Maeve - Alex Pieh - E-Book

Maeve E-Book

Alex Pieh

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Beschreibung

Das Leben von Ella befindet sich gerade am Abgrund, als ihr Werbung für ein Interrailticket in Haus flattert. Sie beschließt Europa per Bahn zu erkunden und lernt auf ihrer Reise neue Menschen kennen. Einer davon ist Mika, der Künstler mit der Gitarre. Wieder zuhause übermannen sie weitere Problemen. Daraufhin beschließt sie weiter zu reisen und entdeckt Irland und die herrliche Landschaft, die Menschen und die Liebe.

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Seitenzahl: 345

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Alex Pieh

Maeve

Ein Liebesroman

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Maeve

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Epilog

Danksagung

Impressum neobooks

Maeve

Kapitel 1

Ella schloss die Tür zu Ihrer Wohnung auf. Dann hängte sie Ihre Jacke auf und ging ins Wohnzimmer. Sie setzte sich auf die Couch und starrte in der Wohnung umher. Sie war immer noch erschrocken und entsetzt sowie wütend darüber, was gerade geschehen war.

Der Tag hatte so harmlos angefangen. Sie war pünktlich auf der Arbeit und hatte sich ihren Tee gemacht, als sie die ersten Mails gecheckt hatte. Ca. eine Stunde später kam ihr Chef und bat sie in Ihr Büro.

Sie sah sein angestrengtes Gesicht. Das hatte nichts gutes zu sagen. Er setzte sich und begann herum zu drucksen. Dann nahm er allen Mut zusammen und sagte es heraus.

„Ella leider muss ich dir mitteilen, dass wir dein Projekt verloren haben und wir können dich aufgrund dessen leider nicht weiter beschäftigen.“

Sie sah ihn verwirrt an.

„Äh, wie jetzt? Was heißt das?“

„Der Kunde hat mir mitgeteilt, dass ein anderes Unternehmen ein gutes Angebot unterbreitet hat und sie sich für unsere jahrelange Zusammenarbeit bedanken, aber sich für das neue Angebot entschieden haben.“

„Wir konnten nicht mithalten?“

„Leider nein. Ich habe alles versucht, aber leider keine Chance.“ „Oje - und zu wann?“

„Sie haben nur eine 3 Monatsfrist.“ „Kann ich nicht in ein anderes Projekt einsteigen?“

„Grundsätzlich ja, aber ich habe leider keine neuen Projekte. Der Markt ist so schwierig geworden. Ich weiß einfach keine Beschäftigung für dich. Natürlich kann in den nächsten 3 Monaten noch etwas passieren, aber ich kann dich natürlich nicht aufhalten, dass du dir etwas neues suchst.“

„Das ist ganz schön heftig. Was tue ich denn jetzt?“ sagte sie weinerlich.

„Es tut mir sehr leid. Ich werde mich selbstverständlich umhören, ob du woanders einsteigen kannst.“

Sie sagte nichts mehr und stand auf. Dann ging sie zu ihrem Arbeitsplatz, packte ihre Sachen und ging. Die Kollegen sahen sie traurig an und wünschten ihr viel Glück. Alle hatten es irgendwie mitbekommen. Es war ihr sogar auch noch unangenehm.

Nun saß sie auf Ihrer Couch und starrte ihre Wände an. Sie war völlig aus der Bahn gerissen. Immer wieder ging sie Mails und Vorgänge der vergangenen Tage und Wochen durch, die eventuell zu Fehlern o.ä. geführt haben, aber es fiel ihr nichts ein. Hatte sie Schuld an dem Dilemma oder wie ist es dazu gekommen? Dabei hatte es ihr soviel Spaß gemacht Texte zu schreiben, Tabellen anzufertigen und Grafiken einzufügen, um das Projekt voran zu bringen. Sie hatte das Gefühl, dass hier etwas anderes im Spiel war. Vielleicht hatte irgendeine Nase nicht gepasst oder aus finanziellen Gründen ging es nicht weiter. Das würde sie wahrscheinlich nie erfahren.

Als ihr Magen knurrte, ging sie roboterhaft in die Küche und machte sich eine Scheibe Brot. Was sollte sie denn nun tun? Sie wusste einfach nicht, was sie tun sollte. Sollte sie jetzt Stellenanzeigen durchsuchen und Bewerbungen schreiben? Dazu war sie momentan überhaupt nicht bereit. Es war auch schon über 7 Jahre her, seitdem Sie sich das letzte Mal beworben hatte. Sie wusste nicht ein noch aus. Mit derartigen Gefühlen hatte sie noch nicht zu tun. Sie war rastlos und ratlos.

Irgendwann war sie auf der Couch eingeschlafen und wurde mit einen schrillen Klingeln an der Wohnungstür aus dem Schlaf geweckt. Verschlafen trottete sie zur Tür. Es war Katherine, ihre längste und beste Freundin. Katherine hasste ihren Namen und wollte nur Kat genannt werden.

„Hey was machst du hier?“

„Ich weiß nicht, du hast irgendwie nicht geantwortet und ich habe mir ein paar Gedanken gemacht und ich wollte einfach mal hallo sagen.“

„Das ist lieb von dir.“ Sie umarmten sich und Ella fing an zu weinen.

„Was ist denn los?“ Sie stotterte... :„Ich – ähm - ich habe meinen Job verloren.“ „Was? Wie ist das passiert?“

„Der Kunde hat gekündigt und mein Chef hat keinen Job für mich mehr....“

„Ich verstehe das nicht... wie kann der Kunde denn auf einmal kündigen?“

„Das geht schon. Mit einer Kündigungsfrist halt...“ „Oh man das tut mir so leid für dich. Vor allem weil du soviel Spaß an der Arbeit hattest.“

Sie nickte: „Kat, was soll ich denn jetzt tun?“ „So richtig habe ich auch keine Idee.“

Sie saßen beide auf der Couch und Ella lehnte sich an Kat. Ihre beste Freundin war bis jetzt immer ihr Anker und es tat ihr gut, dass sie gerade jetzt da war.

Kat und Ella waren bereits seit Ihrer Schulzeit befreundet. Kat war immer die Härtere und Ella die Weichere. Wenn Kat über den Dingen stand, weinte Ella darum. So war es immer gewesen. Gegenseitig gaben sie sich Halt und Stärke.

