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Beschreibung

Die psychosoziale Unterstützung von Patientinnen und Patienten mit einer Krebserkrankung und ihren Angehörigen stellt einen wichtigen Aspekt einer umfassenden onkologischen Versorgung dar. Zielsetzung des Handbuchs ist es, dem Leser eine orientierende Einführung in aktuelle Entwicklungen in der onkologischen Behandlung und Versorgung von Patienten zu geben sowie über verhaltensbezogene und psychosoziale Risikofaktoren der Krebsentstehung zu informieren. Die einzelnen Kapitel behandeln krankheitsspezifische psychosoziale Belastungen im Hinblick auf spezifische Patientengruppen und das Behandlungsteam, einschließlich Aspekten der Krankheitsverarbeitung und der kurz- wie längerfristigen psychosozialen Krankheitsfolgen. Des Weiteren gibt das Handbuch einen Überblick über den Stand der Forschung zu Diagnostik und Kommunikation, zu psychosozialen Interventionen bei Krebs sowie zu aktuellen Entwicklungen der psychoonkologischen Versorgung und der Versorgungsforschung.

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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Anja Mehnert

Uwe Koch

(Hrsg.)

Handbuch Psychoonkologie

Prof. Dr. Anja Mehnert, geb. 1973. 1993–1999 Studium der Psychologie an der Universität Hamburg. 2005 Promotion. 2010 Habilitation.1999–2012 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Seit 2012 Leiterin der Sektion Psychosoziale Onkologie und seit 2014 Professorin für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Universität Leipzig. Forschungsschwerpunkte: Psychoonkologie, Versorgungsforschung, Interventionsforschung.

Prof. Dr. Uwe Koch, geb. 1943. 1965–1976 Studium der Psychologie und Humanmedizin an der Universität Hamburg. 1972 Promotion. 1978 Habilitation. 1970–1979 Wissenschaftlicher Assistent am Psychologischen Institut der Universität Hamburg sowie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. 1979–1993 Leiter des Lehrstuhls für Rehabilitationspsychologie an der Universität Freiburg. 1993–2007 Direktor des Instituts und der Poliklinik für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Seit 2007 hauptamtlicher Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg. Forschungsschwerpunkte: Psychologie chronischer Erkrankungen, Psychoonkologie, Versorgungsforschung, Rehabilitationsforschung.

Wichtiger Hinweis: Der Verlag hat gemeinsam mit den Autoren bzw. den Herausgebern große Mühe darauf verwandt, dass alle in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen, Internetlinks etc.) entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abgedruckt oder in digitaler Form wiedergegeben wurden. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes und der digitalen Produkte können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der Benutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

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Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG

Merkelstraße 3

37085 Göttingen

Deutschland

Tel.: +49 551 99950 0

Fax: +49 551 99950 111

E-Mail: [email protected]

Internet: www.hogrefe.de

Satz: Mediengestaltung Meike Cichos, Göttingen

Format: EPUB

1. Auflage 2016

© 2016 Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Göttingen

(E-Book-ISBN [PDF] 978-3-8409-2474-3; E-Book-ISBN [EPUB] 978-3-8444-2474-4)

ISBN 978-3-8017-2474-0

http://doi.org/10.1026/02474-000

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Sofern der Printausgabe eine CD-ROM beigefügt ist, sind die Materialien/Arbeitsblätter, die sich darauf befinden, bereits Bestandteil dieses E-Books.

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort der Herausgeber

1 Geschichte und Entwicklung der Psychoonkologie

1.1 Die Entwicklung der Psychoonkologie im internationalen Raum

1.2 Meilensteine der Entwicklung der Psychoonkologie in Deutschland

1.3 Fachgesellschaften der Psychoonkologie

1.4 Wissenschaftliche Förderprogramme im Bereich der deutschen Psychoonkologie

Literatur

2 Krebsepidemiologie in Deutschland

2.1 Wie häufig ist Krebs?

2.1.1 Inzidenz

2.1.2 Prävalenz

2.1.3 Mortalität

2.1.4 Zeitliche Trends

2.1.5 Überlebensraten

2.1.6 Prävention

2.2 Woher stammen die Daten?

2.2.1 Aufgaben epidemiologischer Krebsregister

2.2.2 Krebsregistrierung in den einzelnen Bundesländern

2.2.3 Deutsches Kinderkrebsregister

2.2.4 Zentrum für Krebsregisterdaten

2.3 Wo findet man die Daten?

2.3.1 Krebs in Deutschland

2.3.2 GEKID-Atlas

2.3.3 Berichte der einzelnen Landeskrebsregister

2.4 Fazit

Literatur

3 Ätiologische und pathogenetische Grundlagen der Krebsentstehung

3.1 Tumorenentstehung

3.2 Eigenschaften von Tumorzellen

3.2.1 Genomische Instabilität und pro-inflammatorisches Tumorstroma

3.2.2 Das Aufrechterhalten von Wachstumssignalen

3.2.3 Das Umgehen von wachstumshemmenden Signalen

3.2.4 Das Widersetzen gegen Apoptose

3.2.5 Die Fähigkeit zur unbegrenzten Replikation

3.2.6 Das Einleiten einer Neubildung von Blutgefäßen

3.2.7 Die Aktivierung von Invasion und Metastasierung

3.2.8 Die Deregulierung von intrazellulären Stoffwechselprozessen

3.2.9 Das Vermeiden einer Vernichtung durch das Immunsystem

3.3 Kanzerogene

3.3.1 Chemische Substanzen

3.3.2 Strahlen

3.3.3 Viren und Bakterien

3.4 Genetische Prädisposition

Literatur

4 Zielgerichtete medikamentöse Therapie

4.1 Einführung

4.2 Toxizität

4.3 Antihormonelle Therapie

4.4 Wachstumsfaktor-Rezeptoren

4.5 Genveränderungen

4.6 Immunkontrolle

4.7 Zusammenfassung

Literatur

5 Medizinische Grundlagen der Krebserkrankung und der onkologischen Versorgung

5.1 Krebsfrüherkennung

5.2 Erfolge und Grenzen der Krebsfrüherkennung am Beispiel ausgewählter Entitäten

5.2.1 Prostatakarzinom

5.2.2 Mammakarzinom

5.2.3 Zervixkarzinom

5.2.4 Kolorektales Karzinom

5.2.5 Malignes Melanom

5.3 Primärprävention ist wirksamer als Sekundärprävention

5.4 Krebsdiagnostik – Voraussetzung für eine evidenzbasierte Behandlung

5.4.1 Die Erstuntersuchung

5.4.2 Die fachonkologische Diagnosestellung

5.4.3 Spezielle Verfahren

Literatur

6 Nebenwirkungen, Langzeitfolgen und Spätkomplikationen multimodaler Krebstherapien

6.1 Einleitung

6.2 Multimodale interdisziplinäre Therapiekonzepte

6.3 Akute Nebenwirkungen

6.4 Langzeitfolgen und Spätkomplikationen der multimodalen Therapie

6.5 Zusammenfassung

Literatur

7 Sekundärneoplasien nach Primärtherapie als besondere Belastung von Krebspatienten

7.1 Einleitung

7.2 Karzinogene Wirkung der Tumortherapie

7.3 Auftreten von Sekundärmalignomen und psychologische Belastung

7.4 Sekundärneoplasien bei spezifischen Patientenkollektiven

7.4.1 Sekundäre maligne Neoplasien in der pädiatrischen Onkologie

7.4.2 Sekundärmalignome nach Therapie des Morbus Hodgkin

7.4.3 Sekundärmalignome bei Keimzelltumor-Patienten

7.5 Fazit

Literatur

8 Das Versorgungssystem für Krebskranke in Deutschland

8.1 Einleitung

8.2 Onkologische Zentren

8.3 Ambulante Versorgung

8.3.1 Rehabilitation

8.3.2 Palliative Versorgung

8.4 Selbsthilfe

8.5 Ausblick

Literatur

9 Palliativmedizinische Versorgung onkologischer Patienten

9.1 Palliativmedizin: Historie und Prinzipien

9.2 Versorgungsformen in der Palliativmedizin

9.3 Onkologische Patienten in palliativer Erkrankungssituation

9.4 Palliativmedizin und Onkologie: Integration und Abgrenzung

9.5 Aufgaben der Palliativmedizin bei onkologischen Patienten

9.6 Zusammenfassung und Ausblick

Literatur

10 Somatische Risikofaktoren für die Krebsentstehung

10.1 Tabakkonsum und Krebserkrankungen

10.2 Ernährung und Krebserkrankungen

10.3 Übergewicht, Adipositas und Krebserkrankungen

10.4 Körperliche Aktivität und Krebserkrankungen

10.5 Sonne bzw. UV-Strahlung und Krebserkrankungen

10.6 Empfehlungen zur Prävention

Literatur

11 Psychosoziale Risikofaktoren bei der Entstehung einer Krebserkrankung

11.1 Mögliche Mechanismen

11.2 Methodische Aspekte

11.2.1 Operationalisierung der untersuchten Konstrukte

11.2.2 Studiendesign

11.2.3 Klassifikationsfehler

11.2.4 Confounder

11.3 Stand der Forschung

11.4 Fazit

Literatur

12 Soziale Ungleichheit und Krebs

12.1 Das Konzept der sozialen Ungleichheit in der Sozialepidemiologie

12.2 Soziale Ungleichheit und Krebserkrankungen

12.2.1 Inzidenz, Überlebens- und Mortalitätsraten: Ausgesuchte nationale Befunde

12.2.2 Inzidenz, Überlebens- und Mortalitätsraten: Ausgesuchte internationale Befunde

12.3 Soziale Ungleichheit und onkologische Versorgung

12.4 Fazit

Literatur

13 Krankheits- und behandlungsübergreifende psychosoziale Belastungen und Behandlungsbedarf

13.1 Formen psychosozialer Belastungen im Kontext einer Krebserkrankung

13.2 Häufigkeit psychischer Probleme und psychischer Komorbidität

13.3 Versorgungsbedarf bei Krebspatienten

13.4 Zusammenfassung

Literatur

14 Brustkrebs und gynäkologische Tumoren

14.1 Mammakarzinom (Brustkrebs)

14.2 Gynäkologische Tumoren

14.3 Körperliche Veränderungen und ihre Bedeutung

14.3.1 Brustverlust, Brustveränderung und Brustwiederaufbau

14.3.2 Entfernung der Ovarien (Ovarektomie)

14.3.3 Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie)

