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Von Ärzten, Heilpraktikern, Ernährungswissenschaftlern bis hin zu einem Physiotherapeut, Spitzenkoch und Lebensmittelkaufmann: Personen der unterschiedlichsten Professionen bereichern diesen ungewöhnlichen Sammelband. Seit 1997 durfte ich als Lebensmittelkaufmann und Gründer der internationalen Interessengemeinschaft FÜR gesunde Lebensmittel e. V. erstklassige Fachleute auf ihrem Gebiet als Referenten und IG FÜR Mitglieder kennenlernen. Meiner Bitte, auf wenigen Buchseiten die jeweils wichtigsten Erkenntnisse für eine ganzheitliche und gesunde Lebensführung leserfreundlich zusammenzutragen, kamen 14 Persönlichkeiten nach. "Investitionen in die eigene Gesundheit lohnen sich für jeden, denn Gesundheit ist die Voraussetzung für jegliches Lebensglück, auch wenn wir diese Tatsache manchmal aus den Augen verlieren. Dieses Buch ermöglicht es uns, uns wieder daran zu erinnern und führt uns vor Augen, wie viel wir selbst zum eigenen Wohlergehen beitragen können." Dr. Gerd Müller, Bundesminister "Lassen wir uns nicht täuschen von der steigenden Lebenserwartung, wenn auf der anderen Seite die Wartezimmer der Ärzte immer voller werden und die Wartezeiten bei Fachärzten immer länger. (…). Aus diesem Grund begrüße ich dieses Buch mit Beiträgen und Hinweisen für eine ganzheitliche und gesunde Lebensführung (…) Achtung, Gesundheit und Lebensfreude können ansteckend sein!" Joseph Wilhelm, Bio-Pionier und Gründer Rapunzel Naturkost
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Seitenzahl: 216
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Vorwort Dr. Gerd Müller
Vorwort von Joseph Wilhelm »Gesund durchs Leben«
Vorwort von Herausgeber Georg Sedlmaier
Gisela Antor – Mit Wasseranwendungen nach Sebastian Kneipp das Immunsystem stärken
Vita Gisela Antor
Ida-Anna Braun – Den Mehrwert im Leben entdecken!
Vita Ida-Anna Braun
Martin Büchele – Gesund durchs Leben
Vita Martin Büchele
Thomas Frankenbach – Der Körper spricht immer!
Vita – Thomas Frankenbach
Dr. rer. physiol. Judith Gutberlet – Anti-Krebs-Ernährung, epigenetische Begründung einer gesunden Ernährung
Vita Dr. rer. physiol. Judith Gutberlet
Dr. Ulrich Kraft – Das Mikrobiom des Verdauungstraktes
Vita Dr. med. Ulrich Kraft
Dr. sc. agr. Petra Kühne – Gesundheit ist individuell – der Einfluss der Ernährung
Vita Dr. sc. agr. Petra Kühne
Dr. Susanne Kümmerle – Mit Genuss gesund durchs Leben – Warum Verzicht nicht alles ist
Vita Dr. Susanne Kümmerle
Lutz Meissner – Muskeln Sie mal wieder – ein einfacher Weg zu mehr Gesundheit
Vita Lutz Meissner
Dr. Sabine Schäfer – Unsere Zivilisationskrankheiten! Woher kommen sie, wie sind sie zu heilen?
Vita Dr. Sabine Schäfer
Bettina Sedlmaier-Erlenfeld – Heilfasten – Umschalten von der Ernährung von Außen zur Ernährung von Innen oder warum es sich lohnt, hin und wieder auf das Essen zu verzichten.
Vita Bettina Sedlmaier-Erlenfeld
Georg Sedlmaier – Wie trägt positives, lebensbejahendes Verhalten zur Gesundheit bei?
Vita Georg Sedlmaier
Maren Stahl – Gesundheit – eine Frage des Bewusstseins?
Vita Maren Stahl
Andrea Tichy – Lebendiges Wasser – Energiequell des Körpers
Vita Andrea Tichy
Vom Herausgeber bereits erschienen
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
als mich Georg Sedlmaier bei unserem letzten Treffen fragte, ob ich ein Vorwort für seinen 5. IG FÜR Sammelband »Gesund durchs Leben« verfassen könnte, musste ich nicht lange überlegen. Es gibt nur wenige wie ihn, die so klar für ihre Überzeugungen einstehen und dabei immer das Miteinander und vor allem das Füreinander in den Vordergrund stellen.
