Gemeinsam sind wir eins - Alex Pieh - E-Book

Gemeinsam sind wir eins E-Book

Alex Pieh

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Beschreibung

Sarah ist eine zielstrebige junge Frau, die in der Hotellerie, speziell im Kreuzfahrtsektor beruflich voran kommen möchte. Sie erhält die Chance, als eine erfolgreiche Boyband an Bord kommt. Speziell ein Bandmitglied hat es ihr angetan und sie lernt sich und die Liebe mit allen Hochs und Tiefs kennen. Als ein einschneidendes Ereignis ihr Leben durcheinander wirft, wird ihr bewusst, was sie sich wünscht und was ihre Träume sind. Sie ändert ihr Leben und fängt an, es zu genießen.

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Seitenzahl: 543

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Gemeinsam

sind wir eins

Alex Pieh

Kapitel 1

"Hallo Sarah." "Hallo Mr. Muller."

"Setz dich und erzähl mir, wie du bei uns klar kommst."

"Das mache ich gerne. Ich arbeite gerne hier. Ich komme mit den Aufgaben, die mich immer wieder an neue Grenzen und Herausforderungen bringen, gut klar. Die VIPs haben immer wieder neue Extrawünsche, das finde ich herausfordernd. Mir macht es Spass, ihnen alles von den Augen abzulesen, zu organisieren und dann auch eventuell eine Annerkennung zu erhalten. Das sog. "Probleme lösen", liegt mir irgendwie", schmunzelte sie.

"Das glaube ich dir. Manchmal hat man das Gefühl, dass man das "Mädchen für alles" ist." "Ja so ungefähr." Sie verstand direkt was er meinte.

"Ich habe bisher nur positives über dich gehört. Die VIPs scheinen dich zu mögen..."

Er grinste und sie lächelte angespannt, denn sie wusste nicht was er von ihr wirklich wollte.

"Weshalb ich dich zu mir gebeten habe, ist allerdings ein anderer Grund. Du weisst, dass die Reederei immer mal wieder was neues ausprobiert und momentan ist der aktuell Trend, sog. Motto - Kreuzfahrten zu veranstalten. Beisspielsweise kann ein Künstler das Schiff buchen und mit seinen Fans auf Kreuzfahrt gehen oder es wird als Festival beworben."

Sarah nickte, denn sie hatte bereits davon gehört.

"Wir bleiben leider davon auch nicht verschont und bekommen morgen eine Band an Bord. Fünf Bandmitglieder mit unterschiedlichen Wunschlisten. Was die größte Herausforderung ist, dass das Schiff, als Partyschiff gebucht wurde. Es werden 500 Fans eingeschifft werden und es wird eine Party über vier Tage sein."

"Oha - das wird bestimmt heftig. D.h. Wir brauchen auf jeden Fall ausreichend Sicherheitspersonal."

"Scharfsinnig. Ich persönlich bin kein Fan von diesen Motto-Kreuzfahrten. Das große Problem ist immer, dass derartige Fahrten für alle Mitarbeiter mit Stress verbunden sind. Sowohl die VIPs möchten betreut werden, wie auch die Fans, die teilweise keine Kreuzfahrer sind und somit andere Ansprüche haben. Insgesamt hat man kein Urlaubspublikum, dass relaxen will."

Sarah nickte. "Das stimmt, aber ist vielleicht mal was neues."

"Das ist korrekt. Und die Kreuzfahrtbranche ist in einem Umbruch. Bald werden sich alle eine Kreuzfahrt leisten können. Das bedeutet, die Reederei muss sich modernisieren und mit der Zeit gehen. Wir müssen alle gut zusammenarbeiten und an einem Ziel entgegen steuern."

"Klar. Das versteht sich für mich ich von selbst."

"Das weiß ich. Ich muss noch erwähnen, dass es sich um eine Boyband handelt. D.h. kreischende und weinende Mädchen überall. Leider wird es sehr an den Nerven aller Mitarbeiter zerren und außer Merchandising ist nicht viel zu verkaufen. Und natürlich fünf Jungs, die betreut werden müssen.“ „Ich finde es hört sich spannend an.“

„Das höre ich gerne, denn ich möchte das du die Versorgung der Band übernimmst. Ich habe leider einen sehr wichtigen Termin an Land bzgl. der Reparaturarbeiten in 3 Monaten. Ich kann leider nicht hier sein.“„Ich?“

„Ja – Ich denke du bist so weit, dass du den VIP-Bereich selbstständig übernehmen kannst.“ „Wow. Ich bin geplättet. Vielen Dank. Ich habe noch nicht damit gerechnet, ich bin ja erst ein paar Monate aus der Ausbildung.“ Sie strahlte aus allen Poren.

„Das wichtigste ist, dass du immer ein wachsames Auge hast. Zum einen versuchen Fans immer und überall an Ihre Idole zu kommen und bestechen das Personal oder brechen ein oder wie auch immer. Des Weiteren darf es natürlich zu keinen Klagen der VIPs, deren Begleiter und dem Management kommen, denn es ist eventuell der Beginn einer neuen Ära.“ „Ich werde mein bestes geben“.

Sarah hatte vor 5 Jahren ihre Ausbildung als Hotelfachfrau erfolgreich und mit der besten Note abgeschlossen. Sie war die Klassenbeste gewesen und wollte sich damit noch nicht zufrieden geben. Daraufhin hatte sie das Studium im Hotelmanagement begonnen. Das Studium beinhaltete theoretische Phasen und praktische Phasen. In der theoretischen Zeit lernte sie viel für die Uni und nahm sich kaum Auszeiten. Meist wälzte sie abends irgendein Lehrbuch oder wiederholte den Stoff. Der praktische Teil beinhalte das Anheuern auf Schiffen. Sie musste sowohl den Einsatz auf Frachtschiffen, wie auch auf Passagierschiffen absolvieren. Auf den Frachtschiffen fand sie nicht soviel Gefallen an der Arbeit, denn Sie liebte es mit Passagieren zu arbeiten. Umso mehr genoss sie die Zeit, als sie ihre Erfahrungen auf Passagierschiffen sammeln konnte.

Sie empfand es spannend ein komplettes Hotel inkl. Freizeitmöglichkeiten zu betreuen. In den letzten drei Studienabschnitten hatte sie immer auf einem Kreuzfahrtschiff der Ocean Sea World Reederei angeheuert. Die Schiffe fuhren hauptsächlich in die Karibik und nach Südamerika. Ihr Ausbilder, Herr Muller, war der derzeitige Hoteldirektor der Ocean Sea 2 und kümmerte sich um sie. Sie hatten einen guten Draht zueinander und sie lernte von ihm alles, was sie für die Prüfungen als Hoteldirektor brauchte. Die Hoteldirektoren fungieren auf den Schiffen, als Geschäftsführer und sind immer für alle Entscheidungen um die Belange der Passagiere verantwortlich. Sie durften Personal rekrutieren, Einkäufe tätigen, Routen organisieren und waren für die komplette Abfertigung von Passagieren und Waren zuständig. Das einzige was sie nicht durften, waren neue Aufträge mit Reiseveranstaltern und Dienstleistern, wie Tourbegleiter, Verkehrsunternehmen vor Ort, abzuschließen. Dies wurde zentral in der Reederei in Miami geplant. Sarah hatte immer ihr Ziel vor Augen. Sie wollte auf der Karriereleiter so weit aufsteigen, so dass Sie entweder ein Hotel oder sogar die Direktion eines Schiffes übernehmen konnte. Da ihr die Kreuzfahrtbranche mehr lag, priorisierte sie letzteres.

Es war natürlich ein langer Weg, um das zu erreichen und deshalb hatte sie klein angefangen, wie alle auf dem Schiff. Sie hatte Erfahrungen gesammelt sowohl als Hausdame, als auch bei der Rezeption. Sie durfte sogar eine Woche lang dem Kapitän assistieren, um einen Eindruck zu erhalten, welche Aufgaben hier bewältigt werden mussten.

Ihr kurzfristiges Ziel war erst einmal ein Abteilungsleiter zu werden. Das bedeutete, dass man einen kompletten Bereich zugeteilt bekam. Die Bereiche auf einem Schiff beinhalteten entweder den Bereich der VIPs, der Passagierdecks, der Mitarbeiterdecks oder der Rezeption. Hier war man für alle Bereiche wie Service, Einsatzplanung und Abstimmung mit den Gästen verantwortlich. Die größeren Entscheidungen mussten dann mit dem Hoteldirektor besprochen werden. Sobald man ausreichende Erfahrungen gesammelt hatte, konnte man aufsteigen und Direktor werden, sofern eine Stellung frei war. Wenn man dies geschafft hatte, konnte man eigentlich überall auf der Welt in einem Hotel oder Schiff als Direktor arbeiten, denn gerade die Erfahrung auf einem Schiff ist meist intensiver, denn man hatte durch die Enge der Passagiere und die Weite des Meeres keine Möglichkeit groß zu denken. Man musste häufig improvisieren und kreativ sein.

Sarahs Studium beinhaltete alle Bereiche, die die Aufgaben des Hoteldirektor abdeckten und sie konnte dann mit Ihrer Berufserfahrung ebenfalls diesen Job, nach ordentlicher Einarbeitung, ausführen. Das war auch ihr langfristiger Zukunftsplan. Sie wusste später zwar nicht, ob sie weiterhin auf einem Schiff bleiben wollte, aber sie hatte nach der Ausbildung und der entsprechenden Erfahrung alle Qualifikationen, um jeden Hoteldirektorposten auch an Land besetzen zu können.

