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Bei Eltern gehts nur noch um Windeln? Von wegen! Auch wenn der Tag eigentlich mehr als 24 Stunden dafür bräuchte - viele Eltern sehnen sich nach mehr: mehr Themen, mehr Tiefe, mehr Glaube, mehr Zeit für sich, für Gott ... Mit kurzen, treffenden und außergewöhnlich ehrlichen Texten laden diese 48 Autor:innen daher ein, den Elternalltag kurz zu unterbrechen: die Gedanken in die Weite zu führen, aus Vogelperspektive auf die eigene Familienwelt zu schauen und den Blick über den Tellerrand zu wagen. Schnell steht fest: Alle kochen nur mit Wasser. Außer vielleicht Gott. Diese:r durchdringt die vielfältigen Beiträge, wird mal inbrünstig hinterfragt, mal zum unverzichtbaren Ruheort im Alltagstrubel oder sieht sich manchmal einfach erschöpften Individuen gegenüber, die ihren Dank dafür ausdrücken, die Kinder immer noch nicht an die Wand geklatscht zu haben. Mal nachdenklich, mal bewegend, mal voller schwarzem Humor, wie ihn nur Eltern kennen und alle, die im Abenteuer Familie stecken: Dieses Andachtsbuch fordert heraus, ohne zur unrealistisch zeitfressenden geistlichen Übung zu werden. Perfekt für die Minuten auf der Toilette oder vor dem Einschlafen. Mit Beiträgen von Sarah Vecera, Sabrina Wilkenshof, Tina Tschage, Fabian Vogt, Daniela Albert, Martin Benz, Daniela "Jele" Mailänder, Sarah Keshtkaran, Steve Kennedy Henkel u.v.m.
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Vorwort
Wer Kinder hat, hat eines nicht mehr: Zeit. Wie Scheuklappen legt sich der Stress über den eigenen Blick. Außerhalb des kleinen Systems Familie, das am Laufen gehalten wird, scheint es nichts mehr zu geben. Warum also ein Buch herausbringen mit dieser Zielgruppe, die doch keine Zeit hat zu lesen?
Weil wir glauben, dass es geht und guttut, die Scheuklappen abzulegen, und sei es während der drei Minuten auf dem Klo oder zwischen dem Einschlafen der Kinder und dem eigenen Einschlafen.
Dieses Buch erfüllt eine doppelte Aufgabe: Es spricht ins Abenteuer Familie sehr viel Gnade hinein. Gleichzeitig fordert es heraus, den Blick über den Tellerrand zu heben und wahrzunehmen, dass das eigene Familienbild nur eins ist in einer großen und vielfältigen Ausstellung.
Dass dieses doppelte Vorhaben gelungen ist, ist den Beitragenden dieses Buches zu verdanken. Sie haben ihre Perspektive beigesteuert, sich auf kurze Texte begrenzt und sind so bunt, wie das Leben selbst. Manche Autor*innen sind in die Tiefen ihrer Gefühle eingestiegen. Für sie und die Leserschaft soll dieses Buch ein Safer Space sein. Hier darf gedacht und gefühlt werden ohne Vorverurteilung. Deswegen schützen wir die Identität einiger Autor*innen und auch dich, liebe*r Leser*in, indem wir einige Texte mit einer Triggerwarnung versehen haben. Also achte auf dich und den #Trigger.
In meiner ursprünglichen Anfrage an die Autor*innen habe ich noch aus Transparenzgründen darauf hingewiesen, dass ich selbst gar keine Kinder habe. Nun hat sich das geändert, weswegen ich dieses Buch meinen Bonuskindern widme und hoffe, dass sie bei mir immer einen Safer Space finden werden.
Anna Böck
Niko Herzner: Gebet
#Trigger #GottImAlltag #Gottvertrauen
„Die Güte [Gottes] ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.“ Klagelieder 3,22–23 (LU)
Gott,
ich liebe meine Kinder!
... auch, wenn ich sie an die Wand klatschen will.
Geht es dir mit mir genauso?!
Danke, dass ich immer wieder den Weg gefunden habe, es nicht zu tun!
