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Jugendliche zum Glauben einladen - das ist das Ziel vieler christlicher Organisationen und Kirchen. Das Handbuch missionarische Jugendarbeit setzt sich mit wichtigen Grundfragen von Mission unter Jugendlichen auseinander, reflektiert aktuelle Herausforderungen und zeigt auf, wie missionarische Jugendarbeit in der Praxis gelingen kann. Das Handbuch verbindet dabei theologische mit sozialwissenschaftlichen Perspektiven und wurde gemeinsam von Wissenschaftlern und Fachleuten aus der Praxis entwickelt und geschrieben. Es entspricht wissenschaftlichen Ansprüchen, richtet sich aber auch an Mitarbeitende in der Jugendarbeit, die ihre eigene Arbeit reflektieren und weiterentwickeln wollen. Mit Beiträgen von Friedrich Schweitzer, Ernst-Ulrich Huster, Heinzpeter Hempelmann, Patrik C. Höring, Karsten Hüttmann, Wolfgang Ilg, Ulrike Treusch, Florian Karcher, Germo Zimmermann u. a.
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Seitenzahl: 848
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Ein Grundwort kirchlichen Lebens kehrt zurück: Mission. Lange Zeit verdrängt, vielleicht sogar verdächtigt, oftmals verschwiegen, gewinnt es neu an Bedeutung.
Wer dächte da nicht zurück an Leipzig 1999, jene EKD-Synode, die mehr Wirkung gezeigt hat, als wahrscheinlich die Synodalen damals selbst erwartet haben. Mit dieser Synode ist eine Erneuerung des missionarischen Bewusstseins verbunden: das neue Bewusstsein, wie dringend und wichtig die werbende Verkündigung und der Wille zum Wachstum für die Kirche im 21. Jahrhundert sind. Leipzig 1999 hält fest, dass eine Kirche, die nicht missioniert, krank, und zwar „herzkrank“ ist.
In der Kundgebung der Leipziger Synode werden inhaltliche Bestimmungen vorgenommen, die für Mission und Evangelisation als Sache der ganzen Kirche gelten sollen:
Mission ist zuerst durch das Evangelium bestimmt: „Gott hat uns eine Botschaft anvertraut, die die Mühseligen und Beladenen erquickt und die Starken davor bewahrt, sich von Leistung und Erfolg ein erfülltes Leben zu versprechen. Diese Botschaft wollen wir weitersagen, mit dieser Botschaft werden wir gebraucht.“
Mission hat ein von Gott gesetztes Ziel: Sie will Menschen gewinnen, sie sucht ohne Druck nach freier Zustimmung von Menschen, damit sie getauft werden, zum Glauben finden und Glieder der christlichen Kirche werden. Von dieser Konversion spricht die zweite inhaltliche Bestimmung: „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Wir müssen die Ziele, die wir uns bei unserem missionarischen Handeln setzen, am Willen Gottes messen.“
Kurzum: „Weitergabe des Glaubens und Wachstum der Gemeinden sind unsere vordringliche Aufgabe, an dieser Stelle müssen die Kräfte konzentriert werden.“ In Leipzig 1999 bekannte sich die evangelische Kirche in Deutschland zu ihrem missionarischen Mandat in unserem Land. Und: Dieses Mandat wird durch die Botschaft gekennzeichnet, die uns anvertraut ist, durch das von Gott gesetzte Ziel, Menschen liebevoll zu gewinnen.
Seither sind Themen wie wachsende Kirche, missionarische Gemeindeentwicklung, missionarische Bildungsangebote, klares Zeugnis evangelischer Identität oder Mission im eigenen Land nicht mehr von der kirchlichen Tagesordnung wegzudenken. Die missionarischen Herausforderungen prägen die kirchlichen Reformbemühungen. Und das ist nicht nur in der evangelischen Kirche zu beobachten, sondern in ähnlicher Weise auch in der römisch-katholischen Kirche, in einigen Freikirchen und in der Gemeinschaftsbewegung.
