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Götzendämmerung II – Alles All… der Irrsinn geht weiter… "Vom All aus sah Pandora wie eine angekohlte Kartoffel aus, die zu lange in der Ursuppe geschmort hatte. Der Planet wurde von drei Monden begleitet, die Kleiner, Großer und Gewaltiger Murks genannt wurden. Spuren des Krieges und des Booms waren überall gegenwärtig…" Während Majorin Zack auf dem Planeten Pandora erfährt, dass die drei verschwundenen Gottesmodule aus den Werkstätten der Firma Beelze & Bub stammen, kämpft Herr Taschke als Kammerjäger an Bord eines schrottreifen Raumfrachters gegen eine Schwarmintelligenz, mechanische Kakerlaken, einen größenwahnsinnigen Bordrechner und die Geburt einer narzisstisch gestörten Gottheit. "Die Fortsetzung geht munter weiter, irrsinnig weise, doppelbödig spaßig und unterhaltsam…" (Petra Brinki)
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Seitenzahl: 229
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Jörg Werner
Götzendämmerung II
Alles All
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Götzendämmerung II Das Imperium der Engel
Postraumfrachtschiff Hallig Öde
Raumkreuzer Bullkopf
Nanobotjagd
Der Da-Da-Raum
Götzenaufzug
Impressum neobooks
Richte doch deinen Blick in das Weltall: Nackt wirst du die Götter sehen, die alles geben, nichts besitzen.
(Seneca, „Über die Ausgeglichenheit der Seele“)
Schöpfer sind keine Götter. Sie erschaffen Orte, und das ist ziemlich schwer. Götter werden von Menschen geschaffen, und das erklärt eine Menge.
(Terry Pratchett, „Heiße Hüpfer“)
"Sieh mal: Das ganze Gehirn weggelutscht!"
(Film, Starship Troopers)
Zweites Buch
Alles All
Was bisher geschah:
Götzendämmerung I, Das Imperium der Engel:
Auf seiner abenteuerlichen Suche nach der von Aliens entführten Freundin Eleonore von Sternberg stößt Herr Taschke auf das Imperium der Engel, das die Erde im Geheimen verwaltet.
Mit Hilfe von Lama Yongdong und dem Sternennavigator Victor Wassiliv bekommt er ein Arbeitsvisum als Kammerjäger für ein havariertes Raumschiff der Engel, das sich im Sonnensystem versteckt hält, und erfährt nebenbei von einem weiteren verborgenen Raumschiff nahe der Erde, einem mutmaßlichen Piratenschiff.
Herr Taschke weiß jedoch nicht, dass ihm im Laufe seiner Suche nach einem Sternentor heimlich ein kleiner Chip in seine Stirn implantiert wurde, dort, wo sich das ‚dritte Auge‘ befindet. Der Chip soll die spirituelle Wahrnehmung der Menschen lenken und kontrollieren helfen. Dummerweise funktionieren die einzigen drei existierenden Prototypen nicht richtig, und zu allem Überfluss hat das Imperium der Engel diese sogenannten Gottesmodule auch noch auf der Erde aus den Augen verloren.
So wurde Geheimagentin Majorin Zack von der Zentrale zur Erschaffung und Verwaltung der Welten damit beauftragt, diese Artefakte der Macht zu suchen und sicherzustellen.
Götzendämmerung II, Alles All:
Die Majorin beginnt ihre Suche auf dem Planeten Pandora, dem Tor zur Wüsten Zone, einer Sternenzusammenballung im Herzen der Galaxie, während Herr Taschke an Bord eines Raumgleiters hinauf zu den Sternen fliegt, zu seiner neuen Arbeitsstelle, einem Postraumfrachtschiff des Imperiums der Engel mit dem seltsamen Namen Hallig Öde…
Und so nimmt der weise Irrsinn seinen Lauf …
Vom All aus sah Pandora wie eine angekohlte Kartoffel aus, die zu lange in der Ursuppe geschmort hatte. Der Planet wurde von drei Monden begleitet, die Kleiner, Großer und Gewaltiger Murks genannt wurden.
Spuren des Krieges und des Booms waren überall gegenwärtig. Der größte zivile Raumhafen des Systems entsprach einer eitel glitzernden Verkaufsschau und protzte mit dem Geld der galaktischen Großkonzerne, die ihn errichtet hatten. Das Areal des Hafens verlor sich bis zum Horizont, wo die grüne Wand des Dschungels Schrotthalden und durch die Hitze aufgeplatzte Landebahnen zurückeroberte, als wären sie vergessene Bühnenteile eines längst abgesetzten Dramas.
Vor der Ankunftshalle begrüßte den Besucher ein Meer aus roten und blau-weißen Fahnen. Die blau-weißen warben für Bumbu, ein in der gesamten Wüsten Zone weitverbreitetes Bier, während die roten Flaggen mit stilisiertem Presslufthammer für das Konsortium der Bergbaukonzerne wehten, die mit allen Mitteln tiefer in die Zone eindrangen und dabei immer mehr in Schwierigkeiten gerieten.
