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Was passiert eigentlich, wenn Träume wahr werden? Wenn der richtige Mann und der richtige Job zeitgleich ins Leben treten? Josephine Baeker, Fernsehreporterin und Glücksuchende, gibt in diesem Roman die Internationale! Die ersehnte Auslandsreportage wird wahr und ein vielversprechender Grieche teilt mit ihr Heim und Wanne. Kann so viel Gutes gut gehen? Autorin Nanni Bordeaux lässt ihre Protagonistin erneut schonungslos ehrlich und ernsthaft komisch durchs Leben mäandern. Ein Muss für jeden Romantiker und ein humorvoller Blick hinter die Kulissen des Fernsehschaffens.
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Seitenzahl: 89
Veröffentlichungsjahr: 2022
Nanni Bordeaux, Jahrgang 1969, schreibt unter Pseudonym und arbeitet seit 30 Jahren als freiberufliche Print- und Fernsehjournalistin. Sie lebt in Hamburg. „Griecheneier“ ist die Fortsetzung ihres Romans „Motteneier“, der ebenfalls bei tredition erschienen ist.
Life is what happens while you are busy making other plans.
John Lennon
Nanni Bordeaux
Griecheneier
© 2022 Nanni Bordeaux
Umschlag, Illustration: Wolfgang Nenz
Lektorat, Korrektorat: Joachim und Lars
Weitere Mitwirkende: Angie, Lilly und Sprie
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback
978-3-347-58973-5
Hardcover
978-3-347-58976-6
E-Book
978-3-347-58977-3
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten und mit lebenden, realen Personen und Firmen sind rein zufällig.
Ich war ein Sender-Kind. Schon immer. Als Dreijährige bin ich, laut meiner Eltern, im Vorspann der „Sesamstraße“ auf einem Elefanten geritten. Der Sender mit den drei großen Buchstaben prägte meine Jugend. Talkshow-Moderatorin wollte ich werden. Doch zunächst führte mich mein Lebensweg zur Tageszeitung. Statt ernsthaft zu studieren, verbrachte ich lieber Zeit mit Lokalreportagen und Glossen. Eine Bekannte erweckte erneut den Wunsch in mir, Moderatorin zu werden. Ich bewarb mich bei einem Privatsender und wurde genommen. Der Weg zum Fernsehen war geebnet und über Umwege kam ich zu „meinem Sender“. Zunächst in der Provinz, dann in der Zentrale in Hamburg. Dort realisierte ich Reportagen mit Witz und Niveau aus allen vier Bundesländern: Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, und Mecklenburg-Vorpommern. Irgendwann wollte ich mehr: Auslandsreportagen. Mal über den Tellerrand gucken. Die Redaktion dafür war im Haus. Der Zugang schwer. Mein, von mir geliebter, selbstgefälliger Mentor stellte sich quer. Er sah meine Zukunft nach wie vor in Norddeutschland. Ich erteilte ihm eine unmissverständliche Lektion, verließ den Sender und versuchte, sämtliche „Motteneier“ - wie ich die Männer nannte, die meine Seele zerfraßen - hinter mir zu lassen.
Kapitel 1
Nachdem ich den Sender verlassen hatte, fiel ich erst mal in ein Loch. Was sollte ich jetzt tun, ohne die mächtige Anstalt im Rücken und ohne „Gott“? Gut. Gottfried, von mir anhimmelnd „Gott“ genannt, war nur ein Redakteur von vielen, aber er hatte mir auch oft geholfen. Dafür hatte ich ihn geliebt. Letztendlich hatte er sich leider auch als „Mottenei“ entpuppt, wie ich die Männer, die sich in meine Seele fraßen und sie nachdrücklich zersetzten, sarkastisch nannte. Ich stromerte ziellos durch mein Viertel auf der Suche nach Themen. Dass das nichts bringen würde, war mir dabei durchaus klar, denn entgegen der landläufigen Meinung lagen die Themen für Fernsehbeiträge keineswegs auf der Straße. Es war harte Arbeit, erforderte oft mühsame Recherche im Internet und in den noch so kleinen Lokalzeitungen. Ich beschloss, mir im Eiscafé eine kleine Auszeit meiner Gedanken zu nehmen. Es befand sich auf dem zentralen