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Der Mystery-Roman spielt in der Spuk-Metropole New Orleans. Ein Ghost Hunter Team untersucht das Haus der berühmt berüchtigten Madame LaLaurie. Damit werden die Legenden dieser umstrittenen Frau bestätigt. Schon zu Lebzeiten hatte man sie beschuldigt, ihre Sklaven unmenschlich gequält und an ihnen medizinische Experimente vorgenommen zu haben. Das zweite Haus ist das der nicht weniger bekannten Marie Laveau. Für die Einen war sie eine Voodoo-Hexe, für die Anderen eine Frau, die Armen und Kranken mit ihrer Heilkunst geholfen hat. Und auch das Quartier des Teams, ein Gästehaus namens Absinthe House, wird untersucht, denn auch dort spukt es. Am Ende gibt es einen Toten und völlig entnervte paranormale Ermittler.
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Seitenzahl: 111
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Norman Dark
Haus des Horrors
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Prolog
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Epilog
Impressum neobooks
Denn wo Gespenster Platz genommen,
Ist auch der Philosoph willkommen.
Damit man seiner Kunst und Gunst sich freue,
Erschafft er gleich ein Dutzend neue.
Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)
Faust. Der Tragödie zweyter Theil
Dieser Roman ist während der Corona-Pandemie entstanden, doch dieses Thema fließt nicht in die Handlung ein. Ein Mystery-Roman sollte meiner Meinung nach nur so viel Realität beinhalten wie unbedingt notwendig, denn gerade das Surreale macht ihn so spannend. Einigen Lesern wird meine Entscheidung nicht gefallen, aber man kann es nicht jedem recht machen. Dennoch hoffe ich, dass wir alle die Krise mehr oder minder heil überstehen und bald wieder „normale“ Verhältnisse einkehren werden. Besonders was die Kleinkunstszene betrifft, die es besonders hart getroffen hat. In diesem Sinne: Bleiben Sie bitte gesund!
Norman Dark
im Juli 2021
Faye Norris und Dexter Rodriguez ließen den Wagen stehen. Der Fußweg betrug nur wenige Minuten, und so recht konnten sie ihr Glück noch nicht glauben, das wohl berüchtigste Spukhaus in New Orleans untersuchen zu dürfen. Denn seit Jahren verweigerten die Eigentümer jeglichen Zutritt. Falls sie wider Erwarten doch vorgelassen würden, könnten sie immer noch ihr Equipment nachholen oder einfach den Wagen, in dem alles verstaut war.
»Wir haben doch einen Termin. Also, warum nehmen wir nicht gleich alles mit? Ich gehe davon aus, dass man zu seinem Wort steht«, beschwerte sich Faye.
»Du weißt doch, wie diese reichen Leute sind«, entgegnete Dexter. »Sie wechseln mitunter ihre Meinung wie die Handtücher.«
»Wenigstens hast du nicht Unterwäsche gesagt, sonst bekäme ich die Bilder wieder nicht aus dem Kopf. Das mit dem Besuchsverbot war nicht immer so. Das Haus hat eine lange Geschichte. Es war schon ein Heim für Männer, Musikschule oder einfach Wohnhaus. Aber angeblich soll es niemand lange darin ausgehalten haben.«
»Du meinst, wie der Schauspieler Nicolas Cage? Es gibt keinen Beweis, dass er es jemals bewohnt hat. Und wenn du von der langen Historie des Hauses sprichst, meinst du die Zeit nach dem Brand und dem Wiederaufbau, ja? Denn so, wie es da steht, handelt es sich nicht mehr um das Original.«
»Ich weiß, aber scheinbar sind die Geister geblieben oder zurückgekehrt. Noch vor etwa zehn Jahren hat man Zimmer zur Übernachtung vermietet. Für Hartgesottene oder Gruselfans. Gut bekommen soll es keinem sein. Doch Realität und Legende sind oft schwer zu unterscheiden. Aber wem sage ich das?«
»Eben, was haben wir nicht schon alles in diesen Häusern erlebt. Da standen mir manchmal buchstäblich die Haare zu Berge. Vor ein paar Jahren hätte ich mir noch nicht vorstellen können, einmal als Ghost Hunter zu arbeiten.«
»Bereust du es, dass ich dich damals dazu überredet habe?«
»Das habe ich nicht gesagt. Es ist schon ein besonderer Kick, dass man nie weiß, was einen erwartet.«
»Ein bisschen Schiss habe ich schon, wenn ich ehrlich bin«, meinte Faye. »Und das will bei mir schon etwas heißen. Aber mit so viel Horror, wie sich dort abgespielt hat, bekommt man es selten zu tun.«
Auch ohne auf die Hausnummer zu achten, wussten sie bald, dass sie angekommen waren. Denn wie üblich hatten sich bereits Scharen von Schaulustigen eingefunden. Nicht umsonst war das Haus einer der Höhepunkte verschiedener „Geister-Touren“ diverser Anbieter. Doch stets war die Enttäuschung groß, wenn es hieß, eine Innenbesichtigung sei leider nicht möglich.