Auf einer der Fahnen prangte das Motto der Konzerne: ‚Wir schürfen ihren Wohlstand‘, das ‚für‘hatte jemand weggelassen.
Ein Strom von immens wertvollen Ressourcen floss aus der Zone über die Häfen des Planeten mit seinen drei Monden ins Imperium. Helium vier, Spice, Coltan, Fidschiwasser, Robotronik, Götterspeisen - die Liste exotischer und lebensnotwendiger Güter, die aus der Zone herausgeschafft wurden, war lang und lukrativ. Im Fahrwasser der Warenströme wurden allerdings auch Häresie, Ketzerei und Götterglaube aller Art ins Imperium gespült. So lag es in der Logik der Macht, dass es keine Zivilisation, keinen Geheimdienst, kein Ministerium, kein Unternehmen gab, das nicht seine Spione auf Pandora stationiert hätte. Der Planet mit seinen Monden glich einem Nest voller komplett durchgeknallter paranoider Agenten auf Nachrichtenentzug, die ständig nach neuen Informationen lechzten und für die keine Nachricht die schlechteste aller Nachrichten war.
Die ungewöhnlich dichte Zusammenballung von Sonnensystemen in der Wüsten Zone hatte bisher alle Versuche des Imperiums verhindert, die Pax Angelinas in den Quadranten hinein auszudehnen. Zu viele intrigierende Akteure und Interessengruppen konkurrierten um die Schätze der Zone.
Das ermöglichte es auch der Flotte, der Postunion, dem Ministerium für Demut und Vergebung sowie ZAK, der Kommission für Zulassung und Aufsicht, und diversen anderen kosmischen Spielern, ihre eigenen Ziele zu verfolgen, ohne die geltenden Gesetze allzu offensichtlich zu verletzen.
Zudem lag das Verwaltungszentrum der Galaxie weit weg und in der Zentrale für die Erschaffung und Verwaltung der Welten, der Suprazentrale des gesamten Universums, kümmerte sich sowieso kaum jemand um die Milchstraße. Die Galaxie war einfach zu popelig.
Die Flotte hatte aufgrund der permanenten Kampfeinsätze und Gleitaufgaben in der Zone den Kleinen Murks zur Flottenbasis ausgebaut. Die beiden anderen Monde beherbergten Werftanlagen, Umschlaghäfen und Lagerkomplexe.
Raumstationen tummelten sich um die Monde wie lästige Fliegen. Frachtraumer schwebten auf Reede, Geleitzüge wurden zusammengestellt oder kamen aus der Zone, um gelöscht oder umgeladen zu werden.
Die galaktische Postunion unterhielt einen eigenen Raumhafen auf Gewaltiger Murks und das Ministerium für Demut und Vergebung betrieb etliche über Pandora und die drei Monde verteilte Hotels. Eine Investition zur Informationsbeschaffung und Überwachung gefährlicher und interessanter Gäste, und von denen gab es mehr als genug.
In den Amüsiervierteln rund um die Raumhäfen machte das übliche Strandgut eines unerklärten Krieges und Booms Pause von den aufreibenden Geschäften des postmodernen Raubrittertums in der Wüsten Zone. Rebellen, Räuber, Finanzjongleure, Warlords, Stammeskrieger, Leofanten, Prostituierte, Milizangehörige, Spione, Schmuggler, Drogenhändler, freigelassene Androiden, Frachtkapitäne, Belligatoren, gestrauchelte Götter, Matrosen, lädierte Cyborgs und Söldner trieben durch die schwülen Nächte wie Gespenster auf der Suche nach Erlösung. Und keine Spezies der Galaxis fehlte bei diesem Tanz ums Goldene Kalb, dieser endlosen Scharade um Macht und Gier, diesem permanenten asymmetrischen Krieg des Habens, um zu sein.
Majorin Zack wartete in einer Häuserschlucht nahe den Kasinos an einem der zahlreichen, mit bunten Lampions verzierten Essensstände auf ihr Misch Masch, ein Eintopfgericht aus „original hundertprozentig frischem Dschungelzeugs, Viehzeug, mein ich, frisch, frisch von Hand erschlagen, nich anders, mit chemischer Keule oder so erledigt“, wie ihr die Köchin versicherte, wobei sie beim Sprechen ständig mit der Zunge über ein paar letzte faulige Zähne fuhr. Geogleiter zogen über sie dahin, Rikschas schepperten, von notdürftig zusammengeflickten ausrangierten Kampfrobotern getrieben, vorbei. Eine bunte Masse exotischer Lebensformen wogte hin und her. Der Majorin kam es vor, als würde eine unbekannte Schwarmintelligenz ein kompliziertes Ballettstück ohne Thema aufführen. „Pandora kocht das Hirn“, besagte ein Sprichwort - die Hitze war allgegenwärtig.
