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"Gehen wir zu dir oder zu mir...?" Inga Anderson geht mit offenen Augen durch das Leben und findet so zu ihren amüsanten und fesselnden Erzählungen. Oft ist es nur ein belangloses Ereignis des Alltags, das ihr Interesse weckt, und schon entsteht daraus eine neue, amüsante Story. Es reicht ein Grundgedanke, der dann fiktiven Personen zugeordnet und in einer neuen Episode eingebettet wird. Humor, Realität, Liebe und auch Sex, sowie die dazu gehörenden Bauchlandungen des Lebens, sorgen für die notwendige Würze der Inhalte. Da die Erzählungen sehr real und lebensnah sind, könnte es durchaus sein, dass Sie sich in der einen oder anderen Anekdote wieder erkennen. Inga schreibt modern, unterhaltsam, amüsant und kurzweilig. Eine breite Schicht von Lesern wird sich davon angesprochen fühlen. Achtung - diese herrlich belebenden Geschichten haben Suchtcharakter. Wenn Sie ein unterhaltsames Buch für Sonne, Urlaub oder für gemütliche Abende zum Ausklang des Tages suchen, dann ist diese spritzige Zusammenfassung von kurzweiligen Storys nur zu empfehlen.
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Seitenzahl: 187
Veröffentlichungsjahr: 2019
Inga Anderson
Gehen wir zu dir oder zu mir…?
Illusionen
Impressum
© 2019 Inga Anderson
Verlag und Druck:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7497-7451-7
e-Book:
978-3-7497-7452-4
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Band I, Auflage Nr. 1: Noel Verlag – beendet und steht nicht mehr zur Verfügung!
Band Iaktuelle Auflage Nr. 2:tredition-Verlag
Cover:
Jan Hofmann
Für meine Tochter!
Alle Stärke liegt innen, nicht außen.
Jean Paul
Band 1: Illusionen
Inga Anderson
Spritzige Kurzgeschichten…
Diese teilweise autobiografischen Berichte und Aufzeichnungen von Freunden und Bekannten, sind eingebettet in humorvollen Anekdoten, die den realen Ernst der Vorkommnisse nicht vergessen lassen. Die Storys über das Leben, die Liebe und den Katzenjammer danach, ziehen an uns in eindrucksvollen Schilderungen vorbei.
Die unterschiedlichen Episoden rufen sicherlich bei dem einen oder anderen Erinnerungen durch eigene Erfahrungen und Erlebnisse hervor.
Denn bekanntlich schreibt das Leben die schönsten Geschichten!
Den Erzählungen liegen wahre Begebenheiten zugrunde.
Um die Persönlichkeitsrechte der Personen zu schützen, wurden Änderungen im Namen und Orten, sowie an den Begebenheiten vorgenommen.
Etwaige Namensgleichheiten sind rein zufällig!
Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.
Voltaire
„Gehen wir zu dir oder zu mir…?“
Wir kennen diesen Satz sicherlich aus eigenen Erfahrungen und haben Situationen, so oder ähnlich selbst schon erlebt. Nicht selten begann damit die Hoffnung auf die ganz große Liebe. Aber meistens ließen die Enttäuschungen nicht lange auf sich warten.
Inga Anderson veranschaulicht in ihren amüsanten Erzählungen die Höhen und Tiefen der Liebe und des Lebens und, dass die bekannte Frage nach einem gemeinsamen Abend zwischen zwei ach so entflammten Herzen „Gehen wir zu dir oder zu mir…?“ kein Klischee ist.
Die Autorin schildert die verschiedenen Charaktere ihrer Hauptakteure menschlich, lustig und spritzig, gewürzt mit einer Prise Herz und Schmerz, wie diese nun mal zum Leben dazu gehören.
Beim Schreiben der Geschichten durchlebt Inga mit ihren Protagonisten Freud und Leid des Lebens und ein enger geistiger Austausch entsteht. Daher gelingt es ihr, jede Story glaubhaft und authentisch zu schildern. Bei der Gestaltung ihrer Geschichten sieht Frau Anderson die entsprechenden Personen vor sich und sie leben mit und in ihr.
