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Die anhaltende Niedrigzinsphase setzt viele Sparer unter Druck. Doch der Finanzmarkt bietet zahlreiche Chancen, um mit überschaubarem Risiko Rendite zu erzielen. Für jeden, der diese Chancen wahrnehmen und langfristig vorsorgen möchte, bietet Geldanlage wie die Profis das Wissen und die bewährten Strategien von 40 namhaften Autoren, die problemlos auf die private Vermögensanlage übertragen werden können. Dabei werden zum einen die wichtigsten Einsteigerthemen behandelt: Wie findet man die richtige Risikoklasse für sich? Wie einsteigerfreundlich sind Aktien, Fonds und ETFs? Welche Steuerfragen sind zu beachten? Zum anderen werden die aktuellen Megatrends erklärt – alternative Energien, Kryptowährungen und Immobilienboom. Wo sind hohe Gewinne zu erzielen, wo überwiegt das Risiko? Ein unverzichtbarer Ratgeber für jeden, der langfristig mehr aus seinem Ersparten machen will.
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Seitenzahl: 797
Veröffentlichungsjahr: 2023
Roland Eller | Markus Heinrich | Maik Schober
GELD ANLEGENWIE DIEPROFIS
Roland Eller | Markus Heinrich | Maik Schober
GELD ANLEGENWIE DIEPROFIS
Erfolgreiche und str essfreie Geldanlage an den Finanzmärkten
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
Originalausgabe
1. Auflage 2023
© 2023 by Finanzbuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Türkenstraße 89
80799 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
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Redaktion: Judith Engst
Korrektorat: Manuela Kahle
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Satz: Carsten Klein, Torgau
eBook: ePUBoo.com
ISBN Print 978-3-95972-610-8
ISBN E-Book (PDF) 978-3-98609-149-1
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Vorwort
Teil 1: Umweltanalyse
Das Big Picture – die Welt seit 2008 im Ausnahmezustand
Volker Gronau
1. Aktienmärkte bergen mehr Chancen als Risiken
2. Deutsche Aktien brachten über 9 Prozent pro Jahr
3. Was machten die Zinsen?
4. Der Kausalzusammenhang funktioniert nicht mehr
5. Reaktion des japanischen Aktienmarktes
6. Wer hat sich verschuldet?
7. Inflationsarten
8. Aktien als Geldanlage
9. Resümee
Autorenvita
Anleihe-Ankaufprogramm(e) der EZB: eine Abkehr vom Glauben an »Effiziente (Finanz-)Märkte«
Karlheinz Ruckriegel
1. Paradigmen(wechsel) in der Volkswirtschaftslehre
2. Immobilienkrise in den USA ab 2006/2007 als konkreter Auslöser der Finanzkrise
3. Anleihe-Ankaufsprogramme – ein sehr erfolgreiches Mittel gegen (Markt-)Panik
4. Lehren aus der Finanzkrise
Autorenvita
Inflation – die neue Gefahr für Anleger
Volker Gronau
1. Was ist Inflation?
2. Wie wird die Inflationsrate ermittelt?
3. Wird die Inflation von den Statistikern falsch berechnet?
4. Welche Ursachen führen zu Inflation?
Autorenvita
Inflation – alte, neue Welt
Uwe Burkert
1. Grundlagen
2. Angebot und Nachfrage – unterschiedliche Seiten einer Medaille
3. Fazit
Autorenvita
Teil 2: Nachhaltigkeit als Megatrend
Nachhaltigkeit in der Geldanlage
Andreas Tangemann
1. Allgemeine Grundlagen
2. Die Bedeutung für die eigene Geldanlage
Literaturverzeichnis
Autorenvita
Geld anlegen mit Strategie und Impact – Sinnvestieren
Christoph Witzke, Frank Röhr
1. Zielstellung und Ausgangslage
2. Beratungsphilosophie
3. Kundenverhalten in der Praxis
4. Nachhaltigkeit in der Geldanlage – sinnvestieren
5. Anlagestrategie und Fondskonzeption im Detail
6. Aufgaben und Pflichten des Portfoliomanagers
7. Managementansatz des Impact-Fonds im Detail
8. Ein realistisches, aber konstruiertes Praxisbeispiel
Fazit
Autorenvita
Anlegerwunsch Nachhaltigkeit: Warum ETFs nicht die optimale Lösung sind
Dirk Söhnholz
1. Einleitung
2. Hauptteil
3. Zusammenfassung und Ausblick: Testen lohnt sich!
Autorenvita
Nachhaltigkeit und Immobilien
Clemens Quast
1. Einleitung
2. Rechtliche Rahmenbedingungen
3. Die EU Taxonomie-Verordnung
4. Nachhaltigkeitskriterien
5. Ist-Situation bei Immobilien
6. Werttreiber und Auswirkungen auf die Rendite
7. Chancen, Risiken, Knackpunkte
8. Gute Unternehmensführung
9. Zusammenfassung
Autorenvita
Geschäftsbericht: Nachhaltigkeitsbericht zukünftig – als gleichwertiger und verpflichtender – Bestandteil der Finanzberichterstattung
Prof. Dr. Knut Henkel, M. A. Christoph Wietjes
1. Ausgangslage
2. EU Taxonomie Verordnung (EU TaxVO)
3. Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)
4. European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und CO2-Bilanzierung
5. Ausblick
Quellenverzeichnis
Autorenvita
Teil 3: Kryptoassets als Megatrend
Die Blockchain als zukunftsweisende Idee für die Geldanlage
Stefan Ulreich
1. Das Konzept der Blockchain
2. Investitionsmöglichkeiten in Blockchain als Technologie
3. Beispiel Kryptowährungen
4. Beispiel Immobilien
5. Beispiel Musikbranche
6. Beispiel Lieferketten in der Lebensmittelindustrie
7. Beispiel Energie
8. Konsequenzen für Investoren
Literaturverzeichnis
Autorenvita
Bitcoin & Kryptoassets – das ist der Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen
Joe Martin
Alles schon mal dagewesen
Keiner verstand mehr, was er kaufte
Alles nur Werbung
Warum sind solche Versprechungen erfolgreich?
Da ist noch mehr Wumms drin
Alles absolut alkoholisch
Die Lawine rollt
Lehman Brothers meldete Konkurs an
Die gleiche Story bei Krypto-Assets
Die eine Blockchain gibt es nicht
Entscheidend für den Anleger und die Sicherheit der Daten ist die dezentrale Natur einer Blockchain
Dezentralität kann leider auch nur scheinbar vorherrschen
Datenverluste können katastrophale Folgen haben
Manipulation durch den Betreiber
Systeme sind nicht sicher, nur weil man sie »Blockchain« nennt
Technologischer Fortschritt hat schon immer Betrüger angelockt
Der Unterschied zwischen zentral und dezentral
Nur die Bitcoin-Blockchain ist wirklich sicher
Intelligente Verträge – Smart Contracts
Verlustrisiken
Ein neuer Kryptowert entsteht
Diebstahl von Kryptowerten
Kryptoinvestments sind Barinvestitionen
Ist die Krypto-Welt nicht viel zu gefährlich für Anleger und Sparer?
Direktinvestitionen
Nur eine Selbstverwahrung ist sicher
Die Popstars der Kryptowelt: NFTs
Also lieber die Finger davon lassen?
Autorenvita
Die wichtigste Währung der Welt
Jochen Werne, Christoph Impekoven
1. Zielsetzung
2. Marktsituation
3. Vertrauen als Währung
4. Taxonomie und Definition
5. Wie lässt sich ein Zusammenbruch vorhersehen?
6. Vergleich zwischen USDT, UST und Digital Euro Token
7. Wie erkennt ein Investor den sicheren Hafen in der Kryptowelt?
8. Ausblick
Quellen
Autorenvita
Vorbehalte bezüglich Bitcoin und Krypto-Assets – Status Quo und Ausblick
Nevin Celikel
1. Einleitung
2. Bitcoin ist ein Klimakiller
3. Kryptowährungen fördern Kriminalität
4. Kryptowährungen für Zocker
5. Kryptowährungen und Blasen
Literaturverzeichnis
Autorenvita
Trading mit Kryptowährungen
Maik Schober
1. Trading und Zufall
2. Handelsstrategie definieren
3. Backtest durchführen
4. Fazit
Autorenvita
Teil 4: Methoden und Werkzeuge für die professionelle Geldanlage
Wie liest man einen Jahresabschluss für Nichtfachleute
Prof. Dr. Knut Henkel
1. Ausgangslage
2. Die wichtigsten Bestandteile eines Jahresabschlusses
3. Bilanzierung
4. Ermittlung der Performance eines Unternehmens
Quellenverzeichnis
Autorenvita
Risikoprofiling von Anlegern – wie finde ich heraus, welches Risiko zu mir passt?
Lothar Schmidt
1. Einleitung
2. Herausforderung im Umgang mit Geld und Risiko
3. Professionelles Risikoprofiling
4. So können Sie vorgehen
Fazit
Autorenvita
Ein konjunkturbasierter Investmentprozess für den Privatgebrauch
Josef Gilhaus, Niklas Schmidt
1. Einleitung
2. Wachstum und Konjunktur
3. Wirtschaftsindikatoren
4. Der konjunkturbasierte Investmentprozess
5. Fazit
Literaturverzeichnis
Anhang
Autorenvita
Der Irrtum des Cost-Averaging-Effekts
Dr. Gerd Kommer
Literaturverzeichnis
Autorenvita
Wünsche erfüllen und ein Vermögen aufbauen – eine praktische Anleitung
Klaus Horn
1. Die Aktienauswahl
2. Risiko- und Money-Management
3. Das Aktiendepot von Julia und Alexander
4. Technische Analyse
5. Eine Reise in die Vergangenheit
6. Fazit
Literaturverzeichnis
Autorenvita
Musterkundenportfolios für Anleger
Wolfgang Huber, Dominik Lentz
1. Einleitung
2. Vermögensverwaltung
3. Asset Allocation
4. Korrelation
5. Musterkundenportfolios
6. Aktien-Renditen im historischen Rückblick
7. Regelmäßiges Sparen und regelmäßige Auszahlungen
Autorenvita
Teil 5: Märkte, Produkte und Anlagestrategien mit Aktien, Aktienfonds und ETFs
Welche Indizes sind sinnvoll, um mein Vermögen anzulegen?
Markus Heinrich
1. Aktienindizes
2. Rentenindizes
3. Indizes für Derivate
4. Währungen
5. Benchmark für aktive Anlagestrategien
6. ETFs auf Indizes
7. Fazit
Autorenvita
Faktor Investing oder Smart Beta – Wie investiere ich in Ertragsprämien, um Geld zu verdienen
Werner Krämer
1. Bestimmung von Aktienrenditen – Das Ein-Faktor-Modell
2. Bestimmung von Aktienrenditen – Das Mehr-Faktoren-Modell
3. Historisch nachgewiesene Faktoren, die Wert generieren
4. Ein-Faktor-Investing
5. Mehr-Faktoren-Investing
6. Praktische Fragen bei der Umsetzung des Faktor-Investing
7. Ausblick
Autorenvita
Factor Investing: Wie werden Faktorprämien ausgewählt und kombiniert?
