Geschichte und Region/Storia e regione 29/1 (2020) -  - E-Book

Geschichte und Region/Storia e regione 29/1 (2020) E-Book

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Beschreibung

Die Geschichte des Lesens im katholisch dominierten Alpenraum sowie dessen südlichen Ausläufern zwischen 1750 und 1850 steht im Fokus dieses Heftes. Das breite inhaltliche und methodische Spektrum der einzelnen Beiträge trägt dabei verschiedenen Themenkomplexen der historischen Buch- und Leseforschung Rechnung: Welche Bedingungen – von der Verbreitung der Lesefähigkeit bis zum Zugang zu Lesestoffen – machten Lektüre überhaupt erst möglich? Welche Bedeutung wurde dem Lesen jeweils beigemessen? Und nicht zuletzt wird die Frage nach den Aneignungsprozessen aufgeworfen – wie wurde denn gelesen? Die hier versammelten Aufsätze nähern sich der Buch- und Leser*innengeschichte aus unterschiedlichen Perspektiven und regen zu weiteren Forschungen an. AUS DEM INHALT Maurizio Piseri: Scuola e alfabetismo nella Bassa Valle d'Aosta tra Sette e Ottocento Daniel Syrovy: Literatur und Zensur in den italienischsprachigen Gebieten der Habsburgermonarchie im 18. und 19. Jahrhundert Liliana De Venuto: Libri, biblioteche e lettori lungo la Valle dell'Adige nel Settecento Michael Span: "Samentlich verhandene Piecher". Inventare aus dem Landgericht St. Michaelsburg als Quellen zur Erforschung des Buchbesitzes in Tirol 1750–1800 Peter Andorfer: Die "Weltbeschreibung des Leonhard Millinger" als Quelle für bäuerliches Leseverhalten FORUM Andrea Sarri: Il vescovo di Trento Celestino Endrici, il "(neo)paganesimo" e il nazismo. Osservazioni in merito a un libro recente REZENSIONEN/RECENSIONI

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Seitenzahl: 369

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Geschichte und Region/Storia e regione

29. Jahrgang, 2020, Heft 1 – anno XXIX, 2020, n. 1

Bücher besitzen – Bücher lesenPossedere libri – leggere libri(1750–1850)

herausgegeben von / a cura diMichael Span und / e Ursula Stampfer

 

 

 

Ein Projekt/un progetto der Arbeitsgruppe/del Gruppo di ricerca „Geschichte und Region/Storia e regione“

Herausgeber/a cura di: Arbeitsgruppe/Gruppo di ricerca „Geschichte und Region/Storia e regione“, Südtiroler Landesarchiv/Archivio provinciale di Bolzano und/e Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte der Freien Universität Bozen/Centro di competenza Storia regionale della Libera Università di Bolzano

Geschichte und Region/Storia e regione is a peer reviewed journal.

Redaktion/redazione: Christof Aichner, Andrea Bonoldi, Francesca Brunet, Siglinde Clementi, Andrea Di Michele, Ellinor Forster, Walter Landi, Stefan Lechner, Hannes Obermair, Gustav Pfeifer, Karlo Ruzicic-Kessler, Philipp Tolloi.

Geschäftsführend/direzione: Michaela Oberhuber

Redaktionsanschrift/indirizzo della redazione: Geschichte und Region/Storia e regione, via Armando-Diaz-Str. 8b, I-39100 Bozen/Bolzano, Tel. + 39 0471 411972, Fax +39 0471 411969

e-mail: [email protected]; web: geschichteundregion.eu; storiaeregione.eu

Korrespondenten/corrispondenti: Giuseppe Albertoni, Trento · Thomas Albrich, Innsbruck · Helmut Alexander, Innsbruck · Agostino Amantia, Belluno · Marco Bellabarba, Trento · Laurence Cole, Salzburg · Emanuele Curzel, Trento · Elisabeth Dietrich-Daum, Innsbruck · Alessio Fornasin, Udine · Thomas Götz, Regensburg · Paola Guglielmotti, Genova · Maria Heidegger, Innsbruck · Hans Heiss, Brixen · Martin Kofler, Lienz · Margareth Lanzinger, Wien · Werner Matt, Dornbirn · Wolfgang Meixner, Innsbruck · Luca Mocarelli, Milano · Cecilia Nubola, Trento · Tullio Omezzoli, Aosta · Luciana Palla, Belluno · Eva Pfanzelter, Innsbruck · Luigi Provero, Torino · Martina Salvante, Nottingham · Reinhard Stauber, Klagenfurt · Gerald Steinacher, Lincoln/Nebraska · Rodolfo Taiani, Trento · Michael Wedekind, München · Rolf Wörsdörfer, Frankfurt

Presserechtlich verantwortlich/direttore responsabile: Günther Pallaver

ISBN 978-3-7065-6099-3

ISSN 1121-0303

© 2020 by StudienVerlag Ges.m.b.H., Erlerstraße 10, A-6020 Innsbruck

e-mail: [email protected], Internet: www.studienverlag.at

Geschichte und Region/Storia e regione erscheint zweimal jährlich/esce due volte l’anno. Einzelnummer/singolo fascicolo: Euro 30,00 (zuzügl. Versand/più spese di spedizione), Abonnement/abbonamento annuo (2 Hefte/numeri): Euro Euro 42,00 (Abonnementpreis inkl. MwSt. und zuzügl. Versand/ IVA incl., più spese di spedizione). Alle Bezugspreise und Versandkosten unterliegen der Preisbindung.

Abbestellungen müssen spätestens 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres schriftlich erfolgen./Gli abbonamenti vanno disdetti tre mesi prima della fine dell’anno solare.

Aboservice/servizio abbonamenti: Tel.: +43 (0)512 395045 23, Fax: +43 (0)512 395045 15

E-Mail: [email protected]

Layout: Fotolitho Lana Service; Umschlaggestaltung/copertina: Dall’Ò&Freunde.

Umschlagsbild/foto di copertina: Martin Kestler, Die Eltern des Künstlers, 1833, ©Stift Kremsmünster Kunstsammlungen; Verlassenschaftsinventar des Urban Sachser, 31.5.1754, Tiroler Landesarchiv (Innsbruck), Aktenserie LG Mieders, Fasz. 7, Pos. 5 (Inventare 1754), Nr. 29, Bl. 3v–4r.

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. È vietata la riproduzione, anche parziale, con qualsiasi mezzo effettuata, compresa la fotocopia, anche ad uso interno o didattico, non autorizzata.

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Diese Zeitschrift erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.studienverlag.at

Inhalt / Indice

Bücher besitzen – Bücher lesenPossedere libri – leggere libri(1750–1850)

Michael Span/Ursula Stampfer

Editorial / Editoriale

Maurizio Piseri

Scuola e alfabetismo nella Bassa Valle d’Aosta tra Sette e Ottocento

Daniel Syrovy

Literatur und Zensur in den italienischsprachigen Gebieten der Habsburgermonarchie im 18. und 19. Jahrhundert

Liliana De Venuto

Libri, biblioteche e lettori lungo la Valle dell’Adige nel Settecento

Michael Span

„Samentlich verhandene Piecher“. Inventare aus dem Landgericht St. Michaelsburg als Quellen zur Erforschung des Buchbesitzes in Tirol 1750–1800

Peter Andorfer

Lesespuren. Die „Weltbeschreibung des Leonhard Millinger“ als Quelle für bäuerliches Leseverhalten

Forum

Andrea Sarri

Il vescovo di Trento Celestino Endrici, il “(neo)paganesimo” e il nazismo. Osservazioni in merito a un libro recente

Rezensionen / Recensioni

Christof Aichner, Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860. Aufbruch in eine neue Zeit

Jan Surman

Margret Friedrich/Dirk Rupnow (Hg.), Geschichte der Universität Innsbruck 1669–2019, Bd. 1: Phasen der Universitätsgeschichte, Teilbd. 2: Die Universität im 20. Jahrhundert

Martin Göllnitz

Fabian Frommelt/Florian Hitz/Michael Kasper/Christof Thöny (Hg.), Das Jahr ohne Sommer. Die Hungerkrise 1816/17 im mittleren Alpenraum