14.3.4 Entfernung oder Veränderungen an der Scheide

14.3.5 Veränderungen am Gebärmutterhals

14.3.6 Veränderung der Blasen- oder Darmtätigkeit

14.3.7 Haarverlust oder Haarveränderungen

14.3.8 Schleimhautreizungen

14.3.9 Lymphödeme

14.3.10 Vorzeitige Wechseljahre

14.4 Psychische Belastungen und Belastungsreaktionen

14.4.1 Belastungen, psychische Störungen und Betreuungsbedarf

14.4.2 Lebensqualität

14.5 Die junge Patientin – besondere Herausforderungen

14.6 Zusammenfassung und Ausblick

Literatur

15 Patienten mit gastrointestinalen Tumoren

15.1 Einleitung

15.2 Epidemiologische Aspekte – Inzidenz und Ätiologie

15.2.1 Das Ösophaguskarzinom

15.2.2 Das Magenkarzinom

15.2.3 Das Leberzellkarzinom bzw. Hepatozelluläre Karzinom

15.2.4 Das Gallenblasen- und Gallengangskarzinom

15.2.5 Das Pankreaskarzinom

15.2.6 Das Kolorektale Karzinom

15.2.7 Zusammenfassung

15.3 Indikationen und Ziele psychotherapeutischer Behandlung chirurgischer Patienten

15.4 Zusammenfassung und Fazit

Literatur

16 Prostatakrebs und urologische Tumoren

16.1 Psychoonkologische Aspekte beim Prostatakarzinom

16.2 Psychoonkologische Aspekte bei anderen urologischen Tumoren

16.3 Ausblick

Literatur

17 Hämatologisch-onkologische System-erkrankungen unter besonderer Berücksichtigung der Stammzelltransplantation

17.1 Hämatologisch-onkologische Erkrankungen

17.2 Hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSZT)

17.3 Ausblick

Literatur

18 Kopf-Hals-Tumoren

18.1 Epidemiologische und medizinische Aspekte

18.1.1 Klassifizierung und Inzidenz

18.1.2 Risikofaktoren und Mortalität

18.1.3 Therapieformen

18.1.4 Psychische Komorbidität

18.1.5 Weitere spezifische Belastungen

18.2 Interventionsmöglichkeiten

18.3 Fazit

Literatur

19 Lungenkrebs

19.1 Beschwerdebild

19.2 Diagnostik

19.3 Therapie

19.3.1 Operation

19.3.2 Strahlentherapie

19.3.3 Systemtherapie

19.4 Palliativmedizinische Begleitung

19.5 Psychoonkologische Betreuung

19.6 Ausblick

Literatur

20 Hautkrebs

20.1 Psychosoziale Belastung und Lebensqualität

20.2 Krankheitsverarbeitung und Interventionsansätze

20.3 Patienten mit Gesichtsdefekten

20.4 Patienten mit jahrelanger Behandlungsverzögerung

20.5 Ausblick

Literatur

21 Psychoonkologische Diagnostik in der Onkologie

21.1 Einleitung

21.2 Zielsetzung psychoonkologischer Diagnostik

21.3 Methoden psychoonkologischer Diagnostik

21.3.1 Screening-Instrumente

21.3.2 Standardisierte Interviewverfahren

21.4 Besonderheiten der psychoonkologischen Diagnostik

21.5 Ausblick

Literatur

22 Partizipative Entscheidungsfindung und Empowerment: Stärkung der Patientenbeteiligung in der Onkologie

22.1 Hintergrund

22.2 Modelle der Entscheidungsfindung in der Medizin

22.2.1 Definition und Anwendungsbeispiele einer partizipativen Entscheidung

22.2.2 Prozessschritte der Partizipativen Entscheidungsfindung

22.2.3 Auswirkungen auf die Mitarbeit von Patienten

22.2.4 Entscheidungshilfen („Decision Aids“)

22.3 Empowerment

22.4 Anwendung der partizipativen Entscheidungsfindung

22.4.1 Situationen medizinischer Unsicherheit

22.4.2 Patientencharakteristika

22.5 Vorbereitung von Ärzten

22.6 Fazit

Literatur

23 Kommunikation und Kommunikationstrainingsprogramme in der Onkologie

23.1 Erwartungen von Patienten in der Onkologie

23.2 Warum Kommunikationstraining in der Onkologie?

23.3 Was sind Inhalte von Kommunikationstrainings in der Onkologie?

23.4 Arztzentrierte und patientenzentrierte Techniken

23.5 Umgang mit Emotionen

23.6 Buchmetapher

23.7 Überbringung einer schlechten Nachricht

23.8 Gesprächstechniken/Schritte zur partizipatorischen Entscheidungsfindung

23.9 Wie werden die Inhalte des Kommunikationstrainings vermittelt?

23.10 Was bringt das Kommunikationstraining?

Literatur

24 Laienätiologie und Krankheitsverarbeitung

24.1 Laienätiologie/Kausalattributionen

24.1.1 Theoretische Modelle

24.1.2 Psychoätiologie

24.2 Krankheitsverarbeitung (Coping)

24.2.1 Theoretische Modelle

24.2.2 Taxonomie von Coping

24.2.3 Messung von Coping

24.2.4 Krankheitsverarbeitung im Verlauf einer Krebserkrankung

24.2.5 Bewältigungsmuster des sozialen Umfelds/der Familie

24.2.6 Genderaspekte des Copings

24.2.7 Adaptivität der Krankheitsverarbeitung

Literatur

25 Soziale Unterstützung bei Tumorpatienten

25.1 Unterstützungsarten und Unterstützungsebenen

25.2 Soziale Unterstützung und Anpassung an die Erkrankung

25.3 Änderungen der Sozialen Unterstützung im Verlauf der Erkrankung

25.4 Erklärungsansätze zur Wirkung der sozialen Unterstützung

25.5 Negative Folgen der sozialen Unterstützung

25.6 Dosis-Wirkungs-Zusammenhang

Literatur

26 Familie, Partnerschaft und Krebs

26.1 Einführung

26.2 Folgen der Krebserkrankung für den Partner: Belastungsquellen und Belastungsverläufe

26.3 Formen des Umgangs mit Belastungen – Dyadisches Coping

26.4 Paarbezogene Interventionen

26.5 Fazit

Literatur

27 Sexualität und Krebserkrankungen

27.1 Konzepte und Definition sexueller Funktionsstörungen

27.2 Empirische Befunde zur Sexualität bei Krebserkrankungen

27.3 Langzeitkonsequenzen von Krebserkrankungen bezüglich der Sexualität

27.4 Diagnostik sexuellen Erlebens und Verhaltens in der Psychoonkologie

27.5 Psychologische Interventionen bei sexuellen Folgen von Krebserkrankungen

27.6 Prävention

27.7 Fazit

Literatur

28 Lebensqualität im Kontext der Psychoonkologie

28.1 Einführung

28.2 Historische Aspekte

28.3 Lebensqualität – Stand 2015

28.4 Zusammenfassung

Literatur

29 Fatigue – das tumorassoziierte Erschöpfungssyndrom

29.1 Einleitung

29.2 Klinische Präsentation

29.3 Auswirkungen

29.4 Prävalenz

29.5 Ätiologie und Pathogenese

29.6 Diagnostik

29.7 Therapie

29.7.1 Nicht medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

29.7.2 Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

29.8 Ausblick

Literatur

30 Schmerz und Schmerztherapie

30.1 Einleitung

30.2 Grundlagen der Tumorschmerztherapie

30.3 Epidemiologie

30.4 Schmerzformen

30.5 Pathophysiologie

30.6 Schmerzdiagnostik und Schmerzmessung

30.7 Leitlinien der Tumorschmerztherapie

30.7.1 Basistherapie

30.7.2 Wechsel des Opioids

30.7.3 Grundlagen der Therapie von Durchbruchschmerzen

30.8 Psychotherapeutische Behandlungsverfahren

30.8.1 Schmerzbewältigungstraining

30.8.2 Psychologische Schmerztherapie

30.8.3 Psychotherapie bei Schmerz

30.9 Fazit für die Praxis

Literatur

31 Psychologische Aspekte hereditärer Krebserkrankungen

31.1 Einführung

31.2 Genetische und klinische Grundlagen

31.3 Genetische Beratung: Vermittlung „objektiver“ genetischer Risiken und subjektive Risikowahrnehmung

31.4 Leben mit genetischem Risiko – Auswirkungen von genetischen Testergebnissen auf Individuen und Familien

31.5 Protektive und Risikofaktoren für höhere Vulnerabilität

31.6 Weitergabe von genetischen Testergebnissen – Auswirkungen auf familiäre Beziehungen

31.7 Psychosoziale Unterstützung

Literatur

32 Kognitive Funktionsstörungen bei Krebserkrankungen und -therapien im Erwachsenenalter

32.1 Einführung

32.2 Begriffsklärung

32.3 Theoretisches Rahmenmodell, multifaktorielle Genese und Risikofaktoren

32.3.1 Tumorassoziierte kognitive Veränderungen

32.3.2 Therapieassoziierte kognitive Veränderungen

32.3.3 Symptomassoziierte kognitive Veränderungen

32.4 Häufigkeit, Verlauf und Art kognitiver Funktionsstörungen

32.4.1 Prävalenz und Verlauf

32.4.2 Betroffene kognitive Funktionen

32.4.3 Selbstbericht kognitiver Funktionsstörungen

32.5 Alltagsrelevanz, Diagnostik und Therapie

32.6 Fazit

Literatur

33 Weibliche Fertilität und Krebserkrankung

33.1 Krebserkrankung und Kinderwunsch als medizinische und psychosoziale Herausforderung

33.2 Kinderwunsch bei Krebspatientinnen – die Studienlage

33.3 Gefährdung der weiblichen Fertilität durch die Krebstherapie

33.4 Maßnahmen zum Schutz der Fruchtbarkeit

33.5 Entscheidungen treffen

33.5.1 Entscheidungsfindung zur Inanspruchnahme fertilitätsprotektiver Maßnahmen

33.5.2 Entscheidungsfindung zum Versuch einer Schwangerschaft

33.6 Fazit

Literatur

34 Psychoneuroimmunologie und Krebs

34.1 Stress und Krebs: Epidemiologische Befunde

34.2 Biologische Mechanismen

34.2.1 Stress-Reaktionssysteme

34.2.2 Stressmediatoren und DNA-Schädigung/primäre Tumorentstehung

34.2.3 Stressmediatoren und Tumorwachstum/Angiogenese

34.2.4 Stressmediatoren und Metastasierung

34.2.5 Immunsuppression und -evasion

34.3 Sind psychologische Interventionen bei Krebs biologisch wirksam?

34.3.1 Effekte von psychologischen Interventionen auf Krankheitsprogression und Überleben

34.3.2 Effekte psychologischer Interventionen auf biologische Mechanismen

34.4 Zusammenfassung und Ausblick

Literatur

35 Belastungsfaktoren und psychosoziale Belastungsreaktionen bei Kindern und Jugendlichen

35.1 Einleitung

35.2 Pädiatrische Onkologie: Entwicklung und aktuelle Situation

35.3 Psychosoziale Versorgung in der pädiatrischen Onkologie

35.4 Belastungen

35.4.1 Krankheits- und therapieabhängige Belastungen

35.4.2 Krankheitsunabhängige Belastungen

35.5 Ressourcen

35.6 Reaktionen

35.7 Ausblick

Literatur

36 Diagnostik und Therapie bei Kindern, Jugendlichen und ihren Familien

36.1 Einführung

36.2 Psychosoziale Versorgungskonzepte

36.3 Fachliche und institutionelle Voraussetzungen

36.4 Grundhaltung

36.5 Diagnostik

36.6 Festlegung der Behandlungsindikation

36.7 Therapie

36.8 Ausblick

Literatur

37 Krebs im jungen Erwachsenenalter – Adolescent and young adults (AYA) with cancer

37.1 Epidemiologie

37.2 Entwicklungsaufgaben im jungen Erwachsenenalter

37.3 Psychosoziale Belastungen

37.4 Psychosozialer Unterstützungsbedarf

37.5 Psychoonkologische Versorgung

37.6 Fazit

Literatur

38 Kinder krebskranker Eltern

38.1 Einleitung

38.2 Häufigkeit, belastete Subgruppen und Risikofaktoren

38.3 Interventionen für Kinder krebskranker Eltern

38.3.1 Bedarf an spezifischen Interventionen

38.3.2 Inhalte zielgruppenspezifischer Interventionen

38.3.3 Kindzentrierte Familienberatung nach dem COSIP-Konzept

38.3.4 Perspektiven für die Versorgungspraxis

Literatur

39 Psychosoziale Gesundheit älterer Patientinnen und Patienten in der Onkologie

39.1 Einleitung

39.2 Alter

39.3 Diagnostik der psychosozialen Gesundheit im höheren Alter

39.4 Psychosoziale Gesundheit von älteren Krebspatienten

39.4.1 Querschnittstudien

39.4.2 Längsschnittstudien

39.5 Interventionen

39.6 Fazit und Ausblick

Literatur

40 Interkulturelle Aspekte und Migration

40.1 Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland

40.2 Die besondere gesundheitliche Situation von Menschen mit Migrationshintergrund

40.3 Krankheitsvorstellungen

40.4 Bedarf und Inanspruchnahme psychologischer und psychiatrischer Versorgung

