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Sicher und gelassen durch die ersten 12 Monate
Ein bewegendes Jahr liegt vor Ihnen – vom Wochenbett mit Ihrem neugeborenen Baby bis hin zu seinen ersten Schritten. Vieles in der Babybetreuung gelingt intuitiv, doch der Familienzuwachs bringt auch Fragen: Wie kann ich mein schreiendes Baby trösten? Was tun bei Stillproblemen? Welche Schutzimpfungen sind sinnvoll?
Ursula Jahn-Zöhrens hat über 20 Jahre Hebammenerfahrung und teilt ihr Wissen in diesem aktualisierten Standardwerk. Erfahren Sie alles Wichtige zu Körpersprache und Bindung, zu häufigen Gesundheitsbeschwerden, zum Schlafrhythmus und zur optimalen Ernährung Ihres Säuglings.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 455
Veröffentlichungsjahr: 2023
Ursula Jahn-Zöhrens
4., aktualisierte Auflage 2023
111 Abbildungen
in Kürze erwarten Sie Ihr Baby oder Sie halten es schon im Arm. Dieses Buch möchte Ihnen beim Einstieg ins Familienleben helfen. Auf was müssen Sie achten, welche Entwicklungen wird Ihr Kind wann machen, und wie kann sich Ihr Baby zu einem gesunden, fröhlichen Kind entwickeln? Wir haben versucht, auf die vielfältigen Fragen Antworten zu geben. In diesem Buch finden Sie das gesammelte Hebammenwissen, das sowohl auf Forschungswissen als auch auf Erfahrungswissen aufbaut. Alle Tipps, die Sie hier finden, sind von unzähligen Hebammen an Eltern weitergegeben worden und vielfach erprobt. Dieses Buch kann und möchte die individuelle Betreuung durch eine Hebamme vor Ort nicht ersetzen, sondern ergänzen. Es bietet Ihnen die Möglichkeit, sich sowohl ausführlich über einen einzelnen Themenschwerpunkt zu informieren als auch schnell unter dem entsprechenden Stichwort eine Frage beantwortet zu bekommen.
Als Hebamme liegt es mir am Herzen, die ersten Tage und Wochen mit Ihrem Kind so geschützt wie möglich für Sie zu gestalten. Daher finden Sie Anregungen, wie Sie sich im neuen Lebensrhythmus als Familie wiederfinden und wie die Bedürfnisse aller Familienmitglieder berücksichtigt werden können. Überforderung durch Schlafmangel der Mutter und unstillbares Weinen des Neugeborenen sind die Hauptprobleme für junge Familien. Sie finden in diesem Buch hilfreiche Ansätze, damit es erst gar nicht so weit kommt.
Ich bin sehr froh, Ihnen dieses breite Hebammenwissen in diesem Buch zur Verfügung stellen zu können, und wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.
Ursula Jahn-Zöhrens Bad Wildbad, Frühjahr 2023
Ich möchte mich bei all meinen Kolleginnen bedanken, deren Detailwissen in dieses Buch eingeflossen ist. Besonders Andrea Mora, Christine Landgraf und Lisa Fehrenbach für den fachlichen Diskurs. Ganz herzlich bedanke ich mich bei den Familien, die bei den Fototerminen so wunderbar mitgemacht haben und Christoph Frick für die Gestaltung. Für das Vertrauen in meine Kompetenz als Autorin danke ich meinen Kolleginnen vom Deutschen Hebammenverband. Und das ganze Projekt wäre hoffnungslos gescheitert, wenn Dr. Sabine Klonk nicht das Lektorat übernommen hätte und Sibylle Duelli nicht immer wieder seitens des Verlags tatkräftig Entscheidungen herbeigeführt hätte.
Um ein Buch zu schreiben, braucht man viel Zeit: Diese verschaffte mir meine Praxiskollegin Astrid Fach, vielen Dank! Die Höhen und Tiefen mussten meine Freundinnen und Freunde aushalten. Und den dicksten Anteil an diesem Werk hat meine Familie, ohne deren Toleranz dieses Projekt nicht möglich gewesen wäre.
Sabine Krauss, Katja Stahl, Dr. Angelica Ensel, Marlies Funke, Regine Knobloch, Christiane Schwarz, Peggy Seehafer, Susanne Teuerle, Gertrud M. Ayerle, Oda von Rahden, Susanne Lohmann, Ute Lange, Renate Egelkraut.
Titelei
Liebe Eltern,
Danksagung
Das Buch entstand unter Mitarbeit von
Babys 1. Jahr
Für einen guten Anfang
Wir werden eine Familie
Geborgen in der Familie
Die Bedürfnisse Ihres Kindes
Die Familie, ein System in Bewegung
Die Wurzeln der neuen Familie
Die Familie im sozialen Netz
Alleinerziehende sind besonders gefordert
Patchwork-Familien
»Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr«
Wichtige Stationen der vorgeburtlichen Entwicklung
Die Sinne des Neugeborenen
Die Geburt und die ersten Tage
Die Geburt ist ein Dialog zwischen Ihnen und Ihrem Kind
Die Rolle der Hormone
Sich trennen, um sich zu finden
Bonding
Das erste Anlegen im Kreißsaal
Wie geht es Ihrem Kind? Die ersten Untersuchungen
Erstmaßnahmen nach der Geburt
Die Erstuntersuchung (U1)
Das frühe Wochenbett
Die Veränderungen der Mutter
Den Tränen nahe
Das Neugeborene und die 2. Untersuchung
Körperhaltung
Reflexe
Screening auf Mukoviszidose (Cystische Fribose)
Das Neugeborenenscreening
Neugeborenengelbsucht (Icterus neonatorum)
Wonach schaut die Hebamme bei den Hausbesuchen?
Die Bindung festigt sich
Das erste Wickeln
Die ersten sechs Monate
Das Leben mit Ihrem Baby
Grundbedürfnisse des Säuglings
Die ersten Tage bedeuten eine Umstellung
Handling – der tägliche Umgang mit Ihrem Kind
Das richtige Hochnehmen und Drehen
Das An- und Ausziehen
Das Tragen Ihres Kindes
Der Wärmehaushalt des Kindes
Körperpflege
Das Baden des Säuglings
Das Waschen des Säuglings
Verschiedene Möglichkeiten der Nabelpflege
Hygiene für Ihr Kind
Die Haut Ihres Babys
Auffällige Hauterscheinungen
Welche Pflegeprodukte brauchen Sie?
Sonnenschutz
Die ersten Zähne
Wann beginnt das Putzen der Zähne?
Soll das Kind einen Schnuller haben oder nicht?
Alles rund ums Wickeln
Wickeltisch ja oder nein?
Wie oft wechselt man die Windel?
Wickelmethoden
Einmalwindeln (Höschenwindeln)
Mehrwegwindeln
Wundsein und Windeldermatitis
Wie schläft mein Kind gut?
Die Entwicklung des Schlaf-wach-Rhythmus
Neugeborenenphase
Erste drei Lebensmonate
Schlaf des älteren Säuglings
Das Wachsein nutzen
Den Schlafplatz richtig gestalten
Co-Sleeping
Raumtemperatur beim Schlafen
Schlafprobleme
Dem plötzlichen Kindstod vorbeugen
Gutes Gedeihen – allein mit Muttermilch
Die Zusammensetzung der Milch
Die Inhaltsstoffe der Muttermilch
Vorteile des Stillens
Alkohol und Rauchen in der Stillzeit
So gelingt das Stillen
Das richtige Anlegen
Stillpositionen
So kann es auch gehen
Stillprobleme des Kindes
Stillprobleme des Kindes
Stillprobleme der Mutter
Stillhindernisse
Zurück in den Beruf
Säuglingsersatznahrung
Die Gewichtsentwicklung bei Säuglingen
Die Gewichtskontrolle
Perzentilenkurven
Wird das Kind nicht satt?
Abpumpen und Aufbewahrung der Muttermilch
Speikinder – Gedeihkinder
Ein Blick in die Windel
Das Kindspech, der erste Stuhlgang
Muttermilchstuhlgang
Kuhmilchstuhl
So unterstützen Sie die Verdauung Ihres Kindes
Verdauungsstörungen
Wie oft sollte die Windel nass sein?
So bleibt Ihr Kind gesund
Die Vorsorgeuntersuchungen
Die U3 zwischen der 4. und 6. Lebenswoche
Die U4 zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat
Die U5 zwischen dem 5. und 6. Lebensmonat
Besondere Vorsorgemaßnahmen
Vitamin-D-Prophylaxe
Kariesprophylaxe
Hörscreening
Hüftscreening
Hat Ihr Kind Fieber?
Wie schaffe ich die richtige Temperatur der Umgebung?