Christian Pfister

Anna Grillini, La guerra in testa. Esperienze e traumi di civili, profughi e soldati nel manicomio di Pergine Valsugana (1909–1924)

Marco Romano

Alessandra Spada, Conquistare le madri. Il ruolo delle donne nella politica educativa e assistenziale in Alto Adige durante il fascismo

Quinto Antonelli

Michael Wedekind, Die Besetzung der Vergangenheit. Archäologie, Frühgeschichte und NS-Herrschaftslegitimation im Alpen-Adria-Raum (1939–1945)

Marianne Pollak

Philipp Rohrbach/Florian Schwanninger (Hg.), Beyond Hartheim. Täterinnen und Täter im Kontext von ‚Aktion T4‘ und ‚Aktion Reinhard‘

Stefan Lechner

Günther Pallaver/Elisabeth Alber/Alice Engl (Hg.), Politika 20. Südtiroler Jahrbuch für Politik/Annuario di politica dell’Alto Adige/Anuar de politica dl Südtirol

Giorgio Mezzalira

Abstracts

Autoren und Autorinnen / Autori e autrici

Editorial

„Eine dritte Medienrevolution nach der Ausbildung der menschlichen Sprache und der Einführung komplexer Schriftsysteme“ sei die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern im 15. Jahrhundert gewesen, schreibt Reinhard Wittmann, einer der prominentesten Akteure der deutschsprachigen historischen Buch- und Leser*innenforschung der vergangenen Jahrzehnte, in seiner Geschichte des deutschen Buchhandels.1 Und mit ähnlichen Superlativen rund um Johannes Gensfleisch und seine Erfindung wurde auch von anderer Seite zurecht selten gespart. Gar epochemachender Charakter wurde ihr zugesprochen, wie der häufig zitierte Ausspruch Goethes beispielhaft zeigt, demzufolge sich die „Welt- und Kunstgeschichte“ in eine Phase vor und eine nach der Erfindung der Buchdruckerkunst teile.2

Tatsächlich ist das, was im Kern lediglich eine neue (zugegeben geniale) Technik war, die eine Vervielfältigung von Geschriebenem dramatisch beschleunigte, in seinen mannigfaltigen Auswirkungen schier unüberblickbar: Dazu zählen unter anderem die Erleichterung der Verbreitung und Speicherung von Informationen, die veränderten Rahmenbedingungen der Generierung von Wissen in stark erweiterten „virtuellen“ Diskursräumen, die zugleich als Arenen politischer Agenden dienen, oder aber mentalitätsgeschichtliche Aspekte. Doch gleich, mit welchen der unterschiedlichen Aspekten dieser Revolution sich wissenschaftliche Analysen beschäftigen, zugrunde liegt ihnen, wenngleich nicht immer explizit formuliert, stets eine a-priori-Konstante: Es ist die unbestrittene Überzeugung, dass diesen Druckerzeugnissen – vom Flugblatt bis zu mehrbändigen Werken, von wissenschaftlichen Abhandlungen über heilige Schriften, legistische Texte und Schulbücher bis zu politischer Berichterstattung und Unterhaltungsliteratur – eine Wirkmächtigkeit innewohnt.3 Sie formen die Wahrnehmung ihrer Konsument*innen, ja ganzer Gesellschaften, sie konstituieren deren Wirklichkeit mit.4

Eine Geschichte des Lesens könne sich aus diesem Grund nicht in einer Beschreibung von Lesestoffen erschöpfen, argumentiert Silvia Serena Tschopp mit Roger Chartier. Gebot der Stunde sei die Hinwendung zu Fragen der Perzeption und Rezeption des Gelesenen. Systematische Untersuchungen vergangener Lesegewohnheiten und ihrer Implikationen seien zwar, so erklärte sie 2014 zum Stand der historischen Leser*innenforschung, nach wie vor ein Forschungsdesiderat, zugleich jedoch auch ein „anspruchsvolles Feld“, das von einer Reihe methodischer Unwägbarkeiten geprägt sei. Lesen sei, so Tschopp, letztlich doch stets „partiell unlesbar“.5Ungeachtet dieser methodologischen Einschränkungen ist eine Reihe von Fragestellungen rund um die Geschichte des Lesens und des Buchwesens dennoch analysierbar. Eine Auswahl möglicher Annäherungen an diesen sehr heterogenen Themenkomplex ist in diesem Heft vereint.6

Die grundlegenden Fragen im Bereich der historischen Leseforschung lassen sich drei großen Themenkomplexen zuordnen:7 Eine zentrale Voraussetzung stellen die „Ermöglichungsbedingungen von Lektüre“ dar. Damit bezeichnet Tschopp etwa das Vorhandensein eines Marktes für Lesestoffe sowie ausreichender Bildungsvoraussetzungen, zeitlicher und ökonomischer Ressourcen. Der zweite Fokus liegt auf der „Signifikanz, die dem Lesen in spezifischen historischen Momenten zukam“, der Entscheidung also, ob gelesen wurde oder eben nicht. Dabei sind zum Beispiel unterschiedliche sozioökonomische, konfessionelle oder gender-bezogene Parameter der Lesenden relevant. Die Beschäftigung mit „Formen der Leseförderung“, zum Beispiel durch (obrigkeitliche) Alphabetisierungsbestrebungen, gehört ebenso hierher, wie der eingehende Blick auf Versuche, unter anderem mittels Zensur Lektüregewohnheiten zu verhindern oder zumindest zu kanalisieren.8 Der dritte Komplex stellt schließlich die Frage in den Mittelpunkt, wie gelesen wurde; er interessiert sich für die „Formen der Aneignung von Texten“.9

Genau diese Fragen stehen auch im Zentrum des vorliegenden Bandes. Das breite inhaltliche und methodische Spektrum der einzelnen Beiträge macht dabei deutlich, wie unterschiedlich die Zugänge zu diesem gleichermaßen spannenden wie komplexen Thema der Buchund Leser*innengeschichte sein können. Im Fokus steht der katholisch dominierte Alpenraum, der in der einschlägigen Forschung mit einigen Ausnahmen bislang wenig Beachtung erfahren hat, sowie dessen südliche Ausläufer; als zeitlicher Rahmen wurde die Zeit von etwa 1750 bis 1850 gewählt.10 Zum einen erlaubt die Quellenlage des genannten Untersuchungszeitraums verstärkt mikrohistorische Untersuchungen, zum anderen wurden eben genau in jener „Sattelzeit“ die Grundlagen „für die Entstehung einer modernen ‚Kulturwarenindustrie‘, eines fortschrittlichen kulturellen Kommunikationssystems“ gelegt.11 Der gesellschaftliche Wandel wirkte sich maßgeblich auch auf Buchhandel, Schriftstellertum und Lesepublikum aus.

Maurizio Piseri stellt in seinem Beitrag die grundlegende Frage nach der Verteilung der Lesefähigkeit und zieht auf der Suche nach einer Antwort die Ergebnisse demografischer Erhebungen aus der napoleonischen Zeit heran, um die schulische Versorgung im unteren Aostatal zu rekonstruieren.12 Dabei zeichnet er eine spezifische Form einer „alpinen Alphabetisierung“ nach.13 Verstärkte kommunale Bestrebungen, eine schulische Grundversorgung für möglichst viele Kinder zu sichern, korrelieren ihm zufolge mit erhöhter ökonomischer Prekarität. Gerade die Siedlung in Räumen, die aufgrund ihrer klimatischen Gegebenheiten und ihrer Bodenbeschaffenheit für eine Subsistenzwirtschaft nicht geeignet waren und die Ausübung eines Zusatzgewerbes notwendig machten, erforderte demnach ein gewisses Maß an schulischer Bildung. Wer Dienstleistungen und/oder Produkte auf einem überregionalen Markt anbieten musste, sah sich – so erklärt Piseri – in besonderem Ausmaß auf das Beherrschen von in der Regel schulisch vermittelten Kulturtechniken angewiesen. Erschöpfenden Aufschluss über die Lesefähigkeit der Zeitgenossinnen und Zeitgenossen vermögen derartige Studien zwar nicht zu geben, und selbst eine mit Sicherheit bestimmbare Alphabetisierungsrate ließe lediglich begrenzte Rückschlüsse auf den potentiellen Wirkungsbereich von Texten zu. Ohne Zweifel jedoch stellen Grundlagenstudien dazu, wer denn überhaupt zu welchen Zeiten lesen konnte, einen wichtigen Ausgangspunkt für weiterführende Fragen zur Geschichte des Lesens und des Buchwesens dar.14

