Grosse Kreise - Bodo Lampe - E-Book

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Bodo Lampe

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Beschreibung

Ein Bauunternehmer, der seine Profite in kongolesischen Coltran-Minen versenkt, zwei Bürgermeisterkandidaten, die sich nicht leiden können, ein Physikprofessor, der durch Raumordnungsgutachten kommunalpolitischen Ruhm zu erringen trachtet, sowie ein Bauamtmannanwärter, der über Wittgensteins Traktaten seine Pflichten vernachlässigt, das sind die Protagonisten dieses nordostwestfälischen Schelmenromans, in dem es vor Morden, Selbstmorden, folgenschweren Verkehrsunfällen, Scheidungen und Schlaganfällen nur so wimmelt. Ein Spottlied auf Lokalpolitik, Kommunalverwaltung und Kleinunternehmertum in der Provinz. Teils lustig zu lesen! Wenn auch mit bitteren Untertönen. Ein Schuss Heimatliebe ist ebenfalls drin.

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Seitenzahl: 364

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel

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1.

Jetzt muss sie da allein hin. Zurück in die alte Heimat, die Höhle des Löwen, sozusagen, die ihr früher so viel bedeutet hat, dass sie gar nicht weggehen wollte. Mit mir mitkommen, meine ich. War wirklich ein schönes Stück Arbeit, sie aus Lübbecke loszueisen, weil, sie war da total verwurzelt. Trotz ihrer scheinbaren Weltläufigkeit. Ich meine, wer sie damals in ihrem tollen Cabrio herumfahren sah, und der ins Haar geschobenen Sonnenbrille, musste sie für den Gipfel von Weltläufigkeit halten. Aber mitnichten, sie war keineswegs weltläufig, sondern eher provinziell und manchmal richtiggehend beschränkt. Borniert, möchte man sagen. Weltläufigkeit hat sich erst später bei ihr entwickelt, als sie mit mir zusammen war. Sie wollte partout in Lübbecke bleiben. Nach England, hat sie gefragt, was soll ich da? Gerade erst war sie von Robert losgekommen, in den sie so große Hoffnungen gesetzt und der sich als Niete erwiesen hatte, als Windei. So richtig entpuppt. Und jetzt wollte der nächste, dass sie ihre ganze soziale Basis aufgab. Oxford! Für Hellen gab es absolut keinen Grund, nach Oxford zu ziehen, nur weil ihr Macker sich einen Kulturtick einbildete, statt in Heinz' florierender Firma mit anzupacken.

Ich kann mir schon vorstellen, wie es in ihr aussieht. Das reinste Unglück, und keiner, der ihr nur ein bisschen beisteht, keine Freunde weit und breit. Wo sie in Lübbecke immer so etabliert war. Und jetzt: kein Mensch, nirgends. Auf mich zählt sie schon lange nicht mehr. Hat mich verlassen, die Frau. Ich kann mir vorstellen, wie sie da hereinkommt, in die Halle, die einmal das prächtige Speisezimmer gewesen ist, mit Riesenesstisch, glitzernden Lüstern, ausladenden Anrichten und allem pipapo, und wie sie da steht und sich auf irgendein altes Möbel stützt, das der Gerichtsvollzieher gnädigerweise dagelassen hat, und wie alt und grau sie dabei aussieht. Ich meine, sie sieht jetzt generell alt und grau aus, ganz anders, als ich sie kennengelernt habe, wo sie hübsch und blond war, ich meine wirklich hübsch, und auch blond. Der Fluch des Alterns. Mir geht es, wenn ich mich im Spiegel begucke, nicht besser. Eher schlechter, würde ich sagen. Aber jetzt, ich meine, in dem Moment, wo sie in dem leeren Speisezimmer steht, sieht sie besonders alt und grau aus, und gebeugt. Wie geschlagen von all der Unbill, obwohl sie die 50 noch nicht erreicht hat, und obwohl sich Blondinen normalerweise besser halten. Aus hübschen Blondinen werden bekanntlich schöne, stattliche Blondinen, wenn sie über 40 sind. Wenn. Wenn alles gut läuft, und sich nichts Tragisches ereignet. Wenn ihr Leben nicht aus den Fugen gerät.

Genau das ist nämlich passiert. Ihr Leben ist aus den Fugen geraten, und die Fugen sind ihr um die Ohren geflogen und haben nichts über gelassen, weder von ihrer Ehe noch von sonstigen Verwandten; von Freunden ganz zu schweigen. Nur die Kinder natürlich, die sind ihr einziger Lichtblick. Ansonsten ist sie allein, jämmerlich allein. In dem Haus, das jetzt in ihrem Namen verkauft wird, ist sie nie zuhause gewesen. Aufgewachsen ist sie woanders. Nicht in diesem Bunker, der sich als Schloss geriert und den ihr Vater an die höchste Stelle des Hanges geklotzt hat, damit jeder sehen konnte, wer in der Stadt das Sagen hat, sondern in dem kleinen Bungalow bei uns in der Siedlung, den er noch als Polier gebaut hat, hauptsächlich schwarz und in Eigenregie, und wo sie wenig Platz hatten und sich zu fünft kaum drehen konnten. Mama hat mir die Geschichte haarklein erzählt, und von ihr habe ich es später noch mal gehört. Hatten wir ja Zeit zu in all den Jahren. Ich meine, wer baut einen kleinen Bungalow für eine fünfköpfige Familie, fünf!, außer einem jungen Polier, der sich nicht allzu viel zutraut. Als sie 15 war, sind sie in die Villa umgezogen, in der sie viel Platz hatten; große helle Räume, jeder sein eigenes Zimmer und so. Wenn überhaupt, hat sie die als ihr Heim empfunden. Aber dann ging das Herumgeziehe erst richtig los. Dann wurde nochmals eine größere Villa gebaut, damit auch Schwiegersohn und Schwiegertochter unterkamen. Und zum Schluss der Bunker. Nur weil er jetzt verkauft wird, müsste sie sich nicht alt und deprimiert fühlen. Aber ich kenne sie. Sie meint, er sei vom Geist ihrer Familie durchdrungen. Dabei ist es höchstens der Geist ihres Vaters, der da noch herumspukt, ein ziemlich bedrohlicher Geist, von dem sie sich möglichst fernhalten und auf keinen Fall durchdringen lassen sollte.

Andererseits, wenn ich mir's recht überlege, von allen, die in Frage kommen, ist Heinz' Geist bei ihr am besten aufgehoben, trotz ihrer momentanen Schwäche. Sie ist diejenige, die am meisten von ihm geerbt hat. Mental, meine ich. Sie muss nur vorsichtig damit umgehen. Vielleicht kommt ihr das im Moment auch gerade. Und dabei, stelle ich mir vor, nimmt sie sein riesiges Porträt in Augenschein, das der Makler aus unerfindlichen Gründen in der Halle hängengelassen hat, vielleicht weil er meint, den Wert des Gebäudes auf die Weise zu steigern. Er könnte sich damit einen Bärendienst erweisen. Heinz ist nicht mehr besonders beliebt in der Stadt, um es mit Understatement zu sagen. Einige hassen ihn, viele verwünschen ihn, die meisten jedoch wollen gar nichts mehr von ihm hören, und so verschwindet er langsam aus dem kommunalen Gedächtnis. Aber wahrscheinlich denkt der Makler gar nicht an die Einheimischen, sondern hofft auf einen auswärtigen Investor, der sich nicht auskennt und den das Ambiente beeindruckt. Von den Lübbeckern will den Bunker sowieso keiner haben.