Sie hatten sich bei einem gemeinsamen Schulprojekt näher kennen gelernt. Ella sollte die mobile Wandzeitung neu gestalten und als sie fertig waren, stellte sie fest, dass sie den Aufbau der Collage falsch herum gemacht hatte. Sie hatte laut geflucht und Kat hatte das mitbekommen. Sie hatte Ella gleich ihre Hilfe angeboten und gemeinsam hatten sie die mühevolle Arbeit neu gestaltet, so dass Ella nicht noch einen zweiten Nachmittag damit verbringen musste. Bei jeder Neugestaltung der Wandzeitung wurden sie nun zusammen eingeteilt und sie hatten soviel Spaß zusammen, so dass sie sich anfreundeten und bald unzertrennlich wurden. Sie recherchierten über die unterschiedlichsten Themen gemeinsam. Ella ging zu den Sportthemen mit, für die sich Kat interessierte und Kat begleitete Sie bei den örtlichen Themen, wie z.B. Gartengestaltung oder Wander- und Radfahrtipps.

Alle zwei Wochen nahmen Sie sich unterschiedliche Themen vor. Während Ella viel im Internet recherchierte, befragte Kat die Mitschüler und somit wurde die Wandzeitung erfolgreich und mehrfach gelobt.

Kat und Ella war das typische „Beste Freunde für immer“ - Duo. Sie gingen in Parallelklassen und hatten somit immer was zu erzählen, was in der Schule passiert war. Einmal hatten sie sich in denselben Jungen verguckt und hatten dann beide beschlossen, dass keiner ihn bekam.

Als sie ihre Prüfungen gemeinsam geschafft hatten und die Schule mit einer guten Leistung in allen Prüfungsfächern beendet hatten, ging Kat in die Ausbildung zu einem Architekten und Ella begann ihr BWL-Studium.

Während des Studiums lernte sie ihren heutigen Chef, der in einer kleinen Agentur diverse Projekte im kaufmännischen Bereich betreute, kennen. Ella hatte diesen einen Kunden, für den Sie die Kundenfragen und Aufträge beantwortete sowie all die Tabellen und Grafiken erstellte. Sie schrieb Rechnungen an Kunden, beantwortete Reklamationen und nahm Bestandsbestellungen vor. Es machte ihr sehr viel Spaß und füllte den ganzen Tag aus. Ihre Freundschaft zu Kat hatte nie abgerissen. Sie trafen sich häufig an Wochenenden und verbrachten diese meist komplett zusammen. Der eine übernachtete dann bei dem anderen. Sie gingen abends in die Disco und sie schworen sich, dass Sie immer zusammen wieder nach Hause gehen wollten. Selbst wenn einer der beiden einen Jungen kennengelernt hatte, dann wollten sie nie direkt mit dem Jungen mitgehen. Das hatte immer gut geklappt. Bis Kat vor Kurzen Ben kennengelernt hatte.

Ben und Kat wurden unzertrennlich und Kat sprach das erste Mal von Liebe und Zukunft mit einem Mann. Man traf sie häufig zusammen und auch die Wochenenden verbrachten sie häufig bei Ben gemeinsam. Mal war Ella dabei, mal nicht. Und Kat nahm sich immer mal alle paar Wochen ein Wochenende für Ella frei, so dass sie ohne Ben quatschen konnten.

Vor Ben hatte Kat nur Liebschaften, die ihr nichts bedeuteten. Jetzt hatte es sie richtig erwischt. Als Ella und Ben aufeinander trafen, verstanden sie sich direkt. Er war wie ein Bruder zu ihr und sie sah, wie sehr er Kat gut tat. Sie freute sich für Kat und war gleichzeitig betrübt, dass Kat ihre Liebe des Lebens gefunden hatte.

Ella selbst hatte noch kein großes Glück mit Männern und eigentlich hatte sie nur den ein oder anderen auf einer Party kennengelernt, mit dem sie mal rumgeknutscht hatte und sie hatte bereits unbedeutenden Sex, der meist nach viel Alkohol stattfand und sie sich häufig nicht daran erinnern konnte. Immer mal wieder viel sie in eine Krise, da ihr Leben voran schritt. Sie wurde älter und sie hatte das Gefühl noch nichts erledigt zu haben in ihrem Leben. Sie war weder auf Reisen, noch hatte sie den Mann des Lebens kennen gelernt. Das Einzige was sie abhaken konnte war, dass sie einen tollen Job hatte, nur hatte sich das jetzt auch erledigt.

Sie weinte wieder.

„Ella Schatz, komm wein nicht. Es wird sich alles fügen. Erst mal sind es noch ein paar Wochen und ich helfe dir mit den Bewerbungen. Du findest schon was neues.“

„Es fühlt sich nur so an, als wenn ich was falsch gemacht habe.“

„Das hast du sicher nicht. Es ist doch nicht deine Entscheidung gewesen. Vermutlich ist es wieder so eine Budgetsache. Da war wieder ein anderes Unternehmen, was weniger geboten hat und dann ist es egal, wie gut du bist.“

„Wahrscheinlich hast du recht.“

„Komm ich mach uns erst mal eine Flasche Rotwein auf und wir quatschen über deine Möglichkeiten.“ Kat wusste, wo sich in Ellas Wohnung alles befand und holte zwei Gläser und eine Flasche Rotwein. „Bist du mit dem Auto hier?“

„Nein. Ben hat mich abgesetzt. Er holt mich ab, wenn ich ihn anrufe.“

„Das ist lieb. Er ist ein richtig netter Mann. Ich hoffe, dass ihr zwei glücklich werdet.“

„Ella das sind wir momentan sehr. Ich möchte niemand anderen mehr an meiner Seite.“

„Nächsten Monat ist eine Hochzeit von einer seiner Cousinen und wir gehen gemeinsam hin.“

„Das heißt schon was.“

„Das denke ich auch. Und du, meine Liebe, wirst auch noch deinen Deckel auf den Topf finden.“

„Da glaube ich nicht mehr dran.“

„Ach komm schon, denk doch nicht so. Versuche optimistischer zu sein.“

Sie redeten noch 3 Stunden, dann war Ella müde. Ben holte Kat ab und Ella ging schlafen. Sie schlief unruhig. Wahrscheinlich der Alkohol und die Ereignisse des vergangenen Tages.

