Geschichte des Zauberers Merlin - Dorothea Schlegel - E-Book

Geschichte des Zauberers Merlin E-Book

Dorothea Schlegel

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Beschreibung

In "Geschichte des Zauberers Merlin" entfaltet Dorothea Schlegel eine faszinierende Erzählung, die sich auf die legendären Abenteuer des berühmtesten Magiers der Artus-Sage konzentriert. Schlegels literarischer Stil verbindet lyrische Prosa mit tiefgreifenden philosophischen Reflexionen, wodurch ein reichhaltiges und atmosphärisches Bild der mythischen Welt entsteht. Das Werk ist nicht nur ein spannender Abenteuerroman, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der Frage nach Macht, Wissen und der Menschlichkeit des Übernatürlichen, eingebettet in einen literarischen Kontext, der von Romantik und Aufklärung geprägt ist. Dorothea Schlegel, eine zentrale Figur der deutschen Romantik und das erste weibliche Mitglied der berühmten Schlegel-Brüder, war bekannt für ihre herausragenden Leistungen in Literatur und Philosophie. Ihr umfangreicher Bildungsweg und ihre intensive Auseinandersetzung mit den großen Denkern ihrer Zeit, insbesondere zu Themen wie Spiritualität und Mythologie, prägen die thematische Tiefe und die Interpretationen in diesem Buch. Ihr persönliches Leben, einschließlich der Einflüsse von Familie, Freundschaften und gesellschaftlichen Umwälzungen, spiegelt sich in der Komplexität der Charaktere und ihrem Streben nach Erkenntnis wider. Leser, die sich für die Verflechtung von Mythos und menschlicher Erfahrung interessieren, werden von Schlegels meisterhafter Erzählkunst und der philosophischen Dimension ihrer Darstellung begeistert sein. "Geschichte des Zauberers Merlin" ist nicht nur für Liebhaber der romantischen Literatur von Bedeutung, sondern fordert auch dazu auf, Fragen nach der eigenen Identität und den Grenzen der Realität zu stellen. Ein fesselndes Werk, das sowohl unterhält als auch zum Nachdenken anregt. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Dorothea Schlegel

Geschichte des Zauberers Merlin

Bereicherte Ausgabe. Aufregende Geschichte der bekanntesten mythischen Zauberer
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen
Bearbeitet und veröffentlicht von Good Press, 2023
EAN 8596547805472

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Geschichte des Zauberers Merlin
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Zwischen Weissagung und freiem Willen, zwischen der verführerischen Macht des Wissens und der Verantwortung seines Gebrauchs entfaltet sich in Dorothea Schlegels Geschichte des Zauberers Merlin die Gestalt des Sehers als Prüfstein für Herrschaft und Gewissen, als Mittler zwischen Natur und Hof, als Figur, die die Grenzen von Liebe, Pflicht und Wahrheit auslotet und eine Welt im Übergang spiegelt, in der jedes Wunder zugleich Verheißung und Gefahr bedeutet, jede Entscheidung ein Echo in der Ordnung der Dinge hinterlässt und der Mensch, gerade im Angesicht des Übernatürlichen, nach eigener Maßgabe zu handeln lernt.

Die Geschichte des Zauberers Merlin ist eine romantische Erzählung, die einen altüberlieferten Sagenstoff in das ästhetische Denken der deutschen Romantik rückt. Schauplatz ist das mythische Britannien der Artus-Tradition, eine Landschaft, in der Hofkultur und wilde Natur, politisches Kalkül und unerklärliche Kräfte aufeinandertreffen. Dorothea Schlegel, eine Stimme der Frühromantik, greift den europäischen Merlin-Stoff auf und formt ihn als Prosawerk, das Märchenhaftes mit historischer Imagination verbindet. Nicht die antiquarische Treue steht im Vordergrund, sondern die sinnstiftende Deutung der Sage für eine moderne Empfindsamkeit, die das Wunderbare als Gegenpart zur nüchternen Vernunft ernst nimmt.