Majorin Debora Zack war vor einigen Standardtagen auf dem Planeten angekommen und hatte umgehend Strategem Nummer 13, ‚Auf das Gras schlagen, um die Schlange aufzuscheuchen‘, in die Wege geleitet. Sie liebte Strategeme, die Schwerter des Geistes. Ihre Agenten hatten Nachrichtenhändler, Informanten und einige wichtige Schlüsselfiguren streng vertraulich nach den Gottesmodulen befragt und, wie erwartet, nicht einen brauchbaren Hinweis erhalten.
Die Majorin beobachtete eine unscheinbare Lichtreklame im Schaufenster eines Esoterikschuppens neben dem Essensstand. Ein Workshop-Angebot lautete ‚Trommle dich frei‘, ein anderes ‚Loslassen, die gelebte Spiritualität‘, dann erlosch das Licht und verkündete: ‚Sie kommen‘. Majorin Zack blickte ohne den Kopf zu heben hinter ihren schwarzen Schneebrillengläsern nach oben. Und tatsächlich, dort kamen sie. Ein protziger Luxusschweber mit einer kleinen Standarte am vorderen Kotflügel schraubte sich in einer Pirouette zwischen den Häusern herunter und blieb neben der Majorin in der Schwebe. Die Türen glitten hoch und zwei Leofanten sprangen heraus und sicherten die Umgebung.
Die Majorin ignorierte die beiden Idioten, nahm ihr Misch Masch in einer Tüte aus Zeitungspapier entgegen und begann vorsichtig zu essen.
Bei einem Gericht wie diesem ist Vorsicht die erste Überlebensregel.
Eine Stimme aus dem hinteren Teil des Schwebers sprach sie an: „Gnädige Frau, ich bitte Sie, ein wenig Ihrer Zeit zu opfern, um mich zu jemandem zu begleiten, der das dringende Bedürfnis verspürt, einige Informationen mit Ihnen auszutauschen. Ich glaube sagen zu können, dass ein Gespräch auch in Ihrem Interesse sein dürfte.“
„Wer will mich sprechen?“, Majorin Zack gab sich absichtlich brüsk. Die Standarte am Wagen zeigte zwei stilisierte Kreuz-Damen und gehörte demnach zum einflussreichen Glücksspielimperium der Schwarzen Schwestern, zwei ausgesprochen rührigen Zwillingsschwestern mit dem Ruf, ebenso klug wie gnadenlos zu sein. Kein Sterblicher, so ging das Gerücht, hatte jemals eine Begegnung mit beiden Schwestern überlebt. Sie hielten sich voneinander fern, damit im Falle eines Anschlages die Überlebende Rache nehmen konnte. Traf man sie zusammen, war das Todesurteil schon gesprochen. Das Konzept funktionierte und zur Demonstration von Nachhaltigkeit tauchten von Zeit zu Zeit ein paar spektakulär entstellte Leichen im Dunstkreis der Schwestern auf.
„Gnädige Frau, Sie werden überrascht sein, das verspreche ich Ihnen.“
„In meinem Beruf schätze ich keine Überraschungen, sie enden meist enttäuschend“, erwiderte die Majorin.
Ein meckerndes Lachen folgte aus dem Wageninneren. “Ein durchaus nachvollziehbarer Standpunkt, Majorin Zack, aber Ihre Zuträger wirbeln nicht überall Staub auf und meinen ernsthaft, etwas Substanzielles zu erfahren. Dafür sind Sie zu sehr Profi.“
„Danke für das Kompliment, auch wenn es in meinen Ohren fragwürdig klingt.“
„Majorin, Sie kommandieren eines der effizientesten Agentennetze weit und breit, Ihre Leute rennen nicht herum wie kopfloses Geflügel, es sei denn, Sie suchen einen kompetenten Gesprächspartner.“
„Und den haben Sie für mich?“
„Definitiv den Richtigen und Einzigen.“
„Wen, die Schwarzen Schwestern?“
Wieder folgte dieses Lachen. „Fungieren nur als Vermittler.“
„Und wo soll’s hingehen?“
„Ins Glück Auf, das erste Kasino auf dem Planeten, dort wird man Sie kontaktieren.“
„Klingt ein bisschen kompliziert. Was für Sicherheitsgarantien hab‘ ich?“
„Sie werden nicht gefilzt, Waffen oder Peilsender können Sie ruhig behalten, nur auf ein Aufzeichnungsgerät sollten Sie bei ihrem Ehrenwort verzichten.“
„Nun, mein Ehrenwort haben Sie.“
„Gut, gnädige Frau, dann steigen Sie ein.“
Eine unkomplizierte Prozedur, wie sie sich nur wirklich mächtige Spieler erlauben können. Im Wagen erwartete sie ein kleiner dünner Mann in einem viel zu weiten Smoking mit verrutschter Fliege. Der Dünne stellte sich nicht vor. Im Kasino eilten sie, begleitet vom Klingeling der Automaten und dem Gemurmel an den Tischen, durch die überfüllten Spielsäle. Über einem Hasardtisch stand zu lesen: ‚Verlierer heben niemals ab, Gewinner kommen in den Himmel‘.