Körpertemperaturen über 38 °C
Temperaturen unter 36 °C
Erste Hilfe
Der gefürchtete Sturz vom Wickeltisch
Was muss ich tun bei …
Ihre Hausapotheke
So entwickelt sich Ihr Baby
Die Entwicklungen im Zusammenspiel
Die motorische Entwicklung
Grobmotorische Entwicklung
Die feinmotorische Entwicklung
Frühstarter – Spätentwickler
Die Entwicklung der Sinneswahrnehmungen
Sehen
Hören
Der Geschmackssinn
Der Geruchssinn
Der Tastsinn – alle Reize über die Haut
Die Entwicklung der Gefühlswelt
Übergang zur lebenslangen Bindung – der Tragling
Der Mensch – ein Tragling
Tragen
Tragehilfen
Das Schreien – ein Signal Ihres Kindes
Schreikinder – untröstlich schreiende Kinder
Ist Ihr Kind ein Schreikind?
Die Folgen des langen Schreiens
Was sind die Ursachen?
Wahrscheinliche Ursachen
Diskutierte, aber nicht beweisbare Ursachen
Unwahrscheinliche Ursachen
Die wichtigsten Hilfen
Die Signale Ihres Kindes verstehen
Intuitives Verhalten der Eltern
Erkennen und Reagieren schaffen Vertrauen
Beobachtung vieler kleiner Signale
Spiel und Spaß
Die ersten Spiele mit Ihrem Baby
Kinderreime
Babymassage
Die ersten Ausflüge
Babyschwimmen
Prager Eltern-Kind-Programm (PEKiP)
Kurse nach Emmi Pickler
Frühe Hilfe
Vom Säugling zum Kleinkind
Der tägliche Umgang
Sicherheit zu Hause
Hat Ihr Kind etwas Giftiges verschluckt?
Wann beginnt Erziehung?
Gute Nacht – guter Tag
Wie viel Schlaf braucht mein Kind?
Rituale und Gewohnheiten beim Einschlafen
Wann schläft mein Kind durch?
Schlaflieder
Der erste Brei
Wann kann Ihr Kind mit dem Löffel essen?
Beikost und Allergien
Die Einführung der Beikost
Praktische Tipps zur Einführung der Beikost
Abstillen
Wann wird was gefüttert?
Gemüse
Obst
Getreide
Süße Backwaren
Tierische Produkte
Käse
Fette und Öle
Zucker und Salz
Getränke
Eine wichtige Frage: selbst kochen oder lieber kaufen?
Sie können Ihr Kind über 8–9 Monate auch nur stillen
Gesund und munter
Die Vorsorgeuntersuchung im 2. Lebenshalbjahr
Die sechste Vorsorgeuntersuchung zwischen dem 10. und 12. Monat (U6)
Allergieprophylaxe
Faktoren, die die Entstehung einer Allergie begünstigen
Welche vorbeugenden Maßnahmen kann man ergreifen?
Die Entwicklung geht schnell
Die ersten Schritte
Möglichst viel barfuß!
Noch mal: Frühstarter – Spätentwickler
Die feinmotorische Entwicklung
Die Entwicklung der Sprache
Die Verständigung wird leichter
Gestik und Mimik
»Immer diese Quengelei«
Fremdeln
Willensbildung
Spiel und Spaß
»Komm, spiel mit mir«
Babyturnen
Steckspiele
Die Wohnung als Spielplatz
Reisen mit Kindern
Was muss man bei der Planung bedenken?
Auto, Zug oder Flugzeug?
Kleinkind-Ausstattung
Was braucht das Kind jetzt?
Service
Literatur
Sachverzeichnis
Impressum/Access Code
Im ersten Lebensjahr entwickelt sich Ihr Baby so schnell wie nie wieder in seinem Leben. Aus einem hilflosen Neugeborenen wird ein Kleinkind, dass tapsig seine ersten Schritte macht und mit Ihnen am Tisch isst. Jeden Tag werden Sie sich staunend an der Entwicklung Ihres Kindes erfreuen.
Reflexe
Ihr Neugeborenes kommt mit einer Reihe von angeborenen Reflexen auf die Welt, die in den ersten Wochen einen deutlichen Einfluss auf seine Bewegungen haben.
Überlebenssicherung
Zu den reflexgesteuerten Handlungen, die das Überleben sichern, gehören natürlich die Atmung und alles rund um die Nahrungsaufnahme: das Suchen bzw. Finden der Brust, das Saugen und das Schlucken. Liegt Ihr Kind in Bauchlage auf Ihrem Bauch, findet es dank seines guten Geruchssinns Ihre Brust und kann sich eigenständig bewegen, um sich zur Warze hin zu schieben. Neugeborene können ihren Kopf der Brust zuwenden, die Haltung so einnehmen, dass sie gut Luft bekommen, und haben einen ausgeprägten Saugreflex.
Wenn Ihr Baby erschrickt, wird der sogenannte Mororeflex ausgelöst. Legen Sie aus Versehen Ihr Neugeborenes etwas schnell in Rückenlage auf die Unterlage ab, lösen Sie vielleicht diesen Reflex aus: Ihr Kind macht den Mund auf, zieht die Arme ruckartig nach oben und spreizt die Finger ab. Dann »sammelt« es alles wieder ein: Der Mund geht zu, die Arme werden zurück zum Körper geführt und die Fingerchen schließen sich. Dieser Reflex ist überlebenswichtig für Ihr Neugeborenes, denn er ermöglicht z. B. den ersten Atemzug.
Schutzreflexe
Als Schutzreflexe bezeichnet man Niesen, Blinzeln, Aufstoßen sowie das Husten bei Verschlucken. Wären diese Reflexe nicht von Anfang an ausgeprägt, wäre Ihr Kind von Geburt an sehr gefährdet. In Rücken- und Bauchlage legt Ihr Baby den Kopf immer auf die Seite, damit die Nase frei ist zum Atmen.
Stabilisierung
Die dritte Gruppe der Reflexe hat mit der Stabilisierung des Körpers zu tun und zeigt Ansätze von späteren Bewegungsmustern. Für Sie als Eltern ist natürlich der Greifreflex unübersehbar. Würden Sie nach der Geburt Ihrem Baby einen Stab mit geeignetem Durchmesser in die Händchen geben, könnten Sie Ihr Baby fast etwas von der Unterlage hochziehen, ohne dass es den Greifreflex lösen würde. Und immer wieder sind Eltern begeistert, wenn im Rahmen der U2 ihre Kinder über die Wickelunterlage »schreiten«. Diese Reflexe sind zum einen wichtig für das Gleichgewicht und die Stabilität der Körperhaltung, zum anderen auch zur Ausbildung der Motorik. Sie fördern den Wandel zu Einzelbewegungen z. B. der Hände und Finger.
Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen gibt die Reflexprüfung wichtige Hinweise auf die gesunde Entwicklung Ihres Kindes. Die Reflexe geben Aufschluss über die Ausbildung des Gehirns und des Zentralnervensystems. Viele Reflexe müssen erst verschwinden, damit Ihr Kind gezielte Bewegungen ausführen kann. So muss zum Beispiel der Greifreflex, mit dem Ihr Neugeborenes einen Gegenstand umklammert, verschwunden sein, damit Ihr Kind Gegenstände loslassen und aktiv greifen kann.
(© Evgenia/stock.adobe.com)
1. Monat
Bewegung & Sinne – Ich muss mich langsam entfalten
Noch bevorzugt Ihr Baby die Körperhaltung, die es auch im Bauch hatte, die sogenannte Embryonalhaltung. Die Beinchen sind angehockt, die Arme liegen locker rechts und links vom Körper. Liegt Ihr Kind auf dem Rücken, sinkt der Kopf sachte nach rechts oder links und gibt diese Bewegung im Ansatz an die Wirbelsäule weiter. Unterstützen Sie hier die Unterschenkel mit einer kleinen Handtuchrolle, damit die angewinkelte Position der Beinchen auch in Rückenlage gewährleistet bleibt, nur dann fühlt sich Ihr Baby entspannt. Liegt es auf dem Bauch, sieht es einem kleinen Frosch ähnlich. Der Kopf schaut nach rechts oder links. Liegt Ihr Baby bei Ihnen auf der Brust, kann es vielleicht schon den Kopf kurz abstützen und dann zur anderen Seite ablegen.
Ihr Kind hört und riecht sehr gut. Es sieht alles mit einem Abstand von 20–25 cm scharf. Kinder können zu diesem Zeitpunkt noch keine Farben erkennen, sondern nehmen Muster und Formen als Schwarz-Weiß-Grautöne wahr. Jede Lichtänderung und jede Berührung wird von Ihrem Kind sehr intensiv registriert.
Ernährung. Ihr Kind will bis zu zwölfmal am Tag gestillt werden.
Gewicht. Bis zum 5. Lebenstag wird Ihr Kind Gewicht verlieren, maximal 7 Prozent seines Geburtsgewichtes. Spätestens dann geht es wieder aufwärts. Am 14. Tag sollte es aber wieder das Geburtsgewicht erreicht haben und dann wöchentlich 150–220 g zunehmen.
Vorsorge. U1 im Kreißsaal, U2 am 3.–10. Lebenstag, Neugeborenenscreening ca. 48.–72. Lebensstunde, Hörtest am 2. Lebenstag, Beobachten der Neugeborenengelbsucht.
