Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Ein Leben nach der Menschheit. Die Kontinente haben sich verschoben und neues Leben konnte entstehen. Auf dem Wüstenkontinent Gondowan haben sich Nachfahren der Menschen angesiedelt, die den extremen Bedingungen einer Sandwüste gewachsen waren. Die Dorna. Sie gründeten mehrere Siedlungen und Städte. Die erste und größte von ihnen ist die Wüstenstadt mit ihrer blühenden Zivilisation und dem reichen Angebot an Handelswaren. Die Stadt wird geleitet von dem großen Königshaus. Der König hat die wichtige Aufgabe die Bewohner, die Stadt und alles Leben in ihr in Einklang zu bringen und zu halten. Manchmal ist es eine große Bürde, die gemeistert werden muss. Begleitet diese Reise in diesem Buch.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 398
Veröffentlichungsjahr: 2018
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Es gab einmal eine Zeit, in der diese Welt nur von Menschen bewohnt wurde. Erzählungen zufolge waren sie fortschrittlich in ihrem Tun. Doch sollen sie nicht auf die Auswirkungen ihres Denkens und Handelns geachtet haben. Sie erkannten nicht, dass sie ihrer Welt Schaden zufügten. Sie trieben es letztlich zu weit. Die Welt selbst stellte sich gegen seine Bewohner.
In ihrem Zorn vernichtete sie alles Leben auf ihrer Oberfläche. Egal, ob Mensch, Tier oder Pflanze. Die Menschen dachten, dass sie alles kontrollieren könnten. Doch es gab viele unschuldige Opfer in der Zeit der Rache. Wer nicht Opfer der Erdbeben wurde oder in die Tiefe stürzte, der wurde vom Wind zerrissen, von den Flammen verzehrt oder ertrank in den Fluten der zornigen Wasser.
Die Menschen suchten Zuflucht unter der Erdoberfläche. Dort hatten sie Tunnel errichtet, in denen sie getestet haben, wie man auf anderen Planeten überleben kann. Oder sie testeten die Möglichkeiten, wie sie die Welt beherrschen konnten. Was man weiß ist, dass sie dort nicht auf die Natur angewiesen waren. Doch sie wogen sich in trügerischer Sicherheit.
Die Erdbeben wurden stärker und die Erde zerriss sich selbst in kleine Teile. Die Tunnel barsten, stürzten ein und die Systeme wurden zerstört. Ein Überleben schien nicht möglich zu sein.
„Über viele Jahre hinweg tobte die Erde. Die Kontinente barsten und setzten sich wieder zusammen. Sie wurden mehr und mehr aufeinander gedrückt, bis sie sich in ihrem Zentrum in den Himmel erhoben. Nur sehr langsam kam alles wieder zur Ruhe. Nur noch kleinere Erdbeben versetzten die Überlebenden in Starre und Angst. Denn jedes Beben war der Gedanke daran, dass alles wieder von vorne beginnen könnte.
So traute sich jahrhundertelang niemand aus den Überresten ihrer Zeit heraus. Die Opfer stiegen, doch die Welt selbst regenerierte sich. Sie entwickelte sich endlich wieder so, wie sie selbst es für richtig hielt. Und tat nur noch das, was sie wollte. So sorgte sie bald wieder für Wasser an ihrer unerreichbaren Oberfläche und schuf neue Kreaturen. Doch die wenigen Überlebenden beschlossen ebenfalls sich nicht aufzugeben. Sie bauten ihre Höhlenheimat aus und gaben das wenige Wissen weiter, welches dafür sorgte, dass die Gänge weiter funktionieren konnten.
Doch die Kinder verloren mit der Zeit ihre Scheu vor dem Ungewissen. Es reizte sie sogar zu ergründen, was man ihnen verboten hatte: Der Weg nach Draußen. So erkundeten sie im Spiel die unbekannten Gegenden und fanden irgendwie den Weg hinaus. Sie kannten nur Überlieferungen, so wie wir. Die Alten redeten von einer wundervollen, erfüllten, grünen Welt. Doch was die Kinder fanden, war eine todbringende, grelle Oberwelt aus Sand. Die Sonne brannte unerträglich auf ihrer Haut und sie flüchteten zurück in den Untergrund.
Natürlich mussten sie den anderen Kindern erzählen, was sie gefunden hatten und sie fühlten sich, als wären sie große Helden und Entdecker. Es begann vermutlich als Mutprobe, doch es endete in Erkundungen. Die Kinder gewöhnten sich über die Generationen hinweg an die Oberwelt. Ihre Haut und ihre Augen passten sich dem Licht an und sie konnten es irgendwann dort draußen aushalten.
Doch das war nicht das einzige, was sich anpasste. Die Alten nannten es Mutation, denn die Kinder veränderten sich in Gestalt und Verhalten. Ihre Haut wurde dunkler, so dass die Sonne ihr kaum mehr etwas antun konnte, ihre Ohren wurden spitzer und sensibler, damit sie nichts mehr verpassten, ihre Körper schlanker und geschmeidig und ihr Wesen sanft und Weise. Die Menschen, die sich nie heraus getraut hatten, distanzierten sich bald von denen, die sie "Dorna" oder gar "Missgeburten" nannten. Sie bekamen Angst vor dem Wissen der Wanderer, denn sie waren Anders.
Die Dorna erkannten es schneller, als die Menschen überhaupt begriffen, wie sie sich verändert hatten. Beide Seiten zogen sich so gut sie konnten in ihre eigenen Gruppen zurück. Die Weisheit der Dorna wollte den ängstlichen Menschen keinen Grund geben auch noch feindlich zu werden.
Doch sie konnten das Unausweichliche nicht vermeiden. Der Platz war begrenzt und die Menschen wurden bald aggressiv. Es blieb denen, die hinaus konnten, nichts anderes über, als zu gehen. Denn sie wollten es nicht auf einen offenen Kampf mit den Menschen ankommen lassen. Der Abschied fiel nicht jedem leicht. Viele blickten zurück. Es war ihre Heimat, doch würden sie zurück gehen, gäbe es keine Zukunft.
Die Wanderer führten das Volk zu einem Fluss. Sie waren schon oft bis dort gelaufen. Doch nie weiter. Verunsichert wussten sie nicht, was sie nun tun sollten, was das Beste für alle wäre. Sie überlegten, ob sie nicht einfach an diesem Ort bleiben sollten. Doch ein Mann trat aus der Masse hervor und sagte, dass sie noch zu nah an den alten Bauten wären. Er schlug vor dem Fluss zu folgen und Abstand zu gewinnen. Und so folgten sie ihm.
Tag ein, Tag aus wanderten sie durch den Sand.
Stürme erschwerten ihre Reise und der Hunger plagte sie. Es gab zwar Palmen am Ufer, doch diese trugen nie genug Früchte für alle. Wenigstens mussten sie keinen Durst leiden und schafften es irgendwie die wenigen Vorräte untereinander aufzuteilen. Je weiter sie liefen, je üppiger wurde die Vegetation und ihr Durchhaltevermögen zahlte sich aus. Sie erreichten einen Punkt, an dem sich Wasser gesammelt hatte und eine Oase entstehen konnte. Das Volk legte eine Rast ein und der Führende schickte ein paar starke Männer weiter den Fluss hinab. Sie sollten herausfinden, ob es einen besseren Ort als diesen gab. Doch die Männer kamen mit schlechten Nachrichten zurück. Drei Tagesreisen entfernt endete das Land und das Wasser verschwand im Nichts. So beschlossen die Dorna an der Oase zu bleiben.
