Geschwisterduo Bennett - Samina Haye - E-Book

Geschwisterduo Bennett E-Book

Samina Haye

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Beschreibung

1.) Süß, tollpatschig, einfach zum Verführen Nach dem Tod ihrer Mutter muss Abigail schnell wieder zurück in das Berufsleben, da sie auf sich alleine gestellt ist. Der Traumjob ist zum Greifen nah, wäre da nicht ihre dämliche Tollpatschigkeit und dieser überaus attraktive Juniorboss Mason Baker. Egal was und wie sie es macht, es führt alles lediglich zu lustigen, peinlichen und witzigen Katastrophen. Durch Abis ungeschickte, tapsige Art und Weise schafft sie es nicht, den Job zu bekommen. Für Abigail ist es eine unerträgliche Zeit. Sie sucht sich einen neuen Job, den sie nicht mag und ihre Gedanken schweifen ständig um diesen wunderschönen Juniorchef, den sie nicht haben kann … Eine schöne Liebesgeschichte, die einen zum Träumen verleitet. 2.) Sexy, schüchtern, einfach zum Verlieben Hope ist total im Studienstress. Die Ferien rücken näher und sie fragt am Clearwater Beach nach einem Sommeraushilfsjob in einer Bar. Die erste Hürde, einfach nur zu fragen, ist geschafft. Doch der etwas schwierigere Teil kommt noch auf sie zu: Nämlich, ihre doofe Angst zu überwinden und die krankhafte Schüchternheit abzulegen, die Hope schon oft das Leben schwer machte. Normalerweise ist sie witzig, spricht und lacht viel, doch kaum steht dieser sexy Typ, Travis Baker, vor ihr, sind ihre Lippen verschlossen. Eines Tages treffen sie erneut aufeinander. Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet Hope ihm, dass sie schon wisse, was für ein Frauenheld er sei. Das Schicksal nimmt seinen Lauf... Eine amüsante Liebesgeschichte, die einem das Lächeln ins Gesicht zaubert

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Seitenzahl: 324

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Samina Haye

Geschwisterduo Bennett

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

Auf Jobsuche

Misslungenes Vorstellungsgespräch

Voreilige Entscheidung

Lausiger Wochenbeginn

Ungeschickter geht’s nicht

Ein besonderes Osterwochenende

Clearwater Beach

Überraschungsbesuch

Ein Chaotisches Date

Unerwarteter Anruf

Ein unvergesslicher Abend

Neuer Lebensabschnitt

* ENDE *

Samina Haye

Lausiges Wochenende

Vergessliche Hope

Interessantes Geständnis

Schwesterntag

Eine neue Woche

Verrücktes Aufeinandertreffen

Klatschnasser Abschluss

Lustiger, Chaotischer Arbeitsbeginn

Auf frischer Tat ertappt

Hopes erstes Date

Eine unerwartete Bekanntschaft

Lange Tage voller Liebeskummer

Eine sehr knifflige Entscheidung

Alle glücklich vereint

* ENDE *

Danksagung

Impressum neobooks

Prolog

März 2014

Genau heute vor einem halben Jahr hatte Abigail ihre Arbeitsstelle im Sekretariat verloren, da sie zu oft fehlte und Pflegeurlaub für ihre kranke Mutter beanspruchte.

Abi liebte ihren Beruf in dieser Firma, doch als sie nach fast fünf Jahren die Kündigung auf den Tisch gelegt bekam, war sie sprachlos und sehr traurig darüber.

Doch es zählte für sie nur eines, und das war für ihre Mutter da zu sein und für sie zu sorgen.

Nun ist fast ein Jahr vergangen, seit Abigail und Hope, ihre jüngere Schwester, für ihre Mutter Susann sorgten.

Von ihrem Vater hatten sie seit Jahren nichts mehr gehört. Ihr Vater, der einfach, ohne etwas zu sagen, von heute auf morgen mit einer einundzwanzig Jahre jüngeren durchgebrannt ist.

Vor zwei Tagen, nach einer monatelangen Chemo- und Tablettentherapie, hatte Susann den Kampf gegen den Krebs verloren. Sie wurde in den letzten Wochen immer schwächer, konnte nichts mehr essen und trinken und wurde mit Astronautennahrung ernährt.

Ihr Herz hatte nach der letzten Chemotherapie aufgehört zu schlagen und nun musste Abigail sich um alles Weitere kümmern.

Sie war jetzt allein und musste sich auch um ihre jüngere Schwester kümmern, die gerade im Prüfungsstress ist, da sie ein Studium für Sport und Gesundheit absolviert.

Doch zum Glück hatte Susann noch eine Schwester, Penelope, die Abi sofort nach dem Tod ihrer Mutter anrief.

Da Tante Penelope in New York wohnte, dauerte es zwei Tage bis sie herkommen konnte.

Doch heute war es soweit und deswegen machten sich Abigail und Hope auf den Weg zum Clearwater Air Park, um ihre Tante abzuholen.

„Ich bin schon froh darum, dass unsere Tante ein paar Tage hier bei uns bleibt, damit sie uns bei allem etwas unterstützt“, sagte Hope zu ihrer Schwester, die tief durchatmete.

„Liebes, ich auch. Denn ja, ich gebe es ungern zu, doch mir wird es schon ein bisschen zu viel und ich vermisse unsere Mutter so sehr.“ Abi wischte sich ein paar Tränen aus dem Gesicht und Hope legte ihre Hand auf die ihrer Schwester.

Obwohl Hope sieben Jahre jünger war als Abi, konnte sie besser mit der ganzen Situation umgehen. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass sie ihre Mutter nicht so viel hatte pflegen müssen wie Abigail. Man wächst noch mehr zusammen, fühlt und leidet mit der Mutter mit, das musste schon schwierig sein für ihre Schwester. Doch auch Hope musste sich ein paar Tränen aus den Augen wischen.

