Healer's Need (Ancient Ink Teil 2) - Rhenna Morgan - E-Book
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Healer's Need (Ancient Ink Teil 2) E-Book

Rhenna Morgan

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Beschreibung

Wenn dein Jäger gleichzeitig dein Gefährte ist, ist es alles andere als erschreckend, seine Beute zu sein ... Tate Allen beobachtet seine Gefährtin - studiert sie auf jede erdenkliche Weise - ehe er den ersten Schritt macht. In der Zwischenzeit beschützt er sie ohne ihr Wissen Nacht für Nacht aus der Ferne. Er wird derjenige sein, der sie lehrt, ihre Gaben zu benutzen. Er wird dabei sein, wenn sie sich zum ersten Mal verwandelt. Mit ihm an ihrer Seite wird sie ihr und somit auch sein Schicksal erfüllen. Als einstiges Mobbingopfer geht Elise anderen Menschen aus dem Weg. Doch Tate erweckt etwas in ihr, von dem sie nicht einmal wusste, dass es existiert. Zum ersten Mal überlässt Elise einem Mann die Kontrolle über ihren Körper und schwelgt in seinen Berührungen. Doch jemand Unbekanntes verfolgt Tates Clan und bedroht dadurch mehr als nur die Verbindung zwischen Tate und Elise. Denn Elise ist das Hauptziel – Opfer aufgrund der Magie, die in ihr steckt und die sie noch nicht einmal erlernt hat. Tate muss das Böse finden und aufhalten, um seine Geliebte zu beschützen.

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Rhenna Morgan

Ancient Ink Teil 2: Healer’s Need

Aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt von Jazz Winter

© 2018 by Rhenna Morgan unter dem Originaltitel „Healer’s Need (Ancient Ink Series, Book 2)“

© 2022 der deutschsprachigen Ausgabe und Übersetzung by Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels

www.plaisirdamour.de

[email protected]

© Covergestaltung: Sabrina Dahlenburg (www.art-for-your-book.de)

© Coverfoto: Shutterstock.com

ISBN Print: 978-3-86495-528-0

ISBN eBook: 978-3-86495-529-7

Dieses Werk wurde im Auftrag von Harlequin Books S.A. vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover.

Die Personen und die Handlung des Romans sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Widmung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Danksagungen

Autorin

WIDMUNG

Für diejenigen unter euch, die sich ihrer Vergangenheit, ihren Ängsten oder beidem stellen.

Einen Fuß vor den anderen zu setzen, ist alles, was es braucht.

KAPITEL 1

Keine Anzeichen von Bewegung. Keine Schatten rührten sich, als die frühe Abendsonne hinter dem abgelegenen Cottage, das nur etwa zehn Meter von Tate entfernt war, unterging. Nicht einmal die Gardinen an den Fenstern seiner Gefährtin regten sich.

Doch Elise war dort drin.

In seiner Kojotengestalt konnte er sie wittern. Die Mischung aus einer exotischen Blume, die ein Mann wie er im Leben nicht identifizieren konnte, und einem süßen ofenfrischen Leckerbissen. Er hatte die dicht bewaldete Umgebung des veralteten Hauses, das Elise mit ihrer Mutter bewohnte, durchstreift. Jetzt unterdrückte er ein frustriertes Aufheulen, weil Wasser mit sanftem Plätschern in die Klauenfußwanne lief und lebhafte Bilder in seinem Geist entstehen ließ, wie sie im warmen Wasser entspannte.

Er wich weiter zwischen die Bäume zurück und checkte den Fußweg, der zwischen Elises Haus und dem, das Tate mit Priest, Kateri und Jade bewohnte, entstanden war. Der Ausflug hierher war nicht besonders anstrengend. Ein flotter Spaziergang von höchstens fünf Minuten, der durch die unberührten Wälder in der Nähe des Beaver Lake in Eureka Springs führte.

Und Jade war vor zwanzig Minuten zu dieser Tour aufgebrochen.

Seine Nackenhaare sträubten sich und ein leises Knurren rumorte in seiner Kehle, während sein Biest sich ihm mit seinem eigenen Missfallen anschloss.

In den zwei Wochen, seit er Elise kennengelernt hatte, hatte sein Begleiter sich widerwillig mit der selbst auferlegten Distanz arrangiert, die Tate zwischen ihnen eingehalten hatte. Sein Instinkt hatte diesen Abstand verlangt, denn dieser war entscheidend, um zu lernen und sich auf die bevorstehende Jagd vorzubereiten. Verdammt, so wie Elises Herz in den ersten Sekunden gehämmert hatte, war Distanz geradezu notwendig gewesen. Sie war das einzig Richtige gewesen, denn er hatte sich davon abhalten müssen, Elise auf dem Boden festzunageln und gleich an Ort und Stelle zu nehmen.

Allerdings hatte sein Kojote das Warten satt. Seine Geduld war erschöpft, und er war bereit, damit fortzufahren, ihre Gefährtin für sich zu gewinnen.

Es ist fast so weit. Nur noch ein paar Stunden mehr.

Es waren eher Gedanken und Emotionen als tatsächliche Worte. Die Verbindung zwischen Mann und Tier war so natürlich wie sein Herzschlag oder das Arbeiten seiner Lungen.

Ein Zweig brach.

Tate drehte sich zu dem Geräusch um, und seine Ohren zuckten in die Richtung der sanften, aber stetigen Schritte auf dem Boden, der durch die anhaltenden Regenfälle im April aufgeweicht war. Die Logik sagte ihm, dass es sich um Jade handelte, die endlich auftauchte, um zu tun, was er von ihr verlangt hatte. Allerdings war Draven noch immer auf freiem Fuß und jagte die Primos des Clans; demnach war der Krieger in ihm nicht bereit, sich allein auf die Logik zu verlassen.

Eine Sekunde später tauchte Jade in seinem Blickfeld auf. Ihr langes dunkles Haar war offen und flatterte bei jedem ihrer selbstbewussten Schritte. Die silbernen Talismane, die sie an einer Seite ihres Kopfes in Zöpfe eingeflochten hatte, funkelten im Sonnenlicht. Obwohl sie nicht wirklich seine Schwester war, könnten sie dennoch aus derselben Blutlinie stammen. Und jetzt wollte er sie unbedingt erwürgen, wie es ein blutsverwandter Bruder tun würde.

Er wartete, bis sie nur noch etwa drei Meter von ihm entfernt war, ehe er sich zurückverwandelte. Das Knacken und Brennen unter seiner Haut, während er seine Tiergestalt an die Anderswelt abgab, war nichts im Vergleich zu seiner inneren Unruhe. „Du bist spät.“

Anscheinend waren er und sein Kojote nicht die Einzigen, die schlechte Laune hatten, denn Jade knurrte ihn an, wie es nur eine Frau konnte. Ein wenig mischte sich auch ihr Luchs in das Geräusch ein. „Elise ist meine Freundin und kein Auftrag. Wenn du mit meinem Zeitplan nicht einverstanden bist, dann bekomm deinen Arsch hoch und beschäftigte dich so mit deiner Gefährtin, wie du es solltest.“

„Sie ist noch neu.“

„Na und? Katy war auch neu und Priest hat sie kaum aus den Augen gelassen.“

Oh, er war nie weit von Elise entfernt gewesen. Vielleicht nicht für sie sichtbar, aber er war immer in ihrer Nähe geblieben. Abgesehen von der Zeit, in der er seine Tätowiermaschine während der Arbeit in der Hand gehalten oder wenn Priest verlangt hatte, Hinweisen auf Draven oder dem vermissten Seher-Primo nachzugehen. Um die Kontrolle zu behalten, hatte er viele Stunden in seiner Kojotengestalt verbracht und vor ihrem Haus geschlafen. Er hatte die Verbindung zu ihr so eng gehalten, wie er es wagte. „Sie ist anders.“

Jade öffnete ihren Mund, wollte scheinbar widersprechen, doch dann runzelte sie ihre Stirn und blieb stumm. Sie hatte genug Zeit mit Elise verbracht, um es ebenfalls zu spüren. Diese sorgfältige Distanz, die seine Gefährtin zwischen sich und allen anderen hielt. Der wachsame, manchmal scheue Blick, der für leichte Beute so typisch war. Das Zögern, das sie geschickt hinter einer entschlossenen Maske verbarg, wenn sie mit Clanmitgliedern interagierte, die sie kennenlernte. Die Frau, die Elise der Außenwelt präsentierte, war nicht ihr wahres Ich. Es handelte sich dabei um eine Rüstung. Ein Schutzschild, von dem sein Bauchgefühl ihm sagte, dass es von etwas Schmerzhaftem herrührte. Er würde verdammt sein, wenn seine raubtierartigen Aktionen den Panzer noch verstärkten, den Elise um sich geschaffen hatte.

Er wollte, dass sie diese Schutzmauer ablegte, wollte die Frau, die er in den Momenten, in denen sie sich unbeobachtet gefühlt hatte, gesehen hatte. Er wollte ihr helfen, ohne Angst zu leben und zu erfahren, was es bedeutete, eine Volán zu sein. Und er wollte diese sanfte, sinnliche Kreatur befreien, die er unter ihrer Maske gewittert hatte.

