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Hämatologie und Onkologie E-Book

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Beschreibung

Hämatologie und Onkologie im klinischen Bild: eine fallorientierte Darstellung -Mit welchen Symptomen stellt sich der Patient vor? -Wie sehen die wesentlichen Laborparameter bei Aufnahme aus? -Welche (Sofort)Maßnahmen stehen an? -Was ist bei dem jeweiligen Krankheitsbild besonders zu beachten? Der Werkzeugkasten: konkrete Handlungsanleitungen für die Therapie -Welche Therapieoptionen gilt es abzuwägen? -Wichtige Scores, Leitlinien und Empfehlungen? -Individualisierte Therapieschemata -Welches Material wird für das jeweilige Therapieverfahren benötigt? Hintergrundwissen zu allen wichtigen hämatologischen und onkologischen Erkrankungen - Epidemiologische Daten und Pathomechanismen - Differenzialdiagnostische Überlegungen - Gibt es besondere Therapieformen? - Hinweise auf aktuelle und künftige Entwicklungen Jederzeit zugreifen: Der Inhalt des Buches steht Ihnen ohne weitere Kosten digital in der Wissensplattform eRef zur Verfügung (Zugangscode im Buch). Mit der kostenlosen eRef App haben Sie zahlreiche Inhalte auch offline immer griffbereit.

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Seitenzahl: 1334

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Hämatologie und Onkologie

Fallorientierte Darstellung – rationale Diagnostik und Therapie

Karl-Anton Kreuzer, Jörg Beyer

Christopher Bangard, Julia Benckert, Thomas Berg, Peter Karl Bode, Beata Bode-Lesniewska, Ralph Braun, Alexander Bunck, Andreas Burchert, Richard Cathomas, Antonio Cozzio, Maria De Santis, Konstantin Dedes, Jil Dreier, Reinhard Dummer, Barbara Eichhorst, Daniel Fink, Mareike Franke, Norbert Frickhofen, Martin Früh, Michael Fuchs, Oliver Gautschi, Aristoteles Giagounidis, Silke Gillessen, Bertram Glaß, Nicola Gökbuget, Hartmut Goldschmidt, Martin Griesshammer, Viktor Grünwald, Wiebke Gulden-Sala, Martin Hildebrandt, Günther F.L. Hofbauer, Gerhard Huber, Patrick Imesch, Franziska Jahn, Karin Jordan, Dieter Köberle, Alwin Krämer, Utz Krug, Cornelia Leo, Harald Löffler, Anja Lorch, Rolf Mahlberg, David C. Maintz, Frank Mayer, Georgia Metzgeroth, Benjamin Misselwitz, Andreas Neubauer, Helmut Oettle, Thorsten Persigehl, Bernhard Pestalozzi, Bernd Pötzsch, Michael Püsken, Peter Reichardt, Peter Reimer, Andreas Reiter, Tamara Rordorf, Alexander Röth, Panagiotis Samaras, Niklaus Schaefer, Ernst Späth-Schwalbe, Judith Eva Spiro, Michael Stahl, Frank Stenner, Imke Strohscheer, Gabriela Studer, Roger Stupp, Stefan Weiler, Thomas Winder

2016

205 Abbildungen

Widmung

Herrn Prof. Dr. med. Dieter Huhn (1935–2011) in Dankbarkeit gewidmet

Geleitwort

Mit dem vorliegenden Buch Hämatologie und Onkologie: Fallorientierte Darstellung – rationale Diagnostik und Therapie schließen die beiden Herausgeber Karl-Anton Kreuzer und Jörg Beyer eine Lücke in der Lehrbuchliteratur zum Fach der Hämatologie und Onkologie. Ursprünglich war dieses Buch geplant als erweiterte und aktualisierte Auflage des Buches Internistische Onkologie (Wilmanns, Huhn, Wilms), die gemeinsam mit Prof. Huhn herausgegeben werden sollte. Sein unerwarteter Tod hatte dies leider verhindert. Daraufhin haben die Herausgeber mit dem Thieme Verlag eine völlige Neukonzeption besprochen, die der veränderten Bedeutung von Büchern in der Zeit der elektronischen Informationen Rechnung trägt.

In sehr übersichtlichen und didaktisch anspruchsvoll gehaltenen Kapiteln werden nicht nur die pathogenetischen Zusammenhänge und medizinischen Prinzipien dargestellt, sondern es werden vor allem im Teil 2 praxisrelevante Informationen im Sinne einer Toolbox dargestellt, angefangen von den diagnostischen Methoden in der Hämatologie bis hin zu den Notfällen oder der psychosozialen Betreuung. Die Kapitel enthalten außerdem an verschiedenen Stellen eine symptombezogene Darstellung von Problemen in der Hämatologie und Onkologie, die es den Lesern, Studierenden wie Ärzten erlauben, sich anhand von bestimmten Symptomen in die Problematik einzuarbeiten. Zu vielen Kapiteln gibt es dabei Fallbeispiele, welche das symptomorientierte Lernen unterstützen und vertiefen helfen. Auch die prägnante und sehr übersichtliche Darstellung macht es leicht, die Inhalte in kurzer Zeit zu erfassen und wesentliche Dinge aufzunehmen. Ich wünsche diesem Werk die Verbreitung und den Erfolg, den es verdient.

Köln, 23. Oktober 2015

Prof. Dr. Michael Hallek

Vorwort

Der Wissensstand in der Hämatologie und Internistischen Onkologie hat in den letzten Jahren einen nahezu exponentiellen Zuwachs erfahren, ein Ende dieser dynamischen Entwicklungsphase ist noch nicht in Sicht.

Zunächst sind enorme Fortschritte bei der Diagnostik hämatologischer und onkologischer Erkrankungen zu verzeichnen. Vor allem molekulare Techniken und moderne bildgebende Verfahren haben dazu beigetragen, dass Krankheiten früher diagnostiziert, präziser eingeordnet, zuverlässiger in ihrem Verlauf und bezüglich ihrer individuellen Prognose besser beurteilt werden können.

Die Verfeinerung operativer Techniken, neue Verfahren in der Strahlenheilkunde und Fortschritte auf dem Gebiet der interventionellen Radiologie haben einen großen Beitrag zur Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten in unserer Disziplin geleistet.

Gleichzeitig konnten Innovationen bei der medikamentösen Behandlung Erfolge erzielen. Beispielhaft sei hier die erfolgreiche Einführung zahlreicher neuer Wirksubstanzen erwähnt, wie zielgerichtete Therapien mit kleinen Molekülen (so genannte „targeted therapies“), mit Antikörpern oder mit neuen, das Immunsystem aktivierenden Substanzen (so genannte „checkpoint inhibitors“). Nicht zu unterschätzen sind jedoch auch die vielen supportiven Maßnahmen, welche Krebsbehandlungen sicherer und erträglicher machen, und Betroffene vor allem am Lebensende wirksamer unterstützen.

Mit verbesserten Heilungsaussichten wird bei einigen Erkrankungen die Prognose zunehmend von unerwünschten (Spät-)Folgen der Behandlung bestimmt. Aus diesem Grunde steht inzwischen die Verringerung von Akut- und Langzeittoxizitäten im Fokus onkologischen Bemühens. Mehr noch als in den vergangenen Jahren ist der Mensch in den Mittelpunkt unseres Handelns gerückt. Das kalendarische Alter spielt bei klinischen Entscheidungen gegenüber körperlicher Fitness und Komorbiditäten eine zunehmend geringere Rolle. Hier stehen wir jedoch noch am Anfang einer systematischen Erfassung. Die Therapie von Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter ist angesichts des demographischen Wandels in Mitteleuropa von großer Bedeutung.

Trotz unbestrittener Fortschritte in der Onkologie bleiben viele Krebserkrankungen unheilbar. Dies sollte uns jedoch nicht deprimieren und erst recht nicht zu therapeutischem Fatalismus verführen. Jeder zusätzliche lebenswerte Tag, den wir für unsere Patienten gewinnen, jede Linderung von Leid sind unsere Mühen wert und bringen uns dem Ziel ein Stück näher, Krebserkrankungen ihren Schrecken zu nehmen.

Köln und Zürich im Februar 2016

Karl-Anton Kreuzer, Jörg Beyer

Abkürzungen

18

F-FDG 

radioaktive Fluorodeoxyglucose

5-FU 

5-Fluorouracil

5-HT

3

-RA 

5-HT

3

-Rezeptor-Antagonisten

6-MP 

6-Mercaptopurin

90

radioaktives Yttrium

AA 

aplastische Anämie

aaIPI 

altersadjustierter internationaler prognostischer Index

AC 

Adenokarzinom

AC 

adjuvante Chemotherapie

aCML 

atypische chronische myeloische Leukämie

ACTH 

adrenokortikotropes Hormon

ADH 

antidiuretisches Hormon

ADT 

Androgen Deprivation Therapy, Androgenablation

AFP 

α-Fetoprotein

AGO 

Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie

aHUS 

atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom

AI 

Aromatase-Inhibitor

AIHA 

autoimmunhämolytische Anämie

AILT 

angioimmunoblastisches T-Zell-Lymphom

ALCL 

anaplastisches großzelliges T-Zell-Lymphom

ALK 

anaplastische Lymphomkinase

ALL 

akute lymphatische Leukämie

ALM 

akrolentiginöses Melanom

ALND 

axilläre Lymphonodektomie

ALP 

alkalische Leukozytenphosphatase

ALT 

Alanin-Aminotransferase

AMA 

antimitochondriale Antikörper

AMG 

Arzneimittelgesetz

AML 

akute myeloische Leukämie

AMLCG 

Acute Myeloid Leukemia Cooperative Group

ANA 

antinukleäre Antikörper

ANCA 

antineutrophile zytoplasmatische Antikörper

AP 

alkalische Phosphatase

ap 

anteroposterior

APA 

Antiphospholipid-Antikörper

APC 

aktiviertes Protein C

APL 

akute Promyelozytenleukämie

APS 

Antiphospholipid-Syndrom

aPTT 

aktivierte partielle Thromboplastinzeit

AR 

Androgenrezeptor

AS 

Active Surveillance (Therapiestrategie beim Prostatakarzinom)

ASM 

aggressive systemische Mastozytose

ASS 

Azetylsalizylsäure

AST 

Aspartat-Aminotransferase

AT 

Antithrombin

ATG 

Anti-Thymozyten-Globulin

ATO 

Arsentrioxid

ATRA 

All-trans-Retinsäure

BAL 

bronchioloalveoläre Lavage

BCC 

Basalzellkarzinom

BET 

brusterhaltende Therapie

BL 

Burkitt-Lymphom

BMF 

Bone Marrow Failure, Knochenmarkinsuffizienz

B-PLL 

B-Zell-Prolymphozytenleukämie

BSC 

Best supportive Care

BSS 

Bernard-Soulier-Syndrom

CC 

Cholangiokarzinom

cc 

kraniokaudal

CEA 

karzinoembryonales Antigen

CEL 

chronische Eosinophilenleukämie

CEL-NOS 

chronische Eosinophilenleukämie, not otherwise specified

CgA 

Chromogranin A

cHL 

klassisches Hodgkin-Lymphom

CID 

chemotherapieinduzierte Diarrhö

CIN 

zervikale intraepitheliale Neoplasie

CINV 

Chemotherapy induced Nausea and Vomiting, chemotherapieinduzierte Übelkeit und Erbrechen

CIPN 

chemotherapieinduzierte periphere Neuropathie

CIS 

Carcinoma in situ

CLL 

chronische lymphatische Leukämie

CM 

kutane Mastozytose

CML 

chronische myeloische Leukämie

CMML 

chronische myelomonozytäre Leukämie

CMV 

Zytomegalievirus

CR 

komplette Remission

CRD 

chronisch entzündliche Darmerkrankung

CRM 

zirkumferenzieller Resektionsrand

CRP 

C-reaktives Protein

CRPC 

Castration-resistant Prostate Cancer

CRT 

Chemoradiotherapie

CsA 

Cyclosporin A

CT 

Computertomografie

CTC 

Common Toxicity Criteria

CTX 

Chemotherapie

CUP 

Cancer of unknown Primary

CVID 

Common variable Immunodeficiency, variables Immundefektsyndrom

DAPI 

4ʼ,6-Diamidino-2-phenylindol

DAT 

direkter Antiglobulintest

DC 

Dyskeratosis congenita

DCIS 

duktales Carcinoma in situ

DDAV 

Desamino-8-D-Argininovasopressin

DEB 

Drug-eluting Beads

DGP 

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin

DHPV 

Deutscher Hospiz- und Palliativverband

DIC 

Disseminated intravascular Coagulation, disseminierte intravasale Gerinnung

DIEP-Flap 

deep inferior epigastric Perforators Flap

DLBCL 

Diffuse large B-Cell Lymphoma, diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom

DMSO 

Dimethylsulfoxid

DNA 

Desoxyribonukleinsäure

DNR 

Do not resuscitate

DPD 

Dicarboxypropan-diphosphonat

dRVVT 

diluted Russelʼs Viper Venom Test

DSNB 

dynamische Sentinel-Lymphknoten-Biospie

DTIC 

Dacarbazin

EABV 

effektives arterielles Blutvolumen

EBNA 

nukleäres Antigen des Epstein-Barr-Virus

EBRT 

External Beam Radiation Therapy, externe Strahlentherapie

EBTM 

European Society for Blood and Marrow Transplantation

EBUS 

endobronchialer Ultraschall

EBV 

Epstein-Barr-Virus

ECL 

enterochromaffine Zellen

ECOG 

Eastern Cooperative Oncology Group

EGFR 

Epidermal Growth Factor Receptor, epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor

eGFR 

geschätzte glomeruläre Filtrationsrate

EGIL 

European Group for the Immunological Classification of Leukemias

EKG 

Elektrokardiografie

ELISA 

Enzyme-linked Immunosorbent Assay

EMA 

Europäische Arzneimittelzentrale

EPO 

Erythropoetin

EPP 

extrapleurale Pneumonektomie

EPRP 

externe perkutane Radiotherapie der Prostata

ER 

Östrogenrezeptoren

ERC 

endoskopisch retrograde Cholangiografie

ERCP 

endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikografie

ESD 

endoskopische Submukosadissektion

ESMO 

European Society for Medical Oncology

ESR 

Blutsenkungsgeschwindigkeit, Erythrozytensedimentationsrate

ET 

essenzielle Thrombozythämie

EUS 

transösophagealer Ultraschall

EZV 

Extrazellulärvolumen

FAP 

familiäre adenomatöse Polyposis

FDG 

Fluordeoxyglucose

FEIBA 

Factor Eight Bypassing Activity

FGFR1 

Fibroblast Growth Factor Receptor 1

FISH 

Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung

FLIPI 

Follicular Lymphoma International Prognostic Index

Flu 

Fludarabin

FN 

febrile Neutropenie

FNH 

fokale noduläre Hyperplasie

FNP 

Feinnadelpunktion

FSH 

follikelstimulierendes Hormon

FUO 

Fever of unknown Origin, Fieber unbekannter Ursache

Gauge

G6PD 

Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase

GBA 

Gemeinsamer Bundesausschuss

G-CSF 

Granulozyten-koloniestimulierender Faktor, Granulocyte-Colony Stimulating Factor

GEP 

Genexpressionsprofiling

GHSG 

German Hodgkin Lymphoma Study Group

GIST 

gastrointestinaler Stromatumor

GLUT-1 

Glukose-Transporter 1

GMALL 

German Multicenter Study Group on Adult Acute Lymphoblastic Leukemia

GnRH 

Gonadotropin-Releasing-Hormon

GPI 

Glycosylphosphatidylinositol

GT 

Glanzmann-Thrombasthenie

GvHD 

Graft-versus-Host Disease

GvL 

Graft-versus-Leukemia

Gy 

Gray

HAART 

hochaktive antiretrovirale Therapie

HAL 

HIV-assoziierte Lymphome

HBV 

Hepatitis-B-Virus

HCC 

hepatozelluläres Karzinom

HCD 

Heavy Chain Disease

HCG 

humanes Choriongonadotropin

HCL 

Haarzell-Leukämie

HCLv 

Haarzell-Leukämie-Variante

HCV 

Hepatitis-C-Virus

HDCT 

Hochdosischemotherapie

HDT 

Hochdosistherapie

HE 

Hypereosinophilie

HELLP 

Hemolysis, elevated Liver Enzymes, low Platelet Count

HES 

hypereosinophiles Syndrom

HEUS 

Hypereosinophilie unklarer Signifikanz

HIFU 

hochfrequenter fokussierter Ultraschall

HIPA 

heparininduzierter Plättchenaktivierungstest

HIT 

heparininduzierte Thrombozytopenie

HLZ 

Hyperleukozytose

HMWK 

High molecular Weight Kininogen

HNPCC 

Hereditary non-Polyposis colorectal Cancer, hereditärer Darmkrebs

HNSCC 

Head and Neck Squamous Cell Carcinoma

HPF 

High Power Field

HPV 

humanes Papillomavirus

HR-CT 

High-Resolution-Computertomografie

HTLV1 

humanes T-Zell-Leukämie-Virus Typ 1

HUS 

hämolytisch-urämisches Syndrom

i.v. 

intravenös

IAC 

IgG4-assoziierte Cholangitis

IDH 

Isocitrat-Dehydrogenase

IDUS 

intraduktaler Ultraschall

IF 

Involved Field

IFN 

Interferon

IF-RT 

Involved-Field-Radiotherapie

IIT 

Investigator initiated Trial

IL 

Interleukin

IMRT 

intensitätsmodulierte Radiotherapie

INR 

International normalized Ratio

IORT 

intraoperative Radiotherapie

IPI 

internationaler prognostischer Index

IS 

immunsuppressive Therapie

ISM 

indolente systemische Mastozytose

ISTH 

International Society of Thrombosis and Haemostasis

ITP 

Immunthrombozytopenie

IUIS 

International Union of Immunological Societies

JMML 

juvenile myelomonozytäre Leukämie

keV 

Kiloelektronenvolt

KG 

Körpergewicht

kHz 

Kilohertz

KM 

Knochenmark

KMT 

Knochenmarktransplantation

KOF 

Körperoberfläche

lat 

lateral

LBL 

lymphoblastisches Lymphom

LCH 

Langerhans-Zell-Histiozytose

LDCT 

Low-Dose-Computertomografie

LDH 

Laktatdehydrogenase

LEMS 

Lambert-Eaton-myasthenisches-Syndrom

LGL 

Large granular Lymphocytes

LITT 

laserinduzierte Thermotherapie

LK 

Lymphknoten

LKM-AK 

Leber-Nieren-Mikrosomen-Antikörper

LLN 

Lower Limit of Normal, Untergrenze des Normbereichs

LMM 

Lentigo-maligna-Melanom

LOH 

Loss of Heterozygosity

LPD 

Lymphoproliferative Disease, lymphoproliferative Erkrankungen

LVSI 

Lymph-vascular Space Involvement, Einbruch in Lymphgefäße

MAA 

makroaggregiertes Albumin

MAPK 

Mitogen-activated Protein Kinase

MBL 

monoklonale B-Zell-Lymphozytose

MCH 

Mean corpuscular Hemoglobin

MCL 

Mastzellleukämie

mCRPC 

Metastatic Castration-resistant Prostate Cancer, kastrationsresistentes metastasiertes Prostatakarzinom

MCV 

Mean corpuscular Volume

MDS 

myelodysplastisches Syndrom

MDS-U 

unklassifiziertes myelodysplastisches Syndrom

MEN 

multiple endokrine Neoplasie

MeV 

Megaelektronenvolt

MGUS 

monoklonale Gammopathie unbekannter Signifikanz

MHz 

Megahertz

MIBG 

Metajodobenzylguanidin

MLN-Eo 

myeloische/lymphatische Neoplasien mit Eosinophilie

mlo 

mediolateraloblique

MM 

multiples Myelom

MPM 

malignes Pleuramesotheliom

MPN 

myeloproliferative Neoplasie

MPN-Eo 

eosinophilieassoziierte myeloproliferative Neoplasien

MPN-U 

unklassifizierte myeloproliferative Neoplasie

MPV 

Mean Platelet Volume, mittleres Thrombozytenvolumen

MRCP 

Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie

MRD 

Minimal residual Disease, minimale Resterkrankung

MRT 

Magnetresonanztomografie

MSI 

Mikrosatelliteninstabilität

mSV 

Millisievert

MTP 

Muramyl-Tripeptid-Phosphatidylethanolamin

MTX 

Methotrexat

MUD 

Matched unrelated Donor

MV 

Megavolt

MWA 

Mikrowellenablation

NAC 

neoadjuvante Chemotherapie

NAFLD 

Non-alcoholic fatty Liver Disease, nichtalkoholische Fettlebererkrankung

NASH 

nichtalkoholische Steatohepatitis

NCC 

Nierenzellkarzinom

nCR 

Near complete Remission

NE 

α-Naphthyl-Esterase

NEC 

neuroendokrine Karzinome

NEC 

nicht erythrozytäre Zellfraktion

NET 

neuroendokriner Tumor

NHL 

Non-Hodgkin-Lymphom

NK-1-RA 

Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonisten

NK-Zellen 

natürliche Killerzellen

NLPHL 

noduläres lymphozytenprädominantes Hodgkin-Lymphom

NOA 

neue orale Antikoagulanzien

NPC 

Nasopharynxkarzinom

NSAR 

nichtsteroidale Antirheumatika

NSCLC 

Non-Small Cell Lung Cancer, nichtkleinzelliges Bronchuskarzinom

NSE 

neuronenspezifische Enolase

NSEM 

Nichtseminome

NSF 

nephrogene systemische Fibrose

OBI 

On Board Imaging

ÖGD 

Ösophagogastroduodenoskopie

ÖGÜ 

ösophagogastraler Übergang

OPG 

Orthopantomogramm

OS 

Overall Survival, Gesamtüberleben

pa 

posteroanterior

pANCA 

perinukleäre antineutrophile zytoplasmatische Antikörper

PAS 

Periodschiffsäure

PBC 

primär biliäre Zirrhose

PBL 

plasmablastisches Lymphom

PBSCT 

Peripheral Blood Stem Cell Transplant, periphere Stammzelltransplantation

PC 

Protein C

PCA 

Patient-controlled Analgesia

PCa 

Prostatakarzinom

PCD 

paraneoplastische zerebelläre Degeneration

PCO 

polyzystische Ovarien

PCR 

Polymerase Chain Reaction, Polymerase-Kettenreaktion

PCT 

Prokalzitonin

PDGFRA 

Platelet Growth Factor Receptor A

PDGFRB 

Platelet Growth Factor Receptor B

PDT 

fotodynamische Therapie

PEG 

perkutane endoskopische Gastrostomie

PEI 

Paul-Ehrlich-Institut

PEI 

perkutane intratumorale Ethanolinjektion

PEJ 

perkutane endoskopische Jejunostomie

PES 

Postembolisations-Syndrom

PET 

Positronenemissionstomografie

PET-CT 

Positronenemissions-Computertomografie

PFA 

Platelet Function Analyser

PFO 

persistierendes Foramen ovale

PFS 

Progression-free Survival, progressionsfreies Überleben

PFÜ 

progressionsfreies Überleben

PgR 

Progesteronrezeptoren

PI3K 

Phosphoinositol-3-Kinase

PIN 

prostatische intraepitheliale Neoplasie

PJP 

Pneumocystis-jiroveci-Pneumonie

PKK 

Präkallikrein

PMF 

primäre Myelofibrose

PNET 

primitive neuroektodermale Tumoren

PNH 

paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie

POX 

Myeloperoxidase

PPI 

Protonenpumpeninhibitoren

PPSB 

Komplexpräparat aus FII (Prothrombin), FVII (Proakzelerin), FX (Stuart-Prower-Faktor), FIX (antihämophiles Globulin B)

PR 

partielle Remission

PRRT 

Peptid-Rezeptor-Radionuklid-Therapie

PS 

Performance-Status

PS 

Protein S

PSA 

prostataspezifisches Antigen

PSC 

primär sklerosierende Cholangitis

PTCD 

perkutane transhepatische Cholangiodrainage

PTH 

Parathormon

PTHrP 

Parathyroid Hormone-related Peptide, parathormonverwandtes Protein

PTLD 

posttransplantationslymphoproliferative Erkrankungen

PTT 

partielle Thromboplastinzeit

PTZL NOS 

peripheres T-Zell-Lymphom, unspezifiziert

PTZN 

periphere T- und NK-Zell-Neoplasien

PV 

Polycythaemia vera

PVA 

Polyvinylalkohol

RA 

refraktäre Anämie

RAEB 

refraktäre Anämie mit Blastenvermehrung

RARS 

refraktäre Anämie mit Ringsideroblasten

RCDU 

refraktäre Zytopenie mit unilineärer Dysplasie

RCMD 

refraktäre Zytopenie mit multilineärer Dysplasie

RCT 

Radiochemotherapie

RDW 

Red Blood Cell Distribution Width, Erythrozytenverteilungsbreite

RFA 

Radiofrequenzablation

RINV 

Radiotherapy induced Nausea and Vomiting, radiotherapieinduzierte Übelkeit und Erbrechen

