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Die Gerontopsychiatrie widmet sich den Besonderheiten des psychisch kranken alten Menschen.
Die 3. komplett überarbeitete Auflage dieses Buches vermittelt das gesamte gerontopsychiatrische Fachwissen für Pflegende, die in diesem Bereich und mit psychisch erkrankten älteren Patienten arbeiten – von der gerontopsychiatrischen Pharmakotherapie bis zur Palliativpflege.
Das Plus: Umfangreiche Inhalte zu nichtmedikamentösen Behandlungsstrategien wie z. B. Aromapflege, Basale Stimulation und 10-Minuten Aktivierung.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2021
Klaus Maria Perrar, Erika Sirsch, MScN, Andreas Kutschke, BScN, Gabriele Bartoszek, MScN, Franziskus Knoll OP, Monika Kutschke-Cebulla, Thomas Montag, Pajam Rais Parsi, MSc, Svenja Sachweh, Gerlinde Strunk-Richter,
3., aktualisierte und erweiterte Auflage
137 Abbildungen
Da das Erscheinen der 2. Auflage nun fast 10 Jahre zurück liegt, wird es jetzt – wo wir nun selbst fast das Alter erreicht haben, mit dem sich unser Buch beschäftigt – Zeit für eine komplette Überarbeitung und Aktualisierung. Das Ergebnis halten Sie nun in Ihren Händen. Erfreulicherweise beobachten wir, dass gerontopsychiatrische Themen heute mehr Beachtung finden als noch vor einigen Jahren. Der damit verbundene Wissenszuwachs wurde auch dank der Mitautorinnen und Mitautoren in diese Neuauflage eingearbeitet.
Inhaltlich erweitert wurde das Buch um zahlreiche Aspekte, die in den beiden vorangegangenen Auflagen noch keine explizite Berücksichtigung gefunden hatten, wie ethische und spirituelle Aspekte, Sexualität im Alter, umfassende Pflegediagnosen, Pflege von alten Menschen mit geistiger Behinderung, Naturheilverfahren und Herausforderungen durch die Corona-Pandemie und weitere. Nach wie vor war es uns ein großes Anliegen, Theorie und Praxis mit dem Fokus auf einen multi- und interdisziplinären Ansatz eng miteinander zu verknüpfen, denn nur ein solches Grundverständnis wird den Herausforderungen der gerontopsychiatrischen Pflege gerecht.
Nicht nur für die Disziplin der Gerontopsychiatrie birgt zudem das Internet inzwischen einen großen Schatz an Informationen, sodass in den Buchbeiträgen immer wieder auf ergänzende Online-Beiträge verwiesen wird. Um schnell und unkompliziert auf diese zugreifen zu können, stellt der Thieme-Verlag Ihnen diesmal eine Link-Sammlung zur Verfügung, die Sie kostenlos herunterladen können unter: www.thieme.de/perrar-gerontopsychiatrie.
Die nun vorliegende 3. Auflage ist auch der Geduld und Expertise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Thieme Verlages zu verdanken – allen voran des Bereichsleiters und Programmplaners Dr. med. Dieter Schmid, der uns beharrlich motivierte, diese anspruchsvolle Aufgabe gut zu Ende zu bringen. Unsere Projektmanagerin und Redakteurin Laura Berghoff sowie ihre Vorgängerin Johanna Hämmerling haben ebenfalls sehr zum Gelingen unseres Werkes beigetragen. Bei allen Dreien möchten wir uns herzlich für die konstruktive und sehr fachkundige Zusammenarbeit bedanken.
Besonderer Dank gilt erneut Ronny, Wolfgang und Rosa für ihre Geduld, kontinuierliche Unterstützung und ihre Anregungen auch bei dieser 3. Auflage. Nicht vergessen möchten wir all jene uns teils persönlich bekannten und nahestehenden Menschen, die uns in den beiden vorangegangenen Auflagen auf vielen Fotos begleitet haben und von denen einige inzwischen verstorben sind. Sie haben dabei geholfen, die Auflagen mit Leben zu füllen, und hätten sich sicher mit uns über diese Neuauflage gefreut.
Abermals möchten wir uns bei den zahlreichen alten Menschen und ihren Angehörigen bedanken, die uns in all den Jahren die Tugenden der Gerontopsychiatrie vermittelt haben: Toleranz, Geduld, Zuversicht und Humor.
Wir hoffen, dass auch diese 3. Auflage den Leserinnen und Lesern ein guter Ratgeber und Wegbegleiter in der Pflege psychisch kranker alter Menschen sein wird.
Merzenich, Alpen und Wegberg-Wildenrathim Januar 2021
Wir danken den Bewohnerinnen und Bewohnern, deren Angehörigen sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Städtischen Seniorenheime Krefeld sehr herzlich für die Unterstützung bei den Fotoaufnahmen für dieses Buch.