„Sie mag anders ein“, sagte Jade. „Aber vorzugeben, jemand zu sein, der du nicht bist, ist keine gute Ausgangslage, um eine Beziehung aufzubauen.“

Der wohlgemeinte treffende Ratschlag machte ihm zu schaffen und brachte eine Wahrheit zum Vorschein, die er absichtlich verdrängt hatte. „Ich gebe nichts vor, ich bin vorsichtig.“

„Du bist ein Raubtier. Ein Mann, der auf der Jagd aufblüht. Ich habe noch nie einen Mann in unserem Clan mit einer Frau so ursprünglich gesehen wie dich. Aber du hast dir bisher kaum erlaubt, auch nur im selben Raum wie sie zu sein. Das ist mehr als nur Vorsicht. Das ist Vermeidung. Also erzähl mir nicht, dass es nicht um mehr geht, als nur darum, Elise mit Vorsicht zu behandeln.“

Mehr? Das war die Untertreibung des Jahrhunderts. Es handelte sich dabei eher um ein klaffendes, schwarzes Loch der Ungewissheit, von dem er verdammt noch mal keine Ahnung hatte, wie er es überwinden sollte. Er hatte geglaubt, er würde seine Gefährtin erst später im Leben finden, so wie es bei Priest der Fall gewesen war. Er hatte gehofft, bis dahin als Clankrieger geerdeter zu sein und nicht siebenundzwanzig und mit mehr animalischen Trieben ausgestattet zu sein, als ihm lieb war. Ein doppeltes Hindernis, wenn man bedachte, dass Elise eine Mischung aus sinnlicher Feenhaftigkeit und ursprünglicher Unschuld war. Ihr Vertrauen zu gewinnen, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren, würde das Wunder aller Wunder werden.

„Heute Abend.“ Dieses einfache Eingeständnis zerschnitt ihm die Kehle wie eine Doppelklinge und war eine Verpflichtung. Jemand würde ihn zur Rechenschaft ziehen, wenn er seine Pläne änderte, und Jade würde sofort dafür sorgen. „Ich möchte zuerst mit ihrer Mutter sprechen. Ich will sie wissen lassen …“

Wie aus dem Nichts erschien in seinen Gedanken eins der vielen erotischen Bilder, die in den letzten Wochen in seinem Verstand entstanden waren, und brachte ihn aus dem Konzept. Elise auf dem Bauch liegend. Mondlicht auf ihrer nackten Haut. Seine Hand an ihrem Nacken, die sie auf den Boden drückte. Ihre Knie angewinkelt und ihr Hintern gehoben für ihn. Seine andere Hand an ihrer Hüfte, um sie für seinen Schwanz an Ort und Stelle zu halten.

Er schüttelte das Bild ab und unterdrückte ein leises Knurren.

Ein wissendes Grinsen schlich sich über Jades Miene. „Welche Erklärung auch immer zu dem Ausdruck gehört, der gerade in deinem Gesicht zu sehen war, ist wahrscheinlich nicht die, die du bei ihrer Mutter verwenden solltest.“

Kein Scheiß. Aber er konnte auch ihre Mutter nicht im Dunkeln tappen lassen. Sie mochte vielleicht von dem Clan gewusst haben, während sie aufgewachsen war, doch sie hatte keinerlei direkten Kontakt zu ihm gehabt und hatte ihre Gaben nicht angenommen, als sie die Chance dazu bekommen hatte.

„Sie muss erfahren, dass Elise meine Gefährtin ist, und muss verstehen, was das bedeutet.“

„Glaubst du nicht, dass Naomi es ihr gesagt hat? Sicherlich hat sie zumindest mal eine Bemerkung in dieser Richtung fallen lassen.“

Das war gut möglich. Katys Großmutter war nicht nur eine der Seher-Ältesten in ihrem Clan, sondern auch die Königin aller Kupplerinnen. Sie war an dem Tag da gewesen, als das Schicksal ihn wie ein Blitz getroffen hatte. Sie hatte dazu beigetragen, die peinliche Stille zu überbrücken, die entstanden war, als ihm bewusst geworden war, dass er gerade seiner Gefährtin gegenüberstand. Kein Volán-Mann konnte diese Realität übersehen. Die weiße Aura, die Elise umgab, war so unverkennbar gewesen wie seine Aufmerksamkeit, die in ihrer Gegenwart zum Leben erwacht war. Wie diese Hingezogenheit zu ihr und dieses Verlangen, zu nehmen und zu beanspruchen, was ihm gehörte.

„Bring Elise einfach zum Beltane-Fest“, stieß Tate hervor. „Ich kann nicht …“ Er räusperte sich und zwang sich zu einem weiteren tiefen Atemzug. „Ich kann nicht klar denken, wenn Elise in meiner Nähe ist, und ich muss das mit ihrer Mutter vernünftig klären.“

Einen Moment lang betrachtete Jade ihn. Das Sonnenlicht des frühen Abends, das zwischen den Baumwipfeln hindurchfiel, erhellte ihre schlauen grünen Augen. „Der Hüter hat sie dir aus einem bestimmten Grund zur Gefährtin gegeben, Tate. Du kannst gar nichts falsch machen, egal was du anstellst.“

Sie hatte leicht reden. Sie lief schließlich nicht die letzten vierzehn Tage mit einer Latte durch die Gegend. Ebenso nicht mit dem Drang eines Jägers, eine süße Frau zu überwältigen, die vor einem Monat nicht einmal gewusst hatte, dass ihr Clan, Gestaltwandler oder Magie überhaupt existierten. Er deutete mit dem Kopf in Richtung von Elises Haus. „Geh jetzt. Ich folge euch zur Party, drehe dann um und rede mit Jenny.“

Jade kehrte zu ihrem üblichen streitsüchtigen Geschwister-Ich zurück. Sie schnaubte, schob ihn mit einem nicht allzu sanften Schubs an seine Schulter aus dem Weg und ging auf das Cottage zu. „Mir egal. Wir befinden uns auf geschütztem Land. Vor einem Monat hätte Draven die Schutzzauber von Priest nicht überwinden können, und jetzt, wo außerdem Katy ihre Magie ausübt und Dravens noch ergänzt, hat er sicherlich keine Lust darauf, Elise anzufassen, während sie hier ist.“

Kurz bevor sie an der Baumgrenze vorbeiging, die sich zum Grundstück des Cottage hin öffnete, hielt sie inne und funkelte Tate an. „Heute Abend, Tate. Ich liebe es, Zeit mit Elise zu verbringen, und würde alles tun, um dir zu helfen, aber sie ist dein Geschenk, nicht meins. Nimm es an oder ich schwöre bei Gott, Naomi wird im Gegensatz zu Katy und mir wie eine süße kleine alte Dame aussehen.“

Was effektive Drohungen betraf, war das wirklich der Hammer. Die Menge an möglichen Schwierigkeiten, die Katy und Jade für ihn heraufbeschwören könnten, brachte seinen Fokus mächtig ins Schwanken.

Bis die schwere Tür aufgerissen wurde und Elise, von Sonnenlicht eingerahmt, durch den Eingang trat.

Er hatte sie in Jeans gesehen, in Leggings und in diesen verdammt heißen Yogahosen, die jede Kurve, die er sicherlich erkunden würde, zur Geltung brachten. Aber noch nie in Shorts. Wahnsinnig kurzen Shorts, aus Denim, verblasst und an den Rändern ausgefranst, was seine Aufmerksamkeit unmittelbar auf die zarte Stelle lenkte, wo die Rückseiten ihrer Oberschenkel in die Wölbung ihres Hinterns überging. Nach den Gesprächen, die er mit ihrer Mutter geführt hatte, und nach den Trophäen und Medaillen in Elises Zimmer zu urteilen, war sie einmal Sportlerin gewesen. Gymnastik, Leichtathletik und Tanz. Er hatte immer noch nicht herausgefunden, warum sie damit aufgehört hatte, doch die Tatsache, dass sie nach wie vor eine begeisterte Läuferin war, zeigte sich deutlich in ihren durchtrainierten Muskeln.

Als ob die untere Hälfte ihres Outfits nicht schon ausreichte, um ihn auf Trab zu halten, zeigte sie oben noch mehr sonnengeküsste Haut. Sie trug nichts Ausgefallenes, nur ein einfaches, lockeres Tanktop in der Farbe eines gleißenden Sommersonnenaufgangs. Ein blassblauer BH-Träger lugte am Ausschnitt hervor und bettelte einen Mann praktisch an, mehr entdecken zu wollen. Das alles garantierte fast, dass er sein Gespräch mit Jenny in Rekordzeit führen und zur Party zurückkehren würde. Kein Mann würde seiner Gefährtin näher als eineinhalb Meter kommen. Jedenfalls nicht ohne ihn an ihrer Seite.

Elise lachte über etwas, was Jade so leise gemurmelt hatte, dass er es nicht hatte verstehen können. Sie senkte ihren Kopf, sodass ihr goldblondes Haar nach vorn fiel und ihr herzförmiges Gesicht verbarg, und strich mit ihren Handflächen über ihre Hüften. Die verlegene Aktion zeigte, dass sie sich ebenso unwohl mit ihrer Garderobe fühlte, wie er es tat, weil sie sie trug. Als sie ihren Kopf wieder hob, waren ihre Wangen gerötet und ihre großen grünen Augen voller Zweifel und Unsicherheit. „Ich kann nicht glauben, dass du mich dazu überredet hast, diese Shorts zu tragen.“

„Oh, sie sind perfekt“, antwortete Jade und drehte dabei ihren Oberkörper, um sicherzustellen, dass ihre Erwiderung von Tate auch gehört wurde. Sie hatte ihm vielleicht nicht direkt in die Augen gesehen, doch angesichts der Selbstgefälligkeit in ihrer Stimme war das auch nicht nötig. „An mir sieht sie nicht annähernd so gut aus. Jemand anderer weiß sie sicherlich besser zu nutzen, und du hast die Hüften dafür.“

So viel zu Jade, die darauf wartete, sich einzumischen. In dieser Sekunde konnte Tate sich nicht entscheiden, ob er sie umarmen oder ein paar Reißzwecken in ihrem Bett verstecken sollte. Das hatte er schon einmal getan, nachdem sie ihn und sein Playboy-Versteck bei Priest verpfiffen hatte, als er sechzehn gewesen war.