Während im Zeitraum, mit dem sich dieses Heft beschäftigt, einerseits die Ausbildung einer Lesefähigkeit erwünscht war und auch vonseiten der Obrigkeiten gefördert wurde – man denke etwa an die Einführung einer Schulpflicht in den Habsburgischen Erblanden durch die Allgemeine Schulordnung von 1774 –,15 gab es andererseits parallel dazu auch Bündel von Maßnahmen, die auf eine Einschränkung des Lesens abzielten. Diesem Phänomen widmet sich der Beitrag von Daniel Syrovy aus vorrangig literaturwissenschaftlicher Sicht. Die „Freiheit der Leser*innen“ bedurfte, da waren sich religiöse und staatliche Autoritäten einig, klar definierter Grenzen, immerhin war beziehungsweise ist das Lesen ein grundsätzlich „rebellischer“ Akt, wie auch Roger Chartier findet.16 Anhand der habsburgischen Zensurpolitiken in der Lombardei und im Veneto zeigt Syrovy zunächst die konzeptionelle Entwicklung der Zensur von einem didaktischerzieherischen, volksaufklärerischen Ansatz zu einer vor allem auf die Erhaltung der staatlichen Integrität ausgerichteten Polizeimaßnahme. In einem nächsten Schritt veranschaulicht der Beitrag, wie ausgeprägt die Gestaltungsfreiheit in den oberitalienischen Territorien auf dem Weg zur Erreichung des vermeintlich absoluten Zieles der Abwehr revolutionärer Tendenzen war. Gleichgültig, was nun seine konkrete Intention oder wie seine regionale Ausgestaltung gefärbt gewesen sein mag, die Auswirkungen des Zensursystems auf die Entwicklung des literarischen Feldes waren enorm. Die Vorstellung, Zensur bewirke lediglich, die Verbreitung bestimmter Lesestoffe zu unterbinden, greift zu kurz. Das Wissen um die Mechanismen der Zensur prägte die Arbeit von Autor*innen, Verleger*innen und Buchhändler*innen ebenso wie das Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten von Druckwerken – von der Kaufentscheidung über den Umgang mit dem Gegenstand Buch bis hin zum konkreten Akt des Lesens selbst. Bücher lesen zu können war also nicht allein von individuellen Fähigkeiten abhängig, sondern maßgeblich auch von außen beeinflusst.

Zwei Beiträge in diesem Themenheft widmen sich schwerpunktmäßig der Frage nach der Verbreitung von Büchern im 18. Jahrhundert beziehungsweise dem Zugang zu diesen.17 Methodisch sind sie jedoch gänzlich unterschiedlich angelegt: Liliana de Venuto untersucht das Verlags- und Druckereiwesen sowie private und öffentliche Bibliotheken im Trentino und konzentriert sich dabei vorrangig auf die Städte Trient und Rovereto sowie in zweiter Linie auf das Etschbeziehungsweise Lagertal. Die verschiedentlich diagnostizierte „Leserevolution“ im Europa des 18. Jahrhunderts18 verortet sie auch in dieser Region. Besonders der Lesehunger der adeligen und/ oder bürgerlichen (Funktions-) Elite, die – gefördert durch aufklärerisch motivierte obrigkeitliche Maßnahmen – sich zunehmend verbreiterte und zugleich professionalisierte, bedeutete einen Aufschwung für Buchproduktion und -handel in der Region. Damit verbunden war außerdem eine beträchtliche Zunahme der Zahl der Bibliotheken und eine Diversifizierung ihrer Typen. Zusätzlich zu den traditionellen Büchersammlungen geistlicher Persönlichkeiten und religiöser Institutionen sowie den Fachbibliotheken Einzelner aus Berufsbereichen wie Recht, Medizin oder Pharmazie bildeten sich vermehrt Büchersammlungen heraus, die auf allgemeinere Studien- oder Vergnügungszwecke ausgerichtet waren. Besonders hervorzuheben ist dabei die Bedeutung der Mitglieder der Mitte des 18. Jahrhunderts in Rovereto gegründeten Accademia degli Agiati. Sowohl die Bibliothek der Gelehrtenakademie selbst als auch die Büchersammlungen einzelner Mitglieder waren in ihrem Umfang beträchtlich. Ihre Untersuchung erlaubt Einblicke in einen kleinen Teil der Republic of Letters und eröffnet zugleich eine spezielle Perspektive auf die tiefgreifenden Umwälzungen auf verwaltungs- und/oder politikgeschichtlicher Ebene.

In ganz anderer Art und Weise beschäftigt sich der Beitrag von Michael Span mit dem Besitz von Büchern. Er berichtet von Ergebnissen des Forschungsprojektes Reading in the Alps, das dem privaten Buchbesitz im katholisch dominierten Alpenraum im 18. Jahrhundert nachspürt. Grundlage der in diesem Heft präsentierten Resultate bildet die mikrohistorische Untersuchung von (vorwiegend Verlassenschafts-) Inventaren aus dem im Pustertal rund um die Stadt Bruneck liegenden Landgericht St. Michaelsburg. Aufgrund der Erhebung einer ganzen Reihe personenspezifischer Daten – Namen, Verwandtschafts- beziehungsweise Familienverhältnisse, Berufe, Wohnorte sowie auch Vermögenswerte – werden ausgehend von der basalen Bestimmung des Anteils an Inventaren, die Buchbesitz nennen, weitere aufschlussreiche Differenzierungen möglich. Das Ergebnis ist ein Stück Grundlagenforschung, wie sie Roger Chartier als nach wie vor „notwendig“ für die Buch- und Leser*innengeschichte bezeichnet hat,19 und auf die weiterführende Untersuchungen zurückgreifen können. Deutlich zeichnen sich bereits in diesem hier vorgestellten Datenmaterial Tendenzen der Verteilung von Buchbesitz anhand unterschiedlicher Parameter wie Gender, Berufsgruppe sowie vor allem sozioökonomischer Kennzahlen ab. Wenngleich bibliografische Angaben in den Inventaren meist sehr spärlich sind, so lassen sich doch auch Aussagen zu den am stärksten verbreiteten und damit mutmaßlich wohl beliebtesten Lesestoffen treffen. Gegen ein allgemein gültiges Muster sperren sich jedoch hier wie dort Einzelfälle, deren Detailstudium als Forschungsdesiderat unterstrichen wird. In diesem Sinne möge der vorliegende Beitrag Anregung zu zahlreichen weiterführenden Betrachtungen sein.