In dem ersten Band der Serie „Gehen wir zu dir oder zu mir…?“ „Illusionen“ beschreibt Inga Anderson die Achterbahn der Gefühle von Verliebten. Zuerst empfinden sie Euphorie und das große Glück und leider folgen so oft Tränen und Enttäuschungen. Inga beschreibt, wie schnell sich Endorphine in Trostlosigkeit und Seelenschmerz verwandeln können und wie sich Frauen durch Leidenswege zu starken Persönlichkeiten entwickeln.
Allen Episoden dieses Buches liegen wahre Vorkommnisse zugrunde. Um die Rechte der jeweiligen Personen zu schützen, wurden Änderungen von Namen und Orten vorgenommen. Reale zufällige Namensgleichheiten haben nichts mit den Personen dieses Buches gemeinsam.
Achtung, diese kurzweiligen Erzählungen haben Suchtcharakter!
Genieße den Tag und sorge dich nicht um das was kommen könnte, sonst zahlst du im Voraus Zinsen für Schulden, die du vielleicht niemals machen wirst.
Zitat unbekannter Herkunft
INHALTSVERZEICHNIS
„Gehen wir zu dir oder zu mir…?“
Band 1: Illusionen
Blaue Augen
Die Vergangenheit holt uns immer wieder ein
Das Leben ist wie ein Konto
Des Lebens eigene Gesetze
Rache ist süß
So ist es auf Erden: Jede Seele wird nicht nur geprüft, sie wird auch getröstet.
Fjodor Dostojewski
Blaue Augen
Liebe Leserinnen und Leser, als ich in meinem Freundeskreis erzählte, dass ich damit liebäugele, eine Buchserie mit Kurzgeschichten unter dem Motto: „Gehen wir zu dir oder zu mir…?“ ins Leben zu rufen, erlebte ich eine überaus positive Resonanz. Spontan bekam ich sehr viele lustige, aber auch tiefgründige Beiträge zu diesem Thema zur Verfügung gestellt, die ich nun in meinem 1. Band „Illusionen“ meinen Leserinnen und Lesern präsentieren darf.
Durch die vielen Berichten, die ich zu diesem Thema erzählt bekam, stellte ich schnell fest, dass jeder von uns zu dieser Thematik der vermeintlichen ganz großen Liebe und der brennenden Leidenschaft schon explizite Erlebnisse zu verdauen hatte, die mehr oder weniger amüsant verliefen.
Zum Start meiner Erzählungen wählte ich die nachstehende Geschichte. Der Inhalt beruht auf einer wahren Begebenheit und zeigt, dass „Blaue Augen“ nicht immer so apart sind, wie sie auf den ersten Blick den Anschein erwecken.
Wir kennen das alle, liebe Leserinnen und Leser, wenn man jung ist, möchte man leben und erleben. Allzu schnell erscheint der Alltag fade und eintönig. Die Folge davon ist, dass man versucht aus dem Trott auszubrechen. Jeder handhabt es auf eine andere Art und Weise. Bei der jungen Frau aus meiner ersten Erzählung war es die unstillbare Gier nach Leben, Leidenschaft und Sex. Es entwickelte sich mit der Zeit bei ihr die fixe Idee, dass man der Zwangsjacke einer Ehe nur durch prickelnde Erlebnisse mit anderen Männern entfliehen konnte. Für sie war es eine Selbstbestätigung, ja ein Rausch, ständig neue amouröse Bekanntschaften zu machen, um dadurch das Gefühl zu erleben, Chancen beim anderen Geschlecht zu haben. Für sie fühlte sich das alles gut und richtig an. Sie wollte das Leben in allen Facetten spüren. Alle eintönigen Pflichten, wie Alltag und Haushalt, waren für sie Horror. Zum Glück hatte sie keine Kinder, denn die armen Würmchen hätten sicherlich die kulinarische Folter ihrer Kochkünste nicht überlebt.
Sandy kam ursprünglich aus einer kleinen, miefigen Kleinstadt und war irgendwann in das pulsierende München geflüchtet. Dort war es für sie einfacher ungestört und vor allen Dingen unbeobachtet ihrer Lebensphilosophie frönen zu können. Die Stadt war groß, anonym und voller potenzieller Liebhaber.