Kommunikation & Sozialverhalten – Wo bin ich gelandet?
In den ersten Stunden nach der Geburt hat Ihr Baby Sie intensiv angeschaut, quasi studiert, damit es Sie nie mehr vergisst. Die weiteren Tage muss es mehr schlafen, macht die Augen selten auf und ist voll mit der Umstellungsleistung beschäftigt. Seine Blicke sind unspezifisch. Immer, wenn es sich unwohlfühlt und ihm das Gewohnte, nämlich Ihre Stimme und Ihr Geruch sowie Ihr Schaukeln, fehlt, meldet es sich. Hinzu kommen die neuen Erfahrungen von Hunger und Verdauungsvorgängen. Alles ist beunruhigend neu, manches macht auch Beschwerden. Nur Mutter oder Vater können da Abhilfe schaffen.
Die unbewusste Mimik, das erste unwillkürliche Lächeln, fasziniert Sie als Eltern. Stundenlang können Sie Ihrem Kind zuschauen. Damit wird das Band zwischen Mutter, Vater und Kind immer fester. Ihre Reaktion auf die ersten Laute, die Ihr Baby von sich gibt, sind erste Formen der Kommunikation. Das Weinen immer richtig zu verstehen dauert eine Weile, aber ein Lächeln ist vom ersten Lebensmoment an ein klares Zeichen seines Wohlbefinden.
Mein Tipp
Versuchen Sie in den ersten Wochen mit Ihrem Baby jeden Tag und jede Stunde so zu nehmen, wie sie sind. Schlafen Sie, wenn Ihr Baby schläft, sorgen Sie dafür, dass Sie genug essen und trinken. Genießen Sie jeden Tag Zeit an der frischen Luft. Alles andere kann warten oder soll von anderen erledigt werden: Haushalt, Wäsche, Verabredungen. Wir sprechen vom Wochenbett, das etwa 40 Tage dauert.
Tag-Nacht-Rhythmus
Jeder Mensch hat seinen Schlafrhythmus, der nur schwer beeinflussbar ist. Ob Sie zu den Frühaufstehern oder Nachteulen gehören, zählt zu den Eigenschaften, die nicht erworben werden, sondern schon mit der Geburt weitestgehend feststehen.
Tagesablauf
Und so ist es auch bei Ihrem Kind. Manche Kinder schlafen im 1. Lebensjahr 2–3 Mal am Tag für 2–3 Stunden, andere nur 15–30 Minuten. »Durchschlafen« dürfen Sie vor dem 6. Monat nicht erwarten. Und was heißt »durchschlafen« überhaupt? Von 19 Uhr abends bis morgens um 7 Uhr oder so, wie Ihre eigene Schlafzeit ist, z. B. von 23–6.30 Uhr? Wichtig ist, dass Sie als Eltern sich morgens ausgeruht fühlen.
Die ersten Wochen sind vorbei und Sie haben bei Ihrem Baby schon eine Art Rhythmus entdeckt. Selten möchte Ihr Baby nach der Uhr alle 3–4 Stunden gestillt werden. Sehr viel häufiger haben Kinder einen eigenen Rhythmus. Vielleicht will Ihr Kind 2–3 alle 1–2 Stunden gestillt werden, dann schläft es ca. 3 Stunden, um dann wieder in kurzen Abständen öfters zu trinken. Nehmen Sie diesen Rhythmus so an. Wecken Sie Ihr Baby nicht unnötig und lassen Sie es aber auch nicht lange warten. Sinnvoll ist es, Ihrem Kind von Anfang an Tag und Nacht zu vermitteln. Dazu gehört, dass Sie tagsüber keine Rollos schließen und nachts auf Licht weitestgehend verzichten. Morgens zeigen Sie mit Wickeln, Waschen und Anziehen Ihrem Kind »Jetzt beginnt der Tag« und abends geben Sie ihm mit Schlafsack und Schlaflied zu verstehen »Jetzt beginnt die Nacht«. Stillen Sie Ihr Kind vor dem Hinlegen im Schlafzimmer bei wenig oder keinem Licht.
Rituale
Rituale im Tagesablauf erleichtern es Ihrem Kind sehr, selbst diesen Rhythmus zu erkennen. Immer wiederkehrende Abläufe vermitteln Sicherheit. Wickeln Sie nachts Ihr Baby nur, wenn Sie eindeutig spüren, dass es Stuhlgang gehabt hat, oder die Haut am Popo gereizt ist. Ihr Kind schläft am besten ganz in Ihrer Nähe. Vermeiden Sie in unruhigen Nächten Spaziergänge durch die ganze Wohnung bei voller Beleuchtung. Beruhigen Sie es mit einem Schlaflied und wiegen Sie es in Ihren Armen. Je selbstverständlicher es für Sie ist, den Tag mit Ihrem Kind am Körper oder in unmittelbarer Nähe zu verbringen, desto weniger sind Sie von Ihrem Kind gestresst. Ihr Kind kann nachts gut schlafen, wenn die Wachphasen am Tag schön waren, wenn es sich geborgen fühlt und natürlich auch satt ist.
(© nataliaderiabina/stock.adobe.com – Stock photo. Posed by a model)
2. Monat
Bewegung & Sinne – Ich probiere meine Beweglichkeit aus
Ihr Kind hat nun schon mehr an Körperkraft. Seine Ärmchen und Beinchen strampeln kräftig beim Wickeln und es legt sich schon aus eigener Kraft ein wenig zur Seite. Die Embryonalhaltung ist nicht mehr so stark ausgeprägt: Arme und Beine strecken sich. Ihr Kind gewinnt zunehmend an Kopfkontrolle und viele Kinder können am Ende des 2. Lebensmonats allein in aufrechter Haltung ihren Kopf halten. Liegt Ihr Kind in Rückenlage und fassen Sie es an den Ärmchen, um es zum Sitzen hochzuziehen, wird es seinen Kopf schon fast ganz mitnehmen können. In Bauchlage heben Babys ihren Kopf über der Unterlage, aber die Kraft der Ärmchen erlaubt dies noch nicht über einen zu langen Zeitraum. Das Gesichtsfeld wird dadurch erweitert. Ihr Kind sieht jetzt schon deutlich besser. Bis zum Abstand von 30–40 cm kann es Mobiles beobachten, kann Sie fixieren und Ihren Bewegungen folgen. Manche Kinder schielen, besonders nach dem Stillen, bevor sie wohlig einschlafen. Auch Farben werden bereits erkannt. Die Fäustchen sind locker geschlossen. Ihr Kind steckt mit Begeisterung die ganze Faust in den Mund, manche Babys haben schon Daumen zum Lutschen gefunden. Kinder in diesem Alter erkennen die Stimme der Mutter und wenden den Kopf Geräuschen zu.
Ernährung. Ihr Kind möchte zwischen acht- und zwölfmal am Tag trinken.
Gewicht. Ihr Baby hat gegenüber seinem Geburtsgewicht bis zu 400 g zugenommen.
Vorsorge. Die U3 wird vom Kinderarzt durchgeführt. Jetzt erfolgt das Hüftscreening.
Kommunikation & Sozialverhalten – Das erste Lachen
Darauf haben Sie sicher schon gewartet: das erste bewusste Lächeln! Im Laufe des 2. Lebensmonats lächeln viele Kinder das erste Mal bewusst ihre Eltern an. Je deutlicher Sie liebevoll mit Ihrem Baby sprechen, es anlächeln, desto schneller erhalten Sie das ersehnte Feedback. Ihr Baby bildet Laute, zunächst meist Vokale wie »a, ä, o, u«. Antworten Sie Ihrem Baby, indem Sie es nachahmen. Ihr Kind weiß jetzt anhand der Gesichter, wer Mutter und Vater sind. Seine Stimme wird lauter und es schläft nicht mehr unbedingt zwischen zwei Mahlzeiten, sondern liegt wach, spielt mit seinen Händen und bewundert kurzzeitig ein Mobile. Manche Kinder möchten jetzt viel im Arm gehalten werden. Nutzen Sie eine Tragehilfe.
Zusammen mit der besseren Kopfkontrolle lernt Ihr Kind langsam, den Blick konkret für kurze Zeit auf etwas Bestimmtes oder jemanden zu fixieren. Dies ist eine große Herausforderung an das kleine, noch unfertige Gehirn. In dem Moment, in dem Ihr Baby den Blick abwendet, ist seine Fähigkeit für dieses Mal ausgeschöpft. »Bespielen« Sie es nicht weiter, sondern gönnen Sie Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn eine Ruhepause. Kinder quittieren eine Überforderung häufig mit Weinen.
Mein Tipp
Langsam wünschen Sie sich wieder einen Tagesrhythmus, bei dem Ihre eigenen Bedürfnisse Platz finden. Versuchen Sie Ihrem Tag eine Struktur zu geben, sodass Sie Zeit für sich zum Duschen oder Essen bekommen. Genießen Sie die Zeit mit Ihrem Kind. Massieren Sie es, singen Sie ihm etwas vor oder bewundern Sie sich gegenseitig.