40.5 Forschungsbedarf für eine kultursensible Psychoonkologie in Deutschland

Literatur

41 Psychoonkologische Versorgung in Deutschland

41.1 Einleitung

41.2 Berücksichtigung der Psychoonkologie in Leitlinien, im Nationalen Krebsplan und in onkologischen Spitzenzentren

41.3 Die psychoonkologische Versorgungssituation

41.4 Psychoonkologische Versorgung im Akut-Bereich

41.5 Psychoonkologische Versorgung im ambulanten Bereich

41.6 Psychoonkologische Versorgung in der Rehabilitation

Literatur

42 Onkologische Rehabilitation und Rückkehr von Krebspatienten zur Arbeit

42.1 Rehabilitative Angebote für Krebspatienten

42.2 Rückkehr von Krebspatienten zur Arbeit

Literatur

43 Leitlinien und Qualitätssicherung in der Psychoonkologie

43.1 Einführung

43.2 Allgemeine Aspekte von evidenzbasierten Leitlinien

43.3 Leitlinienentwicklung in der Psychoonkologie

43.4 Leitlinienentwicklung in Deutschland

43.5 Methodische Schritte der Leitlinienentwicklung

43.6 Inhalte der Leitlinie

43.7 Qualitätsindikatoren

43.8 Ausblick

Literatur

44 Ambulante psychosoziale Krebsberatungsstellen

44.1 Einleitung

44.2 Versorgungssituation

44.3 Zielgruppen, Unterstützungsbedürfnisse und Zugang

44.4 Ziele und Leistungsspektrum

44.5 Evidenz zur Wirksamkeit psychosozialer Krebsberatung

44.6 Qualitätssicherung

44.7 Ausblick

Literatur

45 Psychoonkologische Versorgung im Allgemeinkrankenhaus durch Liaisondienste

45.1 Bedarf an psychoonkologischer Unterstützung

45.2 Organisationsformen der psychoonkologischen Versorgung

45.3 Personelle Ausstattung von Liaisondiensten

45.4 Inanspruchnahme

45.5 Rahmenbedingungen für psychoonkologische Versorgung im Krankenhaus

45.6 Patientenbezogene Liaisonaufgaben

45.7 Teaminterventionen

45.7.1 Niederschwellige informelle Kontakte

45.7.2 Teilnahme an regelmäßigen interdisziplinären Teambesprechung oder ärztlichen und/oder pflegerischen Übergaben

45.7.3 Teilnahme an Visite

45.7.4 Teilnahme am Tumorboard oder Tumorkonferenz

45.7.5 Gemeinsame Fallbesprechunge/Balintgruppen

45.7.6 Fortbildungsangebote

45.8 Dokumentation und Qualitätsicherung

45.9 Ökonomische Absicherung der Liaisonversorgung

45.10 Zukünftiger Entwicklungsbedarf

Literatur

46 Gemeinschaftliche Selbsthilfe

46.1 Begriffsbestimmungen und -differenzierung

46.2 Struktur, Arbeitsweise und Integration

46.3 Inanspruchnahme der Selbsthilfe

46.4 Wirkungen der Selbsthilfe

46.5 Fazit

Literatur

47 Zum Stand der Interventionsforschung in der Psychoonkologie

47.1 Ausgangssituation

47.2 Psychoonkologische Interventionen und Lebensqualität

47.2.1 Fragestellung

47.2.2 Methodik

47.2.3 Deskriptive Ergebnisse

47.2.4 Effektstärken

47.2.5 Effektmoderatoren

47.3 Psychoonkologische Interventionen und Überlebenszeit

47.4 Offene Fragen

Literatur

48 Psychoedukation

48.1 Definition

48.2 Themen

48.3 Didaktik

48.4 Effektivität

48.5 Wirkmechanismen

48.6 Offene Fragen

Literatur

49 Psychodynamische Interventionen bei Krebspatienten

49.1 Gruppenpsychotherapie mit Krebskranken am Beispiel der Supportiv-Expressiven Therapie

49.2 Manualisierte psychodynamische Psychotherapien für fortgeschrittene Krebserkrankungen

49.2.1 Meaning-centered group psychotherapy (MCGP)

49.2.2 Dignity Therapy

49.2.3 Managing Cancer and Living Meaningfully (CALM)

49.3 Kurzpsychotherapie bei depressiven Krebskranken

49.4 Fazit

Literatur

50 Entspannungsverfahren

50.1 Einleitung

50.2 Entspannungsverfahren und Evidenz

50.2.1 Progressive Muskelrelaxation

50.2.2 Autogenes Training

50.2.3 Hypnose

50.2.4 Imaginative Verfahren und Visualisierungen

50.2.5 Achtsamkeitsbasierte Interventionen, Meditation und Yoga

50.3 Besonderheiten für das Arbeiten mit Onkologischen Patienten

50.4 Indikation und Kontraindikation

50.5 Fazit

Literatur

51 Körperliche Aktivität und Tumorerkrankungen

51.1 Einleitung

51.2 Körperliche Aktivität und Primärprävention

51.3 Bewegungstherapie während der Behandlungsphase

51.4 Rehabilitation und Gesundheitsförderung

51.5 Rezidivsenkung

51.6 Palliativtherapie

51.7 Ausblick

Literatur

52 Künstlerische Therapien

52.1 Bedeutung der Künstlerischen Therapien für die Psychoonkologie

52.2 Musiktherapie

52.3 Kunsttherapie

52.4 Forschungsfragen und Ausblick

Literatur

53 Komplementärmedizin bei Krebspatienten

53.1 Einleitung

53.2 Ernährung und Bewegung

53.3 Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR), Yoga und andere achtsamkeitsbasierte Interventionsprogramme

53.4 Arznei- und Heilmittel aus Pflanzen

53.4.1 Misteltherapie

53.4.2 Granatapfelsaft bei Prostatakarzinom

53.4.3 Weihrauch-Extrakt

53.5 Phytotherapie in der supportiven Begleitbehandlung von Krebspatienten

53.6 Zusammenfassung

Literatur

54 Psychopharmakologische (Mit-)Behandlung von psychischen Beeinträchtigungen bei Krebspatienten

54.1 Depressive Störungen/Depressive Episoden

54.1.1 Auswahl eines Antidepressivums

54.1.2 Andere Präparate in der Behandlung depressiver Störungen bei Krebspatienten

54.2 Ängste

54.3 Schlafstörungen

54.4 Delir

54.5 Suizidalität

54.6 Besonderheiten in der psychopharmakologischen Behandlung von Krebspatienten

Literatur

55 Grundlagen psychotherapeutischer Interventionen bei Krebs: Verständnis und Zielperspektiven, Interventionsansätze und Settings

55.1 Einleitung

55.2 Begriffsbestimmung: Psychotherapeutische Interventionen in der Psychoonkologie

55.3 Behandlungsauftrag und therapeutische Beziehung

55.4 Indikation für den Einsatz von psychotherapeutischen Interventionen in der Psychoonkologie

55.5 Unterschiedliche Interventionen in der Psychoonkologie

55.5.1 Beratung, Krisenintervention, Psychoedukation, Psychotherapie

55.5.2 Einbezug anderer psychosozialer Interventionen

55.5.3 Unterschiedliche Settings psychoonkologischer Arbeit

55.6 Interventionsformen

55.6.1 Supportive Ansätze

55.6.2 Kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze

55.6.3 Systemisch orientierte Ansätze

55.7 Fazit

Literatur

56 Psychologische Interventionen bei Progredienzangst

56.1 Einleitung

56.2 Behandlung dysfunktionaler Progredienzangst – PaThe

56.2.1 Selbstbeobachtung und Diagnostik

56.2.2 Angstkonfrontation und Neubewertung

56.2.3 Verhaltensänderung und Lösungen

56.2.4 Wirksamkeit

56.3 Weitere Behandlungsansätze

56.4 Fazit

Literatur

57 Trauer

57.1 Einleitung

57.1.1 Trauer und ihre Mythen

57.1.2 Verläufe von Trauer

57.2 Psychologische Modelle der Trauer

57.3 Komplizierte bzw. prolongierte Trauer

57.4 Empirische Ergebnisse zur Trauer

57.6 Psychosoziale Interventionen bei Trauernden

57.7 Fazit

Literatur

58 E-Health-Angebote in der Onkologie

58.1 E-Health: Voraussetzungen und allgemeine Entwicklungen

58.2 E-Health-Angebote für Krebspatienten und deren wissenschaftliche Überprüfung

58.2.1 Angebotsformen

58.2.2 Wirksamkeit

58.2.3 Differenzielle Wirksamkeit

58.2.4 Prädiktoren der Inanspruchnahme

58.3 Zusammenfassung und Fazit

Literatur

59 Maladaptive Krankheitsverarbeitung: Anpassungsstörung, Angststörungen und Posttraumatische Belastungsstörung

59.1 Anpassungsstörung

59.1.1 Strategien im Zusammenhang mit maladaptiver Krankheitsverarbeitung bei Krebserkrankungen

59.2 Angststörungen

59.2.1 Generalisierte Angststörung

59.2.2 Panikstörung

59.2.3 Panikstörung mit Agoraphobie

59.2.4 Therapie von Angststörungen

59.3 Posttraumatische Belastungsstörung

59.3.1 Therapeutische Interventionen bei PTSD

59.3.2 Posttraumatische Reifung

59.4 Fazit

Literatur

60 Depression und Suizidalität

60.1 Einführung

60.2 Epidemiologie/Prävalenz

60.3 Ätiologie

60.4 Diagnose und Differenzialdiagnose (ICD-10)

60.5 Therapie

60.5.1 Psychotherapie

60.5.2 Pharmakotherapie

60.5.3 Suizidalität

60.6 Fazit

Literatur

61 Sinnorientierte Interventionen

61.1 Lebenssinn und existenzielle Belastungen

61.1.1 Theoretische Konzepte

61.1.2 Stand der empirischen Forschung

61.2 Sinnorientierte Interventionen

61.2.1 Inhalte und Ziele

61.2.2 Wirksamkeit

61.2.3 Herausforderungen und Forschungsbedarf

61.3 Fazit

Literatur

62 Stigmatisierung und Krebs

62.1 Einleitung – Stigma und gesundheitsbezogene Stigmatisierung

62.2 Der Prozess der Stigmatisierung

62.3 Ursachen und Verlauf der Stigmatisierung bei Krebspatienten

62.4 Befunde zur Stigmatisierung bei Krebs

62.4.1 Messverfahren zur Erfassung krebsbezogener Stigmatisierung

62.4.2 Einzelbefunde zu Krebs und Stigmatisierung

62.5 Fazit

Literatur

63 Cancer Survivorship-Programme

63.1 Einleitung

63.2 Stand der Survivorship-Forschung

63.3 Ziele von Cancer Survivorship-Programmen

63.4 Komponenten eines Cancer Survivorship-Programms

63.5 Zusammenfassung

Literatur

64 Perspektiven der Psychoonkologischen Forschung

64.1 Psychoonkologie als Gegenstand der Forschung

64.2 Rahmenbedingungen der psychoonkologischen Forschung

64.3 Aufgaben der psychoonkologischen (Versorgungs-)Forschung

64.3.1 Strukturelle Bedingungen der psychoonkologischen Versorgung

64.3.2 Psychoonkologische Epidemiologie

64.3.3 Psychoonkologisches Assessment

64.3.4 Effektivität und Effizienz psychoonkologischer Maßnahmen

64.3.5 Weiterentwicklung der Qualitätssicherung in der Psychoonkologie

64.4 Fazit

Literatur

65 Die Rolle des Psychoonkologen und Belastungen der Behandler

65.1 Einleitung

65.2 Was ist Burnout?

65.3 Burnout in der Onkologie

65.4 Arbeitsbelastungen in der Onkologie

65.5 Ursachen von Arbeitsüberlastung im Krankenhaus

65.6 Maßnahmen: die Rolle des Psychoonkologen

65.7 Ausblick

Literatur

66 Fortbildung in der Psychoonkologie

66.1 Fort- und Weiterbildung als essenzieller Aspekt der Qualitätssicherung in der Psychoonkologie

66.2 Psychoonkologie als interdisziplinäres Fachgebiet

66.3 Heterogene Ausbildung der unterschiedlichen in der Psychoonkologie tätigen Berufsgruppen

66.4 Anforderungen an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in der Psychoonkologie

66.5 Fazit

Literatur

Die Autorinnen und Autoren des Bandes

Sachregister

|11|Vorwort der Herausgeber

In den letzten Jahrzehnten, in denen sich die Psychoonkologie oder Psychosoziale Onkologie in Deutschland wie auch international zunehmend etabliert hat, hat sich neben der Auftretenshäufigkeit, Diagnostik und Behandlung auch die Wahrnehmung von Krebserkrankungen in der Gesellschaft verändert. In den Industrieländern finden wir heute die höchsten Inzidenz- und die niedrigsten Mortalitätsraten über alle Krebserkrankungen hinweg. Auch wenn Krebs noch immer zu den Krankheiten zählt, die mit einer hohen Lebensbedrohung und invasiven Behandlungen einhergehen, überleben zunehmend mehr Patientinnen und Patienten den Krebs oder sie leben lange mit der Erkrankung. Weltweit sind es mehr als 32 Millionen Menschen, die allein in den letzten fünf Jahren die Diagnose Krebs erhielten und mit ihr leben.