Mit Relikten aus alter Zeit bauten sie sich Schutz gegen den Wind und die Palmen der Oase versorgten sie mit genügend Nahrung. Um die Pflanzen nicht zu sehr zu beanspruchen, gingen sie jedoch häufig ein Stück und sammelten von weiter entfernten Orten die Früchte ein. Um eine Stadt zu errichten, in der sie in Frieden leben konnten, nutzten sie Ressourcen aus alten, längst eigestürzten Stollen, die sich in der Nähe befanden. So dienten sie wenigstens noch einem Zweck und existierten nicht nur. Die entstandene Mauer schützte aber nicht nur die Dorna vor dem Wind, sie beschützte auch die Pflanzen in ihrem Inneren.
Um den Fluss nicht für sich zu behalten oder gar eine Überschwemmung zu provozieren, errichteten sie ein beachtliches Wasserversorgungssystem. Sie ließen den Fluss kontrolliert durch die Stadt fließen und fingen das Wasser in einem Auffangbecken ein. Ist dieses gefüllt, läuft das Wasser über den Rand hinüber und wieder aus der Stadt heraus. Auf diese Weise griffen sie nicht zu stark in seinen Lauf ein und versorgten sowohl sich, als auch alle Pflanzen mit ausreichend Wasser.
Die Stadt blühte auf, wuchs und es entstand mehr und mehr Leben. Sie züchteten verschiedene Pflanzen und bauten sie an. Bald fanden sie sogar Tiere, die sie mit in die Stadt aufnehmen und nutzen konnten und alles verdankten sie dem Mann, der sie an diesen Ort geführt hatte. Sie beschlossen, dass er auch weiterhin über sie herrschen solle und errichteten ihm einen Palast. Auf seinen Wunsch hin baute man ihn so, dass er der Stadt selbst keinen Platz nahm. Ihren ersten König behielten sie auf ewig als weisen und gewissenhaften Mann in Erinnerung. Und jeder seiner Söhne, die nach ihm auf den Thron gestiegen sind, sorgten für den Fortbestand, Wachstum und Frieden des Volkes.
Heute regiert unser werter Herrscher, König Sares, die Stadt und führt das Erbe seiner Ahnen fort. Bisher hatte er es, wie sein Vater, nicht mit großen Katastrophen zu tun. Und wir alle hoffen natürlich, dass dies auch so bleiben wird. Denn eine Katastrophe hat immer große Auswirkung auf das Volk und richtet meist sehr großen Schaden an. Wir alle wollen, dass ihr, genau wie eure Vorfahren, in Frieden aufwachst und kein Grauen erleben müsst", die junge Frau hinter dem steinernen Pult schloss das Buch vor sich und trat nach vorne.
Lächelnd blickte sie in die aufmerksamen Gesichter der zwanzig Kinder ihrer Klasse. Keines war während der Geschichtsstunde eingeschlafen oder war abgelenkt, denn der Unterricht bei ihr ist eine Seltenheit. Die Frau lehnte sich mit dem Rücken an das Pult an und sprach mit sanfter Stimme weiter: „Habt ihr noch Fragen? Ich beantworte sie euch mit Freuden." Sofort schoss der Arm eines Mädchens in die Höhe. Alle anderen verdrehten nur die Augen, als wäre ihnen klar gewesen, dass sie eine Frage hatte. Mit einer leichten Handbewegung forderte die Frau ihre Schülerin auf die Frage zu stellen. „Wieso bestimmt König Sares nicht alleine, was in der Stadt geschieht, Lady Sara?", fragte das Mädchen ohne Scheu.
„Das ist eine sehr gute Frage.", begann Sara und fuhr kurz darauf fort, „Der Vater unseres Königs hat in die Öffentlichkeit gesetzt, was alle seiner Vorgänger bereits im Geheimen ausgemacht hatten. Er bestellte die Männer aus den Vierteln zu sich, welche das größte Vertrauen genossen. Auf diese Weise war immer die Stimme des Volkes in seine Bestimmungen integriert. Es hat ebenfalls den Vorteil, dass ihn die Wünsche des Volkes erreichen können."
Kaum hatte die Frau zu Ende gesprochen, da erhob das Mädchen erneut ihre Hand. Lächelnd wurde sie erneut zu Wort gebeten: „Wenn es nur Männer sind, wieso seid Ihr ebenfalls eine seiner Berater?" Nun musste die Frau lachen. Ein freundliches Lachen, doch hatte sie mit einer solchen Frage nicht gerechnet. Schmunzelnd antwortete sie: „Es ist nicht festgelegt, dass es nur Männer sein müssen. Es hatte sich lediglich über die Jahre hinweg so ergeben. Genauso hat es sich ergeben, dass ich, als bisher einzige Frau, ebenfalls in den erlesenen Kreis der Berater erhoben wurde. Mein Verständnis für die vorgetragenen Anliegen und meine möglichen Lösungsvorschläge für selbige, haben mir bei den Männern genügend Vertrauen beschert." Verstehend nickte die Kleine und schien zu überlegen, ob ihr noch irgendetwas einfiel.
Da dies offenbar nicht der Fall war und auch die übrigen Kinder schwiegen, sprach Sara gut hörbar: „Gut, wenn keine weiteren Fragen aufkommen, dürft ihr nach Hause gehen. Ich wünsche euch einen schönen Nachmittag." Trotz des Interesses an dem Vortrag, sprangen die Kinder jubelnd mit ihren Büchern auf und rannten nach draußen.
Schmunzelnd schüttelte die junge Frau sacht mit dem Kopf und räumte die Unterrichtsmaterialien zusammen. Leise sagte sie zu sich: „Sie hören einem zu, interessieren sich für alles und dennoch ist es jedes Mal viel schöner, wenn es vorbei ist. Niemand kann es ihnen verübeln, wir waren alle genauso." Mit einem amüsierten Lachen verließ sie das Klassenzimmer und die Schule. Gemütlich schlenderte sie auf ihrem Heimweg ein wenig durch die große Stadt und über den Marktplatz. Wie an jedem Tag war ein reges Treiben auf den Straßen und besonders vor den Ständen.
Händler boten lautstark ihre Waren feil und es herrschte auch so ein deutliches Stimmendurcheinander zwischen Händlern und Kunden. Während sie sich selbst die Waren betrachtete, grüßte man die Frau von allen Seiten und bot ihr besondere Preise für die unterschiedlichen Waren an. Jedoch schlug sie jeglichen Preisnachlass aus und bezahlte für ihre Einkäufe den normalen Preis.
Mit Besorgnis musste sie feststellen, dass unter den Kunden immer mehr Menschen zu erspähen waren. Durch das reiche Angebot der dornischen Händler, fanden sie immer öfter den Weg in die Stadt. Dabei lag die unterirdische Stadt der Menschen weit Flussaufwärts. Doch, solange sie sich friedlich verhielten, sprach nichts gegen die Menschen. Sie waren lediglich ein Handelspartner und interessierten sich vor allem für die nicht verderblichen Waren. So wurde zudem eine Käuferlücke geschlossen. Die Dorna selbst brauchten gerade diese Waren seltener.