„Schöner Spruch“, bemerkte der Dünne.
„Für Gläubige und Blödmänner“, erwiderte die Majorin.
Sie nahmen einen Fahrstuhl, der endlos nach unten sank. Umso erstaunlicher war der Ausblick, der sich der Majorin bot, als die Türen lautlos zur Seite glitten. Unter ihr, hinter einer beeindruckenden Panoramascheibe, vor der zwei kleine burgunderrote Ledersessel einen winzigen Beistelltisch flankierten, breitete sich das Lichtermeer der Stadt aus wie ein aus Irrlichtern gewobener Teppich. Ansonsten war der hohe quadratische Raum aus schwarzem Granitstein leer und speicherte Finsternis. Nur in der linken Wand loderte, eingesperrt hinter Glas, ein kühlendes Feuer. Die Granitwand zur Rechten verlor sich scheinbar ins Unendliche. Eine magische Dunkelheit, die ihren Betrachter in ihr Innerstes zu ziehen schien. Sie blieben vor der Wand stehen. Der dünne Mann ergriff das Wort: „Majorin, wenn Sie sich noch einen kurzen Moment gedulden möchten, Ihr Gastgeber wird sich jeden Moment zu Ihnen gesellen. Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen wollen.“ Damit wandte sich der Dünne um und ging. Vor der Fahrstuhltür blieb er noch einmal stehen und sagte: „Und überlegen Sie sich gut, wohin Sie schauen wollen. Über die Lichter der Stadt oder in die Tiefen des Verborgenen.“
Die Majorin entschied sich für die Granitwand. Eine ganze Weile geschah nichts. Dann drang allmählich das leise Gemurmel von Spielern zu ihr und sie sah, wie hinter einem Einwegspiegel, einen kleinen roten Salon vor sich. Die Wand war verschwunden. In der Mitte des Salons war auf dem Boden in leuchtend weißer Farbe ein Hexagramm gemalt, in dessen Zentrum sich ein Tisch mit blütenweißem Tischtuch und zwei gegenüberstehenden Stühlen befand. In lockerem Kreis um das Arrangement lungerte ein Querschnitt des üblichen Kasinopublikums herum, schlürfte Champagner, erging sich in Small Talk und scherzte.
Einige Zeit lang geschah wieder nichts. Dann erstarb das gedämpfte Gemurmel. Eine außergewöhnlich kühle, abweisende Dame mit blauem Teint in schlichtem weißem Abendkleid mit blutrotem Schal um den schlanken Hals betrat den Kreis, gefolgt von einem ausdruckslosen Leofanten, der eine Schatulle gut sichtbar in seinen beiden Pranken vor sich hertrug.
In der Mitte angekommen nahm die Eislady einen Revolver aus der Schatulle, hielt die Waffe mit aufgeklappter Trommel gut sichtbar über ihren Kopf, steckte mit spitzen Fingern eine Patrone in eine Kammer, klappte die Trommel ein, ließ sie rotieren, dann legte sie die Waffe auf dem Tisch ab.
Zwei verstörte Männer - Engel oder Menschen, das konnte die Majorin nicht genau ausmachen - wurden hereingeführt und gezwungen, gegenüber an dem Tisch Platz zu nehmen. Einige Buchmacher gingen herum und sammelten Wetteinsätze ein. Die beiden Männer am Tisch schwitzten, einer zitterte wie unter Strom. Eine Münze wurde geworfen und die Eislady schob den Revolver vor einen der Männer. Der starrte die Waffe an. Ein Schweißtropfen suchte sich in Zeitlupe seinen Weg die Wange entlang. Der Majorin entging nichts. Die Zeit schien eingefroren. Die Buchmacher heizten die Stimmung für weitere Wetten auf. Die Eislady schlug eine kleine Zimbel an, der Klang hing dünn und verloren im Raum. Augenblicklich trat Stille ein. Da riss der schwitzende Mann die Waffe blitzschnell hoch, als gelte es der Zeit zu entfliehen, hielt sich den Revolver in den Mund und drückte ab. Ein Klicken ertönte. Sofort setzte das Wetten wieder ein, hitziger jetzt, wie im Rausch. Hysterisches Lachen erklang. Die Waffe wechselte zu dem zweiten Mann, das Spiel ging weiter. Die Majorin betrachtete das Schauspiel zunehmend angewidert.
Wieder traf der Hammer der Waffe auf eine leere Kammer, wieder wechselte der Revolver zurück, gefolgt von neuen Fieberwetten und Hysterie. Der Geräuschpegel stieg an und schwebte über den Köpfen, nur kurz unterbrochen von dem Ton der Zimbel und einem weiteren trockenen Klick.