Herr Muller stellte Sarah immer wieder vor neuen Herausforderungen. Er stellte ihr täglich neue Aufgaben und versuchte mit ihr die Lösung des Problems zu finden und förderte auch ihre Kreativität. Sie musste so manchmal, um die Ecke denken, um eine Lösung auf dem Schiff zu finden, denn sie waren auf dem Wasser unterwegs und nicht auf dem Land oder in der Stadt. Bspw. eine Dienstleistung zu ordern war nicht so einfach möglich. Die nächste Herausforderung unterbreitete er ihr nun.

Sie sollte den VIP Bereich für einen gewissen Zeitraum übernehmen. Sie musste sich um alle Belange der VIPs kümmern. Dies beinhaltete alle Extrawünsche, wie z.B. Inventar in den Kabinen, Besonderheiten mit dem Essen, Reservierungen an Land, Servicetätigkeiten, Besuche an Bord, alles was der Gast sich wünschte. Sie hatte hierfür ein extra Handy, welches 24 Stunden erreichbar sein musste. Diese Verantwortung hatte sie noch nicht. Das Handy hatte bis jetzt immer Herr Muller.

Nachts, wenn alle schliefen, hatte sie die Möglichkeit, dass Handy auf die Nachtrezeption umzuleiten, die im Notfall sie aus dem Bett klopften. Ihre Kabine war aufgrund der schnellen Verfügbarkeit, die sie garantieren musste, nicht weit von den VIPs entfernt und auf der selben Etage, wie der Hoteldirektor und der Kapitän. Das war der Vorteil. Sie konnte das erste Mal in eine Einzelkabine umziehen.

Das war das erste Mal, dass Sie so eine luxuriöse Kabine haben würde. Sie hatte dann ein Doppelbett und einen vernünftigen Schrank, wie auch einen Fernseher, Schreibtisch, und ein extra Bad, ähnlich, wie die Suiten der Passagiere. Das einzige was sie nicht hatte, war einen Balkon oder eine Terrasse. Sie hatte sich die Kabinen schon öfter angesehen. Jetzt teilte sie sich die Kabine noch mit einer Mitarbeiterin der Rezeption und es war alles sehr klein. In der Dusche bzw. im Bad konnte sich maximal eine Person gleichzeitig bewegen. Die Veränderung gefiel ihr.

Es war Sarahs Chance die erforderlichen Erfahrungen zu sammeln, um sich später an Land eventuell auch zu spezialisieren oder eventuell in den Luxusbereich einzusteigen. Des Weiteren wollte Herr Muller die Stelle in ca. einem halben Jahr neu besetzen, da er selbst etwas kürzer treten wollte. Er hatte Familie an Land und seine Kindern litten unter der Abwesenheit des Vaters. Diese Stelle sollte dann so geteilt werden, dass Herr Muller auch an Land Dinge regeln konnte. Er brauchte natürlich jemand auf dem Schiff. Die Details waren Sarah noch nicht bekannt, aber wenn Sarah sich gut anstellte, dann hatte sie womöglich eine Chance diesen Posten zu bekommen. Sie nahm sich vor, keinen Fehler zu machen und wollte diesen Job unbedingt. Es bedeutete natürlich auch finanziell ein großer Schritt. Die Chance wollte sie sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Er wies sie weiterhin an: "Ich habe mit der Reederei gesprochen. Der Job des stellvertretenden Hoteldirektors wird in drei Monaten neu besetzt, nach der Reparatur. Ich habe mit ihnen meine Beurteilung von deinen Leistungen besprochen. Wenn diese Kreuzfahrt gut läuft, mit dir als meine Vertretung im VIP-Bereich, möchten sie möglicherweise dir diese Stelle anbieten. D.h. Wenn ich keine Reklamationen höre, dann erhalten Sie meine Empfehlung. Du steigst dann direkt drei Gehaltsstufen auf.“

"Wahnsinn! Ich bin beeindruckt, dass Sie mir das Vertrauen entgegen bringen und mir die Chance geben, mich zu beweisen." Er nickte.

"Das tue ich gerne. Ich denke du bist zu einem festen Teammitglied dieses Schiffes geworden. Die Mitarbeiter schätzen dich und ich ebenfalls. Deshalb möchten wir dir die Chance geben." "Und was ist mit den anderen Bereichen?“

„Naja da haben wir genug Leiter und Ansprechpartner, die du natürlich zu Rate ziehen kannst, wenn ich nicht hier bin, aber letztendlich sind bei dieser Kreuzfahrt, die VIPs die wichtigsten, denn sie buchen dann wieder eine Kreuzfahrt“. „Das ist mir klar. Muss ich bei der Band noch auf irgendwas achten? Vegetarier o.ä.?"

"Ich habe nicht gehört, dass die Band besondere Skandale hat oder bestimmte Vorlieben. Ich gehe davon aus, dass Sie selber sehr pflegeleicht sind. Sie hatten eine Wunschliste, aber die ist nicht sehr umfangreich. Ich schicke sie dir gleich per E-Mail. Worauf du unbedingt achten musst, sind die Fans. Es handelt sich wie gesagt, um eine Boyband, und wie ich bereits erwähnte sind die Fans extrem erfinderisch. Du musst wirklich auf alles achten. Die Sicherheit ist das wichtigste Gebot. Ich gebe dir zwei Bodyguards. Steve und Brody werden immer an deiner Seite sein. Beide werden sich sowohl um deine Sicherheit, als auch um die Band kümmern. Wahrscheinlich hat die Band auch noch eigene Bodyguards, die sie mitbringen. Du kannst Steve und Brody immer erreichen. Ich empfehle dir, dich sehr im Hintergrund zu halten und nicht zu auffällig den Fans gegenüber zu sein, denn Sie werden dich fragen und wollen Infos von dir. Glaub mir die Boygroup-Fans sind wirklich die schlimmsten, sie wollen ihren Idolen immer nahe sein. Naja wenn du vielleicht früher mal Fan von so was warst, dann weißt du es vielleicht."

Sarah nickte. Sie konnte es sich nicht richtig vorstellen, da sie kaum Musik hörte und als damals bei Ihren Schulkameraden das Boygroupfieber aufkam, war sie mit Lernen beschäftigt. Sie hatte aber immer mal wieder Berichte im Fernsehen darüber gesehen, wie hysterisch Fans sein konnten. Sie hoffte nur, dass sie die Erwartungen von Herrn Muller stillen konnte.

„Hier ist dein neues Servicetelefon. Die haben wir gerade neu bekommen. Steve und Brody erreichst du über die Kurzwahl 1 und 2 erreichen. Die Rezeption, wie gewohnt über die 0 und mich über die 3. Wenn du die Küche über die 4 oder irgendwelche Servicekräfte o.ä. anrufst, erscheint bei denen im Display ein Blinksignal. Sie wissen dann, dass es die VIP- Leitung ist und die Leitung höchste Priorität hat. Darin hast du ja schon Erfahrung. Nur nun liegt auch die Verantwortung in deinen Händen. Ist dir klar, dass du 4 Tage lang sehr wenig Schlaf bekommen wirst?” Sie lachte: “Ja, das ist selbstverständlich. Wann geht es los?”

"Morgen Mittag beginnt die Einschiffung. Bitte kontrolliere vorher noch einmal die Zimmer. Es sind vier Zimmer belegt worden. Steve und Brody sollten sich immer in der Nähe der Kabinen und der Haupttür aufhalten. Sie haben einen Aufenthaltsraum gleich hinter der VIP-Bereich-Tür."

Sarah hörte aufmerksam zu.

"Die Zimmeraufteilung ist wie folgt: Ein Mitglied der Band kommt mit seiner Tochter und einer Freundin der Tochter. Für die drei bitte das Apartment mit den zwei Zimmern. Die beiden Brüder wollten ein Zimmer zusammen. Und die beiden anderen wollten Einzelzimmer. In einer Kabine wurde eine Spielkonsole geordert. Diese wird heute Nachmittag geliefert. Bitte starte die Konsole nachher noch einmal. Die wurden sehr lange nicht benutzt. Es ist sehr peinlich, wenn sie nicht funktioniert. Wir können dann keine mehr ordern, sobald wir los gefahren sind und ich kenne mich mit den Dingern nicht aus."

"In Ordnung. Das bekomme ich schon hin. Ansonsten frage ich Steve oder Brody um Hilfe. - Oh wow, ich freu mich drauf."

„Und wenn du Fragen hast, dann ruf mich bitte an. Ich würde mich allerdings freuen, nicht zu häufig von dir zu hören.“ Er grinste und sie bedankte sich noch einmal bei ihm.

Kapitel 2

Der VIP-Bereich war ein separater Bereich, der mit einer Stahltür gesichert war. Es gab hier fünf Kabinen, denen es an Luxus nicht fehlte. Zusätzlich gab es ein separates Restaurant, welches eine Bar hatte und einen separaten Aufzug, der zu allen Serviceeinrichtungen ging. Das war von Vorteil, falls ein VIP das Kino nutzen wollte oder zu einem Geschäft wollte und in die Unterhaltungssäle wollte. Im VIP-Bereich gab es ein kleines Fitnesstudio und einen Whirlpool. Ein kleiner Raum war für Wellnessanwendungen frei, der dann einzeln gebucht wurde. Zusätzlich befand sich noch der Aufenthaltsraum der Bodyguards direkt neben der Tür.