In besonderer Weise hat auch evangelische Jugendarbeit an diesem missionarischen Grundauftrag der Kirche teil. Mit Kindern und Jugendlichen den christlichen Glauben zu erfahren, zu leben und mit ihnen an einer tragfähigen persönlichen Glaubenspraxis zu arbeiten, ist Auftrag evangelischer Jugendarbeit. Das spezifische Setting evangelischer Kinder- und Jugendarbeit von freiwilligem, selbstbestimmtem Engagement, selbstentdeckendem Lernen, den Möglichkeiten, existenziellen Lebensfragen im Kreis der Gleichaltrigen vertrauensvoll und von Mitarbeitenden unterstützt nachgehen zu können, ermöglicht die Vermittlung von Glaubensinhalten in Anknüpfung an die Lebens- und Sprachwelt junger Menschen. Ihnen bietet sich ein vertrauter Raum, in dem sie sich mit der Bedeutung christlichen Glaubens für das persönliche Leben auseinandersetzen können.
Dass sich die missionarischen Herausforderungen im Bereich der Jugendarbeit wie in einem Brennglas konzentrieren, ist offenkundig. Alle soziologischen Studien weisen auf einen dramatischen Abbruch religiöser Sozialisation in der jüngeren Generation hin. Evangelische Bildung und Erfahrungsdimensionen des Glaubens herkömmlicher kirchlicher Arbeit erreichen vielerorts Jugendliche nicht mehr. Dringend müssen innovative und vielfältige Formen der Jugendarbeit entwickelt werden.
Diese Herausforderungen stehen allerdings nicht nur als große Aufgabe vor Gemeinde, Kirche und Jugendarbeit. Bei genauerer Beobachtung kann man wahrnehmen, wie viel Neues schon aufbricht, ausprobiert wird und sich bewährt. In Jugendkirchen, bei sportmissionarischer Jugendarbeit, bei musikalischen Aktionen und bei christlichen Projekten in der Schule werden neue Wege erprobt. In mancher Hinsicht ist missionarische Jugendarbeit Vorreiter für neue Entwicklungen missionarischer Formate.
In dem vorliegenden Handbuch finden sich sowohl missionstheologische und pädagogische Grundsatzüberlegungen als auch viele Hinweise für die Praxis missionarischer Jugendarbeit. Gründliche Reflexion der Praxis verbinden sich mit Allgemeinverständlichkeit, von der sowohl der hauptamtliche als auch der ehrenamtlich Tätige in der christlichen Jugendarbeit Gewinn haben wird.
Mit diesem Handbuch ist ein beachtlicher Auftakt zur neuen Buchreihe „Beiträge zur missionarischen Jugendarbeit“ gemacht. Man darf auf die folgenden Arbeiten in der Reihe gespannt sein.
Oberkirchenrat Dr. Erhard Berneburg,
Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste
Florian Karcher, Germo Zimmermann
Missionarische Jugendarbeit befindet sich im Aufbruch. In den vergangenen Jahrhunderten ist die Praxis der missionarischen Jugendarbeit immer wieder herausgefordert gewesen, die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungsprozesse ernst zu nehmen und zu prüfen, wie sie ihrem Sendungsauftrag hin zu jungen Menschen nachkommen kann. Dennoch scheinen die gegenwärtigen Herausforderungen der postmodernen Multioptionsgesellschaft, die durch Individualisierung, Globalisierung und Pluralisierung gekennzeichnet ist, größer bzw. weitreichender als alle anderen zuvor. Für die Praxis vor Ort bedeutet das, neue Antworten auf veränderte Lebenslagen zu finden. Junge Menschen dort zu erreichen, wo sie im 21. Jahrhundert anzutreffen sind – mit ihren Problem, Sorgen und Nöten, aber auch mit ihren Fragen, Hoffnungen und Sehnsüchten.