In diesem Sammelband finden Sie unterschiedliche Beiträge, die sich mit dem körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehen beschäftigen. Beispielsweise gehen sie den Fragen nach, welchen Einfluss die Ernährung und übrigens auch das Fasten auf unsere Gesundheit hat, wie ein lebensbejahendes Verhalten die Gesundheit beeinflusst, aber auch Klassiker wie die altbewährte Kneipp-Methode werden besprochen.
Investitionen in die eigene Gesundheit lohnen sich für jeden, denn Gesundheit ist die Voraussetzung für jegliches Lebensglück, auch wenn wir diese Tatsache manchmal aus den Augen verlieren. Dieses Buch ermöglicht es uns, uns wieder daran zu erinnern und führt uns vor Augen, wie viel wir selbst zum eigenen Wohlergehen beitragen können. Manchmal bedarf es eben eines Impulses von außen, um in sich selbst wieder diese Kraft zu finden. Das macht selbstbewusst und stark für alles Kommende.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen, kommen Sie »Gesund durchs Leben« und viel Freude beim Lesen,
herzlichst Ihr
Es ist mir eine große Ehre, zu einem Vorwort für ein Buch eingeladen zu sein, welches aus Fachbeiträgen von Menschen zusammengestellt ist, deren Kompetenzen und Fähigkeiten ich für weit höher einschätze als meine eigenen. Doch wie könnte ich den von Georg Sedlmaier geäußerten Wunsch abschlagen, steht doch dahinter nicht nur die Idee, praktische Hilfestellung für ein gesünderes und besseres Leben zu bieten, sondern auch und vor allem der gute Zweck, damit SOS-Kinderdörfern zu helfen und die IG FÜR zu unterstützen.
So nehme ich die Legitimation für meinen Beitrag aus 44 Jahren bewussten persönlichen Bemühens und unaufhörlicher Suche und Auseinandersetzung im Themenkreis »Gesundheit« und »besser Leben« sowie 42 Jahren Firmenarbeit für gesunde Lebensmittel.
Gesund sein wollen wir alle. Ich glaube, ich kenne persönlich niemanden, dem seine eigene Gesundheit egal wäre. Trotzdem verhalten sich viele Menschen so, als hätten unser persönliches Verhalten und unsere Lebensführung keinerlei Einfluss darauf.
Gesundheit ist ja nicht nur die aktuelle Abwesenheit von Krankheit. Gesundheit ist nicht nur ein Ego-Thema, sondern auch eine soziale Angelegenheit.
Gerade in meiner Funktion als Geschäftsführer eines Betriebes mit rund 350 Mitarbeitenden im Biobereich und in der Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln, die wirklich dem Leben dienen und es fördern, finde ich es bedauerlich, dass die jährlich von Mitarbeitenden und Firma an die Krankenkassen abzuführenden Millionenbeträge nicht mehr ausreichen, die Löcher der Kassen zu stopfen. Die Tatsache, dass die Beiträge ständig weiter steigen, ist nicht nur begründet in ineffizienten Gesundheitssystemen und einer unersättlichen und mächtigen Pharmaindustrie, sondern sie ist auch auf unsolidarisches Verhalten des Einzelnen zurückzuführen.
Der bedenkenlose Konsum von krank machenden, inhaltsleeren Lebensmitteln, angeführt von weißem Industriezucker, Auszugsmehlen, schlechten Fetten und einem Übermaß an Fleisch ist nicht eigenverantwortlich und er ist unsolidarisch, weil er die Krankenkosten in die Höhe treibt.
Lassen wir uns nicht täuschen von der steigenden Lebenserwartung, wenn auf der anderen Seite die Wartezimmer der Ärzte immer voller werden und die Wartezeiten bei Fachärzten immer länger. Es ist um die sogenannte »Volksgesundheit« nicht so gut bestellt wie uns glauben gemacht wird, denn sonst würden die Krankenkassenbeiträge massiv fallen.
Aus diesem Grund begrüße ich dieses Buch mit Beiträgen und Hinweisen für eine ganzheitliche und gesunde Lebensführung, die unseren Blick schärfen helfen auf unser eigenes Verhalten und unsere eigene Verantwortung.
Gesundheit entsteht vor allem aus Eigenverantwortung und Lebensfreude. Gesundheitspolitik, staatliche Stellen und öffentliche Institutionen können nur Rahmenbedingungen setzen und ein Jammern über deren Unzulänglichkeiten ist Energieverschwendung.
