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Das Gitagovinda (Sanskrit: Gitagovinda "Der durch Lieder gepriesene Govinda") ist ein Sanskrit-Gedicht, das im 12. Jahrhundert vom Autor Jayadeva am Königshof von Bengalen verfasst wurde. Es beschreibt in zwölf Gesängen die Liebesbeziehung zwischen des Hindu-Gottes Krishna (Govinda) mit seiner Gefährtin Radha und den Gopis (Hirtenmädchen). Das Gitagovinda verbindet Erotik mit religiöser Mystik, indem die Liebesabenteuer Krishnas gemäß der Bhakti-Lehre mit der hingabungsvollen Verehrung des Gottes durch die Gläubigen gleichgesetzt werden. Das Werk hat großen Einfluss auf die Krishna-Religiosität ausgeübt und wurde auch in Europa früh rezipiert. Die erste englische Übersetzung stammt von William Jones (1807), ins Deutsche wurde das Gitagovinda unter anderem von Friedrich Rückert (1837) übersetzt. (aus wikipedia.de)
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Seitenzahl: 70
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Gitagovinda- Ein Singspiel von Jayadeva
In der Übersetzung von Friedrich Rückert
Inhalt:
Gitagovinda oder die Liebe des Krsna und der Radha
I
II
III
IV
V
VI
VII
VIII
IX
X
XI
XII
Anmerkungen
Zu den Gesängen
Nachwort
Gitagovinda, Friedrich Rückert
Jazzybee Verlag Jürgen Beck
Loschberg 9
86450 Altenmünster
ISBN: 9783849600105
www.jazzybee-verlag.de
Im Frühlingshauch, mit frühlingsblumenzartem Leib,
Im Walde wallend, Krsna suchend überall,
Von Kama's Kummer schwer bedrängt, verwirrten Sinns,
Ward Radha von der Freundin angeredet so:
(26)
Unter malayischem, duftende Nelkengebüsche besuchendem Hauche,
Unter dem bienenumschwärmten, von Kokila's Rufen ertönenden Strauche,
Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.
(27)
Wo sich von Frau'n der Verreisten erheben aus sehnender Liebe die Klagen,
Bakula-Kronen den immenbelagerten Blütengeweben entragen;
Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.
(28)
Wo sich mit Moschusgedüfte berauschet das junge Gesproß der Tamalen,
Kimsuka-Blüten wie Madana's Nägel, die herzenzerreißenden, strahlen;
Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.
(29)
Wo wie die Zepter des Königs Ananga sind blühende Kesara's golden,
Bienengefüllet wie Köcher Kandarpa's sich zeigen die Patali-Dolden;
Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.
(30)
Wo die entfesselte Schöpfung erblickend die sprießenden Karuna's lachen,
Ketaki-Stengel wie liebeverwundende Spieße die Gegend umwachen;
Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die süß ist, wo Liebe geflohen.
(31)
Wo vom Gerank Atimukta's umarmet der Amra, der knospende, schaudert,
Durch Vrndavana's Dickicht sich schlingend die schlängelnde Yámuna zaudert;
Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.
(33)
Nun in dem Madhavi-Düfte verhauchenden, malikabalsam-betauten,
Selber die Sinne des Büßers berauschenden, zaubrischen Jugendvertrauten –
Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.
(32)
Aus Blumenstaube, der entstiebt gespaltnem Schoße
DerMalli-Blüte, webt ein hainbeflorend Florzelt
Er jetzt, der sengt das Herz wie Pañcabana's Odem,
Ketaki's Duftgespiel, Duftwagenlenker Lenzwind.
(35)
Auf den, hundert Frauen zu umfangen
Geizenden, liebreizendenMurari
In der Näh' hinzeigend, hat nun jene
Freundin wieder angeredet Radha'n:
(37)
Sandelgesalbeten bräunlichen Leibes im gelblichen Kleid, der Bekränzte,
Ringe des Ohres im Tanze bewegend um Wangen, von Lächeln beglänzte,
Hari im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.
(38)
Mit den erschwellenden wallenden Brüsten umfangend den Hari voll Preise
Singet ihm eine der Hirtinnen nach die gewirbelte Pañcama-Weise;
Hari im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.
(39)
Eine, die Lust hat aus lauschender Losheit der lockenden Augen getrunken,
Steht in Gedanken nun in Madhusudana's Antlitznymphäe versunken.
Hari im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.
(40)
Eine geschmiegt an die Seite der Wangen, um etwas ins Ohr ihm zu raunen,
Küsset geschwinde den Liebsten und machet den wonnedurchschauerten staunen.
Hari im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.
(41)
Eine des Wirbels der Wonne verlangende ziehet am Yamuna-Strande
Jenen zur luftigen Laube Gewandten zurück mit der Hand am Gewande.
Hari im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.
(42)
Wie die vom Taktschlag schütternden Spangen die Flöte begleiten im Schwunge,
Schwingt sich im rauschenden Reigen die andre, und Hari belobet die junge.
Hari im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.
(43)
Eine die halset er, eine die küsset er, herzet der herzigen eine,
Blicket nach jener mit lieblichem Lächeln und haschet die andere feine.
Hari im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.
