Green Company Transformation -  - E-Book

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Beschreibung

Dass wir keinen Planeten B haben und unsere Erde respektvoll behandeln sollten, versteht jeder sofort. Aber aus dieser Erkenntnis heraus eine Handlung zu formen, fällt vielen schwer. Dieses Buch befähigt Sie, die Transformation ihrer Organisation zu einem ökologisch nachhaltigen Unternehmen erfolgreich zu gestalten. Es beschreibt ein entsprechendes Lösungskonzept und die Vorteile der Transformation im Hinblick auf bspw. Employer Branding und Recruiting: hohe Arbeitgeberattraktivität und damit niedrigere Rekrutierungskosten, eine bessere Mitarbeitendenbindung, einen effizienteren Kosteneinsatz in allen Prozessen, ökologische Wirkung und Reputation. Mit zahlreichen Beispielen für Maßnahmen und Lösungen in vier Ausbaustufen und Tipps zur Zertifizierung für Unternehmen. Mit einem Vorwort von Yvonne Zwick, Vorsitzende B.A.U.M. e.V., und Beiträgen von Prof. Dr. Anabel Ternès von Hattburg, Dr. Martin Grentzer, Dr. Maria Hörhold, Ulrich Jänicke, Hans Jaich, Oliver Messner, Dr. Stefan Müssig, Tjalf Nienaber und Dr. Sebastian Spörer. Inhalte: - Das Green Company-Lösungskonzept - Die 4 Ausbaustufen im Überblick - Das Green Company-Audit: Vorgehensweise und Tool - Green House of Choice: Zielfoto für echte Green Companies - Konkrete Lösungsideen für das Green House of Choice - Green Company als Erfolgsfaktor im Employer Branding - Neuro-Wissen für eine erfolgreiche Green Company-Transformation - Die HRMgreen Community – Allianz mit grüner Leidenschaft  

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Seitenzahl: 377

Veröffentlichungsjahr: 2022

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[5]Inhaltsverzeichnis

Hinweis zum UrheberrechtImpressumHinweise zu diesem BuchNachhaltiges Wirtschaften als bestes aller Zukunftsmodelle – ein Vorwort 1 Mit Leidenschaft auf allen Ebenen zur echten Green Company!1.1 Green Management – ökologische Nachhaltigkeit als Managementprinzip 1.2 Green Finance – der Umweltfokus im Sustainable Finance1.3 Green HR – für die Green Company die Mitarbeitenden mitnehmen1.4 Green Leadership – ökologische Nachhaltigkeit als Führungsprinzip1.5 Green Passion – ökologische Nachhaltigkeit aus Leidenschaft2 Der »Super-KAU«: Klimakatastrophe, Artensterben und Umweltverschmutzung2.1 Die Klimakatastrophe2.2 Das Artensterben2.3 Die Umweltverschmutzung2.4 Fake News – Der einfache Weg, sich aus der Verantwortung zu stehlen2.5 Prämissen für die Green Company Transformation3 Der Green Deal: Die Klimakatastrophe im Fokus3.1 1 × 1 des Klimawandels und warum eigentlich das 1,5- bis 2-Grad-Klimaziel?3.2 Klima-System-Dynamik und die Einwirkung einzelner Entitäten3.3 Multisolving und Systemdenken als integrativer Bestandteil des Unternehmensmanagements3.4 European Green Deal, Nachhaltigkeitsbericht und die Sustainable Development Goals 4 Aus der Wissenschaft – Welt im Wandel4.1 Beobachtungen aus dem (nicht ganz so) ewigen Eis4.2 Risiko Zukunft – Versicherung schon abgeschlossen?5 Ökologische Nachhaltigkeit für eine Green New Work 5.1 Sustainability – Drei Aspekte der Nachhaltigkeit 5.2 Ökologie zuerst – Der sinnvolle Einstieg in die Nachhaltigkeit 5.3 Green New Work – New Work als Nebeneingang zur Green Company6 Das Green Company Transformationskonzept 6.1 HRMgreen – warum Human Resources Management der Motor der Transformation ist6.2 HRMgreen Wheel: Das Transformationsrad stetig weiterdrehen 6.3 Die 4 Ausbaustufen im Überblick6.4 Die 4 Bewertungsstufen6.5 Die 4 Zertifizierungsstufen und das Green Company Zertifikat6.6 Das Green Company Audit: Vorgehensweise und Tool6.7 Green House of Choice: Zielfoto für echte Green Companies7 Konkrete Lösungsideen für das Green House of Choice7.1 Der REM-Filter: 3 Hebel und 12 Schrauben gegen den Super-KAU7.2 Von der Pyramide zum Diamanten – ökologisch sinnvoller Ressourceneinsatz 7.3 Beispiele für Maßnahmen und Lösungen in den 4 Ausbaustufen8 Möglichkeiten und Nutzen der Digitalisierung im Green House of Choice8.1 Digitalisierung als ökologischer Nachhaltigkeitsmotor 8.2 Ökologische Bilanz am Beispiel digitalisierter HR-Prozesse8.3 Das Digitalisierungsprojekt und sein Business Case am Beispiel der digitalen Personalakte8.4 Grenzen und Gefahren der Digitalisierung9 Zertifizierungen, Umsetzungsmethodik und -praxis sowie Fördermöglichkeiten für erfolgreiches Umweltmanagement9.1 Historie, Regelwerke und Zertifizierungsstandards zum Umweltmanagement9.2 Ausgangssituation und Rahmenbedingungen9.3 Keine Angst vor Umweltmanagement – pragmatische Wege der Einführung9.4 Der Weg zur Zertifizierung9.5 Fördermöglichkeiten und Privilegierungen für zertifizierte Umweltmanagementsysteme 9.6 Zusammenfassung und Fazit: Nutzen und Vorteile zertifizierter Umweltmanagementsysteme 10 Green Company als Erfolgsfaktor im Employer Branding10.1 Was die Generationen und Zielgruppen anspricht10.2 Tipps und Beispiele für Green Company im Employer Branding10.3 Storytelling als Instrument im Employer Branding10.4 Erfolgreiches Employer Branding braucht nachhaltige Veränderung beim Menschen11 Verhandlungssache Normalität: Wie Arbeitsklima und Führungskräfte das Sozial- und Umweltverhalten von Mitarbeitenden prägen11.1 Normalität im Wandel11.2 Die Macht sozialer Normen11.3 Unternehmen als Treiber des sozialökologischen Wandels12 Neuro-Wissen für eine erfolgreiche Green Company Transformation12.1 Grundlagen der Neurowissenschaft – Das Spielfeld zwischen Stress und Begeisterung12.2 Warum sich Menschen nicht gerne verändern, auch wenn das Wasser bis zum Halse steht12.3 Tipps und Tricks, wie man Menschen für Veränderungen gewinnt12.4 Spielen für den Klimaschutz13 Die HRMgreen Community – Allianz mit grüner Leidenschaft13.1 Von der Vision zur HRMgreen Community13.2 Mitmacher in der HRMgreen Community!14 Schlusswort und Appell Arne PrießAnhangLiteraturDie Autorinnen und AutorenStichwortverzeichnis
[1]

Hinweis zum Urheberrecht:

Alle Inhalte dieses eBooks sind urheberrechtlich geschützt.

Bitte respektieren Sie die Rechte der Autorinnen und Autoren, indem sie keine ungenehmigten Kopien in Umlauf bringen.

Dafür vielen Dank!

Haufe Lexware GmbH & Co KG

[4]Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der DeutschenNationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de/ abrufbar.

Print:

ISBN 978-3-648-16466-2

Bestell-Nr. 10848-0001

ePub:

ISBN 978-3-648-16467-9

Bestell-Nr. 10848-0100

ePDF:

ISBN 978-3-648-16468-6

Bestell-Nr. 10848-0150

Arne Prieß (Hrsg.)

Green Company Transformation

1. Auflage 2022

© 2022 Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

www.haufe.de

[email protected]

Bildnachweis (Cover): Pixabay

Produktmanagement: Jürgen Fischer

Lektorat: Barbara Buchter, extratour, Freiburg

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, insbesondere die der Vervielfältigung, des auszugsweisen Nachdrucks, der Übersetzung und der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, vorbehalten. Alle Angaben/ Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.