Um unsere Gesundheit eigenverantwortlich und eigen-initiativ zu verbessern, bietet dieses Buch vielfältige und kreative Hilfestellungen. Achtung, Gesundheit und Lebensfreude können ansteckend sein!
Ich wünsche dem vorliegenden Werk weite Verbreitung und einen hohen Reinerlös für die Unterstützung der erklärten sozialen Zielsetzungen.
Mit naturköstlichen und solidarischen Grüßen
Joseph Wilhelm
Rapunzel Naturkost
Als langjährig leitender Lebensmittelkaufmann in namhaften deutschen Lebensmittelunternehmen erlebte ich, dass es oft genug (zu) viele Menschen gab, die genau wussten, warum etwas bestimmt nicht möglich sei.
Früh lernte ich daher nach gangbaren Wegen zu suchen, wo und wie Probleme gelöst werden könnten. Mit den Jahren entwickelte sich, zusammen mit Weggefährten, ein »positives Finden«.
Als ich 1997 den gemeinnützigen Verein Interessengemeinschaft IG FÜR gesunde Lebensmittel e.V., der heute rund 700 Mitglieder zählt, gründete, war dieses positive Finden auch der Gründungsgedanke.
Ich organisiere seit vielen Jahren in Fulda/Hessen und in Kempten/Allgäu monatliche IG FÜR-Vorträge mit namhaften Ärzten, Heilpraktikern, Ernährungswissenschaftlern, Physiotherapeuten und vielen interessierten »Menschen guten Willens«. Dabei lerne ich auch selbst immer wieder dazu und betrachte dies zunehmend als Gesundheitsgeschenk.
Ich weiß, wer auf welchem Gesundheitsgebiet Experte ist. Nachdem es mir gelungen war, für mein 3. IG FÜR-Buch »Mehr tun, als man tun muss« 19 Autoren zu gewinnen und für mein 4. Buch »Vielfalt statt Einfalt« – Leben und Essen im Einklang mit der Natur« sogar 21 Autoren aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Peru und Ägypten, fasste ich Mut zu unserem 5. IG FÜR-Buch.
Mein erster Gedanke für den Buchtitel war: »Gesund alt werden«. Aber meine 15-jährige Enkelin Leonie Schneider riet mir, es lieber »Gesund durchs Leben« zu nennen. Schließlich spräche ich so auch junge Menschen an, die sich mit Gedanken des Altwerdens noch nicht beschäftigen wollten.
Um zügig zu den wesentlichen Gesundheits-Erkenntnissen aus den unterschiedlichen Blickwinkeln vorzudringen, bat ich die Mitautoren, möglichst nur 10 Seiten zu schreiben. Hinzu kommt eine Seite Personenvorstellung.
Dieser vielfältige Blick erhebt natürlich keinen Vollständigkeitsanspruch. Das individuelle Leben ist zu vielfältig. Wir wollten unter dem Blickwinkel »Gesund für Körper, Geist und Seele« das dominante Thema beleuchten.
Dabei bemerken wir, dass gerade Menschen mit eingeschränkter körperlicher Beweglichkeit erstaunliche Leistungen für das Gemeinwohl erbringen können.
Ich denke zum Beispiel an den langjährigen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Trotz Rollstuhl »steht er seinen Mann« national und international.
Beim Thema: »Was heißt überhaupt gesund?« können die Buchautoren gute Hilfestellung geben. Auch Menschen mit Krankheiten/Einschränkungen können in diesem Buch mit Achtsamkeitsübungen und Übungen für Ruhe und Gelassenheit viele praktische Tipps für Lebensfreude erhalten.
Ich denke, wir haben die Aufgabe, auf unsere Gesundheit zu achten, um unserer selbst willen, aber auch, um nicht leichtfertig Mitmenschen und Sozialsystemen zur Last zu fallen.
Ich hoffe, dass dieses 5. IG FÜR-Buch möglichst vielen »Menschen guten Willens« eine echte Gesundheits- und Lebenshilfe wird nach den IG FÜR-Leitgedanken:
Dies wünscht allen Leserinnen und Lesern
Georg Sedlmaier
Lebensmittelkaufmann und IG FÜR-Gründer
Danke!
Als Herausgeber sage ich ein herzliches Danke schön und »Vergelts Gott« allen ehrenamtlichen Autoren. Ein Reinerlös ist wieder für SOS-Kinderdorf e.V. und die IG FÜR … e.V.
