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1. Teil Mell, eine junge Frau lebt bei ihrer Familie auf einer Farm. Ihr eintöniges Leben wird durch den Wunsch einer verstorbenen Freundin ganz durcheinander gewirbelt. Nun sieht sich Mell vor der Aufgabe, sich um vier verwaiste Kinder zu kümmern. Wie reagieren die Kinder auf sie? Kann Mell ihnen in ihrer Trauer beistehen? Und wie weit geht diese, ihr anvertraute Aufgabe? Über ihr Leben hinaus? 2. Teil Marie, besucht ihre Schwester Mell und erhält dort den Ruf mit in den Westen zu ziehen. Ihre größte Herausforderung ist es, ihrem frisch angetrautem Ehemann zu vertrauen und in all den Schwierigkeiten immer wieder zu Gott zu kommen. Kann sie ihre Ängste loswerden und nach vorne sehen? Oder werden die Aufgaben vor der ihr Mann sie immer wieder stellt die Oberhand gewinnen?
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Seitenzahl: 421
Veröffentlichungsjahr: 2018
Kapitel 1
Es war gerade Sommer geworden. Die Sonne schien schon zwischen den Bergen und alles lag noch friedlich im morgendlichen Schlaf.
Bald würde es Zeit sein aufzustehen und dann musste ich die Stallrunde machen. Jeden Morgen war es dieselbe Tätigkeit. Doch die Arbeit ging mir gut von der Hand. Die Tiere begrüßten mich stets freundlich und ich hatte gefallen daran sie zu versorgen.
Neben den Kühen und den Pferden hatte ich auch einige Hühner zu versorgen. Eigentlich ist es ungewöhnlich, dass ein Mädchen meines Alters, ich war gerade 19 Jahre alt geworden, den Hof versorgte, doch bei uns in der Familie war so einiges ungewöhnlich.
Meine 8-Köpfige Familie und ich wohnen etwas außerhalb von Hambilton. Ein sehr kleines Dorf in Michigan. Meinen Eltern, die Zwillingen Sam und Slit, meine drei Schwestern Marie, Evie, Kathe und ich wohnen auf einer Farm.
Ich werde von allen Mell genannt, eigentlich heiße ich Melissa.
Da ich meine schulische Ausbildung schon abgeschlossen habe, helfe ich meiner Mutter daheim alles zu erledigen. Bei sechs Kindern ist dies gar nicht so einfach alles auf die Reihe zu kriegen.
Mein Vater bestellt das Land und kann sich daher nicht auch noch um anderes kümmern. Die Zwillinge gehen noch zur Schule, sie sind vor einigen Monaten 8 Jahre alt geworden und meine Schwestern haben alle Arbeit in Hambilton gefunden. So tragen sie auch zum Familien Leben bei.
Obwohl wir Mädels alle Heiratsfähig sind gab es bisher noch keine Verehrer. In Hambilton wohnen nicht so viele Menschen und da unsere Familie an Gott glaubt, stehen sowieso nur wenige Männer auf Pas Liste, die als gute Ehemänner in frage kommen würden.
Dieser heutige Tag verlief genauso ereignislos, wie er begonnen hatte. Nicht das mich das verwundert hätte, doch langsam würde ein bisschen Aufregung mir ganz gut tun.
Als wir dann bei unserer täglichen Abendlese waren fragte Slit jedoch etwas sehr interessantes. „Pa, woran merken wir, dass wir im Willen Gottes Leben, wenn wir ihn nicht hören?“
Alle unsere Augen hefteten sich auf Pa. Selten war es bei uns so still.
Pa lehnte sich bequem zurück und dachte kurz nach bevor er Slit antwortet. „Weiß du Slit“ begann er „wenn du in dir drinnen einen Frieden verspürst, dann lebst du in Gottes Willen, wenn es jedoch so ist wie es bei Ma mal war, bevor sie sich entschieden hat mich zu heiraten, dann solltest du darüber nachdenken, ob Gott nicht was anderes für dich hat.“
„Und wie mache ich das dann? Wie weiß ich, welcher dann der richtige Weg ist?“ hackte Slit noch einmal nach.
Dieses Mal antwortete Ma. „Den richtigen Weg zu finden ist meist nicht so einfach. Oft muss man dann erst in eine andere Richtung gehen und prüfen ob man Frieden hat und wenn es dann nicht so ist, probiert man es weiter. Bei mir war es so das ich immer an das Denken musste was richtig war.“
„Ma, erzähl uns doch wie das damals gelaufen ist, bevor du Pa geheiratet hast.“ Drängte jetzt Kathe, sie war 18 und hätte am liebsten schon längst geheiratet.
„Mmh, das war damals so. Pa besuchte mich schon einige Abende. Doch ich hatte eigentlich nur Augen für einen gewissen Walter Licht. Damals fand ich ihn einfach klasse. Er war wild, dynamisch und Charmant. Alle Mädchen waren in ihn verliebt. Und er hatte eine Freundin nach der anderen. Doch eines Tages fragte er mich, ob er mich nicht besuchen dürfte. Ich willigte ein und sagte Pa er könne seine Besuche einstellen, da ich mir sehr sicher war, dass Walter mich fragen würde, ob ich ihn heiraten wolle. Die Abende waren oft sehr heiter mit Walter, doch mit der Zeit merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Das wollte ich eigentlich nicht wahrhaben und versuchte es längere Zeit nicht zu beachten. An einem schönen Winterabend waren wir jungen Leute dann Schlitten fahren. Anschließend brachte mich Walter nach Hause. Kurz vorm Haus hielt er an, zog mich in seine Arme und Küsste mich heftig. Ich war darauf nicht vorbereitet gewesen und versuchte mich zu befreien, doch ich konnte nicht er war viel zu stark. Da tauchte Pa auf einmal aus der Dunkelheit auf. `Lass sie los, Walter´ rief er zornig.“ Hier ahmte Ma Pas Stimme nach. „Erschreckt drehte Walter sich um. Ohne zu antworten stieß er mich auf Pa zu. Und lachte gehässig. ´Hier mit ihr bin ich fertig.´“ Ma schüttelte kurz den Kopf. „Er marschierte dann einfach pfeifend weg.“
Sie blickte nun Pa an. Er lächelte liebevoll zurück.
Ja, man konnte es beiden ansehen, dass sie einander liebten.
Ma erzählte weiter. „Pa fing mich auf als Walter mich zu ihm stieß. Er half mir wieder Boden unter die Füße zu kriegen. Dann sagte er ´So ein grausamer Kerl. Komm, ich bringe dich Heim.´ Ich konnte es noch gar nicht fassen, was passiert war und ließ mich von Pa am Arm nach Hause begleiten. An der Haustür wünschte er mir eine gute Nacht und verließ mich. Als er wegging schaute er sich nicht mehr um. Ich schaute ihn jedoch mehrer Minuten lang nach. Als ich dann ins Haus ging weinte ich in meinem Zimmer, die ganze Nacht. Bis ich endlich wusste was falsch gelaufen war, verging die ganze Nacht. Ständig machte ich mir selber Vorwürfe und versuchte Walter zu rechfertigen, doch ich wusste, dass ich an allem selber Schuld war. Ich bekannte meine Schuld vor Gott und bat ihm mir alles zu vergeben. Auch das ich nicht auf Gottes Ratschlag hören wollte und meinen eigenen Weg gegangen bin.