Sofern diese Publikation ein ergänzendes Online-Angebot beinhaltet, stehen die Inhalte für 12 Monate nach Einstellen bzw. Abverkauf des Buches, mindestens aber für zwei Jahre nach Erscheinen des Buches, online zur Verfügung. Ein Anspruch auf Nutzung darüber hinaus besteht nicht.

Sollte dieses Buch bzw. das Online-Angebot Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte und die Verfügbarkeit keine Haftung. Wir machen uns diese Inhalte nicht zu eigen und verweisen lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung.

[11]Hinweise zu diesem Buch

Bevor wir gemeinsam einsteigen und uns auf den Weg zu Green Companies machen, die mit all den bei ihnen ökologisch nachhaltig agierenden Menschen die Kurve kriegen, bevor alles zu spät ist, möchte ich Ihnen ein paar Informationen zu diesem Buch geben.

Mein Buchprojekt besteht aus zwei Bausteinen:

Dieses Buch ist ein ökologisch nachhaltig produziertes Buch, das die Why- und How-Story ökologischer Nachhaltigkeit kompakt beschreibt. Darin alle von mir entwickelten Konzepte für eine erfolgreiche Green Company Transformation. Weitere Expertenimpulse und -empfehlungen liefern meine kompetenten Koautoren, sodass dieses Werk als Starthilfe und Motor für den Weg von Unternehmen zu einem »Green House of Choice« dient. Natürlich ist dieser erste Baustein auch als E-Book beim Verlag und im Buchhandel erhältlich. Ein später fortgeführtes »Open Book«, das als digitales Buch stetig fortgeschrieben wird. Darin werden wir kontinuierlich Best-Practice-Beiträge einsammeln und der ökologisch interessierten Community zur Verfügung stellen. Fühlen Sie sich eingeladen, eigene Beiträge anzubieten, um andere zu inspirieren. Im Kampf um die Rettung der Menschheit dürfen wir unsere Ideen nicht für uns behalten. Priorität muss für uns alle der erfolgreiche Kampf gegen den Super-KAU (dazu mehr im Kapitel 2.1) haben. Bei diesem dürfen Sie aber gerne die Nase vorn haben und dürfen die Vorteile als »Green Employer of Choice« im Kampf um die besten Talente nutzen, das ist völlig legitim!

Die Inhalte dieses Buches dienen auch als Begleitwerk zu den HRMgreen Experten-Ausbildungen1, in denen wir diejenigen zu Green Company Transformatoren befähigen, die mehr wollen als nur mitlaufen, die mitgestalten und vorantreiben wollen.

Das Buch ist in seiner Struktur thematisch so aufgebaut, dass es ein rundes Gesamtpaket liefert zum Verstehen und Handeln:

Leidenschaft zum Weiterlesen und Mitmachen (Vorwort und Kapitel 1)Das Problem und die daraus abgeleiteten Pflichten und Chancen für nachhaltiges und insbesondere ökologisches Wirtschaften in Unternehmen verstehen (Kapitel 2, 3, 4, 5), dazu auch ein spannender wissenschaftlicher Bericht aus der Feldforschung aus dem »nicht mehr so ewigen Eis«Konzepte, Lösungen, Methoden für den Weg zur Green Company und Nutzen im Employer Branding (Kapitel 6, 7, 8, 9, 10)[12]Soziologische und neurowissenschaftliche Hintergrundinfos für eine erfolgreiche Transformation von Menschen und Organisationen (Kapitel 11 und 12)Aufruf zum Mitmachen und Appell an die Green Community (Kapitel 13)

Das notwendige Know-how für Projekt- und Change-Management für die erfolgreiche Transformation vermitteln wir in unserer Academy. Diese Methodenkompetenz ist zu umfangreich, als dass sie in diesem Buch beschrieben werden kann.

Um die Hintergrundinfos über die unzähligen Herausforderungen dosiert einzuflechten, sind kleine inhaltliche »Ausflüge« in Kästen eingefügt. Dies unterbricht eventuell den inhaltlichen Faden etwas, deshalb sollte man diese Ausflüge ggf. im Anschluss an ein Kapitel lesen.

HINTERGRUNDINFO

Hier erfolgen weitere Hinweise auf Hintergrundinfos zu den Herausforderungen der ökologischen Nachhaltigkeit.

Entlang der Ausführungen werden immer wieder hervorgehobene Tipps stehen, die in einem Kasten das Erklärte kurz und knackig zusammenfassen. Dies soll den Transfer in die Praxis erleichtern und um besonders wichtige Handlungsempfehlungen und -erfahrungen ergänzen.

Green Company Tipp

Hier erfolgen kompakte Tipps basierend auf den vorherigen Ausführungen. Diese geben kompakte Impulse, um den Praxistransfer zu erleichtern.

Ich habe für dieses Buch ausgesprochene Expertinnen und Experten auf ihrem Gebiet gewinnen können. Diese bringen jeweils einen wichtigen Baustein mit Hintergrundwissen oder mit konkreten Lösungsvorschlägen zu der Gesamtstory der Green Company Transformation ein.

Damit alle Kapitel meiner geschätzten Koautoren »in sich geschlossen« und für sich verständlich sind, kann es gelegentlich zu Redundanzen kommen. Aber ich gehe davon aus, dass ein so dickes Buch nicht in einem Stück gelesen wird und es sich für die geneigten Leserinnen und Leser hilfreicher anfühlt, wenn der jeweilige Autor bzw. die jeweilige Autorin eines Kapitels nicht zu viele Informationen aus vorherigen Kapiteln voraussetzt.

[13]Hinweise zur Anrede:

Im Buch verwenden wir das Du, das sich in der Green Community bewährt hat. Wer sich gemeinsam mit anderen aufmacht, die ökologische Nachhaltigkeit zur Rettung der Menschheit voranzutreiben, der sollte sich als »Freund der Umwelt« verstehen, da ist ein kollegiales Du das beste Verbindungszeichen. Ab jetzt und gerne auch später in persönlichem Austausch also per Du!

Und noch ein Hinweis zum Gendern in diesem Buch:

Bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern in diesem Buch wird versucht, entweder neutrale Formulierungen oder sowohl die weibliche als auch die männliche Form gleichverteilt zu verwenden. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die ggf. verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keinerlei Wertung.

Aber nun genug der Vorrede! Den Vorhang auf, die Bühne frei für einen systematischen und erfolgreichen Weg zu Green Companies in einer grünen und lebenswerten Welt!

Beste Grüße

Arne Prieß,

Herausgeber und Hauptautor

1 Mehr Infos dazu auf der Website von HRMgreen: https://hrmgreen.com/academy/

[15]Nachhaltiges Wirtschaften als bestes aller Zukunftsmodelle – ein Vorwort

Yvonne Zwick

Der Herausgeber Arne Prieß widmet dieses Buch seinem Sohn Marc. Und damit nimmt er die Antwort auf eine Frage vorweg, die da lautet: Wofür das alles? Was ist eigentlich wesentlich, wenn es um Zukunftsfähigkeit und um nachhaltiges Wirtschaften geht? Seit Erscheinen der »Grenzen des Wachstums« des Club of Rome vor nunmehr 50 Jahren sind wir in der Lösung des Grundproblems leider noch nicht weit gekommen. Das ist: dass wir über unsere Verhältnisse leben, Naturkapital verbrauchen, das sich nicht in einem angemessenen Zeitraum wieder aufbaut. Dass wir zulasten anderer leben, die nicht annähernd so gut leben wie die Menschen in entwickelten Industrieländern.

Vor 35 Jahren hat die UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung unter dem Vorsitz von Gro Harlem Brundtland den Bericht »Our common future« veröffentlicht. Sie definiert: »Unter dauerhafter Entwicklung verstehen wir eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen. Die Forderung, diese Entwicklung dauerhaft zu gestalten, gilt für alle Länder und Menschen. Die Möglichkeit kommender Generationen, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, ist durch Umweltzerstörung ebenso gefährdet wie durch die Unterentwicklung in der Dritten Welt.«2

Um unsere global gedachte, gemeinsame Zukunft geht es, wenn wir über ein gutes oder sogar das beste Zukunftsmodell sprechen. Sie wurden 2015 in die globalen Nachhaltigkeitsziele, die UN Sustainable Development Goals der Agenda 2030 gegossen. Schaffen wir den Wandel bis dahin? Der Weltklimarat empfiehlt den Höhepunkt der Treibhausgasemissionen für 2025 aufs Dringlichste in seinem Update Anfang April 2022. Dann muss es heißen: »flatten the curve«, und zwar schnell. Zur Erinnerung: Auch ein 1,5-Grad-Szenario wird teuer, nur hält man die Risiken für handhabbar. Derzeit steuern die Emissionsentwicklungen auf ein 3,2-Grad-Szenario zu. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft schrieb 2021 alarmierend, dass eine 4-Grad-Welt nicht versicherbar sei. Das müsste auch dem konservativsten Menschen Motivation genug sein.