(44)
Er, der allgemeine Wonne ruft hervor durch seine Gunst,
Dessen zarter Lotosleib weiht des leiblosen Gottes Fest,
Den nach Wunsch allgegenwärtig die Hainmädchen rings umfahn,
Sieh, o Freundin, wie im Frühling unbefangen Hari spielt!
(45)
Radha, während allverliebt im Haine Hari scherzte,
Ging hinweg, ob dem verlornen Vorzug eifersüchtig,
Und in einer Laube, deren Wipfel laut von Bienen-
Schwärmen tönte, sprach mit Härmen sie zur Freundin also:
(1)
Der mit dem Nektar der Lippe versüßet den Ton des bezaubernden Rohres,
Flitternden Blickes und flatternden Kranzes, geschütterter Ringe des Ohres,
Dort wie sich Hari gebärdet im Reigen,
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.
(2)
Dem mit beaugetem Pfauengefieder bespangt ist Fülle des Haares,
Reich mit Puramdara's Bogen bezogen das weiche Gewölk des Talares,
Dort wie sich Hari gebärdet im Reigen,
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.
(3)
Üppiggelendeten ländlichen Frauen zu küssen den Mund voll Begierde,
Süß bandhujivischen Lippengeknospes mit lockender, lächelnder Zierde,
Dort wie sich Hari gebärdet im Reigen,
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.
(4)
Mit den erschaudernden Ranken des Armes ein Hirtinnentausend umkränzend,
Mit bejuweleten Händen und Füßen und Busen das Dunkel durchglänzend,
Dort wie sich Hari gebärdet im Reigen,
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.
(5)
Schimmer von sandelbemaleter Stirn zu des Mondes Beschämung ergießend,
Schwellende Brüste mit ungestüm pochender Pforte des Herzens umschließend,
Dort wie sich Hari gebärdet im Reigen,
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.
(6)
Edelgesteiniges mákara-förmiges Ohrengehäng' um die Wangen,
Safrangemantelt, von Helden und Heiligen, Göttern und Geistern umfangen,
Dort wie sich Hari gebärdet im Reigen,
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.
(7)
Lehnend am weißen Kadamba, das Grauen und Grausen von Kali beschwichtend,
Mich mit Ananga's Gedanken und Blicken empor auch ein weniges richtend,
Dort wie sich Hari gebärdet im Reigen,
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.
(8)
Es zählet aller Zierden Zahl, und stößt sich nicht an die Verstoßung,
Es sehnet nach Versöhnung sich, und weiset ferne die Verschuldung;
Nach Krsna, der mit andern zwar sich letzt und ohne mich ergetzet,
Macht liebend wieder doch sich auf dies leide Herz! Was soll ich machen?
(10)
Mir, der verborgnen im laubigen Dach, ihn, den Schlummrer in nächtlicher Hülle,
Mir, der allspähenden furchtsames Blicks, ihn, den lachenden wonniger Fülle,
Freundin, den Kesi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spiele mir, liebesbewegt sich der wunschesgewährten zu paaren.
(11)
Mir, der bei seinem Erscheinen errötenden, ihn, den beredsamen Koser,
Mir, der mit lieblichem Lächeln begrüßten, ihn, der dies Gewand macht loser,
Freundin, den Kesi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spiele mir, liebesbewegt sich der wunschesgewährten zu paaren.
(12)
Mir, der aufs grünende Bette gesunkenen, ihn, der mir liege zur Seiten,
Mir, der bereiten zu Kuß und Umfang, ihn die Lippen zu saugen bereiten,
Freundin, den Kesi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spiele mir, liebesbewegt sich der wunschesgewährten zu paaren.
(13)
Mir mit ermattet gesunkenem Aug', ihn mit lustvoll erschauernden Wangen,
Mir, der im Tau der Erschöpfung zerfloßnen, ihn trunken von Zittern umfangen,
Freundin, den Kesi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spiele mir, liebesbewegt sich der wunschesgewährten zu paaren.
(14)
Mir, von des Kokila Girren umschwirrt, ihn, den Sieger anangischer Regeln,
Mir, mit zerknitterten Blumen im Haar, ihn am Busen mit Spuren von Nägeln,
Freundin, den Kesi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spiele mir, liebesbewegt sich der wunschesgewährten zu paaren.
(15)
Mir, der bespanget erklingelt der Fuß, ihn, durchmessend die Bahn von Genüssen,
Mir, der entkettet der Gürtel ertönt, ihn, der fasset beim Haar, um zu küssen,
Freundin, den Kesi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spiele mir, liebesbewegt sich der wunschesgewährten zu paaren.
(16)
Mir, im Gefühle der Wonne betäubt, ihn, dem halb ist das Aug' aufgegangen,
Mir, der die Ranke des Leibs hinsinkt, ihn mit steigendem Liebesverlangen,
Freundin, den Kesi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spiele mir, liebesbewegt sich der wunschesgewährten zu paaren.
(17)
Wie aus der Hand die Flöt' ihm sinkt, wie aus den schiefen Augenbrauenranken
Der frohen Frauen freier Blick ihn trifft, die Wang' ihm perlt von hellem Schweiße,
Und, da sein Auge mich erblickt, verlegnes Lächeln um den Mund ihm spielt,
