E-Book Verlag: Droemer eBook Hörbuch Verlag: Sauerländer Audio Kategorie: Wissenschaft und neue Technologien Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

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Hörprobe anhören Zeit: 5 Std. 7 Min. Sprecher: Yael Adler
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E-Book-Beschreibung Haut nah - Yael Adler

Die Haut beschäftigt uns täglich: Pflege, Alterung, Allergien, Anti-Aging, Sonne ... Sie ist knapp zwei Quadratmeter groß und schützt uns davor, zu überhitzen. Sie umhüllt alles, was wir in uns tragen, ist ein hochsensibles Kommunikationsmittel. Keine Erregung, kein Sex – ohne unsere Haut. Die Ärztin Dr. med. Yael Adler rückt unserer Haut zu Leibe und erklärt alles, was man über sie wissen will. Sie scheut dabei auch nicht vor Pusteln, Falten, Fußkäse und anderen Tabus zurück. Anschaulich und unterhaltsam erzählt sie, warum Sex schön macht, Männer keine Cellulite bekommen, und warum in unserer Haut ganz schön viel Hirn steckt. Für einen nützlichen Praxisteil hat Yael Adler zahlreiche Rezepturen versammelt; bewährte und meist selbst herzustellende Cremes, Badezusätze und Lotionen. "Ein sinnliches Sachbuch über die Haut und ihre Zipperlein, das man lesen kann, ohne dass es gleich überall zu jucken beginnt. Absolut empfehlenswert!" Deutschlandfunk

Meinungen über das E-Book Haut nah - Yael Adler

E-Book-Leseprobe Haut nah - Yael Adler

Yael Adler

Hautnah

Alles über unser größtes Organ

Mit Illustrationen von Katja Spitzer

Knaur e-books

Über dieses Buch

Die Haut beschäftigt uns täglich: Pflege, Sensibilität, Allergien, Anti-Aging, Sonne … Sie ist knapp zwei Quadratmeter groß und umhüllt alles, was wir in uns tragen; sie sorgt dafür, dass wir die Hand wegziehen, wenn wir aus Versehen in ein Messer greifen, schützt uns davor, zu überhitzen oder zu erfrieren, und schirmt uns vor gefährlichen Eindringlingen ab. Keine Erregung, kein Sex ohne – unsere Haut. In ihrem so aufschlussreichen wie unterhaltsamen Buch rückt die fernsehbekannte Dermatologin Yael Adler unserer Haut zu Leibe und erklärt alles, was man über sie wissen will. Sie scheut dabei auch nicht vor Pusteln, Falten, Fußkäse und anderen Tabus zurück. Mit großer Begeisterung erzählt sie, warum Sex schön macht, Männer keine Cellulite bekommen und warum in unserer Haut ganz schön viel Hirn steckt.

Inhaltsübersicht

WidmungVorwortTeil I1 Erstes Untergeschoss. Die Epidermis oder: leben, um zu sterbenStein auf Stein: die HautschutzbarriereSchuppenSäureschutzmantel und MikrobiomKörperfaltenHautfarben2 Zwischen den StockwerkenLeberfleckenBlasen, Wunden und NarbenDehnungsstreifen3 Im zweiten Untergeschoss: die LederhautZentrale für Sicherheits-, Nachrichten-, Aufklärungs- und SpionagediensteHaut-Hirn: Über Nervenkabel, Schutzreflexe, Schmerzen und erigierte HaareDrüsen und Sekrete: Lockstoffe, Schweiß, Popel und wie die Haut riecht4 Im dritten Untergeschoss. Die Unterhaut oder: Hülle mit FülleCellulite oder: Ein Hoch auf RubensFetter StoffwechselTeil II5 LebensabschnittspartnerBabyhautTeeniehautErwachsenenhautAlte Haut6 Sommer, Sonne, Sonnenbrand: die Haut und das LichtWarum wir Licht brauchen und was die Haut damit machtDie dunkle Seite der SonneHautkrebsMeiden, Kleiden, CremenWarum Mücken und Wespen auf uns fliegen7 Körperpflege oder: Wer zu viel seift, stinkt!Waschen, bis der Arzt kommtBeine8 Manipulationen an der FassadeBotox oder: die Dosis macht das GiftAufspritzen oder: Eine Lippe kommt selten alleinSchönheitswahn: Auf dem IrrwegTattoos – ein Splatter-Movie für unsere HautTeil III9 Hautsache SexErogene Zonen und die sexuelle Dreifaltigkeit10 Erregung und ErregerSyphilis und TripperPilzSexkrankheiten ohne Sex und wann Kondome nicht schützenFilzläuse und KrätzeDellwarzenHerpesFeigwarzenTeil IV11 Alles zur Haut-CuisineMakronährstoffe: Energie für den OrganismusMikronährstoffe: Stoffwechsel-Feintuning12 Wie sich Ernährung und Lebenswandel auf unsere Haut auswirkenAkne und PickelIndustriefett – haltbar, billig und tödlichGenuss- und UmweltgifteWeizen und Gluten13 Hautkrankheiten und EssenNeurodermitisAllergische NesselsuchtPseudoallergische NesselsuchtRosazeaSchuppenflechte(Keine) Angst vor KortisonTeil V14 Was die Haut Über unsere Seele verrätEmotionen und NeurosenTeil VI15 SalbenkundeWenn rauskommt, was da reinkommt …Mischen possible16 Rezepturen zum Selbermachen17 Der Apotheker Ihres Vertrauens kann noch mehrNachwortDankNützlicher Anhang: Hausmittel gleich Hautmittel
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Für Noah und Liam

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Vorwort

Spuren an der Haut und wie man sie liest

Sie ist knapp zwei Quadratmeter groß und umhüllt alles, was wir in uns tragen. Die Haut ist unsere Verbindung zur Außenwelt. Unsere Antenne. Sie kann senden und empfangen, und sie füttert unsere Sinne. Sie ist ein Objekt der Begierde, unsere Grenzschicht, ein faszinierendes Gefäß, in dem unser Leben steckt – und zugleich ein gigantisches Biotop für Bakterien, Pilze, Viren und Parasiten.

Wie wichtig die Haut für uns ist, verrät unsere Sprache. Es gibt Tage, da fühlt man sich »nicht wohl in seiner Haut«, manchmal ist es sogar »zum Aus-der-Haut-Fahren«. Im Job braucht man ein »dickes Fell« – wer mit Kritik Schwierigkeiten hat, ist einfach zu »dünnhäutig«. Der eine sagt beim Anblick einer großen Spinne: »Das juckt mich nicht«, der andere wird bei diesem Anblick vor Schreck »ganz blass« und kann mit seiner Angst einfach »nicht aus seiner Haut« und flüchtet entsetzt, um »seine Haut zu retten«. Trotzdem wissen die wenigsten, was die Haut eigentlich ist, wie sie funktioniert und vor allem: wie viele lebenswichtige Aufgaben sie für uns übernimmt.

Zunächst einmal schützt uns die Haut wie eine Backsteinmauer mit Säurebeschichtung vor gefährlichen Eindringlingen, zum Beispiel vor Krankheitserregern, Giften und Allergenen. Gleichzeitig ist sie die körpereigene Klimaanlage, die uns davor bewahrt, zu überhitzen, auszukühlen oder zu viel Wasser zu verdunsten und somit auszutrocknen.

Damit es der Haut gelingt, uns vor all diesen Gefahren zu schützen, steht sie permanent in Kontakt mit unserer Umwelt: Sie misst die Temperatur, leitet alle möglichen Flüssigkeiten und Sekrete nach draußen, nimmt Licht auf und wandelt es in Wärme um. Außerdem erforscht sie durch ihre Sinneszellen, Härchen und die rund 2500 Rezeptoren pro Quadratzentimeter auf unseren Fingerkuppen, ob es windig, kalt oder trocken ist, ob sich ein Gegenstand rauh oder glatt, weich oder hart, spitz oder stumpf anfühlt. Und neuesten Forschungen zufolge kann die Haut sogar riechen und hören.

