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Bei den Römern war die Erziehung Privatsache; sie bezweckten durch dieselbe nicht wissenschaftliche Ausbildung, sondern praktische Tüchtigkeit und räumten hierbei den Frauen einen bedeutenden Einfluß ein. Daher erfreuten sich die römischen Frauen einer gehobeneren Stellung. Vor einer römischen Matrone mußte jedermann aufstehen und jeder ihr mit Ehrerbietung begegnen, von allen Familiengenossen wurde sie als Gattin des Mannes und Mutter der Kinder geehrt.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Von
Schulrat Dr. A. Funke,
© 2025 Librorium Editions
ISBN : 9782385749477
.
„Die edelste Stellung, der schönste Beruf ist der eines Menschen, der seine Nebenmenschen die Wahrheit lehrt und sie Gott näher bringt, indem er sie erhebt.“
Thomas v. Aquin.
Die vorliegende 7. Auflage der „Grundzüge“ hat wiederum an einzelnen Stellen Erweiterungen, an anderen Verkürzungen erfahren, die notwendig erschienen, damit das Büchlein den neuen ministeriellen Bestimmungen vom 1. Juli 1891 mehr entspreche. Insbesondere ist die Entwicklung des preußischen Volksschulwesens schärfer hervorgehoben und bis zur Gegenwart fortgeführt.
Allen denen, die mir für diese neue Auflage wiederum Mitteilungen und Winke zukommen ließen und der bescheidenen Arbeit ihr freundliches Interesse gewidmet haben, insbesondere meinem Bruder in Dortmund, spreche ich an dieser Stelle meinen verbindlichen Dank aus.
Warendorf, den 15. Oktober 1906.
A. Funke.
Die vorchristliche Zeit.
I. Das Heidentum.
A.Die Griechen.
1.
Die Spartaner
2.
Die Athener
3.
Pythagoras
4.
Sokrates
B.Die Römer.
1.
Erziehung und Unterricht im allgemeinen
2.
Pädagogische Aussprüche berühmter Römer
II. Das Judentum.
Einfluß der Religion. Unterrichtsgegenstände. Schulen
Die christliche Zeit.
Erster Abschnitt. Von Christus bis auf Karl d. Gr.
I.
Christus und die Apostel
II.
Das Katechumenat
III.
Die Katechetenschulen
IV.
Die Kirchenväter: 1. Basilius d. Gr. 2. Chrysostomus. 3. Hieronymus. 4. Augustinus
V.
Die Pfarrschulen
VI.
Die Schulen der Benediktiner
VII.
Die Domschulen
Zweiter Abschnitt. Von Karl d. Gr. bis zur Reformation.
I.
Verdienste Karls d. Gr. um Erziehung und Unterricht
II.
Rhabanus Maurus
III.
Schulen des nachkarolingischen Mittelalters
IV.
Pädagogische Schriftsteller: 1. Vincenz von Beauvais. 2. Johannes Gerson. 3. Mapheus Vegius. 4. Viktorin von Feltre
Dritter Abschnitt. Von der Reformation bis auf Rousseau.
I.
Das Konzil von Trient
II.
Einzelne katholische Schulmänner: 1. Ludwig Vives. 2. Petrus Canisius. 3. Karl Borromäus. 4. Fénelon
III.
Neue Schulorden.
A. Männliche: 1. Die Jesuiten. 2. Die Piaristen. 3. Die Schulbrüder
B. Weibliche: 1. Die Ursulinerinnen. 2. Die Schulschwestern. 3. Die englischen Fräulein. 4. Die Schwestern von Unserer lieben Frau
IV.
Die Reformatoren: 1. Luther. 2. Melanchthon
V.
Einzelne protestantische Schulmänner: 1. Trotzendorf. 2. Ratich. 3. Comenius. 4. Francke
VI.
Förderung des Schulwesens seitens einzelner Landesfürsten: 1. des Herzogs Ernst d. Fr., 2. des Kurfürsten Joachim II., 3. des Kurfürsten Johann Georg, 4. des Großen Kurfürsten, 5. des Königs Friedrich I., 6. des Königs Friedrich Wilhelm I.