Früher war das natürlich anders. Früher war Heinz unheimlich beliebt, bei allen, die ihn kannten, wegen seiner freundlichen, zuvorkommenden Art, die echt aus dem Herzen zu kommen schien, und bei allen übrigen wegen dem, was er für die Stadt getan hat. Ich meine, in einer bestimmten Phase hat er praktisch alle Lübbecker Bauvorhaben kontrolliert, einschließlich des Umlandes. Er hatte einen immensen Einfluss, den er im Sinne des Gemeinwohls zu nutzen verstand. So haben es die Leute damals gesehen und ihn mit Ehrungen überhäuft. Nachgerade zugeschüttet haben sie ihn, mit Verdienstkreuzen und -nadeln, gravierten Bechern und Zinntellern, und mit Ehrenmitgliedschaften in allerlei Vereinigungen. Er hat alles dankend angenommen und ins Regal gestellt. Er war tatsächlich eine tragende, eine gefeierte Säule von Wirtschaft und Gesellschaft. Er wurde um Rat gefragt und um Hilfe gebeten. Und wenn seine Hilfe auch selten ganz uneigennützig war: sie wurde zuverlässig gewährt, prompt und effektiv, allein schon durch den großen Apparat seiner Firma. Heinz konnte echt was bewegen.

Wenn sie bei diesem Gedanken angekommen ist, setzt sie sich mit einer langsamen resignierten Bewegung auf das wacklige Möbel und studiert seine Züge. Kommt zu dem Schluss, dass er nicht gut getroffen ist. Nichts von seinem lebhaften Wesen wird von diesem passiven, staubigen Gegenstand eingefangen. Im persönlichen Umgang war er keineswegs klotzig. Mit Machtdemonstrationen hat er sich nach außen meist zurückgehalten, hat nur beim Dekor sein wahres Gesicht gezeigt, das seiner Familie leider allzu gut bekannt war. So gut, dass es Ingo zum Schluss nicht mehr aushalten konnte.

Kennengelernt habe ich sie an einem dieser seltsamen Tage, die uns allen manchmal zustoßen. Ich meine, genauer kennengelernt. Vom Sehen kannte ich sie schon viel länger; denn immerhin war sie die Schwester meines besten Freundes. Insofern hat sie meine frühen Jugendjahre begleitet, und meine frühen Sexualfantasien. War allerdings drei, vier Jahre älter als wir, und hat uns kleine Jungs wenig beachtet. Wir sie dafür umso mehr, wenn sie mit ihren Freundinnen durch die Gegend zog, mit Uschi, Petra, Gabi, und wie sie alle hießen. Irgendwann hat sie geheiratet, und damit waren wir weitgehend weg vom Fenster. Sie war damals noch ziemlich jung, um die 20, aber für die Mädchen in unserer Gegend ist das genau das richtige Alter zum Heiraten, finden die meisten hier. Was sollen sie auch machen, wenn sie keine Lust zum Studieren haben und die Arbeit in Vaters Betrieb sie nicht ausfüllt. Sicher, da gab es immer reichlich zu tun. Sie war den ganzen Tag auf den Beinen: Angebote einholen, Termine festmachen, Akten sortieren, Rechnungen prüfen. Kam kaum noch zum Luftholen. Aber die Abende wären ohne männlichen Beistand doch recht eintönig gewesen. Sie hätte weiter herumprobieren können, was sie mit 17, 18, sehr zu Heinz' Unwillen, auch ausgiebig betrieben hat; aber irgendwann war sie mit den Kandidaten durch. Die große Auswahl gab es in Lübbecke ohnehin nicht. Dieser Teil Westfalens ist eine jener ländlichen Gegenden, wo sich, im wahrsten Sinne, Hase und Igel gute Nacht sagen. Weil sie keine Arbeit finden, zieht es die jungen Männer in die Ferne. Was übrig bleibt, ist zum großen Teil Schrott. Der Eindruck hatte sich bei ihr in den letzten Jahren verfestigt. Ausschuss, der ständig in Kneipen herumhängt und eine Frau nicht begeistern kann. Außer ein paar ganz seltenen Exemplaren, Bulldoggen wie Robert, die sich durchbeißen und von widrigen Umständen nicht unterkriegen lassen. In der ersten Zeit nach der Heirat hat sie sich ausschließlich um ihren Robert gekümmert. Die beiden waren wirklich schwer verliebt und haben den Rest der Welt überhaupt nicht mehr wahrgenommen. Hellen zumindest. Ihr Robert war von anderem Kaliber. Er hat sich weiterhin intensiv um seine Geschäfte gekümmert, und besonders die Beziehungen zu Heinz' Firma fleißig ausgebaut, so dass am Ende nichts mehr ohne ihn lief.

Er war Makler und Finanzberater. Hatte sich früh selbstständig gemacht, mit einem modischen Logo im Briefkopf, einem unternehmenden Motto ('Wir reißen die Mauern ein!') und einem winzigen Büro in der Bergertorstraße, an dem wir immer achtlos vorbeigelaufen sind. So winzig, dass man sich kaum darin bewegen konnte. Für Kundschaft, das heißt für Anleger, stand allerdings ein nobler Sessel bereit, der einen Gutteil des Raumes ausfüllte. Was tut man nicht alles für Anleger! Anleger sind das Objekt der Begierde eines jeden Finanzmaklers, worum alles Denken und Trachten, mehr als um Frauen, sich dreht. Wenn ein Anleger hereinkam, fing Robert an zu rotieren. Denn ein Anleger ist wie ein vielversprechendes Baby: man hegt es, man gibt ihm den Schnuller, gibt ihm die Brust. Und man stellt ihm noble Sessel hin. Die Bergertorstraße ist die Verlängerung der Langen Straße, also der zentralen Einkaufspassage, zum östlichen Stadttor hin. Dies nur zur örtlichen Klärung. Wobei man wissen muss, dass Lübbecke früher ein kleiner, tellerförmiger Marktflecken gewesen ist, am Nordhang der letzten Ausläufer des Teutoburger Waldes, samt Toren und Stadtmauer, in den eine wirklich lange Straße beim besten Willen nicht hineingepasst hätte. Inzwischen hat sich die Stadt wesentlich ausgebreitet, nicht zuletzt dank Heinz' Aktivitäten.