Aber das ist längst nicht alles. Über die Haut treten wir nicht nur mit der Umwelt, sondern auch mit anderen Menschen in Kontakt. Wussten Sie, dass die Botschaften der Haut entscheidend dafür sind, welchen Partner wir wählen? Der Hautgeschmack variiert von Mensch zu Mensch, und die Duftnote lockt nur den, der zu einem passt. Denn die Natur strebt an, dass sich unser Erbgut möglichst gut vermischt, damit wir gesunde, robuste Nachkommen zeugen. Wenn also zwei unterschiedliche Hauttypen aufeinandertreffen, verspricht das im Falle der Zeugung von Nachkommen eine vorteilhafte Vermischung der Gene. Und hier liegt sogar eine politische Botschaft verborgen: Die Haut kennt keinen Rassismus, sie sucht geradezu nach genetisch abwechslungsreichem Input.

Man kann sich darüber streiten, welches das größte Sexualorgan des Menschen ist – das Gehirn, denn es malt sich Bilder und Phantasien aus und erschafft die Begierde, oder die Haut, die man bei der Liebe fühlt, die man sich lustvoll ansieht und die sich beim Sex sichtbar verändert. Keine Erregung ohne nackte Haut. Kein Verlangen ohne Haut. Keine körperliche Berührung ohne Hautkontakt. Heiße Gedanken jagen uns Gänsehaut über den Körper. Sogar der Fetischbereich hat es mit Hautsymbolen zu tun: Lack, Leder und Fell … alles erotischer Hautersatz!

Sie merken schon: Wer sich mit dem Thema Haut beschäftigt, hat es mit einer Menge Tabus zu tun. Dazu gehört bei vielen Menschen das Nacktsein – die sichtbaren Schambereiche und die unsichtbaren Schamgefühle –, aber auch die Tatsache, dass die Haut manchmal ganz schön riechen und stinken kann, dazu die vielen Macken und Dellen, die Sekrete und Makel. Kurz: Vieles, über das wir nicht so gern sprechen oder das wir vielleicht eklig finden, stammt von oder aus der Haut – Schuppen, Ohrenschmalz, Pickel, Talg, Schweiß, Fußkäse und vieles mehr.

Auch beim Thema Geschlechtskrankheiten wird lieber geschwiegen, vor allem wenn es darum geht, wo man sie erworben hat. Hautärzte sind immer auch Fachärzte für Venerologie, ein Begriff, der sich von der Venus ableitet, der Göttin der Liebe. Die infiziert den Menschen nicht nur mit Lust, sondern auch mit Syphilis, Tripper, Feigwarzen, Herpes, Hepatitis oder HIV – Krankheiten, die zu großen Teilen auf unserer Haut sichtbar werden oder von dort in den Körper ausschwärmen.

Für uns Hautärzte hat das alles überhaupt nichts Ekliges, wir finden es sogar faszinierend. Wir denken und analysieren nämlich sehr sinnlich: Wir betrachten, kratzen, drücken und riechen. Denn die Beschaffenheit, die Konsistenz und der Geruch einer Hauterkrankung helfen uns dabei, den Übeltäter für ein Hautproblem zu entlarven.

Die alten Hautärzte haben sogar unfassbar dekorative und klangvolle Begriffe für eigentlich lästige oder unansehnliche Hautzustände gefunden: So heißt der Überbegriff für Pickel, Flecken, Pusteln und Krusten »Blüten der Haut«. Blutaustritte an den Unterschenkeln durch Krampfaderleiden nennen wir »Purpura jaune d’ocre« (gepunktete Einblutungen in Gelb und Ocker) und klingen dabei sehr elegant französisch. Rote Blutadergeschwulste sind für uns »Kirschangiome«, Feuermale »Rotweinflecken«, und hellbraune Leberflecken sind »Café au Lait«-Flecken.

Und wenn die Haut vor Trockenheit reißt, nennen wir das »Craquelé«-Ekzem. Die Haut sieht dann nämlich ein bisschen aus wie die craquelierte, gesprungene Farbschicht des Gewölbefreskos der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo in Rom. Sie wissen schon: das Bild über die Schöpfungsgeschichte und die Erschaffung des nackten muskulösen Adam, der seinen Zeigefinger ausstreckt, um Gott zu erreichen, damit der Lebensfunke aus dessen Zeigefinger auf ihn überspringen möge.

Die Kollegen Chirurgen oder Internisten lachen manchmal über uns Hautärzte – sie schimpfen uns »Oberflächenmediziner«. Ganz zu Unrecht natürlich. Wir haben nämlich viel Tiefgang. Genauso wie die Haut. Sie kommuniziert nicht nur mit unserer Umwelt und mit anderen Menschen, sondern auch mit unserer Innenwelt. Die Haut steht in regem Austausch mit unserem Nerven- und Immunsystem. Und wie unsere Haut aussieht, hat viel damit zu tun, was sich in unserem Inneren abspielt – wie wir uns ernähren, aber auch, wie es uns psychisch geht.

Die Haut ist der Spiegel der Seele, der Bildschirm, auf dem die Geschichten aus unserem Inneren, dem Unbewussten, sichtbar werden. Wie gute Kriminaltechniker fahnden wir an der Haut leidenschaftlich nach Indizien. Die Spuren leiten uns manchmal tief ins Innere des Körpers. Plötzlich entdecken wir, dass die Haut von einem seelischen Mangel erzählt, von Stress, von fehlendem psychischem Gleichgewicht oder von unseren Organen und Ernährungsgewohnheiten.

Falten berichten von Kummer und Freude, Narben von Verletzungen, starr gebotoxte Mimik von der Furcht vor dem Altern, Gänsehaut von Angst oder Lust und manche Pickel von zu viel Milch, Zucker und Weißmehl. Übergewicht führt dazu, dass wir Infekte in den Hautfalten bekommen, und trockene oder schwitzige Haut ist manchmal ein Zeichen dafür, dass etwas mit der Schilddrüse nicht stimmt. Die Haut ist wie ein großes Archiv voller Spuren und Hinweise, offenen und verdeckten. Und wer in diesem Archiv lesen kann, wird erstaunt sein, wie das Sichtbare oft zum Unsichtbaren führt.

Unsere Haut ist ein faszinierendes Organ, das größte, das wir Menschen haben. Ein Wunderwerk! Dieses Buch soll helfen, unsere Haut besser zu verstehen – und damit auch uns selbst. Lassen Sie uns gemeinsam dieses Faszinosum ergründen, und Sie werden schnell feststellen: Das geht unter die Haut!

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Teil I

In der Tiefgarage oder: Die Schichten unserer Haut

Stellen Sie sich unsere Haut am besten wie ein Gebäude mit drei Stockwerken vor. Ein Gebäude, das allerdings nicht in die Höhe ragt, sondern hinein in die Erde, wie eine Tiefgarage. Von außen blicken wir auf das Dach der Tiefgarage, die Hornschicht. Sie wird von der Sonne beschienen. Stellen wir uns vor, sie ist aus einem sehr haltbaren, transparenten Material gefertigt, denken Sie an Milchglas, weshalb ins erste Untergeschoss, die Epidermis, und sogar ins zweite, die Lederhaut, auch noch ein paar UV-Strahlen dringen. Im dritten Untergeschoss ist es ziemlich dämmerig. Das Spannende an dieser Tiefgarage ist: In jeder Etage, in jeder Hautschicht, findet man charakteristische Indizien und Spuren, die verraten, wie es um uns bestellt ist.

Wir sollten also keine weitere Zeit verlieren und unseren Rundgang durch unser Hautgebäude beginnen.

1Erstes Untergeschoss. Die Epidermis oder: leben, um zu sterben

Hier liegt die sogenannte Epidermis. Epi ist griechisch und bedeutet »auf«. Dermis ist ebenfalls griechisch und meint »Haut«. Deshalb wird die Epidermis auch Oberhaut genannt. Sie ist die Hautschicht, die wir direkt sehen und fühlen können. Im Normalfall ist sie nur 0,05 bis 0,1 Millimeter dick und dabei die alleinige und heldenhafte Trägerin unserer Hautschutzbarriere und des Säureschutzmantels. Sie kann sich aber auch bei dauerhaft hoher Druckbelastung, wie etwa an der Fußsohle, verdicken und über zwei Millimeter dicke Schwielen ausbilden. Sie übernimmt wichtige Schutzfunktionen nach außen und nach innen, wehrt Chemikalien, Gifte und Allergene ab, kämpft gegen biologische Attacken durch Erreger aller Art und stellt sich auch mechanischen Einwirkungen entgegen, ähnlich wie die Antikratzbeschichtung auf einem Mobiltelefon.

