Grüner Tee - Renate Amelung - E-Book

Grüner Tee E-Book

Renate Amelung

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Beschreibung

Tiefbau Ingenieur Kayser, stammt aus kleinen Verhältnissen und hat sich aus eigener Kraft hochgearbeitet. Dabei hat er fast sein halbes Leben im Ausland verbracht, doch die große Familie benötigt ihn in Düsseldorf. Er versucht in der Stadt zur Ruhe zu kommen. Sein Leben ist geprägt von Erinnerungen und seltsamen Erscheinungen. Gleich am ersten Tag prallt er auf eine junge verwöhnte Frau und versucht am Ende vergebens nicht in ihre Arme zugeraten. Er flüchtet im Winter nach Norwegen, aber er hat nicht mit Mirjam gerechnet, denn was sie sich in den Kopf gesetzt hat bekommt sie, auch wenn es da noch Umwege gibt. Seine Courage verlässt in ein zweites Mal, wieder eine Flucht. Irgendwie ist Kayser nicht mehr so ganz von dieser Welt seitdem er einen Stern verfolgt und einen Wolf an der Seite hat. Wer" Über die Wupper" oder "Wer bestimmt die Realität" gelesen hat ist Kay Kayser schon begegnet. Und der Leser lernt Lew Czok kennen, der mich im Kopf bedrängt nun endlich seine Geschichte zum Ende zu bringen.

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Seitenzahl: 95

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Renate Amelung

Grüner Tee

Roman

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Sinn im Chaos

1 Er las die letzte

2 Kay lehnte sich zurück,

3 Vor einem Jahr,

4 Katrin

5 Er hatte

6 Jetzt soll

7 Im Halbschlaf

8 Oma Müller

9 Genau wie

10 Nachdenklich

11 Wenige Tage

12 Der Gartenzwerg

13 Eigentlich

14 Sie fanden

15 Sonderbar war er schon,

16 Kay zog langsam

17 Wenig später

18 Auf Kay war Verlass,

19 Vier Wochen

20 Bis hier her

21 Es war Sonntag

22 Die Hängematte

23 Was Diplom Ingenieur

Impressum neobooks

Sinn im Chaos

..

1 Er las die letzte

Seite des Manuskripts, dann verstaute er es nachdenklich in seinem Handgepäck. Wochenlang trug er es bei sich, fand aber nie Zeit reinzuschauen. Er nippte an dem letzten Drink den die Stewardess im brachte, und blickte aus dem Fenster. Unter ihm lag das Ruhrgebiet. Häuser so klein wie auf der Modelleisenbahn, ein Kindheitstraum den er nie erfüllt bekam, wie jedes Spielzeug, dass in anderen Kinderzimmern selbstverständlich war. Kay liebte es, wenn seine Großeltern kamen und Naschwerk mitbrachten, stets riss er sich um die Gummibärchen und überließ die Schokolade gönnerhaft den Mädchen. Mit seiner Beute verschwand er sofort und trocknete die Bären drei Tage auf der Heizung oder auf dem Fensterbrett, dann teilte er sie in Farben auf und nummerierte sie, mit einem dünnen Filzstift auf dem Rücken so entstanden Mannschaften die gegeneinander antraten. Der Filzstift war sein Heiligtum, denn und obwohl es nicht seine Welt war, hatte er ihn bei Woolworth geklaut. Ebensolche drei Tage später fand seine Mutter das Spielzeug, während er in der Schule war und entsorgte es. Zehn Kinder waren sie zu Hase. Als einziger Junge und Stammhalter hatte er nicht viel zu Lachen. Was die Mädchen auch anstellten, er war verantwortlich und musste so viel einstecken. Als Ältester hatte er mit Vernunft zu glänzen und musste ständig auf die Mädchen aufpassen. Seine Mutter kannte er nur müde und abgespannt. Seinen Vater sah er nur selten, er machte um die Familie zu ernähren Sonderschichten bei Henkel am Band. Die Wahrheit, aber war er stand die meiste Zeit an der Trinkhalle und sie lebten von der Sozialhilfe.

Nach dem, nur mäßigem Hauptschuhlabschluss, was er seiner Langeweile im Unterricht zu verdanken hatte, brachte sein Vater ihn im gleichen Unternehmen unter. Das Geld, was er verdiente floss ungeachtet seiner Bedürfnisse sofort in die Haushaltskasse. Und Vater Kayser könnte sich noch mehr Auszeit am Büdchen. Etwas entspannter wurde die Lage in der Familie erst nachdem sein Vater bei einem Betriebsunfall ums Leben kam. Und es war der Zeitpunkt wo er erfuhr, dass dies nicht sein leiblicher Vater war.

Grund genug die Koffer zu packen und im Duisburger Hafen als Matrose anzuheuern. Das Leben nahm Fahrt auf, Maschinist, Maschinenbau, Tiefbau Ingenieur. Sein unbekannter Vater hatte ihm etwas hinterlassen – Talent.