Ohne in das spätere Geschehen vorzugreifen, lässt sich die Ausgangssituation so umreißen: In einem zerrissenen Land wächst eine rätselhafte Begabung heran, deren Wort Gewicht für Fürsten und Volk gewinnt, während zugleich die eigenen Grenzen dieser Gabe sichtbar werden. Der Erzählduktus bleibt ruhig und weit, trägt den Leser mit ausgewogenen, bilderreichen Perioden durch eine Welt, die gleichermaßen vertraut und entrückt erscheint. Der Ton ist ernst, doch nicht düster; er kennt Staunen ohne Naivität und Skepsis ohne Zynismus. Das Leseerlebnis ist atmosphärisch dicht, spannungsvoll eher durch geistige Konflikte als durch bloßen äußeren Effekt.

Zentrale Themen sind das Verhältnis von Wissen und Macht, die Ethik der Beratung und die Frage, ob Voraussicht bindet oder befreit. Merlin verkörpert die Ambivalenz des Wissens: Es schützt und verführt, klärt und verschleiert. Naturbilder strukturieren die Sinngebung der Handlung, als Resonanzraum für Verwandlung, Versuchung und Maßhalten. Ebenso wichtig ist die Spannung zwischen persönlichem Verlangen und öffentlicher Verantwortung: Welche Wahrheit ist wem wann zumutbar, und wer trägt die Last ihrer Folgen? In dieser Konstellation wird Magie weniger als Spektakel gezeigt denn als Sprache der Welt, die gedeutet, aber nicht besessen werden kann.

Stilistisch nutzt Schlegels Erzählung die romantische Kunst, das Mythische in psychologische Nähe zu rücken. Figuren wirken nicht als Allegorien, sondern als Menschen, deren Entscheidungen von Gefühl, Einsicht und Irrtum geprägt sind. Die Prosa entfaltet eine leise Musik, die auch in Übergängen, Pausen und Andeutungen Sinn trägt. Landschaft und Jahreszeiten eröffnen semantische Räume, in denen innere Prozesse äußerlich lesbar werden. So entsteht ein Schwebezustand zwischen Sage und Wirklichkeit, der nicht auf Lösung, sondern auf Einsicht zielt und die Lesenden ermutigt, das Unbestimmbare als Teil der Wahrheit anzunehmen.

Für heutige Leserinnen und Leser bleibt das Buch relevant, weil es Fragen berührt, die unsere Gegenwart umtreiben: Wie weit darf Expertise in Politik und Gesellschaft reichen, wo beginnt Bevormundung, und wer verantwortet Entscheidungen, die auf Prognosen beruhen? Die Erzählung spiegelt das Spannungsfeld zwischen Berechenbarkeit und Freiheit, das heute in Daten, Modellen und Algorithmen neu verhandelt wird. Zugleich zeigt sie, wie Erzählungen Sinn stiften, ohne endgültig zu entscheiden. Dass eine Autorin der Frühromantik den Merlin-Stoff gestaltet, öffnet eine zusätzliche Perspektive auf Macht, Stimme und Autorität in einem traditionell männlich dominierten Mythos.

Wer sich auf die Geschichte des Zauberers Merlin einlässt, findet keinen bloßen Stoffbericht, sondern eine poetische Einladung zum Nachdenken über Verantwortung, Maß und die Grenzen des Machbaren. Die Erzählung verlangt kein Vorwissen über Artus-Legenden, sondern führt durch klare, bildhafte Sprache sanft in ihr Bedeutungsfeld. Sie belohnt aufmerksames, langsames Lesen, bei dem Zwischentöne und Übergänge den größten Ertrag bringen. So wirkt der Text als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Er bewahrt den Zauber des Mythos und prüft zugleich seine Gültigkeit im Licht moderner Erfahrung.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte des Zauberers Merlin, in Dorothea Schlegels freier Bearbeitung eines mittelalterlichen Stoffs aus der Zeit der Romantik, entfaltet die Herkunft und Wirksamkeit des sagenhaften Sehers an den Anfängen der Artuswelt. In einer Sprache, die Legende, höfische Erzählung und christliche Sinnbilder verbindet, rahmt Schlegel die Figur als Vermittler zwischen einer untergehenden alten Ordnung und einer sich formierenden, moralisch begründeten Herrschaft. Der Text setzt mit einem rätselhaften Anfang und der Verheißung besonderer Gaben ein und etabliert früh die Leitfragen: Wozu dient Wissen, was darf Macht, und welche Verantwortung erwächst einem, der mehr sieht als andere?