Betrachten wir die Epidermis mit einer Lupe, erkennen wir feine Linien, die in mehrere Richtungen verlaufen und dabei kleine Felder bilden, die geometrischen Figuren ähneln – zum Beispiel Rauten, Trapezen und anderen Vielecken. Dieses besondere Hautmuster heißt auch »Felderhaut«, denn das Ganze sieht ein bisschen so aus, als ob man eine Agrarlandschaft mit Getreidefeldern, Wiesen und Äckern aus der Luft betrachtet.

Wenn wir uns die Epidermis allerdings im Querschnitt anschauen, sehen wir: Die Felderhaut ist kein plattes Land, sondern ganz schön hügelig. Hohe Plateaus wechseln sich mit steilen Graten ab.

In den Tälern wachsen Haare, auf den Graten münden die Schweißdrüsen. Auch Talgdrüsen finden sich im Bereich der Felderhaut. Ihre Mündungsöffnungen kann man im Gesicht sehr gut erkennen: Es sind die Poren.

Die Feldstruktur kann man am besten auf dem Rücken, an den Fingerknöcheln und in den Armbeugen erkennen. Nur unsere Handflächen und Fußsohlen weisen eine andere Hautmusterung auf. Wir Ärzte nennen sie Leistenhaut. Auf der Handinnenfläche verlaufen viele kleine Furchen parallel zueinander, so wie auf einem Acker, der gerade gepflügt wurde. Diese Furchen ergeben ein sehr individuelles Relief, das bei jedem Menschen verschieden ist. Diese Einzigartigkeit hilft bei der Identifizierung von Personen, etwa mit Hilfe des berühmten Fingerabdrucks.

Warum aber macht sich die Epidermis die Mühe, den Körper mit zweierlei Hauttypen auszustatten? Ganz einfach: Die Leistenhaut an den Handinnenflächen und den Fußsohlen ist stabiler als die Felderhaut. Das ist beim Laufen, Tasten und Greifen ein großer Vorteil. Außerdem fehlen ihr Haare und Talgdrüsen. Dafür hat sie umso mehr Schweißdrüsen.

Bevor Sie nun denken, boah, wie lästig, schwitzige Hände und käsige Füße – die Evolution hat sich dabei durchaus etwas gedacht. Schweiß macht die Haut griffiger, weshalb man mit einem schweißfeuchten Fuß besser flüchten kann, wenn ein Bär um die Ecke kommt. Für unsere Vorfahren war das ein Überlebensvorteil. Und wenn sie es gleich noch hinauf auf einen Baum schaffen mussten, half eine schwitzige Hand beim Klettern. Die Haftung am Baumstamm ist dann besser.

Auch wenn es merkwürdig klingt, unser Körper und unsere Haut sind noch immer zu Hause in der rohen Steinzeit, wo uns jeden Moment wilde Tiere bedrohen konnten. Dass wir die Steppe gegen den Großstadtdschungel getauscht haben, war eine Eigenmächtigkeit, die so nicht vorgesehen war!

Stein auf Stein: die Hautschutzbarriere

Der vielleicht wichtigste Job der Epidermis ist es, uns vor Eindringlingen von außen zu bewahren. Das macht sie, indem sie eine robuste Schutzschicht bildet, die sogenannte Hautschutzbarriere.

Wie entsteht die?

Sehen wir uns den Aufbau der Epidermis noch etwas genauer an. Sie besteht aus vier verschiedenen Zellschichten: einer »Babyzellschicht« (Basalzellschicht), einer »Pubertäts- und Heranwachsendenschicht« (Stachelzellschicht), einer »Erwachsenenzellschicht« (Körnerzellschicht) und schließlich einer Schicht toter Zellen (Hornzellschicht). Alle Zellen der Epidermis beginnen ihr Leben als Babyzellen. Aus ihnen entwickeln sich innerhalb von vier Wochen alle anderen Zelltypen bis hin zur eigentlichen Barriereschicht ganz oben. Die Epidermiszellen wandern auf ihrem Lebensweg also von innen nach außen.

Aber der Reihe nach: Die Trägerschicht des ersten Untergeschosses (Epidermis) ist eine wellenförmige stabile Membran. Auf ihr sitzen die Babyzellen fidel in einer Reihe. In einem ersten Schritt reifen sie zu jungen Heranwachsenden, den sogenannten Stachelzellen. Frühe Gewebekundler hatten die Zellen unter dem Mikroskop betrachten wollen und sie vorher wie seit damals üblich in Formalin zur Gewebestabilisierung eingelegt. Dabei schrumpften die Zellen und hingen nur noch über kleine, starre Fädchen aneinander fest. Das gab ihnen ein stacheliges Aussehen, ähnlich einer Mischung aus Seestern und Seeigel.

Die Stachelzellen haben eine ziemlich wichtige Lebensaufgabe: Sie produzieren das störrische Eiweiß Keratin, allgemein bekannt als »Horn«. Daher heißen die Stachelzellen im Fachjargon auch Keratinozyten. Aus Horn bestehen nicht nur Haare und Nägel, es ist – wie wir gleich noch sehen werden – auch wichtig für eine robuste Hautschutzbarriere.

Zunächst aber reifen die Zellen weiter und werden in ihrer dritten Lebensphase zu den Körnerzellen, die berufstätigen Erwachsenen entsprechen. Nun erreichen die Epidermiszellen das Maximum ihrer Produktivität und produzieren kleine Kügelchen, die Fett, Keratin und andere Eiweiße enthalten, mit denen sie dann komplett vollgestopft sind. Und nach diesem erfüllten Berufsleben vollziehen sie den entscheidenden Schritt für den Bau der Hautschutzbarriere. Wie sie das tun? Nun, indem sie sterben. Doch kein Grund für Trauer.

Wenn die Zellen der Körnerschicht absterben, werden sie zu Hornschichtzellen und bilden so unsere Schutzbarriere gegen die Außenwelt. Tote Zellen erkennt man daran, dass sie ihren Zellkern verloren haben. Ohne Zellkern kann die Zelle nicht arbeiten, keinen Stoffwechsel betreiben, nicht weiterreifen. Denn im Zellkern ist die gesamte menschliche DNA, das Erbgut, enthalten. Es steuert alles Leben in den Zellen und im Organismus. Und in der Hornschicht sind überhaupt keine Zellkerne mehr sichtbar, alles tot und abgestorben …

Unter dem Mikroskop erkennt man dann aber, dass diese Zellen wie kleine Ziegelsteine aussehen. Sie sind zwar mini, aber sehr robust, da sie aus hartem Keratin (also Horn) bestehen. Eingebettet sind diese kleinen, stabilen, toten Hornzellen in eine mörtelartige Substanz. Die hält nicht nur die Ziegelsteine gut zusammen, sondern sorgt auch dafür, dass keine Fremdkörper durch mögliche Lücken eindringen können. Dementsprechend nennen wir Dermatologen dieses mauerartige Gebilde auch das Ziegelsteinmörtelmodell.

Der Mörtel besteht aus dem Inhalt der Kügelchen der Körnerzellen. Wenn die Körnerzellen absterben und zur Hornzellschicht werden, schütten ihre Kügelchen ihr Erbe aus, bestehend aus Eiweißen und wertvollen Fetten. Sie kennen sie aus der Werbung für Pflegecremes mit »wertvollen Ceramiden«. Solche Cremes versuchen, die Barrierefette unserer Haut zu imitieren. Bevor Sie nun aber gleich in den nächsten Kosmetikladen eilen, eines vorweg: Bisher ist es noch keinem Forscher, geschweige denn Cremeproduzenten, gelungen, dieses Wunderwerk eins zu eins nachzubauen. So etwas schafft tatsächlich nur der Körper.

