Gesammelte Literaturkritiken - Ernst Weiß - E-Book

Gesammelte Literaturkritiken E-Book

Ernst Weiß

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Beschreibung

Ernst Weiß' "Gesammelte Literaturkritiken" versammelt eine Reihe prägnanter und scharfsinniger Essays, die sich mit den bedeutendsten literarischen Werken und Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts auseinandersetzen. In einem klaren, doch oft poetischen Stil gelingt es Weiß, die essenziellen Merkmale der behandelten Texte zu erfassen und sie in den historischen und kulturellen Kontext ihrer Entstehung einzuordnen. Die Vielfältigkeit der behandelten Themen, von expressionistischen Experimenten bis hin zu klassischen Erzähltraditionen, eröffnet dem Leser tiefere Einblicke in die zeitgenössische Literatur und deren Entwicklung. Dabei zeigt er sich als brillanter Analytiker, der nicht nur die Literatur selbst, sondern auch die psychologischen und sozialen Hintergründe der Autoren beleuchtet. Ernst Weiß war nicht nur als Schriftsteller tätig, sondern auch als Journalist und Kritiker, was sich deutlich in der Qualität und Schärfe seiner Essays widerspiegelt. Geboren 1875 in Prag, lebte er in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umwälzungen und kultureller Blüte, die seine Sicht auf Literatur nachhaltig prägte. Sein umfangreiches Wissen über Psychologie, Philosophie und Kunst durchdringt seine Kritiken, wodurch sie zu einem wirkungsvollen Beitrag zum literarischen Diskurs seiner Zeit werden. Für Leser, die sich für die Verbindung von Literatur und Gesellschaft interessieren, ist "Gesammelte Literaturkritiken" eine unverzichtbare Lektüre. Weißs scharfsinnige Analysen und eloquenten Formulierungen laden dazu ein, über die Grenzen der eigenen Leseerfahrung hinauszudenken. Dieses Werk ist sowohl für Literaturwissenschaftler als auch für Liebhaber der Belletristik eine wertvolle Bereicherung, die das Verständnis für die Kunst des Schreibens vertieft. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Ernst Weiß

Gesammelte Literaturkritiken

Bereicherte Ausgabe. Franz Kafka, die Tragödie eines Lebens + Thomas Mann, der Zauberberg + Giacomo Casanova + Rousseau…
Einführung, Studien und Kommentare von Timo Seidel
EAN 8596547742135
Bearbeitet und veröffentlicht von DigiCat, 2023

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Historischer Kontext
Synopsis (Auswahl)
Gesammelte Literaturkritiken: Franz Kafka, die Tragödie eines Lebens + Thomas Mann, der Zauberberg + Giacomo Casanova + Ernest Hemingway + Rousseau + Cervantes zu Ehren + Kleist als Erzähler und mehr
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Diese Sammlung vereint Literaturkritiken und essayistische Betrachtungen von Ernst Weiß zu Werken, die in der deutschsprachigen und internationalen Moderne Orientierungspunkte bilden. Unter dem Titel „Gesammelte Literaturkritiken: Franz Kafka, die Tragödie eines Lebens + Thomas Mann, der Zauberberg + Giacomo Casanova + Ernest Hemingway + Rousseau + Cervantes zu Ehren + Kleist als Erzähler und mehr“ begegnen wir einem Autor, der Lektüren mit der Sensibilität des Arztes und der Genauigkeit des Romanciers verbindet. Ziel ist nicht die endgültige Wertung, sondern die Erhellung von Form, Ton und gedanklichem Gehalt. Die Auswahl ordnet Einzelstimmen in größere Zusammenhänge ein und zeigt, wie vielfältig die Wege sind, auf denen Texte unsere Gegenwart berühren.