Es vergingen zwei Wochen, wo ich Pa nicht gesehen habe. Doch in der Zeit lernte ich mich auf Gott zu verlassen und bat ihn inständig mir aus diesem Schlamassel, dass ich angerichtet hatte, heraus zu helfen. Dann bei einem Gemeindefest trafen Pa und ich wieder aufeinander. Ich blickte beschämt zu Boden, Pa grüßte nur kurz und wollte an mir vorbei gehen. Doch ich berührt kurz entschlossen seinen Arm. Ihr müsst wissen, dass es sich damals nicht geziemt hat sich so zu berühren. Erstaunt blickte Pa auf. Ich bat ihn mit mir kurz Spazieren zu gehen, da ich ihm einiges Erklären wollte. Trotz der Blicke, die uns die anderen zuwarfen, willigte er ein. Ich war ihm damals sehr Dankbar, dass er mich nicht betteln ließ und mich auch sonst nicht vor den anderen Beschämte. So gingen wir aus dem Gemeindesaal und hinter die Gemeinde in den Wald. Er sagte kein Wort doch ich merkte, dass er sehr gespannt war, was ich von ihm wollte. Ich wusste nicht recht wie ich es anfangen sollte, doch da sprudelte es auf einmal alles aus mir heraus. Ich erzählte ihm wie falsch ich mit Walter gelegen hatte und das ich erst an dem Winterabend gemerkt habe wie viel Pa mir bedeutete. Ja und dann fiel mir nichts mehr ein.“ Ma lächelte verlegen. „Ich wusste nicht wie Pa reagieren würde und wartete angespannt und voller Furcht darauf, dass er was sagte. Er bleib steh und wartete bis ich ihm in die Augen schaute, dann sagte er etwas was ich nie vergessen werde.“ Ma schaute Pa liebevoll an und strich ihm kurz über die Wange.
Pa nahm Mas Hand in seine und da erzählte Ma auch schon weiter. „Er fragte mich gerade heraus, ob ich ihn Heiraten wollte.“ Ma lachte nun. „Ich stand wie vom Donner gerührt da und wusste nicht wie mir geschah. Ich bekam auf einmal Frieden ins Herz und da wusste ich, dass ich Pa liebte und ihn heiraten wollte. Ich konnte nur ein schwaches Ja zustande bringen und da hatte Pa mich auch schon in seine Arme geschlossen. Wisst ihr Kinder, wenn man auf sein Herz hört, dann wird Gott alle Dinge zum Besten wenden und ihr habt immer Frieden im Herzen. Auch wenn wir manchmal über Umwege ans Ziel gelangen, Gott gibt uns immer wieder die Möglichkeiten umzukehren.“ Endigte Ma lächelnd ihre Geschichte.
Wir redeten noch kurz über das gehörte, jeder meiner Schwerstern war sehr aufgeregt und schon gespannt wie Gott bei ihnen wirken wollte.
Da schaute Pa auf seine Uhr, es war spät geworden. Wir beteten noch zusammen und gingen dann zu Bett, wir mussten ja alle am nächsten Tag zeitig aufstehen.
Dieses Gespräch beschäftigte mich noch lange nach diesem Abend. Ich wusste allerdings nicht, das dies erst der Anfang war, der alles verändern sollte.
Kapitel 2: Der Brief
Ich fing wie jeden morgen an, Gott für den Tag zu danken und ihn zu bitten mich zu führen und zu leiten und mir seinen Willen für mein Leben zu zeigen. Ich hatte seid der Gesichte von Ma begonnen, dies zu Beten.
Danach ging ich an meine Stallarbeit. Als ich wieder ins Haus kam, saßen schon fast alle am Tisch, da wir morgens immer gemeinsam frühstückten. Wir beteten und Pa lass die Morgenandacht, dann wurde kräftig zugelangt und von den anstehenden Arbeiten gesprochen. Gerade als wir mit dem Essen fertig waren, vernahmen wir schnelle Pferdehufen und da bellte auch schon Wick, unser Hofhund. Er ist schon ziemlich alt und hört nicht mehr so gut, daher fing er immer erst an zu bellen, wenn die Reiter schon fast unsern Hof erreicht hatten.
Pa und Ma traten auf unsere Veranda, um den Reiter zu begrüßen.
Ich sprang ebenfalls auf und fing schnell an den Tisch abzuräumen, um Ma die Arbeit etwas zu erleichtern. Slit und Sam mussten zur Schule, sie standen ebenfalls auf und liefen sich schell fertig machen. Kathe, Evie und Marie beeilten sich ebenfalls zur Arbeit zu kommen. Evie und Kathe hatten in dem einzigen Gemischwaren Laden eine Stelle gefunden, sie bedienten die Kunden und kümmerten sich um die Waren. Marie half bei einer Familie im Haushalt aus, wo die Mutter krank geworden war.
Nachdem Pa und Ma den Reiter begrüßt hatten, kamen sie wieder rein. Ma hatte einen Brief in der Hand und Pa zog sich an um aufs Feld zu gehen.
„Wollte der Reiter nicht für eine Tasse Kaffee reinkommen?“ erkundigte ich mich.
„Nein, mein Schatz.“ Ma schüttelte den Kopf. „Er musste schnell wieder zurück zu seiner Farm. Könntest du bitte schon den Brotteig fertig machen? Ich muss noch schnell die Wäsche aufhängen gehen.“ Bat sie mich.
Ich nickte und fing mit der Arbeit an. Bis zum Mittag war ich schon so gespannt, was wohl im Brief stand, dass ich es nicht aushalten konnte bis Ma von sich aus anfing zu erzählen und fragte Ma danach.
„Welcher Brief?“ Fragte sie verständnislos.
Ich erinnerte sie geduldig an den Reiter. „Ach, der Brief! Ja weißt du, den habe ich ganz vergessen vor lauter Arbeit.“ Ma wischte sich kurzerhand die Hände trocken, da sie grade dabei war die Bohnen zu säubern und holte den Brief aus ihrer Schürzentasche. Sorgfältig öffnete sie ihn und fing an zu lesen.
An ihrem Gesicht konnte ich ablesen, dass es schlechte Neuigkeiten waren. Doch Ma nickte mir nur einmal kurz zu und ging dann wieder ihrer Arbeit nach. Das sie mir den Brief vorenthielt war eigenartig. Normaler weise erzählte Ma mir immer alles. Ich fragte mich also, was vorgefallen war.
Ich beobachtete Ma unauffällig und sie wischte sich hin und wieder eine Träne aus den Augen, arbeitete aber weiter.
Kurze Zeit später kamen die Jungs aus der Schule und erkundigten sich nach dem Reiter von heute morgen. Ma sagte ihnen nur, dass er einen Brief gebracht habe und das sie alles weitere beim Abendessen erfahren würden.
Sie nickte und fragten nicht weiter nach. Ma schickte sie nach draußen zum Spielen bis das Mittagessen fertig war, die Hausaufgaben würden sie dann nach dem Essen erledigen.
Nachdem wir mit den Jungs Mittag gegessen hatten, wuschen wir das Geschirr und ich ging nach Draußen, um die Wäsche abzuhängen. Ma ging derweilen zu Pa aufs Feld, um ihm das Mittagessen zu bringen.
Ich erledigte meine Arbeit schneller an diesem Nachmittag, da ich unbedingt noch etwas Zeit zum Lesen haben wollte. So ging ich noch für eine Stunde an den Bach, der nicht weit am Haus vorbei floss. Ich genoss es an der frischen Luft zu lesen und meinen Gedanken nachzugehen. Doch heute war ich sehr unruhig, es hatte wohl etwas mit dem Brief zu tun. Ich konnte mich nur schwer aufs Lesen konzentrieren, da meine Gedanken immer wieder in die ferne schweiften.
Als ich dann wieder Heim kam, war Ma immer noch nicht vom Feld zurückgekehrt. Ich fing daher schon an das Abendbrot vorzubereiten. Gerade als Marie, Evie und Kathe von ihrer Arbeit kamen, war auch Ma wieder da. Schnell wurden die neusten Neuigkeiten aus der Stadt erzählt, da kam auch schon Pa vom Feld, früher wie sonst.
Kathe half Ma beim Tischdecken und Pa ging mit mir in den Stall, um mir zu helfen die Tiere für den Abend zu versorgen. Normalerweise machte er das immer dann, wenn er mit mir reden wollte.
Ich dachte mir dieses Mal nichts dabei und freute mich Pa etwas für mich allein zu haben. Lachend erzählte ich ihm einige Dinge, die sich ereignet hatten. Doch Pa war während der ganzen Arbeit recht still, dass kannte ich von ihm nicht.