Am Abend traf sie sich mit dem Hoteldirektor im VIP-Bereich. „Und Sarah? Hast du es dir noch anders überlegt?“

„Nein auf keinen Fall. Ich habe richtig Lust darauf und es ist eine wahnsinnige Chance, die ich mir nicht entgehen lassen werde. Ich bin nur sehr gespannt, auf die Typen, wie schwierig sie sein werden und welche neuen Grenzen ich kennenlernen werde, an mir natürlich.“Er lachte.

"Ich werde morgen früh los. Ich werde in ca. 7 Tagen wieder da sein. Die Termine sind in der ganzen Zeit, aber du kannst mich wie gesagt anrufen, wenn es Probleme gibt. Aber ich glaube, du brauchst mich nicht mehr. Du kannst das alles selbst.“ „Danke.“ Sie freute sich sehr über das Lob.

"Gerne. Versuche immer logisch zu denken, und zu schauen, wie du dir die Lösung des Problems vorstellen würdest, wenn du selbst VIP wärst. Spreche mit den VIPs, um sie besser kennen zu lernen, aber ich denke, dass du so clever bist und schnell eine Lösung findest. Hier an Board wird dich jeder unterstützen und wenn du gar keinen Rat weißt, dann hilft dir der Kapitän. Dienstpläne für Mahlzeiten u.ä. sind bereits fertig im PC. Die Planung der Bandauftritte und Termine hat das Management der Band bereits vorgenommen. Die habe ich dir hier ausgedruckt. Es ist abgesprochen, dass bei Verschiebungen entsprechend nach hinten verschoben wird, d.h. sollte irgendwas unvorhergesehenes passieren, verlängert sich quasi die Kreuzfahrt. Alles weitere wird sich ergeben. Du musst nur darauf achten, dass die Bandmitglieder zufrieden sind und sie ihre Zeitpläne einhalten und die Fans nicht zu ihnen auf die Kabine kommen."

"In Ordnung. Das schaffe ich schon. Ansonsten finde ich einen Weg."

"Davon gehe ich aus, deshalb denke ich auch, das du die Richtige dafür bist."„Danke Mr. Muller.“ Soviel Lob in gebündelter Form war ihr schon etwas unangenehm.

Er übergab ihr alle notwendigen Unterlagen und die erforderlichen Schlüssel. “Sarah – Und noch mal: Diese Band ist sehr wichtig für uns. Wenn alles funktioniert, wird es weitere Buchungen in dieser Art geben. Sollte irgendwas sein, bitte melde dich umgehend bei mir. Ich versuche dir dann von Land aus zu helfen. Sollte es zu einem Notfall kommen, dann nimm Kontakt mit dem Kapitän auf. Er wird dann die passende Entscheidung treffen.” Sarah merkte, dass er sich wiederholte. Er wollte auf Nummer sicher gehen. "Mr. Muller, Ich werde klarkommen. Sie können mir vertrauen.“

„Das tue ich."

Sarah wünschte ihm noch einen schönen Abend und morgen eine gute Reise. Dann prüfte sie den VIP-Bereich ein letztes Mal. Sie schaute sich zuerst die Stahltür des VIP-Bereichs noch mal an. Sie kannte die Tür natürlich, aber sie hatte sie noch nicht mit soviel Verantwortung angesehen.

Steve und Brody bauten noch an einer weiteren Trennwand, die auch die Sicht nach draußen versperren sollte.

"Was meinst du Sarah? Bringt das was?!" fragte Steve. "Na klar. Wichtig ist doch, dass man noch mal etwas abschirmen kann. Vielleicht brauchen wir sie gar nicht." Sie nickten. "Ihr zwei seid also meine beiden Bodyguards".

"Ja." "Aber ihr folgt mir nicht auf Schritt und Tritt?" "Eigentlich nicht. Wir bleiben hier an unserer Tür, in unserer Kabine und schauen immer, ob wir die Trennwand einsetzen können", grinste Steve sie an.

Sie lachten beide. Steve war der muskulösere der beiden. Brody war aber der wendigere und konnte schneller laufen. Sie ergänzten sich beide und waren schon seit Jahren die besten Freunde. Sie agierten auch immer zusammen, da sie sich so am besten ergänzten. So wie sie vom Personal gehört hatte, haben sie jeweils die Schwestern geheiratet. Brody hat Steves Schwester geheiratet und Steve hat Brodys Schwester geheiratet. Sie gingen alle auf die gleiche Highschool und Mädels waren ebenfalls zwei Stufen unter Ihnen und befreundet. Immer wenn Sarah die Geschichte vom Personal hörte, wurde ihr Herz weich. Die beiden waren Bodyguards und hatten eine derartige romantische Geschichte, dass rührte sie. Sie mochte die beiden sehr, obwohl sie noch niemals so eng miteinander gearbeitet hatten, wie bei diesem Auftrag.

Sarah sagte: „Lasst uns morgen früh noch mal kurz die Lage besprechen. Wir könnten ja morgen zusammen frühstücken. Was meint ihr?“

Steve und Brody nickten. „Alles klar Chefin. Um 8 Uhr?“ „Ja. Ich gehe die Kabinen noch kurz durch und dann gönne ich mir noch ein wenig Ruhe. Ich denke, dass wird in den nächsten Tagen zu kurz kommen.“ „In Ordnung“, sagte Brody.

Als erstes kontrollierte sie nochmal alle vier VIP-Zimmer und bereinigte die fehlenden Details. Dann holte sie die Spielkonsole hervor. Sie schloss die erforderlichen Kabel an und testete sie. Sie funktionierte wunderbar. Dann legte sie noch, die vom Gast, georderten Spiele hinzu.

Alles war picobello sauber und arrangiert. Sie war zufrieden und ging in ihre neue luxuriöse Einzelkabine und gönnte sich noch ein bisschen Schlaf, denn Sarah vermutete nicht zu Unrecht, dass der Schlaf in den nächsten Tagen tatsächlich viel zu kurz kommen wird. Sie schlief die Nacht unruhig und hatte das Gefühl noch Dinge vergessen zu haben.

Kapitel 3

Der Wecker klingelte, aber sie war eh schon wach gewesen. Sie ging duschen, zog sich Ihre Uniform an und begab sich zu Brody und Steve. „Hey ihr beiden. Na seit ihr bereit für die Mädels?“

Sie lachten. „Ich bin sehr neugierig, was da auf uns zukommen wird. Ich habe gestern Abend noch ein wenig im Internet recherchiert. Sie sind wirklich so eine typische Jungsband, die zwar alle erwachsen geworden sind, aber die Fans sind immer noch hysterisch,“ sagte Steve.

„Na ich habe mal einen Türsteherjob bei einer Konzerthalle gehabt. Das schlimmste waren diese Jungsbands.“ „Das glaube ich gerne.“

„Ich habe gestern Abend noch Bescheid bekommen, dass noch zwei Bodyguards mit dabei sind“, sagte Steve.

„Das ist gut, gerade wenn die Einzelauftritte sind“, sagte Sarah.

Brody stimmte zu. „Also ich starte mal, mit dem wie ich mir das vorgestellt habe“, sagte Sarah. Sie tranken Kaffee und aßen Brötchen während Sarah erläuterte.

„Mir ist es wichtig, dass ihr immer hier oben seit. Da die Fans so schwierig sind, kann es natürlich passieren, dass sie andere Wege finden, um hier herein zu kommen. Der Aufzug oder von außen. Des weiteren kommt einer der Jungs mit Tochter und dessen Freundin. Je nach dem brauchen die beiden auch einen Schutz. Die anderen beiden Bodyguards können das fünfte Appartement nehmen und sie sollen dann lieber die Verantwortung bei den Auftritten übernehmen.“ „Ja eigentlich haben wir auch so gedacht.“

„Ach prima. Ich vertraue euch. Wir schaffen das.“ „Na klar. Boss“, sagte Brody.

Nach dem Sarah noch einmal die Kabinen kontrollierte, prüfte sie noch die Bar und die Funktionalität des Aufzuges. Danach erfrischte sie sich noch mal in Ihrer Kabine und begab sich dann in Richtung des VIP-Schiffs-Eingang. Dieser lag an der hinteren Seite und war nicht der Haupteingang. Sie hörte das Gekreische und Gesinge der Fans, welches lauter wurde, als der erste Wagen vorfuhr. Die Fans grölten die Namen der Bandmitglieder. Sarahs Aufregung stieg. Sie war gespannt auf die Band. Sie hatte leider keine Möglichkeit mehr gehabt, wie Steve und Brody, sich über das Internet vorzubereiten und wusste nicht wer auf sie zukommen würde. Zuerst stiegen zwei Männer aus, die sich ähnlich sahen. Beide hatten die gleiche Statur und braune Haare. Der eine sah gestylter aus, der andere hatte dafür ein Hemd statt ein T-Shirt an. Sarah vermutete, dass dies die beiden Brüder waren.