Danke, dass auch ich nicht gar aus bin, wie Luther das so klar genannt hat.
Danke, dass du auch mir heute einen neuen Tag geschenkt hast.
Danke.
Susanne Tabea Heydecke: all Tag
#KO #Erziehung
Es war einmal eine Mutter. Sie war genau so, wie ihr sie euch vorstellt. Vorausgesetzt, ihr stellt sie euch als Mutter zweier Kinder im besten Alter vor. Eines Tages schloss diese Mutter die Tür zum Kinderzimmer – nachdem sie ihre Sprösslinge aufgefordert hatte, Zähne putzen zu gehen – und begann, einen Text zu schreiben.
Sie wollte gerne über das Gefühl schreiben, allein mit zwei Kindern zu verreisen. Also verfasste sie einige Sätze über Ängste und Unsicherheiten auf unbekanntem Terrain und den gleichzeitigen Anspruch, den Kindern gegenüber Sicherheit und Souveränität auszustrahlen. Über Rollenerwartungen und Verantwortung. Anschließend ging sie ins Kinderzimmer, um erneut an das Zähneputzen zu erinnern.
Zurück am Schreibtisch las sie, was sie geschrieben hatte, und fand es nicht mehr passend. Zum Glück stieg aus dem Meer ihrer Ideen bereits ein neuer Gedanke auf. Ganz plastisch lag er vor ihr: „Ich werde das Symbol einer Perle in den Mittelpunkt meiner Überlegungen stellen“, sagte sie zu sich und begann, neu zu schreiben. Sie schrieb über die Faszination, auf einem Ultraschallbild eine solch winzige Perle zu erblicken und ihren Herzschlag zu sehen. Wie dieses perlenartige Gottesgeschenk heranwächst, farbenfroh wie ein bunter Ball, und zugleich so empfindlich wie eine Seifenblase, auf Achtsamkeit und Fürsorge angewiesen. Sie schrieb darüber, wie viel Freude und Glück die kostbare Perle bringt. In Gedanken bei den noch immer nicht zähneputzenden Kindern schrieb sie auch darüber, dass die Perle manchmal wie ein Kloß im Hals zu stecken schien. Über Sisyphosgefühle und die Angst, von der Kugel überrollt zu werden. Nachdem sie zuletzt den Gedanken in den Text geflochten hatte, dass diese Perle wie eine Kugel in der Kugelbahn früher oder später ihren eigenen Weg rollt, ermahnte sie die Kinder zum dritten Mal, nun endlich ins Bad zu gehen.
Zurück am Schreibtisch las sie, was sie im zweiten Anlauf geschrieben hatte, und fand auch das nicht mehr passend. Sie seufzte, löschte den Text und überlegte. Gefangen in der Warteschleife, dass endlich die Badezimmertür klappern möge, wollte ihr zunächst kein neuer Gedanke mehr kommen. Die Zeit verrann, ebenso wie ihre Geduld. „Eltern haben keine Zeit“, flüsterte es in ihr. Da, da war er, der ersehnte Einfall. Sie begann, noch einmal zu schreiben: über diesen Satz, der zugleich wahr wie falsch ist; über die viele Zeit, die Eltern mit Warten verbringen während zugleich wichtige Aufgaben warten, für die diese Wartezeit ungeeignet ist; über die Tugend der Geduld und der Gelassenheit. Sie schrieb über ihre Sehnsucht, diese Zeit sinnvoll zu nutzen, statt sie wie Sand zwischen den Fingern davonrinnen zu sehen: vielleicht zum Lesen oder als Quality Time mit Gott oder als Zeit der Stille. Sie schrieb, wie wertvoll diese Ruhephasen eigentlich sein könnten – und über das schlechte Gewissen, dass sie das nicht so empfinden konnte.
Dann speicherte die Mutter den Text und versuchte nochmals, die Kinder zum Zähneputzen zu bewegen ...
Daniela „Jele“ Mailänder: Zwischen Chaos und Gnade
#Gottvertrauen #GottImAlltag
Ich krieg Pickel, wenn unsere #Abenteuerkinder ein neues LEGO®-Set bekommen. Die bunten Klemmbausteine sind mir zu klein, die Anleitungen zu detailreich, und wenn es blöd läuft, gehöre ich zu den Auserwählten, die die Bausteine vorsortieren sollen. Das dauert Stunden.