Als wir dann fertig waren, setzte er sich auf die Bank vor der Scheune und bat mich neben ihm Platz zu nehmen. Dann schaute er in die Ferne und dachte nach. Ich bemühte mich ruhig zu sitzen und zu warten bis Pa mit dem reden anfing. Doch ich musste mich ganz schön gedulden, weil es mir schon immer schwer fiel zu warten.
Da fing er endlich an zu reden. „Weißt du noch wie wir mal nach Livington gereist sind, in die nächst größere Stadt?“
Ich nickte, es war damals ein Hochzeitsgeschenk von Pa an Ma, dass wir als ganze Familie nach Livington gereist waren, um da eine Ausstellung von ihrer besten Freundin Marlene Free zu besuchen. Auf der Hinfahrt hatte ich meine Eltern aus den Augen verloren und ein junges Ehepaar war so hilfreich gewesen und hatten mir geholfen sie wieder zu finden. Damals war ich gerade 10 Jahre alt. Seid dem hielten wir Briefkontakt mit dem Ehepaar und sie sind mir zu echten Freunden geworden.
Wie sich später herausstellte, wohnte das Junge Paar nicht weit von meiner Tante Fin und meinem Onkel Karl, sodass auch sie sich bald anfreundeten. Manchmal, wenn wir dann Tante Fin besuchten, die Schwester meiner Mutter, schauten wir auch bei der Familie Charles vorbei. Das Junge Paar hatte mittlerweile 4 Kinder.
Pa hatte eine Pause gemacht und setzte nun wieder an. „Familie Charles ist etwas Schreckliches zugestoßen.“ Sagte er traurig. „Es gab ja am Samstag ein großes Gewitter. Ruth und Dick hatten ihre Kinder bei Tante Fin abgegeben, damit sie in die Stadt fahren konnten und da sind sie in das Gewitter geraden und tödlich verunglückt.“ Nun redete Pa schnell weiter. „Dick hatte die Pferde angespornt schnell zu laufen und da passierte es, sie fuhren zu schnell und schafften die Kurve nicht und verloren durch den aufgeweichten Boden den Halt. Sie rutschten einen Abhang hinunter und überschlugen sich dreimal. Dick war sofort Tod, doch Ruth schleppte sich einige Meter weiter. Kurz nach dem Unglück tauchte ein Farmarbeiter auf und versuchte ihr zu helfen. Sie klappte völlig erschöpft in seinen Armen zusammen. Bevor sie starb bat sie den Farmer noch um einen Gefallen.“ Pa stoppte und erst jetzt erfasste ich die volle Situation. Ich fing leise an zu weinen. Das konnte doch nicht war sein, dachte ich bei mir, eine so Gottesfürchtige Familie. Und die kleinen Kinder waren jetzt ganz alleine.
Pa legte den Arm um mich und redete tröstend auf mich ein. Nachdem ich mich etwas gefangen hatte, schaute er mir in die Augen. „Mell, die letzte Bitte von Ruth galt dir. Sie wollte, dass du dich ihrer Kinder annimmst. Außer dir hatten sie nicht viele Freunde, denen sie ihren Kindern anvertrauen könnten.“
Ich schaute Pa ungläubig an. „Sie, sie wollte, dass ich mich um ihre Kinder kümmere?“ fragte ich ganz verwirrt.
Pa nickte. „Ich würde es verstehen, wenn du dies nicht tun möchtest.“ Versuchte Pa mir meine Entscheidung leichter zu machen. „Es findet sich bestimmt jemand anderes, der sich der Kinder annehmen kann.“
Ich wusste, dass er mich nicht drängen würde, obwohl ich es ihm ansah, dass er wollte, dass ich Ruths letzten Willen befolge. Als ich an die Kinder von Ruth dachte, die ich sehr lieb gewonnen hatte, wusste ich was ich zu tun hatte. Ich schaute meinem Pa fest in die Augen und antwortete. „Pa, ich würde gerne so bald es geh abreisen, um mich um Ruth und Dicks Kinder zu kümmern.“
Pa lächelte mich liebevoll an und nickte dann. „Mell, du triffst die richtige Entscheidung. Da ist jedoch noch eines, bisher konnte Tante Fin den Bruder von Dick nicht erreichen. Er ist der einzigste Verwandte der noch da ist. Wie du weißt, hatte Ruth keine Familie mehr. Doch Dicks Bruder lebt in Texas. Sobald man von ihm gehört hat, wird entschieden was mit den Kindern passiert. Doch bis dahin sollest du den Wunsch von Ruth folge leisten.“ Er umarmte mich.
Wir blieben noch einige Zeit draußen sitzen und jeder hing seinen Gedanken nach.
Was jetzt bald auf mich zukommen würde wusste ich nicht. Kinder zu versorgen war eine Lebensaufgabe. Von klein auf hat Ma mich und meine Schwestern versucht auf diese Aufgabe vorzubereiten. Wir haben uns damals schon sehr auf unsere eigenen Kinder gefreut. Doch jetzt, wo ich kurz davor war die Versorgung von Kindern und deren Erziehung zu übernehmen, wusste ich nicht, ob ich dem gewachsen war.
Pa und ich gingen ins Haus. Der Rest der Familie war bereits versammelt und wurden vom Inhalt des Briefes unterrichtet. Ma hatte nichts anderes erwartet, als dass ich gehen würde und lächelte mich ermutigend und stolz an.
Da es schon Donnerstag war beschlossen meine Eltern, dass ich am Samstag nach dem Mittagessen mit Pa zu Tante Fin abreisen sollte. Sie würde uns dann mit allem unterrichten und mich den Kinder vorstellen, da diese mich wahrscheinlich nicht mehr kannten. Weil die Fahrt zu Tante Fin vier Stunden dauerte würde sollte Pa dort Übernachten und dann anschließend wieder zurückkehren.
Ich freute mich schon auf meine neue Aufgabe und bat Gott mich zu leiten. Doch eine Frage konnte Pa mir nicht beantworteten, nämlich was Ruth sonst noch vor ihrem Tod gesagt hatte. Das würde ich wohl erst erfahren, wenn ich bei Tante Fin war.
Tante Fin kümmerte sich in der Zwischenzeit um die Kinder, obwohl sie selber mit ihren sechs Kindern genug Ablenkung hat.
Ma gab mir viele gute Ratschläge mit auf dem Weg und sie half mir meine Garderobe fertig zu machen. Denn keiner von uns wusste, wie lange ich mich um die Kinder kümmern sollte. So beschloss Ma einfach, dass ich alle Kleider mit nehmen sollte, die ich hatte.
Meine Schwestern brachten mir neue Schuhe aus der Stadt mit und einige warme Socken und Handschuhe. Sie hatten dies von ihrem Gehalt bezahlt. Dankend fiel ich ihnen mit Tränen in den Augen um den Hals.
Es würde nicht leicht sein von ihnen allen Abschied zu nehmen. Selbst die Zwillinge merkten, dass eine traurige Atmosphäre sich über unser Zuhause gelegt hatte. Sie verhielten sich liebevoll mir gegenüber und halfen, wo sie nur konnten. Dann war es auch schon Samstag und wir nahmen ein letztes Mal gemeinsam das Mittagessen ein. Ich wusste, dass ich sie alle sehr vermissen würde, da ich noch nie länger als zwei Wochen von daheim weg war. Ich konnte es mir noch gar nicht vorstellen wie es sein würde, wenn ich länger wegbleiben würde.
Schweren Herzens verabschiedete ich mich von allen. Ma nahm mich lange in den Arm und sagte „Meine liebe Tochter, ich lasse dich nur ungern gehen, doch ich weiß, dass Gott mit dir ist und das ist mir ein Trost. Vergiss niemals, dass er dir zur Seite steht und egal was du tust, denke immer daran, dass du Frieden im Herzen hast.“
Ich konnte nur nicken, da meine Stimme mir versagte. Ich umarmte noch meine Geschwister und dann ging es auch schon los zu Tante Fin und den Kindern, die ihre Eltern verloren hatten.