„Ich vermisse Mum auch total und kann es immer noch nicht glauben, dass sie von uns gegangen ist. Aber wir müssen uns immer sagen, dass es für sie der beste Ausweg war. Nun hat sie keine Schmerzen mehr, muss keine Chemos mehr durchmachen und das ist eine Erleichterung für sie gewesen. Sie schaut nun jeden Tag zu uns herab, gibt auf uns Acht und auch wir zwei müssen gegenseitig auf uns aufpassen. Ich werde mich bemühen, Süße, das ich dich auch neben meinem Studium in allem so gut wie möglich unterstützten kann“, meinte sie liebevoll zu ihrer Schwester, die ihr einen Luftkuss zuwarf.

„Du bist die beste Schwester, die man sich wünschen kann und ich weiß, dass wir beide das auch alleine gut meistern werden. Nun müssen wir mit Tante Penelope die Beerdigung organisieren und das alles hinter uns bringen. Danach kannst du versuchen, dich so gut wie möglich auf deine Prüfungen zu konzentrieren und ich werde mich rasch um eine neue Arbeitsstelle kümmern“, sagte sie und bog in diesem Augenblick zum Clearwater Air Park ein.

Die Schwestern stiegen aus dem Auto und gingen zur Eingangshalle, und da zum Glück der Flughafen nicht so groß war, würde es einfach werden, ihre Tante zu finden.

Aber soweit kam es gar nicht, denn Penelope sah ihre Nichten sofort, als sie beim Eingang eintraten.

Sie ging gleich auf die zwei zu und nahm sie fest in die Arme. Alle mussten wieder weinen, weil der Verlust so sehr schmerzte.

„Ihr zwei Lieben, es tut mir so leid, dass ich nicht schon viel früher für euch dagewesen bin. Ich wusste ja nicht, wie schlimm es um meine Schwester stand, ihr hättet mir einfach Bescheid geben können und ich wäre gekommen“, sagte sie traurig zu ihren Nichten.

„Ich weiß, doch Mutter wollte nicht, dass ich es dir sage, denn sie wusste, wie sehr du dich immer gleich fertig machst. Sie wollte dich nicht unnötig aufregen“, sagte Abigail zu ihrer Tante, die nur den Kopf schüttelte.

„Tz, das ist typisch Susann. Todkrank sein aber trotzdem an die anderen denken, was gut für die wäre und selber wieder mal zurückstecken“, antwortete sie darauf und strich den Mädchen über die Wangen.

„Aber das wird sich jetzt ändern. Denn ich bin ja seit ein paar Wochen in Frühpension und werde in den nächsten Wochen hier bei euch bleiben und für euch sorgen, solange ihr mich braucht“, meinte sie. Abi und Hope gaben ihr gleichzeitig ein Küsschen auf die Wange und bedankten sich.

**

Auf Jobsuche

Die letzten Tage waren für Abigail und Hope sehr traurig und es waren schwierige Schritte, die sie in ihrem Leben gehen mussten. Denn am Samstag hatten sie ihre Mutter beerdigen müssen, die den harten, langen Kampf gegen den Krebs verloren hatte.

Doch für ihre Mutter war es gut so, denn nun hatte sie keine Schmerzen mehr und der lange Leidensweg hat ein Ende gefunden. Auch wenn es noch so schwierig ist, das Leben geht weiter und nun musste Abi sich wieder eine neue Arbeitsstelle suchen, was sicher alles andere als einfach werden würde, da der Arbeitsmarkt nicht so prickelnd war und es kaum freie Stellen gab, aber Abigail musste in ihrem Leben schon oft kämpfen.

An diesem Morgen ging sie früh in den Supermarkt, um sich Zeitungen zu holen, wo eventuelle Arbeitsstellen ausgeschrieben waren. Abi betrat das Geschäft, schnappte sich einen Einkaufskorb und packte gleich einige Sachen ein, um später mit ihrer Schwester und ihrer Tante genüsslich frühstücken zu können. Doch leider begann ihr Tag nicht so gut, denn als sie in den Gang einbog, in dem sich die Zeitungen befanden, blieb sie mit dem Korb hängen und riss den kompletten Zeitungsständer um. Alles wurde durcheinander geworfen und sie wusste nicht, wie sie das auf die Schnelle wieder in Ordnung bringen sollte.

"Ach du meine Güte“, schrie sie und stellte sofort den Einkaufskorb beiseite.

„Verdammt, dieser Morgen beginnt ja gar nicht gut“, fluchte Abi vor sich hin und begann die Zeitungen zu sortieren und einzuräumen, als auch schon eine Verkäuferin auf sie zutrat, die ganz und gar nicht freundlich schien.

„Sagen Sie mal, sind Sie von allen guten Geistern verlassen, hier den ganzen Ständer umzuschmeißen?“, schimpfte diese gleich darauf los, was Abigail recht wütend machte.

„Es tut mir leid, das war nicht meine Absicht“, sagte sie leise, doch die Verkäuferin konnte sich nicht zurückhalten. „Tja, Ihnen tut es leid und ich habe jetzt die ganze Arbeit damit. Vielen Dank auch.“ Nun wurde Abi aber doch etwas böse.

„Wissen Sie was, machen Sie mal halblang. Sie brauchen nicht so herum zu schimpfen, das kann jedem mal passieren und außerdem helfe ich Ihnen ja, alles wieder zu sortieren und einzuräumen. Also alles halb so schlimm“, erwiderte sie etwas härter, und die Verkäuferin sagte nichts mehr, sondern bückte sich, um die Zeitungen aufzuheben. Nach nicht einmal zehn Minuten hatten die zwei alles aufgeräumt und wieder neu in den Ständer sortiert. Abigail sagte:

„Na sehen Sie, war alles halb so wild.“ Diese unsympathische Verkäuferin erwiderte nur kurz und bündig darauf:

„Ja, aber auch nur für Sie, denn ich habe wegen Ihnen nun meinen Morgenkaffee versäumt.“ Sie drehte sich um und weg war sie.

„Tse, was ist das denn für ein Morgenmuffel? Nicht mal danke kann sie sagen“, lästerte Abi und schüttelte den Kopf. Doch nun schnappte sie sich noch ein paar Zeitungen und war darauf bedacht, nicht nochmal etwas umzurennen und begab sich auf den Weg zur Kasse.

Als sie wenige Minuten später zuhause ankam, waren Hope und Penelope auch schon wach und saßen im Esszimmer bei einem Kaffee.