Wie facetten- und aufschlussreich eine solche Einzelstudie sein kann, zeigt Peter Andorfer in seinem Beitrag auf.20 Die Grundlage für seine Ausführungen bildet eine überaus außergewöhnliche Quelle, nämlich die Aufzeichnungen des Leonhard Millinger, eines Bauern aus Waidring, einem Tiroler Dorf an der Grenze zu Bayern und Salzburg im Landgericht Kitzbühel. Dieser verfasste Anfang des 19. Jahrhunderts eine „Weltbeschreibung“, in der er in enzyklopädischer Weise Inhalte aus mehreren unterschiedlichen Büchern kompilierte. Indem er seine Quellen dezidiert benennt, ergeben sich seltene Einblicke in das Leseverhalten eines Bauern dieser Zeit. So zeigt sich nicht nur, dass Millinger bestimmte Bücher beziehungsweise Passagen aus Büchern gelesen hat, sondern auch, welche der darin enthaltenen Informationen er als wert erachtete, erinnert zu werden. Die (scheinbaren) Diskrepanzen zwischen den wahrscheinlichen Intentionen der Autoren der Bücher und dem Sinn, den Leser Millinger ihren Texten für sich gab, sind zuweilen beträchtlich. Sie zeigen die bereits angesprochene „Freiheit der Leser*innen“ eindrucksvoll und erinnern daran, wie wichtig die Abkehr von der Vorstellung werkimmanenter Interpretationen in der historischen Leser*innenforschung ist.21

Unterschiedliche Aspekte der Geschichte des Lesens und des Buchwesens werden also in diesem Heft vorgestellt. Sie alle eint die Überzeugung, dass vertiefte Einblicke in die Auswirkungen der Medienrevolution Buchdruck ein besseres Verständnis historischer Gesellschaften und Entwicklungen ermöglichen. Sie offenbaren auch, dass es noch bedeutende Forschungsdesiderate gibt, deren Bearbeitung lohnend wäre – allen methodischen Problemen und Unwägbarkeiten zum Trotz. So wäre Grundlagenforschung notwendig, wie etwa die Generierung verlässlicherer Daten zu Schulwesen und Alphabetisierung vor der Einführung zentralstaatlicher Regelungen, detaillierte Rekonstruktionen der Distributionswege und der Zirkulation von Büchern abgesehen vom offensichtlichen und vielfach bereits gut erforschten Buchhandel22 oder auch Untersuchungen zum Einfluss der Lektürepräferenzen von Weltgeistlichen, denen durch ihr Amt eine Multiplikatorenfunktion zukam. Mikrohistorisch angelegte Untersuchungen könnten hier – eine jeweils geeignete Quellenlage vorausgesetzt – wertvolle Einsichten eröffnen. Weiteren Untersuchungsbedarf konstatiert Daniel Syrovy im Bereich der Zensurforschung. Er regt die eingehende Analyse bislang kaum berücksichtigter Quellenbestände an. Offen bleibt schließlich auch weiterhin die Frage nach den Formen der Aneignung von Texten, die auf den genannten Grundlagenforschungen aufbauen kann.

Michael Span und Ursula Stampfer

_________________________________

1 Reinhard WITTMANN, Geschichte des deutschen Buchhandels. Ein Überblick, München 32011, S. 22. Wittmann übernimmt damit das Urteil von Michael GIESECKE, Als die alten Medien neu waren. Medienrevolutionen in der Geschichte. In: Rüdiger WEINGARTEN (Hg.), Information ohne Kommunikation?, Frankfurt a. M. 1990, S. 75–98, hier S. 76.

2 Johann Christian LOBE, Aus dem Leben eines Musikers, Leipzig 1859, S. 131.

3 Diverse obrigkeitliche Zensurbestrebungen weisen auf ein ausgeprägtes Bewusstsein für diese Wirkmächtigkeit hin. Zur Bedeutung der Erfindung des Buchdrucks im deutschsprachigen Raum vgl. insbesondere Ursula RAUTENBERG (Hg.), Buchwissenschaft in Deutschland. Ein Handbuch, 2 Bände, Berlin 2010.

4 Selbstverständlich setzte die Bedeutung des geschriebenen Wortes nicht erst mit der Erfindung der Druckerpresse ein, doch war es bis dahin nur einem kleinen elitären Kreis zugänglich. War das Lesen lange vorrangig auf den klösterlichen Bereich beschränkt, traten ab dem Hochmittelalter zunehmend auch Adelige, Gelehrte und Bürger als Lesende (und Schreibende) auf. Erst in der Mitte des 14. Jahrhunderts konnte, nicht zuletzt in Zusammenhang mit der Gründung von Universitäten, das „Lesemonopol der Kleriker“ endgültig gebrochen werden. Diese veränderte Lesekultur bildete die Voraussetzung dafür, dass Gutenbergs Erfindung so ungemein folgenreich die Leser*innenund Buchgeschichte verändern konnte. Waren die neuen, meist sehr kostspieligen Druckwerke anfangs nur sehr wenigen vorbehalten, entwickelte die neue Technik schon bald eine ungeahnte Eigendynamik und ermöglichte ab dem 16. Jahrhundert eine Demokratisierung des gedruckten Buches. Vgl. Hans-Martin GAUGER, Die sechs Kulturen in der Geschichte des Lesens. In: Paul GOETSCH (Hg.), Lesen und Schreiben im 17. und 18. Jahrhundert. Studien zu ihrer Bewertung in Deutschland, England, Frankreich, Tübingen 1994, S. 27–47, hier insbes. S. 32–38.

5 Silvia Serena TSCHOPP, Umrisse und Perspektiven. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 39 (2014), 1, S. 151–165. Der Hinweis auf Chartier findet sich auf S. 156. Zu seinen weiteren umfassenden Überlegungen zu einer Geschichte des Lesens siehe z. B. Roger CHARTIER, Lesewelten. Buch und Lektüre in der Frühen Neuzeit (Historische Studien 1), Frankfurt a. M./New York/Paris 1990, bes. S. 7–24; DERS., The Order of Books. Readers, Autors and Libraries in Europe between the Fourteenth and Eighteenth Centuries, Stanford CA 1994; Guglielmo CAVALLO/Roger CHARTIER, Einleitung. In: DIES. (Hg.), Die Welt des Lesens. Von der Schriftrolle zum Bildschirm, Frankfurt a. M./ New York/Paris 1999, S. 9–57; Roger CHARTIER, The Order of Books revisited. In: Modern Intellectual History 4 (2007), 3, S. 509–519.

6 Neben dem bereits zitierten Beitrag von TSCHOPP, Umrisse und Perspektiven, findet sich ein weiterer rezenter Überblick über die einzelnen Entwicklungslinien der historischen Buch- bzw. Leser*innenforschung und deren Spezifika auch bei Ursula RAUTENBERG/Ute SCHNEIDER, Historischhermeneutische Ansätze der Lese- und Leserforschung. In: DIES. (Hg.), Lesen. Ein interdisziplinäres Handbuch, Berlin/ Boston 2015, S. 85–114. Sehr breit angelegt ist der literaturwissenschaftlich fokussierte Überblick von Jost SCHNEIDER, Geschichte und Sozialgeschichte des Lesens und der Lesekulturen. In: Rolf PARR/ Alexander HONOLD (Hg.), Grundthemen der Literaturwissenschaft: Lesen, Berlin/ Boston 2018, S. 29–98.

7 TSCHOPP, Umrisse, S. 158 f.

8 Zur Zensur als Institution und Praxis im 18. Jahrhundert vgl. insbesondere Edoardo TORTAROLO, L’invenzione della libertà di stampa. Censura e scrittori nel Settecento, Rom 2011 bzw. DERS., The Invention of Free Press: Writers and Censorship in Eighteenth Century Europe (International Archives of the History of Ideas/Archives internationales d’histoire des idées 219), Dordrecht 2016. Als neues Grundlagenwerk zum Zensurwesen in der Habsburgermonarchie, die auch in diesem Heft stark im Fokus steht: Norbert BACHLEITNER, Die literarische Zensur in Österreich von 1751 bis 1848 (mit Beiträgen von Daniel Syrovy, Petr Píša und Michael Wögerbauer), Wien/Köln/Weimar 2017. Zur Zensur im italienischen Raum vgl. auch Ludovica BRAIDA, Circolazione del libro e pratiche di lettura nell’Italia del Settecento. In: Gianfranco TORTORELLI (Hg.), Biblioteche nobiliari e circolazione del libro tra Settecento e Ottocento. Atti del Convegno di nazionale di studio, Perugia, 29–30 giugno 2001, Bologna 2002, S. 11–37.

9 TSCHOPP, Umrisse, S. 158 f. Ein ganz ähnlicher Fragenkatalog wird auch bei RAUTENBERG/SCHNEIDER, Ansätze, S. 93 f., angeführt.