Am nächsten Morgen war zum Glück Samstag und sie musste nicht arbeiten. Als sie an der Kaffeemaschine stand, fiel ihr ein, dass sie gar keine Post geholt hatte am Vortag. Da sie wusste, das manchmal dann alles möglich in die Briefkästen gesteckt wurde und diese völlig überfüllt waren, ging sie in ihren Schlafanzug zum Briefkasten. Es befand sich die kostenlose Zeitung und einige Werbung darin. Als sie es herausnehmen wollte, fiel ihr eine Werbung besonders auf. „Interrailticket – nur begrenzte Zeit für 50%. Für Kurzentschlossene.“ Wenn sie es richtig verstand, dann konnte man das Angebot nur innerhalb der nächsten Woche abschließen und direkt losfahren.

Sie schenkte dem keine weitere Beachtung und legte die Post in die Küche auf den Tisch. Sie machte den Fernseher an und schaute sich mal wieder ein paar Musikvideos an. Das hatte sie früher mit Kat öfter getan. Dann hatten sie das Video auseinander genommen und die Szenen und Personen besprochen, die darin vorkamen und sie machten Vorschläge, wie es besser gewesen wäre, als wären sie die Videoproduzenten. Das endete meist damit, dass sie das Video komplett anders gemacht hätten und meist lachten sie dann darüber, welche Veränderungen sie vorgenommen hatten.

Jetzt saß sie davor und kannte kaum noch die Stars in den Videos. Die Musikrichtung hatte sich verändert und sie fand kaum noch eine Idee, wie sie ein Video verändern würde. Dann fiel ihr ein Typ auf, der durch die Landschaft fuhr mit seiner Gitarre und der sang, dass er die alten Ketten „weg schüttelt“ und eine neue Liebe hat, indem er einen neuen Kurs ansteuert. Er sang über die Befreiung des Alten mit Kurs auf das Neue im Leben. Er sah in seinem Video so nachdenklich aus, wie Ella sich gerade fühlte. Ja – das wollte sie auch. Sie wollte nach etwas neuen suchen und das Alte abschütteln.

Ihre Gedanken brachten sie wieder zur Werbung der Interrailtickets. Dann fiel es ihr ein und sie zögerte kurz, ob sie sich traute, aber sie tat es. Sie wollte mutig sein. Sie checkte zuerst ihr Konto. Doch sie hatte genug Gespartes, um sich eine Auszeit zu gönnen. Sie rief die Rufnummer auf der Werbung an. Sie buchte ein Interrailticket über einen Monat Gültigkeit. Es wurde bei der Bahnstation in Ihrer Nähe hinterlegt und sie konnte es sich abholen. In drei Tagen sollte musste es bzgl. der Gültigkeit losgehen.

Als erstes rief sie Kat an: „Bist du gerade beschäftigt?“

„Obwohl Samstag ist, habe ich heute Nachmittag noch eine Besichtigung eines neuen Objekts, aber jetzt hätte ich Zeit.“

„Dann lass uns gleich mal treffen und einkaufen. Ich werde nächste Woche verreisen.“ „Waaasss?“

„Du hast richtig gehört. Ich habe mir gerade ein Interrailticket gebucht.“ „Oh wie genial. Das würde ich auch gerne machen.“ „Ich würde dich ja fragen, ob du mitkommst, aber ich möchte neu starten und das gerne alleine machen.“

„Das ist so cool.“ „Ich erzähl dir gleich mehr. Treffen wir uns am Outdoorladen?“ „In einer halben Stunde?“

„Bin dann da.“

Ella brauchte auf jeden Fall einen Rucksack. Sie wollte nicht ständig einen Koffer hinterher rollen. „Wie bist du denn auf die Idee gekommen?“ fragte Kat. „Ich hatte die Werbung im Kasten und nachdem ich dieses Video gesehen habe von diesem Typen, der da gerade in den Charts ist, den Namen habe ich vergessen, kam mir die Idee.“ „Früher haben wir mal darüber geredet, mit dem Rucksack durch Europa zu reisen.“

„Ich weiß und ich finde der Zeitpunkt ist für mich gerade richtig.“ „Das glaube ich auch. Aber du musst mir jeden Abend eine Nachricht schicken, damit ich weiß, dass es dir gut geht.“„Na klar. Du bist dann quasi mein Tagebuch.“ Sie konnte wieder lachen.

„Meinst du dein Chef lässt es zu, dass du jetzt schon aus dem Projekt ausscheidest. Denke schon, ich bin ja nicht die einzige die es betreut. Ich werde um eine Freistellung bitten.“

„Gute Idee. Toll das du das für uns machst, so wie wir es damals gesprochen hatten.“ „Ich freue mich auch sehr drauf. Ich hoffe ich bekomme neue Inspiration und finde einen Weg, wie mein zukünftiges Leben aussehen soll.“

„Bestimmt. Das ist genau das Richtige. Neues Entdecken, dabei loslassen und sich treiben lassen und nur für den nächsten Morgen plan, was man sich anschaut und wo man etwas zu essen bekommt und den Alltag vergessen. Ein wenig neidisch bin ich schon.“

Ella grinste: „Vielleicht können wir das ja auch noch mal machen, wenn ich zurück bin?“

„Aktuell weiß ich nicht, ob ich solange von Ben getrennt sein möchte.“

„Oh das ist sehr süß.“ Kat sah sie verliebt an.

Ella kaufte einen großen Rucksack, einen Schlafsack, eine Regenhülle für den Rucksack, eine dünne Matte, zwei dünne Handtücher, einen Badeanzug, eine Kosmetiktasche, ein wenig Kleinzeug, wie eine Schutzhülle für das Handy, eine Trinkflasche..usw. Sie hatte dann einen Betrag von 600 Euro zu zahlen und war baff, wie schnell ihr Konto schrumpfen konnte.

