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Beschreibung

Das Wissen der berühmten Kräuterfrau Rosalee Im Gewürzregal, auf dem Fensterbrett oder im Garten warten die Heilkräfte der Natur auf ihre Entdeckung - ob als duftende Kräuter oder den Sinnen schmeichelnden Gewürze. Wenn der Hals kratzt, der Kopf schmerzt, der Magen zwickt oder Sie sich einfach erschöpft fühlen, ist wohltuende Hilfe nicht weit. Rosalee de la Forêt ist eine der angesehensten Kräuterfrauen weltweit. Kräuter und Menschen sollen zueinander passen, denn das ist die Alchemie der Kräuter: Energie, Symptome und Konstitution in harmonischen Einklang zu bringen. Dabei wird die heimische Küche zur Hausapotheke, mit aufregenden neuen Geschmackserlebnissen und Heilmitteln für die ganze Familie. Porträts der beliebtesten Küchenkräuter und Gewürze und zahlreiche einfache Rezepte - ob für Wickel, Tees oder köstliche Gerichte - runden das Buch ab.

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EPUB

Seitenzahl: 361

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Die Alchemie der Kräuter und Gewürze

Entfache die Heilkraft einfacher Zutaten

Rosalee de la Forêt

1. Auflage 2018

150 Abbildungen

Vorwort

Seit über 40 Jahren beobachte ich als Heilpflanzenberaterin mit großer Freude, wie die Kräuterheilkunde zunehmend aus dem »Untergrund« auftaucht. Das Interesse an der Phytomedizin – der Kunst und Wissenschaft des Heilens mit Pflanzen – ist in den letzten Jahrzehnten sprunghaft gewachsen. Diese Therapieform war mit dem Einzug moderner pharmazeutischer Arzneimittel und dem »Zeitalter der Chemie« zu Unrecht an den Rand gedrängt und beinahe vergessen worden. Aus dieser Unsichtbarkeit ist sie nun wieder aufgeblüht und hat erneut einen Ehrenplatz zwischen anderen Ansätzen des Heilens inne.

Kräuter haben so viel zu bieten, nicht nur in Bezug auf Gesundheit und Heilen. Sie bereichern das ganze Leben, denn sie erfüllen eine Welt, die mitunter aus den Fugen zu geraten scheint, mit Schönheit, Ausgewogenheit und Weisheit. Eine Welt ohne Kräuter ist unvorstellbar! Ohne Pflanzen könnte das Leben, wie wir es kennen, nicht existieren. Wir brauchen diese chlorophyllreichen, kohlendioxidschluckenden und nährstoffhaltigen grünen Wunder zum Atmen, Leben und Sein.

Wie die robusten Pflanzen, auf denen dieser Ansatz des Heilens basiert, ist auch die Kräuterkunde endlich wieder tief ins Bewusstsein der Menschen gedrungen. Ein Glück! Doch mit diesem neu entfachten Interesse an Kräutern kommen verwirrende Fragen auf, wenn die Menschen sich bemühen, Informationen zur Unbedenklichkeit von Kräutern zu begreifen, zu ihrer Anwendung und ihren Eigenarten, zur Zubereitung und zur richtigen Menge. Am Ende steht immer die Frage: Welches Kraut ist für mich am besten?

Im Verlauf der Jahrtausende, in denen der Mensch Kräuter verwendet, sind überall auf der Welt Wissensschätze entstanden, die erklären, wie, wann und warum man bestimmte Kräuter benutzt. Die besten dieser Traditionen blieben erhalten und wurden überliefert. Die indische Ayurveda-Medizin – die Wissenschaft des Lebens – beruht auf Aufzeichnungen aus über 5000 Jahren, in denen Pflanzen zur Förderung der Gesundheit und Heilung von Krankheiten eingesetzt wurden. Auch in China hat sich über mehrere Tausend Jahre hinweg ein ausgefeiltes Heilungssystem entwickelt. Die besten Erkenntnisse daraus sind in die traditionelle chinesische Medizin (TCM) eingeflossen. In Nord-, Mittel- und Südamerika haben die jeweiligen Völker diverse Kulturen der Kräutermedizin entwickelt, die sich auf diesen pflanzenreichen Kontinenten bewährt haben. Überall auf der Erde wurden Erfahrungen mit Kräutern gesammelt und über viele Zeitalter weitergegeben, in Afrika ebenso wie in West- und Osteuropa oder im Mittelmeerraum.

Kein Wunder also, dass die Phytomedizin so überwältigend, verwirrend und mitunter sogar widersprüchlich erscheint. Wo fängt man an, wenn man einen Zugang zu derart komplexen, facettenreichen, alten Gesundheits- und Behandlungssystemen sucht?