Es brauchte noch ein paar Minuten und eine ganze Menge Ermutigungen von Jade, um Elise herauszulocken und in den Wald zu gehen. Jede Sekunde davon verbrachte Tate damit, den Baumstamm, der ihn vor Elises Blick schützte, mit den Händen in einem tödlichen Griff zu packen. Nachdem nur noch ihre sich entfernenden Schritte und Jades freches Lachen zu hören waren, hatte sich die Rinde zwischenzeitlich so tief in seine Haut gebohrt, dass es schmerzte, und seine Muskeln waren unangenehm angespannt.

Er zwang sich, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Die Wichtigkeit dessen, was er der Frau mitteilen wollte, die ihm entweder helfen oder ihn daran hindern konnte, mit Elise voranzukommen, fühlte sich wie ein scharfer Dolch an, der kurz davorstand, sich zwischen seine Rippen zu schieben.

Jenny war clever, vernünftig, geduldig und großzügig mit ihrem warmen einladenden Lächeln. Oder zumindest war sie es in der Zeit gewesen, die er mit ihr verbracht hatte, während er kleine Aufgaben in ihrem Haus erledigt und dabei geholfen hatte, die dringendsten Reparaturen zu erledigen, um ihnen ihr neues Zuhause komfortabler zu machen.

Doch was, wenn sich das änderte, nachdem sie erfahren hätte, was Elise für ihn war?

Er war ein Tätowierer, verflucht noch mal.

Zugegeben, er hatte damit ordentlich Geld verdient. Und obwohl seine Kunst nicht so begehrt war wie die von Priest, konnte er sich wirklich nicht wegen mangelnder Kundschaft beschweren. Allerdings war Elise auf dem Weg, eine ordentliche Karriere als Reha-Trainerin zu machen. Ein Kinesiologie-Abschluss würde es ihr ermöglichen, mit Sportlern und Ärzten so ziemlich überall, wo sie wollte, zu arbeiten.

Und dann war da noch die Sache mit Draven. Die ganze Welt von Elise und ihrer Mutter war bereits auf den Kopf gestellt worden, und sie waren gezwungen gewesen, ihr Zuhause zu verlassen, um Elise auf geschützten Boden zu bringen. Was, wenn Jennys mangelndes Clanwissen und ihre Angst um die Sicherheit ihrer Tochter gegen ihn arbeiteten? Was, wenn sie ihm nicht glaubte, dass er sie beschützen konnte?

Ein inneres Schnappen und Knurren seines Kojoten riss ihn aus seinem Gedankenkarussell, während er gerade die erhöhte Holzveranda betrat. Das war der Segen, einen Begleiter zu haben. Es war die wahrhaftigste Verbindung zur Natur. Tiere überanalysierten nicht. Sie verließen sich auf ihre Instinkte, ehrten und nutzten die Gaben des Schöpfers und lebten im Hier und Jetzt.

Und Gott sei Dank dafür, denn in den letzten Wochen hatte er sich mehr auf dieses Gleichgewicht verlassen als in der ganzen Zeit, seit er die Seelensuche angenommen und seine Gaben erhalten hatte.

Er straffte seine Schultern, atmete schwer aus und klopfte an die Holztür. Das Echo davon rasselte seinen Unterarm entlang.

Elises Duft umwehte ihn noch immer, vermischt mit feuchter Walderde und dem Geruch des Sees. Für den ersten Tag im Mai war es wärmer als normal. Bei Anbruch der Dunkelheit wäre die Temperatur perfekt. Es würde nicht so kalt werden, dass Elise sich unwohl fühlen würde, aber frisch genug, dass sie sich nach seiner Hitze sehnen würde.

Schnelle Schritte ertönten auf dem Holzboden hinter der Tür, die dann aufgerissen wurde.

„Hast du etwas vergessen …“ Der freundliche Humor in Jennys Gesicht veränderte sich zu offener Überraschung. „Tate! Ich dachte, Elise hätte etwas vergessen und sich ausgesperrt.“ Sie ließ ihren Blick über den Vorgarten schweifen und musterte ihn dann von Kopf bis Fuß. Obwohl er nicht von Jeans und T-Shirt abgewichen war, in denen er normalerweise bei ihnen zu Hause auftauchte, war sein Haar heute Abend offen und die Qualität der ausgewählten Kleidung war nichts, was er zum Renovieren tragen würde. „Warum bist du nicht auf der Party? Hat Naomi dich geschickt? Ich habe ihr doch gesagt, dass ich das Essen, das ich dafür zubereite, selbst dorthin bringen werde.“

„Nein. Naomi hat mich nicht geschickt.“ Jetzt fiel ihm wieder ein, dass er gehört hatte, dass Jenny vorhatte, eine Menge Essen zu der Feier mitzubringen, und hätte dabei helfen sollen. „Aber du musst das Essen nicht allein tragen. Ich kann helfen.“

Wie ihre Tochter war Jenny zierlich und hatte auffallend grüne, große Augen, was ihr ein zeitloses und argloses Aussehen verlieh. Doch während Elises Haar lang und von sattem Gold war, hatte Jenny ihres auf Kinnlänge schneiden lassen, und das wahrscheinlich einstige Dunkelbraun wich nun langsam einem sanften Grau. Sie neigte ihren Kopf, und Weisheit, geboren aus harten Entscheidungen und einem Leben allein, spiegelte sich in ihrem aufmerksamen Gesicht wider. „Aber deswegen bist du nicht hier.“

„Nein.“ Für einen Moment brachte ihn der Drang, der Wahrheit erneut auszuweichen und irgendeine fadenscheinige Ausrede für sein Auftauchen zu finden, fast aus dem Konzept.

Doch dann dachte er an Elise, an die Momente, in denen sie sich vollkommen unbeobachtet gewähnt hatte. Oder an diesen konzentrierten Ausdruck auf ihrem Gesicht, wenn sie von ihrem Fenster aus auf den See starrte und wie dieser ihn immer wieder dazu brachte, wissen zu wollen, was ihr in dem Augenblick durch den Kopf ging. Er dachte daran, wie sie heute Abend das Haus verlassen hatte, gekleidet, um ihn, und wer weiß wie viele andere Männer noch, unwissentlich in Versuchung zu führen.

Aber sie war die seine. Sein Geschenk. Und es war höchste Zeit, dass er anfing, sich entsprechend zu benehmen.

Er erwiderte Jennys starren Blick und ließ die gleiche Gewissheit, die er in diesen ersten Momenten in der Nähe von Elise empfunden hatte, aufsteigen und seine Worte bestärken: „Ich bin hier, um über Elise zu sprechen.“

KAPITEL 2

So viele Leute. Elise schätzte, dass es mindestens einhundert Menschen waren, die in der Schlucht hinter Priests großem Haus mit Seeblick von einer Gruppe zur anderen liefen.

An ihrem Platz zwischen Jade und Priests Gefährtin Katy – oder Kateri, wie Priest darauf bestand, sie zu nennen – schwieg Elise und ließ jedes Detail auf sich wirken. Wie zum Beispiel die Fackeln, die Katy mit nur einer Handbewegung angezündet hatte. Oder die Baumwipfel voller sattgrüner Blätter, die über ihnen raschelten. Das beruhigende Säuseln einer lockeren Unterhaltung, gespickt mit echtem Lachen, und die Klänge einer entspannenden gut gemischten Playlist, die über die Lautsprecher ertönten und die sie nicht genau benennen konnte.

Eine Chance auf einen Neuanfang.

Endlich.

Seit ihrem vierzehnten Lebensjahr und der brutalen Erfahrung, wie grausam Mädchen im Teenageralter sein konnten, wollte Elise ihr Leben neu schreiben. Eine Art Wiederholung, um zu sehen, ob sie die Dinge beim nächsten Mal anders handhaben und am Ende heil herauskommen würde.

Jetzt war ihre Chance gekommen. Eine neue Stadt, die viermal größer war als die, in der sie aufgewachsen war. Neue Leute, die nichts von ihrer Vergangenheit wussten, und ein Clan von Gestaltwandlern, die mit verschiedenen Arten von Magie ausgestattet waren. Zugegeben, das Geschenk des Schicksals besaß eine böse Kehrseite. Sie war nämlich die Hauptzielperson für einen abtrünnigen Volán-Wandler, von dem alle sagten, er wolle sie entweder in Besitz nehmen oder ihr die Magie stehlen, die sie sich bisher noch nicht einmal verdient hatte.

Eine kräftige Hand legte sich auf ihre Schulter und im nächsten Moment drängte sich ein Mann zwischen Elise und Jade zu ihrer Linken. „Ladys, ich komme mit weiblicher Verstärkung und eiskalten Getränken für euch.“

In der Sekunde, in der die satte Stimme ertönte und ihre Augen auf dem großen, blonden Mann neben ihr ruhten, entspannten sich Elises Muskeln und sie atmete erleichtert aus. Nicht viele Männer strahlten Vibes aus, die ihr das Gefühl gaben, sich in ihrer Gegenwart sicher fühlen zu können, doch Katys Bruder Alek war einer von ihnen. Er und Priest. Sie hatte noch immer nicht herausgefunden, warum das der Fall war. Vielleicht lag es an der Tatsache, dass Priest der Hohepriester und Alek der Krieger-Primo des Clans war, aber sie hatte kein einziges Mal mit dem Bedürfnis zu kämpfen gehabt, ihnen gegenüber vorsichtig sein zu müssen.

