Hamilton's Heroes: Finally - Annabella Michaels - E-Book

Hamilton's Heroes: Finally E-Book

Annabella Michaels

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Beschreibung

Nach seiner Zeit bei den Marines und den Jahren, die er bei Hamilton Security verbracht hat, liegt es Greg Wright im Blut, sein Land und dessen Bürger zu schützen. Es gibt nicht mehr viel, was ihn überraschen kann. Das heißt, bis er den Auftrag erhält, einen vielversprechenden neuen Kandidaten bei der bevorstehenden Wahl zu beschützen; einen Mann aus Gregs Vergangenheit und die eine Person, von der er gehofft hatte, sie nie wiederzusehen. Christopher Brooks hat sich einen Namen als ehrlicher, hart arbeitender und fairer Mann gemacht. Als Kandidat für die Wahl zum Gouverneur von Illinois hat er sich mit seinen positiven Ansichten über die Rechte von Minderheiten, insbesondere der LGBTQ-Community, nicht nur beträchtliche Unterstützung, sondern auch die Aufmerksamkeit einiger radikalerer Gruppen erworben. Als er Drohungen erhält, er solle aus dem Wahlkampf aussteigen, sieht Christopher ein, dass er einen Leibwächter braucht. Das heißt, bis er dem Mann, der ihn beschützen soll, gegenübersteht. Dem einzigen Menschen, dem er je sein Herz geschenkt hat. Dem einzigen Mann, der es vor Jahren gebrochen hat ... Gezwungen, fast jede Minute miteinander zu verbringen, haben die beiden Männer keine andere Wahl, als einen Weg zu finden, miteinander auszukommen und den Schmerz der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch als der Wahlkampf immer heißer wird, steigt auch die unbestreitbare Anziehungskraft zwischen ihnen. Werden ihre Differenzen aus der Vergangenheit sie daran hindern, Christopher zu beschützen? Oder werden sie endlich finden, was sie vor all den Jahren aus den Augen verloren hatten?

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Seitenzahl: 312

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Annabella Michaels

Finally

Hamilton’s Heroes 2

Aus dem Englischen von Sophie Ruhnke

Impressum:

© dead soft verlag, Mettingen 2023

http://www.deadsoft.de

© the author

Titel der Originalausgabe: Finally

Übersetzung: Sophie Ruhnke

Cover Irene Repp

http://www.daylinart.webnode.com

Bildrechte: © konradbak – stock.adobe.com

1. Auflage

ISBN 978-3-96089-640-1

ISBN 978-3-96089-641-8 (ebook)

Inhalt:

Nach seiner Zeit bei den Marines und den Jahren, die er bei Hamilton Security verbracht hat, liegt es Greg Wright im Blut, sein Land und dessen Bürger zu schützen. Es gibt nicht mehr viel, was ihn überraschen kann. Das heißt, bis er den Auftrag erhält, einen vielversprechenden neuen Kandidaten bei der bevorstehenden Wahl zu beschützen; einen Mann aus Gregs Vergangenheit und die eine Person, von der er gehofft hatte, sie nie wiederzusehen.

Christopher Brooks hat sich einen Namen als ehrlicher, hart arbeitender und fairer Mann gemacht. Als Kandidat für die Wahl zum Gouverneur von Illinois hat er sich mit seinen positiven Ansichten über die Rechte von Minderheiten, insbesondere der LGBTQ-Community, nicht nur beträchtliche Unterstützung, sondern auch die Aufmerksamkeit einiger radikalerer Gruppen erworben.

Als er Drohungen erhält, er solle aus dem Wahlkampf aussteigen, sieht Christopher ein, dass er einen Leibwächter braucht. Das heißt, bis er dem Mann, der ihn beschützen soll, gegenübersteht. Dem einzigen Menschen, dem er je sein Herz geschenkt hat. Dem einzigen Mann, der es vor Jahren gebrochen hat ...

Gezwungen, fast jede Minute miteinander zu verbringen, haben die beiden Männer keine andere Wahl, als einen Weg zu finden, miteinander auszukommen und den Schmerz der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch als der Wahlkampf immer heißer wird, steigt auch die unbestreitbare Anziehungskraft zwischen ihnen. Werden ihre Differenzen aus der Vergangenheit sie daran hindern, Christopher zu beschützen? Oder werden sie endlich finden, was sie vor all den Jahren aus den Augen verloren hatten?

Widmung

Kapitel 1

GREG

Der Himmel erstrahlte in einem wundersamen Schauspiel aus Blau, Rosa und Orange, als die Sonne begann, sich zu zeigen. Bald würden die Wolkenkratzer ein orangefarbenes Leuchten annehmen, das sie aussehen ließ, als stünden sie in Flammen. Mich umgaben die Sehenswürdigkeiten und Geräusche einer Stadt, die erwachte. Ein Ladenbesitzer fegte den Bürgersteig vor seiner Tür, eine Frau ging mit ihrer Deutschen Dogge spazieren, die fast so groß war wie sie, und ein Mann eilte mit einer Aktentasche in der Hand aus seiner Wohnung und winkte ein Taxi herbei, um zur Arbeit zu kommen.

Ich atmete tief ein, steckte mir dann kabellose Kopfhörer in die Ohren und ließ den gleichmäßigen Beat eines „Imagine Dragons“-Songs das Tempo für mich bestimmen, während ich mit dem Joggen begann. Die letzten zwei Monate hatte ich damit verbracht, den Auftragskiller, den die Frau auf meinen Klienten angesetzt hatte, aufzuspüren und schließlich zu stoppen. Daher war es schön, endlich wieder zur Normalität zurückzukehren. Obwohl ich die Reisen genoss, die mir mein Job ermöglichten, war Chicago mein Zuhause und es fühlte sich gut an, wieder dort zu sein.

