophie unserer Tage angekommen ist, so ist er doch den Außenseitern und den unakademischen Philosophen und Freigeistern unserer Tage nicht unbekannt geblieben und entfaltet gleichsam eine unterirdische Wirksamkeit.1 Für Gómez Dávila kann das Modell einer bloß analytischen Philosophie keine Geltung beanspruchen, denn, wie er sagt, „in jeder philosophischen Strömung wird das Denken sklerotisch, werden die technischen Probleme dominant“.2
Gómez Dávila hat selbst fast nur Randglossen zu einem Text geschrieben, welcher diesen Glossen auf merkwürdige Weise schon innewohnt. Diese Randglossen aber enthalten solche scharfen Spitzen gegen die im akademischen Milieu praktizierten Üblichkeiten – die als solche Üblichkeiten eben immer auch den Hang zur Normalwissenschaft mit sich bringen –, daß es sich lohnt, die antiszientistische (nicht: antiwissenschaftliche) Grundhaltung des Philosophierens von Gómez Dávila ein wenig näher zu betrachten. Diese Grundhaltung ist das Resultat einer Fundamentalreflexion auf das Wesen der Welt und des Menschen in ihr, und führt Gómez Dávila zu einer beachtenswerten Wertschätzung der Literatur, worunter hier vor allem die schöne Literatur verstanden werden muß, ergänzt jedoch durch die großen Werke der Geschichtsschreibung und anderer literarisch bedeutsamer Genres – wozu selbstredend auch die Philosophie im weiteren Sinne gehört. Nicolás Gómez Dávila verlebte die meiste Zeit seines Lebens in Kolumbien, ohne sich doch dort wirklich heimisch zu fühlen. Don Nicolás arbeitete in seiner Bibliothek mit etwa 30.000 Bänden an einem Werk, das seinesgleichen sucht – ein Hagel an scharfen Gedanken, die zu Tausenden auf den Leser seiner Werke einprasseln, ein literarisches Stahlgewitter, aus dem niemand ungeschoren davonkommt, der sich ernsthaft darauf einläßt, mit Gómez Dávila zu denken. Außer einigen wenigen Essays schrieb er Tausende von Aphorismen, die er „Glossen zu einem impliziten Text“ nannte, Erläuterungen, die er gleichsam am Rand der Welt festhielt. Das Werk Gómez Dávilas kann als komplexer Verweisungszusammenhang auf die gesamte Überlieferung des abendländischen Denkens und Schreibens verstanden werden; es bietet damit das, was ich an anderem Ort eine „implizite Bibliothek“ genannt habe, die sich ergibt, wenn man die Texte Gómez Dávilas als Lektüreanweisungen versteht. Denn Gómez Dávila gewinnt für uns heute nicht zuletzt dadurch an Bedeutung, daß er als „Lehrer des Lesens“ im Sinne Nietzsches wirkt, als Lehrer, der uns dazu bringt, andere, in unserer Zeit oft der Vergessenheit anheimgefallene Aspekte des menschlichen Daseins zu bedenken.3
Im spanischen Original tragen seine Bücher die denkbar sprödesten Titel, die kein Geheimnis preisgeben, zumal es an direkten Leseanweisungen in Form von Vorworten oder Nachworten mangelt: Notas (Aufzeichnungen, 1954), Textos (1959; dt. Texte und andere Aufsätze, 2003) und schließlich die insgesamt fünf Bände der Escolios a un texto implícito (zwei Bände 1977; zwei Folgebände Nuevos escolios 1986 sowie ein abschließender Band Sucesivos escolios 1992). Die Eigenart des aphoristischen Sprechens, die weitgehende Verweigerung gegenüber der systematischen Darstellung seines Denkens, mahnt zu besonderer Vorsicht. Gómez Dávila schuf eine Art System in Aphorismen, einen verborgenen Zusammenhang, der sich erst dem denkenden Leser als Zusammenhang erschließt.