Sie begrüssten ihr Fans, unterschrieben Karten und T-Shirts. Sie nahmen sich Zeit, bevor Sie mit Ihren Handkoffern in Richtung VIP-Eingang gingen. Sarah nahm sie in Empfang. Sie begrüßte beide herzlich und erfuhr ihre Namen. Tyler und Liam. Sie waren tatsächlich Brüder. Liam war der ältere der beiden. Sarah unterhielt sich kurz mit Ihnen, während sie beide zur Kabine begleitete. Sie smalltalkten über das Schiff, die Kabine, die Fans, die Anreise. Sarah mochte den älteren der beiden Brüder auf Anhieb. Er strahlte und mutmaßte Äusserungen, wie die Kabine aussehen wird. Sie waren beide noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff.

Der jüngere, Tyler, war ein wenig zurückhaltend und redete kaum. Bevor Sarah die Kabinentür aufschloss, sagte sie mehrfach, das sie für sie da ist und das ihre Nummer im Haustelefon gespeichert ist, welches einen gesicherten eigenen Nummernkreis hat. Sie bedankten sich und Sarah verlies die Kabine.

Sie hatte ein paar Minuten, bis ihr VIP-Telefon klingelte und sie direkt wieder zum Eingang ging. Nun kam das Bandmitlied, Peter, und seine Tochter sowie deren Freundin. Sie hatten bereits die Fans begrüßt. Sarah führte sie zu Ihrem Apartement. Erklärte Ihnen dasselbe, wie den beiden Brüdern, aber hauptsächlich unterhielten sich die beiden Kinder miteinander. Sie schmiedeten schon Pläne. Peter trottete allen hinterher. Er sah sich ein wenig um, wirkte aber sehr müde und Sarah glaubte, dass er die längste Anreise hatte.

Nun musste sie sich beeilen, da die letzten zwei Sänger bereits bei den Fans angekommen waren. Sie hörte die lautstarken Fangesaenge. Sie beeilte sich um zum Eingang zu gelangen.

Die beiden letzten Jungs standen bereits an der Rezeption und warteten auf sie. Sie stellten sich mit Jack und Dean vor. Als sie näher kam, sah sie bereits einen der beiden faszinierend an. "Wow," dachte sie innerlich. Sie musste sich konzentrieren, dann begrüsste sie die beiden: "Herzlich willkommen. Geht es ihnen gut?"

"Bestens, aber bitte lass uns duzen. Ich bin Jack." Er sah ihr direkt in die Augen, währemd er ihr die Hand gab und da passierte es das erste Mal. Der Blick fesselte sie. Er strahlte sie mit den blauesten Augen, die sie nie zuvor gesehen hatte, an. Das war ihr noch nie passiert. Ihr Herz machte einen Sprung und sie war vollkommen irritiert von Ihrer Reaktion.

Sarah verhaspelte sich: "Ja – ähm – ok. Danke Jack", fing sie sich wieder. "Und ich bin Dean", sagte der andere zu ihr.

"Hallo", sagte sie immer noch von Jack fasziniert. Sie war richtig perplex und musste weg schauen. Sie konnte ihm nicht noch mal in die Augen sehen. Sie wusste nicht was gerade passiert war.

Dann erinnerte sie sich, was sie sagen wollte: “Ich bin Sarah. Ich bin für ihr Wohl zuständig. Also wenn sie irgendetwas wünschen, dann bin ich für sie da." Das sagte sie so schnell, das sie sich hierbei nicht verhaspelte, war ihr schleierhaft. Sie atmete kurz durch.

"OK. Super! Aber bitte duze uns. Das Sie ist mir zu förmlich," sagte Dean. "Ja richtig... ähm...Ich bring euch zu den Kabinen," räusperte sie sich.

"Ich bin neugierig auf die Kabinen", sagte Jack. Dean stimmte ihm zu.

"Ich auch. Ich war noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff."

"Wie lange bist du schon hier, Sarah?" fragte Jack.

Sie bekam immer noch kein Wort raus und antwortete kurz und kühl: "Ein paar Monate". "Ohhh—key!" Betonte er seine Antwoert und war überrascht, über Ihre kurze und knappe Antwort. Sie wollte professionell wirken, war aber völlig aus Ihrem Konzept. Sie versuchte sich wieder zusammen zu reißen und Profi zu sein. Sie dachte die erste Herausforderung und fing sich wieder. Sie musste ihre Gedanken später sortieren.

Sie gingen an Steve und Brody vorbei. "Ich hoffe die Kabine gefällt Ihnen... ähm dir Jack... sorry das duzen muss ich erst lernen...," sagte Sarah etwas schüchterner und öffnete Jack die Tür. Sie zeigte ihm das Bad, den Balkon und den Tresor im Schrank. Sie erklärte kurz den Fernseher und zeigte ihm das Telefon und wie sie erreichbar war.

"Ich bin begeistert. Viel mehr Platz als ich gedacht habe und das Bett ist größer, als ich dachte", stellte er überraschend fest. Dann brachte sie Dean zur Kabine. Er freute sich über die Spielkonsole und den coolen Ausblick aufs Meer. Dann fragte er nach dem Essensbereich und Sarah gab ihm die entsprechenden Infos. "Wo sind denn die anderen?"

Sarah erklärte ihm, dass alle nebenan oder gegenüber einquartiert waren. "Danke Sarah."

"Sehr gerne. Kann ich sonst noch etwas tun?"

"Erstmal nicht. Ich melde mich." Sie lächelte ihn an. Sie hatte nicht gedacht, dass die fünf so nett sein konnten. Meist hörte man die merkwürdigsten Geschichten von Künstlern. Sie zog sich aus Deans Zimmer zurück. Dann klopfte sie noch mal bei Jack an und fragte, ob sie noch etwas für ihn tun konnte.

"Oh – Sarah, gut das du kommst. Ich brauche noch den Zeitplan. Zu welchen Zeiten ich proben kann.” "Das habe ich in die Mappe gelegt."

"Wundervoll." Sie sahen sich erneut an und Sarah hatte das Gefühl Schmetterlinge im Bauch zu haben. Sie räusperte sich. "In Ordnung. Wenn du noch etwas benötigst, dann wähl einfach die Kurzwahl." "Das mach ich. Ich muss mich gerade mal ein wenig ausruhen. Der Flug aus Los Angeles war anstrengend." "Oh das glaube ich. Soll ich sie... Äh ... Dich später wecken?" "Sehr gerne." "Telefonisch oder persönlich?"

"Lieber persönlich. Telefone kann ich schon mal überhören, wenn ich tief schlafe." "Alles klar. Ich komme in zwei Stunden wieder."

"Das ist gut. Dankeschön."

Er zog bereits sein T-Shirt aus. Sarah konnte nicht wegsehen. Er hatte einen durchtrainierten Oberkörper. Er drehte sich noch einmal um und sie sahen sich erneut an. Sarah merkte, wie sie erötete: "Ähm, entschuldige ich gehe jetzt." "Danke." Dann drehte sie sich um und ging. Als sie die Tür geschlossen hatte, musste sie erst einmal tief durchatmen.

"Was war das?", flüsterte sie sich selbst zu.

Sie hatte nicht bemerkt, dass jemand auf dem Flur gegenüber stand und sie beobachtete. "Schon ein toller Typ oder?" Sie erschrak und drehte sich um: "Oh Mr...."

"Nenn mich bitte Liam. Alles andere klingt so alt." "Und ich bin Sarah." "Das sagtest du schon", er grinste. Er lies sie auflaufen und das machte sie nervös. Dann lachte er sie aus. "Ich seh es dir an." "OK. OK. Ich gebe es zu. Sein Oberkörper hat mich gerade aus der Fassung gebracht."

Liam lachte. "Kein Problem. Ich sag es niemand und muss sagen, dass sein Oberkörper schon der Knaller ist."

"Na Gott sei dank, steh ich nicht alleine da." Sie grinste ihn an. "Das tust du nicht. Schau dir die Menschenmenge da unten an." "Ach ja? Die stehen alle auf ihn?" "Ja schon... und auf meinen Bruder." "Oha. Was tun die beiden, dass die Mädels so auf sie abfahren." "Sag du es mir, Sarah." "Ich weiß es nicht."

"Ich auch nicht, trotzdem er verheiratet ist. Er braucht nur die ein oder andere Bewegung machen und die Mädels gröhlen." Natürlich hatte sie seine Bemerkung, dass er verheiratet ist, rausgehört, aber sie ging nicht darauf ein und sagte: "Oh. Wirklich? Ist das so?"

"Ja so ist es, aber ich kenne Jack schon seit der Schule und er hat noch nie etwas mit einem Fan angefangen."

"Das habe ich schon öfter gehört, dass das ein Tabuthema in Bands ist."

"Ist es auch. Da muss nur einer, dass an einen anderen Fan weiter erzählen. Schwupps ist die Presse involviert," sagte er abgeneigt.

“Das stimmt. Sorry ich muss noch weiter. Kann ich noch etwas für dich erledigen?" "Das kannst du. Ich habe zwei Anzüge, die gebügelt werden müssen."

"Ich nehme sie direkt mit und lass sie büglen."

"Warte... Ich muss leise sein. Mein Bruder ist erschöpft und schläft." Er holte die Anzüge und schloss die Tür von aussen. "Wann brauchst du sie wieder?" "In zwei Stunden?"