Und dann war da noch Tate.

Dasselbe leichte und schwindelerregende Summen, das immer auf den Gedanken an diesen Mann folgte, der ihre wachen Stunden regelrecht verzehrte, entwickelte sich einmal mehr in ihrem Brustkorb und ließ ihren Puls rasen. Auch bei Tate fühlte sie sich sicher.

Auf eine Art jedenfalls.

Nicht auf die brüderliche, Haare zerzausende und bärenstarke Weise, die sie bei Alek und Priest spürte, sondern eher wie ein Beschützer. Es war, als würde ein Teil von ihr merken, dass er sofort da sein würde, wenn sie ihn brauchte. Was eigentlich verrückt war, denn er kam ihr selten nahe. Schon gar nicht in greifbare Nähe. Und wenn sie in den letzten Wochen eins über die Volán-Kultur gelernt hatte, dann, dass diese Menschen eine körperliche, liebevolle Gruppe waren.

Aber er hatte sie beobachtet. Nicht ein einziges Mal hatte sie ihn auf frischer Tat ertappt, sie hätte allerdings schwören können, dass sie es gefühlt hatte. Jedes Mal, wenn er ihr Haus betreten hatte, um ihrer Mutter bei der Renovierung zu helfen, hatte sie es gespürt und beim Klang seiner Stimme angefangen zu zittern.

Alek deutete mit dem Kopf zu einer dunkelhaarigen Frau Ende zwanzig, die sich neben Katy gestellt hatte, und reichte Jade und Elise jeweils ein kaltes Bier. „Elise, das ist Sara. Sara, das ist Elise.“

Anstatt zur Begrüßung ihre Hand anzubieten, schickte Sara ein verlegenes Lächeln in Elises Richtung und wippte halb auf ihren Zehenspitzen, als wäre sie bemüht, ihre Aufregung im Zaum zu halten.

„Hallo, es ist wirklich schön, dich kennenzulernen. Ich gehöre ebenfalls dem Haus der Heiler an.“

Ah, das erklärte die Aufregung. Priest und alle anderen schienen sich sicher zu sein, dass sie eines Tages die Heiler des Clans anführen würde. „Nun, ich weiß noch nicht, was meine Magie sein wird. Ich hatte meine Seelensuche noch nicht.“

„Du weißt es noch nicht genau, aber du bist die beste Wahl für unsere Heiler-Prima“, sagte Sara. „Primos bleiben fast immer innerhalb einer Familienlinie, und niemand kann sich daran erinnern, dass jemand außerhalb deiner Familie jemals das Haus der Heiler angeführt hat. Wenn du einen Bruder oder eine Schwester hättest, wäre es vielleicht noch nicht entschieden, aber als Einzelkind?“ Sie errötete, steckte ihre Hände in ihre Jeanstaschen und zuckte mit den Schultern. „Nun, alle sind einfach superaufgeregt, dass du hier bist.“

Tatsächlich?

Direkt hinter Sara standen drei Paare und unterhielten sich. Zwei der Frauen wandten schnell ihre Blicke von Alek und Elise ab, zurück zu den anderen um sie herum. Eine Gruppe älterer Frauen saß in bequemen Terrassenstühlen um eine Feuerstelle herum. Einige von ihnen hatten Teller mit Essen auf dem Schoß und unterhielten sich, während andere offen und mit glücklichem Funkeln in den Augen in ihre Richtung starrten – eine von ihnen war Katys Großmutter Naomi.

Aber es war die Handvoll Frauen, die direkt hinter ihnen in einer Gruppe zusammenstanden, die ihr am härtesten zusetzten. Es waren fünf, um genau zu sein. Jede war ungefähr im Alter von Elise und Jade und so gekleidet, dass sie trotz ihrer Lässigkeit auffielen. Und sie alle schossen misstrauische, fast schon berechnende Blicke in ihre Richtung.

Sie kannte diese Blicke. Sie hatte die Aktionen erlitten, die unweigerlich darauf folgten.

Elise versuchte, sich ein wenig hinter Aleks breiten Körper und aus dem Sichtfeld aller zu bewegen, doch er packte sie mit einem starken Arm um ihre Schulter und schob sie zurück an seine Seite. „Whoa, was ist los?“

Sofort bemerkte sie denselben besorgten Ausdruck auf den Gesichtern der anderen Frauen, die sich um sie versammelt hatten.

Teufel noch mal.

Neuanfang.

Neuanfang.

Neuanfang.

Sie musste nichts sein, was sie nicht war, musste nicht verbergen, was sie dachte oder wie sie aussah, um dazuzugehören. Nicht hier. Dieses Mal nicht. Sie straffte ihre Schultern ein wenig, selbst wenn dadurch ihre Brüste noch mehr hervortraten, als sie es ohnehin schon taten. „Ich werde unsicher, wenn Menschen mich anstarren.“

Katy schnaubte, aber hinter dem Geräusch steckte eine Bootsladung Empathie. „Junge, kann ich dieses Gefühl verstehen. Der Tag, an dem ich vor den Clan getreten bin und wusste, dass ich die erste Magierin war, seit Draven sein mieses Juju hatte wirken lassen und fast alle getötet hatte, war einer der schwersten in meinem Leben.“ Sie legte die Stirn in Falten und blickte zwischen dem Bier in Jades Hand und dem in Elises hin und her. „Und wo zum Teufel ist mein Bier?“

So schnell war der peinliche Moment vorbei. Einfach unter den Teppich gekehrt, als wäre es keine große Sache.

Alek lachte und drückte Elise fester an sich. „Ich liefere Bier nur an hübsche Mädchen aus. Ich meine, du bist hübsch und so, aber du bist meine Schwester, also streicht dich das automatisch von der Lieferliste.“

Eine unbeschreibliche Wahrnehmung prickelte unter ihrer Haut, Sekunden bevor Tates tiefe und unheimlich bedrohliche Stimme dicht hinter ihr ertönte. „Streich Elise auch von deiner Liste.“

Ehe sie sich zu Tate umdrehen konnte, umklammerte Aleks Arm sie energischer und hielt sie fest. Sie hätte schwören können, dass Alek grinste, bevor er die Amüsiertheit unterdrückte und über seine Schulter spähte. „Oh, hey, Tate. Es wurde auch Zeit, dass du endlich herkommst. Ich wollte gerade Elise dem Rest des Clans vorstellen.“

Katy bedeckte ihren Mund und senkte den Kopf.

Saras Augen weiteten sich.

Jade kicherte nur und grinste, als hätte sie gerade einen großen Coup gelandet.

Ein warnendes Knurren, das eindeutig animalisch war, grollte hinter ihr und kribbelte ihre Wirbelsäule entlang. Jade hatte ihr erzählt, dass Tates Begleiter ein Bergkojote war, groß und mit überdurchschnittlichen Jagdfähigkeiten. Allerdings hatte sie ihn noch nie gesehen. Und obwohl die Logik ihr sagte, dass Tate vollständig ein Mensch war, gab es keinen Zweifel daran, dass sein Tier sich nahe an der Oberfläche befand.

„Lass sie los. Sofort.“

Alek drückte ihre Schulter, als wollte er sie beruhigen, dann senkte er den Arm und drehte sich lässig um, wobei er sich ein wenig vor sie stellte. „Bist du sicher?“

Elise wandte sich gerade noch rechtzeitig um, um ein leichtes Muskelzucken in Tates Kiefer zu bemerken. Seine Wirkung auf sie, jedes Mal, wenn sie ihn sah, war wie ein Einschlag. Sandblondes bis zu den Schultern reichendes Haar mit Wellen, das ihn wirken ließ, als wäre er gerade von einem Tag am Strand hereingeschlendert. Ein voller, gut gepflegter Bart, der etwas dunkler war als sein Kopfhaar und bei dem sie sich fragte, wie sich ein Kuss von ihm anfühlen würde. Ein schlanker, aber muskulöser Körper, der stets vor tödlicher Energie zu knistern schien. Gekleidet in ein schwarzes T-Shirt und eine ausgeblichene Jeans wirkte er wie das Raubtier, das er tatsächlich auch war. Sein Auftreten erweckte den Anschein, als wäre er nur eine Nanosekunde davon entfernt, seinen Primo anzugreifen.

Was total verrückt war. Er hatte bisher selten mit ihr gesprochen und ihr seit dem ersten Tag ihrer Begegnung kaum in die Augen gesehen. Aber hier stand er nun und führte eine stille und doch tödliche Kommunikation von Mann zu Mann, die sie für sich nicht übersetzen konnte. Angesichts der amüsierten Mienen von Katy, Jade und Sara war sie wohl die Einzige, die Untertitel brauchte.

Tates Nasenflügel bebten und er rückte näher an Alek heran und schob sich damit gleichzeitig zwischen Alek und Elise. Seine Worte klangen rau und pulsierten vor Kraft. „Reiz mich nicht. Primo oder nicht, ich habe kein Problem damit, gegen dich zu kämpfen.“

„Das reicht.“ Wann Priest hinter Katy aufgetaucht war, konnte Elise nicht sagen, aber dieses einzelne Wort vibrierte voller Befehlsgewalt, sodass die gesamte Lichtung still wurde.