Was passiert aber, wenn die Hautbarriere doch einmal beschädigt wird und Löcher bekommt? Dann kämpfen sich Eindringlinge durch die Risse in Mauerwerk und Mörtel und gelangen in die Tiefe unserer Haut: allergieauslösende Stoffe, Erreger und Chemikalien. Außerdem kann das Gewebewasser nun nicht mehr gut eingeschlossen werden, es gelangt zu schnell und in zu großen Mengen hinaus in die Außenwelt.

Folge: Unsere Haut trocknet aus und wirkt zerknirscht und verknittert. Wo Fett und Feuchtigkeit verlorengehen, wird die Haut stumpf, runzlig und beginnt oft sogar zu jucken. Wenn wir Pech haben, wird daraus ein fieses Austrocknungsekzem mit Craquelé-Rissen, und wenn wir ganz viel Pech haben, setzt sich dann noch eine heftige Kontaktallergie obendrauf. Sie sehen schon, unsere oberste Priorität sollte es sein, die Barrierefunktion unserer toten Hornschicht zu erhalten oder sie zumindest zu reparieren, wenn sie beschädigt ist. Wie wir das am besten machen, erfahren Sie später.

Schuppen

Kennen Sie Mantrailing-Hunde? Das sind Personenspürhunde, speziell ausgebildete Tiere, die nach Vermissten suchen. Wie gelingt es ihnen, der Spur eines Menschen auch wirklich zu folgen? Sie erschnuppern die Aromen verlorener Hautschuppen. Wenn ich jetzt vor Ihnen stehen und fragen würde: »Verliere ich eigentlich gerade Hautschuppen?«, dann würden Sie meine Frage vermutlich verneinen, weil mein schwarzes Oberteil keine sichtbaren Partikel aufweist. Tatsache ist aber: Wir alle verlieren permanent einzelne kleine Hornzellen, die nicht mehr gebraucht werden und so dem Nachwuchs an neuen toten Hornzellen Platz machen – summa summarum kommt jeder auf etwa 40 000 Hautschuppen. Pro Minute! Zusammengenommen ergibt das immerhin bis zu zehn Gramm pro Tag.

Was genau passiert da?

Nun, unsere Hornzellen hatten ein erfülltes Leben, sind zunächst vier Wochen gereift, dann erfolgreich abgestorben, haben sich noch eine Weile auf unserem Körper gehalten, unsere Hautbarriere in Form von kleinen Mauersteinen geschützt und sich dann, eine nach der anderen, von uns gelöst. Wenn alles gutgeht, sinken sie still und leise und vom menschlichen Auge unentdeckt herab.

Aber wehe, es kommt der Moment, an dem Schuppen für uns sichtbar werden! Dann sind wir peinlich berührt, dann finden wir das nicht anziehend, sondern unästhetisch. Ein vollgeschuppter Kragen ist ein Zeichen, dass hier etwas nicht stimmt. Manchmal ist der Zellnachschub einfach zu stark, er kommt zu schnell und vor allem zu ungesittet.

Im trubeligen Durcheinander von Zellwachstum und -tod kann es schon mal passieren, dass noch lebende Stachelzellen die Körnerzellenphase einfach überspringen und direkt in die Hornzellschicht wandern. Das ist vergleichbar mit einer übersprungenen Pubertät. Diese Phase dient ja der Reifung und Loslösung von den Eltern. Wenn Keratinozyten keine Zeit zur Reifung hatten, lernen sie niemals, sich vom Elternhaus zu verabschieden und geordnet in die Selbständigkeit abzuschuppen. Und das ist dann schlecht für die Hautschutzbarriere, denn Zellen mit Zellkern sind nicht als Ziegelsteine geeignet. Und Mörtel haben die Zellen auch noch nicht produziert. Sie hatten nicht einmal Zeit, in Ruhe abzusterben, und kleben nun noch ganz fest an den Weggenossen. Deshalb können sie auch nicht still und heimlich davonrieseln, sondern nur in Klumpen abschuppen. Die Kumpels nehmen sie dabei gleich mit, ob die wollen oder nicht. Erst 1000 aneinanderklebende Hornzellen nehmen wir mit den Augen als Schuppen wahr.

Schuppen entstehen vor allem durch Entzündungen der Epidermis, die man Ekzem nennt. Jede noch so leichte Epidermis-Entzündung führt zu einem beschleunigten Abschuppen der Zellen, denn der Körper möchte etwas loswerden, einen Reiz, ein Allergen, einen Keim oder Trockenheit. Und die Haut glaubt, dass sie diese Last mit einem erhöhten Zellumsatz schneller loswerde: Bei Ekzemen und Schuppenflechte beträgt die Reisezeit der Zellen durch die Epidermis nur etwa fünf Tage anstatt vier Wochen. Wenn wir Schuppen also sehen können, haben wir es immer mit einem halbwegs krankhaften Zustand zu tun, der sich entweder irgendwann selbst reguliert oder den der Arzt richten muss.

Es gibt neben trockenen, allergischen und irritativen Ekzemen auch ein fettiges Ekzem mit fettigen Schuppen: Wenn zu viel Talg fließt, können sich Hefepilze in den Poren zu sehr vermehren, denn sie lieben den Talg und fressen ihn. Die Ausscheidungsprodukte dieses Hefepilzes reizen dann die Haut. Die reagiert wie immer recht einfältig mit – Sie ahnen es schon – Abschuppen.

Der Pilz ist zum Glück nicht ansteckend, er lebt bei uns allen in unseren Poren und wird nur dann aggressiv, wenn er zu viel Talg zu fressen bekommt. Dabei hat er einen entzückenden Namen, gleich einem Märchendrachen: Malassezia furfur. Um ihn an die Kette legen zu können, müssen findige Dermatologen zunächst prüfen, ob die Schuppen trocken oder fettig sind. Das tun sie, indem sie die Farbe und das Verhalten vergleichen: Weiß und rieselig heißt »trockene Schuppen«, gelb und klebrig heißt »fettige Schuppen«. Wenn man Letztere zwischen den Fingern zerreibt, hinterlassen sie einen öligen Film.

Besonders Männer leiden unter einem fettigen Ekzem. Oft kommen sie in die Sprechstunde und bleiben zunächst stur, wenn ich sage: »Das ist kein trockenes Ekzem, im Gegenteil, es ist ein fettiges.« Sie schwören Stein und Bein: »Nein! Frau Doktor, ich habe wirklich sehr trockene Haut. Das schuppt immer rechts und links der Nase, an der Stirn, auf dem Kopf und an den Augenbrauen, manchmal sogar in den Ohren!«

»Und was machen Sie dagegen?«

»Na, ich greife zum Cremetiegel meiner Frau, Sie wissen schon: ›reichhaltige Nachtpflege für die reife Haut ab vierzig‹. Das schmiere ich mir auf die trockenen Stellen, und am nächsten Morgen sind alle Schuppen weg!«

Im Geiste füge ich hinzu: »… aber die Rötung bleibt natürlich.« Denn die Ursache – vermehrter Talgfluss – bleibt ja bestehen. Das fettige oder auch seborrhoische Ekzem tritt da auf, wo die Talgdrüsen groß sind und die Fettproduktion entsprechend hoch ist: an Kopf, Ohren und T-Zone, also Stirn, Augenbrauen und Nasenregion. In Anlehnung an Diarrhö (Durchfall) bedeutet Seborrhö »Talgdurchfall«. Sebum meint »Talg«, -rrhö »fließen«. Wer die Schuppen mit Fettcreme bekämpft, indem er sie damit aufweicht, überfrachtet die Haut samt Poren nur mit noch mehr Fett. Malassezia findet’s super, die Entzündung der Haut wird schlimmer, auch wenn man die Schuppen für ein paar Stunden weggecremt hat! Fettcreme ist hier genau das Falsche. Denn, wie gesagt, nicht alles, was schuppt, ist immer trocken! Ein Dermatologe wird hier zu einer antientzündlichen und Antihefepilztherapie raten, mit Shampoos, fettfreien oder fettarmen Gelen und im krassesten Fall der Fettproduktion mit Tabletten Einhalt gebieten.