An sich ist Lübbecke kein Eldorado für Makler und Finanzberater. Das verfügbare Vermögen hält sich doch in engen Grenzen. In sehr engen Grenzen. Grenzen, die einen Finanzmann nicht glücklich machen können. Erst, seitdem er sich auf den Verkauf von Heinz' Immobilien konzentrierte, hatte Roberts Geschäft einen wahren Aufschwung genommen. Aus einer Art Teilzeitjob, in dem man nebenbei anderen Interessen nachgehen konnte, war eine tagesfüllende Aufgabe geworden – bei dem Tempo, das sein Schwiegervater vorgab. Aber Robert hat ohne Probleme mithalten können. Es gab sogar Zeiten, später, wo er selber das Tempo bestimmte, mit immer neuen Projektvorschlägen. Stadtparks, Industriebrachen und Vogelschutzgebiete, alles, was sich irgendwie bebauen lässt, hat er, getreu seiner Firmendevise, gnadenlos plattgemacht. War eben Optimist, der Mann, durch und durch Optimist, und ließ auch sonst nichts anbrennen. Eine Zeitlang hat ihm Hellen im Büro geholfen, hat bei Heinz alles liegen lassen und aus Eifersucht Roberts Sekretärin vergrault.

Dass man sie praktisch nur im Doppelpack wahrnahm (wenn sie überhaupt noch auftauchte), hat Holger wahnsinnig genervt. Er konnte ihren Robert nicht leiden, was ich einerseits merkwürdig fand. Ich meine den Grad der Abneigung, den er ihm entgegenbrachte. Er war ständig am überlegen, wie man ihn loswerden konnte. Hat sich alle möglichen Tricks und Todesarten für ihn ausgedacht, und den Tag herbeigesehnt, an dem sie den Knacker satt hatte. Nach meiner Einschätzung konnte er da lange warten. Die Beziehung wurde eindeutig von Robert dominiert, während Hellen sich anpasste. Holger hat in ihm wohl eine Konkurrenz gesehen, nicht nur in Bezug auf Heinz' Erbe. Er muss das Gefühl gehabt haben, dass Robert ihm Hellen weggenommen hat, die sich die ganze Kindheit intensiv um ihn gekümmert hatte. Eine Art Ersatzmutter ist sie gewesen, schon lange vor Hertas Verschwinden. Doch seit sie mit Männern zusammen war, und besonders seit ihrer Heirat, hat sie Holger ziemlich links liegen lassen. Was ihn enorm verbitterte. Den Verdacht, dass sie vielleicht mehr als eine Ersatzmutter war, habe ich vorsichtshalber nie ausgesprochen. Wäre auch übel aufgenommen worden. Auf jeden Fall, glaube ich, entsprach sie so vollkommen seinem Ideal von Weiblichkeit, dass er sich zeitlebens nie mit einer Frau eingelassen hat. Längerfristig, meine ich. Kurzfristige Beziehungen hatte er haufenweise. Aber mit der Hellen aus seiner Kindheit konnte keine konkurrieren. Ich hatte später ebenfalls unter seinen Anwandlungen zu leiden. Er hat mir die Freundschaft gekündigt, aus demselben irrationalen Impuls, als er sah, wie glücklich wir waren.

Auch Ingo hat Robert nicht leiden können; doch seine Abneigung ist viel verhaltener gewesen, weil sein Charakter viel verhaltener war. Zu leidenschaftlichen Ausbrüchen war er, auch in Extremsituationen, nicht fähig. Dabei hatte er viel mehr Gründe, Robert zu hassen, und nicht nur, weil er als ältester Sohn Heinz' Nachfolge beanspruchen konnte, die ihm Robert mit seiner Vitalität zunehmend streitig machte.

Wir, ich meine Holgers Freunde, mochten Robert auch nicht besonders, weniger, weil er Hellen gekriegt hatte, sondern er war einfach der Typ Mensch, der wir auf keinen Fall sein wollten. Seine Geschäftstüchtigkeit, seine scheinbare Reife, die überhebliche Art, mit er überall auftrat, irritierten uns. Hellen spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle. Sie war für uns uninteressant, ehrlich. Man beschäftigt sich doch nicht mit einer Frau, nicht mal in Gedanken, die so eng gebunden ist. Das führt nur zu Frustrationen, um so größeren Frustrationen, je attraktiver sie ist.

Nachgelassen hat das permanente Geturtel erst ungefähr um die Zeit, von der ich jetzt sprechen will. Ich hatte von dem Umschwung nichts mitbekommen, weil ich in einem Alter war, in dem man sich mehr mit sich selbst als mit den Beziehungskrisen anderer Leute beschäftigt, und habe auch ihr Verhalten an jenem Tag nicht unbedingt in dieser Richtung interpretiert. Wollen Sie uns allen Ernstes erzählen, dass Sie keinen Finger krumm machen würden, um ihrer Freundin zu helfen, hat mich der strenge Major, oder Hauptmann, oder was er war, gefragt. Aber da musste ich passen. Mit einer Freundin konnte ich nicht dienen. Schwester, hat er gefragt, haben Sie eine Schwester? Aber ich habe Miriam verleugnet, obwohl Schenzmeier die Brauen hochzog. Also sagen wir, der Schwester Ihres Freundes, hat er es noch einmal versucht. Irgendein Freund von Ihnen wird doch eine Schwester haben, zum Donnerwetter. Jaja, schon, sagte ich schüchtern und wollte gerade kategorisch leugnen, dass ich mich dazwischen werfen würde, wenn ihr irgendwer etwas antun wollte, wollte darauf bestehen, keinen Finger krumm zu machen, weil dies mit meiner pazifistischen Grundhaltung nicht verträglich sei. Keine Gewalt, nie, wollte ich rufen, jeden Rest Zweifel aus Blick und Stimme zackig eliminierend. Aber da ist seltsamerweise das Bild von Hellen in mir hochgestiegen, wie sie uns drei zum Kreiswehrersatzamt chauffierte, weil wir noch keinen Führerschein hatten, und ich habe mir vorgestellt, jemand will sie vergewaltigen, so richtig anschaulich vorgestellt, mit ihrem hellweichen Butterblondhaar und ihrer Figur; und da ist mir klargeworden, ich weiß nicht, wie ich mich verhalten, ob ich nicht doch den Knüppel schwingen würde, um sie zu beschützen. Und es gab eine lange Pause.