„Guten Morgen, ihr zwei, na, schon wach? Ihr wisst ja nicht, was mir gerade im Supermarkt passiert ist“, sagte sie und erzählte ihnen von dem Zwischenfall.

Hope bekam sich nicht mehr ein vor lauter Lachen und prustete los:

„Das ist wieder mal typisch für dich. Montagmorgen und meine Schwester richtet ein Chaos an im Supermarkt, kein Wunder, dass die Verkäuferin nicht gut auf dich zu sprechen war.“ Eine kurze Pause entstand und Abi wollte gerade Konter geben, als ihr ihre Schwester dazwischen sprach.

„Ach Süße, das war ein Spaß, komm runter und hol dir frischen Kaffee, dann bereite ich mal das Frühstück vor.“

Abigail kniff ihrer kleinen Schwester in den Po und sagte:

„Jetzt hast du aber nochmal Glück gehabt, du Frechdachs“, meinte sie und alle mussten Lachen.

„Ihr zwei seid schon so früh am Morgen verrückte Hühner, das bin ich nicht gewohnt, so einen Trubel zu haben“, gab Tante Penelope von sich und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee.

„Ja, liebes Tantchen, damit musst du rechnen, solange du hier bei uns bist“, sagte Hope frech und verschwand in der Küche. Penelope sah Abigail an und musste grinsen.

Es war schön, gemeinsam zu frühstücken und tat gut, nicht alleine zu sein nach den traurigen Tagen, die sie hatten. Abigail ging danach ins Wohnzimmer, studierte die Zeitungen und hoffte, etwas Passendes zu finden, um gleich Bewerbungen schreiben zu können.

Nach fast einer Stunde kam Tante Penelope zur Tür herein.

„Hier Liebes, ein frisch gepresster Orangensaft für dich zur Stärkung“, sagte sie liebevoll und Abi lächelte.

„Das ist lieb von dir, danke schön.“ Sie nahm das Glas und trank genüsslich einen Schluck.

„Oh, ist der lecker, das kann ich jetzt gut gebrauchen. Denn nun habe ich schon vier Zeitschriften durchgeblättert und nirgends ist eine Stelle zu finden, auf die ich mich bewerben könnte“, jammerte sie und fuhr fort.

„Aber eine habe ich noch, vielleicht entdecke ich da was.“ Penelope legte die Hand auf ihren Kopf und strich ihr zärtlich über das lange, blonde Haar.

„Immer mit der Ruhe. Du findest noch den richtigen Job, gut Ding braucht Weile, sagte deine Mutter immer.“ Abigail gab ihrer Tante ein Küsschen auf die Wange und vertiefte sich wieder in ihre Zeitung.

Schon fast hat sie die Hoffnung aufgegeben, eine gute Stellenanzeige zu finden, doch siehe da, auf der letzten Seite stand was, das Abi ansprach:

Sekretariats-Assistent(in) Automobile

Bei uns erwartet Sie ein sehr gutes Arbeitsklima mit anspruchsvollen Projekten und abwechslungsreichen Aufgaben in einem professionellen Team.

Ihre Aufgaben:

Unterstützung im Automobilmanagement

Mitarbeit in Projekten

Inserate erstellen und verwalten

Telefon- und E-Mail-Korrespondenz

Organisation Büro

Ihr Profil:

Proaktive Arbeitsweise sowie Eigeninitiative

Erfahrung in der Automobilbranche von Vorteil

Sehr gute EDV-Kenntnisse (Office, Excel)

Hohe Einsatzbereitschaft

Sehr gute Umgangsformen und offene Persönlichkeit

Es erwarten Sie spannende Tätigkeiten in einem jungen und motivierten Team. Ein wertschätzender Umgang ist uns dabei sehr wichtig.

Wir bieten eine marktkonforme Bezahlung in Abhängigkeit von der Qualifikation und Berufserfahrung.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung.

Autohaus Baker Chevrolet

24633 US Highway 19 North

Clearwater, FLORIDA 33763

„Ich bin begeistert, das hört sich ja interessant an. Hab zwar keine Erfahrung in der Autobranche, doch mit den anderen Anforderungen kann ich ihnen dienen“, sprach sie mit sich selbst und begann ihre Bewerbung zu schreiben.

Abi druckte alles schön sorgfältig aus und legte es einer Bewerbungsmappe bei, als soeben ihre Schwester in das Wohnzimmer kam.

„Nanu, bist du doch noch fündig geworden, weil du hier eine Mappe mit deinen Unterlagen liegen hast?“, fragte sie neugierig und Abigail grinste.

„Kaum zu glauben, auf der letzten Seite und sogar die letzte Stellenanzeige war es, die mich ansprach. Autohaus Baker am US Highway North sucht eine Sekretariats-Assistentin. Ist nur fünfzehn Minuten von unserem Zuhause entfernt und hört sich sehr vielversprechend an. Ich habe zwar keine Erfahrung in der Automobilebranche, doch die anderen Aufgaben kann ich gut erfüllen“, gab ihr Abi zur Antwort.

„Toll, das hört sich echt super an. Ich drück dir ganz fest die Daumen. Wann fährst du dorthin, um die Bewerbung abzugeben?“

„Werde auf gut Glück heute noch hinfahren. Vielleicht ist jemand da, dann ist es gut und sonst hinterlasse ich meine Unterlagen“, sagte sie und Hope nickte.

„Gute Idee, ich muss nachher zur Uni, da wir wieder Lesungen haben, doch am Abend bin ich wieder zuhause“, sagte sie zu ihrer großen Schwester.

Nach dem Mittagessen schnappte Abigail sich ihre Unterlagen und packte alles in ihr Auto, als ihr etwas auffiel.

„Ha, dieses Autohaus verkauft doch Chevrolets und wenn ich da mit meinem Alero Flitzer auftauche, kann doch gar nichts mehr schiefgehen“, sang sie voller Vorfreude, die aber schnell verflog, als ihr fünfzehn Jahre altes Auto wieder mal nicht ansprang.

„Das gibt’s doch nicht, komm schon, du darfst mich jetzt nicht im Stich lassen“, sprach sie zu ihrem Auto, das zum Glück nach etlichen Startversuchen ansprang.