Auch im wissenschaftlichen Diskurs ist dieser Aufbruch zu beobachten: Nachdem missionarische Jugendarbeit hier lange Zeit nur am Rande bearbeitet wurde, und es zu Konzepten, Theorien und Praxis des missionarischen Handelns so gut wie keine wissenschaftliche Reflexion gab, entstehen derzeit punktuell Promotionen, Habilitationen und kleinere Forschungsarbeiten zu Themen und Fragen missionarischer Jugendarbeit. Ebenso bieten Hochschulen in (privater) Trägerschaft von missionarischen Jugendverbänden und Werken Studiengänge in der Schnittmenge von Sozialer Arbeit und Religionspädagogik bzw. Theologie an und bringen sich mit ihrem Deutungshorizont in den wissenschaftlichen Diskurs ein.
Dabei ist die Frage des missionarischen Handelns nicht unumstritten. In gesellschaftlichen und innerkirchlichen Diskussionen wurde und wird deutlich, dass Mission einerseits zwar zum Kernauftrag der Kirchen gehört, andererseits der Begriff an sich jedoch historisch und gesellschaftlich kritisch betrachtet wurde, ja kritisch betrachtet werden muss: Denn wenn mit „Mission“ Imperialismus, Intoleranz und Vereinnahmung assoziiert werden, ist ein obsoletes Missionsverständnis im Blick. In diesem Handbuch plädieren wir für ein umfassendes, mehrdimensionales Missionsverständnis, das neben dem missionarischen auch den sozial-diakonischen Auftrag ins Zentrum des Handelns rückt. Insofern muss immer inhaltlich bestimmt werden, was gemeint ist, wenn von Mission die Rede ist (vgl. Karcher/Zimmermann „Was ist missionarische Jugendarbeit?“ in diesem Band).
Das Ziel dieses ersten Bandes in der Reihe „Beiträge zur missionarischen Jugendarbeit“ (BMJ) im Neukirchener Verlag besteht darin, eine erste theoretische und gleichzeitig praxisnahe Aufarbeitung der Grundfragen und Herausforderungen missionarischer Jugendarbeit – aber auch ihrer Formen und Konzepte – zu liefern. Unser Anspruch ist es, den aktuellen Diskussions- und Erkenntnisstand dieses Ansatzes von Jugendarbeit widerzuspiegeln und in entsprechende Konzepte einzuführen. Gleichzeitig wollen wir ebenfalls die aktuellen Herausforderungen missionarischer Jugendarbeit aufzeigen. Durch diese doppelte Perspektive haben wir gleichermaßen die Praxis als auch die Wissenschaft im Fokus:
Der Praxis möchten wir die Möglichkeit bieten, das eigene (missionarische) Handeln fachlich und methodisch adäquat zu begründen, damit eine Weiterentwicklung ihrer selbst auf Basis der religions- und sozialpädagogischen Theorien im ersten Teil dieses Handbuchs ermöglicht werden kann. Ebenso möchten wir uns in den wissenschaftlichen Diskurs einbringen und das Konzept der missionarischen Jugendarbeit auf theoretischer Ebene reflektieren und für die Wissenschaft anschlussfähig machen. In dieser Perspektive suchen wir den fruchtbaren Dialog mit angrenzenden Themengebieten und anderen Ansätzen bzw. Konzepten der Jugendarbeit.Deshalb richtet sich unser Handbuch sowohl an haupt- als auch ehrenamtliche Praktiker/-innen der Kinder- und Jugendarbeit, die die eigene Arbeit fachlich reflektieren wollen und Formen und Konzepte für die missionarische Jugendarbeit entwickeln. Darüber hinaus sind Wissenschaftler/-innen im Blick, die im Feld oder angrenzenden Disziplinen wissenschaftlich arbeiten, forschen und lehren. Überdies zählen auch Studierende an missionarischen Ausbildungsstätten und (Fach-)Hochschulen sowie Personen in Fort- und Weiterbildungen zur Zielgruppe dieses Handbuchs. Um diesem Spagat gerecht zu werden, haben wir uns bemüht, ein fachlich hohes Niveau und gleichzeitig eine allgemeine Verständlichkeit in den Beiträgen zu gewährleisten.
