"Hass und Begeisterung bilden Spalier" -  - E-Book

"Hass und Begeisterung bilden Spalier" E-Book

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Beschreibung

Wie wurde ich eigentlich Nationalsozialist? Diese Frage stellte der junge SA-Mann Horst Wessel ins Zentrum seiner bislang unveröffentlichten politischen Autobiographie, die er wenige Monate vor seinem gewaltsamen Tod im Jahr 1930 schrieb. Es handelt sich um eine einzigartige Geschichtsquelle, die bezeichnende Schlaglichter auf die politische Kultur der Weimarer Republik und auf den frühen Nationalsozialismus wirft. Ein spannendes Zeitdokument, herausgegeben und kommentiert von zwei profilierten Zeithistorikern - für alle, die besser verstehen wollen, wie die nationalsozialistische Diktatur eigentlich möglich wurde. Erste vollständige und kritisch kommentierte Ausgabe eines bislang unbekannten Zeitdokuments "Gut recherchiert, glänzend geschrieben." Die Welt am Sonntag über Daniel Siemens' Horst-Wessel-Biographie

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Seitenzahl: 257

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Manfred Gailus, Daniel Siemens (Hg.)

»Hass und Begeisterung bilden Spalier«

Horst Wessels politische Autobiographie

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten.Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen.

ebook im be.bra verlag, 2013

© der Originalausgabe:be.bra verlag GmbHBerlin-Brandenburg, 2011KulturBrauerei Haus 2Schönhauser Allee 37, 10435 [email protected]: Robert Zagolla, BerlinUmschlag: hawemannundmosch, BerlinISBN 978-3-8393-0100-5 (epub)ISBN 978-3-8393-0101-2 (pdf)ISBN 978-3-89809-092-6 (print)

www.bebraverlag.de

Inhalt

Vorwort

Einleitung

Horst Wessel: Politika

Horst Wessel: Die große Deutschlandfahrt

Anhang

Quellen- und Literaturverzeichnis

Die Herausgeber

Vorwort

Autobiografien haben Konjunktur, bei Autoren wie bei Lesenden. Die Geschichtswissenschaft dagegen entdeckt dieses literarische Genre erst seit kurzem wieder – nicht zuletzt als Folge der methodischen Ausdifferenzierung des Faches. Autobiografien sind als historische Quelle besonders reizvoll: wegen ihrer subjektiven Färbung, ihres offensichtlichen Konstruktionscharakters, aber auch wegen ihrer Abhängigkeit vom Entstehungskontext und von den sprachlichen und ideologischen Prägungen des Verfassers.

Wir legen hier die kommentierte Fassung eines in verschiedener Hinsicht besonderen Exemplars dieser Gattung vor: Es handelt sich um eine explizit politische Autobiografie aus der späten Weimarer Republik, verfasst von einem erst einundzwanzigjährigen jungen Mann, der als historische Person zu Lebzeiten marginal blieb, später jedoch als ins Mythologische überhöhter Held des Nationalsozialismus berühmt-berüchtigt wurde: Horst Wessel, Sohn eines evangelischen Pfarrers, Absolvent eines humanistischen Gymnasiums, Student der Rechte und SA-Sturmführer. Nach seinem gewaltsamen Tod im Frühjahr 1930 formte ihn Joseph Goebbels zu einem »deutschen Helden«, einem »Christussozialisten«, um. Seine Autobiografie wurde indes im »Dritten Reich« – aus gutem Grund – nur ausschnittweise und grob verzerrend veröffentlicht. Heute ist sie ein Zeitdokument, das in besonderer Weise Aufschluss gibt über die Mentalität jener jungen Männer, die sich als Kinder während des Ersten Weltkrieges daran gewöhnt hatten, Krieg zu spielen, die in der Weimarer Republik heranwuchsen und schon bald in auffallend großer Zahl dem Nationalsozialismus zuneigten.

Es handelt sich bei Wessels Text um eine vergleichsweise kurze Autobiografie, die jedoch – gerade wegen des großen zeitlichen Abstands zwischen der Entstehung des Textes im Jahr 1929 und heute – einiger Erläuterungen bedarf. Die nötigen Informationen haben wir in einer umfangreichen Einleitung sowie zahlreichen Anmerkungen bereitgestellt. Der besseren Einordnung dient auch der Abdruck eines zweiten autobiografischen Textes aus der Feder Wessels, einem Auszug aus seinem »Fahrtenbuch«, der die Wandlungen eines jugendbewegten Bündischen zum – wie er sich selbst sah – einsatzbereiten »politischen Soldaten« des Nationalsozialismus mit Führungsanspruch verdeutlichen soll.

Der be.bra verlag hat früh Interesse an diesem Projekt gezeigt. Das »Junge Kolleg« der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste gewährte ein Reisestipendium. Unser herzlicher Dank für kritische Lektüre des Manuskripts, für Anregungen und Unterstützung gilt außerdem Armin Nolzen, Bernhard Sauer, Christian Meyer, Stephanie Hippe, Olaf Kordwittenborg, Anja Horstmann sowie Joanna Jaskowiec von der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau.

Bielefeld und Berlin im Frühjahr 2011Daniel Siemens und Manfred Gailus

Einleitung

Selbstzeugnisse eines Verfehmten

»Verklärt, verhaßt, vergessen« – mehr als diese drei Verbaladjektive brauchte der Filmemacher Ernst-Michael Brandt in seinem 1997 produzierten Dokumentarfilm über Horst Wessel nicht, um dessen posthume Karriere auf eine prägnante Kurzformel zu bringen. Alle wichtigen Etappen in der Wirkungsgeschichte des 1907 in Bielefeld geborenen und 1930, mit erst 22 Jahren, bei einem Überfall in Berlin getöteten SA-Mannes Horst Wessel waren damit angesprochen: Seine Verklärung durch Goebbels zum Parteiheiligen und »Christussozialisten« in den 1930er Jahren, die Symbolkraft des Namens, der ihn zunächst beim politischen Gegner und nach Kriegsende dann auch bei fast allen ehemaligen »Volksgenossen« zur persona non grata werden ließ, schließlich die Tabuisierung in den Nachkriegsjahrzehnten und das langsame Nachlassen der beunruhigenden Wirkung, die sein Name in den Köpfen der Deutschen hervorgerufen hatte. Nur noch wenige sind am Leben, die in der Zeit des Nationalsozialismus mit zum Hitlergruß erhobenen Arm die 1929 von Horst Wessel verfassten Verse des Liedes »Die Fahne hoch!« gesungen haben. Die Kinder- und Enkelgeneration weiß mit dem Namen kaum noch etwas anzufangen.1 Nur aus rechtsextremen Kreisen werden regelmäßig Versuche unternommen, Formen eines »Horst-Wessel-Kults« am Leben zu halten oder zu revitalisieren, indem Wessels »politisches Soldatentum«, sein »Idealismus« und seine »Einsatzbereitschaft« als vorbildhaft und nachahmenswert dargestellt werden. Der Erfolg solcher Bemühungen ist aber gering, wie neue Forschungen zeigen.2

Diese Situation ist einerseits erfreulich, zeigt sie doch, wie weit sich die gegenwärtige Gesellschaft von einstmals tief verankerten nationalsozialistischen Traditionen entfernt hat. Andererseits ersetzt ein solches Vergessen, so unverzichtbar es für die »Psyche« von Individuen wie ganzen Gesellschaften auch sein mag, nicht die kritische Beschäftigung mit der eigenen Geschichte.3 Es ist dabei keinesfalls nur der in den 1930er Jahren ungemein erfolgreiche Horst-Wessel-Mythos, der sich für eine Analyse der Ideologie, der Jugenderziehung sowie der Gedenk- und Feierkultur im Nationalsozialismus anbietet.

Auch das kurze Leben dieses jungen Mannes, so bedeutungslos es auf den ersten Blick erscheint, lohnt eine eingehende Beschäftigung. Es war in vielerlei Hinsicht typisch für eine einflussreiche Gruppe von jungen Männern bürgerlicher Herkunft, die für Demokratie, Republik und liberale und kulturelle Werte des Westens vor allem Schimpfworte übrig hatten. Von einer »revolutionären« Beseitigung des Weimarer Parlamentarismus erhofften sie sich zwar nicht – wie die Kommunisten – das Ende von kapitalistischer Ausbeutung und Sklaverei, aber auch ihre Vorstellungen waren im Kern utopisch: Es ging ihnen nicht nur um die Überwindung des »Versailler Schandfriedens« und um den Wiederaufstieg Deutschlands zu einer gleichrangigen, wenn nicht der bestimmenden Macht in Europa, sondern letzten Endes auch um die Durchsetzung einer germanisch-völkischen Kulturmission, der sie – ganz im Sinne intellektueller Vordenker wie Oswald Spengler – im Wettkampf der Nationen und Ideologien weltgeschichtliche Bedeutung zusprachen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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