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Wir lieben uns tatsächlich, sagte er später zu ihr. Ja, Markus, du merkst aber auch alles. So war es denn geschehen, worauf in der mittelalterlich besetzten Rechtsprechung Deutschlands immer noch bis zu 5 Jahren Gefängnis stehen, der Inzest. In französischen Schlafzimmern gehört das Erzählte bereits fast zum Alltag. Na, wie gut. Da muß man wenigstens keine Angst mehr haben.
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Seitenzahl: 39
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Gerd Bock
Geschwister
Geschwister unter schwierigen Bedingungen!
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Corinna
Impressum neobooks
Gerd Bock
Corinna,
eine Geschichte aus Böhmen
Corinna
Copyright 2017 by Gerd Bock
Am Ende des letzten Jahrtausends hatte ich über das Internet eine Frau in Böhmen kennen gelernt, aus dem kleinen Dorf Triebsch (Třebušín) im Böhmischen Mittelgebirge, nahe der alten Bischofsstadt Leitmeritz (Litoměřice) an der Elbe.
Sie hatte dort ein altes Schloß aus der habsburgischen Kaiserzeit, das sie als Landhotel betrieb. Diesen Besitz ihrer Eltern hatte sie nach der Wende vom tschechischen Staat gepachtet, weil sie ja bis 1948 dort gewohnt hatte. Ins Schloß und später ins Hotel hat sie aber ca. 28 Millionen Kronen investiert.
Ihrem Großvater gehörte die berühmte Brauerei „Wernesgrüner Pilsner“ in Wernesgrün/Sachsen. Er hatte sie schon 1912 verkauft und sich dafür Schloß und Grund und Boden in Triebsch gekauft, dann mit seiner Familie nach Böhmen gezogen, weil er Land und Leute so gut fand und im 2. Beruf promovierter Volkswirt war.
Die Bekannte hieß Helga Corinna Meraldi de Garriques. So wie ich war sie Baujahr 1938 und entstammte einem alten französischen Adelsgeschlecht. Sie war somit eine adlige Freifrau.
Der erste Präsident der Tschechoslowakischen Republik ab 1918, Dr. Thomas de Garriques-Masaryk war ihr Großonkel. Dessen Sohn Jan Masaryk, später Außenminister der ČSR, logischerweise ihr Onkel. Eine Agentin des sowjetischen Geheimdienstes NKWD hat ihn 1948 im Pyjama aus dem Fenster seines Schlafzimmers im Černin-Palais auf dem Hradschin in Prag gestoßen. Das war der dritte historische Fenstersturz von Prag. Der erste hat 1419 zum Beginn der Hussitenkriege geführt. Der zweite hat 1618 den 30-jährigen Krieg ausgelöst. Aber die katholischen Ratsherren sind damals auf einen Misthaufen an der Burgmauer gefallen und kamen mit dem Schrecken davon. Jan Masaryk war leider mausetot.
Ich nannte sie immer „Frau Gräfin“, was sie ziemlich wütend machte und sie mich dann anfauchte: „Merke Dir bitte, ich bin keine Gräfin, sondern eine Freifrau!“ Sie war geschieden, glaube ich, hatte drei Töchter und rauchte wie ein kaputter Ofen, so ca. 40 Zigaretten am Tag.
Ich sagte öfter zu ihr: „Corinna, wenn Du so weiter rauchst, stirbst Du mal an Lungenkrebs.“
Das passierte dann wohl auch prompt im Jahre 2005. Ich wußte damals nichts von ihrem Sterben, denn ich hatte sie das letzte Mal im Oktober 2000, zu meinem Geburtstag gesehen und danach nur noch eMail-Kontakt mit ihr gehabt. Schade eigentlich.
Sie war zwar eine gebürtige Deutsche, aber ihr ganzes Leben in der Welt herumgereist. Sie hatte Restaurants und Funktionen in der Hotellerie in Italien, Belgien, Portugal, Südafrika, der Südsee und weiß der Teufel, wo noch überall. Sie sprach Italienisch, Englisch, Französisch, Spanisch und Tschechisch perfekt.
Sie kannte den Bundeskanzler Helmut Kohl, den Bischof von Leitmeritz und den Sohn des letzten österreichischen Kaisers Karl I., Otto von Habsburg-Lothringen, persönlich und dazu noch viele andere Größen der Weltpolitik.
Als Grund, warum sie 1981 nach Deutschland zurückgekommen war, gab sie an: Meine drei Töchter können ja nicht mal richtig Deutsch sprechen.
Den Schritt nach Böhmen, zurück in das Schloß ihrer Kindheit, hatte sie 1991 allein getan.
In Triebsch war sie früher mit tschechischen Kindern zusammen in eine deutsche Schule gegangen, hat auch schon als Kind perfekt tschechisch gesprochen, sagte sie jedenfalls.
Ihre Mutter war 1920 geboren und lebte im Jahre 2000 noch. Der Vater, früher wohl ein Offizier, war 1994 gestorben.
So war sie halt ganz allein, nur mit ihrem Personal, in ihrem Schloßhotel. So schien es mir jedenfalls. Für Karin und mich hatte sie bei unserem letzten Besuch die Hochzeitssuite reserviert.
Ich bildete mir später ein, sie hätte auch mich gern mal in ihr Bett gezogen, aber das hätte damals schon aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert!
1960 hat sie einen italienischen Musiker geheiratet. Auch ich habe 1960 das erste Mal geheiratet, eine junge Ingenieurin aus Saalfeld. Leider hat die Ehe, fast auf den Tag genau, nur 4 Jahre gehalten. Wir waren beide einfach zu jung, zu dumm und zu verliebt!
Wie leicht hätte ich 1960 noch nach Frankfurt am Main fahren können, die Mauer gab es ja damals noch nicht, um mir die Corinna an Land zu ziehen.
Die Frage ist nur, ob sie sich auf einen Zimmermannssohn eingelassen hätte, mit ihrer französisch-hugenottisch-adligen Herkunft.
Aber man hat ja auch schon „Pferde vor der Apotheke kotzen sehen“ …
Zimmermannssöhne haben ja Glück, so sagt man jedenfalls. Auch George Bähr, der Architekt und Erbauer der Frauenkirche in Dresden, dem schönsten Bauwerk der Welt, war ein Zimmermannssohn aus dem Erzgebirge.
Als Autodidakt hat er sich zum Architekten hochgearbeitet, wurde Ratszimmermeister der kurfürstlich-sächsischen Residenzstadt Dresden und hat ihre inzwischen wiedererstandene Höhendominante in sechsjähriger Bauzeit hochgezogen. Der Wiederaufbau mit modernster Bautechnik hat dagegen 11 Jahre gedauert.