Ich wollte mich herausreden und habe vorsichtig gesagt, ich würde ganz schnell Hilfe holen. Aber hat er nicht gelten lassen. Es sollte irgendwo im Wald passieren, weit und breit keine Menschenseele. Idiotisch, habe ich gedacht, und mich verpflichtet gefühlt, ganz mannhaft um die Sache herumzureden, wie sie sich meiner Meinung nach darstellt, und am Ende, als mich alle fragend erstaunt ansahen, weil keiner wusste, worauf ich hinauswollte: Ehrlich, ich weiß nicht, wie ich reagieren würde. Und das war genau die richtige Antwort. Nur darum bin ich heute anerkannter Kriegsdienstverweigerer, mit Urkunde, Eichenlaub usw, weil ich mir wegen Hellen unsicher war. Alles andere hätte er für unglaubwürdig befunden. Soldaten träumen anscheinend ihr Lebtag davon, hilflose junge Frauen zu retten, um sie dann in der Kaserne mit Decken, Tee und Keksen zu versorgen. In der schnöden Wirklichkeit hocken Soldaten meist untätig auf ihren Dienstposten und vertun die Zeit mit Manövern, kennt man doch. Wenn sie überhaupt etwas anpacken, geht es meist in die falsche Richtung. Untergang statt Rettung, würde ich sagen. Habe ich ihm natürlich nicht mitgeteilt, sondern höflich den Mund gehalten, während der Ausschuss mir zunickte und sich zur Beratung zurückzog. Wir dürfen uns schon mal verabschieden, Herr Püffkemeier. Das Ergebnis wird Ihnen schriftlich zugestellt. Und der Wendepunkt nur, weil ich mir Hellens wegen unsicher war. Kurios, nicht? Weil diese Schwester nunmal mein Schicksal geworden ist. Und an jenem Tag fing es an. Okay, ich habe instinktsicher und ohne darüber nachzudenken, auch noch die richtigen Worte gefunden, das heißt, von Gewalt meinerseits war gar nicht die Rede. Ich meine, 'reagieren' ist nicht dasselbe wie 'zuhauen'; und damit war die Sache geritzt. Kommt eben immer darauf an, wie man sich aufführt. Solange man über einen Vorgang nur redet, statt ihn real umzusetzen, hat man immer Spielraum. Der Spielraum entscheidet über die Folgen. Wenn ich mir's genau überlege, also, sind schon komische Szenen, die sich da abgespielt haben, in diesen Sitzungen, in denen wehrunwillige Youngster ausgequetscht wurden, um ihnen Formfehler in ihrer pazifistischen Logik nachzuweisen. Heute sind sie ja abgeschafft, zu recht. Außer dem Offizier, der den Vorsitzenden mimte, waren noch zwei Kommunalpolitiker anwesend, Vertreter der 'Öffentlichkeit', wie es euphemistisch hieß, Schenzmeier und Holzbrink, ordentlich nach Parteienproporz. Wahrscheinlich waren sich außer mir alle der Lächerlichkeit des Verfahrens bewusst. Ich sage 'wahrscheinlich'. Um festzustellen, wer sich wessen bewusst ist, war ich damals zu jung. Diese Fähigkeit entwickelt sich erst mit dem Alter, so wie die meisten Gebrechen.

Als ich hereinkam, studierte Holzbrink intensiv meine Akte und Schenzmeier las 'Tod in Venedig' unter der Bank. Habe ich genau gesehen. Holzbrink unterstützte dann den Hauptmann bei dessen kritischen Fragen. Schenzmeier war's egal, oder er stand tendenziell auf meiner Seite, nicht nur, weil Papa und er in derselben Partei sind. Wenn sich die beiden, soweit ich weiß, auch nicht viel zu sagen haben. Als ich durch die amtlichen Gänge schritt, kam ich mir vor wie bei einem Theaterauftritt, nicht nur der Schale wegen, in die ich mich, als Zugeständnis an den Ausschuss, geschmissen hatte. Man will ja nicht unnötig provozieren. Auch das Ambiente erinnerte stark ans westfälische Staatstheater. Kreis-wehr-ersatz-amt. Genau so verwinkelt waren die Gänge. Endlich die Tür. - Also, die Bühne war eine Enttäuschung. Sie war mickrig, ein Provisorium, Typ leergeräumtes Aktenarchiv. Und überheizt, wie meist bei Behörden. Die drei thronten an einem Pult, etwas erhöht über dem Antragsteller, damit die Rollenverteilung schon mal klar war. Das kleine Treppchen hatte ein Uffz-Anwärter, gelernter Dreher, extra zusammengezimmert. Es sah entschieden windschief aus. Ich hatte die ganze Zeit Angst: Angst vor denen, die über mein Schicksal entschieden, Lampenfieber (des Theaters wegen), und, dass das Treppchen unter der Last von Holzbrinks Körpergewicht zusammenbricht.

Der Hauptmann war eine mäßig interessante Erscheinung. Schnauzer, Faconschnitt. Die Haare fuchsbraun. Man hätte sie für gefärbt halten können. Nach außen ganz höflich, aber im Innern knallhart, das sah man, wenn es um die Kernfragen ging. Erst hat er sich meine schriftliche Einlassung vorgeknöpft. Ich hatte ein kleines Traktat über Kant verfasst, angefangen beim kategorischen Imperativ über die Kritik der praktischen Vernunft bis zum ewigen Frieden. Darauf ist er herumgeritten. Er hatte den Königsberger ebenfalls gelesen und fühlte sich berufen. Ich habe mich leider nur halbwegs elegant aus der Affäre gezogen. Wie hätte ich auch? Meine Kantkenntnisse waren damals noch lückenhaft. Erst die Schwesternfrage hat die Entscheidung gebracht, die Stimmung gedreht. Und vielleicht, weil ein Onkel im Krieg gefallen ist. Sowas wird zumindest formal als Pluspunkt gewertet. Ich meine, nicht für den Onkel. Für den ist es kein Pluspunkt. Den hat damals das Schicksal geholt.

Mit so einem Onkel konnten andere nicht dienen. Holger, zum Beispiel, der hatte zwar einen Onkel, aber keinen zum Vorzeigen. Kein Vorbild für unseren Hauptmann. Holgers Onkel kam aus der DDR. Das heißt, eigentlich kam er aus Lübbecke, war aber nach dem Mauerbau in die DDR gegangen, und das will was heißen. Er hatte, zum eigenen Schaden, wie sich herausstellte, die Zone für das gelobte Land gehalten. Das zeigt doch, Unternehmertum ist leider nicht erblich. Sonst wäre er im Westen geblieben, um gleichfalls eine erfolgreiche Firma zu leiten. Im Osten hat es ihm überhaupt nicht gefallen, so dass er, das ist das schärfste, später über die Mauer zurück nach Westen getürmt ist. Das heißt, er wollte. Denn sie haben ihn erwischt und festgesetzt, und erst nach einigen Jahren gehen lassen. Jetzt hockte er, als Heinz' privater Sozialfall, in Lübbecke herum, und wurde uns von unseren Altvorderen bei Bedarf als wenig nachahmenswertes Beispiel vor Augen geführt.