Säureschutzmantel und Mikrobiom

Eine schöne Frau, die sehr sauber und frisch aussieht, streicht mit langen Fingernägeln über ihre samtig schimmernde Haut. Aus dem Off hört man eine liebliche Stimme über eine Seife sprechen, die den natürlichen Säureschutzmantel »Ihrer Haut« bewahrt. Doch kann das eine Seife? Und was ist überhaupt der Säureschutzmantel der Haut?

Würde man nicht die Werbung befragen, sondern einen Chemielaboranten, so würde der erklären, dass eine Säure einen sehr niedrigen pH-Wert hat, etwa 1–2, eine Lauge hingegen einen pH-Wert von 11–14. Neutral ist ein pH-Wert von 7, den man zum Beispiel im Wasser misst.

Damit Sie sich das besser vorstellen können: Batteriesäure, die entsetzlich ätzend und extrem gefährlich ist, hat einen pH-Wert von unter 1, interessanterweise direkt gefolgt von Magensäure mit einem pH-Wert von 1–1,5. Unser Magen ist auf wundersame Weise gegen diese ätzenden Eigenschaften gefeit, weil er sich mit einer Schleimschicht und dem Ausstoß von Lauge gegen den Säureangriff schützen kann. Zitronensaft liegt bei einem pH-Wert von 2,4, es folgt Essig mit 2,5. Danach reiht sich die Vagina ein mit 3,8–4,5. Die Hautoberfläche des Menschen hat einen pH-Wert von 4,7–5,5. Menschlicher Speichel ist mit 6,5–7,4 schon leicht alkalisch, Seifenlösung hat einen pH-Wert von 9–11, und die klassische »Mutter aller Laugen«, die Natronlauge, hat einen pH-Wert von rund 14.

Wir sehen also, unsere Haut ist nicht ätzend, aber doch ganz schön sauer. Viele Säuren auf unserer Haut sind Stoffwechselendprodukte, Abfälle aus den Hornzellen, dem Hauttalg – und aus unserem Schweiß. Er enthält Milchsäure und andere »Fruchtsäuren«, die man so ähnlich aus der Kosmetikindustrie kennt, von Cremes, die ein »leichtes Säurepeeling« versprechen. Die Säuren liegen auf der Hornschicht, unserer Ziegelsteinmauer, und senken dort nicht nur den pH-Wert, sondern binden auf natürliche Weise Wasser und sammeln so Feuchtigkeit für die oberste Hautschicht. Man nennt sie daher auch »natural moisturizing factors«, natürliche Feuchthaltefaktoren. Wieder etwas, das die Kosmetikindustrie verzweifelt zu imitieren versucht, wenn sie »Feuchtigkeitscremes« anbietet.

Dass der pH-Wert der Haut so wichtig ist, hat mit den vielen Organismen zu tun, die auf ihr leben. Unsere Haut ist nämlich ein hartes Pflaster. Hier wird nicht geschmust, gefeiert oder gekuschelt, hier herrscht Straßenkampf. Konkurrierende Clans und Gangs aus Viren, Hefepilzen, Milben und mehrere hundert bis tausend Bakteriensorten halten sich permanent gegenseitig auf Trab und in Schach. Man nennt sie das Mikrobiom. Das menschliche Mikrobiom hat sich über Millionen von Jahren entwickelt und ist die Gesamtheit aller Erreger auf und in unserem Körper – auf der Haut, im Mund, im Genital- und Analbereich sowie im Darm. Nur eine von vier Zellen des menschlichen Körpers ist menschlich, der Rest, also 75 Prozent der Zellen, sind unsere Gäste, die alle äußeren und inneren Flächen unseres Körpers besiedeln. Auf und in jedem einzelnen Menschen lebt eine gigantische Bakterienmenge, die jeweils etwa das Tausendfache der gesamten menschlichen Weltbevölkerung ausmacht.

Die Mikroorganismen im Darm sind schon recht gut erforscht, doch zunehmend erkennt die Wissenschaft, dass die Haut in dieser Hinsicht den Darm zuweilen noch in die Tasche steckt. Normalerweise lösen die Mikrobiom-Gäste unserer Haut keinen Krawall aus, weil sich die Clans gegenseitig kontrollieren und an einer einseitigen Machtübernahme hindern. Die Haut dient dem Mikrobiom als Wirt – und die Säuren darauf sorgen für ein gutes Klima und eine gute Bodenbeschaffenheit.

Bis zu mehreren Millionen Kurzzeit- und Dauergästen pro Quadratzentimeter bietet unsere Haut Platz. Als Dank macht das Mikrobiom den Türsteher. Denn sonst ginge uns sehr viel mehr unter die Haut, als uns lieb wäre. Das Mikrobiom produziert Verteidigungswaffen gegen schädliche Eindringlinge, eine bestimmte Art Antibiotika. In enger Zusammenarbeit mit anderen menschlichen Abwehrstoffen spielt es eine tragende Rolle für unsere Abwehr und fungiert sogar als Ausbilder für das Immunsystem. Das muss man sich mal vorstellen. Ohne das Mikrobiom wären wir ein schlapper Haufen vielfach wehrloser Zellen. Außerdem sorgen die Erregerclans dafür, dass unser Immunsystem auch wirklich nur gegen böse Eindringlinge kämpft und nicht etwa gegen einen der ansässigen anständigen Clans, die Bleibe- und Gastrecht besitzen.

Wir brauchen unser Mikrobiom also! Und ein intakter Säureschutzmantel bildet den optimalen Nährboden für diese uns wohlgesinnten Gäste. Durch Hygienemaßnahmen, Körperpflege, Medikamente, Kleidung, Impfungen, Desinfektionsmittel, Antibiotika, Ernährung, UV-Strahlung und vieles mehr verändern wir allerdings dummerweise die Existenzgrundlage des Mikrobioms stetig und ständig und killen als Kollateralschaden beim Händewaschen wichtige Erreger. Übrigens auch eine Kaiserschnittgeburt stört die Entwicklung eines gesunden Mikrobioms auf der Kinderhaut, da viele wertvolle Bakterien aus der Vagina der Mutter fehlen – Mamas erste Geschenke für ein starkes Immunsystem des Kindes. Die Errungenschaften der heutigen Zeit, so gut und lebensrettend sie oft sind, bringen durch die Hintertür auch Krankheiten ins Haus …

Körperfalten

Die Haut überzieht natürlich auch alle unsere Körperfalten. Für die Epidermis sind das ganz besondere Orte, denn in diesen dunklen, luftarmen Nischen siedeln zahlreiche Hautkeime. Unter den Achseln, in der Pofalte, den Leisten, unter den Brüsten und manchmal, je nach Speckmenge, auch in den Bauch- oder gar Rückenfalten sind die Verhältnisse für Erreger besonders günstig: feucht, warm, wenig Licht. In dieser lauschigen Komposthaufenatmosphäre lebt und vermehrt es sich ganz ungeniert.

Wie kommt’s?

Durch den Haut-auf-Haut-Kontakt dringt selten Luft an diese Hautpartien, und Wasser kann schlecht aus der Haut verdunsten, so als ob sie mit einer Plastikfolie abgedichtet wäre. Das Wasser staut sich, und wie bei einem Windelpopo kommt es rasch zur Aufweichung der Hautbarriere. Die austretende Körperfeuchtigkeit und der sich ansammelnde Schweiß verbleiben in den Körperfalten und dienen nun als hausgemachter Reizstoff. Hefepilze wie Candida albicans, die die bekannte Pilzinfektion namens »Soor« auslösen, und die Körperfaltenfreunde unter den Bakterien finden einen perfekten Nährboden vor.

Und es kommt noch schlimmer: Die vielen Duftdrüsen, besonders der Achsel-, Po- und Genitalregion, verändern den pH-Wert, der an der Haut normalerweise sauer (um pH 5) ist, in Richtung alkalisch. Duftdrüsen sind eine besondere Sorte von Schweißdrüsen und unsere körpereigenen Parfümflacons. Sie münden in den Haarfollikeln und dampfen Pheromone an die Umwelt ab, die als sexuelle Lockstoffe wirken.