[16]Es ist wichtig anzuerkennen, dass es bei nachhaltiger Entwicklung nicht nur um die Bedürfnisbefriedigung derer geht, die am lautesten rufen, sondern auch um die Bedürfnisse der stillen Stakeholder: Marc, der heute durch den Garten tobt, und Amera, die erst noch geboren wird, die Menschen, die in entlegenen Gegenden leben und keinen Zugang zu den digitalen Stammtischen haben, um über steigende Rohstoffpreise zu klagen, jene, die in Stille leiden – ja, auch die Natur und die Tierwelt. Unsere Art zu wirtschaften ist dann nachhaltig, wenn sie an jeden Ort der Erde übertragbar ist, wenn sie die ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Belastungsgrenzen an den jeweiligen regionalen wirtschaftlichen Ökosystemen einhält. Es ist der Imperativ unserer Zeit, den Wohlstand vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln, nicht nur angesichts despotischer Regime, deren Wertschöpfungsmodelle im Wesentlichen auf fossilen Energieträgern beruhen und die eine Modernisierung ihrer Wirtschaft versäumt haben und genau deswegen kein Interesse an einer nachhaltigen Entwicklung, dem Ausbau erneuerbarer Energien und Ressourceneffizienz haben.

Die Wirtschaft ist herausgefordert, nicht nur Klimaneutralität, sondern Umweltpositivität zu erreichen und Wirtschaftsweisen zu finden, die mehr Nutzen stiften als Schaden zu verursachen. Unternehmerinnen und Unternehmer, die das schaffen, sind auch wirtschaftlich erfolgreicher. Diesen Zusammenhang erkennen insbesondere nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen, die aus eigener Überzeugung heraus bereitwillig und freiwillig externe Effekte internalisieren und im Kerngeschäft Tragfähigkeit integrieren.

B.A.U.M. e. V. bündelt als Netzwerk unternehmerisch erfolgreiche Beispiele für nachhaltiges Wirtschaften. Sie sind ein wichtiger Ausschnitt der deutschen Wirtschaft, die ohne zu fragen Lösungen für die Zukunft bereitstellt, die Klimaschutzmaßnahmen, Klimaanpassung betreibt und tragfähige Lösungen entwickelt, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt und damit auch volkswirtschaftliche Stabilität stärkt.

Nachhaltig wirtschaften ist das Beste aller Zukunftsmodelle. Es sichert das Überleben der Menschheit und schafft Spielräume. Ob sich das rechnet? Oh ja! Wenn Mitarbeitende gerne in einem Betrieb arbeiten und dort lange bleiben, ist das ein Zeichen nachhaltigen Wirtschaftens, das Transaktionskosten senkt, Identifikation schafft und Produktivität steigert. Findet Nachhaltigkeit Eingang ins Kerngeschäft, in die strategische Planung und Entwicklung, wirkt das auf die Produktgestaltung und Dienstleistungsangebote. Es schlägt sich in betrieblichen Prozessen nieder und erweitert Geschäftsbereiche. Und nicht zuletzt werden durch die weitgehende Regulierung der EU-Kommission mit dem Sustainable Finance Action Plan Unternehmen zukünftig in den Genuss geringerer Kapitalkosten und Transformationsfinanzierung kommen. Damit das gelingen kann, müssen Unternehmen relevante, belastbare Daten erheben, die in die Analyse eingehen können und die real messbare Wirkungen im Sinne von [17]Return on Invest belegen. Die Abteilungen in den Unternehmen müssen raus aus den Silos, rein in die Kooperation.

Sie werden sehen: Der reine Blick auf die Finanzkennzahlen ist von gestern. Es geht um Input, Geschäft, Output und Ergebnis. Es geht um einen Multikapitalansatz, der Finanzkapital als Proxy für wirtschaftliche Souveränität, Produktionskapital und Betriebsvermögen ergänzt um die Perspektiven sozialen und Netzwerkkapitals, das geistige Kapital im Unternehmen, das heißt das vorhandene Wissen und das Naturkapital, die Beiträge zu intakten Ökosystemen und Biodiversität an Standorten mit wesentlicher Geschäftstätigkeit. Auch hier ist wieder wichtig, nicht in Silos zu denken, sondern die Bezüge herzustellen, zum Beispiel indem die Gesamtinvestitionen in Forschung und Innovation nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten in Geldeinheiten bemessen wird – zum Beispiel in % des Umsatzes. Die Bilanz wird nicht zuletzt durch die fortschreitende EU-Regulierung und die vorgesehene Verankerung von Nachhaltigkeitsinformationen im Lagebericht interessanter und vielschichtiger.

Der Zusammenhang von finanzieller Performance und Nachhaltigkeitsperformance gründet im Ambitionsniveau von Unternehmen: Sind sie nur darauf aus, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen, oder gehen sie schon einen Schritt weiter und reagieren auf Anforderungen ihrer Anspruchsgruppen? Wünschenswert wäre es! Es fängt an, sich zu rentieren, wenn Unternehmen Nachhaltigkeit als pragmatischen Ansatz kostensparend und gewinnsteigernd weiterentwickeln.

Mein Rat ist: Gehe Nachhaltigkeit von Anfang an strategisch an, miss Nachhaltigkeitsleistungen und den Grad der Zielerreichung regelmäßig und setze sie in Beziehung zu investierten Ressourcen in Vollzeitäquivalenten und Budgets. Unterlege deine Bemühungen qualitativ mit Transformations- und Investitionsplänen und Fortschrittsmessung.

Um das Heft des Handelns als Unternehmerin und Unternehmer selbst in die Hand zu nehmen, ist es unerlässlich, dass du schnellstmöglich den Status quo bzgl. der Nachhaltigkeit deines Unternehmens erhebst und entsprechende Datenerhebungsprozesse aufbaust, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen gründen bzw. sich auf diese beziehen. Wenn du dem kritischen Referenzpunkt eines Pariser Klimaschutzabkommens und den Fragen deiner Mitarbeitenden sowie deiner Geschäftspartner standhältst, dann klappt es auch mit der Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Finde deinen Weg hin zu deinem nachhaltigen Wirtschaftsmodell!

Dieses Buch unterstützt dich darin und eröffnet einen ganzen Werkzeugkasten für deinen eigenen Transformationsprozess. Ich wünsche dir eine anregende Lektüre und alles Gute auf deiner Reise zu einer Green Company!

2 Quelle abrufbar unter https://www.are.admin.ch/are/de/home/medien-und-publikationen/publikationen/nachhaltige-entwicklung/brundtland-report.html; Übersetzung ins Deutsche durch die Verfasserin.

[19]1Mit Leidenschaft auf allen Ebenen zur echten Green Company!

Anabel Ternès von Hattburg

Wer angesagt sein möchte, ist grün! Selten waren die Begriffe Grün und Nachhaltigkeit so sehr in aller Munde. Aber was bedeutet es, ein grünes Unternehmen zu sein? Ist das nicht bei vielen Unternehmen reines Marketing oder mehr noch Greenwashing?

Um etwas Licht ins Dunkel(grün) zu bringen, möchte ich nachfolgend fünf Begriffe erklären, mit denen Unternehmen zu echten Green Companies werden können:

Green Management Green Finance Green HR Green Leadership Green Passion

1.1Green Management – ökologische Nachhaltigkeit als Managementprinzip

Grünes Management ist deutlich mehr als nur Marketing. Wenn wir es ernst nehmen. Gerade durch bedrohliche Entwicklungen wie den Klimawandel und Ressourcenknappheit wird es für uns immer wichtiger, dass wir uns zu grünem Management bekennen.

