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Zeiträume offen zu halten für die "Gutheißung der Welt" (J. Pieper), das verspricht der Rhythmus des Kirchenjahres. In den Sommermonaten widmet sich G & L alten und neuen Fragen des Verhältnisses von Kirche und Welt und schaut dabei besonders auf bekannte und unbekanntere Gestalten des geistlichen Lebens und ihre Anregungen für heutiges Christsein. Nachfolge: Die Beiträge reichen von Simone Weil (Cornelius Roth) und Hugo Ball (Reto Friedmann) im 20. Jahrhundert, über Maria von Oignies im Hochmittelalter (Iris Geyer), zurück zu Johannes Cassian (Gabriele Ziegler) in die Zeit der Wüstenväter. In der Jungen Theologie fragt Thomas Fries nach Anregungen für die eucharistische Spiritualität im Werk Augustins'. Reflexion: In Gender und Spiritualität bietet Sabine Pemsel-Maier Überblick und fundierte Diskussionsgrundlage zu einem aktuellen und komplexen Thema. Mit "Philosoph und Christ" geht Franz Prammer dem denkerischen Weg des vor 10 Jahren verstorbenen Paul Ricœur nach. Joachim Kittel beleuchtet "Diakonische Spiritualität" als Grundgestalt geistlichen Lebens. "Fortschreibungen mystischer Poesie" bei Christian Lehnert und Andreas Knapp untersucht Georg Langenhorst. Lektüre: Einen sehr persönlichen Einblick in seinen Briefwechsel mit Thomas Merton und Louis Massignon gibt Herbert Mason im Essay "Freundschaft im Angesicht des Friedens". Schließlich regen die vorgestellten Bücher vielleicht zu der einen oder anderen Urlaubslektüre an: Paul Zahner OFM stellt die Reihe Franziskanische Akzente vor, die seit 2013 im Echter Verlag erscheint; weitere Titel zu Themen wie Geistlicher Begleitung, freikirchlicher Spiritualität u.a. stellen verschiedene Autor(inn)en in den Buchbesprechungen vor.
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Seitenzahl: 214
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Heft 3 | Juli–September 2015
Jahrgang 88 | Nr. 476
Notiz
Geist – Wind – Energie
Simon Peng-Keller
Nachfolge
„Man muss drinnen und draußen stehen“. Christussehnsucht und Kirchenkritik bei Simone Weil
Cornelius Roth
Hugo Ball zwischen Dada und Katholizismus. Auswege eines Künstlers nach 1914
Reto Friedmann
Die Visionen der Maria von Oignies. Hochmittelalterliche Bibelimagination neu gelesen
Iris Geyer
Leidenschaften und geistlicher Weg. Einsichten des Johannes Cassian
Gabriele Ziegler
Nachfolge | Junge Theologie
Eucharistische Spiritualität bei Augustinus. Impulse für die zeitgenössische Praxis
Thomas Fries
Reflexion
Gender und Spiritualität. Überlegungen zu einem nicht selbstverständlichen Verhältnis
Sabine Pemsel-Maier
Philosoph und Christ. Zum 10. Todestag Paul Ricœurs
Franz Prammer
Diakonische Spiritualität. Annäherungen an eine Grundwirklichkeit geistlichen Lebens
Joachim Kittel
Fortschreibungen mystischer Poesie. Die Dichter Christian Lehnert und Andreas Knapp
Georg Langenhorst
Lektüre
Freundschaft im Angesicht des Friedens. Mein Briefwechsel mit Merton und Massignon
Herbert Mason
Franziskanische Akzente. Eine neue Buchreihe zu franziskanischer Spiritualität
Paul Zahner OFM
Buchbesprechungen
GEIST & LEBEN – Zeitschrift für christliche Spiritualität. Begründet 1926 als Zeitschrift für Aszese und Mystik
Erscheinungsweise: vierteljährlich
ISSN 0016–5921
Herausgeber:
Deutsche Provinz der Jesuiten
Redaktion:
Christoph Benke (Chefredakteur)
Anna Albinus (Lektorats-/Redaktionsassistenz; Satz)
Redaktionsbeirat:
Bernhard Bürgler SJ/Wien, Margareta Gruber OSF/Vallendar, Stefan Kiechle SJ/München, Bernhard Körner/Graz, Simon Peng-Keller/Zürich, Klaus Vechtel SJ/Frankfurt, Saskia Wendel/Köln
Redaktionsanschrift:
Pramergasse 9, A–1090 Wien
Tel. 0043–(0)1–310 38 43–111/112,
Artikelangebote an die Redaktion sind willkommen. Informationen zur Abfassung von Beiträgen unter www.geistundleben.de. Alles Übrige, inkl. Bestellungen, geht an den Verlag. Nachdruck nur mit besonderer Erlaubnis. Werden Texte zugesandt, die bereits andernorts, insbesondere im Internet, veröffentlicht wurden, ist dies unaufgefordert mitzuteilen. Redaktionelle Kürzungen und Änderungen vorbehalten. Der Inhalt der Beiträge stimmt nicht in jedem Fall mit der Meinung der Schriftleitung überein.