Vierter Abschnitt. Von Rousseau bis Pestalozzi.
I.
Locke
II.
Rousseau
III.
Basedow
IV.
Anhänger Basedows
A. Rationalistische Richtung:
1. Campe. 2. Salzmann. 3. Guts-Muts. 4. Rochow
B. Christlich-gläubige Richtung:
1. Hecker. 2. Hähn. 3. Felbiger. 4. Kindermann
V.
Förderung des Schulwesens unter den Königen: Friedrich II. und Friedrich Wilhelm II.
Fünfter Abschnitt. Von Pestalozzi bis auf unsere Zeit.
I.
Pestalozzi
II.
Schüler Pestalozzis: 1. Fellenberg. 2. Girard. 3. Fröbel. 4. v. Türk
III. Mittelbare Pestalozzianer.
A. Katholische: 1. Overberg. 2. Sailer. 3. Wittmann. 4. Milde. 5. Barthel. 6. Graser. 7. Christoph v. Schmid
B. Protestantische: 1. Niemeyer. 2. Schwarz. 3. Denzel. 4. Harnisch. 5. Stephani. 6. Dinter. 7. Diesterweg
IV.
Herbart. Schüler Herbarts: a) Ziller. b) Beneke, Lotze, Willmann
V.
Die Entwicklung des preußischen Volksschulwesens seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, unter 1. Friedrich Wilhelm III., 2. Friedrich Wilhelm IV., 3. Wilhelm I., 4. Friedrich III., 5. Wilhelm II.
I. Das Heidentum.
Vorbemerkung.
Hindernisse einer ersprießlichen Erziehung bei den heidnischen Völkern:
Die
Vielgötterei
. Mit der Einheit hatten sie auch die Reinheit der Gottesidee verloren;
die
Vielweiberei
. Diese zerteilte den wichtigen Erziehungsfaktor der Familie in Bruchstücke;
die
niedrige Stellung des Weibes
. Das heidnische Weib war fast nur Sklavin des Mannes; daraus erklärt sich die Vernachlässigung der Mädchenerziehung und die geringe Bedeutung des mütterlichen Einflusses;
die
Sklaverei
. Der Sklave hatte auf Erziehung keinen Anspruch.
1. Einteilung des Volkes. Der dorische Staat enthielt 3 Klassen: a) die Spartiaten (vollberechtigte Bürger, spartan. Adel), b) die Lacedämonier (persönlich, aber nicht politisch frei), c) die Heloten (Sklaven).
Nur die Spartiaten genossen eine öffentliche Erziehung.
2. Erziehungsgrundsätze des Lykurg (880 v. Chr.). a) Die Erziehung der Kinder ist Sache des Staates, b) Zweck derselben ist, tüchtige Staatsmänner heranzubilden.
3. Ausführung dieser Grundsätze.a) Körperliche Erziehung.
Die neugeborenen Kinder der Spartiaten wurden von Staats wegen untersucht.
Unter Staatsaufsicht wurden die gesunden Kinder bis zum 7. Jahre im Elternhause erzogen.
Vom 7. Jahre an begann die gemeinschaftliche Staatserziehung unter Leitung eines Pädonōmen.
Die
Abhärtung
des Körpers wurde erstrebt durch höchst einfache Nahrung (Pflanzenkost), durch nur notdürftige Kleidung (Füße und Kopf stets unbekleidet, Haar kurz geschoren) und durch hartes Nachtlager (Schilfstreu auf dem Fußboden). Jahresprüfung am Feste der Artĕmis durch Geißelhiebe.
Die
Übung
des Körpers wurde vermittelt durch tägliche Übungen im Laufen und Springen, im Reiten und Ringen, im Werfen und Schwimmen; öfteren Reigentanz mit vielen Beugungen und Wendungen; endlich durch Kriegsspiele für heranwachsende Jünglinge.
Mit dem 18. Lebensjahre begann die Kasernen-Erziehung und dauerte bis zum 30. Jahre. In den Kasernen wurden die Leibesübungen fortgesetzt und die Zöglinge in das Waffen- und Kriegshandwerk eingeführt.
b) Geistige Erziehung. Die Jugend wurde angeleitet zur Stärkung des Willens, zum strengsten Gehorsam, zu großer Ehrfurcht vor dem Alter. („Nur in Sparta ist es angenehm, alt zu werden.“) Unterrichtsgegenstände waren:
Die
Musik
(Gesang, Saiten- und Flötenspiel).