Letztendlich wirken sich alle menschlichen Handlungen auf das Ökosystem aus. Die zentralen Umweltprobleme sind konkret: der Treibhauseffekt, die Zerstörung der Ozonschicht, die Übersäuerung ebenso wie die Überdüngung von Ackerböden und Gewässern, der Schwund hinsichtlich Biodiversität, der fotochemische Smog, öko- und humantoxikologische Belastungen, Abfälle, Abwasser, insgesamt eine zu hohe Umweltbelastung, zum Beispiel durch CO2-Emissionen (Klimaproblematik) oder Flächenversiegelung (Verlust an Lebensraum).3 Angesichts der dramatischen Entwicklungen, was die Umweltzerstörung betrifft und die Vernichtung von Ressourcen und Artenvielfalt, ist das unabdingbar. Die einzige Lösung, eine lebenswerte Welt für uns Menschen zu erhalten, ist, das Ausmaß der Umwelteinwirkungen von Produktionsprozessen, Produkten, Dienstleistungen, Investitionen usw. weiter zu reduzieren.4

[20]Ein solches Bekenntnis muss allerdings mehr als ein Lippenbekenntnis sein. Ein reines Marketing wird schnell entlarvt. Und: Kundinnen und Kunden von heute sind kritischer geworden. Sie strafen Unternehmen, die nicht authentisch agieren, ab. Früher oder später.

Unternehmen müssen nicht nur Möglichkeiten finden und implementieren, wie sie Ressourcen und die Umwelt schonen, aber dennoch profitabel wirtschaften. Sie müssen auch schauen, wie sie ihre Mitarbeitenden motiviert einsetzen, individuell unterstützen und weiterbilden. Alle Mitarbeitenden einer Green Company sollten Botschafterinnen für ebenfalls diese Green Company sein. Das heißt, sie müssen auch verstehen, was Green Company heißt, müssen es unterstützen und authentisch leben können. Das heißt auch: Green Company bedeutet Bottom-up-Entscheidungen werden von Grund auf mit den Mitarbeitenden besprochen, die dabei so weit, wie es möglich und sinnvoll ist, Mitspracherecht haben. Wesentliche Entscheidungen sollten von der Basis aller Mitarbeitenden mitgetragen werden. Und das geht nur, wenn man sie von Beginn an beteiligt.

Es gibt dafür ganz einfache Formate, die ernst genommen und ebenso in ein Unternehmen implementiert werden müssen, um den ökologisch nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens mitzutragen. Das können zum einen Strategiegruppen sein, in denen eine Vertreterin oder ein Vertreter jeder Statusgruppe sitzt, von der Geschäftsleitung bis hin zum Produktionsarbeitenden. Auch Umfragen zählen zu diesen Formaten, die unter allen Mitarbeitenden regelmäßig stattfinden, um deren Meinungen einzuholen und in die Strategie des Unternehmens miteinzubinden. Eine solche Einbeziehung macht erfolgreiche Green Companies aus.

Eine Green Company trägt dabei die Verantwortung, Prozesse, Produkte und die Werte dahinter für die Mitarbeitenden verständlich, erfahrbar und erlebbar zu machen. Denn Mitarbeitende in einer Green Company sind gleichzeitig Botschafter ihres Unternehmens und der Art zu wirtschaften.

Green Management und Innovation gehören untrennbar zusammen, um Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Ein langfristiges Denken kombiniert mit Innovationen hilft Unternehmen, umweltfreundlicher zu agieren und durch optimierte Prozesse vielleicht noch bessere Produkte herzustellen bzw. auch deren Fertigung besser zu gestalten.

Green Management hängt durch die Überlappungen zwischen den folgenden potenziell relevanten Themenfeldern, die auch als die drei Säulen von Nachhaltigkeit bekannt sind, eng zusammen mit Sustainability Management.

[21]HINTERGRUNDINFO

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit5

Umweltaspekte spielen für den Erhalt des Planeten als Lebensraum eine große Rolle. Unser Planet wird dabei als komplexes natürliches System verstanden. Sein Gleichgewicht hängt von der Berücksichtigung verschiedener Faktoren ab, die schon seit Jahren beeinträchtigt sind. Der schwedische Resilienzforscher Johan Rockström hat für die Berücksichtigung von Umweltaspekten mit seinem Team zusammen einen konzeptionellen Rahmen entwickelt, das Konzept der planetaren Belastbarkeitsgrenzen mit insgesamt neun natürlichen Systemen, deren Zerstörung schwere Folgen für das Leben der Menschen hätte. Es sind Klimawandel, Intaktheit der Biosphäre, Landnutzungswandel, Süßwassernutzung, biogeochemische Flüsse, Versauerung der Meere, neue Substanzen und modifizierte Lebensformen, Ozonverlust in der Stratosphäre, Aerosolgehalt in der Atmosphäre. Für sechs dieser Systeme werden konkrete Belastbarkeitsgrenzen definiert. Den Wissenschaftlern zufolge sollten diese berücksichtigt werden, um die Stabilität der Systeme nicht zu gefährden.6

Soziale Aspekte sind alles, was die Gesellschaft bzw. die Menschen in ihr angeht. Sie beziehen sich auf Rechte, Wohlergehen und Interessen von Menschen und ihren Gemeinschaften. Dazu gehören Menschenrechte und Arbeitsschutz genauso wie Gesundheitsfragen, Sicherheitsthemen und Verbraucherschutzthemen.

Governance oder ökonomische Aspekte beziehen sich vor allem auf die Führung und Organisation der Mitarbeitenden und das Management von Investitionsbzw. Finanzierungsobjekten. Hier geht es unter anderem um Geschäftsethik, Arbeitsschutz, Bestechung und Korruption, Offenlegung von Informationen, interne Kontrollen und Risikomanagement, Vorstands- und Organisationsstruktur, Datenschutz, Vielfalt sowie Interaktion mit Interessengruppen.7

Allen drei Aspekten ist gemein, dass sie synergetisch sind. Als Green Company können sich Unternehmen bezeichnen, die vor allem den ersten Aspekt fest implementiert haben und durch alle Ebenen, Statusgruppen und Stakeholderverbindungen hinweg leben.

Als ein Querschnittsbereich stellt sich Green Finance dar, ein Bereich, der für alle gleich transparent zeigt, wie sehr die drei Aspekte ineinandergreifen müssen.

[22]1.2Green Finance – der Umweltfokus im Sustainable Finance

Green Finance wird unterschiedlich verstanden. Und das nicht nur, weil es viele mit Sustainable Finance oder Climate Finance gleichsetzen, sondern auch, weil die Akteure in dem Bereich sehr unterschiedlich sind.

HINTERGRUNDINFO

Zu den Akteuren im Green-Finance-, Sustainable-Finance- und Climate-Finance-Bereich gehören Banken- und Finanzdienstleister, akademische Institutionen, Vertreter der Zivilgesellschaft, nationale Regierungen und Initiativen auf nationaler und internationaler Ebene bis hin zu den Finanzabteilungen im Unternehmen. Hier haben sich verschiedene Verwendungen der Begriffe geprägt, der Fokus ist ebenfalls unterschiedlich: private gegenüber öffentlichen Akteuren, die Einbeziehung oder Nichteinbeziehung bestimmter Nachhaltigkeitskategorien und Nachhaltigkeitskriterien.

Generell bezeichnet Green Finance ein Spektrum an finanzwirtschaftlichen Ansätzen und Instrumenten, die dazu beitragen sollen, dass die Umwelt bzw. das Klima geschützt wird. Im Weiteren versteht man darunter auch Ansätze und Instrumente zur Anpassung an Umwelt- und Klimaschäden oder auch Kompensation für diese. Green Finance meint auch Aktivitäten, mit denen Umwelt- und Klimarisiken durch Unternehmen und ihre Investoren identifiziert und gemanagt werden, um die Stabilität von Finanzsystemen zu stärken.8

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verwendet folgende Definition und Unterscheidung zwischen den drei Finance-Bereichen, wie es auch Abbildung 1.1 zeigt:

»Sustainable Finance beschreibt die Ausrichtung von Kapitalströmen unter Berücksichtigung von Umwelt-, sozialen und Governance-Aspekten, wohingegen Green Finance ausschließlich Umweltaspekte betrachtet. Climate Finance bezieht sich wiederum ausschließlich auf Klimafragestellungen und ist damit eine Teilmenge von Green Finance.«9

[23]

Abb. 1.1: Abgrenzung von Sustainable, Green und Climate Finance (eigene Darstellung)

Während einige Unternehmen ihre Finanzabteilung schon als Green Finance betrachten, wenn sie konventionelle Finanzinstrumente und -mechanismen verwenden, die mit einem Fokus auf Umwelt- bzw. Klimabelange zum Einsatz kommen, betrachten andere Organisationen das sehr viel weiter gefasst. Die Ansätze und Instrumente, die hier zum Einsatz kommen, sind zudem unterschiedlich: von konventionellen Finanzinstrumenten und -mechanismen, die mit einem Fokus auf Umwelt- bzw. Klimabelange zum Einsatz kommen, bis hin zu neu entwickelten Instrumenten und Mechanismen.