Ich nahm an Geschwindigkeit zu, als ich den Eingang meines Lieblingsparks erreichte, und konzentrierte mich auf meine Atmung während meines üblichen Fünf-Meilen-Laufs. Durch die Nase ein, durch den Mund aus. Ein, aus. Ich hielt den Takt im Rhythmus meiner Füße bei, die gegen den Bürgersteig schlugen. Das war es, wonach ich mich sehnte: Dieser Moment, in dem alles andere um mich herum aufhörte zu existieren und jeglicher Stress und jegliche Sorgen, die ich vielleicht hatte, weggespült und durch eine Flut an Endorphinen ersetzt wurden, die mich mit einem fast euphorischen Gefühl zurückließen.

Schweiß tropfte von den Seiten meines Gesichts und mein Hemd klebte unangenehm an meinem Rücken, als ich meinen Lauf beendet hatte. Mein Kopf war jedoch klar und meine Muskeln hatten dieses warme, geschmeidige Gefühl, das mit einem guten Training einherging. Ich joggte zurück zu meiner Wohnung und rannte die Treppe hinauf, anstatt auf einen Aufzug zu warten.

Nachdem ich eingetreten war, zog ich meine Schuhe an der Tür aus und trottete dann in die Küche, um eine Kanne Kaffee zu kochen. Während ich die Schränke nach den Filtern durchsuchte, machte ich mir eine gedankliche Notiz über einige wichtige Dinge für den nächsten Einkauf. Ich schaute über die Theke, die die Küche vom Wohnraum trennte, während ich das Kaffeepulver in den Filter löffelte.

Der Apartmentkomplex war kurz vor meinem Einzug renoviert worden und die Küche sah mit ihren Edelstahlgeräten, Granitarbeitsplatten und dem Laminatboden modern aus. Seit fast zwei Jahren lebte ich in dieser Wohnung und war immer noch nicht dazu gekommen, sie zu dekorieren. Mit ihren grauen Wänden und nur einer Couch, einem Stuhl und einem TV-Schrank sah es eher aus wie das Wartezimmer eines Arztes als wie ein Zuhause. Ich wusste, dass ich wahrscheinlich ein paar Bilder aufhängen oder Pflanzen kaufen sollte, aber ich sah nicht viel Sinn darin. Am Ende verkümmerten sie nur, weil sie niemand gießen würde, wenn ich zu einem Auftrag geschickt wurde. Trotzdem war es der schönste Ort, an dem ich je gelebt hatte, und ich war stolz darauf.

Nachdem ich den Kaffee gebrüht hatte, ging ich den schmalen Flur hinunter ins Badezimmer und stellte die Dusche an. Ich zog mich schnell aus und stieg hinein, wobei ich das heiße Wasser über meinen Hals und Rücken prasseln ließ. Meine Hände waren mit Seife beschmiert und ich fuhr sie über meinen Körper. Mein Schwanz zuckte als Antwort. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal auf ein Date gegangen war, geschweige denn einen Mann geküsst oder sogar Sex gehabt hatte. Mein Schwanz tat seinen Unmut kund. Mein Job erforderte oft, dass ich wochen- oder monatelang weg war, je nachdem, was der Kunde brauchte und wie hoch die Bedrohungslage war. Also hatte ich wenig bis gar keine Zeit, jemanden kennenzulernen. Trotzdem würde ich meinen Job gegen nichts eintauschen. Die Arbeit machte mir nicht nur Spaß, sondern ich durfte auch mit einigen der stärksten und mutigsten Männer zusammenarbeiten, die ich je getroffen hatte. Da ich wusste, dass ich mir das College nie würde leisten können, hatte ich mich direkt nach der Highschool bei den Marines verpflichtet, wo ich schnell in den Rängen aufgestiegen und einen der begehrten Plätze bei der United States Marine Corps Force Reconnaissance, auch bekannt als FORECON, bekommen hatte. Ich hatte zehn Jahre lang stolz gedient, bis ich im Irak vom gegnerischen Feuer getroffen worden war, was mich gezwungen hatte, früher als geplant in den Ruhestand zu gehen. Ich gehörte zu den Glücklichen und mein Bein bereitete mir nur ein klein wenig Probleme, aber das Leben, das ich für mich gewählt hatte, aufgeben zu müssen, war eine bittere Pille gewesen, die ich hatte schlucken müssen. Dann hatte mich Micah Hamilton gefunden und mir einen Job bei seiner neuen Firma Hamilton Security angeboten. Micah, ein ehemaliger Navy SEAL, hatte ein eigenes Eliteteam zusammengestellt, das sich aus ehemaligen Mitgliedern der Spezialeinheit zusammensetzte. Er wollte unsere individuellen Fähigkeiten nutzen, um Sicherheit und Schutz für Privatpersonen zu bieten. Ich hatte immer gedacht, dass ich ein Marine sein würde, bis ich entweder in Rente ging oder starb. Nachdem das nicht mehr möglich war, hatte ich herausfinden müssen, was ich mit dem Rest meines Lebens anfangen wollte. Micahs Angebot war mir wie die perfekte Lösung für meine Probleme erschienen, also hatte ich sofort unterschrieben. In all der Zeit, in der ich für ihn nun schon arbeitete, hatte ich diese Entscheidung nie bereut.

Ich spülte die Seife ab und stieg aus der Dusche, trocknete mich schnell ab und wickelte das Handtuch um meine Taille. Nachdem ich meine morgendliche Routine des Rasierens und Zähneputzens durchlaufen hatte, ging ich in mein Zimmer und zog eine schwarze Hose und ein graues Poloshirt mit dem Logo von Hamilton Security an.

Dreißig Minuten später betrat ich mit einem Reisebecher voll Kaffee in der Hand die Büros von Hamilton Security.

»Willkommen zurück, Greg. Hattest du heute Morgen einen schönen Lauf?«, rief eine fröhliche Stimme hinter einem Computerbildschirm.

