Gianni Kuhn -  - E-Book

Gianni Kuhn E-Book

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Beschreibung

Der vorliegende Materialienband gibt einen Überblick über das literarische sowie auch über das künstlerische Werk von Gianni Kuhn aus Frauenfeld.

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Porträtskizzen, Widmungen, Würdigungen

Zsuzsanna Gahse

·

Katrin Zürcher

·

Klaus Isele

·

Peter Salomon

·

Barbara Fatzer

Dialog/Lesungsberichte

30 Fragen an Gianni Kuhn

·

Ein Lyrikabend auf dem Wolfsberg

·

Mit Poesie Grenzen überschreiten

·

Eine Hommage an die Sprache

·

Das Haus als Partitur lesen

·

Von Kirschbäumen und Museen

·

»Ich habe die Freiheit der Form«

·

Poesie in aller Kürze

Literaturkritik 1: Rezensionen

»alpseen. meerkanten. anderorten.«

·

»festland für matrosen«

·

»Splitter der Tage«

·

»Der Falschspieler«

·

»Amor als Sieger«

·

»Tage in Wien«

·

»Wie atmet ein Fahrradfahrer«

·

»Im Fallen begriffen«

·

»Calais – Dover«

·

»Weit, breit, kurz, klein«

·

»In allen Dingen«

·

»Dublin«

Literaturkritik 2: Gedichtinterpretationen

Martha Götz

·

Hermann Kinder

Literaturkritik 3: Essays, Aufsätze, Überblicke

Barbara Fatzer

·

Klaus Hübner

·

Suzanne Kappeler

Gianni Kuhn: Eine Fotogalerie

Bibliographie

Editorische Notiz

Über die Autoren

Text- und Bildnachweise

Porträtskizzen, Widmungen, Würdigungen

Zsuzsanna Gahse

Kurzfilm mit Roland

Manch einem stehen Beinamen und zusätzliche Bezeichnungen zu, die Zusätze bieten sich an, sie fallen einem zu, sind IM FALLEN BEGRIFFEN, um Gianni Kuhn mit einem seiner Buchtitel zu zitieren, um hier die Wörter dessen einzusetzen, von dem die Rede ist. Sein Name ist an sich schon passend, erstens Gianni, leicht südlich im Auftreten, mit Kräuselhaaren, zweitens geradezu kühn, und zusätzlich käme der Name Roland in Frage. Nicht etwa der allgemein bekannte Rasende Roland, sondern der Ruhige Roland, der ruhig Eilende. Tagsüber ist er unentwegt unterwegs, deshalb Roland. Im Ittinger Kunstmuseum tritt er mit einem Mal aus einer der Türen, verschwindet schnell wieder im ehemaligen Wandelgang, steht plötzlich wieder vor einem, und diese Begegnungen muss sich ein Fremder in einem Kloster vorstellen, dort befindet sich das Museum, es ist ein Teil der allgemein bekannten Kartause Ittingen. In der Kartause gibt es lange Gänge und viele Türen, keine Tapetentüren, aber Roland taucht jeweils so unerwartet auf, als würde er aus einer Tapetentür hervortreten, und zu sehen ist er nicht nur innerhalb des Kunst-Klosters, sondern auch ANDERORTEN. Vorübergehend wird er draußen vor dem Museum zwischen den Hecken und auf dem Kiesweg gesichtet. Er hat etwas zu erledigen. Nicht nur in Ittingen. In dieser Gegend nahe dem Bodensee gibt es keine überdimensionierten Städte, hingegen mehrere städtische Orte, zum Beispiel Frauenfeld, Kreuzlingen wäre ein zweites Beispiel, und an beiden Orten ist er schon mehrfach an mir mit einem Tempo vorbeigehuscht, dass ich ihn weder ansprechen, noch ihm etwas zurufen konnte. Insofern ist er doch der Rasende Roland. Unterwegs ist er in Sachen Kunst, und Roland ist mehrfach kunstverbunden, tagsüber für das Museum und dessen Umfeld, außerhalb der Tagesarbeit trifft er die Kunst in den eigenen vier Wänden an, zu Hause kommt sie ihm entgegen, seine Frau nämlich, die Bildende Künstlerin, und irgendwann setzt sich Roland an seinen Schreibtisch und sucht nach den Wörtern oder Zeilen, die er teils wohl schon beim Tageshuschen im Kopf hatte, und die schreibt er auf. Am Schreibtisch geht es um die Schreibende Kunst. Wahrscheinlich fährt er am Folgetag mit neuen Sätzen zur Kartause, und wenn Roland namens Gianni Kuhn zwischen den Klostermauern jemandem begegnet, mir zum Beispiel, grüßt er ruhig und geht weiter, und dabei entstehen weitere Sätze, die er am Abend aufschreibt.