HINTERGRUNDINFO

Als »grüne Produkte« im Zusammenhang mit Green Finance gelten »grüne Anleihen«, im Englischen die sogenannten »Green Bonds«, (Kredit-)Verbriefungen von Umweltressourcen, »Debt for Nature Swaps«, strukturierte »grüne Fonds« oder »Wald-Investments«.

Mechanismen, die auch unter Green Finance laufen, sind die gezielte Nichtfinanzierung oder auch der Entzug von Finanzmitteln, im Englischen »divestment«, für als umwelt- oder klimaschädlich eingestufte Projekte, Unternehmen oder Sektoren.

Gesetze und freiwillige Standards schließlich spielen bei Green Finance eine große Rolle. Unter diesen sind die Sustainable Development Goals, kurz SDGs, die Global Reporting Initiative, der Deutsche Nachhaltigkeitskodex, das europäische Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management and Audit Scheme), die Internationale Arbeitsorganisation ILO (International Labour Organization) und ISO (International Organization for Standardization) besonders hervorzuheben.

Förderinstrumente spielen für Unternehmen eine immer größere Rolle. Doch nicht jedes Unternehmen ist fördermittelerfahren. Die für die oftmals sehr attraktiven Summen nötigen Planungen, Controllinginstrumente und Evaluationstools sind für viele [24]Unternehmen, vor allem kleinere, häufig ungewohnt und nicht ohne Risiken. Wie verbucht man die Mittel, wie benennt man sie, welche Freiheitsgrade sind erlaubt? Angesichts dieser Fragen lassen es viele Unternehmen eher bleiben und nehmen diese Mittel nicht in Anspruch. Typisch ist das vor allem für kleinere Unternehmen. Und das, obwohl es gerade für diese attraktive Fördermittel für nachhaltige Investitionen und Projekte gibt, die ihnen helfen, sich zukunftsfähig aufzustellen, zum Beispiel für Energieeffizienz oder erneuerbare Energien.10

Beispiel

Für viele kleinere Unternehmen stellvertretend steht in einem kleinen Beispiel Herr Ganzer, Geschäftsführer eines mittelständischen Familienunternehmens, das Maschinenteile herstellt. Er hat davon gehört, dass es Fördermittel für nachhaltige Produktion in Millionenhöhe gibt. Gibt es auch. Sogar passend für sein Unternehmen. Allerdings hat er so etwas noch nie beantragt. In seinem Unternehmen hat auch keiner der Mitarbeitenden Kenntnis davon, wie man so etwas beantragt, während der Umsetzungsphase begleitet, leitet und verbucht. Während größere Unternehmen eigene Fördermittelmanager einstellen, um attraktive Fördermittel in Anspruch zu nehmen, nimmt Herr Ganzer Abstand von der Idee, Fördermittel für sein Unternehmen zu bekommen.

Fördermittelmanagement ist weder trivial noch schnell gemacht. Nicht umsonst gibt es mittlerweile eigene Studiengänge, in denen gezeigt wird, wie man die passenden Fördermittel beantragt, findet und dann verwaltet, wenn eine Zusage gekommen ist.

Die Finanzierungen selbst stellen sich dabei unterschiedlich dar: Der Green-Finance-Markt teilt sich in zwei unterschiedliche Produktgruppen:

Instrumente, mit denen einzelne und konkrete nachhaltige Projekte finanziert werdenFinanzierungen, die an die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens insgesamt gekoppelt sind11

Green Finance ist bei vielen Unternehmen noch nicht angekommen. Zu sehr ist man traditionellen Planungs- und Analysetools verhaftet, die weiterhin gängig sind. Beispielsweise die Planung in Jahreszyklen, wie es auch Gewinn & Verlust entspricht. Nachhaltige Planung braucht entsprechende Tools, Vorlagen und Formate, um das Unternehmen zum Umdenken zu bringen. Wo als Argumente für eine Jahresplanung [25]Übersichtlichkeit, Flexibilität und die Planung entsprechend der Finanzanalyseinstrumente der Finanzverwaltung genannt wird, spricht für die Mehrjahresplanung eindeutig eine Planung, die langfristiger denkt, dadurch einfacher Synergien schaffen kann und sich flexibler aufstellt, um vorzusorgen. In der Konsequenz wird weit mehr so geplant werden, wenn es von öffentlicher Seite aus eingefordert wird. Intrinsische Motivation wäre hier besser und letztendlich profitiert jedes Unternehmen von einer langfristigeren Planung – einer Planung, die vielleicht auch weiterdenkt als die Laufzeit des Vorstandsvertrags.

Green Finance ist ein noch neuer Bereich, wenn es um grundsätzlich akzeptierte Bewertungen geht.

HINTERGRUNDINFO

Für ein Green Finance mit einem international akzeptierten Bewertungsrahmen braucht es folgende Handlungsfelder:

Regulatorischer Rahmen: Die breite Kapitalreallokation, also der erneute Kapitalumschichtungsprozess im Rahmen der Innenfinanzierung, muss zugunsten grüner und zulasten brauner Investments und Finanzierungen möglich sein und unbedingt förderfähig sein.Rollen und Verantwortlichkeiten aller Beteiligten: Es muss ein gemeinsames Verständnis darüber geben, nachvollziehbar und festgelegt.Transparenz: Es bedarf auch eines gemeinsamen Verständnisses über relevante Standards, die verpflichtend sind und transparent nachvollzogen werden können. Zudem sollte die ökologische Nachhaltigkeit von Unternehmensaktivitäten der Empfänger von Finanzen deutlich transparenter werden.Forschung: Es braucht mehr Forschung zu den Belastbarkeitsgrenzen unseres Planeten und den Wechselwirkungen zwischen den einzelnen beteiligten Systemen, ebenso zu grünen technologischen Innovationen, die für die Praxis anwendbar sind.Finanzierungsformen: Unter Green Finance fasst man vor allem alle Möglichkeiten zur Beschaffung von Eigen- und Fremdkapital zur Finanzierung grüner Zwecke zusammen. Das sind im Bereich der Fremdkapitalfinanzierung zum Beispiel die Finanzierung klima- und umweltbezogener Projekte über den Kredit- oder den Kapitalmarkt, wie zweckgebundene Finanzierungen von Projekten über die Aufnahme von Green Loans oder die Emission von Green Bonds. Green Finance umfasst darüber hinaus auch alle finanzierten Unternehmensaktivitäten und Unternehmenstransaktionen bzw. Finanztransaktionen, die auf der Basis von grünen Finanzierungen ablaufen, das heißt Finanzierungen, bei denen die ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit eingehalten werden.[26]Green Bonds: Bonds werden schon seit mehreren Jahren systematisch analysiert. Denn Kundinnen und Kunden fragen vermehrt diese Produkte nach. Auch hier gibt es noch Ungenauigkeiten in der Abgrenzung, so kann zum Beispiel jeder Emittent seine Anleihenemission zum Green Bond erklären. Eine zentrale Erfassung der Emissionsdaten findet nur in Ansätzen statt, wie durch die Climate Bond Initiative. Teilweise werden auch nur grüne Schuldscheine zu Green Bonds gerechnet, obwohl es sich dabei nicht um ein börsennotiertes Wertpapier handelt, sondern um eine Kreditform. Das führt dazu, dass sich die Anfragen von verschiedenen Quellen zum Emissionsvolumen sowie zur Verwendung der Mittel unterscheiden und hier keine Klarheit und Übersichtlichkeit besteht.Sustainability und ESG-linked Bonds: Die Mittel der Sustainability Bonds finanzieren oder refinanzieren Projekte mit einer sozialen und einer ökologischen Dimension. Hierfür gibt es keine festen Quoten. Auch besteht keine übergreifende Transparenz über den Anteil der grünen bzw. klimabezogenen Finanzierungsbestandteile. In Deutschland sind diese wenig bekannt, nur Nordrhein-Westfalen gibt seit 2015 Landesschatzanweisungen als Nachhaltigkeitsanleihen aus und hat mit mittlerweile sieben Nachhaltigkeitsanleihen fast zehn Milliarden Euro Emissionserlöse erzielt. Das Bundesland gilt auch global als einer der bedeutendsten Emittenten von Sustainability Bonds. In den Finanzabteilungen von Unternehmen sind diese Instrumente häufig nicht bekannt.