Aus dem außergewöhnlichen Kind wird rasch eine Gestalt, deren Scharfsinn und Vorauswissen die Mächtigen alarmiert und anzieht. Als ein Herrscher an der Unmöglichkeit scheitert, einen Bau zu gründen, wird Merlin gerufen, um das Rätsel zu lösen. Er enthüllt verborgene Ursachen, rettet Unschuldige vor willkürlicher Strafe und erzwingt damit Anerkennung seiner Kunst. Diese frühen Szenen verbinden Wunder mit politischer Klugheit: Weissagung erscheint nicht als bloßes Spektakel, sondern als Mittel, Wahrheit gegen Irrtum und Gewalt durchzusetzen. Zugleich keimt der Konflikt, dass jede Offenbarung neue Abhängigkeiten stiftet und derjenige, der Rat gibt, in die Geschicke der Herrschaft verstrickt wird.

Von da an rückt die Frage legitimer Nachfolge in den Mittelpunkt. Merlin tritt als Berater eines Königs auf, dessen Leidenschaft die Ordnung bedroht. Mit List und Verwandlungskunst bahnt er eine Verbindung an, aus der ein verborgen gehaltenes Kind hervorgeht. Dieses Kind wird in fremder Obhut erzogen, fern vom Hof, um es vor Intrigen zu schützen. Die Episode entfaltet Schlegels Interesse an moralischen Ambivalenzen: Der Zweck, Frieden zu sichern, verlangt Tarnung und Täuschung; Nähe zum Guten entsteht aus zweifelhaften Mitteln. Identität, Herkunft und Treue werden zu Prüfsteinen, an denen sich das zukünftige Reich erst bewähren muss.

Als die Stunde der Entscheidung schlägt, bündelt der Text seine Motive in Zeichen und Probe. Inmitten von Rivalität um die Krone setzt ein Wunder den wahren Erben ins Recht, ohne ihn aus der Verborgenheit völlig zu befreien. Merlin ordnet die ersten Schritte einer jungen Herrschaft, lenkt Bündnisse, verhindert Blutvergießen und stellt eine ritterliche Ordnung her, die Anspruch auf Maß und Gerechtigkeit erhebt. Doch seine Eingriffe werfen Fragen nach Autonomie auf: Wie selbstständig ist ein König, den ein Seher anleitet? Und wie lange lässt sich eine politische Ordnung auf Weissagungen gründen, ohne eigene Institutionen und Charakterfestigkeit auszubilden?

Die mittleren Partien erzählen von Fahrten, Prüfungen und höfischen Begegnungen, in denen die Grenzen zwischen natürlicher Erfahrung und Wunderhaften ständig überschritten werden. Merlin ermöglicht Begegnungen, entschleiert Täuschungen und setzt Illusionen ein, um Fehlurteile zu korrigieren. Religiöse Sinnbilder und alte Mythen überlagern einander, sodass die Welt als lesbares Zeichenfeld erscheint, das zugleich erleuchtet und irreführt. Immer deutlicher wird, dass Wissen um künftige Möglichkeiten Entscheidungen nicht ersetzt: Voraussicht kann Warnung sein, nicht Entbindung von Verantwortung. Der Erzähler nutzt diese Konstellationen, um das Verhältnis von Gnade, Klugheit und menschlichem Irrtum zu vermessen, ohne den Schauwert des Wunderbaren zu mindern.