Der Band deckt ein breites Spektrum literarischer Gattungen ab. Er behandelt Romane und Novellen wie Thomas Manns „Der Zauberberg“, Franz Kafkas „Der Prozeß“, Hans Falladas „Bauern, Bonzen und Bomben“, Italo Svevos „Zeno Cosini“ und Klaus Manns „Der fromme Tanz“. Dazu treten autobiographische und dokumentarische Schriften wie Giacomo Casanovas „Erinnerungen“, Theodore Dreisers „Das Buch über mich selbst“ sowie Jack Londons „König Alkohol“ und „Menschen der Tiefe“. Biographische Werke wie Stefan Zweigs „Joseph Fouché“ und „Magellan“ oder Eve Curies „Madame Curie“ stehen neben erzählerischen Experimenten und essayistischen Miniaturen wie Paul Valérys „Herr Teste“ und John Dos Passos’ „Manhattan Transfer“.

Die Auswahl macht erfahrbar, wie Literatur Krisen, Entscheidungen und Übergänge sichtbar macht. Fragen nach Gewissen, Macht und Verantwortung strukturieren die Lektüren zu Zweig, Werfel oder Heinrich Mann, während Stadterfahrung, Medienrhythmus und soziale Verdichtung bei Dos Passos oder Galsworthy Akzente setzen. Mit Svevo, Radiguet oder Tschechow rücken Selbstprüfung, Erinnerung und das Rätsel psychischer Spannung in den Blick. Politische und gesellschaftliche Umbrüche bilden den Resonanzraum von Reger, Bredel oder Kersten. Im Hintergrund stehen stets die Grundmotive des modernen Lebens: Freiheit und Bindung, Schuld und Recht, Sprache und Schweigen, Würde und Verletzbarkeit.

Weiß’ kritische Verfahren verbinden anschauliche Beobachtung mit analytischer Strenge. Er nimmt die architektonischen Entscheidungen eines Textes ebenso ernst wie seine Tonlage, seine innere Logik und seine ethische Temperatur. Dabei misstraut er Schlagworten und wendet sich den Details zu: Motivverschiebungen, Perspektivenwechsel, erzählerische Ökonomie, Stilantriebe. Seine Aufmerksamkeit gilt auch der Vermittlung – den deutschsprachigen Titeln, der Rolle von Übersetzungen, der Publikationspraxis – ohne den Eigenklang der Originale aus dem Blick zu verlieren. Aus solchem Nahsehen entstehen Urteile, die argumentieren statt zu posaunen, und Einsichten, die das Wiederlesen belohnen.

Charakteristisch ist zudem die Balance aus Kanonischem und Überraschendem. Neben weithin präsenten Namen wie Kafka, Thomas Mann, Zweig, London, Dos Passos, Hemingway oder Margaret Mitchell stehen Stimmen, die neue Perspektiven eröffnen: Rahel Sanzara, Alfred Wolfenstein, Sergej Tretjakow, A. H. Tammsaara oder Hermann Kersten. Französische, italienische, russische, estnische, angelsächsische und deutschsprachige Literatur treten in Dialog – und mit ihnen unterschiedliche Institutionen des Schreibens: Feuilleton und Reportage, Briefform und Memoir, Romanzyklus und Novellensammlung. So entsteht ein Panorama, das Vielfalt ordnet, ohne sie zu glätten.

Der historische Horizont reicht von klassischer Überlieferung bis zur literarischen Moderne. Essays zu Rousseau, Cervantes und „Kleist als Erzähler“ markieren eine Traditionslinie, an der die Verfahren der Gegenwart gemessen werden: Selbstprüfung, Ironie, erzählerische Ökonomie, moralische Imagination. Zugleich geben Casanovas Erinnerungen oder Galsworthys und Werfels Prosawelten Kontrast und Tiefenschärfe. Die deutschsprachigen Titel in dieser Sammlung verweisen auf die jeweilige Rezeption, ohne die Herkunft der Werke zu verdecken. So wird sichtbar, wie literarische Formen über Epochen und Sprachen hinweg in Bewegung bleiben – als lebendige Archive von Erfahrung.