Die
Rede
(in kerniger und körniger, sog. „lakonischer“ Kürze).
Lesen, Schreiben und Rechnen.
(Nur fakultativ, notdürftiges Maß.) Die Schön-Rede (Rhetorik) und Schauspielerkunst (Dramatik) waren ganz verboten.
Die Religion bildete keinen Unterrichtsgegenstand. Der religiöse Sinn wurde durch Festgesang und religiösen Tanz gepflegt.
4. Beurteilung.Lichtseiten der spartanischen Erziehung: a) Körperliche Gewandtheit und Ausdauer. b) Gewaltige Charakterstärke und persönlicher Mut. c) Begeisterte Vaterlandsliebe und Ehrerbietung gegen das Alter.
Schattenseiten: a) Die einseitige Beziehung des ganzen Lebens auf den Staatszweck bei Vernachlässigung der Familienpflege. b) Die ausschließliche Ausbildung zum Soldaten. c) Die Hintansetzung der geistigen Erziehung. d) Die Beschränkung der Erziehung auf einen kleinen Bruchteil der Bevölkerung.
1. Unterschied von der spartanischen Erziehung. Die durch Solon (594 v. Chr.) geordnete öffentliche Erziehung der Athener unterschied sich von der spartanischen in mehreren Punkten.
In Athen wurden Körper und Geist harmonisch ausgebildet.
Die Ausbildung erstreckte sich auf die Kinder aller freien Bürger.
Der Vater selbst besaß das Recht, das neugeborene Kind anzunehmen oder zurückzuweisen, und leitete dessen Erziehung.
Die athenische Erziehung war mehr eine humanistische und nicht so sehr auf den Staatszweck bezogen.
Hiermit sind zugleich die Lichtseiten der athenischen Erziehung gegeben.
2. Der Pädagog. Das Kind wurde bis zum 7. Jahre im Elternhause durch eine Amme, später durch eine Wärterin erzogen. Mit dem 7. Jahre ging der Knabe in männliche Leitung und Beaufsichtigung über. Diese übte aus der Knabenführer oder Pädagog, ein Sklave, der seinem Pflegebefohlenen äußeren Anstand beizubringen und denselben zur Schule zu begleiten hatte, ihn aber nicht selbst unterrichtete.
3. Der Schulunterricht. Derselbe umfaßte folgende Fächer:
Gymnastik
. Die Übungen im Klettern, Faustkampf, Ballspiel, Bogenschießen, Schleudern, Wagenfahren wurden geleitet vom Pädotriben (Turnlehrer) und bezweckten Anmut in der Haltung und Gewandtheit in den Bewegungen des Körpers. Sie fanden statt in den Gymnasien und Palästren. Neben diesen Unterrichtslokalen befanden sich Bäder, in denen die Jugend das Schwimmen erlernte.
Musik
beim Kitharisten: Gesang, Zitherspiel, auch Lyra und Flöte. — Außer diesen obligatorischen Fächern erlernte der athenische Knabe noch
Lesen
beim Grammatisten (nach der Buchstabiermethode),
Schreiben
(mit Griffel auf Wachstäfelchen) und
Rechnen
(Kopf- und Fingerrechnen für den gewöhnlichen Verkehr). Als Lesebuch dienten die Gedichte Homers, die Fabeln des Äsop, die Werke Hesiods u. a. Beim Lesen wurde vorzüglich auf richtige Aussprache, gute Betonung und Beachtung des vorgeschriebenen Rhythmus gesehen. Da es aber nur geschriebene Bücher gab, mußte viel memoriert werden.