Der Hauptmann bombardierte mich mit Fragen, mit denen er mein Gewissen anbohren wollte. Auch Holzbrink hat Fragen gestellt, Schenzmeier nicht. Die Ölquelle als Metapher des Gewissens: interessant, aber fragwürdig. Mein Gewissen ist eher wie ein Strudel, eine Art schwarzes Loch, worin alle meine Erfahrungen verschwinden. Und man weiß nie, in welcher Form sie später wieder hervor kommen. Im Grunde kam es nur darauf an, gut vorbereitet zu sein. Ich hatte mich so lala vorbereitet und wäre in der Schwesternfrage folgerichtig von ihm fast aufs Glatteis geführt worden. Dirk hatte sich hervorragend vorbereitet, obwohl sein Vater es lieber gesehen hätte, wenn er durchgefallen wäre. Er hatte seine Argumente auf Karteikarten zusammengefasst und sich dermaßen gut vorbereitet, dass er auf jede mögliche Frage einen viertelstündigen Monolog herunterrattern konnte. Wahrscheinlich hat sein Alter versucht, die Kommission zu beeinflussen, aber keine Chance. Nicht bei Dirks 1a-Vorbereitung. Dirk war in allem 1a, außer was seine Spontaneität anging. Auf Außenstehende wirkte er ein bisschen steif. Holger war weder 1 noch a und hat tatsächlich spontan sein wollen, hat kein Blatt vor den Mund genommen und sein Gewissen vor der Kommission offen ausgebreitet. Womit er natürlich durchgefallen ist. Dirk hätte ihm das gleich sagen können; doch Holger ließ zu der Zeit kaum mit sich reden. War irgendwie abgefahren, der Typ und lebte in seiner eigenen Welt. Dass er durchfiel, hat Heinz durchaus ins Konzept gepasst. Ein bisschen hartes Training nach der ganzen Luschigkeit am Gymnasium wird ihm nicht schaden, hat er zu Holger gesagt.

Manche in Lübbecke betrachteten es als Skandal, dass Dirk verweigert hat. Sohn des OKD, das geht doch nicht. Gut, er war fast volljährig, sein Vater konnte ihm gar nichts. Er hat ihm allerdings reichlich Vorwürfe gemacht, von wegen 'Drückeberger' und 'seit Generationen eine der ersten Familien der Stadt'. Und erst die Mutter. Du verbaust dir dein ganzes Leben. In dem Stil. Kennt man. Ihr Vater war auch OKD gewesen, kurz vor dem Krieg, der Großvater sogar General bei den Preußen, oder mindestens Oberst. Aber verbieten konnten sie nichts. Heute denke ich, dass Dirk unheimlich viel von seinem Vater geerbt hat. Dasselbe Lächeln, dieselbe Sorgfalt, nicht nur in der Kleiderfrage, dieselbe gerade Haltung und vornehme Art. Derselbe Hang zur Qualität. Je älter er wurde, desto ordentlicher wurde er auch. Man kann mit Fug und Recht sagen, Dirk habe sich im Laufe seines Lebens immer mehr dem Qualitätsbewusstsein seines Vaters angenähert. In Deutschland mangelt es bekanntlich in allen Bereichen des Lebens an Qualität. Selbst dem bloßen Versuch eines Qualitätsmanagement, wird, wie Dirks Vater in einer mit Doktor Gutevogel gemeinsam verfassten Erklärung beklagt hat, von weiten Teilen der Öffentlichkeit noch immer mit Misstrauen begegnet. Dabei führt, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen, das Anwenden eines Qualitätsmanagement rasch zu formidablen Erfolgen. Die meisten Politiker fühlen sich für Qualität bisher leider nicht zuständig. Darum diese Erklärung. Wir können nicht anders, sind wir uns doch unserer besonderen Verantwortung bewusst, schrieb der OKD. 'Besondere Verantwortung' war, neben 'formidabel', eine seiner Lieblingsvokabeln. Er hat sie den Leuten bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufgetischt. Aber klar, wer Verantwortung, und besonders, wer, wie der OKD, besondere Verantwortung trägt, muss sich dieser auch bewusst sein. Immerhin ging es bei vielen seiner Entscheidungen um das Wohl und Wehe des Kreises Lübbecke. Von daher konnte er es seinen Lübbeckern gar nicht oft genug auftischen. Von der Verantwortung zur Qualität ist es nur ein Katzensprung. Qualitätsbewusstsein sollte heutzutage zum Handwerkszeug jedes modernen Managers gehören. Durch Qualität können Spitzenleistungen erreicht, Kosten reduziert, kann die Kundenzufriedenheit gesteigert werden. Der OKD verstand sich als moderner Manager. Qualität muss Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns werden, schrieb er in seiner Denkschrift. All dies, auch sein eigenes, zukünftiges Qualitätsbewusstsein, war in Dirks früher Ordnungsliebe genetisch angelegt. Wie man aus wissenschaftlichen Untersuchungen ebenfalls weiß, kann mit Ordnung sogar fehlende Intelligenz ausgeglichen werden. Zum Beispiel bei Ameisen. Ich war damals viel zu eng mit ihm befreundet, um ihn als Spross seines Vaters wahrzunehmen. Er war einfach mein Kumpel, mit dem ich mich fast jeden Tag getroffen habe. Wir sind auch zusammen verreist und so weiter. Er war ein feiner Kerl – jedenfalls bis zum zweiten Staatsexamen.

Holzbrink und Schenzmeier waren ein interessantes Gespann. Nach außen farblos und beide mit Hamsterbacken im gemütlichen ostwestfälischen Pfeffergesicht. Ansonsten ganz schön gewitzt. In allen großen Fragen der Politik uneins; doch charakterlich ticken sie ähnlich, und gegenseitig können sie sich, auch heute noch, recht gut leiden. Sicher, Holzbrink ist um einiges älter; er war damals Lübbecker Bürgermeister und später Landrat, sehr einflussreich, so eine seltene Mischung aus Schlaubauer, Geschäftemacher und öffentlichem Dienst, der überall seine Wasser am Kochen hatte, während Schenzmeier gerade erst in den Kreistag gekommen war. Sie unterschieden sich auch im Background, der bekanntlich die Persönlichkeit mit bestimmt. Holzbrink hat großbäuerliche, Schenzmeier kleinbürgerliche Vorfahren. Im innersten Wesen aber sind sie sich ähnlich. Beide ursprünglich Beamte, westfälisch schwerblütig und auf den ersten Blick ein bisschen langsam. Es dauert, bis sie in Fahrt kommen. Wenn's darauf ankommt, höchst diplomatisch und mehr an Deals als an Konfrontationen interessiert. Beide haben es ziemlich weit gebracht, und wenn sich auch Holzbrink inzwischen, notgedrungen, aufs Altenteil zurückgezogen hat, und nur noch im Hintergrund wirkt, und, nota bene, mit der gebotenen Vorsicht, ich meine, nach allem, was passiert ist, haben sie doch jahrelang hervorragend zusammengearbeitet in der Führung des Kreises. Eine gute Zusammenarbeit zwischen den großen Parteien, die in unserem Land Seltenheitswert hat. Geradezu sprichwörtlich ist sie geworden, die Achse Schenzmeier-Holzbrink und ihre vielgerühmte vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wo heutzutage alles zerredet wird, wenn es zwischen die Mühlenblätter der Parteipolitik gerät. Nein, mit diesem Duo verhielt es sich anders. Der eine akzeptierte, jedenfalls auf kommunalpolitischer Ebene, immer unbesehen, was der andere wollte, weil sie wussten, dass eine Hand die andere wäscht. Und dieser Umstand hat sich in der KDV-Verhandlung für mich durchaus positiv ausgewirkt.