Zum Beispiel bei Rosalee! Auf hinreißend schlichte und doch tiefgründige Weise erfasst diese begabte Lehrmeisterin das Wesentliche einiger großer Kräutertraditionen zusammen, übersetzt es für uns und macht es auch denen zugänglich, die nicht viele Jahre studieren wollen. Im Zentrum ihrer Lektionen steht die Kunst, unter Berücksichtigung der individuellen Konstitution das passende Kraut für den Einzelnen zu finden – mit anderen Worten, die Pflanze muss zum Menschen passen, nicht zur Krankheit. Diese häufig schwer zu erfassenden Konzept präsentiert Rosalee unter dem Begriff des »Kräuteroptimums« oder »Herbal Sweet Spot«.

Rosalee kann die Energetik der Pflanzen so meisterhaft vermitteln, dass wir wirklich erfassen, was diese Kräuter tun, wie sie im Körper wirken und wie sie uns individuell beeinflussen. In Alchemie der Kräuter brauchen wir für dieses Verständnis nicht erst Chemie zu studieren oder die komplexen Bestandteile von Pflanzen zu durchschauen, sondern es geht um das persönliche Erleben, wie die Pflanzen über unsere Sinne wirken, besonders über den Geschmackssinn. Ich kenne niemanden, der dieses Konzept so leicht und klar vermitteln kann, wie Rosalee es in Wort und Schrift vermag, ohne dabei die komplexe Vielfalt aus den Augen zu verlieren.

Zugleich erinnert Rosalee uns daran, dass es für die persönliche Gesundheit kein Standardmittel gibt. Das ist ein Hauptproblem der modernen Medizin wie auch der modernen Kräuterheilkunde: Wir glauben, dass es das eine Zaubermittel geben müsste, eine Lösung, die allen hilft. Rosalee hingegen setzt auf einen anderen, ganz und gar undogmatischen Ansatz. Bei ihr gibt es kein Regelwerk für »richtig« oder »falsch«. Stattdessen lädt sie zu einer Entdeckungsreise zu einem neuen Bewusstsein ein, bei der die persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen, das Herausfinden, was für uns selbst am besten ist, im Mittelpunkt stehen. Sie erinnert uns daran, dass wir selbst am besten beurteilen können, welches Kraut uns auf welche Weise wirklich hilft. Und vor allem entwickeln wir auf dieser Reise eine zutiefst persönliche Beziehung zu den Pflanzen, mit denen wir arbeiten. Und das ist das zentrale Anliegen der Kräuterheilkunst.

In Alchemie der Kräuter regt Rosalee nicht nur die Fakten auf, sondern regt zum bewussten Einsatz von Kräutern und Gewürzen an, und dies jeden Tag. Ihre Begeisterung ist ansteckend und macht das Lernen zu einem sofort umsetzbaren Vergnügen. Rosalee bringt die Kräuterkunde in die Küche und lädt dazu ein, mit ihr zu spielen, wenn sie rührt, mischt und braut. Ihre Rezepte sind fantastisch und manche davon schon jetzt auf dem besten Weg zum Klassiker. Damit führt sie den Beweis, dass gute Gesundheit wirklich in der Küche beginnt und unsere Nahrung unsere beste Medizin ist.

Die großen Lehrmeister und die besten Kräuterbücher leiten dazu an, selbst nachzudenken und zu entscheiden. Mit ihren Lehrmethoden und ihren Werken macht Rosalee genau dies. Mit Alchemie der Kräuter hat sie die Essenz der Kräuter gefunden und präsentiert nun einen wahren Schatz.

Rosemary Gladstar, Heilpflanzenberaterin, Autorin und Gründerin des Sage Mountain Herbal Retreat Center und des Botanical Sanctuary