4. Eintritt ins öffentliche Leben. Nach mehrjährigem Schulbesuche gingen die armen Schüler zum Landbau, Handel oder Handwerk (auch Kunstgewerbe) über. Söhne vornehmer Eltern verließen mit dem 18. Jahre als Epheben die Schule und bildeten sich jetzt noch in der Redekunst, Philosophie, Mathematik und im Waffendienste aus. Feste, feierliche Spiele und Wettkämpfe gaben die Vollendung. Mit dem 20. Jahre traten sie in die Zahl der vollberechtigten Bürger. Doch konnte keiner Archont werden, der seine Eltern verunehrt hatte; wer Vater oder Mutter geschlagen hatte, mußte in der Volksversammlung schweigen.
Berühmte griechische Lehrer waren besonders Pythagoras und Sokrates.
1. Sein Leben. Geboren auf der jonischen Insel Samos gegen 580 v. Chr., wurde er von Thales unterrichtet. Er kam später nach Kroton (Unteritalien) und wurde der Wohltäter dieser Stadt. Er soll in Metapont gegen 500 v. Chr. gestorben sein. Seine würdevolle äußerliche Erscheinung, sein hoher sittlicher Ernst in Lehre und Leben gewannen ihm die Herzen der Krotoniaten, der Griechen und Nichtgriechen. Männer und Frauen verbündeten sich mit ihm zur Förderung des religiös-sittlichen Lebens und zur Pflege dorischen Sinnes und dorischer Sitte.
2. Seine Schule. Die pythagoreische Schule in Kroton hielt auf Ehrerbietung gegen die Eltern, Achtung gegen Erwachsene, Liebe gegen alle Mitbürger. Die körperliche Bildung, welche wie der Körper vergänglich ist, war der geistigen Bildung, welche dauernden Wert hat, entschieden untergeordnet. Pythagoras unterrichtete nach der vortragenden Methode und wirkte in sittlicher und wissenschaftlicher Hinsicht sehr segensreich für Großgriechenland.
Der Aufnahme in die Schule oder den Bund gingen 3 Jahre der Prüfung und des Schweigens voraus. Die Prüflinge hießen Exoteriker. Nur die Mitglieder des engeren Bundes, Esoteriker genannt, traten in näheren Verkehr mit dem Meister und wurden in dessen Lehre eingeweiht.
3. Seine Lehre. Dieselbe ist in folgenden Sätzen enthalten:
Ein Gott ist der Urgrund des Seienden, die Welt sein Leib, die erste Schöpfung das Feuer.
Die Weltkörper sind in steter Bewegung und bewirken eine erhabene Harmonie, die „Harmonie der Sphären“.
Die menschliche Seele ist göttlicher Natur und unsterblich, wird hier auf der Welt geläutert und veredelt, geht beim Tode zur weiteren Läuterung erst in Tierkörper (Seelenwanderung) und kehrt dann in ihre Heimat (den Himmel) zurück.
Alle Weisheit hat keinen anderen Zweck, als den menschlichen Geist zur Vereinigung mit Gott zurückzuführen.
Die Übung der Tugend ist wichtiger als die wissenschaftliche Ausbildung.
Die sittlich-veredelnde Erziehung wird erreicht durch die Religion, die Musik und die Mathematik. (Vgl. Pythagor. Lehrsatz.)
4. Beurteilung. Zu rühmen ist:
Die außerordentliche
Mäßigkeit
der Pythagoreer. Des Fleisches und Weines enthielten sie sich gänzlich.
Das unausgesetzte Streben nach
Vervollkommnung
. Als Hauptmittel der letzteren war vorgeschrieben die tägliche strenge Selbstprüfung vor dem Schlafengehen. (In den „Goldenen Regeln“ des Pythagoras heißt es: „Niemals möge der Schlaf auf die Augenlider dir sinken, Ehe die Werke des Tags du zuvor noch dreimal gemustert.“)
Ihre enge Verbrüderung und unerschütterliche
Freundestreue
, schön verherrlicht in Schillers Gedicht „Die Bürgschaft“.