Im ganzen ist Schenzmeier harmloser als Holzbrink. Ihm fehlen die Energie und die Macherqualitäten, was ihn vor gewissen Versuchungen schützt. Wir kannten ihn von den Jusos, wo er nicht nur den Vorsitz geführt, sondern den ganzen wackeligen Laden zusammengehalten hat. Organisieren war seine Leidenschaft. Ich meine, die meisten Jugendlichen haben es nicht so mit der Organisation. Einladungen verschicken, Protokolle schreiben und dergleichen, das hat er ganz allein erledigt. Dafür hatte er eine Vorliebe. Und alles nebenbei, neben dem Referendariat, meine ich. Ja, das ist Selbstdisziplin. Das ist die von Bundespräsidenten und Schützenvereinsvorsitzenden oft beschworene Aufopferung im Ehrenamt. Ich kannte das von zu Hause. Für weinselige Kneipenausflüge bleibt da keine Zeit. Auch mit Frauen gab sich Schenzmeier nicht ab. Trotz seiner Harmlosigkeit hat er es immerhin in den Landtag geschafft, ein ganzes Stück weiter als ich. Als Heinz' Laufbursche zu enden, ist nicht unbedingt ein Traumjob, und meiner schon gar nicht. Ich will aber jetzt nicht von Ende und Untergang reden, zu denen ich übrigens nur das kleinere Teil beigetragen habe. Ich bin hier am Anfang. Am Anfang war alles wunderschön. Oder doch nicht. Durchwachsen, würde ich sagen. Denn klar, sie war verheiratet. Ich hatte die Unzertrennlichen ein paarmal zu oft händchenhaltend durch die Stadt schlendern sehen, von Holger ein paarmal zu oft pikante Details aus ihrem Liebesleben vernommen. Damit war für mich das Thema erledigt. Ehrlich gesagt, sie hat mich sowieso nie vieler Blicke gewürdigt. Bis zu jenem KDV-Termin. An dem Tag war sie irgendwie anders. Ich meine, nicht auf der Hinfahrt. Da saßen wir alle ganz steif im Auto, ich hinten, in Gedanken an die Verhandlung, die mir natürlich im Nacken saß. Ich wollte ja durchkommen. Das hätte was gegeben, ich und Bund und so. Nein danke. Wo wir uns gerade verabredet hatten, Dirk, Holger und ich, im Sommer zum Grab des bewunderten Studentenführers zu pilgern und ihm Blumen hinzulegen. Wenn wir ihn schon lebendig nicht zu sehen bekamen, wollten ihr ihm wenigstens auf die Art unsere Referenz erweisen. Was heißt aber bewundern? Was ist denn aus uns geworden? Was nützen denn Vorbilder? Man kann viele Vorbilder haben, und am Ende steht man doch nackt da.

Wir hatten ja Zeit: gerade Abitur gemacht, und die ganzen großen Ferien vor uns. Ich glaube, soviel Zeit habe ich mein Lebtag nicht mehr gehabt. Als Lohnarbeiter ist man doch immer irgendwie eingespannt, selbst im Urlaub. Mama hatte mich weichgekriegt, mich solange bearbeitet und vor einer kohlschwarzen Zukunft gewarnt, bis ich nachgab. Wenn du unbedingt Philosoph werden willst, hat sie gesagt, lerne vorher wenigstens etwas Anständiges. Denk an den Scheding. Der Scheding: armer Wurm, Magister oder gar Doktor, ich weiß nicht genau, der Soziologie, der nach dem Studium keine Stelle gefunden hatte und immer mit hängendem Kopf durch Lübbecke schlich, weil sie ihn auch als Lehrer nicht haben wollten. Dem wir Kinder 'Schädling, Schädling' hinterher riefen. Nur mit Holgers Onkel verstand er sich, begreiflicherweise, prächtig.

Mama hat immer wieder damit angefangen. Ich weiß nicht, was das sollte. Schon mindestens zwei Jahre vor dem Abitur hat sie damit angefangen und mich mit ihren Befürchtungen angesteckt. Schließlich hatte sie mich soweit, dass ich mich bei der Kreisverwaltung beworben habe, schön brav mit Foto und allen Unterlagen – wie uns der Drogenkontaktlehrer, der auch Bewerbungstips gab, geraten hatte. Drogenkontaktlehrer, genauso nannte er sich. Mama hoffte natürlich, dass mir die Flausen während der Lehre vergehen und ich feststellen würde, wie schön das geregelte Geldverdienen ist, wie unabhängig machend und wie bequem, in Lübbecke bleiben zu können. Und erst die Karrieremöglichkeiten! Im Bauamt hast du einen absolut krisenfesten Job, und wenn du dich reinkniest, brauchst du nicht mal studieren, um vorwärts zu kommen, im Gegenteil. Studierte Ingenieure haben es dort wesentlich schwerer als Verwaltungsleute, glaub mir, ich weiß das, hat Papa gesagt. Er hielt sich für informiert. Ein Insider. Er hat sich schon immer für informiert gehalten, nicht zuletzt dank des pausenlosen regen Gedankenaustausches, den er mit seinen Mitbürgern pflegt. Seit man ihn das erste Mal gegen Holzbrink aufgestellt hatte, hielt er sich für besonders informiert. Dass er nur 30 Prozent holte, war gewiss keine Schande, bei den Verhältnissen, die damals in Lübbecke herrschten. Ich hielt mich weder für informiert noch wollte ich Ingenieur werden. Also ließ ich ihn machen. Er redete mit dem OKD, der sich wohlwollend zeigte, dann mit Wilfried Windmüller, dem Leiter des Bauamtes. Der meinte zuerst, er wisse noch nicht, wieviele Lehrstellen ihm dieses Jahr zur Verfügung stehen. In Wahrheit hatten sie im Bauamt die meisten freien Stellen, und er fürchtete nur um die Unschuld seiner Beamten, weil unsere Familie in der falschen Partei war. Da hat ihn der OKD aber zur Ordnung gerufen. Der OKD kannte keine Parteien. Nur Ordnung kannte er, Verwaltungsordnung. Er und Windmüller waren ungefähr gleich beweglich, aber der OKD setzte außerdem noch auf Ordnung. Und Vorbereitung. Also bekam ich die Stelle. Mein Jubel hielt sich in Grenzen. Die Aussicht auf die großen Ferien freute mich wesentlich mehr als das Bewusstsein meiner sorgenfreien Zukunft.

Auf der Rückfahrt war alles ganz anders. Ich total relaxed, weil ich wusste, dass ich durchgekommen war. Der Ausschuss hatte gar keine Wahl, bei den Antworten. Entsprechend gelöst war meine Stimmung. Euphorisch. Als ich die Stufen des Kreiswehrersatzamtes herunter federte, wurde mir mit jedem Schritt leichter. Und dann Cabrio. Ich machte Witze und lachte selber am meisten darüber. Holger saß hinten. Bedrückt. Ich vorn, neben Hellen. Fixierte ihr Knie, wie sie schaltete. Schließlich musste ich Schalten noch lernen. Unser Haus lag auf der anderen Seite der Stadt, weit weg von den Villen der Hochbergs und Husemöllers, also würde sie mich zuletzt absetzen. Sie wollte dann nach Bielefeld weiterfahren, zum Einkaufen. Nachdem wir die anderen herausgelassen hatten und endlich allein im Auto saßen, war sie von mir noch immer nicht beeindruckt, trotz meiner Possen. Sie war eben vier Jahre älter, Beziehungskrise hin oder her. Pubertierende Teenager fand sie allgemein langweilig, und mit meiner Art von Humor konnte sie im speziellen nichts anfangen.