Es war mal wieder an der Zeit. Sie wollte knisterndes Feuer und Abwechslung spüren, um dem tristen Alltag zu entfliehen. Eine neue prickelnde Affäre war das Objekt ihrer Begierde und so suchte und fand sie in einem Internet-Portal ihr passendes Pondon. Er hieß Oliver und war genau das, was sie für einen ausschweifenden Abend suchte. Er redete nicht lange um den heißen Brei herum und sagte ihr klipp und klar, was er von diesem Treffen erwartete. Beide gefielen sich. Anhand der ausgetauschten Fotos fand Sandy den Typen total scharf. Er war genau ihre Kragenweite. Da beide nicht mehr so sehr jung waren, wussten sie genau, was sie wollten und von diesem Date erwarteten. Sie hatten über das Internet schon tagelang Kontakt und jeder ließ unverblümt durchblicken, in welcher Erwartungshaltung er war. Kein unnützes Geplänkel, kein Blümchensex, jeder ging sofort zur Sache. Oliver war besonders deutlich. Sandy störte das nicht, es erging ihr nicht anders. Sie war schließlich eine erwachsene Frau und wusste genau, was sie wollte - oder besser gesagt, was sie nicht wollte. Sie hatte keinen Bock auf einen Jammerlappen, der an so einem aufregenden Abend nur von Krankheiten erzählt und rum jammert. Denn diesen sogenannten „Griff ins Klo“ mit dem starken Geschlecht, den hatte sie selbst am Bein. Darauf war sie absolut nicht scharf.
Sandy und Oliver hatten sich bereits gegenseitig verbal so richtig scharf gemacht. Es versprach ein toller Abend zu werden! Seit 3 Wochen war ihr Mann auf Tour. Für Sandy war das immer eine missliche Zeit, in der sie sich vernachlässigt fühlte. Dass der arme Kerl als Fernfahrer wirklich sauer sein Geld verdienen musste, das kam ihr dabei nicht in den Sinn.
Sie trafen sich in einem Biergarten. Die Schwüle des Tages war zum Abend zu etwas abgeklungen. Die leichte Abkühlung war genau richtig, um sich durch das passende Gegenüber wieder so richtig aufzuheizen. Beide fanden sich auf Anhieb ausnehmend anziehend, mehr als das. Die körperlichen Reize dieser Frau vereinten all das, was Olli sich für so einen Abend gewünscht hatte. Er fand sie mehr als sexy. Ihr sehr kurzer Rock betonte ihre heiße Figur. Lange wohlgeformte Beine, einen knackigen Po und eine voluminöse Oberweite krönten das Gesamtbild dieser heißen Braut. Da blieben keine Träume und Wünsche offen. Schöne lange Haare umrahmten ihr leider etwas maskulines Gesicht, das schon deutliche Falten zeigte. Er konnte nicht umhin feststellen zu müssen, dass sie einen etwas verlebten Eindruck vermittelte. Auch ihre unverhältnismäßig langen künstlichen Fingernägel in den grellsten Farben und mit den kitschigsten Motiven versehen, ließen Olli erkennen, dass Sandy wohl einen Hang zum Gewöhnlichen hatte. „Na ja“ dachte Olli, „ich will sie ja nicht heiraten“.
Oliver war ein wirklich gut aussehender Mann mit einer sportlichen Figur. Man sah ihm an, dass er seine Männlichkeit gerne ausspielte und sicherlich nur sehr selten einen Korb von der holden Weiblichkeit bekam. Man sah, dass es ihm ein Leichtes war, mit seinem Charme Frauen zu bezirzen. Er hatte den sogenannten Schalk im Nacken. Er wusste, wie er wirkte und es war ihm ein leichtes Spiel, wie man eine Frau dahin bekommt, wo man sie hin haben wollte, nämlich ins Bett. Aber bei Sandy waren diese Bemühungen gar nicht notwendig. Bei ihr musste er seinen Sexappeal nicht spielen lassen, da hätte er offene Türen eingerannt. Sie signalisierte ihm freimütig ihre Bereitwilligkeit und zwar in allen Bereichen.
