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Mund-Nasen-Schutz, Händewaschen, Abstand halten! Wirtschaftshilfen, Grenzschließungen, Reisewarnungen! Infektionen, erhöhte Sterblichkeit, Quarantäne! Das Corona-Virus hat unserer Gesellschaft einen Spiegel vorgehalten und Defizite vieler Art offen gelegt. Wie kann es sein, dass ein Virus eine derartige Bedrohung für Deutschland, Europa und die ganze Welt darstellt. Wir erleben, wie sich die Pandemie ausbreitet, wie sich Infektionszahlen entwickeln und wie sehr das öffentliche Leben eingeschränkt wird. Wir erleben aber auch, wie sich immer mehr Menschen von der Demokratie abwenden und bei der Ausübung ihres Demonstrationsrechtes rücksichtlos Hygiene- und Abstandregeln missachten. Gleichzeitig wird uns bewusst, dass die Krise keinesfalls überstanden ist und dass noch eine schwierige Zeit vor uns liegt!
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Seitenzahl: 863
Veröffentlichungsjahr: 2021
Inhaltsverzeichnis
Impressum 2
Zitat 3
Vorwort 4
Beginn einer Pandemie 7
Der erste Lockdown 15
Lockerungen 45
Leben in der Pandemie 87
Die Freiheit des Sommers 343
Der Herbst 791
Schlusswort 899
Danke 902
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2021 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99107-643-8
ISBN e-book: 978-3-99107-644-5
Lektorat: Leon Haußmann
Umschlagfoto: VectorMine | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
Zitat
„Jeder ist für die Gesundheit
aller verantwortlich.“
Christiane Woopen,
Präsidentin des Europäischen Ethikrates
Vorwort
Diese Geschichte ist eine Erzählung aus dem Blickwinkel eines Bürgers, der versucht, Zusammenhänge zu verstehen und diese zu artikulieren. In dieser chronologischen Exkursion wird eine Lage beschrieben, die wohl einzigartig in der Geschichte der modernen Menschheit ist und die wir alle in so einer Dimension noch nie erlebt haben. Dabei ist aus dem heutigen Gesichtspunkt eine abschließende Beschreibung nahezu unmöglich. Noch sind zu viele Fakten unbekannt und nahezu jeden Tag kommen neue Erkenntnisse dazu. Nicht einmal Experten wissen mit Sicherheit, was richtig oder was falsch ist.
Ich habe für meine Informationen möglichst objektive Quellen verwendet: den Kölner Stadt-Anzeiger und die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Einige Informationen stammen aus dem Internet, wie zum Beispiel Statistiken und Zahlen. Alle Informationen zu beachten, war unmöglich. Ich habe versucht, eine objektive Auswahl zu treffen. Es sollte ein Stimmungsbild entstehen, das mir bedeutsam erschien. Deshalb habe ich auf Informationen gesetzt, die von allgemeiner Wichtigkeit sind und sowohl meine nähere Heimat, aber auch Deutschland und manchmal auch Europa betreffen. Natürlich darf in diesem Gesamtbild auch die weltweite Entwicklung nicht fehlen.
Ich widme dieses Buch meinen Kindern und Enkelkindern. Wenn sie irgendwann einmal zu dieser Geschichte greifen, werden sie sich vielleicht gar nicht vorstellen können, wie heftig die Welt des 21. Jahrhunderts durch dieses Virus erschüttert wurde. Ich hoffe auch, dass sie so etwas nicht mehr erleben müssen. Vielleicht kann dieses Buch dazu beitragen, dass wir verstehen, wie die handelnden Personen dachten; und vielleicht lernen wir auch, Entscheidungen zu akzeptieren, die unter einem unglaublichen Zeitdruck ohne jede Erfahrung getroffen werden mussten. Eines ist aber ganz sicher: die Hauptrolle in dieser Geschichte hat immer ein kleines Virus gespielt.
Hermann Görtz
Nur eine Chronologie!
Was nun folgt, ist eine chronologische Geschichte, kein Märchen oder Science Fiction und auch kein Roman. Nein, es wird eine informative Chronologie einer Pandemie, einmal aus einer anderen Sicht beschrieben. Nicht nur von Politikern, Wissenschaftlern, Journalisten oder einem renommierten Autor – nein, sondern nur von einem Bürger.
Um ein Spiegelbild unserer Gesellschaft sowie eine Willens- und Meinungsbildung in einer Pandemiezeit zu beschreiben, bedarf es vieler Informationen. Über Mangel an Infos kann ich mich als Chronist im weitesten Sinne nicht beklagen. Ich habe sondiert, zusammengefasst und kommentiert. Dies immer mit der Absicht, die Meinungen von Wissenschaft, Politik und Medien, aber auch Alltagsgeschichten nach Möglichkeit unvoreingenommen, aber auch reflektiert, wiederzugeben. Diese ungewöhnliche Exkursion soll auch fest in unserem historischen Gedächtnis haften bleiben. Wer weiß heute schon, was noch alles passieren kann?
Das Recht auf Wiedergabe von Veröffentlichungen ist auf Grund der außergewöhnlichen Umstände einer Pandemie ein Grundrecht. Warum? Weil alle Menschen ein Recht darauf haben, zu erfahren, wer was wann, wie und warum gesagt und auch gemacht hat. Vieles hatte unmittelbare Folgen für fast alle in unserer Gesellschaft. Für einige Menschen mit ganz schlimmen Folgen – auch das dürfen wir niemals vergessen. Auch Katastrophen, wie eine Pandemie, brauchen Wörter damit diese ein Gesicht bekommt.
Beginn einer Pandemie
Was ist das Corona-Virus?
Lange glaubten Mediziner und Virologen, dass Coronaviren bei Menschen ausschließlich normale Erkältungskrankheiten verursachen. Das änderte sich mit besonders krankheitserregenden Virusvarianten, die Epidemien auslösten; u. a. mit dem SARS-Coronavirus und dem MERS-Coronavirus.
2002 und 2003 infizierten sich während des bisher einzigen größeren Ausbruchs des Sars-Virus mehr als 8.000 Menschen, 774 starben an den Folgen einer schweren Lungenentzündung; die meisten davon in China, wo das Virus seinen Ursprung hatte. 2012 starben am Mers-Virus, das vor allem auf der arabischen Halbinsel auftritt, ca. 800 Menschen. Beide Viren haben ihren Ursprung in Tieren. Als Erreger gelten bisher Fledermäuse oder Larvenroller sowie eine Schleichkatzenart, die in China als Delikatesse gelten.
Übertragung und Symptome
Die Übertragung geschieht von Mensch zu Mensch durch Tröpfchenwolken in der Luft, die leicht eingeatmet werden können. Dieser Coronavirus, auch Covid-19genannt, löst, anders als normale Erkältungsviren, schwere Symptome in der Lunge aus. Soviel man bis heute weiß.
Wie wurde das neue Coronavirus entdeckt?
Ende Dezember trat das neue Coronavirus erstmals im zentralchinesischen Wuhan auf. Schon wenige Tage nach den ersten offiziellen Meldungen gelang es Wissenschaftlern aus Shanghai, das Erbgut zu entschlüsseln. Am 9. Januar identifizieren Experten den neuen Typ des Coronavirus als Auslöser der Krankheit.
Am 11. Januar 2020 meldet China das erste Todesopfer. Am 19. Januar wird die erste Infektion außerhalb Chinas nachgewiesen, am 21. Januar der erste Fall des Coronavirus in den USA. Am 24. Januar werden zwei Verdachtsfälle in Frankreich bestätigt. Erster Fall einer Erkrankung mit dem Virus in Deutschland am 27. Januar. Dies ist gleichzeitig die erste Ansteckung von Mensch zu Mensch außerhalb Asiens. Bis zu diesem Zeitpunkt sind mindestens 100 Menschen durch das Coronavirus gestorben.
Erster größerer Ausbruch in Deutschland
Am 26. Februar stellt ein Arzt in Heinsberg die Diagnose eines Coronafalles. Der Arzt berichtet auch von vielen Fällen mit leichten Symptomen über eine Dauer von zwei bis drei Tagen. Es wären auch komplett symptomfreie Fälle dabei gewesen. Auch hätten positiv getestete Kinder keinerlei Symptome gezeigt. Als Ursache der vielen Infizierten wird eine Karnevalsveranstaltung in Gangelt, Kreis Heinsberg, NRW, vermutet.
Ischgl wird zum Risikogebiet erklärt
Im bekannten Skiort Ischgl in Tirol wird am 8. März ein Barkeeper positiv auf Corona getestet. Es ist davon auszugehen, dass sich beim Aprés-Ski viele Besucher infiziert haben. Die Tiroler Verwaltung reagiert aber zu spät. Nach einem Urlaub in Ischgl wurden 15 Isländer positiv auf Covid-19 getestet. Die isländischen Behörden erklärten Tirol deshalb schon am 5. März zum Risikogebiet. Die Skisaison wurde aber erst am 14. März für beendet erklärt. Unzählige Skiurlauber haben sich infiziert und das Virus unkontrolliert verbreitet. Sie hätten alle in Quarantäne gemusst, um eine Verbreitung von Covid-19 zu verhindern.
Virologen klären auf
Das Robert Koch Institut (RKI) und die Virologen Christian Drosten, Alexander Kekulé, Hendrik Streeck und viele andere mehr erklären in allen Medien, was das Coronavirus für Auswirkungen und Folgen hat und was zu tun ist. Sie geben gute Ratschläge, wie sich die Bürger zu verhalten haben. Mit diesen Hinweisen wird den Politikern ein Leitfaden gegeben, um wichtige und schnelle Entscheidungen zu treffen.
Rückblick – Beginn eine Pandemie
Niemand hat im Entferntesten geahnt, dass sich das Virus aus China über den gesamten Erdball ausbreiten würde. China war so weit weg. Niemand war sich der Folgen und auch des Ausmaßes so richtig bewusst. Woher auch! Vielleicht mit Ausnahme der Virologen und Epidemiologen. Das wäre nicht das erste Virus gewesen, mit dem sie es zu tun haben. Wichtig war auch, früh zu erkennen, was die Menschheit an Schwierigkeiten zu erwarten hat. Die Wissenschaftler haben relativ früh erkannt und der Politik gesagt, was zu machen ist. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob sie der Politik zu diesem Zeitpunkt wirklich alles gesagt hat, was uns als Bürger in Zukunft erwarten würde.