Titelei
Vorwort
Dank
Teil I Teil I Allgemeine Aspekte der Gerontopsychiatrie
1 Aufgabengebiet der Gerontopsychiatrie
1.1 Altern als Prozess verstehen
1.2 Besonderheiten des alten Menschen beachten
1.3 Aufgaben interdisziplinär bewältigen
2 Gerontologische Grundlagen
2.1 Altern und Alterungsprozesse
2.1.1 Alter
2.1.2 Alterungsprozesse
2.1.3 Theorien des Alterns
2.1.4 Entwicklungspsychologische Konzepte
2.2 Körperliche Veränderungen im Alter
2.2.1 Haut und Haare
2.2.2 Bewegungsapparat
2.2.3 Herz-Kreislauf-System
2.2.4 Lunge
2.2.5 Niere, Leber und Gastrointestinaltrakt
2.2.6 Sinnesorgane
2.2.7 Das Konzept der Gebrechlichkeit
2.3 Psychische Veränderungen im Alter
2.3.1 Epidemiologie psychischer Störungen im Alter
2.3.2 Gedächtnisstörungen als Folge altersbedingter Veränderungen
2.3.3 Depression und Angst als Folge altersbedingter Veränderungen
2.3.4 Wahn und Halluzinationen als Folge altersbedingter Veränderungen
2.3.5 Schlafstörungen als Folge altersbedingter Veränderungen
2.4 Veränderungen der Sexualität im Alter
2.4.1 Altersbedingte Veränderungen
2.4.2 Störungen der Sexualität
2.5 Prävention
2.5.1 Resilienz
2.5.2 Salutogenese
2.5.3 Prävention durch Ernährung
2.5.4 Prävention durch körperliche Betätigung
2.5.5 Prävention durch geistige und soziale Aktivität
2.6 Lebensqualität und gesundes Altern
2.7 Soziologische und soziale Veränderungen im Alter
2.7.1 Demografischer Wandel
2.7.2 Soziale Herausforderungen
2.7.3 Verlust des Partners
2.8 Geschlechtsidentitäten sowie sexuelle Orientierungen und Alter(n)
2.8.1 Begriffsbestimmung
2.8.2 Lebenswege homosexueller Menschen
2.8.3 Empfehlungen für eine kultursensible Pflege
2.8.4 Projekte für ältere homosexuelle Menschen
2.9 Alter(n) und psychische Krankheit im spirituellen Kontext
2.9.1 Begriffsbestimmung
2.9.2 Alter(n) und Spiritualität
2.9.3 Religion, Spiritualität und gerontopsychiatrische Phänomene
2.9.4 Fazit
2.10 Psychisch kranke Menschen mit Migrationshintergrund im Alter
2.10.1 Begriffsbestimmung
2.10.2 Transkulturalität in der Pflege
2.10.3 Beachtung individueller Bedürfnisse
2.11 Geistige Behinderung im Alter
2.11.1 Begriffsbestimmung
2.11.2 Demografische Entwicklungen
2.11.3 Lebenserfahrungen und familiäre Situation
2.11.4 Gerontopsychiatrische Testverfahren für Menschen mit geistiger Behinderung
2.12 Wohnformen für Menschen mit psychischen Veränderungen
2.12.1 Bedeutung unterschiedlicher Wohnangebote
2.12.2 Wohnraumberatung/Case Management
2.12.3 Unterschiedliche Wohnangebote
3 Gerontopsychiatrische Diagnostik
3.1 Diagnostische Grundlagen
3.1.1 Grundlagen
3.1.2 Psychopathologie
3.1.3 Psychopathologische Grundbegriffe
3.1.4 Pflegerische Diagnostik
3.1.5 Psychometrie und Assessmentverfahren
3.1.6 Gerontopsychiatrische Pflegevisite
3.1.7 Fallkonferenzen
3.2 Spezielle medizinische Diagnostik
3.2.1 Laboruntersuchungen
3.2.2 Bildgebende Verfahren
3.2.3 Sonstige diagnostische Verfahren
3.3 Spezielle pflegerische Diagnostik
3.3.1 Neuropsychiatrisches Inventar
3.3.2 Nurses’ Observation Scale for Geriatric Patients
3.3.3 Dementia Care Mapping
3.3.4 Quality of life in dementia
3.3.5 Heidelberger Instrument zur Erfassung der Lebensqualität demenzkranker Menschen
3.3.6 Serial Trial Intervention
4 Gerontopsychiatrische Pflege
4.1 Besonderheiten gerontopsychiatrischer Pflege
4.1.1 Pflegerische Perspektiven im Wandel
4.1.2 Anforderungen an die pflegerische Versorgung
4.1.3 Gerontopsychiatrische Pflege als Beziehung
4.2 Evidence-based Nursing
4.2.1 Evidenz versus evidence
4.2.2 Gebündeltes Wissen nutzen
4.2.3 Suchen und finden
4.3 Pflegerelevante medizinische Leitlinien
4.3.1 S1-, S2- und S3-Leilinien
4.3.2 Nationale VersorgungsLeitlinien
4.3.3 Patientenleitlinien
4.3.4 Kritik
4.4 Pflegemodelle
4.4.1 Gerontopsychiatrische Pflege und Beziehung
4.4.2 Interaktionsmodell nach Peplau
4.4.3 Aktivitäten des täglichen Lebens
4.5 Interdisziplinarität und Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen
4.5.1 Gemeinsames Ziel
4.5.2 Kommunikation und Informationsfluss
4.6 Dokumentation
4.6.1 Dokumentationspflicht
4.6.2 Ziele der Dokumentation
4.6.3 Elemente der Dokumentation
4.6.4 Pflegeprozessplanung
4.6.5 Exemplarische Pflegeplanung
4.6.6 Strukturmodell zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation
4.7 Verantwortlichkeiten der Pflegefachperson
4.7.1 Verantwortungsbereiche
4.7.2 Anordnungs- und Durchführungsverantwortung
4.7.3 Ethische Verantwortung
4.8 Konzeptentwicklung und Qualitätssicherung
4.8.1 Qualität in der Pflege
4.8.2 Konzeptentwicklung
4.8.3 Prozess der ständigen Verbesserung
4.8.4 Zertifizierungsverfahren in der Altenpflege
4.8.5 Demenzlabel
4.8.6 MDK-Pflege-Benotungen
4.9 Qualitätsindikatoren
4.9.1 Von Kennzahlen zur Qualität
4.9.2 Aktuelle Indikatoren
4.9.3 Umsetzung
4.9.4 Ausblick
5 Prävention und Rehabilitation
5.1 Prävention
5.1.1 Nationale Präventionskonferenz
5.1.2 Prävention und Gesundheitsförderung in der Gerontopsychiatrie
5.2 Rehabilitation
5.2.1 Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit
5.2.2 Geriatrische Rehabilitation
5.2.3 Leistungen zur Rehabilitation
5.2.4 Leistungsbereiche der geriatrischen Rehabilitation
Teil II Teil II Ethische und rechtliche Grundlagen der Gerontopsychiatrie
6 Ethische Grundlagen
6.1 Was ist und will Ethik?
6.2 Formen ethischer Beratung
6.2.1 Ethikkomitee
6.2.2 Ethische Fallbesprechung
6.2.3 Ethikkommission
6.3 Ethische Kriterien zur Beurteilung von Handlungen
6.3.1 Biomedizinische Prinzipien
6.3.2 Würde
6.4 Ethische Problemstellungen in der Pflegepraxis
6.5 Instrumente zur ethischen Entscheidung und Reflexion
6.5.1 Entscheidungsfindungsmodelle
6.5.2 Reflexionsmodell
6.5.3 Wie verschaffe ich der Pflegepraxis Gehör?
7 Aggression und Gewalt
7.1 Definitionen und Theorien
7.1.1 Definitionen von Gewalt und Aggression
7.1.2 Gewalt- und Aggressionstheorien
7.2 Ursachen und Wahrnehmung von Gewalt
7.3 Professionelles Handeln bei Gewalt
7.4 Gewalt begegnen
7.4.1 Gewaltfelder
7.4.2 Gewalt einschätzen
7.4.3 Handlungsleitsätze
7.4.4 S3-Leitlinie „Verhinderung von Zwang: Prävention und Therapie aggressiven Verhaltens bei Erwachsenen“
8 Rechtliche Grundlagen
8.1 Einwilligung in die Therapie
8.1.1 Aufklärung
8.1.2 Recht auf Unversehrtheit
8.1.3 Behandlungsvereinbarungen
8.1.4 Rechtfertigender Notstand
8.2 Betreuung und Vorsorgevollmacht
8.2.1 Betreuungsrecht
8.2.2 Vorsorgevollmacht
8.2.3 Betreuungsverfügung
8.2.4 Beendigung einer Betreuung
8.2.5 Novellierung des Betreuungsrechts
8.3 Patientenverfügung
8.3.1 Inhalt der Patientenverfügung
8.3.2 Rechtliche Grundlage
8.3.3 Verbindlichkeit
8.4 Testierfähigkeit
8.5 Freiheitseinschränkende Maßnahmen und Unterbringung
8.5.1 Rechtliche Aspekte
8.5.2 Ursachen freiheitseinschränkender Maßnahmen
8.5.3 Formen freiheitseinschränkender Maßnahmen
8.5.4 Risiken freiheitseinschränkender Maßnahmen
8.5.5 Einsatz freiheitseinschränkender Maßnahmen
8.5.6 Dokumentation freiheitseinschränkender Maßnahmen
8.5.7 Durchführung von freiheitseinschränkenden Maßnahmen
8.5.8 Die besondere Situation für Bewohner
8.5.9 Alternativen zu freiheitseinschränkenden Maßnahmen
9 Leistungsrecht
9.1 Pflegeversicherung
9.1.1 Rückblick und Ausblick
9.1.2 Das neue Verständnis von Pflegebedürftigkeit
9.1.3 Leistungen
9.1.4 Differenzierung des Hilfebedarfs nach § 43b und § 45a SGB XI
9.2 Beispiele sonstiger relevanter Leistungen
9.2.1 Weitere Leistungen der Krankenkasse
9.2.2 Wohn- und Teilhabegesetz am Beispiel von NRW
Teil III Teil III Gerontopsychiatrische Krankheitslehre
10 Organische psychische Störungen
10.1 Demenzen
10.1.1 Symptomatik
10.1.2 Epidemiologie
10.1.3 Diagnostik
10.1.4 Einteilung der Demenz
10.1.5 Demenztypen
10.1.6 Demenz und geistige Behinderung
10.1.7 Differenzialdiagnostik
10.1.8 Therapie der Demenzen
10.1.9 Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“
10.1.10 Demenz und LSBTI
10.1.11 Nationale Demenzstrategie
10.1.12 Demenz und Corona
10.1.13 Demenz und Fahrtüchtigkeit
10.1.14 Bedürfnisse von Menschen mit schwerer Demenz am Lebensende
10.2 Pflegeschwerpunkt Demenz
10.2.1 Psychische und physische Beeinträchtigungen
10.2.2 Krankheitsbedingte Alltagsprobleme
10.2.3 Pflegeanamnese/Pflegeassessment/Pflegediagnosen
10.2.4 Beziehung/Haltung
10.2.5 Kommunikation/Verhalten
10.2.6 Pflegerische Interventionen
10.2.7 Sicherheit/rechtliche Aspekte
10.2.8 Fördern von Ressourcen
10.2.9 Prävention
10.3 Patienten mit Demenz im somatischen Krankenhaus
10.4 Delir
10.4.1 Symptomatik
10.4.2 Krankheitsursachen
10.4.3 Diagnostik
10.4.4 Differenzialdiagnostik
10.4.5 Therapie und Prophylaxe
10.4.6 Dauer des Delirs
10.4.7 Modellprojekte zur Prävention und Behandlung des Delirs
10.5 Pflegeschwerpunkt Delir
10.5.1 Psychische und physische Beeinträchtigungen
10.5.2 Pflegeanamnese/Pflegeassessment/Pflegediagnosen
10.5.3 Beziehung/Haltung und Kommunikation/Verhalten
10.5.4 Pflegerische Interventionen
10.5.5 Sicherheit/rechtliche Aspekte
10.5.6 Prävention
11 Abhängigkeitserkrankungen
11.1 Alkoholabhängigkeit
11.1.1 Akute Alkoholintoxikation
11.1.2 Entzugssyndrom
11.1.3 Wernicke-Enzephalopathie
11.1.4 Korsakow-Syndrom
11.1.5 Polyneuropathie
11.1.6 Therapie
11.2 Pflegeschwerpunkt Alkoholabhängigkeit
11.2.1 Psychische und physische Beeinträchtigungen
11.2.2 Krankheitsbedingte Alltagsprobleme
11.2.3 Pflegeanamnese/Pflegeassessment/Pflegediagnosen
11.2.4 Beziehung/Haltung
11.2.5 Kommunikation/Verhalten
11.2.6 Pflegerische Interventionen
11.2.7 Sicherheit/rechtliche Aspekte
11.2.8 Fördern von Ressourcen
11.2.9 Prävention
11.3 Medikamentenabhängigkeit
11.3.1 Entzugssyndrom
11.3.2 Therapie
11.4 Pflegeschwerpunkt Medikamentenabhängigkeit
11.4.1 Psychische und physische Beeinträchtigungen
11.4.2 Krankheitsbedingte Alltagsprobleme
11.4.3 Pflegeanamnese/Pflegeassessment/Pflegediagnosen
11.4.4 Beziehung/Haltung
11.4.5 Kommunikation/Verhalten
11.4.6 Pflegerische Interventionen
11.4.7 Sicherheit/rechtliche Aspekte
11.4.8 Fördern von Ressourcen
11.4.9 Prävention
11.5 Drogenabhängigkeit
12 Schizophrene Psychosen, wahnhafte Störungen und Halluzinosen
12.1 Spät beginnende Schizophrenie
12.1.1 Symptomatik
12.1.2 Krankheitsursachen
12.1.3 Therapie
12.2 Chronische Schizophrenie und Residualzustände
12.2.1 Diagnostik
12.2.2 Therapie
12.3 Seltene isolierte Wahnformen und Halluzinosen
12.4 Wahnhafte oder halluzinatorische Symptome durch körperliche Ursachen
12.4.1 Diagnostik
12.4.2 Körperliche Ursachen
12.4.3 Therapie
12.5 Pflegeschwerpunkt schizophrene Psychosen
12.5.1 Psychische und physische Beeinträchtigungen
12.5.2 Krankheitsbedingte Alltagsprobleme
12.5.3 Pflegeanamnese/Pflegeassessment/Pflegediagnosen
12.5.4 Beziehung/Haltung
12.5.5 Kommunikation/Verhalten
12.5.6 Pflegerische Interventionen
12.5.7 Sicherheit/rechtliche Aspekte
12.5.8 Fördern von Ressourcen
13 Affektive Störungen
13.1 Depression und depressive Störungen
13.1.1 Symptomatik
13.1.2 Epidemiologie
13.1.3 Verläufe
13.1.4 Krankheitsursachen
13.1.5 Diagnostik
13.1.6 Abgrenzung zu Trauer
13.1.7 Suizidalität
13.1.8 Therapie
13.2 Pflegeschwerpunkt Depression
13.2.1 Physische und psychische Beeinträchtigungen
13.2.2 Krankheitsbedingte Alltagsprobleme
13.2.3 Pflegeanamnese/Pflegeassessment/Pflegediagnosen
13.2.4 Beziehung/Haltung
13.2.5 Kommunikation/Verhalten
13.2.6 Pflegerische Interventionen
13.2.7 Sicherheit/rechtliche Aspekte
13.2.8 Fördern von Ressourcen
13.2.9 Prävention
13.3 Manie und manische Störungen
13.3.1 Symptomatik
13.3.2 Epidemiologie
13.3.3 Krankheitsursachen
13.3.4 Diagnostik
13.3.5 Manische Symptome durch körperliche Ursachen
13.3.6 Therapie
13.4 Pflegeschwerpunkt Manie
13.4.1 Psychische und physische Beeinträchtigungen
13.4.2 Krankheitsbedingte Alltagsprobleme
13.4.3 Pflegeanamnese/Pflegeassessment/Pflegediagnosen
13.4.4 Beziehung/Haltung
13.4.5 Kommunikation/Verhalten
13.4.6 Pflegerische Interventionen
13.4.7 Sicherheit/rechtliche Aspekte
13.4.8 Fördern von Ressourcen
13.4.9 Prävention
13.5 Bipolare Störungen
13.5.1 Symptomatik
13.5.2 Epidemiologie
13.5.3 Verlauf