Nun war sie auf dem Weg auf den US Highway Nord. Abis Nervosität stieg an, doch sie betete dafür, dass es mit dem Job klappen würde. Nach nicht mal fünfzehn Minuten fuhr sie auf den Parkplatz des Autohauses und atmete nochmal tief durch.

„So, nun reiß dich zusammen, Kleines und bring alles gut hinter dich“, sprach sie zu sich, stieg aus und ging zur Eingangstür. Abi freute sich, dass keine Leute zu sehen waren und ging zur Anmeldung. Da niemand auf dem Platz saß, betätigte sie die Glocke, die auf dem Schreibtisch stand und legte ihre Unterlagen darauf ab. Abigail trat von einem Fuß auf den anderen und hoffte, dass bald jemand kam, denn sie zitterte immer mehr vor lauter Aufregung. Kurz darauf sah sie einen jungen, hübschen Mann aus der Werkstatt kommen.

„Guten Tag, kann ich Ihnen behilflich sein?“, fragte er und Abi sah in seine wunderschönen braunen Augen. Er hatte dunkles, ein bisschen längeres Haar, das ihm in die Augen hing und er mit seinen ölverschmierten Fingern aus dem markanten Gesicht strich. Dieser Kerl machte sie sichtlich nervös, doch sie musste endlich ein Wort über ihre Lippen bringen.

„Guten Tag. Ähm, ich habe in der Zeitung gelesen, dass Sie eine offene Stelle als Sekretariats-Assistentin zu vergeben haben“, sagte sie und sprach stotternd weiter.

„Und, und nun wollte ich meine Bewerbungsunterlagen vorbeibringen.“ Abi drehte sich um und nahm die Unterlagen in die Hand, um sie diesem attraktiven Mann zu überreichen.

Er bemerkte, dass die junge Dame nervös war und rote Wangen bekam, das gefiel ihm und seinem Ego, deshalb nutze er das ein bisschen aus und ging einen Schritt auf sie zu.

Da Abigail ihm kurz den Rücken zuwandte und nicht mitbekam, dass er näher auf sie zutrat, erschrak sie, als sie sich wieder umdrehte und ließ die Unterlagen zu Boden fallen.

„Ähm, oh, verdammt, dass tut mir total leid“, bekam sie leise über die Lippen und er musste lachen.

„Kein Problem, war doch nicht Ihr Fehler. Mir tut es leid, ich wollte Sie nicht erschrecken“, erläuterte er.

Beide bückten sich gleichzeitig, um die Unterlagen aufzuheben und schwupps, schon geschah es. Sie krachten mit den Köpfen zusammen.

„Aua“, entfuhr es ihm und Abigail zeitgleich.

„Au.“ Nun entstand eine kurze Stille zwischen den Zweien, bis er die Unterlagen aufhob und darauf schaute.

„Frau Bennett, Abigail, schöner Name. Leider hatten wir keinen so guten Start, dafür möchte ich mich entschuldigen.

„Dankeschön. Ja, das Problem habe ich öfter mal, dass ich so tollpatschig bin, doch ja, ich hoffe, das hat keinen negativen Einfluss auf meine Bewerbung“, sagte sie freundlich und versuchte diesen hübschen Mann anzulächeln.

„Ach Quatsch, ich werde heute dem Chef Ihre Unterlagen vorlegen und er wird sich dann bei Ihnen melden bezüglich eines Vorstellungsgespräches“, gab er ihr zur Antwort und Abi nickte.

„Vielen Dank, das ist nett von Ihnen. Ich würde mich freuen, von Ihrem Chef zu hören. Schönen Tag noch.“ Sie gab ihm die Hand und verabschiedete sich von ihm. Als sie wenige Sekunden später in ihrem Auto saß, legte sie den Kopf aufs Lenkrad und fluchte.

„Scheiße, das ist ja gar nicht gut gelaufen. Der Chef meldet sich sicher nicht bei mir, wenn er erfährt, wie peinlich mein Auftritt war.“ Abigail drehte den Zündschlüssel um und war erleichtert, als das Auto sofort ansprang.

Sie wollte nur noch nach Hause und ihren Frieden haben, denn es ist alles anders gelaufen als erhofft.

**

Misslungenes Vorstellungsgespräch

Abigail stand mit schrecklichen Kopfschmerzen auf und verfluchte diesen Tag bereits in den frühen Morgenstunden.

„Womit habe ich das verdient?“, schimpfte sie herum, als sie nach unten in die Küche ging und sich eine Tasse Kaffee nahm.

„Sag mal, warum motzt denn du schon so herum? Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen, oder was ist los?“, fragte ihre kleine Schwester, die aus dem Wohnzimmer kam und Abi sah sie böse an.

„Was geht dich das an? Ich habe Kopfschmerzen und außerdem hat sich dieses Autohaus noch immer nicht gemeldet. Wie ich doch gesagt habe, die werden mich zu keinem Vorstellungsgespräch einladen“, jammerte sie, setzte sich an den Küchentisch und legte den Kopf in ihre Hände. Hope trat herbei und strich ihr über die Haare.

„Süße, mach dich doch nicht verrückt, das war die erste Bewerbung, die rausgegangen ist und es ist noch nicht mal eine Woche vergangen. Also warte noch ab, bevor du dich fertig machst“, sagte sie liebevoll zu ihrer Schwester, die ihr nun ein kleines Lächeln schenkte.

„Ja, ich weiß, doch ich werde mich heute trotzdem noch bei anderen Firmen bewerben und warte nicht mehr länger da drauf“, meinte sie und sagte weiter:

„Es wäre zwar schön gewesen, denn diese Arbeit hätte mir sicher total gut gefallen bei diesem Autohaus, aber Weinen bringt mich auch nicht weiter.“ Hope ging zurück in das Wohnzimmer, um ihre Wäsche fertig zu bügeln, als auf einmal das Telefon klingelte. Sie hob ab:

„Bennett.“

„Guten Morgen, Baker am Apparat. Spreche ich mit Abigail Bennett?“, fragte er und Hope konnte sich noch nicht vorstellen, wer das sein könnte.

„Ähm, nein, ich bin die Schwester von Abigail. Moment, ich leite Sie sofort weiter“, sagte sie und war auf dem Weg in die Küche. Abi sah sie fragend an.