Im Bundestag schlägt das Herz der Demokratie. Doch wurde hier wirklich alles diskutiert? Pandemien ließen Volksvertreter lange kalt. Das zeigt eine Analyse von mehr als 400.000 Redebeiträgen seit 1949. Die Daten stammen aus dem „Open-Discourse“-Projekt des Unternehmens Limebit und liegenZDFheuteexklusiv vor. Bis 1990 fiel das Wort „Pandemie“ nur einmal. Erst seit Mitte Februar 2020 wird in Redebeiträgen im Plenum, aber auch in Ausschüssen und in schriftlichen Anfragen darüber diskutiert. Zwischen September 1949 und Januar 2020 ging es in nur 56 von 4.238 Plenardebatten überhaupt um Pandemien. In nur sechs Sitzungen fiel das Wort mehr als fünf Mal. 2005 und 2014 wurde außerhalb des Plenums in zwei schriftlichen Anfragen während der Vogelgrippe und Ebola über dieses Thema gesprochen. 2005 wollte eine CDU-Abgeordnete wissen, ob im Falle eines Ausbruchs ausreichend Schutzmasken vorgehalten werden. Die Antwort: die Versorgung vor Ort sei nicht Aufgabe des Bundes. Wer trägt also die Schuld daran, dass Deutschland wie viele andere Länder die Pandemieprophylaxe verschlafen hat. Die Antwort des Bundestagsabgeordneten und Infektiologen Andrew Ullmann, FDP, fällt denkbar knapp aus: „Alle“.
Vor diesem Hintergrund und bei dem Nichtwissen der Regierung und Parlamentarier hätte ich erwartet und gehofft, dass die Politik ganz offen gesagt hätte: „Wir waren auf diese Situation nicht vorbereitet und völlig überrascht. Liebe Mitbürger, wir haben ein Problem, bei dem wir nicht weiter wissen. Wir können auch keine schnellen und zufriedenstellenden Lösungen anbieten. Was wir machen können und uns wichtig erscheint ist, die Menschen durch diese Krise zu führen und Halt zu geben. Wir wissen nicht wie das Ganze endet und auch nicht wann. Es ist aber unsere Pflicht, immer transparent, offen und wahrheitsgetreu unseren Bürgern auf Augenhöhe zu begegnen. Zu sagen was geht und nicht geht und die richtigen Worte zu finden. Alles, Schritt um Schritt – wir Politiker sind auch keine Götter. Wir sind mehr denn je auf die Hilfe und das Fachwissen der Virologen, Epidemiologen und Experten angewiesen und hoffen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir hoffen auch, dass wir alle das Corona-Virus gesund überstehen. Für die Menschen, die dieses Glück nicht haben werden, tut es uns aufrichtig leid und wir versichern den Angehörigen und Trauernden, dass wir das nicht wollten und uns das Herz aus der Seele reißt.“
Der erste Lockdown
Politiker setzen Regeln auf zum „Lockdown“
Vielen Kritikern zu spät, wird am 16. März 2020 ein sofortiges Schul- und Kita-Verbot ausgesprochen. Da dies Ländersache ist, wird dies in den 16 Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. Unmittelbar danach schließen Restaurants, Kneipen, Hotels und alle Geschäfte. Mit Ausnahme aller systemrelevanten Unternehmen. Dazu zählen alle Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Drogerien, Ärzte, Krankenhäuser, Energieversorger, Personenverkehr usw. Das Verbot gilt bis 19. April. Weitere einschneidende Maßnahmen erfolgen am 23. März 2020.
Es besteht ab sofort eine Ausgangsbeschränkung und ein Kontaktverbot. Es dürfen nicht mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit zusammen sein, außer Familien. Somit sind neben Pensionen, Freizeitparks, Campingplätzen, Kinos, Kunst- u. Musikveranstaltungen aller Art auch alle Vereine betroffen. Weiter sind Sportveranstaltungen aller Art untersagt. In vielen Sportarten kann kein Meister ermittelt werden.
Die Fußball Bundesliga versucht Mitte Mai bis Ende Juni einen Meister und auch einen Pokalsieger zu ermitteln. Notfalls ohne Zuschauer, alles Geisterspiele. Kirchen und Moscheen dürfen keine Gottesdienste durchführen. Das stille Gebet, mit zwei Meter Abstand, ist erlaubt. Mit anderen Worten, das öffentliche Leben findet nicht mehr statt. Die Bundesländer setzen einen Bußgeldkatalog auf, welcher bei Verstößen saftige Geldstrafen bis 25.000 € vorsieht.
Hilfsprogramme für Unternehmer aller Art
Die Finanz- u. Wirtschaftsminister von Bund und Ländern und die EU setzen Milliardenbeträge in Form von Kurzarbeitergeld, Soforthilfen in bar, Krediten, Einmalzahlungen, Steuererleichterungen, Stundungen usw. ein. Die tatsächlich gesamten Kosten werden am Ende genau feststehen und an die Billion € gehen. Mit der Opposition wird dieses Hilfspaket im Eiltempo im Bundestag verabschiedet.
Mahnungen und Hoffnung der Virologen
Täglich ermahnen uns die Virologen, unser Verhalten zu kontrollieren. Das heißt, Hände öfter gründlich waschen und Abstand halten. Vor gut 14 Tagen wurden Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote ausgesprochen. Da der Verlauf der Krankheit ca. 14 Tage dauert, müssten nun die Zahlen der Infektionen deutlich zurückgehen. Ziel ist, die Intensivstationen sowie Ärzte u. Pfleger nicht über ihre Möglichkeiten zu strapazieren.
Die Zahlen gehen zurück und machen Hoffnung. Am 5. März 2020 betrug die Verdoppelung der Infektionen 1,7 Tage. Am 8. April waren es schon 12,2 Tage. Ziel ist, mindestens einen 16 Tages Rhythmus zu erreichen. Das heißt auch, dass mehr Menschen wieder gesund würden als erkranken. Die Virologen und auch die Politiker halten sich mit „Lockerungen“ noch zurück. Dazu später mehr.
Alltagsbewältigung in Familien
Die Familien, vor allen Dingen die Alleinerziehenden, stehen vor großen Herausforderungen. Schulen u. Kitas sind geschlossen. Wer passt auf die Kinder auf? Oma und Opa, die um die Ecke wohnen, sollen nicht helfen. Sie gehören zur Risiko-Gruppe, zum Teil mit Vorerkrankungen. Hier gilt auch das Kontaktverbot bis vorerst 19. April 2020. Opa und Oma dürfen auch nicht einkaufen gehen. Das übernehmen in der Regel die Kinder oder Hilfsdienste vor Ort. Auch die Enkelkinder sollen das Kontaktverbot beachten. Mit dem Freund oder der Freundin spielen geht nicht. Da ist viel Phantasie gefragt. Zum Glück gibt es digitale Möglichkeiten, um Kontakte zu pflegen.
Bis zu den Osterferien werden viele SchülerInnen mit Lehrmaterial versorgt, dank Internet. Die Schüler sollen so gut wie möglich den Lehrplan einhalten. Klassenarbeiten müssen nachgeholt werden. Das Abitur in den einzelnen Bundesländern wird aller Voraussicht nach ein wenig nach hinten verschoben. Mehr dazu kann man erst in vielleicht 2–3 Wochen sagen. Diese unfreiwilligen Ferien stellen alle Betroffenen vor große Herausforderungen.
Auch bei der arbeitenden Bevölkerung ist Flexibilität gefordert. Viele Betriebe machen Kurzarbeit. Das heißt, es ist mit Geldeinbußen zu rechnen. Viele Eltern- oder Elternteile arbeiten in sogenannten systemrelevanten Berufen. Das sind alle die, welche das Gesundheits-, Ernährung-, Energie-, Sicherheitssystem, den ÖPNV usw. aufrechterhalten. Es werden für diese Fälle Notdienste z. B. in Kitas eingerichtet.
Die Ausgangsbeschränkungen und das Kontaktverbot stellen manche Familie vor Probleme. Spielplätze sind im Übrigen auch gesperrt. Was macht die Familie, die im 4. Stock mit 2 Kindern auf 70 qm wohnt? Es hat nicht jede Familie Haus und Garten.
Am 30. März 2020 haben die Osterferien begonnen. Das ist schön. Dazu kommt auch, dass das Wetter mitspielt. 20 bis 25 Grad und viel Sonne im April. Da bleibt im Familienverband eigentlich nur ein Spaziergang in Wald, Feld und Flur oder vielleicht noch eine Fahrradtour übrig. Wäre nicht das Schlechteste! Bei allen Aktionen sollte bedacht werden, größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Wir wissen alle weshalb!
Wertschätzung aller systemrelevanten Berufe
In der breiten Bevölkerung wird immer mehr klar, was systemrelevante Berufe leisten. Nicht nur, dass diese Gruppe an ihre Leistungsgrenze geht, nein, sie setzt auch ihre Gesundheit aufs Spiel. Im schlimmsten Fall kostet es sogar ihr Leben. Dieser Tatsache muss sich jeder stellen und hinterfragen.
Was die Sache eigentlich noch verschlimmert, ist der Umstand, dass nicht genügend Schutzkleidung vorrätig ist. Es fehlt an Schutzmasken, Handschuhen, Kitteln und Desinfektionsmittel. Die Verantwortlichen versuchen, so gut wie möglich Abhilfe zu schaffen. Der eigentliche Skandal aber ist, dass unser Land diese Mittel nicht selber produziert. Das heißt auch, sich in eine unnötige Abhängigkeit zu begeben. Ein noch größerer Skandal ist die enorme Preisentwicklung dieser Hilfsmittel. Hier wird die Notsituation von Händlern schamlos ausgenutzt und der Staat schaut machtlos zu. Das muss in einem Notfall- oder Pandemiegesetz geregelt werden.