Lejda Bargjo
1. Einleitung
2. Faktoren erklären, konstruieren und verbessern
3. Portfoliokonstruktion: Faktoren richtig umsetzen und integrieren
4. Auswahl der geeigneten Faktorstrategien für das eigene Portfolio
5. Abschließende Gedanken
Autorenvita
Ausgezeichnete Vermögensanlage mit ETFs – Ein Leitfaden
Dr. Gregor Broschinski, Nikolas Kreuz, Richard Southey
1. Einleitung
2. ETFs in der taktischen Asset Allokation
3. Entwicklung von ETFs
4. Funktionsweise von ETFs
5. ETFs im aktiven oder passiven Einsatz
6. Risikomanagement mit ETFs – Was gilt es zu beachten?
7. Ein vielfältiges Ökosystem – das Universum der ETFs
8. Fazit
Autorenvita
Makrozyklik und Massenpsychologie: das Naturgesetz der ökonomischen Jahreszeiten
Dr. Uwe Bergold, Prof. Dr. Bernt Mayer
1. Einleitung
2. Makroökonomische Zyklik als Naturgesetz der ökonomischen Jahreszeiten
3. Persönlichkeitsprofile im Rahmen der Verhaltensökonomie
Literaturverzeichnis
Autorenvita
Timing und Chartanalyse
Martin Utschneider
A) Psychologie und Börse: Warum kompliziert, wenn’s auch einfach geht?
B) Technische Analyse – die Idee
C) Schlussbemerkung: Wichtige Grundregeln (!)
Autorenvita
Derivate verstehen und damit Geld verdienen
Roland Eller
1. Grundlagen und Begriffe des Risikomanagements mit Derivaten
2. Bewertung von Derivaten
3. Kombinierte Strategien und Produkte
Literaturverzeichnis
Autorenvita
Teil 6: Wie funktionieren Aktien, Aktienfonds und ETFs wirklich?
Risikoprämie von Aktien
Maik Schober
1. Einführung
2. Risiko und Risikoprämie
3. Langfristiger Erwartungswert einer Investition
4. Bewertung einer Investition in eine einzelne Aktie
5. Risiken diversifizieren
6. Zusammenfassung
Das Wichtigste über Aktiengesellschaften
Maik Schober
1. Grundlegendes zu Aktiengesellschaften
2. Eigenkapital von Aktiengesellschaften
3. Wie funktioniert eine Kapitalerhöhung?
4. Börsennotierung und Aktienhandel
5. Aktien – ein echter Sachwert
Wie Privatanleger Einzelaktien analysieren können
Maik Schober
1. Bilanz einer Aktiengesellschaft
2. Gewinn- und Verlustrechnung
3. Einfache Bilanzkennzahlen berechnen
Anlage in Aktienfonds und Aktien-ETFs
Maik Schober
1. Der Grundgedanke von Fonds
2. Informationen über Fonds einholen
3. Aktiv gemanagter Fonds oder ETF?
4. Erstmalig in Aktien investieren
Autorenvita
Teil 7: Investments in Immobilien
Warum Immobilieninvestmentfonds gerade jetzt (nicht?) als Kapitalanlage funktionieren?! – Ein Detailblick hinter die Kulissen
Detlef Schumacher
1. Einleitung
2. Immobilienmärkte: Die reine Betrachtung der Bruttomietrenditen verschweigt ein Gutteil der (Ertrags-) Wahrheit!
3. Erwerbsnebenkosten und deren Ergebniseinfluss
4. Fondsergebnis ist nicht gleich Fondsergebnis – Auswirkungen von Kosten, Liquidität und Kreditaufnahmen durch den Fonds
5. Problemfall Wohnimmobilien – stabil und ertragreich?
6. Immobilieninvestments – Direkt erwerben oder via Investmentfonds investieren?
7. Exkurs: Immobilienfonds oder Immobilienaktien?
8. Fazit: Vorteile für Fondsanleger
9. Wichtiger Hinweis
Autorenvita
Steine kann man nicht essen – Die Umkehrhypothek – was sie ist, was sie kann und welche Vorteile sie Immobilieneigentümern bietet
Peter Scholten, Susanne Wild
1. Einleitung
2. Das Bedürfnis von vielen: möglichst lange in der eigenen Immobilie wohnen bleiben
3. Welche Alternativen gibt es?
4. Lösung am Beispiel der Sparkasse Rhein-Nahe: Die SRN-ImmoRente
5. Beweggründe für die Entwicklung des Produktes
6. Ausgestaltung der SRN-ImmoRente
7. Vorteile für den Immobilieneigentümer und seine Motive
8. Erfahrungen und Perspektive
Autorenvita
Teil 8: Do it Yourself
Die praktische Umsetzung Ihrer Investmentpläne – auf diese Punkte sollten Sie achten
Dr. Gerd Kommer
Literaturverzeichnis
Autorenvita
Das 1 x 1 der Besteuerung von Kapitalanlagen
Thomas Egner
1. Anlageform und Besteuerung
2. Eigentümerposition
3. Fremdkapitalposition
4. Mezzaninkapital
5. Finanzanlagen über Intermediäre
6. Tarifliches Optionsrecht (Günstigerprüfung)
7. Schlussbemerkungen
Literaturverzeichnis
Autorenvita
Steuerbedingte Unterschiede in den Nachsteuerergebnissen bei identischen Ergebnissen vor Steuern
Thomas Egner
1. Zur Notwendigkeit der Berücksichtigung von Steuern
2. Die Wirkungsweise der Abgeltungsteuer
3. Investitionen in Sachwerte
4. Investitionen in offene Investmentfonds
5. Schlussbemerkungen
Literaturverzeichnis
Autorenvita
Robo-Advisor – Professionelle Geldanlage schon beim Vermögensaufbau
Thomas Fürst, Volker Bulling
1. Die Vermögensanlage wird digitaler
2. Die unterschiedlichen Assetklassen
3. Was gilt es bei der Geldanlage zu berücksichtigen?
4. Vermögensverwaltung
5. So funktionieren Robo-Advisors
6. Vorteile bei der Nutzung eines Robo-Advisors
7. Empfehlung
Autorenvita
Die INVEST5-minutes-Methode – In fünf Minuten messbar entstressen und sicher Investitionsentscheidungen treffen!
Gabriele Fröhlich
Vorwort
1. Stress – ein Thema unserer Zeit
2. Stress in Verbindung mit Geldanlagen und Investitionen
3. Äußere und innere Stressoren
4. Erste Hilfe bei Stress
5. INVEST5 – die Methode
6. Persönliches Schlusswort der Autorin
Autorenvita
Unliebsam wie ein Zahnarztbesuch – so könnte man die Beschäftigung mit der eigenen Geldanlage bezeichnen. Warum fällt es vielen Menschen schwer, sich mit dem Thema zu beschäftigen? Liegt es am fehlenden Vertrauen, sich in Geldangelegenheiten beraten zu lassen? Mangelt es an dem nötigen Finanzmarktwissen oder liegt es an der praktischen Umsetzung? Die Ursachen sind vielschichtig. Das Bewusstsein, dass »man etwas tun müsse«, ist meist vorhanden, trotzdem werden Anlageentscheidungen vertagt und auf die lange Bank geschoben.
Stellen Sie sich folgende Situation vor. Sie haben einen Betrag X auf dem Girokonto liegen. Dieser schwankt im Zeitablauf – er wird größer, weil Sie Geld zurücklegen können – und kleiner, weil Sie Einkäufe tätigen, die vom Konto abgebucht werden. Ihnen fällt jedoch auf, dass immer ein bestimmter Betrag als Sockelbetrag zur Verfügung steht, unter den der Kontostand niemals fällt.
Was tun Sie mit diesem Betrag, wenn Sie a) dieses Buch nicht lesen und b) dieses Buch aufmerksam lesen?
Im ersten Fall bleibt der Sockelbetrag auf dem Girokonto liegen, worüber sich die Bank freut. Sie erzielen eine Rendite, die nach Abzug der Inflation allerdings negativ ist. Im zweiten Fall haben Sie jede Menge Ideen im Gepäck, gleichzeitig haben Sie das nötige Wissen, den Kampf gegen die Geldentwertung aufzunehmen. Bei der Anlage stellen sich natürlich viele Fragen: Was ist eine gute Anlage? Wie viel Geld sollte man investieren? Wie sicher ist die Anlage? Kann das Geld verloren gehen? Diese Fragen und Entscheidungen können Stress verursachen. An dieser Stelle kommen unsere Finanzprofis und Autoren ins Spiel. Jeder ist in seinem Fachgebiet ein absoluter Spezialist. Mit dem Wissen aus diesem Buch erhalten Sie das Know-how, um Ihre persönliche Anlagestrategie zu entwickeln und das Geld wie ein Profi anzulegen.
Griechenland, all inclusive, 1-a-Strandlage, Südbalkon mit Meerblick, Süßwasserpool und Abendunterhaltung – bei Ihren Urlaubsplänen gelingt es Ihnen ganz einfach, Ihre Vorstellungen zu artikulieren. Machen Sie es bei Ihren Geldanlagen genauso: Gehen Sie zu Ihrem Finanzberater und äußern Sie selbstbewusst Ihre Vorstellungen! Aus 100 Prozent Sockelbetrag auf dem Girokonto werden dann beispielsweise 20 Prozent Tagesgeld täglich verfügbar, aber verzinst – für Dachreparaturen oder eine neue Geschirrspülmaschine. Das gewährleistet Ihnen die nötige Flexibilität, um auf Unvorhersehbares zu reagieren. 30 Prozent investieren Sie in festverzinsliche Anleihen bester Qualität, beispielsweise in einen täglich börsengehandelten Rentenfonds. Im Portfolio sind eine Vielzahl von fest und variabel verzinslichen Staats- oder Unternehmensanleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten. Alternativ können Sie auch ein Festgeld bei der Bank nehmen. Neben diesem Stabilitätsankern weist Ihr Portfolio Renditetreiber, also risikoreiche Investments, auf. Die Wertschwankungen Ihrer Geldanlage nehmen dadurch zu – ins Positive, aber auch ins Negative. Hier bietet sich zum Beispiel eine Investition von 40 Prozent Ihres Vermögens in einen Aktien-Indexfonds an. Neben dem Core-Investment (Renten und Aktien) dürfen es auch ein paar Satelliten für Trends und Themen sein, die mit guten Wachstumsaussichten überzeugen. Zum Beispiel könnten 5 Prozent des Vermögens in Emerging Markets Fonds und 5 Prozent in Rohstoff-Fonds investiert werden. Ihnen ist Nachhaltigkeit ein Anliegen? Auch das lässt sich mit Ihren Anlageinstrumenten verwirklichen!