Platz des Viertels. Hier konnte ich Schlemmen und „Leute gucken“. Eine gute Kombi. Es dauerte nicht lange und eine Gruppe kauziger Männer fragte, ob sie sich zu mir setzen dürften. Ich willigte ein und es stellte sich heraus, dass es sich um Griechen handelte. Sie waren vor der Finanzkrise in ihrem Land geflohen und jobbten nun in Hamburg. Wir unterhielten uns auf Englisch und mit Händen und Füßen. Die Griechen schlugen vor, irgendwo etwas essen zu gehen. Da ich nichts Besseres zu tun hatte, schloss ich mich ihnen an. Auf dem Weg zu einem Restaurant gesellte sich ein weiterer Grieche zu uns. Im Gegensatz zu den anderen hatte er so gar nichts Kauziges an sich. Im Gegenteil: Er war groß, drahtig, hatte meerblaue Augen, schwarze Haare und ein strahlendes Lächeln. Wow! Da hatte sich der nachmittägliche Ausflug doch schon gelohnt! Entgegen meiner Erwartung gingen wir nicht zum „Griechen“ sondern in einen Imbiss. „My name is Adrianos“ sagte der Schöne und bot mir die besten Stücke seines Brathähnchens an. „My name is Jo“, sagte ich entzückt und ließ mir von ihm ein Stück Brust in den Mund schieben. „I am from Athens“, erzählte er weiter. Oh, aus der Hauptstadt, dachte ich. Das passt! Nachdem sich seine Kumpel verzogen hatten kauften wir noch eine Flasche Rotwein und gingen zu mir. Dort angekommen setzte er sich auf mein Sofa und legte erst mal die Uhr ab. Oha, dachte ich, Männer, die ihre Uhr ablegen,
haben meistens noch etwas vor… Der Grieche erzählte derweil, dass sein Vater Pathologe gewesen sei. Wie apart! Wollte er mich auch gleich untersuchen? Um Zeit zu gewinnen, ließ ich für uns beide ein Wannenbad ein. Adrianos guckte zwar etwas verdutzt, zog sich dann aber anstandslos aus und folgte mir in den Schaum. Offensichtlich dachte er, dass alle deutschen Frauen vor dem Sex badeten. Nach dem Bad warf ich mein Handtuch über die Duschtrennwand. Er tat es mir genauso nach. Dann gingen wir ins Schlafzimmer und streichelten und küssten uns die ganze Nacht. Er war dabei sehr zärtlich. Balsam für meine geschundene Motteneier-Seele.
Kapitel 2
Am nächsten Morgen gingen wir ins „Café May“ zum Frühstücken. Obwohl er zweimal für das Buffet bezahlte, nahm er nur einen Espresso. Dann meldete sich sein Handy und er sagte, er müsse zum Job. Sein Chef sei am Telefon gewesen. Die Verabschiedung ging so schnell, dass ich vergaß ihn nach seiner Telefonnummer zu fragen. Naja, er wusste ja wo ich wohnte, dachte ich. In den kommenden Wochen sah und hörte ich nichts von meinem schönen Fremden. Ich hielt Ausschau in der Einkaufsstraße, dem Eiscafé, im Park. Nichts. Er schien wie vom Erdboden verschluckt. Nach drei Monaten liefen wir uns abends, im Dunkeln in die Arme. Es war inzwischen Dezember geworden und ich musste mir ein neues Digitalradio besorgen. Adrianos kam mir mit einer Bohrmaschine unter dem Arm entgegen. „Hey, Jo!“, sagte er und schien sich wirklich zu freuen. „Hey, Adrianos!“, sagte ich überrascht und musterte ihn skeptisch. Wo zur Hölle war er die ganze Zeit gewesen?! „I was looking for Jo all the time!“, berichtete er gestenreich. So, so. Da ich seinem Lächeln nicht lange
widerstehen konnte, ließ ich mich dazu überreden, einen Kaffee mit ihm trinken zu gehen. Er erzählte, dass er auf dem Bau viel Arbeit gehabt habe. Erst jetzt merkte ich wie schlecht sein Englisch war. Deutsch sprach er gar nicht. Egal. Das konnte ich ihm alles beibringen – küssen und streicheln nicht. Und das konnte er perfekt! Ich beschloss, ihm noch eine Chance zu geben und nahm ihn wieder mit nach Hause. Diesmal gab es kein Wannenbad, sondern heißen Sex bis zum Morgengrauen. Er war ein super Liebhaber. Aufmerksam, liebevoll, geschickt. Am nächsten Tag zeigte