Günter, der innere Schweinehund, hält eine Rede - Stefan Frädrich - E-Book + Hörbuch

Günter, der innere Schweinehund, hält eine Rede E-Book und Hörbuch

Stefan Frädrich

4,5

Beschreibung

Eigentlich wissen wir ja, wie man eine gute Rede hält: Hände aus den Taschen, klar und deutlich sprechen und gut beim Publikum ankommen. Tja, eigentlich ... Aber wir kennen auch diese lästige Stimme in uns: Hauptsache, die Zuhörer kriegen viele Infos!, Zum Redner ist man geboren oder eben nicht. Oder Wahrscheinlich sterbe ich vor Lampenfieber! Diese Stimme kommt von Günter, unserem inneren Schweinehund. Obwohl Günter es gut mit uns meint, pfuscht er uns immer wieder ins Handwerk. Besser also, wir erklären Günter erst einmal, wie man wirklich gut vor Menschen spricht: Wie sagt man, was man sagen will? Wie kommt man optimal rüber? Und wie bleibt man bei alledem authentisch und locker?

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Seitenzahl: 112

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Zeit:2 Std. 34 min

Sprecher:Stefan Frädrich

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Stefan Frädrich

Günter,

der innere Schweinehund,

hält eine Rede

Ein tierisches RhetorikbuchIllustriert von Timo Wuerz

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-86936-071-3

Lektorat: Christiane Martin, Köln

Umschlaggestaltung: Martin Zech Design, Bremen,

www.martinzech.de

Illustrationen: Timo Wuerz, Hamburg

©2013 GABAL Verlag GmbH, Offenbach

Das E-Book basiert auf dem 2010 erschienenen Buchtitel "Günter, der innere Schweinehund, hält eine Rede" von Stefan Frädrich, ©2010 GABAL Verlag GmbH, Offenbach

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.

ISBN Buchausgabe: 978-3-86936-071-3

ISBN epub: 978-3-86200-883-4

www.gabal-verlag.de

www.facebook.com/Gabalbuecher.de

www.twitter.com/GABALverlag

Der schlaue Spruch, bevor es losgeht:

»Man ist erst dann ein Superheld,  wenn man sich selbst für super hält.«

Unbekannt

1. Günter, der innere Schweinehund

Günter ist dein innerer Schweinehund. Er bewahrt dich vor Mühe, Neuem – und Wachstum!

Kennst du Günter? Günter ist dein innerer Schweinehund. Er lebt in deinem Kopf und bewahrt dich vor allem Übel dieser Welt. Immer, wenn du etwas Neues tun oder etwas Ungewohntes ausprobieren willst, ist Günter zur Stelle. »Lass das sein!«, sagt er dann. »Das ist viel zu schwierig!«, bremst er. »Besser, das probieren andere aus!«, hält er dich zurück. Und obwohl das Leben voller spannender Herausforderungen steckt, trittst du häufig auf der Stelle – kein Wunder!

Aber warum will Günter nur, dass du dich ständig zurückhältst? Die Antwort ist ganz einfach: Weil dein innerer Schweinehund ein bisserl faul und ängstlich ist! Anstrengung hält er für eine Todsünde. Und Sicherheit für das Himmelreich schlechthin. Also will er dich vor potenziellem Ärger bewahren und deine vermeintlich heile Welt aufrechterhalten. Dass er dabei in Wirklichkeit nur begrenzt hilfreich ist, merkt Günter nicht. Denn leider entgehen dir im Leben so lauter spannende Erfahrungen. Schade.

2. Günters Ängste

Günter hat vor vielem unnötig Angst – zum Beispiel vorm öffentlichen Reden.

»Spannende Erfahrungen?«, wundert sich Günter. »Unnötig! Hauptsache, man ist in Sicherheit.« Ja, typisch für Schweinehunde: Sobald es mal spannend wird, kriegen sie Angst, die Sauviecher. Und Gründe, Angst zu haben, finden sie viele: zum Beispiel beim Fahren auf Rolltreppen oder in Fahrstühlen. Oder die Angst vor Dunkelheit. Die Angst davor, alleine in den Keller zu gehen. Oder in den Wald. Die Angst vorm Autofahren, vor Hunden, Einsamkeit, Trennungen oder Veränderungen. Die Angst vorm Fliegen, vor Krankheit und Tod, tiefem Wasser, Geldproblemen, Spinnen und Insekten, vor Höhen … »Hör schon auf!«, zittert Günter. »Das hier ist doch kein Horrorschmöker!«

Ganz besonders interessant aber ist die statistisch häufigste Angst von Mensch und Schweinehund: die Angst davor, öffentlich zu reden! Denn diese Angst ist völlig grundlos. »Grundlos?«, bibbert Günter kreidebleich. »Öffentliches Reden ist schrecklich: all die Menschen, die einem zuhören! Die weichen Knie! Der trockene Hals! Das Thema, das einem plötzlich nicht mehr einfällt! Oh Gott, Hüüülfe …« Na na, Günter, wer wird denn gleich hysterisch werden?