Kat half ihr beim Tragen und sie tranken noch einen Kaffee bei Ihr zu Hause zusammen: „Welche Route wirst du nehmen?“

„Ich möchte als erstes nach Spanien an die Küste, dann nach Portugal und dann die nordspanische Küste bis nach Paris. Dann möchte ich gerne nach Cornwall und dann gerne noch nach Belgien und Holland.“

„Und was ist unterhalb von Deutschland bzw. östlich?“

„Das werde ich wohl nicht schaffen.“

„Das stimmt dafür sind 30 Tage zu wenig. Du willst ja auch ein paar Tage an den Orten bleiben.“

„Auf jeden Fall. Aber die konkreten Orte möchte ich noch nicht festlegen, dass überlege ich mir noch. Ich muss mir auch die Zugverbindungen ansehen, denn man kommt nicht überall gut mit dem Zug hin.“

„Das stimmt wohl. Und wenn du dann zu viel unterwegs bist, lässt das Urlaubsgefühl schnell nach.“

„Ganz genau. Auch die Art der Unterkunft werde ich vom Land und vom Preis abhängig machen. Zum Glück gibt es heutzutage all diese Internetseiten, wo man Zimmer buchen kann. Das ging ja vor ein paar Jahren noch nicht.“

„Richtig. Das ist auf jeden Fall eine Erleichterung.“

Kapitel 2

Am Montag ging Ella zu Ihrem Chef und teilte ihm mit, dass sie um eine sofortige Freistellung bat. Sie wollte auf Reisen gehen und bat, um eine vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnis. Das tat er auch und gab ihr noch eine kleine Abfindung. Sie übergab alle Unterlagen ihren Kollegen und verabschiedete sich. Sie ging mit lachenden Augen. Sie freute sich auf Ihr Abenteuer.

Am Dienstag kümmerte sie sich, um Ihre Krankenversicherung, die sie im Ausland benötigte. Sie richtete alle Überweisungen des nächsten Monats ein und sie säuberte die Wohnung. Abends kam Kat noch einmal vorbei. Sie würde sich die nächsten Wochen, um ihre Wohnung und Post kümmern. Ella unterschrieb eine Vollmacht, so dass Kat alles machen konnte, was Ella eventuell nicht aus dem Ausland erledigen konnte.

Sie packten gemeinsam Ellas Rucksack und ihre Tasche. Am nächsten Morgen ging es ganz früh los. Sie verabschiedete sich von Kat und ging aufgeregt schlafen.

Zuerst holte sie das Interrailticket ab und als erstes nahm sie den Zug in Richtung spanische Südküste. Sie wollte zuerst nach Barcelona. Die Fahrt beinhaltete ab Köln eine 12 Stündige Fahrt mit 4 Mal umsteigen. Die Zeit in der Bahn verbrachte Sie mit lesen und sie schrieb Ihre Eindrücke auf, denn Sie überlegte, ob Sie später dieses Abenteuer einmal zusammenfassen sollte und eventuell einen Reisebericht verfassen wollte. Das lies sie sich noch offen,

Als sie in Barcelona ankam, nach vielen Eindrücken auf der ersten langen Fahrt, suchte sie sich erst einmal eine einfache Unterkunft. Dann schrieb sie Kat eine Nachricht, dass sie angekommen war und schlief zwei Stunden.

Frisch geduscht und ausgeruht, begab Sie sich gegen Mittag in den Trubel. Sie schlenderte die Ramblas entlang und suchte sich einen kleinen netten Imbiss, wo sie Tapas aß. Sie hörte die abendliche Musik auf den Straßen. Dann besuchte sie eine kleinere Kirche und setzte sich an den Strand und starte auf das Wasser. Bis halb elf war es hell bzw. fing an a zu dunkel zu werden. Sie schlenderte wieder zu ihrem Hotel und gegen Mitternacht fiel sie ins Bett und schlief durch bis zum nächsten Morgen.

Am Frühstückstisch lauschte sie einer deutschen Gruppe von 4 Pärchen, die sich laut über die örtlichen Sehenswürdigkeiten unterhielten. Sie schnappte die ein oder andere Sehenswürdigkeit auf und beschloss später auch noch welche davon aufzusuchen. Dann ging sie wieder an den Strand mit Ihren Badesachen. Sie sprang ins Wasser und als sie sich abgekühlt hatte, hatte sich ca. 3 Meter von Ihr ein Typ platziert. Er hatte seine Gitarre dabei. Er starrte aufs Meer, dann zupfte er auf der Gitarre und schrieb sich die Accorde und Noten auf. Es wirkte auf sie, als wenn er einen Song schrieb.

Ella hatte ihre Sonnenbrille auf und beobachtete ihn ein wenig. Dann wollte sie ein wenig Lesen und relaxen, aber das Zupfen störte sie dabei. Er war total konzentriert, sah sie. Er spielte mit dem Stift im Mund und schrieb hastig das Gespielte auf einen Zettel. Er sah kurz nachdenklich auf und dann schrieb er wieder. Sie sah ihn sich genauer an und fand das er keinen schlechten Körper hatte. Er bemerkte, dass sie ihn beobachtet hatte. „Stört es sie?“ Er sprach spanisch mit ihr. Ihr weniges spanisch reichte, so dass Sie ihn verstand. Sie zuckte mit den Schultern und drehte sich weg. Dann stand er auf und ging. Kurz darauf hatte sie ihn wieder vergessen und las in Ihrem Buch weiter.

Sie verbrachte drei erholsame Tage in Barcelona. Danach fuhr sie weiter in Richtung Valencia. Hier wollte sie auf einen Campingplatz einchecken, die Mobilheime als Unterkunftsart anboten. Sie blieb für weitere 4 Tage. Hauptsächlich wollte sie entspannen und lesen und sich die Gegend ansehen. Sie mietete sich ein Auto und erkundete die Umgebung. Eigentlich wollte sie auch wandern gehen, aber es war zu warm zu wandern. Mit dem Mietwagen konnte sie auch andere Strände testen. Sie hatte immer einen Badeanzug und ein Handtuch dabei. Es gefiel ihr so in den Tag zu leben. Im Auto hatte sie ab und zu mal das Radio an, aber die Moderatoren sprachen so schnell in Ihrem spanischen Akzent, da verstand sie gar nichts. Wobei die Sprache sie schon sehr interessierte.

Auf einmal hörte sie wieder diesen Song, von dem Typen, den sie im Musikvideo gesehen hatte. Ihre Gedanken schwirrten, um dieses Gefühl, was er im Video sagte, das Alte loslassen und auf das Neue freuen und es in den Angriff zu nehmen. Sie wusste noch nicht, wie sie es umsetzte. Dann verwarf sie aber weitere Gedanken, als der Radiomoderator, wieder mit seinem Spanisch herunterrasselte und Ella sich darauf konzentrierte überhaupt ein Wort zu verstehen. Sie genoss die langen Strände und nachdem sie den Mietwagen zurück gegeben hatte, setzte sie sich in den Zug.