Zu dieser Wahrheit gehört aber auch, dass es Beispiele gibt, die zeigen, dass es auch anders gehen kann. Zum Beispiel hat ein T-Shirt Hersteller in Deutschland seine Produktion umgestellt auf Gesichtsmasken. Hoffentlich zu einem fairen Preis! Weiter haben Schnapsbrenner ihre Produktion umgestellt auf Desinfektionsmittel. Es gibt sicher noch viele gute andere Beispiele. Zwischenzeitlich haben die Virologen gesagt, dass ein selbst genähter Mundschutz besser wäre als keiner. Wer einen Mundschutz trägt, schützt nur andere vor einer Infektion, falls er selber infiziert ist. Ganz Deutschland näht Gesichtsmasken. Es finden sich unzählige Videos mit Nähanleitungen im Netz. Es gibt sie in vielen Varianten.
Erstaunlicherweise erfahren nun diese systemrelevanten Berufe eine große Wertschätzung in der Bevölkerung. Viele sind der Meinung, dass sich dies auch monetär niederschlagen muss. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Bürger Verteuerungen und auch höhere Sozialabgaben hinnehmen müssen. Nach langen Diskussionen wurde auch die Einreise der Erntehelfer aus EU-Ländern erlaubt. 80.000 wurde am 9.4.2020 die Einreise per Flugzeug nach Deutschland gestattet. Diese dürfen nun unter strengen gesundheitlichen Auflagen bei den Landwirten eingesetzt werden.
Pressekonferenz der Bundeskanzlerin
Frau A. Merkel hat am 9. April 2020 ihre dritte Pressekonferenz abgehalten. Es gab zwei Hauptthemen. Erstens wurde beschlossen, dass künftig die Fertigung von Schutzkleidung jeglicher Art in Europa stattfindet soll. Damit soll eine Abhängigkeit zu nichteuropäischen Staaten unterbunden werden.
Zweitens hat die Bundeskanzlerin mitgeteilt, dass nach Ostern schrittweise über kleine Lockerungen nachgedacht werden kann. Dies macht sie aber abhängig von einem wissenschaftlichen Gutachten. Dies umfasst nicht nur virologische, sondern auch soziologische, pädagogische und ökonomische Ansätze. Weiter hat die Bundeskanzlerin unmissverständlich darauf hingewiesen, dass trotz des Rückganges der Infektionen keine Entwarnung gegeben werden kann. Die Zahlen sind immer noch zu hoch. Sie glaubt eher, dass in kleinen Schritten Öffnungen unter Einhaltungen von Regeln, wie Abstand halten usw., möglich sind.
Die Bundeskanzlerin ist auch der Überzeugung, dass wir noch lange mit dem Virus zu tun haben werden. Bei einer zu schnellen Lockerung würde die Gefahr bestehen, dass sich die Infektionen wieder drastisch erhöhen würden. Ergebnis wäre eine Überlastung des Gesundheitssystems und ein Rückschritt um mehrere Monate. Die Pandemie ist erst dann beendet, wenn es einen Impfstoff gibt. Nach Auskunft der Virologen wird dies frühestens im Frühjahr 2021 sein.
Um den Ernst der Lage zu verdeutlichen, wollen die Krankenhäuser die Anzahl der Intensivbetten von 40.000 auf über 50.000 erhöhen. Davon sind 30.000 mit Beatmungsgeräten versehen. Aufgrund der geringen Sterberate in Deutschland von ca. 2,02 %, Stand 9.4.2020, war unser Land in der Lage, Menschen aus anderen Ländern wie zum Beispiel Frankreich, aus humanitären Gründen ein Intensivbett zur Verfügung zu stellen, um aktive Hilfe zu leisten. Es gab auch negative Beispiele. So hat der Präsident der USA, D. Trump, eine Lieferung von Gesichtsschutzmasken aus China, welche nach Deutschland gehen sollte, einfach in die USA umgeleitet. Bravo Mister President! In Kenia wurden 6 Millionen Gesichtsmasken gestohlen.
Die Bundeskanzlerin hat auf Fragen der Presse mit Vorsicht geantwortet, so wie wir sie kennen und ich sie schätze. Auf die Frage, ob der Sommerurlaub vielleicht nach hinten geschoben werden könnte, hat sie gesagt, wir sollen erst mal die Zeit nach Ostern abwarten. Sie hat auch die Befürchtung geäußert, dass gerade an Ostern das Bedürfnis der Bevölkerung, ihre Liebsten zu besuchen und zu sehen, sehr stark ausgeprägt wäre. Weiter, dass das Bedürfnis nach draußen in Parks und schöne Orte zu fahren, ebenfalls sehr groß wäre. Beides birgt aber nach wie vor das Risiko einer Infektion. Sie hat eindringlich darum gebeten, weiter größere Kontakte zu vermeiden und in der näheren Umgebung zu bleiben. Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht möglich, die Frage nach dem Sommerurlaub zu beantworten. Es wird eher so sein, dass in diesem Jahr der Sommerurlaub ausfällt. Das wird die ganze Tourismusbranche hart und ohne Ausnahme treffen.
Statistik Stand 9. April
Infiziert – Todesfälle – in % – Genesen
Deutschland
114.774 – 2.322 – 2,023 – 34.413
Weltweit
1.503.900 – 89.931 – 5,979 – 340.112
Geplante Lockerungen und Fake News
Auf dieser Pressekonferenz wurde auch zum ersten Male von offizieller Seite über Lockerungen, das heißt eine schrittweise Öffnung der Beschränkungen, gesprochen. In den Medien war dies schon lange vorher ein Thema. Besonders in Fernsehtalk-Runden vertraten Wirtschaftsleute und Interessenvertreter die Meinung, man könnte schneller wieder zur Normalität zurückzukehren. Bei allem Verständnis, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, um soziale und wirtschaftliche Härten zu beenden, das war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Grund war einzig und allein der starke Anstieg der neu infizierten Menschen.
Niemand, weder Virologen noch die Politiker, konnte verlässlich sagen, wann die Maßnahmen der Aufenthaltsbeschränkungen und Kontaktverbote sich positiv genug darstellen würden, um eine Lockerung herbeizuführen. Die Virologen haben immer wieder darauf hingewiesen, dass es von der Ansteckung bis zur Heilung ca. 14 Tage dauert. Auch, dass der Verlauf bei jedem anders ist. Es gibt sogar Fälle von Coronainfizierten, die keinerlei Symptome zeigen. Das heißt, es laufen tickende Zeitbomben umher. Sie haben immer wieder betont, gerade in den systemrelevanten Berufen, insbesondere im Gesundheitssystem, mehr zu testen. Was nützt es unserer Gesellschaft, wenn Ärzte und Pfleger sich selber infizieren! Nur, es wird zu wenig getestet, bis zum Ergebnis dauert es zu lange, und der Test gilt auch nicht als zuverlässig. Es wird mit viel Druck an besseren Lösungen gearbeitet. Zurzeit sind pro Tag 60.000 Tests möglich. Angestrebt sind 800.000. Übrigens, alle Labore arbeiten mit Hochdruck rund um die Uhr. Trotz dieser Umstände und auch Kenntnisse gibt es immer noch Unverbesserliche, die penetrant weiter nach Lockerungen fragen. Dieses kann zu diesem Zeitpunkt kein Mensch seriös beantworten – weil es niemand weiß!
In den Medien schwirren die merkwürdigsten Fake News rum. Die abenteuerlichste fake news ist, dass die Regierung diesen Virus eingeschleppt hat, damit sie die Bürger besser kontrollieren kann. Weitere fake news: wer mindestens 10 Sekunden die Luft anhalten kann ist nicht infiziert. Oder, wer sich infiziert hat, kann durch heiße Mundspülungen oder Alkohol die Infektion beseitigen. Von diesem Unsinn wird einiges verbreitet, insbesondere aus China und Russland.
Vermehrt Todesfälle in Altenheimen
Erschreckend sind die Meldungen über vermehrte Todesfälle in Alten- und Pflegeheimen. Die Ursache wird schnell gefunden. Fehlende Schutzkleidung ist der Hauptgrund für die Infizierung mit Corona bei den Bewohnern dieser Einrichtungen. Da dieser Personenkreis auch noch zu der Risikogruppe gehört, sind diese Todesfälle leider geschehen.
Viel zu spät wurden Maßnahmen auch in Form der Quarantäne ergriffen. Natürlich muss man zugutehalten, dass auch hier am Personal gespart wird und niemand so richtig Erfahrung mit einem Coronavirus oder sogar einer Pandemie hat. Da gibt es vieles aufzuarbeiten. Diese Aufarbeitung zieht sich ja durch die ganze Coronageschichte. Vor diesem Hintergrund macht der Ministerpräsident von NRW, A. Laschet, mächtig Druck auf „Lockerungen“. Nicht zum Gefallen aller! Viele sehen das als zu früh an und weisen darauf hin, dass ein Rückfall noch größere Folgen nach sich ziehen würde. Wenn die Infektionen wieder dramatisch ansteigen würden, hätte das noch größere wirtschaftliche Folgen. Von den vielen Todesfällen ganz zu schweigen. Auch wenn A. Laschet kein Denkverbot fordert und nur kleine Schritte machen möchte, ist dies mit einem großen Risiko behaftet.
Weil die Welt immer enger zusammenrückt, wird die Möglichkeit, sich mit einem Virus anzustecken, für die Menschen immer größer. Wir müssen lernen, damit zu leben und nicht zu sterben. Da kann man nur hoffen, dass die Wissenschaft und die Virologen den Menschen dabei helfen. Das wäre schon fast ein Schlusssatz gewesen. Aber die Geschichte ist noch lange nicht vorbei.
Das Verhalten in der Bevölkerung
Als die Ausgangsbeschränkungen und auch Kontaktverbote Mitte März bekannt wurden, haben sich die meisten korrekt verhalten. Es wurde ja in allen Medien darüber berichtet. Die Polizei und auch die Ordnungsdienste haben durch ihre Kontrollfunktion dafür gesorgt, dass die Beschränkunken auch eingehalten wurden, und damit einen wichtigen Beitrag geleistet.