10 Ein allgemeiner Überblick findet sich z. B. bei Ute SCHNEIDER, Frühe Neuzeit. In: RAUTENBERG/SCHNEIDER (Hg.), Lesen, S. 739–763. Die Leser*innengeschichte des katholisch dominierten Raumes wird in diesem Überblick nur am Rande erwähnt, indem mit Chartier darauf hingewiesen wird, dass das Lesen konfessionsunabhängig als Frömmigkeitsübung entdeckt wurde (S. 745, sowie CAVALLO/CHARTIER, Einleitung, S. 50 f.). Eine Bestandsaufnahme der Forschungen zur Geschichte des Lesens in der frühen Neuzeit bietet auch Alfred MESSERLI, Leser, Leserschichten und -gruppen, Lesestoffe in der Neuzeit (1450–1850): Konsum, Rezeptionsgeschichte, Materialität. In: Buchwissenschaft in Deutschland. Ein Handbuch, Bd. 1: Theorie und Forschung, Berlin 2010, S. 443–502. Besonders aufschlussreich und thematisch breit gefächert zum Bereich der Buch- und Leser*innengeschichte der Habsburgermonarchie des 18. Jahrhunderts ist der Sammelband von Johannes FRIMMEL/Michael WÖGERBAUER (Hg.), Kommunikation und Information im 18. Jahrhundert. Das Beispiel der Habsburgermonarchie, Wiesbaden 2009. Zur Buchproduktionen sowie zu Bibliotheken und Buchbesitz im Trentino vgl. auch Giancarlo PETRELLA (Hg.), „Navigare nei mari dell’umano sapere“. Biblioteche e circolazione libraria nel Trentino e nell’Italia del XVIII secolo. Atti del convegno di studio, Rovereto, 25–27 ottobre 2007 (Biblioteche e bibliotecari del Trentino 6), Trient 2008; Edoardo BARBIERI, Ai confini dell’Impero: uno sguardo alle biblioteche trentine del XVIII secolo (rassegna bibliografica). In: Studia Scientifica Facultatis Paedagogicae (2014), 5, S. 9–38.

11 Vgl. WITTMANN, Geschichte, S. 121.

12 Die „Quantifizierung der Leserschaft“ wird auch von Ute Schneider als „eines der größten Forschungsprobleme“ und also wesentlichsten -desiderate im Bereich der Buch- und Leser*innengeschichte identifiziert: SCHNEIDER, Frühe Neuzeit, S. 759.

13 Zur Alphabetisierung und zum Schulwesen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert vom Hochstift Trient über das Aostatal bis ins Tessin vgl. insbesondere Maurizio PISERI (Hg.), L’alfabeto in montagna. Scuola e alfabetismo nell’area alpina tra età moderna e XIX secolo, Milano 2012.

14 Vgl. CHARTIER, Lesewelten, S. 18 f.

15 Vgl. SCHNEIDER, Frühe Neuzeit, S. 749 f.

16 CHARTIER, Order, S. VIII.

17 Genau diesem Thema war eine Tagung 2014 in Pisa gewidmet; der alpine Raum fand hierin keine Berücksichtigung: Ludovica BRAIDA/Siliva TATTI (Hg.), Il Libro. Editoria e pratiche di lettura nel Settecento (Biblioteca del XVIII secolo 29), Rom 2016.

18 Der Begriff stammt von Rolf ENGELSING, Die Perioden der Lesergeschichte in der Neuzeit. Das statistische Ausmaß und die soziokulturelle Bedeutung der Lektüre. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 10 (1970), Sp. 945–1002. Aufgegriffen haben ihn u. a. Reinhard WITTMANN, Gibt es eine Leserevolution am Ende des 18. Jahrhunderts? In: CHARTIER/CAVALLO (Hg.), Die Welt des Lesens, S. 419–454; Reinhard SIEGERT, Theologie und Religion als Hintergrund für die „Leserevolution“ des 18. Jahrhunderts. In: Hans Edwin FRIEDRICH/Wilhelm HAEFS/Christian SOBOTH (Hg.), Literatur und Theologie im 18. Jahrhundert. Konfrontationen – Kontroversen – Konkurrenzen (Hallesche Beiträge zur Europäischen Aufklärung), Berlin/New York 2011, S. 14–31 und auch TSCHOPP, Umrisse, S. 155. Auch Hans-Martin Gauger lässt mit dem 18. Jahrhundert die „moderne Lesekultur“ beginnen, zumal nun „ein wirkliches Lesepublikum“ entstand, vgl. GAUGER, Kulturen, S. 38. SCHNEIDER, Frühe Neuzeit, S. 760, weist auf die Schwierigkeit der eindeutigen Festlegung auf derartige Zäsuren hin (die allerdings wohl in der Geschichtswissenschaft ganz allgemein für Fragen der Periodisierung zutrifft).

19 Vgl. CHARTIER, Lesewelten, S. 9 und 18 f.

20 Vgl. Peter ANDORFER, Die Weltbeschreibung des Leonhard Millinger. Ein Schlüssel zum Weltbild eines Bauern um 1800, ungedr. Diss. Universität Innsbruck 2015 sowie die Edition der Weltbeschreibung: DERS. (Hg.), Die Weltbeschreibung des Leonhard Millinger (Editiones Electronicae Guelferbytanae 12) Wolfenbüttel 2013, URL: http://diglib.hab.de/edoc/ed000223/start.htm [10.06.2020].

21 Alfred Messerli weist darauf hin, dass Quellen, die entsprechende Einblicke in die „individuelle Aneignung von Lektüre“ erlauben, zwar sehr aufschlussreich, zugleich jedoch überaus selten sind. Vgl. Alfred MESSERLI Leser, Leserschichten und -gruppen, Lesestoffe in der Neuzeit (1450–1850). Konsum, Rezeptionsgeschichte, Materialität. In: RAUTENBERG (Hg.), Buchwissenschaft in Deutschland, Bd. 1: Theorie und Forschung, Berlin/ New York 2010, S. 443–502, hier S. 449. Als Beispiel für die Freiheit der Leser*in zieht er die von Carlo Ginzburg verfasste mikrogeschichtliche Pionierstudie zum friaulischen Müller Domenico Scarletta, genannt Menocchio, heran, in der Ginzburg eine „angriffslustige Originalität“ („aggressiva originalità“) konstatiert, mit der sein Protagonist Bücher las bzw. rezipierte. Vgl. MESSERLI, Leser, S. 447 f. sowie Carlo GINZBURG, Der Käse und die Würmer. Die Welt eines Müllers um 1600, aus dem Italienischen von Karl Hauber, Berlin 62007, S. 61 [orig.: Il formaggio e i vermi. Il cosmo di un mugnaio del ‘500, Turin 1976, S. 40].

22 Vgl. z. B. WITTMANN, Geschichte.

Editoriale

“Dopo lo sviluppo del linguaggio umano e l’introduzione di complessi sistemi di scrittura, una terza rivoluzione mediatica ha coinciso con l’invenzione della stampa a caratteri mobili nel XV secolo”: così si esprime Reinhard Wittmann, uno dei protagonisti negli ultimi decenni della ricerca in lingua tedesca sulla storia del libro e della lettura.1 E certamente all’invenzione di Johannes Gensfleisch (zur Laden zum Gutenberg) non sono mai mancate valutazioni e giudizi altrettanto perentori. Ad essa è stato attribuito il valore di cesura epocale, basti pensare alla tanto citata espressione con cui Goethe divide “la storia del mondo e dell’arte” in una fase precedente e una successiva all’invenzione dell’arte della stampa.2

Eppure le molteplici conseguenze di quella che in fondo era solo una nuova (certamente geniale) soluzione tecnica, capace di accelerare drasticamente la riproduzione degli scritti, risultano a stento comprensibili nella loro portata. Tra queste conseguenze rientrano, ad esempio, l’ampliamento della diffusione e della registrazione delle informazioni, il cambiamen-to della cornice generale della gene si delle conoscenze dentro spazi di dibattito “virtuali” assai più ampi di prima (che fungono anche come arena per l’azione politica) nonché i profondi effetti sulla storia della mentalità. Tutte le analisi scientifiche, a prescindere da quale dei diversi aspetti di questa rivoluzione si occupino, hanno comunque alla base una costante a priori, anche se non sempre esplicitamente formulata: l’indiscussa convinzione che questi prodotti stampati – dai volantini alle opere in più volumi, dai trattati scientifici ai testi sacri, giuridici e scolastici fino alle relazioni politiche e alla letteratura di intrattenimento – siano dotate di un intrinseco potere:3 quello di modellare la percezione dei loro consumatori, anzi di intere società, della cui realtà sarebbero parte costitutiva.4