Ein Lächeln umspielte meine Lippen. Natürlich wusste Mary, wer ich war, ohne auch nur hinzusehen, so wie sie wusste, dass ich jeden Morgen joggen ging. Mit ihren siebzig Jahren war sie mehr im Einklang mit allem, was um sie herum geschah, als viele Menschen, die halb so alt waren wie sie. Mary war mehr als nur unsere Büroleiterin. Sie war auch eine Art Mutter für die Angestellten geworden und als solche hatte sie es sich zur Aufgabe gemacht, zu wissen, was mit ihren Jungs los war, wie sie uns liebevoll nannte.

»Greg kennt so etwas wie einen schönen Lauf nicht«, sagte Nolan, als er um die Ecke ging. »Er trainiert immer noch so, als wäre er in der Grundausbildung.«

Ich verengte die Augen, als ich die vertrauten Neckereien hörte, und er grinste mich diabolisch an. Gott, war es schön, zu Hause zu sein.

»Hey, fühl dich nicht schlecht, nur weil dich dein Navy-Bootcamp nicht darauf vorbereitet hat, so hart zu sein wie wir Marines«, sagte Brandon zu Nolan, als er hinter ihm herging.

»Oorah«, fügte ich hinzu.

Nolan blickte uns beide finster an. »Willst du wirklich damit anfangen? Du weißt, dass ich euch beide auf den Rücken legen könnte, ohne auch nur ins Schwitzen zu kommen.«

Ich grinste und konnte sehen, dass Brandon gegensteuern wollte, aber er wusste, dass es stimmte. Nolan mochte kleiner sein als der Rest von uns, aber die Mixed-Martial-Arts-Fähigkeiten, die er sich als Navy SEAL angeeignet hatte, waren beispiellos. Trotzdem hielt es niemanden von uns davon ab, seiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen, nämlich mit Blödsinnreden zu beweisen, dass unser spezieller Zweig des Militärs besser war als der aller anderen. Es war etwas, das wir alle taten, aber es wurde immer auf eine neckische Art und Weise gesagt und keiner von uns war jemals beleidigt. Eigentlich betrachteten wir alle Männer, mit denen wir zusammenarbeiteten, als unsere Familie, und wir respektierten einander.

»Nein, ich möchte dich nicht vor Mary in Verlegenheit bringen«, neckte Brandon zurück.

Nolan öffnete den Mund, aber Mary unterbrach ihn, als sie mit dem Kopf über ihren Computerbildschirm spähte. »Wie oft muss ich euch Jungs sagen, dass ihr alle gleich besonders seid? Außerdem, wenn ihr versucht, irgendetwas in meinem Büro anzufangen, werde ich euch allen in den Hintern treten.« Sie hob die Augenbrauen und forderte jeden von uns heraus, mit ihr zu streiten, aber wir waren schlau genug, um zu wissen, wann wir den Mund halten sollten.

»Was ist hier los?«, fragte Micah, als er und Jeremy um die Ecke bogen. Jeremy lehnte seine Hüfte an Marys Schreibtisch und beobachtete uns über den Rand seiner Kaffeetasse hinweg.

»Brandon wollte mir nur sagen, dass die Marines besser sind als die Navy«, informierte ihn Nolan.

Brandon blickte finster auf Nolans unschuldiges Grinsen.

»Wie auch immer. Die Air Force ist euch allen um Meilen voraus«, mischte sich Jeremy ein, stellte seine Tasse auf den Schreibtisch und verschränkte die Arme mit einem verschmitzten Grinsen. Der große Rotschopf hatte bei der Air Force als Fallschirmretter oder PJ, wie sie oft genannt wurden, gedient und war der qualifizierteste Mann in unserem Team, wenn es um Such- und Rettungseinsätze ging.

»Und ich habe sie nur daran erinnert, dass sie sich vor mir verantworten müssen, wenn sie sich nicht zusammenreißen«, sagte Mary wieder hinter ihrem Bildschirm.

Micah grinste, als er jeden von uns ansah. »Hört sich für mich so an, als ob ihr euch besser an die Arbeit machen solltet, bevor ihr Ärger mit der echten Chefin bekommt.«

Wir drehten uns alle in Marys Richtung um und hörten ein zufriedenes Kichern von ihrem Schreibtisch. Micah mochte der Besitzer von Hamilton Security sein, aber keiner von uns würde sich je mit Mary anlegen.

»Außerdem hat Nolan recht. Jeder weiß, dass die Navy das stärkste Team hat«, flüsterte Micah.

Mary stieß einen müden Seufzer aus, aber ihre Stimme klang warm vor Zuneigung. »Das habe ich gehört, junger Mann. Du konntest einfach nicht anders, oder?«

»Tut mir leid, Mary«, sagte er mit einem Lachen, das etwas anderes sagte. »Kommt, Jungs, lasst uns loslegen.«

Brandon und Nolan lachten immer noch leise und zogen sich gegenseitig auf, als wir Micah durch den Flur folgten, der zu den einzelnen Büros führte, und in einen der größeren Konferenzräume für unser übliches morgendliches Meeting. Unsere Arbeit brachte uns oft in Gefahr und Micah wusste, wie wichtig es war, mit allen in Kontakt zu bleiben, besonders wenn wir im Einsatz waren. Die Meetings dauerten nie lange, gaben uns aber die Möglichkeit, miteinander zu reden und bei Bedarf Ratschläge zu geben.

Micah saß am Kopfende des langen Konferenztisches und wartete, bis der Rest von uns Platz genommen hatte. Seine Finger bewegten sich schnell über eine Tastatur und erweckten einen großen Bildschirm zum Leben, der sich am anderen Ende des Tisches befand. Nach und nach tauchten die Gesichter unserer Freunde und Kollegen in den Quadraten auf dem Bildschirm auf. Tony, Carlos, Josh und Trevor waren alle für verschiedene Aufträge unterwegs.