Der Weg der Frau führte sie bis zum großen Palast und seinen vielen Stufen. Mühelos erklomm sie das Hindernis und eine Wache erwartete sie bereits. Er verbeugte sich vor ihr und befreite sie von der Last der Einkäufe und des Materials. Freundlich sagte sie: „Vielen Dank. Seid so lieb und bringt es in meine Gemächer." Die Wache eilte davon, sie selbst hatte weit mehr Zeit. In ihren Augen gab es für sie keinen Grund zur Eile. Mit geübtem Blick erkannte sie sofort, dass die Tore zum Thronsaal abgeschlossen wurden. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Besprechung des Morgens noch nicht beendet war. Sie hatte sicher noch den restlichen Tag Ruhe vor Allem.
Auf halbem Weg zu ihren Gemächern, begegnete sie der Wache erneut. Und wieder verbeugte sich der Mann vor ihr und eilte zurück zu seinem Posten. Ruhig öffnete sie die hölzerne Tür und trat hinein. Ihre Einkäufe wurden auf ihrem runden Himmelbett abgelegt und warteten nur darauf von ihr ausgepackt zu werden.
Doch sie blickte sich zuerst in ihren Räumlichkeiten um. Die fließende Bewegung des Baldachins setzte sich im gesamten Raum fort und wurde nur durch die reich verzierten Holzelemente und Pflanzen durchbrochen. Leise schloss die Frau die Tür hinter sich und setzte behutsam ihre Schritte in den Raum hinein. Sie warf einen Blick in ihren kissenreichen Lesebereich, doch schien nicht zu finden, was sie vermutete. Sie blieb mitten im Raum, auf dem weichen Teppich, stehen und rief freundlich: „Komm aus deinem Versteck, Sares. Ich weiß, dass du dich irgendwo versteckt hast."
Leise erklang eine jammernde, männliche Stimme aus Richtung Bett: „Ich weiß nicht, was ich tun soll, Schwesterchen." Sanft lächelnd trat die Frau auf ihr Bett zu und setzte sich auf die Bettkannte: „Zu allererst solltest du unter meinem Bett vorkommen. Danach sehen wir weiter." Sehr zögerlich kam der junge Mann unter dem Bett vor. Er war größer als sie, jedoch sah man ihm deutlich an, dass er mehrere Jahre jünger als seine Schwester war. Er zog seinen prachtvollen, bordeaux farbenen Mantel zurecht und sie klopfte neben sich auf das Bett. Seufzend setzte er sich neben sie. „Was ist los, Sares? Du hast dich in letzter Zeit sehr selten bei mir versteckt.", fragte sie ruhig und er seufzte erneut.
Nach einer kurzen Pause ließ er die Schultern gänzlich sinken und begann zu erzählen: „Wir haben ein großes Problem in der Stadt. Alle reden sie auf mich ein und wollen Entscheidungen. Ich weiß aber nicht, was ich tun soll, Schwesterherz."
Sara nickte und unterbrach ihren Bruder mit sanfter Stimme: „Es ist das Wasser, habe ich Recht?" Überrascht blickte der junge Mann auf und sie fuhr fort: „Ich habe einige Leute auf dem Markt davon reden gehört." Ihr Bruder nickte und sie seufzte. Mit überlegender Miene wog sie den Kopf hin und her: „Es ist wahrlich ein Problem, sollte unser Wasservorrat zur Neige gehen. Doch die Speicher sind randvoll gefüllt. Wir haben noch ein wenig Zeit. Das Wichtigste ist, dass die Leute nicht in Panik ausbrechen."
Der Mann blickte mit Verzweiflung und Hoffnung zu seiner Schwester. Er suchte eine Lösung in ihrem Blick, doch auch sie schien noch nicht zu wissen, wie es weiter gehen solle. Stattdessen erhob sie sich und ging ein paar Schritte: „Geh zurück zu der Besprechung. Sag den Beratern, dass die Sitzung in zwei Tagen fortgesetzt wird und sie ihre Viertel ruhig halten sollen. Alles muss vollkommen normal weiter laufen." Nickend erhob sich ihr Bruder: „Ich werde es mitteilen. Hoffentlich geben sie keine Widerworte." „Du bist der König, Brüderchen, wenn du sagst, dass die Besprechung vertagt wird, dann wird sie vertagt.", sprach Sara und zog sein Chaperon und den angenähten Stoffüberwurf zurecht, „Nur Mut."
Sares atmete einmal tief durch, bevor er sich von seiner Schwester abwandte und den Raum verließ. Seufzend schloss die Frau die Tür hinter ihrem Bruder und brummte: „So ein Ärgernis aber auch."
Sie trat zu ihrem großen Schrank und sammelte ein schlichtes, weißes Unterkleid mit passendem, halblangem, roten Oberkleid heraus. Es wäre ein normales, ärmelloses Kleidungsstück, hätte man es nicht mit Gold verziert. Sie legte es auf ihrem Bett ab und nahm als nächstes einen schweren, weißen Umhang mit reich verzierten, rot goldenen Schulterteilen heraus. „Und da hatte ich mich schon auf einen friedlichen Nachmittag eingestellt.", murmelte sie, während sie den Umhang ablegte und zu der Truhe am Fußende trat. Behutsam hob sie den schweren Deckel an und begutachtete ihre Sammlung an Schleiern und Hüten eine Weile. Letztlich entschied sie sich für ein breites, rotes Haarband. Auch dieses war mit Goldrändern verziert worden. Wie so viele ihrer Kleidungsstücke, die allesamt aus edlen Stoffen gefertigt wurden. Zuletzt barg sie zwei breite, goldene, unverzierte Armschienen. Sie waren groß genug, um ihren halben Unterarm abzudecken und fanden nun ebenfalls einen Platz auf dem Bett.
Die Frau begutachtete die Kombination ihrer ausgewählten Kleidungsstücke und nickte zufrieden. Sie kleidete sich rascher an, als sie sich für die Kleidung entscheiden konnte und begutachtete sich im Schrankspiegel. Akribisch wurde das Haarband zurecht gezogen und die Haare aufgelockert, ehe sie mit sich zufrieden war und den Schrank schloss. „Dann kümmere ich mich mal um eine Idee für unser Problem.", meinte sie zu sich selbst und drehte sich abrupt herum.
Sara verließ ihre Gemächer und trat mit erhobenem Haupt und stolzem Gang aus dem Palast heraus. Sie strahlte weit mehr Würde und Wichtigkeit aus, als sie sich nach dem Unterricht hat anmerken lassen. Deutlich erkannte man es an dem Verhalten der Wachen. Zwar verbeugten sie sich auch zuvor vor ihr. Doch nun blieben sie in dieser Haltung, bis sie außer Sicht gelangt war. Auch die Dorna auf den Straßen benahmen sich anders. Die Händler, welche ihr zuriefen, schwiegen und man ging vor ihr auf die Knie. Das Verhalten der Dorna irritierte die Menschen. Für sie war Sara nur eine Frau, die, mit eiligen und dennoch ruhigen Schritten, durch die Stadt lief. Sie verschwand durch das erste Tor und die Dorna erhoben sich. „Wer war das?", fragte ein unwissender Mensch. Einer der Händler sagte behutsam: „Jemand dem man Respekt zu zollen hat." Es war deutlich sichtbar, dass der Mensch um keine Erkenntnis reicher geworden war, doch fragte er nicht weiter nach.