Inhaltsverzeichnis

Die Alchemie der Kräuter und Gewürze

Entfache die Heilkraft einfacher Zutaten

Vorwort

1 Einleitung

1.1 Das »Allheilmittel-Syndrom« der Gegenwart

1.2 Pflanzenmedizin: der Blick in die Vergangenheit

1.3 Entdeckungsreise in die Welt der Kräuter

1.4 Schritt für Schritt: in der Küche anfangen

Teil II Die Welt der Kräuter und Gewürze

2 Kräuter und Gewürze als Naturheilmittel

2.1 Kräuter unterstützen die Verdauung

2.2 Kräuter liefern Antioxidanzien

2.3 Kräuter stabilisieren das Nervensystem

2.4 Kräuter schützen vor unerwünschten Keimen

2.5 Kräuter stärken das Immunsystem

3 Erfahrungswissen und Wissenschaft

3.1 Historische Überlieferung und moderne Naturheilkunde

3.2 Zum Stand der Wissenschaft

4 Kräuter für Menschen, nicht gegen Krankheiten

4.1 Jedem sein eigenes Kräutlein

4.2 Energetik in der Kräuterheilkunde: heiß oder kalt, trocken oder feucht

4.2.1 Energetik des Menschen

4.2.2 Energetik der Pflanzen

4.2.3 Energetik einer Krankheit

4.3 Die eigene Konstitution ermitteln

4.4 Die Geschmacksrichtungen

4.4.1 Scharf

4.4.2 Salzig

4.4.3 Sauer

4.4.4 Süß

4.4.5 Bitter

4.5 Zusammenfassung

4.6 Das Kräuteroptimum

Teil III Die Kräuter und Gewürze

5 So nutzen Sie dieses Buch optimal

5.1 So stimmen Sie sich auf Ihre Empfindungen und Beobachtungen ein

5.2 Kräuter und Gewürze auswählen

5.3 Die passende Menge ermitteln

5.4 Kräuter abmessen oder abwiegen

5.5 Die besten Zutaten

5.6 Hilfreiche Ausrüstung für den Alltag

5.7 Zur besten Vorgehensweise

Teil IV Scharf

6 Cayenne-Pfeffer

6.1 Cayenne: Chili oder Pfeffer oder Chilipfeffer?

6.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Cayenne

6.2.1 Besondere Hinweise zum Einsatz von Cayenne

6.2.2 Verdauungsbeschwerden

6.2.3 Stoffwechsel ankurbeln

6.2.4 Für ein gesundes Herz

6.2.5 Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes

6.2.6 Erkältung und Grippe

6.2.7 Schmerzlinderung

6.3 Cayennepfeffer anwenden

6.3.1 Empfohlene Mengen

6.3.2 Bitte beachten

7 Fenchel

7.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Fenchel

7.2 Verdauungsbeschwerden

7.2.1 Krämpfe und Abgeschlagenheit bei der Menstruation

7.2.2 Bei Koliken

7.3 Fenchel anwenden

7.3.1 Empfohlene Mengen

7.3.2 Bitte beachten

8 Indisches Basilikum

8.1 Indisches Basilikum: Unterarten

8.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Indischem Basilikum

8.3 Stress und Angst abbauen

8.3.1 Für das Gehirn

8.3.2 Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes

8.3.3 Herz und Kreislauf

8.3.4 Schmerzen

8.3.5 Verdauungsbeschwerden

8.3.6 Lungenprobleme

8.3.7 Immunsystem

8.4 Indisches Basilikum anwenden

8.4.1 Empfohlene Mengen

8.4.2 Bitte beachten

9 Ingwer

9.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Ingwer

9.1.1 Stimulierend und synergistisch

9.1.2 Energetik von Ingwer anpassen

9.1.3 Entzündungsbedingte Schmerzen lindern

9.1.4 Durchblutung anregen

9.1.5 Migräne

9.1.6 Erkältungen und Grippe

9.1.7 Verbesserte Verdauung

9.1.8 Übelkeit

9.1.9 Gesundes Herz

9.1.10 Infektabwehr

9.2 Ingwer anwenden

9.2.1 Empfohlene Mengen

9.2.2 Bitte beachten

10 Knoblauch

10.1 Knoblaucharten

10.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Knoblauch

10.3 Unterstützung für das Immunsystem

10.3.1 Bei Erkältung und Grippe

10.3.2 Für ein gesundes Herz und für Typ-2-Diabetiker

10.4 Knoblauch anwenden

10.4.1 Empfohlene Mengen

10.4.2 Bitte beachten

11 Kurkuma

11.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Kurkuma

11.1.1 Verdauung und Leberfunktion

11.1.2 Wundheilung

11.1.3 Magengeschwür

11.1.4 Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes

11.1.5 Gesundes Herz

11.1.6 Gedächtnis und Alzheimer-Krankheit

11.1.7 Krebs

11.1.8 Schmerzen und Entzündungen

11.2 Kurkuma anwenden

11.2.1 Empfohlene Mengen

11.2.2 Bitte beachten

12 Lavendel

12.1 Lavendelarten

12.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Lavendel

12.2.1 Entspannung und Schlaf

12.2.2 Depressionen

12.2.3 Verdauungsstörungen

12.2.4 Wundheilung

12.2.5 Schmerzlinderung

12.3 Lavendel anwenden