„Irgendein Herr Baker ist am Telefon, er verlangt nach dir“, erklärte sie ihrer Schwester, die sofort nervös wurde.

„Oh mein Gott, Baker? Das ist der Chef vom Autohaus“, sagte sie und Hope drückte ihr sofort das Telefon in die Hand und machte Anzeichen, sie solle doch endlich was sagen. Abi atmete nochmal tief durch und meldete sich:

„Abigail Bennett. Guten Morgen, Herr Baker.“

„Guten Morgen, Frau Bennett. Mason hat mir gestern Ihre Bewerbung gegeben und nun wollte ich Sie zu einem Vorstellungsgespräch einladen. Wie sieht es denn bei Ihnen morgen Vormittag aus, hätten Sie da Zeit?“, fragte er und Abigail musste übers ganze Gesicht grinsen.

„Sehr gerne, Herr Baker, ich freue mich sehr auf das Gespräch morgen Vormittag“, sagte sie und dann verabschiedeten sie sich. Abi sah ihre Schwester an und beide ließen einen Freudenschrei los.

„Ja toll. Siehst du, nun wendet sich doch noch alles ins Positive, hm?“, meinte sie und Abigail gab Hope einen Kuss auf die Wange.

„Ja, ich hoffe es. Morgen Vormittag habe ich das Gespräch und dann sehen wir mal weiter“, meinte sie, und auf einmal stand ihr der Schreck ins Gesicht geschrieben. Hope merkte das und fragte nach:

„Was ist denn jetzt schon wieder los mit dir?“

„Verdammt, ich habe nichts Passendes zum Anziehen, ist mir soeben eingefallen.“ Hope prustete los und musste so herzhaft lachen, das nun auch Abigail mitlachte.

„Du bist so doof. Tja, dann trink in Ruhe deinen Kaffee aus und danach machen wir uns mit Tante Penelope auf zu einer Shoppingtour“, sagte sie und Abigail nickte.

„Hört sich gut an.“ Hope ging nach oben, um sich fertig zu machen und um es ihrer Tante zu sagen. Man konnte Penelope keinen größeren Gefallen tun, als shoppen zu gehen, denn sie liebt es über alles.

Nicht mal eine Stunde später waren sie in der Clearwater Mall angekommen, ein richtiges Shoppingparadies.

Penelope ließ einen Pfiff über ihre Lippen kommen.

„Wow, es ist ja sehr groß hier und sie haben tolle Geschäfte, vielen Dank ihr zwei, dass ihr mich mitgenommen habt“, meinte sie und nahm ihre Nichten bei der Hand, eine links und eine rechts.

„Dann lasst uns mit dem Shoppen beginnen“, sagte Hope.

Die Frauen waren stundenlang in dem Einkaufscenter unterwegs und jede Stunde trafen sie sich mal auf einen Kaffee und machten danach wieder einen neuen Treffpunkt aus.

„Na, wie sieht es aus, Abigail? Hast du schon was Richtiges gefunden?“, fragte Penelope und Abi lächelte sie an.

„Hm, ja, ich war vorher bei dem Geschäft „Forever New“ und da sah ich einen tollen weißen Rock mit einer türkisenen Bluse dazu und natürlich den passenden schwarzen Pumps dazu. Ich glaube, das werde ich jetzt nochmal anprobieren und dann kaufen“, sagte sie, nahm ihre Kaffeetasse zur Hand und wollte einen Schritt zurückgehen, um auf die Einkaufstüten ihrer Tante zu gucken.

Und auf einmal geschah es. Ein junger, hübscher Mann wollte soeben in demselben Moment als sie zurücktrat an ihr vorbeigehen und schwupps, kippte sie den Kaffee aus und über ihre weiße Hose und Schuhe.

„Verdammt!“, schrie sie. Der Mann schreckte zurück und begann im gleichen Moment zu schmunzeln.

„Oje, nun muss ich mich schon wieder bei Ihnen entschuldigen, das tut mir sehr leid, es war nicht meine Absicht“, sagte er und nahm eine Serviette vom Tisch, um ihr die Hose zu putzen. Abigail riss ihm die Serviette aus der Hand und machte ihre Hose selber sauber.

„Sie schon wieder. Sie haben es wohl auf mich abgesehen, denn egal, wann wir uns sehen, kommen Sie mir zu nahe“, sagte sie forsch und als das über ihren Mund kam, hatte sie schon ein schlechtes Gewissen.

„Tut mir leid, so frech wollte ich das jetzt nicht sagen.“ Er versuchte zu lächeln, doch sein männlicher Stolz war etwas angeschlagen.

„Ist schon okay, kann es ja verstehen. War wirklich nicht meine Absicht, doch wir zwei stoßen immer wieder irgendwie zusammen“, meinte er leise und nun musste auch Abigail lachen.

„Stimmt. Doch nun muss ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie Ihrem Chef meine Unterlagen gegeben haben, denn morgen Vormittag habe ich mein Vorstellungsgespräch“, erzählte sie ihm und er nickte.

„Habe ich schon gehört, ich freu mich für Sie und wünsche Ihnen für morgen alles Gute“, sagte er und gab ihr kurz die Hand, um sich zu verabschieden.

„Auf Wiedersehen“, rief sie ihm nach und Hope konnte sich nicht mehr zurückhalten.

„Wer um Gotteswillen war dieses Prachtexemplar von Mann?“, fragte sie und Abigail konnte kaum einen ganzen Satz sprechen.

„Pracht, Prachtexemplar ... du sagst es. Er ist so … göttlich“, schwärmte sie vor sich hin, bis sie von ihrer kleinen Schwester in die Rippen gestoßen wurde.

„Aua, sag mal, spinnst du?“

„Ja, dann erzähle uns doch endlich, wer dieser Kerl ist“, meinte Hope auffordernd. Abi verfiel schon wieder in Träumerei und ihre Wangen röteten sich.

„Das ist der süße Typ vom Autohaus, mit dem ich zusammengestoßen bin, als ich die Unterlagen fallen ließ“, sagte sie und sprach weiter, als sie wieder ganz bei sich war.