Die vorliegende Ausgabe versteht sich als Einladung zum Gespräch. Sie führt durch große Namen und unerwartete Funde, bietet Orientierung, ohne den Variantenreichtum der Lektüren zu beschneiden, und zeigt, wie ästhetische Urteilskraft und historische Aufmerksamkeit einander befördern. Wer diesen Band aufschlägt, erhält keine fertigen Rezepte, sondern durchdachte Lesewege: behutsam gegenüber dem Geheimnis der Texte, genau in der Beschreibung, offen für Widerspruch. In diesem Sinn ehrt die Sammlung nicht nur einzelne Werke, sondern die kritische Praxis selbst – als Kunst der Aufmerksamkeit, der Verständigung und der immer erneuten, verantwortlichen Aneignung.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Ernst Weiß (1882–1940), Arzt und Schriftsteller aus dem alten Habsburgerraum, beobachtete die Literatur mit dem klinischen Blick eines Chirurgen und der Skepsis eines zwischen Imperien und Nationen Aufgewachsenen. Seine gesammelten Kritiken umfassen Autoren vom 18. Jahrhundert bis zur Zwischenkriegszeit und spiegeln Europas beschleunigte Umbrüche. Weiß diente im Ersten Weltkrieg als Militärarzt, erlebte die materiellen und seelischen Verwundungen aus nächster Nähe und emigrierte 1933 nach Paris, wo ihn 1940 die deutsche Besatzung in den Freitod trieb. Dieser Lebensweg prägt Ton und Auswahl: Humanpathologie, moralische Bewährung und politische Diagnostik werden zu verbindenden Leitkategorien seiner Lektüren und Urteile.

Der Erste Weltkrieg (1914–1918) und seine langen Schatten strukturieren viele in der Sammlung besprochene Werke. Krankheit und Kurort werden zu Chiffren einer erschöpften Zivilisation, die Thomas Mann im Zauberberg (1924) exemplarisch entwirft, während Franz Kafkas posthum edierter Prozeß (1925) die entmenschlichte Bürokratie der Moderne mythologisiert. Urbanisierung, Inflation und politische Gewalt der Weimarer Jahre (vor allem 1918–1923 und 1929–1932) nähren den nüchternen Ton der Neuen Sachlichkeit, spürbar bei Hans Fallada oder Erik Reger, und das montierte Großstadtpanorama bei John Dos Passos. Weiß liest diese Texte als Symptome einer Gesellschaft, die zwischen technischer Beschleunigung und moralischer Ohnmacht oszilliert.

Die literarische Moderne experimentiert mit Bewusstseinsdarstellung, Montage und Ironie. Italo Svevos Zeno Cosini (1923) und Ein gelungener Scherz erkunden das Selbst im Spiegel der Psychoanalyse, deren Durchbruch seit Freuds Traumdeutung (1900) und der Wiener Schule Schreibweisen nachhaltig veränderte. Paul Valérys Herr Teste radikalisiert das Denken als literarisches Ereignis, während Sinclair Lewis’ Gesellschaftssatiren den amerikanischen Konformismus sezieren. Weiß verbindet diese Verfahren mit seinem ärztlichen Interesse an Symptomen: Er deutet Stile als Diagnosen und Figuren als Fallgeschichten, in denen Nervosität, Sucht oder Zwang – von Jack Londons Alkoholbeichten bis zu radikaler Selbstbeobachtung – die Pathologien der Moderne sichtbar machen.

Zwischen Paris, Berlin, Prag und New York zirkulieren Autorinnen und Autoren, Übersetzungen, Zeitschriften und Debatten. Hemingways In unserer Zeit (1925) steht für die kosmopolitische „Lost Generation“, deren Kriegserfahrung in den Cafés von Montparnasse eine neue Lakonie formte. John Dos Passos’ Manhattan Transfer (1925) und Galsworthys späte Gesellschaftsromane vermessen kapitalistische Metropolen, während Alfred Wolfensteins Hier schreibt Paris und die Reportagen Jack Londons das soziale Unten dokumentieren. Die deutsche Rezeption erfolgt über das Feuilleton großer Blätter und ein wachsendes Verlagsnetz. Weiß fungiert hier als Mittler, der internationale Experimente in einen mitteleuropäischen Diskurs der Maßhaltung und Verantwortung übersetzt.