13.5.4 Therapie
13.6 Pflegeschwerpunkt bipolare Störung
14 Angst-, Zwangs- und Anpassungsstörungen
14.1 Angststörungen
14.1.1 Phobische Störungen
14.1.2 Andere Angststörungen
14.1.3 Angstsymptomatik bei körperlichen Erkrankungen
14.1.4 Therapie
14.2 Pflegeschwerpunkt Angststörungen
14.2.1 Krankheitsbedingte Alltagsprobleme
14.2.2 Pflegeanamnese/Pflegeassessment/Pflegediagnosen
14.2.3 Beziehung/Haltung und Kommunikation/Verhalten
14.2.4 Pflegerische Interventionen
14.2.5 Prävention
14.3 Zwangsstörungen
14.3.1 Symptomatik
14.3.2 Therapie
14.4 Pflegeschwerpunkt Zwangsstörungen
14.4.1 Psychische und physische Beeinträchtigungen
14.4.2 Krankheitsbedingte Alltagsprobleme
14.4.3 Pflegeanamnese/Pflegeassessment/Pflegediagnosen
14.4.4 Beziehung/Haltung
14.4.5 Kommunikation/Verhalten
14.4.6 Pflegerische Interventionen
14.4.7 Sicherheit/rechtliche Aspekte
14.4.8 Fördern von Ressourcen
14.4.9 Prävention
14.5 Anpassungsstörungen und Belastungsreaktionen
14.5.1 Anpassungsstörungen
14.5.2 Akute Belastungsreaktion
14.5.3 Posttraumatische Belastungsstörung
14.5.4 Therapie
14.6 Pflegeschwerpunkt Anpassungsstörungen
14.6.1 Psychische und physische Beeinträchtigungen
14.6.2 Krankheitsbedingte Alltagsprobleme
14.6.3 Pflegeanamnese/Pflegeassessment/Pflegediagnosen
14.6.4 Beziehung/Haltung
14.6.5 Kommunikation/Verhalten
14.6.6 Pflegerische Interventionen
14.6.7 Sicherheit/rechtliche Aspekte
14.6.8 Fördern von Ressourcen
14.6.9 Prävention
15 Nichtorganische Schlafstörungen
15.1 Einteilung der Schlafstörungen
15.1.1 Inadäquater Umgang mit dem Schlaf
15.1.2 Störungen des zirkadianen Rhythmus
15.1.3 Einnahme von schlafstörenden Substanzen
15.1.4 Symptom einer psychiatrischen Erkrankung
15.1.5 Symptom einer organischen Erkrankung
15.1.6 Schlafapnoe-Syndrom
15.1.7 Restless-Legs-Syndrom
15.2 Auswirkungen der Schlafstörungen
15.3 Therapie
15.3.1 Medikamentöse Therapie
15.3.2 Lichttherapie
15.4 Pflegeschwerpunkt Schlaf
15.4.1 Psychische und physische Beeinträchtigungen
15.4.2 Krankheitsbedingte Alltagsprobleme
15.4.3 Pflegeanamnese, Pflegeassessment, Pflegediagnosen
15.4.4 Beziehung/Haltung
15.4.5 Kommunikation/Verhalten
15.4.6 Pflegerische Interventionen
15.4.7 Sicherheit/rechtliche Aspekte
15.4.8 Fördern von Ressourcen
15.4.9 Prävention
16 Persönlichkeitsstörungen
16.1 Symptomatik
16.2 Einteilung der Persönlichkeitsstörungen
16.3 Therapie
16.4 Pflegeschwerpunkt Persönlichkeitsstörungen
16.4.1 Psychische und physische Beeinträchtigungen
16.4.2 Krankheitsbedingte Alltagsprobleme
16.4.3 Pflegeanamnese/Pflegeassessment/Pflegediagnosen
16.4.4 Beziehung/Haltung
16.4.5 Kommunikation/Verhalten
16.4.6 Pflegerische Interventionen
16.4.7 Sicherheit/rechtlicher Aspekt
16.4.8 Fördern von Ressourcen
16.4.9 Prävention
Teil IV Teil IV Strategien und Konzepte in der Gerontopsychiatrie
17 Spezielle Prophylaxen
17.1 Deprivation
17.1.1 Begriffsbestimmung
17.1.2 Beschreibung des Phänomens
17.1.3 Ursachen für Verluste im Bereich des Sinnesapparates
17.1.4 Risikoerfassung
17.1.5 Ziele im Umgang mit Deprivation
17.1.6 Pflegeinterventionen
17.2 Schmerz
17.2.1 Begriffsbestimmung
17.2.2 Beschreibung des Phänomens
17.2.3 Schmerzerfassung
17.3 Sturz
17.3.1 Begriffsbestimmung
17.3.2 Beschreibung des Phänomens
17.3.3 Risikoerfassung
17.3.4 Pflegeinterventionen
17.4 Erhalten und Fördern der Mobilität
17.4.1 Begriffsbestimmung
17.4.2 Beschreibung des Phänomens
17.4.3 Einschätzung von Mobilität
17.4.4 Information und Beratung
17.4.5 Pflegeinterventionen
17.5 Mangelernährung und Dehydratation
17.5.1 Begriffsbestimmung
17.5.2 Beschreibung des Phänomens
17.5.3 Risikoerfassung der Ernährungsdefizite
17.5.4 Risikoerfassung der Dehydratation
17.5.5 Pflegeinterventionen
17.5.6 Rechtliche Aspekte
17.6 Förderung der Harnkontinenz
17.6.1 Begriffsbestimmung
17.6.2 Beschreibung des Phänomens
17.6.3 Formen der Harninkontinenz und Kontinenzprofile
17.6.4 Pflegeinterventionen
18 Therapeutische Verfahren
18.1 Ergotherapie
18.1.1 Ergotherapeutische Arbeitsbereiche
18.1.2 Leistungsbeschreibung in der ambulanten Ergotherapie
18.1.3 Ergotherapie in der teil- oder vollstationären Betreuung
18.1.4 Ergotherapeutische Angebote
18.1.5 Therapeutische Grundhaltung in der gerontopsychiatrischen Versorgung
18.1.6 Die Zukunft der Ergotherapie im demografischen Wandel
18.2 Logopädie
18.2.1 Zielgruppen
18.2.2 Ziele
18.2.3 Wirkung
18.2.4 Methoden bei Kommunikationsstörungen
18.2.5 Methoden bei Dysphagie
18.3 Physiotherapie
18.3.1 Zielgruppen
18.3.2 Ziele
18.3.3 Wirkung
18.3.4 Methoden
18.4 Musiktherapie
18.4.1 Wirkungen der Musik
18.4.2 Anwendung bei Menschen mit Demenz
18.5 Kunsttherapie
18.5.1 Zielgruppen
18.5.2 Ziele
18.5.3 Wirkung
18.5.4 Methoden
18.6 Psychotherapie
18.6.1 Tiefenpsychologisch begründete bzw. psychoanalytische Verfahren
18.6.2 Verhaltenstherapeutische Verfahren
18.6.3 Systemische Verfahren
18.6.4 Unterstützende Verfahren
18.7 Naturheilverfahren und Homöopathie
18.7.1 Naturheilverfahren
18.7.2 Homöopathie
19 Weitere nicht medikamentöse Verfahren, Zugänge und Konzepte
19.1 Kognitive Verfahren
19.1.1 Realitätsorientierungstraining
19.1.2 Kognitives Training/Gedächtnistraining
19.2 Kommunikative Zugänge
19.2.1 Allgemeine Prinzipien der helfenden Kommunikation
19.2.2 Basale Kommunikation nach Mall
19.2.3 Kommunikation mit Handpuppen
19.2.4 Kommunikation mit Menschen mit Demenz: kein Buch mit 7 Siegeln
19.2.5 Validation
19.3 Sensorische Verfahren
19.3.1 Basale Stimulation
19.3.2 Snoezelen
19.3.3 Atemstimulierende Einreibung
19.3.4 Aromapflege
19.4 Biografische Zugänge
19.4.1 Biografiearbeit
19.4.2 Reminiszenztherapie
19.5 10-Minuten-Aktivierung
19.5.1 Konzept
19.5.2 Ziele
19.5.3 Durchführung
19.5.4 Hilfsmittel
19.6 Bibliotherapie
19.6.1 Konzept
19.6.2 Ziele
19.6.3 Durchführung
19.7 Kynotherapie
19.7.1 Konzept
19.7.2 Ziele
19.7.3 Durchführung
19.8 Humor
19.8.1 Humoranamnese
19.8.2 Humorinterventionen
19.9 Mehrdimensionale Zugänge
19.9.1 Mäeutik
19.9.2 Selbsterhaltungstherapie
19.9.3 Psychobiografisches Modell nach Böhm
19.9.4 Demenz-Balance-Modell
19.9.5 Die Marte-Meo-Methode
19.10 Milieugestaltung
19.10.1 Grundlagen
19.10.2 Räumliche Umgebung
19.10.3 Lichtgestaltung
19.10.4 Farbgestaltung
19.10.5 Küchengestaltung
19.10.6 Gestaltung von Freibereichen
19.10.7 Umgebung als Quelle taktiler Reize
19.10.8 Tiere als Teil der sozialen Umgebung
19.11 Spirituelle Zugänge
19.11.1 Spirituelle Anamnese
19.11.2 Spirituelle Zugänge für gerontopsychiatrische Erkrankte
19.11.3 Formen spiritueller Stützung für Personen mit Pflegebedarf
19.11.4 Spirituelle Bedürfnisse des sozialen Umfeldes
19.11.5 Spirituelle Selbstsorge beteiligter Professionen
19.12 Einsatz technischer Hilfsmittel
19.12.1 Sicherungssysteme für die eigene Häuslichkeit
19.12.2 Erhalt der Selbstständigkeit
19.12.3 Hilfen bei der Kommunikation
19.12.4 Körperliche Unterstützung
19.12.5 Monitoring
19.12.6 Unterstützung bei der Dokumentation
19.12.7 Roboter
19.13 Evidenzbasierung der nicht medikamentösen Verfahren
20 Pharmakotherapie
20.1 Grundlagen der Pharmakologie im Alter
20.1.1 Wirkprinzipien der Psychopharmaka
20.1.2 Veränderter Wirkprozess
20.1.3 Problem der Polypharmazie
20.1.4 Medikamentenempfindlichkeit und inadäquate Verordnung
20.1.5 Praktische Probleme
20.1.6 Medikamente in der Pflege
20.1.7 Zwangsmedikation
20.1.8 10 Regeln für den Einsatz von Psychopharmaka
20.2 Allgemeine Vorbemerkung zu den Medikamentengruppen
20.3 Medikamente gegen Demenz
20.3.1 Acetylcholinesterasehemmer
20.3.2 Glutamat-Modulator
20.3.3 Kombination Acetylcholinesterasehemmer mit Memantin
20.3.4 Ginkgo Biloba
20.3.5 Sonstige Wirkstoffe
20.4 Medikamente gegen affektive Störungen
20.4.1 Medikamente gegen depressive Episoden
20.4.2 Medikamente gegen manische Episoden
20.4.3 Medikamente gegen bipolare Verläufe/Phasenprophylaktika
20.5 Medikamente gegen psychotische Störungen
20.5.1 Unerwünschte Wirkungen
20.5.2 Antipsychotika bei Demenz
20.6 Medikamente gegen Angst
20.7 Medikamente gegen Hyperaktivität bei Demenz
20.7.1 Antidementiva
20.7.2 Antipsychotika
20.7.3 Antikonvulsiva
20.7.4 Antidepressiva
20.7.5 Medikamente bei Hyperaktivität bei sonstigen Krankheitsbildern oder Syndromen
20.7.6 Akathisie – Sitzunruhe bedingt durch die medikamentöse Therapie
20.8 Medikamente gegen Schlafstörungen
20.8.1 Nichtbenzodiazepinhypnotika
20.8.2 Benzodiazepinhypnotika
20.8.3 Niederpotente Antipsychotika
20.8.4 Sedierende Antidepressiva
20.8.5 Sonstige Medikamente
20.9 Medikamente gegen Schmerz
20.9.1 Schmerzcharakteristik
20.9.2 Auswahl der Medikamente anhand des WHO-Stufenplans
20.9.3 Therapie mit Opioiden
20.9.4 Ko-Analgetika
20.9.5 Regeln für eine suffiziente Schmerztherapie
20.9.6 Spezifika der Dauertherapie
20.10 Absetzen von Psychopharmaka
20.11 Evidenzbasierung der Behandlung mit Psychopharmaka im Alter
21 Hospizbewegung und Palliativversorgung
21.1 Die Hospizbewegung
21.2 Formen der Hospizdienste
21.2.1 Hospizdienste
21.2.2 Stationäre Hospize
21.3 Palliative Care/Palliativpflege/Palliativmedizin
21.3.1 Formen der Palliativversorgung
21.3.2 Palliativversorgung in stationären Pflegeeinrichtungen
21.4 Hospizliche und palliative Versorgung in der Gerontopsychiatrie
21.4.1 Herausforderungen
21.4.2 Konkrete Maßnahmen
21.4.3 Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen
21.4.4 Begleitung der Mitarbeiter
21.5 Ethische und rechtliche Aspekte der Sterbebegleitung
21.5.1 Hilfe zum Sterben – Hilfe beim Sterben
21.5.2 Palliative Sedierung
21.6 Todeswünsche
21.6.1 Bedeutung von Todeswünschen
21.6.2 Risikofaktoren für Todeswünsche
21.6.3 Funktionen von Todeswünschen
21.6.4 Schulungsprogramm
21.6.5 Umgang mit Todeswünschen
21.7 Palliativversorgung von Menschen mit Demenz
21.7.1 Die hospizliche und palliative Begleitung von Menschen mit Demenz
21.7.2 Demenz und Sterben
21.7.3 Palliative Aspekte in der Versorgung von Menschen mit Demenz
21.7.4 Ethische Fallbesprechungen
21.7.5 Kölner Arbeitshilfe zur bedürfnisorientierten Versorgung von Menschen mit schwerer Demenz
21.7.6 Die Gestaltung der Begleitung und der Umgebung
21.7.7 Luzide Ereignisse
21.7.8 Hospize als Ort des Sterbens für Menschen mit Demenz?
21.7.9 Schlussfolgerungen
22 Kooperation und Vernetzung
22.1 Angehörige
22.2 Selbsthilfegruppen
22.3 Versorgungsstrukturen
22.3.1 Ambulante Dienste
22.3.2 Gedächtnisambulanzen
22.3.3 Tageskliniken
22.3.4 Gerontopsychiatrische Zentren
22.3.5 Gerontopsychiatrische Abteilungen
22.3.6 Zentren für Altersmedizin
22.3.7 Pflegeberatungsstellen
22.4 Social Media
22.5 Interkollegiale Zusammenarbeit
22.5.1 Kollegiale Beratung
22.5.2 Coaching
22.5.3 Supervision
22.6 Überleitungspflege und Entlassmanagement
23 Gerontopsychiatrische Pflege unter den Bedingungen der COVID-19-Pandemie
23.1 Situation und Probleme durch Isolation und Quarantäne
23.2 Schlüsselfragen der S1-Leitlinie
23.3 Infektionsschutz und Wahrung der Würde
23.3.1 Zugang zu bedarfsgerechten Angeboten der Gesundheitsversorgung
23.3.2 Behandlungspräferenz der Bewohner
23.3.3 Gestaltung der Quarantäne
23.3.4 Angebote und sinnstiftende Alltagsgestaltung
23.3.5 Angebote zur Bewegungsförderung
23.3.6 Ernährungsangebote
23.3.7 Eingeschränkte Kommunikation durch Mund-Nasen-Schutz
23.3.8 Kommunikationskonzepte
23.3.9 Unterstützung der Mitarbeiter
23.3.10 Weitere Maßnahmen
24 Verhalten in psychiatrischen Notfällen
24.1 Akute Verschlechterung einer paranoiden oder manischen Psychose
24.2 Erregungszustände/Aggressivität
24.3 Leitsätze im Umgang mit aggressivem Verhalten
24.4 Akuter Verwirrtheitszustand/Delir
24.5 Depression mit Suizidalität
24.6 Nachsorge bei psychiatrischen Notfällen
25 Selbstpflege
25.1 Das Selbstpflegeblatt
25.2 Strategien der Selbstpflege
25.2.1 Lockerungsübungen
25.2.2 Entlastende innere Bilder
25.2.3 Veränderung des Zeitdruckgefühls
25.2.4 Pausenkultur
25.2.5 Sportliche Betätigung
Teil V Teil V Spezielle Situationen in der Gerontopsychiatrie
26 Fallbeispiele zu speziellen Situationen
26.1 Anliegen der Fallbeispiele