Ein neuer Akzent entsteht, als eine junge Frau in die Erzählung tritt, die Merlins Kunst begreift und begehrt. Zwischen Lehrmeister und Schülerin wächst ein Band, das Bewunderung, Neugier und Zuneigung mischt. Merlin teilt Geheimnisse und Zauber, doch je mehr er gibt, desto deutlicher zeigen sich seine Verwundbarkeiten. Am Hof weckt die Nähe Misstrauen, und die Frage, ob Wissen Macht oder Bindung stiftet, spitzt sich zu. Schlegel zeichnet dieses Verhältnis ohne grobe Gegensätze: Die starke Frau ist weder bloß Verführerin noch bloß Schülerin, und der große Seher bleibt groß, gerade weil er an Grenze und Gegengewicht seiner Kunst rührt.

Im Schlussdrittel verdichten sich politische Spannungen und persönliche Verstrickungen. Merlin übersieht nicht, dass jede Ordnung Zerreißproben kennt; er bereitet vor, mahnt, sichert, doch manches entgleitet seinem Zugriff. Anzeichen künftiger Krisen stehen neben Versuchungen, die ihn selbst binden. Der Text lässt Raum, damit die Lesenden die Begrenztheit von Planung und die Würde eigenverantwortlichen Handelns erkennen, ohne seine entscheidenden Auflösungen vorwegzunehmen. In dieser Perspektive erscheint Schlegels Bearbeitung als romantische Meditation über Macht und Maß: Sie erneuert den mittelalterlichen Stoff, um die Gegenwart zu befragen, und entfaltet eine nachhaltige Einsicht in Möglichkeiten und Grenzen vorausschauender Weisheit.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte des Zauberers Merlin erschien 1804 im Umfeld der deutschsprachigen Frühromantik, deren Zentren Berlin, Jena/Weimar und zeitweise Paris waren. Prägende Institutionen dieser Kultur waren die Berliner Salons, die Universität Jena, der Weimarer Hof sowie literarische Zeitschriften wie das Athenaeum (1798–1800). Verlage wie Cotta und Reimer professionalisierten die Verbreitung neuer Literatur. Zugleich eröffnete die Bibliothèque nationale in Paris, nach der Säkularisierung französischer Klosterbestände, herausragende Zugänge zu mittelalterlichen Handschriften. In diesem Netzwerk aus Salonkultur, Universitäten, Höfen, Zeitschriften und Bibliotheken wurde die Beschäftigung mit mittelalterlicher Dichtung zu einem zentralen Impuls, den Dorothea Schlegels Bearbeitung produktiv aufgriff.

Die Frühromantik, getragen unter anderem von Friedrich und August Wilhelm Schlegel, Ludwig Tieck, Novalis, Caroline Schlegel-Schelling und anderen, verstand sich als Erneuerung der Literatur durch Historisierung, Ironie und die Wiederentdeckung vormoderner Stoffe. Sie wertete das europäische Mittelalter als epochale Quelle poetischer Imagination auf. Parallel entstanden Editionen und Sammlungen alter Dichtung, die das Interesse befeuerten, etwa Achim von Arnims und Clemens Brentanos Des Knaben Wunderhorn (ab 1805). Arthurische Überlieferungen galten als ein besonders reiches Reservoir symbolischer Formen. Dorothea Schlegels Merlin steht in diesem Programm: die Aneignung eines kontinentaleuropäischen Sagenkreises für ein modernes deutsches Publikum.

Dorothea Schlegel, 1764 in Berlin als Dorothea Mendelssohn geboren, war die Tochter des Aufklärungsphilosophen Moses Mendelssohn. Sie bewegte sich seit den 1790er Jahren in der Berliner Salonkultur und im Umfeld der Jenaer Romantik. 1801 veröffentlichte sie den Roman Florentin. Nach der Trennung von Simon Veit lebte sie mit Friedrich Schlegel zusammen; 1804 heirateten beide. 1808 wurde sie in Köln getauft. Ihre Arbeit an der Geschichte des Zauberers Merlin fällt in die Phase intensiver literarischer Zusammenarbeit und europäischer Mobilität, in der sie und Friedrich zeitweise in Paris lebten und sich mit mittelalterlichen und romanischen Quellen beschäftigten.