Als er in Zürich umstieg begegnete einem flüchtigen Freund Philip. Sie tranken einen Kaffee zusammen und er war baff erstaunt, dass dieser seine Juristen Karriere in der Kanzlei seines Vaters aufgegeben hatte und nun versuchte sich mit der Schreiberei über Wasser zu halten. Er drückte ihm dieses Manuskript in die Hand. Jetzt als er es gelesen hatte, hat es ihn fast umgehauen. Es war die Geschichte von Philip, der Ausstieg aus der Gesellschaft, auf unglaubliche Weise, erschreckend, fast gruselig sogar.

Hatten sie da nicht etwas gemeinsam? Philip hatte sich aus einem wohlbehüteten, aber streng nach Regeln laufenden Leben gerissen und er selbst lief ständig dem Leben davon., seit der Scheidung von seiner Frau. Er suchte Ablenkung in fernen Ländern. Wirkte in China mit bei dem Bau eines Staudamms. Verstand etwas von Tunnelbau und Bewässerungsanlagen in der Wüste. Die kleine Asiatin hätte gerne gehabt, dass er sie mit nach Deutschland nahm, nachdem das Bauprojekt beendet war. Doch bei Nacht und Nebel backte er die Klamotten. Kein Abschied, keine Tränen, keine Adresse. Diesmal, wirklich dieses Mal wollte er zu Hause bleiben. Aber er saß im Flugzeug, bald über dem Skagerak nach Mo i Rana über Oslo und dann nach Bodö weiter mit dem Hubschrauber. Norwegen im Winter, was erwartet ihn? Das sollte weit genug weg sein!

Kay dachte spontan an Mirjam. Er wollte keine Verbindung mit ihr. Gründe gab es gleich einige. Zum einen, weil sie zu jung für ihn war. Er macht sich doch nicht lächerlich! Aber auch seine Ex-Frau stand ihm im Weg, wirklich vergessen konnte er nicht. Doch dachte er an die Frau um die er zehn Jahre warb und nicht an die mit der er zwei Jahre verheiratet war. Nein er dachte nicht an die veränderte Sabine, die er auf der Königsallee traf, mutiert zum Muttertier. Kuriert! Jetzt eine Liaison mit der Tochter seines Chefs stand für ihn außerhalb aller Möglichkeiten. Punkt! Und es gab den wichtigsten Grund, er war dabei seinen Verstand zu verlieren.

Es begann vor einem Jahr, als er sein Wissen dem Unternehmen zur Verfügung stellte. Bei der Einstellung sprach er nur mit dem Personalbüro, Projektleitern, Abteilungsleiter, aber die Chefetage bekam er nicht zu Gesicht. Hätte er damals schon gewusst, dass Mirjam die Tochter eines Teilhabers ist wäre er nie und nimmer in dieser Firma gelandet.

Was stritt er mit Mirjam! Wie viel Diskussionen nächtelang ohne, dass ihre Standpunkte sich näherten. Und doch fühlte er sich von ihr angezogen. Er musste es sich eingestehen, die letzten Wochen vor seiner Abreise begehrte er sie. Das kleine Biest ließ nichts aus, sie trieb ihr neckisches Spiel mit ihm. Mit ihm so viel älter, zurückhaltend und mitten im Leben. Auch hier kein Abschied. Mirjam verbrachte die Weihnachtferien in Italien mit Ihren Eltern. Sie liebte die Sonne, die milde Luft. Sie wusste nicht, dass er dieses Projekt plante und dankbar als Projektleiter annahm.

Er sah auf seine letzte WhatsApp.

Hi, Kay, du altes Fluchttier, wann bist du wieder im Land? Ich wollte dir eigentlich bei einem guten Roten das Ende der Story erzählen. Aber du stehst ja mehr auf Eis Füße.

Ciao Phil

2 Kay lehnte sich zurück,

er schloss die Augen, bald wird die Maschine in Oslo landen, Anschluss nach Mo i Rana in wenigen Stunden, Ende Küstenstraße D 17. Unweigerlich dachte er an Mirjam, obwohl er sie sich so sehr aus dem Kopf wünschte. Hoffentlich trugen ihn die 3000 Kilometer weit genug weg. Asien, Südamerika, Südpol alles wäre ihm lieber gewesen, aber soweit operierte die Firmengruppe Noll & Laurenz GmbH nicht. Bis zum alten Laurenz musste er vordringen und ihm diesen Einsatz abschwatzen. Laurenz hätte es lieber gesehen, dass Kay mit seiner Auslandserfahrung im Haus geblieben wäre, wie vereinbart in der Entwicklung. In diesen Tagen beabsichtigte er Kay eine größere Verantwortung anzuvertrauen. Laurenz war fast etwas verstimmt. Auch dass er keine Begründung angab. Er unterstellte ihm mangelnde Anpassungsfähigkeit im Team. Die Vorzimmer Dame, eine Person die ihre Augen und Ohren überall hatte, schüttelte den Kopf als er von den cholerischen Sprüchen seines Chefs begleitet das Büro verließ.

Er hört ihre Worte jetzt noch: „Herr Kayser, warum bringen sie sich um ihre Karriere? Sie sind ein Dummkopf.“

„Danke, ist genau was ich hören wollte und auch nötig habe.“

Im Gegenzug versprach sie ihm, niemals den Termin mit Laurenz gemacht zu haben, wenn sie gewusst hätte was er vorhatte.