Frau Manuela Schlereth war mir wieder beim Schreiben und Gestalten sehr hilfreich. Herr Paul Werner Hildebrand und Frau Jessica Maron (Fa. Organic-Markencommunikation, Frankfurt) halfen beim Buchcover und Probelesen.
Georg Sedlmaier
Die Errungenschaften unserer hoch technisierten Welt und die Annehmlichkeiten einer klimatisierten Wohnkultur haben die Menschen mehr und mehr von ihrer natürlichen Umwelt getrennt. Durch den Mangel an natürlichen Reizen unterbleiben die ausgleichende Gegenregulationen, die Reglersysteme verkümmern und sind in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt.
Der Reizverarmung bei den natürlichen Lebensreizen steht eine immense Reizüberflutung durch künstliche Reize (Lärm, Licht, Hektik, Medien usw.) gegenüber. Um dies auszugleichen, bieten sich die individuell abstufbaren, fein dosierbaren Wasseranwendungen in geradezu idealer Weise an.
Zitat von Sebastian Kneipp: »Wo Medikamente wenig oder gar nichts vermögen, kann mit Wasser der beste Erfolg erzielt werden; es ist deshalb nur schade, dass man das Wasser und die Anwendungen mit Wasser wenig kennt.«
Der Mensch ist als warmblütiges Wesen auf eine konstante Kerntemperatur angewiesen. Nur bei einer Körperkerntemperatur von 36–37 Grad können die Organe optimal arbeiten und so die Funktionen des Stoffwechsels gewährleisten. Auf Temperaturschwankungen reagiert der menschliche Organismus hochsensibel. Von Thermorezeptoren (Messfühlern), die am ganzen Körper in unterschiedlicher Anzahl vorhanden sind, werden Temperaturveränderungen wahrgenommen und über sensible Nervenbahnen an das Wärmeregulationszentrum ins Zwischenhirn gemeldet.
Der Regler im Wärmeregulationszentrum vergleicht nun den momentanen Ist-Wert mit dem vorgegebenen Soll-Wert und setzt im Körper Prozesse in Gang, die Folgendes bewirken:
Das verwendete Wasser ist als Wärme/Kälteleiter bestens geeignet, da bei gleicher Temperatur und Einwirkzeit die Wärmezufuhr bzw. der Wärmeentzug bei Wasser 22fach höher liegt als bei Luft.
Das Thermoregulationssystem ist den Organsystemen hierarchisch übergeordnet. Durch relativ einfache, kleinflächige Kneippsche Kalt- und Wechsel-Anwendungen lassen sich alle vitalen Organsysteme aktivieren und durch Training zu optimaler Leistungsfähigkeit bringen. Besondere Bedeutung kommt hierbei dem Kaltreiz zu, da dieser dem Organismus aktive Reaktionen abverlangt. Dies wiederum stärkt auf sanfte Weise das Immunsystem, und ein gutes Immunsystem ist ja die Grundlage für unsere Gesundheit.
Ganz wichtig für eine Reiztherapie ist folgendes biologisches Grundgesetz:
Dies bedeutet, nicht der stärkste, gerade noch ausgehaltene Reiz ist der beste, sondern der schwächste, der noch eine ausreichend gute Reaktion hervorruft.
Die Reizstärke wird von jeder Person unterschiedlich empfunden. Unterschiedliche Parameter wie Konstitution, Kondition, psychische Verfassung, Alter, Geschlecht und Sensibilität, Umgebungstemperatur und Größe der gereizten Fläche sowie die Tageszeit sollten entscheiden, welche Anwendung durchgeführt wird und wie lang die Durchführungszeit ist.
Jede Anwendung ist gleichzeitig eine Zuwendung! Es kommt also nicht nur darauf an, was man macht, sondern auch darauf, wie man etwas macht.
Wichtiger Hinweis:
Bei Bluthochdruck empfehlen sich Anwendungen für den Unterkörper (Wassertreten, Kniegüsse, Schenkelgüsse, Unterkörperwaschungen).
Bei niedrigem Blutdruck sollten Anwendungen für den Oberkörper gewählt werden (Armgüsse, Armbäder, Oberkörperwaschungen). Oberkörperanwendungen sollten jedoch nur bis zum frühen Nachmittag durchgeführt werden, da sie anregend sind und das Einschlafen verhindern könnten.
Es werden in diesem Buch nur Kaltanwendungen beschrieben, die vor allem zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt werden.