Der Stoffkreis um Merlin speist sich aus der britisch-französischen Artusüberlieferung. Ein wichtiger Ausgangspunkt war Geoffrey of Monmouths Historia Regum Britanniae (um 1136), die Merlin in den lateinischen Geschichtsdiskurs einführte. Im späten 12. und frühen 13. Jahrhundert folgten französische Dichtungen wie Robert de Borons Merlin und der anonyme Prosamerlin des Vulgata-/Postvulgata-Zyklus. Dorothea Schlegels Buch erzählt, in zeitgenössischem Deutsch aufbereitet, zentrale Partien dieser Tradition, darunter Merlins Herkunft und seine Rolle bei Arthurs Aufstieg, ohne den höfischen Kosmos der Quellen zu tilgen. Es schließt damit unmittelbar an nachweisbare altfranzösische und lateinische Vorlagen an.

Die Entstehungszeit war von den Umbrüchen der Französischen Revolution und der napoleonischen Neuordnung Europas geprägt. Der Reichsdeputationshauptschluss (1803) leitete im Alten Reich eine umfassende Säkularisierung ein; 1806 endete das Heilige Römische Reich. In Frankreich führten die Revolution und die Zentralisierung staatlicher Sammlungen dazu, dass die Bibliothèque nationale zahlreiche mittelalterliche Manuskripte vereinte. Deutsche Gelehrte und Schriftsteller, darunter Mitglieder des romantischen Kreises, nutzten Anfang der 1800er Jahre Paris als Arbeitsort. Friedrich Schlegel gab dort 1803–1805 die Zeitschrift Europa heraus. In diesem politisch-kulturellen Stromkreis wurden Quellenstudium, Übersetzung und literarische Bearbeitung eng miteinander verschränkt.

Um 1800 verstärkte sich in Deutschland die historische Methodik, die später in der historischen Schule der Rechtswissenschaft und in der entstehenden Philologie Profil gewann. Johann Gottfried Herder hatte die Idee nationaler Überlieferung und des Volkslieds theoretisch vorbereitet. Kurz darauf folgten systematische Editionen mittelalterlicher Texte und, ab 1812, die Märchensammlung der Brüder Grimm. Dorothea Schlegels Merlin gehört noch zu den frühromantischen Aneignungen: stärker literarisch vermittelt als kritische Edition, doch quellenbewusst. Das Buch verweist damit auf den Übergang von enthusiastischer Wiederentdeckung mittelalterlicher Stoffe zu ihrer wissenschaftlichen Erschließung im 19. Jahrhundert.

Frauen prägten die romantische Öffentlichkeit wesentlich, insbesondere über Salons, Übersetzungen und Romane. Dorothea Schlegel arbeitete als Autorin und Übersetzerin; 1807 legte sie die vielgelesene deutsche Fassung von Madame de Staëls Corinna vor. Solche Arbeiten förderten den regen Austausch zwischen französischen und deutschen Literaturen und schufen Lesepublika für ältere Stoffe. Der deutsche Buchmarkt expandierte, Zeitschriften verbanden verstreute Orte, und Übersetzungen etablierten Netzwerke, die auch die Artusrezeption trugen. In diesem Gefüge positioniert sich die Geschichte des Zauberers Merlin als zugängliche, sprachlich aktualisierte Vermittlung eines europäischen Mythos für das Publikum der napoleonischen Zeit.

Als Beitrag der Frühromantik kommentiert das Buch seine Epoche, indem es im Zeichen politischer Erschütterungen ein Modell kultureller Kontinuität anbietet. Die Rückbindung an höfische Ethik, Königsidee und Prophetie verweist auf ein Interesse an symbolischer Ordnung jenseits tagespolitischer Lager, ohne die moderne Lesbarkeit aufzugeben. Zugleich dokumentiert das Werk die europäische Dimension romantischer Literaturproduktion: deutschsprachige Bearbeitung, französische Quellen, zirkulierende Bibliotheksbestände. So fungiert Dorothea Schlegels Geschichte des Zauberers Merlin als programmatische Vermittlungsleistung zwischen Mittelalter und Moderne und als sichtbarer Teil der romantischen Mittelalterrenaissance im deutschsprachigen Raum.

