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Das Buch entwirft eine geistliche Routenplanung mithilfe moderner Bilder des spirituellen Weges. Es soll ermutigen, den christlichen Weg in einer modernen Welt zu finden und zu gehen. Pfr. Dr. Stephan Johanus, Dipl. theol. Humboldt-Universität Berlin, Dr. theol. Universität Heidelberg (im Fach Interkulturelle Theologie bei Prof. Dr. Theo Sundermeier).
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Seitenzahl: 54
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Vorwort
1 Gegen die Gefahr
2 Die Macht ist mit dir!
3 Der Freund Bonhoeffer
4 „Schon bezahlt!“
5 „Ground control to Major Tom“
6 Das GPS
7 Der Gentleman
8 Literaturverzeichnis
Wie kommt Gott heute zur Sprache? Nun, bevor der Mensch überhaupt an einen Gott denkt, denken kann, hat er das Gefühl, dass es kein Zufall ist, dass bestimmte Ereignisse oder Personen in seinem Leben in besonders bedeutungsvoller Weise auftreten. Wir geben diesen Ereignissen und Personen ein gewisses Gewicht. Nicht selten geht das so weit, dass wir ihnen eine quasi übernatürliche Bedeutung zuschreiben, auch wenn wir die Ereignisse und Personen nicht recht deuten können. Trotzdem bleibt der Gedanke: Es muss sich dabei um etwas Besonderes handeln.
Die Deutung dieses Erscheinens jener Personen und des Hereinbrechens bestimmter Ereignisse ist aber mehrdeutig. Wir können an das Phänomen Donald Trump denken, das Erdbeben von Lissabon oder vielleicht den Dalai Lama oder auch die Kreuzigung Jesu.Wie dem auch sei, werden wir von solchen übernatürlichen Ereignissen eingeholt, bevor wir einen Gedanken an Gott aufwenden können.
Erst im Licht einer eindeutigen Auslegung, einer Dechiffrierung der Ereignisse und Personen, können wir davon sprechen, dass sich Gott in ihnen offenbart hat. Die Zuverlässigkeit der Offenbarung sieht das Neue Testament darin gegeben, dass es sich um eine Offenbarung in Jesus Christus handelt.
„Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn.“ (Hebr. 1, 1)1
Die Fokussierung auf den Einen erscheint als Reduktion und doch liegt gerade hierin eine Verlässlichkeit und Eindeutigkeit, denn die Offenbarung durch Jesus Christus ist nie ohne ein ethisches Vorzeichen.
Das Neue Testament schafft also Raum für einen neuen Weg der Kommunikation, was in vielfacher Weise besonders im Johannesevangelium und in der Apostelgeschichte angedeutet ist. Dieser Spur lohnt es sich nachzugehen.
Dr. Stephan Johanus
(Weesen (CH), Juli 2025)