Im zweiten Ring der Stadt war nicht mehr so viel Trubel auf der Straße, denn das Gebiet bestand größtenteils aus Handwerkern. Doch ihr Weg führte sie auch durch das zweite Tor in den dritten Ring der Stadt. Nun, da sie nur noch von friedlichen Farmen umgeben war, entspannte sie sich ein wenig und setzte ihre Schritte langsamer.
Ein paar Wollces kamen ihr entgegen. Die flauschigen Kreaturen waren die zahmsten und liebenswertesten aller Tiere auf den Farmen. Sie lieferten Wolle, welche für jede Webart und Stoffdicke geeignet war. Sie selbst hatte viele Kleidungsstücke, welche aus der robusten Wolle bestand und doch zart wie Seide war. Der Farmer, der die Wollces hütete, erblickte Sara sofort und ging vor ihr auf die Knie. Ruhig sagte Sara: „Erhebt Euch doch bitte wieder. Ihr solltet die Herde lieber nicht aus den Augen lassen." Der Mann befolgte ihre Bitte umgehend und sie fragte: „Sagt, gibt es irgendwelche Probleme mit den Tieren? Benehmen sie sich anders oder ist Euch irgendetwas aufgefallen, dass auf Probleme schließen lassen könnte?" Kurz überlegte der Hirte und sprach: „Sie trinken mehr als noch vor ein paar Tagen. Aber etwas anderes ist mir nicht aufgefallen." „Ich danke Euch.", meinte Sara lächelnd und nickte dem Hirten dankend zu. Als ein Wollces blökend loslief, setzte der Mann diesem umgehend nach. Kichernd verließ die Frau den Weideplatz am Fluss. Sie suchte auch die anderen Farmer auf, doch alle Antworten glichen sich. Die Tiere tranken mehr, doch ansonsten fiel niemandem etwas auf. Nur der Gerber, welcher Felle abgeliefert hatte, sagte, dass er häufiger bemerkt hatte, dass wilde Tiere versucht hätten in die Stadt zu gelangen.
Sie bedankte sich und nahm auf einer Bank neben der Wassermühle, im zweiten Ring, platz. Grübelnd fasst sie für sich noch einmal alles zusammen: „Die Berater sprechen den König darauf an, dass das Wasser knapp werden würde. In der Stadt ist alles normal, die Speicher sind gefüllt und jeder hat ausreichend Wasser. Die Tiere trinken häufiger und mehr und Wildlebende versuchen in die Stadt zu gelangen. Es könnte ein Zeichen dafür sein, dass sich bald etwas verändern wird. Oder sich weiter entfernt schon verändert hat. Da die wilden Tiere die Stadtmauern eher meiden, muss irgendwo eine deutliche Knappheit herrschen. Das heißt, dass es sich hier nur noch nicht bemerkbar gemacht hat? Oder ist es etwas anderes..."
Während die Frau in der Nachmittagssonne über das Problem nachdachte, bemerkte sie nicht, wie sich ihr etwas näherte. Erst, als ein kleiner Ast in ihrer Nähe knackte, wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Erschrocken fuhr sie nach links herum und drehte der Wassermühle so den Rücken zu. Zu ihrer Erleichterung blickte sie lediglich in das hübsche Gesicht eines kleinen Wollces und lächelte. Sie atmete kurz, tief durch und strich dem Wollces durch die flauschige Wolle: „Hast du mich vielleicht erschreckt, Kleines. Wo ist denn deine Herde?" Gründlich blickte sich Sara nach der Herde des kleinen Wollces um, doch war kein anderer Flauschball zu entdecken. „Ich bringe dich lieber zurück, Kleines.", sagte sie lächelnd zu dem Wollces und hob es auf ihre Arme.
Vorsichtigen Schrittes machte sie sich auf den Weg zur Wollces Farm. Das rascheln an der Wassermühle ging in ihren Schritten unter und auch der vorbeihuschende Schatten entging ihrer Aufmerksamkeit. Doch der aufgelöste Hirte, der nahe des Tores auf sie zu stürmte, war nicht zu übersehen, geschweige denn zu überhören. „Ihr habt es gefunden! Habt vielen, vielen Dank!", rief er lautstark. Lachend sagte Sara: „Es hat eher mich gefunden."
Fast als wolle das Tier die Aussage bestätigen, blökte es einmal und der Farmer nahm ihr das Tier behutsam ab. Er verbeugte sich vor der Frau, so gut es mit dem Tier auf den Armen möglich war, und eilte zurück zum Rest der Herde. „Aufgeweckte Tiere diese Wollces.", kicherte Sara und blickte kurz in den Himmel hinauf. Er begann sich bereits orange zu verfärben und sie murmelte leise: „Oh, es ist spät geworden. Ich sollte zurückgehen."
Zügigen Schrittes begab sie sich durch die Tore. Doch sie wurde das Gefühl nicht los, dass sie immer noch verfolgt wurde. Als sie das letzte Tor durchschritten hatte, setzte sie ihre Schritte langsamer. Der Palast würde auf sie warten, im Gegensatz zu den Ringtoren. Diese schließen sich mit Anbruch der Dunkelheit. Während sie den Marktplatz überqueren wollte, blickte sie sich heimlich und doch kritisch um. Doch um sie herum befanden sich nur Händler, die ihre Waren zusammenräumten, Dorna die den Heimweg antraten und Menschen, die etwas verloren in der Gegend herum standen. Man wies ihnen jedoch bald den Weg in die Gasthäuser.
Sie wurden speziell für die Menschen gebaut, da diese regelmäßig vergaßen, dass die Tore bei Nacht geschlossen wurden. Doch obwohl sie niemand wirklich beachtete, fühlte sie sich beobachtete. Die Frau stoppte mitten auf dem Marktplatz und drehte sich abrupt herum. Ihr Umhang legte sich kurz um ihre Beine, doch niemand war hinter ihr. Die Tore schlossen sich und eine kühle Brise fegte über den Marktplatz. Sara brummte und sah sich noch einmal um: „Was ist denn heute bloß los? Was ein seltsamer Tag."
Plötzlich rief direkt hinter ihr jemand: „Das wüsste ich auch gerne." Ein Mann packte sie und drehte ihr einen Arm auf den Rücken. Sara schrie erschrocken auf und sie hatten die volle Aufmerksamkeit des gesamten Platzes. Sie zischte, als ihr der Mann den kalten Stahl eines Messers an den Hals hielt. Durch die offenbar ungeplante Aufmerksamkeit, fühlte sich der Mann sofort bedrängt und drückte etwas fester zu. Ein erfahrener Wachmann trat behutsam an den Menschen heran und sprach ruhig: „Legt das Messer bei Seite. Es lässt sich alles in Ruhe besprechen, mein Herr." Doch der Mensch wollte sich nicht so einfach beruhigen lassen und das Messer drückte sich in Saras Hals. Ein kleines Blutrinnsal lief ihren Hals hinab und der Mensch sagte gereizt: „Ihr Dorna. Ihr spielt ein ganz ausgeklügeltes Spiel. Ihr gaukelt uns vor, dass ihr von nichts eine Ahnung habt. Und das wo ihr doch so Weise seid. Aber ich durchschaue euch. Ihr wisst alle genau was vor sich geht. Und ihr seid besitzergreifend. Ihr wollt alles nur für euch."