Ihr nächster Weg führte sie nach Faro, in Portugal. Hier buchte sie in einem Hotel für eine Nacht, denn am kommenden Morgen wollte sie mit der Bahn an die Algarve fahren. Hier hatte sie sich einen kleinen Küstenort ausgesucht. Lagos sollte einen Kleinstadtcharakter haben, so dass man nicht nur in der Tourihölle war. An der Algarve war es nicht ganz so warm , wie im spanischen Festland, da hier immer ein kleiner Wind wehte. Sie lieh sich ein Fahrrad aus und wollte die Küstenstraße herunterfahren. Als sie zum Fahrradverleih ging, musste sie an der Promenade vorbei und hörte wieder dieses Geklammfe vom Strand in Barcelona. Es war definitiv die selbe Art, wie die Gitarre gespielt wurde, dass hörte sie direkt. Sie hatte die letzten Tage gar nicht mehr daran gedacht.

Es war auch derselbe Oberkörper. Sie blieb kurz stehen. Er schien sich Geld zu erspielen, um möglicherweise auch weiter zu reisen. Er erkannte sie ebenfalls und unterbrach den Song. „Hey verfolgen sie mich?“ fragte er auf Spanisch. Sie antwortete auf Deutsch, denn ihr war irgendwie klar, dass er Deutscher war. „Das habe ich auch gedacht“, sagte Ella. Sie prusteten beide los. Er gab ihr die Hand: „Ich bin Mika. Gut das du Deutsch sprichst.“ „Äh ok – und ich bin Ella“. Sie begrüßten sich und sprachen kurz miteinander.

„Reist du auch durch Europa?“ fragte Ella.

„Eigentlich nicht. Ich arbeite eigentlich.“

„Oh ok.“

Sie traute sich nicht zu fragen, was er tat. Irgendwie empfand sie es komisch, aber er wird seine Gründe haben. „Und du?“ „Ich habe so ein Interrailticket und mir eine Route zusammen gebastelt.“ „Verstehe und der nächste Step ist dann Lissabon?“ „Ganz genau. Woher weißt du es?“

„Ist typisch.“

„In Barcelona war mir eigentlich schon klar, dass du Deutsch sprichst, aber dann hattest du Spanisch gesprochen.“

„Und ich dachte du bist eine Spanierin.“ „Oh kam ich so rüber?“ „Naja Barcelona ist eine Großstadt.“

„Das stimmt. Bist du noch ein paar Tage hier?“

„Nicht wirklich. Morgen habe ich noch und dann muss ich weiter.“

„Ich bin gerade auf den Weg mir ein Fahrrad auszuleihen und wollte morgen eine Tour machen, willst du mitkommen?“

Er sah sie verwundert an. „Ähm du kennst mich gar nicht.“ „Na ja ich dachte so unter Backpackern, zu mindestens wirkst du wie einer. Vielleicht kann man mal was zusammen machen, vor allem muss ich mal wieder mit jemanden quatschen. Ist jetzt schon mehr als 7 Tage her, wo ich so richtig mit jemanden gesprochen habe.“

Er lachte: „Und dir fällt schon die Decke von dir selbst auf den Kopf?“ „Nein, aber mit niemanden zu sprechen ist hart.“

Er lachte: „Unter dem Aspekt kann ich nicht nein sagen. In welchen Hotel bist du?“ Sie erklärte ihm den Weg und den Namen.

„Ok morgen früh um 7 Uhr?“

„Sehr gerne. Frühmorgens ist es immer noch ruhiger, das mag ich.“ Sie ging zum Fahrradverleih und nahm das Rad direkt mit. Nachdem sie nochmal an Mika vorbei fuhr, winkte sie ihm zu. Er rief: „Bis morgen früh“.

Er stand tatsächlich mit einem Fahrrad vor dem Hotel. „Kennst du den Weg?“ fragte Mika.

„Ich habe ihn mir vorher angesehen, aber kennen tue ich ihn nicht.“

Sie fuhren in Richtung Sagres und die Westküste. Auf der Küstenstraße war es sehr verkehrsstark, so dass sie nicht gemütlich nebeneinander fahren konnten. Sie hielten in Sagres, schlossen die Räder ab und sahen sich die Stadt an. Die Stadt hatte einiges zu bieten. Er erzählte ihr aus seiner Kindheit. Er war in einer Familie mit vielen Geschwistern groß geworden. Er war immer derjenige, der in sich gekehrt war, der die Ruhe liebte. Wenn andere der Geschwister sich balgten und Fußball spielten, saß er in einem Baum und sah in den Himmel und zählte die Wolken.

„Wie war es bei dir Ella?“

„Ich bin eigentlich gut behütet groß geworden. Meine Eltern sind goldig. Ich bin ein Einzelkind und habe all ihre Liebe bekommen. Die Schule hatte mir auch immer Spaß gemacht und dann kam Kat in mein Leben. Sie ist meine beste Freundin und wir quatschen so viel und wissen alles übereinander.“

„Warum ist sie nicht mit hier? Erlebt man so einen Trip nicht mit seiner besten Freundin?“

„Ich möchte mein Leben verändern und ich möchte das alles alleine hier machen.“ Er grinste.

„Und dann hast du nach 7 Tagen schon das Gefühl zu wenig gesprochen zu haben?“

Sie lachten beide. „Komisch oder?“ „Irgendwie schon.“

Sie saßen in einem Cafe und tranken bereits den zweiten Espresso. „Wohin willst du noch überall?“ fragte er interessiert.