Politische Zäsuren prägen die Sammlung quer durch nationale Literaturen. Die Russische Revolution 1917 und die sowjetische Avantgarde liefern mit Sergej Tretjakow ein Beispiel für engagierte Reportage, die später unter dem Großen Terror in Bedrängnis gerät. Die Spanische Republik und der Bürgerkrieg (1936–1939) bilden den Hintergrund für Willi Bredels Begegnung am Ebro und Hermann Kerstens Kinder von Gernika, die Bombardierung von Guernica 1937 literarisch verarbeiten. In Deutschland eskalieren Weimarkrisen und Straßengewalt bis zur Machtübernahme 1933; Thomas Manns Mario und der Zauberer (1930) allegorisiert die Verführung des Autoritären. Autoren wie Heinrich Mann, Werfel oder Zweig geraten ins Exil oder unter Zensur.

Parallel dazu erlebt die biographische und historische Erzählung Konjunktur. Stefan Zweigs Joseph Fouché (1929) und Magellan (1938) erforschen Charakter und Entdeckergeist als moralische Prüfsteine; Eve Curies Madame Curie (1937) knüpft an die Autorität der Wissenschaft in einer verunsicherten Epoche an. Margaret Mitchells Vom Winde verweht (1936) reinszeniert den amerikanischen Bürgerkrieg als Erinnerungspolitik, während Casanovas Memoiren das 18. Jahrhundert als Labor individueller Freiheit aufrufen. Weiß deutet diese Rückgriffe als Versuche, Orientierung in Krisenjahren zu gewinnen: Vorbilder, Abgründe und Zufälle historischer Karrieren sollen Gegenwartskunst und Gegenwartsethik auf Eigensinn und Verantwortlichkeit verpflichten, nachdrücklich.

Regionale Modernen treten charakteristisch hervor. In Estland begleitet A. H. Tammsaare die Nationsbildung nach 1918; italienische Provinz und Triest liefern Italo Svevo einen Übergangsraum zwischen Handelskapitalismus und Introspektion. In Frankreich verbinden Radiguet und Duhamel Nachkriegsdesillusionierung mit moralischer Prüfung, in Russland markieren Tschechow und Leskow kanonische Gegenentwürfe zum heroischen Pathos. Deutschland und Mitteleuropa verhandeln Demokratie und Autorität bei Thomas und Heinrich Mann, Fallada, Reger oder Rahel Sanzara sowie Gerhart Hauptmann; zugleich feiern Essays die klassischen Ahnherren Rousseau, Cervantes und Kleist. Weiß verknüpft diese Felder mit Schauplätzen wie Berlin, Wien, Prag und Paris, wo Presse, Salons und Theater als Resonanzräume wirken.

Die zeitgenössische Rezeption vollzieht sich im dichten Netz der Feuilletons, Lesebühnen und Buchklubs der 1920er und 1930er Jahre; Wirtschaftskrisen und politische Säuberungen verändern Leserschaften, Vertrieb und Kanon. Nach 1933 prägen Emigration und Verbotspolitik die Wahrnehmung, während Paris, Zürich und Amsterdam zu Knoten des Exils werden. Viele der hier behandelten Werke wurden erst nach 1945 endgültig kanonisiert. Ernst Weiß, dessen Leben 1940 tragisch endet, geriet im Schatten jener Autorennamen lange in Vergessenheit. Seine Sammlung dokumentiert jedoch eine paneuropäische Gesprächslage unter Druck, in der Metaphern der Medizin, der Verwaltung und des Rechts helfen, Literatur als gesellschaftliche Diagnostik zu begreifen.

Synopsis (Auswahl)

Inhaltsverzeichnis

Thomas Mann: Der Zauberberg + Mario und der Zauberer

Im Zauberberg tritt ein junger Mann in die abgeschlossene Welt eines Sanatoriums, wo Zeit, Krankheit und geistige Debatten seinen Blick formen. Mario und der Zauberer zeigt eine Vorführung, die zur Demonstration von Massensuggestion und autoritärer Verführung wird; der Ton ist scharf, ironisch und unheilvoll.

Franz Kafka: Der Prozeß

Ein Angeklagter ohne klares Vergehen verheddert sich in einer undurchsichtigen Gerichtsbarkeit und sucht vergeblich nach Sinn.

Kühle, albtraumhafte Prosa verhandelt Schuld, Bürokratie und Existenzangst in einer zwingenden, klaustrophobischen Logik.