Eines ist wichtig: Sie müssen sich mit Ihren Entscheidungen zur Geldanlage wohl fühlen und verstehen, was Sie tun. Das Investment sollte auf Ihre persönliche Risikotragfähigkeit und Ihren Risikoappetit zugeschnitten sein. Bei dem obigen Beispiel müssen Sie damit rechnen, dass bei dem Aktienanteil ein Verlust von 50 Prozent möglich ist, verbunden mit einer 13-jährigen Erholungsphase. Haben Sie so viel Zeit?
Was erwartet Sie in diesem Buch genau? Es erwarten Sie jede Menge Erkenntnisse und Tipps, um Ihren Sockelbetrag, der derzeit noch auf dem Girokonto liegt, erfolgreich und stressfrei anzulegen. Im Folgenden möchten wir Ihnen einige Einblicke geben:
Die
praktische Umsetzung
der persönlichen Investmentstrategie ist häufig schwieriger als die Aneignung von Investmentwissen. Psychologische Hürden spielen dabei eine große Rolle. Zum Beispiel können mögliche schwebende Verluste dazu führen, dass Fehlentscheidungen getroffen werden oder weitere Investments auf die lange Bank geschoben werden. Dieses Hinausschieben hat mögliche Opportunitätskosten in Form entgangener Erträge zur Folge.
Asset-Allokation
und
Diversifikation
sind das Fundament für erfolgreiches, langfristiges Investieren. Die Vermögensaufteilung auf verschiedene Anlageformen ist das einzige »Free Lunch« beim Investieren, weil das Risiko sinkt, ohne dabei Renditepotenzial aufzugeben. Versuchen Sie nicht, den optimalen Einstiegszeitpunkt zu erwischen, spezifische Wertpapiere herauszupicken oder durch Rein und Raus in/aus einzelne/n Assetklassen kurzfristige Erfolge zu erzielen – all das hat sich in der Vergangenheit im Vergleich zu breit gestreuten passiven Indexstrategien (z. B. MSCI World, der 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern weltweit umfasst) für die meisten Anleger nicht gelohnt.
Aktienmärkte
bieten bei einem langfristigen Anlagehorizont mehr Chancen als Risiken. Insbesondere der deutsche Anleger hat Angst vor Verlusten. Es werden zu wenig Mittel in risikoreiche Assetklassen, insbesondere Aktien und Immobilien, investiert und im Gegenzug fließt zu viel Geld in renditeschwache Anlageformen wie Tagesgeldkonten, Sparbücher oder Bausparverträge. Um eine reale Rendite (nach Inflation) zu erzielen, kommt man an Aktien nicht vorbei.
Über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte
ETFs,
können Sie kostengünstig Ihre Wunschallokation umsetzen. Suchen Sie sich entsprechend Ihrer Investmentstrategie geeignete Indizes, die die gewünschte Vermögensaufteilung möglichst exakt nachvollziehen. Im zweiten Schritt suchen Sie zu den ausgewählten Indizes entsprechende ETFs, die den Index möglichst exakt abbilden. Für eine gute Diversifikation benötigen Sie nicht mehr als 4 bis 10 breit aufgestellte Indizes, da die Indizes ihrerseits bereits in sehr viele Einzeltitel investiert sind.
Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht. In diesem Sinne ist es wichtig, sich heute im Rahmen der Geldanlage mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Zum einen, um diesem Megatrend Rechnung zu tragen und eine nachhaltige Rendite zu erzielen, zum anderen – je nach Überzeugung – um durch eine nachhaltige Geldanlage die Welt von morgen positiv mitzugestalten. Berücksichtigen Sie das Thema
Nachhaltigkeit
bei allen Anlageentscheidungen! Warum ist das sinnvoll? Die Nichtberücksichtigung dieser zentralen Entwicklung am Geld- und Kapitalmarkt kann leicht zu Fehleinschätzungen und damit zu einer suboptimalen Vermögensanlage, verbunden mit den damit einhergehenden Renditeverlusten (oder erhöhten Risiken) führen.
Es ist ratsam, sich mit der volkswirtschaftlichen Großwetterlage, der Geld- und Fiskalpolitik und den Verflechtungen und Abhängigkeiten in Europa und weltweit auseinanderzusetzen. Die aktuelle
Inflation
wird durch drei exogene Einflussfaktoren (Pandemie, Lieferketten und Krieg) getrieben. Wenn der Angebotsschock (die Preise steigen, weil kein Angebot mehr vorhanden ist) wieder vorüber ist, sprechen die Trends Überalterung und Globalisierung eher wieder für Zeiten mit moderater Inflation. Das bedeutet, Megatrends wie Überalterung, Technologisierung und die weltweite Schuldensituation sprechen eher für niedrigere Zinsen.
Gerade bei
Immobilien
hat das Thema Nachhaltigkeit im Sinne energieeffizienter Gebäude einen besonders positiven Einfluss auf die erzielte Rendite! Risiken und Betriebskosten sinken, Mieteinnahmen und Gebäudewert steigen. Die Renditen von Immobilieninvestments werden von vielen Ertrags- und Kosten-Komponenten beeinflusst. Mit einer realistischen Chancen- und Risikoabwägung, wie sie in diesem Buch vorgenommen wird, erhält man Transparenz und ein Gefühl für die Zusammenhänge und Funktionsweise von Immobilienfondsinvestments.
Kryptowährungen
können als Spekulationsobjekte eingestuft werden, da sich ein fundamentaler Wert für diese digitalen Währungen kaum festlegen lässt. Der Kurs einer Kryptowährung steigt, wenn mehr Käufer als Verkäufer auf dem Markt aktiv sind, und der Kurs fällt, wenn die Verkäufer die Oberhand haben. Wenn sich der Kurs einer Kryptowährung nicht nur zufällig verhält (wie z. B. beim Würfeln), sondern von dem Verhalten der Marktteilnehmer beeinflusst wird, sollte es grundsätzlich möglich sein, durch den aktiven Handel von Kryptowährungen Erträge zu generieren.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Spaß bei der erfolgreichen Umsetzung Ihrer persönlichen Investmentstrategie!
Wir möchten uns auch recht herzlich bei allen Autorinnen und Autoren für die wertvollen Beiträge bedanken, die dieses Buch mit Leben füllen und es bereichern. Vielen Dank!
Ihre Herausgeber
Roland Eller, Markus Heinrich, Maik Schober
Volker Gronau
»Ein Beispiel zu geben, ist nicht die wichtigste Art, wie man andere beeinflusst. Es ist die Einzige.«
Albert Schweitzer
Schwierigkeiten zu meistern, wird uns spätestens dann zur Strategie des beruflichen (Über-)Lebens, wenn wir uns täglich auf das Neue besinnen und darauf, welche täglichen Herausforderungen auf uns warten. Wenn jetzt bereits Geschehenes als Beispiel für bestimmte Verhaltensweisen oder Entwicklungen herangezogen wird, ist der erste Schritt, der zum Erfolg führen wird, bereits getan. Erfahrungen bringen uns weiter – gerade und speziell in der Kapitalanlage.
Der nachfolgende Abschnitt beschreibt die Entwicklungen und Hintergründe an den Wertpapiermärkten, speziell der vergangenen vierzehn Jahre. Die beiden grundlegenden Alternativen der Anlagen, wie die Aktie oder das festverzinsliche Wertpapier, wurden dabei in ihren Veränderungen erkundet und einer Dokumentation unterworfen. Um ein besseres Verständnis für die Entstehung zu gewinnen, wurde die Zeit davor ergänzend durchleuchtet. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf das Thema »Inflation« gelegt, die gerade in den letzten zwei Jahren durch die Pandemie und den unsäglichen Krieg in Dimensionen emporschnellte, die selbst nach dem zweiten Weltkrieg nicht gesehen wurden.
Die Geschichte – mit der wirtschaftspolitischen Grundrichtung der Bundesrepublik Deutschland, der sozialen Marktwirtschaft – entwickelte sich aus den verheerenden wirtschaftspolitischen Ergebnissen nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1921 herrschte eine offene Inflation, nach einer Stabilisierung der damaligen Währung »Mark« brach 1929 eine weltweite Krise aus, die zum Zusammenbruch des internationalen Währungssystems führte. Millionen von Arbeitslosen in aller Welt waren die Folge. 1945 waren der Geldwert und das Geldvermögen in Deutschland wieder zerstört, es herrschte Zwangswirtschaft bei gestoppten Preisen.
Dieser kurze historische Rückblick ist wichtig, da das Thema Inflation (also die Geldentwertung) eine dominierende Rolle in der Präferenz einer Investition einnimmt. Die Angst, Geld zu verlieren, prägt gerade den deutschen Anleger. Die Aversion gegenüber risikobehafteten Geldanlagen ist weltweit stark ausgeprägt, besonders in Deutschland. Aber gerade der Anleger in Sachwerten profitierte durch diese Anlagen, weil sein realer Geldwert erhalten blieb und die Wirren der Weltkriege und Schwankungen der darauffolgenden Jahre vollends erfolgreich überstand.
Die letzten vierzehn Jahre, beginnend ab 2008, aber auch die Dekade von 1998–2008 waren für Anleger extrem herausfordernd. Kaum war die Asien- und Russlandkrise (1997) überstanden beziehungsweise waren die Anleger noch mittendrin, wurden sie durch die LTCM-Pleite (Hedgefonds-Insolvenz) erneut auf die Probe ihres Durchhaltevermögens gestellt.
Unerwähnt darf dabei auch nicht bleiben, dass genau mit dem Beginn des Jahres 1998 der wirtschaftspolitische Meinungskonsens sich auf den Aufbau von Arbeitslosigkeit konzentrierte, zugunsten eines damaligen kleinen Wirtschaftswachstums. Oder mit anderen Worten: Es wurde (erfolgreich) das Wirtschaftswachstum angeheizt durch die Inkaufnahme einer hohen Arbeitslosenzahl. Genauso wie in den Jahren vor der Corona-Pandemie (März 2020) war damals das Hauptanliegen der Politiker, keine Deflation zuzulassen.