Es wäre übertrieben zu behaupten, dass Olli ein Hüne von Mann war. Aber trotzdem wirkte er durch seinen drahtigen, durchtrainierten Körper sehr männlich und daher überaus anziehend auf das weibliche Geschlecht. Seine Jeans saßen mit Absicht knall eng. Er wollte sicherlich damit dokumentieren, dass es sich lohnt, sich mit ihm einzulassen. Sandy war nicht blind, sie registrierte alle Attribute seines Körpers. Zwischen seinen Beinen, an der Schnittstelle des Lebens eines Mannes, blieb sie etwas länger haften und sie genoss sichtlich, was sich da abbildete. Olli hatte ihren gierigen Blick mit Wohlwollen registriert.
Sein Gegenüber trug ein sehr gewagtes Dekolleté, das ihr mehrmals gekonnt verrutschte, in dem sie sich ab und zu an ihren High-Heels zu schaffen machte. Ein grell schwarz/pinkfarbener BH kam zum Vorschein und dieses kleine etwas versuchte völlig aussichtslos ihre prallen Brüste zu bändigen. Was er jetzt schon visuell geboten bekam, ließ ihn auf leidenschaftliche Stunden hoffen. Sie gewährte ihm bereitwillig eine freie Sicht auf die Dinge, die er gerne in den Händen hielt.
Die Unterhaltung lief perfekt. Geschickt knüpften sie an die bisher geschriebenen Worte nun auch verbal an. Die ständigen anzüglichen und schlüpfrigen Bemerkungen erregten beide. Sandy spürte ein unbändiges Verlangen nach ihm. Genau so wollte sie es haben. So hatte sie sich den Abend vorgestellt. Eine Nacht mit einem richtigen Kerl, mit ihm, mit Oliver. Olli erging es nicht anders. Es war nicht zu übersehen, dass sich langsam seine sowieso schon viel zu enge Hose zu einem Problem entwickelte. Er sagte ihr unverblümt, wie scharf er auf sie war. Seine Worte fielen natürlich auf fruchtbaren Boden. Als sie dann noch mit dem Fuß unter dem Tisch an seinen Beinen hoch an sein Epizentrum rutschte, beschloss er zu handeln. Er rief den Kellner und zahlte die Zeche. Man erhob sich ohne, dass einer irgendetwas erklären musste.
Als beide zu ihren Autos gingen, vergaß der wilde Feger nicht mit dem zu wackeln, was ihn jetzt schon um den Verstand brachte. Sie war aber auch eine feurige Frau! Die Haare wippten, als sie neben ihm her lief. Vielversprechend und provokant schaute sie ihn an und ihre Körperhaltung ließ überhaupt keine Zweifel offen, dass sie ihn einlud, einlud zu einer stürmischen Nacht. Die übliche Frage: „Wohin gehen wir, zu dir oder zu mir…?“ erübrigte sich an diesem Abend.
Sandy setzte sich in ihr Auto und fuhr rasant voran. Er hatte Schwierigkeiten ihrem schnittigen Fahrstil zu folgen. Für eine Frau fuhr sie einen absolut heißen Reifen. Diese kesse Biene verfügte wohl in vielen Gebieten über ein enormes Temperament. Als sie Sandys Wohnung erreichten, stellte sich nicht die Frage, wo er ungesehen seinen Wagen parken sollte. Sie wohnte in einem Hochhaus, da kannte keiner den anderen und niemand scherte sich an seinem Nachbarn. Bestens geeignet für eine kleine nächtliche Stippvisite.
Gemeinsam fuhren sie mit dem Aufzug nach oben. Olli konnte schon jetzt seine Finger nicht von ihr lassen und sie genoss es sichtlich. Als er ihr an die Brust fasste, stöhnte sie aufreizend. Es knisterte jetzt schon! Oben angekommen versuchte Sandy die Wohnungstüre aufzuschließen. Aber immer wieder rutschte der Schlüssel ab. Kein Wunder, Olli hatte sie bereits hochgehoben und gierig an die Tür gedrückt. Sie war leicht wie eine Feder und ihr Körper so willig!