Come sostiene Silvia Serena Tschopp (riprendendo Roger Chartier), una storia della lettura non può certo esaurirsi in una descrizione dei materiali di lettura. L’obiettivo prioritario si è da tempo decisamente spostato sull’indagine riguardante la percezione e la ricezione di ciò che veniva letto. Riferendosi allo stato della ricerca storica sulla lettura, nel 2014 l’autrice lamentava ancora la mancanza di studi sistematici sulle abitudini di lettura del passato e sulle loro implicazioni, caratterizzandoli allo stesso tempo come un campo di lavoro “ambizioso” e minato da una serie di incertezze metodologiche. Secondo Tschopp, la lettura rimarrebbe pur sempre “parzialmente illeggibile”.5 Prescindendo da questi limiti metodologici, è comunque possibile proporre l’analisi di numerose questioni relative alla storia del libro e della lettura. Il presente numero raccoglie una selezione di possibili approcci a questo insieme di temi, di per sé molto eterogenei.6

Le questioni fondamentali nel campo della ricerca storica sulla lettura possono essere ripartite in tre grandi aree tematiche.7 Un punto di partenza coincide con le “condizioni che rendono possibile la lettura”. Tschopp le individua nell’esistenza di un mercato per le opere di lettura e in sufficienti risorse in termini di formazione, di tempo e di disponibilità economica. La seconda prospettiva riguarda il “significato che in un determinato momento storico viene attribuito alla lettura”, in altre parole la decisione di leggere o meno. In tal senso, ad esempio, sono rilevanti i diversi parametri socio-economici, confessionali o di genere dei lettori. In quest’ambito rientra anche l’indagine sulle “forme di promozione della lettura”, ad esempio attraver-so le politiche (governative) di alfabetizzazione, come pure l’analisi dei tentativi, anche attraverso la censura, di prevenire o almeno canalizzare alcune abitudini di lettura.8 La terza e ultima area tematica pone come questione centrale la modalità della lettura ed è interessata alle “forme di approccio ai testi”.9

Proprio intorno a queste domande è incentrato il presente volume. L’ampio spettro rappresentato dai singoli contributi, sia sotto il profilo dei contenuti che delle metodologie, dà il segno di quanto diversi possano essere gli approcci alla tematizzazione, avvincente quanto complessa, della storia del libro e dei lettori e lettrici. Lo sguardo si concentra sulla regione alpina a dominanza cattolica e sui suoi versanti meridionali, area che sinora è stata trascurata dalla ricerca (a parte qualche eccezione); come cornice temporale è stato scelto il periodo compreso tra il 1750 e il 1850.10 Da un lato, lo stato delle fonti relative a tale periodo consente sempre più indagini micro-storiche; dall’altro lato, proprio in questo “periodo di cerniera” (Sattelzeit) si sono poste le basi “per la nascita di una moderna ‘industria di prodotti culturali’ e un avanzato sistema di comunicazione culturale”.11 La metamorfosi della società ha generato conseguenze rilevanti anche sul mercato del libro, sulla dimensione degli scrittori e del pubblico di lettori.

Maurizio Piseri affronta nel suo contributo la fondamentale questione della distribuzione della competenza alfabetica, utilizzando i risultati di indagini demografiche sul periodo napoleonico e ricostruendo la situazione scolastica in due comunità della Bassa Valle d’Aosta.12 In questo contesto delinea i caratteri di una specifica “alfabetizzazione alpina”.13 Secondo l’autore, l’incremento degli sforzi da parte delle autorità comunali per garantire un’istruzione di base al maggior numero possibile di bambini era direttamente proporzionale al grado di precarietà economica. Infatti, un maggiore livello di istruzione scolastica si rendeva necessario proprio a causa del contesto geo-antropico: l’insediamento in aree inadatte a un’economia di sussistenza, a causa delle condizioni climatiche o delle caratteristiche del suolo, richiedeva lo svolgimento di attività integrative. Piseri illustra bene le ragioni per le quali chiunque si trovasse nella necessità di offrire servizi o prodotti in un mercato sovraregionale doveva essere in grado di padroneggiare le tecniche culturali che di solito venivano insegnate a scuola. Tali studi non sono ovviamente in grado di fornire informazioni esaurienti sulle competenze di lettura delle persone dell’epoca, e in ogni caso anche la precisa conoscenza del tasso di alfabetismo consentirebbe di trarre conclusioni solo parziali sull’effetto prodotto dai testi sui lettori. È indubbio tuttavia che gli studi di base su chi in un determinato periodo storico fosse in grado di leggere rappresentano un fondamentale punto di partenza per ulteriori indagini sulla storia della lettura e del libro.14

Nel periodo storico preso in considerazione in questo numero, da un lato si assiste a un diffuso sforzo, messo in atto anche dalle autorità, per incrementare la capacità di lettura; si pensi, ad esempio, all’introduzione dell’istruzione obbligatoria nei domini ereditari asburgici dal Regolamento scolastico generale del 1774.15 Dall’altro lato però viene sviluppato contemporaneamente un insieme di misure intese a limitare la lettura. A tale fenomeno è dedicato il contributo di Daniel Syrovy che applica una prospettiva prevalentemente storico-letteraria. La “libertà dei lettori e delle lettrici” necessitava di limitazioni chiaramente definite e su questo concordavano sia le autorità religiose che statali. In fin dei conti, la lettura era (e in un certo senso è ancora oggi) un atto fondamentalmente “ribelle”, come ritiene anche Roger Chartier16. Analizzando le politiche censorie asburgiche in Lombardia e nel Veneto, Syrovy sottolinea innanzitutto il passaggio del concetto di censura come misura didattico-educativa (nello spirito riformistico dell’istruzione popolare) a quello di misura di polizia, volta principalmente a difendere l’integrità dello stato. Successivamente il contributo illustra come la libertà creativa nei territori dell’Italia settentrionale risultasse profondamente condizionata, anche a livello implicito, da parte dell’imperativo, considerato assoluto, di contrastare le tendenze rivoluzionarie. Indipendentemente dai suoi concreti obiettivi o dalle sue declinazioni regionali, gli effetti del sistema di censura sugli sviluppi in campo letterario erano enormi. È senz’altro riduttiva l’idea che la censura produca l’unico effetto di sottrarre alla libera disponibilità i materiali di lettura. La conoscenza dei meccanismi di censura ha inevitabilmente condizionato il lavoro di autori, editori e librai, come pure il comportamento dei consumatori delle opere a stampa: dalla decisione di acquistarle al loro trattamento, fino all’atto concreto della loro lettura. La lettura di un libro quindi non dipendeva soltanto dalle capacità individuali, ma veniva fortemente condizionata anche dall’esterno.

Anche se profondamente diversi a livello metodologico, due contributi di questo numero affrontano la questione della diffusione del libro nel Settecento e delle modalità di accesso alla lettura.17 Liliana de Venuto esamina il panorama di editori, tipografi, biblioteche pubbliche e private in Trentino, concentrandosi in primo luogo sulle città di Trento e Rovereto e secondariamente sulla Val d’Adige e la Val Lagarina. Anche in quest’area si registra quella “rivoluzione della lettura”18 diffusamente diagnosticata nell’Europa settecentesca. In particolare, la sete di lettura dell’élite (funzionariale) aristocratica e borghese (promossa dalle misure governative di spirito “illuminato”) si diffuse e si “professionalizzò” sempre più, portando a un netto aumento in regione della produzione e del commercio di libri. Ciò comportò anche un incremento significativo del numero di biblioteche e una diversificazione della loro tipologia. Accanto alle tradizionali collezioni librarie di personalità e istituzioni ecclesiastiche, alle biblioteche specialistiche di singoli individui, relative a settori professionali come il diritto, la medicina o la farmacia, si sviluppò un numero crescente di collezioni sulla base di finalità di studio o di intrattenimento più generali. Particolarmente significativa è l’attività dei membri dell’Accademia degli Agiati, fondata a Rovereto a metà del Settecento. Sia la biblioteca dell’Accademia che le collezioni dei singoli membri raggiungevano dimensioni considerevoli. L’indagine dell’autrice consente di gettare uno sguardo sulla “Repubblica delle Lettere” settecentesca e insieme di aprire una particolare prospettiva sui profondi cambiamenti a livello di storia dell’amministrazione e della politica.