Damit hatten die Volksvertreter, damals wie heute und die gesamte Zeit dazwischen, absolut recht. Denn, nichts ist schlimmer einzuschätzen als eine Deflation, also der Rückgang von Preisen, der sich wie eine Spirale nach unten fortsetzt und alles, aber auch wirklich alles, an Gütern und Dienstleistungen nach unten zieht. Dazu auch die Löhne, die Immobilien und die Wertpapierkurse. Wenn diese Abwärtseskalation richtig rotiert, ist es sehr schwer, daraus wieder zu entfliehen. Das unrühmliche Beispiel dazu war die Zeit der großen weltweiten Depression von 1929, über die sechs Jahre des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) bis 1954. Der wohl bekannteste Börsenindikator, der auf reinen Durchschnittswerten basierende Dow Jones Industrial Average fiel bis zum Sommer 1932 um 90 Prozent und warf die Welt in eine Depression, von der sie sich erst ab dem Jahre 1954 wieder anfing zu erholen. Die Erfolge, welche die Aktienmärkte in den USA ihren Anlegern bescherten, waren Renditen pro Jahr von rund 5 Prozent – ohne Berücksichtigung der Dividenden. Denn der Dow Jones ist ein Preisindex, ohne Verrechnung der Dividenden. Im Gegensatz zum Deutschen Aktienindex (DAX), der sofort jede Ausschüttung in die Kursfestsetzung wieder mit anlegt.
Abbildung 1: Dow Jones Industrial Average (1900–1960), Quelle: eigene Darstellung
Die zwei Dekaden von 1960 bis 1980 waren geprägt von einer zunehmend volatilen Seitwärtsbewegung der Aktienmärkte, die ab 1982 (Beginn der Ära Helmut Kohl) eine bis heute währende Aufwärtsbewegung der Dividendentitel vollzieht, mit einem Ertrag pro Jahr von über 9 Prozent. Die Renditen für kurze Laufzeiten (ein Jahr) bewegten sich zwischen –0,95 und 13,40 Prozent (siehe nachfolgende Zinsgrafiken) beziehungsweise minus 0,24 und 11,11 Prozent (zehn Jahre; Langfristzinsen: siehe Chart »Zinsstrukturkurven«) für lange Laufzeiten.
Abbildung 2: Deutscher Leitindex (DAX) 1959–April 2022, Quelle: infront / eigene Darstellung
Es vollzogen sich innerhalb dieser Zeit zwei einschneidende geo- und makropolitische Einflüsse, durch die beiden Ölkrisen (1973 und 1979), welche die Aktienmärkte in starke Turbulenzen brachten und die Zinssätze auf bis dahin noch nie erreichte Niveaus emporschnellen ließen (Geldmarktzins 13 Prozent), von deren Stand sie bis heute im Trend fallen, währenddessen die Aktienmärkte anstiegen.
Abbildung 3: Ölpreis ab 1960 bis heute, Quelle: Statista, OPEC, opec.org
Die Verkettung zwischen dem steigenden Ölpreis und der Ölkrise zeigt das folgende Bild:
Abbildung 4: Ölpreis – Ölkrise – BIP-Index, Quelle: OPEC | Statistisches Bundesamt
Zu sehen sind die Preise für 1 Barrel Öl (WTI, helle Linie) und das Bruttoinlandsprodukt (BIP, dunkle Linie) in Deutschland, wie es mit dem extremen Anstieg des Ölpreises nicht mithalten konnte. Bei beiden Ölkrisen (1973 und 1979) wurde das Angebot verknappt. Der Ölpreis ist heute wieder auf noch höhere Niveaus angestiegen, was bis vor Kurzem kaum möglich erschien. Vergleichbar ist dies mit der damaligen Situation nur bedingt, da seinerzeit (1973 und 1980) die Ölembargos der arabischen Welt verantwortlich waren, dazwischen der »Arabische Frühling« (2010), aber aktuell der Aggressionskrieg Russlands gegen die Ukraine. Davor die weltweite Pandemie ab dem ersten Quartal 2020. Die nicht-geopolitischen Gründe liegen in dem Zuwachs der wirtschaftlichen Leistung, dem Bruttoinlandsprodukt. Wenn mehr Güter und Dienstleistungen hergestellt beziehungsweise erbracht werden, nimmt der Verbrauch des Rohstoffes Öl zu. Eine verstärkte Nachfrage ließ dadurch den Ölpreis in den vergangenen Jahren schrittweise steigen. In Verbindung mit neuen Ölfeldern und der Innovation des Frackings (Ölsandgewinnung) konnte dem vermehrten Bedarf nach Öl Rechnung getragen werden. Eine Idee, die jetzt auch in Deutschland diskutiert wird, im Rahmen des Abkoppelns von russischen Öl- und Gaslieferungsabhängigkeiten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zogen die Zinsen sukzessive an und erreichten mit dem Beginn der ersten Ölkrise ihren ersten Höchststand. Am 13. Juni 2016 waren die zehnjährigen Zinsen zum ersten Mal mit –0,01 Prozent im negativen Bereich angekommen (siehe Pfeil bei Abb. 5).
Abbildung 5: Bundesanleihen Laufzeit zehn Jahre, Quelle: Reuters und eigene Darstellung
Abbildung 6: Zinsstrukturkurven (März 1973–März 2022) Laufzeiten: 1 bis 10 Jahre, Quelle: eigene Darstellung
Die oben angegebenen Zinsstrukturkurven (Abb. 6) dokumentieren diese Entwicklungen der ein- bis zehnjährigen Zinsen, ab März 1973 – dem höchsten Stand der Zinsen nach dem Zweiten Weltkrieg:
Dass das weltweite Zinsniveau an diesem Zeitpunkt (1973) einen historischen Höchststand zeigte, um anschließend nochmals im Jahre 1980 kurzzeitig dorthin zurückzukehren (Zweite Ölkrise), wird durch das obige Schaubild bestätigt.
Wenn wir die Epoche vor Christus ausklammern, bestätigt das nachfolgende Schaubild diese Aussage der historischen Zinshöchststände:
Abbildung 7: Durchschnittliches Zinsniveau (weltweit) über 5.000 Jahre, Quelle: Bank of England, »A History of Interest Rates«, Grafik: »Die Presse«
Diese Höchststände waren jeweils mit einer inversen Zinsstruktur (kurzfristige Zinsen liegen über den langfristigen Zinsen) Hand in Hand gegangen, was wirtschaftlich, respektive auch wirtschaftspolitisch immer mit einer überhitzten Konjunktur oder anderen Anomalien ökonomischer Merkmale zusammenhing, die sich aktuell wieder zu zeigen beginnen.
Der Ölpreis war demnach der Antreiber für die Inflation und konnte nur durch eine Erhöhung der kurzfristigen Zinsen durch die damalige Deutsche Bundesbank zurückgeführt werden. Die Beziehung wird durch die folgende Grafik veranschaulicht:
Abbildung 8: Leitzins und Inflationsrate (Deutschland bzw. Europa), Quelle: Bundesbank, EZB, Statistisches Bundesamt, F.A.Z. und eigene Darstellung
Einen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung der Zinskurve liefert der reale (also der inflationsbereinigte) Geldmarktsatz.
Abbildung 9: Notenbankzins und Inflation im Euroraum (Prozent), Quelle: EZB und Bundesbank und eigene Darstellung [*ab 1999 Hauptrefinanzierungssatz der EZB, davor Wertpapierpensionssatz der Bundesbank]
Durch einfache Subtraktion des Ein-Jahreszinses (-0,57 %) minus der Inflation (7,3 %) liegt dieser reale Zinssatz bei historisch extrem niedrigen weit unter -7 Prozent.
Abbildung 10: Kurzfristige Realzinsen im Euroraum (Monatsdurchschnitt 1980-2022 in Prozent), Quelle: Bundesbank, [1) Drei-Monats-Euribor minus Verbraucherpreisinflation | 2) Rendite zehnjähriger Bundesanleihen minus Verbraucherpreisinflation]
Je niedriger dieser Satz ist, desto steiler ist in der Regel die Zinsstrukturkurve (wie im Dezember 2017 und auch aktuell mit rund 1 Prozent), was sich in relativ hohen Renditedifferenzen zwischen langen und kurzen Laufzeiten widerspiegelt. Die aktuelle Zinsdifferenz liegt bei ziemlich genau 1 Prozent (ein- versus zehnjährige Zinsen).
Das ist derzeit auch eine normale Zinsstrukturkurve. Sollte aber wieder eine in der Zukunft zu erwartende inverse Zinsstrukturkurve möglich erscheinen, die über eine flache Kurve (das komplette Zinsniveau ist nahezu identisch) zu einer inversen führt, muss das konjunkturelle Umfeld als prosperierend eingeschätzt werden. Was aktuell, zu Beginn des Jahres 2018, auch realistisch war und auch eintraf und derzeit umfänglich diskutiert wird.
Um also einen überbordenden wirtschaftlichen Aufschwung, der nicht mit einer noch weiter aus dem Ruder laufenden Inflation einhergeht, einzudämmen, müssten die Kurzfristzinsen erhöht werden. Die spezifischen Phasen, in welchen sich dabei das jeweilige Land konjunkturell befindet, verstehen sich von selbst. Während in den USA derzeit die Rufe nach weiteren Zinserhöhungen immer lauter werden und in diesem Jahr bereits auf über 3 Prozent emporgehoben wurden, ist dies für Europa und Japan ein hochgradig differenziert diskutiertes Thema.
Die Mehrheit der Anleger verlangt aktuell auch wieder eine Verzinsung, um wieder ein Entgelt für Konsumverzicht (eben Sparen für Zinsen) zu erhalten.
Nur leider funktioniert der Kausalzusammenhang schon nicht (mehr), weil die weltweite Verschuldungsproblematik in Verbindung mit der funktionierenden Globalisierung und der in Schwung gekommenen vierten Industrialisierung (Digitalisierung) einen dicken Strich durch diese Rechnung macht. An eine Deglobalisierung ist nicht zu denken, weil kein Land der Welt heute ohne die anderen existieren könnte.
Daher muss an dieser Stelle konstatiert werden, dass seinerzeit Mario Draghi, als verantwortlicher Präsident der Europäischen Zentralbank (2011 bis 2019) alles richtig gemacht hat, indem er das Zinsniveau in allen Laufzeitenbereichen am Boden hielt und sogar im negativen Terrain die Zinssätze verharren ließ. Die Fehler, die um das Jahr der Großen Depression 1929 gemacht wurden, indem die Liquidität verknappt wurde, anstatt sie zu erhöhen, und massivste Zinssenkungen halfen, die globale Verschuldungssituation (zunächst) in den Griff zu bekommen.
Denn, was die amerikanischen Notenbankchefs vormachten, adaptierte Mario Draghi und wurde unter seiner Nachfolgerin Christine Lagarde in gleicher Art und Weise fortgesetzt.
Abbildung 11: Entwicklung des Leitzinses der EZB (2000-April 2022), Quelle www.leitzinsen.info
Damit wird sichergestellt, dass der weltweite Schuldenberg sukzessive, über eine (noch) sehr lange Zeit abgebaut werden kann. Damit kam eine Strategie zutage, die zuerst die japanische Notenbank eingeführt hatte.
