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In der völlig neuen Romanreihe "Fürstenkinder" kommt wirklich jeder auf seine Kosten, sowohl die Leserin der Adelsgeschichten als auch jene, die eigentlich die herzerwärmenden Mami-Storys bevorzugt. Ihre Lebensschicksale gehen zu Herzen, ihre erstaunliche Jugend, ihre erste Liebe – ein Leben in Reichtum, in Saus und Braus, aber oft auch in großer, verletzender Einsamkeit. Große Gefühle, zauberhafte Prinzessinnen, edle Prinzen begeistern die Leserinnen dieser einzigartigen Romane und ziehen sie in ihren Bann. Soll Angelika ihren Sohn nie wiedersehen? »Solange ich Herr auf Steinensee bin, kommt mir diese Person nicht ins Haus!« Graf Steinensee funkelte seinen Sohn unter buschigen Augenbrauen zornig an. »Solltest du darauf bestehen, sie zu heiraten oder dich mit ihr zu verloben, werde ich nicht zögern, dich zu enterben!« Ingo Graf Steinensee sah seinen Vater furchtlos an. »Ich möchte dich sehr bitten, Angelika nicht eine Person zu nennen! Sie stammt aus gutem Hause und übt einen durchaus achtbaren Beruf aus. Sie…« »Als Mannequin!« unterbrach ihn der alte Graf spöttisch. »Ja, als Mannequin. Sie arbeitet in einem der besten Modehäuser, und sie…« »Papperlapapp!« fuhr ihm der Vater ins Wort. »Ich will über dieses Mädchen nichts mehr hören! Gar nichts! Und jetzt laß mich allein!« Die lange schmale Hand mit dem blauen Adergeflecht wies zur Tür. Der Sohn gehorchte widerspruchslos. Als er draußen in der geräumigen Diele stand, legte sich ein weicher Frauenarm um seine Schultern.
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Seitenzahl: 136
Veröffentlichungsjahr: 2022
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»Solange ich Herr auf Steinensee bin, kommt mir diese Person nicht ins Haus!«
Graf Steinensee funkelte seinen Sohn unter buschigen Augenbrauen zornig an.
Er unterstrich seine Worte mit einer herrischen Geste und setzte hinzu:
»Solltest du darauf bestehen, sie zu heiraten oder dich mit ihr zu verloben, werde ich nicht zögern, dich zu enterben!«
Ingo Graf Steinensee sah seinen Vater furchtlos an.
»Ich möchte dich sehr bitten, Angelika nicht eine Person zu nennen! Sie stammt aus gutem Hause und übt einen durchaus achtbaren Beruf aus. Sie…«
»Als Mannequin!« unterbrach ihn der alte Graf spöttisch.
»Ja, als Mannequin. Sie arbeitet in einem der besten Modehäuser, und sie…«
»Papperlapapp!« fuhr ihm der Vater ins Wort. »Ich will über dieses Mädchen nichts mehr hören! Gar nichts! Und jetzt laß mich allein!«
Die lange schmale Hand mit dem blauen Adergeflecht wies zur Tür. Der Sohn gehorchte widerspruchslos.
Als er draußen in der geräumigen Diele stand, legte sich ein weicher Frauenarm um seine Schultern. Eine schmeichelnde Stimme sagte:
»Mach dir nichts daraus, mein Junge! Er meint es nicht so.«
Barbara Gräfin Prutzen, eine verarmte Kusine des alten Grafen, die seit einigen Jahren auf Schloß Steinensee lebte und ihrem Vater den Haushalt führte, lächelte ihren Neffen mütterlich an.
»Du mußt mir mehr von deiner Angelika erzählen. Du liebst sie sicher sehr?«
Graf Ingo, hochgewachsen und breitschultrig, nicht nur des reichen Erbes wegen bei allen heiratsfähigen Damen des Umkreises sehr geschätzt, zuckte müde die Schultern.
»Ich bin diese ewigen Streitereien mit Papa so leid! Ich möchte nur wissen, was er wirklich gegen Angelika hat. Sie ist das liebste, reizendste…«
»Und schönste Mädchen weit und breit«, ergänzte seine Tante lachend. Und nur jemand, der sie sehr genau kannte, hätte den feinen Unterton in diesem Lachen herausgehört.
»Ja, das ist sie auch!« Der junge Graf nickte heftig.