Pa war auf den ganzen Weg zu Tante Fin sehr schweigsam und auch ich hing meinen Gedanken nach. Kurz bevor wir ankamen fing Pa an zu reden. „Melissa, du weißt, dass wir dich daheim sehr lieb haben. Und wir alle werden dich vermissen. Und das, was ich dir jetzt sage fällt mir sehr schwer.“ Er atmete einmal tief ein, so als ob er dadurch Mut bekommen würde. „Ich möchte, dass du erst wieder nach Hause kommst, wenn du weißt, dass Ruth und Dicks Kinder gut und richtig versorgt sind. Vorher erwarten Ma und ich dich nicht.“
Ich nickte mit Tränen in den Augen. Dann schlag ich meine Arme um ihn und drückte ihn fest. „Danke Pa, danke das du mich verstehst.“
Er nickte benommen und wandte sich dann wieder der Straße zu.
Pa und Ma kannten mich und wussten, dass wenn ich mich zu etwas entschieden hatte, ich alles dransetzte würde, das dies auch gelang und ich nicht eher Ruhe gab bis es für mich zufrieden stellend war. Ich dankte Gott, dass meine Eltern mir die Freiheit einräumten, mich um die Kinder zu kümmern und nicht nur das, sondern das ich auch die Möglichkeit bekam zu sehen, wie sie später versorgt werden sollten.
Ich bat Gott um Führung und Leitung, den die Aufgabe die ich angenommen hatte würde bestimmt nicht einfach werden. Vor allem jedoch den Kindern in ihrer Trauer beizustehen.
Kapitel 3: Die Kinder
Meine Ankunft bei Tante Fin war von vielen Überraschungen begleitet. Anstatt, wie ich angenommen hatte, bei Tante Fin mit den Kindern zu wohnen erklärte sie mir, dass ich mit den Kindern auf Charles Farm schlafen würde, da bei ihnen einfach kein Platz war. Was ich auch einsah wegen ihrer Großfamilie. Tante Fin schickte noch Lebensmittel mit rüber und versprach in den nächsten Tagen nach mir zu sehen. So brachte Pa meine Sachen auch gleich auf die Farm.
Die Familien um Charles Farm halfen reih um die Kinder zu versorgen. Jetzt wo ich da war, freuten sich alle Frauen wieder ihren Alltag auf zu nehmen, da sie alle Hände voll zu tun hatten wegen der Ernte Zeit.
Der erste Abend verlief ohne Zwischenfälle. Die Kinder waren recht verstört und schauten uns aus großen Augen schüchtern an. Alle Annäherungsversuche von mir und Pa blieben erfolglos. So das wir bald die Kinder ins Bett schickten und uns noch etwas an den Küchentisch setzten um für sie zu beten. Dann gingen auch wir schon schlafen.
Ich begleitete meinen Pa sehr früh am nächsten morgen nach draußen, da er es eilig hatte nach Hause zu kommen. Nachdem ich Pa verabschiedet hatte, betrat ich das Haus. Mein erster Blick fiel auf die Kinder, die wie verängstigt da saßen. Sie taten mir unendlich Leid. Keiner von ihnen hatte bisher ein Wort gesprochen.
Ich sah ein, dass sie mich nicht mehr kannten. Es war ja schon vier Jahren her, dass wir sie das letzte Mal besucht hatten. Dave, der älteste Junge war damals 5 Jahre, sein Bruder Mark 3 Jahre und die Kleine Liz war gerade ein Jahr alt geworden. Ben den jüngsten der 4 vier Kinder kannte ich noch gar nicht. Er kam erst vor drei Jahren auf die Welt.
Ich beschloss erst mal die Küche aufzuräumen und mich dann mir den Kindern zu beschäftigen. Da heute Sonntag war, würde ich mit ihnen zur Gemeinde fahren. Zeit hatte ich bis dahin noch genug. So machte mich an die Arbeit, um nachdem Aufwasch mich und dann die Kinder für den Gottesdienst fertig zu machen.
Nachdem ich fertig war, sah ich die vier verängstigten Kinder an. Freundlich trat ich auf sie zu. „So ihr Lieben, da heute ja Sonntag ist möchte ich gerne mit euch zum Gottesdienst fahren. Dave und Mark würdet ihr euch umziehen gehen? Und Liz und Ben nehme ich dann mit und helfe ihnen sich anzukleiden.“
„Nein, das machen wir schon.“ Sagte Dave schnell und zog seine Geschwister mit sich in ihr Schlafzimmer. Sie bewohnten alle zusammen in einem kleinen Zimmer. Da ich nichts dagegen einwenden wollte ging ich mich Achseln zuckend anziehen. Nachdem ich das Gespann eingespannt hatte, wollte ich nach den Kindern schauen gehen, doch sie kamen schon raus. Ich lächelte sie freundlich an.
Sie versteckten sich jedoch alle hinter Dave. Ich sah, dass sie sich richtig mühe gegeben hatten sich anzuziehen. Und ich beließ es dabei, obwohl Liz Haarband schief hing und das Hemd bei dem Kleinen Ben falsch zugeknöpft war.
Lächeln bat ich sie einzusteigen. Dann fuhren wir los. Als wir bei der Gemeinde ankamen waren schon viele Leute da. Auch Tante Fin. Sie kam lächelt auf mich zu.
„Mell, schön das du mit den Kindern gekommen bist. Es wird ihnen gut tun. Da sie seid der Beerdigung gar nicht mehr aus dem Haus waren.“ Sie umarmte mich schnell und schon läuteten die Glocken als Erinnerung, dass es gleich los ging. Ich band das Pferd fest und folgte den Kindern in die Gemeinde.
Nachdem Gottesdienst liefen die Kinder schnell zum Gespann. Ich merkte ihnen an, dass sie schnell nach Hause wollten.
Doch Tante Fin holte mich ein und lud uns zum Essen ein. Dankend lehnte ich jedoch ab. Ich erklärte ihr, dass ich jetzt etwas Zeit mir den Kindern brauchte, damit wir uns etwas anfreunden konnten. Ich umarmte sie herzlich. Sie verstand mich und wünschte mir Gottes Segen und seine Führung.
Die Gemeindemitglieder winkten uns nach und auch der Pastor schaute freundlich als wir vorbeifuhren.
So fuhr ich mit den Kindern wieder zurück zur Farm. Auf der Fahrt überlegte ich mir, was ich als nächstes mit den Kindern machen sollte und wie ich zu ihnen durchdringen konnte. Da gab Gott mir eine Idee.
Nachdem ich die Tiere versorgt hatte und die Kinder sich wieder Umgezogen hatten, machte ich ein Picknickskorb fertig und ging mit ihnen Spazieren. Das Wetter war schön und die Sonne lachte hell vom Himmel.
Unbewusst schlugen die Kinder den Weg zu dem Grab ihrer Eltern ein. Da ich nicht wusste, wo sie hinwollten ging ich ihnen einfach hinterher. Als ich dann sah, dass sie vor den zwei Erdhügeln stehen blieben wusste ich, dass es das Grab von Ruth und Dick war.
Die Kinder fingen auch gleich an zu weinen. Jeder klammerte sich an den anderen.
Auch ich konnte meine Tränen nicht zurück halten und weinte. Ich stellte den Korb ab und kniete mich hin um die Gräber zu berühren und Abschied zu nehmen.
Die Kinder kuckten mich ganz erschrocken an. Dann fing ich leise an zu singen. Ruth hatte mich damals, wo ich meine Eltern im Tumult in Livington verloren hatte ein Lied beigebracht.
Es handelte davon, dass wir keine Angst haben brauchen, weil Gott immer da ist, egal wie es uns geht oder wen wir jemanden verloren haben, Gott trotzdem für uns sorgt.
So kniete ich lange am Grab und sang das Lied zweimal durch. Dann fing ich an zu beten. Und bat Gott um Weisheit und Führung für die Kinder und um seinen Trost für sie. Ich hatte sie schon jetzt sehr lieb und ich wusste, dass sie einen schweren Verlust erlitten hatten und das sie Gottes Liebe brauchten mehr den je.