„Aber hallo, dieses Mal kann aber ich wirklich nichts dafür, dass er mir reingerannt ist. Denn am Rücken habe ich keine Augen, tut mir leid, da muss er schon selber aufpassen. Tse, meine schöne, weiße Hose. Ihr Lieben, ich geh jetzt noch schnell in das Geschäft und hole mir die Klamotten für mein Vorstellungsgespräch. Ich bin so in einer halben Stunde beim Auto, passt das?“, fragte sie kurz nach und ihre Tante nickte.

„Alles klar, wir sehen uns beim Wagen.“

Abigail huschte aus dem Café und schnurstracks hinüber zu dem Geschäft „Forever New“, um sich den Rock, die Bluse und die schönen Schuhe zu kaufen. Es dauerte auch nicht lange und schon stand sie bei der Kasse an. Die Verkäuferin tippte alles in die Kasse und packte es schön in eine Tüte ein, die sie Abi reichte. Abigail stellte die Tüte auf den Boden und wollte soeben mit der Karte zahlen, als sie den hübschen Kerl bei dem einen Regal stehen sah. Sie war schon wieder in ihren Träumereien vertieft, bis sie durch die Verkäuferin erschreckt wurde.

„Ähm, entschuldigen Sie. Sie müssten noch mit der Kreditkarte zahlen, habe es soeben erneut für Sie eingegeben“, erklärte diese und Abi war etwas peinlich berührt und tippte so schnell wie möglich den Code ein, um verschwinden zu können.

„Hier noch Ihre Rechnung“, meinte die Verkäuferin.

„Vielen Dank, auf Wiedersehen“, sagte Abigail kurz und bündig und ging in die Garage.

Penelope und Hope saßen schon im Auto und warteten auf sie.

„Na endlich, hast du den Weg gefunden?“, meinte Hope gelangweilt.

„Tut mir leid, hab bei der Kasse solange warten müssen.“

Somit war das Thema abgeschlossen und die drei machten sich nach einem anstrengenden Shoppingtag auf den Weg nach Hause.

Als sie nach kurzer Zeit dort ankamen, war jeder froh, wieder zuhause zu sein, doch für Abigail war dieser anstrengende Tag leider noch nicht vorbei.

„So Liebes, husch husch, ab nach oben, Klamotten anziehen und eine Modenschau machen. Wir wollten doch sehen, was du dir tolles ausgesucht hast“, meinte Tante Penelope und Abigail sah sich im Wohnzimmer suchend um.

„Was suchst du denn?“

„Hast du meine Einkaufstüten gesehen?“, fragte sie ihre Schwester, die verneinte.

„Hm, hast du die denn überhaupt aus dem Auto mit herein genommen?“ Abigail wusste es nicht mehr genau, deshalb ging sie noch einmal raus zum Wagen, um nachzusehen.

Doch sie fand nichts.

„Sie sind auch nicht im Wagen. Mist, ich glaube, ich hab sie bei der Kasse am Boden stehen lassen“, meinte sie und die anderen zwei mussten lachen.

„Du bist ja sowas von schusselig, das ist der Wahnsinn mit dir. Komm, ich such dir schnell die Nummer heraus von dem Geschäft und dann rufst du gleich dort an“, sagte Penelope.

Und, wie sollte es auch anders sein, stand ihre Einkaufstüte nun hinter der Kasse und wartete darauf, abgeholt zu werden.

**

Abigail brauchte an diesem Morgen nicht mal einen Wecker, da sie wegen der ganzen Nervosität schon eine halbe Stunde früher erwachte. Sie reckte und streckte sich, blieb noch kurz liegen und betete, dass das Gespräch heute gut verlief. Wenige Augenblicke später stand sie auf, stellte sich unter die heiße Dusche und sang zu dem Lied mit, das gerade im Radio lief.

Als sie danach vor ihrem Spiegelbild stand, sagte sie:

„Wird schon schiefgehen nachher. Sei einfach du selbst, Abigail.“

Nachdem sich Abi fertiggemacht hatte und nach unten ging, roch sie schon den leckeren Kaffeeduft. Penelope begrüßte sie und drückte ihr die Tasse in die Hand.

„Guten Morgen. Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Liebes, es wird schon schiefgehen später, mach dich nur nicht verrückt und sei einfach du selbst“, sagte sie und Abi musste lachen.

„Das sagte ich vorher auch schon zu mir selbst“, meinte sie und setzte sich an den Tisch. Die beide tranken genüsslich an ihrem Kaffee, als wenig später Hope mit ihren Studienunterlagen hereinkam und sich kurz dazusetzte.

„Abi, du musst mir sofort eine SMS senden, wenn du was weißt nach deinem Vorstellungsgespräch. Leider muss ich heute in die Uni und da kann ich schlecht telefonieren“, erklärte sie ihrer Schwester.

„Kein Problem, ich schreibe dir nachher, wie es mir ergangen ist. Doch jetzt muss ich mich auf den Weg machen, nicht dass ich noch zu spät komme.“

„Du siehst sehr hübsch aus, die neuen Klamotten stehen dir total gut“, sagte ihre kleine Schwester und gab ihr ein Küsschen auch die Wange.

„Toi, toi, toi.“

Sie drehte sich nochmal kurz um und winkte den beiden zu, auf dem Weg zum Auto lästerte sie ein kleines bisschen herum.

„Verdammt, diese Schuhe bringen mich ja jetzt schon um, wie soll ich so bloß den Vormittag überstehen?“

Abi startete ihren Alero und hoffte immer wieder aufs Neue, dass er ansprang, da ihr Wagen echt schon eine alte Schrottkiste war.

Aber wie es der liebe Gott wollte, funktionierte das heute Morgen einwandfrei und Abi ließ einen Pfiff aus.

„Na, da kann gar nichts mehr schieflaufen“, sprach sie mit sich und machte sich auf den Weg zum US Highway Nord.

Während der Autofahrt dachte Abigail an ihre verstorbene Mutter, was sie wohl jetzt zu ihr sagen würde, und das gab ihr in diesem Moment viel Kraft.

In null Komma nichts war die Fahrt zum Autohaus vorbei und nun stand Abi auf dem Parkplatz und begann am ganzen Körper zu zittern.