Warum also sollten sich Unternehmen für Green Finance begeistern?

Es gibt mindestens acht gute Gründe dafür:

Wer sich auf grüne Finanzierungen einlässt, stößt damit einen Prozess an, der über die Umstellung von Instrumenten oder den Einkauf anderer Produkte weit hinausgeht. Und zwar in der Geschäftsführung ebenso wie in allen anderen Abteilungen. Denn die Bedeutung von Schnittstellen bekommt ausgehend von Green Finance eine andere Dimension. Wer Green Finance ernst nimmt, setzt es in allen Abteilungen um – mit einem übergreifenden Konzept. Wer Green vom Finanzressort ausgehend angeht, denkt gesamtsystemisch, spart damit langfristig Kosten und verbindet die Abteilungen stärker miteinander. Strategische Green-Finance-Entscheidungen sind erfolgreich, wenn sie abteilungsübergreifend entschieden werden. Aber nicht nur das. Green Finance heißt: Finance neu denken und das verlangt übergreifend einen Umdenkprozess. Die Geschäftsstrategie, die aus diesem Denken resultiert, ist nachhaltiger, risikoärmer, langfristig ebenfalls erfolgreich. Das bedeutet ruhigere, konzentriertere Geschäftsabläufe und verändert damit oftmals auch die Unternehmenskultur.Ein Beispiel: Das Unternehmen Juno, das Green Finance seit Jahren nutzt. Als Firma der Veranstaltungsbranche hatte Juno während der Corona-Pandemie einige Durststrecken durch fehlende neue und gestrichene bestehende Aufträge. Auf die [27]Firma und auf die Mitarbeitenden hat sich das allerdings weit weniger ausgewirkt als bei vielen anderen Unternehmen der Branche. Denn die nachhaltigen Finanzprodukte waren in der Krise weniger anfällig und das Bewusstsein, dass das Unternehmen finanziell solide dasteht und von langfristigen Planungen profitiert, hat den Mitarbeitenden Sicherheit gegeben, dass ihr Arbeitgeber wieder profitabel wird, wenn sich die Umstände gelegt haben. Klimawandel, unsichere Regionen und immer knappere Ressourcen werden über kurz oder lang ohnehin modifizierte Geschäftsmodelle und Unternehmensstrategien verlangen. Green Finance ist ein guter Start, um direkt unternehmensübergreifende Lösungen zu entwickeln, die zukunftsweisend das gesamte Unternehmen in den Blick nehmen. In der Europäischen Union gibt es konkrete Planungen über weitergehende verpflichtende Regelungen, Auflagen und Regulierungen. Das Gleiche gilt für weitere wichtige Wirtschaftsräume. Auch hier ist zu erwarten, dass die Regelungen zunehmen, die für ein nachhaltiges Wirtschaften notwendig sind. Green Finance bildet dabei eine der grundlegenden Fundamente für ein zukunftsfähiges Unternehmen. Die Platzierung grüner Finanzierungen ist mit der Ansprache von zusätzlichen Investoren und Investorentöpfen verbunden. Das verbreitert die Finanzierungsbasis von Unternehmen, eventuell auch mit neuen Instrumenten. Wenn grüne Finanzierungen eingeführt werden, steht das im Gleichklang mit mehr Transparenz hinsichtlich der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens – auch außerhalb der zu finanzierenden Projekte und Vorhaben. Denn echte Green Finance wirkt nachhaltig, indem es gesamtsystemisch verstanden und umgesetzt wird. Grüne Finanzierungen stehen in der Außenwahrnehmung für Werte wie Verlässlichkeit, Verantwortung, langfristige Planungssicherheit, Klarheit, Transparenz. Das sind Werte, die für Mitarbeitende ebenso wichtig sind wie für externe Stakeholder. Von Bewerbern bis hin zu Geschäftspartnern gewinnt ein Unternehmen zunehmend durch die bewusste Umsetzung von Green Finance. Green Finance sollte nie als Greenwashing verwendet werden. Aber in der externen Kommunikation schafft Green Finance Vertrauen und Attraktivität für das Unternehmen, sodass der Verdacht etwaigen Greenwashings gar nicht erst aufkommt. Ebenso profitiert von einer gelebten authentischen Green Finance die Unternehmenskultur, wenn die Instrumente und Tools für die Mitarbeitenden erfahrbar werden. Eine starke interne Kommunikation bildet hier einen wichtigen Schlüssel.

Welche Verwendungszwecke gibt es, um Green Finance im Unternehmen erfolgreich umzusetzen?

An erster Stelle sollte ein Unternehmen definieren, welche Art von Fremdfinanzierung über den Kredit- oder Kapitalmarkt umgesetzt werden soll. Es gibt zwei Optionen – die zweckgebundenen Finanzierungen, wie Green Bonds oder Green Loans, und die nicht zweckgebundenen Finanzierungen, wie Betriebsmittelkredite. Bei zweckgebundenen Finanzierungen gilt die Verwendung für Projekte zum Umwelt- und Klimaschutz. Hier [28]müssen dann geeignete grüne Sektoren, Technologien oder Aktivitäten definiert werden. Bei nicht zweckgebundenen Aktivitäten entscheiden sich die nächsten Schritte danach, ob es sich um »grüne« oder konventionelle Unternehmen handelt.

HINTERGRUNDINFO

Grüne Unternehmen stellen ausschließlich oder zum überwiegenden Teil Produkte und Leistungen her, die einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Diese Definition ist in der Praxis nicht immer eindeutig. Klassifizierungen, wie das dreistufige Branchen-Klassifizierungssystem »GICS« (Global Industry Classification Standard), bieten nur eingeschränkte Möglichkeiten zur Identifikation von grünen Unternehmen.

Als konventionelle Unternehmen werden demgegenüber solche bezeichnet, die ein konventionelles Produktangebot haben, zu dem zu einem gewissen Anteil auch Produkte und Leistungen zählen, die einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten.

Bei grünen Unternehmen werden ebenso wie für die Projekte zum Umwelt- und Klimaschutz geeignete grüne Sektoren, Technologien oder Aktivitäten definiert.

Handelt es sich um konventionelle Unternehmen, deren aufgenommenes Fremdkapital zumindest teilweise zum Green-Finance-Marktvolumen gezählt werden kann, werden die Mindestanforderungen oder Referenzwerte definiert (siehe Abb. 1.2).12

Abb. 1.2: Systematisierung der Verwendungszwecke von Green Finance im Bereich der Fremdfinanzierung bei Unternehmen (eigene Darstellung, 2022)

[29]Hat die Corona-Krise Unternehmen in Bezug auf Green Finance zum Umdenken veranlasst?

An den Ergebnissen einer Studie der Management- und Technologieberatung Bearing-Point unter mehr als 30 Branchenexpertinnen und -experten erkennt man, dass die Corona-Krise die Sustainable-Finance-Bestrebungen von Unternehmen vorübergehend eingedämmt haben. Der Wunsch und die Einsicht in die Notwendigkeit, gerade auch Green Finance einzuführen und im Unternehmen zu etablieren, haben sich allerdings verstärkt. Bestehende Probleme sind in der Corona-Krise sichtbarer geworden und viele Unternehmen sehen nun deutlicher die Notwendigkeit, in nachhaltige Finanzprodukte zu investieren, die nachweislich weniger anfällig waren als konventionelle Produkte.13

1.3Green HR – für die Green Company die Mitarbeitenden mitnehmen

HR heißt Human Resources, und dies meint im modernen Sinne die Mitarbeitenden, die in einer Green Company viel mehr sein sollten als nur Ressourcen. In einer Green Company sind bestenfalls alle Mitarbeitenden Botschafter für Green: motiviert, engagiert, die ihr »grünes« Verhalten in gesamtsystemisches Denken und kollaboratives Handeln einbringen.