Ein Phänomen zu Beginn der Beschränkungen war allerdings das Kaufverhalten einiger Mitbürger. Toilettenpapier, Nudeln und Mehl waren innerhalb kürzester Zeit nicht mehr verfügbar. Dies zog sich über mehrere Wochen hin. Meist waren schon eine Stunde nach Geschäftsbeginn diese Artikel in den Märkten ausverkauft. Trotz des Hinweises, dass Hamsterkäufe nicht nötig sind. Es ist genug da!
Das Verhalten während der Osterfeiertage war für Politiker Voraussetzung, über Lockerungen überhaupt nachzudenken. Ostern ist ein traditionelles Familienfest und wird auch gerne zu einem Kurzurlaub genutzt. Da das Besuchsrecht in den Bundesländern und auch im benachbarten Ausland nicht einheitlich geregelt ist, gab es auch die unterschiedlichsten Vorgehensweisen in der Bevölkerung. Die Niederländer haben viele Einreisende an der Grenze zurückgeschickt. Man hat ihnen erklärt, dass sie zurzeit nicht erwünscht sind. Dies wurde auch im Vorfeld in allen Medien mitgeteilt und erklärt. Trotzdem gab es einige Unverbesserliche, aber die meisten Menschen zeigten Verständnis.
Am 12. April 2020 verstarb in meiner Heimatstadt
Hürth der erste Bürger an den Folgen von Corona
im Alter von 85 Jahren.
In den Familien wurde das Besuchsrecht zu Ostern ebenfalls unterschiedlich gesehen. Manche hielten sich ganz strikt an ein Kontaktverbot, um eine mögliche Infizierung auszuschließen. Andere sahen es etwas lockerer. Die Folgen wird der weitere Verlauf der Pandemie zeigen und spätestens nach 14 Tagen sichtbar. Egal was passiert, eines ist mittlerweile ganz klar. Wir werden in Zukunft den Erfolg jeder Maßnahme, ob positiv oder negativ, erst nach 14 Tagen seriös bewerten können. Es werden noch viele 14-Tages-Rhythmen folgen und unserer gesamten Bevölkerung sehr viel Geduld abverlangen. Die Lockerungen werden nicht einfach werden!
Die Kirchen übertragen die Osterchristmette im TV und im Netz. Der Papst sendet seinen Ostersegen „Urbi et Orbi“ aus dem leeren Petersdom. Der Petersplatz, auf dem sonst tausende Pilger den Segen empfangen, war gesperrt. Der britische Premierminister B. Johnson wird aus dem Krankenhaus entlassen, er hatte sich auch infiziert. Im Internet wird ein Missbrauch mit Strukturhilfen aus NRW bekannt. Hacker haben Daten von Firmen abgefischt und Geld auf ihre Konten umgeleitet. Es tauchen immer mehr Pillen mit vielversprechenden Namen auf, die einen Schutz gegen Corona versprechen.
Auch werden Nahrungsergänzungsmittel angeboten mit den gleichen Versprechen. Hier müssen die Gesetzgebung und der Verbraucherschutz ganz schnell tätig werden. Spanien und Österreich lockern den Shutdown. Betriebe und kleine Geschäfte dürfen unter Auflagen wieder öffnen. Italien lehnt die EU-Hilfe in Milliardenhöhe ab. Es will die Euro-Bonds. Der US-Präsident setzt die Mitgliedsbeiträge an die WHO aus. Er beschuldigt die WHO, zu chinafreundlich zu sein. Präsident D. Trump leistet sich einen weiteren Fauxpas. Er stellt sich über alle Gouverneure des Landes und sagt, dass er Kraft seines Amtes als Präsident in seinen Weisungen praktisch unfehlbar wäre. Zwei Wochen später widerruft er diese Aussage. Was soll man dazu sagen? Dieser Präsident möchte im November 2020 wieder gewählt werden. Amerika hat Besseres verdient.
Empfehlungen der Leopoldina Akademie über „Lockerungen“
Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina ist seit 2008 die Nationale Akademie der Wissenschaften. Sie bearbeitet unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen wichtige gesellschaftliche Zukunftsthemen aus wissenschaftlicher Sicht, vermittelt die Ergebnisse der Politik und der Öffentlichkeit und vertritt diese Themen national wie international. Diese Akademie hat ihren Sitz in Halle a. d. Saale.
Am 15. April hat die Bundeskanzlerin A. Merkel in ihrer vierten Pressekonferenz, unter Mitwirkung aller Ministerpräsidenten, die Empfehlungen der Leopoldina Akademie und des RKI, welche mit Spannung erwartet wurden, mitgeteilt. Die Kontaktbeschränkungen werden bis mindestens 3. Mai verlängert. „Es dürfe jetzt keine falschen Versprechungen geben und mit einer Lockerung müsse man mit äußerster Vorsicht vorgehen.“ Weiter muss ein Sicherheitsabstand eingehalten werden. Zugleich vereinbarten Bund und Länder vorsichtige Lockerungen der Einschränkungen des täglichen Lebens. Geschäfte bis zu einer Größe von 800 qm dürfen öffnen, unter Einhaltung von Auflagen.
Kaufhäuser dürfen öffnen; unter Auflagen zu Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen. Unabhängig von der Verkaufsfläche gilt dies auch für KFZ-Händler, Fahrradhändler und Buchhandlungen. Friseure sollen sich auf eine baldige Öffnung ab dem 4. Mai vorbereiten. NRW-Ministerpräsident A. Laschet kündigte an, dass Schulen in NRW für Schüler, die unmittelbar vor einem Abschluss stehen, schon in der kommenden Woche wieder den Betrieb aufnehmen. Die Abi-Prüfungen sollen am 12.5. beginnen. Zudem stehen die zentralen Prüfungen in Klasse 10 an. Andere Bundesländer beginnen etwas später. Das hängt auch damit zusammen, dass diese einen späteren Ferienbeginn haben. Der Schulbeginn der anderen Klassen soll ebenfalls später stattfinden. Hierzu braucht es Geduld und gute Konzepte für den Unterricht, die Pausen und den Einsatz der Schulbusse. Es wird ein hoher logistischer Aufwand und eine intensive Vorbereitung erforderlich sein, sagt die Bundeskanzlerin.
Zum besseren Schutz wird beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr das Tragen von sogenannten Alltagsmasken empfohlen. Eine generelle Maskenpflicht soll es aber noch nicht geben. Auf private Reisen und Besuche auch von Verwandten sollen die Bürger weiter verzichten. Das gleiche gilt für überregionale tagestouristische Ausflüge. Großveranstaltungen sind bis zum 31. August untersagt. Betroffen sind auch Konzerte, Schützenfeste und Kirmes-Veranstaltungen. Konkrete Regelungen etwa zur Größe der Veranstaltungen sollen allerdings die Länder selbst treffen. Diese Lockerungen sind mit Bedacht und auch Vorsicht gewählt. Es heißt abzuwarten, um zu sehen, wie sich diese Maßnahmen entwickeln. Wenn diese gut verlaufen, kann der nächste Schritt gemacht werden. Durch die Lockerungen sollen auch die Notdienste in den Kitas erweitert werden. Sie helfen aber nicht denjenigen Familien, die von diesen Lockerungen nicht betroffen sind. Ein wichtiger Schritt wäre wieder die allgemeine Öffnung der Kitas. Damit wäre vielen Familien und besonders den Alleinerziehenden eine große Last genommen.
Welcher Weg ist richtig?
Die WHO weist die Corona-Fälle nach eigenen Angaben für Länder, Gebiete und Territorien aus. In 213 davon lagen demnach am 16. April Nachweise des Coronavirus vor. „Wir haben eine Pandemie!“ Die USA sind besonders hart von der Corona-Krise betroffen. In Großbritannien, Spanien und Italien ist es auf Grund der vielen Infizierten und Todesfälle ähnlich dramatisch. Zwei Hauptvorgehensweisen sind aber festzuhalten: es gibt Länder, die auf Herdenimmunität setzen, und welche, die auf Verbote und Beschränkungen setzen. Beide Vorgehensweisen haben unterschiedliche Ansätze und Auswirkungen.
Bei der Herdenimmunität wird eine hohe Ansteckungsgefahr in Kauf genommen. Die Folge ist, dass die Krankenhäuser überlastet und viele Tote zu verzeichnen sind. Es ist, wenn auch nicht überall, eine mangelhafte Sicherheitsausstattung zu erkennen. Weiter mangelt es an Intensivbetten mit Beatmungsgeräten. Wenn eine bestimmte Anzahl der Bevölkerung infiziert ist, man geht so von 70 % aus, findet das Virus keine Opfer mehr. Da diese Infizierungen schnell vonstattengehen, ist auch das Virus schnell erledigt. Das ist die Meinung einiger Experten mit Stand heute. Ethisch und humanistisch gesehen eine zweifelhafte Vorgehensweise.
Die Länder, die auf Besuchs- und Kontaktverbote setzen, nehmen einen längeren Weg in Kauf. Die Infizierungswelle wird deutlich verlangsamt, die Todesrate steigt nicht so stark und die Krankenhäuser und die Gesundheitssysteme werden spürbar entlastet. Ist die Reproduktionszahl 1 oder weniger erreicht, erfolgt eine schrittweise Lockerung im 14-Tages-Rhythmus. Dann wird die Reproduktionszahl überprüft. Solange dieser Faktor stimmt, werden die Lockerungen nach und nach fortgesetzt, auch solange, bis es ein wirksames Medikament oder sogar einen Impfstoff gibt. Einen Impfstoff gibt es frühestens 2021!
Es bleibt auch festzuhalten, dass sich fast alle Länder von der Theorie der Herdenimmunität verabschiedet haben, weil die Todesfälle nicht mehr zu verantworten waren und die Gesundheitssysteme zusammenbrachen. Diese Länder waren nicht mehr in der Lage, ihre Toten würdevoll zu bestatten, in manchen Ländern gab es sogar Massengräber. Was weiter erstaunt, ist die Tatsache, dass gerade diese Länder zuallererst nach Lockerungen rufen. Natürlich spielen wirtschaftliche Gründe auch eine große Rolle, aber dieser Punkt kommt einfach zu früh. Die Reproduktionszahl spielte in diesen Ländern überhaupt keine Rolle.