„Auf jeden Fall nach Porto und nach Santiago de Compostela und dann muss ich schauen, wie viel Zeit ich noch habe. Gerne noch nach Cornwall, aber auch nach Belgien, nach Brügge und nach Amsterdam wollte ich noch.“

„Oha da hast du aber noch einen strengen Plan vor dir.“

„Das stimmt wohl. Ich mach es ein wenig abhängig, wie lange ich an einem Ort verbringe, aber ich merke jetzt schon, dass 30 Tage fast zu wenig sind.2

„Ich hab nur noch eine Frage Ella.“„Ja?“

„Warum hast du mich gleich nach der Fahrradtour gefragt? Ich meine ich hätte ja auch ein Axtmörder sein können, übertrieben gesagt.“

„Ja das hättest du, aber wer solche Songs schreibt, kann nicht bösartig sein.“

„Meinst du das am Strand von Barcelona?“

„Ja derartiges habe ich noch nicht gehört. Es waren zwar nur ein paar Accorde, aber es hört sich wirklich richtig gut an.“

„Danke, vielleicht wird es bald ein guter Song.“

„Bestimmt. Kommt es gut an? Ich meine, bekommst du deinen Lebensunterhalt damit bestritten, was du auf der Straße einspielst?“

„Ja das reicht auf jeden Fall. Ich bin nicht verschwenderisch oder brauche viel Luxus. Mir reicht auch mal eine Hängematte oder ein Zelt. Hauptsache ich kann schlafen und essen und trinken. Den Spaß bekomme ich auf der Straße und ab uns zu checke ich mal meine E-Mails, um mit Leuten im Kontakt zu bleiben.“

„Das ist ein guter Plan. Und wo bekommst du die Inspiration für deine Songs?“

„Ehrlich gesagt, genau durch solche Begegnungen, wie gerade oder auch durch die Natur und die Landschaften und auch die Tiere. Ich beobachte sie manchmal. Das inspiriert mich.“ „Das kann ich gut nachvollziehen.“ Es entstand ein kurzes Schweigen zwischen Ihnen. Ella konnte es nicht zuordnen. War es eine Art „Schämen“ oder zu tief in die Seele des anderen eingetaucht zu sein?“ Er brach das Schweigen und sagte: „Ich bezahle es und dann können wir ja weiter.“

„Gute Idee.“

Sie nahmen die Räder und fuhren zurück. Am Hotel sagte er: „Ich würde dich noch zum Essen einladen, aber ich bin heute Abend schon verabredet.“

„Kein Problem ich bin eh völlig erledigt und werde nur noch eine Kleinigkeit essen und dann schlafen.“ Sie verabschiedeten sich, ohne Nummern auszutauschen, was Ella leider zu spät einfiel. Er rief ihr noch hinterher: „Vielleicht trifft man sich noch mal.“ Sie winkte ihm hinterher. Der Tag hatte ihr Spaß gemacht und es war sehr interessant einen anderen Menschen kennengelernt zu haben, der auch auf Reisen war. Sie würde es in ein paar Tagen alles aufschreiben. Sie schickte nur Kat ein kurze Nachricht, dass sie eine tolle Fahrradtour hatte und einen netten Menschen kennengelernt hatte.

Für den nächsten Tag hatte Ella eine kleine Segeltour gebucht. Sie lernte hier noch ein Pärchen kennen, welches auf Hochzeitsreise war. Sie unterhielten sich rege über die Entwicklung der Umweltschutzthemen in Europa. Ella fand es sehr interessant und hatte hier auch eine Meinung. Sie wollte auch nicht mehr mit Plastiktüten einkaufen. Sie versuchte Müll zu vermeiden. Sie fanden sich so nett, dass sie abends gemeinsam Essen gingen und Ihre Standpunkte weiter beredeten. Sie tauschten Ihre Nummern aus und Ella sollte sich melden, wenn Sie wieder in Deutschland war.

Am nächsten Morgen ging der Überlandbus nach Lissabon. Während der Fahrt suchte sie bereits nach der weiteren Reiseroute und konnte sich noch nicht so richtig entscheiden. Zuerst sah sie sich mit einem Hop-On-Hop-Off Bus Lissabon an, aber sie wollte nicht länger in der Großstadt bleiben. Der ganze Verkehr und die vielen Menschen auf den Hauptstraßen schreckten sie ab länger zu bleiben. Sie fand es schöner in Kleinstädten. Also fuhr sie schon am nächsten Tag weiter nach Porto. Die Stadt faszinierte sie, die ganzen Farben in dieser Stadt. So malerisch. Sie machte eine Tagesfahrt über den Douro. Und lernte den Rotwein aus dieser Gegend kennen. In Porto fand an dem Wochenende eine große Tanzveranstaltung statt und ihrem Hotel waren einige Tänzer abgestiegen. Das Foyer wimmelte von Tänzern und in der kleinen Musikkneipe um die Ecke war ordentlich Stimmung. Ella entschied spontan sich unters Volks zu mischen. Sie lernte Nick kennen. Er war ein Engländer und er war Tänzer. Er versuchte immer mit ihr zu tanzen, aber sie lehnte es ab. Sie konnte sich nur blamieren. Er versuchte sie aber immer zu motivieren, dass er ja Profitänzer ist und jeden Führen konnte. Sie lehnte trotzdem ab.

Er war Portugiese, aber er sprach auch deutsch, da seine Eltern in Deutschland aufgewachsen waren und er zweisprachig aufgewachsen ist. Ella trank ein Glas nach dem anderen. Irgendwann hatte sie Nicks Lippen auf den Ihren. Er schmeckte und roch gut und sie hatte Lust auf einen One-Night-Stand. Warum auch nicht. Er spielte mit ihren Lippen und raunte ihr ins Ohr. „Hast du Lust auf mehr?“

„Klar.“

Er nahm ihre Hand und sie gingen in sein Hotelzimmer. Dort zog er sie aufs Bett und küsste sie überall, bis sie beide so heiß waren, dass er nur noch kurz brauchten bis sie beide zum Höhepunkt brauchten.

„Ich kenne dich gar nicht, aber es war wirklich schön.“

„Ich glaube wir brauchten es wohl beide?“ sagte er verschwörerisch.

„So fühlte es sich an.“ „Das war aber eine einmalige Sache oder?“ fragte er sie. „Von meiner Seite hast du nichts zu befürchten“, sagte Ella.

„Gut. Ich bin eigentlich mit jemanden zusammen.“

„Verstehe, aber du weißt schon, dass du sie gerade betrogen hast?“ Er zuckte mit den Schultern. Sie sagte nichts darauf. Er wird seine Gründe haben. Sie zog sich an und ging in ihr Zimmer.