Am allerschlimmsten finde ich aber, dass Monstertruck, Märchenschloss oder Tierarztstation schon nach wenigen Wochen nur noch Ruinen sind. Einmal runtergefallen oder das Geschwisterkind im Wutanfall draufgehauen, und die stundenlang sorgsam aufgebauten Teile liegen quer verstreut über den Boden. Das passiert dann meistens an den Tagen, an denen ich barfuß im Haus unterwegs bin (Aua!). Wieder zusammenbauen ist zwecklos. Denn die einzelnen Teile mischen sich mit Trillionen anderen Bausets, und gemeinsam ergibt das ein fürchterliches Klemmbaustein-Chaos.
Was allerdings dann passiert, fasziniert mich: Kurz bevor ich mit dem Staubsauger anrücke, um (natürlich nur damit drohe!) alles wegzusaugen, bauen unsere #Abenteuerkinder aus dem Durcheinander auf dem Kinderzimmerboden etwas ganz Neues: eine Schneesprungschanze. Ein Abenteuerspielplatz mit Wippe. Oder ein UFO. Neulich hat einer unserer Söhne sogar einen Münzwechselautomat gebaut (ich ahne allerdings inzwischen, dass er damit seine Geschwister um ihr Erspartes gebracht hat).
Das war so nie in den Anleitungen vorgesehen, die Neu-Erfindungen sind meistens auch recht wacklige Angelegenheiten und das hübsche Farbkonzept, das sich LEGO® für seine Bausätze überlegt hat, ist auch dahin. Trotzdem: Aus dem Chaos entsteht etwas Neues.
Mich erinnert das an die ersten Sätze der Bibel (sorry – Theologinnenhirn). Da wird ein urzeitliches, fürchterliches Chaos beschrieben: „Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und leer“ (1. Mose 1,1–2a; BB). Für die Worte „wüst und leer“ steht im Hebräischen das Wort „Tohuwabohu“ – also urzeitliches Chaos. Gott schöpft nicht aus Nichts, wie es manchmal dargestellt wird. Sondern aus dem Chaos heraus. Etwas Neues entsteht in einer lebensfeindlichen Umgebung.
Und damit ist sicherlich nicht unbedingt das Chaos im Kinderzimmer gemeint. Sondern etwas ganz und gar Bedrohliches, Ungeordnetes. Und das wiederum kenne ich: von den Wochen nach unserem Umzug in eine neue Umgebung. Da habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht als eine verdammte Anleitung, wie das Leben jetzt zu funktionieren hat. Oder von diesem Tag, als meine Freundin ihr Kind verloren hat und wir vor den Trümmern ihres Lebens gehockt sind und geheult haben. Oder von diesen langen, schrecklichen Tagen, an denen ich wegen Schlafmangel einfach nur noch ein anderes Leben will.
Ich mag den Gedanken, dass Gott aus diesem bedrohlichen Chaos etwas schöpft. Dass sich etwas Neues anbahnt – mitten in einer lebensfeindlichen Umgebung. Dass Gott spricht. Er die Schönheit im Durcheinander sieht und Neues schafft. Das passt wahrscheinlich nicht in unser hübsch vorgedachtes Farbkonzept des Lebens. Sehr wahrscheinlich ist es anders, als wir es uns vorgestellt oder gewünscht hätten. Vielleicht ist es brüchiger und instabiler als erhofft. Aber darin ist Gottschönheit zu sehen. Seine Freundschaft. Seine Art, mir seine Idee unter die Nase zu halten: „Schau mal, was ich gebaut habe.“ Das ist für mich die wahre Bedeutung des alten Wortes „Gnade“. Es kommt anders als gedacht: freundlicher, unperfekter, brüchiger, zugewandter. Aus dem perfekt durchgestylten Leben wird ein brüchiges, „etwas“ Neues. Darin steckt Gott. Her also mit dem LEGO® – wir bauen was Neues: die Gnade und ich.