Die Länder, welche die zweite Variante gewählt haben, haben auch nicht alles richtig gemacht. Zum großen Teil wurden diese Verbote zu spät ergriffen, in manchen Ländern mehr als zwei Wochen zu spät. Das heißt, dass die Infektionen mit Verzögerung bis zu zwei Wochen in einem erhöhten Umfang stattfanden. Dieses Versäumnis galt es wieder aufzuholen. Was auch durch striktes Einhalten der Verbote in vielen Ländern gelang. Auch Dank der Einsicht der Bürger.
Was lernen wir daraus? Der erste Fehler ist im Ursprungsland China geschehen. Obwohl das Virus früh erkannt wurde, wurde dies nicht öffentlich gemacht. Ende Dezember trat das Virus erstmalig auf. Am 9. Januar wird dies bekannt gegeben. Fast 14 Tage lang wurde dieses Virus übertragen. Die Erkenntnis heute ist, man hätte sofort nach Feststellen des Coronavirus Quarantänen und Sperrungen im Land durchführen müssen. Als wir das in der Presse gelesen haben, haben wir geglaubt, was geht uns China an. Das ist weit weg von uns. Was daraus geworden ist, wissen wir alle.
Ich bin kein Anhänger von US-Präsident D. Trump. Aber sein Vorwurf an die WHO ist durchaus berechtigt. Sie hat zu spät reagiert. Sie hat es gewusst, aber geglaubt, da passiert nicht viel. Eine dramatische Fehleinschätzung! Was Trump nicht machen durfte, war, die Beitragsgelder an die WHO auszusetzen. Damit straft er die Falschen. Er will auch die Verantwortlichen in der WHO zur Rechenschaft ziehen. Das sagt der, der verharmlost, immer alle Schuld von sich weist, um von seinem Unvermögen abzulenken.
Wie funktionieren eigentlich die wirtschaftlichen Hilfen?
Es wurden sehr schnell vom Gesetzgeber wirtschaftliche Hilfen beschlossen. Das Parlament beschloss diese Wirtschaftshilfen im Rekord-Tempo, und das einstimmig durch alle Parteien. Unbürokratische Unterstützung sollte es geben, damit die Pandemie nicht binnen Wochen Existenzen von Selbständigen vernichtet und massenhaft Kleinbetriebe in die Pleite treibt. Wem coronabedingt die Umsätze wegbrachen, der sollte zügig Geld vom Staat erhalten, um seine laufenden Kosten weiterhin decken zu können. Nach wenigen Tagen war die Zahl der Anträge siebenstellig. In vielen Fällen vergingen nicht einmal 36 Stunden, bis die Soforthilfen auf dem Geschäftskonto eingingen. Wie die Auszahlungen der Mittel ablaufen sollten, entschied im Detail jedes Bundesland für sich. Im Nachhinein wurde festgestellt, dass es in einigen Fällen erhebliche Sicherheitslücken und mangelnde Kontrollen gab oder noch gibt.
In den zuständigen Behörden wurden hunderte Mitarbeiter für die Bearbeitung der Anträge eingestellt. Das Antragsverfahren sollte so einfach, schlank und unbürokratisch wie möglich ablaufen. Es sollte auch rein digital ablaufen. Kaum war das komplett digitale Verfahren verkündet, so in NRW, tat sich Verdächtiges im Netz. Es tauchten gefälschte Webseiten auf, um Unternehmen zu täuschen. Es wurden Daten abgefischt, die Behörden ausgetrickst und die eigentlichen Antragsteller betrogen. Zum Glück wurde dieser Missstand schnell entdeckt und Abhilfe geschaffen. In anderen Bundesländern musste nicht einmal die Steuer- und Personalausweisnummer angegeben werden. Es wurde auf einfachste Kontrollmechanismen verzichtet und damit Betrug möglich gemacht.
Bei einem Abgleich der Bankverbindungen in den Finanzämtern wäre der Betrug sofort aufgefallen. Die Antragsteller mussten dem auch im Antrag zustimmen. Nur die Landesregierung in NRW hat davon keinen Gebrauch gemacht. Es wurde erklärt, dass dieser Abgleich bislang wegen des Steuergeheimnisses nicht möglich gewesen sei. Erst jetzt durch die Betrugsfälle sei der Zugriff auf Daten der Finanzämter erlaubt. Auch andere Bundesländer argumentieren so, aber diese Rechtsauffassung ist zweifelhaft. Es gibt noch weitere Ungereimtheiten in dieser Sache. Andere Bundesländer verweisen auch auf Plausibilitätsprüfungen, die aber auch fehleranfällig sind.
Was ist eigentlich genau passiert? Betrügereien bei Finanzhilfen sind nicht neu und setzen große kriminelle Energien frei. Es werden Mittel und Wege gesucht, um Schwachstellen im System zu finden, welche dann schamlos auf Kosten der Allgemeinheit ausgenutzt werden. Dazu kommt, dass der Grundsatz: „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“ nicht beachtet wurde. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass ein schnelles Handeln das Gebot der Stunde war.
Es muss aber erlaubt sein, einen weiteren Aspekt zu betrachten und zu beleuchten. Kann es sein, dass niemand in Betracht gezogen hat, dass irgendwann eine Notsituation in diesem Ausmaß auftreten könnte. Das kann eine Natur- oder Umweltkatastrophe oder eine Pandemie sein. Wäre es nicht sinnvoll, für diese Fälle eine bessere Vorbereitung zu treffen, indem alle Szenarien und Möglichkeiten, um Betrug zu vermeiden, durchgespielt werden können? Katastrophen dieser Art sind in unserem Land nicht vorgesehen!
Wem coronabedingt die Umsätze wegbleiben, dem soll geholfen werden. Muß der Gesetzgeber aber nicht unterscheiden zwischen dem Unternehmen, das gute Umsätze macht, über genügend Eigenkapital und Rücklagen verfügt und durchaus eine Zeit von zwei bis drei Monaten überbrücken kann ohne gleich zu verhungern. Die Finanzämter sind bestens informiert über die Vermögensverhältnisse von Unternehmen aller Art. Diese Pandemie wird Deutschland vielleicht 1 Billion € kosten.
Wenn man ein Unternehmen in guten Zeiten auf seine Umsätze und Vermögen anspricht, sagt dieses, es trage auch das Risiko. Gut! Leistung und Risiko sollen belohnt werden. Steuerliche Vorteile für Unternehmen hat der Gesetzgeber auch beschlossen, um Leistungsanreize zu schaffen. Auch gut! Wir haben eine starke soziale Marktwirtschaft, deren Standbein immer noch der Mittelstand ist. Wenn man ein Unternehmen in schlechten Zeiten nach seinem Umsatz und Vermögen fragt, dann spielt das Risiko eine untergeordnete Rolle. Dann muss der Staat helfen. Es kommt immer auf den Standpunkt an!
Und der Staat hilft auch denjenigen, die auf Grund ihrer finanziellen Situation ganz gut über die Runden kommen würden. Wenn dann Politiker hingehen und die Grundrente in Frage stellen, mit der Begründung, diese sei jetzt nicht mehr finanzierbar, ist das nicht mehr vermittelbar. Jedenfalls nicht diejenigen, die einen Anspruch auf diese Grundrente haben. Wir sprechen hier von 3,8 Milliarden € im Jahr 2021 bis 4,8 Milliarden € im Jahr 2025. Zur Erinnerung, die Finanzierung der Coronakrise kostet uns 1 Billion €. Hier sind Soziologen gefordert, um ein soziales Gleichgewicht wieder herzustellen, gerade in Zeiten von Krisen.
Die Angst und der mögliche Tod beherrschen
derzeit unser Denken.
Aber nach der Pandemie werden sowohl die Politik und
der Alltag wieder die Gier nach Geld bestimmen.
Ich hoffe mit dieser Einschätzung falsch zu liegen!
Wenn die Politiker diesen Zusammenhang nicht begreifen, sind sie fehl am Platz. Hier geht es wirklich um die „Ärmsten der Armen“. Neid ist kein guter Ratgeber. Unternehmer, die glauben, in Krisen keine Verluste machen zu dürfen, denken unmoralisch. Wenn es an die Existenz geht, sieht das alles anders aus. Dann muss geholfen werden. Der gleiche Grundsatz für Hilfen gilt im Übrigen für Großunternehmen und auch Aktiengesellschaften. Auch sie erfüllen in gewisser Weise ihre sozialen Pflichten. Obwohl einige dafür bekannt sind, Gewinne an die Aktionäre zu verteilen und Verluste, welche zum Teil selber verursacht wurden, zu verstaatlichen. Das letztere Vorgehen ist auch Betrug am Volke. Diese Pandemie bietet die einmalige Gelegenheit, künftig auf Krisen dieser Größenordnung durch weltweite Vorkehrungen viel besser vorbereitet zu sein. Das setzt voraus, dass auch der Wille dazu besteht, über Grenzen und politische Weltanschauungen hinaus. Oder anders ausgedrückt, beginnen wir einmal ernsthaft darüber nachzudenken. Dann machen wir es doch einfach und fangen an, es besser zu machen!
Fangen wir weltweit an, Krisenpläne mit einheitlichen Standards aufzustellen. Fangen wir weltweit an, für ein besseres Klima zu sorgen. Fangen wir weltweit an, für Chancengleichheit zu sorgen. Fangen wir weltweit an, jede Religion zu respektieren. Fangen wir weltweit an, uns für Meinungsfreiheit und die Gleichheit aller Menschen einzusetzen. Fangen wir weltweit an, endlich Politik für die Menschen zu machen. Fangen wir weltweit an, verstehen zu lernen, dass die Welt niemandem gehört.