26.2 Fallbeispiel: Hin- und Weglauftendenzen
26.2.1 Informationen zur Betroffenen
26.2.2 Informationen zum Umfeld
26.2.3 Beschreibung der Symptome
26.2.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.2.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.2.6 Pflegediagnosen
26.2.7 Probleme und Ressourcen
26.2.8 Pflegeziele
26.2.9 Pflegerische Interventionen
26.2.10 Evaluation
26.3 Fallbeispiel: Ablehnung pflegerischer Handlungen
26.3.1 Informationen zum Betroffenen
26.3.2 Informationen zum Umfeld
26.3.3 Beschreibung der Symptome
26.3.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.3.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.3.6 Pflegediagnosen
26.3.7 Probleme und Ressourcen
26.3.8 Pflegeziele
26.3.9 Pflegerische und medizinische Interventionen
26.3.10 Evaluation
26.4 Fallbeispiel: Unruhezustände und zielloses Wandern
26.4.1 Informationen zum Betroffenen
26.4.2 Informationen zum Umfeld
26.4.3 Beschreibung der Symptome
26.4.4 Situation aus Sicht anderer Beteiligter
26.4.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.4.6 Pflegediagnosen
26.4.7 Probleme und Ressourcen
26.4.8 Pflegeziele
26.4.9 Pflegerische Interventionen
26.4.10 Evaluation
26.5 Fallbeispiel: Nahrungsverweigerung
26.5.1 Informationen zur Betroffenen
26.5.2 Informationen zum Umfeld
26.5.3 Beschreibung der Symptome
26.5.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.5.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.5.6 Pflegediagnosen
26.5.7 Probleme und Ressourcen
26.5.8 Pflegeziele
26.5.9 Pflegerische Interventionen
26.5.10 Evaluation
26.6 Fallbeispiel: Kotschmieren
26.6.1 Informationen zum Betroffenen
26.6.2 Informationen zum Umfeld
26.6.3 Beschreibung der Symptome
26.6.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.6.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.6.6 Pflegediagnosen
26.6.7 Probleme und Ressourcen
26.6.8 Pflegeziele
26.6.9 Pflegerische Interventionen
26.6.10 Evaluation
26.7 Fallbeispiel: Apathie
26.7.1 Informationen zur Betroffenen
26.7.2 Informationen zum Umfeld
26.7.3 Beschreibung der Symptome
26.7.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.7.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.7.6 Pflegediagnosen
26.7.7 Probleme und Ressourcen
26.7.8 Pflegeziele
26.7.9 Pflegerische Intervention
26.7.10 Evaluation
26.8 Fallbeispiel: Akute Verwirrtheit
26.8.1 Informationen zum Betroffenen
26.8.2 Informationen zum Umfeld
26.8.3 Beschreibung der Symptome
26.8.4 Situation aus Sicht anderer Beteiligter
26.8.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.8.6 Pflegediagnosen
26.8.7 Probleme und Ressourcen
26.8.8 Pflegeziele
26.8.9 Pflegerische Interventionen
26.8.10 Evaluation
26.9 Fallbeispiel: Alkoholabhängigkeit
26.9.1 Informationen zum Betroffenen
26.9.2 Informationen zum Umfeld
26.9.3 Beschreibung der Symptome
26.9.4 Situation aus Sicht anderer Beteiligter
26.9.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.9.6 Pflegediagnosen
26.9.7 Probleme und Ressourcen
26.9.8 Pflegeziele
26.9.9 Pflegerische Interventionen
26.9.10 Evaluation
26.10 Fallbeispiel: Halluzination und Wahn
26.10.1 Informationen zur Betroffenen
26.10.2 Informationen zum Umfeld
26.10.3 Beschreibung der Symptome
26.10.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.10.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.10.6 Pflegediagnosen
26.10.7 Probleme und Ressourcen
26.10.8 Pflegeziele
26.10.9 Pflegerische Interventionen
26.10.10 Evaluation
26.11 Fallbeispiel: Depressives Erleben und Suizidalität
26.11.1 Informationen zum Betroffenen
26.11.2 Informationen zum Umfeld
26.11.3 Beschreibung der Symptome
26.11.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.11.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.11.6 Pflegediagnosen
26.11.7 Probleme und Ressourcen
26.11.8 Pflegeziele
26.11.9 Interventionen
26.11.10 Evaluation
26.12 Fallbeispiel: Manie und übergriffiges Verhalten
26.12.1 Informationen zum Betroffenen
26.12.2 Informationen zum Umfeld
26.12.3 Beschreibung der Symptome
26.12.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.12.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.12.6 Pflegediagnosen
26.12.7 Probleme und Ressourcen
26.12.8 Pflegeziele
26.12.9 Pflegerische Interventionen
26.12.10 Evaluation
26.13 Fallbeispiel: Angststörung
26.13.1 Informationen zur Betroffenen
26.13.2 Informationen zum Umfeld
26.13.3 Beschreibung der Symptome
26.13.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.13.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.13.6 Pflegediagnosen
26.13.7 Probleme und Ressourcen
26.13.8 Pflegeziele
26.13.9 Pflegerische Interventionen
26.13.10 Evaluation
26.14 Fallbeispiel: Anpassungsstörung
26.14.1 Informationen zum Betroffenen
26.14.2 Informationen zum Umfeld
26.14.3 Beschreibung der Symptome
26.14.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.14.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.14.6 Pflegediagnosen
26.14.7 Probleme und Ressourcen
26.14.8 Pflegeziele
26.14.9 Pflegerische Interventionen
26.14.10 Evaluation
26.15 Fallbeispiel: Störungen des Schlafs
26.15.1 Informationen zum Betroffenen
26.15.2 Informationen zum Umfeld
26.15.3 Beschreibung der Symptome
26.15.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.15.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.15.6 Pflegediagnose
26.15.7 Probleme und Ressourcen
26.15.8 Pflegeziele
26.15.9 Pflegerische Interventionen
26.15.10 Evaluation
26.16 Fallbeispiel: Menschen mit geistiger Behinderung
26.16.1 Informationen zum Betroffenen
26.16.2 Informationen zum Umfeld
26.16.3 Beschreibung der Symptome
26.16.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.16.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.16.6 Pflegediagnosen
26.16.7 Probleme und Ressourcen
26.16.8 Pflegeziele
26.16.9 Pflegerische Interventionen
26.16.10 Evaluation
26.17 Fallbeispiel: Sensorische Deprivation – Ständiges Rufen und Fragen
26.17.1 Informationen zur Betroffenen
26.17.2 Informationen zum Umfeld
26.17.3 Beschreibung der Symptome
26.17.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.17.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.17.6 Pflegediagnosen
26.17.7 Probleme und Ressourcen
26.17.8 Pflegeziele
26.17.9 Pflegerische Interventionen
26.17.10 Evaluation
26.18 Fallbeispiel: Schmerzen
26.18.1 Informationen zur Betroffenen
26.18.2 Informationen zum Umfeld
26.18.3 Beschreibung der Symptome
26.18.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.18.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.18.6 Pflegediagnosen
26.18.7 Probleme und Ressourcen
26.18.8 Pflegeziele
26.18.9 Pflegerische Interventionen
26.18.10 Evaluation
26.19 Fallbeispiel: Einschränkung der Mobilität – Sturz
26.19.1 Informationen zur Betroffenen
26.19.2 Informationen zum Umfeld
26.19.3 Beschreibung der Symptome
26.19.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.19.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.19.6 Pflegediagnosen
26.19.7 Probleme und Ressourcen
26.19.8 Pflegeziele
26.19.9 Pflegerische Interventionen
26.19.10 Evaluation
26.20 Fallbeispiel: Mangelernährung
26.20.1 Informationen zum Betroffenen
26.20.2 Informationen zum Umfeld
26.20.3 Beschreibung der Symptome
26.20.4 Situation aus der Sicht der Beteiligten
26.20.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.20.6 Pflegediagnosen
26.20.7 Probleme und Ressourcen
26.20.8 Pflegeziele
26.20.9 Pflegerische Interventionen
26.20.10 Evaluation
26.21 Fallbeispiel: Dehydratation
26.21.1 Informationen zur Betroffenen
26.21.2 Informationen zum Umfeld
26.21.3 Beschreibung der Symptome
26.21.4 Situation aus der Sicht anderer Beteiligter
26.21.5 Medizinische und pflegerische Diagnostik
26.21.6 Pflegediagnosen
26.21.7 Probleme und Ressourcen
26.21.8 Pflegeziele
26.21.9 Pflegerische Interventionen
26.21.10 Evaluation
26.22 Fallbeispiel: Palliative Versorgung
26.22.1 Informationen zur Betroffenen
26.22.2 Informationen zum Umfeld
26.22.3 Beschreibung der Symptome
26.22.4 Situation aus Sicht anderer Beteiligter
26.22.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.22.6 Pflegediagnosen
26.22.7 Probleme und Ressourcen
26.22.8 Pflegeziele
26.22.9 Pflegerische Interventionen
26.22.10 Evaluation
26.23 Fallbeispiel: Gewalttätiges Verhalten
26.23.1 Informationen zur Betroffenen
26.23.2 Informationen zum Umfeld
26.23.3 Beschreibung der Symptome
26.23.4 Situation aus Sicht anderer Beteiligter
26.23.5 Pflegerische und medizinische Diagnostik
26.23.6 Pflegediagnose
26.23.7 Probleme und Ressourcen
26.23.8 Pflegeziele
26.23.9 Pflegerische Interventionen
26.23.10 Evaluation
Teil VI Anhang
27 Abkürzungen
28 Glossar
29 Literatur
Autorenvorstellung
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum/Access Code
1 Aufgabengebiet der Gerontopsychiatrie
2 Gerontologische Grundlagen
3 Gerontopsychiatrische Diagnostik
4 Gerontopsychiatrische Pflege
5 Prävention und Rehabilitation
Quelle: © K. Oborny/Thieme Group |
Die Gerontopsychiatrie – auch Psychogeriatrie oder psychiatrische Geriatrie genannt – hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Diese Entwicklung ist einerseits das Resultat der demografischen Veränderungen, da nicht nur in Deutschland, sondern in allen Industrienationen mit der steigenden Zahl alter Menschen auch die Anzahl derer wächst, die an psychischen Erkrankungen leiden ( ▶ Abb. 1.1). Andererseits spiegelt sich in dieser zunehmenden Bedeutung auch die Eigenständigkeit einer medizinischen Fachdisziplin wider, die sich speziell den Besonderheiten des psychisch kranken alten Menschen und dessen Pflege und Behandlung sowie seiner psychosozialen Betreuung widmet.
Demografische Entwicklung.
Abb. 1.1 An der Entwicklung der Altersstruktur der Bevölkerung wird die zunehmende Bedeutung der Gerontopsychiatrie deutlich.
(Quelle: © Statistisches Bundesamt (Destatis), 2020)
Die Gerontopsychiatrie versteht Alter bzw. Altern als einen mehrdimensionalen Prozess des So-Geworden-Seins und des allmählichen Wandels menschlichen Lebens in seiner 2. Lebenshälfte. Psychische Krankheit wird, mehr noch als in der Erwachsenenpsychiatrie oder ihrer Schwesterdisziplin, der Geriatrie, als ein körperlicher und seelischer Prozess gesehen. Folglich muss der alte Mensch in Hinblick auf Diagnostik und Therapie psychischer Störungen in der Gesamtheit seiner biologischen, psychischen, lebensgeschichtlichen sowie sozialen Bezüge und Veränderungen betrachtet werden.
Definition
Unter der Gerontologie wird die Alterskunde, unter der Geriatrie die Altersheilkunst (meist mit internistischer Ausrichtung) verstanden. Die Gerontopsychiatrie ist die Disziplin, die sich mit den psychiatrischen Erkrankungen des Alters befasst.
Obwohl in den Klassifikationen der psychischen Krankheiten – und auch in zahlreichen medizinischen Leitlinien – meist kein Unterschied zwischen jungen und alten Erwachsenen gemacht wird, unterscheiden beide sich doch in wesentlichen Belangen voneinander. Das Erleben von Krankheit, die biografischen und sozialen Bezüge oder die noch verbleibende Lebensspanne lassen psychische Erkrankungen im Alter in einem anderen Kontext erscheinen als in jüngeren Jahren. Medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlungsformen werden oft an jüngeren, u.U. ansonsten körperlich gesunden Menschen erforscht und erprobt. Daher liegen über ihren Einsatz, ihre Wirkweise oder ihren Therapieerfolg in höherem Alter oft nur wenige Forschungsergebnisse vor.
In der Psychopharmakotherapie alter Menschen bedarf die veränderte Pharmakokinetik sowie die Interaktion mit anderen Wirkstoffen einer besonderen Aufmerksamkeit bezüglich Auswahl, Dosierung, Resorption oder Elimination der jeweiligen Medikamente. Schwindende kognitive Fähigkeiten, z.B. im Rahmen einer Demenz, erfordern bei allen diagnostischen, therapeutischen oder rehabilitativen Bemühungen ein abgewogenes, fürsorgliches Vorgehen, bei dem der mutmaßliche Wille des Patienten respektiert werden muss.