Endlich war die Wohnungstür offen. Olli sah nicht das Chaos in dieser Wohnung, nicht die vollgepackten Möbelstücke mit Zeitungen, leeren Gläsern, Weinflaschen und Pizzaschachteln, er sah überhaupt nichts. Sie tragend suchte er nur das Bett und als er es endlich gefunden hatte, warf er sie darauf und beide rissen sich gierig die Klamotten vom Körper. Ein tagelanges verbales Scharfmachen von beiden Seiten trug nun endlich die erwarteten Früchte. Er fiel über sie her und Sandy genoss es, wie er ihr die Fummel vom Leib riss und alles im Schlafzimmer verstreute. Ja - so hatte sie sich den Abend vorgestellt, genauso! Sie tat das Gleiche. Man vergeudete keine Zeit mit einem Vorspiel. So bereit wie diese Frau war, wäre es eine reine Zeitverschwendung gewesen. Sandy wollte schnellen, heißen Sex und kein unnützes Geplänkel davor. Sie waren beide wie Ausgehungerte, keiner stand dem anderen nach, jeder wollte alles, jeder wollte das ganze Programm und Olli war zum Glück ein sehr potenter Mann. Sie erlebte an diesem Abend lautstark einen Höhepunkt nach dem anderen. Ob es wirklich so viele waren, das lassen wir mal dahingestellt, aber so schrill und lautstark wie sie es Olli mitteilte, bildete er es sich jedenfalls ein. Sein männliches Ego klopfte sich anerkennend auf die Schultern, welch ein toller Hecht er doch war.
Die stürmische Nacht näherte sich dem Morgengrauen und beide waren erschöpft eingeschlafen, als ein Geräusch sie aus dem wohlverdienten Schlaf riss. Es war deutlich zu hören, dass jemand versuchte, den Schlüssel an der Wohnungstür ins Schlüsselloch zu stecken. „Was ist das denn für ein Irrer, der mitten in der Nacht das eigene Türschloss nicht findet, ist das etwa dein Nachbar?“, fragte Olli gelassen gähnend. Sandy war sofort hellwach. Sie erstarrte. Angst stand ihr in den Augen. „Ach du meine Güte“, stotterte sie zitternd, „das ist mein Mann. Er ist Fernfahrer und wollte erst morgen wieder zurück sein.“ Ihr Gesicht wurde starr vor Schreck und ihre schon sehr gezeichneten Gesichtszüge ließen sie nach der durchlebten Nacht nicht unbedingt jünger erscheinen. Schlagartig war es mit Olivers Gelassenheit als cooler Lover vorbei. Überhastet sprang er aus dem Bett und wusste auf die Schnelle nicht, wohin er ausweichen sollte. Sandy rettete die Situation so routiniert und erprobt, dass es ihm sofort durch den Kopf schoss, dass eine solche Begebenheit ihr bestimmt schon öfter passiert war.
Panisch wollte er auf den Balkon flüchten, aber sie hielt ihn zurück. Sie wusste, dass ihr Mann gerne vorm zu Bett gehen dort noch eine Zigarette rauchte. Wohin sollte der aufgescheuchte Lover in der Eile sich verkrümeln? Sandy suchte hektisch seine Kleidungsstücke zusammen und warf alles in den offen stehenden Kleiderschrank und schubste Olli hinterher. Das seltsame Gefühl ließ ihn erneut nicht los, dass diese Konstellation für sie nicht neu war, denn sie behielt nach dem anfänglichen Schrecken nun absolut die Nerven.