»Sie könnte Maharadschas und die Söhne von Königen heiraten. Aber sie will mich. Und mein Vater besinnt sich ausgerechnet bei meiner zukünftigen Braut auf seinen verfluchten Adelsdünkel.«
»Du hast ja so recht, mein Junge. Aber ich merke, du wirst nicht auf ihn hören, nicht wahr? Du wirst sie trotzdem heiraten?«
Er war viel zu aufgeregt, um das lauernde Aufblitzen ihrer gelblich-grünen Augen zu bemerken.
»Das werde ich!« sagte er laut. »Ich werde es ganz sicher tun. Ob Papa nun damit einverstanden ist oder nicht!«
Die unscheinbare schmächtige Frau mit dem wachsamen Fledermausgesicht lächelte triumphierend.
»Ich bewundere deinen Mut, Ingo! Aber ich bin auch sicher, daß dein Vater sich eines Tages damit abfinden wird, daß diese Angelika seine Schwiegertochter wird. Du mußt eben ein bißchen Geduld mit ihm haben.«
»Ich weiß nicht… Ich glaube, ich verlasse mich da lieber auf mich selbst. Ich werde ihm beweisen, daß ich sehr gut auf eigenen Füßen stehen kann, daß ich weder sein Vermögen noch sein Schloß brauche, um meine Frau ernähren zu können.«
»Recht so, mein Junge! Zeige es ihm!« lachte die Gräfin.
»Und heirate deine Angelika. Ich werde…«
Die polternde Stimme des Grafen unterbrach sie.
»Barbara! Wo steckst du? Komm her! Ich muß mit dir reden.«
Die Gräfin zuckte zusammen. Ihr spitzes Mausgesicht rötete sich.
»Dein Vater! Ich muß zu ihm! Entschuldige mich bitte. Du bleibst doch noch ein paar Tage auf Steinensee?«
Graf Ingo schüttelte heftig den Kopf.
»Ich bleibe keine Stunde länger. Was soll ich schließlich hier? Mir die ewigen Vorwürfe meines Vaters anhören? Ich denke nicht daran!«
»Ich muß jetzt zu ihm, Junge. Du wirst dich doch von ihm verabschieden?«
Sie sah ihn lauernd an. Er zuckte die Schulter.
»Ich glaube nicht, daß er Wert darauf legt.«
»Da hast du sicher recht. Ich würde auch ohne Abschied fahren und lieber ein andermal wiederkommen, wenn er besser gelaunt ist.«
»Also dann auf Wiedersehen, Tante Barbara. Paß mir gut auf Papa auf. Der Arzt hat gesagt, er darf keine Aufregung haben. Schon deshalb ist es besser, wenn ich fahre.«
»Sicher ist es besser. Dann auf Wiedersehen, mein Junge. Ich werde versuchen, ihn umzustimmen, was deine Angelika anbelangt. Aber ich fürchte, ich werde wenig Erfolg haben.«
»Das fürchte ich auch«, lächelte er traurig und beugte sich zu ihr hinunter, um den Kuß zu empfangen, den sie ihm auf die Wange hauchte.
Dann wandte er sich um und ging mit großen weitausgreifenden Schritten davon, durch die mit schwarzen Marmorfliesen ausgelegte Halle, die Treppe zu seinem Zimmer hinauf.
Die schmächtige Frau mit dem leicht gekrümmten Rücken sah ihm mit einem spöttischen Funkeln ihrer Katzenaugen nach, bis er um die Biegung der Treppe ihren Blicken entschwunden war.
Dann ging sie mit einem zufriedenen Lächeln um den welken Mund zu ihrem Vetter.
*
»Kinder, nun steht doch nicht da wie die Ölgötzen! Großer Gott, das nächste mal stelle ich mir doch einfach Schaufensterpuppen in die Dekoration. Ein bißchen gelöster, etwas mehr Anmut, wenn ich bitten darf! Was ist denn heute bloß los mit euch? Habt ihr noch nicht ausgeschlafen?«
Olaf Schimansky, von den Mannequins liebevoll Laffi genannt, legte seine hohe Stirn unmutig in Falten.
Er ging um die Kamera herum auf die drei jungen Mädchen zu, die auf der Brücke der Außenalster posierten, und seufzte.
»Kinder, Kinder! Ihr laßt einen die Brötchen wirklich sauer genug verdienen! Könnt ihr mir zuliebe nicht wenigstens ein bißchen lächeln?«
Die drei Mädchen sahen sich an und lachten.
»Oh, Laffi!« rief die hübscheste und zierlichste von ihnen. »Wenn du wüßtest, wie ungeheuer komisch du mit deinen Dackelfalten aussiehst.«
»Ihr sollt nicht lachen! Ihr sollt lächeln! Lächeln! So vielleicht«, brummte er und verzog seinen ohnehin schon verhältnismäßig breiten Mund zu einem Clownslächeln, das die drei noch mehr erheiterte.