Die hohe Achtung gegen ihren
Meister
. Aller Streit der Meinungen verstummte bei dem Worte: „Er hat es gesagt.“
1. Sein Leben. Sokrates, in Athen geboren, wurde Bildhauer wie sein Vater. Er lebte in bedürfnisloser Einfachheit, verließ nie seine Vaterstadt außer im peloponnesischen Kriege und nützte seinem Vaterlande durch Lehre und Beispiel. Seine Lehrtätigkeit erreichte entgegengesetzte Erfolge. Die große Menge verachtete ihn. Wenige Auserwählte aber schenkten ihm das größte Maß menschlicher Liebe und Bewunderung. Platon und Xenophon gehörten zu seinen Schülern. Als 70jähriger Greis traf ihn die dreifache Anklage, daß er 1. an die Götter des Staates nicht glaube; 2. neue Götter einführe; 3. die Jugend verderbe. Er wurde zum Giftbecher unschuldig verurteilt und betonte trotzdem noch die Pflicht des Gehorsams gegen die Staatsgesetze. Seine letzte Unterredung betraf die Unsterblichkeit der Seele. Sokrates war „im Tode der Edelste, im Leben der Verständigste und Gerechteste von allen“.
2. Seine Lehre. Wegen der Reinheit seiner Lehre wird Sokrates der Prophet des Heidentums genannt. Seine Grundsätze waren:
Es gibt nur
einen wahren Gott
, welcher der Urheber und Erhalter der Weltordnung ist.
Die
Seele
ist ein unkörperliches Wesen und
dauert
nach ihrer Trennung vom Leibe
fort
.
Der Mensch ist offenbarungsbedürftig und hat eine
innere göttliche Stimme
, die ihm Rat und Warnung erteilt.
Die Tugend besteht im Wissen. Der Endzweck unserer Bestrebungen ist Erkenntnis der Tugend, sittliches Wissen. Wohlverhalten führt zur Glückseligkeit.
Die
Selbsterkenntnis
ist die
erste Bedingung
alles Wissens.
3. Seine Methode. Sokrates hatte kein besonderes Unterrichtslokal, keine bestimmte Lehrzeit. Er suchte Männer und Jünglinge auf, um sich mit ihnen über Lebenszweck und Beruf zu unterhalten und sie des Nichtwissens zu überführen. Die Lehrform des Sokrates war also die des Zwiegesprächs oder Dialogs. An der sokratischen Methode ist eine negative und eine positive Seite zu unterscheiden. Die negative Seite (sokratische Ironie) bestand in dem (vielfach durch feinen Spott und Hohn) hervorgelockten Geständnis des Nichtwissens und dem so geweckten Verlangen nach wahrer Erkenntnis. Die positive Seite der Sokratik bestand darin, daß durch geschickte Fragen der Schüler die zu vermittelnde Wahrheit selbst fand. Durch die beiden Mittel: Induktion (Herleitung eines Begriffs oder einer allgemeinen Wahrheit aus einer Anzahl gleichartiger Einzeldinge oder Einzelfälle) und Analogie (Vergleichung mit ähnlichen oder verwandten Fällen und Dingen) erreichte Sokrates den Zweck: die Definition (klare und bestimmte Erkenntnis des Wesentlichen und Wahren an den Dingen).
Sokrates ist der Vater der entwickelnden oder findenden (heuristischen) Methode.
1. Charakter und Gang der Erziehung. Bei den Römern war die Erziehung Privatsache; sie bezweckten durch dieselbe nicht wissenschaftliche Ausbildung, sondern praktische Tüchtigkeit und räumten hierbei den Frauen einen bedeutenden Einfluß ein. Daher erfreuten sich die römischen Frauen einer gehobeneren Stellung. Vor einer römischen Matrone mußte jedermann aufstehen und jeder ihr mit Ehrerbietung begegnen, von allen Familiengenossen wurde sie als Gattin des Mannes und Mutter der Kinder geehrt.
Das neugeborene Kind wurde dem Vater vor die Füße gelegt, der es unter Gebeten zur Göttin Levana aufhob und als das seine anerkannte. Die erste Erziehung fiel der Mutter zu, die ihre Kinder selbst nährte und ihren vorzüglichen Ruhm darin suchte, dem Hauswesen selbst vorzustehen und sich dem Dienste der Kleinen zu widmen. Wohlgeratene Kinder galten als höchstes Kleinod einer Frau. Mit vollendetem 15. Jahre war die häusliche Erziehung abgeschlossen, das Knabenkleid wurde alsdann auf dem Forum mit der Männertoga vertauscht. In das Heer trat der Jüngling nach vollendetem 17. Lebensjahre.