Diese Drüsen entwickeln sich erst durch die Hormonumstellung während der Pubertät. Das Sekret ist ein wenig zähflüssig und milchig und leicht alkalisch. Auf Trab gebracht werden diese Drüsen durch den hektischen Teil unseres vegetativen Nervensystems, den Stressnerv Sympathikus. Wer Angst vor einem Hund hat und bei dessen Anblick in Stress gerät, wird diese Drüsen unbewusst stimulieren und gemeinerweise für den Hund dann erst recht geruchlich interessant werden. Auch dass Hunde uncharmanterweise beim Menschen als Erstes zwischen den Beinen schnuppern, liegt an den Drüsen. Da riecht es einfach herrlich intensiv.

Der Haut-auf-Haut-Kontakt führt zu einem weiteren Aspekt, der Körperfalten attraktiv für viele Erreger, Bakterien und Pilze macht: die Reibung der aufeinanderliegenden Hautpartien. Leicht entwickelt sich hier ein sogenannter Wolf, also ein mechanischer Abrieb der ohnehin schon aufgeweichten Barriereschicht. Logisch ist demzufolge, dass besonders Übergewicht mit großen Reibungsflächen und tiefen Körperfalten, aber auch starkes Schwitzen Irritationen und Infektionen in den Körperfalten begünstigen.

Überengagiertes Seifen der Körperfalten mit alkalischen Seifen verschlechtert den pH-Wert dramatisch weiter in Richtung 8 bis 9. Unerwünschte Bakterienkolonien, die mit Vorliebe die Sekrete der Schweiß- und Duftdrüsen verspeisen, können sich so erst recht vermehren. Unerwünschter Nebeneffekt: Es entwickelt sich ein unangenehm süßliches Körperaroma.

Eine unterschätzte Falte ist übrigens die hinter dem Ohr. Während meiner Ausbildung zur Fachärztin hatte ich einen Oberarzt, der in Phasen höchster Konzentration gedankenverloren mit den Fingern hinter seinen Ohren herumschabte. Die abgerubbelten, breiigen Hautpartikel zerrieb er anschließend zwischen seinen Fingern weiter, um am Ende genussvoll daran zu riechen. Mich lenkte das jedes Mal von den Gesprächsinhalten ab, konzentriertes Zuhören war schier unmöglich. Ich roch förmlich die süßlichen Hefepilzkulturen. Am Ende unserer Arbeitsbesprechung schüttelte er mir regelmäßig und sehr herzlich die Hand. Mit den Fingern, an denen eine Mischung aus Hauttalg und Schweiß klebte.

Abgesehen davon, welcher Film vor meinem geistigen Auge ablief, zeigt diese kleine Geschichte exemplarisch, wie es um die menschliche Lust an den eigenen Aus- und Abscheidungen und den damit zusammenhängenden Gerüchen bestellt ist. Was uns am Gegenüber womöglich ekelt und abstößt, finden wir bei uns selbst durchaus positiv, angenehm entspannend oder, wie der Psychoanalytiker sagt, »autoerotisch stimulierend«. Ja, es ist die Lust am »An-sich-selbst-Herumspielen«, und es mischt sich womöglich auch ein Hauch von Stolz über dieses faszinierende Körperprodukt hinzu.

Psychoanalytisch erklärt man sich die Lust am eigenen Sekret, Geruch oder gar Gestank übrigens als Überbleibsel aus der analen Phase in der kindlichen Sexualentwicklung, als man noch stolz war auf das eigene Häufchen.

Viva la diva oder: Po macht nicht immer froh

Die große Pofalte ist von allen Körperfalten die Diva. Denn wenn man von der Analfalte spricht, assoziiert man damit so verschiedene Dinge wie mit sonst keiner Körperfalte: Die einen denken sofort an Stuhlgang, die anderen an Hygiene und wieder andere an den Anus als Sexualorgan. Die Haut um den Anus herum ist empfindlich und zart, die vielen Nervenfasern, die dafür verantwortlich sind, machen ihn zur erogenen Zone.

Gleichzeitig sorgen die reichhaltige Bakterienflora, die Menge an Duft- und Schweißdrüsen, der reibende Haut-auf-Haut-Kontakt bei Bewegung sowie das Hygieneverhalten rund um den Po dafür, dass die Analfalte ein sehr sensibler und anfälliger Ort ist.

Es gibt kaum einen Körperteil, bei dem die Gegensätze so nah beieinanderliegen: Ein schöner Po ist sowohl für Frauen als auch für Männer ein absoluter Hingucker und ein möglicher Auslöser für sexuelle Begierde. Wir verbinden mit ihm Erotik, assoziieren mit einem knackigen Männerpo eine gute Potenz und mit sehr weiblichen Rundungen ein gebärfreudiges Becken. Und doch gibt es eine Seite am Po, über die man nicht so gerne spricht. Zum Beispiel, wenn es unangenehm riecht oder dort gar juckt.

Übler Geruch besitzt für uns generell eine Alarmfunktion. Wenn es irgendwo stinkt, gehen wir in Deckung. Gestank signalisiert, dass da Gefahr für Person und Gattung lauert. Wo es mieft, besteht potenziell ein Risiko für Krankheit. Als archaisches Wesen schaltet der Mensch sofort in den Selbstschutzmodus, er atmet flach oder hält die Luft an, neigt sogar zur Flucht. Die Pupse, die jemand Fremdes etwa im Aufzug hinterlassen hat, sind ein wahrer Alptraum für unser Riechorgan. Nur unsere eigenen Duftmarken sind davon interessanterweise ausgenommen.

Wie gesagt: Die Ästhetik und Erotik des Körperteils Po steht in krassem Kontrast zu dem, was wir sonst noch damit verbinden. Nahezu jeder Mensch macht im Leben mindestens einmal Bekanntschaft mit Juckreiz am Po, aber kaum einer spricht darüber – ein Tabuthema in einer Tabufalte. Die Ursachen für Analjuckreiz sind vielfältig. Das Sensibelchen unter den Körperfalten reagiert ganz schnell einmal über. Die Analhaut ist so zart, dass kleinste Verletzungen durch zu aggressives Sauberreiben, durch Verletzungen beim Sex, Reibung beim Sport in Verbindung mit Schweiß und Pofaltenbehaarung sehr rasch Juckreiz hervorrufen.

Häufigster Auslöser ist nicht etwa, wie die meisten annehmen, ein ungewaschener Hintern, sondern im Gegenteil, ein zu intensiv geseifter und damit schwer gequälter Po. Und wenn es dort juckt, denkt der Mensch, dass die Pofalte nun erst recht intensiv gewaschen werden möchte, »weil sie doch bestimmt dreckig ist«. Sofort beginnt er, die ohnehin schon geschundene Haut zusätzlich mit noch mehr, meist alkalischer Seife zu malträtieren. Groß sind Verzweiflung und Irritation, dass sich trotz Schrubben und Seifen immer noch Geruchsreste erschnuppern lassen. Also noch mal ordentlich geseift, zum Abschluss vielleicht noch mit duftenden Tüchern poliert – vergebens.

Diesen Eigenduft des Anus werden Sie mit keinem Hygieneprodukt der Welt losbekommen! Er ist nicht etwa durch Schmutz oder Stuhlreste bedingt, sondern durch die körpereigenen Duftdrüsen. Sie sollten ihn also als naturgegeben hinnehmen. Ähnliches gilt übrigens auch für den Duft im Genitalbereich.

Das radikale Poseifen führt deshalb zum Juckreiz, weil sich leicht Seifenreste in der Rosette sammeln. Die Rosette hat ihren Namen daher, dass der Sphinkter – der äußere Schließmuskel des Anus – viele kleine Fältchen hat, die wie die Blüte einer Rose aussehen. In diesen zarten Fältchen, die den Übergang zur Analschleimhaut markieren, kann sich allerlei ansammeln – zum Beispiel Seifenreste, die an dieser sensiblen Stelle eine toxische Wirkung haben. Schnell entsteht ein juckendes Analekzem. Der Teufelskreis aus noch intensiverem Waschen und noch schlimmerem Jucken geht in die nächste Runde.