"Ja das passt. Bis später." Sie wollte gehen. "Sarah? Hast du nicht Lust abends ein Glas Wein mit mir zu trinken?" "Ähm. Wir dürfen uns mit Gäste nicht einlassen." "Ach quatsch. So war das nicht gemeint. Ich steh nicht auf Frauen, aber ich rede und unternehme viel mit Ihnen." "Oh ja. OK."

Sie war verblüfft über seine Ehrlichkeit und sein Outing. "Es kommt ein bisschen darauf an, ob ihr mich abends noch benötigt." "Heisst das du stehst uns 24 Stunden am Tag zur Verfügung?" "Theoretisch ja. Aber praktisch passiert das nicht." "Aber ich koennte dich bitten in einer Bar zu sitzen und du setzt einen Brief für mich auf oder ähnliches." "Das könntest du tatsächlich. Aber ich darf nichts trinken." Er lachte: "Ich lass mir was einfallen."

Sie lachte. Er war nett und hatte ein gewissen Witz und Charme, der Sarah gefiel. "Bis später". Liam ging wieder in seine Kabine.

Sarah warf einen kurzen Blick bei Brody und Steve rein. "Alles klar bei euch?" "Ja wir sind startklar." "Es sind jetzt alle in Ihren Kabinen." "Ok. Dann werden wir uns jetzt hier barrikadieren."

Sie kümmerte sich um die Anzüge und erledigte den Schreibkram. Danach brachte sie Liam die Anzüge zur Kabine. Sein Bruder öffnette ihr mit verschlafenen Augen. "Entschuldigung, habe ich dich geweckt?" "Nein, nein ich war schon wach. Kein Problem. Liam ist gerade duschen." "Alles klar."

"Ich gebe ihm seine Sachen." "Super. Kann ich noch etwas fuer dich tun, Tyler?" "Kannst du mir einen starken Kaffee und eine Kopfschmerztablette bringen lassen?" "Selbstverständlich. Wird sofort erledigt." Sie rief den Chefkeeper an und innerhalb von fünf Minuten war Tyler verpflegt. Es lief alles nach Plan und das freute Sarah sehr.

Danach suchte sie Jacks Kabine auf. Sie klopfte und es war nichts zu hören. Sie versuchte es erneut, dann benutzte sie ihre Generalkarte. Eigentlich sollte Sie diese nur im Notfall benutzen und vorallem verletzte sie gerade Jacks Privatsphäre. Er hatte ihr gesagt, dass er tief schläft und sie dachte, dass es bestimmt für ihn in Ordnung ist. Als sie das Zimmer betrat, lag er halbnackt auf dem Bett und schlief. Sie legte liebevoll ihre Hand auf seine Schulter. Er war warm. Sein Körper war perfekt. Wieder wurde ihr warm und heiss. Sie hatte das Gefühl, dass sie sich unglaublich nahe waren. Sie musste auf jeden Fall Profi sein und auf keinen Fall konnte sie zulassen, dass er bei ihr irgendwelche Gefühle auslöste. Sie musste ihren Job erledigen, mehr nicht.

Sie waren sich erst vor ein paar Stunden begegnet, wie konnte sie überhaupt darüber nachdenken? Sie konzentrierte sich wieder auf Ihren Job und rüttelte ihn liebevoll: "Hey Jack. Du musst aufstehen." Sie hörte ein kleines Grunzen. "Oh - nö". "Doch. Es ist schon zwei Stunden später." "Glaube ich nicht."

"Das würde ich dir gern bestätigen, aber leider ist es so." "Na gut," antwortete er widerwillig. Sie lächelte. "Brauchst du irgendwas zum wachwerden?" fragte sie ihn sanft. "Einen Kaffee?" "Kein Problem. Mach ich." Sie hatten eine starke Vertrautheit miteinander, die Sarah sich nicht erklären konnte. Als würden sie sich schon eine Ewigkeit kennen. Sie fühlten sich beide Wohl in der Gegenwart des anderen.

Er stieg nur mit seiner Shorts bekleidet aus dem Bett und ging unter die Dusche. Sarah orderte Kaffee per Telefon, als Dean herein stürtzte. Er rief: "Jack? Jack? Jack?" Dann bemerkte er Sarah und sah sie mit verwirrten Blick an. Sie sagte: "Er ist gerade unter die Dusche gegangen. Möchtest du auch einen Kaffee? Ich habe gerade einen geordert." Sie errötete und verließ schnellstens die Kabine. "Nein danke," rief Dean ihr hinterher.

Dann klopfte Dean an die Badtür, während Sarah das Zimmer verlies. Sie hörte noch wie er die Tür öffnete und zu Jack sagte: "Wir treffen uns um acht unten auf dem Lido Deck zur Opening Party." "Alles klar. Bin da. Ich muss gerade noch wach werden."

Wieder waren die Kollegen sehr schnell. Da Housekeeping hatte in Blitzgeschwindigkeit den Kaffee fertig und per Lift nach oben geschickt. Sarah stellte mit kurzen Klopfen, den Kaffee auf den Tisch. Als Jack aus dem Bad kam, hatte er nur ein knappes Handtuch, um seinen Unterkörper.

"Hey - du bist ja noch da?" sagte er überrascht. Verlegen sagte sie: "Sorry – ähm – ja, wieder. Ich hab dir deinen Kaffee hingestellt. Es ist hoffentlich ok, dass ich einfach herein komme, obwohl wir uns nicht kennen. Ich dachte mir, dass ich schnell wieder gehen kann, da du ja noch unter Dusche warst?" Er grinste. "Ja das ist in Ordnung und es muss dir auch nicht unangenehm sein."

"Entschuldige, aber das ist es gerade. Ich hab nicht erwartet, dass du schon fertig bist. Ich wollte mein Generalkarte nicht einfach benutzen. Entschuldige, das ist mir wirklich unangenehm. Ich verschaffe mir nicht einfach Zutritt." "Kein Problem, ich sehe das nicht so eng. Es kann ja niemand sehr fremdes sein, ist ja als mit Sicherheitsleuten abgeschirmt. Bleibst du noch einen Moment?" "Klar," sagte sie viel zu schnell zu ihm und völlig unüberlegt. Er setzte sich in den Sessel und trank seinen Kaffee, mit seinem einfach bekleideten Handtuch.

"Erzähl mir was von dir," forderte er sie auf. "Ähm – naja ich bin geschäftlich hier," blockte sie. "Ach komm schon. Wir müssen uns doch kennen lernen, wenn wir hier miteinander zu tun haben." Sie nickte, denn sie wusste das er recht hatte. Nur wenn sie sich gut kannten, konnte Sarah Ihren Job zu 100 % machen, denn dann konnte sie die Bedürfnisse von den Augen ablesen.

Sie fragte: "Was interessiert dich?" "Zum Beispiel, wie du zu diesen Job gekommen bist und warum du dich auf einem Schiff wohlfühlst?" "Ok. Also ich habe eine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht und danach direkt das Studium zum Hotelmanagement absolviert. Ich hatte viele Praktikas, die immer auf Schiffen waren. Dann bin ich auf Herrn Muller gestoßen. Er war mein Ausbilder hier auf dem Schiff und bin immer wieder hierher gekommen. Herr Muller hat mir immer neue Herausforderungen gegeben und nach meinem Abschluss habe ich ein paar Monate hier gearbeitet, auch in den unterschiedlichen Bereichen und jetzt habe ich diesen Bereich übernommen. Und vielleicht bekomme ich eine Vollzeitstelle für den VIP-Bereich oder sogar den stellvertretenden Hoteldirektor. Dies ist quasi meine Generalprobe."

Er nickte und hörte interessiert zu: "Und bist du glücklich, in dem was du tust?" "Ja sehr. Es erfüllt mich, Karriere zu machen und weiter zu kommen.""Wie hast du dein Studium abgeschlossen?" "Mit 1,5", sagte sie stolz. "Wow nicht schlecht. Und willst du immer auf einem Schiff bleiben oder später was anderes machen?" "Genau weiss ich das noch nicht. Erst einmal bin ich sehr glücklich hier. Vielleicht Hoteldirektor auf diesem Schiff werden. Vielleicht möchte ich auch mal mein eigener Chef sein. Ich weiß es noch nicht. Ich denke noch nicht so weit im Vorraus."

"Ich habe schon mal eine Dokumentation im Fernsehen geschaut. Da ging es auch um das Schiffspersonal. Das alle eine Familie sind und das man immer wieder zurück muss, wenn man an Land ist. Ist das wirklich so schlimm?"

Sie lachte: "Nicht ganz so schlimm. Klar ist man manchmal auch 3 oder 4 Monate unterwegs, aber dann hat man 2-3 Monate frei. Oder es gibt auch Leute, die immer in der Woche 2-3 Tage zu Hause sind, weil Sie nur die Minikreuzfahrten machen. Von mir kann ich nur sagen, dass ich das Schiff auch vermisst habe, während der Studienzeiten. Ich werde schauen, wie es sich später gestalten wird."

"Und wie hast du es geschafft in den VIP – Bereich einzusteigen?" "Ich wollte unbedingt mehr machen, als nur an der Rezeption zu stehen oder Kabinen zu kontrollieren. Da mein Chef mein Potenzial scheinbar erkannt hat...", sie grinste und zuckte mit den Schultern. Er grinste sie an. "Nein im Ernst. Mein Chef hat mir dies vor kurzen angeboten, da der Job neu besetzt werden muss. Ich war glaube ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort", sagte sie stolz.