Geschichte des Zauberers Merlin

Hauptinhaltsverzeichnis
Vorwort
I. Von der Versammlung der Teufel und wie sie eine Familie ins Verderben trieben
II. Über zwei Schwestern, deren eine tugendhaft war und die andere von Lüsternheit übermannt wurde
III. Wie Merlin vom Teufel und einer frommen Jungfrau gezeugt wurde
IV. Merlin, der des Teufels und Gottes ist, und von beiden erstaunliche Gaben mitbekommt
V. Wie das Kind Merlin die Hinrichtung seiner Mutter verhinderte
VI. Über Begebenheiten, die Merlin dem Einsiedler Blasius in die Feder diktierte
VII. Wie Vortigern durch Ränke und Listen zur Macht kam
VIII. Wie König Vortigern sich seiner Helfer und Widersacher entledigte
IX. Wie Vortigern einen Turm bauen ließ, der dreimal zusammenstürzte
X. Von sieben ratlosen Astrologen und den Boten, die ausgesandt wurden, um Merlin zu töten
XI. Wie Merlin weitere Proben seiner Hellsicht und Prophetengabe ablegte
XII. Vom weißen und roten Drachen unter dem Turm, ihrem fürchterlichen Kampf und dem weiteren Schicksal der Astrologen
XIII. Wie Merlin König Vortigern die Drachen deutete und ihm den Tod prophezeite
XIV. Über den Sieg der Prinzen Pendragon und Uter und die Verwandlungskünste Merlins
XV. Wie Merlin dem neuen König in verschiedener Gestalt begegnete, zu seinem Ratgeber wurde und allerhand Schabernack trieb
XVI. Wie durch Merlins Rat das Land von den Heiden befreit wurde
XVII. Über einen Neider, der Merlin eine Falle stellte und den dreifachen Tod geweissagt bekam, sowie über das Buch der Prophezeiungen
XVIII. Wie Merlin die Schlacht gegen die Heiden vorausplante und welchen dunklen Todesspruch er fällte
XIX. Wie aus Uter König Uterpendragon wurde und Merlin in Irland Steine auftürmte, die er allein zum Grabmal zusammenfügte
XX. Über die dritte Tafelrunde in Wales, an der fünfzig Ritter teilnahmen und ein Platz leer blieb
XXI. Wie ein übler Ritter den leeren Platz besetzen wollte und was dann mit ihm geschah
XXII. Wie sich Uterpendragon in Yguerne verliebte und ihr durch ihren eigenen Mann einen Becher senden ließ
XXIII. Wie der König in Zorn geriet, als er von der Abreise des Herzogs von Tintayol erfuhr, und Genugtuung verlangte
XXIV. Von einer langanhaltenden Belagerung und dem Liebeskummer des Königs
XXV. Wie sich Uterpendragon, Ulsius und Merlin verwandelten und die Herzogin damit täuschten. Wie König Artus gezeugt wurde und Merlin das Neugeborene für sich verlangte
XXVI. Was Ulsius und Merlin dem König rieten, und wie Merlin dann Abschied nahm
XXVII. Wie durch geschicktes Reden der König die Witwe Yguerne zur Frau bekam und dafür noch gepriesen wurde
XXVIII. Yguerne entdeckt dem König, daß das Kind weder von ihm noch dem Herzog sei, und Merlin verabredet mit Anthor einen Kindestausch
XXIX. Wie ein fremder alter Mann das Neugeborene in Empfang nahm und Anthor es dann auf den Namen Artus taufen ließ
XXX. Vom Tode Uterpendragons, der Suche nach einem neuen König und von dem Schwert, das keiner aus dem Amboß zog
XXXI. Wie Artus versehentlich das Schwert ergriff, das Geheimnis seiner Herkunft erfuhr und etliche Male geprüft wurde, bis zur Krönung
XXXII. Wie die Ritter König Artus drohten und er sich in einen Turm verschanzte, Merlin ihm den Weg zu Leodagan wies, zur schönen Genevra und dem Reich Thamelide
XXXIII. Über den Wald von Briogne, den Ritter Dionas und seine Tochter Nynianne, die von Merlin allerhand Künste lernte
XXXIV. Über Artus' und Merlins letzte Begegnung, die Chronik des Blasius und wie der Zauberer seine geliebte Nynianne alles lehrte, bis er selbst verzaubert wurde
XXXV. Wie Gawin auf der Suche nach Merlin zwei seltsame Begegnungen hatte, Merlins Vermächtnis vernahm und schließlich heil zurückkehrte