Therapien, die das Leben verlängern, beeinträchtigen die Lebensqualität von Patienten. Überleben bedeutet deshalb für viele Betroffene auch ein Leben mit körperlichen und psychosozialen Folgeproblemen. Dazu zählen beispielsweise chronische Schmerzen, Funktionseinschränkungen, Fatigue und psychosoziale Belastungen sowie Einbußen in der Selbstständigkeit im Alltag oder in der Teilhabe an Arbeit. Eine Krebserkrankung bedeutet für den Patienten wie seine Familie und das soziale Umfeld einen tiefen Einschnitt und beeinflusst alle Lebensbereiche.

Krebs ist aber auch eine Erkrankung geworden, über die offener und selbstverständlicher gesprochen wird und werden kann. Dies gilt sowohl innerhalb der Familie und im Freundeskreis als auch in Bezug auf das professionelle Behandlungsteam. Dieser offenere Umgang wird durch eine frühe und verbesserte Diagnostik, eine umfassende Behandlung und Nachsorge, die psychosoziale Aspekte als einen wichtigen Teil der Therapie berücksichtigt, und das verbesserte Überleben begünstigt, die der Erkrankung einen Teil ihres Schreckens genommen haben. Dazu beigetragen haben auch die Patienten und Angehörigen, die eine Kommunikation auf Augenhöhe, eine stärkere Beteiligung an medizinischen Entscheidungen und der Behandlung sowie die Stärkung der Patientenrechte fordern.

Die Psychoonkologie ist eine relativ junge, interdisziplinäre Disziplin, die sich in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts etabliert hat, um den zahlreichen psychosozialen Herausforderungen, mit denen Krebspatienten und Angehörige wie auch das Behandlungsteam konfrontiert sind, zu begegnen. Das Handbuch Psychoonkologie soll aktuelle Erkenntnisse und Trends in der Psychoonkologie umfassend im Sinne eines Standardwerkes für die Klinik und Forschung darstellen.

Das Inhaltsverzeichnis spiegelt die Struktur des Handbuchs wider. Nach einer kurzen Einführung in die Entwicklung der Psychoonkologie befassen sich die Autorinnen und Autoren der ersten Kapitel des Buches mit den medizinischen |12|Grundlagen der Krebserkrankung, dem Versorgungssystem für Krebskranke in Deutschland sowie mit verhaltensbezogenen und psychosozialen Risikofaktoren für die Krebsentstehung. Zielsetzung dieser ersten Kapitel ist es, dem Leser eine knappe und aktuelle Einführung in wichtige epidemiologische und medizinische Grundlagen der Onkologie und damit einen orientierenden Rahmen über aktuelle Entwicklungen in der onkologischen Behandlung und Versorgung von Patienten zu geben.

Der Block zu den Belastungsfaktoren und psychosoziale Belastungsreaktionen umfasst sowohl die Darstellung krankheitsübergreifender Belastungen als auch die spezifischen Belastungssituationen bei ausgewählten Diagnosegruppen. Im Anschluss an die Beiträge zur psychologischen Diagnostik, Entscheidungsfindung und Kommunikation werden spezifische Aspekte der Krankheitsverarbeitung sowie verschiedene häufige Krankheitsfolgen erläutert. In den nachfolgenden Kapiteln finden sich Beiträge zu spezifischen Zielgruppen psychoonkologischer Forschung und Versorgung wie erkrankte Kinder und Jugendliche. Die Autorinnen und Autoren der Beiträge zu psychoonkologischen Interventionen skizzieren zum einen das breite Spektrum evidenzbasierter therapeutischer Angebote für Patienten und Angehörige und gehen zum anderen auf Interventionen bei spezifischen Problemen ein. Dieser Teil des Buches fokussiert auf die aktuellen Entwicklungen psychoonkologischer Leitlinien, Merkmale der Qualitätssicherung in der Psychoonkologie, auf das psychosoziale Versorgungssystem im Überblick inklusive Krebsberatung, Konsiliar- und Liaisondienste, die onkologische Rehabilitation, die Selbsthilfe sowie spezifische Versorgungsprogramme/Survivorship-Programme. Darüber hinaus werden Aspekte psychoonkologischer Forschung erläutert. Das Handbuch schließt mit Beiträgen zur Rolle und den Belastungen psychoonkologischer Behandler und des Behandlungsteams sowie zur Fortbildung in der Psychoonkologie.

Als Herausgeber war es uns ein besonderes Anliegen, die inzwischen in vielen Bereichen breiten und fundierten psychoonkologischen Erkenntnisse für die Leser konzentriert darzustellen. Wir danken den Autorinnen und Autoren für ihre Zeit, Geduld und die Arbeit, die hinter dem Schreiben eines Beitrags steht, das Wissen und die eigenen Erfahrungen in die jeweiligen Kapitel einzubringen. Wir danken dem Hogrefe Verlag für die Bereitschaft, das Handbuch zu verlegen und die angenehme Zusammenarbeit. Insbesondere danken wir Natalie Ladehoff für die Unterstützung bei der Realisierung des Buches.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

Leipzig und Hamburg, im Januar 2016

Anja Mehnert und Uwe Koch

|13|1 Geschichte und Entwicklung der Psychoonkologie

Uwe Koch, Jimmie C. Holland und Anja Mehnert

Eine systematische Entwicklung der Psychoonkologie ist international ab Mitte der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts zu beobachten. Die gravierenden Veränderungen im Gesundheitswesen (u. a. rasante medizintechnologische Entwicklungen, großer Wissenszuwachs, Verknappung der finanziellen Ressourcen, Veränderungen des Spektrums vieler Erkrankungen in Richtung auf chronische Erkrankungen) gingen auch einher mit wachsenden Ansprüchen der Patienten an die Gestaltung der Arzt-Patienten-Kommunikation. Das paternalistische Modell der Arztrolle verlor schrittweise an Bedeutung, Patienten entwickelten höhere Ansprüche im Sinne eines stärker patientenorientierten und von Partizipation geprägten Arztverhaltens. Diese Veränderung von Einstellungen tangierte auch den Umgang mit Krebs. Das vorher häufig tabuisierte und stigmatisierende Wort „Krebs“ wurde zunehmend im Kontext mit der Diagnose einer Krebserkrankung ausgesprochen und die mit dieser Diagnose verbundenen Gefühle der Patienten konnten häufiger angesprochen werden. Ein zweites Stigma, das die Berücksichtigung von psychologischen Aspekten einer Krebserkrankung lange einschränkte, betraf die negative Haltung gegenüber psychischen Problemen und psychischen Erkrankungen. Auch hier sind inzwischen deutliche Einstellungsveränderungen in der Bevölkerung im Sinne einer größeren Offenheit festzustellen.

In den letzten 30 Jahren entwickelte sich die Psychoonkologie zu einer Teildisziplin der Onkologie wie auch der psychosozialen Medizin. Sie kann sich inzwischen auf eine breite Basis gesicherten Wissens stützen und damit substantiell zur Versorgung von Krebspatienten beitragen. Das heute verfügbare breite Spektrum psychoonkologischer Interventionen reicht von Strategien zur Veränderung von mit einem Krebsrisiko verbundenen Lebensstilen im Sinne der Primär- und Sekundärprävention und zur Verbesserung des Gesundheitsverhaltens z. B. bei der Teilnahme an Krebsfrüherkennungsmaßnahmen über den Umgang mit psychischen Problemen im Zusammenhang mit einem erhöhten genetischem Krebsrisiko, Maßnahmen zur Reduktion psychischer Belastungen und Symptomkontrolle (insbesondere bezogen auf den Umgang mit Ängsten, Depression, Schmerz oder Fatigue) bis hin zum Umgang mit den psychosozialen Folgen bei Langzeitüberlebenden nach einer Krebserkrankung (Cancer Survivorship) oder den Umgang mit den psychologischen Aspekten der Palliativversorgung. Heute, zu Beginn des 3. Jahrtausends, ist die Psychoonkologie eine der am klarsten definierte |14|Subdisziplin innerhalb der psychosozialen Dienste im Krankenhaus und ein Modell für die erfolgreiche Anwendung von Verhaltens- und Sozialwissenschaften in der Medizin. (vgl. Holland & Weiss, 2010; Watson et al., 2014).

1.1 Die Entwicklung der Psychoonkologie im internationalen Raum

Holland und Weiss (2010) nennen in ihrer Darstellung der Geschichte der Psychoonkologie als Wurzeln u. a. die Thanatologie-Bewegung in den frühen Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts, Feinbergs Ansätze zur Psychotherapie mit sterbenden Patienten am Karolinska-Institut in Stockholm Mitte der 50er-Jahre, richtungsweisende Aktivitäten von Sutherland und anderen am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center (MSKCC; Sutherland et al., 1952; Bard & Sutherland, 1955; Dyk & Sutherland, 1956) sowie von Shands und anderen am Massachusetts General Hospital in den USA (Shands et al., 1951; Abrams & Finesinger, 1953).

Als weitere wichtige Entwicklungen beginnend in den 60er-Jahren sind die Arbeiten von Elisabeth Kübler-Ross (1969) zur Kommunikation mit Sterbenden und Cecily Saunders (Saunders & Baines, 1991) im Rahmen der Londoner Hospiz Bewegung zu nennen. In den 1970er-Jahren beginnen erste, meist kleinere Gruppen psychoonkologische Aktivitäten in verschiedenen europäischen Ländern. Als Pioniere sind hier u. a. zu nennen: Christina Bolund in Stockholm, Kati Muszbek in Budapest, Margit von Kerekjarto in Hamburg, Darius Razavi in Belgien, Steven Greer gefolgt von Maggie Watson in London und später dann Peter McGuire in Manchester. Als weitere wichtige Entwicklungen sind das Project Omega von Avery Weisman (1993) und die Etablierung des WHO „Collaborating Center for Quality of Life Research“ ab 1987 mit Fritz van Damm und später mit Neil Aaronson zu nennen (vgl. Aaronson, 1987).