Untröstliches Weinen
Wickeln, Stillen und der tägliche Umgang mit Ihrem Baby machen Ihnen nun keine Schwierigkeiten mehr. Aber immer wieder hat Ihr Baby Phasen, wo es über einen längeren Zeitraum untröstlich weint. Der Volksmund nennt dies »Dreimonatskoliken«, tatsächlich handelt es sich aber um Anpassungsschwierigkeiten.
Die Bezeichnung »Dreimonatskoliken« greift zu kurz, denn Darmprobleme sind nicht die alleinige Ursache dieses untröstlichen Weinens. Für Ihr Baby ist alles neu: Hunger, Darmbewegungen und Stuhlgang machen, aber auch Berührungen, Licht oder Geräusche. Alles, was Ihrem Kind geschieht, muss es mit einem unreifen Gehirn, einem unfertigen Zentralnervensystem und einem unreifen Verdauungssystem, dem die natürliche Darmflora noch fehlt, verarbeiten. Manche Kinder haben auch Probleme mit dem Stuhlgang. Sie müssen den Einsatz der Bauchmuskeln zur Darmentleerung erst lernen. Möglicherweise leidet Ihr Baby auch unter Kopfschmerzen. Viele Reize wirken auf das Nervensystem und das Gehirn. Da kann es zu Spannungen kommen, die Neugeborene und Säuglinge nur mit Weinen verarbeiten können. Babys haben unterschiedliche Toleranzgrenzen. Manche ruhen so in sich, dass sie nichts aus der Ruhe bringen kann, andere reagieren auf den Besuch von Freunden mit stundenlangem Weinen.
Trösten
Helfen Sie Ihrem Kind mit promptem Trösten, lassen Sie es nicht warten. Tragen Sie es im Tragtuch, denn die Nähe und Wärme wirken sehr beruhigend. Häufiges Stillen kann ebenfalls beruhigend wirken. Führen Sie immer wiederkehrende Beruhigungsrituale ein und geben Sie dem Tag eine Struktur.
Hilfen organisieren
Wenn Sie sich vorstellen, welche enorme Entwicklung in kurzer Zeit in und mit Ihrem Kind stattfindet, haben Sie sicher auch Verständnis für die Schreiattacken. Und wenn Sie Verständnis haben, finden Sie auch Mittel und Wege, Ihr Baby zu trösten. Sind Sie allerdings ratlos und nervös und reagieren auf dieses Weinen mit Unmut oder lassen Ihr Kind allein liegen, vermitteln Sie ihm: Da stimmt was nicht, ich kann dein Schreien nicht aushalten. Diese Unsicherheit und Ungeduld spürt Ihr Kind und es fühlt sich zu allem anderen Übel auch noch verlassen. Besonders bei Kindern, die viel weinen, ist es gut, wenn Sie sich Hilfe durch Ihren Partner, die Großeltern oder Freunde organisieren. An Babygeschrei gewöhnt man sich nie.
3. Monat
Bewegung & Sinne – Ich will meinen Kopf allein halten
Im Verlauf des dritten Lebensmonats kann Ihr Kind seinen Kopf in aufrechter Haltung schon ziemlich gut halten, allerdings nicht bei Bewegungen. Wenn Sie Ihr Kind tragen und laufen oder hüpfen, achten Sie auf seinen Kopf. In Bauchlage hält es den Kopf und dreht ihn zur Seite. Das liebste Spiel Ihres Babys ist nun: »Ich stecke meine Faust oder Finger in den Mund.« Bekommt es einen Gegenstand zu fassen, packt es zu, kann aber noch nicht bewusst loslassen. Ihr Baby versucht auch, diesen zum Mund zu führen, was aber nicht immer funktioniert. Liegt Ihr Baby entspannt auf dem Rücken, hat es die Händchen meistens geöffnet und Ärmchen und Beinchen sind weniger gebeugt. Sie sehen, dass die Embryonalhaltung sich zunehmend auflöst und die Knie sich strecken. Immer wieder versucht es, sich nach rechts und links zu drehen. Die Lust an der Bewegung nimmt immer mehr zu, strampeln und mit den Armen wedeln ist eine tolle Erfahrung. Die Bewegungen sehen koordinierter aus. Es bewegt sich nicht mehr der ganze Rumpf, sondern die Arme und Beine strampeln unabhängig vom Rumpf. Ziehen Sie Ihr Baby aus Rückenlage hoch, wird es versuchen, mit seinen Bauchmuskeln mitzuhelfen.
Sehen kann Ihr Kind jetzt immer besser. Es fixiert Gegenstände, die nicht weiter als 30–40 cm entfernt sind, und kann diese dann innerhalb seines Gesichtsfeldes verfolgen. Ebenso wird es sich Geräuschen zuwenden: Sprechen Sie es von der Seite an, wendet es Ihnen seinen Kopf zu. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind keine Lieblingsseite entwickelt. Sprechen und spielen Sie von wechselnden Seiten mit ihm. So helfen Sie Ihrem Kind, sich beidseitig zu orientieren.
Ernährung. Ihr Baby trinkt 6–8 Stillmahlzeiten pro Tag.
Gewicht. Ihr Baby wiegt nun 1000–2600 g mehr als bei seiner Geburt und ist etwa 5 cm größer.
Kommunikation & Sozialverhalten: – Mama, hörst du mich?
Sieht Ihr Baby Sie, lacht es laut auf und freut sich. Es kann seine Eltern von anderen Menschen unterscheiden, wird aber noch nicht fremdeln. Das Baby entdeckt seine Stimme. Ganz bewusst probiert es Laute aus und bläst Luft durch die Lippen. Sie können Buchstaben wie »f«, »w« oder »s« heraushören. Sein Weinen wird differenzierter und Sie verstehen jetzt seine Sprache schon viel besser. Auch lässt Ihr Kind sich schneller durch Sprache und Berührung beruhigen. Das Weinen wird nicht seltener, aber kürzer. Die Belohnung für Eltern ist ein Lächeln, das allen Ärger vergessen lässt. Beim An- und Ausziehen gewinnen Sie den Eindruck, Ihr Kind will helfen. Manchmal ist es auch mit Ihrer Handlung gar nicht einverstanden. Sie werden nachts bald längere Schlafphasen haben. Kommt Ihr Baby tagsüber immer noch alle 2–3 Stunden zum Trinken, gönnt es Ihnen nachts auch mal eine Pause von 4–5 Stunden.
Mein Tipp
Lassen Sie Ihr Kind nie allein auf dem Wickeltisch! Die motorische Entwicklung geht jetzt sehr schnell. Sie können nicht einschätzen, wann sich Ihr Kind blitzschnell drehen kann. Sie können Ihr Kind auf dem Boden oder auf dem großen Bett wickeln, besonders wenn Sie noch ein größeres Geschwisterkind haben, das unvorhergesehen Ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Wir haben dich lieb
In den ersten Lebensstunden verlieben Sie sich in Ihr Baby – und umgekehrt. So sollte es sein. Diese Liebe ist die Grundlage für ein glückliches Leben. Die Liebe zwischen Eltern und Kindern überdauert Stürme und gewährt die Fürsorge, die Kinder brauchen, um sich gut zu entwickeln.
Mit der Geburt wird die tägliche Versorgung des Kindes zur ständigen Aufgabe. Dazu gehören natürlich die Ernährung, am besten das Stillen, und die Pflege des Kindes. Aber Kinder können noch so gut gefüttert und gewaschen werden und sich trotzdem schlecht entwickeln, wenn ihnen die zärtliche Zuwendung durch Mutter und Vater fehlt.
Du bist uns wichtig
Liebevolle Ansprache, Blickkontakt und Kuschelstunden sind für die gesunde Entwicklung Ihres Kindes genauso unerlässlich wie Essen und Wickeln. Leitgedanke ist hierbei das vorausschauende Handeln zugunsten des Babys. Es kann seine Bedürfnisse nicht in Worte fassen, sondern ihnen nur durch Weinen oder zufriedenes Glucksen Ausdruck verleihen. Wenn es dabei die Erfahrung macht: Mama und Papa nehmen mich auf, trösten mich und zeigen mir ihre Anteilnahme, wird es mit der Zeit als zuverlässige Erfahrung lernen: Ich bin wichtig, meine Bedürfnisse werden wahrgenommen. Zugewandtes Verhalten der Eltern bedeutet für Ihr Kind: Wir lieben dich so, wie du bist, du bist für uns einmalig. Hierdurch ermöglichen Sie Ihrem Kind, sein Urvertrauen in die Welt aufzubauen. Dagegen machen Eltern, denen es schwerfällt, adäquat auf die Äußerungen ihres Babys zu reagieren, dieses unsicher. Stimmt es, was ich fühle? Habe ich ein Recht, zu weinen? Ich fühle mich allein. Diese Kinder können schlecht Vertrauen in ihr eigenes Empfinden und zu ihrer Umwelt fassen.