2. Unterricht. Den Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen erteilten eigene Lehrer, wenngleich einige vornehme Väter (wie Marcus Porcius Cato) ihre Söhne selbst unterrichteten. Gelesen wurden die Gesetze der 12 Tafeln; man schrieb, wie bei den Griechen, auf Wachstäfelchen mit dem Griffel (stilus). Das Rechnen bestand aus Ab- und Zuzählen und wurde an Fingern und Rechensteinen geübt. Die vaterländische Geschichte lernte der junge Römer durch Erzählungen der Eltern, öffentliche Feste und patriotische Gesänge kennen. Gemeinschaftliche Schulen bestanden schon um die Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Sie wurden auf freien Plätzen, öffentlichen Straßen und besonders auf den Kreuzwegen (in triviis) abgehalten, daher der Name Trivialschulen. Der Unterricht in demselben begann schon früh am Morgen. Peitsche, Rute und Gerte waren herrschende Zuchtmittel. Die Lehrer hießen ludimagistri.
Die höhere Bildung erfolgte in den Schulen der Grammatiker (grammatici oder literati). Hier wurden insbesondere die Werke der griechischen und lateinischen Klassiker gelesen und erklärt. In den Schulen der Rhetoren erhielten die öffentlichen Redner eine besondere Ausbildung. Die Beredsamkeit stand bei den Römern in höchster Achtung. Die glänzenden Redner der Römer sind nicht minder berühmt als die tiefen Denker und unsterblichen Philosophen der Griechen. Unter den Künsten pflegten sie die Baukunst wegen ihres praktischen Nutzens, die Musik war bei ihnen weniger beliebt.
3. Verfall. Durch die Eroberung von Tarent (272 v. Chr.) und von Korinth (146 v. Chr.) drang griechische Sitte und Bildung mehr und mehr in Italien ein. Dieses wirkte auf die Erziehung der römischen Jugend durchaus nicht förderlich. Eine Menge griechischer Lehrer fand sich ein, welche den Unterricht junger Römer als Geschäft betrieben. Diesen wurde Unterricht und Erziehung gänzlich überlassen. Die römische Jugend wurde nun von griechischen Pädagogen in griechischer Sprache und griechischer Sitte unterrichtet, Muttersprache und Volkstum wurden vernachlässigt. Die altbewährte römische Familienerziehung hörte auf, statt dessen brachten der freien römischen Jugend griechische Sklaven ihre Laster und ihre Verkommenheit bei. Üppigkeit und Übermut waren die weiteren Folgen solcher Erziehungsverhältnisse, und wo diese die Gesellschaft durchsetzen, ist der Ruin unausbleiblich. Nicht mit Unrecht hat man daher behauptet: die Pädagogen haben den römischen Staat zugrunde gerichtet.
1. Marcus Tullius Cicero (106–43 v. Chr.):
„Die Lehrer und Erzieher sollen die geistigen Anlagen, die individuellen Eigentümlichkeiten eines jeden Zöglings genau zu erforschen suchen und danach denselben behandeln.“
2. Lucius Annäus Seneca (1–65 n. Chr.):
„Durch Lehren lernen wir.“
„Lang ist der Weg durch Vorschriften, kurz und wirksam durch Beispiele.“
„Nicht für die Schule, sondern für das Leben soll man lernen. (Non scholae, sed vitae.)“
„Die Ehrfurcht vor der Gottheit muß uns durchs Leben geleiten. Gott ist nahe bei uns, er ist in uns. Ohne Gottheit kann niemand ein tugendhafter Mensch sein.“
„Kein lebendes Wesen ist störriger, keines will mit mehr Kunst behandelt sein als der Mensch.“
„Konsequenz ist in der Erziehung durchaus notwendig; in ihr kommt sehr viel daraus an, daß alles zur rechten Zeit geschehe. Die besten Erzieher sind diejenigen, welche dem Landmann in der Baumschule und auf dem Acker nachahmen.“
„Wie in der Zucht, so muß auch beim Unterricht Maß gehalten werden.“
3. Marcus Fabius Quintilianus (38–120 n. Chr.):
„Der Jüngling soll der öffentlichen Schule übergeben werden.“
„Das Gedächtnis muß früh durch Auswendiglernen geübt werden.“
„Überall wirken Lehren weniger als Übungen.“
„Spiele sind geschickt, den Verstand der jungen Leute zu schärfen, so wie sich auch der Charakter der Kinder beim Spielen in seiner wahren Gestalt offenbart.“
„Der Erzieher selbst habe keine Fehler und dulde keine.“
„Gerade für die unteren Stufen soll man die geschicktesten Lehrer zu gewinnen suchen.“
„In der Regel ist das am verständlichsten, was von dem Gebildetsten gelehrt wird.“
4. Decimus Junius Juvenalis (100 n. Chr.):
„Ein gesunder Geist sei in einem gesunden Körper. (Mens sana in corpore sano.)“
„Die größte Ehrfurcht schulden wir dem Knaben. (Maxima debetur puero reverentia.)“