RIT 

Radioimmuntherapie

RN 

refraktäre Neutropenie

RNA 

Ribonukleinsäure

ROSE 

Rapid on-site Evaluation

RöV 

Röntgenverordnung

rPVE 

radikale Prostatovesikulektomie

RT 

Radiotherapie

RT 

refraktäre Thrombozytopenie

RTK 

Rezeptortyrosinkinase

RT-PCR 

Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion

SAAG 

Serum-Aszites-Albumin-Gradient

SCC 

spinozelluläres Karzinom

SCC 

Squamous Cell Carcinoma, Plattenepithelkarzinom

SCF 

Stammzellfaktor

SCID 

Severe combined Immunodeficiency, schwerer kombinierter Immundefekt

SCLC 

Small Cell Lung Cancer, kleinzelliges Bronchialkarzinom

SE 

Spin-Echo

SEER 

Surveillance, Epidemiology and End Results Program

SEM 

Seminome

SERM 

selektiver Östrogenrezeptor-Modulator

SIADH 

Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion

SIRT 

selektive interne Radiotherapie

SK 

seborrhoische Keratose

SLA/LP-AK 

Soluble Liver Antigen/Leber-Pankreas-Antigen-Antikörper

SLNB 

Sentinel Lymph Node Biopsy, Sentinel-Lymphknoten-Biopsie

SM 

systemische Mastozytose

SMA 

Smooth Muscle Antigen, Antikörper gegen glatte Muskelfasern

SM-AHNMD 

systemische Mastozytose mit assoziierter hämatologischer Nicht-Mastzell-Linien-Erkrankung

SMM 

Smoldering multiple Myeloma

SP 

saure Phosphatase

SRE 

Skeletal-related Events

SSM 

Smoldering systemische Mastozytose

SSM 

superfiziell spreitendes Melanom

SSRI 

Selective Serotonin Reuptake Inhibitor, selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer

SSTR 

Somatostatinrezeptor

STIKO 

Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut

SZT 

Stammzelltransplantation

TAC 

transarterielle Chemotherapie

TACE 

transarterielle Chemoembolisation

TAE 

transarterielle Embolisation

TBI 

Total Body Irradiation, Ganzkörperbestrahlung

TCR 

T-Zell-Rezeptor

TDD 

Target Drug Delivery

TER 

reife Teratome

TF 

Tissue Factor

TKI 

Tyrosinkinase-Inhibitor

TMA 

thrombotische Mikroangiopathie

TME 

totale mesorektale Exzision

TMG-Flap 

Transverse myocutaneous Gracilis Flap

TNF 

Tumornekrosefaktor

TNM 

Klassifikation maligner Tumoren (Tumor, Lymphknoten, Metastasen)

t-PA 

Tissue-type Plasminogen Activator, gewebespezifischer Plasminogenaktivator

TPO 

Thrombopoetin

TPS 

Treatment Planning System

TPZ 

Thromboplastinzeit

TRAM-Flap 

Transverse Rectus abdominis myocutaneous Flap

TRT 

thorakale Radiotherapie

TRUS 

transrektaler Ultraschall

TSH 

Thyreoidea-stimulierendes Hormon

TTP 

thrombotisch-thrombozytopenische Purpura

TURP 

transurethrale Resektion der Prostata

TVT 

tiefe Beinvenenthrombose

TXA 

Tranexamsäure

UFH 

unfraktioniertes Heparin

UICC 

International Union Against Cancer

ULN 

Upper Limit of Normal, Obergrenze des Normbereichs

ULvWF 

ultralange von-Willebrand-Multimere

VAS 

visuelle Analogskala

VATS 

Video-assisted thoracoscopic Surgery, videoassistierte thorakoskopische Chirurgie

VCA 

virales Capsid-Antigen

VEGF 

Vascular endothelial Growth Factor, vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor

VHL 

von-Hippel-Lindau-Syndrom

VIP 

vasoaktives intestinales Polypeptid

vWE 

von-Willebrand-Erkrankung

vWF 

von-Willebrand-Faktor

WBC 

White Blood Cells

WHO 

Weltgesundheitsorganisation

WM 

Waldenström-Makroglobulinämie

XLT 

X-chromosomale Thrombozytopenie

ZNS 

Zentralnervensystem

γ-GT 

Gamma-Glutamyl-Transferase

μl 

Mikroliter

Inhaltsverzeichnis

Widmung

Geleitwort

Vorwort

Abkürzungen

Teil I Hämatologie und Onkologie im klinischen Bild

1 Hämatologie

1.1 Blutbildveränderungen

1.1.1 Leukozytose

1.1.2 Leukozytopenie

1.1.3 Polyglobulie

1.1.4 Anämie

1.1.5 Thrombozytose

1.1.6 Thrombozytopenie

1.2 Lymphadenopathie

1.2.1 Diagnostisches Vorgehen

1.2.2 Ursachen

1.2.3 Fallbeispiele

1.3 Splenomegalie

1.3.1 Fallbeispiele

1.4 B-Symptome

1.4.1 Unklarer Gewichtsverlust

1.4.2 Unklares Fieber

1.4.3 Nachtschweiß

1.4.4 Fazit für die Praxis

1.5 Sonstige Manifestationen

1.5.1 Hautmanifestationen

1.5.2 Neurologische Manifestationen

1.6 Venöse Thrombose und Thrombophilie

1.6.1 Symptome der venösen Thrombose

1.6.2 Symptome der Thrombophilie

1.6.3 Diagnostisches Vorgehen

1.6.4 Fallbeispiele

1.7 Hämorrhagische Diathesen

1.7.1 Angeborene hämorrhagische Diathesen

1.7.2 Erworbene hämorrhagische Diathesen

1.8 Literatur

2 Onkologie

2.1 Krebsscreening – Mammakarzinom

2.1.1 Epidemiologie

2.1.2 Risikofaktoren

2.1.3 Mammografie-Screening

2.1.4 Zusammenfassung

2.2 Schmerzloser Ikterus

2.2.1 Diagnostisches Vorgehen

2.2.2 Fallbeispiele

2.3 Schluckstörung (Dysphagie)

2.3.1 Einteilung und Ursachen

2.3.2 Diagnostik

2.3.3 Fallbeispiel

2.4 Heiserkeit

2.4.1 Ursachen

2.4.2 Diagnostik

2.4.3 Fallbeispiel

2.5 Husten

2.5.1 Ursachen und Einteilung

2.5.2 Diagnostik

2.5.3 Fallbeispiel

2.6 Obere Einflussstauung

2.6.1 Ursachen

2.6.2 Diagnostik und Therapie

2.6.3 Fallbeispiel

2.7 Knoten in der Brust

2.7.1 Diagnostik

2.7.2 Fallbeispiele

2.7.3 Fazit für die Praxis

2.8 Aszites

2.8.1 Diagnostik

2.8.2 Therapie

2.9 Stuhlunregelmäßigkeiten

2.9.1 Symptomatik

2.9.2 Diagnostik

2.10 Hämaturie

2.10.1 Definitionen und Anamnese

2.10.2 Diagnostik

2.10.3 Ursachen

2.10.4 Fallbeispiel

2.11 Rückenschmerzen

2.11.1 Epidemiologie und Ursachen

2.11.2 Diagnostik

2.11.3 Fallbeispiel

2.12 Hyperkalzämie

2.12.1 Ursachen

2.12.2 Diagnostik und Therapie

2.12.3 Fallbeispiele

2.13 Der suspekte Nävus

2.13.1 Einleitung und Definitionen

2.13.2 Beurteilung pigmentierter Läsionen

2.13.3 Fallbeispiel

2.14 Literatur

Teil II Praxisrelevante Informationen: Der Werkzeugkasten

3 Diagnostische Methoden in der Hämatologie

3.1 Blutbild und Differenzialblutbild

3.1.1 Blutbild

3.1.2 Differenzialblutbild

3.2 Zytomorphologie und Histopathologie

3.2.1 Zytomorphologie

3.2.2 Histopathologie

3.3 Zytometrie und Immunphänotypisierung

3.4 Zyto- und Molekulargenetik

3.4.1 Zytogenetik

3.4.2 Molekulargenetik

3.5 Klinische Chemie

4 Diagnostische Methoden in der Onkologie

4.1 Zytologie

4.1.1 Prinzip und Untersuchungsmaterialien

4.1.2 Gewinnung und Einsendung zytologischer Proben

4.1.3 Spektrum der Untersuchungsmethoden

4.1.4 Enge multidisziplinäre Zusammenarbeit

4.2 Pathologie

4.2.1 Begriffserklärungen

4.2.2 Systematik der Tumorklassifikation

4.2.3 Methoden der Pathologie

4.3 Molekularbiologie

4.3.1 Tumorsuppressor- und Onkogene

4.3.2 Aktivierung von Proto-Onkogenen

4.3.3 Transformation durch Kumulation kritischer Mutationen

4.3.4 Weitere Tumorcharakteristika

4.3.5 Tumoren und Immunsystem

4.3.6 Hemmung kritischer Signale in Tumorzellen als spezifische Tumortherapie

4.4 Bildgebende Verfahren

4.4.1 Konventionelle Radiografie

4.4.2 Computertomografie

4.4.3 Magnetresonanztomografie

4.5 Nuklearmedizinische Verfahren

4.5.1 Szintigrafie und Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT)

4.5.2 Positronenemissionstomografie (PET)

4.6 Tumormarker

4.6.1 Hintergrund

4.6.2 Screening

4.6.3 Stellenwert bei Diagnose, Therapieüberwachung und Nachsorge

4.7 Literatur

5 Therapeutische Prinzipien

5.1 Kurative Behandlung

5.1.1 Definition

5.1.2 Operation mit oder ohne Strahlentherapie

5.1.3 Adjuvante Behandlung

5.1.4 Neoadjuvante Maßnahmen

5.2 Nicht kurative Behandlung

5.3 Palliativmedizinische Betreuung

5.3.1 Grundsätze der Palliativmedizin

5.3.2 Symptombehandlung

5.3.3 Fazit für die klinische Praxis

5.4 Literatur

6 Therapieformen

6.1 Medikamentöse Tumortherapie

6.1.1 Konventionelle Zytostatika

6.1.2 Antikörper und Angioneogenese-Inhibitoren

6.1.3 Signaltransduktionsinhibitoren

6.1.4 Antihormonelle Therapie

6.2 Strahlentherapie

6.2.1 Einführung

6.2.2 Wirkmechanismen ionisierender Strahlung

6.2.3 Strahlenarten und deren klinischer Einsatz

6.2.4 Bestrahlungsindikationen

6.2.5 Fraktionierung

6.2.6 Bestrahlungsnebenwirkungen

6.2.7 Moderne Radiotherapie

6.3 Stammzelltransplantation

6.3.1 Prinzip

6.3.2 Stammzellquellen

6.3.3 Spenderauswahl und -vorbereitung für Stammzellapherese

6.3.4 Graft-versus-Host-Erkrankung

6.3.5 GvHD-Prophylaxe

6.3.6 Versorgung mit Blutprodukten

6.3.7 Impfempfehlungen nach Stammzelltransplantation

6.3.8 Weiterentwicklungen und Perspektiven

6.4 Minimalinvasive Verfahren zur Tumortherapie

6.4.1 Schnittbildgesteuerte Verfahren

6.4.2 Angiografisch gesteuerte Verfahren

6.4.3 Ausblick: Quasi nicht invasive interventionelle Verfahren

6.5 Supportive Therapien

6.5.1 Antiemetische Prophylaxe und Therapie

6.5.2 Chemotherapieinduzierte periphere Neuropathie

6.5.3 Chemotherapieinduzierte Diarrhö

6.5.4 Prophylaxe der chemotherapieinduzierten Neutropenie

6.5.5 Chemotherapieinduzierte Hauttoxizitäten

6.5.6 Fatigue

6.5.7 Schmerztherapie in der Onkologie

6.6 Literatur

7 Nachsorge

7.1 Definition, Ziele

7.2 Rezidiverkennung

7.3 Spätfolgen antineoplastischer Behandlungen

7.3.1 Organschäden

7.3.2 Sekundärneoplasien

7.4 Literatur

8 Therapie von Gerinnungsstörungen

8.1 Hämorrhagische Diathese

8.1.1 Lokale blutstillende Maßnahmen

8.1.2 Antifibrinolytische Therapie und DDAVP-Stimulationstherapie

8.1.3 Plasma

8.1.4 Gerinnungsfaktorkonzentrate

8.1.5 Aktivierte Gerinnungsfaktoren

8.1.6 Thrombozyten

8.1.7 Therapie der Hämophilie A und B

8.1.8 Therapie der von-Willebrand-Erkrankung

8.1.9 Therapie von anderen plasmatischen Gerinnungsstörungen

8.1.10 Therapie der disseminierten intravasalen Gerinnung

8.2 Therapie der venösen Thrombose und Thrombophilie

8.2.1 Akutbehandlung der venösen Thrombose

8.2.2 Lungenembolie

8.2.3 Langfristige Therapie der venösen Thrombose und Thrombophilie

8.3 Literatur

9 Notfälle in der Onkologie

9.1 Tumorinduzierte Hyperkalzämie

9.1.1 Pathophysiologie

9.1.2 Klinik und Diagnostik

9.1.3 Therapie

9.2 Leukostase und Tumorlyse

9.2.1 Leukostase

9.2.2 Tumorlysesyndrom

9.3 Infektionen in Neutropenie (Sepsis)

9.3.1 Definitionen und Bedeutung

9.3.2 Diagnostik

9.3.3 Antimikrobielle Therapie

9.3.4 Sepsis

9.4 Zytostatikaparavasation

9.4.1 Zytostatikatypen

9.4.2 Maßnahmen bei Paravasat

9.5 Thrombotische Mikroangiopathie (TMA)

9.5.1 Pathophysiologie und Klinik

9.5.2 Diagnostik

9.5.3 Therapie

9.6 Schwartz-Bartter-Syndrom (SIADH)

9.6.1 Klinik und Diagnostik

9.6.2 Therapie

9.7 Literatur

10 Psychosoziale Betreuung in der Hämatologie und Onkologie

10.1 Grundsätze psychosozialer Betreuung

10.1.1 Ebenen der Veränderung

10.2 Identifikation von psychosozialen Bedürfnissen von Patienten

10.3 Ärztliche Kommunikation in den verschiedenen Phasen der Erkrankung

10.3.1 Empfehlungen für die ärztliche Kommunikation

10.3.2 Gesprächssituationen im Krankheitsverlauf

10.4 Psychosoziale Interventionsmöglichkeiten

10.5 Zukünftige Entwicklungen

10.6 Literatur

Teil III Hintergrundwissen

11 Hämatologische Erkrankungen

11.1 Nichtneoplastische hämatologische Erkrankungen

11.1.1 Agranulozytose

11.1.2 Eisenmangelanämie

11.1.3 Vitamin-B12- und Folsäuremangelanämie

11.1.4 Hämolytische Anämien

11.1.5 Aplastische Anämie

11.1.6 Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie

11.1.7 Immunthrombozytopenie

11.1.8 Thrombotische Mikroangiopathie

11.1.9 Heparininduzierte Thrombozytopenie

11.1.10 Hämoglobinopathien

11.2 Myeloproliferative Neoplasien (MPN)

11.2.1 Einführung in Klinik, Klassifikation und Pathophysiologie der MPN

11.2.2 Chronische myeloische Leukämie

11.2.3 Polycythaemia vera

11.2.4 Essenzielle Thrombozythämie

11.2.5 Primäre Myelofibrose

11.2.6 Eosinophilieassoziierte myeloproliferative Neoplasien

11.2.7 Systemische Mastozytose

11.3 Myelodysplastische/myeloproliferative Neoplasien

11.3.1 Chronische myelomonozytäre Leukämie

11.3.2 Andere Formen

11.4 Myelodysplastische Syndrome

11.4.1 Definition

11.4.2 Epidemiologie

11.4.3 Diagnostik

11.4.4 Differenzialdiagnose

11.4.5 Klassifikation

11.4.6 Konventionelle Zytogenetik

11.4.7 Molekularbiologie

11.4.8 Prognoseabschätzung

11.4.9 Therapie der Niedrigrisiko-MDS

11.4.10 Therapie der Hochrisiko-MDS

11.5 Akute myeloische Leukämie und verwandte hämatopoetische Neoplasien

11.5.1 Pathogenese

11.5.2 Epidemiologie

11.5.3 Definition/Einteilung

11.5.4 Klinik

11.5.5 Diagnostik

11.5.6 Differenzialdiagnose

11.5.7 Auswahl der geeigneten Therapiestrategie

11.5.8 Therapie

11.5.9 Prognose

11.5.10 Nachsorge (mit MRD?)

11.6 Leukämien unklarer Linienzugehörigkeit

11.6.1 Epidemiologie

11.6.2 Definition

11.6.3 Klinik

11.6.4 Diagnostik

11.6.5 Differenzialdiagnose

11.6.6 Therapie

11.6.7 Prognose

11.7 Akute lymphatische Leukämie und lymphoblastische Lymphome

11.7.1 Pathophysiologie

11.7.2 Epidemiologie

11.7.3 Klinische Manifestation

11.7.4 Diagnostik und Klassifikation

11.7.5 Aufklärung und Therapieentscheidung

11.7.6 Therapie

11.7.7 Verlauf und Prognose

11.7.8 Besondere Aspekte in der Therapie der ALL

11.7.9 Klinische Studien und Expertennetzwerke

11.8 Reife B-Zell-Neoplasien

11.8.1 Chronische lymphatische Leukämie (CLL), lymphozytisches Lymphom (SLL)

11.8.2 B-Zell-Prolymphozytenleukämie (B-PLL)

11.8.3 Haarzell-Leukämie

11.8.4 Lymphoplasmozytisches Lymphom

11.8.5 Schwerkettenkrankheit

11.8.6 Plasmazellneoplasie

11.8.7 Follikuläres Non-Hodgkin-Lymphom

11.8.8 Mantelzell-Lymphom

11.8.9 Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL)

11.8.10 Plasmablastisches Lymphom (PBL)

11.8.11 Burkitt-Lymphom

11.9 Reife T- und NK-Zell-Neoplasien

11.9.1 Epidemiologie und Einteilung

11.9.2 Ätiologie und Pathogenese

11.9.3 Klinik und Diagnostik

11.9.4 Therapie und Prognose

11.10 Hodgkin-Lymphom

11.10.1 Epidemiologie und Ätiologie

11.10.2 Klinik

11.10.3 Diagnostik

11.10.4 Therapie

11.11 Immundefizienzassoziierte lymphoproliferative Erkrankungen

11.11.1 Einteilung

11.11.2 HIV-assoziierte Lymphome (HAL)

11.11.3 Posttransplantationslymphoproliferative Erkrankungen (PTLD)

11.12 Histiozytische Neoplasien und Neoplasien der dendritischen Zellen

11.12.1 Einteilung

11.12.2 Langerhans-Zell-Tumoren

11.12.3 Histiozytisches Sarkom

11.13 Gerinnungsstörungen

11.13.1 Hämophilie A und B

11.13.2 von-Willebrand-Erkrankung

11.13.3 Disseminierte intravasale Gerinnung

11.13.4 Thrombophilie

11.14 Literatur

12 Onkologische Erkrankungen

12.1 Neoplasien des Kopf- und Halsbereiches

12.1.1 Epidemiologie und Risikofaktoren

12.1.2 Anatomische Regionen und Histologie

12.1.3 Klinische Präsentation

12.1.4 Diagnostik und Stadieneinteilung

12.1.5 Behandlungskonzepte und Prognose

12.1.6 Therapiemodalitäten in der Behandlung der Kopf-Hals-Tumoren

12.1.7 Nachsorge

12.1.8 Lebensqualität

12.1.9 Nasopharynxkarzinom

12.2 Neoplasien der Thorakal- und Mediastinalorgane

12.2.1 Nichtkleinzelliges Bronchuskarzinom (NSCLC)

12.2.2 Kleinzelliges Bronchuskarzinom (SCLC)

12.2.3 Malignes Pleuramesotheliom

12.2.4 Thymustumoren

12.3 Neoplasien des Gastrointestinaltrakts

12.3.1 Ösophaguskarzinom

12.3.2 Magenkarzinom

12.3.3 Gallenblasen- und Gallengangskarzinom

12.3.4 Pankreaskarzinom

12.3.5 Leberkarzinom

12.3.6 Kolonkarzinom

12.3.7 Dünndarmkarzinom

12.3.8 Rektumkarzinom

12.3.9 Analkarzinom

12.4 Neoplasien der weiblichen Geschlechtsorgane

12.4.1 Mammakarzinom

12.4.2 Ovarial- und Tubenkarzinom

12.4.3 Endometriumkarzinom

12.4.4 Zervixkarzinom

12.4.5 Vulvakarzinom

12.5 Neoplasien der männlichen Geschlechtsorgane

12.5.1 Hodentumoren (Keimzelltumoren)

12.5.2 Prostatakarzinom

12.5.3 Peniskarzinom

12.6 Neoplasien der Harnorgane

12.6.1 Nierenzellkarzinom

12.6.2 Harnblasenkarzinom

12.7 Neoplasien der endokrinen Organe

12.7.1 Schilddrüsenkarzinom

12.7.2 Karzinome der Nebennieren

12.7.3 Neuroendokrine Tumoren

12.8 Neoplasien der Weichteile und der Knochen

12.8.1 Weichteilsarkom

12.8.2 Gastrointestinale Stromatumoren (GIST)

12.8.3 Osteosarkom

12.8.4 Chondrosarkom

12.8.5 Ewing-Tumoren

12.9 Neoplasien des Nervensystems

12.9.1 Periphere Nervenscheidentumoren

12.9.2 Tumoren des zentralen Nervensystems

12.10 Neoplasien der Haut und der Hautanhangsgebilde

12.10.1 Melanom

12.10.2 Basalzellkarzinom

12.10.3 Aktinische Keratosen/Spinozelluläres Karzinom

12.10.4 Merkel-Zell-Karzinom

12.11 Besondere Neoplasien

12.11.1 Karzinom unklaren Ursprungs (CUP-Syndrom)

12.11.2 Seltene Tumoren

12.12 Besondere Therapiesituationen

12.12.1 Geriatrische Onkologie

12.12.2 Therapie bei Organversagen

12.12.3 Besondere Situationen am Lebensende

12.13 Literatur

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum

Teil I Hämatologie und Onkologie im klinischen Bild

1  Hämatologie

2  Onkologie

1 Hämatologie

1.1 Blutbildveränderungen

K.-A. Kreuzer

Blutbildveränderungen gehören zu den häufigsten Auffälligkeiten, die im klinischen Alltag auftreten. Selbstverständlich handelt es sich dabei nicht um klinische Zustandsbilder im eigentlichen Sinne. Da Blutbilduntersuchungen jedoch praktisch ubiquitär und in kürzester Zeit verfügbar sind und sich deren Normabweichungen andererseits durch sehr unterschiedliche und unspezifische Symptome äußern können, ist es aus didaktischen Gründen sinnvoll, hier die Laborveränderungen vor das klinische Bild zu stellen. In der Praxis gibt es häufig auch keinen spezifischen Grund für die Anfertigung eines Blutbildes, der sich aus einem konkreten klinischen Problem ergibt. Die meisten neu aufgetretenen Blutbildveränderungen werden im Rahmen von orientierenden Routineuntersuchungen festgestellt.

1.1.1 Leukozytose

Eine Leukozytose beschreibt zunächst das Überschreiten der Gesamtleukozytenzahl über die Norm. Davon unabhängig kann es jedoch auch zu einer relevanten Verschiebung der Leukozytenzusammensetzung kommen, ohne dass die absolute Leukozytenzahl wesentlich verändert ist. Es ist daher wichtig, stets auch ein Differenzialblutbild anzufertigen, das hierüber Auskunft geben kann.

Merke

Das Differenzialblutbild kann relevante Verschiebungen der Leukozytenzusammensetzung bei nur unwesentlichen Erhöhungen der absoluten Leukozytenzahl aufdecken.

1.1.1.1 Fallbeispiel: Leukozytose mit kontinuierlicher Linksverschiebung

Klinisches Bild

Ein 19-jähriger Zigarettenraucher mit blander internistischer Vorgeschichte wird wegen eines fieberhaften Infektes beim Hausarzt vorstellig. Er klagt über ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber bis 39,2°C, Halsschmerzen sowie Husten mit geringer zähflüssiger Expektoration. Sonstige körperliche Beschwerden liegen nicht vor. Das Krankheitsbild hat sich über wenige Tage entwickelt.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung fällt eine pharyngeale Rötung auf. Die Tonsillen erscheinen reizlos. Bei der kardiopulmonalen Auskultation lässt sich ein leicht verschärftes Atemgeräusch über beiden Lungenmittelfeldern hören. Die Atemfrequenz beträgt 12/min. Es sind keine vergrößerten Lymphknoten palpabel. Der abdominelle Untersuchungsbefund ist unauffällig.

Diagnostik und Befunde

Neben der Erhebung von Anamnese und körperlichem Untersuchungsbefund veranlasst der Hausarzt die in ▶ Tab. 1.1 dargestellten Laboruntersuchungen. ▶ Abb. 1.1 zeigt das mikroskopische Bild des Blutausstrichs.

Tab. 1.1

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Leukozytose mit kontinuierlicher Linksverschiebung“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

14,2 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

15,1 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

87 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

33 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

392 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

14%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

68%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

3%

2–4%

Basophile Granulozyten

0%

0–1%

Lymphozyten

7%

25–40%

Monozyten

8%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

21,3 mg/dl

< 5 mg/l

Abb. 1.1 Differenzialblutbild (Objektivvergrößerung 100×). Es zeigen sich in einem einzigen Gesichtsfeld bereits zwei segmentkernige Granulozyten, zwei stabkernige Granulozyten und ein Myelozyt als Ausdruck einer reaktiven Linksverschiebung.