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Rittersinn, Zauberei und Liebe bilden den Inhalt und den Geist jener schönen alten Romane, welche den größten deutschen Dichtern der schwäbischen Zeit und etwas später auch den italienischen den Stoff zu ihren herrlichen Ritterliedern gaben.

Die erfindungsreichsten und bedeutendsten unter diesen alten Romanen sind wohl überhaupt diejenigen, welche sich auf die Tafelrunde und den König Artus beziehen; und unter diesen ist wiederum nicht leicht einer wunderbarer und eigentümlicher als der vom Zauberer Merlin.

Die gegenwärtige deutsche Bearbeitung dieser Dichtung ist aus den besten französischen Quellen auf der Pariser Bibliothek in den Jahren 1803 und 1804 gezogen worden.

Friedrich Schlegel

I. Von der Versammlung der Teufel und wie sie eine Familie ins Verderben trieben

Inhaltsverzeichnis

Der böse Feind[1] war voller Zorn, als Jesus Christus zur Hölle hinabgestiegen war und Adam und Eva daraus erlöste, samt allen, die mit ihnen in der Hölle waren. »Wer ist dieser Mensch«, sagten die Teufel voller Furcht, »welcher die Pforten der Hölle zerbricht, und dessen Macht wir nicht widerstehen können? Hätten wir doch niemals geglaubt, daß ein Mensch, vom Weibe geboren, nicht uns angehören sollte, und dieser da zerstört unser Reich. Wie kommt es wohl, daß er geboren werden konnte, ohne daß wir ihn versündigten, so wie es den andern Menschen geschieht?« Da antwortete ein andrer: »Er ist ohne Sünde geboren und nicht aus des Mannes Samen, sondern nach dem Willen Gottes durch seinen heiligen Geist im Jungfrauen-Leib. Darum wäre es wohl gut, wenn wir Mittel finden möchten, gleichfalls einen Leib in einem Weib zu bilden, der nach unserm Ebenbild geformt sei, der nach unserm Willen täte, und alle geschehenen Dinge und alles, was geschieht und gesprochen wird, wüßte so wie wir. Ein solcher könnte uns von großem Nutzen sein. Denn wir müssen darauf sinnen, wie wir wiedergewinnen, was der Welterlöser uns raubte.« Da waren alle Teufel einstimmig und riefen: »Ja, laßt uns Mittel finden, wie einer von uns einen solchen Menschen durch das Weib erzeugen kann.« Da rief einer von ihnen: »Ich habe Gewalt über ein Weib, so daß sie mir gehorcht, und vieles tut, was ich will; auch habe ich die Macht, Menschengestalt anzunehmen. Dieses Weib nun, über welches ich Gewalt habe, wird mir sicherlich Mittel verschaffen, mit einer Jungfrau einen Menschen zu erzeugen.« Es ward also unter ihnen beschlossen, daß dieser darangehen sollte, das Werk auszuführen; aber sie trugen ihm vorher noch auf, daß er ja sorgen solle, daß der Mensch, den er erzeuge, ihnen ähnlich werde und nach ihrem Willen handle.

Der Rat des Satans ging wieder auseinander; der Abgesandte aber eilte, und versäumte keine Zeit, um zu dem Weib zu kommen, über welches er Gewalt hatte.