Zu Beginn der 1980er-Jahre begannen sich weltweit Fachgesellschaften im Bereich der Psychoonkologie zu formieren. Im Jahr 1982 wurde die British Psychosocial-Oncology Society (BPOS), 1985 die Canadian Psychosocial Society (CAPO) und 1986 die American Psychosocial Oncology Society (APOS) gegründet. In dieser Zeit entstanden auch in Deutschland zwei Fachgesellschaften (s.u.). Auf der internationalen Ebene wurde auf Initiative von Jimmie Holland 1984 zunächst die von der amerikanischen Psychoonkologie deutlich geprägte International Psycho-Oncology Society (IPOS) gegründet. Im Sinne eines europäischen „Gegengewichts“ entstand 1987 die European Psycho-Oncology Society (ESPO), die ab Ende der 80er-Jahre regelmäßig europäische Kongresse für Psychoonkologie veranstaltete. Nach dem elften und letzten Kongress der ESPO in Heidelberg (Kongresspräsidentin: Monika Keller) strukturierte sich die ESPO |15|Ende 2001 um. Aus der Fachgesellschaft für Individualmitglieder wurde eine Dachorganisation von Fachgesellschaften, die European Federation of Psycho-Oncology Societies (EFPOS), die aber wenige Jahre nach ihrer Gründung ihre Aktivitäten einstellte.

Unter der Federführung von IPOS wurde 1992 der erste Weltkongress für Psychoonkologie in Beaune durchgeführt (Kongresspräsident: Robert Zittoun). Es folgten Kongresse in Kobe (1995), in New York (1996) und 1998 erstmals in Hamburg (750 Teilnehmer, Kongresspräsident: Uwe Koch). Es schlossen sich Weltkongresse in Melbourne (2000), Banff (2003), Kopenhagen (2004), Venedig (2006), London (2007), Madrid (2008), Wien (2009), Quebec (2010), Antalya (2011), Brisbane (2012), Rotterdam (2013), Lissabon (2014) und Washington DC (2015) an.

Im Jahr 1983 erschien erstmals das Journal of Psychosocial Oncology. Herausgeber war James R. Zabora. Zentralere Bedeutung für das Fach erlangte die von Jimmie Holland und Maggie Watson ab 1992 herausgegebene Zeitschrift Psycho-Oncology. Stark zur Identitätsbildung hat weiterhin das 1989 erstmals von Jimmie Holland und Julia Rowland herausgegebene Handbook of Psycho-Oncology beigetragen, das inzwischen in der überarbeiteten dritten Auflage erschienen ist. Das Gleiche gilt für die von IPOS kontinuierlich vergebenen Forschungspreise: der Arthur M. Sutherland Award, der Bernhard Fox Memorial Award, der Hiroomi Kawano New Investigator Award und der Noemi Fisman Award for Lifetime Clinical Excellence.

Auch einzelne Publikationen haben das Bild der Psychoonkologie in der (wissenschaftlichen) Öffentlichkeit stark mitgeprägt. David Spiegel (1989) und Fawzy und Kollegen (1993) fanden bei unterschiedlichen Gruppen von Krebskranken (Brustkrebspatientinnen, Melanom-Patienten) bei Teilnahme an psychoonkologischen Interventionsprogrammen Vorteile bezüglich der Überlebenszeit. Diese Ergebnisse, die sich in den nachfolgenden Replikationsuntersuchungen so nicht bestätigen ließen, haben Diskussionen über psychoonkologische Themen weit über die Fachgrenzen hinweg hervorgerufen.

Aus der seit Mitte der 1990er-Jahre stark durch IPOS geprägten Weiterentwicklung der internationalen Psychoonkologie sind insbesondere noch einige weitere Aktivitäten zu nennen. So wurde Ende der 90er-Jahre die IPOS Psychosocial Academy gegründet. Sie bietet mit internationalen Dozenten vor jedem der inzwischen jährlich durchgeführten Weltkongresse ein umfangreiches Workshop-Programm an. Darüber hinaus ist das IPOS Multilingual Core Curriculum in Psycho-Oncology, ein webbasiertes mehrsprachiges Fortbildungsprogramm zu nennen. Systematisch strukturierte und didaktisch gut konzipierte Vorlesungen zu zentralen Themen der Psychoonkologie werden relevanten Zielgruppen in verschiedenen Sprachen angeboten. 2006 wurde unter dem Dach von IPOS die Fe|16|deration of Psycho-Oncology Societies begründet. Sie versteht sich als Austauschort der verschiedenen nationalen psychoonkologischen Fachgesellschaften.

1.2 Meilensteine der Entwicklung der Psychoonkologie in Deutschland

Die Entwicklung der Psychoonkologie in Deutschland ist auch vor dem Hintergrund des Entwicklung der Psychosozialen Medizin und hier insbesondere der Psychosomatik und der Medizinischen Psychologie zu verstehen (vgl. Weiner, 1990; Adler et al., 2011). Auf der theoretischen Ebene dominierten bis in die 1970er-Jahre verschiedene theoretische Ansätze: psychogenetische/psychoanalytische Konzepte, der Ansatz einer ganzheitlichen klinischen Medizin und psycho-physiologische Ansätze. Während die Psychosomatik im engeren Verständnis die Einflüsse psychischer Faktoren auf die Entstehung bzw. Mitentstehung von körperlichen Erkrankungen fokussierte, entwickelte sich ab Mitte der 70er-Jahre komplementär die Somatopsychologie, die sich insbesondere mit den psychischen Auswirkungen von körperlichen Erkrankungen auf die psychische Befindlichkeit befasst. Dieser unterschiedlichen Betrachtung entspricht ein Wandel in der Orientierung in der frühen Psychoonkologie in Deutschland, nämlich von einem zunächst dominierenden Interesse an einer „Psychoätiologie“ der Krebserkrankung hin zu einer stärkeren Konzentration auf die Krankheitsfolgen. Eine entscheidende strukturelle Weichenstellung für die Entwicklung der psychosozialen Medizin in Deutschland war die Approbationsordnung von 1970, die zu einer Institutionalisierung der psychosozialen Fächer an den Medizinischen Fakultäten der Bundesrepublik Deutschland führte.

Ein Ereignis von besonderer Bedeutung für die Entwicklung der Psychoonkologie stellte ohne Zweifel die Gründung der Deutschen Krebshilfe durch Dr. Mildred Scheel im Jahre 1974 dar. Das von der Krebshilfe verfolgte Konzept schrieb der psychosozialen Betreuung von Krebspatienten von Anfang eine zentrale Bedeutung zu. Dies spiegelt sich auch in der Förderpolitik wider. In den 40 Jahren ihres Bestehens hat die Deutsche Krebshilfe zahlreiche Vorhaben, die einen direkten Bezug zur Entwicklung der Psychoonkologie in Versorgung und Forschung aufwiesen, finanziell unterstützt. Auf Initiative von Mildred Scheel wurde 1979 die Psychosoziale Nachsorgeeinrichtung für Krebspatienten an der Chirurgischen Universitätsklinik in Heidelberg aufgebaut. Diese erste europäische Einrichtung für die Nachbetreuung von Krebspatienten kann als Kristallisationspunkte der sich schrittweise etablierenden deutschen Psychoonkologie angesehen werden. Die Einrichtung, die inhaltlich eng mit dem Heidelberger Seminar für Psychosoziale Onkologie verbunden war, wurde bis 1984 von Almuth Sellschopp geleitet. Ihre Nachfolge übernahm ab 1984 Reinhold Schwarz.

|17|Einen deutlichen inhaltlichen Bezug zur Entwicklung der Psychoonkologie weist die Gründung des Krebsinformationsdienstes (KID) im Jahre 1986 am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg auf. Der von Almuth Sellschopp mit aufgebaute KID verstand sich von Anfang an als eine Institution zur Förderung der Patientenkompetenz. Das Angebot richtet sich an jeden, der Fragen zu Krebs hat: Patienten, ihre Familien und Freunde sowie an Menschen, die sich über Krebsvorbeugung und Krebsfrüherkennung informieren wollen. Für alle Fachleute, die an der Versorgung von Krebspatienten beteiligt sind, bietet der Krebsinformationsdienst individuell recherchierte Fakten und Quellen.

Auf die sich Ende der 1970er-Jahre in Deutschland entwickelnde Psychoonkologie nahmen über die bereits zuvor erwähnten Akteure hinaus einige weitere Personen Einfluss. Zu nennen sind hier u. a. Claus Bahne Bahnson, Margit von Kerekjarto und Fritz Meerwein. C. Bahnson – aus den USA zurückgekehrt – hatte dort u. a. in Philadelphia lange Zeit einen Consultation-Liaison-Service für Psychoonkologie aufgebaut und geleitet und in Kalifornien eine der ersten psychoneuroimmunologischen Studie weltweit initiiert. Er beriet die Deutsche Krebshilfe beim Aufbau der Psychosozialen Nachsorgeeinrichtung in Heidelberg und bot Fortbildungen und Schulungen im Bereich der Familientherapie bei Krebspatienten an (Bahnson, 1979). Margit von Kerekjarto, eine Schülerin des Hamburger Psychosomatikers Arthur Jores, führte bereits Anfang der 70er-Jahre Krebspatienten im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf psychologische Beratung und Psychotherapie durch und baute ab Ende der 70er-Jahre eine klinische und forschungsbezogene Gruppe auf, die bis heute zu den führenden psychoonkologischen Arbeitsgruppen in Deutschland zählt. Von Fritz Meerwein gingen wesentliche Impulse für die Gestaltung des ärztlichen Gesprächs aus (Meerwein, 1969, 1981). Er war auch Initiator des medizinpsychologischen Dienstes an der Abteilung für Onkologie des Universitätsspitals Zürich und gilt zu Recht als ein Pionier der Psychoonkologie in der Schweiz.

Die damalige schnelle Entwicklung der Psychoonkologie in Deutschland wurde auch durch die starke Resonanz auf Selbstdarstellungen in Büchern von betroffenen Krebspatienten in der Öffentlichkeit mitbestimmt. Zu nennen sind hier insbesondere die Bücher von Maxi Wander (1977), Fritz Zorn (1977), Susan Sontag (1978) und Liselotte Bappert (1979). Die Sichtbarkeit der Psychoonkologie als Wissenschaftsdisziplin dürfte sich auch durch 2 Werke in der Jahrbuchreihe „Medizinische Psychologie“, nämlich „Psychosoziale Onkologie“ von Rolf Verres und Monika Hasenbring (1989) sowie von Uwe Koch und Joachim Weis „Psychoonkologie – eine Disziplin in der Entwicklung“ (2009) erhöht haben. Auch das hier vorgelegte Handbuch der Psychoonkologie versteht sich in dieser Zielsetzung. Der inzwischen erreichte Entwicklungsstand der Psychoonkologie in Deutschland wird weiterhin durch die Tatsache gestützt, dass inzwischen mehrere für diese Disziplin spezifische Forschungspreise regelmäßig vergeben wer|18|den. Zu nennen sind hier der Reinhold Schwarz-Preis für Nachwuchswissenschaftler, der Helmut-Wölte Preis für innovative Projekte in der psychoonkologischen Versorgung und der Loni und Hans Faust-Preis für herausragende Projekte und Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der psychoonkologischen Versorgung. Darüber hinaus sind in den letzten 20 Jahren zahlreiche Preise des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (Roemer Preis und DKPM Promotionspreis) an Forscher und Forscherinnen verliehen worden, die im Bereich der Psychoonkologie geforscht haben.

1.3 Fachgesellschaften der Psychoonkologie

Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie e.V. (dapo) wurde 1983 gegründet. In ihr haben sich verschiedene Berufsgruppen (Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, Kreativtherapeuten, Seelsorger, Pflegekräfte und weitere Berufsgruppen) zusammengeschlossen, die in der medizinischen und psychosozialen Versorgung von Krebskranken und deren Angehörigen tätig sind. Als bundesweite Vereinigung will die dapo den Austausch zwischen den einzelnen Professionen intensivieren, Erfahrungen aus unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern bündeln sowie deren wissenschaftliche Bearbeitung anregen und unterstützen. Weiterhin will die dapo die Anerkennung der psychoonkologischen Versorgung und Forschung als integraler Bestandteil der Onkologie unterstützen.