Das Treffen dauerte etwa dreißig Minuten, wobei jeder von uns die Gelegenheit hatte, über unsere Tagesplanung zu sprechen. Carlos und Josh waren zusammen in Paris im Einsatz, um ein Supermodel zu beschützen, das die unerwünschte Aufmerksamkeit eines obsessiven Fans auf sich gezogen hatte, nachdem es bei einem Promi-Tanzwettbewerb aufgetreten war. Tony war in Mexiko und Trevor auf den Bahamas, um ihre jeweiligen Kunden vor allen Gefahren zu schützen, die auf sie lauerten. Meine Pläne für diesen Tag würden jedoch aus etwas viel weniger Glamourösem bestehen: der Installation eines neuen Sicherheitssystems im Haus eines lokalen Geschäftsmannes. Dachte ich zumindest.

»Greg, kannst du eine Sekunde warten?«, fragte Micah, als alle den Raum verließen. Er wartete, bis wir nur noch zu zweit waren, und schloss dann die Tür. Als er sich zu mir umdrehte, versetzte mich sein ernster Gesichtsausdruck sofort in Alarmbereitschaft.

»Alles in Ordnung?«

»Ich bin mir nicht sicher, und da kommst du ins Spiel«, antwortete er und verschränkte die Arme. »Gestern Abend erhielt ich einen Anruf von einem Mann, der uns engagieren wollte. Anscheinend hat sein Sohn einige negative Aufmerksamkeit erregt und letzte Woche erhielt dieser ein paar Briefe, in denen ihm mitgeteilt wurde, dass er sich zurückziehen sollte.«

»Wovon zurückziehen?«, fragte ich.

»Nun, es ist so, dass er in der Politik ist und zur Wahl antritt. Er ist jemand, der keinen Hehl aus seiner Meinung macht, dass viele unserer derzeitigen politischen Führer nicht genug für die Bürger von Illinois tun. Vor allem nicht für LGBTQ-Mitglieder.« Micah warf mir einen spitzen Blick zu.

»Dem kann man doch nicht wirklich widersprechen, oder?« Trotz aller Fortschritte, die Minderheiten, insbesondere in der Homosexuellen-Community, im Laufe der Jahre gemacht hatten, um sich Gehör zu verschaffen, war es nur allzu üblich, dass Politiker die Bedürfnisse der Bürger ignorierten, deren Stimmen sie bei einer Wahl für nicht wichtig genug erachteten. In den meisten Fällen waren es die Reichen, die Oberschicht und die Großunternehmer, die die Aufmerksamkeit der Kandidaten auf sich zogen.

»Ganz und gar nicht«, stimmte Micah zu. »Leider haben seine liberalen Ansichten die Aufmerksamkeit einiger ziemlich radikaler Gruppen auf sich gezogen, und das beunruhigt seinen Vater. Ich kann es ihm nicht verübeln, wenn man bedenkt, wie schwankend das politische Klima in unserem Land derzeit ist.« Ich sah einen nachdenklichen Blick über sein Gesicht huschen. »Ich habe ein paar weitere Nachforschungen angestellt und bemerkt, dass dieser Typ nicht wie viele der Politiker ist, die wir schützen sollen. Er scheint sich nicht zu verstellen. Er hat einen scharfen Verstand und viele großartige Ideen und ich glaube, dass er vielleicht jemand ist, der Dinge umsetzen kann.«

Das faszinierte mich, musste ich zugeben. Micah war wählerisch, wen er lobte. Was auch immer er bei seinen Nachforschungen über diesen Mann herausgefunden hatte, musste ihn wirklich beeindruckt haben. »Dann hört es sich so an, als müssen wir alles tun, was nötig ist, um ihn zu schützen, damit er eine Chance hat, ins Amt zu kommen. Wie lautet der Plan?«

»Zuerst treffen wir uns mit ihm. Das meiste, was ich über ihn weiß, stammt aus den Artikeln, die ich gestern Abend gelesen habe. Wir wissen ja, dass diese nicht immer ein genaues Bild davon vermitteln, wie eine Person wirklich ist. Du warst schon immer gut darin, Menschen zu lesen. Ich möchte deine Meinung zu dem Kerl, bevor wir uns entscheiden, ob wir ihn als Kunden annehmen. Wenn alles passt und du nicht glaubst, dass es nur eine Art Werbegag ist, um ihm ein paar Stimmen zu verschaffen, dann kannst du übernehmen.«

»Klingt fair. Ich soll heute das neue System für Mr. Cadwallader einrichten, aber lass mich einfach wissen, wenn du einen Termin vereinbart hast«, sagte ich.

»Tatsächlich habe ich das schon getan.« Micah warf mir einen entschuldigenden Blick zu. »Es tut mir leid, dass ich das so plötzlich auf dich abladen muss, zumal du gerade erst zurückgekommen bist, aber ich habe niemanden, der den Fall im Moment übernehmen kann. Wenn alles klappt, muss dieser Kunde Vorrang haben, und je früher, desto besser.«

»Entschuldige dich nicht. Dafür bin ich hier und du weißt, dass ich immer da bin, wenn du mich brauchst.« Und das meinte ich auch so.