Felix Stütz: Gönn’ dir mal eine Pause
#KO #GottImAlltag
Gönnst du dir manchmal eine Pause? Kannst du innehalten und die Beine hochlegen? Um ehrlich zu sein: Ich kann es nicht. Besonders seit unser Kind auf der Welt ist, merke ich das. Wenn die Wäsche aufgehängt ist, dann ist die Spülmaschine fertig. Die Betten müssten mal wieder frisch bezogen werden und die Fenster, ach ja, die könnten auch geputzt werden. Oh weh, die Steuererklärung steht wieder an und Staubsaugen müsste man ebenfalls mal wieder. Naht sich das Ende, dann geht das Prozedere erneut von vorne los.
Als ich mit meiner Frau letztens darüber sprach, sagte sie: „It’s a trap.“ Es ist eine Falle, da steckst du jetzt drin. Es ist vielleicht nicht unbedingt eine Falle, aber zum Hamsterrad kann der Alltag doch schnell werden. Und irgendwann plumpse ich in meinem Rad einfach um, weil ich nicht mehr kann. Es fehlt die Kraft, und ich sehne mich nach dem Licht am Ende des Tunnels. Aber dieser Tunnel, das ist das Leben.
Vermutlich ist das Bild allerdings falsch. Es ist kein Tunnel, vielmehr befinde ich mich auf Wanderschaft, wie Israel durch die Wüste. Mich fasziniert diese Geschichte mittlerweile auf ganz neue Weise. Vielleicht wurde sie auch deshalb zu einer derart zentralen Glaubensgeschichte, weil es vielen Eltern, Gläubigen, Rastlosen, Hoffenden und Suchenden genauso ging. Das Leben geht einfach weiter. Aber anstatt sich dem Fluss des Lebens schlicht hinzugeben, wird hin und wieder Pause gemacht. Die Zelte werden aufgebaut, die Bundeslade findet ihren Platz. Zeit für einen heiligen Moment. Irgendwo im Nirgendwo in der Wüste wird Halt gemacht. Die Geschichte fasziniert mich, weil sie diesen langen Weg nachzeichnet. In der Geschichte weiß niemand, wann man wo ankommt. Es geht um Gottes Führung auf diesem Weg des Lebens. Der Weg ist das Ziel, diese Plattitüde gewinnt auf einmal an Tiefe, denn auf dem Weg ereignet sich Beziehung, formt sich der Charakter und man lernt zu vertrauen. Klar hätte das Volk Israel auch manch einen Halt verkürzen können. Sie hätten jedoch wohl nichts gewonnen, wie die Geschichte deutlich macht.
Haltzumachen bedeutet, sich Ruhe zu gönnen. Und Ruhe ist eben nicht dasselbe wie Stillstand. In der Ruhe kann man innerlich weiterkommen. Zurückblicken und Durchatmen. So weit bin ich bereits gekommen. In der Ruhe füllt sich mein Tank. In der Ruhe leuchtet das Licht in meine Gegenwart. In der Ruhe kann ich gewahr werden, dass Gott mir gegenwärtig ist und ich es auch sein darf. Ich darf bei mir selbst ankommen. In dieser Gewissheit des Glaubens kann ich auch wieder neue Schritte wagen und weiterwandern.
Mein Learning des Papa-Seins ist es, mal Pause zu machen. Die Reise geht weiter und die Spülmaschine kann warten. „Wer rastet, der rostet.“ Von wegen. Nur wer rastet und ruht, kommt überhaupt weiter. Ich werde jetzt öfters die Füße hochlegen und vielleicht die ein oder andere Aufgabe als Gemeinschaftsaktion nutzen. Und wenn das Leben zum Hamsterrad wird, dann lasse ich mich dieses Mal bewusst plumpsen und sage Gott danke, dass Gott auch dort bei mir ist.