Oliver stand im Schrank. Aus unerfindlichen Gründen konnte die Tür dazu nicht mehr komplett geschlossen werden und stand ein paar Zentimeter offen. Irgendwas klemmte dazwischen. Aber es war keine Zeit mehr die Ursache zu suchen. Splitternackt, den Atem anhaltend, stand er ohne sich zu rühren in seinem Versteck. Sein Blick fiel genau auf das große Bett. Dann hörte er, dass sich die Wohnungstür wieder schloss und in der Diele stand ein großer, gut gebauter Mann und breitete die Arme für seine Frau aus. Sandy fiel ihm um den Hals und küsste ihn stürmisch. All ihr überschwängliches Getue und Gehabe zu seiner Begrüßung erschien Olli nach der gemeinsam verbrachten stürmischen Nacht total übertrieben und aufgesetzt. Der gehörnte Ehemann ließ alle Taschen fallen und schloss seine Kleine in die Arme. Er hob sie hoch und trug sie zum Bett, das in der Nacht zuvor schon einmal wilde Stunden erlebt hatte. Nur wusste der beschissene Gatte zu diesem Zeitpunkt noch nichts davon. Er suchte kein Bad auf, nein er warf sich über seine Frau und zeigte ihr eindrucksvoll, wie lange er sich auf sie gefreut hatte.
Oliver fühlte sich recht dämlich, wie er so im Adamskostüm im Kleiderschrank stand, hilflos wie in einem billigen Slapstick-Film der 20iger Jahre. Der offene Spalt zwischen Tür und Schrank ließ ihn genau auf das Bett schauen. Leise atmend und höllisch bemüht, nicht zu niesen oder zu husten, war er ein unfreiwilliger Zuschauer in der ersten Reihe des Geschehens. Diese Konstellation war schon mehr als lächerlich – dass er, der große Lover, der Draufgänger und Frauenverführer sich in so einer absurden irrwitzigen Situation befand. Wenn er das seinen Freunden erzählen würde, diese Häme und Schadenfreude wäre sicherlich nicht zu ertragen. Nein, das würde er lieber unterlassen. Olli schwitze Blut und Wasser. Er hatte eine Scheißangst von dem Herrn des Hauses entdeckt zu werden, denn Sandys Mann war ein breitschultriger, großer Bulle. Der hemmungslose und sehr laute Sex des Ehepaares dauerte schier unendlich und Oliver traute seinen Ohren nicht, als er Sandy genau die gleichen Sätze und Worte stöhnen hörte, mit denen sie auch ihn ein paar Stunden zuvor lautstark angemacht hatte.
Es war genau das gleiche Vokabular – nur jetzt fand er diese Worte doch recht schlüpfrig, schäbig und richtig primitiv. Sie drückte sich in der übelsten Gossensprache aus, damit ihr Mann sie ordentlich befriedigen sollte. Wie sich Geschmack und Empfinden doch so schnell wandeln können!
Oliver stand nach wie vor peinlich berührt im Kleiderschrank, nichts am Hintern und auch nichts an seinem vorderen Teil. Er musste nicht nur alles mit anhören, was da abging, nein, da die knarrende Schranktür nach wie vor ein Stück offen stand sah er genau, wie sie es trieben. Er konnte nicht umhin, es erregte ihn. Auch wenn er es nicht wollte, er kam sich vor wie Pinocchio, nur wuchs bei ihm ein anderes Teil und nicht seine Nase.
Als es nach gefühlten zwei Stunden endlich auf dem Bett ruhiger wurde und der gehörnte Ehemann in seinen verdienten Schlaf fiel, krabbelte Sandy leise aus dem Bett und half Oliver aus dem Schrank. Sie suchte hastig alle Kleidungsstücke und seine Schuhe zusammen und Olli machte sich auf die Socken, um so schnell als möglich diese Wohnung zu verlassen. Als Sandy sich ihm näherte, um ihn zum Abschied noch zu küssen, würgte es ihn. Es ekelte ihn so sehr, dass er sie von sich schob. Beleidigt schubste sie ihn aus der Wohnungstüre und schloss diese leise hinter ihm. Dort stand er nun, nackt, schlotternd und zitternd, so angespannt war er gewesen. Er hatte wie in einer Schockstarre die ganze Zeit über im Schrank gestanden und musste so notgedrungen ausharren. Mit steifen Knochen zog er sich an. Seine Blase meldete ihm ein dringendes Bedürfnis, das er schon seit einer Ewigkeit im Schrank verspürt hatte. Zum Glück war es noch früh am Morgen und außerdem Wochenende, an dem normale Werktätige nicht zur Arbeit gehen. Sicherlich hätte er sonst den einen oder anderen verwunderten Blick geerntet. Er beeilte sich zu seinem Auto zu kommen und trotz der frischen Morgenluft hatte er noch immer Sandys Parfums in der Nase. Jetzt empfand er es aufdringlich und vor allem billig. Am Abend zuvor hatte es ihn angemacht.