Es war dies die Frau eines sehr reichen Mannes, der viele Güter besaß, viel Vieh und andre Schätze, von denen manches zu erzählen wäre; er hatte mit dieser Frau drei Töchter und einen Sohn. Satan fand das Weib ganz bereit, alles zu tun, was er verlangte. Er fragte, ob es ein Mittel gäbe, ihren Mann zu betrügen, oder ihn in seine Gewalt zu geben. Das Weib antwortete, das könne nur geschehen, wenn er ihn erzürnte und betrübe. Sie riet ihm deshalb, daß er hinginge und einen Teil seines Viehs umbrächte. Das tat der Teufel sogleich. Als die Hirten die Hälfte der Herden erschlagen sahen, liefen sie zu ihrem Herrn und sagten es ihm an, worüber er sehr erschrak. Als der Böse merkte, daß er schon um die Hälfte seiner Herden so erschrak, ging er in den Stall und tötete in einer Nacht zehn der besten Pferde. Als der reiche Mann das erfuhr, fehlte wenig, daß er rasend wurde; er schrie und tobte und rief: da der Teufel schon so viel geholt habe, gäbe er ihm das übrige alles dazu.

Als Satan dies hörte, war er sehr erfreut und nahm auch alles übrige. Der Mann, der auf einmal sich aller Schätze beraubt sah, betrübte sich so darüber, daß er ganz schwermütig wurde, sich ganz von all den Seinigen entfernt hielt, sich nicht um sie kümmerte und sie nicht um sich leiden mochte, sondern beständig einsam lebte. Der Teufel, der ihn nun so die Menschen hassen sah und wie er alle Gesellschaft floh, war jetzt gewiß, alle Gewalt über ihn zu haben und in seinem Hause schalten und walten zu können. Er ging auch sogleich hin und erwürgte des guten Mannes einzigen schönen Sohn. Darüber wollte der Vater vor Herzeleid und Betrübnis ganz vergehen. Der Teufel ging darauf zur Frau, die er ganz allein fand, und versuchte sie mit der Vorstellung ihres Unglücks dergestalt, daß sie einen Strick nahm und sich daran aufhing. Bald darauf starb der gute Mann, aus Gram über den schrecklichen Tod seiner Frau und seines Sohnes.

Nachdem der Böse dieses vollbracht hatte, überlegte er, wie er die Jungfrauen, die jungen Töchter dieses reichen Mannes, in seine Gewalt bekommen könne; um sie zu betrügen, mußte er erst sich ihnen gefällig bezeigen. Er holte also einen schönen Jüngling, den er schon längst in seiner Gewalt hatte, und brachte ihn zu den Jungfrauen. Der Jüngling brachte es mit lieblichen Reden, mit Hin- und Wiedergehen so weit, daß eine der Jungfrauen sich in ihn verliebte, worüber Satan sehr vergnügt war. Nun ruhte er auch nicht eher, sie mußte dem Jüngling ganz zu eigen werden. Dann ging er hin und entdeckte es der ganzen Welt, damit die Jungfrau zu Schanden werden sollte; denn damals war das Gesetz so: wenn ein Mädchen, das kein öffentliches war, des Umgangs mit einem Manne überführt wurde, so mußte es sterben. Satan brachte es durch Verrat dahin, daß die Richter es erfuhren. Der Jüngling entfloh, und die Jungfrau ward vor Gericht geführt. Die Richter hatten großes Mitleiden mit ihr, um ihres Vaters willen, der ein sehr braver Mann gewesen war. »Wunder!« sagten die Richter, »wie konnte dem armen Mädchen solches Leid widerfahren, es ist ja noch gar nicht lange her, daß ihr Vater, der frömmste Mann im Lande, starb.« Sie wurde verurteilt und lebendig begraben, aber aus Achtung vor ihren Anverwandten geschah es in der Nacht, um Aufsehen zu vermeiden.

So geht es denjenigen, die sich dem Satan einmal ergeben haben.