Raymond Radiguet: Das Fest + Der Teufel im Leib

Zwei kurze Romane beobachten jugendliche Leidenschaft im Konflikt mit Konvention und dem Schatten des Krieges.

Präzise, unsentimentale Sprache verwandelt Glut in klare Analyse von Eros, Eitelkeit und Leichtsinn.

Selbstzeugnisse: Casanova (Erinnerungen) + Dreiser (Das Buch über mich selbst) + Jack London (König Alkohol)

Drei Selbstberichte inszenieren das Ich als Bühne und Labor: vom libertinen Abenteuer über den Weg des amerikanischen Schriftstellers bis zur schonungslosen Bilanz der Sucht.

Offenheit, Episodenform und soziale Beobachtung halten Bekenntnis und Selbststilisierung in spannungsreichem Gleichgewicht.

Großstadt und soziale Realität: Manhattan Transfer + Menschen der Tiefe + Hier schreibt Paris

Diese Texte kartieren das urbane Leben zwischen Glanz und Elend, montieren Fragmente, Reportage und Impression zu einem Stadtraum-Panorama.

Montierte Formen und dokumentarische Impulse legen Anonymität, Klassenspaltungen und den Puls der Moderne frei.

Sinclair Lewis: Der Erwerb

Ein satirisches Porträt amerikanischer Geschäftskultur prüft Konformismus, Erfolgsrituale und den Preis des Aufstiegs.

Trockener Witz und scharfe Gesellschaftsbeobachtung entlarven die Mechanik des Erwerbs und die innere Unsicherheit dahinter.

Paul Valéry: Herr Teste

Ein Denker strebt nach reiner Klarheit und löst Denken radikal von der Welt, um es zu prüfen.

Aphoristische, analytische Prosa verwandelt Erzählung in eine Meditation über Bewusstsein und seine Grenzen.

Italo Svevo: Zeno Cosini + Ein gelungener Scherz

Zwei Triestiner Erzählungen begleiten selbstrechtfertigende Antihelden, die mit Ironie und Introspektion Verantwortung umgehen.

Psychoanalytische Motive und komische Selbstentlarvung ergeben einen modernen, widersprüchlichen Ton.

Stefan Zweig: Joseph Fouché + Magellan

Zwei Biographien entfalten die Laufbahnen eines politischen Verwandlungskünstlers und eines ausdauernden Seefahrers, um Charakter unter historischem Druck zu zeigen.

Elegante, empathische Erzählweise betont Entscheidungsmomente und moralische Ambivalenz und macht Geschichte zu psychologischem Drama.

Stefan Zweig: Ungeduld des Herzens

Die Verstrickung eines Offiziers mit einer verletzlichen jungen Frau wird zur Studie über Mitleid, Begehren und Selbsttäuschung.

Geschmeidige, spannungsreiche Prosa zeigt, wie gute Absichten in Unheil kippen, ohne zu moralisieren.

Familienepos und Gesellschaft im Wandel: Die Thibaults + Schwanengesang + Vom Winde verweht

Drei Sagas folgen Familien durch Umbrüche: von Europa vor dem Weltkrieg über das späte Klingen einer englischen Dynastie bis zum amerikanischen Süden im Bürgerkrieg.

Fein gezeichnete Milieus und wandelnde Normen beleuchten Erbe, Stolz und die Kosten historischer Veränderungen.

Russische Erzählkunst: Der schwarze Mönch (Tschechow) + Novellen (Leskow)

Diese Erzählungen erkunden Besessenheit, Gewissen und das Wunderbare im Alltäglichen, zwischen stillen seelischen Krisen und volkstümlich gefärbten Moralparabeln.

Zurückhaltender Humanismus, Ironie und mündliche Erzähltonlagen machen innere Konflikte ohne Spektakel sichtbar.

Klaus Mann & Rahel Sanzara: Junge Existenzen zwischen Begehren und Gesellschaft (Der fromme Tanz + Das verlorene Kind)

Zwei Romane verfolgen junge Menschen, die zwischen Sexualität, Kunst und Erwartungshaltungen ihre Identität suchen.

Offener, verletzlicher Ton macht privates Begehren zum Prüfstein moderner Selbstentwürfe.