Auch wenn uns manche „Anti-Aging“-Kampagne etwas anderes suggerieren will, lassen sich im Alter „gesunde“ und „krankhafte“ Prozessen oft nur schwer voneinander abgrenzen. Die von den Individuen häufig als „Abbau“ erlebten Veränderungen können Ursache einer psychischen Störung sein bzw. deren Entwicklung beschleunigen. Nicht selten stellen sich mehrere Krankheiten gleichzeitig ein, die oft schleichend verlaufen, voranschreiten oder unheilbar sind. So ist die Gerontopsychiatrie auch eine Disziplin, in der regelmäßig Antworten auf die Frage nach der Endlichkeit des eigenen Lebens und nicht zuletzt nach dem Sterben und dem Tod gesucht werden müssen.
Lernaufgabe
Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, über folgende Fragen nachzudenken:
Wenn Sie im Alter psychisch krank wären,
was könnte zu Ihrer Lebensqualität beitragen?
wie und wo wollten Sie leben?
worauf müssten Sie im neuen Umfeld eventuell verzichten und was würde sich für Sie ggf. verbessern?
wie können Sie sich auf räumliche und andere damit verbundene Veränderungen vorbereiten?
Die Gerontopsychiatrie und -psychotherapie ist bereits durch ihre Grundaufgabe eine inter- und multidisziplinäre Fachrichtung ( ▶ Abb. 1.2). In ihr müssen nicht nur die einzelnen medizinischen Fachdisziplinen wie Geriatrie, Allgemeinmedizin oder Neurologie eng verzahnt zusammenwirken. Um der Aufgabe der Wahrnehmung des kranken alten Menschen aus seiner lebensgeschichtlichen, psychodynamischen, biologischen, familiären und soziokulturellen Perspektive sowie seiner aktuellen Lebenswelt gerecht zu werden, bedarf es der Kooperation zwischen ärztlichen und nichtärztlichen bzw. nichtpsychologischen Berufsgruppen. Hierzu zählen die Gesundheits- und Krankenpflege, die Sozialarbeit, die Seelsorge, die Hauswirtschaft, die Technik oder die Architektur und noch viele andere. Ein besonderes Augenmerk gilt der Zusammenarbeit mit den Angehörigen der Erkrankten, da sie vielfach deren Betreuung und Pflege übernommen haben.
Multidisziplinarität.
Abb. 1.2 Gerontopsychiatrie ist ein multi- und interdisziplinäres Fachgebiet.
(Quelle: © K. Oborny/Thieme Group)
Um die von der Gesellschaft und dem Gesetz formulierte Forderung „ambulant vor stationär“ erfüllen zu können, muss die Gerontopsychiatrie gemeindenah arbeiten. Sie muss daher in der Lage sein, ein Netz aus ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten zu knüpfen, die es dem Betroffenen unter enger Einbeziehung seiner Bezugspersonen ermöglicht, auch im hohen Alter möglichst selbstbestimmt und mit großer subjektiv empfundener Lebensqualität im gewohnten Rahmen zu leben. Diesen Wunsch hat vermutlich jeder älter werdende Mensch.
Lernaufgabe
Welche ambulanten, teilstationären und stationären Angebote für Menschen mit gerontopsychiatrischem Versorgungsbedarf existieren in Ihrer Umgebung? Welche Netzwerke gibt es?
Quelle: © K. Oborny/Thieme Group |
Alter oder das Altern sind keine eindeutig festlegbaren Begriffe. Meistens wird allgemein zwischen dem chronologischen Alter, also der Lebenszeit ab dem realen Geburtsjahr, und dem biologischen Alter unterschieden. Auch die subjektive Zuschreibung wird bemüht: „Man ist so alt, wie man sich fühlt“ ( ▶ Abb. 2.1). Etymologisch hat das Adjektiv „alt“ die Bedeutung „gewachsen“ bzw. „erwachsen“ (Kluge 2011) und erinnert eher an die positiven Aspekte der „Reife“ des Alters. Unsere Wahrnehmung des Alters unterliegt subjektiven Verzerrungen: Für einen 10-Jährigen kann der 30-Jährige schon „steinalt“ sein, der 70-Jährige für den 90-Jährigen jedoch relativ jung.
Die demografische Entwicklung in den Industrieländern mit der deutlichen Zunahme des relativen und absoluten Anteils älter werdender Menschen lässt es ratsam erscheinen, das Alter weiter zu differenzieren. Eine einheitliche Sprachregelung für das Alter steht allerdings noch aus. Gewöhnlich findet sich die Unterteilung in
junge Alte (60/65 bis 75/80/85 Jahre) und
alte Alte/Hochbetagte (über 75/80/85 Jahre).
Eine weitere Einteilungsmöglichkeit gliedert auf in
ältere Menschen (55/60 bis 70 Jahre),
alte Menschen (über 70 bis 75 Jahre),
betagte Menschen (über 75 bis 80 Jahre),
hochbetagte Menschen (über 80/90 bis 100 Jahre) und
Langlebige (über 100 Jahre).
Die Zuordnung erscheint teilweise sprachlich nicht konsistent – warum sind „ältere Menschen“ jünger als „alte Menschen“? – und gestaltet sich je nach medizinischer, psychologischer oder soziologischer Perspektive unterschiedlich. Manche psychiatrischen Kliniken unterscheiden in ihren Abteilungen folglich nur noch zwischen Patienten in der 1. (unter 50) oder 2. Lebenshälfte (über 50).
Seniorentreff.
Abb. 2.1 Wann fühlt man sich „alt genug“, um einen Seniorentreff zu besuchen?
(Quelle: © K. Oborny/Thieme Group)
Alterungsprozesse sind allen lebenden Systemen gemeinsam – allerdings mit erheblich unterschiedlichen Zeitspannen. Der Ablauf der einzelnen Lebensphasen hängt in ihrem natürlichen Verlauf von der jeweiligen genetischen Disposition sowie von zahlreichen Existenzbedingungen der Individuen ab. Dabei lassen sich physiologische Alterungsprozesse von pathologischen nicht immer scharf abgrenzen.
Merke
Allgemein wird das 30. Lebensjahr als Wendepunkt angenommen, bei dem Reifung und Wachstum ihren Höhepunkt überschritten haben und ein Prozess des Abbaus beginnt (Ding-Greiner u. Lang 2004).
Menschen verspüren ab dem 30. Lebensjahr die Abnahme ihrer „Vitalität“ und speziell eine Verringerung der physischen und körperlichen Leistungsfähigkeit. Ihr Vermögen, sich an verändernde Anforderungen ihrer Umwelt anzupassen, sinkt bzw. die Anpassungsdauer nimmt zu.
Es gibt zahlreiche Theorien über die Ursachen des Alterns bzw. der Alterungsprozesse (nach Prinzinger 1996, Behl u. Moosmann 2008):
Stoffwechseltheorie nach Rubner (1908): Das Altern eines Organismus ist abhängig von der Intensität und dem Umfang seines Stoffwechsels.
Abnutzungstheorie nach Pearl (1924): Der Gebrauch von Organen führt zu deren Verschleiß und Abnutzung.
Theorie der freien Radikale nach Harman (1954): Hoch reaktionsfähige Zwischenprodukte des biochemischen Stoffwechsels führen zu Schäden im Organismus.
Mutationstheorie nach Failla und Szilard (1958/59): Erbliche Veränderungen der Körperzell-DNA treten spontan oder aber auch durch äußere Faktoren auf.
Katastrophentheorie nach Orgel (1963): Die Zunahme von Fehlinformationen bei der Zellteilung überschreitet die Reparaturfähigkeit des Organismus.
Immuntheorie nach Walford (1969): Die Fähigkeit des Organismus, gegen Fremdkörper Antikörper zu bilden, nimmt ab.
Zellteilungstheorie nach Hayflick (1969): Zellen teilen sich nicht beliebig oft, sondern unterliegen einem Programm des Alterns.
Oxidativer Stress (Sies 1986): Werden sog. „freie Radikale“ nicht in genügendem Ausmaß in der Zelle abgebaut, so führt dies zu „oxidativem Stress“.
Telomertheorie nach Chech (2004): Bei jeder Teilung der Chromosomen geht ein Teil ihrer Endstücke verloren.
Eine einheitliche Alternstheorie steht weiterhin aus. Die zuvor genannten Annahmen beeinflussen jedoch die Grundlagenforschung bzw. die Suche nach therapeutischen Zugängen, das Altern zu verlangsamen. Zu diesem Zweck wurden in den letzten Jahren zahlreiche Institute (z.B. das Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns) gegründet.
Aus entwicklungspsychologischer Sicht wird Altern als lebenslanges Lernen mit altersspezifischen Anpassungsprozessen beschrieben. Es ist geprägt durch die Auseinandersetzung mit bzw. der Bewältigung von kritischen Lebensereignissen (Erikson 1998, Oerter u. Montada 2002). In diesem Konzept wird dem alten Menschen eine eigene Weisheit zugesprochen, die v.a. aus der umfangreichen individuellen Lebenserfahrung resultiert.
Nach den Psychologen und Gerontologen Margret M. Baltes und Paul B. Baltes und deren Mitarbeitern (1999) ist ein erfolgreiches Altern entwicklungspsychologisch verknüpft mit 3 zentralen Entwicklungsprozessen,
der Selektion (S),
der Optimierung (O) und
der Kompensation (K).
Definition
Selektion steht im entwicklungspsychologischen Kontext für die Entwicklung, Auswahl und Priorisierung geeigneter Ziele, die einer Person subjektiv erreichbar scheinen, auch wenn die eigenen Ressourcen als begrenzt wahrgenommen werden. Dabei werden der jeweilige Lebenskontext und die individuellen Voraussetzungen berücksichtigt.
Durch elektive Selektion wird zwischen unterschiedlichen, aber prinzipiell noch erreichbaren Zielen ausgewählt. Die verlustbasierte Selektion bezieht sich auf die Umstrukturierung von Zielen, wenn diese aufgrund von Verlusten oder Einschränkungen nicht aufrechterhalten werden können. Hierzu zählen das Setzen neuer Prioritäten, die Konzentration auf zentrale Ziele und die Anpassung von Zielen an neue Gegebenheiten.
Werden z.B. lange Reisen mit dem eigenen Auto zu anstrengend, so werden eben nähere Ziele ausgesucht oder Pauschalreisen gebucht. Die Festlegung bestimmter, noch zu erreichender Ziele ermöglicht die Fokussierung auf die für die Person noch vorhandenen Ressourcen. Es wird das angestrebt, was noch möglich ist und zur Lebensqualität beiträgt.
Fragen, die sich im Prozess der Selektion stellen, sind z.B.:
Was oder welche Ziele sind für mein derzeitiges Leben oder meine derzeitige Situation wichtig?
Was möchte und kann ich noch gut erreichen und verwirklichen?
Was kann ich nicht mehr verwirklichen und sollte auch nicht mehr von mir verfolgt werden?
Fällt die Fortbewegung aufgrund körperlicher Gebrechen immer schwerer, so werden die Wege angepasst bzw. andere damit beauftragt, z.B. Einkäufe zu tätigen. Die dadurch gewonnene Zeit wird dann z.B. zur digitalen Kommunikation mit Freunden oder Verwandten genutzt.
Sind die noch zu erreichenden Ziele pragmatisch an die altersbedingten Verluste angepasst bzw. selektiert, dienen Optimierungsprozesse dem Erwerb neuer Fertigkeiten oder Ressourcen. Teilprozesse dabei sind das (oft zeitintensive und anstrengende) Einüben der Fertigkeiten sowie die Integration derer in größere Handlungsabläufe. So werden die zur Verfügung stehenden Ressourcen auf die konkrete Zielauswahl konzentriert, gepflegt oder ggf. trainiert.
Fragen, die sich im Prozess der Optimierung stellen, sind z.B.:
Welche Mittel stehen mir zur Verfügung, um die verbleibenden Ziele umzusetzen?
Wie kann ich meine verbliebenen Fähigkeiten weiter gut einsetzen oder ausbauen?
Wenn z.B. nähere Reiseziele gewählt oder Pauschalreisen gebucht werden, bleibt Zeit für ein neues Hobby, z.B. sich intensiv mit der Kultur der besuchten Länder zu befassen oder ein wenig von der fremden Sprache zu erlernen, indem ein Kurs der städtischen Volkshochschule besucht wird.
Definition
Verluste von Handlungskompetenzen können vermieden werden, indem eingeschränkte Handlungsoptionen durch neu erworbene und zuvor ungenutzte Ressourcen ersetzt werden, Hilfsmittel eingesetzt werden und/oder informelle Netze genutzt werden. Dies wird als Kompensation bezeichnet.