Die Wache atmete tief durch und die restlichen Dorna beäugten misstrauisch die übrigen Menschen auf dem Platz. Doch diese distanzierten sich geradezu von dem Geiselnehmer. „Lasst die Dame laufen und ich versichere Euch, dass sich alles aufklären wird.", sagte die Wache nun etwas eindringlicher. Doch der Mensch war zu aufgebracht: „Ihr bekommt sie nicht wieder! Ihr werdet schon noch sehen, was eure Geheimniskrämerei und Besitzergriffenheit euch einbringen wird!" Nun mischte sich Sara behutsam ein und keuchte: „Was sollte ich Euch schon bringen?" „Schweig!", schrie der Mensch ihr genau ins Ohr.
Nur mit Mühe schaffte sie es nicht weg zu zucken und somit direkt ins Messer zu fallen. Die Wachen blickten von der Frau zum Menschen und wieder zurück. „Ich will sofort diese verdammte Stadt verlassen!", rief der Mensch und zog Sara mit sich an den Wachen vorbei. Er drehte sich mit ihr herum und schritt rückwärts auf das Tor zu. „Öffnet die Tore!", schrie der Mensch und widerwillig folgte man seiner unfreundlichen Bitte.
Er zog die Frau mit sich aus der Stadt heraus und hinein in die Wüste. Es war dunkel und außerhalb der Stadtmauer zehrte außerdem eine schneidende Kälte an den Körpern. Zumindest nahm der Mensch das Messer von ihrem Hals und zog sie grob hinter sich her. Sara folgte ihm in die Wüste hinein.
Hätte sie sich gewehrt, wäre sie unterlegen gewesen, so wartete sie lieber ab. Er brachte sie zu einem alten Stolleneingang. Eine der Minen aus welchem früher Material für die Stadt abgebaut wurde. Wie ein Tier zog er die Frau in den Stollen hinein und drückte sie gegen die feuchte, kalte Wand. „Du erzählst mir sofort, was ihr Dorna im Schilde führt.", sprach er grob und fixierte sie mit seinem Gewicht. Sara versuchte so ruhig zu bleiben, wie es ihr möglich war, und erzählte ihm, was sie meinte, das er wissen wolle: „Wir wollen herausfinden, was mit dem Wasser nicht in Ordnung ist und es, wenn möglich, beheben."
Doch der Mensch glaubte ihr nicht, oder es war die für ihn falsche Antwort. Er drückte sie noch fester gegen die Wand, so dass sie aufkeuchen musste. „Lüg nicht, Weib! Ihr Dorna habt Geheimnisse und ich werde alles heraus bekommen! Du bist keine einfache Frau. Sie werden mir für dich alles sagen, was ich will!", knurrte er und sie lächelte verschmilzt. „Richtig!", rief sie aus und trat zu. Bevor der Mensch vor Schmerz zusammensackte, stach er mit dem Messer zu und schlitzte ihre Schulter auf. Sara schrie auf und einige kleinere Steine rieselten von der Stollendecke herab. Leider stand er zwischen ihr und dem Ausgang und zu allem Überfluss erholte er sich von dem Tritt zu schnell. Er stürzte sich auf die Dorna, riss sie zu Boden und drückte ihr mit beiden Händen die Kehle zu. Verzweifelt rang sie nach Luft und versuchte den schweren Mann von sich herunter zu bekommen. Doch vergebens. Sie verlor das Bewusstsein und war ihm vollends ausgeliefert. Anstatt die Frau am Leben zu lassen, drückte der Mann weiter zu, bis sich sein Griff urplötzlich lockerte und sein Körper leblos zur Seite kippte. Ein blutiger Stein nahm neben ihm seinen Platz ein und eine dunkle Gestalt hob die Dorna vom Boden auf. Sie brachte die Frau tief ins Innere des Stollens.
Wo im Stollen Stille herrschte, so herrschte in der Stadt laute Aufregung. Der Tumult hatte sich bis hin zum Palast ausgebreitet und die Aufmerksamkeit des Königs auf sich gezogen. Sares machte sich auf den Weg hinunter zum Marktplatz und versuchte heraus zu finden, was passiert war. Doch alle sprachen durcheinander und er konnte sich kein Gehör verschaffen. Er bekam nur Fetzen der Gespräche mit, dass die Wachen sich falsch verhalten hätten. Doch die Wachen ihrerseits bestanden darauf, dass der Fehler nicht bei ihnen läge. Sares schloss die Augen und rief sich die Worte seiner Schwester ins Gedächtnis. Gerade Haltung, Kopf nach oben, tief einatmen und dann mit Kraft sprechen! So rief er lautstark: „Was ist hier los!?!"
Sofort machte sich eine totenhafte Stille breit. Der König war kurz selbst irritiert darüber, dass wirklich er es bewirkt hatte, doch ließ er es sich nicht weiter anmerken. Er setzte stattdessen eine sehr neutrale Mimik auf und blickte streng zu den Wachmännern hinüber. Gerade, als er erneut fragen wollte, trat einer der Männer hervor und sprach: „Es gab einen Zwischenfall, mein König. Ein Mensch hat den Verstand verloren." Der Mann schluckte und fuhr kleinlauter fort: „Er ist aus dem Nichts heraus auf Eure Schwester losgegangen und hat sie mit einem Messer bedroht." „Was?!", platzte es aus dem König heraus und der Mann sprach weiter: „Er sprach wirres Zeug und wollte am Ende aus der Stadt heraus gelassen werden. Ich habe den Befehl gegeben ihn ziehen zu lassen. Ich wollte die Herrin nicht in noch größere Gefahr bringen, indem wir ihn womöglich in Bedrängnis gebracht hätten." Die Wache senkte den Kopf und Sares strich sich in einem Akt der Verzweiflung durch das Gesicht.
„Warum musste es ausgerechnet jetzt passieren?", murmelte der König leise vor sich hin. Er musste sich zusammenreißen und blickte die Wache erneut direkt an. „Hat sie sich gar nicht gewehrt, dass Ihr hättet einschreiten können?", erhob der König seine Stimme und die Wache meinte, dass der Mensch sie vielleicht durch das Messer zu stark unter Kontrolle gehabt hätte. Langsam nickte Sares und blickte in den Nachthimmel: „Ihr habt richtig gehandelt. Es hätte wirklich Schlimmeres passieren können. Verschließt die Tore für die Nacht. Wir werden sie suchen, sobald es hell geworden ist!"