Die Majorin trat einen Schritt zurück und angelte eine dünne Zigarette mit langem Papierfilter, den sie sorgsam knickte, aus ihrem Silberetui. Ein flüchtiges Schattenspiel ließ sie den Kopf drehen. Es kam ihr vor, als wäre jemand aus dem kalten Feuer hinter ihr herausgetreten. Ein goldenes Feuerzeug flammte neben ihr auf und ein bleicher Aristokrat in perfekt sitzendem Abendanzug deutete, leicht amüsiert, eine Verbeugung an.
Den bleichen Aristokraten mit scharf geschnittenem Profil umwehte eine Aura hartgesottener Herablassung, wie sie nur von jenen erlangte wurde, denen sich der Sinn des Lebens als großer Hokuspokus offenbart hatte. Gewöhnlich führte das zu Zynismus und permanent schlechter Laune, wie die Majorin wusste. Sie war auf der Hut, inhalierte tief und wartete auf den ersten Zug des Aristokraten. Der hatte Farbe angenommen, glühte jetzt rötlich und dampfte leicht wie ein kaputter Wasserkessel. Ein verdammter Dämon, schoss es der Majorin durch den Kopf, einer aus der Oberliga.
In dem roten Salon war wieder ein Moment absoluter Stille eingetreten.
Klick!
Dann brach ein Tumult aus. Einer der beiden Spieler war aufgesprungen und versuchte die Tür zu erreichen. Einigen der Wetter gelang es, den sich wild umherwerfenden Mann festzuhalten. Die Eisprinzessin trat eilig dazu, legte sanft und beruhigend ihre Hand auf den Kopf des Mannes und drehte ihn zärtlich zur Wand. Dort hingen einige Hologramme mit Jagdszenen. Der Mann starrte in ein Bild, auf dem einige Engel, Dämonen und eine Meute Höllenhunde einen Drachen in die Enge getrieben hatten. Das Tier stand mit dem Rücken zu einer Felswand, während die Jäger einen Halbkreis darum bildeten. Seine Rückenstacheln standen hoch und er spuckte Feuer und Asche. ‚Der Drache stellt sich‘ war unter dem Hologramm zu lesen.
Der Mann stand jetzt ganz ruhig.
Da riss die Eisprinzessin mit einem brutalen Ruck den Kopf des Mannes nach hinten und schnitt ihm die Kehle durch. Ein Blutstrahl schoss zur Wand und verschwand in der gleichfarbigen Tapete.
„Rien ne va plus“, rief der Chefbuchmacher.
„Warum?“, fragte die Majorin und drehte sich dabei dem bleichen Aristokraten zu.
„Einen bestrafen, um hundert zu warnen.“
„Bestrafen wofür?“
„Für Diebstahl an meinem geistigen Eigentum.“
„Und wen wollten Sie mit der Sauerei warnen, mich?“
„Vielleicht, meine Teure, wollen Sie denn mein Eigentum stehlen?“
„Kommt auf das Eigentum an.“
„Drei Neuroimplantate, Steuer-Chips für Androiden und Cyborgs, geistern momentan unter der Bezeichnung Gottesmodule durch die Galaxis.“
„Na, dann sind sie ja schon gestohlen, wenn ich nicht irre.“
Darauf ging der bleiche Aristokrat nicht ein, vielmehr deutete er abermals, diesmal militärisch knapp, eine Verbeugung an und sagte: „Ich vergaß mich vorzustellen, Frau Majorin Zack, mein Name ist Saa-Tan, geschäftsführender Vorsitzender der Bub&Belzee-Kooperation und einiger weiterer Unternehmen.“
„Woow“, entfuhr es der Majorin. Das war nicht nur die dämonische Oberliga der Galaxis, das war gleich die Führungsspitze in Person des Vorsitzenden selbst. „Exzellenz, Sie sehen mich einigermaßen erstaunt.“
„Weil ich Sie kenne?“
„Nein, Exzellenz, Sie mögen meinen Namen gehört haben, kennen tun Sie mich gewiss nicht. Nein, ich bin erstaunt, Sie im Hoheitsgebiet des Imperiums anzutreffen. Sind Sie nicht eine der am meisten verdammten und gesuchten Entitäten der Milchstraße?“
„Was niemanden daran hindert, mit mir Geschäfte zu machen, Majorin, am wenigsten die sieben Erzengel, die dem Imperium und der Milchstraße vorstehen.“
„Sie machen Geschäfte mit dem galaktischen Wohlfahrtsausschuss der Sieben?“
„Nicht mit dem Ausschuss, nicht offiziell, aber mit jedem einzelnen der sieben mächtigen Engel, wenn es sich ergibt oder sein muss. Wissen Sie, ein fundamentales Feindbild ist oft nützlicher im Poker um die Macht als jede andere Ressource. Ich liefere das Feindbild. Das macht mich zu einem wertvollen Geschäftspartner. Aber kommen Sie, setzen wir uns doch.“
Herr Saa-Tan gab sich zuvorkommend und rückte der Majorin den Sessel vor dem Panoramafenster zurecht. Auf dem Beistelltisch fanden sich ein Schälchen mit Feuerbohnen, ein Glöckchen und zwei Gläser Champagner. Sie setzten sich und starrten eine Weile schweigend auf das Gewusel des Lebens unter ihnen.