Eine Sekunde lang bewegten sich weder Alek noch Tate.

Dann zuckte ein Mundwinkel von Alek empor. „Irgendetwas sagt mir, dass ich mir eine Retourkutsche verdient habe, aber ich denke, das war es wert.“

„Das denkst du jetzt“, sagte Priest und sein Tonfall änderte sich in etwas, was eher ironischer Belustigung ähnelte. „Warte, bis er deinen Arsch in der Mangel hat.“

Aleks Grinsen verwandelte sich in ein vollständiges Lächeln, doch er neigte seinen Kopf in stillschweigender Waffenruhe zu Tate. „Wenn sie nur halb so toll ist wie die, mit der Tate sein Glück gefunden hat, ist es mir egal, was er austeilt.“

„Wer ist toll?“ Die Frage schlüpfte Elise aus dem Mund, ehe sie überhaupt gemerkt hatte, dass sie eine Antwort wollte. Die Frustration, nicht zu wissen, was vor sich ging, während alle anderen mit eifriger Neugier zusahen, schürte ihre Ungeduld.

Ein hässliches Knurren löste sich aus Tates Kehle.

„Alek“, warnte Priest.

Alek lachte ohne Reue auf und hob die Hände, als würde er sich ergeben. „Ja, ja. Ich gehe. Ich gehe.“ Er schnappte sich das Bier, das Elise so gut wie vergessen hatte, aus ihrer Hand und salutierte mit einem frechen Glitzern in den Augen. „Ich glaube nicht, dass du das brauchen wirst.“ Dann musterte er Jade. „Komm schon. Du hast diesen Schlamassel verursacht. Das Mindeste, was du tun kannst, ist, mir Gesellschaft zu leisten, während dein Bruder meine Ermordung plant.“

Zum ersten Mal seit Beginn der verfahrenen Situation löste sich Tates Fokus von Alek und schoss zu Jade. Obwohl er nicht mehr aussah, als wäre er eine Haaresbreite davon entfernt, jemanden in der Luft zu zerreißen, war sich Elise nicht sicher, ob er die gleiche mentale Erdung gefunden hatte wie Alek.

Jade schien das egal zu sein. Sie kicherte nur und hob ihre Augenbrauen provokant in Richtung Tate. „Du musst zugeben, es war effektiv.“ Ohne auf eine Erwiderung zu warten, schlenderte sie zu Elise, umarmte sie freundlich und flüsterte: „Mach dir keine Sorgen. Tate kümmert sich. Versprochen.“

„Um was kümmern?“, flüsterte sie zurück.

Jade löste sich aus der Umarmung, drückte Elises Schultern und zwinkerte ihr zu. „Um alles.“

KAPITEL 3

Ihr Herz schlug in einem hektischen Takt. Und wie sehr hatte er sich nach diesem süßen, aber unschuldigen Duft von ihr gesehnt! Ihr Körper war zum Greifen nah und ihr Outfit stellte eine Fülle von unmarkierter Haut zur Schau.

Obwohl die Hälfte des Clans, wenn nicht der gesamte, die Aufmerksamkeit auf Tate und seine Gefährtin gerichtet hatte, waren das die einzigen Dinge, die er derzeit verarbeiten konnte. Das – und seinen Anspruch auf eine Weise zu erheben, die sicherstellte, dass kein anderer Mann es wagen würde, sich an Elise ranzumachen.

Allerdings … Nach dem Manöver, das Jade und Alek sich hatten einfallen lassen, um seinen Beschützerinstinkt vor aller Augen auszulösen, würde wohl niemand von denen, die heute Abend hier versammelt waren, mehr infrage stellen, was sie in Zukunft für ihn bedeuten würde.

Nun, niemand außer Elise.

Neben ihr warteten Priest, Katy und Sara und beobachteten die Szene. Priest war nur noch da, um sicherzustellen, dass Tate sich zusammenriss, und Katys Gesichtsausdruck – eine Mischung aus Sympathie und Humor – wusste er zu schätzen. Allerdings hätte er gut und gern darauf verzichten können, dass ausgerechnet Sara einen Platz in der ersten Reihe bekommen hatte. Sie war ein süßes Mädchen. So ehrlich, offen und aufrichtig, wie eine Frau eben sein konnte, aber leider auch sehr geschwätzig Was immer in den folgenden Minuten passieren würde, wäre am nächsten Morgen das Futter für Klatsch und Tratsch im gesamten Clan.

Elise wandte ihren Blick von Jade und Alek ab, als sie davonschlenderten, und spähte zuerst über ihre Schulter, ehe sie sich komplett zu ihm umdrehte. „Was war das denn jetzt?“

Eine Frage, die eigentlich einfach zu beantworten sein sollte. Wenn sie mit der Kenntnis über ihren Clan aufgewachsen wäre, dann wäre ihr die Antwort darauf schmerzlich bewusst. Nicht, dass ihre Mutter nicht versucht hätte, ihr zu erklären, was es bedeutete, eine Volán zu sein, und was diese zu tun imstande waren. Elise hatte ihr einfach nicht geglaubt. Und da Jenny ihre Gaben abgelehnt hatte, konnte sie kein Wort davon beweisen.

„Alek hat dich angefasst.“

„Na und?“

Das war der Moment. Sobald er nachgeben und körperlichen Kontakt zu ihr herstellen würde, würde sie sich ebenso sehr nach seiner Berührung verzehren wie er sich nach ihrer. Sie würde die Anziehung zu ihm spüren, die als subtiles Sehnen beginnen und dann zu etwas heranwachsen würde, gegen das keiner von ihnen mehr ankämpfen konnte. Es wäre ein untrennbares Band, das sie aneinanderbinden würde.

Er hatte versucht, ihr Zeit zu geben, mit all den neuen Informationen klarzukommen und sich an ihren Clan und die Gaben ihrer Rasse zu gewöhnen. Doch er hätte sich nicht länger zurückhalten können, selbst wenn die Höllenhunde persönlich erschienen wären, um sie alle zu töten. Er atmete tief und langsam und bewegte sich zentimeterweise vorwärts, wobei er darauf achtete, sie nicht zu verschrecken.

„Kein Mann berührt dich.“ Der Jeansstoff ihrer Shorts an ihren Hüften prickelte eine Sekunde lang an seinen Handflächen, ehe er seine Hände fester auf die üppigen Kurven drückte. „Kein Mann außer mir.“

Ihr Atem stockte, wurde zu einem leisen Keuchen, und ihr Körper zuckte bei dem vorsichtigen, aber innigen Kontakt. Ob es an ihrer Überraschung über seine Worte lag oder an seiner Berührung oder möglicherweise eine Mischung aus beidem war, konnte er nicht sagen, aber die Wirkung war berauschend.

Ihre vollen Lippen waren geöffnet und ihre Atmung war beschleunigt.

Ihre wunderschönen und ausdrucksstarken Augen waren vor Überraschung weit aufgerissen, und darin lag eine unerschlossene sinnliche Wahrnehmung.

Ihr Blick wanderte zu seinem Mund und sie presste ihre Handflächen auf seine Brustmuskeln. Elise riss sie jedoch nahezu genauso schnell wieder weg und brachte sich damit fast aus dem Gleichgewicht.

Tate rückte näher, zog ihren Körper enger zu sich und legte eine Hand auf ihren unteren Rücken, die andere platzierte er in ihrem Nacken. „Ganz ruhig.“

Das Bedürfnis, die besänftigenden Worte mit dem Streichen seiner Lippen über ihren Hals, ihre Stirn oder ihre Wangen zu kombinieren, lähmte ihn beinahe. Doch er hielt es in Schach.

Jedoch nur knapp. Ihre Mutter hatte nahezu bestätigt, dass Elises Vergangenheit schwierig gewesen war. Und obwohl sie darauf bestand, dass die Details darüber privat waren und es an Elise war, davon zu erzählen, hatte sie schmerzhaft deutlich gemacht, dass die Narben tief waren. Auf keinen Fall würde er diese alten Wunden wieder aufreißen. Nicht, ohne sicherzustellen, dass sie an einem Punkt in ihrer Verbindung angelangt waren, an dem er ihr die Aufmerksamkeit schenken konnte, die sie brauchte, um richtig zu heilen.

Stattdessen streichelte er ihre Wirbelsäule entlang und konzentrierte sich auf ihren Duft und auf das Gefühl, wie ihr weicher Körper an seinem bebte. „Atme einfach. Ich halte dich.“

Ihre Fingerspitzen strichen über seine Trizepse bis hinauf zu seinen Schultern, und die Berührung war zaghaft und unsicher.

Sie bewegte sich gerade weit genug, um seinem Blick zu begegnen, und öffnete ihren Mund. Mehr Fragen, als er zu beantworten vermochte, ohne sie zu verschrecken, brannten in ihren Augen.