Diagnose

Klinisch liegt eine akute Tracheobronchitis vor, die gut mit der im Labor festgestellten Granulozytose korreliert. Die Leukozyten sind insgesamt mäßiggradig erhöht und setzen sich zum größten Teil aus reifen stab- und segmentkernigen neutrophilen Granulozyten zusammen (insgesamt 82% aller Leukozyten). Das erhöhte CRP spiegelt die Entzündungsreaktion wider.

Fazit für die Praxis

Die meisten Leuko- und insbesondere Granulozytosen sind reaktiver Natur. Hierfür spricht insbesondere das Vorliegen einer sog. kontinuierlichen Linksverschiebung, bei der neben segmentkernigen neutrophilen Granulozyten auch ein erhöhter Anteil stabkerniger neutrophiler Granulozyten feststellbar ist. Gelegentlich sieht man im Rahmen einer entzündlichen Reaktion auch vereinzelte unreifere Granulozyten (Metamyelozyten oder Myelozyten) im peripheren Blut. Bei Rauchern ist außerdem häufig eine permanent erhöhte Leukozytenzahl (Raucherleukozytose) zu beobachten. Verdächtig auf eine primäre Knochenmarkerkrankung ist hingegen das Fehlen einer Reifungsstufe (Hiatus leucaemicus) oder das Auftreten von noch unreiferen Leukozytenformen in der Zirkulation (Promyelozyten oder Myeloblasten).

1.1.1.2 Fallbeispiel: Leukozytose mit Basophilie

Klinisches Bild

Eine 63-jährige Patientin berichtet über epigastrische Beschwerden und ein schnell einsetzendes postprandiales Völlegefühl. Seit einiger Zeit habe sie nachts auch eine unangenehme Refluxsymptomatik. Hiervon abgesehen sei ihre körperliche Leistungsfähigkeit jedoch nicht eingeschränkt und sie ginge unvermindert ihrem Beruf als Einzelhandelskauffrau nach. In der Vorgeschichte finden sich eine unkomplizierte Appendektomie in der Kindheit, 3 unauffällige vaginale Entbindungen sowie ein arterieller Hypertonus, der bereits seit längerer Zeit mit einem selektiven β2-Adrenozeptor-Antagonisten behandelt wird.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung der leicht adipösen Patientin zeigt sich eine palpable Milz, die etwa 6–8 cm unter dem linken Rippenbogen hervorragt. Die Konsistenz des Organs erscheint leicht vergröbert, ein Druckschmerz besteht nicht. Eine Hepatomegalie sowie Lymphadenopathie bestehen nicht.

Diagnostik und Befunde

Sonografisch wird die Milzgröße mit 9 × 13 × 21 cm bestimmt. Die Untersuchung ergibt keine weiteren normabweichenden Befunde im Bauchraum. Auch die dopplersonografische Analyse der Milz- und Lebervenen sowie der Pfortader ist unauffällig.

Es erfolgt die Bestimmung der in ▶ Tab. 1.2 gezeigten Laborparameter. Aus den übrigen klinisch-chemischen Parametern ergibt sich noch eine leichte Erhöhung der Transaminasen und der γ-GT. Ferner sind die Laktatdehydrogenase (LDH) und die Harnsäure im Serum mäßiggradig erhöht. ▶ Abb. 1.2 zeigt einen Ausschnitt aus dem Differenzialblutbild.

Tab. 1.2

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Leukozytose mit Basophilie“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

212,1 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

13,1 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

82 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

36 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

412 G/l

150–400 G/l

Myeloblasten

6%

0%

Promyelozyten

7%

0%

Myelozyten

8%

0%

Metamyelozyten

5%

0%

Stabkernige neutrophile Granulozyten

11%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

48%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

5%

2–4%

Basophile Granulozyten

7%

0–1%

Lymphozyten

2%

25–40%

Monozyten

1%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

5,2 mg/dl

< 5 mg/l

Abb. 1.2 Differenzialblutbild (Objektivvergrößerung 100×). Es kommen drei basophile Granulozyten zur Darstellung. Die Erythrozyten sind artefaktbedingt alteriert.

Diagnose

Bereits auf der Grundlage dieser Routinelaborbestimmung muss der hochgradige Verdacht auf eine myeloproliferative Neoplasie (MPN), insbesondere eine chronische myeloische Leukämie (CML), geäußert werden. Die Erkrankungen aus diesem Formenkreis entwickeln sich in der Regel langsam, was gut zu der hier geschilderten Anamnese passt. Die Situation ist auch insofern typisch, als dass Hämoglobinwert und Thromboyztenzahl nicht pathologisch verändert sind. Häufig besteht eine scheinbare Diskrepanz zwischen exzessiv erhöhten Leukozytenwerten und dem vergleichsweise guten Allgemeinbefinden der Patienten. Es kommt nicht selten vor, dass – wie im vorliegenden Fall – das durch die Splenomegalie verursachte Völlegefühl im Oberbauch das Beschwerdebild prägt und die Patienten zum Arzt führt. Die Erhöhung der LDH und der Harnsäure spiegeln den gesteigerten Zellumsatz wider.

Fazit für die Praxis

Exzessive Leukozytosen mit gleichzeitig bestehender Basophilenvermehrung und ggf. auch leichter Eosinophilie sind, insbesondere bei fehlenden oder nur leichtgradigen Abweichungen des Hämoglobin- und Thrombozytenwertes, hochsuggestiv für das Vorliegen einer MPN. Bei der CML findet man typischerweise eine Linksverschiebung der Granulozyten bis hin zum Nachweis von zirkulierenden Myeloblasten. Aber auch eine anfängliche primäre Myelofibrose (PMF) kann sich durch ein solches Blutbild äußern. Eine reaktive Basophilie ist dagegen selten.

Zur weiteren Einengung der Diagnose können am peripheren Blutausstrich die alkalische Leukozytenphosphatase (ALP) bestimmt sowie an den zirkulierenden Leukozyten verschiedene molekulargenetische Untersuchungen (Nachweis der BCR-ABL-Gentranslokation, Nachweis einer JAK2-V617F-Mutation usw.) durchgeführt werden.

Cave

Analysen am peripheren Blutausstrich dürfen jedoch keinesfalls eine Knochenmarkdiagnostik ersetzen, anhand derer eine genaue Subtypisierung der MPN und Stadieneinteilung erfolgt sowie prognostische Parameter erhoben werden können.

1.1.1.3 Fallbeispiel: Relative und absolute Lymphozytose

Klinisches Bild

Beim Ankleiden fällt einem 81-jährigen Herrn auf, dass er seit mehreren Monaten den obersten Hemdknopf wegen einer Umfangsvermehrung des Halses nicht mehr schließen kann. Auch unter den Axillen hat er eine Weichteilvermehrung festgestellt. Zudem ist sein Nachtschlaf in jüngster Zeit durch starkes Schwitzen beeinträchtigt. Vor 18 Jahren erkrankte der Patient an einem Kolonkarzinom im UICC-Stadium IIB, das in sano reseziert und anschließend mit 5-Fluorouracil und Folinsäure behandelt wurde.

Körperliche Untersuchung

Der Hausarzt stellt bei dem Patienten eine generalisierte indolente Lymphadenopathie fest. Die zervikalen, axillären und inguinalen Lymphome sind nicht druckdolent und betragen bis zu einer Größe von 5 × 8 cm. Der Patient nimmt wegen eines langjährigen Diabetes mellitus Metformin ein.

Diagnostik und Befunde

Sonografisch sind auch intraabdominelle Lymphome sowie eine Hepatosplenomegalie nachweisbar. Die Throraxübersichtsaufnahme sowie eine CT zeigen außerdem eine deutliche bihiläre Lymphadenopathie, das Lungenparenchym selbst ist radiografisch unauffällig (▶ Abb. 1.3). Die Laborparameter zeigt ▶ Tab. 1.3. Ferner findet sich eine leichtgradige Erhöhung des Serumkreatinins. ▶ Abb. 1.4 zeigt das mikroskopische Differenzialblutbild.

Tab. 1.3

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Relative und absolute Lymphozytose“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

143,7 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

13,1 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

96 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

34 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

211 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

1%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

7%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

1%

2–4%

Basophile Granulozyten

0%

0–1%

Lymphozyten

89%

25–40%

Monozyten

2%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

< 5 mg/l

< 5 mg/l

Abb. 1.3 Bihiläre Lymphadenopathie (freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Prof. Dr. D. C. Maintz, Köln).

Abb. 1.3a Throraxübersichtsaufnahme.

Abb. 1.3b Thorax-CT.

Abb. 1.4 Differenzialblutbild (Objektivvergrößerung 63×). Es sind zahlreiche kleine, d.h. reifzellige Lymphozyten erkennbar. Darüber hinaus sind 5 große Kernschatten zu sehen, die vorzugsweise als Ausstrichartefakt bei lymphatischen Neoplasien entstehen. Links und am rechten Bildrand jeweils ein neutrophiler Granulozyt.

Diagnose

Es liegt eine reifzellige absolute und relative Lymphozytose vor. Dies ist ein typischer Befund für leukämische niedrigmaligne Non-Hodgkin-Lymphome und v.a. für deren häufigsten Vertreter, die chronische lymphatische Leukämie (CLL). Hierzu passen ebenfalls die zentrale und periphere Lymphadenopathie sowie der Nachtschweiß, der als konstitutionelles B-Symptom gewertet werden muss.

Fazit für die Praxis

Ähnlich wie bei der CML liegt auch bei der CLL anfangs häufig ein wenig schwerwiegendes klinisches Beschwerdebild vor. Beiden Erkrankungen ist außerdem gemein, dass neben den neoplastischen Granulozyten oder Lymphozyten die Erythrozyten und Thrombozyten zum Zeitpunkt der Erstdiagnose häufig nicht pathologisch verändert sind. Dies zeichnet den in der Regel wenig aggressiven Verlauf dieser chronischen Leukämien aus.

Dennoch existieren auch biologisch ungünstigere lymphatische Leukämien, die der indolenten CLL sehr ähneln können. Hierzu zählen z.B. das Mantelzelllymphom und gelegentlich auch reife akute lymphatische Leukämien (ALL). Aus diesem Grunde ist eine rasche diagnostische Einordnung immer angezeigt.

Merke

Bei Verdacht auf CLL sollte stets eine rasche diagnostische Einordnung erfolgen, um biologisch ungünstigere lymphatische Leukämien auszuschließen.

1.1.1.4 Fallbeispiel: Eosinophilie

Klinisches Bild

Eine 57-jährige Patientin ostasiatischer Herkunft stellt sich bei einem Allgemeinmediziner wegen seit 3 Monaten bestehender gastrointestinaler Beschwerden vor. Es handelt sich dabei um eine diffuse, nicht lokalisierte Schmerzsymptomatik im Bauchraum von stark wechselnder Qualität. Die Fäzes sind von unterschiedlicher Konsistenz und Beschaffenheit. Die Patientin gibt an, im jungen Erwachsenenalter eine Virushepatitis Typ B durchgemacht zu haben.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung zeigt sich ein diffuser abdomineller Druckschmerz mit periumbilikaler Betonung. Die Thoraxorgane sind unauffällig.

Diagnostik und Befunde

Eine Abdomensonografie ergibt keinen pathologischen Befund. Die in ▶ Tab. 1.4 gezeigten Laborparameter werden erhoben. Retentionsparameter und Leberwerte befinden sich im Normbereich. Serologisch zeigt sich eine Serokonversion gegen das Hepatitis-B-Virus ohne Nachweis des HBs-Antigens. Ferner ist eine mäßiggradige Erhöhung des Serum-Immunglobulin E feststellbar (298 IU/ml). Die mikrobiologische Untersuchung der Fäzes erbringt rasch den makroskopischen Befund von Proglottiden. ▶ Abb. 1.5 zeigt den peripheren Blutausstrich.

Tab. 1.4

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Eosinophilie“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

12,4 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

15,1 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

81 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

31 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

365 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

7%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

24%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

31%

2–4%

Basophile Granulozyten

1%

0–1%

Lymphozyten

29%

25–40%

Monozyten

8%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

11,2 mg/l

< 5 mg/l

Abb. 1.5 Differenzialblutbild (Objektivvergrößerung 100×). Zwei eosinophiler Granulozyten, die stets zwei Kernsegmente aufweisen und deren grobe Granula die Lachsfarbe der Erythrozyten besitzen.

Diagnose

Es liegt ein intestinaler Befall durch einen Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum) vor. Als wahrscheinliche Infektionsquelle wird der Verzehr von rohem Fisch vor ca. 1 Jahr in Asien identifiziert.

Fazit für die Praxis

Eosinophilien können reaktiver oder primärer Natur sein. Am häufigsten treten Eosinophilien bei allergischen bzw. atopischen Erkrankungen sowie bei chronischen entzündlichen Systemerkrankungen auf. Es sollte jedoch auch stets an Parasitosen und insbesondere Helminthosen gedacht werden. Nach Ausschluss einer reaktiven Genese sollte via Zyto- und Molekulargenetik nach einem klonalen Ursprung der Eosinophilie im Sinne einer chronischen Eosinophilen-Leukämie (CEL) oder einer anderen neoplastischen Eosinophilenvermehrung gefahndet werden.