"Lernen wir den Hoteldirektor noch kennen?" "Wahrscheinlich nicht mehr. Er musste wegen dringenden Angelegenheiten an Land. Er ist heute morgen schon geflogen und kommt erst, nachdem eure Kreuzfahrt vorbei ist, wieder. Das ist hier meine Bewährungsprobe. Ihr seid meine Zukunft – quasi." "Oh – wow. Dann dürfen wir uns nicht beschweren," schmunzelte er. "Oh - ja. Ich werde alles versuchen, dass ihr keinen Grund dazu habt." "Ich behalte dich im Auge und werde entsprechendes Feedback geben." Sie lachten beide. Sarahs Schmetterlinge im Bauch waren wieder da. Wie kindisch, dachte sie innerlich.

"Von uns ist keiner anstrengend. Wir sind alle pflegeleicht. Tyler ist manchmal ein wenig muffelig, wenn er zu wenig geschlafen hat, aber da er gerade frischgebackener Vater ist, ist er ständig müde und wird es sicher nicht auf dich schieben." "Und wie sind die anderen drauf?" "Peter wird wahrscheinlich mit seiner Tochter die Zeit genießen. Dean relaxt viel. Liam braucht immer ein wenig Action und will was erleben. Und ich – naja ich mag schlafen, quatschen und Kaffee." Sarah lachte. Flirtete er mit ihr? "Die drei Dinge mag ich auch." "Und ich liebe Musik. Sie ist mein Leben. Manchmal ist es schwer den Draht zwischen Musik und Arbeit und der Familie zu finden. Häufig kommt irgendwas zu kurz." Sie wurden unterbrochen.

Jacks Handy klingelte. Er nahm ab: "Hey Dean. Oh ist es schon so spät. Verdammt. - Ich hab mich völlig verquatscht. Ja ich komme gleich. Ich beeile mich."

Sarah sah auf die Uhr: "So ein Mist. Tut mir leid. Das ist meine Schuld. Ich habe dich abgehalten." "Ach quatsch, kein Problem." Sie lächelten. Jack sprang auf und sammelte seine Sachen zusammen. Er sagte: "Ich fand es richtig nett und interessant. Du musst mir noch mehr von Schiffen erzählen. Machen wir später weiter?" "Ja. Warum nicht?", sagte Sarah leichtfüßig, dabei hatte sie Liam vorhin gesagt, dass sie sich nicht mit Gästen einlasse durften, aber von Jack wollte sie mehr wissen. Sie wollte in seiner Nähe sein und mit Ihm Zeit verbringen.

Sie ging zum Ausgang der Suite und wollte gerade die Tür von aussen schließen, als Jack rief: "Warte mal kurz." Ihr Herz pochte. Er hatte seine Hose bereits an und hielt nun zwei Hemden hoch: "Welches soll ich nehmen?" Sie beruhigte sich innerlich. "Ziehst du die weisse Hose an?" Er nickte.

Er hielt ein hellblaues und ein grünes Hemd hoch. "Hellblau". "Super – danke. Bis später."

Sie schloss die Kabinentür und blieb einen Moment vor der Tür stehen. Ihre Gedanken spielten Fussball im Kopf. Was war das? Wieso verstand sie sich so gut mit ihm? War er schwul? Warum interessierte ihn, wie sie an den Job gekommen ist. Warum lief er halbnackt vor ihr rum? Und die allerwichtigste Frage war, was waren das für Gefühle, die er in Ihr weckte. Sie musste sich zur Konzentration zwingen. Auf keinen Fall konnte sie ihren hart erkämpften Job aufs Spiel setzen. Sie durfte nicht alles vergessen, was sie sich aufgebaut hatte.

Später wollten sie sich wieder sehen. Sie musste versuchen, dass sie auf keinen Fall alleine waren. Sie wusste auch noch gar nicht, was abends hieß, aber er würde es ihr schon sagen. Als sie aus ihren Gedanken "aufwachte", sah sie Liam an der Wand gelehnt. Er grinste: "Immer wenn du bei Jack aus der Kabine kommst, bist du verwirrt." "Du machst dich lustig über mich, oder?" "Gerade schon ein wenig." "Ich nehme an, du stehst da schon eine ganze Weile." "Leider Gottes, ja." "Beschattest du mich?", lachte Sarah. "Auf keinen Fall", prustete er lachend los.

"Was macht er mit dir?" fragte Liam ernster. "Das möchte ich auch gerne wissen. Er verwirrt mich." "Genauso, wie die vielen Mädchen die unten auf ihn warten?" "Hm, wahrscheinlich." "Das kann er gut. Lass dich nicht um den Finger wickeln, könnte fatal enden." "Wie meinst du das?" "Er ist glücklich verheiratet und hat zwei Kinder." "Das ist gut zu wissen, danke für die Info." Liam sah auf die Uhr. "Ich denke ich sollte auch langsam. Isst du nach dem Auftaktkonzert etwas mit uns, kein Alkohol, nur essen und quatschen?" "Das ist eine nette Idee. Mach ich. So jetzt husch-husch du musst runter," sagte Sarah mütterlich.

Kapitel 4

Dean, Peter und Tyler waren scheinbar bereits in die Meute gestürzt. Liam machte sich gerade auf dem Weg und Jack schien gerade die Frisur zu richten. Sie ging den Flur entlang, als er an ihr vorbei gestürmt kam. "Später im Restaurant?" fragte er im Vorbeilaufen. Sie lachte und rief ihm hinterher: "Bin dabei. Viel Spass." Sie erhielt keine Antwort mehr. Er war bereits ausser Sichtweite.

Sie begab sich ins VIP-Restaurant. Das Restaurant hatte umliegende Balkons, die nicht von unten aus erreichbar waren. Hierbei handelte es sich, um eine Sicherheitseinstellungen des Erbauers. Das Schöne war, dass man durch die umliegenden Balkone, das ganze Schiff und die ganze Umgebung erkunden konnte. Sarah kontrollierte zuerst die Sauberkeit der Gläser und die Inhalte der Spiritousen, dann kontaktierte sie das Catering. Sie bestellte ein Abendbüffet mit sämtlichen Schnick-Schnack. Dann begab sie sich zum Balkon, wo sie das Lidodeck und somit das Auftaktkonzert sehen konnte. Sie wollte sich einen Eindruck der Band machen. Vorallem interessierte sie sich, welche Art der Musik sie spielten. Sie konnte es sich zwar ungefähr vorstellen, war aber überrascht, denn es gefiel ihr ausserordentlich gut. Es war eine Mischung aus Popmusik und R&B. Letzendlich waren sie eine typische Boyband.

Sarah sah von oben, dass Jack tatsächlich die Sachen angezogen hatte, die sie ihm vorgeschlagen hatte. Er hatte sein Haar noch ein wenig gestylt. Die Bühne war von den Bühnentechniker perfekt ausgeleuchtet worden. Sie hatte von hier oben einen hervorragenden Blick. Auf dieser Bühne spielten sie ohne Instrumente. Es lief wahrscheinlich eine Art Playback der Musik. Der Gesang kam aber von Ihnen selbst. Es war zwar die größte aller Bühnen auf dem Schiff, aber für eine Band mit Instrumenten war zu wenig Platz. Es gab einen Toningenieur, der sich um einen guten Klang und um die Organisation der Auftritte, wie Songfolgen, Noten und ähnliches kümmerte.

Vor der Bühne stopften sich Fans an Fans und es war eine höllende Lautstärke vorhanden, bis der erste Song einsetze. Alle anderen der Band waren ebenfalls da und sie hatten die Fans noch ein wenig eingeheizt. Jack stürzte auf die Bühne und die Fans wurden immer lauter. Sie kreischten. Jack brüllte: "Are you ready for us?" Die Fans bejahten es und der erste Songs startete. Es startete ein Sommersong, der die Fans zum Tanzen brachte. Alle sangen mit. Sarah fand ihn passend als ersten Song. Jack heizte den Fans immer weiter ein. Sarah lies sich ein wenig von der Hysterie anstecken und sie schrie ebenfalls leise auf, als er sein Hemd öffnete. Der Song hatte drei Hauptstimmen. Einmal sangen Tyler und Dean. Jack hatte im gesamten Song die Einleitungsstimme der neuen Strophe. Der Song handelte vom Sommer und von der Leichtigkeit, die der Sommer mit sich brachte. Von Mädels, Partys und Drinks. Von Spass ohne nachzudenken. Als Jacks Part wieder einsetzte, hatte er sie auf dem Balkon entdeckt. Er lächelte sie an und sie erwiderte es. Die Schmetterlinge hüpften bei seinem Grinsen in Ihr.

Auf dem Song folgten zwei weitere Up-Tempo-Nummern. Während der Songs sah er immer mal wieder zu ihr hoch. Nach diesen Songs verließen sie kurz die Bühne, um zu Atem zu kommen und um etwas zu trinken.

Dean war sauer auf Jack: "Hey was war denn los? Mit wem hast du dich denn verquatscht?" "Ist nicht so wichtig. Warum bist du sauer?" "Weil du dich mal wieder nicht an die vereinbarten Zeiten hälst."