Hören Sie auf Ihre innere Stimme
Feinfühlig werden Sie auf Ihr Kind zugehen, es liebevoll in den Arm nehmen, es sanft anfassen, mit lieben Worten oder einem Lied beruhigen und ihm bei neuen Erfahrungen vertrauensvoll zur Seite stehen. Meistens tun dies Eltern instinktiv. Manchmal fühlen Sie sich verunsichert, wenn Ihre innere Stimme Ihnen etwas rät, was von außen nicht gutgeheißen wird. Möglicherweise hören Sie den Ratschlag: »Nimm dein Kind nicht gleich hoch, wenn es weint, du verwöhnst es nur!« Im Herzen aber möchten Sie genau das tun, dann machen Sie es auch! So entwickeln sich eine feste Bindung und Vertrauen zwischen Ihrem Baby und Ihnen selbst. Kinder, die im ersten Lebensjahr gute Bindungen aufbauen konnten, gehen auch später vertrauensvoll und selbstbewusst auf neue Situationen zu.
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4. Monat
Bewegung & Sinne – Was liegt da neben mir?
Im Laufe dieses Monats wird Ihr Baby sich gezielt zur Seite drehen können, in Rückenlage bleibt der Kopf meistens in der Mitte liegen und sinkt nicht mehr nach rechts oder links. Ein weiterer großer Schritt ist es, die Händchen in der Mitte vor dem Gesicht zusammenzunehmen und zu begutachten. Wenn Ihr Kind jetzt Spielzeug sieht, gerät es mit dem ganzen Körper in Bewegung, um dieses in die Hand zu bekommen. Anschließend wird es gezielt zum Mund geführt und kann auch bewusst losgelassen werden. Immer wieder strecken sich Arme und Beine komplett durch. In Bauchlage werden Kopf und Oberkörper immer mehr hochgereckt. Manche Kinder entwickeln zu diesem Zeitpunkt auch eine Haltung wie ein Pinguin, die Arme werden nach hinten gestreckt. Dies verliert sich in den nächsten Wochen. Wenn Sie Ihr Kind aus Rückenlage hochziehen, nimmt es den Kopf sehr kontrolliert mit.
Jetzt entwickelt sich auch das Farbensehen, die meisten Kinder bevorzugen zunächst die Farbe Rot. Sie können Tätigkeiten der Eltern bereits erkennen und einschätzen. Wenn ihr Baby Hunger hat und Sie knöpfen sich die Bluse auf, wird es ungeduldig darauf warten, bis es die Brust erreicht. Anlegen kann sich Ihr Kind schon seit Längerem völlig selbstständig. Beobachten Sie auch die Hörfähigkeit: Wenn Sie Ihr Kind von hinten oder von der Seite ansprechen, sollte es sich Ihnen zuwenden.
Ernährung. Langsam reduzieren sich die Mahlzeiten auf sechs am Tag.
Gewicht. Ihr Kind hat schon wieder gut zugenommen. Die Spanne liegt zwischen 1700 und 3500 g seit der Geburt.
Vorsorge. Zwischen dem 3. und 4. Monat ist es Zeit für die U4. Ihr Kinderarzt wird vielleicht hier Ihr Kind impfen wollen. Informieren Sie sich rechtzeitig.
Kommunikation & Sozialverhalten – Spielst Du mit mir?
Ihr Baby ist jetzt schon sehr kommunikativ. Sie können richtig mit ihm spielen. Richten Sie sich einen Spielplatz am Boden ein. Halten Sie ihm ein Spielzeug hin, wird es freudig danach greifen. Es lacht sie laut an und zeigt Ihnen eindeutig, wie es diese Spielzeit mit Ihnen genießt. Allerdings kann es seine Aufmerksamkeit nicht sehr lange aufrechterhalten. Löst es den Blick zu Ihnen, dreht es den Kopf weg, dann ist das ein klares Zeichen für: »Mir reicht es erst mal.« Wenn Sie dann weiter die Aufmerksamkeit suchen, wird ihr Baby mit Quengeln reagieren. Die Lautbildung wird immer vielfältiger. Erst imitiert das Baby die Mama, später dreht sich das Bild. Tut sich hier nichts, sollten Sie dringend das Gehör untersuchen lassen. Kinder können nur sprechen lernen, wenn sie Sprache hören können. Und Ihr Baby kennt sie jetzt eindeutig. Beugen Sie sich über es, wird es sie anstrahlen, was es bei der Nachbarin nur sehr verhalten tun wird. Die Schlafzeiten haben sich bis auf 12–15 Stunden am Tag reduziert.
Mein Tipp
Kinder müssen zum Sprechenlernen von Anfang Laute bilden können. Wenn sie aber immer einen Schnuller im Mund haben, geht das schlechter. Vermeiden Sie dies und lassen Sie dem Baby nur den Schnuller, wenn es diesen ausdrücklich verlangt, z. B. zum Einschlafen.
Dass mir auch nichts passiert
Langsam beginnt die Zeit, in der die Kinder sich zunehmend für ihre Umgebung interessieren und diese mit allen Mitteln erforschen möchten: »Was ich sehe, möchte ich auch anfassen und in den Mund stecken.« Manchmal hat man den Eindruck, dass der Kopf mehr will, als der Körper leisten kann.
Vorausschauend müssen Eltern darauf achten, dass sich ihre Kinder nirgends verletzen können, dass keine Dinge in ihre Reichweite geraten, die gefährlich sind wie heißes Wasser oder spitze Gegenstände oder dass sie bei ihren Drehungen von Sofa, Bett oder Wickeltisch runterfallen können.
Sicher zu Hause und unterwegs
Begutachten Sie jetzt Ihre Wohnung, wo Sie am besten Ihr Baby spielen lassen können und welche Schubladen und Schranktüren bald gesichert werden müssen. Und wenn Sie mit ihm in der Küche sind, darf es nicht den Topf mit heißem Wasser erreichen können oder das Brotmesser zum Lieblingsspielzeug erklären. Bedenken Sie: Kinder, die schnell in ihrer grobmotorischen Entwicklung sind, können sich jetzt schon vom Fleck bewegen. Je nach Wohnsituation kann ein Laufstall hier gute Dienste leisten – nicht zum Einsperren, sondern damit ihr Kind ungestört seinen Radius erweitern kann. Eine spannende Geschichte wird auch bald der Kinderwagen. In der Babytragetasche wird das Kind nun nicht mehr liegen wollen, da ist der Blick zu eingeengt: Also werden Sie in den nächsten Wochen den Sportwagen zum Einsatz bringen. Und wenn Ihr Kind sportliche Ambitionen hat, schaukelt es kräftig darin und kann auch rausfallen. Oft bleibt es bei einer Beule, aber besser ist es, es gar nicht dazu kommen zu lassen. Für einen kurzen Zeitraum kann es nötig sein, Ihr Kind extra zu sichern.
Gute Luft
Ganz wichtig für die Gesundheit Ihres Kindes ist eine absolut rauchfreie Umgebung. Weder in der Wohnung noch im Auto darf geraucht werden. Und meiden Sie jede Veranstaltung und Räume, in denen geraucht wird. Schon in der Schwangerschaft sollten Sie diese Prinzipien durchsetzen und auch Ihren Verwandten und Freunden entsprechend erklären. Die Ausatemluft von Rauchern enthält immer Giftstoffe, d. h., die Ausatemluft eines Rauchers darf nie die Einatemluft eines Babys sein. Auch eine frisch renovierte Wohnung birgt Belastungen für Ihr Kind. Je nach Farbe, Tapete, Möbellack und Ausdünstungen aus Matratzen oder neuen Kissen werden Stoffe frei, die für das Kind schädlich sind. Wenn Sie unbedingt kurz vor der Geburt oder in den ersten Monaten danach renovieren müssen, achten Sie auf Umweltsiegel und lassen Sie sich entsprechend beraten. Frische Luft ist ein tägliches »Muss«! Auch bei Schnupfen oder leichten Erkältungen kann Ihr Baby vor die Tür.
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5. Monat
Bewegung & Sinne – Ich spiele mit Händen und Füßen
Liegt Ihr Kind auf dem Rücken, kann es die Händchen sowohl in der Mitte zusammennehmen oder aber auch schon geschickt mal die eine oder die andere benutzen. Beine und Armen kann es senkrecht in die Luft strecken und die Hände berühren Ober- und Unterschenkel. In Bauchlage drückt es jetzt den Ellenbogen durch und gewinnt damit einen immer besseren Rundumblick. Manchmal fällt es aus Versehen aus Bauchlage in Rückenlage um. Eine weitere Errungenschaft ist die Fähigkeit, Gegenstände von einer Hand in die andere nehmen zu können, also umzugreifen. Die meisten Kinder greifen jetzt mit dem Daumen gegen die Finger (palmarer Griff). Immer noch wird alles mit dem Mund getestet. Die individuelle Entwicklung der Bewegungsabläufe wird jetzt deutlich. Schnelle Entwickler versuchen schon, sich um die Achse zu drehen, strampeln kräftig mit Armen und Beinen und man spürt, wie sie vorwärtskommen wollen. Andere sind vor allem mit Beobachten beschäftigt. Man hört förmlich, wie die Gedanken kreisen. Dem Blick dieser Kinder entgeht nichts. Respektieren Sie immer jeweils die Persönlichkeit Ihres Kindes.