Ich bin weder Kommunist, noch ein Linker oder ein Rechter. Nein, ich stehe in der Mitte der Gesellschaft. Ich bin nach christlichem Glauben erzogen worden, ein Nachkriegskind (1946), das zweitälteste Kind von zehn, und habe früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Ich habe gelernt, mit wenig auszukommen und den Menschen, egal welcher Herkunft, mit Achtung und Respekt zu begegnen. Vor meiner Mutter habe ich die größte Hochachtung. Sie hat übermenschliches geleistet und allen Kindern Rückhalt gegeben und eine Ausbildung ermöglicht. Der Weg zum Sozialamt war meiner Mutter fremd. Sie hat immer gesagt: „Das schaffen wir alleine!“ Mein Vater hat meine Mutter dabei immer tatkräftig unterstützt.
Die Situation in meiner Familie
Ganz spurlos ist die Corona-Krise an meiner Familie auch nicht vorüber gegangen. Es waren zwar keine gesundheitlichen Probleme zu verzeichnen, aber einige organisatorische. So, wie es fast allen Familien in dieser Situation ergangen ist. Es ist auch niemand arbeitslos geworden, trotzdem gab es einiges anders zu planen und zu organisieren. Man kann auch an einer neuen Aufgabe wachsen. Entscheidend ist aber, dass alle an einem Strang ziehen.
Die Lebensgefährtin unseres Sohnes machte zeitweise Kurzarbeit und arbeitet in einer Arztpraxis. Der Tochter, die eine Ausbildung macht, wurde gekündigt, da sich der Betrieb aufgelöst hat. Sie kann die Lehre aber in einem anderen Betrieb fortsetzen. Unser Sohn arbeitet im öffentlichen Dienst und macht teilweise Home-Office. Hund Parci soll’s recht sein, wenn ab und zu auch das Herrchen mal zu Hause ist. Unsere Enkelin, 15 Jahre alt, besucht das Gymnasium und langweilt sich zu Tode. Sie ist eine sehr gute Schülerin und fühlt sich nicht ausgelastet. Unsere Tochter arbeitet im Handwerksbetrieb ihres Mannes mit, welcher bisher von Corona verschont blieb. Es gab zwar hier und da Krankmeldungen, welche sich bis heute als harmlos darstellten. Unser Enkel macht eine Lehre beim Papa, was ihm viel Spaß bereitet. Unserer Jüngsten, die im Mai 12 Jahre alt wird, geht es genauso wie ihrer Cousine. Sie vermisst Schule und Freunde. Alle haben mehr oder weniger mit den neuen Gegebenheiten zu kämpfen.
Man stellt schnell fest, dass sich durch die neue Situation Arbeitsabläufe und auch Alltagsabläufe radikal verändern. Als erstes wird registriert, dass ein geplanter Urlaub in diesem Jahr womöglich nicht stattfinden kann und auch wird. Der Urlaub wird also gestrichen und Alternativen gesucht, was auch relativ schnell gelingt. Der Familienrat tagt und entwickelt Ideen in viele Richtungen, man wird kreativ. Aber zuerst wird, wie in fast allen Familien, kräftig ausgemistet und aufgeräumt. Man merkt plötzlich, dass man Dinge hat, die man nicht braucht, die nicht mehr passen und auch völlig überflüssig sind. Da entwickelt jeder so seine eigene Strategie. Es werden Dinge gemacht, die ansonsten auf die lange Bank geschoben wurden. Es wurde im Haus mal richtig aufgeräumt und ausgemistet. Danach wurden die Gärten auf Vordermann gebracht und zum Teil mit großem Aufwand verschönert. Der diesjährige Urlaub wird im eigenen Garten stattfinden. Kann auch schön sein!
Eigentlich wollten wir mit der ganzen Familie im Juli eine Woche Urlaub machen auf der Insel Texel in den Niederlanden. Anlass war unsere Goldhochzeit im Juli.Wir hatten schon im August 2019 ein großes Haus in einem Ferienpark gebucht und haben aber noch vor Ostern diese Reise storniert. Wir waren alle der Meinung, dass im Juli auf Grund des Coronavirus kein vernünftiger Urlaub möglich sein wird und wir auf viele Dinge verzichten müssen. Schlimmstenfalls könnte sogar ein Einreiseverbot ausgesprochen werden. Wir wissen auch nicht, wie sich die Situation in den Restaurants darstellt. Es ist auch mit Einschränkungen von Freizeitangeboten vieler Art zu rechnen. Unsere Familie sind Aktivsportler; es wird Rad gefahren, Wassersport gemacht und es geht in den Kletterpark. Wir haben auch einige Reitsportfreunde in der Familie. Es gibt noch andere schöne Möglichkeiten auf Texel, die Zeit sinnvoll zu verbringen, dazu gehört auch ein wunderschöner kilometerlanger Sandstrand. Schade für die Familie, dass dies nicht klappt! Unsere Goldhochzeitsfeier mit der engsten Familie in Holland ist ins Wasser gefallen. Aber es ist vielen anderen genauso ergangen. Seien es Kommunionen, Geburtstage, Jubiläen, Hochzeiten aller Art usw. – viele, die einen Grund zum Feiern hatten, mussten dies auf unbestimmte Zeit verschieben. Das war und ist nicht immer so einfach gewesen. Aber diese Zeit werden die Betroffenen wohl niemals vergessen.
Verletzung der Grundrechte
Amnesty International hat die Länder aufgefordert, die Grundrechte der Bürger nur soweit zu beschneiden, wie unbedingt erforderlich. Diese Auffassung vertritt auch das Bundesverfassungsgericht. Die Grundrechte beinhalten unter anderem das Aufenthaltsbestimmungsrecht und das Recht der Versammlungsfreiheit. Diese dürfen natürlich bei Gefahr vom Staat eingeschränkt werden, aber nur solange wie die Gefahr besteht. Da gibt es einige Juristen, welche unterschiedliche Meinungen vertreten. Amnesty International hat zwar keine direkten Vorwürfe gegen die betreffenden Staaten erhoben, sondern nur darauf hingewiesen, wieder mehr auf die Verhältnismäßigkeit zu achten. Was im Übrigen auch das Bundesverfassungsgericht so sieht. Die Grundrechte stehen im Grundgesetz in den Artikeln 1–19 GG.
Als Beispiel wurde beschrieben, was gerade in Hospizen, Altenheimen oder Krankenhäusern mit den Menschen geschieht, die im Sterben liegen. Amnesty International sieht es als nicht hinnehmbar an, dieser Personengruppe den Besuch des Partners oder von Familienangehörigen zu verwehren. Das Risiko, bei einem Besuch im Hospiz, Altenheim oder Krankenhaus andere zu infizieren, kann durch ausreichende Schutzkleidung verhindert oder aber eingeschränkt werden. Sie empfehlen den Verantwortlichen eindringlich ein Umdenken im Sinne der Humanität und der Menschlichkeit. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Rückblick – Der erste Lockdown
Die Politik stand vor der großen Herausforderung, Dinge zu beschließen, deren Umsetzung den Bürgern einiges abverlangte. Es wurden massiv die Grundrechte eingeschränkt. Die Bilder aus dem Ausland machten aber die Notwendigkeit sichtbar und auch deutlich. Es gab für die Corona-Einschränkungen eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Das hing auch damit zusammen, dass niemand auch nur im Ansatz wusste, was das Corona-Virus noch alles mit uns machen würde. Die Ärzte und Virologen sahen das vielleicht berufsbedingt etwas anders.
Die Regierung in unserem Land hat, wenn auch ein wenig zu spät, gehandelt – aber noch gerade rechtzeitig, auch Dank der Experten. Dadurch gingen die Infektionszahlen nicht so schnell in die Höhe. In anderen Ländern sah es ganz anders aus. Diese hatten große Schwierigkeiten und Probleme in der Gesundheitsvorsorge und Wirtschaft. In unserem Land beschloss der Bundestag schnell wirtschaftliche Hilfen für Wirtschaft und Arbeitnehmer. Schnell wurde auch der Ruf nach Lockerungen in unserem Land laut. Man wagte sich relativ schnell an erste Lockerungen, aber immer verbunden mit dem Hinweis auf Achtsamkeit von Seiten der Politik. Der Virologe Christian Drosten hat gesagt: „Die Pandemie ist ja erst mal kein wissenschaftliches Phänomen – es ist eine Naturkatastrophe.“
Schmerzvoll war in der ersten Phase des Locdowns die Schließung von Kita, Schulen, Geschäften, Gastronomie. Es folgten darauf die ersten Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote. Der Kurzurlaub zu Ostern fand auch nicht statt, trotz des schönen Wetters. Es war auch zum Heulen! In Alten- und Pflegeheimen sterben besonders viele alte Menschen durch das Corona-Virus. Dieses Phänomen sollte uns alle noch lange negativ beschäftigen.
Nachdem die Phase 1, der Höhepunkt der Infizierten und Todesraten, in vielen Ländern überschritten ist, erfolgen in Deutschland nun schrittweise Lockerungen. Diese „Lockerungen“ werden die längste und auch schwierigste Phase werden. Der Weg in die Normalität ist steinig und schmerzvoll. Bei jeder Lockerung gibt es Gewinner, aber auch Verlierer. Viele Interessenvertreter glauben zu wissen, welcher der nächste und wichtigste Schritt wäre. Nämlich den, den sie gerade selber vertreten. Das ist legitim und verständlich, aber nicht rational gedacht. In dieser Phase sind Menschenkenner und Erklärer gefordert.
Lockerungen
Es gab Lob, aber auch Kritik
Mit etwas Verzögerung wurde in den Medien von vielen Seiten mit Lob und auch Kritik nicht gespart. Die Befürworter einer gemäßigten Lockerung fanden die Maßnahmen völlig ausreichend. Den anderen, vor allen Dingen der Wirtschaft und Industrie, gingen sie nicht weit genug. Noch Tage später wurde in allen Medien darüber diskutiert, wie die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten auf die Zahl 800 qm kommen. Bis 800 qm dürfen Geschäfte ab dem 20. April 2020 wieder öffnen. Es hätten auch 600 oder auch 1.000 qm sein können. Diese Zahl war ein hart umkämpfter Kompromiss. Allein an diesem Beispiel sieht man, wie schwer es ist, eine richtige und vernünftige Entscheidung zu treffen. Zugute muss man der Regierung halten, dass sie diese Zahl auch begründen konnte. Sie hat darauf hingewiesen, dass sie auf Grund der noch immer akut bestehenden Infektionsgefahr größere Ansammlungen von Menschen verhindern möchte.