„Sind Sie vertraut mit der Macht, Majorin?“
„Ich bin vertraut mit den Eitelkeiten und Leidenschaften hinter den Kulissen der Macht. Aber deswegen bin ich nicht hier. Reden wir lieber über die Gottesmodule.“
Saa-Tan lächelte kalt, während das Feuer in der Wand neben ihnen hochschoss.
„Gut, reden wir über die Module. Ich werde Ihnen dazu eine Geschichte erzählen müssen.“
„Ich schätze gute Geschichten.“
„Sie kennen die Menschen und die Erde, Majorin?“
„Habe in der letzten Zeit viel über sie gehört, eine schwierige Spezies.“
„Eine närrische Spezies. Vor langer Zeit, bei der Verwaltung der Erde, gab es gewaltigen Krach unter uns Erzengeln, damals gehörte ich noch dazu. Na ja, jedenfalls eskalierten die Auseinandersetzungen und ich begann meinen eigenen Weg zu gehen.“
„Sie gründeten die Bub&Beelze-Kooperation.“
„Das kam erst später, anfangs habe ich mich noch bei den Streitigkeiten um die Zukunft der Erde und der Menschheit eingemischt.“
„Dabei haben Sie Ihr Image gründlich ruiniert.“
„Das waren die anderen. Eine Kampagne. Alles Mögliche hat man mir angehängt. Erst hab ich Rauch und Schwefel vor Wut gespuckt, dann habe ich erkannt, dass sich aus so einem Ruf hervorragend Kapital schlagen lässt und man vor allen Dingen eins besonders gut kann.“
„So, was denn?“
„Macht generieren.“
„Sie haben angefangen, Ihren Ruf zu verkaufen?“, staunte die Majorin.
„Ich habe angefangen, einen Markennamen zu implantieren und einem Unternehmen eine unverwechselbare Firmenphilosophie zu geben. Dazu habe ich mir einen gewissen Ruf zugelegt.“
„Ja, man sagt Ihnen nach, Sie würden Seelen in der Hölle schmoren.“
„Was hat man mir nicht alles angedichtet. Diese perfideste Unterstellung haben meine ehemaligen Kollegen, die Erzengel, auf der Erde verbreitet, indem sie das Gerücht in Umlauf brachten, ich würde Seelen sammeln.“
„Und, stimmt das nicht?“
„Zeigen Sie mir mal eine Seele, Majorin.“
„Metaphorisches ist schwer zu zeigen, aber gibt es die Hölle wirklich, ich meine, als real existierenden Ort, Exzellenz?“
„Soviel ich weiß, ja. Ein Planet im Herzen der Wüsten Zone, dort, wo die Sterne am dichtesten stehen. Heißt Hölle, nach seinem Entdecker Bartholomäus Hölle, einem Pionier des Eros, ist in Begleitung von sieben jungfräulichen Suffragetten auf den Planeten gestoßen. Soll bald nach der Entdeckung wahnsinnig geworden sein, schon zynisch manchmal, das Schicksal. Übrigens ein wunderschöner Himmelskörper, viel Wasser, viel Grün und ein erträglich mildes Klima. Ich selber war nie dort, ich friere zu leicht.“
„Interessant.“
„Zurück zu unserer Geschichte. Jedenfalls bemerkte ich, dass die sieben Erzengel panische Angst vor jeder Form von selbständiger Intelligenz entwickelten. Das hing mit ihren Erfahrungen mit den Menschen zusammen. Sie sind nie wirklich drüber hinweggekommen, dass sie gezwungen waren, um sich nicht gänzlich zu zerfleischen, die Aufsicht über die Erde den verachteten Putten zu überlassen.“
„Ein Trauma der Führung dieser Galaxis.“
„Ein gefährliches Trauma, was jede Entwicklung ausbremst.“
„Das mag bedauerlich sein, aber was hat das mit den Gottesmodulen zu tun?“
Saa-Tan nahm eine Feuerbohne, warf sie in die Luft und fing sie mit dem Mund auf. Wieder diese lächerliche, kindische Selbstgefälligkeit der Macht, dachte Majorin Zack und schüttete angewidert ihren Champagner hinunter.