Cornelius Beck: Das unsichtbare Puzzleteil
#Erziehung #Glaube
3000 Puzzleteile sollten es sein. Aber wer wusste schon, ob im benutzten Karton nicht nur noch 2994 waren? Jedenfalls machte das Puzzle tagelang dem Geschirr auf dem Esstisch im Wohnzimmer Konkurrenz, den wir doch gerade über die Ostertage für die Mahlzeiten brauchten. Zwei große Spanplatten schafften Abhilfe. Allerdings verstand unser Kater nicht, warum er sich nicht auf den Platten mit den fortgeschrittenen Puzzlefragmenten wälzen durfte.
Seit unsere fünf Kinder zwischen zwölf und neunzehn Jahre alt sind und nicht mehr zwischen zwei und neun, sind die Puzzleteile im Haus immer kleiner geworden. Am eindrucksvollsten fand ich die großen Holzpuzzleklötze für die ersten Greifversuche. Ihre Symbolik nutzten auch Aufklärungsbilderbücher, um Sex zu erklären: Das weibliche Puzzleteil wurde vom männlichen ausgefüllt, und – so lernte man – bildete mit dem männlichen eine neue wundersame Einheit.
Unsere Biografie kommt mir oft wie so ein hohles Puzzleteil vor, das innen die Form unserer Glaubensvorstellungen annimmt. Das ausfüllende Gegenstück ist unsichtbar. Manche Glaubensrichtungen geben vor, sie wären im Besitz des ausfüllenden Innenstücks. Sehen kann man allerdings nur die Umrisse.
Mir gefällt, dass wir uns als Eltern ganz darauf konzentrieren können, welchen Innenrand vom Unsichtbaren unser sichtbares Lebenspuzzleteil zeichnet. Unsere Lebensführung erzählt zum Beispiel von Liebe, bedingungsloser Annahme, Freiheit und Einsatzbereitschaft. Oder von Brutalität, Kaltherzigkeit und Lebensfeindlichkeit des geglaubten komplementären Puzzleteils, das uns von innen erfüllt und unser sichtbares Leben formt.
Als meine Mutter jüngst mit 89 Jahren starb, hat sie ein reiches geistliches Erbe für sechs Kinder und 27 Enkel hinterlassen. Allerdings glauben die Folgegenerationen sehr unterschiedlich. Die Glaubensüberzeugungen der Oma lassen sich nicht einfach auf die Nachfahren kopieren, auch wenn das manche gerne so hätten. Solche kopierten Puzzleteile können viel Schaden anrichten und andere Puzzleteile zerbrechen, wenn man versucht, sie in Leben zu pressen, die ganz anders geformt sind. Für jede neue Kindergeneration wird es sich aber ähnlich anfühlen, von ihren Eltern so angenommen zu sein, wie sie sind.
Nach unseren Ostertagen sind noch immer einige Stellen des 3000-Teile-Puzzles unbesetzt. Diese findet der Kater besonders interessant. Es scheinen tatsächlich ein paar Teile zu fehlen. Mich stört das jedoch nicht. Zusammengeklebt und ans Fenster gehalten, bleibt genau da Platz für das echte Licht vom Himmel, wo wir etwas frei lassen mussten.
Dorothea Seeger: Der erste Ausflug ans Meer
#Zukunft
Ein Wochenende Ende April: Wir besuchen das erste Mal das Wattenmeer seit mein Sohn ein halbes Jahr zuvor geboren war. Da ich selbst das Meer liebe und auch beruflich mit ihm verbunden bin, war ich gespannt, wie es ihm in seinem jungen Alter gefallen würde. Der Moment mit ihm – in der Trage schlafend vor meinem Bauch – ins Watt zu gehen, war sehr besonders.
Meine Füße im Schlick, mein Blick mal in die Weite, mal auf die Wattoberfläche. Die Spuren der unzähligen Tiere und Pflanzen, die die hohe Biomasse am und im Wattboden erahnen lassen, und der besondere Geruch: Heimat und Sehnsuchtsort für mich.
Es war sehr schön. Mein Sohn hat die meiste Zeit geschlafen, aber kurz bevor wir zurück zum Fahrrad gingen, wurde er noch wach, und es schien ihm zu gefallen. In meinem Kopf geisterte die Frage, ob er das Wattenmeer „wenn er groß ist“ angesichts von Klima- und Biodiversitätskrise und Meeresspiegelanstieg überhaupt noch erleben können wird.