Die Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie (PSO) in der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) wurde 1988 anlässlich des 19. Deutschen Krebskongresses in Frankfurt/Main gegründet. Ziel der Gründung war die Integration der Psychoonkologie als junges Arbeitsgebiet in die Onkologie sowie die Stärkung psychoonkologischer Forschung. Die PSO ist organisatorisch in die DKG eingebunden. Unter der Leitung des damaligen Sprechers der PSO, Reinhold Schwarz, wurden die ersten psychosozialen Krebskongresse in Deutschland in den Jahren 1989 und 1991 sowie zur Lebensqualitätsforschung in Kooperation mit der EORTC-Quality of Life Study Group 1994 und 1996 in Heidelberg durchgeführt. Die Forschungsaktivitäten im Rahmen der EORTC-Lebensqualitätsforschung werden von Susanne Singer bis heute aktiv weitergeführt. Eine weitere frühe Initiative der PSO war ein Memorandum zur Einrichtung eines Lehrstuhls für Psychoonkologie an die damalige Gesundheitsministerin Prof. Dr. Ursula Lehr im Jahre 1989. Die Initiative, die auf die akademische/universitäre Verankerung der Psychoonkologie zielte, war damals nicht erfolgreich. Erst im Jahr 2012 wurde bundesweit die erste Professur für Psychosoziale Onkologie am Universitätsklinikum Leipzig eingerichtet (Stelleninhaberin Anja Mehnert).

Ein wichtiges Anliegen der PSO war von Anfang an die Verbesserung der Qualität der psychosozialen Versorgung von Krebskranken durch entsprechende Fort- |19|und Weiterbildungen. Das gemeinsam seit 1994 von PSO und dapo realisierte bundesweite Programm „Weiterbildung Psychosoziale Onkologie“ (WPO) wurde 2006 als eigenständige Tochterorganisation WPO e.V. etabliert. Diese Einrichtung bietet zum einen ein interdisziplinäres Curriculum (WPO-IC) für unterschiedliche Berufsgruppen aus dem Bereich der Psychoonkologie (Psychologen, Ärzte, Sozialarbeiter, Seelsorger u. a.), zum anderen ein Curriculum für approbierte Psychotherapeuten (WPO-PT) an. Die PSO war auch die federführende Fachgesellschaft bei der Entwicklung und Implementierung der S3-Leitlinie „Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten“ (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe & AWMF, 2014; Projektleitung: Joachim Weis und Uwe Koch).

Spezifisch für die Anliegen der psychosozialen Unterstützung im Rahmen der pädiatrischen Onkologie wurde 1989 die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft in der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (PSAPOH) gegründet. Die PSAPOH versteht sich als Netzwerk und als unterstützende Organisation der im psychosozialen Bereich tätigen Mitarbeiter in Deutschland und den deutschsprachigen Nachbarländern. Die Arbeit der PSAPOH zielt auf die Förderung der psychosozialen Versorgung krebskranker und hämatologisch erkrankter Kinder und Jugendlicher und ihrer Familien als integraler Bestandteil der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie. Die Förderung der Qualifikation und Fortbildung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stellt ein wichtiges Anliegen dar. Die Projektgruppe Qualitätssicherung der PSAPOH hatte die Federführung bei der Entwicklung und Implementierung der S3-Leitlinie „Psychosoziale Versorgung in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie, die im Jahr 2008 als S3-Leitlinie von der AWMF veröffentlicht und 2013 aktualisiert wurde.

1.4 Wissenschaftliche Förderprogramme im Bereich der deutschen Psychoonkologie

Die Robert-Bosch-Stiftung förderte Ende der 70er- und in der ersten Hälfte der 80er-Jahre ausgewählte psychoonkologische Projekte mit Modellcharakter. Das erste staatlich geförderte Programm stellte der BMBF-Förderschwerpunkt „Rehabilitation von Krebskranken (1987–1995) dar. Die 18 Projekte des Förderschwerpunktes hatten weniger die medizinische Rehabilitation sondern vielmehr die Psychoonkologie als thematischen Schwerpunkt. Die Projekte bezogen sich auf Prozesse der Krankheitsbewältigung, Belastungen von Berufsgruppen in der Onkologischen Versorgung, psychoonkologische Versorgungsmodelle und Interventionsansätze (vgl. Koch & Weis, 1998).

Nach größerer zeitlicher Latenz beschloss 2007 die Deutsche Krebshilfe die Implementierung des Förderschwerpunkts „Psychosoziale Onkologie“. In der |20|ersten Förderphase standen die Themen differenzieller Versorgungsbedarf, Inanspruchnahmeverhalten, die Weiterentwicklung von Interventionen, Versorgungskonzepte der psychosozialen Versorgung sowie psychoonkologische Versorgungsstandards im Vordergrund. In der zurzeit noch laufenden 2. Ausschreibungsrunde handelt es sich insbesondere um kontrollierte Evaluationsstudien unterschiedlicher Interventions- und Versorgungsangebote.

Eine weitere inzwischen abgeschlossene Förderung der Deutschen Krebshilfe bezog sich auf den Themenkomplex „psychosoziale Hilfen für Kinder krebskranker Eltern“ (2009–2012). Mit diesem Programm war die Erwartung verbunden, psychosoziale Versorgungsangebote für Kinder und Jugendliche mit einem an Krebs erkrankten Elternteil bedarfsorientiert und qualitätsgesichert weiter zu entwickeln und mittelfristig in der Versorgungspraxis zu verankern. Das geförderte multizentrische Verbundprojekt setzte sich mit den folgenden Themen auseinander: Identifikation des differenziellen Versorgungsbedarfes, Analyse der bestehenden Versorgungsangebote, Entwicklung und Evaluation von Interventionskonzepten und Entwicklung von nachhaltigen strukturellen Versorgungskonzepten und geeigneten Qualitätssicherungsstandards (Romer et al., 2014).

Zu nennen sind darüber hinaus zwei weitere noch aktuelle Förderprogramme der Deutschen Krebshilfe mit Bezug zur Psychoonkologie: das Förderprogramm „Psychosoziale Krebsberatungsstellen“ (seit 2008) und das Förderprogramm „Palliativmedizin“ (seit 2007). Das Programm Krebsberatungsstellen verfolgt das Ziel, ein Netzwerk qualitätsgesicherter Krebsberatungsstellen („Kompetenz-Beratungsstellen“) aufzubauen, die als Impulsgeber und beratende Instanzen für weitere Beratungsstellen in Deutschland fungieren sollen. Das Programm Palliativmedizin will einen Beitrag zur Verbesserung der palliativmedizinischen Versorgung und Ausbildung leisten. Im Rahmen dieses Programms fördert die Deutsche Krebshilfe vier Stiftungsprofessuren an den Standorten Bonn, Erlangen, Freiburg und Mainz. Darüber hinaus werden stationäre und ambulante Palliativdienste sowie wissenschaftlich ausgerichtete Projekte zur palliativmedizinischen Versorgung unterstützt.

Als letztes und besonders aktuelles Programm sind Projekte im Rahmen des Förderschwerpunkts „Forschung im Nationalen Krebsplan“ des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zu nennen. Unter den Zielen 9 bis 13 werden Projekte gefördert, die darauf zielen, Krebspatienten bei Bedarf eine angemessene psychoonkologische Versorgung zu ermöglichen und Patientenorientierung, Kommunikation und Patientenkompetenz zu fördern.

|21|Literatur

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|23|2 Krebsepidemiologie in Deutschland

Sylke R. Zeissig und Maria Blettner

2.1 Wie häufig ist Krebs?

2.1.1 Inzidenz

In Deutschland erkrankten nach Schätzung des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD) im Jahr 2010 ca. 252 400 Männer und ca. 224 900 Frauen neu an einem bösartigen Tumor. Die Diagnose einer Krebserkrankung betrifft jeden zweiten Mann (51 %) und etwa 43 % aller Frauen im Laufe ihres Lebens (Robert Koch-Institut & Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. [RKI & GEKID], 2013). Diese Zahlen umfassen alle bösartigen Neubildungen einschließlich Lymphomen und Leukämien, ohne die nicht-melanotischen Hautkrebserkrankungen, die zwar sehr häufig auftreten, jedoch nur selten zum Tod führen und daher nach internationaler Übereinkunft nicht in die Schätzungen epidemiologischer Register eingehen. Bei Männern ist Prostatakrebs mit ca. 65 800 Neuerkrankungen jährlich, bei Frauen Brustkrebs mit etwa 70 300 Fällen am häufigsten (vgl. Abb. 2.1). Bei Frauen steht der Darmkrebs an zweiter Stelle, gefolgt vom Lungenkrebs, bei Männern war das Bronchialkarzinom 2010 etwas häufiger als die kolorektalen Tumoren. Die vier Tumorarten machen mehr als 50 % aller Krebserkrankungen aus. Bemerkenswert auch deshalb, weil hier ein enormes Potenzial liegt, die Krankheitslast zu reduzieren.

Abbildung 2.1: Prozentualer Anteil der häufigsten Tumorlokalisationen an allen Krebsneuerkrankungen in Deutschland 2010 (ohne nicht-melanotischen Hautkrebs). Genehmigter Nachdruck aus: RKI & GEKID (2013)

|24|Das Risiko, an Darmkrebs oder an Lungenkrebs zu erkranken, ist durch den Lebensstil beeinflussbar. Im Mittel erkranken Betroffene beiderlei Geschlechts mit 69 Jahren. Allerdings fällt die Beziehung zwischen Lebensalter und Krebsinzidenz bei den Geschlechtern unterschiedlich aus: Bei Männern treten Krebserkrankungen seltener vor dem 55. Lebensjahr auf. In höherem Alter kehrt sich das Verhältnis um, mit ab dem 65. Lebensjahr fast doppelt so hoher Inzidenz bei Männern (vgl. Abb. 2.2).

Abbildung 2.2: Altersspezifische Erkrankungsraten nach Geschlecht für Krebs gesamt (ICD-10 C00 – 97 ohne C44), 2009–2010. Genehmigter Nachdruck aus: RKI & GEKID (2013)

2.1.2 Prävalenz

Für 2010 prognostizierte das ZfKD eine 5-Jahres-Prävalenz für alle Krebserkrankungen von ca. 770 000 Männern und 753 000 Frauen. Das heißt, ca. 1,4 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Krebsdiagnose, die nicht länger als fünf Jahre zurück liegt und damit gemeinhin noch nicht als geheilt gilt (RKI & GEKID, 2013).

2.1.3 Mortalität

Nach Schätzungen des Robert Koch-Institutes (2013) verstirbt in Deutschland jede fünfte Frau und sogar jeder vierte Mann an Krebs. Die häufigste Krebstodesursache bei Frauen ist der Brustkrebs, bei Männern das Bronchialkarzinom |25|(RKI & GEKID, 2013). Leider ist inzwischen auch bei den Frauen Lungenkrebs an zweiter Stelle – mit einem nur geringfügig höheren Anteil als Krebserkrankungen des Darmes, die bei Männern die zweithäufigste und bei Frauen die dritthäufigste Todesursache darstellen (vgl. Abb. 2.3).

Abbildung 2.3: Prozentualer Anteil der häufigsten Tumorlokalisationen an allen Krebssterbefällen in Deutschland 2010 (Quelle: Amtliche Todesursachenstatistik, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden). Genehmigter Nachdruck aus: RKI & GEKID (2013)

2.1.4 Zeitliche Trends

Absolut gesehen hat die Zahl jährlich neu auftretender Krebserkrankungen in Deutschland von 2000 bis 2010 bei Frauen um 14 %, bei Männern um 21 % zugenommen (vgl. Abb. 2.4). Allerdings ist dieser Anstieg – gerade bei den Männern – in erster Linie dem veränderten Altersaufbau der Bevölkerung geschuldet.