„Man nennt mich unter anderem auch Luzifer, den Herrn der Materie. Und da das Imperium sich der technologischen Entwicklung von so vielem Nützlichem, was auf der Entwicklung von künstlicher Intelligenz, auf Mathematik und Algorithmen beruht, bis vor Kurzem weitgehend verweigert hat, habe ich in der Wüsten Zone Unternehmen aufgezogen, die das Imperium seit den Anfängen seiner Expansion mit den notwendigen Technologien versorgt haben. Man hat mir das Monopol auf die Herstellung künstlicher Intelligenz im Imperium überlassen. Und alle haben bei meinen Unternehmen gekauft. Die Flotte, die Postunion, die Ministerien, die Wirtschaft. Es gibt keinen Cyborg in der Galaxis und keinen Androiden oder Roboter, in dem nicht Komponenten aus einer meiner Produktionsstätten verbaut sind.“
„In dem mechanischen Ungeziefer, das sich in der ganzen Galaxie breitmacht, auch?“
„Bedauerlicherweise, ein technologischer Kollateralschaden.“
„Ja, zu dumm, aber inzwischen gibt es auch andere Firmen, die Androiden und dergleichen bauen.“
„Ja, bedauerlicherweise bröckelt das Monopol. Andererseits ist das ein natürlicher ökonomischer Prozess.“
„Konkurrenz belebt das Geschäft“, erwiderte die Majorin, die wusste, dass die zunehmende Abhängigkeit vieler Wirtschaftsbereiche vom Einsatz künstlicher Intelligenz das imperiale Herstellungsverbot immer mehr aufgeweicht hatte. Die Nutzung von Androiden und Cybertechnologie konnte sowieso nie unterbunden werden. Doch hatten die Jahre künstlicher Verknappung mechanischer Intelligenz für einen schwunghaften Handel mit allem, was sich zu etwas Nützlichem zusammenbasteln ließ, geführt. Die Galaxie war überschwemmt von künstlichen, mäßig intelligenten Schrottkonstrukten, verhaltensauffälligen Billigprodukten, Wegwerfrobotern mit kurzer Haltbarkeitsdauer, kurz, von gestörten Intelligenzen mit eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten und instabilen Schaltungen.
„Die bauen nach“, bemerkte Saa-Tan.
„Schön, Nachbauten, meinetwegen.“
„Hier kommen die Module ins Spiel. Meine Unternehmen sind noch immer führend in der Cybertronik und das sollte auch so bleiben. In einem meiner Laboratorien in der Wüsten Zone haben sie deshalb an diesen Chips geforscht mit dem Ziel, Androiden und Roboter zu optimieren.“
„Um Roboter mit Spiritualität zu versehen?“
„Um sie selbständiger zu machen, in gewissen Grenzen.“
„Hat es funktioniert?“
„Das ist unklar.“
„Sie kennen die Ergebnisse Ihrer eigenen Forschungsabteilungen nicht?“
Saa-Tan fuhr ungehalten herum. Er sprühte ein paar Funken. Die Majorin musste an eine schlecht isolierte Schaltung denken. Er fuhr wütend fort: „Die drei einzigen vorhandenen Prototypen sind mir gestohlen worden.“
„Von wem?“
„Von den zwei Idioten, von denen sich gerade einer mit meiner gütigen Erlaubnis das Hirn weggeblasen hat.“
„Ihm wurde die Kehle durchgeschnitten, wenn ich Sie korrigieren darf.“
„Hören Sie mit der Sophisterei auf. Tot ist tot.“
Da wollte die Majorin nicht widersprechen, in der Beziehung war ihr Gegenüber absoluter Profi. Saa-Tan nahm das kleine putzige Glöckchen von dem Beistelltisch und klingelte sanft. Der zarte Ton hallte in dem leeren Raum nach wie ein Fluch. Der dünne Mann im schlotternden Smoking eilte lautlos herbei, zusammen mit einem mehrfach geflickten Cyborg, der den überlebenden Spieler in eisernem Griff vor sich herschob.
Saa-Tan sagte: „Ein Hilfswissenschaftler und ein Ingenieur haben die Steuer-Chips geklaut und hier auf Pandora verschachert“, er unterbrach sich kurz, musterte den Gefangenen und fuhr fort: „Welcher bist du? Der Ingenieur oder der Hilfsfuzzi?“
Der Mann hing vom Greifarm des Cyborgs und glich dabei einem komplett entlüfteten Schlauchboot.
„Der Ingenieur“, stammelte der luftleere Mann.
„Also, Ingenieur, dann erzähl der Dame mal, wem du die Chips verkauft hast.“
„Das weiß ich nicht.“
„Ihr habt die verdammten Module verkauft ohne zu wissen, an wen?“, staunte Saa-Tan und schnipste mit dem Finger. Der Cyborg begann den luftleeren Mann zu schütteln. Dabei klapperten dessen Zähne wie lose Klaviertasten.
„Aufhören!“, befahl die Majorin, „Ich übernehme die Befragung.“ Saa-Tan gab sich interessiert. Befragungen ohne Zwangsmittel versetzten ihn regelmäßig in Erstaunen.
Die Majorin hatte sich erhoben, war auf den Mann zugetreten, hatte einen Arm um seine Schultern gelegt und ihn etwas zur Seite geführt. Dabei flüsterte sie in sein Ohr: „Hör zu, Kleiner, wenn du mir alles sagst, was du weißt, versuche ich, dich hier heil rauszubringen.“ Der Ingenieur zitterte weiter. Wahrscheinlich war sein Vertrauen in Frauen, die freundlich einen Arm um einen legten, nach dem jüngsten Ableben seines Kumpans äußerst begrenzt.