Während es die Selektion ermöglicht, sich von nicht mehr realistischen Zielen – allerdings wehmütig – zu „verabschieden“, ist nach dem SOK-Modell die Kompensation die 2. Möglichkeit, Ressourcenverluste zu bewältigen.
Fragen, die sich im Prozess der Kompensation stellen, sind z.B.:
Was kann ich sinnvollerweise tun, um die entstandenen Lücken zu füllen?
Welche Möglichkeiten gibt es, verloren gegangene Fähigkeiten zu kompensieren?
So kann zum Erhalt bzw. der Verbesserung der eigenen Beweglichkeit ein Elektrorollstuhl angeschafft werden. Der alte Mensch lernt, diesen zu bedienen und sich mit ihm sicher im öffentlichen Raum zu bewegen. Hierbei trifft er vielleicht auf Mitglieder des städtischen Seniorenclubs für Rollstuhlfahrer, den er von nun an ebenfalls mit Freude besucht.
Nach dem SOK-Modell ist die lebenslange Entwicklung v.a. durch die wechselseitige Beziehung dieser 3 grundlegenden Entwicklungsprozesse geprägt und letztlich dann von Erfolg gekrönt, wenn (altersbedingte) Funktionsverluste und Einschränkungen ausreichend kompensiert werden können und dadurch Handlungskompetenzen – und damit auch die Lebensqualität – erhalten bleiben. Wenn eine Balance zwischen den 3 zentralen Prozessen Selektion, Optimierung und Kompensation erzielt wird, kann das subjektive Wohlbefinden erhöht oder stabilisiert werden (Baltes et al. 1999, Freund u. Baltes 2002).
Im mittleren Erwachsenenalter funktioniert das Wechselspiel zwischen den 3 zentralen Prozessen optimal. Dagegen fehlen im frühen Erwachsenenalter noch die erlernten Aneignungsprozesse, während das späte Erwachsenenalter durch zunehmende Verluste geprägt ist.
Hervorzuheben ist, dass alte Menschen noch in einem beträchtlichen Ausmaß in der Lage sind, Neues zu erlernen und durch Übung zu festigen. Sie brauchen eben etwas länger dafür als jüngere Menschen.
Bezogen auf ihre Fläche ist die Haut das größte Organ des menschlichen Körpers. Ein Blick in die Werbung verdeutlicht, wie sehr die Faltenzunahme der Haut mit dem Älterwerden des Menschen in Verbindung gebracht wird. Durch Veränderungen des bindegewebigen Anteils verliert die Haut zunehmend an Elastizität und Speicherungsfähigkeit für Wasser. Die Altershaut verhornt stärker und wird schwächer durchblutet. Sie reißt leichter und ihre Wunden heilen langsamer. Darüber hinaus lassen die Schweißdrüsen mit der Zeit in ihrer Funktion deutlich nach (Prinzinger 1996, ▶ Abb. 2.2).
Haut im Alter.
Abb. 2.2 Diese Stirn zeigt die typischen Veränderungen der Haut im Alter.
(Quelle: © fotofuerst/stock.adobe.com – edited by Thieme Group)
Auch der Haarwuchs verändert sich sichtbar. Die Haare verlieren ihre Pigmente und werden dadurch grau. In Abhängigkeit von der Produktion der Geschlechtshormone kann es zu einem starken oder sogar kompletten Verlust der Kopf-, Körper- oder Schambehaarung kommen. Dagegen verstärkt sich das Haarwachstum in der Nase und den Ohren, bei Frauen nicht selten im Bereich der Oberlippe und des Kinns.
Gemessen an ihrer Masse ist wiederum die Muskulatur das größte menschliche Organ. Sie macht zwischen 36 und 44 % unseres Körpergewichtes aus und speichert bis zu 60 % des Körperwassers. Dieser Anteil ist allerdings trainings- und geschlechtsabhängig. Zwei Drittel der Muskulatur liegen im Bereich der Hüften sowie der Beine und dienen der Bewegung und der aufrechten Haltung (Ding-Greiner u. Lang 2004).
Bis zum 70. Lebensjahr hat sich die Zahl der Muskelfasern um bis zu 50 % vermindert. Mit dem Ersatz des schwindenden Muskelanteils durch Fett- und Bindegewebe geht eine Verringerung der muskulären Kraft von 35–40 % zwischen dem 20. und 80. Lebensjahr einher (Sommer et al. 2004). Durch die ungleiche Abnahme der Muskelkraft im Alter – bei Frauen in den unteren Extremitäten größer als in den oberen Extremitäten – erhöht sich das Risiko eines Sturzes. Eine besondere Rolle bei diesem Sachverhalt spielt auch, dass diejenigen Muskelfasern durch den Alterungsprozess stärker beeinträchtigt werden, die für die schnelle Reaktion zuständig sind (Ding-Greiner u. Lang 2004). Diese Reaktionsbereitschaft ist z.B. für Ausgleichbewegungen beim Stolpern wesentlich.
Merke
Durch die altersbedingten Veränderungen der Muskulatur erhöht sich die Sturzgefahr deutlich.
Die Veränderungen des Bänder-, Sehnen- und Gelenkapparates sind mit denen in der Haut vergleichbar. Die Elastizität und das Vermögen, Wasser zu binden, nehmen ab. Hierdurch wird die Funktionsfähigkeit der einzelnen Gelenke beeinträchtigt – zu Beginn meist unmerklich, später dann bis zu einem schmerzhaften Funktionsverlust.
Die Knochenstruktur unterliegt einem ständigen Auf- und Abbau. Die Aktivität, der für den Aufbau der Knochensubstanz verantwortlichen Osteoblasten nimmt mit dem Alter allmählich ab, sodass die Funktion der Osteoklasten überwiegt. Dadurch werden die Knochen dünner, poröser und damit instabiler ( ▶ Abb. 2.3). Dieser Vorgang ist als Osteoporose bekannt und kann bei starker Ausprägung im hohen Alter zu Spontanfrakturen von Knochen ohne äußerlichen Anlass führen.
Körperbau.
Abb. 2.3 Auch der Körperbau verändert sich im Alter auf typische Weise.
(Quelle: © K. Oborny/Thieme Group)
Bei einem gesunden alten Menschen bleibt das Verhältnis zwischen Herzgewicht und Körpergewicht annähernd gleich. Dies ist allerdings die Folge der vermehrten Umbildung von Muskelfasermasse in Bindegewebe. Dieser Vorgang ist auch in den Arterien zu beobachten. Die Adern verlieren dadurch an Elastizität, was zu einer – in gewissen Grenzen – physiologischen Steigerung des systolischen Blutdrucks führt.
Ältere Menschen müssen eine körperliche Belastung überwiegend mit einer Erhöhung der Pulsfrequenz ausgleichen, damit die benötigte Blutmenge in der Muskulatur gesichert ist. Ist ein Herzmuskel durch arteriosklerotische Veränderungen bereits beeinträchtigt, kann dieser vermehrte Sauerstoffverbrauch des schneller schlagenden Herzens zu weiterer Schädigung führen.
Nicht zuletzt bedingen Veränderungen am Herzen Funktionsbeeinträchtigungen vor- und nachgeschalteter Systeme, z.B. in der Leber, Lunge, Niere oder beim Nährstofftransport im Blut. Ebenso ist der Abtransport von Abbauprodukten des Energiestoffwechsels bzw. der Rücktransport des Blutes zum Herzen hin vermindert.
Im Alter vergrößern sich die Lungenbläschen um das Mehrfache, die Zahl der Kapillaren sowie die der elastischen Fasern nehmen ab. Da gleichzeitig der knöcherne Thorax ebenfalls starrer wird, sind alte Menschen weniger in der Lage, ihre Lunge zu belüften, d.h. die Vitalkapazität nimmt ab. Gleichzeitig erhöht sich jedoch die Resistance (durch das Fehlen der elastischen Fasern zur Weitstellung der Bronchiolen) und die funktionelle Residualkapazität nimmt zu. Durch diese Altersentwicklung verringert sich die maximale Sauerstoffaufnahme selbst beim gesunden alten Menschen um 60–70 % gegenüber dem jungen (Ding-Greiner u. Lang 2004).
Definition
Unter der Vitalkapazität wird das maximale Atemvolumen verstanden. Die Residualkapazität bezeichnet das bei normaler Ausatmung in der Lunge verbleibende Luftvolumen. Mit der Resistance wird der bronchiale Strömungswiderstand beschrieben.
Bis zum 80. Lebensjahr hat sich die Zahl der Nierenkörperchen auf bis zu 30 % verringert. Dieser Verlust wird zwar durch die Vergrößerung der verbliebenen Nierenkörperchen auszugleichen versucht, insgesamt nimmt das Nierengewicht jedoch ab. Durch die verringerte Nierendurchblutung vermindert sich die glomeruläre Filtrationsrate. Sie ist ein wesentlicher Parameter für den Ausgleich des Körperwasser- und des Säure-Basen-Haushalts. Die glomeruläre Filtrationsrate beeinflusst in erheblichem Maße die Ausscheidung nierengängiger Medikamente, sodass diese bei eingeschränkter Nierenfunktion in ihrer Verabreichung angepasst werden müssen.
Die wichtigste Drüse unseres Körpers, die Leber, zeigt ebenfalls bedeutsame Altersveränderungen. Die für den Abbau zahlreicher körpereigener oder körperfremder Substanzen zuständigen Enzymsysteme gehen in ihrer Aktivität deutlich zurück. Dies führt zu einer erheblichen Verlangsamung von Abbau- und Ausscheidungsprozessen insbesondere vieler lebergängiger Pharmaka.
Eine der bekanntesten Alterserscheinungen ist sicherlich der Verlust der eigenen Zähne. Sie nutzen sich ab oder fallen im Rahmen von Zahnbettschwund (Parodontose) aus.
Die Mundschleimhaut atrophiert mit zunehmendem Alter. In der Folge verringert sich die Speichelproduktion, die zusammen mit einer koordinierten Bewegung der Speiseröhre und des Mageneingangsmuskels (Kardia) einen koordinierten Schluckakt erst ermöglicht. Diese verminderte Produktion, schwächere Muskulatur, sich verlangsamende Peristaltik und unkoordiniertes Öffnen der Kardia führen zu einem häufigeren Verschlucken. Eine geringere Motilität des Dickdarms führt zu Obstipation. Durch Divertikel im letzten Teil des Darms kann die Darmentleerung noch zusätzlich erschwert werden.
Tasten, Sehen, Hören, Riechen und Schmecken unterliegen ebenfalls in größerem Umfang altersbedingten Veränderungen. Durch den Verlust von Nervenendigungen in der Haut, wie den Meißner-Körperchen oder den Pacini-Körperchen (bis zu 30 % bei 90-Jährigen), verringert sich das taktile Empfinden, das Vibrationsempfinden und das Empfinden für Bewegungen ( ▶ Abb. 2.4).
Tastsinn.
Abb. 2.4 Der Tastsinn wird im Alter schlechter.
(Quelle: © K. Oborny/Thieme Group)
Durch Wasserverlust und Einlagerung von unlöslichen Eiweißmolekülen wird die Linse des Auges weniger lichtdurchlässig. Zudem kann sie immer weniger akkommodieren und zum scharfen Sehen muss z.B. die Zeitung immer weiter weggehalten werden ( ▶ Abb. 2.5).
Brille.
Abb. 2.5 Die Brille ist häufig das erste Hilfsmittel, das ein älter werdender Mensch benötigt.
(Quelle: © K. Oborny/Thieme Group)
Hohe Frequenzen sind von der Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) am meisten betroffen. Diese Form der Schwerhörigkeit hat vielfältige Ursachen. Mit ihr fällt es den betroffenen Menschen immer schwerer, Geräusche im räumlichen Zusammenhang zu orten. So wird die akustische Unterscheidung zwischen „hinten“ und „vorne“ beeinträchtigt.
Die Empfindlichkeit der Geruchs- und Geschmackszellen nimmt ebenfalls ab. Ihr Erneuerungsprozess verlangsamt sich. Durch diese Veränderungen kann die Wahrnehmungsschwelle abhängig vom untersuchten Stoff zwischen 20- und 80-Jährigen um das 2- bis 11-fache ansteigen (Prinziger 1996). Geschmacks- und Geruchsreize müssen aus diesem Grund mit zunehmendem Alter deutlich intensiver werden, um ein ähnliches Geschmacksempfinden zu erhalten wie in jüngeren Jahren.
Lernaufgabe
Recherchieren Sie im Internet Altersrekorde und vergleichen Sie sie humorvoll mit Ihren eigenen Leistungen.