Entsprechend niedriger fällt der Anstieg der altersstandardisierten Erkrankungsraten im gleichen Zeitraum aus: Kein Anstieg für Männer und nur 7 % für Frauen, was im Wesentlichen dem Anstieg der Neuerkrankungsraten an Brustkrebs nach Einführung des Mammografie-Screenings zwischen 2005 und 2009 zugeschrieben werden kann. Die altersstandardisierten Sterberaten sind bei beiden Geschlechtern rückläufig (vgl. Abb. 2.5; RKI & GEKID, 2013).

|26|

Abbildung 2.4: Absolute Zahl der Neuerkrankungs- und Sterbefälle, nach Geschlecht, Krebs gesamt (ICD-10 C00 – 97 ohne C44), Deutschland 1999–2010. Genehmigter Nachdruck aus: RKI & GEKID (2013)

Abbildung 2.5: Altersstandardisierte Erkrankungs- und Sterberaten, nach Geschlecht, Krebs gesamt (ICD-10 C00 – 97 ohne C44), Deutschland 1999–2010. Genehmigter Nachdruck aus: RKI & GEKID (2013)

|27|2.1.5 Überlebensraten

Die relativen Überlebensraten (Überleben Krebskranker in Relation zum Überleben der allgemeinen Bevölkerung, geschätzt anhand von Sterbetafeln entsprechend der Alters- und Geschlechtsstruktur) sind je nach Lokalisation stark unterschiedlich. Die Spanne reicht von über 90 % (Malignes Melanom, Hoden, Prostata) bis unter 20 % (Lunge, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse). Mit durchschnittlichen 61 % für Männer und 67 % für Frauen liegen die Überlebensraten aktuell deutlich besser als noch vor einigen Jahrzehnten. Dazu haben auch Verschiebungen im Spektrum der Lokalisationen beigetragen wie der Rückgang der prognostisch ungünstigen Magentumoren und bei Männern der Bronchialkarzinome bei gleichzeitiger Zunahme von Darm-, Brust- und Prostatakrebs mit eher günstiger Prognose (RKI & GEKID, 2013).

2.1.6 Prävention

In vielen epidemiologischen Studien wurden die Risikofaktoren für die verschiedenen Tumorarten untersucht, auch um mögliche Präventionsstrategien zu entwickeln. Der wichtigste Risikofaktor für das Entstehen von Krebs ist das Rauchen: ca. 90 % aller Lungenkrebsfälle und etwa ein Drittel aller Krebsfälle insgesamt sind dem Tabakkonsum anzulasten (Colditz & Hunter, 2000). Neben dem Rauchen beeinflussen Ernährungsgewohnheiten, Alkohol, Übergewicht und Bewegungsmangel die Krebsentstehung. Es ist seit langem bekannt, dass Viren zu Krebs führen können: Schätzungsweise 5 bis 15 % aller Krebserkrankungen weltweit werden inzwischen Infektionen mit Viren und anderen Erregern angelastet. Am bekanntesten sind sicher die Ergebnisse zu HPV und Gebärmutterhalskrebs; Hepatitis-Infektionen können zur Entstehung von Leberkrebs beitragen. Es wird geschätzt, dass ca. 5 bis 10 % aller Tumoren durch erbliche Faktoren entstehen und nur 1 bis 2 % durch umweltbedingte Faktoren wie Luftschadstoffe und ionisierende Strahlung (Colditz & Hunter, 2000). Einige Faktoren, die zur Entstehung von Tumoren beitragen, sind auch für den weiteren Verlauf der Krankheit von Bedeutung. So wurde in einigen Studien untersucht, dass Raucher eine geringere Überlebenschance haben als Nichtraucher, ebenso ist bekannt, dass Sport als adjuvante Therapie sinnvoll ist.

2.2 Woher stammen die Daten?

2.2.1 Aufgaben epidemiologischer Krebsregister

Epidemiologische Krebsregister beobachten das Auftreten und die Trendentwicklung aller Formen von Krebserkrankungen. Damit werden Grundlagen für die Gesundheitsplanung bereitgestellt und Daten in anonymisierter Form für die epidemiologische Forschung genutzt.

|28|Wichtige Voraussetzung zur Beantwortung dieser Fragen ist die bevölkerungsbezogene flächendeckende Erfassung aller Krebsneuerkrankungen in definierten Erfassungsgebieten (z. B. einem Bundesland).

2.2.2 Krebsregistrierung in den einzelnen Bundesländern

Inzwischen werden in ganz Deutschland neuauftretende Krebserkrankungen systematisch auf Basis eigener Ländergesetze erfasst (vgl. Tab. 2.1). Datenschutz spielt eine wichtige Rolle im sensiblen Bereich der Krebsregistrierung. Für länderübergreifende Fragestellungen ist die „Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID)“ ein gemeinsamer Ansprechpartner der epidemiologischen Krebsregister (vgl. Tab. 2.1). Noch ist nicht in allen Bundesländern das Ziel einer flächendeckenden Registrierung erreicht. Das Zentrum für Krebsregisterdaten schätzte jedoch 2012, dass für eine Bevölkerung von mehr als 50 Millionen Einwohnern belastbare Daten zur Inzidenz von Krebserkrankungen vorliegen (RKI & GEKID, 2013). Deutschland hat damit zur Spitzengruppe weltweit aufgeschlossen.

Tabelle 2.1: Internetadressen der Krebsregister in Deutschland

Bundesland

Internetadresse

Krebsregister Baden-Württemberg

http://www.krebsregister-bw.de

Krebsregister Bayern

http://www.krebsregister-bayern.de

Krebsregister Bremen

http://www.krebsregister.bremen.de

Hamburgisches Krebsregister

http://www.hamburg.de/krebsregister

Krebsregister Hessen

http://www.laekh.de

Krebsregister Nordrhein-Westfalen

http://www.krebsregister.nrw.de

Krebsregister Niedersachsen

http://www.krebsregister-niedersachsen.de

Krebsregister Rheinland-Pfalz

http://www.krebsregister-rheinland-pfalz.de

Krebsregister Saarland

http://www.krebsregister.saarland.de

Krebsregister Schleswig-Holstein

http://www.krebsregister-sh.de

Gemeinsames Krebsregister der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und der Freistaaten Sachsen und Thüringen

http://www.krebsregister.berlin.de

Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID)

http://www.gekid.de

Deutsches Kinderkrebsregister

http://www.kinderkrebsregister.de

|29|2.2.3 Deutsches Kinderkrebsregister

Seit 1980 werden am Deutschen Kinderkrebsregister in Mainz Krebsfälle bei Kindern unter 15 Jahren (seit 2009 unter 18 Jahren) flächendeckend für ganz Deutschland (seit 1991 auch für die neuen Länder) erfasst. Etwa 1 800 Patienten jährlich werden aus den pädiatrisch-onkologischen Einrichtungen gemeldet, die in der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) zusammengeschlossen sind (vgl. Tab. 2.1).

2.2.4 Zentrum für Krebsregisterdaten

Auf Grundlage der Daten der epidemiologischen Krebsregistrierung in Deutschland schätzt das Robert Koch-Institut jährlich die Zahl aller pro Jahr in Deutschland neu aufgetretenen Krebserkrankungen. Nach dem Bundeskrebsregisterdatengesetz von 20091 liefern die Landeskrebsregister hierfür jährlich die Daten an das 2010 neu entstandene Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD).

2.3 Wo findet man die Daten?

2.3.1 Krebs in Deutschland

Alle zwei Jahre wird von GEKID und ZfKD gemeinsam die Broschüre „Krebs in Deutschland“ herausgegeben. Darin werden für 24 ausgewählte Krebsarten Daten zur Neuerkrankungsrate (Inzidenz), Sterblichkeit (Mortalität), 5-Jahres-Prävalenz (Zahl der zu einem bestimmten Zeitpunkt lebenden Personen, die innerhalb der fünf Jahre zuvor an Krebs erkrankt sind) und Überlebensraten dargestellt (RKI & GEKID, 2013). Informationen zu zeitlichen Trends, Risikofaktoren und zur internationalen Einordnung runden das Bild ab. Ein eigenes Kapitel ist Krebs bei Kindern und Jugendlichen gewidmet. Die Broschüre ist in gedruckter Form beim Robert Koch-Institut erhältlich bzw. steht zum Download zur Verfügung (RKI & GEKID, 2013).

2.3.2 GEKID-Atlas

Der interaktive Krebsatlas zur aktuellen Krebshäufigkeit und -sterblichkeit in den Bundesländern ist über die Homepage der GEKID (www.gekid.de) abrufbar. Dort können in tabellarischer und kartografischer Form interaktive Ländervergleiche für 23 Krebslokalisationen inklusive der Darstellung von Zeittrends durchgeführt werden.

|30|2.3.3 Berichte der einzelnen Landeskrebsregister

Viele der Landeskrebsregister veröffentlichen ihre Ergebnisse regelmäßig in Form gedruckter und/oder online verfügbarer Jahresberichte, darüber hinaus bieten inzwischen die meisten Register eine interaktive Datenbankabfrage über ihre Internetseiten an (vgl. Tab. 2.1).

2.4 Fazit

Krebs gehört in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen und ist leider auch eine häufige Todesursache. Trotz erheblicher Fortschritte in der Therapie von Krebserkrankungen bleibt die Diagnose für die Betroffenen ein (lebens)bedrohliches Ereignis. Um weitere Ansätze zur Prävention generieren zu können, ist die Ursachenforschung von großer Bedeutung im Kampf gegen diese Erkrankung. Verbesserte Heilungschancen und die damit hohe Prävalenz von Krebserkrankungen in unserer Gesellschaft stellen aber auch eine Herausforderung für die Erforschung der Langzeitfolgen von Krebs dar. Für die Psychoonkologie bedeutsam sind hier besonders Studien zur Versorgungsrealität, zur Lebensqualität und zu möglichen psychischen Spätfolgen Langzeitüberlebender mit Krebs. Zur Qualitätssicherung der onkologischen Versorgung wurde im Rahmen des Nationalen Krebsplans im Frühjahr 2013 das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz2 (KFRG) verabschiedet. Damit ist zu erwarten, dass wir in einigen Jahren – neben der epidemiologischen – auch eine flächendeckende klinische Krebsregistrierung in Deutschland haben werden. Damit werden zukünftig sehr viel detailliertere Daten zum Verlauf von Krebserkrankungen auch für die Versorgungsforschung vorliegen.

Literatur

Colditz, G. A. & Hunter, D. (Eds.). (2000). Cancer Prevention: The Causes and Prevention of Cancer (Vol. 1). Berlin: Springer.

Robert Koch-Institut & Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (RKI & GEKID) (Hrsg.). (2013). Krebs in Deutschland 2009/2010 (9. Ausgabe). Berlin: Autor.

1

www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/bkrg/gesamt.pdf

2

Bundesgesetzblatt Jahrgang 2013 Teil 1 Nr. 16, ausgegeben zu Bonn am 8. April 2013

|31|3 Ätiologische und pathogenetische Grundlagen der Krebsentstehung

Anna Brandt und Martin Trepel

3.1 Tumorenentstehung

Man nimmt an, dass das Tumorwachstum von einer normalen Körperzelle ausgeht, die schrittweise zu einer sog. Tumorstammzelle transformiert (Böcker et al., 2012). Daraus bildet sich eine monoklonale Zellpopulation. Ein Teil der Tumorstammzellen differenziert sich dann mit Merkmalen ähnlich denen des Muttergewebes, ein anderer Teil proliferiert. Mit der Zeit verdrängen und ersetzen die Tumorzellen die normalen Zellen.

Eine Tumorzelle entsteht schrittweise durch eine Reihe von Defekten in verschiedenen Genen. Sie treten meist nicht zum gleichen Zeitpunkt ein, sondern entwickeln sich möglicherweise über mehrere Jahre, in denen die betroffenen Zellen entweder als Tumorzellvorstufen oder bereits als manifeste Krebszellen bestehen. Diese Defekte betreffen v. a. Gene, die regulatorische Funktionen ausüben. Zwei antagonistisch wirkende Klassen von Genen sind bei der Tumorentstehung besonders häufig verändert: wachstumsfördernde Protoonkogene und wachstumshemmende Tumorsuppressorgene (Kumar et al., 2003). Mutierte Protoonkogene werden als Onkogene bezeichnet. Die Wirkung von Onkogenen ist dominant, d. h. sie wird auch manifest, wenn nur eines der zwei Allele verändert ist. Bei den Tumorsuppressorgenen hingegen müssen beide Allele verändert sein, um Zellen zu transformieren.