Dennoch muss bei Analjuckreiz nach weiteren Ursachen geforscht werden, neben Krankheiten wie Schuppenflechte und Neurodermitis in der Pofalte können Hämorrhoiden den Frieden empfindlich stören. Das sind Krampfadern im Anus, direkt hinter dem Schließmuskel. Jeder Dritte leidet darunter. Sie dienen eigentlich dazu, das Poloch abzudichten, wie ein aufblasbarer Dichtungsring, und so das Austreten von Stuhl oder Schleimhautsäften zu verhindern. Wenn diese Adern jedoch ausleiern und wie verbeulte Schläuche aussehen, leckt der Schließmechanismus, und es treten Minimengen an Flüssigkeit aus dem Po aus, die sich in der Rosette und der Analfalte sammeln, die Haut reizen und ebenfalls zu einem juckenden Analekzem führen.

Lebendiger Juckreiz – wenn einen was wurmt

Und nun noch eine intime Frage: Hatten Sie schon mal Würmer? Auch sie können unserer Analfalte besonders zusetzen. Eine unfassbar juckende Angelegenheit. Würmer holt man sich besonders gerne im Kindergarten. Die weißen Würmer werden nur etwa einen Millimeter dick und nicht länger als etwas über einen Zentimeter. Sie gelangen über Hautkontakt, verunreinigte Lebensmittel, über Wäsche, aber auch einfach durch das Einatmen umherfliegenden Wurmeierstaubs in den Körper. Dieser Staub ist einem anderen erkrankten Menschen sozusagen vom Poloch abgefallen, an die Finger gelangt und von dort aus weitergewandert. Ganze drei Wochen lang ist der Eierstaub noch infektiös. Deswegen ist der Standardtipp für Kinder (und Erwachsene), nach dem Toilettengang die Hände zu waschen, besonders sinnvoll, da die Wurmeier nach dem Poabputzen an den Fingern hängen. Einmal von uns verschluckt, benötigen die Wurmeier eine bis vier Wochen, um zu echten Prachtexemplaren heranzureifen. Die Weibchen wandern dann des Nachts aus dem Darm heraus an den After und legen dort bis zu 15 000 Eier auf einmal ab. Die kriechenden Würmer sind plastisch zu fühlen: Es kitzelt wie die Hölle! Wer sich dann am Anus kratzt, bekommt die Eier unter die Fingernägel bzw. an den Schlafanzug, die Bettdecke, auf die Matratze … Ein Teufelskreis.

Doch nicht immer entwickeln die Betroffenen Juckreiz am Po. Bei Mädchen kommt es manchmal einzig zu einer Scheideninfektion mit Entzündung und Ausfluss, allgemein zeigen befallene Kinder durchaus auch mal nur Reizbarkeit, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Konzentrationsschwäche, Unwohlsein und Blässe. Nicht jedes Aufmerksamkeitsdefizit ist also gleich ADS – es ist einfach manchmal nur der Wurm drin. Wenn Sie feststellen wollen, ob dies tatsächlich der Fall ist, gibt es ein pädagogisch wertvolles Experiment, das man im Kreise der Familie morgens direkt nach dem Aufstehen und vor dem ersten Toilettengang durchführen kann: Nehmen Sie ein Stück Tesafilm, kleben Sie es auf den After des Wurmverdächtigen und ziehen Sie es langsam wieder ab. Im »Idealfall« bleiben Wurmeier und, wenn’s ganz toll läuft, sogar Wurmstücke daran hängen. Nun das Tesastück noch schnell unter das Kindermikroskop gelegt, und fertig ist die Gruselattacke vor dem Frühstück.

Naturschutz für Körperfalten

Für die Aktion »gesunde Körperfalten« finden Sie hier ein paar wichtige Tipps:

Verwenden Sie saure (nicht alkalische) und synthetisch hergestellte Waschsubstanzen. Sie lassen sich im Gegensatz zu klassischen Seifen bei der Herstellung auf einen hautneutralen pH-Wert von 5,5 einstellen.

Wirksam ist zudem das »Trockenlegen« der Haut-auf-Haut-Zonen mit atmungsaktiven Baumwollbuxen, die schön geschmeidig und luftig über dem Po liegen. Stringtangas sorgen dagegen für zusätzliche Reibung. Bei großen Brüsten hilft ein atmungsaktiver, straffer BH, damit die Brust nicht auf dem Bauch aufliegt; alternativ kann frau hier auch Mullkompressen unterlegen. Vermeiden sollte man Synthetikunterwäsche, die schweißfördernd ist und sich nicht einmal heiß waschen lässt.

Synthetikkleidung stinkt generell schnell nach altem Schweiß, da das Kunstgewebe durch das Waschen bei niedrigen Temperaturen nicht ausreichend radikal von hartnäckigen Bakterien befreit wird. Selbst nach einer chemischen Reinigung riecht das Ballkleid rasch streng, wenn es beim Tanzen wieder neu angeschwitzt wird, Überreste vergangener Ballnächte bringen sich in Erinnerung. Gleiches gilt für die vielfach gepriesene Funktionskleidung beim Sport. Beim Thema Unterwäsche kann man nur sagen: klare Absage an Polyester-Dessous und -Boxershorts. Ja zu Baumwoll-Feinripp …

Ein bewährter Hautarzttipp ist, anfällige Körperfalten mit weicher weißer Zinkpaste zu behandeln. Manche Präparate enthalten auch ein Antipilzmittel, damit man der Vermehrung lästiger Hefepilze entgegenwirkt. Die Zinkpartikel in der Paste wirken antientzündlich und saugen überschüssige Feuchtigkeit auf. Die beste Zinkpaste ist eine, die nach ein paar Stunden Tragezeit immer noch als sichtbare weiße Schicht erkennbar und nicht schon gleich eingezogen ist.

Und – ich weiß – der schwierigste Tipp von allen, wenn die Körperfalten durch dickes Unterhautfettgewebe besonders tief sind: abspecken.

Hautfarben

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum Ihre Haut eine andere Farbe hat als die anderer Menschen auf diesem Planeten? Was die Haut eigentlich rot, braun, gelb, orange, rosa oder weiß macht? Und was es mit scheckigen Leber- und Sonnenflecken auf sich hat?

Die Antworten auf diese Fragen finden wir zum einen in der Oberhaut. Hier liegen die Pigmentzellen, die uns unseren Anstrich von hell bis dunkel verleihen. Zum anderen ist die Hautfarbe durch Faktoren wie die Durchblutung beeinflusst, die im zweiten Untergeschoss, der Lederhaut, stattfindet. Denken Sie an die kurz andauernde Schamesröte oder Überhitzung beim Sport, rote Wangen bei Fieber oder beim Sex oder eine permanente Rötung, wenn viele kleine Äderchen in der Haut erweitert sind.

Viele nehmen an, dass erweiterte Äderchen »geplatzte« Äderchen seien. Tatsächlich sind die elastischen Fasern der Gefäßwand einfach nur ausgeleiert und können das Gefäß nicht mehr eng zusammenziehen, weshalb es sichtbar wird wie ein Kabelgeflecht. Blässe wiederum kann an einer verminderten Durchblutung liegen oder auch daran, dass zu wenig roter Blutfarbstoff gebildet wird.

Die Haut hat aber noch einiges mehr an Farbtönen im Programm, an denen man verschiedene Dinge ablesen kann. Sogar Blau ist Teil unseres Hautfarbenspektrums. Dieser Farbton erzählt uns von Kälte, bei der es zu einer Verringerung der Durchblutung in der Haut kommt. Die Farbe kann auch auf einen Sauerstoffmangel im Blut hinweisen, etwa bei schwer Lungenkranken oder bei einer Thrombose, wenn das sauerstoffarme Blut sich staut und nicht rasch zum Herzen zurücktransportiert werden kann. Sauerstoffarmes Blut findet sich ganz normal in den Venen, die daher blau scheinen und das Blut über das Herz zum Recycling in die Lunge bringen. Ist die Blaufärbung krankhaft, sprechen Mediziner von einer Zyanose, was aus dem Griechischen kommt und »blau« bedeutet. Verfärbt sich die Haut schwarz, ist altes Blut abgelagert oder im schlimmsten Fall Gewebe abgestorben. Dieses morbide Geschehen nennen Mediziner Nekrose.