Die Güsse sind eine Erfindung Sebastian Kneipps. Sie erlauben durch ihre Verschiedenheit eine exakt auf die Kondition und die Konstitution abgestimmte Anwendung.
Ursprünglich wurden die Güsse mit der Gießkanne durchgeführt, heute verwendet man im häuslichen Bereich ein Gießhandstück (Kneipp-Gießrohr), das an den Brauseschlauch aufgeschraubt werden kann oder einen Schlauch mit ¾ Zoll. Der Schlauch sollte ca. 1,5 m lang sein.
Am besten sollten die Güsse in der Bade- oder Duschwanne ausgeführt werden, in die ein kleiner Holz- oder Kunststoffrost gelegt wird, damit man nicht im abfließenden Wasser steht.
Bei den Güssen soll das Wasser den Körper gleichmäßig ummanteln, so dass der Temperaturreiz gleichmäßig auf ein exakt abgegrenztes Areal wirken kann. Der Wasserdruck sollte dabei sehr gering gehalten werden, um keinen Massageeffekt zu erzielen. Bei den Güssen ist auf eine lockere und entspannte Körperhaltung sowie auf eine ruhige, kontinuierliche Atmung zu achten. Es ist empfehlenswert, vor dem Kontakt mit kaltem Wasser einzuatmen und während des beginnenden Kaltreizes auszuatmen.
Die für den häuslichen Gebrauch geeigneten kalten Kneipp-Güsse können allein durchgeführt werden.
Durchführung: Der Wasserstrahl wird von der Kleinzehenseite des rechten Fußes über die Außenseite des Unterschenkels bis eine Handbreit über die Kniekehle geführt. Dort wird langsam waagerecht kurz ein paar Mal von rechts nach links gegossen. Danach wird der Wasserstrahl an der Innenseite des Unterschenkels abwärts geführt bis zum Innenknöchel. Am linken Bein verfährt man ebenso von außen nach innen. An der Vorderseite erfolgt die gleiche Linienführung wie an der Rückseite. Beginn ist wieder an der kleinen Zehe und eine Handbreit über dem Kniegelenk wird wieder waagerecht gegossen, bei Schmerzen im Kniegelenk evtl. auch kreisförmig um das Gelenk, danach abwärts bis zur großen Zehe.
Wirkung:
Stärkung der Abwehrkräfte, verstärkte Durchblutung der Haut und Muskeln, Gefäßtraining für die Venen, Hilfe bei Kniegelenksarthrosen, Senkung des Blutdrucks, Beruhigungs- und Einschlafhilfe.
Durchführung: Der Schenkelguss wird wie der Knieguss durchgeführt, nur wird der Wasserstrahl hinten bis über den Beckenkamm und vorne bis über die Leistenbeuge geführt.
Wirkung:
Entkrampfung und Lockerung der Beinmuskulatur, Hilfe bei Hüft- und Kniegelenksarthrosen, Hilfe bei entzündlichen Ischias- oder Rückenbeschwerden, Beruhigungs- und Einschlafhilfe.
Durchführung: An der rechten Hand beim kleinen Finger beginnen, bis über das Schultergelenk hoch gießen, am Schultergelenk etwas verweilen, jedoch den Wasserstrahl nicht an einer Stelle fixieren, dann an der Innenseite des Arms abwärts gießen bis zum Daumen und Zeigefinger.
Mit dem linken Arm ebenso verfahren, Beginn ist wieder beim kleinen Finger.
Wirkung:
Stärkung des Immunsystems, Erfrischung und Belebung für den Körper z.B. bei morgendlichen »Anlaufschwierigkeiten«, Frühjahrsmüdigkeit, Hilfe bei Entzündungen, z.B. Sehnenscheiden, Ellbogen, Schulter, Hilfe bei nervösen Herzstörungen, Herzmuskelschwäche, Hilfe bei Schwindelgefühl.
Der Gesichtsguss wird auch als »Schönheitsguss des Kneippianers« bezeichnet.
Durchführung: Mit dem abgeschwächten Gießstrahl rechts an der Schläfe beginnen, über die Stirn nach links und wieder zur rechten Schläfe zurück – 3 bis 4 Mal wiederholen, dann mit Längsstrichen von der rechten bis zur linken Gesichtshälfte, danach ca. 3 bis 4 Mal das Gesicht kreisförmig umrunden.
Anschließend das Gesicht mit einem weichen Tuch abtupfen, um durch die Verdunstungskälte den Trigeminusnerv nicht zu stark zu reizen.