»Ach, Laffi, wenn du so weitermachst, wird aus den Fotos überhaupt nichts, und wir kriegen alle vier kein Geld«, kicherte Monika, die jüngste der drei. »Nun geh schön brav zu deiner Kamera zurück. Wir werden unser Bestes tun!«
»Na hoffentlich!« knurrte er skeptisch.
Aber diesmal klappte es tatsächlich. Die drei Mädchen in den eleganten und sündhaft teuren Nerzmänteln standen sehr viel gelöster und anmutiger da als eben noch. Er hatte nicht das geringste auszusetzen, weder an ihrer Haltung noch an ihrem verträumten Lächeln, mit dem sie zu ihm herübersahen, so daß er sich beeilte, auf den Auslöser zu drücken. Denn wer konnte wissen, ob sie nicht im nächsten Moment über irgend etwas erschraken oder erneut in diese wenig damenhafte Heiterkeit ausbrachen wie eben.
Und er hatte recht daran getan, seine Fotos so rasch wie möglich zu machen, denn in dem Augenblick, in dem er erleichtert seufzte: »Geschafft!«, stürmten alle drei an den Straßenrand, wo in diesem Moment ein weißer Sportwagen mit einem blendend aussehenden jungen Mann hielt.
»Kinder, Kinder, ich hab's ja gewußt!« lachte Laffi und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die Sache war jedenfalls ganz schön anstrengend gewesen.
»Graf Steinensee! Wo kommen Sie denn her?« rief Monika und strahlte Graf Ingo an, der jedoch nur Augen für Angelika hatte.
Mit einem erfreuten Lächeln um den für die Aufnahmen stärker als sonst geschminkten Mund kam sie näher.
Er fuhr den Wagen auf den Radfahrweg und sprang heraus.
»Ich freue mich so, Angelika«, sagte er leise und nahm ihre Hand, die sich kühl und sehr zerbrechlich anfühlte.
»Ich hatte angenommen, du kämst erst morgen. Hast du wieder Streit mit deinem Vater gehabt?«
Er nickte, und eine tiefe Unmutsfalte grub sich in seine Stirn.
Dann begrüßte er Monika und Traute, die beide Kolleginnen Angelikas, mit denen sie schon längere Zeit zusammenarbeitete.
»Wie geht es Ihnen, meine Damen? Diese Nerze stehen Ihnen ausgezeichnet! Ich nehme doch an, daß sie zum Honorar für die Aufnahmen ge-hören!«
Monika kicherte.
»Das wäre hübsch, Graf, aber leider wünscht der Auftraggeber diese Luxusfellchen wieder zurück. Schlimm von ihm, nicht wahr?«
»Sehr schlimm«, lächelte er und begrüßte auch den Fotografen, den er ebenfalls durch Angelika kannte. »Ich muß mit dir sprechen«, sagte er leise zu Angelika, die sich fröhlich in den Nerz schmiegte. »Hast du jetzt Zeit?«
»Ja. Ich habe erst heute abend wieder Aufnahmen im Atelier. Die Modenschau, die für heute nachmittag gesetzt war, ist abgesagt worden.«
»Das trifft sich gut. Kann ich dich gleich mitnehmen?«
»Wenn du willst? Ich muß nur erst den Nerz zum Wagen bringen.«
Sie ließ ihn von den Schultern gleiten. Er nahm ihn ihr ab und hängte ihn sich über den Arm.
»Den würde ich dir gern schenken«, flüsterte er ihr ins Ohr, während sie nebeneinander zu dem tabakbraunen Personenwagen hinübergingen, der ebenfalls auf dem Radfahrweg geparkt war.
Sie schmiegte sich zärtlich an ihn.
»Ich weiß«, lächelte sie. »Aber ich kann ganz gut darauf verzichten. Wirklich.«
Graf Ingo antwortete nicht. Er dachte daran, daß sein Vater so viele Millionen besaß, daß er ihr tausend solcher Luxusmäntel hätte schenken können.
Wie so oft in der letzten Zeit ärgerte er sich über den Starrsinn des Alten.
Angelika nahm ihm den Nerz ab und legte ihn sorgfältig zusammen, bevor sie ihn auf den Rücksitz zu den anderen beiden packte.
Dann verabschiedeten sie sich von den Mädchen und dem Fotografen und stiegen in Graf Ingos Wagen, um an der Alster entlang davonzufahren.
»Laß uns drüben eine Tasse Kaffee trinken«, schlug der Graf vor. Und Angelika nickte.