Nachdem ich mich durchs Gebet wieder gefangen hatte, schaute ich zu den Geschwistern hinüber.
Dave sah mich an. Dann fragte er leise. „Woher kennst du das Lied?“
Ich lächelte und wischte mir eine Träne ab. „Weißt du Dave, deine Ma hat es mich gelernt als ich ungefähr 10 Jahre alt war. Damals hatte ich mich verlaufen und sie fand mich und lehrte es mich damit ich keine Angst mehr hatte. Eure Ma war was ganz besonderes. Sie hatte immer gute Laune und liebte das Leben. Ihr größter Wunsch war es, dass alle die sie kennen Gott in ihrem Leben sehen würden.“
Dave nickt.
„Euer Pa war ebenfalls sehr lebensfroh und liebte Gott über alles. Einmal ist er mit mir Spazieren gegangen und da sind wir an einem Bach gelangt. Und da hat er mich kurzerhand hochgehoben und mich über den Bach getragen. Er hat nicht mal seine Schuhe ausgezogen. Ich hatte mich da so gewährt, das er mich in der Mitte des Baches einfach fallen lies. Klatsch nass tauchte ich wieder aus dem Wasser auf. Er lachte schallend und half mir auf. Als wir dann wieder am Ufer waren. Erzählte er mir das Gott mich niemals fallen lassen würde nicht so wie er. Und das wenn ich Gott mein Leben übergeben würde er mich auch niemals zwingen würde in seinem Weg zu gehen. Sondern er würde immer abwarten, ob ich Ihm von mir aus nachfolge wolle. Damals habe ich Gott in mein Leben gelassen. Eure Eltern waren die liebsten Menschen, die ich gekannt hatte. Sie liebten mich bedingungslos und brachten mir Gottes Liebe näher.“ Mir traten erneut Tränen in die Augen. „Und es tut mir schrecklich Leid, dass ihr sie so früh verloren habt. Doch wisst ihr, sie sind jetzt bei Gott im Himmel und da geht es ihnen besser wie ihr auf Erden. Sie vermissen euch genauso sehr wie ihr sie bestimmt vermisst. Doch sie würden niemals wollen, dass ihr wegen ihnen so traurig seid. Sie würden euch lieber lächeln sehen.“ Ich lächelte sie an unter meinen Tränen.
Mark schaute mich an. „Wie heiß du?“ fragte er schüchtern.
„Mell, na ja eigentlich Melissa, doch ihr dürft mich gerne Mell nennen.“
Plötzlich erhellte sich das Gesicht von Dave und Mark. „Du bist Melissa?“ fragte Dave.
Ich nickte etwas verwirrt. „Ja.“ Bestätigte ich.
„Dann, dann bist du diejenige die Ma und Pa geholfen hat Mark das Leben zu retten?“ Ich nickte erstaunt, dass sie das wussten.
Dave und seine Geschwister traten auf mich zu. „Ma hat uns immer erzählt, das wenn ihnen was zustoßen sollte, dass du dann kommst und auf uns aufpasst. Das du dich um uns kümmerst und das wir dir vertrauen können.“
Sie waren so nahe auf mich zugetreten, dass sie nur einen halben Schritt von mir entfernt standen.
„Und jetzt bist du da. Wir hatten gar nicht mehr mit dir gerechnet.“ Dave fing an zu weinen und umarmte mich. Und noch bevor ich mich versah hatte ich vier weinende Kinder im Arm und wir weinten gemeinsam um den Tod von Ruth und Dick. Und ich merkte, dass jetzt wo sie wussten wer ich war, ihnen ein Stein vom Herzen gefallen war. Sie schienen wieder Hoffnung zu haben.
*
Nach diesem Ausflug kam ich mit den Kindern richtig gut zurecht. Sie gewöhnten sich an mich und gewannen mich lieb. Es dauerte nicht lange und die Jungens liefen wieder nach draußen um zu spielen und bald hörte man wieder das Lachen der Kinder. Es tat ihnen gut über den Tod der Eltern zu reden und wieder einen richtigen Tagesablauf zu haben.
Ich betete jeden Tag für sie und das Gott mich recht führen möge. Auch führte ich ihre Tradition weiter jeden Abend ein Stück aus der Bibel zu lesen und mit ihnen zu Beten. Ich bemühte mich ihnen mit Liebe und Fürsorge zu begegnen. Jeden Tag aufs Neue, merkte ich, dass sie mit mehr Freude in den Tag starteten. Gott schien meine Gebete erhört zu haben und ich dankte ihm jeden Tag aufs Neue.
Kapitel 4: Umbruch
Die Zeit verging wie im Flug. Nun war es schon zwei Wochen her, dass ich zu den Kindern gekommen war. Ich genoss trotz der vielen Arbeit die Zeit mir ihnen. Sie hatten auch wieder an Gewicht zugenommen und ließen sich gut beschäftigen.
Tante Fin kam an einem Dienstag zu Besuch. Sie erkundigte sich nach den Kindern und freute sich über meine Vorschritte und das die Kinder so gut aussahen. Sie war sehr erstaunt, dass die Kinder mich mit Ma anredeten und alle meine Nähe suchten, keiner von den Kindern wich von meiner Seite.
Da erzählte mir Tante Fin von dem eigentlichen Grund ihres Besuches. Sie hatte einen Brief von dem Onkel der Kinder bekommen.
Er bat darin, dass man die Kinder zu ihm schicken sollte. Er würde alle nötigen Kosten begleichen, die Farm und die Tiere sollten für einen angemessenen Preis verkauft werden und was an Erbstück an die Kinder weitergereicht werden sollte, dürfte mitgeschickt werden. Da die Kinder jedoch die weite Reise nicht allein antreten könnten, bat er jemanden zu suchen, die gegen Bezahlung die Kinder zu ihm bringen würde. Er könnte zurzeit nicht von seiner Farm weg und ließ sich entschuldigen. Es täte ihm Leid, dass er sie bitten müsse sich um alles zu kümmern. Er bat Tante Fin, dass sie sich von dem Erlös etwas für ihre mühe zur Seite legen sollte.
Die Kinder und ich hörten mit weit aufgerissenen Augen zu. Das war ja allerhand. Die Kinder sollten zu ihm gebracht werden und ihre traute Umgebung verlassen. Dazu kannten sie ihren Onkel noch nicht einmal und irgendjemand sollte sie also dahin bringen? Entsetzten machte sich in mir breit.
Tante Fin ließ mir den Brief da und verabschiedete sich. Sie wollte am Donnerstag noch mal mit mir darüber reden.
Die Kinder und ich brauchten etwas Zeit, um damit umzugehen. Ich machte das Abendbrot fertig, doch es wollte keiner richtig essen. So holte ich die Bibel hervor und begann mit der abendlichen Bibellese. Wir lasen gerade den Text von Abraham, wie er sein Vaterland verlassen sollte und auf Geheiß von Gott ins neue Land aufbrechen sollte.
Nachdem ich Gebetet hatte schaute ich die Kinder der Reihe nach an. Ich wusste, dass sie nicht genau wussten, wie sie mit allem gehörten umgehen sollten. Doch bevor ich mit ihnen darüber reden konnte, musste ich selber erst einiges mit Gott bereden.
So brachte sie erst einmal ins Bett und wartete bis sie eingeschlafen waren. Dann ging ich runter und setzte mich auf die Veranda. Ich musste mal in Ruhe nachdenken. Nach etwa zwei Stunden, wo ich alles durchdacht hatte ging ich beruhigt schlafen, denn Gott hatte mich in dem bestätigt, was ich tun wollte. Am nächsten Morgen würde ich alles mit den Kindern durchsprechen.
Nach dem Frühstück, die Stallrunde machte immer ein Nachbarjunge mit, bat ich alle Kinder sitzen zu bleiben, da ich mit ihnen über den Brief und die Veränderungen reden wollte.