Innerlich hatte sich der König auf Widerspruch eingestellt, doch strahlte er in diesem Moment mehr Autorität aus, als er es selbst je für möglich gehalten hätte. „Schließt die Tore!", hallte es durch die Stadt und die Tore schlossen sich nacheinander. Sares ging zurück in den Palast und schloss sich in seinen Gemächern ein. Er machte sich furchtbare Vorwürfe, da sie ohne seine Bitte sicherlich nicht noch ein Mal offiziell in die Stadt gegangen wäre. „Du sagtest mir mal, du könntest auf dich aufpassen. Hoffentlich geht es dir gut, Schwesterchen.", murmelte er in ein Kissen und blickte aus dem Fenster. Ein wölfisches Heulen drang durch die Luft und ließ ihn erschaudern. „Wolver.", brummte Sares und schloss die Augen, „Bitte verzeih mir, Sara." Niemand konnte am nächsten Tag den König dazu bewegen aus seinen Gemächern heraus zu kommen, oder wenigstens etwas zu Essen. Durch den Verlust seiner Schwester fiel er in ein zu tiefes Loch. Nur sie hätte ihn dort herausholen können. Sein engster Berater, nach seiner Schwester, bewirkte deshalb genau so wenig, wie jeder Angestellte oder Freund der Familie, welcher versuchte auf ihn einzureden.
Dabei war seine geliebte Beraterin näher, als er sich erträumen könnte. Und sie war am Leben. Die Gestalt hatte sie sicher in einen geheimen Raum im Inneren des Stollens auf einem Bett abgelegt. Genervt strich sich die Gestalt die Kapuze vom Kopf und fuhr sich durch sein Gesicht. „Wen hast du aufgelesen, mein Junge?", ertönte eine männliche Stimme aus einer Ecke. „Ein Mensch hat sie angegriffen.", antwortete ihm die dunkle Gestalt. Er blickte in Richtung der Stimme. Der alte Mann, der dort in seinem Bett lag hustete und setzte sich etwas auf: „Du solltest ihre Wunde versorgen." „Wunde?", brummte die Gestalt und blickte zurück zu der Frau.
Knurrend stellte er erst jetzt fest, dass der Stoff an ihrer Schulter aufgeschnitten und blutgetränkt an ihrer Haut klebte. „Das kann doch nicht wahr sein!", murrte er knurrend und der alte Mann schmunzelte die Gestalt an. „Sei vorsichtig mit ihr, Migell. Frauen sind nicht so robust wie du.", lachte der alte Mann. Doch als Antwort erreichte ihn nicht mehr als ein unverständliches Brummen. Migell gab sich alle Mühe damit, die Frau nicht weiter zu beschädigen. Erst befreite er ihre langen, hellbraunen Haare von dem Haarband. Dann hob er sie behutsam an und kleidete sie bis auf die zarte Unterwäsche aus. Das letzte, was hätte passieren sollen, wäre gewesen, wenn er sie auch noch aufgeweckt hätte. Die Kleidung landete lieblos in einer Ecke und er zog den Verbandskasten unter dem Bett hervor. Behutsam vergewisserte er sich noch einmal, dass die Frau schlief. Erst dann versorgte er die Wunde der Dorna.
Unbewusst strich sein Blick dabei über ihren zarten, gebräunten Körper und ihre weiblichen Formen. Sein versonnener Blick wurde skeptischer, als er einen goldenen Schlüssel zwischen ihren Brüsten ausmachte. Die Kette selbst konnte man dagegen ohne weiteres übersehen. Als sein Blick der Kette bis zu ihrem Hals gefolgt war, kam er nicht umhin auf die zarten Gesichtszüge der Frau aufmerksam zu werden. Ein sanftes Lächeln legte sich auf seine Lippen und er musste sich mit einem heftigen Kopfschütteln selbst wecken, bevor seine Gedanken vollkommen in einen Traum hinüber wanderten. Schnell behandelte er die Wunde zu Ende und legte ihr knurrend die Decke über. Rasch platzierte er einen feuchten Lappen auf ihrer Stirn und erhob sich.
„Ich gehe Wasser holen!", knurrte Migell und ging schnellen Schrittes los, ohne auf irgendeine Reaktion zu warten. Doch hörte er noch das Lachen des alten Mannes, bevor er außerhalb seiner Reichweite gelangen konnte. Zügig setzte Migell seine Schritte durch den Stollen, doch kurz vor dem Ausgang stutzte er und stoppte. Er drehte sich herum und sah, dass er nichts sah. „Der Mensch ist verschwunden! Ich dachte ich hätte fest genug zugeschlagen, dass er es nicht überleben könnte.", brummte Migell und ging zu der Stelle, an welcher der Mann hätte liegen sollen. Der Stein markierte den Platz noch deutlich, genauso wie die dunkle Blutlache auf dem Boden. Migell schnaubte verärgert und schob den Stein mit dem Fuß ein Stück bei Seite: „Sehr seltsam." Kopfschüttelnd kehrte er der Lache den Rücken zu und verließ den Stollen.
Sein Weg führte ihn auf direktem Wege zum Fluss. Nachdenklich befüllte er seine Feldflasche mit Wasser, doch dann gelang ein miefiger Geruch in seine Nase. In der kalten Nachtluft schnuppernd, versuchte er den Ursprung des Geruchs festzustellen. „Irgendetwas müffelt hier gewaltig.", brummte Migell und roch am Fluss selbst, „Oh Verdammt!" Noch bevor sein Blick Flussaufwärts etwas Dunkles ausmachen konnte, schüttete er seine Feldflasche aus. Migell rannte auf den dunklen Fleck zu und stoppte.
Im Wasser hang die zerfledderte Leiche eines Menschen und verunreinigte das Wasser. Sofort packte Migell knurrend die Leiche und warf sie, weg vom Wasser, auf den sandigen Untergrund der Wüste. Erst danach begutachtete er die Überreste. Es war der Mensch, der im Stollen für Unruhe gesorgt hatte. „Wie hat dieser Mistkerl es hierher geschafft? Er war ganz sicher Tod! Und selbst wenn er noch gelebt hatte, die Kopfwunde war zu groß, als das er sich den ganzen Weg bis hierher hätte schleppen können. Es sei denn. Ja, es sei denn, dass er sich nicht selbst hergeschleppt hat, sondern man ihn hier ablegte.", Migell knurrte wieder, ob seiner Erkenntnis und musterte den Fluss, „Das Wasser wurde von diesem Punkt aus verschmutzt. Die Dorna werden sicher krank, wenn sie das Wasser trinken."
Erst drehte er sich weg, doch dann entschloss er sich dafür, dass Wasser mit einer roten Flüssigkeit einzufärben. „Es ist mir egal, was in der Stadt vor sich geht. Doch sollen nicht alle leiden, nur weil eine Person ganz offensichtlich Unheil stiften will. Rotes Wasser werden sie wohl kaum trinken wollen." Kurz sah er dem Wasser dabei zu, wie es die Flüssigkeit in Richtung Stadt transportierte. Dann ging er einige Meter weiter Flussaufwärts und roch erneut an dem Wasser. Es schien alles in Ordnung zu sein und so wusch Migell seine Feldflasche ordentlich aus, ehe er sie erneut füllte. Seufzend machte er sich auf den Rückweg und stoppte noch einmal kurz bei der Leiche. Grimmig blickte er zu ihr herab: „Die Wolvers werden sich um den Rest kümmern."
Als Migell den Stollen betreten hatte, konnte er deutlich erst das Heulen der Wolvar und dann den knurrenden Streit um den Leichnam hören.