Katrin Zürcher

Umgeben von Büchern und Schneckenhäuschen

Sein Arbeitsplatz ist ihm Inspiration: Der Frauenfelder Schriftsteller Gianni Kuhn beschreibt in seinen Gedichten und Geschichten den ganz alltäglichen Wahnsinn. Die Ideen dazu findet er auch unterwegs oder bei seiner Arbeit in der Kartause Ittingen.

Gianni Kuhns Gedichte und Geschichten entstehen mitten in Frauenfeld, in einem Arbeitszimmer mit altem Parkett und hoher Stuckdecke. Der Schriftsteller teilt es mit seiner Frau, der Fotokünstlerin Simone Kappeler. Arbeiten beide gleichzeitig darin, sitzen sie sich gegenüber. Auf seiner Seite stehen Laptop und Bücher, auf ihrer gibt es eine Sammlung von Steinen und Schneckenhäuschen. An den Längswänden stehen zwei grosse Aquarien mit Kongo- Salmlern. Meistens arbeiten beide an eigenen Projekten, manchmal auch an gemeinsamen. Der Blick aus dem Fenster des Arbeitszimmers geht auf die Zürcherstrasse und zum Coop Schlosspark. Das Paar bewohnt das Elternhaus von Simone Kappeler seit vielen Jahren; hier sind auch ihre drei zwischen 1984 und 1989 geborenen Söhne aufgewachsen.

»Ich schaue gern zum Fenster hinaus«, sagt Gianni Kuhn, »beobachte Menschen, stelle mir vor, wo im Leben sie stehen.« Aus fast allen Beobachtungen könnten Geschichten entstehen. Das Schreiben ist ihm ein Bedürfnis. »Ich könnte nicht sein ohne, das wäre ungesund.« Erste, kritische Lektorin der Geschichten und Gedichte ist seine Frau, erst danach wird der Verleger einbezogen. Neun Bücher sind bisher im kleinen süddeutschen Verlag Isele erschienen. Gedichte, Roman und Novelle, Erzählungen, Kurzgeschichten. Das jüngste Werk »Calais – Dover« ist eine Sammlung von Geschichten aus Frankreich. Frankreich ist Gianni Kuhn zur »kleinen Heimat« geworden, wie er sagt. »Ich mag die Sprache, die Kultur, die Landschaft, das Essen.« Früher reiste die Familie jeden Sommer nach Südfrankreich, heute zieht es ihn eher nach Paris. Auf Reisen hat er immer ein kleines blaues Heft dabei. Er zieht ein paar der Hefte aus dem Regal. »Prag« steht auf einem, »London« und »Wien« auf anderen.

Ins Heft »Paris« notierte er die Szene mit der jungen Frau, die sich eines frühen Morgens vor seinem Hotelfenster nahe Nôtre-Dame abspielte. »Sie redete mit zwei jungen Männern, die auf einem Motorrad kamen. Es war ein Hin und Her, sie fuhren weg, kamen zurück, redeten wieder.« Zu Hause in Frauenfeld entstand daraus eine Kurzgeschichte, die er auf seinem Laptop unter »Paris« gespeichert hat. In Dutzenden von virtuellen Ordnern reifen die Geschichten, bis sich ein Thema verdichtet und ein Buch entsteht. Beim Schreiben lässt sich der 57-Jährige treiben und schaut, wohin ihn der Text führt, wie sich seine Figuren entwickeln, was sie denken und tun. Sein Interesse gilt dem Kleinen, dem Unscheinbaren – »dem ganz alltäglichen Wahnsinn«. Ideen für seine Geschichten findet er auf Reisen, im Strassencafé oder bei der Arbeit.