Meine Kindheit war ziemlich einsam gewesen. Ohne Geschwister, mit einem Vater, der mehr Zeit damit verbracht hatte, seine Frau zu betrügen, als einem Job nachzugehen, und mit einer Mutter, die den ganzen Tag getrunken hatte, um dem Schmerz zu entkommen, war ich gezwungen gewesen, die meiste Zeit für mich selbst zu sorgen. Die einzige Lektion, die mir meine Eltern beigebracht hatten, war, dass man sich in dieser Welt nur auf sich selbst verlassen konnte. Es war eine Lektion, an die ich jahrelang geglaubt hatte. Erst als ich den Marines beigetreten war, hatte ich gelernt, wie es war, sich voll und ganz auf jemand anderes zu verlassen. Die Männer dort hatten mich gelehrt, anderen zu vertrauen und dass es da draußen Menschen gab, auf die ich zählen konnte und die auch auf mich zählten. Es hatte sich gut angefühlt, endlich eine solche Verbindung zu haben, aber dann war mir alles genommen worden, als ich angeschossen und in den Ruhestand gezwungen worden war. Ich hatte mir fast eingeredet, dass ich nie wieder einen Ort finden würde, an dem ich mich zugehörig fühlen würde, aber Micah hatte mir das Gegenteil bewiesen. Mein Team bei den Marines waren meine Freunde, Vertrauten und Verbündeten gewesen. Sie wären für mich gestorben und ich für sie, aber ich hatte verstanden, dass diese Bindung vorhanden gewesen war, weil wir dieser Gruppe zugeteilt worden waren. Jemand anderes hatte für uns entschieden, dass wir zusammenarbeiten und uns gegenseitig unterstützen sollten, denn das war es, was dieser Job erforderte. Ich hatte ihre Freundschaft geschätzt, aber sie hatten ihre eigenen Familien und ihr eigenes Leben, zu dem sie irgendwann zurückkehren würden, und ich würde nie ein Teil davon sein. Für Micah zu arbeiten, hatte all das für mich verändert und mir ein Gefühl der Brüderlichkeit und der Familie vermittelt, das ich noch nie zuvor erlebt hatte. Ich respektierte die Menschen, mit denen ich zusammenarbeitete, vertraute jedem von ihnen bedingungslos, aber vor allem mochten wir uns wirklich und verbrachten außerhalb der Arbeit oft genauso viel Zeit miteinander wie im Büro. Mit ihnen hatte ich das Gefühl, endlich ein integraler Bestandteil von etwas zu sein und dass ich ihnen wichtig war. Das war nichts, was ich auf die leichte Schulter nahm, und ich weigerte mich, es jemals als selbstverständlich zu betrachten.

»Danke, das weiß ich zu schätzen. Landon und ich haben heute Morgen einen weiteren Termin mit der Adoptionsagentur, aber ich kümmere mich danach um Mr. Cadwalladers Sicherheitssystem, damit du dich stattdessen darauf konzentrieren kannst«, sagte Micah.

»Wie läuft es damit?«, fragte ich.

Micah seufzte und ich sah, wie seine Schultern zusammensackten. Er und sein Mann hatten Zwillinge adoptiert, einen Jungen und ein Mädchen. Der kleine Spencer und Lilyana hatten so viel Glück in das Leben ihrer beiden Väter gebracht, aber Micah und Landon wollten beide mehr Kinder, die ähnlich alt waren, damit sie zusammen aufwachsen konnten. So wie Landon und seine Geschwister. Sie hatten bereits einige Monate zuvor mit dem Adoptionsprozess begonnen, waren aber bisher nur in Sackgassen geraten.

»Ich weiß es nicht. Ich versuche, positiv zu denken, aber es ist schwer, hoffnungsvoll zu bleiben, je länger es dauert. Landon ist jedoch ein ewiger Optimist. Das ist einer der Gründe, warum ich mich in ihn verliebt habe. Er hat diese Art, die Welt zu betrachten, die einem einfach das Gefühl gibt, dass alles gut werden wird, weißt du?« Micahs Blick entspannte sich, wie er es immer tat, wenn er über den Mann sprach, den er liebte.

»Nun, wenn du mich fragst, stimme ich Landon zu. Jedes Kind würde sich glücklich schätzen, zwei Väter wie euch zu haben, also bin ich mir sicher, dass es irgendwann passieren wird. Vielleicht wartet das Universum nur auf das richtige Kind«, sagte ich ihm.

»Ja, vielleicht hast du recht. Wenn er oder sie auftaucht, wird es nie ein Kind geben, das mehr geliebt oder gewollt wird. Mit Ausnahme der beiden, die wir haben. Landon ist bereits ein unglaublicher Vater für Lily und Spence«, sagte Micah mit einem verträumten Lächeln im Gesicht.

Es klopfte an der Tür und eine Sekunde später streckte Landon seinen Kopf hinein. »Hey, tut mir leid, dass ich unterbreche. Mary hat mir gesagt, ich solle herkommen, aber ich kann hier draußen warten«, sagte er und deutete mit dem Daumen über seine Schulter.

»Nein, wir sind gerade fertig geworden. Außerdem haben wir sowieso über dich gesprochen.« Micah lächelte herzlich, als er aufstand und zu seinem Mann ging.

»Nur Gutes, hoffe ich«, sagte Landon mit einem Grinsen.

»Natürlich«, murmelte er, bevor sich ihre Lippen trafen.

Mit Landons goldenen Strähnen und haselnussbraunen Augen und Micahs dunkleren Zügen gaben die beiden ein atemberaubendes Paar ab. Ich war Zeuge gewesen, wie sich die beiden ineinander verliebt hatten. Wir hatten alle zusammengearbeitet, um herauszufinden, wer Landons berühmten Musiker-Bruder Carter Greene stalkte, nur um festzustellen, dass auch er selbst in Gefahr war. Micah hatte es geschafft, sie beide zu beschützen, aber nichts hätte ihn vor Landons hübschem Gesicht und seinem fürsorglichen Herz bewahren können. Hals über Kopf hatte er sich verliebt. Und die bewundernde Art ihrer Blicke machte deutlich, dass ihre Liebe gewachsen war. Ich hatte noch nie zwei Menschen gesehen, die so perfekt zusammenpassten oder verliebter waren. Außer vielleicht Jeremy und Zane. Auch Jeremy hatte seinen Verlobten während der Arbeit kennengelernt und sich in ihn verliebt. Jeremy, der sich auf Such- und Rettungseinsätze spezialisiert hatte, war angeheuert worden, um Zane zu finden. Zane war seit mehreren Jahren verschwunden gewesen und sein jüngerer Bruder Isaac hatte verzweifelt nach ihm gesucht. Noch bevor Jeremy Zane nach Hause gebracht hatte und die beiden Brüder wieder vereint gewesen waren, war er bereits ganz und gar in den Mann verliebt gewesen. Wir anderen machten uns gerne über Micah und Jeremy lustig, weil sie die Männer, die sie liebten, so sehr anhimmelten, aber wir freuten uns alle sehr für sie. Das hielt uns jedoch nicht davon ab, Witze darüber zu machen und Wetten anzunehmen, wer als Nächstes seine Liebe finden würde.