er mir sein Zuhause. Er hatte bei einem griechischen Kumpel ein Zimmer gemietet. In den folgenden Wochen sahen wir uns jeden Abend, und so kam ich auf die Idee, ihn zu fragen, ob er nicht zu mir ziehen wolle. Meine Wohnung war groß genug und eine Mietbeteiligung kam mir gut gelegen. Adrianos willigte ein und stand kurz darauf mit zwei Trolleys und zwei Sporttaschen vor meiner Tür. In der einen Sporttasche hatte er gerahmte, alte Fotodrucke vom Hamburger Hafen. Sie waren ihm bei Renovierungsarbeiten in die Hände gefallen. Außerdem ein griechischer Teller, ein griechisches Landschaftsbild und ein türkisches Auge zur
Gefahrenabwehr. Als wir mit Dekorieren fertig waren sah meine Küche aus wie eine griechische Taverne. „I like?!“ fragte mich Adrianos gespannt. Das sagte er immer, wenn er meinte „Do you like?“. „Yes, Adriano, I like!“, sagte ich amüsiert. Es war schon ein besonderes Schätzchen, das ich mir da geangelt hatte. Nach der Renovierungsaktion liebten wir uns noch hingebungsvoller. Als ich in seinen Armen lag sagte er, dass er über Weihnachten nach Hause fliegen müsse. Zu Mama und Bruder. Mist, dachte ich. Weihnachten feierten die Griechisch-Orthodoxen zwölf Tage lang. Bis zum sechsten Januar. Ich würde ihn schrecklich vermissen. Gerade Weihnachten war für mich immer so eine gefühlsduselige Zeit. „Don´t worry, Jo“, sagte mein griechischer Freund, „I come back!“
Kapitel 3
Adrianos hatte seine Rückkehr für den 8. Januar angekündigt. Ich freute mich riesig und kaufte ein Festessen ein: Rinderfilet, Bohnen, Kartoffelgratin und Tiramisu sollte es geben. Ich hatte über die Feiertage nichts von ihm gehört. Wahrscheinlich war er zu sehr mit seiner Familie beschäftigt. Heute allerdings hoffte ich schon, dass er mir zumindest eine WhatsApp schickte, wann er in Hamburg landen würde. Ich wartete den ganzen Tag, dann fing ich an Essen zu machen. Als er um 22 Uhr noch nicht da war, aß ich traurig mein Rinderfilet nebst Beilagen und schmiss seine Portion in den Müll. Toll. Wo war der Arsch? Sollte sich tatsächlich bestätigen, dass die Griechen unzuverlässig waren? Aber doch nicht mein „agapi mou“, wie er mich immer nannte. Das griechische Wort für „mein Liebling“. Ich starrte erneut auf mein Telefon doch nichts geschah. Auch meine WhatsApp blieben ungelesen. Unruhig wälzte ich mich durch die Nacht. Was, wenn er nicht wiederkommen würde? Ich mochte den Gedanken kaum zu Ende denken. Am nächsten Morgen riss mich die Türklingel aus dem Schlaf. Adrianos! Doch es war nur meine Nachbarin, die mich bat, ein Paket für sie anzunehmen. Bedrückt schlich ich in die Küche, um mir einen Kaffee zu machen, als es erneut klingelte. Hatte die Nachbarin etwa noch einen Auftrag für mich?! Ich öffnete die Tür und da stand mein Grieche und strahlte mich an. „Agapi mou!“, rief er und nahm mich in die Arme. „Adrianos! Where have you been? You said yesterday…“ „Ah, Agapi mou, no problem! Now Adrianos is here with Jo!“ Sprachs, ließ seine Sporttasche fallen und schleppte mich ins Bett. Seine Zärtlichkeit nahm mir jeglichen Ärger und ich verzieh ihm noch an Ort und Stelle. Am Abend machte er für uns Bifteki und selbstgemachtes Zaziki. Ich guckte ihm dabei aufmerksam zu. Wir tranken Wein und hörten Musik. Es war urgemütlich in meiner Altbauküche. Der Grieche brachte die Lebensfreude ins Haus, die ich so lange vermisst hatte. Nun brauchte ich nur noch einen neuen Job! Naja, wird schon klappen, dachte ich. Erst die Liebe – dann der Job. Wenigstens hatte ich nun immer jemanden, auf den ich mich freuen konnte, wenn ich vom Dreh kommen würde. Ich genoss den deutsch-griechischen Abend kulinarisch wie sexuell und schlief selig in seinen Armen ein.
Kapitel 4