Ab Februar 2018 wurde ein neuer Notenbankpräsident berufen, um in den USA die Geschicke des Landes und damit auch der gesamten Welt zu lenken. Jerome Powell (genannt »Jay«) hatte nicht die lange Zeit als lernende oder auch beratende Instanz einer Frau Yellen hinter sich, die ihrem Vorgänger, Ben Bernanke, mit Rat und Tat zur Seite stand. Er hat keine Krisen verantwortlich meistern müssen, da er erst seit 2012 der Federal Reserve (Fed) angehört. Er musste sich erst einarbeiten in die teilweise verklausulierten Darlegungen, die ein Fed-Chef regelmäßig als Erkenntnisgewinn aus seinen Entscheidungen enthüllt. Er wird behutsam die Kurzfristzinsen weiter erhöhen wollen. Dabei aber höllisch aufpassen müssen, dass er keinen Flächenbrand auslöst, indem er über das Ziel hinausschießt. Er muss den Spagat wagen, einerseits die Zinsen homöopathisch zu erhöhen, um eine Inflation im Ansatz bereits zu bekämpfen und um Munition zu besitzen, im richtigen Moment den Zins wieder zu senken, falls die wirtschaftliche Entwicklung dies verlangt. Dabei muss er gerade die inflatorischen Gefahren der Lohnerhöhung breiter Bevölkerungsschichten genau im Auge behalten. Gerade diese Kausalität wird seine ganze Kraft benötigen und sein Bestreben sein müssen, damit keine unvorhergesehenen Einbrüche an den Kapitalmärkten stattfinden.
Dieser schwierigen Aufgabe sieht sich Herr Powell jetzt gerade in extremer Ausprägung gegenübergestellt, da der Ukrainekrieg die Lieferketten unterbrochen hat und die Öllieferungen aus Russland auf ein sehr hohes Preisniveau gehoben hat. Dies führte augenblicklich zu Preissteigerungen, die das gesamte historische Wissen der verantwortlichen Präsidenten der Zentralbanken erfordert.
Abbildung 12: Leitzinsen: Euroland, USA, Quelle: Europäische Zentralbank (EZB), Federal Reserve (Fed)
Nach dem Hype der Immobilienpreise und flankierend auch der Aktienkurse kam es mit Beginn des Jahres 1990 zu einem Kurszusammenbruch, besser gesagt zu einer Reaktion des japanischen Aktien- und Immobilienmarktes, die mit Unterbrechungen erst Anfang 2009 gestoppt werden konnte.
Denn der erste Tiefpunkt war bereits 2003 ersichtlich, von welchem sich der japanische Aktienmarkt signifikant erholte. Aber durch das weltweite Platzen der Technologieblase wurde die Börse im Land der aufgehenden Sonne nochmals erschwert ins Trudeln gebracht, sodass Ende 2008 diese Tiefpunkte nochmals eintraten.
Abbildung 13: Japanischer Leitindex (Nikkei 225) 1984–April 2022, Quelle: infront und eigene Darstellung
Innerhalb dieser langen Zeit senkte die japanische Zentralbank ihren Leitzins auf nahe null, wo er aktuell diskussionslos verharrt.
Die Langfristzinsen, die für die Investitionsentscheidungen maßgeblich sind, beeinflusste die japanische Notenbank über das sogenannte Quantitative Easing (Liquiditätsschöpfung) massiv, und zwar durch Käufe von Anleihen und Aktien der heimischen Wirtschaft sowie den ausgeübten Zwang, dass institutionelle Anleger, wie Versicherungsgesellschaften, heimische Anleihen in ihre Depots nehmen mussten.
Das Zinsniveau verharrt seit dieser Zeit auf Werten um den Nullpunkt.
Abbildung 14: Drei-Monats-Zins Japan (rot) im Vergleich zu ausgewählten Industrienationen 2016–April 2022, Quelle: infront und eigene Darstellung
Japan als Vergleichsmaßstab heranzuziehen war zu Beginn der dortigen Krise sicherlich zu weit hergeholt. Auch mit dem Beginn der Erkenntnis in den westlich etablierten Wirtschaftsregionen, wie USA und Europa, dass der hohen Staatsverschuldung – vor allem der Unternehmen und Privathaushalte – entgegengewirkt werden muss, war man von Seiten der Notenbanken noch nicht so weit, die Zinsen an den Rand des Negativen zu senken. An ein aktives Heranwagen, Anleihen am Kapitalmarkt zu erwerben, war damals überhaupt nicht zu denken. Heute hingegen gehört es zum Überlebensrepertoire aller Zentralbanken.
Es ist ein großer Unterschied, wer die Schulden aufgenommen hat. Der Staat, der Unternehmer oder der Privatmann? Der Staat kann nicht bankrottgehen, solange seine Währung Akzeptanz findet. Die höchste Akzeptanz hat weltweit der US-Dollar, danach der Euro und mit weiten (unbedeutenden) Abständen darauffolgend der Schweizer Franken, das Britische Pfund, der Kanadische Dollar, der Yen und Yuan.
Abbildung 15: Weltwährungsreserven US-Dollar (63 %)/Euro (20 %) [Febr. 2022], Quelle: Internationaler Währungsfonds
Die Notenbanken finanzieren also mit ihren Aufkäufen der Anleihen das Schuldenmachen der Staaten. Also wird durch sie kein negativer Schaden für die Wertpapiermärkte auszumachen sein, weil sie weiter Wertpapiere (Festverzinsliche und Aktien) erwerben werden, um die Liquidität hochzuhalten.
Ganz anders sieht es mit den Unternehmens- und Privatschulden aus. Private Wirtschaftsteilnehmer (Konsumenten, Unternehmen) können nicht vom Staat gestützt werden. Sie waren die Auslöser von großen Finanzkrisen durch ihre gewaltig hohe Verschuldung.
1929 waren es die privaten US-Unternehmen, die heillos überschuldet waren und die Welt in eine noch nie dagewesene Depression der modernen Wirtschaftsgeschichte rissen. 2007 waren es die privaten US-Konsumenten, die mit ihrer zu hohen Immobilienverschuldung (angeheizt durch die viel zu niedrigen Notenbankzinsen unter Alan Greenspan) die Welt in die größte finanzielle Nachkriegskrise ritten.
Schuldenmachen war en vogue. Immobilien stiegen fortwährend im Preis an und gaukelten dem Investor vor, dass er diese Wertsteigerung durch immer ausgedehnteren Schuldenaufbau verkonsumieren könne. Es entstand ein falsches Gefühl eines eben nicht vorhandenen Reichtumseffektes, der so lange am »Leben« erhalten werden konnte, wie die Bewertungen stiegen. Inflation war damit legitimiert, da Wertsteigerungen über die Kapitalanlage erfolgten, die mit der ungebremsten Schuldeninkaufnahme, damit über den Konsum, dazu verhalfen, die Konjunktur anzuheizen.
Dabei muss unterschieden werden, dass es diesbezüglich zwei Inflationsarten gibt:
Die Preissteigerung, die durch die Kapitalanlagen selbst zutage tritt (Vermögenspreisinflation), und die (aktuell nicht mehr vorhandenen) Preiserhöhungen, die durch eine verbesserte Produktivität die Verbraucherpreise (Verbraucherpreisinflation) steigen lassen. Natürlich wird durch allerlei Maßnahmen versucht, die Inflation am Leben zu erhalten, da ihr Gegenpart – die Deflation – das Schreckgespenst schlechthin wäre. Die permanent gestiegene Produktivität der Bevölkerung erreichte ihren besten Steigerungswert mit Beginn des Computerzeitalters (etwa um die Jahre 1970 bis 1975).
Seit dieser Zeit sind die Steigerungsraten nicht mehr in diese hohen Wachstumsregionen emporgestoßen. In den USA fällt der Reallohn breiter Bevölkerungsschichten seit den 1970er-Jahren. Also ist die inflationäre Tendenz durch Produktivitätssteigerungen, die mit Lohnerhöhungen einhergehen würden, praktisch nicht mehr vorhanden.
Aber die Inflation wird unter anderem auch geschürt durch regelmäßige Erhöhungen der Rentenansprüche, wie sie derzeit jedes Jahr von der Bundesregierung beschlossen wurden. Dies soll nach offizieller Aussage auch für die kommenden Jahre gelten.
Rohstoffpreise steigen häufig über ihr kalkuliertes Niveau hinaus an – aber die Unternehmer wissen, wie diese Kostensteigerungen aufgefangen werden können, indem sie ihre Produktionsstätten ins Ausland verlagern, weil Arbeitslöhne billiger sind. Damit wird der Unternehmer immer vermögender, der »normale« Arbeitnehmer tendenziell ärmer und mehr denn je vom Unternehmer abhängig. Die Schere zwischen Arm und Reich vergrößert sich durch diesen Effekt der Globalisierung immer weiter.
Wie sollen hierbei die Zinsen – das Surrogat für Nichtkonsum – ansteigen? Denn die Löhne steigen nicht und generieren dadurch auch keine Inflation, die zu einer Erhöhung der Zinssätze führt. Das wenige zur Verfügung stehende Geld breiter Bevölkerungsschichten muss also in das tägliche Leben investiert werden. Aber wenn Mittel zum Sparen übrig bleiben, sollte die Aktie tatsächlich mehr Gehör finden.
Als liquide Geldanlage empfiehlt sich die Aktienanlage seit langer Zeit. Einer der am breitesten gestreuten und liquidesten Aktienmärkte ist der US-amerikanische mit seinem Topvertreter, dem Standard & Poor’s 500 Index.
Abbildung 17: Standard & Poor’s 500 Index (1950–April 2022), Quelle: infront und eigene Darstellung
Die Betrachtung der obenstehenden Kursentwicklung über mehr als 70 Jahre oder der Abbildung auf der nächsten Seite, unter Zugrundelegung der jährlichen Renditen anhand einer Glockenkurve, zeigt die beeindruckenden Erfolge, die ein Aktieninvestment über einen Zeitraum von 196 Jahren erzielte – aber auch in kürzeren Abschnitten.
Abbildung 18: Standard & Poor’s Index (Ergebnisse der letzten 196 Jahre pro Jahr), Quelle: eigene Darstellung
Es kann festgehalten werden, dass in unserer globalisierten, zunehmend digitalisierten und deregulierten Welt das zu investierende Geld der Unternehmer dorthin wandern wird, wo die günstigsten Löhne und fairsten Arbeitsbedingungen bezahlt werden können und herrschen. Dadurch kann ein Preiswettbewerb aufrechterhalten bleiben, der keine Verbraucherpreisinflation auslöst, die nicht bekämpft werden könnte.