Dass sein bislang einziger Roman, »Der Falschspieler« aus dem Jahr 2004, im Umfeld eines Kunstmuseums spielt, ist kein Zufall. Gianni Kuhn hat darin manches beschrieben, was er aus eigener Erfahrung kennt. Seit 1984 arbeitet er im kantonalen Kunstmuseum, zuerst in einem Pensum von 50 Prozent, heute zu 70 Prozent als Leiter der Ausstellungstechnik. Im Lauf der Jahre hat er ungezählte Kunstausstellungen eingerichtet, die Wünsche der Künstlerinnen und Künstler erfüllt, den Rücktransport der Werke organisiert. Wie hat sich der Kunstbetrieb in den rund 30 Jahren verändert? »Früher gab es nur zweierlei«, antwortet er, »Bilder an der Wand und Skulpturen auf Sockeln.« Es genügte zu wissen, wie und auf welcher Höhe Bilder anzubringen waren. »Dann hat sich das Video eingeschlichen, plötzlich brauchte es Monitore und Beamer, das räumliche Denken wurde wichtiger.« Er findet den installativen Bereich der Kunst, das Arbeiten in den Raum hinein, sehr faszinierend, obgleich er einräumt: »Zehn Videos zu installieren ist anstrengender als hundert Bilder aufzuhängen.«

Bevor Gianni Kuhn in Frauenfeld sesshaft wurde, bereiste er die ganze Welt. 1955 geboren und in Gossau aufgewachsen, studierte er in Zürich ein paar Jahre Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie, absolvierte die Kunstgewerbeschule St. Gallen und die Theaterschule Paris. Sein Geld verdiente er mit den verschiedensten Jobs. In New York verliebte er sich in Simone Kappeler. Als das erste Kind unterwegs war, liess sich das Paar in Frauenfeld nieder. Er fand eine Teilzeitstelle im Kunstmuseum und kümmerte sich um die Kinder: »Ich war einer der ersten Männer, die mit einem Buggy unterwegs waren.« Sooft Zeit übrig blieb, malte, schrieb und musizierte er. Seit der Veröffentlichung seines ersten Buchs im Jahr 1999 konzentriert er sich künstlerisch aufs Schreiben. Diesem ersten Buch, dem Gedichtband »alpseen. meerkanten. anderorten.« ist das folgende Gedicht entnommen:

lass mich einmal

lass mich für einmal

ins blaue starren,

ins land fahren,

einen baum rammen,

mit dem leben davonkommen

amen

Klaus Isele

Der genaue Beobachter unseres Alltags

Gianni Kuhn nimmt unter allen »meinen« Autoren eine Sonderstellung ein. Er ist der einzige, dessen sämtliche Werke ausschließlich in der Edition Isele erschienen sind. Das hat man als Verleger gerne. Und Gianni ist auch der einzige Edition-Isele-Autor, der die Umschläge all seiner Bücher stets zusammen mit dem Verleger gestaltete – beide stundenlang vor dem Computerbildschirm sitzend, Buchstaben verschiebend, Farbtöne verändernd, die Gesamtkomposition immer wieder betrachtend und eine Textzeile dann doch noch um etwa acht Millimeter nach unten oder nach oben rückend.