Dabei verfolgen wir mit diesem Handbuch einen interdisziplinären Ansatz. So werden Autor/-innen unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen, wie etwa der Theologie, Psychologie, Geschichtswissenschaften, Medienpädagogik, Erziehungswissenschaften, Sozialen Arbeit usw., vereint und bringen ihre jeweiligen Deutungsperspektiven ein. Überdies sind die Beiträge – neben den Autor/-innen aus der Wissenschaft – auch von Praktiker/-innen der Jugendarbeit geschrieben und allein schon deshalb unterschiedlich in Vorgehensweise, Stil und Sprache. Mit dieser bewusst sehr heterogenen Autor/-innenenschaft hoffen wir beiden Zielgruppen gleichermaßen gerecht werden zu können und einen Beitrag für das Gros der missionarischen Jugendarbeit zu liefern.
Die Fragen der missionarischen Jugendarbeit kennen keine konfessionellen Grenzen – was eint, ist der gemeinsame Auftrag, die Botschaft des Evangeliums jungen Menschen zu vermitteln und vorzuleben. Daher vereint dieses Handbuch ebenso Autor/-innen aus der katholischen und evangelischen Kirche wie auch solche aus den evangelischen Freikirchen. Mit diesem überkonfessionellen Ansatz wollen wir bewusst unterschiedliche theologische Standpunkte in den Diskurs einbringen und innerkirchlich eine kritische Auseinandersetzung fördern.
Auch wenn mit diesem Handbuch der Versuch unternommen wurde, einen möglichst breiten Überblick zur Theorie und Praxis der missionarischen Jugendarbeit zu geben, können wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Über die Themen dieses ersten Bandes hinaus ergeben sich zahlreiche Grundfragen und Herausforderungen – wie etwa die Fragen um Inklusion in der Jugendarbeit, um das Thema Flüchtlinge etc. –, die hier aus Platzgründen nicht bearbeitet werden konnten. Dennoch hoffen wir mit diesem Handbuch einen ersten Beitrag zur Bearbeitung des Themas zu leisten und sind gespannt auf kritische Rückmeldungen aus Wissenschaft und Praxis.
Mit der Begründung der Reihe „Beträge zur missionarischen Jugendarbeit“ (BMJ) im Neukirchener Verlag haben wir als Herausgeber des ersten Bandes auf vielfältige Weise Unterstützung erfahren, für die wir an dieser Stelle einzelnen Personen namentlich danken möchten.
Zunächst sind wir Lena Carstens (studentische Mitarbeiterin am Institut für missionarische Jugendarbeit der CVJM-Hochschule Kassel) zum Dank verpflichtet. Sie hat das gesamte Projekt von Beginn an als Publikationsassistentin begleitet. Durch ihr außerordentliches Engagement und ihre Unterstützung in organisatorischer, formaler und auch inhaltlicher Hinsicht ist diese Publikation erst möglich geworden.
Darüber hinaus danken wir allen Autor/-innen, die – meist neben vielen anderen Aufgaben ihres Dienstes in Wissenschaft und Praxis – ihre Kompetenz und vor allem auch Zeit in die vielfältigen Beiträge investiert haben. Danke, für alles fristgerechte Einreichen der Beiträge, für jedes kreative Mitdenken, für inhaltliche Diskussionen und das Ringen um eine für die heterogene Zielgruppe angemessene Wortwahl.
Einen wesentlichen Beitrag zur Qualität des Handbuchs haben auch die Lektor/-innen geleistet, denen wir für die inhaltlichen Rückmeldungen und Überarbeitungen herzlich danken: Dieter Braun, Andreas Getfert, Karsten Hüttmann, Ursel Luh-Maier und Prof. Dr. Ulrike Treusch. Dr. Dr. Roland Werner gilt hier ein besonderer Dank, da er in der „heißen“ Endphase des Lektorats nochmals inhaltliches wie auch stilistisches Feedback gegeben hat.