Eine Geldentwertungsphase kann exogen jederzeit durch einen starken Anstieg durch Rohstoffpreise (Öl oder wichtige Metallpreise) entstehen. Durch geopolitische Gefahren ist ebenso ein Sprung der Rohstoffpreise möglich. Dabei darf nicht übersehen werden, dass das heute die ganze Welt umspannende Informationsnetz es jedem Einzelnen erlaubt, sofort zu wissen, was auf unserem Erdball gerade wo passiert. Reaktionen können daher innerhalb kürzester Zeit vorgenommen werden. Produktionsverlagerungen sind heute sehr viel schneller in die Tat umzusetzen als noch vor zehn oder mehr Jahren.
Die kurzfristigen Realzinsen liegen seit über 90 Jahren quasi auf der Nulllinie und zuckten nur innerhalb der beiden Ölkrisen und den leider kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Ukraine und Russland kurz beziehungsweise wieder auf. Wobei die Realzinsen aktuell extrem negative Werte aufweisen, die in diesem Tief nicht verharren werden.
Abbildung 19: Kurzfristige Realzinsen 2002–2022, Quelle: infront und eigene Darstellung
Um eine reale Performance zu erzielen, kommt der Anleger deshalb an der Aktie nicht vorbei. Die Anlage in festverzinsliche Wertpapiere gaukelt ihm einen kleinen Kupon vor, der nach Abzug der Inflation im Minusterrain verharrt, und in diesem Jahr die privaten und vor allem institutionellen Anleger richtig in Bedrängnis gebracht hat, aufgrund des sehr großen Kursverfalls in Folge der schnell gestiegenen Zinsensätze.
Dr. Volker Gronau ist seit seiner Hochschulausbildung für die Betreuung und ganzheitliche Konzeptionierung des liquiden Vermögens multinationaler Unternehmen sowie vermögender Privatpersonen verantwortlich. Sein Wissen eignete er sich in zwei abgeschlossenen Studiengängen im In- und Ausland an, die er mit der Promotion über Hedge-Fonds auf volkswirtschaftlicher Grundlage vollendete. Er verantwortete als Niederlassungsleiter und Geschäftsführer namhafter Unternehmen deren Entwicklung. Er ist als Senior Partner und Vermögensverwalter der deutschlandweit agierenden »Deutschen Wertpapiertreuhand« tätig.
Karlheinz Ruckriegel
»Um zu verstehen, wie Volkswirtschaften funktionieren und wie wir sie zu unserem Vorteil steuern können, müssen wir die Denkmuster berücksichtigen, die den Ideen und Gefühlen der Menschen zugrunde liegen – ihre Animal Spirits. Nur wenn wir uns klarmachen, dass ökonomische Ereignisse im Kern großenteils mentale Ursachen haben, können wir sie wirklich verstehen und erklären.«
George A. Akerlof, Robert J. Shiller, Animal Spirits –Wie Wirtschaft wirklich funktioniert, Frankfurt 2009, S. 171
»Solange die Zukunftserwartungen der Menschen zwischen übertriebenem Optimismus und übermäßigem Pessimismus – oder zwischen Gier und Angst – hin und her schwanken, werden Aktienkurse einem unvorhersehbaren Zickzackkurs folgen, dessen Verlauf den zerklüfteten Gipfeln der Anden nicht unähnlich ist.«
Neil Ferguson, Der Aufstieg des Geldes – die Währung der Geschichte,Berlin 2009, S. 151
Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften hat bei den Sozialwissenschaften, insbesondere bei den Wirtschaftswissenschaften, das Paradigma, also das theoretische Vorverständnis des Forschers, prägende Wirkung für die Realität. Der Lauf der Gestirne hingegen wird nicht dadurch verändert, ob der analysierende Beobachter dem kopernikanischen, Newton’schen oder Einstein’schen Weltbild anhängt.2
In den 1970er-Jahren kam es zu einer Ablösung der nachfrageorientierten keynesianischen Theorie durch das federführend von Milton Friedman entwickelte neoliberale Paradigma der Chicagoer Schule. Die nachfrageorientierte Theorie versagte damals bei der Bekämpfung der angebotsseitigen Schocks durch die Ölkrisen der 1970er-Jahre. Nachfrageorientiertes Denken wiederum löste die marktliberale Theorie nach dem Börsencrash 1929 ab.3
Hauke Janssen, der Leiter Dokumentation des SPIEGEL-Verlags schreibt zu Milton Friedman:
»(Friedman) trug zeitlebens eine treffend nur als radikal zu bezeichnende Begeisterung für Freiheit, Kapitalismus und Demokratie zur Schau. Bis heute ist der Name Friedman ein Symbol der globalen Wende zum Neoliberalismus, wie sie Margaret Thatcher und Ronald Reagan in Großbritannien und den USA vorexerzierten. So charakterisierte der SPIEGEL anlässlich eines Gesprächs mit Friedman im November 1970 den ›US-Ökonomen und Nixon-Berater‹ als den ›vielleicht letzte(n) Apologet(en) eines unkontrollierten Kapitalismus‹. Anders als Ökonomen wie John Kenneth Galbraith, die den privaten Konsum zugunsten staatlicher Aktivitäten zurückdrängen wollen und energische Eingriffe des Staates gegen Luft- und Wasserverschmutzung, mangelnde Ausbildung und verelendete Städte fordern, sucht Friedman das Heil der Gesellschaft in der ungezügelten Marktwirtschaft mit totaler Freiheit der privaten Vermögensbesitzer.«
(Zitat im Zitat aus dem SPIEGEL, Anm. KR)4
Das neoliberale Paradigma, dem theoretisch die Neoklassik (die neoklassische Theorie) mit der a-priori-Annahme rationalen (und egoistischen) Handelns zugrunde liegt, führte seit den 1980er-Jahren nicht nur zu einer weltweiten Deregulierung großen Ausmaßes, sondern – sozusagen parallel dazu – auch zur Umsetzung des »Shareholder-Value-Ansatzes«, das heißt zur (kurzfristigen) Gewinnmaximierung als Ziel in vielen Unternehmen. Beides aber hatte enorme gesellschaftliche Wirkungen.5
Gerhard Illing, der Mitverfasser der deutschsprachigen Ausgabe eines der weltweit meist verbreiteten Lehrbücher zur Makroökonomik, charakterisiert den ökonomischen Mainstream (Neoklassik), der bis vor Kurzem »herrschte« und der der Politik der Deregulierung zugrunde lag, mit folgenden Worten:
»Der ökonomische Mainstream basierte auf der Überzeugung, dass freie, unregulierte Finanzmärkte Wachstum und Wohlstand steigern und Innovationen auf den Finanzmärkten dazu beitragen, dass sich die Realität immer stärker an das Paradigma effizienter Märkte, dem neoklassischen Ideal friktionsloser Märkte annähert mit einer breiten, weltweiten Risikostreuung. Rationale, vorausschauende Akteure sorgen vielmehr dafür, dass auf den Kapitalmärkten keine Blasenbildung entstehen kann.«6
Die Deutsche Bundesbank hat sich 2011 in einem Aufsatz, der mit »Anlegerverhalten in Theorie und Praxis« überschrieben ist, mit den Annahmen der (neo-)klassischen Finanzmarkttheorie befasst. Sie schreibt:
»Wesentlicher Eckpfeiler der klassischen Finanztheorie ist der rationale Investor. Ihm werden eine rationale Erwartungsbildung und rationale Entscheidungen zugeschrieben. Dies bedeutet, dass er diejenige Alternative wählt, die ihm persönlich den größten Nutzen bringt. Modelltheoretisch gesehen maximiert er seinen Erwartungsnutzen. Der so definierte Homo oeconomicus besitzt eine eindeutige, vollständige und widerspruchsfreie Präferenzordnung, kennt alle Handlungsalternativen und kann jeder Alternative unter Ausnutzung aller Informationen ihren jeweiligen Zielerreichungsgrad zuordnen. Weiter postuliert die Theorie, dass Anleger eingegangene Risiken sicher quantifizieren können und Transaktionskosten vollständig berücksichtigen. Letztlich besitzen in diesem Rahmen alle Marktteilnehmer ein »korrektes« und somit identisches Entscheidungsmodell. In diesen einfachen Modellen gelten Informationen als kostenlos und unbegrenzt zugänglich.«7
Diese Annahmen sind die Grundlage der »Theorie effizienter Märkte« (der sog. »Effizienzmarkttheorie«). Die Deutsche Bundesbank schreibt hierzu:
»Fama (1970) verknüpft die Theorie rationaler Erwartungen mit der These informationseffizienter Kapitalmärkte. Auf diesen Märkten existieren keine Informationsvorteile, die es einem Investor ermöglichen würden, nachhaltig eine höhere Rendite bei gleichem Risikoniveau zu erreichen (bzw. ein niedrigeres Risikoniveau bei gleicher Rendite). Da auf diesen Märkten alle verfügbaren Informationen verarbeitet sind, ist theoretisch der beobachtete Preis stets identisch mit dem sogenannten fairen oder fundamental gerechtfertigten Preis. Dieser ist der Gegenwartswert aller zukünftigen Nettozahlungseingänge, die der Investor aus dem Besitz des Vermögenstitels erwarten darf. Lediglich neue Informationen, die für alle Teilnehmer überraschend sind, können somit Kursveränderungen herbeiführen.«8
George Soros, einer der weltweit bekanntesten und erfolgreichsten Investoren und Spekulanten, schreibt zum neoklassischen Paradigma, das er als Marktfundamentalismus bezeichnet:
»Als 1980 Ronald Reagan zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde und Margaret Thatcher Premierministerin des Vereinigten Königreichs war, wurde der Marktfundamentalismus zum weltweit vorherrschenden Glaubensbekenntnis. Marktfundamentalisten sind überzeugt, die Finanzmärkte würden für die optimale Verteilung der Ressourcen sorgen, wenn nur die Regierungen aufhören würden, sich in sie einzumischen. Sie leiten diese Überzeugungen von der Markteffizienz und aus der Theorie der rationalen Erwartungen ab. Diese nur Eingeweihten bekannten Lehren (der Neoklassik, Anm. KR) basieren zwar auf gewissen Annahmen (die Homo-oeconomicus-Annahme, Anm. KR), die für die wirkliche Welt kaum relevant sind, aber sie sind trotzdem sehr einflussreich geworden. Sie beherrschen die wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten der führenden amerikanischen Universitäten und von da aus hat sich ihr Einfluss überall ausgebreitet. In den 1980er-Jahren wurden sie zu Leitlinien der Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs. … Leider ist der grundlegende Lehrsatz des Marktfundamentalismus schlicht falsch: Wenn man die Finanzmärkte sich selbst überlässt, streben sie nämlich nicht zwangsläufig einem Gleichgewicht zu – genauso neigen sie dazu, Blasen zu produzieren.«9
Auf der Basis dieser Erkenntnis entwickelte George Soros seine Reflexivitätstheorie, die ihm zu Spekulationsgewinnen in Milliardenhöhe verhalf. Gerade die Erkenntnis, dass der Markt eben nicht rational und effizient ist, sondern eine eigene Wirklichkeit bildet, »die zuweilen massiv auf die physische Realität einwirkt, die er der Theorie nach nur abbilden soll«10, stellt den Kern der Reflexivitätstheorie dar.