Ziemlich fertig kam er zu Hause an und ließ sich sofort ins Bett fallen. Kurz vor dem Einschlafen schoben sich noch mal die Bilder der vergangenen Nacht vor sein geistiges Auge. Er sah sich mit einem erregten Schwanz im Schrank stehen und musste sich noch im Nachhinein eingestehen, dass der äußerst vulgäre und primitive Sex des Ehepaars ihn richtig angemacht hatte.
Heute war zum Glück Samstag und er durfte ausschlafen. Plötzlich, als er in den tiefsten Träumen lag, klingelte es Sturm an seiner Wohnungstür. Er schaute auf die Armbanduhr - es war gerade erst elf. „Eine unchristliche Zeit für Besuche“ dachte er so bei sich, als er zur Tür schlurfte. Er orientierte sich halb blind vor Müdigkeit an der Wand entlang und öffnete. Draußen stand ein unbekannter Mann, ein richtiger Kleiderschrank, der den Türrahmen fast ausfüllte und fragte ihn höflich: „Sind sie Oliver Haag?“ „Ja“, erwiderte Olli müde blinzelnd und dann gab es einen „bums“! Sofort verspürte er einen unbändigen Schmerz in seinem Gesicht. Das Blut spritzte aus seiner Nase. Dann folgte noch ein Kinnhaken und dann wusste er nicht mehr so viel. Als er wieder zu sich kam stand dieser Koffer von Kerl über ihn gebeugt und sagte kurz und knapp: „Du vögelst meine Frau nicht mehr, ist das klar? Und wenn du mal wieder in fremden Betten liegst, dann pass auf, dass du deinen Perso nicht verlierst, du Depp!“ Verächtlich warf er das Portemonnaie auf Olli. Darin waren alle verräterischen Papiere mit der genauen Adresse enthalten.
Was war passiert? Ach ja, jetzt konnte er es sich erklären, wer dieser ungebetene Terminator war. Oliver rappelte sich auf und ging ins Bad. Schon erschien Sandy mit einem leicht angeschwollen Auge und jammerte: „Ach Olli, es tut mir so leid, ich wusste nicht, dass er schon einen Tag früher nach Hause kommt. Das hat er noch nie gemacht!“
Mit schmerzverzerrtem Gesicht bat Olli beide Herrschaften seine Wohnung zu verlassen. Er hielt einen nassen Waschlappen an die Nase und eines schwor er sich, dass er bei der nächsten aufkommenden Frage nach einem Date: „Wohin gehen wir? Zu dir oder zu mir…?“ nie mehr in eine fremde Wohnung gehen würde und sei die Frau auch noch so verführerisch.
Ich bin nicht entmutigt, denn jeder erkannte Irrtum ist ein weiterer Schritt nach vorne.
Thomas Alva Edison
Die Vergangenheit holt uns immer wieder ein
Mit der Vergangenheit ist das so eine Sache. Erlebnisse aus unserer Kindheit oder Jugend lassen sich im späteren Leben nicht immer so einfach abschütteln. Man braucht viele Jahre, um tragische Erlebnisse zu verarbeiten. Oftmals gelingt es überhaupt nicht, dieses Geschehen zu bewältigen. In den meisten Fällen werden die belastenden Ereignisse immer nur verdrängt. Durch das nicht Aufarbeiten alter Probleme ist es eine Folgeerscheinung, dass der Mensch in seinem anschließenden Leben keine klaren Perspektiven mehr sieht. Die ständigen latenten Beklemmungen und Ängste aufgrund dieser Schädigungen aus früheren Zeiten, lassen ein weiteres glückliches und zufriedenes Leben häufig eskalieren.
Unsere nachstehende Geschichte versucht zu beschreiben, welche Hürden diese Menschen nehmen müssen, um ein halbwegs normales Leben führen zu können und wie aussichtslos so ein Kampf um Normalität sein kann. Denn nur all zu leicht kommt man wieder in die alten Spuren.