Sie möchte unter allen Umständen die Reproduktionszahl auf 1 halten oder sogar darunter bekommen. Steigt diese Zahl nur um ein Zehntel auf 1,1, wären wir im Juni in einer Situation, welche für unsere Krankenhäuser sehr schwierig würde. Es wären quasi alle Intensivbetten mit Beatmungsgeräten ausgelastet. Diesen Zustand möchte niemand erreichen. Trotz dieser Hinweise aus der Regierung kam von Seiten der Wirtschaft viel Kritik. Die Öffnungen gingen nicht weit genug und man nannte viele Beispiele, was man noch hätte machen können. Natürlich ist der Regierung bewusst, dass bei den schrittweisen Öffnungen Unternehmen weiter in Bedrängnis geraten. Solange niemand die Auswirkungen dieser Lockerung kennt, solange sind weitere Öffnungen auch nicht möglich. Da wissen wir alle mehr in 2 bis 3 Wochen. So wird das auch in Zukunft sein. Erinnerung; Einhaltung der Reproduktionszahl von 1 oder besser sogar unter 1. Das Verhalten der Menschen und das Virus bestimmen das weitere Vorgehen. Nicht die Politik, nicht die Wirtschaft und auch nicht die Medien.
Die Logiken, denen die gesellschaftlichen Systeme Politik,
Wirtschaft und Medien folgen, treffen in ihrer
Unterschiedlichkeit so aufeinander, dass auch
unerwünschte Effekte entstehen.
Zum Wohle des „Deutschen Volkes“
Unsere Regierung ist sich ihrer Verantwortung in der Pandemie bewusst und versucht, die Bürger nach bestem Wissen gemäß ihres Wahlauftrages durch diese Krise zu führen. Vor dem Hauptportal des Bundestages steht in großen Lettern: „DEM DEUTSCHEN VOLKE“. Dem ist nichts hinzuzufügen. Wir haben ein tolles Grundgesetz, eine Drei-Gewalten-Teilung und ein Parlament, welches funktioniert. Die Bürger hoffen, dass das Parlament gute Entscheidungen und Lösungen in der Corona-Krise für uns findet.
Da es in diesen Krisenzeiten um das Funktionieren von wirtschaftlichen Hilfen geht, also um viel Geld, gibt es unzählige Möglichkeiten, Geld so oder so unter die Leute zu bringen. Vor dem Hintergrund einer gut funktionierenden Wirtschaft mit sprudelnden Steuereinnahmen sollte ein Umdenken in der Verteilung des zur Verfügung stehenden Geldes in Betracht gezogen werden. Dies immer mit dem Wissen, dass dies nur dann geht, wenn auch die Staatseinnahmen es ermöglichen. Soweit so gut! Ich habe vorhin gesagt, dass ich politisch in der Mitte der Gesellschaft stehe.
Ohne dass sich die vorhandene Geldmasse verändert, muss und sollen die Geldströme verändert werden. Einige erhalten etwas weniger, ohne gleich betteln zu müssen, und die anderen erhalten etwas mehr, damit dieser Personenkreis nicht mehr zu betteln braucht. Beim letzteren handelt sich hier um einen kleinen Personenkreis, welcher aber auf Grund der bekannten Faktoren stetig ansteigt.
Um dieses Vorhaben umzusetzen, erlaube ich mir ein paar Einspar-Beispiele zu nennen. Die Bundestagsabgeordneten verzichten im Juli auf ihre Diätenerhöhung. Ein gutes Zeichen, es tut ihnen nicht weh und geschieht auf freiwilliger Basis. Aber den Bundestag zu verkleinern, welcher durch Überhangmandate immer größer und damit auch teurer wird, ist nicht machbar. Hauptgegner für eine Verringerung der Wahlbezirke sind die großen Parteien, insbesondere die CDU u. CSU. Dadurch, dass diese Parteien die meisten Direktmandate gewinnen, bekommen sie auch die meisten Sitze im Bundestag. Der Bundestag wird zu groß! Dies ist eine vereinfachte Darstellung eines Problems.
Als Rentner hätte ich kein Problem gehabt, in diesem Jahr auf die Rentenerhöhung zu verzichten. Allerdings sollten die kleinen Renten, welche sich unterhalb der Durchschnittsrente befinden, mit einem festen Sockelbetrag erhöht werden. Das gilt auch für künftige Rentenerhöhungen. Wie das technisch gehen soll, werden die Mathematiker schon herausfinden und es wäre nicht das erste Gesetz, das geändert werden würde. Diese Beispiele können noch beliebig fortgesetzt werden. Ziel aller Vorschläge ist, eine größere soziale Gerechtigkeit zu erreichen, ohne die verfügbare Masse erhöhen zu müssen. Unter Umständen werden sogar noch Einspareffekte erzielt.
Weitere Einnahmen ließen sich erzielen, wenn der Gesetzgeber z. B. nachstehende Missstände beseitigen bzw. ändern würde. Seit 2001 wird in Deutschland über eine Finanztransaktionssteuer (FTAS) nachgedacht. 2011 befasste sich erstmalig die EU mit der FTAS. Im Jahre 2017 vereinbarte der Bundestag die Einführung einer substanziellen FTAS. Das Ergebnis kennen wir. Es gehen dem deutschen Volk Steuereinnahmen in Milliardenhöhe verloren. Der Cum-Ex Skandal, bei dem der Staat durch juristische Steuertricksereien 24,6 Milliarden und durch organisierte Kriminalität 7,2 Milliarden verloren hat, ist bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt. Im Übrigen, bisher wurden für diese Straftaten null Personen verurteilt.
Ministerpräsident M. Söder verkündet in den Medien, die Bürger künftig steuerlich zu entlasten. Er will die Kaufkraft stärken! Das ist Polemik! Wie soll der Billionen € Schuldenberg auf Grund des Coronavirus abgebaut werden? Ich weiß, wer das bezahlen wird. Das sind alle die, die treu und brav ihre Steuern und Sozialabgaben zahlen. Dazu gehört auch der sogenannte systemrelevante Personenkreis, welcher in der Krise den Laden am Laufen gehalten hat. Diesem hat man in Zeiten der Krise aber auch eine größere Wertschätzung versprochen, in monetärer Form. Da bin ich gespannt, wie die Politik diesen Spagat zwischen sozial und gerecht unter einen Hut bekommt. Nicht zu vergessen sind die vielen Arbeitnehmer, die während dieser Krise nach Hause geschickt wurden, Kurzarbeitergeld erhielten und damit zurechtkommen mussten.
Kurz & Knapp vom 19. April
NRW-Ministerpräsident für baldige Öffnung der Kirchen. – Bundesminister H. Heil verkündet, dass ab 2021 die Grundrente eingeführt wird. – Familienministerin Giffey fordert Priorisierung von Eltern bei einem Lockdown. – Knapp 140.000 Corona-Fälle in Deutschland und 4.289 Tote. – In Deutschland stehen zurzeit knapp 13.000 freie Intensivbetten zur Verfügung. – Wirtschaftsminister Altmaier rechnet mit Bedarf von bis zu zwölf Milliarden Masken pro Jahr. – Mehr als 100.000 Covid-19-Tote in ganz Europa. – Grüne wollen Ende des Besuchsverbots für Pflegebedürftige. – Pflegeverbände fordern mehr Schutzausrüstung. – China weist Labor-Vorwürfe aus den USA zurück. – Kostenlose Masken für alle Bewohner in Paris. – Nicht genehmigte Kundgebung in Berlin aufgelöst, von 79 Teilnehmern wurden Personalien aufgenommen. – Der Branchenverband DEHOGA fordert eine schnelle Lockerung für Hotels u. Restaurants. Die Bundesregierung will dies wohlwollend prüfen.
Aufgabe der Medien in Krisenzeiten
Im Artikel 5 des Grundgesetzes wird den Medien die Pressefreiheit gewährleistet. In diesem ist das Recht von Einrichtungen des Rundfunks, der Presse und anderer Medien auf ungehinderte Ausübung ihrer Tätigkeit, vor allem auf die staatliche unzensierte Veröffentlichung von Nachrichten und Meinungen geregelt. Sie soll weiterhin die Informationsfreiheit, die freie Meinungsbildung und -äußerung, die pluralistische Meinungsvielfalt und damit die demokratische Willensbildung sowie die Transparenz und Kontrolle der Politik durch die öffentliche Meinung gewährleisten.
Diese Pressefreiheit ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft und keine Selbstverständlichkeit. Aber dieses hohe Gut ist auch eine Verpflichtung an die Gesellschaft, besonders in Krisenzeiten. Die Medien müssen auf ihre Wort- und Schriftwahl achten, sollen nichts Wichtiges weglassen oder Unwichtiges hinzufügen. Sie sollen Zitate nicht aus dem Zusammenhang reißen oder wider besseres Wissen die Unwahrheit sagen. Falschdarstellungen müssen in angemessener Form wieder richtiggestellt werden, und zwar in dem Medium, in dem sie verbreitet wurden. Da gibt es hier und da auch schon mal Rechtsstreitigkeiten. Aber auch das gehört zu einem Rechtsstaat. Nicht vergessen darf man auch, dass alle die Personen, die eine Nachricht verbreiten, auch eine persönliche Meinung haben und demnach subjektiv handeln. Eine Zeitung, die behauptet, überparteilich und neutral zu sein, wird immer noch von Menschen gemacht. Und wo Menschen arbeiten gibt es auch Konflikte. Trotz alledem ist die Bevölkerung auf eine sachliche Berichterstattung angewiesen, damit sie sich eine eigene Meinung bilden kann.