Als wir uns durch den Lübbecker Stadtverkehr quälten, hat ihr schönes gelbes Cabrio eine Panne gehabt, hat geruckt und gestottert und ist dann stehen geblieben. Einfach so. Ist trotz heftiger Aktivitäten ihrerseits nicht wieder angesprungen. Hat keinen Mucks mehr gemacht, die Karre. Hellen fand das nicht komisch. Unerhört fand sie das. Wo Heinz reichlich Bares dafür hingelegt hatte. Zuerst wollte sie eine Telefonzelle suchen, um die Werkstatt anzurufen. Moment mal, habe ich gesagt, mach mal auf die Kiste, das hört sich nach Zündkerze an. Sie war skeptisch, hat aber doch den Motorraum geöffnet und mir über die Schulter geguckt, wie ich mich an der Zündung zu schaffen machte. Ich habe die Kerzen herausgeschraubt und abgeputzt und noch ein paar Kontakte gereinigt, ein paar professionelle Sprüche und Handbewegungen eingestreut, und dann fuhr er wieder. Ja, sowas können angehende Bauphilosophen, wenn sie bei Helmut Dekemeier aufgepasst haben. Hellen war mächtig beeindruckt. Regelrecht ergriffen war sie. Putz dir erstmal die Finger ab, hat sie gesagt und mir ein Feuchttuch gereicht. Also, ihre Finger waren lackiert. Ich sag's ja, der Oberst hat recht, Frauen wollen gerettet werden. Und dann hat sie mich gefragt, ob ich nicht mitkommen möchte. Als Belohnung. Erst Einkaufen, dann irgendwo reinsetzen in ein Café, sie lädt mich ein. Und das, ich meine diese Einladung als solche, hat mich so von den Puschen gehauen, dass ich noch heute jedesmal einen Schluck darauf trinken muss, wenn ich daran denke. Ich hole mir eben noch einen, mein Mund ist sowieso schon ganz trocken von dem vielen Geschreibe.

Natürlich bin ich mitgekommen. Wie ich schon sagte, ich hatte damals viel Zeit. Und über das Schalten konnte ich auch noch was lernen. Übrigens ist sie eindeutig zu schnell gefahren. Auf der ganzen Strecke sind nur 70 erlaubt; sie fuhr aber 100, auch in den Kurven. Meine Euphorie legte sich etwas. Ich meine, Geschwindigkeitsrausch, das ist eindeutig nichts für Beifahrer. Beifahrer übernehmen gewöhnlich den ängstlichen Part. Allerdings hatte ich auch so mit Nervositäten zu kämpfen, bezüglich, was heute noch alles passieren würde. Und mir war kalt. Ich meine, im März mit offenem Verdeck herumfahren, da wird einem kalt. Aber sie lachte bloß. Sie war abgehärtet. Abgehärteter als die Wehrmacht, die immer noch heizte.

Zuerst hat sie nach Pullovern gesucht, dann wollte sie einen Rock kaufen. Wir sind bei Karstadt rein, Rolltreppen rauf, aber da gab es nur Dutzendware, nichts, was sie vom Hocker gerissen hätte. Denn Hellen ist anspruchsvoll und, wie ich später noch oft genug zu spüren gekriegt habe, keineswegs genügsam. Ich hätte es damals gleich merken müssen, dass sie nicht genügsam ist, sondern, im Gegenteil, ziemlich hochgestochen. Beim Bahnhof kannte sie eine Boutique. Mondän, sage ich nur. Mit einer mondänen, schrillen Türglocke. Mann, war die Türglocke schrill. Sie probierte einen Rock nach dem anderen und konnte sich nicht entscheiden. Die Verkäufer guckten ein bisschen. Ich meine, wenn sie nichts kauft, kann eine Kundin noch so hochgestochen aussehen. Außerdem war ICH mit dabei. Ich stand unbeholfen herum und störte, nicht nur meines merkwürdigen Aufzuges wegen, das mondäne Milieu. Auch in meinem gewöhnlichen Aufzug hätte ich das mondäne Milieu der Boutique gestört. Ich war ein Fremdkörper, auf den der geistig gesunde Verkäufer normalerweise mit Abwehrmaßnahmen reagiert. Von alldem ließ Hellen sich wenig beeindrucken. Sich nicht entscheiden können und trotzdem souverän bleiben, das ist eine Kunst, die man erst mal draufhaben muss. Gut, ich bin auch souverän, wenn ich tausend Mark in der Tasche habe. Hatte ich nicht, sondern nur zwanzig. Mein Taschengeld, das ich mit Zeitungsaustragen aufbesserte. Jeden zweiten Tag, und meist auch am Wochenende, mit dem Fahrrad durch den Immengarten und die angrenzenden Viertel, um Werbepostillen in die Briefkästen zu stopfen. Ein elender Job, für unreife Jünglinge, nichts, womit man neben Husemöller & Decker bestehen konnte. Ihr Robert rechnete in anderen Dimensionen. Wie findest du den? hat sie gefragt. Und den? Ich wurde noch bisschen nervöser, nicht nur der Türglocke wegen. Was sollte ich sagen? Jaja, sagte ich. Oder: sehr schön. – In Wirklichkeit finde ich Einkaufen langweilig. Zermürbend. Besonders mit Frauen. Die meisten Röcke standen ihr bestens. Wenn man jung ist, steht einem alles. Ein paar waren definitiv zu überkandidelt, ich meine für meinen Manchesterhosengeschmack. Trotzdem stimmte ich allem zu. Man brauchte sich nur ihre Fingernägel anzugucken, dann wusste man, sie stand auf das überkandidelte Zeug. Um weniger aufzufallen, versuchte ich, mich halb zwischen die Kleiderständer zu verdrücken. Die Verkäufer langweilten sich.