Wie alles andere auf der Welt lässt sich auch das öffentliche Reden lernen – mit ein wenig Know-how und Übung. Das ist aber erst möglich, wenn du bereit bist, deine gemütliche Komfortzone zu erweitern. Trotz aller Ängste.

3. Was ist Rhetorik?

»Quatsch!«, protestiert Günter. »Wozu das öffentliche Reden lernen? Sollen das doch die Naturtalente machen, die es wirklich draufhaben! Im Vergleich mit denen kann man sich sowieso nur blamieren …« Und wieder mal hat Günter eine Ausrede gefunden, die dich vor Wachstum und Weiterentwicklung bewahrt – Schweinehund eben … Dabei ist die Sache mit den Naturtalenten gar nicht wahr: Zwar gibt es wirklich viele gute Redner, aber den allermeisten ist das öffentliche Reden nicht in die Wiege gelegt. Auch sie mussten üben, üben, üben. Egal, ob sie talentiert waren oder nicht. Und – Überraschung – sogar viele weniger Talentierte sind mit der Zeit zu richtig guten Rhetorikern geworden.

»Zu Rhetorikern?«, unterbricht Günter. »Was war das noch gleich, Rhetorik?« Rhetorik nennt man die Kunst zu reden und zu überzeugen. Auch die Wissenschaft von dieser Kunst nennt man Rhetorik. Und umgangssprachlich versteht man unter guten Rhetorikern Leute, die sich so toll ausdrücken können, dass man ihnen glaubt, was sie sagen, und denen man gerne zuhört. Sogar dann, wenn sie ihre inneren Schweinehunde im Griff haben und öffentlich reden, Günter.

4. Die gute Rede

Eine gute Rede besteht aus den Komponenten Redner, Rede und Zuhörer. Sie informiert, unterhält und appelliert.

Doch fangen wir beim Basis-Know-how an: Was macht eine gute Rede überhaupt aus? »Ist doch klar!«, schlaumeiert Günter. »Der Redner muss top sein, er muss etwas Wichtiges zu sagen haben, und das sollte den Zuhörern gut gefallen.« Nicht schlecht, Schweinehund! Tatsächlich: Eine gute Rede besteht aus den drei Komponenten Redner, Rede und Zuhörer. Nur die einzelnen Komponenten alleine bringen es nicht. Niemand hört schließlich gerne zu, wenn sich jemand zwar toll ausdrücken kann, aber dabei nichts Relevantes sagt. Oder wenn jemand zwar etwas Wichtiges sagt, sich dabei aber schlecht ausdrückt. Denn sowohl Inhalt als auch Performance einer Rede sollten an die Zuhörer gerichtet sein – ohne sie ist eine Rede schließlich witzlos.

»Aha!«, resümiert Günter. »Dann ist eine gute Rede also nicht nur elegantes Blabla oder trockenes Faktenkloppen?« Nein, Günter, das ist sie nicht. Eine gute Rede ist viel mehr: Sie soll informieren, unterhalten und im Idealfall etwas im Zuschauer bewirken – nämlich den Wunsch, so zu handeln, wie es der Redner empfiehlt. Eine gute Rede sollte also auch immer einen Appell beinhalten. Ohne ihn bräuchte sie schließlich nicht gehalten zu werden. »Logisch: Wozu auch extra eine Rede quatschen, wenn es keinen Grund dafür gibt?!« Stimmt, Günter.