Sehen und hören kann Ihr Kind jetzt wie ein Erwachsener, allerdings funktioniert die Verarbeitung der Sinneseindrücke noch lange nicht vollständig. Dazu muss die Gehirnentwicklung weiter fortschreiten und Ihr Kind muss viele Erfahrungen machen.
Ernährung. Jetzt können Sie sich mit dem Gedanken beschäftigen, ab wann Sie Ihrem Baby außer Milch etwas anderes zu essen geben möchten. Sie haben aber immer noch viel Zeit, dies dann auch in die Tat umzusetzen.
Gewicht. Mittlerweile wiegt Ihr Baby 2250–4400 g mehr als bei der Geburt. Mit einem halben Jahr hat es sein Gewicht in der Regel verdoppelt.
Kommunikation & Sozialverhalten – Wie sieht die Welt denn aus?
Ihr Kind kann jetzt immer besser die Bewegungen der Hände zum Mund koordinieren. Dazu kommt das wachsende Interesse an der Umwelt. Gerne sitzen oder stehen die Babys auf dem Schoß der Eltern. Die Diskrepanz zwischen mentaler und körperlicher Entwicklung führt nicht selten zu Wutausbrüchen und lässt Kinder, die schon nachts ganz gut durchgeschlafen haben, plötzlich wieder aufwachen. Diese Schlafunterbrechungen legen sich meistens wieder, wenn Körper und Geist sich einander angenähert haben, sprich, wenn Ihr Kind rollen oder robben kann. Das kann 6–8 Wochen dauern. Sensible Kinder zeigen jetzt die ersten Zeichen von Fremdeln, d. h., dass sie nicht nur die Mutter und den Vater von anderen Personen unterscheiden können, sondern dies auch durch Ablehnung dieser fremden Personen zum Ausdruck bringen. Die Kommunikationsfähigkeit Ihres Babys wird immer besser. Sprechen Sie es an, so antwortet es Ihnen mit Tönen, Augen, Mimik und Gestik. Ihr Kind kann jetzt schon viel Spaß an anderen Kindern haben. Nutzen Sie das Kursangebot für Eltern und Babys in Ihrer Umgebung.
Mein Tipp
Vergleichen Sie Ihr Kind nie mit Anderen. Jedes Kind kann etwas besonders gut: Das eine robbt als Erstes, das andere bildet zuerst Doppelsilben, ein drittes ist akribisch beim Suchen von Fuseln und Krümeln. Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo.
Zähne kommen – aber wie!
20 Milchzähnchen bekommt Ihr Kind bis zum 3. Lebensjahr. Zuallererst bemerken Sie das Zahnen daran, dass Ihr Kind viel speichelt und seine Fäuste aufessen möchte. Dies beobachten Sie etwa in der 14. Lebenswoche. Zu dieser Zeit schießen die Zahnwurzeln in den Kiefer ein.
Später schwillt der Kiefer an und glänzt weiß. Es kann gut sein, dass Ihr Kind quengelt und sich nur ungern stillen lässt oder die Flasche eher ablehnt. Wärme verstärkt die Beschwerden. Wenn Sie vor dem Anlegen den Kiefer kühlen (z. B. mit einem Gelring oder Nelkensud) wird es besser gehen. Die Beschwerden kommen intervallartig und sind nicht andauernd da. Ihr Kind kann im Tagesverlauf unkompliziert trinken. Das Zahnen zieht sich über Wochen hin. Babys bekommen ihre Zähne entweder völlig problemlos und unbemerkt oder leiden heftig. Während des Zahnens sind manche Kinder anfällig für Infektionen. Besonders die Haut reagiert hier gerne: Die Wangen werden rot und bekommen eine trockene Haut. Aber es kann auch sein, dass an verschiedenen Stellen am ganzen Körper leicht gerötete, trockene Stellen auftreten. Pflegen Sie diese nur mit Muttermilch und Fettcreme und denken Sie nicht sofort an Neurodermitis. Andere Kinder reagieren mit einem wunden Popo oder leichtem Fieber. Sie schlafen mitunter unruhig. Hat Ihr Baby Fieber und kann sich gar nicht trösten, können Sie ihm mit homöopathischen Mitteln wie z. B. Camomilla helfen. In ganz extremen Fällen kann auch ein Fieberzäpfchen helfen.
Zahnpflege
Die Zahnpflege beginnt mit dem Durchbruch des 1. Zahnes. Zunächst genügt es, mit Wasser und einem Wattestäbchen die Zähnchen zu reinigen, vor allem, nachdem Sie mit Beikost begonnen haben. Nach und nach sollten Sie dann auf eine Kinderzahnputzhilfe/Babyzahnbürste umsteigen. Lassen Sie Ihr Kind beim Putzen der Zähne zuschauen, so lernt es dies am leichtesten. Der Zeitpunkt für Zahnpasta ist gekommen, wenn es diese auch ausspucken kann. Als bester Schutz vor Karies gilt: Lutschen Sie weder Schnuller noch Löffel Ihres Babys ab, geben Sie ihm keine Instanttees, Fruchtsäfte und nie Getränke, die Zitronensäure enthalten. Der Zahnschmelz der Milchzähne wird davon stark angegriffen und zerstört. Fluor gilt als Prophylaxe gegen Karies. Entweder geben Sie es über eine Tablette oder durch entsprechende Zahnpasta. In der Regel wird die Zahnpasta als geeigneter angesehen. Gehören Sie zu den Familien, die mit Karies zu kämpfen haben, besprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt die Gabe von Fluor.
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6. Monat
Bewegung & Sinne – Nur auf einer Stelle liegen wird langweilig
Jetzt wird es richtig spannend: In Rückenlage hebt Ihr Baby seinen Kopf etwa von der Unterlage an, gleichzeitig winkelt es die Beinchen an, Händchen und Füßchen spielen zusammen. Unglaublich, wie gelenkig Ihr Kind jetzt schon geworden ist und wie unabhängig sich Arme und Beine vom Rumpf bewegen können. In Bauchlage kann es sich zunehmend auf einen Arm abstützen und den anderen dazu nützen, sich Spielzeug zu holen. Das Drehen vom Bauch auf Rücken geschieht nun oft, quasi »aus Versehen« und meist unter heftigem Protest. Ständig fordert Ihr Kind Sie auf, es wieder umzudrehen, denn auf dem Bauch fühlt es sich nun wohler. Rollen ist für viele Kinder jetzt bald eine erste eigenständige Fortbewegungsart. Beobachten Sie die Fähigkeiten beim Greifen: Erst schaut sich Ihr Baby das Ding seiner Wahl an, um dann gezielt zuzugreifen, mal mit einer Hand, mal mit beiden. Und auch der Wechsel von der rechten in die linke Hand klappt problemlos. Liegen die Hände entspannt auf der Unterlage, sind sie immer geöffnet. Kommen Sie auf Ihr Baby zu, streckt es Ihnen seine Ärmchen entgegen. Sitzen und Stehen auf Mamas oder Papas Schoß sind nun für Ihr Kind viel spannender als Liegen. Halten Sie Ihr Kind aufrecht vor sich hin und pendeln es hin und her, kann es seinen Körper zur Mitte hin aufrichten. Besonders Sitzen wird immer wichtiger. Geben Sie Ihrem Baby in Rückenlage Halt, wird es sich mit aller Kraft hochziehen wollen. Ihr Kind kennt den Unterschied zwischen Essbarem und Spielzeug. Am liebsten hält Ihr Kind Ihre Haare fest, um sie nicht mehr loszulassen.
Ernährung. Jetzt ist für die meisten Kinder die richtige Zeit, Gemüse oder Obst kennenzulernen. Eine Stillmahlzeit lässt sich aber in der Regel noch nicht komplett ersetzen.
Gewicht. Die wöchentliche Gewichtszunahme liegt jetzt nur noch bei ca. 100 g. Ihr Kind ist nun etwa 8 cm größer als bei der Geburt.
Vorsorge. Die U5 ist jetzt angezeigt. Spätestens jetzt wird Ihr Kinderarzt das Thema Impfen endgültig mit Ihnen besprechen und auch mit Impfen beginnen wollen.
Kommunikation & Sozialverhalten – Wer bist du?
Ihr Kind differenziert eindeutig zwischen Eltern und unbekannten Personen. Es muss nicht wirklich fremdeln, aber sein Blick ist skeptisch. Seine Lautäußerungen werden immer verständlicher, Ihr Baby wird gesprächiger. Sein Vergnügen an der Lautbildung ist ihm anzuhören. Aus Versehen klingt es schon wie »Mama« oder »Papa«, was Eltern natürlich freut. Die Interaktion zwischen Eltern und Kind ist vom Befinden abhängig. Hat der eine schlechte Laune, reagiert der andere prompt. Schauen Sie Ihr Kind streng an, wird es auch ernst dreinblicken oder sogar anfangen zu weinen, strahlen Sie es an, lacht es laut zurück und umgekehrt. Und gerne liegt es auf einer Decke und »erzählt« vor sich hin. Ganz eindeutig zeigt es, was es möchte, und kann Namen Personen zuordnen.