Dann hat sie Strümpfe gekauft. Schwarze Nylonstrümpfe, also ich sage jetzt nichts mehr. Sprechen wir lieber über Cocktailschürzen. Das war das nächste. Wer weiß schon, was Cocktailschürzen sind. Ich hatte an dem Tag mindestens eine Stunde Zeit, es zu lernen. So lange hat es gedauert, bis sie eine gefunden hat. Das Einkaufen schien sie zu befriedigen, es machte sie ruhiger. Sie war eindeutig zu schnell gefahren. Ich weiß, 'Einkaufen in Bielefeld' klingt nicht sehr aufregend und nicht gerade weltstädtisch. Klingt provinziell. Nach Doktor Oetker und Bundesliga Abstiegsplatz. Aber für uns damals, ich meine, wir waren nichts gewohnt. Wenn's hoch kam, waren wir ein, zwei Tage mit dem Bus in Berlin gewesen, oder als Touris in Holland. Für uns war Bielefeld das Nonplusultra des Einkaufens. Riesige Kaufpaläste, Brenningmeyer, Karstadt, Quelle, das hat Namen, hat Melodie. Jedenfalls für Leute, die diese Musik leiden können. Für Philosophen und andere Schwärmer gab es die Buchhandlung 'Phönix'. 3-stöckig mit Fahrstuhl. Was hatte Lübbecke denn zu bieten? Kioske, Kramläden, Kalck, das Gewandhaus, die Kaufhalle Kütenbrink und die Buchhandlung Redeker. Man genierte sich doch, wenn man bei Kalck oder Kütenbrink einen Rock oder bei Redeker seinen Hegel erstand und dann noch warten musste, weil der Lateinlehrer, der einen Bildband über Amerika gekauft hatte, mit dem Buchhändler über Campingmobile fachsimpelte. Der Lateinlehrer grüßte, ich grüßte höflich zurück. Die Lektüre war mir verdorben. Wie sollte ich wissen, dass Hegel, falls er noch lebte, Lateinlehrer Kriegsdienstverweigerern vorziehen würde – ganz gleich, was jene mit Buchhändlern fachsimpeln. Ob er sich mit den Kütenbrinks verstanden hätte, weiß ich nicht. Der junge Kütenbrink begann damals, in Lübbecke den Ton anzugeben. Darauf komme ich noch.

Bei Phönix haben wir auf meinen Wunsch ein bisschen herum geschnüffelt. Hellen hat nie viel gelesen. Bücher, meine ich. Rechnungen schon. Ich weiß nicht mal, ob sie seit der Schule ein Buch in der Hand gehabt hat. Auch bei 'Phönix' hat sie die Bücher nicht angeschaut, geschweige denn gekauft. Nur geschnüffelt. Ich habe auch nichts gekauft. Abgesehen davon, dass ich nicht viel Geld dabei hatte, wollte ich mir keine Blöße geben. Jedes Buch, fürchtete ich, könnte gegen mich verwendet werden. Hätte ich Kant oder Kafka erworben, hätte sie mich wahrscheinlich für einen eingebildeten Langweiler gehalten, depressiv obendrein. Künftigen Lateinlehrer. Hellen stand mehr auf Stimmungskanonen. Jedoch, einen Comic zu kaufen, was ich zwischenzeitlich erwog, nein, so spaßig war die Stimmung zwischen uns nicht. Ernst eher.

Schließlich machte sie wenigstens ihr Versprechen wahr. Mein Magen knurrte schon gewaltig. Ich wollte sie erst zu einem bekannten amerikanischen Restaurant abdrängen, auf vertrautes Terrain. Doch darauf ließ sie sich nicht ein. Französisch musste es sein, daran ließ sie nicht rütteln. Wenn schon, denn schon, hat sie gesagt.

Heute stelle ich mir vor, wie schlaksig und unbedarft ich damals am Tisch saß, Typ magersüchtiges Greenhorn. Sie rechts und links mit großen Ohrringen und noch größeren Plastiktüten. Hinten spielten sie leichte Musik. Der Ober lächelte traurig. Trotzdem haben wir uns, während ich futterte, gut unterhalten. Gewiss, unser Gespräch hatte Längen, rein thematisch gesehen. Und Fallstricke. Aber wir fanden uns so sympathisch, dass wir darüber hinwegsahen. Ab einer bestimmten Stufe von Sympathie ist es einem egal, was der andere redet. Er kann den größten Quatsch erzählen, trotzdem hört man ihm andächtig zu. Ich glaube, ihr ging es ähnlich. Das heißt, ich vermute es nur. Hundertprozentig sicher bin ich mir nicht. Wer weiß schon, was in Frauen vorgeht. Vielleicht überlegte sie auch die ganze Zeit, wie sie sich mit ihrem Robert versöhnen könnte oder ob die Cocktailschürze die richtige Größe hatte. Jedenfalls schien sie mir ausdauernd zuzuhören. Ich bestellte ein Bier. Was bedrückte den Ober bloß? Ich weiß nicht, was ich ihr alles erzählt habe. Egal. Kohl wäre in dem Jahr so oder so Kanzler geworden. Während wir uns unterhielten, hatte ich stark das Gefühl, dass sie sich in meinen Blick verliebte. Ich kannte das von anderen Mädchen. Sie verliebten sich alle in meinen Blick, ohne dass ich allerdings daraus jemals irgendeinen Nutzen zu ziehen in der Lage gewesen wäre. Mann, hatte ich zu der Zeit einen Blick! Diesen gläsernen Blick der Jugend, den wir später nie wieder haben werden. Sie war ganz betört von dem Blick; berauscht, könnte man sagen. Mein derzeitiger Blick kann damit beim besten Willen nicht mithalten.

Irgendwann kamen wir ganz automatisch auf mich. Es ließ sich nicht vermeiden. Die Bundestagswahlen standen vor der Tür und die Kanzlerfrage war wichtig, aber kein allzu ergiebiges Thema. Auch über den neuesten Bestechungsskandal in der Bundesliga konnte man nicht ewig spekulieren. Von ihrer Ehe mochte sie wohl nicht anfangen. Also sprachen wir über die Verhandlung, und ich konnte ein bisschen aufschneiden. Wie ich agiert, es dem Ausschuss gezeigt hatte! Sie fragte nach meinen Zukunftsplänen. Nicht eben geschickt, diese Frage. Ich versuchte, auszuweichen, erzählte vom Abi und vom OStD, den ich wunderbar imitieren konnte. Wir lachten ein bisschen; wenngleich ihr meine Grimassen erstens wiederum klar machten, um wieviel jünger ich war, und unreifer. Wie ich schon sagte, mit meiner Art von Humor konnte sie letztlich nichts anfangen. Schließlich erbarmte sie sich und erzählte von ihren Bauprojekten. Der Kellner schien ganz bekümmert. Und zweitens, als angehender Lehrling im Bauamt beeindruckt man keine Frau, schon gar keine wie Hellen. Ich meine, Bauamtsverwaltung, was ist das schon? – Wenn man sie nicht gerade leitet. Denn mit den Windmüllers verkehrten die Deckers und Husemöllers, das wusste ich. Heinz hatte öfter im Bauamt zu tun, und Wilfrieds Frau war mit Hellen im Tennisclub. Ich habe Tennis immer verachtet, fast schon verabscheut. Ich meine, ich war ja nicht unsportlich, Fußball, Handball, Volleyball, das war mein Ding. Besonders Fußball. Ich trieb mich zwar nicht ständig bei allen Spielen des FC Lübbecke herum, wie Papa, der, von jedem wohl gelitten, dort seinen regen Gesellschaftsverkehr pflegte. Unentwegt wie ein Schmetterling flatterte er zwischen den Zuschauern hin und her. Die meisten Lübbecker mochten ihn und störten sich nicht daran, dass er in der falschen Partei war. Immerhin spielte ich in der A-Jugend den Libero. Aber Tennis? Nein danke. Die feinen Pinkel, die sich auf dem Lübbecker Tennisplatz herumtrieben, habe ich von frühester Jugend verabscheut.