II. Das Judentum.
1. Einfluß der Religion. Der Glaube an den einen und wahren Gott zeigte das einzig richtige Ziel und Ende der Erziehung. Die Erziehung im Judentum ist wesentlich eine Erziehung zum Gehorsam gegen Gott, den Schöpfer und Herrn. Die Bürger des israelitischen Gottesstaates waren noch in besonderer Weise ihrem Oberhaupte (Jehova) hörig und verpflichtet. Die Kinder galten den jüdischen Eltern als Geschenke Gottes. Die Erstgeborenen mußten durch ein besonderes Opfer von Jehova erkauft werden. Die Eltern hatten durch göttliches Gesetz (4. Gebot) Anspruch auf die Verehrung, Liebe und den Gehorsam ihrer Kinder. Schande und Tod traf diejenigen, welche ihre Eltern nicht ehrten. Der Hausvater war das Haupt und der Priester der Familie. Die Mutter stand dem Vater stets ebenbürtig zur Seite.
2. Unterrichtsgegenstände. Erziehung und Unterricht war Sache der Familie. Strenge Kinderzucht wurde in den hl. Büchern zur Pflicht gemacht. „Wer die Rute spart, hasset seinen Sohn.“ (Spr. 13, 24.) Die Kinder erhielten zu Hause besonders Unterricht in der Religion. Auch im Lesen und Schreiben dürfte schon früh Unterweisung gegeben sein. Lesebücher hatten die Israeliten an den fünf Büchern Moses’, den Psalmen usw. Die Kunst zu schreiben war ihnen in Ägypten bekannt geworden. Körperliche Übungen wurden bei den Juden nicht besonders gepflegt. Gesang und Musik dagegen fanden vorzügliche Pflege und reiche Verwendung beim Gottesdienste. Mädchen ebensogut als Knaben erhielten eine musikalische Ausbildung.
3. Schulen.Öffentliche Unterrichtsanstalten waren:
Die
Prophetenschulen
. Sie unterrichteten im Gesetz, in der Musik und Schreibkunst. Sie bildeten begeisterte Lehrer des Volkes und hl. Schriftsteller.
Die
Musikschule
unter David.
Die
Pharisäerschule
. Diese war eine höhere theologische Schule in Jerusalem (200 v. Chr.). Unter Hillel hatte sie 1000 Zöglinge. Gamaliel (Enkel Hillels) war Lehrer an derselben, und der Apostel
Paulus
ist ihr berühmtester Schüler.
4. Der Alte Bund selbst Erziehungsanstalt. Jehova ist der eigentliche Erzieher des israelitischen Volkes. Er gab Gesetze, Lehre und Belehrung. Er belohnte den Gehorsam und bestrafte die Übertretung. Das lehrhafte Gepräge zeichnet die jüdische Religion vor allen Religionen des Altertums aus. Vom 12. Jahre an hieß jeder Israelit „Sohn des Gesetzes“, weil er zur Haltung des Gesetzes und zur Teilnahme an den drei großen Jahresfesten verpflichtet war. Der Apostel Paulus nennt den Alten Bund einen Pädagogen, der für Christus erziehen sollte.