Mein Tipp
Achten Sie auf die Zeichen Ihres Kindes, wenn es um den Beginn der Beikost geht. Ihr Kind sollte sich gut bewegen können, sich für den Löffel interessieren und selbst Nahrung gerne in den Mund schieben können.
Ich kenne dich nicht
Dank der Reife des Gehirns können Kinder in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahrs eindeutig vertraute Menschen von unbekannten unterscheiden und äußern dies klar durch Abwenden und Weinen.
Vom sicheren Arm der Mutter aus kann Ihr Baby gut lächeln und gucken, aber auf einen fremden Arm wechseln macht es nicht. Respektieren Sie dieses Verhalten auf jeden Fall. Ihr Kind sichert das Vertraute ab, um dann in die Welt loszulaufen.
Ein sicherer Hafen
In den nächsten Monaten kann sich das Fremdeln so weit steigern, dass Sie nicht mehr allein zur Toilette können oder nur eben an den Briefkasten. Darüber können Sie verzweifeln; besser ist es aber, dieses Verhalten als etwas Gutes zu betrachten, als einen Entwicklungsschritt, der zur Bildung des Selbstvertrauens führt. Und seien Sie versichert: Es geht vorbei. Je mehr Sie Ihrem Kind als Anker zur Verfügung stehen, desto schneller lernt es, sich darauf zu verlassen, und kann zum nächsten Schritt, dem selbstbewussten Erobern der Welt, wechseln. Sehr hilfreich ist es, wenn Sie eine gute Tragehilfe haben, die Ihnen erlaubt, den Alltag mit zwei freien Händen zu meistern. Versuchen Sie, neben dem Vater noch ein oder zwei weitere Personen Ihrem Kind als »Hafen« zur Verfügung zu stellen. Kinder in diesem Alter können kurzzeitig diese akzeptieren, es müssen aber immer dieselben Menschen sein, z. B. die Großeltern.
Es geht vorbei!
Besonders macht Fremdeln den Eltern zu schaffen, wenn es den eigenen Vater oder die Mutter betrifft. Seien Sie Ihrem Kind nicht böse. Es wird immer wieder Phasen geben, in dem Kinder dem einen oder anderen Elternteil Vorzug geben, mal der Mutter, mal dem Vater. Das bleibt so bis ins Erwachsenenalter. Und auch den bis dahin akzeptierten Großeltern kann diese Welle der Ablehnung plötzlich entgegenschlagen. Aus Sicht von Hebammen und Kinderärzten ist es eher besorgniserregend, wenn ein Kind immer furchtlos auf andere, ihm eher unbekannte Menschen zugeht. Verhaltensbiologen bezeichnen Menschenkinder als Traglinge, die im ersten Lebensjahr vorwiegend auf dem Arm der Eltern groß werden und von dort die Welt kennenlernen. Diese Fürsorgeleistung aufzubringen, fällt nicht allen Eltern gleich leicht. Gerne würde man auch wieder einen Tag ohne Kind zubringen. Es gibt sicher Wochen, wo Sie dies planen können, aber ist Ihr Kind in einer starken Fremdelphase, sollten Sie vorübergehend darauf verzichten. Außerdem ist es ein Unterschied, ob Sie zu Hause Besuch bekommen oder in einer fremden Umgebung auf andere Menschen treffen. »Fremdeln« bedeutet, dass Ihr Kind Bekanntes von Unbekanntem unterscheidet, ein wichtiger Schritt zum eigenen Selbst.
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7. Monat
Bewegung & Sinne – In Bauchlage kann ich viel mehr machen
Die Rückenlage findet Ihr Kind jetzt langweilig. Legen Sie es hin, dreht es sich sofort auf die Seite oder streckt Ihnen seine Ärmchen entgegen, damit es sich mit Ihrer Hilfe zum Sitzen hochziehen kann. Drehen fällt den meisten Babys jetzt leicht und in Bauchlage versuchen sie, die Knie unter den Popo zu ziehen und im Knie-Arm-Stütz zu wippen. Sie fallen immer wieder in Bauchlage zurück, aber unermüdlich versuchen sie es gleich noch mal. Aus Versehen passiert es auch schon mal, dass Ihr Kind sich fortbewegt, meist indem Ihr Kind sich mit seinem Armen nach hinten schiebt. Robben und Rollen sind Fortbewegungsarten, die Ihr Kind lernt. In Rückenlage streckt es seine Beinchen senkrecht in die Höhe und steckt sich gerne die Zehen in den Mund. Dies ist eine Vorübung zum Sitzen, denn so streckt sich die Wirbelsäule. Kinder üben quasi Sitzen in Rückenlage. Ihr Kind hat jetzt seine volle Kopfkontrolle. Legen Sie Ihr Kind in Bauchlage ab, streckt es seine Ärmchen vor, um sich am Boden abzufangen. Mit allen Sinnen nimmt es seine Umgebung wahr, kennt die Tagesabläufe und weiß die Handlungen der Eltern gut einzuschätzen. Ihr Kind nimmt nun mit je einer Hand zwei Gegenstände auf und untersucht sie nacheinander mit Augen und Mund. Die Augen-Hand-Koordination wird immer besser. Ihr Baby greift aber in der Regel noch mit der ganzen Faust zu oder mit den Fingern, aber nicht mit deren Spitzen (Kuppen).
Ernährung. Vielleicht reduziert Ihr Baby etwas die Stillmahlzeiten und entdeckt weiteres Interesse an Nahrungsmitteln. Den Rhythmus und die Auswahl des Essens bestimmt Ihr Kind selbst. Kinder haben in diesem Alter nach wie vor 5–6 Mahlzeiten am Tag.
Gewicht. Nachdem Ihr Kind mit einem halben Jahr sein Geburtsgewicht verdoppelt hatte, sind jetzt ca. 400 g dazugekommen. Die wöchentliche Zunahme beträgt jetzt etwa 100 g. Gestillte Kinder sind meist etwa 500 g leichter als Flaschenkinder.
Kommunikation & Sozialverhalten – Hilfst du mir, dass ich mehr lerne?
Ihrem Kind entgeht nichts. Genau weiß es, was es bedeutet, wenn Sie ihm sein Essen richten, wenn Sie eine Jacke anziehen oder was es mit einem Keks am besten tut, nämlich essen. Und Sie stellen immer mehr fest, dass es Vorlieben beziehungsweise Abneigungen hat, Ersteres z. B. für eine bestimmte Musik, Letzteres für zuschlagende Türen und Geschrei. Ihr Kind freut sich, wenn Sie ihm helfen, etwa indem Sie es hochziehen oder ein Spielzeug in seine Richtung schieben. Aber helfen Sie ihm nicht zu viel. Sie können Ihrem Kind das Krabbeln- und Sitzenlernen nicht abnehmen. Sie können es aber in seiner eigenen Entwicklung hemmen, wenn Sie ihm zu viel helfen. Setzen Sie es nicht hin, solange es dies nicht selbst kann. Und meiden Sie eine Lauflernhilfe (»Geh-Frei«)!
Mein Tipp
Viele Babys in diesem Alter finden Liegen langweilig und verleiten damit Ihre Eltern dazu, sie immer sitzen zu lassen. Tun Sie dies nur wohl dosiert und im Rücken gut abgestützt. Verwenden Sie kein »Geh-Frei« oder ähnliche Hilfen. Achten Sie bei Stehübungen immer darauf, dass die Füßchen mit der ganzen Fußsohle und nicht nur mit den Zehenspitzen auf der Unterlage auftreten.
Was ich essen mag
Spätestens jetzt werden alle Babys das Essen mit dem Löffel oder ihren eigenen Fingern entdeckt haben. Wie viel und was gegessen wird, ist allerdings noch sehr unterschiedlich. Aus heutiger Sicht müssen Sie kaum mehr Rücksicht nehmen, um eventuellen Allergien vorzubeugen. Sie haben zwei Möglichkeiten, Ihr Kind an den Familientisch zu gewöhnen.
Der klassische Mittagsbrei
Zum einen, indem Sie mit ca. sechs Monaten klassisch mit der Beikost mittags beginnen, einige Löffel Gemüse-Getreide-Brei anzubieten und nach und die Menge zu steigern. Gerne können Sie parallel dazu Ihrem Kind Wasser aus dem Glas oder Becher anbieten. Später kommen dann Fleisch und Obst hinzu. Solange Ihr Kind weniger als 150–200 g Brei isst, sollten Sie hinterher noch stillen (oder entsprechend eine Flasche nachgeben). Isst es etwa 200 g, gilt dies als vollständige Mahlzeit. Die meisten Kinder bevorzugen süßes Essen. Bieten Sie Süßkartoffel und Biokarotte an, nicht nur Obst. Verzichten Sie im ersten Lebensjahr auf Salz und Zucker im Babyessen.