Con diversa prospettiva il contributo di Michael Span si occupa del possesso di libri riferendo i risultati del progetto di ricerca Reading in the Alps. Obiettivo di questo progetto è l’indagine sulla proprietà libraria privata nelle regioni alpine cattoliche nel Settecento. La base dei risultati presentati in questo numero è l’analisi microstorica degli inventari (prevalentemente di beni ereditari) del Giudizio (Landgericht) di St. Michaelsburg in Val Pusteria, nei pressi della città di Brunico. Partendo dalla quota di inventari che menzionano la proprietà di libri, la raccolta di un’intera serie di specifici dati personali (nomi, rapporti familiari e parentali, professioni, luogo di residenza e valore dei beni) rende possibili ulteriori differenziazioni. Il risultato è un tassello di quella “ricerca di base” che Roger Chartier indicava come “necessaria” per la storia del libro e dei lettori19 e alla quale potranno far ricorso successivi, ulteriori studi. Già nel materiale qui presentato, articolato lungo diversi parametri (genere, gruppo professionale e soprattutto indicatori socioeconomici) si possono intravedere alcune tendenze nella distribuzione della proprietà libraria. Inoltre, sebbene le informazioni bibliografiche negli inventari risultino in genere assai scarse e sommarie, si possono comunque delineare anche le tipologie di lettura più diffuse e presumibilmente preferite. L’emergere qua e là di casi singolari esclude tuttavia l’applicazione di un modello generale e invita a successivi approfondimenti. Proprio in questa direzione il presente contributo potrebbe ispirare ulteriori ricerche.

Quanto sfaccettato e promettente possa risultare lo studio su casi individuali viene mostrato dal contributo di Peter Andorfer.20 Esso si basa su una fonte davvero singolare: gli scritti di Leonhard Millinger, un contadino di Waidring, villaggio tirolese del distretto di Kitzbühel. All’inizio dell’Ottocento scrisse una Weltbeschreibung (“Descrizione del mondo”) in cui mise insieme, a mo’ di enciclopedia, i contenuti tratti da diversi libri. Visto che nomina esplicitamente le sue fonti, si presenta in questo caso la rara occasione di aprire uno spiraglio sull’approccio e sulle modalità di lettura da parte di un contadino di quel tempo. Così si riesce a cogliere non solo che Millinger ha effettivamente letto alcuni libri o passaggi, ma anche quali tra le informazioni in essi contenute ha considerato degne di essere menzionate. E spesso risulta grande l’(apparente) discrepanza tra le probabili intenzioni degli autori dei libri letti da Millinger e il significato che egli ha loro attribuito. Tale discrepanza conferma chiaramente quella “libertà del lettore” cui si è accennato e dimostra quanto sia importante nella ricerca storica sulla lettura abbandonare l’idea di interpretazioni immanenti all’opera in sé.21

Questo numero di “Storia e Regione / Geschichte und Region” vuole dunque presentare una serie di aspetti assai diversi della storia del libro e della lettura. Elemento comune è la convinzione che approfondire gli effetti della rivoluzione mediatica portata dalla stampa di libri consenta una migliore comprensione delle società e dei loro sviluppi storici. Emerge anche la persistenza di lacune nella ricerca sulle quali varrebbe la pena lavorare, nonostante tutti i problemi e le incertezze metodologiche. Sarebbero necessarie ricerche di base – ad esempio per elaborare dati più affidabili sulla scolarizzazione e l’alfabetismo prima dell’introduzione degli ordinamenti dei governi centrali – nonché ricostruzioni dettagliate dei canali di distribuzione e circolazione dei libri anche al di là dell’ormai ben studiata dimensione del commercio librario22, come pure indagini sull’influenza avuta dalle preferenze di lettura da parte del clero secolare, che in virtù del proprio ufficio fungeva da moltiplicatore. Le ricerche di microstoria, in presenza di fonti adeguate, potrebbero qui fornire preziose informazioni. Ulteriori campi da approfondire vengono indicati da Daniel Syrovy relativamente alla censura, proponendo l’analisi di fonti sinora non considerate. E rimane aperta, infine, anche la questione delle forme di appropriazione dei testi, che potrebbe essere sviluppata proprio a partire dagli studi di base indicati.

Michael Span e Ursula Stampfer

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1 Reinhard WITTMANN, Geschichte des deutschen Buchhandels. Ein Überblick, München 32011, p. 22. Wittmann riprende così il giudizio di Michael GIESECKE, Als die alten Medien neu waren. Medienrevolutionen in der Geschichte. In: Rüdiger WEINGARTEN (a cura di), Information ohne Kommunikation?, Frankfurt a. M. 1990, pp. 75–98, qui p. 76.

2 Johann Christian LOBE, Aus dem Leben eines Musikers, Leipzig 1859, p. 131.

3 Le diverse politiche censorie da parte delle autorità rimandano a una marcata consapevolezza di questo potere. L’importanza dell’invenzione della stampa in area tedesca risulta inoltre ampiamente illustrata in Ursula RAUTENBERG (a cura di), Buchwissenschaft in Deutschland. Ein Handbuch, 2 volumi, Berlino 2010.

4 Ovviamente l’importanza della parola scritta precede l’invenzione della stampa, ma fino ad allora essa era accessibile solo a una ristretta élite. A lungo circoscritta soprattutto all’ambiente monastico, la lettura (e la scrittura) cominciò a diffondersi a partire dal Medioevo centrale tra nobili, studiosi e borghesi. Fu però solo verso la metà del XIV secolo, anche in relazione all’aumento delle università, che fu definitivamente infranto il “monopolio dei chierici” sulla lettura. Questa nuova cultura della lettura fu la pre-condizione del così radicale cambiamento apportato dall’invenzione di Gutenberg nella storia del libro, dei lettori e delle lettrici. Inizialmente le nuove opere a stampa, di solito molto costose, erano riservate a pochissimi, ma la nuova tecnica sviluppò presto una sua sorprendente dinamica e già dal Cinquecento ebbe inizio una “democratizzazione” del libro stampato. Cfr. Hans-Martin GAUGER, Die sechs Kulturen in der Geschichte des Lesens. In: Paul GOETSCH (a cura di), Lesen und Schreiben im 17. und 18. Jahrhundert. Studien zu ihrer Bewertung in Deutschland, England, Frankreich, Tübingen 1994, pp. 27–47, qui in particolare pp. 32–38.

5 Silvia Serena TSCHOPP, Umrisse und Perspektiven. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 39 (2014), 1, pp. 151–165. L’accenno a Chartier si trova a p. 156. Per le sue ulteriori riflessioni su una storia della lettura, si veda ad es. Roger CHARTIER, Lesewelten. Buch und Lektüre in der Frühen Neuzeit (Historische Studien 1), Frankfurt a. M./ New York/Paris 1990, in particolare le pp. 7–24; IDEM, The Order of Books. Readers, Autors and Libraries in Europe between the Fourteenth and Eighteenth Centuries, Stanford CA 1994; Guglielmo CAVALLO/Roger CHARTIER, Einleitung. In: IIDEM (a cura di), Die Welt des Lesens. Von der Schriftrolle zum Bildschirm, Frankfurt a. M./ New York/Paris 1999, pp. 9–57; Roger CHARTIER, The Order of Books revisited. In: Modern Intellectual History 4 (2007), 3, pp. 509–519.