Gerhart Hauptmann: Die Insel der großen Mutter + Buch der Leidenschaft

Ein Werk entwirft eine mythische Mikrogemeinschaft unter Extrembedingungen, das andere variiert Studien von Leidenschaft und Schicksal.

Der Registerwechsel von allegorischem Versuch zu naturalistischer Intensität prüft fortwährend das Verhältnis von Trieb und Moral.

Französische Provinz und Humanismus: Zwei Freunde (Duhamel) + Schwarzes Land (Chateaubriant)

Diese Geschichten stellen Loyalität, Arbeit und die Würde des einfachen Lebens fern der Metropole ins Zentrum.

Klare, mitfühlende Prosa setzt auf Gemeinschaftsbindung und Beharrlichkeit und widerspricht leise der Hast und Härte der Moderne.

Weimarer Politik und Wirtschaft: Bauern, Bonzen und Bomben + Union der festen Hand + Die große Sache

Drei Romane sezieren Machtkämpfe zwischen Parteien, Industrie und Bürgern und zeigen Korruption, kollektives Handeln und moralische Pose.

Reportagenähe und satirische Schärfe verdichten sich zu einer Diagnose der fragilen republikanischen Kultur.

Spanischer Bürgerkrieg: Die Kinder von Gernika + Begegnung am Ebro

Ein mitfühlender Blick fällt auf Zivilisten und Freiwillige im spanischen Konflikt, von entwurzelten Kindern bis zu Kämpfern an der Front.

Dokumentarischer Ton und engagierte Haltung zeigen Leid, Solidarität und die Spannungen zwischen Erfahrung und Propaganda.

Eve Curie: Madame Curie

Ein biographisches Porträt zeichnet wissenschaftliche Strenge und persönliche Standhaftigkeit unter Mangel und Skepsis nach.

Nüchterne, respektvolle Darstellung betont Arbeitsethos, Partnerschaft und die leise Dramaturgie der Forschung.

Ernest Hemingway: In unserer Zeit

Kurze Stücke kreisen um Krieg, Sport und brüchige Beziehungen und skizzieren einen Kodex stoischer Selbstbehauptung.

Knappe, spannungsreiche Sätze lassen Bedeutungen unter der Oberfläche arbeiten und destillieren Erfahrung zu dichten Momenten.

Sergej Tretjakow: Den-Schi-Chua

Ein dokumentarisches Porträt eines Künstlers dient als Fallstudie revolutionärer Darstellung und transnationalen Austauschs.

Montage, Reportage und agitatorische Impulse verbinden Ästhetik mit Zweck, ohne die Figur zu verklären.

A. H. Tammsaara: Wargamäe

Der Kampf einer bäuerlichen Gemeinschaft wird zur Meditation über Gerechtigkeit, Glauben und die langsame Geburt einer Nation.

Epische Breite und nüchterner Realismus zeigen, wie Besitz, Ehrgeiz und Pflicht Generationen formen.

Franz Werfel: Barbara oder Die Frömmigkeit + Der veruntreute Himmel

Zwei Erzählungen prüfen Frömmigkeit an menschlicher Schwäche und verfolgen, wie Andacht sich mit Eitelkeit, Schuld und Hoffnung mischt.

Warmherziger, ironieempfindlicher Blick verhandelt religiöse Motive als Kräfte moralischer Selbstprüfung.

Gesammelte Literaturkritiken: Franz Kafka, die Tragödie eines Lebens + Thomas Mann, der Zauberberg + Giacomo Casanova + Ernest Hemingway + Rousseau + Cervantes zu Ehren + Kleist als Erzähler und mehr