An den Rändern der Welt zu Hause versuchte Gómez Dávila, sich einen Reim auf die moderne Welt zu machen. Diese moderne Welt war ihm Anathema, ein ethisches und ästhetisches Greuel, das er mit allen verfügbaren geistigen Waffen attackierte, wohl wissend um die Vergeblichkeit seines Tuns. Hochgeachtet in der Gesellschaft von Bogotá, lehnte er doch hohe politische Ämter, die man ihm mehrfach antrug, immer ab. Mit seinen kolumbianischen Landsleuten verband ihn, wie er einmal sagte, nichts als sein Reisepaß. Gómez Dávila gehörte zweifellos zu den großen politischen Theologen des 20. Jahrhunderts, für den ebenso wie im 19. Jahrhundert für den großen spanischen Reaktionär Juan Donoso Cortés alle politischen Irrtümer im letzten aus theologischen Irrtümern hervorgingen. Alle legitime Macht ist für ihn eine Macht, die auf einer religiösen Vorstellung gründet.
Gegen alle vermeintliche Klugheit nannte der Kolumbianer sich selbst einen „Reaktionär“ und machte damit eine Vokabel der politischen Denunziation zu einem Ehrentitel, der höchste Wertschätzung zum Ausdruck bringen sollte. Gómez Dávila trifft mit seinen Aphorismen Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters, aber auch der menschlichen Natur überhaupt. Die Bibel und die antiken Autoren, so Gómez Dávila, reichten völlig hin, um zu wissen, was man vom Menschen wissen kann:
„Die griechische Tragödie und das christliche Dogma sind reife Meditationen über das menschliche Schicksal im Vergleich zum jugendlichen Sentimentalismus der modernen Philosophie.“4
Dazu gehört auch jener andere Aphorismus, der da lautet:
„Entweder lernen wir von der griechischen Tragödie, die menschliche Geschichte zu lesen, oder wir lernen es nie.“5
Der Reaktionär stellt sich so in eine Tradition realistischer Politikanalyse, die weiß, was vom politisch handelnden Menschen erwartet werden kann, und deshalb mit dem Schlimmsten rechnet. Der Reaktionär kann deshalb auch sagen:
„Der Fortschrittler triumphiert immer und der Reaktionär hat immer recht. Recht haben heißt in der Politik nicht, die Szene zu beherrschen, sondern vom ersten Akt an die Leichen des fünften vorherzusagen.“6
Aufklärung ist für Gómez Dávila Aufklärung über den Menschen selbst, weshalb er sich in die Tradition derjenigen einreiht, die das Treiben der Menschen mit eiskaltem Blick analysierten, ein Blick, der von empfindsamen Geistern leicht als zynisch verstanden werden kann:
„Von Thukydides bis zu seinen heutigen Nachfolgern veranschaulicht ein majestätisches Geschlecht souveräner Geister, kalter und unerschütterlicher Geschichtsbetrachter allein durch seine Anwesenheit die unheilbare Beschränktheit unserer elenden Rasse.“7
Es kann daher nicht verwundern, daß Gómez Dávila in der Lektüre des Thukydides viel Weisheit gefunden hat, weshalb ihm dessen Geschichte des Peloponnesischen Krieges als größtes aller Bücher erschien.8 Thukydides zu lesen, ist daher in probates Mittel gegen politische Dummheit. Diese Dummheit ist indes immer auch die eigene:
„Das Leben ist ein täglicher Kampf gegen die eigene Dummheit“9,
gefährlich wie das Vorurteil der Vorurteilslosigkeit, zu dem Gómez Dávila treffend sagt:
„Nichts ist gefährlicher, als die Vorurteile desjenigen zu verletzten, der behauptet, er habe keine.“10
Die Sprache, die uns im Sprechen und Schreiben der anderen umgibt, mit der wir aber auch selbst sprechen, bedarf der besonderen Pflege und Sorgsamkeit, d. h. vor allem auch des bewußten Gebrauchs, damit wir uns nicht mit dem Sprechen der anderen auch ihr inakzeptables Denken zueigen machen. Denn:
„Wer das Vokabular des Feindes akzeptiert, ergibt sich ohne sein Wissen. – Bevor die Urteile in den Sätzen explizit werden, sind sie implizit in den Wörtern.“11
Aufklärungen dieser Art goutiert der im juste milieu der politischen Korrektheiten operierende Gesinnungspolizist nicht, weshalb man gut daran tut, sich das Scholion „Verleumdet wie ein Reaktionär“ auszubuchstabieren.12
Der Mensch ist für Gómez Dávila, wie am deutlichsten seinen frühen Texten zu entnehmen ist, das Wesen, das nicht leicht auf den Begriff zu bringen ist. Bestimmt man den Menschen als animal rationale, wie es die Tradition tut, so ist damit zwar das Auszeichnende des Menschen im Sinne einer Wesensdefinition gegeben, nicht aber die paradoxe und oft befremdliche Komplexität des je konkreten Menschen erfaßt. Gómez Dávila bemüht sich daher um eine Annäherung an das, was der Mensch als der andere in diesem komplexen Sinne ist:
„Wir bilden uns ein, die Geschichte zu erklären, und scheitern am Geheimnis dessen, den wir am besten kennen.“13
Am ehesten noch liege das Wesen des Menschen darin, daß er unausweichlich scheitern müsse, weil er seiner Natur nach das begehrende Wesen ist. Der Mensch ist das Tier, das nicht zur Ruhe kommt, das sich nicht einfach in Selbstvergessenheit dem Fluß der Zeit hingeben kann. Der Mensch werde jeden Augenblick der radikalen Zusammenhanglosigkeit der Welt unterworfen, weil jede Lage, in der er sich befindet, sein unruhiges Herz verwundet. Alles im Menschen sei Begierde, Streben, Ungestüm, Gier. Das Verlangen des Menschen nach heiterer Erfüllung ist unsterblich, doch nicht einmal im kurzen Moment der Lust ist es ihm möglich, das ihn stets begleitende Unbehagen hinter sich zulassen, weil er das Fliehen der Momente des Glückes befürchtet und es lediglich für kurze Zeit vermag, die Angst vor der drohenden Einsamkeit zu betäuben. So sehr nun Gómez Dávila in diesen Bestimmungen Grundstrukturen der (unerlösten, d. h. nicht von Gott erhellten) menschlichen Existenz wahrnimmt, so gibt er sich doch mit dieser Bestimmung nicht zufrieden, sondern versucht, die unvollkommene Menschennatur in immer weiteren Erörterungen einzukreisen, wobei er auch auf die Rolle des Bewußtseins zu sprechen kommt, das nicht zuletzt Bewußtsein vom Tode ist und vom Nichts, das den Menschen umgibt. Gómez Dávila strebte nicht die utopische Restauration des Vergangenen an, die dem politischen Reaktionär oft unterstellt wird; er ist „kein nostalgischer Schwärmer, sondern ein unbestechlicher Richter, ein Pathologe, der Krankheit und Gesundheit bestimmt“14. Die Heilung aber für das wunde Herz des Menschen, so Gómez Dávila, könne nur von Gott kommen.
Christentum und Demokratie empfand Gómez Dávila als Widerspruch, weil jenes die Souveränität Gottes, diese aber die Souveränität des Menschen proklamiere. Die Demokratie mußte daher aus der Sicht des Reaktionärs als geradezu satanisch erscheinen, als politisches Korrelat der Gottvergessenheit des modernen Menschen. Wie schon Nietzsche ist auch Gómez Dávila ein Stachel im Fleisch des bürgerlichen Wohlbehagens und eines naiven Erziehungsoptimismus. Erziehung müsse deshalb darin bestehen, wie Gómez Dávila sarkastisch schreibt, die freie Entfaltung der Persönlichkeit zu verhindern. Denn:
„Die Idee der ‚freien Entfaltung der Persönlichkeit‘ scheint ausgezeichnet, solange man nicht auf Individuen stößt, deren Persönlichkeit sich frei entfaltet hat.“15
Scharf beäugt der Reaktionär auch die moderne Technik der Massenmedien, habe doch die ungehinderte Verbreitung der Nachrichten dazu geführt, daß die traditionelle Funktion des Geheimnisses, der Arcana des Staates, durch die öffentliche Lüge ersetzt worden sei.