"Dean. Entspann dich. Kommt nicht mehr vor. Sorry." Liam flüsterte Jack zu, während er zum Balkon zeigte: "Ich weiss, wer der Grund war." Er sah Liam verwirrt an: "Es ist nichts. Rein gar nichts. Wir haben uns nur unterhalten und die Zeit vergessen." "Schon klar. Aber ich kann verstehen, warum Dean sauer war. Nachdem du auch schon mal einfach durchgeschlafen hast oder auch wegen deiner Frau kurzfristig abgesagt hast. Ich glaub es war gerade das Faß, was übergelaufen ist." "Ich werde mit ihm reden. Scheint so, als wenn da noch mehr ist." "Das denke ich auch", stimmte Liam zu. "Wie findest du sie denn?" fragte Jack Liam nach seiner Meinung. "Möchtest du meine ehrliche Meinung?" "Ja." "Ich mag sie. Sie ist lustig, sie ist fordernd und bestimmt und sie hat eine gute Seele." sagte Liam. "Ach - Liam. Leider Gottes war hinter diesen ersten Blicken mehr, als ich gerade wahrhaben will. Sie löst in mir etwas aus... Obwohl ich sie erst seit 3 Stunden kenne?" "Das darf niemals passieren. Du bist verheiratet und hast zwei Kinder." "Das sollte es nicht, das stimmt. Hälst du mich von Ihr fern?" "Ich glaube nicht, dass ich es schaffen werde, aber ich versuche es. Dafür sind Freunde da." "Danke."

Sie hatten ihre Energie kurz aufgetankt und dann ging es zurück auf die Bühne. Sarah hatte sich entfernt, da das Catering bereits anfing, dass Essen aufzubauen und sie konnte sich nicht leisten, bei der Arbeit entdeckt zu werden, dass Sie sich amüsierte.

Sie zogen ihr Programm durch. Nach 1,5 Stunden Spielzeit gaben Sie noch zwei Zugaben. Dann verabschiedete sie sich von Ihren Fans und gaben Ihnen noch ein paar Hinweise, was in den nächsten Tagen auf sie wartete. Die Jungs kamen völlig durchnässt in der VIP-Etage an und waren euphorisch. Sarah hörte, wie sie sich gegenseitig erzählten, wen sie bei den Fans entdeckt hatten und welchen Fan sie am verrücktesten fanden. Alle gingen in ihre Kabinen und Sarah ging davon aus, dass Sie duschen gingen. Steve und Brody sicherten den Eingang. Sie stimmte noch die kleinsten Feinheiten ab. Der Tisch war gedeckt. Sie hatte den Haupttisch für 7 Leute decken lassen. Die beiden Bodyguards speisten ausserhalb. Sie mussten alles im Blick behalten. Sarah hatte bereits gegessen. Sie durfte nicht mit den Gästen essen und das war für sie in Ordnung.

Während sie wartete, hatte sie sich die Listen genommen, die sie bereits vorbereitet hatte und korrigierte ihre Anweisungen für den morgigen Tag. Sie musste die Mahlzeiten koordinieren sowie die Reinigungszeiten. Desweiteren gab es offizielle Termine, die die Jungs einhalten mussten und sie musste versuchen, dass alles zusammen passte.

Sie konnte Jack die ganze Zeit nicht aus ihrem Kopf verbannen. Das Bild wie er aus der Dusche mit dem Handtuch kam, lies sie einfach nicht los.

Dann kam der Barkeeper zu ihr: "Ist alles ok, Brian?" "Ja klar. Ich bin bereit." Brian half im VIP Bereich aus, wenn die VIPs speisten und mixte die Getränke. Er bediente sie und tauschte Gläser aus. Er füllte Gläser nach und erfüllte ihre Wünsche. Während der anderen Zeit hielt er sich im Bereich der normalen Gäste auf oder half an den Bühnentheken aus. Heute hatte er mit auf dem Lidodeck ausgeholfen. "Wie war es unten?" "Ehrlich gesagt, ziemlich die Hölle. Die Mädels da unten sind alle ganz schön verrückt. Ich musste immer wieder Fragen beantworten, ob ich sie schon live gesehen habe oder ihnen ein Autogramm besorgen kann." "Wow, das ist heftig." "Fans halt. Ich wusste auf was ich mich einlasse." "Hmm und ganz schön viele Mädels." "Ja leider. Nur du weisst, dass jeder andere sich darüber freuen würde, nur ich nicht." Sie lachte.

"Ich weiss. Ist denn kein schwuler Mann dabei?" "Ich habe noch keinen gesehen." "Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass der ein oder andere dabei sein muss. Als ich die Passagierlisten gesehen habe, waren ein paar Männer auf jeden Fall an Bord." "Dann haben sie sich versteckt, aber ich werde sie finden", lachte er. "Wir dürfen eh nichts mit den Passagieren anfangen, von daher ist es eigentlich auch egal." "Da hast du recht." "Wir bekommen Besuch," flüsterte Brian ihr zu und entfernte sich wieder von ihr.

"Hallo Peter", ging Sarah auf ihn zu. Er war in Begleitung seiner Tochter und deren Freundin. "Darf ich einen Platz anbieten?" "Sehr gerne." Sie setzen sich selbstverständlich nebeneinander. Dann kam Brian zum Einsatz. Er fragte nach den gewünschten Getränken. Die beiden Mädels hatten ihn gleich im Griff. Sie bestellten Smoothies.

Sarah erklärte ihm: "Wir haben heute ein Büffet aufgebaut. Ihr findet sowohl chinesische, als auch italienische Spezialitäten. An der Seite könnt Ihr euch an den kalten Speisen erfreuen und Obst sowie Salat findet ihr hier in der Mitte. Wenn Ihr möchtet, können wir euch auch einen Burger zubereiten." "Nein das passt. Vielen Dank, Sarah." "Sehr gerne." Sarah merkte das Peter ein ernster, zurückhaltender Charakter war.

Sie bedienten sich am Büffet während die anderen zu viert herein kamen. Sarah ging auf sie zu. "Das was ein spitzen Auftritt", sagte sie. "Darf ich euch zu euren Plätzen bringen." "Das ist in Ordnung. Wir brauchen es nicht so förmlich", gab Dean preis. "Alles klar."

Brian fragte die Jungs, was sie zu trinken wünschen. Liam bestellte einen Rotwein. Dean und Jack tranken ein Bier und Tyler wollte einen Kräutertee. Sie stürzten zum Büffet und Sarah sah ihnen zu, wie sie Spass hatten, sich gegenseitig die Teller zu befüllen. Sie musste innerlich grinsen. Sie benahmen sich gar nicht, wie Stars oder VIPs, sondern wie Jungs von nebenan. Das mochte sie an dieser Band. Als alle ihre Teller gefüllt hatten, schwatzten sie über das Konzert.

Liam richtete sich an Sarah: "Magst du dich nicht zu uns setzen?" "Tut mir leid, aber ich bin im Dienst. Das geht leider nicht." "Was muss ich denn dafür tun, dass du Feierabend hast?" "Eigentlich habe ich hier niemals Feierabend." Er schob einen Stuhl zu sich: "Komm schon, du musst für mein Wohl sorgen und ich hätte gerne, das du dich zu uns setzt."

Sie sah zu Brian, denn sie wusste, dass wenn er etwas an ihren Chef sagen würde, dann würde sie Ärger bekommen. Brian nickte ihr zu und gab ihr zu verstehen, dass es für ihn ok ist. Er zeigt ihr einen gestreckten Daumen.

"Alles klar." Sie setzte sich auf den Stuhl neben Liam. "Willst du auch was essen?" "Nein danke. Ich habe bereits gegessen." "Ok. Hast du unser Konzert gesehen?" "Ja ich habe mir den Anfang vom Balkon angesehen." "Wie gefällt dir unsere Musik?"

"Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung gehabt, was auf mich zukommt. Ich habe gestern erst erfahren, dass ich den VIP Bereich übernehme und um was geht. Ich habe eure Musik eben das erste Mal gehört und ich fand gut, was ich gehört und gesehen habe. Mir hat dieses Sommerlied sehr gefallen." "Das höre ich gerne. Aber du bist kein Fan?"

"Oh Gott nein. Aber ich muss zugeben, dass was ich heute von euch Live gesehen habe, könnte auf meiner Playlist landen. Vielleicht werde ich noch einer." Sie lachte. "Das fände ich lustig", schmunzelte er.

"Erzähl mir was von dir." "Hm ok. Was denn?" "Ein Geheimnis." "In welche Richtung?" "Kein bestimmtes. Irgendwas." Sarah überlegte: "Ok. Ich oute mich – Ich liebe Tomatensaft und ich bin jemand der immer in Flugzeugen Tomatensaft trinkt und das Gefühl hat, er schmeckt dort oben anders als an Land." Er konnte sich vor Lachen nicht halten. Er wieherte regelrecht. Sie musste mitlachen. "Das ist genial. Ich frage dich nach einem Geheimnis und du erzählst mir, dass du nach Tomatensaft süchtig bist. Einfach genial." Er hatte vom Lachen Tränen in den Augen. "Jetzt bist du dran." "Ok. Mein Geheimnis." Er überlegte. "Ich liebe Cheeseburger über alles. Ich würde das gesündeste und teuerste Essen für einen Cheeseburger stehen lassen." "Wow. Auch nicht schlecht", respektierte sie sein Geheimnis.