Sie wählten einen Tisch am Fenster mit dem Blick auf die Außenalster.
Die Sonne versteckte sich in diesem Augenblick hinter düsteren grauen Wolken und ließ die große Wasserfläche des Hamburger Binnensees trüb und undurchsichtig erscheinen. Wieder fröstelte Angelika.
»Es war zugig auf der Brücke«, lächelte sie. »Laffi war ewig nicht mit uns zufrieden. Mal haben wir zuviel, mal zuwenig gelächelt. Er hat dauernd mit uns herumgeknurrt.«
»Soll ich dir deinen Mantel aus der Garderobe holen?«
Er sah sie besorgt an. Sie schüttelte den Kopf.
»Nein, danke. Der heiße Tee wird mir guttun. Siehst du, da kommt er schon.«
Die Kellnerin stellte Tee und Kaffee auf den Tisch und fragte, ob sie Gebäck wünschten.
»Nein, danke. Ich nicht«, sagte Angelika lächelnd. »Ich muß an meine schlanke Linie denken.«
»Ach du lieber Himmel!« lachte die rundliche Kellnerin kopfschüttelnd. »Unsereiner kommt eben viel zuviel in Versuchung.«
»Du hättest dir doch etwas bestellen sollen«, meinte Graf Ingo und streifte Angelikas zierliche Gestalt mit einem raschen bewundernden Blick. »Du mußt sogar mehr essen! Ich finde, du bist noch schlanker geworden in den letzten Wochen. Es steht dir zwar gut, aber bald wird man von dir überhaupt nichts mehr sehen, weil nichts von dir übriggeblieben ist!« scherzte er.
Sie lachten beide. Dann wandten sie sich ihren Getränken zu.
»Ich habe dir etwas zu sagen, was dich vielleicht ein wenig betrüben wird«, begann Graf Ingo vorsichtig, als er seine Tasse abgesetzt hatte.
»Dein Vater will nach wie vor nichts von unserer Verbindung wissen. Ist es das?«
»Das auch, ja! Aber da ist noch etwas anderes. Ich werde fortfahren. Ich fliege nach Südamerika und werde längere Zeit fortbleiben.«
»Dein Vater schickt dich fort, ja?« flüsterte sie und bemühte sich tapfer, ihre Enttäuschung zu verbergen.
»Aber nein! Ich würde mich doch nicht von ihm fortschicken lassen! Ich bin kein dummer Junge mehr. Was denkst du von mir?«
Er lächelte und nahm ihre Hand, um jeden ihrer schlanken Finger einzeln an die Lippen zu ziehen und sanft zu liebkosen.
»Ich habe ein gutes Angebot von einem ehemaligen Kommilitonen. Ich werde für ihn Autos drüben verkaufen. Er hat mir eine hohe Beteiligung zugesagt. Ich werde meinem Vater beweisen, daß ich meine Frau sehr gut allein ernähren kann!« stieß er zornig hervor.
Sie entzog ihm ihre Hand. Über das hübsche feinmodellierte Gesicht mit den sehr großen Augen und der schmalen Nase glitt Erschrecken.
»Ich will nicht, daß du fährst«, flüsterte sie angstvoll. »Bleib bei mir! Bitte!«
Er legte den Arm um sie und zog sie leicht an sich.
»Du Schäfchen! Was befürchtest du denn?« sagte er weich. »Ich werde nicht zu lange bleiben. Vielleicht hole ich dich hinüber, vielleicht übernehme ich auch die Generalvertretung des Werkes in Deutschland. Aber eine kurze Zeit lang müssen wir aufeinander verzichten, so schwer es mir auch fällt.«
Sie nickte. Dann fragte sie leise:
»Und wenn du hierbleibst? Ich meine, ich verdiene im Moment doch genug für uns zwei. Wenn wir sparsam sind, könntest du dir vielleicht eine Existenz aufbauen.«
Graf Ingo lächelte gerührt.
»Du bist sehr lieb. Aber ich möchte aus eigenen Kräften etwas für uns beide schaffen. Verstehst du das?«
Wieder nickte sie, langsam und schwer.
»Ja. Ja, ich glaube, ich verstehe dich, wenn mir dein Entschluß auch weh tut.«
Er winkte der Kellnerin und bezahlte. Als sie, zufrieden mit ihrem Trinkgeld, gegangen war, bemerkte er leise: »Bitte, erschrick nicht, ich fliege schon morgen. Wenn ich nicht sofort zugesagt hätte, hätte mein Freund einen anderen eingestellt. Mir blieb keine Wahl.«
Er sah, wie sie zusammenzuckte und sehr blaß wurde. Sie bemühte sich sehr, ihn ihre Verzweiflung nicht merken zu lassen, aber er kannte sie zu gut, und er liebte sie schließlich.