Wollte man die Konsequenzen zu Ende denken, die sich aus den Prinzipien der modernen Gesellschaft ergeben, müßte man sich eingestehen, daß diese nur theoretisch, nicht aber praktisch universalisierbar sind. Das Problem des heutigen Menschen bestehe vielleicht in der ironischen Tatsache, so Gómez Dávila, daß dieser tatsächlich über die Macht verfügt, seine Wünsche zu erfüllen, so daß den pleonektischen Begierden, dem „Immer-mehr-haben-Wollen“ der Massen wie der (Pseudo-)Eliten keine Grenzen mehr gesetzt scheinen. Der Reaktionär ist, weil er das Destruktive an der modernen kapitalistischen (oder auch sozialistischen) Industriegesellschaft empfindet, zugleich der konsequentere Ökologe und der einzig wahre Ästhet. Denn nur jene konspirieren erfolgreich gegen die moderne Welt, so Don Nicolás, die im geheimen die Bewunderung der Schönheit propagieren.16 Diese Überwindung der Moderne im Geiste soll es dem einzelnen ermöglichen, angesichts der faktischen Unhintergehbarkeit der Moderne doch ein Leben zu führen, das der Seele einen angemessenen Raum gibt, sich um sich selbst zu kümmern, und zwar nicht im trivialen psychologischen Sinne von „Selbsterfahrung“, sondern als zugleich ernsthafte wie ironische Arbeit an der Schönheit der Seele durch die Errichtung einer Rangordnung der Werte in sich selbst. Gómez Dávila präsentiert mit seinen Glossen eine veritable „Ästhetik des Widerstands“ gegen die moderne Welt der Massengesellschaft mit ihrer Häßlichkeit und der Versuchung zur Denkfaulheit.17 Weil im geistigen Guerillakrieg auch kleine Erfolge zählen, ist jeder taktische Gewinn schon von Wert – die Guerilla hat bekanntlich, wie Henry Kissinger gesagt haben soll, schon gewonnen, wenn sie nicht verloren hat. Und vielleicht ist das reaktionäre Denken dann so gar ohnmächtig nicht, denn:
„Der Reaktionär argumentiert nicht gegen die moderne Welt in der Hoffnung, sie zu besiegen, sondern damit die Rechte der Seele nicht verjähren.“18
Gómez Dávila macht damit den für ihn allein entscheidenden Punkt deutlich. Der Reaktionär ist ein Anwalt des Anspruchs der Seele auf Schönheit und Intelligenz, wo diese nicht gebührend geschätzt werden. Der Widerstand des reaktionären Denkens gegen eine Welt ohne Schönheit und Würde ist ein mühevoller und gleichwohl erhebender Untergrundkampf, dessen bloße Existenz einen Widerschein jener inzwischen verblaßten Schönheit in Erinnerung ruft. Die Reaktion im Sinne Gómez Dávilas ist als Affirmation der konkreten Schönheit eine Notwendigkeit geistiger Selbstachtung im Zeitalter des Nihilismus:
„Das reaktionäre Denken sichert seinen Adepten keinerlei Erfolg, es bewahrt sie lediglich davor, Dummheiten von sich zu geben.“19
Gegen die „ausnahmslose Gleichheit“ (Reinhart Maurer) als gleichsam „sozial-demokratisches“ Grundprinzip moderner politischer Theologie steht der Reaktionär Gómez Dávila für das aristokratische Prinzip der Rangunterschiede als Regulativ und gibt zu bedenken, daß sich der Mensch seiner Menschlichkeit entschlägt, wenn er aufhört, die stets notwendigen Rangunterschiede anzuerkennen.20 Gómez Dávila verteidigt die Notwendigkeit von hierarchischen Strukturen und sieht Freiheitsräume gerade in einer nicht völlig durchrationalisierten Gesellschaft, die neben der Gleichheit auch der Ungleichheit ihren relativen Platz einräumt. Der Reaktionär ist deshalb allen Utopien gegenüber tief mißtrauisch, weiß er doch nur zu gut, daß in jedem Utopisten ein Polizeiwachtmeister schlummert. Ein Utopist aber ist jeder, der nicht bereit ist, mit der Natur des Menschen zu rechnen, wie sie eben ist und auch nicht durch allerlei Sozial-, Psycho- oder sonstige Humantechniken im Grundsatz geändert werden kann.