Wirkung:
Belebung, Straffung und Erfrischung der Haut, Förderung der Hautdurchblutung, Abhilfe bei Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, geistiger Ermüdung, Hilfe bei Ermüdung der Augen nach langem Lesen und konzentrierter Arbeit, stärkt die kleinen Augengefäße und hilft Ablagerungen zu vermeiden oder abzubauen (altersbedingte Makuladegeneration).
Durchführung: Nach einem Vollbad, warmem Duschen oder Saunabesuch.
Vor dem Guss das Herz und die Stirn kurz abkühlen. Wie beim Schenkelguss rechts außen am Fuß beginnen, über den Hüftkamm gießen, an der Innenseite des rechten Beins abwärts bis zum Innenknöchel. Dasselbe am linken Bein. Danach die Vorderseite der Beine wieder von außen nach innen gießen, zuerst rechts, dann links. Danach an der rechten Hand außen beginnen, bis zur Schulter gießen, innen zurück zur Hand. Dasselbe am linken Arm. Kreisförmig im Uhrzeigersinn um den Bauch gießen, dann über die Brust bis zur rechten Schulter hochgießen, dabei 2/3 des Wassers nach vorne und 1/3 des Wassers nach hinten gießen, zur linken Schulter wechseln. Eventuell kurz kreisförmig das Gesicht abgießen. Nicht abtrocknen, Wasser nur abstreifen. Für Wiedererwärmung sorgen.
Diese Anwendung ist ohne vorheriges Vollbad oder Saunabesuch nicht für Anfänger geeignet!
Es wird auch die »Tasse Kaffee des Kneippianers« genannt.
Durchführung: Waschbecken mit kaltem Wasser (12–18 Grad Celsius) füllen, Arme eintauchen bis zur Mitte der Oberarme, bis das Kältegefühl spürbar wird. Ruhig weiteratmen. Nicht auf die Uhr schauen, sondern das Wasser verlassen, sobald die Anwendung nicht mehr angenehm ist. Nach dem Bad das Wasser mit der Hand abstreifen, für Wiedererwärmung sorgen.
Wirkung:
Stärkung der Abwehrkräfte, Förderung der Blutzirkulation in den Armen, Anregung des Stoffwechsels, Durchblutungsförderung für den Herzmuskel, Erfrischung bei Abgeschlagenheit und Müdigkeit, Schmerzlinderung bei Ellbogenbeschwerden.
Durchführung: Badewanne oder großen Eimer wadenhoch mit kaltem Wasser füllen, im Storchenschritt (Beine ganz aus dem Wasser heben) durch das Wasser waten, bis ein Kältegefühl eintritt. Danach für Wiedererwärmung sorgen.
Wirkung:
Stärkung des Immunsystems, Förderung des venösen Rückflusses, Hilfe bei müden oder schweren Beinen, Stoffwechselanregung, Hilfe bei Kopfschmerzen, Hilfe bei zu hohem Blutdruck, Beruhigungs- und Einschlafhilfe, Abhilfe bei Fußschweiß.
Zu den mildesten, jedoch sehr wirkungsvollen Anwendungen gehören die
Durchführung: Ein Leintuch in kaltes Wasser tauchen, leicht auswringen, dass es noch gut feucht ist und noch Wasser abgeben kann. Am rechten Arm außen beginnen, das Tuch ohne Druck bis über das Schultergelenk führen, dann das Tuch wenden und an der Innenseite des Arms bis zum Daumen bzw. Zeigefinger abwärts, dann das Tuch wieder frisch nass machen und von der Handfläche bis zur Armbeuge waschen. Dann den vorderen Oberkörper waschen, beginnend beim Hals, von rechts nach links. Dann das Tuch an der rechten Schulter anlegen und bis zum Hüftgelenk senkrecht abwärts waschen, Tuch wenden und etwas weiter links wieder nach oben in Richtung Hals führen. So weiterwaschen, bis die Vorderseite des Oberkörpers gut befeuchtet ist. Anschließend den Nacken und den Rücken ebenso waschen, wie die Vorderseite des Oberkörpers. Abschließend im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel 3–4 Mal kreisförmig waschen.
Wichtig ist, dass das Tuch immer wieder befeuchtet wird, um eine Kaltanwendung zu erreichen.