„Oje oje, ich bin zu nervös, das kann doch wohl nicht wahr sein. Entweder sie sagen „Ja“ zu mir oder „Nein“, mehr gibt es ja nicht. Abi Bennett, reiß dich zusammen und beweg deinen Arsch jetzt da rein“, schimpfte sie mit sich und stieg aus dem Auto.

Nochmal tief durchgeatmet, trat Abigail ein und ging zur Anmeldung, wo auch schon eine junge, hübsche Dame stand.

„Hallo, Sie sind sicher Frau Bennett?“, sagte diese freundlich und Abigail lächelte sie an.

„Ja genau, die bin ich.“

„Hallo, ich bin Kim, kommen Sie doch bitte gleich mit mir mit, ich bringe Sie in den Besprechungsraum. Herr Baker Senior und sein Sohn kommen sofort zu Ihnen“, erklärte sie ihr und nun war Abigail gleich wieder hibbelig.

„Okay, vielen Dank.“

Kim brachte sie in den Raum und fragte:

„Darf ich Ihnen etwas zu trinken bringen? Eine Tasse Kaffee oder ein Wasser?“ Abigail überlegte kurz und sagte dann leise:

„Eine Tasse Kaffee wäre nett, Dankeschön.“ Die nette Dame verließ den Raum und nun war Abigail alleine. Sie nahm noch kurz ihr Handy zur Hand und machte es aus, als auch schon im gleichen Moment die Tür aufging und Abis Herz in die Hose rutschte.

Er ging auf sie zu und reichte ihr die Hand.

„Hallo, Frau Bennett, nun sehen wir uns wieder“, sagte er und sprach weiter.

„Mein Name ist Mason Baker und ich bin der Sohn des Chefs“, grinste er spitzbübisch und Abigail lief rot an.

„Ähm … ja … Hallo, Herr Baker“, sagte sie schüchtern und er übernahm wieder das Gespräch.

„Tja, damit haben Sie wohl nicht gerechnet, dass ich der Sohn des Geschäftsführers bin. Seien Sie ehrlich, als wir uns das erste Mal sahen, dachten Sie sicher, ich sei ein Mechaniker hier, oder?“, lachte er und Abi sah zu Boden. Sie wusste nun echt nicht, wie sie darauf reagieren sollte und nickte schwach und antwortete.

„Das mit dem Mechaniker“, kam ihr über die Lippen und sprach nach einer winzigen Verschnaufpause weiter.

„Sie haben recht, das dachte ich wirklich und es tut mir sehr leid“, sagte Abigail entschuldigend und sah Mason in die Augen, der sie mit einem unbeschreiblich attraktiven Lächeln ansah.

„Dafür brauchen Sie sich doch nicht zu entschuldigen. An diesem Tag war ich ja auch ein Mechaniker, da leider zwei im Krankenstand waren“, meinte er und im gleichen Augenblick ging erneut die Tür auf. Abigail sah natürlich sofort, dass man nicht abstreiten konnte, dass die zwei Vater und Sohn waren.

„Guten Morgen, Frau Bennett, Michael Baker. Schön, dass Sie so schnell Zeit gefunden haben, meinen Sohn haben Sie ja bereits kennen gelernt. Nehmen wir doch Platz“, begrüßte er sie freundlich und die drei setzten sich.

Abigail hörte Herrn Baker genau zu und beantwortete gewissenhaft seine Fragen, die er sich auf seinem Notizblock niedergeschrieben hatte.

Die Tür öffnete sich und Kim kam herein, mit einem Tablett in der Hand. Sie gab zuerst dem Seniorchef den Kaffee, danach dem Juniorchef und dann … dann geschah etwas mega Peinliches. Abigails Herz hörte vor lauter Schreck fast auf zu klopfen.

Als Kim um den Tisch herumging, um Abigail den Kaffee zu geben, wollte Abi ihr behilflich sein und griff um die Kaffeetasse. Plötzlich geschah es. Sie zog den Unterteller so hastig von dem Tablett, dass ihr die Tasse herunterrutschte. Da das anscheinend noch nicht dramatisch genug war, schüttete Abigail alles direkt auf das Hemd und die Hose von dem sexy Juniorchef.

Am liebsten wäre sie jetzt im Erdboden versunken, denn peinlicher geht es kaum.

„Ach du heilige Maria. Es … es … es tut mir so leid, warten Sie, ich helfe Ihnen“, brachte Abi nur stotternd aus ihrem Mund, griff nach einer Serviette und wollte Herrn Baker Junior das Hemd abwischen.

„Quatsch, geben Sie her, ich mach das schon. Ist doch alles halb so schlimm, wer hat schon noch nie einen Kaffee verschüttet?“, meinte er belustigt und sah sie an. Dann erst merkte er, dass all die Farbe aus ihrem Gesicht verschwunden ist und wollte sie etwas beruhigen.

„Frau Bennett, machen Sie sich deswegen jetzt keine Gedanken, das kann doch jedem passieren.“

Sie sah ihn an und versuchte, ihm ein Lächeln zu schenken.

„Vielen Dank, dass Sie das so locker sehen. Doch mir ist das gerade sehr, sehr unangenehm“, sagte sie und Herr Baker Senior begann wieder weiter zu sprechen. Ihn berührte das ganze irgendwie gar nicht, sondern er wirkte ein wenig genervt.

Er lenkte wieder auf das Bewerbungsgespräch, stellte noch weitere Fragen und Abigail hoffte nur noch, dass es bald vorüber war.

Zum Glück dauerte es wirklich nicht mehr lange und nach gut zwanzig Minuten verabschiedete sie sich von den beiden Bakers.

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Dieses Vorstellungsgespräch verlief alles andere als gut und deswegen brauchte Abigail jetzt etwas Deftiges für ihre Nerven. Nach ein paar gefahrenen Kilometern bog sie rechts ab zu Burger Restaurant, stellte ihren Wagen direkt vor den Eingang und ging gleich darauf hinein.

„Zwei Burger, Pommes mit viel Ketchup und eine Diät-Cola, bitte“, bestellte Abigail und wartete einen Moment. Danach setzte sie sich an den ersten freien Tisch, begann das ungesunde Essen in sich hinein zu stopfen und schrieb ihrer Schwester eine SMS:

Hallo Hope.