1.1.2 Leukozytopenie

Im Gegensatz zur Leukozytose spielt bei einer Verminderung der Gesamtleukozytenzahl die Verteilung der normalen Blutzellen meist eine untergeordnete Rolle. Von Bedeutung ist vielmehr die absolute Zahl der neutrophilen Granulozyten sowie der Lymphozyten. Diese sind bestimmend für das damit verbundene Risiko, Infektionen zu akquirieren.

Merke

Bei einer Leukozytopenie liegt der eigentliche Stellenwert des Differenzialblutbildes in der Identifikation maligner Zellen, die unter normalen Umständen in der peripheren Zirkulation nicht vorkommen.

1.1.2.1 Fallbeispiel: Panzytopenie

Klinisches Bild

Ein 53-jähriger Polizeibeamter stellt sich am Wochenende mit hohem Fieber in der Notaufnahme eines Krankenhauses vor. Die Körpertemperatur beträgt 40,1°C und es besteht schwerstes Krankheitsgefühl mit Schüttelfrost. Der Patient hatte sich vor ca. 1 Woche beim Betriebssport eine Distorsion des linken Sprunggelenkes zugezogen. Diese wurde orthopädisch lokal versorgt. Gegen die Schmerzen nahm der Patient Metamizol ein, wegen einer hereditären Fettstoffwechselstörung wurde ihm bereits vor Jahren Simvastatin verschrieben.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung des normalgewichtigen und athletischen Patienten ergibt sich keinerlei Hinweis auf einen Infektionsfokus. Es besteht eine Tachykardie von 105/min und der Blutdruck beträgt 102/65 mmHg. Lunge und Herz sind auskultatorisch unauffällig, der Bauchbefund ebenfalls. Ferner findet sich kein entzündlicher Lokalbefund am Integument. Meningismus-Zeichen sind ebenfalls nicht nachweisbar.

Diagnostik und Befunde

Die Röntgenübersichtsaufnahme des Thorax erbringt keinen pathologischen Befund. Die Abdomensonografie einschließlich Nieren und ableitender Harnwege ist regelrecht. Der Harn-Stix ist unauffällig. Im Labor zeigt sich die in ▶ Tab. 1.5 dargestellte Konstellation.

Tab. 1.5

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Panzytopenie“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

< 0,5 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

12,1 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

91 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

33 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

96 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

6%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

2%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

0%

2–4%

Basophile Granulozyten

0%

0–1%

Lymphozyten

81%

25–40%

Monozyten

11%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

196,8 mg/l

< 5 mg/l

Diagnose

Es liegt eine Panzytopenie vor, bei der eine neutrophile Agranulozytose im Vordergrund steht. Zu einer medikamentös-toxischen Genese würde gut die zurückliegende Einnahme von Metamizol passen. Differenzialdiagnostisch muss jedoch unbedingt auch eine aleukämische akute Leukämie in Betracht gezogen und rasch per Knochenmarkpunktion ausgeschlossen werden. Das vorliegende klinische Zustandsbild ist lebensbedrohlich und erfordert eine umgehende stationäre Behandlung mit einer breiten antimikrobiellen Medikation.

Fazit für die Praxis

Merke

Eine Panzytopenie ist eine schwerwiegende Blutbildveränderung, die insbesondere bei Fehlen von neutrophilen Granulozyten (Neutropenie) rasch zu einer Sepsis führen kann.

Diese Gefahr ist besonders ausgeprägt bei neutrophilen Granulozyten < 0,5 G/l. Aus diesem Grund und zur unverzüglichen ätiologischen Einordnung ist eine sofortige Krankenhauseinweisung angezeigt.

1.1.2.2 Fallbeispiel: Lymphozytopenie

Klinisches Bild

Ein 39-jähriger schlanker Buchhändler begibt sich für eine Routineuntersuchung zu seinem Hausarzt. Der Patient ist in seinem Wohlbefinden körperlich nicht eingeschränkt. Die letzte Krankheit in Form eines grippeähnlichen Infektes liegt ca. 10 Monate zurück.

Körperliche Untersuchung

Der körperliche Untersuchungsbefund ist unauffällig.

Diagnostik und Befunde

Sonografisch besteht der Verdacht auf eine leichtgradige Steatosis hepatis. Es werden die in ▶ Tab. 1.6 aufgeführten Laborparameter erhoben. Darüber hinaus zeigen sich eine mäßiggradige Hyper-/Dyslipoproteinämie, eine leichte Erhöhung der γ-GT sowie eine minimale Kreatininerhöhung.

Tab. 1.6

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Lymphozytopenie“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

2,9 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

14,5 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

99 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

35 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

72 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

3%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

77%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

4%

2–4%

Basophile Granulozyten

1%

0–1%

Lymphozyten

6%

25–40%

Monozyten

9%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

6,1 mg/l

< 5 mg/l

Diagnose

Im Labor zeigt sich eine Bizytopenie der Leukozyten und Thrombozyten. Besonders auffällig ist eine Reduktion des relativen Lymphozytenanteils auf 6%. Dies entspricht einer auch absoluten Lymphozytopenie von 0,17 G/l. Als wenig invasive Maßnahme sollte hier zunächst eine HIV-Serologie erfolgen, die im vorliegenden Fall auch positiv war. Anamnestisch konnte ein Risikokontakt vor ca. 10 Monaten eruiert werden, sodass die damalige Grippeerkrankung möglicherweise als akuter HIV-Infekt interpretiert werden kann.

Fazit für die Praxis

Milde Leukozytopenien und Lymphozytopenien sind nicht selten und können, z.B. bei jungen Frauen, auch konstitutionell bedingt sein. Je nach Ausprägungsgrad (insbesondere bei Lymphozyten < 0,5 G/l) und Befundpersistenz sollte jedoch eine differenzialdiagnostische Abklärung erfolgen. Mit einigen wenig invasiven Mitteln (mikroskopische Zelldifferenzierung, Infektionsserologie, Lymphozytensubtypisierung u.a.) können bereits wichtige Informationen gesammelt werden.

1.1.2.3 Fallbeispiel: Granulozytopenie und Fieber

Klinisches Bild

Ein 33-jähriger Mann stellt sich in der Notaufnahme eines Krankenhauses wegen hohen Fiebers und Husten vor.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung fällt eine generelle Blässe der Haut und der Schleimhäute auf. Über dem rechten Lungenunterfeld sind eine deutliche Klopfschalldämpfung sowie feinblasige Rasselgeräusche feststellbar. Der Patient macht einen sehr moribunden Eindruck. Außer einer länger bekannten euthyreoten Struma sind bei dem Patienten keine Vorerkrankungen bekannt.

Diagnostik und Befunde

Die konventionelle Radiografie des Thorax zeigt eine hochgradige Verschattung des rechten Lungenunterlappens mit unscharfer Begrenzung. Das Notfalllabor ergab die in ▶ Tab. 1.7 gezeigten Ergebnisse. Das nachgeforderte Serumferritin ist mit 6 µg/l stark erniedrigt. Folsäure und Vitamin B12 liegen im unteren Normbereich.

Tab. 1.7

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Granulozytopenie und Fieber“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

1,9 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

7,8 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

69 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

25 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

36 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

0%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

28%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

0%

2–4%

Basophile Granulozyten

0%

0–1%

Lymphozyten

71%

25–40%

Monozyten

1%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

121,2 mg/l

< 5 mg/l

Diagnose

Der Patient hat eine Pneumonie. Die wichtigste Differenzialdiagnose der begleitenden Panzytopenie mit Granulozytopnie ist eine neoplastische Erkrankung des Knochenmarks, insbesondere eine akute Leukämie. Im vorliegenden Fall konnte eine akute myeloische Leukämie via Knochenmarkpunktion gesichert werden (▶ Abb. 1.6).

Abb. 1.6 Knochenmarkausstrich (Objektivvergrößerung 100×). Es sind zwei große Blasten zu sehen, die ein feines Kernchromatin mit Nukleolen aufweisen. Ein weiteres Charakteristikum für Blasten ist die zu Gunsten des Kerns verschobene Kern-Zytoplasma-Relation mit gelegentlich nur einem schmalen basophilen Zytoplasmasaum.

Fazit für die Praxis

Akute Leukämien sind lebensbedrohliche Erkrankungen, die unverzüglich diagnostiziert und behandelt werden müssen.

Merke

Wichtig ist, dass etwa 50% aller akuten Leukämien sub- oder aleukämisch verlaufen. Das bedeutet, dass im peripheren Blut lediglich eine Verminderung der physiologischen Zellen nachweisbar ist. In solchen Fällen können mitunter nur wenige oder auch gar keine Blasten im Blutbild gesehen werden.

1.1.3 Polyglobulie

Von einer Polyglobulie spricht man bei einer dauerhaften Erhöhung der Erythrozytenzahl, des Hämoglobinwertes oder des Hämatokrits, die auf eine Zunahme der Erythrozytenmasse zurückzuführen ist. Wenn eine Volumendepletion zu einem scheinbaren Anstieg der Erythrozyten führt, wird dies als Pseudopolyglobulie bezeichnet.

1.1.3.1 Fallbeispiel: Polyglobulie mit respiratorischer Globalinsuffizienz

Klinisches Bild

Ein 68-jähriger Patient wird bei einem Allgemeinmediziner vorstellig und klagt über Dyspnoe. Bereits seit Jahren ist bei dem Herrn eine chronische obstruktive Lungenerkrankung bekannt, die seit 18 Monaten zusätzlich zu inhalativen Bronchodilatatoren mit oralen Glukokortikoiden und einer Heimsauerstofftherapie behandelt wird.

Körperliche Untersuchung

Der Thorax des Patienten zeigt einen deutlichen Emphysemaspekt. Auskultatorisch sind trockenen Rasselgeräusche sowie ein deutlich verlängertes Exspirium feststellbar.

Diagnostik und Befunde

Die Lungenfunktionsuntersuchung zeigt eine hochgradige Obstruktion mit einer 1-Sekunden-Kapazität von 29%. Eine arterielle Blutgasanalyse ergibt den Befund einer respiratorischen Globalinsuffizienz mit einem pO2 von 61 mmHg sowie einem pCO2 von 59 mmHg. Die Laborergebnisse zeigt ▶ Tab. 1.8. Das Serum-Erythropoetin beträgt 91 U/l.

Tab. 1.8

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Polyglobulie mit respiratorischer Globalinsuffizienz“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

7,4 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

17,1 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

89 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

32 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

402 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

1%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

61%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

3%

2–4%

Basophile Granulozyten

0%

0–1%

Lymphozyten

29%

25–40%

Monozyten

6%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

< 5 mg/l

< 5 mg/l

Diagnose

Die hier geschilderte Situation ist verdächtig auf eine sekundäre Polyglobulie infolge eines chronisch niedrigen pO2.

Fazit für die Praxis

Die meisten Polyglobulien sind sekundärer Natur. Physiologischerweise können sie in sauerstoffarmer Höhenluft auftreten. Ansonsten beobachtet man sie häufig bei chronischen Herz-Lungen-Erkrankungen, die mit chronischen Hypoxiezuständen verbunden sind. Hierbei ist regelmäßig ein erhöhtes Serum-Erythropoetin nachweisbar.

1.1.3.2 Fallbeispiel: Polyglobulie mit Plethora

Klinisches Bild

Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung berichtet eine 51-jährige Patientin über häufige Kopfschmerzen und gelegentliches Engegefühl in der Brust mit Belastungsdyspnoe. Wegen klimakterischer Beschwerden nehme sie ein Östrogenpräparat ein. Die übrige Anamnese ist blande.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung der leicht adipösen Patientin fällt ein stark gerötetes Gesicht bei normotensiven Blutdruckwerten (118/79 mmHg) auf.

Diagnostik und Befunde

Im Labor zeigen sich die in ▶ Tab. 1.9 aufgeführten Werte. Der Hämatokritwert beträgt 54%, das endogene Erythropoetin ist < 5 U/l. ▶ Abb. 1.7 zeigt den peripheren Blutausstrich.

Tab. 1.9

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Polyglobulie mit Plethora“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

12,3 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

19,4 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

101 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

31 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

211 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

7%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

48%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

6%

2–4%

Basophile Granulozyten

4%

0–1%

Lymphozyten

23%

25–40%

Monozyten

12%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

< 5 mg/l

< 5 mg/l

Abb. 1.7 Peripherer Blutausstrich (Objektivvergrößerung 40×). Obwohl das Gesichtsfeld fast in der Ausstrichfahne liegt, sind die Erythrozyten dicht gepackt. Darüber hinaus sind 6 Granulozyten zu erkennen, die eine Granulozytose als Ausdruck der Myeloproliferation anzeigen.