5. Der gute Redner

Weiter mit den Basics: Was macht einen guten Redner aus? »Na, ein guter Redner ist jemand, dem man gut zuhören kann. Einer, der einen in den Bann zieht. Einer, dem man abnimmt, was er sagt. Einer, der etwas locker rüberbringt, wo andere Knoten quatschen. Einer, der es drauf hat eben – nicht so einer wie du …« Oh, Günter, nun mach doch mal langsam! Ja, es stimmt schon: Ein gewisses Talent ist beim Reden praktisch. Daneben macht einen Top-Rhetoriker aber auch der Inhalt aus – er sollte rüberbringen, was wichtig ist, und zwar so, dass alle verstehen, was gemeint ist. Und er sollte geübt sein im Reden. »Quatsch!«, mosert Günter. »Talent ist das Wichtigste. Das hat man oder hat es nicht.«

Okay, dann dröseln wir den Begriff »Talent« mal auf: Was ist das überhaupt? »Na, Talent zum Reden ist die Fähigkeit, einfach draufloszureden und dabei gut rüberzukommen. Wie ein Redeprofi eben.« Und was macht einen Profi aus? »Keine Ahnung. Aber man erkennt einen, wenn man ihn reden hört.« Nun schau mal, Günter: Meist ist ein Redeprofi einer, der bei seinen Zuschauern alle Sinne gleichzeitig anspricht: vor allem Hören, Sehen und Fühlen. Und dabei nutzen gute Redner alle Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen: Sprache, Stimme, Gestik, Mimik, Persönlichkeit, Leidenschaft und Interesse für das Thema, Aussehen, den Rahmen der Rede und gute Präsentationstechnik. Und am Ende sind alle vom »Talent« des Redners begeistert, obwohl es nichts anderes ist als die Summe kleiner Einzelfaktoren.

6. Sprache und Stimme

Sprache des Redners: klar, bildhaft, verständlich. Stimme: natürlich, angenehm, flüssig.

»Soll das etwa bedeuten, dass man Talent lernen kann?«, wundert sich Günter. Aber klar doch! Zwar haben Mensch und Schweinehund durchaus unterschiedliche Ausgangsvoraussetzungen für das öffentliche Reden, dennoch sind die einzelnen Aspekte alle trainierbar. Zum Beispiel die Sprache des Redners: Sie sollte für alle verständlich sein – ohne Fachchinesisch oder anderes Kauderwelsch. Sie sollte deutlich sein und möglichst direkt, sodass jeder folgen kann. Sie sollte bildhaft sein und publikumsbezogen, sodass es allen Spaß macht zuzuhören. Und es sollten vor allem kurze Sätze vorkommen, damit es nicht anstrengend wird, dem Redner zu folgen.

Auch die Stimme sollte passen: Sie muss laut und kräftig genug sein, dass jeder zuhören kann. Sie sollte angenehm klingen, damit es nicht in den Ohren wehtut. Die Stimme sollte zudem eher melodiös sein und nicht eintönig – sonst wird es schnell langweilig. Deswegen sollte der Redefluss auch möglichst flüssig und die Geschwindigkeit variabel sein, aber nicht zu schnell und nicht zu langsam und stets mit Pausen. Außerdem sollte die Rede frei gehalten werden und natürlich klingen.

7. Körpersprache

Gestik und Mimik des Redners: lebendig, unterstützend und natürlich.

Sehr wichtig ist auch die Körpersprache des Redners. Sie sollte die Zuhörer überzeugen und zeigen, dass es dem Redner ernst ist mit dem, was er sagt. So sollten zum Beispiel seine Bewegungen zum Inhalt passen, indem er wichtige Stellen mit seiner Gestik hervorhebt, ohne dabei allerdings übertrieben schauspielerisch zu wirken. Er sollte sich beim Reden also ruhig etwas bewegen – also auf keinen Fall nur stocksteif dastehen –, aber natürlich eben auch nicht so viel herumhüpfen, dass er fahrig und nervös wirkt. Die Körperhaltung des Redners sollte aufrecht sein und seine Hände nicht in den Hosentaschen stecken (oder zumindest nur sehr selten) – sonst kommt es nur zu ungewollten Assoziationen mit Taschenbillard …

Die Mimik des Redners sollte lebendig und freundlich sein und keinesfalls maskenhaft starr. Man hängt anderen schließlich gerne an den Lippen, wenn es dabei auch ein bisschen was zum Gucken gibt. Denn so wie die Gestik drückt auch die Mimik Emotionen aus, also die Gefühle, die ein Redner mit dem Gesagten verbindet. Und dabei merkt man schnell, wie wichtig dem Redner ist, was er erzählt. Zum Beispiel, ob er für sein Thema eine gewisse Begeisterung zeigt oder nur im Auftrag seines Chefs eine lästige Pflicht erledigt. Beim Begeisterten hören wir gerne zu, beim reinen Pflichterfüller hingegen schnarchen wir weg.

8. Persönlichkeit

Persönlichkeit des Redners: echt, souverän und am Thema interessiert.

Günter hakt nach: »Dann merkt das Publikum also, ob der Redner hinter seinem Thema steht oder nicht?« Und ob! Denn je wichtiger dem Redner sein Thema, desto leidenschaftlicher präsentiert er es und desto mehr Spaß macht es, zuzuhören. Der Redner weiß, welche Message er rüberbringen will, kennt besonders plastische Beispiele und der Funken springt besonders einfach über.

Außerdem: Je mehr er sich mit seinem Thema identifiziert, desto besser und authentischer kommt er rüber. »Authenti… was?« Authentischer, Schweinehund! Authentizität ist die »Echtheit« einer Person. Denn der Redner sollte möglichst »echt« sein und sich nicht verstellen. So wirkt er als ganze Persönlichkeit. Das ist neben den rein technischen Redeaspekten sehr wichtig. Spielt der Redner nur etwas vor, würde man das negativ bemerken.

Tja, was fehlt noch? Ach ja: Natürlich merkt man Rednern auch an, wie geübt sie sind. Klar ist: je geübter, desto besser. Außerdem sollten gute Redner den Rahmen ihrer Rede kennen und berücksichtigen. Zum Beispiel die Zuhörer oder den Redeanlass. Und die zur Verfügung stehende Redezeit, also sollten sie weder zu kurz noch zu lang reden – das kann beides sehr ärgerlich werden.

9. Bewertung einer Rede

Rahmen der Rede: Was ist der Anlass? Wer hört zu? Wie lange ist die Redezeit?

Auch optisch machen gute Redner etwas her – indem sie gepflegt und in passenden Klamotten auftreten. Außerdem sollten sie ihre Rede gut strukturieren, zum Beispiel in Einleitung, Mitte und Schluss einteilen. Und sie sollten eine passende Präsentationsform wählen, etwa die frei vorgetragene Rede oder die durch Präsentationstechnik wie PowerPoint unterstützte Rede. Apropos Technik: Auch die Technik haben gute Redner im Griff: Mikrofon, Beleuchtung und Co – alles tipptopp. Du siehst, Günter: eigentlich kein Hexenwerk, die Rhetorik! Nur das Zusammenspiel mehrerer Komponenten.

»Okay, Zusammenfassung!«, resümiert Günter. »Ob eine Rede gut ist, merkt man daran, wie gut die einzelnen Komponenten sind: Eine gute Rede informiert, unterhält und bewirkt etwas. Sie orientiert sich am Rahmen, in dem sie gehalten wird, hat eine gute Struktur, wird passend präsentiert, wobei das Thema auf den Punkt gebracht wird und der Funke überspringt. Die Stimme ist natürlich, angenehm und flüssig, die Sprache deutlich und direkt, die Performance lebendig und authentisch, wobei gute Redner spürbar für ihr Thema brennen und diese Begeisterung auf das Publikum übertragen. So bringen gute Redner ihre ganze Persönlichkeit ein und alle hören gerne zu.« Super zusammengefasst, Sauhund!

10. Ablesen? Nein, danke!

Frei zu reden wirkt lebendig und natürlich. Ablesen hingegen ist langweilig und steif.

»Hm …«, grübelt Günter. »Klingt trotzdem alles ziemlich anspruchsvoll. Zum Beispiel das mit der freien Sprache. Wie soll man sich denn auf das konzentrieren, was man zu sagen hat, und auch noch fehlerfrei sprechen, ohne ständig ›Äh‹ zu sagen oder sich zu verhaspeln? Besser also, man schreibt seine Rede erst mal Wort für Wort auf und liest sie dann allen vor! So kann man sicher sein, dass alles passt!« Aber nein, Günter. Reden wortwörtlich abzulesen, ist keine gute Idee. Wenn überhaupt, dann hält man das nur bei sehr geübten Politikern, Schauspielern oder Moderatoren für halbwegs echt. Bei allen anderen wirkt es steif, hölzern, langweilig und letztlich hilflos. Und schon schläft dein Publikum, anstatt dir zuzuhören …

Viel besser ist es daher, frei zu sprechen. Denn freie Sprache ist lebendig und natürlich. Und sie richtet sich an die Zuhörer. Live. Direkt. Nicht nur in Gedanken zu Hause am Schreibtisch. »Und was ist, wenn man sich verspricht?« Halb so wild, das macht dich als Redner nur menschlich und damit sympathisch. Auch das eine oder andere »Äh« ist okay, solange es nicht so oft vorkommt, dass es vom Thema ablenkt. Selbst berühmte Fernsehmoderatoren sagen immer wieder mal »Äh«, ohne dass man es ihnen übel nimmt.

11. Schubladen auf!

Das Geheimnis der freien Rede: Schublade auf und über das reden, was drin ist!