1 Deutsche Bibelgesellschaft ( Hrsg.) Lutherbibel 2017, Stuttgart 2016.
(Joh 11, 1-16)
11, 1 Ein Mann namens Lazarus, der in Betanien wohnte, war schwer erkrankt. Im selben Dorf wohnten auch seine Schwestern Maria und Marta. 2 Maria war es gewesen, die mit kostbarem Salböl die Füße des Herrn übergossen und sie mit ihrem Haar getrocknet hatte. Weil ihr Bruder Lazarus so krank war, 3 ließen die beiden Schwestern Jesus mitteilen: »Herr, dein Freund Lazarus ist schwer erkrankt!« 4 Als Jesus das hörte, sagte er: »Diese Krankheit führt letztlich nicht zum Tod, sondern durch sie soll Gottes Macht und Herrlichkeit sichtbar werden, und auch der Sohn Gottes wird dadurch geehrt.« 5 Jesus liebte Marta, ihre Schwester Maria und Lazarus. 6 Aber obwohl er nun wusste, dass Lazarus schwer krank war, wartete er noch zwei Tage. 7 Erst danach sagte er zu seinen Jüngern: »Wir wollen wieder nach Judäa gehen.« 8 Doch seine Jünger wandten ein: »Rabbi, vor kurzem haben die Leute in Judäa versucht, dich zu steinigen. Und jetzt willst du wieder dorthin?« 9 Jesus antwortete: »Ist esnicht zwölf Stunden am Tag hell? Wer sicher laufen will, muss diese Zeit nutzen; denn nur bei Tageslicht sieht er den Weg. 10 Wer nachts unterwegs ist, stolpert in der Dunkelheit, weil das Licht nicht bei ihm ist.« 11 Nachdem er das seinen Jüngern gesagt hatte, meinte er: »Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen, aber ich will hingehen und ihn aufwecken!« 12 Die Jünger erwiderten: »Herr, wenn er schläft, wird er bald wieder gesund sein.« 13 Sie meinten nämlich, Jesus hätte vom gewöhnlichen Schlaf gesprochen, aber er redete von Lazarus’ Tod. 14 Deshalb sagte Jesus ihnen ganz offen: »Lazarus ist gestorben! 15 Doch euretwegen bin ich froh, dass ich nicht bei ihm gewesen bin. Denn nun könnt ihr lernen, was Glauben heißt. Wir wollen jetzt gemeinsam zu ihm gehen!« 16 Thomas, den man auch den Zwilling nannte, sagte zu den anderen Jüngern: »Ja, lasst uns mit Jesus nach Judäa gehen und dort mit ihm sterben.«
„Frau Johanus, ich muss ihnen sagen, dass ihr Sohn im Unterricht machmal wie abwesend wirkt, als wäre er gar nicht richtig da.“ Mein Klassenlehrer hatte meine Mutter zu einem Gespräch in die Schule gebeten. Sie antworteteihm darauf, dass wir es im Moment als Familie nicht leicht hätten. Es gäbe einen Todesfall. Der jüngste Sohn sei mit nur drei Jahren an Leukämie gestorben.
Wir alle waren davon tief betroffen. Als Kinder konnten wir es überhaupt nicht verstehen. Aber das Leben musste irgendwie weitergehen. Ich ging noch in die Grundschule zu dieser Zeit.
In meiner Schule gab es damals eine besondere Aktion. Die „Gideons“ kamen und verteilten Bibeln. (Das ist ein Verein zur kostenlosen Verbreitung der Bibel.) Ein Mann kam und erzählte eine schöne Geschichte aus dem Alten Testament im Religionsunterricht und dann durfte sich jeder eine kleine Senfkornbibel, eine Gideonbibel, aus einem mitgebrachten Koffer aussuchen.
Ich war sehr stolz und glücklich. Ich hatte meine erste eigene Bibel. Durch den Tod meines Bruders führte ich wirklich ein zurückgezogenes Leben, vor allem auch in denPausen auf dem Schulhof. Ich blieb einfach für mich. Auf das Spiel mit den anderen Kindern hatte ich keine Lust. Jetzt aber hatte ich meine eigene kleine Bibel im Hosentaschenformat, die ich immer bei mir trug. In den Pausen las ich darin, während die anderen Kinder miteinander spielten oder rauften. Ja, das Neue Testament mit Psalmen passte genau in meine Hosentasche. Es tat einfach gut, in ihr zu lesen. Besonders die vielen Heilungen, die Jesus vollbrachte, gefielen mir sehr gut. Vieles hatte ich damals noch nicht richtig verstanden, aber dieses kleine Buch hatte mir einfach ein wenig Mut gemacht. Das Leben kehrte Seite für Seite wieder ein wenig zurück.
Die Geschichte von Lazarus war so eine Geschichte. Jesus hatte die ganze Familie von Lazarus sehr geliebt. Er war mit ihm befreundet, aber er hatte auch ein gutes Verhältnis zu den Schwestern Maria und Martha. Als er hört, dass Lazarus gestorben ist, geht er nicht sofort in das Dorf Bethenain.Merkwürdigerweise. Aber es gibt ein Gespräch mit seinen Jüngern. Schließlich entscheidet er, er muss doch nach Judäa gehen und dem Lazarus helfen. Aber Judäa war eine gefährliche Gegend für Jesus; einmal wäre er dort fast gesteinigt worden.