Ihre Reaktion hatte sie überrascht. Sie war schon etwas lockerer geworden, als vor ein paar Wochen. Sie hatte schon öfter einen One-Night-Stand, gerade nach irgendwelchen Trinkgelagen, aber sie hatte sich immer vorgestellt, mit demjenigen doch noch im Kontakt zu bleiben. Aber mit Nick war es anders. Sie wusste bereits vorher, dass sie ja weiter ziehen würde und er auch andere Pläne hatte. Er hatte es auf jeden Fall drauf, einfach nur Sex zu haben und ohne Verpflichtungen. Sie dachte auf jeden Fall, war das nicht das erste Mal, dass er seine Freundin betrogen hatte. Aber das war ihr egal, es hatte Spaß gemacht und sie fühlte sich entspannter als vorher.

Sie sah Nick am nächsten Morgen noch einmal im Foyer. Sie wünschte ihm Glück beim Wettbewerb, hauchte ihm noch einen Kuss zu und dann reiste sie weiter. Sie hatte die Möglichkeit von Porto nach London extrem günstig zu fliegen. Eigentlich wollte sie erst in den Norden Spaniens, aber das Angebot war zu gut und sie nahm es an und flog nach London. Auch London, als Großstadt, interessierte sie nicht wirklich. Sie nahm an einer typischen Stadtrundfahrt teil und sah sich die ganzen bekannten Sehenswürdigkeiten an, aber mehr wollte sie nicht. Sie konnte nun sagen, dass sie London gesehen hatte und schmunzelte in sich hinein. Ihr eigentlich Ziel war aber Südengland. Das lag daran, dass sie immer wieder Bücher gelesen hat, wo die Handlung in Südengland gespielt hatte. Nun wollte sie sich die beschriebenen Küsten ansehen und entspannen.

Am folgenden Tag fuhr der Zug nach Cornwall. Die Landschaft inspirierte sie und sie fing an ein paar Gedanken aufzuschreiben, um sich im Klaren zu werden, was sie weiterhin tun wollte. Sie hatte sich ein kleines Häuschen gebucht und wollte auf jeden Fall fünf Tage bleiben. Sie wanderte und genoss die Zeit für sich. Sie machte jede Menge Fotos und auch das Wetter spielte mit, so dass Sie fast jeden Tag einen tollen Sonnenaufgang und auch einen sehr schönen Sonnenuntergang sehen konnte. Sie saß auf der kleinen Terrasse und mit einem Kaffee und konnte sich von der Landschaft nicht sattsehen. Es war so herrlich grün und man konnte immer in die Ferne schauen und sah etwas neues. Herrlich sagte sie sich und lächelte in sich hinein.

Sie schrieb Kat und ihren Eltern ein paar Worte mit einer Postkarte, die sie am nächsten Morgen im Tante-Emma-Laden, um die Ecke abgab. Die Dame sagte ihr, dass der Versand bestimmt bis zu zehn Tage dauern könnte. Aber das war ihr egal. Sie hatte noch einige Tage, fast noch zwei Wochen.

Um wieder aufs Festland zu kommen, buchte sie sich wieder einen Flug. Diesmal nach Paris. Es war ebenfalls ein Schnäppchen. Sie wollte aber nicht in Paris bleiben. Die Großstadt mied sie. Der Flug war sehr früh morgens, so dass sie direkt noch mit dem Zug nach Brüssel fahren konnte. Sie blieb eine Nacht in Brüssel und fuhr am nächsten Tag in Richtung der Belgische Küste. Hier buchte sie wieder 3 Nächte in einem mittleren Hotel. Die Belgische Küste gefiel ihr mit den herrlichen langen Sandstränden. Sie konnte jeden Tag einen Strandspaziergang machen. Sie besuchte zwei geschichtliche Museen und einen Zoo. Wieder konnte sie viele Fotos machen und Eindrücke sammeln. Im Hotel an der Hotelbar lernte sie Sadie und Max kennen. Sie machten auch eine Rundreise mit dem Interrailticket. Sie hatten aber die Reiseziele andersrum gewählt. Zuerst waren sie in Amsterdam und wollten dann nach Frankreich, England, Portugal und Spanien und zurück nach Bayern. Sie tauschten Erfahrungen zum Zugfahren aus und tranken ein Glas Wein miteinander.

Am Abend im Hotelzimmer suchte sie sich in Holland schon mal einen Campingplatz in der Nähe von Amsterdam aus. Das war gar nicht so einfach, denn es war Urlaubs – und Ferienzeit. Zum Einen waren die Campingplätze voll und zum Anderen so idyllisch gelegen, dass sie kaum mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin kam. Aber dann fand sie einen Campingplatz, der auch gut mit dem Zug erreichbar war. Sie hatte noch acht Tage und diese wollte sie in Holland verbringen. Sie könnte zwar noch einen Zwischenstop einlegen oder noch mal nach Frankreich fahren, aber sie wollte unbedingt noch ein wenig Strandurlaub im klassischen Sinne und sie wollte Fahrradfahren und Wandern und das konnte man in Holland sehr gut. Außerdem mochte sie die das Leben auf den Campingplätzen und das wollte sie noch ein wenig genießen. Sie spielte in den letzten Tagen mit den Gedanken, ob sie sich eventuell ein Campingbus kaufen sollte und dann öfter mal losfahren könnte. Dafür wollte sie noch ein paar Erfahrungen sammeln.

Am ersten Tag fuhr sie nach Amsterdam rein. Eigentlich mochte sie die Großstadt ja nicht, aber Amsterdam hatte nicht so sehr das stressige, wie in anderen Hauptstädten, zu mindestens wird es so im Internet geschrieben. Sie stieg am Hauptbahnhof aus und schlenderte in Richtung Grachten. Sie sah sie die Ausflugsboote an und sah die Schlangen, die an einigen Museen waren. Und dann sah sie ihn wieder. Ihr Herz hüpfte, als sie ihn entdeckte. Mika stand da und sang mit seiner Gitarre, während um ihn ein Kreis von Menschen stand, der ihn anhimmelte. Sie sah ihn von weiten, wie er mit einigen Mädels tanzte und seine Gitarre schwenkte. Sie blieb stehen, auch als er die Musik beendet hatte und alle wieder gingen, stand sie noch da.

„Ich hab dich längst gesehen“, sagte er schelmisch.