Kay hauchte ihr einen flüchtigen Kuss auf die Stirn, bedankte sich und ließ sie perplex stehen.

Er verließ mit langen Schritten das Vorzimmer, in der Tür stieß er mit Noll zusammen. Die Entschuldigung schluckte er runter, denn heute war er nicht guterzogen.

Zweifellos hatte er damals bei Philip gute Umgangsformen gelernt. Er führte ihn für einen Rheinländer, mit mehr als schlichten Wurzel durch eine harte Schule. Besteckfolge, Languste, Bäckchen der Forelle, richtige Blumen für die Gastgeberin, er schleppt ihn in die Tanzschule, das alles von Kay Kayser kaiserlich abgespeichert.

Sein letzter Tanz lag lange her, denn seit seiner Hochzeit tanzte er nicht mehr.

Die Hochzeit war ein Fiasko, er reduziert auf Geld verdien und Fortpflanzung. Letzteres stellt sich nicht ein.

Verflixt, wie war das, er tanzte doch vor Kurzem. Er viel, gerade einer Lüge zu Ofer, wollte er es doch verdrängen. Er tanzte mit Mirjam. Verlor er nicht beinahe die Fassung und war es nicht der Grund, der letzte Anstoß, der den Keim wachsen ließ die Flucht zu ergreifen?

Augenblicklich stürzte er noch tiefer in die Erinnerung und blieb geraume Zeit darin gefangen.

3 Vor einem Jahr,

als er aus China zurückkam, zum Umfallen müde. Der lange Flug, ein angeknackster Fuß, die Zeitverschiebung, die Jeep Tour zum Flughafen hatte in geschlaucht. Aus der tiefsten Ecke seines Seesacks kramte er nach dem Schlüssel und fand ihn nicht. Vielleicht hätte er jetzt stutzig sein müssen, als ihm einfiel, dass der Schlüssel unter dem Blumenkasten liegt. Dazu war er viel zu müde.

So öffnete er ohne Argwohn die Tür seines Loft und erschrak. Chaos, ein einziges Chaos breitete sich vor ihm aus. Wenn er eins war, dann nicht chaotisch was seinen Hausstand betraf. Hier musste eine diesem taufrischen Morgen musste eine ordentliche Fete vorangegangen sein, Studentenfete. Schlagartig traf ihn die Erinnerung an Katrin, seine kleine Schwester, ihr hatte er die Wohnung überlassen, als sie nach Düsseldorf kam um Kunst zu studieren.

Das war ihm in diesem Moment alles egal. Er stellte das Gepäck ab und schlurfte wie ein verwundetes Tier zum Bett auf der Empore.

Es war besetzt.

Also, schleppte er sich zurück zum Sessel, zog Schuhe und Socken aus und legte den verstauchten Fuß auf den Hocker davor und war binnen Sekunden im Land der Träume.

4 Katrin

„Mensch, Kay Tillmann, kannst du keine WhatsApp schicken, wenn du vor hast hier reinzuschneien!“, schnauzte Katrin. Freudig lief sie auf ihn zu, umarmte ihn herzlich, strich ihm die Haare aus dem Gesicht. „Na die ersten Grauen, alter Junge, kommt Licht in deine dunklen Haare, aber mit Glatze wie bei Papa wird das hoffentlich nichts bei dir.“

Er stöhnte, sie war ungestüm, traf ihn empfindlich.

Sie liebte ihn sehr, doch machte der Altersunterschied ihn eher zum Onkel, als zum großen Bruder. Zwanzig Jahre sind nicht wenig. Oft wunderte sie sich, dass ein erwachsener Mann von ihrer Mutter Befehle entgegennahm.

Mit festen Griff packte er sie an der Schulter schob sie sanft aber bestimmt weg. „Kann ich nicht nach Hause kommen wann ich will?“ Er war noch immer nicht richtig im Wachzustand. „Du wusstest schon seit einem Monat, dass ich komme!“

„Stimmt, aber.“

„Was aber?“

„Doch so Plötzlich!“

Plötzlich – plötzlich ist, wenn du mich jetzt in Ruhe lässt.“ Er

„Häää?“, machte sie.

Er schloss wieder die Augen und war fest entschlossen den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Das würde jetzt nicht funktionieren. „Katrin, dein Bruder könnte jetzt einen guten Kaffeevertragen und ein europäisches Frühstück.“

„Mm, du kannst gerne einen grünen Tee bekommen und ein Joghurt könnte auch noch im Kühlschrank sein.“

„Was, ich glaube ich spinne!“ Verächtlich zog er eine Augenbraue empor. Grünen Tee trank er genug in diesem Leben. Jeden Tag in der kleinen Bambushütte, danach machte sie ihm Komplimente über seine europäische Statur. Danach liebte sie sich und das endete mit dem leidigen Thema, dass er sie mit nach Europa nimmt.

„Na schön, wenn du willst gehe ich einkaufen. Hast du Geld?“