„Das ist die einzige Option, die du hast, du kennst deinen Boss. Ganz mieser Ruf und nachtragend“, zischte die Majorin dem Mann ins Ohr. Der war zwar Experte, aber dennoch klug genug, dem Rat der Dame zu folgen. Es sprudelte aus ihm heraus: „Wir haben die Arbeiten an dem Chip für gescheitert erachtet. Es hat einfach nicht funktioniert.“
„Was hat nicht funktioniert?“
„Die Module für ein einheitliches spirituelles Erleben zu programmieren. Die Versuchsroboter haben immer wieder völlig Unterschiedliches wahrgenommen, sich verschaltet, zwei sind Amok gelaufen, einer hat sich für einen heiligen Berg gehalten, ein anderer hat sich selbst unter Strom gesetzt um seine Erleuchtung zu beschleunigen und ist dabei innerlich verschmort. Etliche sind schlicht verrückt geworden, haben ohne Unterlass gesungen und getanzt, bis sie auseinandergebrochen sind. Wir haben alles Erdenkliche probiert, um die Chips zum Laufen zu bringen.“
„Was?“
„Verschiedene Programme, selbstlernende Software, Bio-Chips, Drogendepot im Chip mit kontrollierter Abgabe, totale Informationsanalyse durch Algorithmen.“
„Die Vorsilbe al hat noch nie für etwas Vernünftiges gestanden, das hättet Ihr wissen müssen. Al Kaida, Algebra, Alkohol, Alimente“, warf Saa-Tan ein und wurde von der Majorin brüsk unterbrochen.
„Fahr fort, mein Junge.“ Der Ingenieur gehorchte.
„Zum Schluss waren wir so verzweifelt, dass wir noch einen letzten Versuch starten wollten. Wissen Sie, gnädige Frau, in unserem Unternehmen wird Scheitern nicht geduldet.“
„Mit Recht. Geschäfte im Informationskapitalismus sind wie Krieg. Wer scheitert, verschwindet.“, grummelte Saa-Tan dazwischen.
„Als auch dieser letzte Versuch mit den Chips zu keinem Ergebnis geführt hat, haben wir uns nach einem Käufer für die drei letzten nutzlosen Module auf dem Schwarzmarkt von Pandoraumgehört. Mit dem Geld wollten wir untertauchen. Mein Kollege hat dann einen Käufer gefunden, wen, weiß ich nicht, bei dem Verkauf war ich nicht dabei. Kurz danach sind wir aufgeflogen.“
Majorin Zack wandte sich an Saa-Tan und sagte ungehalten: „Und Sie wollen mir jetzt bitte nicht erzählen, Sie hätten den anderen Mann nicht verhört.“
„Haben wir, er wusste definitiv nichts, außer dass der Verkauf mit einem Unbekannten in einem der Hotels abgewickelt wurde, das von dem Ministerium für Demut und Vergebung überwacht wird.“
„Und da haben Sie nicht nachgehakt?“
„Wir haben unsere Quellen angezapft und nichts, absolut nichts erfahren und genau das stinkt, Majorin. Wir sind keinen Schritt vorangekommen, sonst würde ich hier nicht mit Ihnen reden.“
„Und was denken Sie?“
„Eine Intrige, hinter der mehr steckt, als die drei geklauten funktionsuntüchtigen Module vermuten lassen. Da geht’s sicher um etwas anderes.“
„Und wie kommen Sie darauf, Herr Saa-Tan?“, fragte die Majorin süffisant. Sie hatte den luftleeren Ingenieur losgelassen und hinter sich geschoben. Der Cyborg stand starr neben dem Kamin wie ein Behälter für Überflüssiges. Er leckte aus einem Bein, eine Öllache breitete sich langsam unter ihm aus. Der dünne Mann schwieg beharrlich und blickte stur geradeaus. Die Atmosphäre im Raum erinnerte an eine herannahende Sturmfront. Das Feuer loderte sprunghaft und warf hässliche Schatten.
„Zwei Vorkommnisse haben mich misstrauisch gemacht. Erstens hat uns jemand anonym kurz nach dem Verkauf über den Diebstahl informiert.“
„Und zweitens?“
„Später ist uns die Information zugespielt worden, dass die Chips jetzt Gottesmodule genannt werden und auf der Erde aufgetaucht sein sollen. Gleichzeitig hat man uns die Kopie von einer Prophezeiung geschickt, die wirklich beunruhigend ist.“
Innerlich heulte die Majorin auf. Jetzt auch noch Satan. Schon wieder traf sie auf eine der maßgeblichen Mächte in der Galaxie, die an Prognosen, Orakel und Zukunftsvisionen glaubte.
„Was ist an einer Vorhersage, die von Veränderungen, Instabilität und neuen Göttern spricht, nur so beunruhigend. Das ist doch Standardkram für jedes Orakel.“