„Tate?“ Priests leise Ansprache rettete ihn, ehe Elise ihre Fragen formulieren konnte. „Bist du okay?“

In den letzten zwei Wochen war das Laufen in Tiergestalt mit Priest in den dunkelsten Stunden der Nacht eines der wenigen Dinge gewesen, die ihn bei Verstand gehalten hatten. Das und die Geduld, die Priest aufgebracht hatte, während er ihm von all den Ängsten, die in ihm aufkamen, erzählt hatte. Tate drehte seinen Kopf, um Priests Blick zu erwidern, und drückte sanft Elises Nacken, bevor er sie widerwillig losließ und sie ihrem eigenen Willen überließ. „Wir werden es sein.“

Priests Mundwinkel zuckten auf diese selbstgefällige Art, wie es nur Gefährten taten, die den Spießrutenlauf bereits hinter sich hatten, und zog Kateri näher an seine Seite. „Richtig. Ihr werdet es sein.“

Auf der anderen Seite von Priest strahlte Sara, als hätte sie gerade erfahren, dass sie den großen Jackpot im Lotto gewonnen hatte. Ihre Wangen waren so gerötet, dass sie mit denen von Elise locker mithalten konnten. „Wow! Das war sooooo roman…“

„Intensiv!“, unterbrach Katy, ehe Sara Tate mit ihrer Aussage ein noch viel tieferes Loch graben konnte, aus dem er wieder hinausklettern musste. „Als ich zum ersten Mal hergekommen bin, hat mich dieses Männergehabe ein bisschen verrückt gemacht“, sagte sie zu Elise mit der ganzen Übertreibung einer Frau, die sich mit dem Clanleben auskannte. Was verdammt lustig war, wenn man bedachte, dass sie erst vor anderthalb Monaten zum ersten Mal in Priests Tattoostudio aufgetaucht war. Damals hatte Katy sich in einer fast identischen Situation wie Elise befunden, da sie zu der Zeit kaum gewusst hatte, was es bedeutete, eine Volán zu sein.

Dennoch warf sie ihm einen Knochen zu und gab Sara, wie er hoffte, den guten Rat, ihre Klappe zu halten. Er nahm die Hilfe an, drängte sich dicht an Elise und legte seine Hand auf ihren unteren Rücken. „Tut mir leid, wenn dich die Sache mit Alek erschreckt hat.“

Elise drehte sich, als wollte sie sich vergewissern, dass seine Hand tatsächlich dort ruhte, wo sie sie vermutete. Dann betrachtete sie ihn und schien sich nicht sicher zu sein, ob sie die letzten zehn Minuten wahrhaftig erlebt oder ihr Kopf auf einer harten Unterlage gelegen und sie alles nur geträumt hatte.

Wieder einmal schritt Katy zur Schadensbegrenzung hinzu. „Hey, Elise, wie wäre es, wenn wir morgen ein wenig Zeit außer Haus verbringen? Vielleicht würden Priest und Tate uns zur Einkaufsstraße in der Stadt begleiten und wir könnten ein wenig durch die Geschäfte bummeln? Sie sind zwar sehr auf Touristen ausgelegt, aber es macht Spaß und wäre eine unterhaltsame Möglichkeit, für eine Weile abzuschalten.“

„Sie hat am Mittwoch ihre Abschlussprüfungen“, erwiderte Tate und überraschte sich selbst mit seinen Worten.

Elise starrte ihn an. „Wie kannst du davon wissen?“

Weil er sie von dem Tag an verfolgt hatte, an dem er sie zum ersten Mal gesehen hatte? Weil er von dem Abschluss, den sie erwähnt hatte, fasziniert gewesen war und viel Zeit damit verbracht hatte, sich zu fragen, wie sie dazu gekommen war? Weil er gerade anderthalb Stunden aufgewendet hatte, jedes Detail aus ihrer Mutter herauszuquetschen, damit er das Rüstzeug hatte, sie für sich zu gewinnen und sie dabei nicht zu verletzen? „Deine Mutter hat es erwähnt, als ich euer Badezimmer gestrichen habe“, sagte er stattdessen.

„Dann gehen wir eben am Abend nach deiner Abschlussprüfung“, warf Katy ein. „Machen wir eine Feier daraus.“

Tate runzelte die Stirn.

Katy betrachtete Tates Gesichtsausdruck und erkannte scheinbar, dass es vielleicht nicht die beste Idee war, den ersten freien Termin in Elises Kalender zu belegen. Sie passte ihre Pläne an. „Oder am Donnerstag? Eventuell Freitag?“ Sie wedelte dabei mit der Hand, als wäre es unbedeutend, und lächelte hoch zu Priest. „Du bist doch flexibel, oder?“

Priest fand das ganze Unterfangen offensichtlich mehr als amüsant, aber er gab sein Bestes, sein Lachen zu unterdrücken. „Wir werden das schon klären, mihara.“ Er drückte ihre Schulter und nickte Tate zu. „Ich denke, wir lassen dich jetzt mal in Ruhe, damit du Elise allen vorstellen kannst.“ Zum Glück richtete Priest danach seine Aufmerksamkeit auf Sara und kümmerte sich um die letzte verbliebene Komplikation, wo er gerade dabei war. „Wie wäre es, wenn du meiner Gefährtin hilfst, die Runde zu machen und sicherzustellen, dass jeder das hat, was er braucht?“

Während sie scheinbar die Botschaft kapiert hatte, dass sie ihre Offenbarungen für sich behalten sollte, leuchteten Saras Augen angesichts der Gelegenheit, ihre Beobachtungen aus erster Hand überall zu verbreiten. „Sehr gerne!“ Sie grinste Elise an und winkte zum Abschied. „Es war wirklich schön, dich kennenzulernen. Meine Heilermagie ist nicht so beeindruckend. Nicht annähernd das, wozu Vanessa heute fähig ist oder was du nach deiner Seelensuche beherrschen wirst, aber wenn du jemals etwas brauchst … Irgendetwas … Ich helfe gerne.“

Mit einem Kopfschütteln und einem letzten mitleidigen Lächeln, das Tate galt, führte Priest sie fort und hielt Katy fest an seiner Seite.

„Du bist ein Rockstar und wusstest es nicht einmal“, sagte Tate und hoffte, das Gespräch auf neutraler Ebene halten zu können.

Es funktionierte, denn Elise runzelte die Stirn und beobachtete Saras Voranschreiten beim Wechsel von einer Gruppe zur nächsten. „Sie denkt, ich werde der Primo der Heiler.“

„Jeder glaubt, dass du die Prima der Heiler wirst. Mich eingeschlossen.“

Das Stirnrunzeln veränderte sich zu etwas, was einem finsteren Blick näher kam, und ihr Fokus schien abzudriften, als hätten sich ihre Gedanken selbstständig gemacht. Als wäre die Aktivität um sie herum nur zusätzlicher Input. Der subtile sprachliche Unterschied zwischen Primo und Prima war ihr definitiv nicht aufgefallen. „Ich bin mir nicht sicher, wie ich mich dabei fühle.“ Sie sah ihn über ihre Schultern hinweg an und steckte ihre Fingerspitzen in die Vordertaschen ihrer Shorts. „Ich weiß fast nichts über unseren Clan. Und vielleicht möchte dieser Hüter nicht, dass unsere Familie den Primo-Status behält, nachdem Mom ihre Gaben abgelehnt hat.“

„Prima.“

Die Korrektur wischte die Frustration lange genug aus ihrem Gesicht, um Neugier aufkommen zu lassen. „Was?“

„Bei Frauen heißt es Prima.“ Er ließ seinen Blick an ihr entlang wandern und genoss gemächlich jede Kurve und jedes Tal auf dem Weg. Der BH, den sie trug, hob ihre erstaunlichen Titten zu einem beeindruckenden Dekolleté an. Das brachte ihn fast dazu, Alek noch einmal töten zu wollen, weil er so nah bei ihr gestanden und diesen Anblick genossen hatte. „Und du bist zu einhundert Prozent weiblich.“

Für den Bruchteil einer Sekunde reagierte sie darauf, zog ihre Schultern wie zu einem subtilen Angebot leicht zurück, allerdings bezweifelte er, dass sie es überhaupt wahrnahm. Genauso schnell wirbelte sie herum und wollte sich entfernen.

Tate packte sie beim Handgelenk, ehe sie Abstand gewinnen konnte. „Bitte nicht.“

Unter seinen Fingern raste ihr Puls. Ihr Geruch hatte einen Hauch Schärfe angenommen, die mit der Angst einherging, doch da mischte sich noch eine weitere Note hinein: ein reichhaltiger, berauschender Duft von Erregung. Schwach, aber er war da.

Sie wollte ihn.

Sie hatte auf seinen musternden Blick reagiert.

Und sie hatte den losen, aber bestimmten Griff an ihrem Handgelenk nicht abgeschüttelt.

Sie hatte einfach keine Ahnung, wie sie mit den Nachbeben umgehen sollte. Und Scheiße, wenn ihn das nicht dazu bringen würde, seinen Triumph in die Welt hinaus zu heulen und sie fortzuschaffen, egal wer es mitbekam.

Er drückte seine Finger nur so fest zu, dass er ihre Reaktion abschätzen konnte. Und um die Wahrheit seiner Worte mit einer körperlichen Berührung zu kombinieren. „Ich will dich in meiner Nähe.“

Sie zitterte und konzentrierte sich für zu viele qualvolle Sekunden auf den einzigen Kontaktpunkt ihrer Körper, dann richtete sie ihre geweiteten Augen auf ihn. „Warum jetzt? Du hast kaum ein Wort mit mir gewechselt, seit ich hergezogen bin.“

Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Die Tatsache, dass sie versehentlich zugegeben hatte, seine Nähe zu wollen, brachte ihn schneller zu dieser Reaktion, als dass er es hätte verbergen können.

Er strich mit dem Daumen über ihren Puls und trat näher. „Etwas zu wollen und dafür bereit zu sein, sind zwei verschiedene Dinge.“

„Und jetzt bist du bereit?“ Die Worte kamen ein wenig frech über ihre Lippen, wie eine köstliche Herausforderung, die mit echter Neugier gespickt war.