Anlässlich des zehnjährigen Jahrestages des Ausbruchs der Finanzkrise im Jahr 2007 schreibt Daniel Schäfer, Ressortleiter Finanzen beim Handelsblatt, zu den Ursachen der Finanzkrise in seinem Essay »Gier und Gutgläubigkeit. Die Lehren aus der Finanzkrise« in der Wochenendausgabe des Handelsblatts vom 28. bis 30.07.2017 (S. 8):
»Eine Aufwallung kollektiven Wahnsinns war die Zeit vor der Finanzkrise mit Sicherheit. Im Herdentrieb setzten sich Eliten in Politik, Wirtschaft und Medien für eine Deregulierung der Wirtschafts- und Finanzwelt ein. Mahner waren in der Minderheit. Wir wollten nicht den Konsens hinterfragen, denn es bedeutet immer auch, am Rand zu stehen und ausgeschlossen zu sein. Es liegt nun einmal in der menschlichen Natur, Teil der gesellschaftlichen Mitte sein zu wollen.«
Unter Herdeneffekt/-trieb versteht man, dass Menschen sich leicht durch Worte und Taten anderer beeinflussen lassen. Zum einen: Wenn viele Menschen etwas tun, kann dies dazu führen, dass andere dies übernehmen, da es eine Angewohnheit des Menschen ist, Informationen sozial zu gewinnen. Zum anderen: Menschen unterliegen leicht dem Gruppenzwang.
Im Interview in derselben Ausgabe des Handelsblatts, das mit »Ich war damals Teil der Herde« (S. 9) überschrieben ist, antwortet Jörg Asmussen, der ab 2003 Abteilungsleiter, später Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und nach Ausbruch der Krise Mitglied im Direktorium der EZB war, auf die Fragen des Handelsblatts:
»Handelsblatt: Wie erklären Sie sich, dass kaum jemand eine derart ernste Krise vorausgesehen hat? Es gab ja nur sehr wenig warnende Stimmen.
Asmussen: Dahinter stecken mehrere Gründe. Ich glaube, dass alle Menschen, egal ob sie nun Banker, Politiker oder Journalisten sind, zum Herdenverhalten neigen. Seit Mitte der 1990er-Jahre war es mehr oder weniger Konsens, dass Deregulierung der Finanzmärkte eine gute Sache sei. Dazu kommt, dass wir damals die Vernetzung im Finanzsystem und damit die Ansteckungsgefahren unterschätzt haben. Plötzlich tauchten Risiken aus einem Subsegment des US-Immobilienmarkts, die sogenannten Subprime-Kredite, bei deutschen Landesbanken auf. Und schließlich haben wir die Korrelation zwischen den Märkten unterschätzt. Wenn es steil nach unten geht, dann nutzt alle Diversifizierung nichts, weil sich dann alle Märkte in die gleiche Richtung bewegen.
Handelsblatt: Sie selbst haben sich ja damals auch für eine Deregulierung der Finanzmärkte eingesetzt.
Asmussen: Ja. Ich muss selbstkritisch sagen, dass ich damals zumindest eine Zeit lang auch Teil der Herde war. Aber daraus zieht man natürlich seine Lehren. Alle, die diese Zeit miterlebten, haben verinnerlicht, dass wir für die Finanzbranche verbindliche Regeln brauchen, die global gelten. Deshalb reagieren viele, die damals dabei waren, allergisch gegen alle Forderungen, die Regulierung zurückzudrehen. Man kann immer über den bürokratischen Aufwand sprechen, den zum Beispiel umfangreiche Meldepflichten für kleinere Banken verursachen. Aber am Kern der Regulierung, den deutlich härteren Anforderungen für Kapital und Liquidität, dürfen wir nicht rütteln.«
In seinem Vortrag bei der Handelsblatt-Konferenz »Ökonomie neu denken«, die im Februar 2014 in Frankfurt stattfand, brachte Asmussen es auf den Punkt:
»Ich denke, dass inzwischen klar ist, was wirtschaftstheoretisch nicht funktioniert hat: Im Kern ging es um die Unzulänglichkeit der neoklassischen Finanzmarkttheorie, die Institutionen weitgehend ignoriert hat und unterstellt, dass Finanzmärkte stabil sind, Informationen effizient verarbeitet werden und Wirtschaftssubjekte rational handeln.«11
2011 hat die Deutsche Bundesbank zur Relevanz der neoklassischen Finanztheorie Folgendes ausgeführt:
»Jedoch hat nicht zuletzt die jüngste Finanzkrise gezeigt, dass diese Modelle (der neoklassischen Finanztheorie, Anm. KR) oft nur einen begrenzten Erklärungsgehalt bieten können, da das Verhalten von Finanzmarktakteuren nicht oder nur unzureichend mit der klassischen Finanzmarkttheorie erklärt werden kann.«12
Colander et al. schreiben 2008 im American Economic Review (AER), dem weltweit führenden Journal in Economics, zur Relevanz der neoklassischen Theorie:
»In truth, however, nothing could be more ad hoc than the standard microfoundations; as economists such as Pareto, Hicks, and Koopmans have made clear. The assumptions we make about individuals in micro-economics are based on introspection, not on any mass of coherent empirical evidence or even on any intuitive plausibility criteria. The only justification of the hyper-rational, self-interested agent typically used in standard macro models was that it was consistent with the characterization used in micro theorizing. And even that justification is now disappearing with the rise of behavioral economics.«13
2002, 2013 und 2017 wurden Nobelpreise für Wirtschaftswissenschaften an Daniel Kahneman, Robert Shiller und Richard Thaler für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Behavioral Economics verliehen. Die Würdigung der Erkenntnisse der Behavioral Economics durch Nobelpreise weist auf einen Paradigmenwechsel in den Wirtschaftswissenschaften, insbesondere in der Volkswirtschaftslehre (»Economics«) hin: weg von der Neoklassik, die auf einem a priori angenommenen Verhalten beruht (der sog. Homo-oeconomicus-Annahme), hin zum Einbezug des tatsächlich beobachtbaren Verhaltens der Menschen, das heißt hin zu den a posteriori gewonnenen Erkenntnissen der Verhaltensökonomik (Behavioral Economics).
Damit bewegen sich die Wirtschaftswissenschaften wieder auf dem Pfad, den Pareto bereits 1906 vorgezeichnet hat:
»The foundation of political economy and, in general, of every social science, is evidently psychology. A day may come when we shall be able to deduce the laws of social sciences from the principles of psychology.«14
Es wird allerdings eine Zeit dauern, bis sich die Erkenntnisse der Behavioral Economics breitflächig im wirtschaftswissenschaftlichen Raum durchgesetzt haben werden. Auch dies legen die Erkenntnisse der Behavioral Economics nahe.
Kahneman schreibt hierzu unter der Überschrift »Die Vorliebe, Aussagen zu glauben und die eigene Erwartung zu bestätigen«:
»Im Gegensatz zu den Regeln von Wissenschaftstheoretikern, die empfehlen, Hypothesen dadurch zu überprüfen, dass man sie zu widerlegen versucht, suchen Menschen (und recht häufig auch Wissenschaftler) eher nach Daten, die mit ihren gegenwärtigen Überzeugungen vereinbar sind.«15
2012 hat der Verfasser auf einer Fachtagung zu geldtheoretischen und -politischen Themen einen Vortrag zum Thema »Behavioral Economics: Lehren für die Geld- und Währungspolitik« gehalten. Der Vortrag stieß damals auf absolutes Unverständnis bei den (aller-)meisten Teilnehmern.
Bei der (längeren) Diskussion im Anschluss an den Vortrag (und auch noch später) zeigte sich keinerlei Bereitschaft, sich mit den Gedanken, dem Konzept der Behavioral Economics, das unter anderen von den Nobelpreisträgern Kahneman (2002), Shiller (2013) und Thaler (2017) entwickelt wurde und wofür alle drei schließlich den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bekamen, auch nur ansatzweise zu beschäftigen – ganz im Gegenteil. Dies hing wohl damit zusammen, dass eine Beschäftigung mit diesem Konzept die Bereitschaft voraussetzt, sich mit Erkenntnissen der Psychologie und der Neurobiologie zu befassen, zumindest aber zu akzeptieren, dass diese das Verhalten der Menschen beschreiben, und von einem schlichten Beharren auf der a-priori-Annahme des Homo oeconomicus abzugehen. Dies ist zugegebenermaßen auch nicht so einfach – es setzt ein komplettes Umdenken voraus, was uns Menschen bekanntlich nicht sehr leicht fällt. Dies zeigen auch einschlägige Erkenntnisse aus der Behavioral Economics, die als »Confirmation Bias« bezeichnet werden.16
Um das Entstehen der Immobilienkrise in den USA und in einigen europäischen Ländern zu verstehen, muss man »Animal Spirits«17, die Keynes bereits für das Entstehen der Großen Depression in den 1920er-Jahren verantwortlich machte, sowie die Art der Kredit- und Geldschöpfung durch das Bankensystem ins Auge fassen. So argumentiert Shiller,
»dass das wichtigste singuläre Element für das Verständnis dieser (der US-Immobilienkrise, Anm. KR) oder jeder anderen Spekulationsblase die soziale Ansteckungskraft des Boomdenkens ist, herbeigeführt durch die gemeinsame Beobachtung rasch steigender Preise. Die Mehrheit der Menschen beginnt zu glauben, dass die optimistische Sicht der Dinge die richtige ist, einfach, weil offenbar auch alle anderen dieser Meinung sind. Weil die Medien diese Einschätzung unterstützen, glauben die Leute schließlich, dass wir in einer »neuen Ära« leben, und Rückkopplungseffekte lassen die Preise immer weiter steigen. Schließlich aber muss die Blase platzen, weil sie auf sozialen Einschätzungen beruht, die sich nicht lange aufrechterhalten lassen.«18
Die Deutsche Bundesbank weist aber auch auf die Rolle der Kredit- und Geldschöpfung der Banken für das Entstehen der Krise hin:
»… die Geldschöpfung des Bankensystems durch Kreditvergabe (wird) mitunter als eine Ursache für Kreditbooms und darauffolgende Finanzkrisen gesehen. Während die Mehrheit der Ökonomen der Gefahr von kreditgetriebenen Boom-Bust-Zyklen durch makroprudenzielle Regulierung begegnen will, wurden bereits im Zusammenhang mit der Großen Depression in den 1930er-Jahren auch Vorschläge diskutiert, die darauf abzielen, die Fähigkeit des Bankensystems zur Geldschöpfung zu eliminieren.«19
Um die Rolle der Banken zur verstehen, ist es notwendig, das Zusammenspiel von Banken, Nichtbanken und der Zentralbank im Kredit- und Geldschöpfungsprozess näher zu betrachten. Um hier einen in der Lehrbuch- und Forschungsliteratur seit Jahrzehnten »weitverbreiteten Irrtum« zu widerlegen, sah sich die Deutsche Bundesbank veranlasst, einen Artikel (vielleicht besser eine Klarstellung, und zwar in der Form einer einfachen lehrbuchmäßigen Darstellung) im Monatsbericht April 2017 zu veröffentlichen. Die Bundesbank schreibt:
»Das stilisierte Beispiel zur Geldschöpfung zeigt im Besonderen, dass die Kreditvergabe grundsätzlich ohne vorherige Zuflüsse von Kundeneinlagen stattfinden kann. Die Buchgeldschöpfung ist das Ergebnis eines Buchungsvorgangs: Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, verbucht sie die damit verbundene Gutschrift für den Kunden als dessen Sichteinlage und somit als eine Verbindlichkeit auf der Passivseite ihrer Bilanz. Dies widerlegt einen weitverbreiteten Irrtum, wonach die Bank im Augenblick der Kreditvergabe nur als Intermediär auftritt, also Kredite lediglich mit Mitteln vergeben kann, die sie zuvor als Einlage von anderen Kunden erhalten hat.«20
Banken schaffen Kredit und Geld somit eigenständig – sozusagen »aus dem Nichts«. Sie sind also gerade keine bloßen Vermittler (Intermediäre).