»Aber haben hier damals nicht die Dreharbeiten für die Serie „American Horror Story“ stattgefunden?«, wollte eine Teilnehmerin wissen.
»Ohne Ihnen den Spaß verderben zu wollen, aber nein. Die Innenaufnahmen für das LaLaurie Haus sind imHermann-Grima Haus entstanden, das sich wie das Monteleone Hotel hier im französischen Viertel befindet und für seine freundlichen, südländischen Geistern bekannt ist. Sie verbreiten oft Rosen- und Lavendelduft und zünden das Feuer im Kamin an, heißt es. Wir werden nachher noch einen Blick darauf werfen. Es ist zwar ein Museum, aber um diese Uhrzeit leider schon geschlossen. Interessierte sollten es also auf ihre To-do-Liste setzen.« Die Ausführungen des Touristenführers waren freundlich und ohne Häme.
»Komm, lass uns noch einen Moment warten, bis sich alle verzogen haben«, sagte Faye. »Nicht dass es noch einen Aufstand gibt, weil wir hineindürfen und sie nicht.«
Wenig später klopfte Dexter immer wieder an die Tür, doch es wurde ihnen nicht geöffnet. Als sie nach oben blickten, sahen sie auf dem Balkon eine blasse Dame in einem altmodischen Gewand und mit strengem Gesichtausdruck.
»Bitte, was wünschen Sie?«, rief sie herunter.
»Ich bin Faye Norris und das ist mein Kollege Dexter Rodriguez. Wir haben einen Termin.«
»Bei mir bestimmt nicht. Ich empfange keine Besucher.«
»Und wer sind Sie, wenn ich fragen darf?«
»Die Eigentümerin. Mein Mann hat das Haus für uns gebaut. Ich heiße Delphine LaLaurie. Und jetzt machen Sie, dass Sie fortkommen!«
Kapitel 1
1833
Joseph und Molly Clark bewirtschafteten das Absinthe House. Nicht zu verwechseln mit dem Old Absinthe House, das sich nur wenige Straßen entfernt befand. Jedes der beiden Gasthäuser beanspruchte für sich den Titel „Ältestes Gasthaus der Stadt“, doch es gab noch andere, deren Häuser schon länger standen und erst später in Bars umgewandelt wurden. An diesem Tag ließen sich nur wenige Gäste wie der Stammgast Louis blicken, aus gutem Grund.
»Die Geschäfte laufen wohl nicht besonders gut«, meinte Louis, »und wenn ich mir euer Schlüsselbord ansehe, fällt mir auf, dass die meisten Fremdenzimmer frei sind.«
»Warum wohl, du Klugscheißer?«, sagte Molly böse. »Weil das Gelbfieber die Stadt fest im Griff hat. Fremden wird von offizieller Stelle geraten, sich fernzuhalten. Es wird gemunkelt, dass diese Drecksmücken und Fliegen verantwortlich für die Seuche sind.«
»Ach ja? Mir können diese Viecher nichts anhaben.«
»Weil sie befürchten, eine Alkoholvergiftung zu kriegen«, konterte Molly.
»Hallo, hallo, ohne uns könntet ihr den Laden bald dicht machen.«
»Weiß ich doch. War auch nur ein Joke. Eine andere Erklärung könnte sein, dass dein Vater ein Farbiger war. Bei denen soll der Krankheitsverlauf viel milder sein.«
Plötzlich stürmte ein Mann in die Bar, der eindeutig kreolischer Abstammung war.
»Hi, Molly, Jo«, sagte er atemlos. »Ihr erratet nie, was ich gerade beobachtet habe.«
»Nun mach‘s nicht so spannend, Henri. Du erstickst doch gleich an den Neuigkeiten«, zog ihn Molly auf.
»Bitte, ich kann es auch für mich behalten. Dann lest ihr es morgen in der Zeitung.«
»Nein, das kannst du eben nicht. Also, red‘ schon!«
»In der Royal Street, Ecke Governor Nicholls, gab es einen großen Menschenauflauf. Madame LaLaurie hat eine Sklavin über das Dach gejagt, die dann schließlich vor Angst in die Tiefe gesprungen ist.«
»Und, ist sie tot?«, fragte Joseph.