Diagnose

Der stark erhöhte Hämoglobinwert bei gleichzeitig leicht linksverschobener Granulozytopoese mit Basophilie lässt an eine myeloproliferative Erkrankung denken. Im vorliegenden Fall konnte via Knochenmarkhistologie und molekulargenetischem Nachweis der JAK2-V617F-Mutation die Diagnose einer Polycythaemia vera gestellt werden.

Fazit für die Praxis

Sofern eine sekundäre Polyglobulie unwahrscheinlich erscheint, muss eine myeloproliferative Erkrankung differenzialdiagnostisch in Betracht gezogen werden.

1.1.3.3 Fallbeispiel: Polyglobulie mit Exsikkose

Klinisches Bild

Der Hausarzt wird zu einer 89-jährigen Patientin gerufen, die bei der Hausarbeit eine Synkope erlitt. In der Vorgeschichte sind eine starke Osteoporose, eine Katarakt sowie eine arterielle Hypertonie bekannt.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung fällt eine Tachykardie von 109/min auf. Der Hautturgor ist deutlich vermindert.

Diagnostik und Befunde

Nach Aufnahme in einem Krankenhaus wird ein EKG angefertigt, das unauffällig ist. Die Laborergebnisse zeigt ▶ Tab. 1.10. Der Hämatokritwert beträgt 51%, das Serumnatrium ist mit 152 mmol/l erhöht.

Tab. 1.10

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Polyglobulie mit Exsikkose“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

4,7 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

18,2 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

99 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

34 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

389 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

3%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

49%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

5%

2–4%

Basophile Granulozyten

1%

0–1%

Lymphozyten

39%

25–40%

Monozyten

21%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

< 5 mg/l

< 5 mg/l

Diagnose

Die vorliegende Konstellation einer Hämoglobin-Erhöhung mit erhöhtem Serumnatrium lässt zunächst an eine Exsikkose denken. Nach Volumensubstitution besserte sich prompt die klinische Symptomatik.

Fazit für die Praxis

Eine deutliche Exsikkose kann mit einer Pseudopolyglobulie einhergehen. Hier liegt keine echte Vermehrung der Erythrozytenmasse vor, sondern eine Reduktion des Plasmavolumens.

1.1.4 Anämie

Als Anämie bezeichnet man eine Reduktion des Hämoglobinwertes unter der Norm. Zur klinischen Einteilung sind die Erythrozyten-Indizes wichtig, da sie üblicherweise im Blutbild enthalten sind und erste Informationen zur Ätiologie liefern können. Die Retikulozyten können Aufschluss darüber geben, ob das regenerative Potenzial des Knochenmarks verändert ist.

1.1.4.1 Fallbeispiel: Mikrozytäre, hypochrome Anämie

Klinisches Bild

Eine beunruhigte Mutter stellt ihre 17-jährige Tochter beim Hausarzt vor. Das Kind sehe blass aus, habe häufig Kopfschmerzen und klage über Konzentrationsstörungen in der Schule. Außerdem esse sie aus Tierliebe kein Fleisch und ernähre sich auch ansonsten unausgewogen.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung der grenzwertig untergewichtigen Patientin (174 cm, 54 kg) fällt bei der Auskultation des Herzens ein lauter 1. Herzton sowie ein ⅙-Systolikum über dem Erb-Punkt auf. Das Hautkolorit ist blass.

Diagnostik und Befunde

Im Rahmen der Labordiagnostik werden die in ▶ Tab. 1.11 gezeigten Befunde erhoben. Das nachgeforderte Serumferritin ist mit 6 µg/l stark erniedrigt. Folsäure und Vitamin B12 liegen im unteren Normbereich. ▶ Abb. 1.8 zeigt das mikroskopische Differenzialblutbild.

Tab. 1.11

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Mikrozytäre, hypochrome Anämie“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

3,9 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

8,9 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

69 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

25 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

498 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

1%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

51%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

3%

2–4%

Basophile Granulozyten

3%

0–1%

Lymphozyten

40%

25–40%

Monozyten

2%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

< 5 mg/l

< 5 mg/l

Abb. 1.8 Differenzialblutbild (Objektivvergrößerung 100×). Es besteht eine deutliche Anisozytose mit vielen mikrozytären Erythrozyten. Einige Erythrozyten weisen eine derart große zentrale Aufhellung auf, daß ihr Rand nur noch als schmaler Ring erscheint (Anulozyten).

Diagnose

Aufgrund der Laborkonstellation einer mikroozytären, hypochromen Anämie bei erniedrigtem Serumferritin lässt sich zweifelsfrei die Diagnose einer Eisenmangelanämie sichern. Die gleichzeitig bestehende Thrombozytose ist Ausdruck der versuchten hämatopoetischen Kompensation.

Fazit für die Praxis

Merke

Die Eisenmangelanämie ist die häufigste Anämieform in den Industrienationen.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter muss eine Hypermenorrhö und/oder eine eisenarme Ernährung als Ursache in Betracht gezogen werden. In fortgeschrittenerem Alter muss insbesondere ein okkulter gastrointestinaler Blutverlust, der Ausdruck einer malignen Erkrankung sein kann, ausgeschlossen werden.

1.1.4.2 Fallbeispiel: Hereditäre Anämie

Klinisches Bild

Bei einer betriebsärztlichen Eingangsuntersuchung fällt bei einem 16-jährigen Auszubildenden eine Anämie von 12,3 g/dl auf. Der junge Mann fühlt sich in seinem Allgemeinbefinden jedoch überhaupt nicht eingeschränkt und spielt sehr erfolgreich Amateurfußball. Mit 8 Jahren erfolgte bei ihm eine nasale Polypektomie.

Körperliche Untersuchung

Der gesamte internistische Untersuchungsbefund ist blande.

Diagnostik und Befunde

Die Laborwerte zeigt ▶ Tab. 1.12. Darüber hinaus ist das Serumferritin normwertig. Die Retikulozyten sind mit 1,9% leicht erhöht. Eine Hämoglobin-Elektrophorese ergibt: HbA0 81,2%, HbA2 9,6%, HbF 9,2%. ▶ Abb. 1.9 zeigt den peripheren Blutausstrich.

Tab. 1.12

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Hereditäre Anämie“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

6,1 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

12,3 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

79 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

30 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

276 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

4%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

62%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

2%

2–4%

Basophile Granulozyten

2%

0–1%

Lymphozyten

25%

25–40%

Monozyten

5%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

< 5 mg/l

< 5 mg/l

Abb. 1.9 Differenzialblutbild (Objektivvergrößerung 100×). Man erkennt eine deutliche Anisozytose und zahlreiche sogenannten Schießscheibenzellen (Target cells), welche zwar nicht pathognomonisch, aber typisch für Thalassämien sind.

Diagnose

Es liegt eine β-Thalassaemia minor vor.

Fazit für die Praxis

Bei Anämien bei Patienten mit mediterranem genetischem Hintergrund muss eine Hämoglobinopathie differenzialdiagnostisch in Betracht gezogen werden, insbesondere wenn die Anämie gut kompensiert scheint.

1.1.4.3 Fallbeispiel: Anämie und Ikterus

Klinisches Bild

Eine 27-jährige Sportlerin stellt sich wegen eines grippeähnlichen Infektes in einer Krankenhausambulanz vor. Darüber hinaus berichtet die Patientin über eine auffällige Gelbfärbung ihrer Skleren.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung kann ein leichter Sklerenikterus verifiziert werden. Die Körpertemperatur ist mit 38,5°C leicht erhöht. Der übrige Untersuchungsstatus ist unauffällig.

Diagnostik und Befunde

Die Laborwerte zeigt ▶ Tab. 1.13. Ein zusätzlich durchgeführter Urin-Stix ergibt keinen pathologischen Befund. In den klinisch-chemischen Untersuchungen zeigt sich zudem ein leichter Anstieg des unkonjugierten (indirekten) Bilirubins auf 1,6 mg/dl, der LDH auf 287 U/l und der Retikulozyten auf 3,1%. Das Haptoglobin befindet sich mit 0,2 g/l leicht unter der Norm. ▶ Abb. 1.10 zeigt den peripheren Blutausstrich.

Tab. 1.13

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Anämie und Ikterus“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

10,6 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

10,9 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

98 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

35 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

212 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

9%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

61%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

2%

2–4%

Basophile Granulozyten

1%

0–1%

Lymphozyten

21%

25–40%

Monozyten

6%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

9,8 mg/l

< 5 mg/l

Abb. 1.10 Peripherer Blutausstrich (Objektivvergrößerung 63×). Viele Erythrozyten weisen keine zentrale Aufhellung auf, da die Zellen nicht die typische konkave Form haben. Wichtig ist, dass auch einige normale Erythrozyten zu finden sind. Dies spricht gegen eine falsch-positive morphologische Diagnose, die auf eine schlechte Ausstrichtechnik oder einen falsch gewählten Objektträgerausschnitt zurückgeführt werden kann.

Diagnose

Die Laborkonstellation zeigt eine Hämolyse, die in Zusammenschau mit der typischen Erythrozytenmorphologie sehr verdächtig auf eine Sphärozytose (Kugelzellenanämie) ist. Eine osmotische Resistenzprüfung der Erythrozyten belegte schließlich die Diagnose.

Fazit für die Praxis

Die Sphärozytose ist die häufigste angeborene hämolytische Anämie. Meist liegt sie in milder oligo- oder asymptomatischer Ausprägung vor und tritt klinisch erst bei zusätzlichen organischen Stresssituationen (interkurrente Infekte, starke körperliche Belastung etc.) zutage. Häufig, aber nicht immer ist eine leichte Splenomegalie zu finden, die durch die erhöhte Erythrozytensequestration in diesem Organ bedingt ist.

1.1.5 Thrombozytose

Thrombozytosen können primärer oder sekundärer Natur sein. Meist treten sie als Begleiterscheinung von systemischen Infekten oder Entzündungen auf. Bei entsprechender Verdachtslage muss aber auch eine neoplastische Vermehrung von Thrombozyten im Knochenmark in Erwägung gezogen werden.

Merke

Die meisten Thrombozytenerhöhungen treten reaktiv im Rahmen von entzündlichen Systemerkrankungen oder nach operativen Eingriffen auf.

1.1.5.1 Fallbeispiel: Postoperative Thrombozytose

Klinisches Bild

In einer gefäßchirurgischen Abteilung wird ein 68-jähriger Patient wegen einer hochgradigen Stenose der A. carotis interna dextra operiert. Der Eingriff gestaltet sich ungewöhnlich schwierig und lange, verläuft schließlich jedoch ohne größere Komplikationen. Zwei Tage später fällt im Rahmen der Routinediagnostik ein im Vergleich zu den normwertigen Vorbefunden starker Anstieg der Thrombozyten auf.

Körperliche Untersuchung

Die Wundverhältnisse im Operationsgebiet sind unauffällig. Der Patient ist mobil und zeigt keinen Hinweis auf eine systemische Entzündung oder ein thromboembolisches Geschehen. Die perioperative Thromboseprophlaxe erfolgt mit Enoxaparin 60 mg s.c.

Diagnostik und Befunde

Im Rahmen der orientierenden Labordiagnostik werden die in ▶ Tab. 1.14 dargestellten Befunde erhoben.

Tab. 1.14

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Postoperative Thrombozytose“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

10,1 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

14,2 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

92 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

35 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

811 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

1%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

59%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

2%

2–4%

Basophile Granulozyten

2%

0–1%

Lymphozyten

34%

25–40%

Monozyten

2%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

5,1 mg/l

< 5 mg/l

Diagnose

Es handelt sich hierbei um eine reaktive postoperative Thrombozytose.

Fazit für die Praxis

Die meisten Thrombozytenerhöhungen sind reaktiver Natur und treten insbesondere im Rahmen von entzündlichen Systemerkrankungen oder nach operativen Eingriffen auf. Hierfür spricht insbesondere ein abrupter Thrombozytenanstieg nach einem entsprechenden Ereignis. Aus einer solchen Thrombozytose ergibt sich nicht zwangsläufig ein erhöhtes Risiko für vaskuläre Ereignisse. Eine prophylaktische Antikoagulation oder Plättchenaggregationshemmung richtet sich daher nach zusätzlichen Risikofaktoren (postoperativ, Immobilisation, vorbestehende Thrombophilie, Risikoanamnese usw.)

1.1.5.2 Fallbeispiel: Thrombozytose und Phlebothrombose

Klinisches Bild

Eine junge 27-jährige Frau erleidet aus voller Gesundheit heraus eine Lebervenenthrombose (Budd-Chiari-Syndrom). Als einziger prothrombogener Risikofaktor besteht eine hormonelle Antikonzeption mit einem Östrogen-Gestagen-Präparat.

Körperliche Untersuchung

Es besteht ein diskreter Druckschmerz über dem rechten oberen Abdominalquadranten. Die übrige Untersuchung ist unauffällig.