In seinem Versteck war davon nichts mehr zu bemerken und Migell setzte sich auf die Bettkannte von Sara. Behutsam hob er ihren Oberkörper an und versuchte ihr etwas zu trinken zu geben. Doch das Wasser lief ihr aus dem Mund und tropfte auf ihre Schulter. Der Mann brummte und flößte es ihr Mund zu Mund ein. Es war zu wichtig, dass sie Flüssigkeit zu sich nahm. „Glaub ja nicht, dass ich das öfter mache.", brummte Migell und legte die Frau zurück auf das Kissen. Als er die Decke zurecht legte, bewegte sich Sara leicht und man konnte ein ganz leises murren von ihr hören. Skeptisch hob der Mann eine Augenbraue an. Doch schüttelte er nur den Kopf und ging zu dem Bettlägerigen herüber: „Hier, du solltest auch etwas trinken."
Migell reichte ihm die Feldflasche und der Mann trank. Nicht viel, aber es genügte Migell. „Du magst sie. Habe ich nicht recht?", sagte der alte Mann lächelnd und Migells Wangen färbten sich rot. Ertappt, trotzig brummte Migell: „Pah, das kommt dir nur so vor, alter Mann!" Nun lachte der Mann und reichte Migell die Flasche: „Ich habe also Recht." Brummelnd riss Migell die Feldflasche wieder an sich und setzte sich falsch herum auf einen Stuhl. Die Dorna beobachtend lehnte er auf der Stuhllehne und trank ein paar Schlucke. Er überlegte und schwieg.
Der alte Mann durchbrach die Stille und fragte, was los sei. Seufzend antwortete Migell: „Der Mensch, der sie bedroht hatte, hang im Fluss. Ich bin mir sicher, dass er Tod war, als ich ihn im Tunnel habe liegen lassen." Der alte Mann richtete sich etwas auf und blickte zu Sara herüber. Dann musterte er ihre Kleidung genauer: „Weißt du eigentlich, wer das ist?" „Nein, woher auch?", brummte Migell. Es war klar zu durchschauen, dass er sehr wohl mehr wusste, als er zugeben wollte. Dennoch erklärte der alte Mann schmunzelnd: „Das ist nicht einfach irgendeine Frau. Das hier bei uns ist die rechtmäßige Thronerbin der Dorna." Nun blickte Migell zu ihm herüber und war sichtlich verwirrt: „Die Dorna haben einen König und er ist wirklich zu jung, als das sie seine Tochter sein könnte." „Sie ist auch nicht seine Tochter, sondern seine ältere Schwester. Sie war noch sehr jung, als ich die Stadt verlassen habe. Doch ihre Mutter trug dieselbe Kleidung und sie sieht ihr sehr ähnlich. Ich frage mich nur, weshalb sie damals nicht das Königserbe angenommen hat." Migell winkte brummend ab: „Meinst du etwa, dass das heute alles kein Zufall war?" „Es ist gut möglich." „Dann ist wohl etwas Größeres in der Stadt im Gange?" Der alte Mann schüttelte unwissend seinen Kopf: „Ich weiß es nicht. Aber wenn, dann hat es jemand ganz sicher auf die Königsfamilie abgesehen."
Migell sprang auf und ging zu ihr herüber: „Nur sie kann uns bei der Frage weiterhelfen! Wie bekomme ich sie wach?" Ruhig sprach der alte Mann: „Lass sie schlafen. Sie hatte sicher einen schweren Tag. Sobald sie wach ist, wird sie dir bestimmt alles sagen, was sie weiß." Seufzend gab Migell nach und zog eine kleine Reisetasche unter dem Bett hervor: „Na schön, na schön. Dann werde ich bei Morgengrauen aufbrechen und mich schon mal in der Stadt umhören. Vielleicht erfahre ich ja etwas Interessantes." „Sie werden sicher die Tore geschlossen haben." „Ich kenne jeden Gang auswendig und komme ohne Probleme rein und wieder raus. Zur Not auch ungesehen und ohne Erlaubnis.", brummte Migell und der alte Mann lachte auf: „Du hast sie schon früher beobachtet, oder?" „Wie kommst du denn jetzt da drauf?", seufzte Migell und beachtete das amüsierte Grinsen des Mannes nicht weiter.
Wie geplant verließ er den Stollen bei Sonnenaufgang, während noch alles schlief. Sicherheitshalber folgte Migell dem Fluss, falls noch mehr Leichen dort abgeladen wurden. Doch ihm begegnete kein weiterer verwesender Körper. Dafür erspähte er mehrere Gruppen bewaffneter Dorna.
„Sie suchen nach ihr.", brummte Migell und wich ihnen aus. Er dachte nicht im Geringsten daran, die Frau auszuliefern. Es schien ihm zu gefährlich. Vielleicht war der Verräter unter den Wachen. An der Stadtmauer angelangt, schlich er bis zu den Palastwänden und zückte zwei kleine Messer von seinem Gürtel. Er rammte sie zwischen die Fugen der Steine und zog sich so Stück für Stück die Mauer empor. Unter einem der Fenster hörte er plötzlich Stimmen und stoppte. Es waren zwei unterschiedliche Stimmen. Eine gehörte deutlich einem jungen Mann, die andere war deutlich älter. Sie näherten sich dem Fenster und Migell konnte genau hören, was sie sagten.
„Euer Majestät. Ihr dürft Eure Schwester nicht über Euer Volk stellen. Was sollen die Leute denken? Es werden sich womöglich Gerüchte ausbreiten, dass Ihr Euch nicht mehr um das Volk sorgt.", sprach die ältere Stimme arrogant und der junge Mann antwortete niedergeschlagen: „Ich tue meine Pflicht! Sie ist Teil des Volkes und ich kann es nicht dulden, dass jemand aus meinem Volk auf offener Straße entführt wird." „Ihr solltet Euch dennoch lieber auf die Sitzung am morgigen Nachmittag vorbereiten. Ein Belangen, welches das gesamte Volk betrifft hat Vorrang!" „Ohne meine Schwester kann die Sitzung nicht zustande kommen! Und das wisst ihr genau, Berater.", die junge Stimme zitterte und die Worte kamen fast wie ein Brüllen aus ihm heraus, ehe eine Tür knallte.
Kurz war es still, doch dann hörte Migell ein bösartiges Kichern über sich. Wartend verharrte er unter dem Fenster, bis wieder Stille eingekehrt war, und zog dann gleichzeitig beide Dolche aus dem Mauerwerk. Geschickt landete der Mann auf dem weichen Sand und rannte, so schnell wie ihn seine Füße tragen konnten, zurück zum Stollen.