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Verlag: Echter Verlag GmbH,
Dominikanerplatz 8, D–97070 Würzburg
Fon +49 (0)931–660 68–0, Fax +49 (0)931–660 68–23
[email protected], www.echter-verlag.de
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Druck und Bindung: Friedrich Pustet, Regensburg
Bezugspreis: Einzelheft € 11,80 (D) / € 12,20 (A)Jahresabonnement € 39,00 (D) / € 40,10 (A)Studierendenabonnement € 25,80 (D) / € 26,50 (A) jeweils zzgl. Versandkosten
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Diesem Heft liegen folgende Prospekte bei:
Zeitschrift für katholische Theologie, Echter Verlag; Heller als Licht. Religiöse Lyrik im Echter Verlag 2015 Wir bitten um Beachtung.
Simon Peng-Keller | Zürich
geb. 1969, PD Dr. theol., Dozent für Theologie der Spiritualität und Begleiter kontemplativer Exerzitien, Beiratsmitglied von GEIST & LEBEN
Das Churer Rheintal, in dem ich Geist und Leben erstmals entdeckte, ist klimatisch stark von jahreszeitlich wechselnden Winden bestimmt. In den Frühlingsund Sommermonaten dominiert der Westwind: wohltuend an heißen Sommertagen, doch nicht selten auch forsch und ungemütlich. Die Spezialität des Herbstes ist der Föhn. Er bläst aus dem Süden heran und rückt dabei die Berge heran und lässt sie messerscharf aufleuchten. An warmen Herbsttagen vibriert alles in einem überklaren, beinahe unwirklichen Licht. In den ersten Jahren meines Christwerdens faszinierte mich diese Lichterfahrung auch deswegen, weil sie mir das Bergereignis der Verklärung vor Augen stellte. Das Wahrnehmen sättigte sich mit biblisch inspirierter Imagination. Heute faszinieren mich stärker der warme Südwind selbst und seine merkwürdige Wirkmacht. Wenn er mich an einem dieser hellen Tage sanft berührt, kommt es mir so vor, als bringe er mir eine Botschaft von jenseits der Berge, deren Sinn ich nur erahnen kann.
Der Metaphorik des Windes wohnt ein kreatives Potenzial ein, das wunderbarerweise bis heute nicht aufgebraucht ist, obwohl die abendländische Geistesund Spiritualitätsgeschichte seit zweieinhalbtausend Jahren von seinem Honig zehrt. Unerschöpflich sind die Qualitäten der Luft und der Winde. Das eröffnet ein Spiel von Bezügen. Wo von Spiritualität gesprochen wird, steht jeweils ein Aspekt dieses metaphorischen Spektrums im Vordergrund. Nicht selten wird heute der energetische Bedeutungsaspekt betont. Spiritualität hat mit Energie zu tun, mit Kräften, die uns bewegen und bestimmen. In philosophischen Zusammenhängen wird meist stärker die Lichtmetaphorik und das inspirative Moment hervorgehoben. GEIST & LEBEN betont im Titel stärker den ersten Aspekt, den energetischen. Biblisch liegt die Rede GEIST & WAHRHEIT (Joh 4,24) ebenso nahe. Beide Aspekte, für die diese Leitworte stehen, sind gleichermaßen wichtig. Sie finden sich auch in der vorliegenden Ausgabe: Gottes Geist ist die vitalisierende Kraft göttlicher Gegenwart und ebenso der „Webmaster heilvoller Wahrheit“ (Kurt Erlemann).