Ein wesentliches Konzept zum Verständnis altersbedingter, körperlicher Veränderungen ist das Konzept der Gebrechlichkeit (frailty). Das Frailty-Syndrom ist durch die folgenden Kriterien gekennzeichnet (Fried et al. 2001):
unfreiwilliger Gewichtsverlust (über 10 % in einem Jahr oder mehr als 5 % in 6 Monaten)
objektivierte Muskelschwäche (z.B. durch Handkraftmessung bestimmt)
subjektive Erschöpfung (mental, emotional, physisch)
Immobilität, Instabilität, Gang- und Standunsicherheit mit Sturzneigung
herabgesetzte körperliche Aktivität
Werden 2 dieser Kriterien erfüllt, so wird von einem Prefrailty-Syndrom gesprochen. Wenn mehr als 2 Kriterien erfüllt werden, liegt ein Frailty-Syndrom vor. Mit dem Fraility-Syndrom verbunden sind ein Abbau der Muskulatur (Sarkopenie), eine Schwäche der Muskulatur und ein Knochenschwund (Osteporose).
Die zuvor skizzierten körperlichen Veränderungen sind in der Lage, unterschiedliche psychopathologische Symptombilder zu verursachen. Dieses Phänomen ist umso stärker zu beobachten, je weniger der betroffene alte Mensch über angemessene Copingstrategien verfügt, mit den sich ergebenden Veränderungen umzugehen.
Definition
Unter Coping versteht man die psychische Verarbeitung oder Bewältigung belastender Situationen.
Präventive Maßnahmen, wie ausreichende körperliche Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, geistige und soziale Aktivität sowie das Meiden von Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol, Adipositas und pathogenen Umweltfaktoren, können zwar den Alterungsprozess verzögern, aufhalten können ihn jedoch selbst die besten Anti-Aging-Programme nicht. Allerdings lässt sich ein Teil der Altersveränderungen operativ oder durch technische Hilfen beeinflussen. Eine Linsentrübung (Katarakt) oder eine arthrotische Hüfte lassen sich i.d.R. gut operieren. Der Wohnraum lässt sich an die Veränderungen anpassen. Zahlreiche Hersteller bieten diverse Hilfsmittel zur besseren Alltagsbewältigung auf hohem technischem Niveau an. Trotzdem stellt das Altern für das an Leistungsfähigkeit und jugendlichem Aussehen orientierte Menschenbild eine existenzielle Bedrohung dar, die insbesondere bei plötzlich eintretenden Erkrankungen als Katastrophe erlebt werden kann.
Definition
Die Epidemiologie ist die Wissenschaft von der Häufigkeit (Prävalenz und Inzidenz) und Verteilung von Krankheiten bzw. deren Ursachen in einer Bevölkerung.
Lässt man in der Analyse die Delir- und Demenzerkrankungen außen vor, so sind laut einer großen epidemiologischen Studie, der European MentDis_ICF65+-Studie, ca. 23 % der untersuchten 65–84-Jährigen an einer psychischen Störung erkrankt (Andreas et al. 2017, ▶ Tab. 2.1 ). Am häufigsten sind Angststörungen, gefolgt von affektiven Störungen und substanzbezogenen Störungen. An der 2017 veröffentlichten Studie nahmen insgesamt über 3000 Frauen (50,7 %) und Männer (49,3 %) teil. Studienzentren lagen in Hamburg, Ferrara, London, Madrid, Genf und Jerusalem.
Tab. 2.1
Punktprävalenz psychischer Erkrankungen (ohne Demenz und Delir) in der European MentDis_ICF65+-Studie [Tabelle basiert auf Angaben aus: Andreas et al. 2017].
Psychische Störung
Punktprävalenz in %
alle psychischen Störungen
23,3
affektive Störungen
Mayor Depression
6,0
Dysthymie
2,7
bipolare Störung
0
alle affektiven Störungen
8,0
Angststörungen
Agoraphobie
3,4
Panikstörung
3,4
alle Phobien
6,6
posttraumatische Belastungsstörung
1,4
alle Angststörungen
11,4
substanzbezogene Störungen
Alkoholabhängigkeit oder -missbrauch
1,1
alle substanzbezogenen Störungen
4,6
Im Laufe ihres Lebens leiden 47 % der untersuchten 65–84-Jährigen unter einer psychischen Störung ( ▶ Tab. 2.2 ).
Tab. 2.2
Lebenszeitprävalenz psychischer Erkrankungen (ohne Demenz und Delir) in % in der European MentDis_ICF65+-Studie [Tabelle basiert auf Daten aus: Andreas et al. 2017].
Psychische Störung
Lebenszeitprävalenz in %
alle psychischen Störungen
47,0
Affektive Störungen
Mayor Depression
11,8
Dysthymie
2,9
bipolare Störung
4,4
alle affektiven Störungen
14,3
Angststörungen
Agoraphobie
9,3
Panikstörung
4,5
posttraumatische Belastungsstörung
2,5
alle Phobien
16,7
alle Angststörungen
25,6
substanzbezogene Störungen
Alkoholabhängigkeit oder -missbrauch
8,8
alle substanzbezogenen Störungen
18,2
Definition
Die Prävalenz oder Punktprävalenz bezeichnet die Häufigkeit von Fällen einer bestimmten Krankheit oder eines Symptoms in einer Population zum Untersuchungszeitpunkt. Die Lebenszeitprävalenz ist die Häufigkeit von Fällen einer bestimmten Krankheit oder eines Symptoms in einer Population bezogen auf die gesamte Lebenszeit.
Die Inzidenz beschreibt die Anzahl von Neuerkrankungen bezogen auf eine Zeiteinheit.
In einer der wenigen Übersichten über unterschiedliche Erhebungen schwankte der Anteil psychisch Erkrankter unter den Bewohnern der stationären Altenhilfe zwischen 42,6 % und 83,6 %. Der Durchschnitt dieses Anteils über alle berichteten Untersuchungen hinweg lag bei ca. 68 % (Hirsch u. Kastner 2004).
Die Demenzen, das Delir und die Depression zählen zu den häufigsten gerontopsychiatrischen Erkrankungen. Das Risiko, z.B. an einer Demenz zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter exponentiell an. Oft wird in ihr die psychische Alterserkrankung schlechthin gesehen. Der Epidemiologe schätzt die Anzahl der Betroffenen in Deutschland auf aktuell ca. 1,6 Mio. mit jährlich 300000 Neuerkrankungen. 60 % dieser Erkrankungen treten erstmalig im Alter von über 80 Jahren auf, wegen ihrer höheren Lebenserwartung zu 70 % bei Frauen (Bickel 2020).
Im Unterschied zu den Demenzen, deren Anteil mit zunehmendem Alter in der Bevölkerung steigt, ist dieser Zusammenhang für andere, funktionelle psychische Erkrankungen nicht belegt. Unter dem Begriff der depressiven Störungen werden sehr unterschiedliche Schweregrade subsumiert, die eine exakte Aussage über die Prävalenz erschweren. Die Häufigkeit des Anteils schwerer Depressionen in der alten Bevölkerung liegt je nach Untersuchung zwischen 7,2 % und 19,5 %. Frauen sind in etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer (Riedel-Heller u. Luck 2021).
Im Alter nehmen die Prävalenz und Inzidenz der Schizophrenie ab. Von den an dieser schweren psychischen Störung Betroffenen erkranken nur 4 % erstmalig nach dem 60. Lebensjahr (Howard 2002). Andere wahnhafte Symptome, über deren Zuordnung zu bestimmten Erkrankungen noch Unklarheit besteht, werden nach Bickel (2003) in Feldstudien gehäuft beschrieben. Die Angaben schwanken von Verfolgungswahn (ca. 4 %) bis hin zu allgemein-paranoiden Symptomen (ca. 6,3 %) sowie gegenwärtig wahnhaftes Symptom bzw. Vorhandensein einer halluzinatorischen Erfahrung (ca. 8 %). Die Prävalenz psychotischer Symptome bei nicht demenzkranken Patienten liegt bei bis zu 10 % (Riedel-Heller et al. 2006).
Auch bei den Angststörungen lässt sich keine eindeutige Zunahme von Neuerkrankungen im Alter im Vergleich zu jüngeren Lebensphasen feststellen. Auch hier sind Frauen fast doppelt so häufig betroffen wie Männer. Schätzungen gehen von einer Prävalenz der Angstsymptome zwischen 15 % und 52 % aus. Hierbei sind allerdings nicht immer die Kriterien einer Angststörung erfüllt (Bryant et al. 2008).
Der Anteil von Personen über 60 Jahre mit problematischem Alkoholkonsum wird auf 26 % der Männer und 8 % der Frauen geschätzt (Mühlig u. Wolter 2021). Allerdings geht mit dem Alter die Trinkmenge zurück und die Anzahl der Abstinenten nimmt zu.
Eine Vielzahl altersbedingter Veränderungen kann den gewohnten Schlaf stören. So leiden ca. 12 % der Menschen über 60 Jahre an einer klinisch relevanten Schlafstörung (Zhuang et al. 2016). Die Prävalenz des Syndroms der ruhelosen Beine (Restless-Legs-Syndrom, RLS) wird in der Gesamtbevölkerung auf 6–12 % geschätzt. Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSA) tritt kombiniert mit einer erhöhten Tagesschläfrigkeit in einer leichten Form bei 9–38 % und in einer mind. mittelgradigen Form bei 6–17 % auf (Senaratna et al. 2017).
Lernaufgabe
Welche älteren Personen mit psychischen Veränderungen kennen Sie in Ihrem Bekanntenkreis? Worunter leiden sie?
Das normal funktionierende Gedächtnis ist eine Voraussetzung für unser Erleben und unsere Identität. Es gibt dem Leben eine Vergangenheit, eine Gegenwart und es kann uns sogar in die Zukunft schauen lassen. Das Gedächtnis ist dynamisch und verändert sich fortwährend. Es wird in den Lebensabschnitten von dem Betroffenen unterschiedlich interpretiert, da die Erfahrungen sich im Leben verändern. Dieses Vermögen bildet das Selbst. Geht die Erinnerung verloren, hat dies tragische Folgen für den Betroffenen.
Gedächtnisleistungen werden an verschiedenen Stellen des Gehirns gespeichert, hieran sind komplexe Netzwerke von Nervenzellen und deren Verbindungen (Synapsen) beteiligt. Unterschiedliche Informationen werden an verschiedenen Orten gespeichert. Das Gehirn besitzt ca. 100 Milliarden Nervenzellen, von denen wiederum jede einzelne tausende Synapsen zu anderen Nervenzellen unterhält. Die Nervenzellen kommunizieren untereinander mit Neurotransmittern (Botenstoffen), z.B. dem Acetylcholin und schwachen elektrischen Impulsen.
Erinnerungen setzen sich meist aus unterschiedlichen, komplexen Eindrücken zusammen, z.B. Musikinterpret, Musikstück, Titel und Melodie. Wird etwas erinnert, ist dies meistens der gesamte Kontext. Oft werden mit einer Erinnerung auch komplexe Episoden verbunden. Diese verschiedenen Kontextinformationen werden an unterschiedlichen Stellen des Gehirns gespeichert.
Zeitliche Dimension Die zeitliche Dimension des Gedächtnisses wird in die kürzeste Einheit, das Ultrakurzzeitgedächtnis (wenige Millisekunden), in das Kurzzeit- bzw. Arbeitsgedächtnis (Sekunden bis Minuten) und das Langzeitgedächtnis (Informationen können lebenslang erhalten bleiben) eingeteilt. Die Informationen im Langzeitgedächtnis sind i.d.R. immer verfügbar, jedoch nicht immer sofort abrufbar, z.B. ein Name oder ein Buchtitel, der nicht gefunden wird.
Inhaltliche Dimensionen Das Gedächtnis besitzt verschiedene inhaltliche Dimensionen:
Unter Priming wird die Beeinflussung der Verarbeitung eines aktuellen Reizes durch einen vorangegangenen, bekannten Reiz verstanden. So wird die Zitrone mit „sauer“ oder der Regen mit „nass“ verknüpft.
Im prozeduralen Gedächtnis werden motorische Abläufe eingeübt und automatisiert, wie Auto fahren oder Schreibmaschine schreiben.
Im semantischen Gedächtnis stehen Erziehungs- und Bildungswissen zur Verfügung, das im Laufe des Lebens gespeichert wurde, das „Weltwissen“.
Im episodischen Gedächtnis sind persönliche Ereignisse und deren zeitlicher Ablauf gespeichert, hier sind wesentliche Teile der eigenen Biografie verankert.
Gedächtnisstörung Eine eindeutige Abgrenzung zwischen pathologischen und physiologischen Gedächtnisstörungen ist schwierig, klare und eindeutige Kriterien gibt es nicht. Es gibt einen großen Überschneidungsbereich, bei dem nicht klar ist, ob eine normale Vergesslichkeit oder bereits der Beginn, z.B. einer Alzheimer-Erkrankung vorliegt. Bei diesem Bereich wird oft von Mild Cognitive Impairment (= leichte kognitive Beeinträchtigung) gesprochen. Leichte kognitive Beeinträchtigungen werden vielfach als Vorboten einer Demenz eingestuft.