Von allen Edition-Isele-Autoren ist Gianni meines Erachtens der am meisten unterschätzte; sein schriftstellerisches Œuvre ist bislang noch nicht ausreichend erkannt und gewürdigt worden – was sich hoffentlich bald ändern wird. Ich bin da zuversichtlich, denn Gianni zeichnet sich durch eine seltene Mischung aus Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit aus, verbunden mit der Gelassenheit und dem Zukunftsoptimismus eines unabhängigen Künstlers (obwohl er in finanzieller Hinsicht keineswegs »frei und unabhängig« ist). Er steht mit den Füßen eines emsigen Arbeiters im Lebensalltag (der auch sogenannte unkreative Brotarbeit enthält), während sich im Kopf des Künstlers die Gedanken zu Sätzen formen, die dann zu Papier gebracht werden. In aller Stille arbeitet er an den Stoffen, die ihn interessieren, und gibt sie dem Verleger erst zur Kenntnis, wenn das Manuskript komplett abgeschlossen ist. Ich bin immer wieder überrascht, wenn eines dieser Werke plötzlich unangekündigt in der Post ist, und ich staune über die Zurückhaltung des Autors, der lieber über bereits geschriebene Texte redet als über Romanpläne, Rohentwürfe, unfertige Skizzen.

Aus vielerlei Gründen ist mir Gianni Kuhn einer der liebsten und von der Lebensphilosophie her nahestehendsten Autoren.

Daß der als Lyriker gestartete Frauenfelder Autor meinem Rat folgte und nach Kurzprosa und Erzählungen inzwischen auch eine Novelle und zwei Romane veröffentlichte, freut mich sehr für ihn. Denn die Resonanz auf diese Prosawerke gibt dieser Entscheidung in vollem Umfang recht.

Peter Salomon

Der See stiftet Begegnungen, der See trennt

Ende der 1960er Jahre bin ich von Berlin nach Südbaden gekommen, zuerst nach Freiburg, wenig später nach Konstanz am Bodensee. Hier war ich als Gerichtsreferendar zur Ausbildung für das Zweite juristische Staatsexamen. Außerdem hatte ich den Ehrgeiz, als junger Dichter in der Region Fuß zu fassen. Einige Veröffentlichungen hatte ich schon in Berlin und Freiburg in Zeitschriften und Anthologien plazieren können. Jetzt interessierten mich also auch die Themen der Literatur, die in der Region im Gespräch waren. Es brauchte kein detektivisches Vorgehen, um zu bemerken, daß es eine breite Regionalismus-Debatte gab, die über die engen Überlegungen, wie Literatur heute sein könnte, hinausging. In Freiburg wurde das »Dreyecksland« beschworen, weil Freiburg im Dreiländereck Deutschland–Schweiz– Frankreich liegt. Und in Konstanz war es die »Kleine Internationalität« der Bodenseeregion mit den Anrainerstaaten Vorarlberg (Österreich), der Westschweiz und eben Deutschland (teils badisch, teils oberschwäbisch). Beide Regionen reklamierten schon früh für sich, daß hier ein Kleines Europa gelebt werde.

Für den Berliner, der mit der Mauer und schikanösen Grenzkontrollen der DDR-Grenzsoldaten aufgewachsen war, war es eine unglaubliche Erfahrung, daß man zu Fuß vom deutschen Konstanz völlig unkontrolliert in die schweizerische Nachbarstadt Kreuzlingen laufen und dort zu Mittag essen und einkaufen konnte. Das war wie ein Ferienausflug, der jederzeit möglich war. Einerseits war schon ziemlich viel zusammengewachsen, es gibt eine (fast) gleiche Sprache, eine Literatur, die über die Grenzen hinaus interessiert und die in allen Anrainerländern verkauft und gelesen wird – und es gibt politisch-wirtschaftliche Entwicklungen, die überall ähnlich sind und die kritische Intelligenz in ihrer Ablehnung eint.