Ich räusperte mich laut und erinnerte sie daran, dass ich da war, bevor sie sich zu sehr hinreißen ließen. Landons Augen begegneten meinen und ich lachte, als sein Gesicht purpurrot wurde. »Wie geht es dir, Landon?«

»Gut, danke. Die Arbeit war verrückt, aber ich nehme an, du weißt, wie das ist«, sagte er mit einem Grinsen.

»Das tue ich auf jeden Fall. Ich glaube, mein Chef sorgt für genug Arbeit, damit wir uns keine Dummheiten überlegen«, neckte ich.

»Das liegt daran, dass dein Chef schlau ist und weiß, was für Unruhestifter ihr alle seid«, scherzte Micah und brachte mich und Landon zum Lachen. »Apropos, du solltest besser los. Ich habe ein Treffen mit deinem neuen Kunden für zehn Uhr vereinbart. Hier ist der Ordner mit allen Informationen, die ich bisher habe. Die Adresse seiner Wahlkampfzentrale befindet sich auf der Vorderseite. Dort sollt ihr euch treffen. Nochmals: Es tut mir leid, dass das so überstürzt ist.« Micah nahm einen Manila-Ordner vom Tisch und reichte ihn mir.

»Kein Problem. Ich kümmere mich darum«, versicherte ich ihm, als ich den Ordner nahm. Ich schaute auf meine Uhr und sah, dass ich mich beeilen musste, wenn ich nicht zu spät kommen wollte.

Nachdem ich mich kurz von ihnen und dann von Mary verabschiedet hatte, machte ich mich auf den Weg zum Parkplatz und stieg in meinen Pick-up-Truck. Ich tippte die Adresse in mein Navigationssystem ein und fuhr dann auf die Straße. Normalerweise würde die Fahrt zehn Minuten dauern, aber bei dem Berufsverkehr am Montagmorgen dauerte es am Ende zwanzig und ich kam nur zwei Minuten vor der vereinbarten Zeit an.

Ich nahm den Ordner vom Beifahrersitz, stieg aus und machte mich auf den Weg über den Parkplatz zu einem großen, einstöckigen, weißen Backsteingebäude. Wie ich es seit meiner Zeit bei den Marines gewohnt war, suchten meine Augen die Umgebung ab und achteten auf die Art der Autos auf dem Parkplatz, die Anzahl der Eingänge auf dieser Seite des Gebäudes und das Fehlen von Sicherheitskameras im Außenbereich. Ich runzelte die Stirn, als ich näherkam, und spähte zur Eingangstür in der Hoffnung, eine Art Einlasssystem zu sehen, das verhindern würde, dass einfach jeder hereinkommen konnte. Als ich keins fand, schaute ich zu dem großen Panoramafenster auf der linken Seite und fragte mich, ob da wenigstens jemand war, der die Dinge im Auge behielt, aber meine Schritte stockten bei dem, was ich stattdessen sah. Ich starrte ungläubig auf ein großes, buntes Plakat, das im Fenster hing. Darauf stand: Christopher Brooks zum Gouverneur wählen. Aber es war nicht nur der Satz, der mein Herz hämmern ließ und ein kaltes Gefühl der Furcht in meiner Magengrube auslöste, sondern auch das Foto des Mannes dazu. Er war gut aussehend und lächelte, hatte hellbraune Haare und Augen in der Farbe des Karibischen Meeres. Die gleichen blau-grünen Augen, in die ich mich als Junge verliebt hatte. Dieselben, die meine Träume heimgesucht hatten, nachdem er mein Herz in eine Million Stücke zerschmettert hatte.

Kapitel 2

CHRISTOPHER

Ich durchforstete den Stapel Papiere auf meinem Schreibtisch, überflog sie und fügte bei Bedarf meine Unterschrift ein. Die ganze Nacht hatte ich damit verbracht, mich über die kleine Stadt zu informieren, die ich in dieser Woche besuchen wollte. Das Gebiet war schwer getroffen worden, als ein dort ansässiges, großes Schifffahrtskonglomerat plötzlich beschlossen hatte, zu schließen. Die Mehrheit der Einwohner war in dem Unternehmen angestellt gewesen, von denen die meisten direkt nach dem Schulabschluss dort zu arbeiten begonnen hatten. Sie hatten nicht die Fähigkeiten oder ihnen fehlte die Ausbildung, um einfach einen anderen Job zu finden, wie einige Leute vorgeschlagen hatten. In manchen Familien gab es sogar zwei oder mehr Personen, die entlassen worden waren. Die Handlungen des Unternehmens hatten sie völlig zerstört. Nachdem sie bereits ihre Arbeit und Sozialleistungen verloren hatten, drohte vielen von ihnen nun auch der Verlust ihres Zuhauses. Sie brauchten Hilfe und zwar schnell. Mein Team und ich hatten einen Plan entwickelt, der ihnen eine sofortige Erleichterung verschaffen und sie hoffentlich auf den Weg in eine stärkere Zukunft bringen würde. Aber ich konnte unseren Plan nur in die Tat umsetzen, wenn ich sie dazu brachte und davon überzeugte, zuzuhören und mich ins Amt zu wählen. Das würde der knifflige Teil werden.

Neben mir auf dem Schreibtisch klingelte das Telefon. Ich schnappte mir einen Haftnotizzettel, um zu vermerken, wo ich aufgehört hatte, bevor ich den Anruf entgegennahm. Der Klang der Stimme meines Vaters zauberte mir ein Lächeln aufs Gesicht und ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück, während wir sprachen.

»Hey, Dad! Wie geht es dir?«

»Mir geht es gut. Wie läuft der Wahlkampf?«, fragte er.