»Ja, was denkst du denn? So einen Sturz aus dieser Höhe überlebt keiner. Die Nachbarn haben beobachtet, dass der Leichnam in den Innenhof verbracht wurde. Dort wird man ihn wahrscheinlich unter einer Zypresse begraben.«
»Die war mir noch nie ganz geheuer, diese Madame«, meinte Molly. »Das feine Getue kann nicht über die kalt und grausam blickenden Augen hinwegtäuschen.«
»Was du immer redest«, sagte Louis. »Wer weiß, was dieses Sklavenmädchen angestellt hat.«
»Na, was schon? Sie wird Madame beim Kämmen zu sehr an den Haaren gezogen haben. Und dass diese Delphine zu unmenschlichen Strafen neigt, darüber wird schon lange getuschelt. Bin mal gespannt, ob man sie so einfach davonkommen lässt.«
»Das glaube ich nicht«, meinte Henri. Ein Gesetz in New Orleans verbietet die grausame Behandlung von Sklaven, wie ihr wisst. Das Amt wird die anderen beschlagnahmen und meistbietend versteigern lassen. Madame LaLaurie, wird allerdings das Recht an dieser Auktion verweigert.«
»Und wenn schon, das durchtriebene Weib wird Mittel und Wege finden, die Sklaven zurückzubekommen. Zum Beispiel indem sie ihre Familie und Freunde mitsteigern lässt, die ihr anschließend die Sklaven unter Stillschweigen zurückgeben.«
»Da könntest du Recht haben. Wir sollten das Haus im Auge behalten«, sagte Joseph. »Die feinen Pinkel sollen nicht glauben, dass sie sich alles erlauben können.«
»Ach, so liebe ich dich, mein Dickerchen«, rief Molly aus. »In solchen Momenten weiß ich immer, warum ich dich geheiratet habe. Aber was können wir schon ausrichten?«
»Nanu, Sie sind schon wieder da?«, fragte die freundliche Ebby Coleman, die zusammen mit ihrer Freundin, Kathy Edison, das Gästehaus führte. »Konnten Sie nichts ausrichten?«
»Es scheint, man hat uns an der Nase herumgeführt«, sagte Faye. »Ich habe schon versucht, den Eigentümer anzurufen, doch da meldet sich nur die Mailbox.«
»Dann fangen Sie doch bei uns im Haus an. Gäste berichten immer wieder von irgendwelchen Spukerscheinungen. Und Kathy meint, sie hätte auch schon etwas gesehen. Ich leider bisher nicht. Aber, nein. Eigentlich bin ich ganz froh, weil ich ziemlich ängstlich bin.«
»War das Haus schon im Besitz Ihrer Familie zu Zeiten von Madame LaLaurie?«
»Nein, damals soll es eine Bar mit Fremdenzimmern gewesen sein und einem gewissen Joseph Clark und seiner Frau Molly gehört haben. Später hat es dann der erfolgreichsten mulattischen Geschäftsfrau der Stadt, Lulu White, gehört. Die führte hier ein Bordell und war berüchtigt durch ihre Vorliebe für Diamanten und ihre Vorstrafen. Als dann 1897 das Rotlichtviertel Storyville eingerichtet wurde, um die Prostitution in der Hafenstadt besser kontrollieren zu können, zog sie dorthin um und eröffnete die luxuriöse „Mahogany Hall“, ausgestattet mit einem Spiegelsaal, einer Tanzfläche, auf der die Prostituierten erotische Tänze darboten, und 15 beheizten Schlafzimmern mit Bad. Alle Prostituierten waren in sogenannte Bluebooks, Journale, die am Bahnhof und anderen zentralen Orten der Stadt auslagen, aufgelistet, nach Namen und Hautfarbe geordnet. Besonders begehrt waren Mulattinnen
Storyville umfasste bald 38 Häuserblocks und bot Sex für jeden Geldbeutel. In den Freudenhäusern gab es Haus-Pianisten, die man Bordellprofessoren nannte, und die für die musikalische Unterhaltung der Gäste sorgten. Doch nur weiße Freier fanden dort Einlass. Afroamerikaner durften lediglich als Musiker hinein.