Wir danken der Neukirchener Verlagsgesellschaft für die Bereitschaft, eine Reihe zur missionarischen Jugendarbeit in das Programm aufzunehmen. Ebenso danken wir für die Begleitung bei der Konzeption und Umsetzung dieses Handbuchs (hervorzuheben sei an dieser Stelle Ruth Atkinson).
Unser Dank gilt darüber hinaus auch unseren Familien, die uns bei diesem zeit- und arbeitsaufwendigen Projekt unterstützt und motiviert haben.
Zuletzt bedanken wir uns bei allen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/-innen in der missionarischen Jugendarbeit: Danke, dass ihr mit viel Engagement die Sache des Evangeliums vorantreibt und euch für junge Menschen einsetzt! Euch sei dieses Buch gewidmet, in der Hoffnung, dass die theologische, pädagogische, theoretische und konzeptionelle Diskussion als auch Praxis der missionarischen Jugendarbeit durch dieses Handbuch nachhaltig bereichert wird.
Kassel, im September 2015
Florian Karcher und Germo Zimmermann
Florian Karcher, Germo Zimmermann
Für die Arbeit konfessioneller Träger von Jugendarbeit gibt es viele (Selbst-)Bezeichnungen. So wird bspw. von evangelischer Jugend, katholischer Jugendpastoral, (frei-)kirchlicher Jugendarbeit oder christlicher Jugendverbandsarbeit gesprochen, um nur einige zu nennen. Allen Bezeichnungen ist eins gemeinsam: sie definieren Jugendarbeit über Zugehörigkeit. Auch wenn einige der Bezeichnungen mit bestimmten Inhalten verknüpft sind, sagen sie zu allererst etwas darüber aus, welcher Kirche, Konfession oder geistlichen Strömung Jugendarbeit zugehörig ist. Auch wenn offensichtlich ist, dass z. B. katholische Jugendpastoral und christliche Jugendverbandsarbeit inhaltlich-konzeptionell sehr unterschiedlich sind, lassen diese Bezeichnungen in der Regel keine Rückschlüsse auf das konkrete Konzept der Jugendarbeit zu, welches sich hinter dem „Label“ verbirgt.
An den Begriff der „missionarischen Jugendarbeit“ muss jedoch anders herangegangen werden. Hinter ihm verbirgt sich keine Beschreibung von Zugehörigkeit, auch wenn das in manchen Köpfen anders ist. Missionarische Jugendarbeit ist eben nicht die Jugendarbeit der besonders frommen, der christlich-konservativen oder evangelikalen Gemeinden und Werke, sondern der Begriff beschreibt ein Konzept und eine Ausrichtung von Jugendarbeit, ganz gleich, ob diese dabei von einem freikirchlichen Werk, einem christlichen Jugendverband oder einer evangelischen oder katholischen Kirchengemeinde verantwortet wird. Missionarische Jugendarbeit muss inhaltlich gefüllt werden und ist als Begriff zunächst überkonfessionell zu verstehen. Gleichzeitig kann missionarische Jugendarbeit durchaus konfessionell geprägt sein und als konzeptionelle Beschreibung zusammen mit den auf Zugehörigkeit ausgerichteten Selbstbezeichnungen stehen: Die evangelische Jugend einer Kirchengemeinde kann missionarische Jugendarbeit sein. Daher ist oft missionarische Jugendarbeit „mit-gemeint“, wenn z. B. von kirchlicher Jugendarbeit die Rede ist. Die beiden Ebenen Zugehörigkeit und Konzept führen so immer wieder zu Unschärfen, Schnittmengen und begrifflichen Vereinnahmungen.1 Alternativ kann vom missionarischen Handeln in der Jugendarbeit gesprochen werden. Insofern besteht für missionarische Jugendarbeit ein doppelter Vergewisserungsbedarf, denn sie steht im Spannungsfeld zwischen theologischer Herkunft bzw. Begründung einerseits und sozialpädagogischen Ansprüchen als Jugendarbeit andererseits (vgl. Domsgen 2013: 285).