»Stressig, wie immer. Ende der Woche habe ich eine Gemeindeversammlung in New River und ich bleibe dort ein paar Tage. Aber wenn ich es schaffe, die Leute dazu zu bringen, meinen Vorschlägen zuzustimmen, und ihre Unterstützung gewinne, wird das meinen Zahlen definitiv helfen.«

»Das wird nicht einfach«, warnte er mich.

Ich runzelte die Stirn. »Glaub mir, das weiß ich. Ich hatte es schon mit Schlimmerem zu tun. New River ist eine kleine Bauerngemeinde, und obwohl die Bürger einige ziemlich konservative Überzeugungen haben, die nicht wirklich mit meinen liberaleren Ansichten übereinstimmen, sind sie verängstigt und wurden verletzt. Ihre Gemeinschaft bröckelt um sie herum und sie brauchen die Art von Rettungsanker, die ich ihnen bieten möchte.«

»Ich zweifle nicht an deinen Fähigkeiten, mein Sohn. Du bist der richtige Mann für den Job. Bevor du etwas sagst: Das würde ich genauso denken, wenn du nicht mein Sohn wärst.«

Seine Worte erfüllten mich mit Stolz und mein Lächeln kehrte zurück. »Danke. Deine Meinung bedeutet mir sehr viel.«

»Freut mich, dass du das sagst, denn ich muss mit dir über etwas sprechen.«

Ich setzte mich wieder gerade hin, als sein Ton ernster wurde. »Ist alles in Ordnung? Geht es Mom gut?«, fragte ich nervös.

»Deiner Mutter geht es gut. Sie ist hier direkt neben mir. Warte, ich schalte dich auf Lautsprecher.«

»Oh, hey, Mom!«, sagte ich und war neugierig, worüber sie reden wollten.

»Hallo, Schatz. Wie geht es meinem Lieblingssohn?«

»Ich bin dein einziger Sohn«, erinnerte ich sie lachend.

»Ja, aber das heißt nicht, dass du nicht mein Favorit sein kannst.«

Wärme blühte in meiner Brust auf, als ich ihre vertraute Antwort hörte. Meine Eltern hatten sich kennengelernt, als sie beide Medizin studiert hatten. Sie hatten sich schnell verliebt und im dritten Studienjahr verlobt. Beide waren starke, engagierte, hart arbeitende Individuen, deren einziges Ziel es war, die fähigsten Chirurgen zu werden, die sie sein konnten. Kinder zu bekommen, war nie Teil ihres Plans gewesen, aber kurz nachdem sie geheiratet hatten, hatten sie festgestellt, dass ich unterwegs war. Ich erinnerte mich, dass meine Mutter mich als angenehme Überraschung empfunden hatte, als etwas, von dem das Universum gewusst hatte, dass sie es sich wünschten, bevor sie es getan hatten. Sie hatten mich in ihre Wünsche einbezogen, und während sie noch daran gearbeitet hatten, Chirurgen zu werden, war mein Glück zu ihrem Hauptziel geworden. In vielerlei Hinsicht war ich gesegnet, sie als Eltern zu haben. Es hatte mir nie an etwas gefehlt, besonders nicht an ihrer Liebe und unerschütterlichen Unterstützung.

»Und worüber wollt ihr reden?«

Mein Vater räusperte sich. »Deine Mutter und ich haben uns Sorgen um dich gemacht. Vor allem nach den Briefen, die du erhalten hast.«

»Diese Briefe waren nur von jemandem, der seine Abneigung zum Ausdruck gebracht hat. Ich bin mir sicher, dass Leute, die sich zur Wahl stellen, so etwas ständig bekommen«, versicherte ich ihm.

»Ja, aber sie wirkten ziemlich deutlich, findest du nicht auch? Sie sagten dir, du sollest dich zurückziehen. Das klingt wie eine Warnung«, meinte meine Mutter.

»Panikmache, mehr nicht. Ich würde das nicht ernst nehmen.«

»Tun wir aber, und du solltest es auch. Deshalb dachten wir, es sei besser, wenn jemand auf dich aufpasst. Zumindest so lange, bis du die Wahl überstanden hast«, beharrte Dad.

»Wovon redest du? Was habt ihr getan?«

»Wir haben jemanden engagiert, der dir als Sicherheitspersonal dient.«

Mein Kopf begann, zu pochen. Ich konnte nicht glauben, was ich hörte. »Wartet. Nur damit ich das richtig verstehe: Ihr habt mir einen Leibwächter angeheuert? Meint ihr das ernst?«

»Vollkommen«, sagte mein Vater bestimmt.

»Christopher, hör bitte kurz zu«, mischte sich meine Mutter ein und bemerkte wahrscheinlich meine Aufregung. »Du bist unser Sohn und wir werden dich immer lieben, egal was passiert. Aber einige Leute fangen bereits an, zu zeigen, dass sie ein Problem damit haben, wer du bist und woran du glaubst. Du hast eine sehr wichtige Aufgabe und wir möchten dich dabei nur schützen. Außerdem würde es deiner armen Mutter helfen, nachts besser zu schlafen, wenn ich wüsste, dass jemand auf dich aufpasst.«

Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück und rieb mir mit der Hand übers Gesicht. Zu streiten, hatte keinen Zweck. Weder mein Vater noch ich waren jemals in der Lage gewesen, meiner Mutter eine Bitte abzuschlagen. »Okay, gut, ich …«

»Oh! Danke, Schatz«, unterbrach Mom mich.

Die Erleichterung in ihrer Stimme war nicht zu überhören und ich fühlte mich schuldig, dass ich sie beunruhigt hatte. Ich hatte mein Bestes gegeben, die negative Presse so gut wie möglich zu ignorieren, aber für sie war es anders. Darum hatten sie nicht gebeten und ich war mir sicher, dass es für beide nicht einfach war, jeden Abend in den Nachrichten Leute hasserfüllte Dinge über ihr Kind sagen zu hören. Die Vorstellung, dass mir jemand bei der Arbeit folgte, war mir zuwider. Wenn es ihnen jedoch ein kleines Maß an Frieden brachte, dann würde ich es akzeptieren.