Die Wahrheit – für Gómez Dávila an sich das Gegenglück des Geistes – ist aber keineswegs nur ein erkenntnistheoretisches Problem; vielmehr kann sie auch ein existentielles Problem werden, wenn sie sich zur Herrschaft aufschwingt und mit der Freiheit in Konflikt gerät:
„Von allen Despotismen ist derjenige der Wahrheit der grauenhafteste. Welche Vorwände kann man ersinnen, um ihn zurückzuweisen? Welche Rechtfertigung läßt sich für unseren Widerstand finden?“21
Gegen das Streben nach analytischer Reinheit, das der akademischen Philosophie notwendigerweise innewohnt, setzt Gómez Dávila die stete Wiederaneignung der Weisheit, die in den uralten Gemeinplätzen enthalten ist. Damit verabschiedet sich Gómez Dávila nicht von der Philosophie an sich – im Gegenteil. Vielmehr steht er ein für ein Verständnis von Philosophie, das z. B. auch der Münsteraner Philosoph Josef Pieper mit Entschiedenheit verteidigt hat, und das auf die Offenheit für das Ganze der Wirklichkeit geht.22 Die Erkenntnis der Wirklichkeit darf keineswegs der modernen Wissenschaft allein überlassen werden; Gómez Dávilas Aphorismen enthalten viele Hinweise darauf, wo und in welchem Kontext besondere Skepsis angebracht ist. So heißt es beispielsweise einmal:
„Es gibt Leute, die so arglos sind, daß sie sich von den Schlußfolgerungen einer soziologischen Monographie überraschen lassen.“23
Gómez Dávila bemühte sich selbst nie um eine wachsende Leserschaft, sondern schrieb recht eigentlich nur für den kleinen Kreis der Freunde. Nur wenige wurden deshalb außerhalb Kolumbiens früh auf Gómez Dávila aufmerksam – wie etwa der berühmte Historiker Arnold Toynbee, der ihn in Bogotá besuchte, mit ihm über Geschichte und Geschichtsphilosophie diskutierte und von dessen stupender Gelehrsamkeit beeindruckt war. Gómez Dávila war im wohlverstandenen Sinne elitär, weil er erkannt hatte, daß die geistigen Hochleistungen der Kultur notwendigerweise keinen Massenanhang finden werden: „Was allen erreichbar ist, lohnt nicht die Mühe, es allen erreichbar zu machen.“24
Gegen die Massengesellschaft mit ihren ästhetisch und ethisch nivellierenden Tendenzen erinnert Gómez Dávila an die Kraft des Individuums, dem Übel mit Würde und Stil zu widerstehen. Das ist auch der Grund für einen Satz wie diesen:
„Vor allem über den Geschmack sollten wir uns streiten. Die übrigen Irrtümer sind nebensächlich.“25
Etwas von dieser Haltung findet sich auch in den gegen die Häresie der Formlosigkeit des Lebens gerichteten Manieren des äthiopischen Prinzen Asfa-Wossen Asserate (2003), der sich in seinem schönen Buch mehrfach auf den kolumbianischen Denker beruft. Das Pathos der Distanz zur Vulgarität des modernen Alltagslebens, das seinen Ausdruck in der ätzenden Schärfe seiner Zeitkritik findet, paart sich bei Gómez Dávila mit der stilvollen Gelassenheit des Herren, die wohl nur aus dem tief verwurzelten Glauben an Gott ganz erklärbar ist. Das reaktionäre Denken als Denken des Konkreten sperrt sich gegen jede Reduktion auf ein Schema, auf einen „reaktionären Katechismus“. Als ein kolumbianischer Nietzsche führte Gómez Dávila seinen einsamen Kampf gegen das Narrenhaus der „modernen Ideen“ und harrte stolz auf, wie es schien, verlorenem Posten zwischen den Ruinen der modernen Welt aus. Die Wahrheit aber, die er an die Zukunft zu übermitteln suchte, lebt im geistigen Untergrund der von intellektuellem Konformismus und Dürftigkeit erstickten Welt, wo man dem Gegen-Glück des Geistes Raum zu geben sucht:
„Die geistigen Kriege werden nicht von den regulären Truppen, sondern von den Freischärlern gewonnen.“26
Der Kolumbianer Gómez Dávila schreibt gewissermaßen als Freischärler der philosophia perennis, sofern diese verstanden wird als ein Denken, das auf das blickt, was immer gilt.