Louis Armstrong ist dort aufgewachsen. An einem Ort, von dem viele sagen, er sei die Geburtsstätte des Jazz. Die Musiker konnten dort Sachen ausprobieren, die auf dem normalen Markt gar möglich gewesen wären. Das Publikum in den Bordellen war sehr viel großzügiger und aufnahmebereiter. Doch es war auch die Zeit des Tiefpunkts der Rassenbeziehungen. Es gab mehr Lynchmorde als zu anderer Zeit. Die Kriminalität war vielen ein Dorn im Auge. Nachdem bei Schießereien vier Soldaten ums Leben gekommen waren, verfügten das Verteidigungs- und das Marineministerium gegen den Willen des Bürgermeisters, dass es bei Marinestützpunkten in einem Umkreis von fünf Meilen keine Bordelle mehr geben durfte. Im November 1917 wurde Storyville geschlossen. Die Freudenhäuser verschwanden und mit ihnen auch die Musiker. Die meisten von ihnen wanderten nach New York und Chicago ab.«
»Gibt es das Haus, in dem sich die „Mahogany Hall“ befand noch?«, fragte Dexter.
»Nein, die wurde in den 40er-Jahren abgerissen und durch Sozialwohnungen ersetzt. Heute erinnert so gut wie nichts mehr an die 20-jährige Geschichte des berüchtigten Rotlichtviertels im Mississippi-Delta, dem Louis Armstrong und Billy Holiday in dem Arthur-Lubin-Film „New Orleans“ ein Denkmal gesetzt haben.«
»Sie kommt schon wieder ins Schwärmen«, sagte Kathy. »Sie müssen wissen, Ebby hat früher als Touristenführerin gearbeitet, bevor wir das Haus hier übernommen haben.«
»Und was genau ist hier vorgefallen?«, hakte Faye nach.
»In Zimmer fünf wird mitunter eine männliche Leiche in bizarrer Aufmachung im Bett liegend gesehen«, sagte Ebby. »In seinem Brustkorb steckt ein Messer, oder Kathy?«
»Ja, ich habe es gesehen, als unser Gast, Mrs. Smith, schreiend herausgerannt kam.«
»Dann hätten Sie uns lieber dieses Zimmer geben sollen«, meinte Dexter.
»Das geht leider nicht, weil es im Moment vermietet ist. Aber vielleicht hat das Ehepaar einen Albtraum oder sieht auch etwas. Dann können Sie noch umziehen.«
»Gut darauf kommen wir gerne zurück. Und was gibt es sonst noch zu berichten?«
»Im Keller hört man immer wieder hinter einer Mauer Kratzgeräusche und Wehklagen. Kathy und ich haben es schon öfter vernommen. Schaurig, sage ich Ihnen. Deshalb meiden wir beide den Keller auch so gut es geht.«
»Wir werden uns auch darum kümmern«, sagte Faye.
Kapitel 2
1896
Kitty – ob sie wirklich so hieß oder sich nur so nannte, wusste nur Lulu, die Chefin des Etablissements – war noch sehr jung und unerfahren. Von Lulu persönlich eingewiesen, war sie auf einem guten Weg, hieß es. Doch besondere Vorlieben der Kunden waren ihr noch relativ fremd. Ihre Arbeit verrichtete sie in Zimmer 5.
Der seriös aussehende ältere Mann im Businessoutfit hielt eine besondere Überraschung bereit. Als er seinen feinen Anzug auszog, kam darunter Damenwäsche zum Vorschein. Das sah so grotesk aus, dass Kitty sich mit Mühe das Lachen verkneifen musste. Doch das sollte ihr alsbald vergehen.
»Nun mach nicht so große Kuhaugen«, sagte der Mann. »So etwas wirst du noch öfter sehen.« Er holte sein schlaffes Glied aus dem Schlitz des Damenslips und drückte Kittys Kopf herunter. »Wundere dich nicht, dass er noch nicht erigiert ist. Das kommt, sobald du ihn mit dem Kussmündchen verwöhnst.«
»Uh, der riecht so komisch. Ich kann das nicht«, sagte Kitty.
»Oh doch, du kannst. Denn dafür wirst du bezahlt. Ich habe ihn eine Woche nicht gewaschen, und du wirst ihn mit deiner geilen Zunge säubern.«
»Nein, das ist eklig.«
Ehe sie sich versah, griff der Mann sie an den Haaren und versetzte ihr einen Faustschlag, sodass sie quer übers Bett flog.
»Na, willst du noch mehr? Oder bist du jetzt vernünftig?«
Kitty holte blitzschnell einen kleinen Dolch aus der Nachttischschublade, den sie für Notfälle dort deponiert hatte, und hielt ihn abwehrend vor die Brust.