Bestätigt sich aber, wenn man den Bildgehalt heutiger Rede von Spiritualität ins Auge fasst, nicht genau das, was in den letzten Jahren vielfach bemerkt und kritisiert wurde: dass es sich dabei um einen begrifflichen Container handelt, in den jeder und jede das hineinpacken kann, was ihm/ihr gerade in den Kram passt – oder vielleicht billig entsorgen möchte? Vor dem Hintergrund der Spiritualitätsgeschichte lassen sich in gegenwärtigen Spiritualitätskonzepten viele Reprisen entdecken. Das energetische und das weisheitliche Verständnis bilden darin zwei Hauptlinien. In bildhafter Sprache lassen sie sich besser zusammenhalten als in begrifflicher Sprache, in der es sich aufdrängt, scharf zwischen Geistigem und Körperlichem zu unterscheiden. Demgegenüber versteht die Bibel die Geist-Wind-Energie als verbindende Wirklichkeit. Sie ist materiell und immateriell zugleich – oder, als göttliche Leuchtkraft – jenseits dieser Unterscheidung. Was am heutigen Spiritualitätsbegriff beklagt wird, trifft damit, zumindest teilweise, bereits für die biblische Rede vom Geist zu. Sie dient als Gefäß für sehr Verschiedenes, gar für Gegensätzliches. Sie bezieht sich nicht allein auf Göttliches und Menschliches, sondern auch auf Widergöttliches und Unmenschliches. Dass damit eine Unbestimmheitszone eröffnet wird, mag beunruhigen. Doch gerade die Leerstellen sind das Erfolgsgeheimnis dafür, dass sich die Geistmetaphorik trotz intensivem Gebrauch bisher nicht verbraucht hat.
Das belegt auch das vorliegende Heft. Aufmerksame Leserinnen und Leser werden auf den folgenden Seiten nicht allein auf die Gender-Frage stoßen, die sich im Zusammenhang der göttlichen Geistkraft stellt, sondern ebenso beide Leitdimensionen der Geistmetaphorik entdecken: die energetische und die weisheitliche. Mit Blick auf Maria von Oignies, Christian Lehnert und Andreas Knapp wird die Kraft von Bildern und poetischen Bildworten vergegenwärtigt, im Ausgang an Johannes Cassian die Kraft der Leidenschaft. Auf der anderen Seite geht es um weisheitliche Denkformen im 20. Jahrhundert, für welche die Namen Simone Weil und Paul Ricœur stehen. Der Name Hugo Balls schließlich, steht für eine originelle Synthese, die im Rückgriff auf Dionysius Areopagita demonstriert, wie altehrwürdige spiritualitätstheologische Traditionsbestände sich in Krisensituationen plötzlich als Ressourcen widerständigen Denkens und Schaffens entpuppen.
Cornelius Roth | Fulda
geb. 1968, Priester, Professor für Liturgiewissenschaft und Spiritualität an der Theol. Fakultät Fulda
Eine Hinwendung der Kirche zu jenen, die am Rand stehen, an der Peripherie der Gesellschaft und der Kirche, hat Papst Franziskus seit seinem Amtsantritt häufig angemahnt. Er selbst überschreitet mit seinen Aussagen immer wieder die Grenzen der Kirche und geht auf Außenstehende zu. Zeit ihres Lebens verstand sich auch die französische Philosophin, Soziologin und Mystikerin Simone Weil (1909–1943)1 als jemand, der an der Schwelle der Kirche steht, „am Schnittpunkt des Christentums mit allem, was es nicht ist“, und zwar aus Liebe zu allem, was außerhalb von ihr liegt: „Immer bin ich genau an dieser Stelle geblieben, auf der Schwelle der Kirche, ohne mich zu rühren, unbeweglich, ἐν ὐπομονᾖ (ein wie viel schöneres Wort als patientia!); nur dass nunmehr mein Herz, wie ich hoffe für immer, in das Allerheiligste versetzt worden ist, das auf dem Altar ausgesetzt ist.“2
Es hat den Anschein, dass es bei ihr manchmal mehr ein Hin- und Herpendeln bzw. ein Überschreiten der Grenzen als das gläubige Ausharren an einer Schwelle ist. Denn in vielen Ausführungen zu ihrer Christusmystik überschreitet sie eindeutig die Schwelle zur Kirche hin und begibt sich in die Fußspuren großer Heiliger (v.a. Franz von Assisi und Johannes vom Kreuz). In anderen Gedanken wiederum steht sie offensichtlich ganz außerhalb der Kirche und des Christentums, betrachtet sie gleichsam von außen als Institution, die totalitäre Züge hat und nur , aber nicht katholisch ist, weil sie Menschen anderer Meinung verfolgt und v.a. keinen Sensus für die göttlichen Spuren außerhalb ihrer institutionellen Verfasstheit entwickelt hat. An Gustave Thibon kann sie deshalb schreiben: „Für den Augenblick wäre ich eher geneigt, für die Kirche zu sterben als in sie einzutreten – falls sie es nächstens nötig hätte, dass man für sie stirbt. Sterben, das verpflichtet zu nichts, wenn ich so sagen darf; es schließt keine Lüge ein.“
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