Nicolás Gómez Dávila: Einsamkeiten. Glossen und Text in einem, Wien: Karolinger, 1987
Nicolás Gómez Dávila:Auf verlorenem Posten. Neue Scholien zu einem inbegriffenen Text, Wien: Karolinger, 1992
Nicolás Gómez Dávila:Aufzeichnungen des Besiegten. Fortgesetzte Scholien zu einem inbegriffenen Text, Wien: Karolinger, 1994
Nicolás Gómez Dávila:Texte und andere Aufsätze, Wien: Karolinger, 2003
Nicolás Gómez Dávila: Notas. Unzeitgemäße Gedanken, Berlin: Matthes & Seitz, 2005
Nicolás Gómez Dávila: Scholien zu einem inbegriffenen Text, Wien: Karolinger, 2006
Nicolás Gómez Dávila: Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten. Ausgewählte Sprengsätze, hg. von Martin Mosebach, Frankfurt/M.: Eichborn, 2006
Nicolás Gómez Dávila:Es genügt, daß die Schönheit unseren Überdruß streift … Aphorismen, Stuttgart: Reclam, 2007
Nicolás Gómez Dávila:Scholia to an Implicit Text. Bilingual Selected Edition, Bogotá: Villegas, 2013
Eberhard Geisler:Entgegnung auf Gómez Dávila. Eine Polemik, in: Germanisch-Romanische Monatsschrift 3 (2012), S. 331–351
Hinrich Hudde:Reflexionen des Aphoristikers Nicolás Gómez Dávila über Geschichte, Geschichtsschreibung und Ästhetik (und zu Form und Stil seiner escolios), in: Kirsten Dickhaut und Stephanie Wodianka (Hg.): Geschichte – Erinnerung – Ästhetik. Akten des Festkolloquiums zum 65. Geburtstag von Dietmar Rieger, Tübingen: Narr Verlag 2010, S. 97–109
Gerd-Klaus Kaltenbrunner:Nicolás Gómez Dávila. Wenn Systeme vergehen, überdauern Aphorismen. Eine christliche Kathedrale über heidnischen Krypten, in: Derselbe: Vom Geist Europas, vol. 2, Asendorf: Mut, 1989, S. 518–522
Till Kinzel:Vom Sinn des reaktionären Denkens. Zu Nicolás Gómez Dávilas Kulturkritik, in: Philosophisches Jahrbuch 1/2002, S. 175–185
Till Kinzel:Ein kolumbianischer Guerillero der Literatur: Zu Nicolás Gómez Dávilas Ästhetik des Widerstands, in: Germanisch-Romanische Monatsschrift 1 (2004), S. 87–107
Till Kinzel:Denken als Guerillakampf gegen die Moderne. Leben und Werk des kolumbianischen Schriftstellers Nicolás Gómez Dávila, in: Unsere Agenda, No. 3, August 2005, S. 30–33 und auf: http://www.aphorismus.net/beitrag17.html
Till Kinzel:Nicolás Gómez Dávila. Parteigänger verlorener Sachen, Schnellroda: Verlag Antaios, 2003, 3. Auflage 2006
Till Kinzel:Randbemerkungen zu Nicolás Gómez Dávila als Lehrer des Lesens, in: Michaela Weiß und Frauke Bayer (Hg.): Einfache Formen und kleine Literatur(en). Für Hinrich Hudde zum 65. Geburtstag, Heidelberg: Winter, 2010, S. 77–88
Erik v. Kuehnelt-Leddihn:Der Geist steht rechts! Das Lebenswerk des Nicolás Gómez Dávila, in: Kirche kontra Zeitgeist, Graz: Leopold Stocker Verlag 1997, S. 57–66