Bei den genetischen Veränderungen, die zur Aktivierung von Onkogenen oder Inaktivierung von Tumorsuppressorgenen führen, kann es sich um Punktmutationen, Translokationen, Deletionen oder Amplifikationen von Genabschnitten handeln. Einige Beispiele: Punktmutationen in RAS-Genen werden in etwa 20 % aller Tumoren gefunden, so z. B. bei Tumoren des Pankreas und des Kolons. Chromosomale Translokationen wie die Translokation t(9; 22) mit daraus resultierender Bildung des sog. Philadelphia-Chromosoms bei der chronisch myeloischen Leukämie führen durch Bruch und anschließende Verknüpfung nicht zueinander gehörender Abschnitte des Genoms zu Fusionsgenen, deren Produkte in ihrer Funktion verändert sind. Bei Deletionen oder Amplifikationen kommt es zum Verlust bzw. zur Vermehrung von genetischem Material.

|32|3.2 Eigenschaften von Tumorzellen

In einem Versuch, trotz der großen Diversität der verschiedenen Tumorerkrankungen gemeinsame Prinzipien bei der Tumorentstehung zu identifizieren, haben Hanahan und Weinberg sechs fundamentale Eigenschaften von Tumorzellen beschrieben, welche diese während der Tumorprogression erwerben (Hanahan & Weinberg, 2000). Später wurden diese sechs Eigenschaften um zwei weitere charakteristische Eigenschaften ergänzt und es wurde vorgeschlagen, dass diesen maligne Tumoren kennzeichnenden Eigenschaften (Hallmarks of Cancer) als Grundvoraussetzungen eine genomische Instabilität und ein pro-inflammatorisches Tumorstroma zugrunde liegen (Hanahan & Weinberg, 2011). Im Folgenden sollen diese acht Eigenschaften von Tumorzellen sowie deren Voraussetzungen in vereinfachter Form zusammengefasst werden.

3.2.1 Genomische Instabilität und pro-inflammatorisches Tumorstroma

Den spezifischen Eigenschaften von Tumorzellen liegen als Grundvoraussetzungen eine genomische Instabilität und ein pro-inflammatorisches Tumorstroma zugrunde.

Der maligne Phänotyp entsteht durch eine Reihe von Veränderungen im Genom der Tumorzellen. Unter physiologischen Bedingungen sorgen verschiedene DNA-Reparaturmechanismen dafür, dass DNA-Schäden, die durch chemische Substanzen, Strahlen oder andere Mutagene ausgelöst werden, entfernt werden (Ciccia & Elledge, 2010). Treten beispielweise während der DNA-Replikation Basenfehlpaarungen auf, werden diese durch das DNA-Reparatursystem erkannt und beseitigt. Vorstellbar ist, dass Tumorzellen dann entstehen können, wenn spontane Mutationen im Genom an den Stellen entstehen, die z. B. für die Regulation der DNA-Reparatur oder die für die Reparatur benötigte Zellzyklusregulation oder aber für die Regulation des programmierten Zelltodes (Apoptose, die dann initiiert wird, wenn DNA-Schäden nicht repariert werden können) verantwortlich sind. Das ist Grundlage der sog. „Genetischen Instabilität“, die dafür sorgt, dass die Zelle sich trotz fehlerhaften Genoms weiter vermehren kann und durch spontane weitere Mutationen, die ebenfalls nicht repariert werden, zusätzliche Eigenschaften erworben werden, die die Tumorzellen charakterisieren. Dies erklärt zum einen den Erwerb eines so komplexen Eigenschaftsmusters, wie es im Folgenden geschildert wird. Es erklärt aber auch die Tatsache, dass manifeste Tumoren in der Situation, in der sie klinisch apparent und diagnostiziert werden, trotz der eigentlich ursprünglich monoklonalen Zellpopulation (also alle Zellen des Tumors leiten sich wahrscheinlich aus einer Mutterzelle ab) längst sehr heterogene Zellpopulationen mit im Einzelnen möglicherweise sehr unterschiedlichen Ei|33|genschaften sind. Das spielt für die pathologische Diagnostik und die medikamentöse Behandlung maligner Tumoren eine wichtige Rolle.

Eine genomische Instabilität kann nicht nur durch spontane Mutationen erworben werden, sondern auch angeboren sein. Ein Beispiel für eine solche Konstellation ist die seltene erbliche Erkrankung Xeroderma pigmentosum, die durch einen Defekt im sog. „Nukleotid-Exzisions-Reparatursystem“ charakterisiert ist, das durch UV-Strahlung verursachte DNA-Schäden repariert. Patienten mit dieser Erkrankung entwickeln nach Sonnenexposition vermehrt Karzinome der Haut.

Neben Veränderungen im Genom der Tumorzellen spielt bei der Tumorentstehung auch das Umfeld der Tumorzellen (das sog. „Microenvironment“) eine wichtige Rolle (Grivennikov et al., 2010). Dort kann man sehr häufig unterschiedlich dichte Infiltrate von Entzündungszellen beobachten. Diese Zellen, die zusammen mit anderen Zelltypen das sog. „Tumorstroma“ bilden und in engem Kontakt mit den Tumorzellen stehen, können viele der typischen Eigenschaften von Tumorzellen fördern, indem sie z. B. Wachstumsfaktoren sezernieren und die Tumorzellen so zur Proliferation anregen.

3.2.2 Das Aufrechterhalten von Wachstumssignalen

Onkogene wirken wachstumsfördernd. Die Expressionsprodukte von Onkogenen heißen Onkoproteine. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie in Tumorzellen unabhängig von Wachstumsfaktoren oder anderen äußeren Signalen produziert werden können. Wachstumsfaktoren interagieren mit ihrer Zielzelle über spezifische Rezeptoren auf der Zelloberfläche, die meistens der Familie der Rezeptoren mit Tyrosinkinaseaktivität angehören, und aktivieren so Bestandteile der intrazellulären Signaltransduktionskaskade. Das Signal wird zum Zellkern weitergeleitet und leitet dort die Transkription von Zielgenen ein. Um Wachstumssignale aufrechtzuerhalten, bedienen sich Tumorzellen unterschiedlicher Strategien, die verschiedene Abschnitte dieser Signaltransduktionskaskade betreffen.

Tumorzellen können die Fähigkeit erwerben, den Wachstumsfaktor zu sezernieren, für den sie den passenden Rezeptor besitzen (autokrine Sekretion) und werden dadurch unabhängig von äußeren Wachstumssignalen. So sezernieren beispielweise Glioblastomzellen häufig den Wachstumsfaktor PDGF (engl. platelet-derived growth factor).

Viele Tumoren weisen durch Mutationen oder Amplifikationen veränderte Wachstumsfaktorrezeptoren auf. Der Wachstumsfaktorrezeptor Her2/neu ist bei ca. 20 % aller Mammakarzinome überexprimiert. Dies führt dazu, dass bereits geringe Mengen von Wachstumsfaktoren ausreichen, um die Tumorzellen zur Proliferation anzuregen. Anti-Her2-Antikörper blockieren den Her2-Rezeptor und wer|34|den mit Erfolg bei Patienten eingesetzt, bei denen Her2 überexprimiert ist (Eisenhauer, 2001).

Jeder Bestandteil der intrazellulären Signaltransduktionskaskade kann potenziell als Onkogen wirken, das Wachstumssignale zum Zellkern sendet. Eine wichtige Funktion kommt hier dem Ras-Protein zu. Das Ras-Protein ist zentraler Bestandteil der Signaltransduktionskaskade vom Wachstumsfaktorrezeptor zum Zellkern (Löffler et al., 2007). Die Inaktivierung vom Ras-Protein wird über das GTPase-aktivierende Protein (GAP) vermittelt, indem es die GTPase-Aktivität von Ras fördert und es so in Ras-Guanosindiphosphat (-GDP) überführt. Das durch Mutation veränderte Ras-Protein kann das GAP-Protein nicht mehr binden, was dazu führt, dass Ras im aktivierten Zustand verbleibt und wachstumsfördernde Signale zum Zellkern senden kann.

Das Aufrechterhalten von Wachstumssignalen kann auch durch Veränderungen in Genen ausgelöst werden, welche die Transkription regulieren. Durch Überexpression des Myc-Transkriptionsfaktors werden beispielsweise verschiedene, das Zellwachstum fördernde Gene angeschaltet. Durch die Bildung von Cyclin-abhängigen Kinasen (CDKs) können die Tumorzellen in den Zellzyklus eintreten und proliferieren (Deshpande et al., 2005). Amplifikationen des MYC-Gens werden bei verschiedenen Tumoren wie z. B. bei kleinzelligen Bronchialkarzinomen oder bei Lymphomen beobachtet.

3.2.3 Das Umgehen von wachstumshemmenden Signalen

Tumorsuppressorgene wirken wachstumshemmend. Die Produkte von Tumorsuppressorgenen werden auch Anti-Onkoproteine genannt. Sie hemmen den Übergang in die Synthese-Phase (S-Phase) des Zellzyklus. Die beiden am besten verstandenen Anti-Onkoproteine sind das Retinoblastom-Protein (Rb) und das Protein p53 (Burkhart & Sage, 2008; Lane, 1992; Sherr & McCormick, 2002).

Die normale Funktion von Rb besteht darin, den Eintritt in die S-Phase des Zellzyklus zu verhindern. Wenn es durch Mutationen im Retinoblastom-Gen oder Mutationen in Genen, die Rb regulieren, zu einem Funktionsverlust von Rb kommt, können die Zellen ungehindert in den Zellzyklus eintreten und proliferieren. Mutationen im Retinoblastom-Gen sind in verschiedenen Tumoren nachweisbar. Beim familiären Retinoblastom, einem Tumor der Netzhautzellen des Auges, der meistens noch vor dem fünften Lebensjahr auftritt, wird eine Mutation als Keimbahnmutation ererbt, während die zweite Mutation als somatische Mutation erworben wird.

Das Protein p53 wird auch als „Hüter des Genoms“ bezeichnet, da es beim Auftreten von DNA-Schäden den Übergang in die S-Phase des Zellzyklus hemmt, damit die Zellen die Möglichkeit bekommen, die DNA-Schäden zu reparieren |35|oder den programmierten Zelltod (Apoptose) einzuleiten. Bei Funktionsverlust von p53 können die Zellen ihre DNA-Reparaturmechanismen nicht aktivieren, die Apoptose kann nicht eingeleitet werden und genetische Schäden akkumulieren. p53 ist bei über der Hälfte aller malignen Tumoren mutiert.

3.2.4 Das Widersetzen gegen Apoptose

Tumorzellen können durch Mutationen in Genen, welche die Einleitung des programmierten Zelltodes, der Apoptose, regulieren, einen Überlebensvorteil gegenüber normalen Zellen erwerben. Es gibt unterschiedliche Signalwege zur Aktivierung der Apoptose. Eine zentrale Rolle in diesen Signalwegen spielen u. a. verschiedene Caspasen, die Mitochondrienmembran und das Protein Bcl-2 (Cory & Adams, 2002).

Bei einem großen Teil der follikulären Lymphome, einem Tumor aus der Gruppe der B-Zell-Lymphome, kann man die t(14; 18)-Translokation nachweisen. Durch diese Translokation wird Bcl-2 überexprimiert. Bcl-2 schützt die Lymphomzellen vor der Apoptose. Weil bei ihrer Entstehung v. a. eine verlängerte Lebensdauer der Lymphomzellen und nicht primär ein gesteigertes Zellwachstum eine Rolle spielt, wachsen follikuläre Lymphome charakteristischerweise langsam.

3.2.5