"Gut. Andere Frage. Welches Ereignis war das schönste in deinem Leben?" "Ganz einfach, als ich mein Diplom in der Hand hatte. Ab dem Tag wusste ich, dass sich mein Leben verändern würde. Ich würde endlich Geld verdienen", sagte Sarah stolz. "Das ist gut, denn ich habe keinen Abschluss in irgendwas gemacht. Was ich leider manchmal bereue." "Kannst du nicht noch was nachschieben?"

"Vielleicht mache ich das wirklich noch mal. Sprachen finde ich sehr interessant," sagte Liam. "Da gibt es viele Berufe. Ich hab mehrere Bekannte, die als Dolmetscher in den unterschiedlichen Branchen unterwegs sind u.a. Auch Lektoren... etc. Das ist der Vorteil, wenn man auf einem Schiff arbeitet. Man lernt sehr schnell neue Leute kennen und durch die intensive Zeit, die man zusammen verbringt, hält der ein oder andere Kontakt auch später noch," berichtete sie ihm.

"Das glaube ich. Das kommt bei uns nicht vor. Es ist schwierig. Meist ist man ein Tag, maximal zwei Tage in einer Stadt und eigentlich hat man immer mit denselben Menschen zu tun. Klar, kennst du nach und nach den einen Fan mehr oder weniger, aber tiefere Freundschaften ergeben sich nicht. Weder mit Fans, noch mit Leuten, die man unterwegs trifft." "Der Ruhm ist schuld," stellte sie fest. "Richtig."

Sarah sah in die Runde und bemerkte, dass alle beschäftigt waren. Dean und Jack redeten intensiv miteinander. Zwischendurch trafen sich ihre Blicke und es blitzte regelrecht in Sarahs Magen. Peter plauderte und kümmerte sich um die Kids und Tyler chatete, vermutlich mit seiner Frau, kombinierte Sarah, da sie wusste, dass er gerade Vater geworden war und ständig ein Lächeln im Gesicht hatte.

Sie widmete sich wieder Liam. "So nun bist du dran. Was war das schönste Ereignis in deinem Leben?" "Also ich hatte bereits sehr viele Ereignisse, die ich schön fand. Z.B. Als wir das erste Mal alle auf einer Bühne standen oder als wir das erste Mal unseren ersten Song im Radio hörten oder auch viele Begebenheiten in meiner Familie, aber das Einprägenste war, als ich das erste Mal "Ich liebe dich" gehört hatte." "Oh. Deine große Liebe?" fragte Sarah. "Ja war es, aber ich habe leider alles versaut. Ich muss dazu sagen, dass ich auf Männer stehe und es ist schwierig in meiner Branche jemanden kennenzulernen und dies zu halten," sagte er.

"Verstehe. D.h. Du hattest wahrscheinlich immer Probleme, die richtige Person zu finden und dann hast du sie gefunden und konntest sie aufgrund deines stressigen Lebens nicht halten." "Das ist es, in kurzen Worten zusammen gefasst. Es war schön vom Partner gesagt zu bekommen, dass du geliebt wirst. Ich hatte es auch erwidert und dann leider nicht nachgedacht, was die Worte wirklich bedeuten." Sie nickte. "Bist du fremdgegangen?" "Ja, bin ich." "Wie hat er es heraus bekommen?"

"Leider hat er uns erwischt und es war nicht zu leugnen." "Nicht schön." "Das stimmt. Ich habe versucht mich zu entschuldigen, aber er lies sich auf nichts ein. Er ist einer derjenigen, der niemals wieder verzeiht." "Grundsätzlich keine schlechte Einstellung." "In der Tat." "Wie lange ist das her?" "Ungefähr drei Jahre. Seitdem habe ich nie wieder derartige Gefühle gehabt und entwickelt." "Oha. Das ist eine lange Zeit." "Das stimmt, aber leider nicht zu ändern."

Dean erhielt einen Anruf. Er entschuldigte sich kurz bei Jack, stand auf und ging auf den Balkon. Jack wandte sich an sie. "Hey, über was sprecht ihr gerade?" "Ich habe ihr gerade die Geschichte von Tom erzählt, allerdings in einer kurzen Zusammenfassung." "Ich habe das live mitbekommen. Es war schon sehr hart für Liam. Er hatte auch kurzzeitig über einen Ausstieg aus der Band nachgedacht. Die Trennung hat ihn sehr mitgenommen." "Aber er hat den Fehler leider selber begangen", positionierte Sarah Ihre Meinung.

"Klar, aber Sarah würdest du dich davon freisprechen, dass dir das nicht passieren kann?" "Auf keinen Fall kann ich das. Vielleicht wäre es mir auch passiert, vielleicht passiert es mir auch mal. Das weiss ich nicht, aber Liam muss mit seinen Gefühlen alleine fertig werden. Er musste die Sache mit sich ausmachen." Dann sah sie zu Liam: "Und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass er es jemals überwinden wird." Liam sah sie an und resignierte: "Wahrscheinlich hast du recht." "Hast du heute noch Kontakt mit Tom?", fragte Jack. "Nein. Wir haben den Kontakt komplett eingestellt." "Das heisst du weisst nicht was aus ihm geworden ist?" "Nein, aber das ist in Ordnung. Es reißt sonst alte Wunden auf."

"Ok. Themenwechsel." "Finde ich gut", pflichtete Liam Sarah bei. "Da hab ich auch eine ganz dringende Frage." "Dann schieß mal los", war Jack gespannt. "Wie seid ihr eine Band geworden und wie habt ihr euch kennen gelernt. Das einzige was ich weiss, ist das Tyler und Liam Brüder sind." "Willst du die Kurzfassung oder die lange Geschichte?" fragte Liam. "Am liebsten eine mittlere Fassung." Jack grinste: "Ok ich fange an."

Kapitel 5

"Dean und Mark, sein Bruder, hatten die Idee eine Band zu gründen und sie hatten Kontakt zu einem Produzenten. Die Band sollte aus fünf Jungs bestehen und von jedem Etwas haben. Jemand der tanzen kann usw. Wie es auch bei typischen Castings von Boybands heute noch abläuft", sagte Jack.

Sarah verstand und Liam redete weiter: "Dean rief Peter an, sowie Tyler und mich. Wir kannten uns durch den Kirchenchor und durch die Schule. Wir waren zu fünft. Später ist Mark ausgestiegen, er war bereits nach den ersten Proben ausgestiegen, hatte Dean Jamie, ein guter Freund von uns, mit aufgenommen. Ein Jahr später, hatten wir dann den ersten Auftritt und wurden teilweise sogar ausgebuht und mit Steinen beworfen. Jamie hatte keine Lust mehr und vernachlässigte die Band, deshalb haben wir ihn gefeuert. Da kam Jack mit seinen damals jungen Jahren ins Spiel. Wieder ein Jahr später hatten wir dann unseren ersten Plattenvertrag in der Tasche. Im Radio und in den Medien hatten wir noch keinen Erfolg, aber wir machten weiter. Wir wollten weiter kommen und wir würden es schaffen. Dann hatten wir im Apollo Theater in Boston einen Auftritt und dieses Publikum war wirklich sehr schräg, aber sie mochten uns," beschrieb Liam die damalige Szene.

"Der Erfolg kam dann im darauffolgenden Jahr. Wir hatten Auftritte bei bekannten Vorgruppen und es brach die Euphorie aus, die heute noch in Ansätzen zu sehen ist. Ab dem Zeitpunkt war es ein Selbstläufer. Wir tourten durch die Welt ohne sie zu sehen. Ein Interview auf dem nächsten folgte. Wir verkauften Alben, Merchendising, Ticket. Es war heftig. Anfang der 90iger waren es wirklich sehr stressig. Wir haben dann einige Jahre später unser letztes Album gemacht und uns dann getrennt. Wir waren alle ausgebrannt," erzählte Jack.

"Was habt ihr dann gemacht", fragte Sarah interessiert. "Sehr viel. Geschauspielert, Solo-Alben, Theater, produziert, geheiratet", antwortete Jack. "Und Kinder gezeugt", ergänzte Liam. Jack nickte. "Verstehe. Und wie seid ihr wieder zusammen gekommen?" " 14 Jahre später bzw. im letzten Jahr, hatten wir die Idee gemeinsam noch einmal durchzustarten. Alle hatten Lust darauf und wir waren ja auch immer alle in Kontakt geblieben. Wir hatten schon öfter davon gesprochen, aber noch nicht den Ehrgeiz gehabt es zu tun," sagte Jack. "Der Erfolg war sofort wieder da, aber wir können diesmal alles ein wenig selbst bestimmen. Besser als früher. Es ist alles ruhiger und kontrollierter, als damals," sagte Liam.

"Wow." "Richtig... und nun das erste Mal diese Kreuzfahrt," fügte Liam hinzu. Sarah lachte. "Und wie ist es für euch? Habt ihr das Richtige getan?" "Ja klar. Wir haben alle zusammen unglaublich viel Spass", sagte Jack freudestrahlend. "Wir verstehen uns immernoch sehr gut miteinander. Jeder hat nun sein Päckchen zu tragen, aber wir sind eine Familie. Soviel Zeit wie wir gemeinsam verbracht haben. Es war damals eine sehr intensive Zeit, die uns geprägt hat."