Im höheren Alter werden die kognitiven Funktionen zunehmend beeinträchtigt, dies gilt v.a. für Menschen über 80 Jahren. Circa 25–50 % der über 65-Jährigen klagen über Störungen des Gedächtnisses. Dass das Gedächtnis nachlässt, ist ein natürlicher Vorgang, der einem gewissen Alterungsprozess unterliegt. Die Abläufe der Gedächtnisprozesse verlaufen langsamer, v.a. die Bereiche der mechanisch fluiden Intelligenz ( ▶ Tab. 2.3 ) sind betroffen. Die pragmatisch kristalline Intelligenz, also die wissensbasierte Intelligenz, hingegen bleibt besser erhalten.
Tab. 2.3
Veränderung der Gedächtnisleistung in der 2. Lebenshälfte.
weitgehend erhaltene Gedächtnisleistungen
abnehmende Gedächtnisleistungen
kristalline Intelligenz
sinnorientiertes Lernen
inhaltliches Lernen
Unterscheidung von Wichtigem und Unwichtigem
kognitive Lösungsstrategien
fluide Intelligenz
Enkodieren und Dekodieren sind verlangsamt und erschwert
Zeitaufwand für Gedächtnisleistung erhöht
selektive Aufmerksamkeit verändert sich zuungunsten der geteilten Aufmerksamkeit
Definition
Kristalline Intelligenz umfasst bildungs-, erfahrungs- und sozialisationsabhängige Leistungen. Diese können bis ins Alter von 65 Jahren stabil bleiben oder sogar gesteigert werden. In höherem Alter verringert sich die Leistung allmählich.
Fluide Intelligenz umfasst Aspekte wie Problemlösen, schlussfolgerndes Denken, Intuition, Flexibilität, Kreativität oder die Entwicklung neuer Ideen. Sie stellt die Basis der kristallinen Intelligenz dar und nimmt ab dem Alter von 25 Jahren v.a. bezüglich der Verarbeitungsgeschwindigkeit ab.
Allerdings sind nicht nur hirnorganische Veränderungen für eine nachlassende Gedächtniskapazität verantwortlich, sondern auch geringer werdende geistige Anregung, Abnahme sozialer Kontakte, reduzierte Bewegung und schlechte Ernährung.
Die Ursachen für altersbedingte Gedächtnisstörungen sind:
Verlust von Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen (Synapsen)
verringerte Plastizität des Gehirns (Anpassung)
reduzierter Anregungsgehalt
Inaktivität
verminderte geistige Anforderungen
körperliche Erkrankungen
„Je mehr du dem Gedächtnis anvertraust, desto treuer wird es alles bewahren; je weniger, um so treuloser“
(Juan Luis Vives; 1492–1540)
Ein hohes Bildungsniveau verlangsamt den Abbau kristalliner Intelligenz und hilft Störungen, die durch das Alter bedingt sind, zu kompensieren. Neben dem Bildungsstand und den kognitiven Aktivitäten verlangsamen soziale Kontakte und ein Psychomotoriktraining ebenfalls den geistigen Abbau.
Merke
Eine Kombination aus Gedächtnis- und Bewegungstraining – das so genannte Dual Tasking – wirkt dem Hirnalterungsprozess entgegen, verbessert die Gedächtnisleistungen und fördert die Selbstständigkeit (z.B. das Programm „Fit für 100“ des Instituts für angewandte Sportgerontologie; www.ff100.de).
Die körperliche Bewegung bewirkt eine Verbesserung der Hirnstoffwechsellage, vorausgesetzt, dass vonseiten der Hirnzellen durch geistige Aktivität ein Bedarf besteht. Für die geistige Leistungsfähigkeit ideal sind Tätigkeiten oder Übungen, die gleichzeitig Motorik und Kognition ansprechen.
Einschränkungen der Beweglichkeit Die Verschlechterung der körperlichen Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit erhöht die Sturzgefahr in erheblichem Maße. Ein Stolpern kann schlechter abgefangen werden, da die Reaktion der schnellen Muskelfasern verzögert stattfindet. Der abnehmende Tastsinn erschwert es, Stolperfallen zu erspüren. Das nachlassende Sehvermögen verkennt Farbkontraste als Stufen oder kann den Untergrund nicht mehr scharf darstellen.
Rückzug Menschen mit solchen Beeinträchtigungen neigen dazu, diese kritischen Situationen zu meiden. Sie verlassen immer seltener ihr Haus oder ihre Wohnung und ziehen sich aus gewohnten Aktivitäten zurück. Dieser Rückzug führt letztlich zur sozialen Isolation, was eine weitere Reizarmut bedingt, die schließlich in eine sensorische Deprivation münden kann. Hinzu kommen Insuffizienzgefühle durch die zunehmenden Beschwerden bei der Durchführung von Alltagsaktivitäten.
Antriebsarmut Die Betroffenen leiden unter Ängsten (z.B. vor einem Sturz) oder gedrückten Stimmungslagen bzw. Insuffizienzgefühlen. Die daraus resultierende Antriebsarmut komplettiert das depressive Bild und verstärkt den zuvor beschriebenen Teufelskreis ( ▶ Abb. 2.6) zusätzlich.
In Kombination mit anderen sensorischen Beeinträchtigungen kann sich die Alltagskompetenz weiter verringern. Treppen werden zu kaum überwindbaren Hindernissen, die selbstständige Körperpflege fällt immer schwerer und selbst die Nahrungsaufnahme wird zur Anstrengung.
Teufelskreis der Isolation und Depression im Alter.
Abb. 2.6 Rückzugsverhalten verstärkt die Einschränkungen der Beweglichkeit.
(Quelle: © Thieme Group)
Die akustische Welt eines schwerhörigen Menschen spielt sich innerhalb der noch wahrnehmbaren Frequenzen ab. Dies wird besonders relevant, wenn es um die räumliche Wahrnehmung außerhalb des Gesichtsfeldes geht. Alles was nicht gesehen werden kann, taucht für den Schwerhörigen plötzlich wie aus dem Nichts auf und führt zu starkem Erschrecken. Was hinter dem Rücken geschieht, ist nicht mehr wahrnehmbar. Gesprächen kann der Betroffene nicht mehr folgen, Geräusche nicht mehr zuordnen.
Ein funktionierendes Gehör ist – neben dem Sehen – als eines der wichtigen Fernsinne an zahlreichen Alltagsaktivitäten maßgeblich beteiligt. Die verbale Kommunikation mit anderen Menschen – in Form von Telefonaten oder Unterhaltungen – wird für den Schwerhörigen zunehmend beeinträchtigt ( ▶ Abb. 2.7).
Schwerhörigkeit.
Abb. 2.7 Mitunter kann Schwerhörigkeit die Ursache wahnhafter Verkennungen sein.
(Quelle: © K. Oborny/Thieme Group)
Von schwerhörigen Menschen wissen wir, dass sie zu misstrauischer Verarbeitung der fehlenden akustischen Informationen über ihre Umwelt neigen. Aus anthropologischer Sicht ist diese Reaktionsbereitschaft durchaus sinnvoll. Für das Überleben der urzeitlichen Menschen war es sicher lebensdienlicher, bei Unbekanntem zunächst von einer Gefährdung auszugehen, statt darauf zu vertrauen, es werde sich schon nichts Bedrohliches dahinter verbergen. Dies führt allerdings dazu, dass der schwerhörige Mensch mitunter denkt, es würde schlecht über ihn geredet, wenn er das Gesprochene akustisch nicht verstehen kann. Er bezieht Gespräche und damit verbundene Handlungen u.U. wahnhaft auf sich selbst ( ▶ Abb. 2.7).
Manchmal scheint sich das Gehör zu „verselbstständigen“. So werden von den Schwerhörigen gelegentlich Geräusche, Stimmen oder Gesang vernommen, ohne dass diese Wahrnehmung eine reale Entsprechung hätte.
Das Sehen dient in Kombination mit der Hand der Bewegung in gewohnten oder unbekannten Umwelten. Das Zusammenspiel beider ist an zahlreichen Aktivitäten des Alltages beteiligt. So ermöglicht uns das Sehen und Tasten die Orientierung beim Gehen oder Autofahren, das Lesen von Informationen oder das Ausfüllen von Formularen usw. Die Beeinträchtigung des Sehvermögens kann ebenfalls eine Isolation und den sozialen Rückzug verstärken.
Mit schwindender Sehfähigkeit nimmt das Auftreten illusionärer Verkennungen zu. Eine schlecht beleuchtete Umgebung führt zu einer Schattenbildung, die fremde Personen oder Tiere vortäuschen kann. Neben dem Schrecken, den die fremde oder unerwartete Wahrnehmung meist verursacht, können diese Situationen wahnhaft ausgeformt werden oder aber von der Umwelt als wahnhaft gedeutet werden.
Die Nahrungsaufnahme ist für uns Menschen mehr als das bloße Zuführen von Kalorien. Das Essen soll auch gut riechen und gut schmecken ( ▶ Abb. 2.8). Schwinden Geruchs- und Geschmackssinn, wird das Essen fad und unappetitlich. Ist dann durch das eingeschränkte Sehen nicht zu erkennen, worum es sich bei dem Nahrungsmittel bzw. Gericht handelt, wird es eher nicht gegessen. Es könnte ja schaden oder könnte gar – im Sinne einer wahnhaften Befürchtung des betroffenen Menschen – vergiftet sein.
Essen und Trinken.
Abb. 2.8 Die appetitliche Darreichung des Essens ist von großer Bedeutung.
(Quelle: © K. Oborny/Thieme Group)
Wegen der verloren gegangenen geschmacklichen Kontrolle können Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen allerdings durchaus Dinge zu sich nehmen, die nicht zur Ernährung geeignet sind, wie Pflanzen, verdorbene Lebensmittel oder in extremen Fällen ihre eigenen Exkremente.
Definition
Schlaf ist eine physiologische Bewusstseinsvertiefung mit veränderten vegetativen Reaktionen (Blutdruck, Puls, Atmung, Temperatur usw.) und einem Erlöschen der zielgerichteten Motorik.
Die Wahrnehmungsbereitschaft bleibt im Schlaf zum großen Teil erhalten. Allerdings kommt es zu Bewusstseinsveränderungen wie dem Traum. Der Schlaf folgt einem zirkadianen Rhythmus und wird von mehreren psychophysiologischen Parametern gesteuert, der sog. inneren Uhr.
Schlaf ist kein gleichbleibender Zustand, er verändert sich mehrmals periodisch in der Nacht. Während des Schlafes wechseln sich Tiefschlafphasen mit Phasen des leichteren Schlafes ab. Typisch sind die EEG-Veränderungen und die regelmäßig auftretenden schnellen Augenbewegungen (rapid eye movement; REM-Schlafphase). Die genauen Ursachen, die zum Schlaf führen, kennt man nicht. Als gesichert scheint die Wirkung von Hell/Dunkel, Tag/Nacht und der Einfluss von Wachstumshormon sowie Kortisol auf die Schafphasen zu sein. Auch das Melatonin, das in der Zirbeldrüse produziert wird, scheint den Schlaf zu beeinflussen. Die Melatoninausschüttung wird vom Hypothalamus gesteuert und steht im engen Zusammenhang mit der Lichtzeit des Tages.
Der Neurologe, Psychiater und Schlafmediziner Göran Hajak und Kollegen (2005) beschreiben unterschiedliche Faktoren, die einen Schlaf negativ beeinflussen können ( ▶ Tab. 2.4 ).
Tab. 2.4
Altersbedingte Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus [Tabelle basiert auf Angaben aus: Hajak et al. 2005].
Veränderung
Merkmale
Verlagerung der Schlafperiode
abends früher einschlafen, morgens früher wach werden
Abflachung der Schlafstadien
Abnahme des Tiefschlafs, Zunahme des Leichtschlafs
Kontinuitätsunterbrechung des Schlafes
Zunahme der Wecksignale in der Hirnstromkurve, dadurch häufige Schlafunterbrechungen
Schlafpolyphasie
Schlafperioden am Tag über den Nachtschlaf hinaus
interne Verflachung des Schlafrhythmus
verminderte Signale des zirkadianen Schrittmachers im Zentralnervensystem
externe Verflachung des Schlafrhythmus
Wegfall externer Zeitgeber für eine geregelte Schlaf-Wach-Rhythmik
organisch bedingte Schlafstörung
Nykturie, Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom
psychisch bedingte Schlafstörung
Depression
Verlagerung der Schlafperiode Die Einschlafzeit