Ihr Kind wählt aus
Bei der zweiten Variante bestimmt Ihr Kind, was es isst. Ihr Baby sitzt immer beim Essen dabei und hat ein Angebot an geeigneten Nahrungsmitteln wie z. B. weich gekochte Kartoffeln, Zucchini oder Karotten vor sich. Es nimmt sie mit den Fingern auf und schiebt sie sich selbst in den Mund. Die Phase des Pürierens wird übersprungen. Diese Art des Essenlernens bevorzugen Kinder, die erst spät auf Beikost umsteigen.
Wie lange Sie Ihr Kind parallel zum Löffeln stillen, bestimmen Sie und Ihr Kind ganz allein. Es gibt keine Nachteile, wenn Sie Ihr Kind deutlich über den ersten Geburtstag hinaus stillen.
Praktische Tipps
Zum Füttern ist es am besten, wenn Sie Ihr Kind auf Ihren Schoß setzten oder an Ihren aufgestellten Oberschenkel anlehnen. Nehmen Sie einen weichen Plastiklöffel. Wenn Sie beide das Essen lernen wollen, brauchen Sie Ruhe und Geduld und die Bereitschaft von Mutter und Kind. Einem heißhungrigen Kind zum ersten Mal eine Löffelmahlzeit anzubieten geht in der Regel schief. Kochen Sie selbst und legen Sie einen Vorrat an. Frieren Sie püriertes Gemüse z. B. in einem Eiswürfelbehälter ein. Dann lässt es sich prima portionieren. Beim Aufwärmen geben Sie vor dem Füttern Pflanzenöl hinzu, damit wichtige Vitamine vom Baby aufgenommen werden können. Mag Ihr Kind kein Wasser, sind Tees aus Aufgussbeuteln oder frischen Teeblättern eine Alternative, aber bitte keine Säfte oder Instanttees. Das tut den Zähen Ihres Kindes nicht gut. Nach dem Essen Zähne putzen nicht vergessen.
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8. Monat
Bewegungen & Sinne – Jetzt komme ich vom Fleck
Viele Kinder fangen in diesen Wochen an zu krabbeln. Dies ist eine große Herausforderung für den Gleichgewichtssinn. Ihr Kind kann sich seitlich hinsetzen, meistens braucht es noch die Arme zum Abstützen als Hilfe. Bitte beachten Sie, dass Krabbeln und Sitzen von Kindern auf sehr unterschiedliche Weisen gelernt werden. Verfallen Sie nicht in einen Wettbewerb mit Altersgenossen. Es gibt auch Kinder, die dies erst mit 10–12 Monaten können. Faul auf dem Rücken liegen wird kaum ein Kind. Es spielt mit den Händen und Füßen und allem, was es in die Hände bekommt. Es dreht sich dabei auf die Seite und meistens gleich weiter auf den Bauch. In Bauchlage sind die Möglichkeiten, Spielzeug zu ergattern, noch viel besser. Ganz automatisch kommt die Vorwärtsbewegung. Kinder beginnen jetzt, nach vorwärts und in die Höhe zu streben. Dabei gibt es unterschiedliche Typen: die einen, die sofort alles ausprobieren, und die anderen, die erst lange darüber nachdenken, um es dann in kurzer Zeit zu lernen. Eine weitere Errungenschaft ist die Fertigkeit der Finger: Daumen und Zeigefinger werden direkte Partner. Ihr Kind kann zwar noch nicht den sogenannten Pinzettengriff, aber die Finger bilden eine flache Zange und nehmen kleine Dinge auf. Dann wird alles genau mit den Augen studiert und mit dem Mund untersucht. Mit den Händchen erforschen Kinder Oberfläche und Beschaffenheit von allem, was sie berühren, und haben schnell Vorlieben, die sie deutlich zum Ausdruck bringen.
Ernährung. Im Laufe des 8. Monats können Sie Ihrem auch Kuhmilch anbieten. Nehmen Sie zunächst nur eine kleine Menge und stillen Sie parallel weiter. Beobachten Sie gut, ob Ihr Kind die Kuhmilch verträgt.
Gewicht. Bis zum 1. Geburtstag bleibt die wöchentliche Gewichtszunahme bei ca. 100 g.
Kommunikation & Sozialverhalten – Hast du meine Geschichte verstanden?
Ihr Baby wird immer gesprächiger. Ist es ungestört, kann es ganze Romane erzählen. Dazu bildet es mehr und mehr Doppelsilben. Tonlage und Sprachmelodie variieren immer vielfältiger. Aber das geht natürlich nicht mit Schnuller oder Flasche im Mund. Die ersten Monate sind Sie nur damit beschäftigt, die Bedürfnisse Ihres Kindes zu befriedigen. Nun aber kommt zur wachsenden Mobilität auch der Wille: Ich will dies oder jenes haben, ich will nicht ins Bett. Erziehungsarbeit wird die nächste Herausforderung für Sie als Eltern. Fremdeln ist jetzt stark ausgeprägt. Zu anderen Erwachsenen werden aber auch stabile Beziehungen aufgebaut, wenn diese kontinuierlich mit dem Kind zusammenkommen.
Treffen Sie mit Ihrem Kind regelmäßig andere Babys, entstehen Freundschaften unter ihnen. Man sieht es den Kindern richtig an, wie sie sich auf die anderen freuen. Spielzeug wird eher aber weggenommen als verhandelt.
Mein Tipp
Treten Sie nie mit anderen Eltern in einen Wettstreit, was die Entwicklung Ihres Kindes betrifft. Besonders in den Wochen der Mobilitätsentwicklung neigen Eltern dazu. Jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus beim Krabbeln- und Laufenlernen. Ein Kind kann es möglicherweise sechs Monate früher als ein anderes. Kinder sind Individualisten!
Erziehung beginnt
Streng genommen beginnt Erziehung schon in der Schwangerschaft. Die Fürsorge, den Tagesablauf und das Verhalten der Mutter erlebt das Kind im Bauch als regelmäßig wiederkehrende Ereignisse.
Nach der Geburt gilt es zunächst, einander kennenzulernen. Dann aber bedeutet es für Babys eine große Sicherheit, wenn der Tag durch eine Rhythmik und Rituale kalkulierbar wird. Die Liebe und Verlässlichkeit der Eltern ermöglichen es Ihrem Kind, sich geborgen zu fühlen. Für Eltern ist die Geburt des ersten Kindes Anlass, ihre Tagesabläufe umzustellen, und sie gewährleisten damit Erziehung. Das Gleiche gilt für jede Handlung, die Sie mit Ihrem Kind oder an ihm verrichten: An- und Ausziehen, Waschen, Füttern, Spielen. Macht Ihr Kind die Erfahrung, dass es liebevoll angesprochen und respektvoll mit ihm umgegangen wird, lernt es, diese Art des Umgangs auch anderen gegenüber aufzubringen.
Eltern als Vorbild
Die größte Erziehungsleistung allerdings erbringen Eltern durch ihr Vorbild. Wie spricht man, wie benutzt man einen Löffel und wozu dient die Zahnbürste? Alle Dinge des Alltags brauchen Sie weder Ihrem Kind zu beschreiben noch mit ihm zu üben. Ganz automatisch nimmt es den Stift in die Hand, wirft Papier in den Mülleimer und spielt mit dem Schneebesen in der Rührschüssel.
Klare Grenzen
Schwieriger wird es, wenn Sie in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres mit dem Willen Ihres Kindes konfrontiert werden. Vielleicht möchte Ihr Kind etwas, was Sie ihm nicht geben können, wie z. B. ein scharfes Messer. Oder es findet die Haare der Freundin prima, um daran zu ziehen. Jetzt heißt die Devise »Klare Grenzen setzen«. Mit Worten allein erreichen Sie nicht viel. Am Tonfall allerdings hört Ihr Kind ganz deutlich, wenn Sie mit seinem Handeln nicht einverstanden sind. Dazu muss aber auch immer das Handeln kommen: Legen Sie das Messer außer Reichweite oder setzen Sie Ihr Kind so weit von dem anderen Kind weg, dass es dessen Haar nicht mehr erreichen kann.
Vielleicht läuft Ihr Kind das erste Mal am Tisch entlang und reißt dabei etwas runter. Wenn Sie jetzt vor Freude über das Laufen nur lachen, verknüpft Ihr Kind auch das Runterziehen der Vase oder Tasse mit Ihrer Freude – eine Fehlinterpretation mit Folgen. Je mobiler Ihr Kind wird und je klarer es seine Wünsche äußern kann, desto mehr wird Ihre Vermittlung gefragt sein. Handeln Sie vorausschauend und kindgerecht, damit können Sie kritische Situationen vermeiden.
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9. Monat
Bewegung & Sinne – Schau mal, wie ich sitzen kann