Diagnostik und Befunde

Die Lebervenenthrombose wurde bereits auswärtig durch eine Dopplersonografie belegt. Im Rahmen der anschließenden Labordiagnostik werden die Befunde der ▶ Tab. 1.15 erhoben. Ferner ist eine mäßiggradige Erhöhung der Transaminasen, der γ-GT, der alkalischen Phosphatase (AP) sowie der LDH festzustellen. ▶ Abb. 1.11 zeigt den peripheren Blutausstrich.

Tab. 1.15

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Thrombozytose und Phlebothrombose“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

4,6 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

12,8 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

87 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

33 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

1465 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

6%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

60%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

0%

2–4%

Basophile Granulozyten

1%

0–1%

Lymphozyten

29%

25–40%

Monozyten

4%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

< 5 mg/l

< 5 mg/l

Abb. 1.11 Differenzialblutbild (Objektivvergrößerung 100×). Die Thrombozytenvermehrung ist sofort zu erkennen. Ferner besteht eine Thrombozytenanisozytose mit vereinzeltem Nachweis von Riesenthrombozyten (Mitte unten).

Diagnose

Eine wichtige Differenzialdiagnose ist in der vorliegenden Konstellation das Vorliegen einer myeloproliferativen Neoplasie, insbesondere einer essenziellen Thrombozythämie (ET) oder einer Polycythaemia vera (PV). Via Knochenmarkhistologie und Nachweis einer heterozygoten JAK2-V617F-Genmutation konnte in diesem Fall die Diagnose einer ET gesichert werden.

Fazit für die Praxis

Bei Thrombosen und gleichzeitig bestehender Thrombozytose ohne äußeren Anlass (Operation, entzündliche Erkrankung etc.) muss differenzialdiagnostisch eine primäre Knochenmarkerkrankung im Sinne einer MPN in Betracht gezogen werden.

Cave

Zu beachten ist, dass das Thromboserisiko bei MPN nicht streng mit der Thromboyztenzahl korreliert. So können einerseits Thromboembolien bereits bei nur mäßig erhöhten Thrombozytenwerten auftreten. Andererseits steht bei exzessiven Thrombozytenwerten von > 1000 G/l nicht die Thrombosegefahr, sondern wegen einer gleichzeitig bestehenden Thrombozytenfunktionsstörung ein erhöhtes Blutungsrisiko im Vordergrund.

1.1.6 Thrombozytopenie

Thrombozytopenien treten bei vielen Erkrankungen auf.

Merke

Da die maschinelle Thrombozytenzählung vielen Fehlerquellen (z.B. EDTA-vermittelte Pseudothrombozytopenie) unterliegt, muss eine Thrombozytopenie zunächst mikroskopisch verifiziert werden.

Eine mikroskopisch verifizierte Thrombozytopenie muss wegen der Gefährlichkeit der in Betracht kommenden Differenzialdiagnosen rasch abgeklärt werden.

1.1.6.1 Fallbeispiel: Isolierte Thrombozytopenie

Klinisches Bild

Wegen einer Hämatomneigung stellt sich eine 41-jährige Patientin bei ihrem Hausarzt vor. Zudem sei ihre Menstruation seit einiger Zeit länger und stärker als gewöhnlich. Der Gynäkologe habe jedoch keine Ursache hierfür finden können. Ansonsten sei das Allgemeinbefinden nicht eingeschränkt. Die Patientin ist als Handelsvertreterin sehr viel unterwegs und bereise regelmäßig auch außereuropäische Länder. In der Anamnese finden sich diverse Sportverletzungen, die jedoch allesamt folgenlos blieben. Außerdem habe die Patientin einen „nervösen Magen“.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung fallen petechiale Einblutungen am Gaumen auf. Petechien sind auch distal beider Kniegelenke mit besonderer Betonung an den Sprunggelenken zu finden. Am Dekolleté findet sich ein suspekter Nävus.

Diagnostik und Befunde

Im Rahmen der orientierenden Labordiagnostik werden die in ▶ Tab. 1.16 gezeigten Befunde erhoben. Die Patientin wird umgehend an eine hämatologische Klinik überwiesen, wo eine Knochenmarkpunktion erfolgt. Die Aspirationszytologie zeigt eine insgesamt etwas gesteigerte, aber regelrechte Hämatopoese, insbesondere liegt keine Infiltration durch neoplastische Zellen vor. Die Megakaryozyten sind leicht hyperlobuliert.

Tab. 1.16

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Isolierte Thrombozytopenie“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

8,7 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

12,6 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

79 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

31 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

13 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

2%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

60%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

1%

2–4%

Basophile Granulozyten

0%

0–1%

Lymphozyten

33%

25–40%

Monozyten

4%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

< 5 mg/l

< 5 mg/l

Diagnose

Es liegt eine Immunthrombozytopenie (idiopathische thrombozytopenische Purpura, Morbus Werlhof) vor.

Fazit für die Praxis

Eine isolierte Thrombozytopenie, die bei ansonsten gutem Allgemeinbefinden auftritt, ist verdächtig auf eine Immunthrombozytopenie. Zuvor muss jedoch in jedem Fall eine primäre Knochenmarkerkrankung (v.a. akute Leukämien) via Knochenmarkdiagnostik ausgeschlossen werden.

1.1.6.2 Fallbeispiel: Thrombozytopenie unter Heparintherapie

Klinisches Bild

Ein 71-jähriger Patient wird in einer orthopädischen Klinik wegen einer fortgeschrittenen Coxarthrose mit einer Hüftgelenksendoprothese versorgt. Die perioperative Antikoagulation zur Thromboseprophylaxe des normgewichtigen Herrn erfolgt mit Nadroparin 2850 IE s.c. Es liegt eine umfangreiche Komorbidität in Form einer koronaren Herzkrankheit, einer arteriellen Hypertonie, einer Hyperurikämie und einer Dyslipoproteinämie sowie eine entsprechende Begleitmedikation vor. Der Patient wurde vor einigen Jahren wegen einer Sigmadivertikulitis und einer Cholezystitis operiert. Sechs Tage nach dem aktuellen Eingriff stellt der Patient eine schmerzhafte Umfangsvermehrung des nicht operierten Beines fest.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung kann die Umfangsvermehrung objektiviert werden. Ferner fallen an dem betroffenen Bein indurierte oberflächliche Venenstränge auf. Der Fußauftritt ist schmerzhaft. Es besteht ein fraglicher Wadenkompressionsschmerz.

Diagnostik und Befunde

Via Dopplersonografie kann eine ca. 11 cm lange Thrombosierung der V. poplitea sinistra gezeigt werden. Während die präoperativen Laboruntersuchungen keine relevanten Normabweichungen beim Blutbild zeigten, werden bei einer erneuten Analyse die in ▶ Tab. 1.17 dargestellten Werte ermittelt. Ferner liegen eine leichtgradige Verlängerung der aktivierten partiellen Thromboplastinzeit (aPTT) auf 40 s sowie eine deutliche Erhöhung der D-Dimere auf 8,2 mg/l vor.

Tab. 1.17

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Thrombozytopenie unter Heparintherapie“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

13,1 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

12,9 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

85 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

34 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

42 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

5%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

53%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

0%

2–4%

Basophile Granulozyten

0%

0–1%

Lymphozyten

37%

25–40%

Monozyten

5%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

8,9 mg/l

< 5 mg/l

Diagnose

Bei der vorliegenden Konstellation muss bis zum Beweis des Gegenteils von der Verdachtsdiagnose einer heparininduzierten Thrombozytopenie Typ II (HIT II) ausgegangen werden.

Fazit für die Praxis

Cave

Ein Thrombozytenabfall unter Heparin muss immer an eine HIT denken lassen.

Dies gilt umso mehr, wenn die Thrombozyten unvermittelt auf Werte < 100 G/l fallen und gleichzeitig eine Thrombose auftritt, da hier die sehr gefährliche HIT II vorliegen kann. Eine HIT ist zwar unter hochmolekularem Heparin wesentlich häufiger, kann aber auch bei Gabe von niedermolekularem Heparin auftreten. Bereits im Verdachtsfall muss Heparin sofort abgesetzt und durch Alternativpräparate (Hirudin-Derivate, Heparinoide etc.) ersetzt werden.

1.1.6.3 Fallbeispiel: Thrombozytopenie und Dysplasien

Klinisches Bild

Im Rahmen einer Routineuntersuchung stellt der Hausarzt bei einer 82-jährigen Dame einen Thrombozytenwert von 54 G/l fest. Eine hämorrhagische Diathese besteht nicht, obwohl die Patientin wegen eines chronischen Vorhofflimmerns mit Phenprocoumon INR-wirksam antikoaguliert ist. Rückschauend hat sich die aktuelle Thrombozytopenie langsam über die letzten 24 Monate entwickelt. Nebendiagnosen sind: Osteoporose, Vorhofflimmern, arterielle Hypertonie, Gonarthrose bds., Niereninsuffizienz im Stadium I.

Körperliche Untersuchung

Die symptomorientierte körperliche Untersuchung ergibt keinen pathologischen Befund.

Diagnostik und Befunde

Die in ▶ Tab. 1.18 gezeigten Laborparameter werden erhoben. Es liegt zusätzlich eine leichte Kreatininerhöhung auf 1,5 mg/dl vor.

Tab. 1.18

 Laborergebnisse zum Fallbeispiel „Thrombozytopenie und Dysplasien“.

Parameter

Messergebnis

Referenzbereich

Leukozyten

4,7 G/l

4,5–10,5 G/l

Hämoglobin

11,8 g/dl

12,5–16,5 g/dl

Mean corpuscular Volume (MCV)

85 fl

80–100 fl

Mean corpuscular Hemoglobin (MCH)

34 g/dl

32–35 g/dl

Thrombozyten

54 G/l

150–400 G/l

Stabkernige neutrophile Granulozyten

4%

3–5%

Segmentkernige neutrophile Granulozyten

55%

55–60%

Eosinophile Granulozyten

1%

2–4%

Basophile Granulozyten

0%

0–1%

Lymphozyten

36%

25–40%

Monozyten

5%

3–7%

C-reaktives Protein (CRP)

< 5 mg/l

< 5 mg/l

Diagnose

Nach Überweisung an einen hämatologischen Kollegen erfolgt eine Knochenmarkpunktion, welche die Diagnose einer Myelodysplasie vom Typ der refraktären Zytopenie mit multlineären Dysplasien (RCMD) erbringt.

Fazit für die Praxis

Mäßiggradige Zytopenien, die sich über längere Zeiträume entwickeln oder weitgehend stabil sind, können v.a. bei älteren Patienten Ausdruck einer Myelodysplasie sein.

Merke

Die Diagnose einer Myelodysplasie erfordert unbedingt eine Sicherung via Knochenmarkzytologie und -histologie.

1.2 Lymphadenopathie

M. Hildebrandt

Im folgenden Abschnitt werden die differenzialdiagnostischen Überlegungen zu und das Herangehen an Lymphknotenschwellungen aus hämatologisch-onkologischer Perspektive dargestellt.

1.2.1 Diagnostisches Vorgehen

Bei der Vorstellung eines Patienten mit einer Lymphknotenschwellung stellen sich grundsätzlich die Fragen, ob und wie rasch ein suspekter vergrößerter Lymphknoten biopsiert werden soll, ferner, wie groß Lymphknoten sein müssen, um als abnorm eingestuft zu werden.

Merke

Alter des Patienten, Beruf und Expositionsrisiken beeinflussen das Vorgehen ebenso wie die Lokalisation des Lymphknotens.

Die häufigste Ursache von Lymphknotenvergrößerungen ist die Zellproliferation im Rahmen eines Antigenstimulus. So können häufig Verletzungen der Hand zu kleinen, tastbaren epitrochleären und axillären Lymphknotenschwellungen führen.

Alter des Patienten Kinder und Jugendliche haben häufiger tastbar vergrößerte Lymphknoten als Erwachsene. Dementsprechend fällt die Definition einer generalisierten Lymphadenopathie bei Kindern und Jugendlichen in der Regel liberaler aus als bei Erwachsenen. Ebenso sind Tonsillenvergrößerungen bei Schulkindern regelhaft nachweisbar, bei Erwachsenen hingegen selten.

Sonografie Ein vergrößerter Lymphknoten erscheint bei der klinischen Abschätzung in der Regel größer als bei der sonografischen Vermessung. Diese stützt ansonsten jedoch meist die klinische Einschätzung, insbesondere bei der Abgrenzung einer reaktiven Lymphknotenschwellung von einem malignen Geschehen. Neben der Größe und Form bzw. der Entrundung des Lymphknotens zeigt sich sonografisch eine Aufhebung der Binnenstruktur des Lymphknotens, die mit der ertasteten Konsistenzveränderung des Lymphknotens korrespondiert und auf ein malignes Geschehen hinweist. Für das Ertasten vergrößerter retroperitonealer