Wenn also in diesem Beitrag2 von missionarischer Jugendarbeit die Rede ist, dann geht es darum, ein Konzept zu beschreiben und dessen Ziele, Leitlinien und Dimensionen zu beleuchten. Wir möchten damit den Versuch wagen, das, was seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten in verschiedenen Kirchen und Werken in Deutschland bereits praktiziert wird, auf theoretischer und praktischer Ebene zu reflektieren, um damit den Begriff, aber vor allem auch das Konzept der missionarischen Jugendarbeit zu schärfen. Wind unter den Segel bekommt dieser Versuch durch die Tatsache, dass der Missionsbegriff zumindest innerhalb der Kirchen und teilweise auch in der Gesellschaft wieder salonfähig geworden ist und nicht (mehr) sofort mit Imperialismus, Intoleranz und Vereinnahmung assoziiert wird und auf diese Weise einem modernen Missionsverständnis entspricht (vgl. Stettner 1999: 11).
In dem viel zitierten Impulspapier „Kirche der Freiheit“ (EKD 2006) heißt es: „Mission [wird] als glaubenweckendes Ansprechen der Menschen in der eigenen Gesellschaft als Aufgabe der ganzen Kirche anerkannt, die in allen kirchlichen Handlungsfeldern zur Geltung kommen muss“ (EKD 2006: 17). Mission wird hier als Querschnittsaufgabe allen kirchlichen Handelns verstanden. Um es noch pointierter zu sagen: Kirche sein heißt, missionarisch zu sein. Bezogen auf ein umfassendes Verständnis von Kirche im Sinne von ekklesia3 stellt missionarische Jugendarbeit diesen zentralen Aspekt in den Vordergrund und hat daher die Intention, junge Menschen zum Glauben einzuladen. Sie leistet damit einen Beitrag dazu, diesen wichtigen Auftrag der Kirche für die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen ernst zu nehmen.
Theologisch begründet sich dieser Sendungsauftrag in einer Vielzahl von biblischen Texten, besonders zentral ist dabei der sog. Missionsbefehl in Mt 28. Dieser Auftrag ist in den unterschiedlichen Kirchen, Werken und Verbänden in den Bekenntnisschriften, Grundtexten und Leitbildern über die Jahrhunderte und Konfessionen hinweg immer wieder neu formuliert und interpretiert worden. So heißt es z. B. in der „Pariser Basis“, der Grundlage der weltweiten CVJM-Arbeit, dass es Ziel der CVJM-Bewegung ist, „das Reich ihres Meisters [Jesus Christus] unter jungen Menschen auszubreiten“ (Roll 2008: 263; ). Dieses Sendungsbewusstsein kann unterschiedlich ausgeprägt sein, ohne dass sich etwas am generellen Sendungsauftrag der Kirche(n) ändert. Gesandt zu sein beinhaltet zwei wesentliche Bewegungen, die besonders für die missionarische Jugendarbeit relevant sind. Sendung geschieht immer jemandem. Sendung ist nicht aus sich selbst heraus, sondern hat stets einen Ursprung. Im christlichen Sinne ist dieser Urspung Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat. Mission ist daher zuallererst Gottes Mission () und er selbst das Subjekt dieser. Kirche, und mit ihr die missionarische Jugendarbeit, ist mit in diese Mission hineingenommen und in diesem Sinne Gesandte. Gott ist der Sendende und damit auch Urheber der Sendungsbotschaft. Die Botschaft der umfassenden und versöhnenden Liebe Gottes, das Evangelium, ist Inhalt der Sendung und daher auch zentrale Richtschnur für den Sendungsauftrag der Kirche(n).
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