6 Accanto al contributo appena citato della TSCHOPP, Umrisse und Perspektiven, un’ulteriore recente panoramica sulle singole linee di sviluppo della ricerca storica sul libro e sui lettori si trova anche in Ursula RAUTENBERG/Ute SCHNEIDER, Historischhermeneutische Ansätze der Lese- und Leserforschung. In: EAEDEM (a cura di), Lesen. Ein interdisziplinäres Handbuch, Berlino/Boston 2015, pp. 85–114. Molto ampia è la prospettiva del quadro storicoletterario di Jost SCHNEIDER, Geschichte und Sozialgeschichte des Lesens und der Lesekulturen. In: Rolf PARR/Alexander HONOLD (a cura di), Grundthemen der Literaturwissenschaft: Lesen, Berlino/Boston 2018, pp. 29–98.

7 TSCHOPP, Umrisse, pp. 158–159.

8 Sull’istituzione e sulla prassi della censura nel Settecento si veda anche Edoardo TORTAROLO, L’invenzione della libertà di stampa. Censura e scrittori nel Settecento, Roma 2011, nonché IDEM, The Invention of Free Press: Writers and Censorship in Eighteenth Century Europe (International Archives of the History of Ideas/Archives internationales d’histoire des idées 219), Dordrecht 2016. Una recente opera di base sul sistema della censura nella monarchia asburgica, assai richiamata anche in questo numero, è Norbert BACHLEITNER, Die literarische Zensur in Österreich von 1751 bis 1848 (con contributi di Daniel Syrovy, Petr Píša und Michael Wögerbauer), Wien/Köln/Weimar 2017. Sulla censura in area italiana cfr. anche Ludovica BRAIDA, Circolazione del libro e pratiche di lettura nell’Italia del Settecento. In: Gianfranco TORTORELLI (a cura di), Biblioteche nobiliari e circolazione del libro tra Settecento e Ottocento. Atti del Convegno di nazionale di studio, Perugia, 29–30 giugno 2001, Bologna 2002, pp. 11–37.

9 TSCHOPP, Umrisse, pp. 158–159. Un elenco simile di questioni è anche in RAUTENBERG/SCHNEIDER, Ansätze, pp. 93–94.

10 Uno sguardo generale, ad es., è in Ute SCHNEIDER, Frühe Neuzeit. In: RAUTENBERG/SCHNEIDER (a cura di), Lesen, pp. 739–763. La storia dei lettori delle aree di influenza cattolica vi viene accennata solo marginalmente, in quanto (seguendo Chartier) si sottolinea come la lettura sia stata scoperta come esercizio devozionale indipendentemente dalle confessioni (p. 745, come pure CAVALLO/CHARTIER, Einleitung, pp. 50–51). Un quadro delle ricerche sulla storia della lettura nella prima età moderna è offerta anche da Alfred MESSERLI, Leser, Leserschichten und -gruppen, Lesestoffe in der Neuzeit (1450–1850): Konsum, Rezeptionsgeschichte, Materialität. In: Buchwissenschaft in Deutschland. Ein Handbuch, vol. 1: Theorie und Forschung, Berlino 2010, pp. 443–502. Sulla storia dei libri e dei lettori nella monarchia asburgica settecentesca risulta particolarmente esaustivo e tematicamente assai articolato il volume collettaneo di Johannes FRIMMEL/Michael WÖGERBAUER (a cura di), Kommunikation und Information im 18. Jahrhundert. Das Beispiel der Habsburgermonarchie, Wiesbaden 2009. Sulla produzione libraria come pure sulle biblioteche in Trentino si veda anche Giancarlo PETRELLA (a cura di), “Navigare nei mari dell’umano sapere”. Biblioteche e circolazione libraria nel Trentino e nell’Italia del XVIII secolo. Atti del convegno di studio, Rovereto, 25–27 ottobre 2007 (Biblioteche e bibliotecari del Trentino 6), Trento 2008; Edoardo BARBIERI, Ai confini dell’Impero: uno sguardo alle biblioteche trentine del XVIII secolo (rassegna bibliografica). In: Studia Scientifica Facultatis Paedagogicae (2014), 5, pp. 9–38.

11 Cfr. WITTMANN, Geschichte, p. 121.

12 La “quantificazione dei lettori” viene considerata anche da Ute Schneider come uno dei “più grandi problemi della ricerca” e quindi un “obiettivo fondamentale della storia del libro e dei lettori”: SCHNEIDER, Frühe Neuzeit, p. 759.

13 Riguardo all’alfabetismo e alla scuola dal XVI al XIX sec., dal principato di Trento alla Valle d’Aosta fino al Ticino, si veda Maurizio PISERI (a cura di), L’alfabeto in montagna. Scuola e alfabetismo nell’area alpina tra età moderna e XIX secolo, Milano 2012.

14 Cfr. CHARTIER, Lesewelten, pp. 18–19.

15 Cfr. SCHNEIDER, Frühe Neuzeit, pp. 749–750.

16 CHARTIER, Order, p. VIII.

17 Un convegno tenutosi a Pisa nel 2014 discuteva queste tematiche, tralasciando però l’area alpina. Cfr. Ludovica BRAIDA/Siliva TATTI (a cura di), Il Libro. Editoria e pratiche di lettura nel Settecento (Biblioteca del XVIII secolo 29), Roma 2016.

18 La definizione è di Rolf ENGELSING, Die Perioden der Lesergeschichte in der Neuzeit. Das statistische Ausmaß und die soziokulturelle Bedeutung der Lektüre. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 10 (1970), pp. 945–1002. L’hanno ripresa, tra gli altri, Reinhard WITTMANN, Gibt es eine Leserevolution am Ende des 18. Jahrhunderts? In: CHARTIER/CAVALLO (a cura di), Die Welt des Lesens, pp. 419–454; Reinhard SIEGERT, Theologie und Religion als Hintergrund für die “Leserevolution” des 18. Jahrhunderts. In: Hans Edwin FRIEDRICH/Wilhelm HAEFS/Christian SOBOTH (a cura di), Literatur und Theologie im 18. Jahrhundert. Konfrontationen – Kontroversen – Konkurrenzen (Hallesche Beiträge zur Europäischen Aufklärung), Berlino/New York 2011, pp. 14–31 e anche TSCHOPP, Umrisse, p. 155. Anche per Hans-Martin GAUGER il Settecento coincide con l’inizio di una “moderna cultura del leggere”, nel senso che nasce ora un “reale pubblico di lettori”: cfr. Gauger, Kulturen, p. 38. SCHNEIDER, Frühe Neuzeit, p. 760, sottolinea la difficoltà di tali univoche cesure (comunque utili nella storiografia per le problematiche della periodizzazione).

19 Cfr. CHARTIER, Lesewelten, pp. 9 e 18–19.

20 Cfr. Peter ANDORFER, Die Weltbeschreibung des Leonhard Millinger. Ein Schlüssel zum Weltbild eines Bauern um 1800, tesi di dottorato, Università di Innsbruck 2015 nonché l’edizione della Weltbeschreibung: IDEM (a cura di), Die Weltbeschreibung des Leonhard Millinger (Editiones Electronicae Guelferbytanae 12) Wolfenbüttel 2013, URL: http://diglib.hab.de/edoc/ed000223/start.htm [10.06.2020].

21 Alfred Messerli sottolinea come le fonti che permettono di gettare uno sguardo sull’”appropriazione individuale della lettura” siano di grande importanza ma anche molto rare. Cfr. Alfred MESSERLI, Leser, Leserschichten und -gruppen, Lesestoffe in der Neuzeit (1450– 1850). Konsum, Rezeptionsgeschichte, Materialität. In: RAUTENBERG (a cura di), Buchwissenschaft in Deutschland, vol. 1: Theorie und Forschung, Berlino/New York 2010, pp. 443–502, qui p. 449. Come esempio di “libertà del lettore” cita il pionieristico studio di microstoria di Carlo Ginzburg sul mugnaio friulano Domenico Scarletta, chiamato Menocchio, che legge e recepisce libri con “aggressiva originalità”. Cfr. MESSERLI, Leser, pp. 447–448.; Carlo GINZBURG, Il formaggio e i vermi. Il cosmo di un mugnaio del ‘500, Torino 1976, p. 40.

22 Cfr. ad esempio WITTMANN, Geschichte.