HINTERGRUNDINFO

Green HR ist, wenn sich der Bereich HR, also die Personalabteilung, darauf konzentriert, ihre Rolle so zu erweitern, dass sie das Unternehmen beim Streben nach ökologischer Nachhaltigkeit, auf dem Weg zur Green Company und als solche unterstützt. In Green HR werden HRM-Richtlinien entwickelt und umgesetzt, um die nachhaltige Nutzung von ökologischen Ressourcen anzuregen und zu unterstützen und die natürliche Umwelt zu erhalten (mehr dazu in den Kapiteln 6 und 8).

Green HR konzentriert sich auf die Entwicklung, Implementierung und Aufrechterhaltung aller Aktivitäten, die darauf abzielen, die Mitarbeitenden in ihrem Wissen über Green HR, »grüne« Planungen und Handlungen zu unterstützen und sich für ökologisch nachhaltige Ziele zu engagieren. Initiativen umfassen HR-Prozesse für Personalbesetzung, Leistungsmanagement und -beurteilung, Schulung und Entwicklung sowie Arbeitsbeziehungen, die auf die ökologischen Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens ausgerichtet sind.14

[30]Für Unternehmen bedeutet das, den Wissensstand ihrer Mitarbeitenden zu kennen, zu nutzen und eine gemeinsame Wissensbasis zu schaffen. Nicht alle Mitarbeitenden müssen das gleiche »grüne« Fachwissen haben. Aber nur mit einer soliden Wissensbasis über das, was die Green Company, für die man arbeitet, eigentlich »Green« macht, können Mitarbeitende echte Botschafterinnen einer Green Company sein und ggf. ökologisch passende Produktinnovationen entwickeln.

Green hört nicht auf bei beruflichen Aufgaben. Es umfasst bestenfalls auch das Verhalten der Mitarbeitenden im Alltag. Nun ist »grünes« Handeln je nach Tätigkeitsbereich, Wohnsituation etc. unterschiedlich ausgeprägt möglich, wichtig ist aber, das Verständnis dafür zu stärken und Möglichkeiten zu kennen, wie jeder »grünes« Handeln in seinen Alltag integrieren kann.

So hat beispielsweise das Unternehmen Grenca die »TaskForce Green« gegründet. Ein Team unter Leitung der HR-Abteilung, bestehend aus Mitarbeitenden aus allen Abteilungen und Hierarchiestufen, von Verwaltungsmitarbeitenden bis hin zu Mitgliedern der Geschäftsführung, hat die Bereiche definiert, die man angehen möchte. Daraus wurden jeweils Gruppen gegründet: Essen und Getränke – Angebot und Anbieter, Verbrauchsprodukte Einkauf, Müll und Recycling, Mobilität der Mitarbeitenden. So hat die Gruppe Mobilität angeregt, Fahrräder zu kaufen, mit denen die Mitarbeitenden kleinere Erledigungen im Umfeld des Unternehmens ohne Taxi und ohne Auto erledigen können.

Green HR kann unterschiedlich umgesetzt werden. Eine grundlegende Regel aber sollte sein, Green HR möglichst unter Einbeziehung aller Mitarbeitenden und deren Knowhow-Ressourcen umzusetzen. Das kann zum Beispiel heißen:

Grüne Weiterbildung: Grünes Wissen den Mitarbeitenden so anbieten, dass alle Mitarbeitenden eine Wissensbasis bekommen und dann je nach Wunsch, Tätigkeit und Entwicklungsbedarfen weitere Weiterbildungsangebote wahrnehmen können. Dies verlangt eine Weiterbildung, die Chancengleichheit bedeutet, barrierefrei bzw. niedrigschwellig, um für alle Mitarbeitenden erreichbar zu sein und von allen verstanden zu werden. Weiterbildung sollte analog wie digital genutzt werden, um möglichst einfach zugänglich zu sein. Auch die interne Ausbildung von Mitarbeitenden ist eine gute Möglichkeit, Chancen zur Weiterentwicklung zu geben, etwa zu Themen wie Nachhaltigkeitsstandards, Energieeffizienzmaßnahmen oder Umwelttechnologien für den Kompetenzaufbau zu ökologischer Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Unternehmens.15Grüne Wissensvermittler einsetzen und grüne Wissensorte schaffen: Viele Mitarbeitende haben aufgrund ihrer Fachexpertise grünes Wissen, welches sie wei[31]tergeben können an ihre Kolleginnen – als Best Practice bzw. Storytelling, als Wiki im Intranet, als Webinar oder Seminar oder auch in Form einer Beratung. Mit der Aufzeichnung in Form von Wiki oder Webinaren stellt man sicher, dass möglichst viel Wissen nicht verloren geht.Grüner Wissenstransfer: Mitarbeitende sollten ihr Wissen über Abteilungen hinweg teilen, nicht nur zu grünem Verhalten im Alltag, sondern auch zu ihrer Fachexpertise. Neben der Nutzung interner Expertise sollte ein Unternehmen aber auch nach Bedarf auf externe Wissensvermittler zurückgreifen.Grüne Technik: Die Tools, die verwendet werden, sollten auf der Grundlage und unter der Berücksichtigung grüner Maßstäbe beschafft und genutzt werden, zum Beispiel auch in Form eines papierlosen Büros.16

Green Company Tipp

Grüne HR-Initiativen reichen von der Förderung doppelseitiger Fotokopien bis hin zur Anwendung ethischer und fairer Praktiken (siehe dazu auch Kapitel 7).

Grüne Arbeitgeber können als Ergebnis aus der Implementierung einer grünen HR mehrere Vorteile ziehen, einschließlich mehr Mitarbeitendenmotivation, -engagement und -vertrauen. Die Mitarbeitenden zeigen wahrscheinlich nicht nur eine gesteigerte Produktivität, sondern werden auch loyaler gegenüber dem Unternehmen. Dies führt zu weniger Personalfluktuation.

Der Wert grüner Programme zur Förderung der sozialen Verantwortung ist weithin anerkannt und der Einsatz grüner HR kann hochqualifizierte Mitarbeitende anziehen, da ein grünes Unternehmen bei vielen Jobsuchenden als attraktiver angesehen wird. Effizientere Geschäftsprozesse und eine verbesserte Produkt- oder Servicequalität gehen ebenfalls aus Green HR hervor.

1.4Green Leadership – ökologische Nachhaltigkeit als Führungsprinzip

Ohne die Menschen im Unternehmen, die »Grün« verstehen und insbesondere sichtbar vorleben, kann ein Unternehmen nicht langfristig Green Company sein. Deshalb braucht es insbesondere Führungskräfte, die Mitarbeitende von Beginn an involvieren, die ihre Potenziale fördern, ihnen Raum und Verantwortung sowie ein klares und wertschätzendes Feedback geben. Es braucht die Führungskräfte, die neben ihrer Rolle als Führungskraft als Role Model im Unternehmen »Green« leben.

[32]

Abb. 1.3: Führungsprinzipien des Green Leadership (eigene Darstellung, 2022)

Insofern geht es für ein grünes Leadership um mehr als grüne Tools. Als Erstes ist die eigene Einstellung zu ökologischer Nachhaltigkeit gefragt, das Integrieren von ökologischer Nachhaltigkeit in den eigenen Alltag, privat wie beruflich. Auch soziale, ökologische, ökonomische und persönliche Kompetenzen spielen eine Rolle. Und letztendlich ist Verantwortung wichtig, die Transformation zu einem nachhaltigen Unternehmen, zu einer Green Company fördert und weiterentwickelt.17

Das Ziel eines Green Leadership sollte es sein, die Anforderungen immer auch mit dem Blick auf eine enkeltaugliche Zukunft zu erfüllen. Dazu müssen Entscheidungen und jedes Handeln im Unternehmen darauf ausgerichtet sein, die langfristige Balance aus wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verantwortung zu gewährleisten. Green Leadership steht für Führungskräfte, die aus eigener Überzeugung heraus ethisch und moralisch handeln und vor allem die ökologische Nachhaltigkeit vorantreiben wollen.18

Wie schon angesprochen, sind es vier Kompetenzbereiche, die für ein Green Leadership grundlegend sind:

1. Persönliches Green Leadership

Persönliche Nachhaltigkeit beginnt im Alltag – mit der Haltung, den Werten und Überzeugungen in Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit, den achtsamen Umgang mit Ressourcen, Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, ethische Einstellung und die Weiterbildung in ökologischer Nachhaltigkeit. Nach außen sind grüne Führungskräfte Vorbild – sie denken und handeln beruflich und privat ökologisch nachhaltig, setzen sich für an[33]dere ein und tragen damit zum Gemeinwohl bei. Sie denken gesamtsystemisch und agieren kollaborativ, um nachhaltige Lösungen gemeinsam zu finden und neue Impulse zu setzen.