„Langsam finde ich es komisch, dass du genau zur selben Zeit in Orten bist, wo ich auch bin.“

„Ich mache eine kleine Tour. Nachdem du sagtest, wo du noch hin willst, habe ich mir schon gedacht, dass wir uns sicher noch mal über den Weg laufen.“

„Hm. Andere Backpacker hab ich so nicht wieder gesehen, da ich nicht die typischen Backpackerrouten habe und auch meine Übernachtungen nicht typisch sind.“

„Wirklich komisch“, er lachte verschmitzt.

„Was hast du jetzt vor?“ „Ich bin für heute fertig. Wollen wir ein wenig an den Strand gehen?“

„Sehr gerne, etwas Abkühlung wäre super. Hast du denn genug eingenommen? Ich habe gar keinen Hut gesehen oder so.“ Er sah sie fragend an: „Na das machen die Straßenmusiker doch so, oder? Das sie das Geld in einem Hut oder ähnlichen sammeln.“

„Achso das meinst du.“ „War ausreichend heute.“ Er wich ihr irgendwie aus. Das empfand sie für den ersten Moment komisch, tat es dann aber wieder weg. „Ich wollte eigentlich auch mal was geben, denn jetzt hab ich dir schon dreimal zugehört und noch nichts gespendet.“ Er lachte. „Gib mir ein Eis aus, dann sind wir quitt.“ „Sehr gerne.“

Auf den Weg zum Strand aßen sie dann das Eis was Ella bezahlte. „Und wie ist es dir ergangen? Was hast du erlebt?“ Sie erzählte ihm von Cornwall, von Porto und die kleinen Orte, die sie sich angesehen hatte. Sie erzählte von den Menschen, die sie kennengelernt hatte, nur Nick wurde verallgemeinert und nur zu einem Eindruck. Sie sprachen sehr vertraut miteinander, während sie das Eis aßen. „Hast du Badesachen an?“, fragte er dann aus dem Nichts. Sie sah ihn fragend an: „Willst du ins Wasser?“ Er nickte. Sie zogen sich aus, legten die Sachen über ihre Habseligkeiten und schwammen dann im warmen Wasser der Nordsee. Als die Sonne unterging, klimperte er noch einmal auf der Gitarre. Sie sahen den Sonnenuntergang an und es hatte es lag irgendwas spannendes in der Luft. Ella konnte es nicht bestimmen. Sie merkte nur, wie wohl sie sich in seiner Nähe fühlte.

Dann erhielt er einen Anruf und die schöne Stimmung war dahin. „Entschuldige Ella. Ich muss gehen. Ich habe noch einen wichtigen Termin.“

„Kein Problem. Es war schön Zeit mit dir zu verbringen.“ „Das empfand ich auch.“ Er gab ihr ein Küsschen, wie Freunde es taten, auf die Wange. Dann war er weg und sie hatte wieder vergessen seine Telefonnummer zu erfragen. Er hatte aber auch nicht gefragt. Sie zuckte mit den Schultern, obwohl sie merkte, dass sich etwas in ihr regte, wenn Sie an Ihn dachte. Er war ihr nicht egal. Sie wollte ihn wiedersehen und sie wollte ihn kennenlernen.

Sie unternahm in den nächsten Tagen einige sportlichen Aktivitäten am Strand. Sie ging Fahrrad fahren und genoss die Zeit auf dem Campingplatz. Sie kam mit einigen Campern ins Gespräch. Sie erzählte von Ihrem Vorhaben mit einem Bus und erhielt viel Tipps. Sie stellte fest, dass sie an vieles denken musste. Gerade um die täglichen Bedürfnisse befriedigen zu können, benötigte sie auf jeden Fall ein WC für Notfälle und eine Möglichkeit essen zu zu bereiten. Sie musste noch mal darüber nachdenken, ob es wirklich etwas für sie war. Jetzt hatte sie ja so einen Mietcamper und musste sich, um nichts kümmern.

Innerlich bereitete sie sich auf ihr Zuhause vor. Mika hatte sie nicht mehr getroffen. Er war wie vom Erdboden verschluckt, obwohl sie noch zweimal nach Amsterdam gefahren war, um sich noch ein paar Sehenswürdigkeiten anzusehen. Sie war auch an dem Ort, wo sie ihn getroffen hatte, aber da hatte sich ein neuer Künstler niedergelassen.

Sie schrieb Kat eine SMS, wann sie am nächsten Tag wieder in Deutschland war und freute sich, dass Kat sie am Bahnhof abholen wollte.

Kapitel 3

Zusammen mit Kat schloss sie ihre Wohnung auf und die beiden kamen nicht mehr aus dem Gequassel. Ella machte sich frisch, denn Kat hatte morgen Geburtstag und sie wollten rein feiern. Sie wollten in einen etwas größeren Club gehen mit Livemusik.

„Und du hast diesen Mika nicht nach seiner Nummer gefragt?“ „Nein. Irgendwie ist die Zeit mit ihm so schnell vergangen und ich habe es immer wieder vergessen. Er hat aber auch nicht gefragt.“

„Meinst du er hat eine Frau an seiner Seite?“

„Bestimmt. Er wirkte immer so geheimnisvoll. Seine Termine und so. Aber es hat Spaß gemacht, mit ihm zusammen abzuhängen.“

„Hm, ich finde es schon merkwürdig.“ Kat war skeptisch. „Aber auf jeden Fall hat dir die Reise gut getan. Du siehst sehr erholt aus.“

„Ja das hat sie. Ich will auf jeden Fall derartiges wiederholen. Aber jetzt muss sich mein Geldbeutel wieder bestückt werden.“

„Und wie möchtest du das machen?“

„Naja zwei Monate bekomme ich ja noch Gehalt und meine Abfindung ist auch noch da. Deshalb werde ich meine Eindrücke aufschreiben und zusammen mit den Fotos in ein Buch stecken.“

„Willst du es dann groß raus bringen?“

„Das denke ich nicht. Eher nur für mich.“

„Und dann werde ich mich leider arbeitslos melden müssen und schauen, was als nächstes kommt.“

„Naja ohne deines Wissens habe ich mit ein paar Personen gesprochen und es gibt einen Laden zwei Straßen weiter, der sucht für halbtags jemanden der ein ein bisschen Schreibkram macht.“

„Oh – ja ok. Kann ich mir mal anhören.“

„Dachte ich mir auch. Vielleicht kannst du ja etwas drumherum aushandeln.“