Und sein Tier liebte es. „Ich war an dem Tag bereit, als ich dich sah.“

Er gab der Versuchung nach, ihr Kinn nachzuzeichnen, und umfasste ihren Nacken. Ihr Haar war dick, wie ein seidiges Gewicht auf seinem Handrücken. Es brachte ihn dazu, seine Hand darin vergraben und ihr Gesicht zu einem Kuss neigen zu wollen. „Das Warten war für dich. Um dir Zeit zu geben, dich einzugewöhnen.“

Gott, diese Augen. Sie waren so groß und ausdrucksstark, voller angenehmer Überraschung und von einer Zerbrechlichkeit, die ihn dazu brachte, sie in Watte packen und die ganze verdammte Welt in Schach halten zu wollen.

Er konnte es kaum erwarten, sie mit schweren Lidern und benommen vor Lust zu sehen. Zu beobachten, was sich hinter ihnen bewegte, wenn er das erste Mal in sie eindringen würde.

„Was ist, wenn ich immer noch nicht bereit bin?“, flüsterte sie beinahe.

In ihm verstummte sein Kojote und stieß ein kurzes Schnauben aus. Es sollte eine Warnung und ein heftiger Schubs sein, um seine entgleisenden Gedanken auf Kurs zu halten. Elise war nicht der schüchterne Typ Frau. Wenn sie es wagte, eine solche Frage zu stellen, würde sie das nicht tun, um zu flirten. Sie würde diese auch nicht als unschuldige Herausforderung maskieren, wie es einige der anderen, aggressiveren Clanfrauen machen würden.

Sie würde jedes Wort ernst meinen. Und verdammt, wenn das nicht scheiße für ihn war, denn er war absolut dafür, sie so taktil wie möglich darauf vorzubereiten.

Er füllte seine Nase mit ihrem Duft und zwang sich, seine Finger von ihrem Nacken zu lösen. „Es ist immer deine Entscheidung, mihara.“

In der Sekunde, als er den Körperkontakt verlor und aus ihrem persönlichen Raum trat, setzte sich eine kalte Leere, die er noch nie zuvor verspürt hatte, in seiner Brust fest.

Seine Bestie winselte und lief auf und ab, während sie gegen denselben Drang ankämpfte, sie zu nehmen und für sich zu beanspruchen, wie er auch in ihm brannte.

Aber dies hier war eine lange Jagd. Die längste und wichtigste in seinem Leben. Sie zu drängen und zu versuchen, ihre Kapitulation zu forcieren, könnte kurzfristig schneller und höllisch befriedigend sein, aber es würde nicht die Grundlage schaffen, die er wollte. Die Basis, die sie brauchte, um sich zwischen ihnen zu behaupten. Er streckte seine Hand aus. „Willst du meine Gesellschaft?“

Von all den Kämpfen, in die er je verstrickt gewesen war, von allen verrückten, aufregenden Stunts, die er in seinem Leben abgezogen hatte, hatte keiner die rohe Enthüllung dieses Moments erzeugt. Diese magenverdrehende Angst, während Elise mit offener Unentschlossenheit auf seine Hand blickte.

Seine Lungen brannten vor Verlangen nach mehr Luft und seine Muskeln schmerzten. Das Ziehen und Stechen war nicht anders, als wenn er seine Finger absichtlich auf eine heiße Herdplatte gelegt hätte. Aber er hielt seine Hand still und ausgestreckt. Seine Atemzüge blieben ruhig und gleichmäßig.

Sie starrte auf seine Handfläche, schluckte schwer und rieb ihre Finger an ihren Hüften.

„Vertrau mir, Elise. Es ist nur eine Party. Lass mich dich allen vorstellen, damit sie dich kennenlernen können.“

Sie begegnete seinem Blick. Eine so starke Unsicherheit spiegelte sich in ihrem feenhaften Gesicht wider, dass sein ganzer Körper sich zu wappnen schien und sich auf ihren Abgang vorbereitete.

Stattdessen legte sie langsam ihre Hand in seine. Ihre Fingerspitzen zitterten, während sie über seine Handinnenfläche glitten. „Ich bin nicht so gut in Gesellschaftsdingen.“

Sein Herz schien sich wieder in Bewegung zu setzen und zum ersten Mal seit Tagen fühlte er sich ausgeglichen.

Grenznormal. Es war so, als ob ihre Akzeptanz ihn nicht nur gepackt und vom Auge des Tornados weggerissen hätte, sondern ein völlig neues Terrain zum Erkunden eröffnet hätte.

„Du musst darin nicht großartig sein.“ Er verschränkte seine Finger mit ihren. Erleichterung und Entschlossenheit jagten eine neue Adrenalinwelle durch seinen Kreislauf, während er sie näher zu sich zog und sie ins Getümmel der Party führte. „Ich bin ein Meister darin. Lehn dich einfach zurück und genieß es.“

Er begann mit einer Gruppe befreundeter Paare, die schon eine Weile zusammen und im Alter von Priest oder sogar älter waren. Als sie sich ihnen anschlossen, wurde der Griff, mit dem sie seine Hand hielt, schmerzhaft fest, und ihr Beitrag zur Unterhaltung blieb einsilbig. Doch nachdem sie sich von den Leuten verabschiedet hatten, entspannte Elise sich so weit, dass sie locker an seiner Seite schlenderte und ein kleines Lächeln auf den Lippen trug.

Die nächste Ansammlung von Menschen war einfacher. Katys Großmutter, Naomi, und einer der ältesten Krieger des Clans, Garrett, zogen sie wie eine Lieblingsenkelin in warme Umarmungen und übernahmen es, sie den anderen um sie herum vorzustellen.

Zum Vorteil für Tate hatten all die Umarmungen und das Händeschütteln Elise dazu gezwungen, seine Hand loszulassen. Die Tatsache nutzte er sofort aus und stellte sich eng neben sie, um einen Arm um ihre Taille zu legen, nachdem all die Begrüßungen vorbei waren.

Sie nahm einen tiefen Atemzug. Ein kaum wahrnehmbares Keuchen, das für jeden unentdeckt geblieben wäre, der seine geschärften Wandlersinne noch nicht erhalten hatte. Doch da die Menschen um sie herum alle ihre Seelensuche schon vor Jahren beantwortet hatten und jeder von ihnen seit weit mehr als einhundert Jahren am Leben war, bekamen es alle mit. Sie drehten vielleicht nicht die Köpfe zu ihr um und nahmen es offen zur Kenntnis, aber das kurze Lächeln und leise Kichern nach ihrer unschuldigen Reaktion weckte offensichtlich schöne Erinnerungen in ihnen.

Selbst wenn sie sich zu ihr umgedreht und gezeigt hätten, dass sie es bemerkt hatten, Elise hätte es wahrscheinlich übersehen. Sie war offensichtlich zu durcheinander, verschränkte zuerst die Arme vor ihrer Brust und steckte dann ihre Fingerspitzen in die Vordertaschen ihrer Jeansshorts.

Mit einem Lächeln, von dem er hoffte, dass sie es nicht bemerkte, neigte er sich zu ihr und murmelte: „Es ist in Ordnung, mich zu berühren, mihara.“

Sie blickte durch ihre langen Wimpern zu ihm auf und musterte dann die Leute, die sich in der Schlucht versammelt hatten, als suchte sie nach Beispielen, an denen sie sich orientieren konnte.

Tate strich mit der Hand über die üppige Kurve an ihrer Hüfte. Es war ein sanftes, liebevolles Streicheln, obwohl er sie in Wirklichkeit vor sich ziehen und an sich drücken wollte, damit sie sich an ihn lehnen konnte. „Leg deinen Arm um meine Taille. Finde heraus, wie es sich anfühlt.“

Das darauffolgende Zögern war bei Weitem nicht so lang und schmerzhaft wie zuvor das Warten darauf, dass sie endlich seine Hand nahm. Aber das Gefühl ihrer Fingerspitzen, die auf seinem Rücken zaghaft von einer Hüfte zur anderen glitten? Das war ein ganz anderes Maß an Folter. Vor allem, als sie sich traute, sich näher an ihn zu schmiegen, und als ihre freie Hand leicht auf seine Brust drückte. „So zum Beispiel?“

Ja.

Nein.

Er war hin- und hergerissen. Ein Teil von ihm bestand darauf, dass es klüger wäre, ihr Zeit zu lassen und sie erkunden zu lassen, wie sie es wollte. Während der andere Part in ihm gegen die Versuchung kämpfte, sie an sich zu ziehen und ihren Mund zu verschlingen.

Geduld.

Sein Begleiter hätte diese Möglichkeit vielleicht unterstützt, aber sogar das Selbstvertrauen seines Kojoten schwankte. Geduldig zu sein erreichte inzwischen ein Level von Schmerz und Frustration.

„Perfekt“, erwiderte er stattdessen. Und es war keine Lüge. Natürlich war es nicht so viel, wie er sich ersehnte, aber ohne die Anspannung, während er sie zuvor an sich gedrückt und beruhigt hatte, konnte er jetzt diesen Körperkontakt genießen. Ebenso konnte er die Gespräche um sie herum als bloßes Hintergrundrauschen von sich abprallen lassen und sich darauf konzentrieren, wie nachgiebig und weich ihr Körper sich an seinem anfühlte und wie perfekt er zu ihm passte. Konnte den Druck ihrer Brüste an seiner Seite spüren. Ebenso fokussierte er sich auf das Kitzeln ihrer Haare an seinem Kinn und die Wärme ihrer Haut, die er durch ihr Tanktop und die Jeans wahrnahm.