Kurze Info: Gespräch verlief nicht gut, habe großen Mist gebaut! Die stellen mich sicher nicht ein, hab´s verbockt …

Bis später. Ciao.

Da sich Abigail auf ihr Telefon und die SMS konzentrierte, merkte sie gar nicht, dass all die Soße aus ihrem Burger direkt auf ihren Rock tröpfelte, bis es auf ihrem Fuß warm wurde.

„Oh nein, das kann doch wohl nicht sein! Nun bekleckere ich mich auch noch selbst. Hat anscheinend nicht ausgereicht, dass ich dem hübschen Juniorchef den Kaffee auf die Hose kippte“, schimpfte sie mit sich selber und die Tränen stiegen ihr in die Augen. Abigail ließ den Rest des Essens stehen, stand rasch auf und wollte nur noch nach Hause.

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Voreilige Entscheidung

Abi war so froh, dass noch niemand zuhause war, als sie heimkam. Denn sie flüchtete sofort nach oben in ihr Zimmer und warf sich heulend auf ihr Bett.

„Scheiße, mit meiner doofen Tollpatschigkeit hab ich wieder alles kaputt gemacht, bevor es überhaupt losgehen konnte. Die melden sich bestimmt nicht nochmal bei mir“, heulte sie in ihr Kissen und schlief kurz darauf ein.

Hope kam nach Hause, lief nach oben und stürmte in Abis Zimmer, die sich wahnsinnig erschreckte und einen Schrei losließ.

„Boah, sag mal, spinnst du? Wegen dir bekomm ich sicher nochmal einen Herzinfarkt, mich so zu erschrecken“, schnauzte sie ihre kleine Schwester an.

„Tut mir leid, Kleine, ich hab doch nicht gewusst, dass du tagsüber schläfst. Jetzt sei doch nicht gleich so böse auf mich, war doch keine Absicht“, meinte sie entschuldigend und setzte sich zu ihrer Schwester aufs Bett.

„Doch jetzt erzähl mal, was ist denn passiert?“ Nun kamen Abigail wieder die Tränen und sie brachte nur ein paar Wörter über die Lippen.

„Ich hab Kaffee auf die Hose des Juniorchefs gekippt.“ Hope drückte sich sofort ihre Handfläche auf den Mund, um nicht loszulachen und Abi kamen weiter die Tränen.

Doch die Tränen versiegten schnell. Die Schwestern sahen sich an und begannen lauthals zu lachen, Hope konnte nur noch quietschen.

„Mann oh Mann, das ist wieder mal so typisch für dich. Kannst du dich denn nicht einmal zusammenreißen und versuchen nicht so ungeschickt zu sein?“, fragte sie ihre große Schwester, die sich das nicht gefallen ließ und mit einem Kissen nach ihr warf.

„Tz, ja, genau das sagst du zu mir, die, wenn es um was Wichtiges geht, kein Wort über die Lippen bekommt und zu stottern anfängt.“

„War ein guter Konter und ich weiß auch, dass du Recht hast, aber ich schwöre dir, andersrum wäre es mir auch lieber. Denn es ist hart, vor lauter Nervosität nur ein Stottern zusammenzubringen“, erklärte Hope und Abi nahm sie dann in die Arme.

„Ich weiß das doch, Süße. Naja, ich bin die Tollpatschige und du die Stotternde, so hat jeder seine Eigenheiten“, sagte sie und stand auf.

„Komm, lass uns hinuntergehen, ich glaube, Penelope ist gerade nach Hause gekommen.“

Die Schwestern gingen nach unten in die Küche und sahen einen Berg voll Essen auf dem Tisch stehen. Hope stieß einen Pfiff aus.

„Wow, wer kommt denn heute Abend noch alles zum Essen vorbei?“, sah sie fragend ihre Tante an.

„Niemand. Zur Feier des Tages dachte ich mir, ich nehme ein bisschen was vom Chinesen mit, dann brauchen wir heute mal nicht selber kochen. Ist doch auch was Schönes, oder?“ Abigail sah sie an und wirkte nun wieder traurig.

„Hm, zur Feier des Tages. Da gibt es leider nichts zu feiern, denn der Chef vom Autohaus wird mich sicherlich nicht einstellen“, sagte sie leise und Penelope sah sie fragwürdig an.

„Naja, ich war wieder mal zu tölpelhaft unterwegs und verschüttete meinen Kaffee auf der Hose des Juniorbosses.“ Die Tante sah von Abigail zu Hope und wieder zurück zu Abigail und musste sich auf die Lippe beißen, um nicht sofort loszulachen. Doch als sie merkte, dass die zwei Hühner zu lachen begannen, stimmte sie kraftvoll mit ein. Nach ein paar Minuten hatten sich alle wieder beruhigt und deckten den Esstisch auf, um endlich zu Abend zu essen. Hope holte noch eine Flasche Wein und schenkte drei Gläser ein. Kurz darauf kam Penelope aber nochmal auf das Thema zurück.

„Und du glaubst wirklich, dass du wegen diesem blöden Missgeschick nicht dort als Sekretärin eingestellt wirst?“ Abi nahm einen Schluck von dem Wein und antwortete.

„Ich kann es mir nicht vorstellen. Es sei denn, der Juniorchef würde das alleine entscheiden, dann schon. Aber der Seniorboss war, glaube ich, ganz und gar nicht begeistert von mir.“ Es entstand eine Stille und dann wollte Abi ihnen noch etwas sagen.

„Ich werde morgen früh zum Supermarkt gehen, der gleich hier um die Ecke ist, und fragen, ob sie jemanden zur Aushilfe brauchen.“ Hope schüttelte unverständlich den Kopf.

„Warum das denn? Warte doch einfach ein paar Tage ab, so schlimm steht es auch wieder nicht um uns“, äußerte sie ihrer Schwester gegenüber, die sich aber nicht mehr davon abbringen ließ.

„Lass mich doch bitte machen, ich möchte das so und falls sie mich doch im Autohaus einstellen, beende ich die Arbeit im Supermarkt wieder“, erwiderte Abi und somit war das Thema beendet.