Reinhart Maurer:Reaktionäre Postmoderne – Zu Nicolás Gómez Dávila, in: Nürnberger Blätter. Zeitung für Philosophie und Literatur Nr. 11 (Juni–August 1989), 1–2, 4; auch in: Aufklärung und Postmoderne – 200 Jahre nach der französischen Revolution das Ende aller Aufklärung?, hg. von Jörg Albertz, Berlin: Freie Akademie, 1991, S. 139–150
Reinhart Maurer:Ausnahmslose Gleichheit. Überlegungen im Anschluß an Gómez Dávila, in: Claus Dierksmeier (Hg. mit Mirko Schiefelbein und Folko Zander): Die Ausnahme denken. Festschrift zum 60. Geburtstag von Klaus-Michael Kodalle, Bd. 2, Würzburg: Königshausen & Neumann, 2003, S. 165–176
Martin Mosebach:Der Zeitfremdling. Zum Tode von Nicolás Gómez Dávila, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Juni 1994
Martin Mosebach:Am Ende der Welt. Ein Besuch bei Nicolás Gómez Dávila, in: Schöne Literatur. Essays, München: Carl Hanser, 2006, S. 95–104
Franz Niedermayer:Konservative Aphoristik aus Kolumbien, in: Criticón 56 (1979), S. 272
Franz Niedermayer:Über Nicolás Gómez Dávila, in: Nicolás Gómez Dávila: Einsamkeiten. Glossen und Text in einem, Wien: Karolinger, 1987, S. 169–181
Francisco Pizano de Brigard:Die Schlüssel des Nicolás Gómez Dávila, in: Nicolás Gómez Dávila: Auf verlorenem Posten, Wien: Karolinger, 1992, S. 261–271
Peter Schultze-Kraft (Hg.), Dossier zu Nicolás Gómez Dávila, in: Akzente. Zeitschrift für Literatur 2 (April 2008), S. 131–161 (Peter Schultze-Kraft, Till Kinzel, Botho Strauß, Peter Brokmeier, Franco Volpi)
1Siehe allgemein vom Verfasser Nicolás Gómez Dávila. Parteigänger verlorener Sachen, Schnellroda: Edition Antaios, 2006.
2Nicolás Gómez Dávila, Aufzeichnungen des Besiegten. Fortgesetzte Scholien zu einem inbegriffenen Text, Wien: Karolinger, 1994, S. 74.
3Siehe vom Verfasser Randbemerkungen zu Nicolás Gómez Dávila als Lehrer des Lesens [eigentlicher, aber nicht gedruckter Titel: Die Geburt einer impliziten Bibliothek aus dem Geist des Aphorismus], in: Einfache Formen und kleine Literatur(en). Für Hinrich Hudde zum 65. Geburtstag, hg. von Michaela Weiß und Frauke Bayer, Heidelberg: Winter, 2010, S. 77–88.
4Nicolás Gómez Dávila, Escolios a un texto implícito, Bd. II, Bogotá: Villegas, 2005, S. 97.
5Nicolás Gómez Dávila, Escolios a un texto implícito. Selección, Bogotá: Villegas, 2001, S. 209.
6Nicolás Gómez Dávila, Einsamkeiten. Glossen und Text in einem, Wien: Karolinger, 1987, S. 25.
7Nicolás Gómez Dávila, Notas. Unzeitgemäße Gedanken, Berlin: Matthes & Seitz, 2005, S. 318.
8Nicolás Gómez Dávila, Notas. Unzeitgemäße Gedanken, Berlin: Matthes & Seitz, 2005, S. 320.
9Siehe Nicolás Gómez Dávila, Aufzeichnungen des Besiegten. Fortgesetzte Scholien zu einem inbegriffenen Text, Wien: Karolinger, 1994, S. 28 (leicht geänderte Übersetzung).