Es ergibt sich aber noch eine weitere Einsicht: Kreditaufnahmen von Private-Equity-Fonds, Hedgefonds sowie von Unternehmen zum Kauf von anderen Unternehmen und die damit verbundene Geldschöpfung bei Banken haben erst größere Firmenkäufe und andere Strategien ermöglicht, welche die entsprechenden »Preise« explodieren ließen. Oder anders: Mit der Kredit- und Geldschöpfung »aus dem Nichts« – sozusagen als bloßes Ergebnis eines »Buchungsvorgangs« (Deutsche Bundesbank) – war es für den Finanzsektor in den letzten Jahrzehnten ziemlich einfach, die Realwirtschaft zu dominieren. Welche »realen« Werte die mit diesem »Geld« finanzierten Transaktionen haben, wie »real« die damit einhergehenden »Marktbewertungen« tatsächlich sind, ist daher eine sehr interessante und entscheidende Frage. Nicht nur in den USA, sondern auch im Vereinigten Königreich sowie in Spanien und Irland kam es zu Immobilienblasen.
Die Deutsche Bundesbank schreibt in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2012 dazu (S. 56 f):
»Die Entwicklung von Krediten und Verschuldung könnte sich daher als ein Indiz für Preisübertreibungen erweisen. Sorge bereitet insbesondere ein möglicher selbstverstärkender Prozess, bei dem sich steigende Preise und wachsende Verschuldung gegenseitig befördern. So kann die Erwartung steigender Preise die Bereitschaft zur Verschuldung erhöhen. Zu optimistische Erwartungen über die weitere Preisentwicklung haben bei den Übertreibungen am amerikanischen Immobilienmarkt eine erhebliche Rolle gespielt. Offenbar tendieren Immobilienkäufer dazu, die Preisentwicklung der letzten Jahre fortzuschreiben und damit einen Aufwärtstrend durch ihre Kaufentscheidungen zu verstärken. Dies kann eine selbstverstärkende Dynamik auslösen und wirkt daher potenziell destabilisierend. Eine hohe Verschuldung der Haushalte führt im Falle von Preiskorrekturen am Immobilienmarkt erfahrungsgemäß zu höheren Abschreibungen im Kreditgeschäft der Banken und mündet oftmals in eine hartnäckige wirtschaftliche Schwächephase.«
Das Platzen der Immobilienblasen führte bei den Banken zu hohen Abschreibungsverlusten und bei den privaten Haushalten und Unternehmen zu einem Einbruch bei der Konsum- und Investitionsnachfrage und damit einhergehend zu steigender Arbeitslosigkeit. Um ein Abgleiten in eine Große Depression wie in den 1930er-Jahren zu verhindern, kam es zu einem massiven Eingreifen der Staaten (Bankenrettungen, staatliche Konjunkturprogramme) und damit natürlich auch zu einem weiteren Anstieg der Staatsverschuldung.
Abbildung 1: Entwicklung der Preise für Wohnimmobilien in Deutschland und im Eurogebiet, 1995–2011, Quelle: Deutsche Bundesbank, Finanzmarktstabilitätsbericht 2012 und eigene Darstellung
Ab 2010 gerieten dann insbesondere die Staaten in Schwierigkeiten, die schon vor Ausbruch der Krise eine relativ hohe Staatsverschuldung hatten (Griechenland, Italien) beziehungsweise die von der Krise wirtschaftlich sehr stark getroffen wurden (Spanien, Irland, Portugal, Zypern).21
Spekulative Attacken, Panik und Herdentriebverhalten auf den Finanzmärkten zogen über dramatisch steigende Zinsen selbsterfüllende Effekte nach sich. Dies war der entscheidende Grund, weshalb die EZB seit Mai 2010 auf dem Markt für Staatsanleihen intervenierte (sog. SMP-Programm) und im Sommer 2012 unbegrenzte Interventionen bei Staatsanleihen ankündigte, falls diese notwendig werden sollten (sog. OMT-Programm).
Die Wende markierte eine Rede von EZB-Präsident Mario Draghi Ende Juli 2012 in London:
»Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.«22
Mario Draghi sagte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im September 2012 dazu:
»Das Risiko einer selbsterfüllenden Prophezeiung nahm zu: Steigende Anleiherenditen haben die Lage verschlimmert, was die Renditen weiter anfeuerte. Es drohte ein Teufelskreis, der den Eingriff der Notenbank nötig machte. Denn es war nicht sicher, dass die Krisenländer sich durch gute Wirtschaftspolitik allein aus ihrer Lage befreien könnten.«23
Im Monatsbericht September 2012 spricht die EZB im Editorial davon, dass es bei diesen Interventionen darum gehe, »unbegründeten Ängsten« bei den Anlegern entgegenzuwirken. Der Vertreter der EZB bei der mündlichen Verhandlung beim Bundesverfassungsgericht im Juni 2013, das (damalige, Anm. KR) Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen, trug dazu im Einzelnen Folgendes vor:
»Um die Notwendigkeit unserer geldpolitischen Maßnahmen zu verstehen, ist es wichtig, sich das ökonomische Umfeld im Sommer letzten Jahres (im Sommer 2012, Anm. KR) vor Augen zu führen: Die Angst vor einem unfreiwilligen Auseinanderbrechen der Währungsunion führte zu schweren Spannungen auf den Kapitalmärkten. Zentrum dieser Verwerfungen waren Turbulenzen auf dem Markt für Staatsanleihen – dem größten Kapitalmarkt im Eurogebiet. … Fiskalische Gründe alleine reichten zur Erklärung allerdings nicht vollumfänglich, denn der rapide Anstieg der Renditeaufschläge im ersten Halbjahr 2012 ging nicht mit einer äquivalenten Verschlechterung der Fundamentaldaten dieser Länder einher. Gleichzeitig bestand akute Ansteckungsgefahr anderer Länder in der Eurozone, was auf systemische und nicht nur länderspezifische Risiken hindeutete. Ein wesentlicher, treibender Faktor war dabei die Marktbefürchtung über ein unfreiwilliges Auseinanderbrechen der gemeinsamen Währung – d. h. die Angst vor der »Umkehrbarkeit des Euro« und das damit verbundene implizite Wechselkursrisiko. Diese Einschätzung wurde auch in Modellrechnungen bestätigt, wonach der Renditeaufschlag, der nicht durch Fundamentaldaten erklärt werden konnte, im Juli 2012 für zweijährige italienische und spanische Staatsanleihen bei bis zu 2 Prozentpunkten lag.«24
Die Ankündigung von unbegrenzten Interventionen hat Wirkung gezeigt. Die Renditen für Staatsanleihen gingen deutlich zurück. In der EZB-Pressekonferenz vom 6. Juni 2013 sagte Mario Draghi dazu:
»When we all look back at what OMT (das OMT-Programm, Anm. KR) has produced, frankly when you look at the data, it’s really very hard not to state that OMT has been probably the most successful monetary policy measure undertaken in recent time.«
Abbildung 2: Zinsdifferenzen bei zehnjährigen Staatsanleihen (gegenüber Bundesanleihe in Basispunkten) im Eurowährungsgebiet 2008–2013, Quelle: Deutsche Bundesbank und eigene Darstellung
Mario Draghi kommt daher zum Schluss:
»Some critics have argued that because of our determined policy action, the shoring up of bank capital and the consolidation of fiscal positions have been delayed. My answer is simple. Our measures gave breathing space from markets driven by panic, which were forcing the economy into a position where inappropriately high interest rates would make default a self-fulfilling prophecy. Adjustment would have been impossible. Instead of better capitalized banks and stronger fiscal positions we would have been left with financial and economic meltdown.«25
Zu einem großangelegten Kauf von Anleihen kam es erst ab 2015. Die Begründung für das seit 2015 laufende Ankaufsprogramm ist aber eine ganz andere. Es geht nicht mehr darum, Marktpanik entgegenzuwirken, sondern um eine rein expansive Geldpolitik. Sie ist darauf angelegt, direkt Einfluss auf die langfristigen Zinsen zu nehmen, nachdem die EZB bereits ihre Möglichkeiten bei den kurzfristigen Zinsen vollkommen ausgereizt hatte. Ziel war, auch die langfristigen Zinsen über Ankäufe direkt zu senken, um darüber die Wirtschaft anzuregen.
Jean-Claude Trichet, der bis 2011 Präsident der EZB war, schreibt 2010:
»Die Makromodelle haben bei der Vorhersage der Krise versagt. Als Praktiker fanden wir kaum Hilfe aus der Wissenschaft und ihren Modellen. Wir fühlten uns im Stich gelassen von der gängigen Theorie. In Ermangelung an Leitlinien aus der Wissenschaft mussten wir auf unsere Erfahrungen vertrauen.«26
William White, der von 1995 bis 2008 Leiter der Volkswirtschaftlichen Abteilung der Bank für Internationalen Zahlungsbilanzausgleich (BIZ) in Basel und danach Vorsitzender des »Economic and Development Review Committee« der OECD war, schreibt 2009 in der Zeitschrift des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Relevanz makroökonomischen Modelle, die auf der Homo-oeconomicus-Annahme beruhen, für die Wirtschaftspolitik:
