Hallo Schönheit - Dorle Weichler - E-Book

Hallo Schönheit E-Book

Dorle Weichler

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Beschreibung

Das World Wide Web, wesentlich bekannter als www.ich suche was.de! Wir alle wissen ja inzwischen, dass man heutzutage nicht mehr als ein paar Klicks braucht um jede Frage beantwortet zu bekommen. Sich neu einzukleiden oder einzurichten, Neues zu erfahren und, und, und! Warum also nicht auch Liebe per Internet? Wie viele Partner-Agenturen gibt es mittlerweile schon online? Und für immer mehr Menschen ist diese schnelllebige Zeit schon ganz selbstverständlich! Warum auch nicht? Was soll denn schon passieren? Ich selbst wäre niemals auf diese Idee gekommen, also mir auf meine alten Tage einen Partner im Internet zu suchen, da bin ich ganz altmodisch. Aber dann, eines Tages und vollkommen unerwartet, finde ich bei Facebook einen, ja, man kann schon fast sagen, Liebesbrief! Da will mich ein gutaussehender Mann näher kennenlernen. Und es dauert gar nicht lange bis ich bereit bin, mich darauf einzulassen! Was dann folgt sind Woche unterschiedlichster Gefühle! Er gab vor, Engländer zu sein, hatte mich aber auf Deutsch angeschrieben. Da das aber oft sehr abenteuerlich und unverständlich war antwortete ich eines Tages ganz spontan auf Englisch! Ich und Englisch! Vor rund 45 Jahren habe ich es mal in der Schule gelernt und nie wieder wirklich angewendet. Und dann ging es Tag für Tag weiter in beiden Sprachen, und beide mehr oder weniger fehlerhaft, aber wir haben uns verstanden! Dachte ich! Bis ich ihn dann eines Tages wirklich verstanden habe! Das, was er letztendlich von mir wollte, hatte mit der großen Liebe gar nichts mehr zu tun! Er wollte Geld, und davon nicht gerade wenig! Und eine schöne Illusion zerplatze wie eine Seifenblase! Doch wie das alles nach und nach vonstatten ging, ist in meinem Buch nachzulesen. Viel Spaß bei der Lektüre.

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Seitenzahl: 217

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Dorle Weichler

Hallo Schönheit

Tagebuch einer Internet-Liebe

 

 

 

Dieses eBook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Impressum

Kapitel 1

Das nachfolgende "Tagebuch einer Internet-Liebe" ist autobiografisch. Die in diesem Werk vorkommenden Namen aller beteiligten Personen wurden geändert.

22. Juni 2013 

Endlich wieder zuhause! Obwohl, so lange hat es ja dieses Mal gar nicht gedauert, nur 6 Tage. Es hätte wirklich schlimmer kommen können! Aber der Doktor hatte ja auch versprochen, dass diese OP an der Wirbelsäule maximal eine Woche Krankenhausaufenthalt bedeuten würde. Und er hatte Recht behalten! Sehr schön!

So, jetzt erst einmal eine Tasse Kaffee, eine Zigarette und dann zuerst mal die Mails und die Nachrichten bei Facebook checken, es könnte ja etwas Wichtiges passiert sein.

Und siehe da, gleich die erste Mail ist eine ganz besonders liebe Nachricht meiner Freundin Marlene, die sie mir schon am Montag geschrieben hatte! Schade, ich hätte Montag Morgen, bevor ich ins Krankenhaus gegangen bin, doch noch einen Blick in mein Postfach werfen sollen.

Eigentlich war sie ja vor langer Zeit die Freundin meines Sohnes gewesen, aber inzwischen ist sie mir auch richtig ans Herz gewachsen. Sie wünscht mir für die bevorstehende OP alles nur erdenklich Gute! Wie lieb von ihr! Ich hätte ich sie nach der OP auch gleich angerufen sollen! War ja eigentlich klar dass sie sich Sorgen macht. Dann aber rufe ich sie wenigstens jetzt sofort an!

„Bist du etwa schon wieder zuhause?“ tönt es mir gleich fröhlich entgegen.

„Jepp, schon ganze 5 Minuten! Und dann habe ich als Erstes deine Mail gelesen... und schon hast du mich am Ohr! Alles ist gut, es war ein Klacks im Gegensatz zur letzten OP vor 3 Jahren an der Wirbelsäule, abends war ich sogar schon auf den Füßen und am nächsten Tag auch wieder ganz auf den Beinen!“

„Super, ich freue mich so für dich! Ich habe oft an dich gedacht und ob die Weißkittel dich auch anständig behandeln! Sonst kriegen die es mit mir zu tun!

„Du bist süß, Liebes! Aber keine Angst, der Doc und die Schwestern haben sich redlich bemüht und mir wirklich ordentlich und im wahrsten Sinne des Wortes auf die Füße geholfen!“

Wir plaudern noch eine ganze Weile bevor wir uns letztendlich noch ein schönes Wochenende wünschen und uns dann verabschieden.

„Bis ganz bald! Wir hören voneinander!“

Dann noch ein Blick auf die anderen Mails und die Neuigkeiten. Und siehe da, wer hätte es gedacht, ich habe mal wieder einige ganz bestimmt hoch wichtige Meldungen bei Facebook verpasst! Also einloggen und zuerst alle Nachrichten schön brav beantworten! Eigentlich sind sie ja alle total lieb! Einige meiner Kollegen wünschen mir nur das Allerbeste und dass ich bald gesund und munter wieder ins Büro komme!

Die News habe ich alle gelesen, dann ich schaue noch einmal in mein Postfach und und sehe nach, ob ich noch jemanden vergessen habe, als mir zum ersten Mal in der Übersicht neben dem Postfach auch noch die RubrikSonstigesauffällt! Stand das da schon immer? Wofür soll das sein? Und natürlich klicke ich es an! Und dann bin ich erst einmal sprachlos! Da finde ich doch tatsächlich folgende Nachricht:

Unterhaltung 20. Juni gestartet 

11:20 

Jame Brown

hallo Schönheit 

Wie geht es Ihnen? Ich war durch Ihr Profil gehen und Sie klingen so wunderbar und schön. Ich weiß, Sie haben alle Qualitäten, ich brauche in einer Frau. Ihr Profil gefangen meine Seele und ich sterbe, Sie zu treffen, ich bin ein sehr guter Christ mit guten Sinn für Humor zu mir Alter und Entfernung ist nie ein Hindernis in jedem guten Beziehung. 

Ich will gerne wissen, ob Sie so unterhalten, dass wir einander besser kennen lernen wollen. 

Ich bin baff! Heute ist der 22., also hat der Typ mich erst vorgestern angeschrieben! Hallo Schönheit! Nett! Wie ist er denn nur durch mein Profil gegangen? So viel können Fremde doch gar nicht sehen, das können nur meine Freunde.

Und ich klinge wunderbar und schön? Kann man das etwa schon an meinem Bild sehen? Apropos Bild! Dieser Bursche sieht einfach fantastisch aus! Vielleicht jünger als ich... aber mein lieber Herr Gesangsverein! Jetzt bin ich ja seit langen 15 Jahren abstinent, und das aus gutem Grund.... aber von diesem Burschen würde ich mich doch sehr gern und schnell mal wieder auf andere Gedanken bringen lassen! Überhaupt! So alles in allem könnte er gut mit George Clooney konkurrieren. Allein diese braunen Samtaugen! Zum drin versinken! Und diese sinnlichen Lippen.... Wahnsinn!

Aber meine Güte, das kann doch nicht wirklich wahr sein! Da will mich doch einer veräppeln! Wer so super aussieht lacht sich doch keine Frau über Facebook an! Und auch noch ausgerechnet mich! Der kennt mich doch gar nicht, oder etwa doch? Aber wie sollte er? Und wenn doch hätte er mich doch schlicht und einfach ansprechen können!

Und was meint er damit dass er stirbt, mich zu sehen? Stirbt er wenn er mich sieht oder wenn er mich nicht sieht? Hilfe!! Was soll das? Soll ich das jetzt einfach ignorieren oder darauf antworten? Aber was um alles in der Welt könnte ich denn darauf antworten? Da fällt mir jetzt gerade erst einmal gar nichts drauf ein! Also mal ganz schnell raus bei Facebook und diesen „Liebesbrief“am besten auch sofort wieder vergessen! So was gibt es doch gar nicht!

Schluss jetzt mit dem Blödsinn! Der hat sie doch nicht alle! Das kann doch nur ein Spinner sein! Oder nicht von dieser Welt!

Ich gehen lieber zur Tagesordnung über, ab ins Schlafzimmer, Koffer auspacken und Waschmaschine voll packen. So viel schmutzige Wäsche in nur einer Woche, die BH's und Slips sind teilweise mit Jod verschmiert, die T-Shirts und kurzen Hosen sind allesamt durchgeschwitzt, es war aber auch richtig heiß die ganze Woche! Selbst nachts hat es sich kaum abgekühlt! Ob diese Hitzewelle weiterhin anhält? Wenigstens ist es hier in meiner Wohnung schattig und erträglich, draußen auf der Terrasse steht schon wieder die Luft.

Jetzt merke ich doch so langsam meinen Rücken, ich sollte mich lieber hinlegen. Und zu Mittag hatte ich heute auch noch nichts, aber wirklich Hunger verspüre ich noch nicht, nur Durst. Ich hole mir ein Glas und eine Flasche Wasser, mache den Fernseher an und lege mich auf die Couch. Oh Mann, das tut gut! Hier bleibe ich erst einmal!

Und schon einen Moment später bin ich eingeschlafen.

Wach werde ich von merkwürdigem Geschrei, was ist denn jetzt los? Fernsehen! Irgendwelche Jugendlichen streiten sich mit den Eltern! Furchtbar! Wo sind nur die schönen Nachmittagsprogramme von früher geblieben? Außerdem knurrt mein Magen und der Druck auf der Blase ist auch nicht von schlechten Eltern! Also erst einmal ab ins Badezimmer! Und da ist natürlich auch die Waschmaschine längst fertig mit der Wäsche. Schnell erleichtern und dann den Trockner an!

Was habe ich denn überhaupt noch zu essen? Toast mit Käse oder mit Nutella? Hm... lieber was Süßes! Dazu ein großer Pott Kaffee, das passt immer! Alt werde ich heute bestimmt nicht mehr, ich sollte gleich noch einen Apfel hinterher essen und das Abendessen ausfallen lassen. Meine Haut fühlt sich ganz klebrig an, es ist einfach immer noch viel zu warm. Am besten wird es sein wenn ich dann noch dusche und danach gleich ins Bett gehe. Und noch etwas lesen, im Krankenhaus hatte ich dazu gar keine Lust, in dem Zimmer stand die Luft auch nachts noch, selbst die kleinste Anstrengung brachte einen Schweißausbruch nach dem anderen. Dann das dicke Buch in der Hand und die Brille auf der Nase.... nee! Das war einfach zu viel!

Kapitel 2

23. Juni 2013

Wider Erwarten bin ich gestern doch recht schnell eingeschlafen. Als ich am Morgen das erste Mal zur Uhr sehe ist es erst kurz nach fünf! Das Schönste zuhause ist doch dass man am Sonntagmorgen aufstehen kann wann man will! Auch wenn das Frühstück mir hier nicht ans Bett gebracht wird bevorzuge ich doch diese Version. Ach, ist das schön!

Ich drehe mich noch einmal ganz genüsslich auf die andere Seite und bin im Handumdrehen auch schon wieder eingeschlafen!

Das penetrante Klingeln des Telefons reißt mich aus einem schönen Traum! Von einem faszinierendem Augenpaar! Einem leuchtend blauen! In deren Tiefen ich schon oft versunken bin!

Noch immer lächelnd melde ich mich.

„Doro, bist du zuhause?“

„Natürlich nicht, Hanna, wie kommst du nur darauf?“ lache ich.

„Ach Mensch, ich merke gerade erst dass ich nicht das Handy genommen habe wie ich wollte! Ich dachte du bist vielleicht doch noch im Krankenhaus.“

„Nee, bin doch gestern termingerecht entlassen worden! Was gibt’s denn so früh schon?“

„Wieso früh? Es ist gleich elf! Ich will dich jetzt besuchen kommen!“

„Dann gib mir vorher wenigstens noch Zeit zum Zähne putzen und Kaffee aufsetzen, okay?“

„Bist du denn etwa noch nicht aufgestanden?“

Meine Hanna! Ich kann ja schon froh sein dass sie vorher angerufen hat! Normalerweise steht sie immer gleich direkt vor der Tür. Sie wohnt ganz in der Nähe und kommt gern mal auf einen Sprung bei mir vorbei.

Der Kaffee ist gerade fertig als es auch schon Sturm klingelt, wenig später steht Hanna in meiner plötzlich vollen Küche! Meine liebe Freundin hat nicht nur eine große Schale mit frischen Erdbeeren und eine fast noch größere Schale mit Kartoffelsalat mitgebracht, auch ein großer Kuchenteller steht auf meinem Herd.

„Ja sag mal, wer soll denn das alles essen?“ frage ich lachend.

„Du hast doch die ganze Woche nichts einkaufen können! Du musst doch was zu essen haben!“

„Aber doch nicht solche Mengen, Schatz“, und ich nehme sie erst einmal in den Arm und bedanke mich bei ihr.

„Stell den Salat in den Kühlschrank und den Kuchen kannst du einfrieren, ist alles frisch“, ordnet sie an, „dann reicht es auch noch ein paar Tage!“

Wir trinken unseren Kaffee, ich esse dazu ein Stück Apfelkuchen, dann rauchen wir noch eine bevor sie sich schon wieder auf den Weg macht.

„Danke Hanna, du bist die Beste“ gebe ich ihr noch mit auf den Weg, dann gehe ich ins Badezimmer und nehme eine erfrischende Dusche.

Den Rest des Tages bin ich einfach nur faul! In der ganzen vergangenen Woche habe ich nicht wirklich gut schlafen können, hier in meiner kühlen Wohnung kann ich mich endlich entspannen und den Schlaf nachholen.

Gegen Abend mache ich einen kleinen Spaziergang, besonders weit komme ich nicht, es ist richtig schwül geworden. Mit etwas Glück gibt es heute Nacht mal ein Gewitter, dann würde die Luft wenigstens etwas abkühlen können! Aber leider kommt später nur etwas Wind auf, viel bringt der nicht.

3. Juli 2013

Fast 2 Wochen bin ich jetzt schon wieder zuhause. Auch wenn es mir im Krankenhaus super ging. so allein zuhause ist es doch nicht ganz so einfach! Aber hier kann ich wenigstens machen was ich will! Und ganz besonders schlafen solange ich will! Und essen wann und was ich will!

Doch immer wieder komme ich an meine Grenzen, nicht nur, dass ich mich nicht bücken soll, ich kann es auch gar nicht ohne Schmerzen. Allein das Staub saugen ist eine Herausforderung, aber irgendwie schaffe ich auch das. Termine für die Physiotherapie habe ich jetzt auch endlich bekommen, morgen geht es los. Ich hoffe, durch die richtigen Übungen werde ich bestimmt auch wieder etwas beweglicher.

Der Bandscheibenvorfall saß in der Lendenwirbelsäule, und genau da tut es auch immer noch ganz schön weh, auch wenn ich mich nur andeutungsweise bücke.

Als ich mich heute Morgen im Spiegel sehe fällt es mir wieder ein! Hallo Schönheit! Und dabei hatte ich diesen Liebesbrief fast vergessen! „Ja, hallo Schönheit, wie geht es dir denn?“ Und noch ein Blick in den Spiegel! Gut, hässlich bin ich für meine guten 61 Jahre nun wirklich nicht, aber Schönheit! Da hat er doch mächtig übertrieben! Wie ist der bloß gerade ausgerechnet auf mich gekommen? Ob er Engländer ist? Ich muss mir bei Gelegenheit endlich einmal seine Seite etwas genauer ansehen! Aber kaum habe ich es gedacht habe ich es auch schon wieder vergessen!

Ich hole mein Bügelbrett aus der Ecke und mache mich daran, meine Wäsche endlich fertig zu machen, die letzten Tage hatte ich einfach keine Lust dazu. Und es sind inzwischen zwei weitere Maschinen dazu gekommen. Dann räume ich noch etwas auf, spüle das Geschirr ab und fertig! Mehr muss heute nicht sein.

Danach setze ich mich mit meinem Buch nach draußen bis die Sonne um die Ecke kommt und es auch auf meiner Terrasse wieder viel zu warm wird, also Fernseher an und aufs Sofa, den Rücken strecken.

Doch heute Abend muss ich wieder an diesen mysteriösen Mailschreiber denken! Was denkt der sich eigentlich dabei, fremden Frauen einfach so etwas zu schreiben? Diesen Mann muss ich jetzt doch endlich mal etwas genauer unter die Lupe nehmen! So ganz aus dem Kopf bekomme ich ihn ja doch nicht!

Doch kaum bin ich auf meiner Seite, um mir zuerst noch einmal diese Mail durchzulesen, als mein Telefon klingelt. Mein lieber Neffe Florian, mit dem ich seit seiner Geburt ein Herz und eine Seele bin, möchte doch endlich mal wieder hören, wie es mir mittlerweile ergeht!

„Florian, du kannst dir mit Sicherheit nicht vorstellen was ich gerade mache!“

„Los, erzähl! Was treibst du denn Schönes?“

Und so lese ich ihm diesen „Liebesbrief“ vor! „Ehrlich, Florian, ich überlege gerade ernsthaft, ob ich ihm darauf antworten soll oder ob ich diese Mail jetzt einfach lösche und für immer vergesse!“

„Ach Mensch, Doro, ich finde das richtig süß! Und das ist doch eigentlich auch ganz nett geschrieben! Gib dem Mann doch mal eine Chance! Was kann dir passieren? Solange er nicht weiß wo du wohnst.... lass ihn doch mal! Vielleicht ist er ja wirklich nett, und wer weiß? Möglicherweise entpuppt er sich als dein Traummann! Hast du dir denn seine Seite schon angesehen? Wie alt ist er denn?“

„Genau das wollte ich auch gerade prüfen! Also, bleib am Ohr, seine schönen Augen sind mir ja schon auf dem Foto aufgefallen, das vor jeder Mail steht!“

Und dann bin ich auf seiner Seite und lese vor und staune!

„Also, pass auf! Er lebt in London, hat studiert in London, und... du wirst es nicht glauben, er ist geboren am 8. April 1963!“

„Wow! Der ist ja kaum älter als ich“, höre ich verblüfft aus dem Hörer! „Aber... na ja, er hat dir doch geschrieben dass Alter und Entfernung für ihn keine Rolle spielen! Und dein Geburtsdatum steht doch auf deiner Seite, oder?“

„Klar steht das da, da mache ich doch kein Geheimnis draus!“

„Na los, was überlegst du noch? Antworte ihm und lass dich überraschen was dabei raus kommt! Aber halte mich auf jeden Fall auf dem Laufenden, ja? Und weißt du was? Antworte ihm doch gleich auf Englisch!“

„Bist du verrückt? Ich und Englisch! Das habe ich in der Schule gelernt und seit dem so gut wie gar nicht mehr gebraucht! Er hat Deutsch geschrieben und wenn überhaupt wird er auch eine deutsche Antwort bekommen!“

Da lacht mich der Bursche doch tatsächlich aus! „Wenn du willst wirst du auch können! Ich kenne dich doch!“

„Ja ja, ich bin ja auch ein Sprachgenie! Jetzt grüß mir deine Lieben und habt noch einen schönen Abend! Ich habe jetzt etwas vor!“ Und lachend verabschieden wir uns voneinander!

Ich bleibe an meinem PC sitzen und verfasse, nach langem Überlegen, folgende Antwort:

21:43 

Doro Döppner

Hallo charmanter Mann, 

Dankeschön für Ihre lieben Worte und Komplimente, die ich leider erst gestern rein zufällig unter *Sonstiges* 

gefunden habe. Ich war so verblüfft, dass ich anfangs nicht wusste, wie oder ob ich überhaupt darauf reagieren soll! 

Aber eine so nette Nachricht verdient zumindest eine nette Antwort!Obwohl ich von meinem Mann schon sehr lange 

geschieden bin hat diese Ehe doch sehr tiefe Wunden in mir hinterlassen, eine neue Beziehung ist für mich nie in 

Frage gekommen! Doch wie heißt es so schön "man soll niemals nie sagen"! Wer weiß, vielleicht sollten wir uns 

wirklich besser kennen lernen!Eine christliche Einstellung ist auch mir wichtig, eine Beziehung, gleich welcher Art, ohne 

Humor geht gar nicht! Wenn man nicht miteinander lachen kann hat nichts wirklich Sinn! Ein Treffen in absehbarer 

Zeit möchte ich allerdings nicht so auf die Schnelle verabreden, okay? 

Herzliche Grüße, Doro 

Kapitel 3

4. Juli 2013 

Nach dem Frühstück fahre ich meinen PC hoch und gehe gespannt auf meine Facebookseite, aber da ist keine neue Nachricht für mich. Ich wundere mich über mich selbst weil ich eine kleine Enttäuschung spüre! „Mach dich nicht verrückt, Mädchen! Es reicht doch wenn der Kerl spinnt! Das war dir doch von Anfang an klar! Vergiss es!“

Ich ziehe mich leicht an und fahre zum Kurpark, meine Physiotherapie habe ich zum ersten Mal im Kir Royal. Ich bin gespannt wie es hier ist!

Die Therapeutin ist sehr nett und kompetent und zeigt mir Übungen, die ich bisher noch nicht gekannt habe, und die wirken tatsächlich voll im Kreuz!

„Oh oh, ich glaube, morgen habe ich tierischen Muskelkater,“ lache ich.

„Wenn dann habe ich erreicht was ich erreichen wollte,“ gibt die Therapeutin grinsend zurück. „Sie sollten die Übungen aber auch zuhause machen damit sie richtig zur Wirkung kommen,“

„Versprochen, wir sehen uns dann am Montag wieder.“

Wieder zuhause werfe ich noch einen Blick in mein Postfach... unverändert!

Ich mache mir einen kleinen Salat zu Mittag, setze mich wieder mit meinem Buch nach draußen und habe meinen Brieffreund längst vergessen! Mein Krimi ist spannender.

Später mache ich wieder den Fernseher an und der Rest des Tages verläuft langweilig wie auch alle anderen Tage davor!

5. Juli 2013 

Und auch heute Morgen mache ich nach dem Frühstück wieder den PC an, aber eigentlich glaube ich nicht mehr dass sich da etwas getan hat!

Doch ich kann es kaum glauben! Da ist ja tatsächlich wieder eine Antwort für mich!

09:30 

Jame Brown

guten Morgen Ich war sehr glücklich, wenn ich Ihre Mails zu lesen letzte Nacht, es war eine schöne und ermutigende wie war dein Tag, ich hoffe, Sie auf dem Chart zu sehen, aber culd Sie mich in Ihre Freunde-Liste, so dass wir kommen können, um Diagramm 

Alles klar! Und ich glaube sogar dass ich weiß was er meint! Niedlich sein Deutsch! Aber warum jetzt nicht auch den nächsten Schritt? Ich sende ihm eine Freundschaftsanfrage! Die dann wirklich auch umgehend bestätigt wird! Hat der denn nichts anderes zu tun als auf Antwort von mir zu warten? Aber gleich online bleiben und mit ihm chatten? Nee, heute nicht! Morgen werde ich ihm schreiben! Wir wollen ja nicht gleich übertreiben, gell?Den ganzen Tag kann ich mich zurück halten! Irgendwie kommt mir das alles immer noch sehr merkwürdig vor! Aber gleichzeitig ist es auch irgendwie aufregend! Aber egal was ich heute auch anfange, ich kann mich nicht wirklich konzentrieren! Immer wieder schweifen meine Gedanken ab.

Schön spät, damit ich nicht gleich von ihm im Chat angeschrieben werde, verfasse ich folgende Nachricht:

22:53 

Doro Döppner

Hallo neuer Freund, ich freue mich immer über neue Nachrichten meiner Freunde, doch bei Ihnen frage ich mich jedes Mal, warum ich? Erzählen Sie mir bitte mehr! Wie kann ein so gutaussehender Mann nach einer Frau auf Facebook suchen müssen? Das verunsichert mich, meine Gefühle sind etwas chaotisch geworden! Schlafen Sie gut, und schöne Träume...... 

Dann gehe ich wieder mit meinem Krimi ins Bett und versuche, zu lesen. Aber ich kann mich heute Abend immer noch nicht konzentrieren! Immer wieder schweifen meine Gedanken zu meinem mysteriösen Verehrer ab! Aber wirklich an alles glauben kann ich noch immer nicht! Irgendwann wird der große Haken zutage kommen! Ganz bestimmt!

Aber meinen Krimi lege ich jetzt weg! Bringt heute einfach nichts! Aber vielleicht kann ich ja schon schlafen, und vielleicht auch ein wenig von ihm träumen!

6. Juli 2013 

Hm, schade! Da kann ich immer wieder gucken soviel ich will, da kommt heute nichts von ihm! Aber ich werde den Tag auch ohne ihn über die Runden bringen, es kommt mir nur alles so ekelhaft langweilig vor! Auch im Fernsehen gibt’s wieder nur Schrott und Wiederholungen! Ach Mensch! Ich hab den Frust!

Ich glaube ich muss mir mal die Vertrauensfrage stellen! Das kann doch nicht normal sein! Da schreibt mich ein attraktiver Mann an und ich stelle mich an wie ein verliebter Teenager! Total bescheuert! Und obwohl es mir doch eigentlich klar ist dass das nicht mit rechten Dingen zugehen kann habe ich kleine Schmetterlinge im Bauch wenn ich an ihn denke! Hatte ich mächtig lange nicht mehr! Irgendwie doch ein schönes, aufregendes Gefühl! Und wer weiß? Ich erwische mich immer häufiger dabei dass ich mit offenen Augen träume! Und das in meinem weisen Alter! Verrückt!

Kapitel 4

7. Juli 2013 

Auch heute passiert absolut nichts! Außer dass ich immer unruhiger werde! Und ich bin mir gar nicht wirklich sicher wem ich diese Unruhe zu verdanken habe! Immer klarer wird mir nur dass die Wunden meiner längst abgeschlossenen Ehe endlich vernarbt sind! Ich fühle mich endlich, nach so vielen Jahren, wieder lebendig!

8. Juli 2013 

Ich konnte letzte Nacht nicht richtig schlafe und stehe für meine Verhältnisse ungewöhnlich früh auf. Und ich kann es nicht glauben, ich habe Post!

8:16 

Jame Brown

Guten Morgen liebe wie war deine Nacht, hoffe bei euch ist alles gut, ist ein schöner Morgen heute ich bin weg, jetzt zu arbeiten, was machst du da, ich bin froh, um Ihre Mails zu lesen, bin ich sehr damit beschäftigt war, während der Woche Ende,, i, Sie auf Linie zu sehen heute hoffen, haben einen schönen Tag 

Na, der sitzt ja auch schon früh am Rechner! Im Büro ist er also schon. Ob er keine Angst hat dass sein Chef ihn erwischt wenn er fremden Frauen schreibt?

Ist ja mehr als interessant sein Deutsch! Duzt er mich jetzt oder sind wir doch noch beim Sie? Und jetzt ist er also auf seiner Arbeitsstelle! Was er wohl beruflich macht? Na ja, wie er ja schon schreibt werde ich mir erst einmal einen schönen Tag und auch gleich einen kleinen Spaziergang machen, um diese Zeit ist es wenigstens noch nicht so heiß! Dann nachher ein wenig fernsehen und dann, wenn ich Lust habe, werde ich ihm antworten! Und vielleicht bleibe ich dann sogar online, oder, wie er so nett meint, auf Linie bleiben!

Aber es ist schon komisch wie ich mich über diese paar Zeilen freue! Vielleicht bin ich auch einfach nur schon viel zu lange unbemannt! Ich muss wirklich mal was an meinem Leben ändern und wieder mehr unter die Leute gehen. Warum fällt mir erst jetzt auf dass ich die ganzen letzten Jahre kaum aus dem Haus gegangen bin? Und dann reißt mich so ein Schönling einfach aus meinem Schneckenhaus! Tja, es musste ja einmal etwas in meinem Leben passieren, aber gleich so etwas?

So, und jetzt fällt mir nichts anderes mehr ein womit ich mich auf andere Gedanken bringen könnte! Also setze ich mich mit gemischten Gefühlen an den Rechner, denn jetzt bin ich bereit für eine mehr oder weniger direkte Konfrontation! Bin ja mal gespannt was das dann so ergibt!

16:33 

Doro Döppner

Hallo Jame, ja danke, ich kann den schönen Tag genießen! Ich muss im Moment noch nicht wieder arbeiten, bin erst vor knapp 3 Wochen operiert worden. Geht mir aber trotzdem gut! Online bei Facebook bin ich eigentlich sehr selten, werde es jetzt aber einfach mal hier online bleiben! Bis später? 

19:30

Na Schätzchen, jetzt ist es aber schon ganz schön viel später! Noch eine halbe Stunde und ich werde den Rechner runter gefahren!

Ich habe fast nicht mehr mit ihm gerechnet, doch plötzlich bekomme ich eine Direkt-Nachricht im Chat!

20:19 

Jame Brown

guten Abend liebe wie geht es dir, ich wünsche Ihnen Gesundheit stark auf Ihrem Chirurgie, dich in Ordnung sein, i immer meist auf Linie bei Nacht,, dass, wenn ich zurück bin aus dem Amt, hoffen Sie auf Linie zu sehen, so dass wir mehr reden kann ist, haben eine wunderbare Nachtruhe lieber 

Wirklich Lust ihm sofort zu antworten habe ich jetzt nicht wirklich! So wie er schreibt muss er ja wohl Beamter sein! Vielleicht ist er sogar ein richtiger Langweiler! Außerdem hat gerade der Krimi angefangen und dann dieser Wortsalat! Das muss man ja drei Mal lesen bevor man den Sinn versteht!Ach Mensch, nee, lass mich mal schön in Ruhe! Morgen ist auch noch ein Tag! Ich habe heute einfach keine Lust mehr mich verarschen zu lassen! Der ist doch verrückt!

Unruhig wälze ich mich von einer Seite auf die andere, ich bin schrecklich unruhig! Woran liegt das nur? Ich kann einfach nicht schlafen, dann stehe ich wieder auf und gehe noch einmal online. Um diese Zeit schläft er ja vielleicht schon, oder ist die Nacht für ihn noch jung? Nein, er scheint schon abgetaucht zu sein. Na gut, dann bekommt er wenigstens noch eine kurze Nachricht!

00:21 

Doro Döppner