Er verlor sich darin, alles in sich aufzusaugen, sodass er kaum die übermäßig kecke und feminine Stimme auf seiner anderen Seite wahrnahm. „Hey, Tate. Willst du uns deine Freundin nicht vorstellen?“

Elise versteifte sich in seiner Umarmung, ihre Fingerspitzen pressten sich fester gegen seine Brust und ihr harter, teilnahmsloser Blick wanderte in die Richtung, aus der die Worte gekommen waren.

In weniger als einer Sekunde gerieten sowohl Mann als auch Tier in Alarmbereitschaft, und sein Gehirn verknüpfte schließlich die Stimme mit derjenigen, der sie gehörte. Tate legte seinen Arm fest um Elise und drückte beruhigend ihre Hüfte, ehe er sich mit ihr umdrehte, um den Neuankömmling anzusehen.

„Hallo, Nessa.“ Während er sie begrüßte, stellte er jedoch fest, dass nicht nur eine Person auf die Gruppe zugeschlendert war. Es war schon schlimm genug, dass er Elise jemandem vorstellen musste, mit dem er mal intim gewesen war, ehe er die Chance dazu gehabt hatte, es mit ihr gewesen zu sein. Doch anscheinend würde er es auch noch mit Nessas Tratschtrupp im Schlepptau bewältigen müssen. Um genau zu sein, waren es vier vom Trupp und alle starrten mit kalkulierenden Mienen Elise an, die sich an seine Seite schmiegte.

Er neigte seinen Kopf in Richtung der Truppe. „Ladys.“

Als Erwiderung bekam er alles von Lachen bis hin zu verschmitztem Lächeln, doch es war Nessa, die das Gespräch in Gang hielt. „Und? Wer ist deine Freundin?“

Seltsam. Früher hatte er Nessa umwerfend attraktiv gefunden. Mit ihrem kühlen blonden Haar, den hübschen blauen Augen und der gertenschlanken Figur war sie definitiv ein Augenschmaus. Allerdings hatte sich nach ein paar Dates mit ihr herausgestellt, dass hinter ihrer Schönheit keinerlei Tiefe steckte.

Er beobachtete den zurückhaltenden Gesichtsausdruck von Elise, und derselbe Stolz, der ihn jedes Mal fast erstickt hatte, als er sie an diesem Abend vorgestellt hatte, ließ seine Brust anschwellen. „Das ist Elise Ralston. Sie ist gerade aus Louisiana hergezogen.“

Er senkte seine Stimme in der Hoffnung, der Tonfall würde helfen, das in Elise zu beruhigen, was dazu geführt hatte, dass sie sich so anspannte. „Elise, das sind einige der Heiler und Seher unseres Clans. Bren, Taya, Daycie, Renda und Nessa.“

„Eigentlich heißt es Vanessa. Nur meine Freunde nennen mich Nessa.“

Die Bissigkeit in ihren zuckersüß betonten Worten schlug einem wie ein eisiger Wind bei Temperaturen unter null Grad ins Gesicht. Wenn Elise die kaum versteckte Spitze bemerkt hatte, zeigte sie es nicht. Sie löste einfach ihre Hand von Tates Brustkorb, richtete sich zu ihrer vollen Größe von ein Meter siebenundfünfzig auf und hob ihr Kinn. „Nett, dich kennenzulernen.“

Bren, eine Seherin und die freundlichste in der Truppe, neigte ihren Kopf zur Seite und lächelte neutral. „Wo in Louisiana hast du gelebt?“

Elise musterte Bren einen Moment lang, wie ein schlaues Tier, das daran gewöhnt war, gefährliche Angreifer einzuschätzen und ihnen auszuweichen. „Butte la Rose.“

„Wo ist das?“, wollte Renda wissen.

„Etwas außerhalb von Lafayette“, erwiderte Elise, und die kurz angebundene Antwort lud nicht gerade dazu ein, hinsichtlich ihrer Heimatstadt tiefer ins Detail zu gehen.

Daycie spielte mit dem Strohhalm, der aus ihrem roten Getränkebecher lugte, und schaltete sich dennoch ein. „Sara hat erzählt, dass du aus der Heiler-Primo-Familie stammst, aber ich dachte, deren Nachname wäre Rallion.“

„Rallion ist der Nachnahme ihrer Familie“, erwiderte Tate, bevor Elise es konnte. Was auch immer dazu geführt hatte, dass Elise kurz davor war, zu flüchten, gefiel weder ihm noch seinem Begleiter. Sie würden beide die unangenehme Situation, wenn nötig mit allen Mitteln, beenden. „Sie nennen sich jetzt Ralston.“

„Nun ja, nur weil sie aus der früheren Linie stammt, heißt das noch lange nicht, dass sie die Prima sein wird“, sagte Nessa. „Ich meine, ihre Mutter hat ihre Gaben nicht angenommen, also könnte der Hüter die Dinge an eine andere Familienlinie geben. Warum die Ehre in einer Familie belassen, die es nicht zu schätzen weiß? Und ist nicht dein Vater ein Singura? Du wirst wahrscheinlich noch nicht einmal eine Seelensuche bekommen, oder?“

Und da war sie. Die ätzende Attacke, die seine Gefährtin bereits hatte kommen sehen. Er hatte einen verflucht miesen Job erledigt, um sie abzublocken. Ja, er hatte Jade schimpfen und weinen gehört, als andere Mädchen versucht hatten, diesen hinterhältigen Bullshit mit ihr abzuziehen, während sie aufwuchs. Er hatte sogar mitbekommen, wie Nessa und ihre Crew schlecht über andere geredet hatten, wohl weil sie sie auf der Highschool als Konkurrentinnen betrachtet hatten, aber jetzt? Verdammt noch mal, sie waren alle Mitte bis Ende zwanzig und keine vierzehn und voller Hormone mehr.

Neben ihm wurde Elise gespenstisch still, der zuvor aufgeregte Rhythmus ihres Herzschlags verwandelte sich in den eines Kriegers vor dem Kampf. Sogar die Energie um sie herum schien sich in ein undurchdringliches Schild zu verwandeln. „Ob mir Magie gegeben wird oder nicht oder welchen Titel ich tragen werde, definiert mich nicht. Charakter allerdings schon.“

Stille.

Die Frauen um Nessa hörten eine nach der anderen auf zu lächeln und sahen zu ihrer furchtlosen Anführerin, als hätten sie ihren Steuermann vollständig verloren.

Nessa warf einen Blick auf die Ältesten neben ihr, die ihre Unterhaltung wegen des sich vor ihnen entfalteten Dramas unterbrochen hatten. Dann stieß sie ein lautes, unbeholfenes Lachen aus, das nur Menschen vorbehalten war, die sich gesellschaftlich in die Scheiße geritten hatten. „Ich glaube, was ich gesagt habe, kam falsch rüber. Ich dachte nur, du fühlst dich vielleicht etwas unter Druck gesetzt und ich wollte nur auf einige andere Möglichkeiten hinweisen. Ich meine, die Prima der Heiler zu sein, ist eine große Sache, und du weißt so gut wie gar nichts über uns.“

„So ging es Katy anfangs auch und sie ist die Gefährtin von Priest“, sagte Tate. „Ganz zu schweigen davon, dass sie eine der ersten Magierinnen seit Jahren ist. Du willst mit Möglichkeiten um dich werfen? Vielleicht hat der Hüter sich dazu entschlossen, uns Primos zu geben, die keine Stöcke im Arsch haben und mit etwas Menschlichkeit funktionieren können.“

„Ach komm schon, Tate“, erwiderte Vanessa. „Du weißt, dass ich es nicht böse gemeint habe.“ Sie kam näher auf ihn zu und hatte tatsächlich die Dreistigkeit, mit ihren Fingern vertrauensvoll über seinen Arm zu streichen. „Du kennst mich doch.“

Elise zuckte zusammen, eine schwache Bewegung, die sie erstaunlich gut vor allen anderen verbergen konnte, doch sie drückte sich an ihn. Und er spürte den Schmerz darin.

Sie versuchte, sich aus dem Schutz seines Armes herauszubewegen, doch Tate zog sie fester an sich. „Ich habe eine Frau neben mir, und du wagst es, mich vor ihr zu berühren? Sie ist neu in unserem Clan und entstammt einer angesehenen Familie, aber du hast ihr den mit Abstand kältesten Empfang von allen am heutigen Abend hier bereitet. Schlimmer noch, du versuchst, die Kränkungen, die du ausgeteilt hast, als Missverständnisse abzutun, um dein Gesicht zu wahren, anstatt sie einzugestehen. Anscheinend kenne ich dich nicht. Und nur um das klarzustellen: Jedes Recht, mich zu berühren, das du einmal hattest, ist Geschichte.“

Sein Blick glitt zu Jade, die sich an den Rand der Menge geschlängelt hatte. Sie stand da mit hüftbreit auseinandergestellten Füßen, die Arme vor ihrer Brust verschränkt und ein stolzes Grinsen auf ihrem Gesicht. Sie mochte für den Clan eine Seherin sein, doch in diesem Moment wirkte sie eher wie eine Kriegerin, die abwägte, ob sie sich einmischen und den Frauen in den Hintern treten sollte oder nicht. So wütend er auch war, ein Teil wollte abwarten und sehen, ob sie es tatsächlich tun würde.