„Der Brief gestern hat uns alle ganz schön zugesetzt. Nicht war? Ich wollte euch gerne erzählen, wie meine Gedanken dazu aussehen. Anschließend möchte ich von euch hören, ob ihr damit einverstanden seid.“ Ich lächelte liebevoll in die Runde.
Dave und Mark nickten, da ich sie hauptsächlich angeschaut hatte beim Reden. Die beiden Kleineren verstanden dies noch nicht so ganz.
„Zu aller erst ihr braucht keine zu Angst haben, dass ihr mit jemanden Fremden zu eurem Onkel gebracht werdet. Ich werde euch dahin begleiten.“ Erleichtert schauten Dave und Mark mich an und versuchten dankbar zu lächeln.
„Was das andere Betrifft, wird es nicht ganz so leicht. Ihr wisst das euer Onkel möchte, dass hier alles verkauft wird.“
Sie nickten betroffen.
„Doch ich möchte euch gerne helfen, dass ihr so viel wie es geht mit nimmt. Ich habe mir das so gedacht, dass wir gemeinsam alle Sachen durchgehen und ihr sagt mir, was wir mitnehmen sollen und was Verkauft werden kann. Das was wir mitnehmen packen wir auf das große Gespann, welcher in der Scheune steht. Und dann fahren wir mit dem Gespann zu eurem Onkel. Ich weiß, dass wird ganz schön weit sein, doch gemeinsam schaffen wir das schon. Wir werden jedoch mehr als 3 Wochen unterwegs sein, doch ich hoffe auf deine“ hier schaute ich Dave an „und Marks Hilfe. Ich habe auch darüber nachgedacht, dass wir alle vier Pferde mitnehmen. So können wir sie unterwegs gut austauschen und wären schneller am Ziel.“
Dave und Mark schauten sich kurz an. Dann sprach Dave: „So machen wir es, Ma.“ Er lächelte mich strahlend an.
Ich strich ihm liebevoll durchs Haar. „Das freut mich, dass ihr einverstanden seid. Doch das bedeutet, dass wir in drei Tagen schon aufbrechen müssen. Da sich das Wetter nicht mehr lange so hält. Und das heißt, dass jede Menge Arbeit auf uns wartet.“
Dave nickte mir ernst zu. „Kein Problem, dass schaffen wir. Doch bevor wir anfangen würdest du noch mit uns Beten?“ fragte Dave etwas schüchtern.
Ich nickte lächelnd. „Lieber Gott, du siehst was wir alles für Arbeit zu erledigen haben und das wir damit schnell fertig werden müssen, damit wir schnell zum Onkel abreisen können bitte führe du unseren Schritt und hilf du uns an alles zu denken. Amen.“
Die Kinder schauten mich nun erwartungsvoll an.
Ich nickte ihnen aufmunternd zu. „So packen wir es an. Als erstes packen wir eure Sachen ein und schauen was ihr sonst noch braucht. Dann stellen wir alle Möbel raus, die wir verkaufen wollen.“
Sie nickten und wir gingen in ihr Zimmer.
Bis Mittag hatten wir ihr gemeinsames Zimmer durchgeschaut. Alt zu viel hatten sie nicht. Nachdem wir damit fertig waren machte ich schnell Mittag. Während die beiden Kleinen ihren Mittagschlaf machten schickte ich die Jungs los zu Tante Fin, um ihr auszurichten, dass die Möbel zum Verkauf draußen standen. Sie sollten Tante Fin alles erzählen und dann heim kommen. In der Zwischenzeit schrieb ich meiner Ma und setzte sie über alles in Kenntnis. Auch bat ich sie für mich und die Kleinen zu beten.
Tante Fin kam ganz aufgeregt mit den Jungen zu mir. Nachdem ich sie etwas beruhigt hatte, erzählte ich ihr noch mal alles.
„Aber du kannst doch nicht alleine ohne männlichem Schutz zu dem Onkel reisen. Das geht doch nicht. Und noch dazu willst du mit vier Kinder reisen und so eine weite Strecke? Nein, das kann ich dir nicht erlauben und deine Ma wird mich umbringen, wenn ich das zulasse.“ Rief sie entsetzt.
Ich lächelte müde. „Ich habe Ma einen Brief geschrieben und ihr alles erklärt. Sie wird damit einverstanden sein. Du wirst schon sehen. Und die Kinder und ich kommen ganz gut ohne Mann zurecht. Stimmt es Dave.“ Ich zog Dave in meine Arme.
„Ja, Ma da hast recht. Und außerdem nehmen wir Treu mit. Er ist ein guter Wachhund. Wir kommen schon klar.“ Kam es voller Überzeugung von ihm.
„Mell, ich weiß, dass dies nicht nur eine Idee von dir ist. Kann man dich den gar nicht umstimmen.“ Fragte nun Tante Fin.
Ich schüttelte den Kopf. „Unser Entschluss steht fest. Aber wenn du mir helfen willst, dann schick doch mal deine Jungs rüber, die können mit anpacken. Und es wird Zeit, das wir hier alles verkaufen bis Freitag.“
„Aber, das ist ja schon in zwei Tagen.“ Sagte Tante Fin erschrocken.
Ich nickte.
„Na schön, da ich dich nicht aufhalten kann, möchte ich dich doch wenigstens unterstützen. Wie kann ich dir sonst noch helfen?“
Gemeinsam überlegten wir uns, was noch alles zu beachten wäre. Nachdem wir fertig waren ging Tante Fin schnell nach Hause, um die Jungs zu schicken damit sie helfen konnten. Und sie hatte versprochen allen Farmen in der Umgebung den Verkauf der Farm anzukündigen.
Meine Cousins kamen im Nu. Doch sie hatten auch schon Neuigkeiten.
Mein Onkel hatte vor die Farm zu kaufen, um sie seinen Söhnen zu vermachen. Er würde auch alle Gerätschaften mitkaufen.
So fiel uns schon mal eine Last von der Schulter.
Wir arbeiteten den ganzen Nachmittag bis alle Möbel im Hof standen. Doch es hatte sich gelohnt. Bald würden die Leute von der Umgebung kommen und sie sich ansehen. Da ich es den Kindern nicht zutrauen wollte in das Schlafzimmer der Eltern zu gehen schaute ich es alleine durch. Außer den Kleidern und dem Bett fand ich da nicht viel, was den Kindern von nutzen sein könnte. Außer der Nähmaschine, die ich für Liz gerne mitnehmen wollte. Ich packte auch das geläufigste Garn ein und einige Stoffballen, vielleicht würde ich es ja noch brauchen. Dann ließ ich meine Cousins das Zimmer leer räumen.
Jetzt war nur noch die Küche dran. Schweren Herzens sammelte ich alle Gegenstände zusammen die wir nicht gebrauchen konnten und brachte sie nach draußen. Dann überlegte ich mir, was wir für die Fahrt noch brauchen würden und packte dies ein. Zu guter letzt packte ich noch das kostbare Geschirr zusammen und stellte es zu den Sachen, die wir mitnehmen sollten. Es war zum Glück nicht so viel.
Tante Fin kam mit den Nachbarn zusammen herüber, um sich alles Sachen anzuschauen. Auf einmal kam ihr eine Idee. Sie eilte auf mich zu. „Sag mal Mell, wo werdet ihr schlafen, wenn ihr unterwegs seid? Und wo machen die Kinder ihren Mittagsschlaf? Wie wäre es wenn Onkel Karl dir mit den Jungs eine Art Regen dichte Plane um das Gespann bauen würde und hinten verstaut ihr das Gepäck und vorne legt ihr die Beste Matratze hin, die ihr habt. Mit Kissen und einigen Decken. Da können die Kinder auch einige Spielsachen haben. Und sich beschäftigen.“ Ich war von Tante Fins Idee begeistert und so wurde es gemacht.
Am Freitag hatten wir bis auf den Tisch und fünf Stühle alles verkauft.