Wirkung: Hilfe bei Bronchitis, leichter Erkältung, Erleichterung bei Heuschnupfen und Schnupfen (mehrmals täglich anwenden), Erfrischung des Kreislaufs, Herzentlastung, Hilfe bei Nervosität und Niedergeschlagenheit, Stärkung des Immunsystems
Durchführung: Beginn ist am rechten Bein am kleinen Zeh über den Außenknöchel und das Gesäß. Tuch wenden. Abwärts an der hinteren Innenseite des Beins bis zum Innenknöchel, dasselbe am linken Bein. Danach folgt die Vorderseite der Beine, beginnend wieder am rechten Bein am kleinen Zeh, über das Hüftgelenk, Tuch wenden und abwärts an der vorderen Innenseite des Beins bis zur großen Zehe. Zum Abschluss die Fußsohlen waschen.
Wirkung:
Stärkung der Nerven, Hilfe bei rheumatischen Erkrankungen, Hilfe bei Arthritis und Arthrosen, Linderung venöser Durchblutungsstörungen, Beruhigungs- und Einschlafhilfe.
Um eine nachhaltige Veränderung der Gesundheit zu erreichen, sollten die Wasseranwendungen regelmäßig durchgeführt werden, d.h., es sollte täglich eine Anwendung mit kaltem Wasser durchgeführt werden. Es empfiehlt sich, alle Anwendungen auszuprobieren, um die Wirkung zu erfahren. Nach spätestens 4–6 Wochen regelmäßig durchgeführter Wasseranwendungen werden Sie eine deutliche Änderung Ihres Allgemeinbefindens feststellen und die Wasseranwendungen weiter durchführen wollen. Hören Sie auf Ihre innere Stimme und lassen sich von ihr führen.
Wasseranwendungen nach Sebastian Kneipp sind hier empfohlen zur Vorbeugung und Erhaltung der Gesundheit sowie zur Linderung von leichten Befindlichkeitsstörungen. Bei länger anhaltenden oder unklaren Beschwerden ist selbstverständlich der Gang zum Arzt unerlässlich.
Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg mit den Wasseranwendungen und möchte Ihnen noch ein Zitat von Sebastian Kneipp mit auf den Weg geben:
»Ich glaube, dass ich kein Heilmittel anführen kann, das sicherer heilt als das Wasser. Aber ich warne euch vor zu vielen Wasseranwendungen. Die Natur soll man nicht überladen!«
Gisela Antor, geb. 1961 in Kempten, verheiratet, 2 erwachsene Töchter, Kneipp-Gesundheitstrainerin, ausgebildet an der Sebastian-Kneipp-Akademie in Bad Wörishofen. Hauptberuflich in einer Beratungsstelle für Blinde und Sehbehinderte als Verwaltungsangestellte und Beraterin tätig.
Im Jahr 2007 habe ich meine Ausbildung als Kneipp-Gesundheitstrainerin in Bad Wörishofen absolviert. Durch die regelmäßig durchgeführten Wasseranwendungen habe ich mein Immunsystem wieder gestärkt und bin dadurch zu guter Gesundheit gelangt, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Seit meiner Kindheit hatte ich ein schwaches Immunsystem, Asthma, sehr viele Allergien und starke Neurodermitis, was die Lebensqualität sehr beeinträchtigte. Erst seit ich für meine Gesundheit die Eigenverantwortung übernommen habe, geht es mir besser und besser.
Die Lehre Kneipps mit den 5 Wirkprinzipien Wasser, Ernährung, Bewegung, Heilpflanzen und Lebensordnung ist für mich sehr wertvoll geworden. Mein Wissen und die persönlichen Erfahrungen gebe ich seit dem Abschluss meiner Ausbildung mit großer Begeisterung in Vorträgen oder Einzelgesprächen an interessierte Menschen weiter und freue mich über viele positive Rückmeldungen.
Kontakt: Gisela Antor, Karlstr. 11, 87437 Kempten, Tel. 0831-67857 Email: [email protected]
Wasser ist der Ursprung von allem
Thales von Milet (um 625–545 v.Chr.),
griechischer Philosoph und Mathematiker,
einer der Sieben Weisen
Als im Dezember 2015 die Kneippsche Gesundheitslehre in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe ernannt wurde, war dies für die gesamte Kneippbewegung eine große Freude und Ehre. Es ist jedoch auch der Auftrag, diese einmalige Naturheillehre noch bekannter zu machen, damit möglichst viele Menschen davon profitieren können. Denn ein gutes und gesundes Leben ist kostengünstig zu haben und einfach zu praktizieren.