Von einer Krankheit der Leber erzählt die Gelbsucht; hier kann ein gelber Gallenfarbstoff durch die Leber nicht ausreichend abgebaut werden und lagert sich überall im Körpergewebe, in der Haut und in den Augen ab.

Der Karottenton Orange ist hingegen eine gesunde Farbe, die auftritt, wenn man reichlich Möhrensaft trinkt, in dem der natürliche Farbstoff Betacarotin enthalten ist. Der tägliche Bedarf ist mit 2 bis 4 mg gedeckt. Wer drei Wochen lang täglich 30 mg zu sich nimmt, bekommt eine leicht orange Hautfarbe. Das kann durch täglich ein halbes Kilo Möhren (roh oder in Form eines frisch gepressten Safts) oder durch Kapseln aus der Apotheke erzielt werden. Diese leichte Färbung verbessert das Abwehrverhalten der Haut gegen Sonnenstrahlen; wer etwa an einer Sonnenallergie leidet, kann durch gezielte Einnahme von Betacarotin vor dem nächsten Urlaub therapeutisch gegenwirken. Und wenn Sie gerne die Blicke der anderen am Strand auf sich ziehen, haben Sie mit diesem Hautton die besten Karten: Teilnehmer einer Studie bekamen Fotos von Gesichtern vorgelegt und sollten entscheiden, welche Hautfarbe sie mehr anzieht. Tatsächlich kamen leicht orangefarbene Carotin-Gesichter besser an als tief sonnengebräunte.

Eine solche Karottenbräune erlaubt uns sogar, zwei bis drei Mal länger in der Sonne zu bleiben. Statt zehn bis 20 Minuten ohne Sonnencreme kann der Möhrengefärbte bis zu einer Stunde ungeschützt in der Sonne verweilen. Dass trotzdem Vorsicht geboten ist, dazu mehr im Kapitel Sonnenbrand.

Ein weiterer schöner Nebeneffekt: Betacarotin ist die wichtigste Vorstufe von Vitamin A in Lebensmitteln (deshalb wird es auch Provitamin A genannt) und wird in unserem Körper zu ebendiesem Vitamin A umgewandelt. Vitamin A ist sehr gut für die Augen und das Sehen, bei einem Mangel droht beispielsweise Nachtblindheit. Für Haut und Schleimhäute benötigen wir Vitamin A ebenfalls, weil es das Zellwachstum fördert, Schäden vorbeugt oder sie repariert und das Abwehrsystem der Haut verbessert. Für eine medizinisch ausreichende Versorgung an Vitamin A genügen ein bis zwei Möhren am Tag. Ein gleichzeitig konsumierter Tropfen Speiseöl verbessert die Aufnahme über den Darm.

Betacarotin kommt außer in der Möhre in vielen anderen Gemüsesorten und in Obst vor, etwa in Spinat, Grünkohl, Paprika, Süßkartoffeln und Roten Bete, außerdem in orangefarbenen Obstsorten wie der Scharonfrucht (Kaki), Aprikosen, Sanddorn, Nektarinen und Mango. Noch einen Tick potenter ist ein weiteres Carotinoid namens Lycopin. Es gilt als exzellenter Kampfstoff gegen freie Radikale, es hält jung und schützt vor Krebs, weshalb Apotheken Lycopin-Kapseln zur Nahrungsergänzung anbieten. Die sind aber deutlich teurer als eine Tube Tomatenmark: Tomaten sind reich an Lycopin und in besonders hoher Konzentration natürlich im Mark enthalten.

Körpereigener Sonnenschirm

Die Hautfarbe erzählt uns aber auch etwas über unsere genetisch-geographische Herkunft. Sie signalisiert, in welchen Breitengraden wir mit unserer Haut besser klarkommen, wo wir vielleicht sogar einen Überlebensvorteil oder -nachteil haben.

Verantwortlich für unsere Hautfarbe ist eine wichtige Zellsorte in der Epidermis. Hier liegen unsere Pigmentzellen, die sogenannten Melanozyten. Sie sind abtrünnige Zellen aus dem embryonalen Ur-Nervengewebe, der Neuralleiste, aus dem sie sich aber schon im Laufe der Embryonalentwicklung verabschiedet haben. Während die übrigen Zellkollegen alle zu Nervensystemzellen wurden, wanderten diese Gesellen in Richtung Haut aus.

Melanozyten sehen aus wie Fingerhandschuhe, die, in das Meer von Babyzellen eingestreut, auf der Basalmembran aufsitzen, dem Fußboden im ersten Untergeschoss unserer Haut. Direkt unter der Basalmembran können sie sich auch zu Nestern zusammenrotten und damit zu Leberflecken werden. In Erinnerung an ihre frühe Wanderzeit bleiben sie zeitlebens sehr rege. Melanozyten entarten manchmal zum malignen Melanom, dem schwarzen Hautkrebs, der leider schnell metastasiert und sich nah und fern absiedeln kann; gerade bei Krebszellen ist Wanderfreudigkeit eine verhängnisvolle Eigenschaft. Ein in der Medizin unverständlicherweise beschönigender und mädchenfeindlicher Begriff für solche Metastasen ist »Tochtergeschwülste«.

Alle zehn bis zwölf Babyzellen ist ein Melanozyt eingestreut. Das bedeutet in Zahlen rund 900 bis 1500 Melanozyten pro Quadratmillimeter. Im Gesicht sind es sogar bis zu 2000, im Genitalbereich bis zu 2400 Melanozyten pro Quadratmillimeter, an den Fußsohlen und Handflächen dagegen nur 100 bis 200. Der Fingerhandschuh-Melanozyt leitet mit seinen vielen Fingern kleine Pigmentkügelchen mit dem Farbstoff Melanin an die Epidermiszellen weiter. 30 bis 40 Keratinozyten werden von einem einzigen Melanozyten mit Melanin gefüttert. Sobald die Sonne scheint, werden sie produktiv und färben unsere Haut brauner.

Dunkel- und Schwarzhäutige besitzen übrigens die gleiche Anzahl an Melanozyten wie Hellhäutige. Allerdings produzieren sie mit bis zu 600 Pigmentkügelchen pro Melanozyt ein Vielfaches der Melanozyten Weißhäutiger mit nur zwei bis zwölf Kügelchen. Dunkelhäutige haben zudem größere Farbkügelchen zur Verfügung. Ob wir nun eher dunkel oder hell sind, liegt auch am Mischungsverhältnis der Melaninfarbstoffe in unserer Haut. Man unterscheidet zwei Sorten: das Eumelanin, das schwarzbraun ist, und das Phäomelanin, das gelbrot ist. Je nachdem, welche Sorte dominiert, entstehen die unterschiedlichen Hautfarben, Haartöne und Augenfarben beim Menschen.

Melanin ist wie eine ultimative Sonnencreme, denn es kann Licht aller Wellenlängen absorbieren. Eumelanin ist dabei das Luxuspigment und schützt sehr gut vor UV-Strahlen; Phäomelanin dagegen schwächelt und erfüllt seine Aufgabe eher schlecht als recht. Sehr Hellhäutige und Rothaarige sind überwiegend mit Phäomelanin ausgestattet und daher sehr sonnenempfindlich. In nordischen Gegenden, wo die Sonne insgesamt weniger scheint, ist dieses Mehr an Phäomelanin jedoch ein absoluter Überlebensvorteil. Die Haut ist so für die wenigen UV-Strahlen, die es in nördlichen Breitengraden gibt, durchlässiger. Denn nur so ist eine ausreichende Vitamin-D-Bildung gewährleistet. Unter der südlichen Sonne allerdings wird das zum Nachteil. Hellhäutige sind nur mangelhaft gegen die hohen UV-Dosen gewappnet. Es drohen Hautkrebs und Falten.

Dunkle Haut schützt zudem effektiv vor dem UV