10Siehe Nicolás Gómez Dávila, Aufzeichnungen des Besiegten. Fortgesetzte Scholien zu einem inbegriffenen Text, Wien: Karolinger, 1994, S. 28 (leicht geänderte Übersetzung).
11Nicolás Gómez Dávila, Einsamkeiten. Glossen und Text in einem, Wien: Karolinger, 1987, S. 105.
12Nicolás Gómez Dávila, Einsamkeiten. Glossen und Text in einem, Wien: Karolinger, 1987, S. 65.
13Nicolás Gómez Dávila, Es genügt, daß die Schönheit unseren Überdruss streift … Aphorismen, Stuttgart: Reclam, 2007, S. 79.
14Nicolás Gómez Dávila, Escolios a un texto implícito, Bd. II, Bogotá 1977, S. 432–433.
15Nicolás Gómez Dávila, Einsamkeiten. Glossen und Text in einem, Wien: Karolinger, 1987, S. 42.
16Nicolás Gómez Dávila, Scholien zu einem inbegriffenen Text, Wien: Karolinger, 2006, S. 542.
17Zur wichtigen Literaturästhetik siehe vom Verfasser den Beitrag „Ein kolumbianischer Guerillero der Literatur: Nicolás Gómez Dávilas Ästhetik des Widerstands“, in: Germanisch-Romanische Monatsschrift 1/2004, S. 87–107.
18Nicolás Gómez Dávila, Escolios a un texto implícito. Selección, Bogotá: Villegas, 2001, S. 262.
19Nicolás Gómez Dávila, Escolios a un texto implícito, Bd. I, Bogotá: Villegas, 2005, S. 238; Scholien zu einem inbegriffenen Text, Wien: Karolinger, 2006, S. 174 (abweichende Übersetzung).
20Siehe Reinhart Maurer, Ausnahmslose Gleichheit. Überlegungen im Anschluß an Gómez Dávila. In: Die Ausnahme denken. Festschrift zum 60. Geburtstag von Klaus-Michael Kodalle, hg. von Claus Dierksmeier in Zusammenarbeit mit Mirko Schiefelbein und Folko Zander, Band 2, Würzburg: Königshausen & Neumann, 2003, S. 165–176.
21Nicolás Gómez Dávila, Notas. Unzeitgemäße Gedanken, Berlin: Matthes & Seitz, 2005, S. 55 (Übersetzung verändert).
22Zu Josef Piepers Philosophieverständnis in bezug auf das Verhältnis von Philosophie und Wirklichkeit siehe jetzt Henrik Holm, Die Unergründlichkeit der kreatürlichen Wirklichkeit. Eine Untersuchung zum Verhältnis von Philosophie und Wirklichkeit bei Josef Pieper, Dresden: Thelem, 2011. Siehe auch, mit Blick auf die immer aktuelle Frage nach dem Ziel und Zweck des universitären Bildungssystems, Till Kinzel, „Philosophie und Bildung. Die ‚Idee einer Universität‘ bei John Henry Newman und Josef Pieper“, in: Hanns-Gregor Nissing (Hg.), Vernunft und Glaube. Perspektiven gegenwärtiger Philosophie, München: Institut zur Förderung der Glaubenslehre, 2008, S. 115–127.
23Nicolás Gómez Dávila, Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten. Ausgewählte Sprengsätze, hg. von Martin Mosebach, Frankfurt/M.: Eichborn, 2006, S. 167.
24Nicolás Gómez Dávila, Aufzeichnungen des Besiegten. Fortgesetzte Scholien zu einem inbegriffenen Text, Wien: Karolinger, 1994, S. 47.
25Nicolás Gómez Dávila, Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten. Ausgewählte Sprengsätze, hg. von Martin Mosebach, Frankfurt/M.: Eichborn, 2006, S. 263.
26Nicolás Gómez Dávila, Escolios a un texto implícito, Bd. II, Bogotá: Villegas, 2005, S. 313.
VON HANS THOMAS HAKL