»Komm«, sagte er weich und zog sie von ihrem Stuhl hoch. »Laß uns die Stunden, die uns noch verbleiben, genießen. Fahren wir zu dir, ja?«
»Ja.« Sie ließ sich den Mantel um die Schultern legen und lehnte sich an ihn. »Fahren wir zu mir. Ich werde mich für die Aufnahmen heute abend entschuldigen. Ich möchte keine Minute mit dir versäumen.«
Er zog sie draußen, hinter einer dicken Eiche, in die Arme.
»Ich liebe dich!« flüsterte er und küßte sie so heftig und verlangend, daß ihre Lippen schmerzten. »Was auch immer kommen mag, eines Tages wirst du meine Frau sein. Daran kann mein Vater nichts ändern!«
*
August Wilhelm Graf Steinensee tobte, als er den Brief seines Sohnes erhielt, in dem dieser ihm mitteilte, daß er eine Stellung als Autovertreter in Amerika angenommen habe, und gleichzeitig von seiner Verlobung mit Angelika Karsten berichtete.
Ich werde sie heiraten, und wenn Du noch so sehr dagegen bist, schrieb der junge Graf seinem Vater. Hast Du vergessen, daß Du ebenfalls gegen den Willen Deiner Eltern gehandelt hast, als Du meine Mutter, eine kleine Baronesse Brahfeld, zur Frau nahmst?
»Seine Mutter war doch wenigstens von Adel!« schrie der alte Graf und zerriß den Briefbogen mit der beinahe zierlichen Schrift seines einzigen Sohnes in hundert Fetzen. »Aber dieses Mädchen ist eine Bürgerliche! Sie wird niemals dieses Schloß betreten! Niemals!«
»Bitte, rege dich doch nicht so auf, August! Das schadet deinem Herzen!«
Die Gräfin Prutzen war leise hereingekommen. Sie errötete vor Freude, als sie sah, daß der Graf den Brief seines Sohnes zerrissen hatte.
»Er ist ein schlechter Sohn, das stimmt!« sagte sie klagend und reichte dem Grafen ein gefülltes Weinglas, das er gierig austrank. »Aber ich lasse es nicht zu, daß er dein Leben zerstört!«
»Ach Barbara! Du bist doch meine Beste! Lieber Himmel, wenn ich dich nicht hätte, was würde ich anfangen auf diesem gottverlassenen Schloß? Ich denke, wir werden wieder reisen, wie ich früher mit Maria gereist bin. Sie war immer so unternehmungslustig, meine kleine Maria!«
Die Gräfin warf hochmütig den Kopf mit dem schon leicht ergrauten Haar in den Nacken, als der Graf seine verstorbene Frau erwähnte.
Die Gräfin war sehr schön gewesen. Mußte der Graf sie nicht unwillkürlich mit ihr vergleichen, wenn sie zusammen die gleichen Orte aufsuchten, die er mit ihr bereist hatte?
»Ich kann es nicht zulassen, daß du jetzt auf Reisen gehst«, sagte sie und füllte sein Glas neu. »Nach dem letzten Herzanfall bist du zu schwach dazu. Laß mich dich erst ganz gesund pflegen. Dann sieht die Sache schon anders aus.«
Der Graf hatte auch das zweite Glas leer getrunken. Er reichte es der Kusine zurück und sah sie warm an.
»Du bist so gut zu mir, Barbara. Wie kann ich dir das je vergelten?«
Das werde ich dich zur rechten Zeit wissen lassen, dachte die unansehnliche kleine Frau mit dem spitzen Mäusegesicht und lächelte ihrem Vetter verschämt zu.
»Ich brauche keinen Dank«, flüsterte sie und bemühte sich, durch Anhalten der Atemluft etwas Rot in ihre verwelkten Wangen zu zaubern. »Ich bin so froh, daß ich…, daß ich um dich sein darf. Ich habe dich…, ich habe dich… sehr gern.«
Sie stellte die Flasche fort, die sie immer noch in der Hand gehalten hatte, und wollte aus dem Zimmer laufen.
Aber der Graf hielt sie fest und zog sie ganz dicht zu sich heran.
»Du bist zwar kein sehr schönes Mädchen«, sagte er gutmütig lächelnd. »Aber du hältst einen nachts, wenn es in diesem verdammten Schloß kalt wie am Nordpol ist, wenigstens warm. Das ist doch auch etwas wert!«