Keuchend und vollkommen außer Atem kam er in dem steinernen Raum zum Stehen. Hektisch blickte er sich um, doch alles war normal und genauso, wie er es zurück gelassen hatte. Erleichtert legte er sich kurz eine Hand auf den Brustkorb und atmete durch. Migells Herz schlug schnell durch die Anstrengung, doch ebenso beruhigte es sich sehr rasch wieder. Er blickte zu der Frau herüber und strich sich seine Haare nach hinten: „Es ist also wirklich wahr, huh?" „Hast du etwas herausgefunden?", fragte der alte Mann von seinem Bett aus und bekam zuerst nur ein stummes Nicken als Antwort. Doch dann erklärte Migell doch mehr als Antwort: „Man hat es offenbar wirklich gezielt auf sie abgesehen gehabt. Ich konnte ein Gespräch belauschen. Sie muss zwingend morgen wieder im Palast sein. Ohne sie kann eine wichtige Besprechung nicht stattfinden." Der alte Mann nickte vor sich hin: „Dann sollte sie diese Besprechung nicht verpassen. Du kennst den Weg ins direkte Innere, mein Schüler. Ruh dich am besten auch bis morgen früh aus." Migell brummte lediglich leise und strich Sara gedankenverloren durch die Haare. Sie verzog das Gesicht leicht vor Schmerz und brummte unwohl vor sich hin. Letztlich wollte sie sich einfach auf die Seite rollen, doch Migell murrte: „Hey, nicht bewegen!" Schwer atmend flüsterte sie etwas, das klang, als würde sie sich Sorgen um ihren Bruder machen. „Alles wird wieder gut. Ihr kommt rechtzeitig zu ihm zurück.", seufzte Migell und strich ihr weiter durch die Haare. Leider erzielte es nicht den erwünschten, beruhigenden Effekt. Ratlos lies Migell den Kopf hängen. Einerseits wollte er ihr das Bett ja überlassen, doch wirklich Lust auf dem Boden zu schlafen, hatte er auch nicht. Zumal sie einfach aufstehen könnte, wenn er schläft.
Brummend strich sich der Mann die Schuhe von den Füßen und zog Mantel samt Hemd aus. Kurz zögerte er, doch der Reiz war einfach zu groß. Er legte sich neben die schöne Frau ins Bett und verschränkte seine Hände extra unter seinem Kopf. Die Bettdecke durfte sie ganz für sich alleine behalten und er wollte seine Hände auch lieber unter Kontrolle haben. So interessant jegliche Gedanken auch waren. Vollkommen verärgern wollte er sie nicht sofort. Doch sie machte es ihm nicht gerade leicht sich zu beherrschen.
Gerade als er die Augen schließen wollte, spürte er eine zarte Hand auf seiner Brust und war sofort wieder hellwach. Die Frau hatte sich zu ihm gedreht und kuschelte sich letztlich auch noch ganz an ihn. Skeptisch wurde ihr Verhalten gemustert, doch Migell entschloss sich dazu, ihr zumindest einen Arm als Kopfkissen anzubieten. Seufzend nahm sie den Arm an und Migell strich der Frau mit der freien Hand eine Strähne aus dem Gesicht. Versonnen musterte er sie noch ein wenig und schmunzelte leicht. „Sie ist so wunderschön.", dachte sich Migell heimlich und seufzte wohlig.
Es kam ihm gerade mal vor, als hätte er nur ein paar Minuten die Augen geschlossen gehalten, als er Bewegung neben sich wahrnahm. Zwar war er nun selbst wach, doch es war ihm gleichgültig. Bewegung seinerseits würde sie erschrecken, bevor sie selbst ganz wach war. Doch sicherheitshalber hielt er sie ein wenig am Rücken fest. Er wollte nicht, dass sie vor Schreck nach hinten an die Wand sprang und sich verletzte.
Nur sehr langsam wachte die Frau neben ihm wirklich auf. Seufzend schluckte sie schwer, als wäre ihr Hals wie zugeschnürt und vollkommen ausgetrocknet. Noch ganz verschlafen kuschelte sie sich wieder an ihr männliches Kissen und nur langsam begann sie zu stutzen. Vorsichtig öffnete sie ihre Augen und erschrak. Durch den Halt an ihrem Rücken, konnte sie nur ein kleines Stück nach hinten zucken und erstarrte für einen Moment. Doch nach dem Schrecken kam die Neugierde.
Sie musterte Migell angetan und eindringlich. Gebräunte Haut, muskulös, breite Schultern und fast schulterlanges, schwarzes Haar, war das Erste, was ihr auffiel. Interessiert stützte sie sich etwas von der Matratze ab und besah sich sein Gesicht näher. Er hatte sehr männliche Gesichtszüge, doch war es fein genug, dass man ihn auch unter den Dorna als durchaus schön bezeichnen könnte. Unter seinem linken Auge befand sich die Zeichnung einer halbierten Sonne. Es war keine Tätowierung, denn die Farbe war leicht verblasst.
Innerlich zuckte Migell nervös mit den Augenbrauen. Er war es nicht gewohnt gemustert zu werden. Und gefallen tat es ihm auch nicht. Eigentliche wollte er sie nicht erschrecken, doch als sie nicht aufhörte sein Gesicht zu mustern, riss er seine nahezu schwarzen Augen auf und blickte sie ungewollt mürrisch an.
Vor Schreck schrie Sara kurz auf, zuckte nach hinten und weckte den alten Mann gleich mit auf. Durch die Bewegung, ging ein Stich durch ihre Schulter und sie hielt sich die Wunde. Tränen liefen ihr aus den Augenwinkeln. Bevor sie sich womöglich weiter bewegen konnte, rollte sich Migell gekonnt über die Frau und fixierte ihre Beine. Er stützte sich neben ihrem Kopf ab und man konnte erst jetzt seine halblangen Ohren erkennen.
Etwas knurrig sagte Migell: „Musst du mich unbedingt so anstarren?! Außerdem solltest du dich gar nicht bewegen, mit der Wunde. Ich habe mir große Mühe gegeben sie zu versorgen, also halt gefälligst still." Die Frau unter ihm war wie erstarrt vor Schreck und Schmerz und blickte ihn nur mit großen, erschrockenen, dunkelblauen Augen an. Seufzend wischte Migell ihr mit einer Hand ein paar Tränen aus dem Gesicht und bemerkte erst im Nachhinein, was er dort eigentlich getan hatte.
Zum Glück konnte er feststellen, dass er sie nicht auch noch vollständig unter der Decke hervor geholt hatte. Obgleich es ein schöner Anblick gewesen wäre. Er konnte seinen Blick einfach nicht von ihr lassen, doch die Angst in ihren Augen, konnte er auch nicht ertragen. Er bemühte sich nicht mehr zu gereizt zu klingen: „Verzeih. Ich wollte dich nicht so anfahren." Um ihr zu zeigen, dass er kein Feind war, ging Migell von Sara herunter und setzte sich neben sie auf die Bettkannte. Zwar folgte Sara ihm mit dem Blick, doch sie traute sich erst nicht, sich wieder zu rühren.
Aus sicherer Entfernung hatte der alte Mann das Schauspiel beobachtet und musste leicht schmunzeln. Migell dagegen strich sich mit einer Hand durch Gesicht und Haare.
Seufzend versuchte er zu erklären: „Ich bin nicht der Mann, der dich auf dem Marktplatz entführt hat. Ich bin dir nur gefolgt und, als dich der Mensch in die Mine gezerrt, verletzt und gewürgt hat, habe ich dich von ihm befreit und hergebracht. Erinnerst du dich an etwas davon?" Sehr zögerlich nickte Sara und Migell sprach weiter: „Mein Name ist Migell. Ich wüsste gerne, wem ich das Leben gerettet habe." Er schwieg, nachdem er seine Frage ausgesprochen hatte und ließ ihr etwas Zeit zum Antworten. Wie erwartet fiel ihre Antwort wirklich zögerlich aus: „Man nennt mich Sara."
Migell schmunzelte: „Na, war doch gar nicht so schwer, was?" Sara zwang sich zu einem schmerzverzerrten Lächeln und der alte Mann trat, aufgestützt auf einen Gehstock, in ihr Sichtfeld.