Zur jetzigen Zeit, der Corona-Krise, werden wir mit Informationen durch alle Medien bestens Informiert. Die Informationsflut beängstigt aber auch. Zu erkennen, ob diese Informationen einem hilfreich sind und auch in der Meinungsbildung weiterbringen, ist sehr schwierig. Ganz schwierig wird es dann, wenn es zu einem Thema viele unterschiedliche Meinungen gibt. Da muss man sich auf die Nachrichten verlassen, die für die Veröffentlichung auch zuständig sind. Das heißt, hier ist die Quelle wichtig. Seriöse Medienvertreter wissen das auch und handeln danach. Da kann es leicht passieren, dass verkürzte Berichte veröffentlich werden. Hier ist dann die objektive Wiedergabe wichtig, die es schafft, durch die Verkürzung der Nachricht keinen falschen Eindruck zu erwecken. Das wäre dann seriöse Berichterstattung.
Neue Richtungen im Lockerungs-Modus
Nach dem Ausbruch des Corona-Virus in Deutschland vor gut neun Wochen und den ersten Beschränkungen sind sechs Wochen vergangen. Die Bürger haben es geschafft die Reproduktionszahl, welche für Virologen Ausgangspunkt für weitere Maßnahmen ist, auf unter eins zu senken. Sie war auch die Messlatte der Regierung, ab dem 20. April kleinere Lockerungen bundesweit zuzulassen. Ab der Bekanntmachung dieser Lockerungen, am 15. April, war zuerst eine große Erleichterung zu spüren. Nach und nach wurde aber vermehrt Kritik laut an der Regierung.
Vor allen Dingen kam diese Kritik aus der Richtung der Wirtschaft. Man hätte dies und jenes noch mehr machen können. Hat man aber nicht. Warum, weil die Bundesregierung der Auffassung war und noch immer ist, dass man erst die Entwicklung dieser Lockerung abwarten muss, welches 14 Tage andauert, um dann zu sehen, wie sich die Reproduktionszahl entwickelt hat. Die Auswirkungen sind in einem anderen Kapitel schon beschrieben worden. Die Bundeskanzlerin A. Merkel, die Virologen und viele andere weisen täglich darauf hin, dass wir uns immer noch in einer bedenklichen Phase befinden.
Weiter hat heute, am 20. April, die Bundeskanzlerin eindeutig festgestellt, dass die weiteren Beschränkungen für Familien, Alleinerziehende und für viele Unternehmen eine große Belastung sind. Sie ist sich dessen schon bewusst und hat gemahnt, nicht leichtsinnig zu werden.
Die Wirtschaft gibt eine andere Richtung vor,
als die Bundesregierung. Der Wirtschaft gehen
die Öffnungen nicht schnell genug.
Die Bundesregierung mahnt zu Geduld und Vorsicht,
um den bisher erzielten Erfolg nicht wieder zu gefährden.
Dass die Bundesregierung skeptisch gegenüber der Wirtschaft ist, ist nicht ganz unbegründet. Es zeichnet sich ein Verhalten ab, das glauben machen will, es ist schon geschafft. Die Menschenströme verdichten sich und die Abstandsregel scheint vergessen zu sein. Diese Beobachtung wurde nicht überall, aber in einigen Innenstädten und auch Einkaufszentren gemacht. Dieses Verhalten gibt Grund zur Sorge und widerspricht dem, was bisher eingehalten wurde. Wenn dann auch noch in den Nachrichten berichtet wird, dass Österreich zu den Sommerferien die Grenzen für deutsche Touristen wieder öffnen will, braucht man sich nicht mehr zu wundern.
Unter den Experten in Deutschland gibt es auch zwei Richtungen, die zur Diskussion stehen. Die eine Richtung ist für eine konstante Beibehaltung der Reproduktionszeit auf knapp unter eins. Das wäre der heutige Status. Folge wäre, dass wir weiter auf kleine Lockerungen setzen und die Dauer würde sich noch auf Monate, vielleicht sogar bis ins nächste Frühjahr ziehen. Es versteht sich von selbst, Dinge einzuhalten wie Abstand halten, Mundschutz tragen und Hände waschen. Dies wäre nach wie vor erforderlich. Der wirtschaftliche Schaden wäre relativ groß. Genaue Zahlen vermag derzeit niemand zu nennen.
Die andere Richtung wäre, die Lockerungen fast ganz auszusetzen, damit die Reproduktionszahl bei etwa 0,2 liegen würde. Folge dieser Maßnahme wäre, wir hätten in zwei bis drei Monaten, oder auch vier Monaten, das Virus ausgehungert. Nach Aussage der Virologen wäre das Coronavirus bis auf kleinere Rückschläge bei uns nicht mehr vorhanden. Vorsichtsmaßnahmen wie im vorigen Absatz beschrieben sind nach wie vor einzuhalten. Allerdings würde das auch bedeuten, dass wir die Entwicklung, insbesondere in den Nachbarstaaten, aber auch aus dem Ausland, genau beobachten müssen, um keine weiteren Infektionen zu bekommen. Das Virus wird weltweit nicht verschwunden sein und ein Impfstoff ist noch in weiter Ferne. Wirtschaftlich wäre diese Maßnahme auch hart, aber zeitlich überschaubar.
Wenn wir ein drittes Szenario betrachten, das wären schnellere Lockerungen, wie die Wirtschaft das möchte, würde wahrscheinlich folgendes geschehen: die Infektionen würden rasch ansteigen, d. h. die Reproduktionszahl würde über 1, vielleicht auf 1,2–1,3 oder mehr steigen, mit der Folge, dass unser Gesundheitssystem binnen kurzer Zeit an seine Grenzen stoßen und kollabieren würde. Die Lockerungen müssten drastisch wieder zurückgefahren werden mit Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverboten. Wir stünden praktisch wieder am Anfang und würden um viele Monate zurückgeworfen. Da wäre wirklich nur noch ein schneller Impfstoff die Rettung. Der wirtschaftliche Schaden wäre noch viel größer. Da niemand den Ausgang dieser Pandemie kennt, sollten alle, ausnahmslos alle, etwas mehr Demut und Geduld zeigen. Diejenigen, die heute viel fordern, sollten die Verantwortung für ihre Forderung übernehmen. Was ich aber nicht glaube ist, dass dieser Personenkreis einfach ein weißes Blatt mit ungewissem Ausgang unterschreiben würde.
Die christliche Kirche in Corona-Zeiten
Auch die Kirchen stehen vor großen Herausforderungen. Die gute Nachricht aber vorweg: es soll in Kürze Lockerungen geben, welche wie überall mit Auflagen verbunden sind. Die Kirche und der Personenkreis derjenigen, die zum Dienst in der Kirche bestellt sind, können wieder aufatmen. Das sind Priester, Diakone, Messdiener, Küster, Organisten, Chöre usw. Wir haben noch die Bilder von Ostern im Kopf. Leere Dome, Kirchen und Kapellen. Film-Aufnahmen können nicht über diese Trostlosigkeit hinwegtäuschen. Der Mensch braucht Nähe und Kontakt, insbesondere in schweren Zeiten. Kirchliche Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser waren und sind immer noch einem enormen Druck ausgesetzt. Aber ebenso die Einrichtungen, die schließen mussten, wie Schulen, Kitas, Seminare, weil sie ihrem kirchlichem Bildungsauftrag nicht mehr nachkommen konnten. Das größte Problem in der Kirche war, dass die Priester ihre Toten nicht wie gewohnt begraben konnten. Auch hier wurden Sicherheitslauflagen angeordnet.
Neben der Corona-Krise sind leider viele Themen wie die Missbrauchsfälle oder Maria 2.0 etwas aus dem Blickwinkel geraten. Neben dem finanziellen Verlust, den auch die Kirche zu beklagen hat, ist ein Neuanfang nicht leicht. Aber die Kirche wird neben Worten auch an Taten gemessen. Es gibt Menschen, die glauben zu wissen, dass diese Pandemie ein Fingerzeig von ganz oben wäre. Ganz oben kann es nur Gott, Mohammed oder ein Gott sein, den wir noch nicht kennen. Vielleicht ziehen alle Religionen die Erkenntnis daraus, dass wir alle in der gleichen Welt leben, uns öffnen müssen, auch gegenüber Andersdenkenden und wir alle nur ein winziges Staubkorn auf dieser Erde sind.
Eine kleine Zwischenbemerkung
Auf Grund der umfangreichen Berichterstattung in allen Medien ist es unmöglich, auf alle Themen, sei es aus den Bundesländern, der Bundesregierung, Europa und weltweit zu dem Corona-Thema Stellung zu beziehen. Das würde den Rahmen sprengen und ist Aufgabe von Historikern. Ich versuche ein Stimmungsbild aufzuzeigen, welches aus meinem direkten Umfeld kommt oder mir wichtig erscheint.
Ich habe schon von umfangreichen Medienberichten und auch von den Aufgaben der Medien in Krisenzeiten geschrieben. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass am 21. April berichtet wurde, dass sich Deutschland in der Weltrangliste der Pressefreiheit von Platz 13 auf 11 verbessert hat. Diese Nachricht hat es verdient, erwähnt zu werden. Gerade in Krisenzeiten sind Presse- und Meinungsfreiheit eine wichtige Voraussetzung, um Vertrauen zu schaffen. Ohne einen Staat zu diskreditieren, ist in vielen Ländern, sogar auch in einigen EU-Mitgliedsstaaten, keine Presse- und Meinungsfreiheit zu erkennen. Dieser Zustand ist nicht akzeptabel!
Es gibt aber auch gute Signale aus dem Europäischen Raum. Es geht um die Unterstützung der Wirtschaft in der Corona-Krise in Dänemark. Das „kleine“ Dänemark hat ein 15-Milliarden-Euro-Programm auf den Weg gebracht. Im Kleingedruckten findet sich ein Clou: Unternehmen, die ihren Sitz in irgendeiner Steueroase unterhalten, sind von den Hilfen ausgeschlossen – sie brauchen sich gar nicht erst bewerben. Bravo! Mich würde interessieren, wie Deutschland und die anderen EU-Länder das geregelt haben.
Kurzmeldungen vom 22. April