»Gesundheit erhält man nicht im Handel, sondern durch den Lebenswandel.«
So lautet eine der bekannten Aussagen Sebastian Kneipps, der auch als Wasserdoktor bekannt ist. Ein Doktor, ein Arzt, war er freilich nicht, aber ein großer Heiler, ein Mensch mit einem besonderen Charisma. Wer war nun dieser Mann?
Sebastian Kneipp war katholischer Priester, der am 17. Mai 1821 in eine ärmliche Familie in der Nähe von Ottobeuren im Unterallgäu geboren wurde. Als junger Mann litt er an Tuberkulose, damals eine tödliche Krankheit. Durch kalte Wasseranwendungen konnte er sein Immunsystem so stark machen, dass er gesund wurde. Kneipp forschte weiter: Er wollte wissen, was Wasser darüber hinaus bewirken kann. Wasser wurde für ihn zum ersten wichtigen Wirkprinzip, zum Heilmittel. Neben dem Wasser hat Kneipp seiner ganzheitlichen Gesundheitslehre weitere Prinzipien hinzugefügt: Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung.
So wusste auch Kneipp, dass eine moderate, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft gesundheitsförderlich ist. Die Sportmedizin hat dies inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen. Ebenso ist nachgewiesen, wie schädlich das viele Sitzen ist. Kneipp empfahl den Kranken, die unter Bewegungsmangel litten, Holz zu hacken. Aus der Bioenergetik weiß man um die heilsame Wirkung dieser Tätigkeit.
»Vorbeugen sollt ihr durch Kräuter und nicht das Übel erst groß werden lassen.«
Die Natur als Apotheke: Kneipp kannte die Wirkung der heimischen Kräuter und Heilpflanzen bei vielen Alltagsbeschwerden. In seiner Kräuterheilkunde werden nur mild wirkende Pflanzen verwendet, also solche, die keine Giftstoffe enthalten. Er empfahl z.B. Kümmel, Anis, Fenchel, Pfefferminze bei Verdauungsbeschwerden, Holundersaft als Vorbeugung gegen Erkältungen, Lindenblütentee zur Schwitzkur bei Erkältungskrankheiten, Johanniskraut zur Unterstützung der Behandlung bei nervöser Unruhe, Ringelblumen bei Entzündungen der Haut, Rosmarin gegen allerlei Befindlichkeitsstörungen und zur allgemeinen Anregung. Die diversen Kräuter und Heilpflanzen wurden von ihm nicht nur in Form von Tees, sondern auch als Tinkturen, Säfte, Salben und Badezusätze verwendet. Dies ist auch heute noch so.
»Der Weg zur Gesundheit führt durch die Küche, nicht durch die Apotheke.«
Dieses Zitat von Kneipp zeigt, wie wichtig ihm die Ernährung war. Zu einem gesunden Leben gehört eine möglichst naturbelassene, abwechslungsreiche Ernährung, im Prinzip eine Vollwertkost. Außerdem sollten die Lebensmittel aus der Region kommen und saisongemäß verzehrt werden. Wir wissen heute, wie ökologisch und ökonomisch sinnvoll diese Forderung ist. Die Nahrung soll ein Lebensmittel sein, ein Mittel zum Leben. Ein schadstoffbelastetes, industriell verändertes Nahrungsmittel, wie es heute leider üblich ist, kann das wohl nicht sein!
Es gibt bei Kneipp keine dezidierten Ernährungsvorschriften, er war kein Vegetarier, kein Veganer und schon gar kein Asket. Im Gegenteil: Sebastian Kneipp hat selbst gerne gut gegessen. Jedoch war es zu seinen Lebzeiten üblich, höchstens einmal in der Woche Fleisch zu essen, vor fettem Fleisch hat er gewarnt.
Kneipp wusste auch um die bekömmliche und wohltuende Wirkung des gemeinsamen Mahlhaltens. Eine seiner Empfehlungen lautet, regelmäßig und maßvoll zu essen. Wenn man merkt, dass man satt ist, hat man schon zu viel gegessen. Zwischen den Mahlzeiten soll genügend Zeit für die komplette Verstoffwechselung der Nahrung sein, d.h. erst dann wieder essen, wenn sich Hunger bemerkbar macht. Die Nahrungsaufnahme soll ein bewusster Vorgang sein, wobei das Sprichwort »gut gekaut ist halb verdaut« hier seine Richtigkeit hat.