Den Ofen hatte Tante Fin gekauft, sodass wir ihn noch benutzen konnten. Ich verbrachte den letzten Tag mit Backen von Brot und Plätzchen für die Fahrt. Ich briet auch Fleisch zum mitnehmen an und holte alle Konservendosen und eingemachte Gläser hervor, die noch da waren.
Frisches Obst und Gemüse holten mir Dave und Mark. Das alles packten wir noch auf den Wagen. Nachdem die Kinder ihren Mittagschlaf gehalten haben. Ging ich mit ihnen noch mal zum Grab von Ruth und Dick. Wir weinten gemeinsam und nahmen ein letztes Mal abschied. Dann mussten wir wieder zurück und den Rest noch von unserem Proviant fertig packen.
Am Samstagmorgen ging es los. Ich hatte noch den Antwortbrief meiner Mutter erhalten, wo sie uns Gottes Segen und seine Führung wünschte.
Tante Fin kam mit ihrer ganzen Familie und verabschiedete uns. Onkel Karl nahm mich noch kurz zur Seite und gab mir den Erlös von der Farm und von den verkauften Möbeln. Dann schaute er mir in die Augen. „Ich weiß, dass dein Pa dich gelehrt hat mit einer Waffe umzugehen, daher möchte ich, dass du diese hier mitnimmst.“
Ich wollte protestieren.
„Keine Widerrede. Du musst nun dich und die Kinder schützen. Komme was da wolle. Gib zuerst immer ein Warnschuss ab und dann Ziel genau. Du wirst das schon hinkriegen. Gott segne dich.“ Er nahm mich noch kurz in den Arm und dann zogen wir los.
Kapitel 5: Die Fahrt
Schon nach den ersten Stunden legten sich Liz und Ben schlafen. Sie schienen von den anstrengenden Tagen sehr erledigt zu sein. Dave und Mark saßen neben mir auf dem Kutschbock.
Die Zeit verging langsam. Wir legten eine Pause ein und ich gab jedem was zu Essen. Dann ging es auch schon weiter. Jeder hing seinen Gedanken nach. Ich schaute erst Dave und dann Mark an.
„Jungs, ich wollte euch für eure Unterstützung danken. Ohne euch hätten wir das nicht so schnell geschafft fort zukommen. Ihr wisst, dass es nicht leicht wird. Wir werden Wochen lang unterwegs sein und wenig Zeit zum Spielen haben. Und die beiden Kleinen werden ganz schön meckern. Doch ich wollte euch bitten, das ihr mir weiter hin so gut hilft wie ihr es bisher getan habt.“ Beide Jungen nickten erst.
„Auch und noch eins.“ Sagte ich.
Sie schauten mich fragend an.
„Ich wollte euch zeigen wie ihr mit den Pferden um zu gehen habt. Denn beim kutschieren werden wir uns abwechseln müssen, alleine schaffe ich das nicht.“
Ich sah es beiden an, das sie ich freuten auch mal das Gespann fahren zu dürfen. Ich lächelte. „Gut,“ begann ich. „die erste Lektion startet jetzt. Hier Dave du fängst an.“ Ich überreichte ihm die Zügel und erklärte ihm wie er sie zu halten hatte und worauf es zu achten habe.
Dann ließ ich ihn einige Sachen selber ausprobieren. Nachdem ich das Gefühl hatte, er habe es unter Kontrolle lobte ich ihn und bat ihn Mark das gleich beizubringen und ihm die Zügel zu übergeben. Nach zwei Stunden konnten beide das Gespann gut alleine lenken.
Wir machten eine kleine Pause und fuhren dann weiter. Liz und Ben waren in der zwischen Zeit aufgewacht und spielten im Wagen.
Kurz bevor es dunkel wurde suchten wir uns eine gute Stelle zu übernachten. Wir versorgten gemeinsam die Pferde und aßen zu Abend. Nachdem wir unsere gemeinsame Andacht gehalten hatten legten wir uns alle in den Wagen schlafen. Ich nahm vorsichtshalber die Waffe in Griff weite, denn man wusste ja nie, wann man sie brauchen würde.
Am Anfang der Reise hatte ich den Kindern erklärt, warum wir eine Waffe dabei haben und wann ich sie benutzen würde.
Sie schliefen alle müde ein. Auch mir gingen schnell die Augen zu.
So vergingen unsere ersten Tage. Wir fuhren zügig und kamen gut vorwärts. Bei der nächst größeren Stadt, die wir nach fünf Tagen erreichten, machten wir einen Tag Pause und schliefen uns aus. Auch konnten wir dort ein Bad nehmen und unsere Kleidung gründlich waschen.
Ich schickte ein Telegram zu meinen Eltern, dass es uns gut ginge und das wir uns weiter auf den Weg machten.
Mitte der zweiten Woche passierte es. Mark lenkte den Wagen und das eine Pferd scheute. Der Wagen fuhr unglücklich über einen Stein und das Rad brach in zwei.
Wir hielten sofort an und besahen uns den Schaden. Da konnten wir nichts machen, der musste wieder zusammen geschmiedet werden.
Schweren Herzens schickte ich Dave mit dem Pferd zum nächsten Dorf. Er kam auch bald mit dem Schied wieder, er besah sich den Schaden und nachdem wir ihm erzählt hatten, wohin wir wollen erbot er uns, diesen Schaden als erstes zu reparieren, doch dies könnte einen Tag dauern.
Ich nickte dankend und die Kinder und ich genossen den Rest des Tages am Bach, der nicht weit von der Unglücksstelle war.
Mark machte sich schlimme Vorwürfe. Mir gelang es ihn aufzumuntern und ihn das vergessen zu lassen, denn es war ja nicht seine Schuld, dass das Pferd gescheut hatte.
Dave und Mark fingen drei Fische und die brieten wir uns über einem Lagerfeuer an. Ich erzählte ihnen Geschichten und wir erfreuten uns am
warmen Spätsommerabend.
Nach der abendlichen Bibellese und einem Dankgebet, dass uns nichts Schlimmes passiert war gingen wir schlafen.
Der Schied kam am nächsten Tag gegen Mittag und brachte uns das reparierte Rad. Nachdem ich ihn bezahlt hatte und wir aufgestiegen waren, fragte der Schmied nach unserem weiteren Wegverlauf. Wir erklärten ihm, dass wir nach Texas mussten und dann nach der Stadt Chess uns durchfragen wollten.
Er nickte und da erhellte sich sein Gesicht. „Wen Sie gestatten, bringe ich Sie zu meinem Bruder, er ist Fährmann. Wenn sie mit ihm Übersetzten, sparen Sie sich drei Tage in dieser Hitze. Von dem Ort Fley, wo er Sie absetzt würde brauchen Sie dann nur noch vier Tage bis nach Chess.“
Wir schauten ihn dankbar überrascht an.
„Vielen Dank. Das wäre wunderbar.“ Antworte ich glücklich.
So kam es, dass wir durch den Radbruch nicht einen Tag verloren hatten sondern zwei dazu gewonnen hatten.
Wir kamen zu seinem Bruder, der sich bereitwillig erklärte uns über zu setzten. Ich besprach kurz noch das Fahrgeld und schon ging es los. Die Kinder genossen es richtig auf der Fähre und wir erholten uns etwas von der langen Fahrt, die schon hinter uns lag.
Nach einem Tag kamen wir in Frey an. Mit neuem Elan machten wir uns auf den Weg nach Chess. Die Jungen legten ein Tempo vor, dass die Pferde es auf der Dauer nicht ausgehalten hätten.
Ich musste sie etwas bremsen, doch ihr Tempo half uns binnen 3 Tage nach Chess zu gelangen. Dort erfuhren wir, dass die Ranch von Mr. Charles noch eine Tagesreise entfernt war. Erleichtert beschloss ich in Chess zu Übernachten und dann weiter zu reisen. Wir ließen uns die Wegbeschreibung geben und noch bevor die Sonne aufging fuhren wir los. Auch die Pferde merkten, dass wir bald unser Ziel erreicht haben und steigerten ihr Tempo.