In Aufsätzen, Statements und Diskussionen wurde aber auch immer darauf hingewiesen, daß der Bodensee eher ein trennendes als ein verbindendes Element sei. Die Dichter der verschiedenen Staaten bleiben als Personen lieber unter sich, scheint es. In Meersburg gibt es eine Autorenrunde der Bodenseedichter. Auf der Liste der Teilnehmer stehen fast nur Deutsche; die Schweizer und Österreicher kann man an einer Hand abzählen. Und wenn sie auf der Liste stehen, heißt das noch lange nicht, daß sie auch zu den Treffen auf die Meersburg kommen. Was die Schweizer betrifft: Serge Ehrensberger kam ein paar mal. Auch Beat Brechbühl soll mal dagewesen sein. Gianni Kuhn stand jedenfalls längere Zeit auf der Liste, ob das heute noch der Fall ist, weiß ich nicht, denn ich bin nicht mehr so up to date; wir sind uns jedenfalls nie begegnet. Ganz ähnlich steht es mit den deutschen Anthologien, die in den letzten Jahrzehnten über die Bodensee-Dichter erschienen sind: Der Anteil der österreichischen und Schweizer Autoren ist marginal klein. Was Gianni Kuhn betrifft, so ist sein Übersehenwerden noch irgendwie verständlich, weil er sich als Autor-Persönlichkeit extrem zurücknimmt. So heißt es etwa in einem Gedichtband in der Autoren-Notiz: »Gianni Kuhn lebt und schreibt in Frauenfeld und unterwegs.« Aha.

Daß Gianni Kuhn und ich uns trotzdem kennen (und zwar nicht nur als Leser, sondern auch von Angesicht) liegt daran, daß wir schon lange Autoren des gleichen Verlages sind. Wir haben beide relativ viele Bücher dort erscheinen lassen. Gianni Kuhn hat sogar ausschließlich in der Edition Isele seine Bücher verlegt. Und Klaus Isele hat mich bei meinen Besuchen im Verlag immer wieder auf diesen Autor hingewiesen und mich mit dessen »Drucksachen« versorgt. So besitze ich inzwischen fünf Prosabücher (Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen, ein Roman) und vier Gedichtbände. Und ich muß sagen, ich teile die Vorliebe meines Verlegers uneingeschränkt. Besonders hat es mir Gianni Kuhns kurze Prosa angetan, in der es ihm gelingt, aus den alltäglichsten Ereignissen und fast banalen Beobachtungen fesselnde Schlüsse zu ziehen. Selbst wenn er seinen Stoff ohne Pointe und ohne »Moral« einfach so stehen läßt, schaue ich gebannt darauf wie auf ein gutes Foto, das einen ganz in seine Geschichte hinein nimmt. Von seinen Gedichtbänden mag ich besonders den, wo kein Gedicht länger ist als zwei Zeilen (zählt man die Titel dazu, wären es jeweils drei). Hier kommt die gleiche Wirkung wie bei der Kurzprosa zustande.

Persönlich habe ich Gianni Kuhn bei der Veranstaltung der Stadt Friedrichshafen kennengelernt, die der Kulturreferent Franz Hoben zu meinem fünfundsechzigsten Geburtstag ausgerichtet hat. Ich sollte nicht nur alleine als Autor lesen, und es sollte nicht nur eine Rede auf mich geben, es sollten zusätzlich zwei andere Autoren zum Lesen eingeladen werden, damit das Publikum mich im Kreis von Freunden und Kollegen wahrnimmt. Ich fand das eine gute Idee, wußte aber bis zum Veranstaltungsbeginn nicht, wer denn nun die Kollegen sein würden. Viele, mit denen ich seit Jahrzehnten in freundschaftlichem Kontakt stand, kamen in Betracht. Umso größer war die Überraschung, als zwei Schweizer erschienen, denen ich noch nie begegnet war, wohl aber ihre Literatur kannte. Neben Gianni Kuhn war es Markus Bundi, auch ein Isele-Autor. Es war aber weniger die Verlagsverbundenheit von uns dreien, die Franz Hoben bewogen hatte, sie dazuzuladen. Es ging ihm mehr um »die kleine Internationalität« am See und darum, neue Kontakte zu stiften.

Seither gehört Gianni Kuhn also zu meinem »engeren Kreis« - zumindest in der Phantasie (und sicherlich, wenn mal die Herausgabe einer Anthologie oder eine Veranstaltung ansteht) –, aber in der Realität ist es (leider) bisher bei dieser einen Begegnung geblieben. Vermutlich weil der See Begegnungen stiftet und weil der See trennt.

Barbara Fatzer

weit und breit und kurz und klein

…Reden wie die Bäume rauschen

erst allmählich