Ich war so in Gedanken versunken, dass ich einen Moment brauchte, um zu realisieren, dass mein Vater eine Frage gestellt hatte. »Entschuldige. Was?«

»Ich habe dich gefragt, ob du von Hamilton Security gehört hast. Die haben wir engagiert«, wiederholte er.

»Oh, ja. Ich habe von ihnen gehört.« Natürlich hatte ich das. Jeder in Chicago hatte von Hamiltons Helden gehört, wie die Medien sie getauft hatten, nachdem einige der Männer in ihrer Mittagspause jemanden davon abgehalten hatten, eine Bank auszurauben. Das Ganze war erledigt und der Verdächtige war gefasst worden, bevor die Polizei überhaupt eingetroffen war. Ich hatte den Geschichten nie allzu viel Beachtung geschenkt, aber nach dem, was ich gehört hatte, waren sie die Besten der Besten. Mich hätte nicht überrascht sollen, dass sie diejenigen waren, die meine Eltern angeheuert hatten, um mich zu beschützen.

»Ich habe mit Mr. Hamilton persönlich gesprochen und er hat mir versichert, dass er pünktlich um zehn Uhr jemanden vorbeischicken wird«, informierte mich mein Vater.

Ich schaute auf meine Uhr und seufzte. »Das gibt mir nur ein paar Minuten. Dann gehe ich wohl besser.«

»Okay, Schatz. Ruf uns später an und lass uns wissen, wie es gelaufen ist. Wir haben dich lieb«, sagte Mom.

»Das werde ich. Ich hab euch auch lieb.« Ich legte auf und ließ meine Stirn mit einem Klonk auf den Schreibtisch fallen. Zwar liebte ich meine Eltern und würde sie für nichts in der Welt eintauschen, aber manchmal wünschte ich mir Geschwister, die das Gewicht ihrer elterlichen Bedenken mit mir teilten.

Eine Minute später hob ich meinen Kopf, als ich ein Klopfen an der Tür hörte. »Herein«, rief ich.

Ich lächelte, als Maddies blonder Kopf um den Rand lugte. Maddie, den meisten Menschen als Maddox Vanderhorne bekannt, war mein Kommunikationsdirektor. Aber was noch wichtiger war: Er war mein engster Freund. Wir hatten uns kennengelernt, als wir uns in unserem ersten Jahr auf dem College buchstäblich in der Mensa über den Weg gelaufen waren. Die ersten paar Monate dort hatte ich elend und einsam verbracht, war für mich geblieben und hatte mich im Grunde in meinem Zimmer versteckt. Das war das erste Mal gewesen, dass ich mich nach draußen gewagt hatte, außer um zu meinen Kursen zu gehen. Der Schock war riesig gewesen, als ich mit meinem Essenstablett um die Ecke gebogen und direkt mit jemandem zusammengestoßen war. Nachdem wir es geschafft hatten, zwei ganze Tabletts mit Spaghetti und Fleischbällchen über uns zu schütten, hatten wir uns gegenseitig angeschaut. Ich hatte erwartet, angeschrien zu werden oder zumindest ein paar Schimpfwörter zu hören, aber stattdessen hatte er angefangen, zu lachen. Irgendetwas an der Leichtigkeit seines Lachens und dem Funkeln in seinen Augen hatte mich erreicht und dann hatte ich mitlachen müssen. Es hatte sich gut angefühlt, wieder zu lachen. Nachdem wir alles sauber gemacht und neue Tabletts mit Essen geholt hatten, hatte er mich dazu eingeladen, mich zu ihm zu setzen. Seitdem waren wir Freunde.

Das Studium hatte ich mit einem Abschluss in Jura und Maddie mit einem Master in Kommunikation beendet. Danach hatte er als Leiter einer Personalabteilung einer Werbefirma gearbeitet, während ich eine Stelle als Junior-Staatsanwalt in einer renommierten Anwaltskanzlei außerhalb der Stadt bekommen hatte und nach einigen Jahren Partner geworden war. Als ich die Entscheidung getroffen hatte, für ein Amt zu kandidieren, war er die erste Person gewesen, die ich für mein Team engagiert hatte. Er war nicht nur perfekt, um mir bei allen medialen Dingen zu helfen, ich brauchte auch jemanden, dem ich vertraute und der mir den Rücken freihielt, egal was passierte. Für mich war das immer Maddie.

Er schlüpfte hinein, schloss die Tür hinter sich und lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Seine blauen Augen waren weit aufgerissen und seine Wangen sahen verdächtig rosa aus, als er mich anstarrte.

»Was ist los?«, fragte ich.

»Es gibt ein … äh … ein … Puh.« Er fächelte sich Luft zu.

Ich schmunzelte über seinen Gesichtsausdruck. Maddie war seit jeher dramatisch gewesen, und was auch immer ihn gerade aufgeregt hatte, hatte es mit voller Wucht zum Vorschein gebracht. »Weißt du, für einen Mann, der Kommunikation studiert hat, scheinst du aber ziemliche Schwierigkeiten zu haben, deine Worte zu finden«, neckte ich.

Seine Augen verengten sich, dann legte er einen desinteressierten Gesichtsausdruck auf und starrte auf seine Nägel. »Gut. Mach Witze, wenn du willst. Dann werde ich dir eben nicht von dem extrem heißen männlichen Exemplar erzählen, das gerade in dieses Gebäude gelaufen ist und nach dir sucht. Und mit heiß meine ich heiiiß.«

Seine Augen schossen zu meinen, als er mich stöhnen hörte. »Uff! Das muss der Mann sein, den meine Eltern angeheuert haben.«

Maddie eilte auf mich zu, stützte sich mit beiden Händen auf dem Schreibtisch ab und beugte sich vor, sodass er ganz nahe vor meinem Gesicht war. »Was? Wie eine Escortdame? Warum sollten sie das tun?«

»Oh mein Gott, nein! Was zur Hölle, Maddie?«, zischte ich und hatte Mühe, meine Stimme leise zu halten.