2. Soziales Green Leadership

Soziales Green Leadership hat viel mit der Förderung individueller Potenziale und Gesundheitserhaltung am Arbeitsplatz zu tun. Es geht darum, Mitarbeitende zu stärken, sich auf Augenhöhe zu begegnen, Respekt, Wertschätzung und konstruktive Kritik zu geben. Förderungsprogramme für alle Mitarbeitenden und ein lebenslanges Lernen stärken die Mitarbeitendenzufriedenheit.

3. Ökonomisches Green Leadership

Ökologische Nachhaltigkeit ist für Green Leader ein fester Bestandteil ihres beruflichen Tuns, ein Managementziel. Sie bildet die Grundlage ihres wirtschaftlichen Handelns. Green Leadership fördert das Verständnis für ökologisch nachhaltiges, also langfristiges Wirtschaften und sichert damit die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Führungskräfte sollten Synergien nutzen, Innovationskraft stärken und mit Veränderungen antizyklisch umgehen.

4. Ökologisches Green Leadership

Abfallvermeidung, Mülltrennung und das Schonen von Ressourcen neben dem Reduzieren von CO2-Emissionen sind wichtige Aspekte der ökologischen Nachhaltigkeit – auch im Unternehmensalltag. Aber das ist nur ein kleiner Teil.

Ökologisches Green Leadership – und mir ist die Doppelung im Begriff durchaus bewusst – heißt auch: Führungskräfte treiben mit ihren Mitarbeitenden Projekte voran, mit denen das Unternehmen die ökologische Nachhaltigkeit verbessern kann. Es geht dabei auch darum, Rahmenbedingungen zu verändern, die von der Geschäftsleitung ausgehend dafür sorgen, dass ein Unternehmen nicht nur nach außen, sondern auch nach innen ökologische Nachhaltigkeit lebt. Und zwar intrinsisch überzeugend vorgelebt, aber auch getrieben von Green Leadern.

Fassen wir mal zusammen: Green Leadership bedeutet einen ganz klaren Paradigmenwechsel, der von Führungskräften ein komplett anderes Setting erwartet als von Führungskräften alter Schule. Die Steigerung von Umsatz und Effizienz ist definitiv weiterhin ein wichtiger Bestandteil, aber es geht mehr und mehr um das persönliche Engagement, um kooperatives Handeln und um ein gesamtsystemisches Denken. Damit Führungskräfte dies selbst leben und weitergeben können, ist es wichtig, Weiterbildung anzubieten und Kompetenzen zu stärken (siehe Abb. 1.5).19

[34]Green Leadership setzt auch dort an, wo neue Mitarbeitende für ein Unternehmen rekrutiert werden. Auch in der Personalabteilung braucht es Verantwortliche, die bereichsübergreifende Zusammenhänge verstehen, Neuem gegenüber aufgeschlossen sind und selbst eine Fachexpertise zu ökologischer Nachhaltigkeit haben.

Green Leadership stellt hohe Anforderungen an jede Führungskraft. Denn wo bisher die Managementkompetenz an erster Stelle gefragt war, steht neben der ökonomischen Kompetenz immer mehr die soziale und die ökologische.

Abb. 1.4: Der Green-Leadership-Rahmen (eigene Darstellung, 2022)

1.5Green Passion – ökologische Nachhaltigkeit aus Leidenschaft

Und zu allem anderen gelingt eine langfristig erfolgreiche Green Company nur, wenn Leidenschaft im Spiel ist. Und deshalb komme ich zu meinem fünften Baustein: Green Passion.

Nachhaltig handelnde Führungskräfte sind in ihrer Einstellung zur ökologischen Nachhaltigkeit als Vorbild gefragt, das wurde sicher in meinem vorherigen Baustein deutlich.

Eine Green Company verlangt allerdings von allen Mitarbeitenden Engagement und Passion für die Sache, echte Leidenschaft für ökologische Nachhaltigkeit ist also nötig. Und das ist eine echte »Herzenssache«, es geht dabei um die Übernahme von Verant[35]wortung und sichtbare Zeichen für das eigene Umfeld der Mitarbeitenden, Kollegen, Geschäftspartner, die eigene Familie und den Freundeskreis. Green Passion umfasst den privaten wie den beruflichen Bereich. Green Passion heißt, dass wir Klartext reden und manchmal auch diplomatisch sind, wo uns Green Passion zusammenbringt und verbindet.

Green Passion heißt, dass wir uns klar positionieren, auch wenn Personen von ökologischer Nachhaltigkeit überzeugt werden müssen und Unverständnis zeigen. Es ist unsere Aufgabe, sie mitzunehmen auf die Transformation in eine nachhaltige Zukunft.

Ich wünsche mir von allen, die meine Texte lesen, dass sie nicht nur Hintergrundwissen und sinnvolle Tipps mitnehmen, sondern dass sie ökologisch nachhaltig leben, mit jeder Faser, vom Verpackungssparen im Alltag und dem bewusst reduzierten Energieverbrauch bis hin zu grünen Finanzprodukten: Green Passion ist kraftvoll, inklusiv, vielfältig, kreativ, voller Lust am Leben und voller Hoffnung, dass wir durch unser Handeln einen Unterschied machen.

Als ich als Sechsjährige das erste Mal am Strand von Norddeich-Mole stand, war ich im ersten Moment beeindruckt von der Schönheit der Natur: die Wellen, der Wind, der weite Blick auf das nicht enden wollende Wasser. Im nächsten Moment war ich entsetzt und wütend über den an den Strand gespülten Plastikmüll, in dem Möwen nach essbaren Resten stocherten. Wie konnte jemand so gedankenlos sein und seinen Müll einfach ins Wasser werfen? Ich beschloss, mich von nun an für eine nachhaltige Welt einzusetzen. Ich gründe seitdem Initiativen, in denen ich versuche, in verschiedenen Bereichen mit meinen Ideen die Welt nachhaltiger zu machen. Ressourcenorientierung und Respekt vor unserer Umwelt, Tierwelt und vor unseren Mitmenschen sind seitdem die Grundlage meines Handelns. Dazu spreche, schreibe, berate, coache, gründe und führe ich – mit Leidenschaft.

Ich wünsche mir, dass du mindestens ebenso leidenschaftlich wie ich bist – mit Green Passion für eine lebenswerte Welt.

Jeder und jede kann diese Leidenschaft in sich wecken. Alle, die wissen, dass es Zeit ist, mehr denn je, für den Schutz unserer Umwelt einzutreten, für eine enkeltaugliche Zukunft. Alle, die sich eine lebenswerte Welt wünschen. Und wenn du es nicht schon gemacht hast: Fange jetzt an mit Green Passion – sei leidenschaftlich, engagiert, begeistert für eine grüne Zukunft für uns alle!

3 2 BMU (2007). https://www.sustainament.de/wp-content/uploads/nachhaltigkeitsmanagement_unternehmen.pdf

4 Vgl. dazu hpm – Hellmann Process ManagementGmbH & Co. KG (o. J.). https://www.umweltmanager.net/unternehmen/umweltlexikon/eintrag/green-management.html

5 Mehr zu den drei Aspekten der Nachhaltigkeit im Kapitel 5.

6 Siehe dazu BMUV (2021). https://www.bmuv.de/themen/nachhaltigkeit-digitalisierung/nachhaltigkeit/integriertes-umweltprogramm-2030/planetare-belastbarkeitsgrenzen

7 Burret/Kirchner/Kreidelmeyer et al. (2021). https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Studien-und-Materialien/Green-Finance-und-Klimaneutralitaet.pdf

8 Remer (o. J.). https://www.gabler-banklexikon.de/definition/green-finance-99713

9 Burret/Kirchner/Kreidelmeyer et al. (2021). https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Studien-und-Materialien/Green-Finance-und-Klimaneutralitaet.pdf

10 Vgl. dazu