Unsere Mittagspause war kurz und nachdem wir die Pferde gewechselt hatten machten wir uns wieder auf den Weg. Die Kleinen legte ich noch einmal schlafen, damit sie am Abend nicht so müde waren.
Dave und Mark fingen vor lauter Freude, bald am Ziel zu sein, an zu singen. Nach einigen Stunden sahen wir von weitem einen Mann auf uns zureiten. Wir fuhren weiter auf ihn zu.
Als man so nah war, dass man mit ihm sprechen konnte, fragte er wohin wir wollten. Da er einen äußerst gepflegten Eindruck machte, erzählten die Jungs, dass sie zu ihrem Onkel wollten, Mr. Charles.
Der Fremde kratzte sich nachdenklich am Kopf. „Mh, Mr. Charles kenn ich nicht. Aber ein Charles gibt es hier schon. Jackson Charles. Doch von allen nur Jack genannt. Wenn ihr zu ihm wollt, dann solltet ihr euch lieber beeilen. Denn es wir bald regnen und dann kann man seine Ranch von dieser Seite aus nicht mehr erreichen. Schon gar nicht mit dem Wagen.“ Er musterte den Wagen kurz.
„Vielen Dank, Mr…“
„Oh, Verzeihen Sie Madam. Mr. Brown. James Brown. Ich bin der Pastor von der gesamten Gegend hier.“ Kam es freundlich von ihm.
„Vielen Dank Mr. Brown. Wir machen uns dann mal auf den Weg.“ Erwiderte ich freundlich.
„Ja, tun Sie das. Ach, und richten Sie Jack bitte aus, er möge mich aufsuchen sobald er wieder laufen kann. Ich habe nämlich noch was gut bei ihm.“ Er zwinkerte den Jungen zu und machte sich auf den Weg.
Ich nickte nur und auch wir machten uns auf den Weg.
Kapitel 6: Die Ankunft
Der Pastor hatte wohl recht, es würde bald regnen, dass sah ich schon vom weiten. Ich trieb die Pferde zur Eile an. Ich betete, dass wir es noch rechtzeitig vor dem Regenfalls schafften würden.
Dann endlich nach drei Meilen sahen wir die Ranch. Und auch den Grund weshalb uns der Pastor gewarnt hatte. Die Ranch war auf der Seite von wo wir ankamen, durch eine Art Graben abgegrenzt, denn man nur überqueren konnte, wenn es trocken war.
Ich sah schon fast die ersten Tropfen fallen und scheuchte die Pferde nur so vorwärts. Wir schafften es schließlich auf die andere Seite zu gelangen, bevor der heftigste Regenschauer einsetzte, den wir je gesehen hatten.
Ich ließ die Pferde zur Scheune galoppieren, wo man uns schnell die Türen geöffnet hatten. Als wir drinnen waren schlossen die Männer die Türen hinter uns.
„Wow Mam, dass war knapp. Hab noch nie jemanden, außer Jack, seine Pferde mit so einem Tempo durch den Graben kutschieren sehen, ohne das die Pferde sich war gebrochen hätten.“ Kam es von einer freundlich angenehmen Stimme.
Ich nickte dem Mann nur kurz zu, der dies gesagt hatte. „Bitte, sagen Sie habe ich richtig gehört, wir sind hier auf Jacks Charles Farm?“ fragte ich noch ganz außer Atem.
„Ja, Mam. Wieso fragen Sie?“ Er schaute mich etwas verdutzt an.
„Gott sei Dank. Wir sind endlich angekommen.“ Rief ich den Kindern zu. Diese konnten nur nicken.
In der Zwischenzeit war Jack aus dem Haus rüber in die Scheune gehumpelt und näherte sich dem Wagen.
„Ma, schau mal!“ rief Dave und zeigte mit seinem Finger auf den näher tretenden Mann. „Das ist bestimmt Onkel Jack.“ Freute er sich.
Ich folgte seinem Finger und erkannte eine verjüngte Ausgabe von Dick. Er schaute uns entsetzte an. Dann schluckte er. „Sie sind die Dame, die mir die Kinder bringt? Ich hatte Sie nicht vor einer Woche erwartet. Schon gar nicht vor dem Regen. Das ist ja nicht zu fassen. Wie haben Sie das gemacht? Und wo um alles in Welt haben Sie gelernt, Ihre Pferde so zu kutschieren?“
Ich war ebenfalls erstaunt einen jungen Mann vor mich zusehen, der so gut aussah. Ich hatte mir den Onkel von den Kindern immer als älteren Mann vorgestellt und nicht so. Ich versuchte mich zu sammeln. „Freut mich Sie kennen zu lernen. Mein Name ist Melissa Frank. Darf ich Ihnen ihre Neffen und Nichte vorstellen. Das ist Dave, Mark und Liz und der kleine hier ist Ben.“ Ben war inzwischen auf meinen Schoß geklettert und versteckte sich vor den Fremden.
Jack lächelte. „Hallo Kinder, schön das ihr da seid. Wie Dave richtig erkannt hat bin ich Onkel Jack. Das da ist Fill“ er deutete auf den älteren Mann, der am Anfang mit uns geredet hatte. „Dann stehen hier noch Josch, Sir und der Kleine da ist Troy. Sie gehören zu meiner Mannschaft und helfen mir mit den Rindern.“ Ich nickte ihnen freundlich zu. Dann schaute ich wieder auf Jack Charles.
„So, damit wäre der Förmlichkeit genüge getan. Troy und Sir, ihr kümmert euch um die Pferde. Josch lauf doch schon mal vor ins Haus und mach den Ofen an und Fill hilf mir bitte mit den Kindern, sie müssen einigermaßen trocken ins Haus.“
Dave und Mark kletterten schon vom Wagen. Ich reichte Fill, der am nächsten stand Ben. Der fing sofort an zu weinen. Ich ließ mich nicht beirren und reichte Liz an Jack, der ebenfalls humpelt an den Wagen getreten war. Bevor wir durch den Regen liefen, gab Jack mir noch seinen Regenmantel. um mich gegen den Regen zu schützen.
Dave und Mark kriegten den Mantel von Fill. Und so liefen wir durch den Regen zum Haus.
Treu, unseren treuen Hund, ließen wir in der Scheune zurück.
Das Haus war nicht sonderlich groß, es hatte eine Küche und zwei Zimmer. Die Küche war groß und geräumig. Das eine Zimmer war fast genauso groß wie die Küche und das andere war so klein, dass da gerade mal ein großes Bett reinpasste.
Jack und Fill stellten die Kinder auf den Boden ab. Dave und Mark legten den Regenmantel ab. Ich war kaum in der Küche angelangt, da liefen auch schon Liz und Ben in meine Arme. Ich hob sie hoch und setzte mich mit ihnen ganz nah ans Feuer. Auch Dave und Mark traten dicht an mich heran.
„Es tut mir Leid.“ Kam es leise von Jack, er schien sich für irgendwas entschuldigen zu wollen.
Ich versuchte zu lächeln. „Schon gut.“
„Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein? Ehrlich gesagt, weiß ich nicht was die Kinder brauchen könnten.“ Er schaute mich etwas Hilfe suchend an.
Ich schaute mich kurz in der Küche um und dann die Kinder an. „Ja, da ist in der Tat etwas, was Sie tun könnten. Haben Sie einige Decken für die Kinder? Sie müssen aus ihren nassen Sachen raus.“
Die Kleinen waren trotz der Fürsorge ganz durchnässt. Und den Jungs ging es ebenfalls so. Ich hatte nicht so viel Regen abbekommen und konnte es noch einige Zeit in den nassen Sachen aushalten.
Jack nickte, froh etwas zu tun zu haben. Er brachte mir einige Decken und eine seiner Hosen und ein Hemd.
„Sie können sich gerne in dem kleinen Raum umziehen.“ Bedeutete er mir, seine Sachen anzuziehen.
Die Jungs nahm ich ebenfalls mit rüber. Als ich die Kinder drüben in die Decken gewickelt hatte, schickte ich sie zu den Männern in die Küche, doch ohne mich wollten sie nicht gehen.