Hauptinhaltsverzeichnis
Gerhart Hauptmann, die Insel der großen Mutter
Thomas Mann, der Zauberberg
Giacomo Casanova, Erinnerungen
Franz Kafka, Der Prozeß
Raymond Radiguet, das Fest und der Teufel im Leib
Georges Duhamel, zwei Freunde
Alphonse de Chateaubriant, Schwarzes Land
Jack London, König Alkohol
Klaus Mann, der fromme Tanz
Anton Tschechow, Der schwarze Mönch
Rahel Sanzara, Das verlorene Kind
Paul Valéry, Herr Teste
John Dos Passos, Manhattan Transfer
Nikolai Leskow, Novellen
John Galsworthy, Schwanengesang
Roger Martin Du Gard, Die Thibaults
Jack London, Menschen der Tiefe
Sinclair Lewis, Der Erwerb
Italo Svevo, Zeno Cosini
Stefan Zweig, Joseph Fouché
Franz Werfel, Barbara oder Die Frömmigkeit
Gerhart Hauptmann, Buch der Leidenschaft
Thomas Mann, Mario und der Zauberer
Heinrich Mann, Die große Sache
Hans Fallada, Bauern, Bonzen und Bomben
Erik Reger, Union der festen Hand
Alfred Wolfenstein, Hier schreibt Paris
Sergej Tretjakow, Den-Schi-Chua
Theodore Dreiser, Das Buch über mich selbst
Ernest Hemingway, In unserer Zeit
Italo Svevo, Ein gelungener Scherz
Eve Curie, Madame Curie
Stefan Zweig, Magellan
Hermann Kersten, Die Kinder von Gernika
Willi Bredel, Begegnung am Ebro
Stefan Zweig, Ungeduld des Herzens
A. H. Tammsaara, Wargamäe
Margaret Mitchell, Vom Winde verweht
Franz Werfel, Der veruntreute Himmel

Gerhart Hauptmann, die Insel der großen Mutter

Inhaltsverzeichnis

Der Beginn des neuen Romanes von Gerhart Hauptmann ist prachtvoll: »Dem Ufer einer herrlich und verlassen prangenden, von Gebirgen überhöhten Insel im südlichen Weltmeer näherten sich eines Tages mehrere Boote, als die Sonne gerade im Mittag brütete.« Solch eines Einleitungssatzes brauchte sich Kleist nicht zu schämen, und die folgende Exposition scheint den hochgespannten Erwartungen recht zu geben. Es sind schiffbrüchige Frauen, die sich, lachend und wehklagend zugleich, in den Booten auf die verlassene Insel flüchten, die ihnen von jetzt an Heimat, Bodenkrume, Arbeitsfeld, Totenacker, Schauplatz aller Leiden, Freuden, Pläne, Hoffnungen und Leidenschaften werden soll. Sie werden, so glaubt man, jetzt wie Robinson Crusoe die Zivilisation, die Gesittung, die menschliche Gesellschaft aus dem Urkern wieder aufbauen; die reinsten menschlichen Beziehungen werden sich in der balsamischen, regenfreien, klaren Luft der einsamen Insel wie in Goethes »Wahlverwandtschaften« in völliger Reinheit, Unbefangenheit und daher mit letzter Tragik entwickeln. Nun müßte das Menschengeschlecht mit ihnen aussterben, falls nicht eine unter ihnen wäre, die guter Hoffnung ist. Doch dies trifft nicht zu. Aber es ist ein zwölfjähriger schöner Knabe, namens Phaon, mit gerettet worden, von dem nun die Erhaltung dieses von dem übrigen Menschengeschlecht abgeschnittenen Zweiges abhängt. Zweihundert Frauen und nur ein Mann. Zweihundert vollblütige Menschen im sinnlichen Überfluß, denn diese schiffbrüchigen Weiber haben alles Nötige und Überflüssige gerettet: Sie haben in ihren Kähnen nicht, nur Feuerzeug, Waffen, Kochgeschirr, sondern Pelze, Füllfedern, Papier, Taschentücher, Zigarren, Bordstühle und ein Büchelchen von Wilhelm Bölsche gerettet, worin der Schädel eines auf Java ausgegrabenen Menschenaffen abgebildet ist, damit man seine Ähnlichkeit mit dem ersten Menschen feststellen könne, der auf der Insel geboren wird. Alles haben diese guten Weiber gerettet, nur ihr Empfinden, ihre angeborenen, selbstverständlichen Instinkte haben sie bei dem Untergang ihres Schiffes verloren, oder der Dichter hat sie ihnen grausam genommen. So viel Frauen und kein Mann. Eine Komödie. So viel Frauen und kein Kind. Eine Tragödie. Keines von beiden erfüllt sich.