12.3.1 Empfohlene Mengen

12.3.2 Bitte beachten

13 Muskatnuss

13.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Muskatnuss

13.1.1 Schlafstörungen

13.1.2 Verdauungsbeschwerden

13.1.3 Bluthochdruck

13.1.4 Aphrodisiakum

13.2 Muskatnuss anwenden

13.2.1 Empfohlene Mengen

13.2.2 Bitte beachten

14 Petersilie

14.1 Petersiliensorten

14.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Petersilie

14.2.1 Diuretikum

14.2.2 Verdauungsbeschwerden

14.2.3 Für ein gesundes Herz

14.2.4 Empfohlene Mengen

14.3 Petersilie anwenden

14.3.1 Bitte beachten

15 Pfefferminze

15.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Pfefferminze

15.1.1 Verdauungsbeschwerden

15.1.2 Stimmungsaufheller und Wachmacher

15.1.3 Schmerzlinderung

15.1.4 Erkältungen und Grippe

15.2 Pfefferminze anwenden

15.2.1 Empfohlene Mengen

15.2.2 Bitte beachten

16 Rosmarin

16.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Rosmarin

16.1.1 Hautschutz

16.1.2 Gesundes Herz

16.1.3 Schmerzlinderung

16.1.4 Gedächtnisleistung

16.1.5 Verdauungsbeschwerden

16.1.6 Erkältungen und Grippe

16.1.7 Haarausfall

16.2 Rosmarin anwenden

16.2.1 Empfohlene Mengen

16.2.2 Bitte beachten

17 Salbei

17.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Salbei

17.1.1 Kognitives Denken

17.1.2 Cholesterinspiegel und Diabetesmarker

17.1.3 Halsschmerzen und Mundhygiene

17.1.4 Menopause

17.1.5 Verdauung

17.1.6 Hauterkrankungen

17.2 Salbei anwenden

17.2.1 Empfohlene Mengen

17.2.2 Bitte beachten

18 Schwarzer Pfeffer

18.1 Schwarzer, weißer, grüner und roter Pfeffer

18.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von schwarzem Pfeffer

18.2.1 Erhöhung der Bioverfügbarkeit

18.2.2 Verdauungsbeschwerden

18.3 Schwarzen Pfeffer anwenden

18.3.1 Empfohlene Mengen

18.3.2 Bitte beachten

19 Senf

19.1 Senfarten

19.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Senf

19.2.1 Krebs

19.2.2 Gesundes Herz

19.2.3 Lunge

19.2.4 Schmerzen

19.3 Senf anwenden

19.3.1 Empfohlene Mengen

19.3.2 Bitte beachten

20 Thymian

20.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Thymian

20.1.1 Infektionen

20.1.2 Erkältung, Grippe und Husten

20.1.3 Verdauung

20.1.4 Schmerzlinderung

20.2 Thymian anwenden

20.2.1 Empfohlene Mengen

20.2.2 Bitte beachten

21 Zimt

21.1 Zimtsorten

21.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Zimt

21.2.1 Bei Fieber

21.2.2 Für Zähne und Zahnfleisch

21.2.3 Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes

21.3 Zimt anwenden

21.3.1 Empfohlene Mengen

21.3.2 Bitte beachten

Teil V Salzig

22 Brennnessel

22.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Brennnessel

22.1.1 Knochen, Zähne und Haar

22.1.2 Schwangerschaft und Menstruation

22.1.3 Heuschnupfen

22.1.4 Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes

22.1.5 Entgiftung

22.1.6 Prostata

22.1.7 Schmerzlinderung

22.2 Brennnessel anwenden

22.2.1 Empfohlene Mengen

22.2.2 Bitte beachten

Teil VI Sauer

23 Holunder

23.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Holunderbeeren

23.1.1 Atemwegsinfekte und Grippe

23.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Holunderblüten

23.2.1 Fieberhafte Erkrankungen

23.2.2 Holunder anwenden

23.2.3 Empfohlene Mengen

23.2.4 Bitte beachten

24 Rose

24.1 Rosenarten

24.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Rosen

24.2.1 Gesundes Herz

24.2.2 Wundheilung

24.2.3 Entzündungen und Schmerzen

24.3 Rose anwenden

24.3.1 Empfohlene Mengen

24.3.2 Bitte beachten

25 Tee

25.1 Teesorten

25.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Tee

25.2.1 Gesundes Herz

25.2.2 Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes

25.2.3 Mund und Zähne

25.2.4 Stressabbau

25.3 Tee anwenden

25.3.1 Empfohlene Mengen

25.3.2 Bitte beachten

26 Weißdorn

26.1 Weißdornarten

26.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Weißdorn

26.2.1 Cholesterinspiegel optimieren

26.2.2 Bluthochdruck

26.2.3 Ein gesundes Herz

26.3 Weißdorn anwenden

26.3.1 Empfohlene Mengen

26.3.2 Bitte beachten

27 Zitronenmelisse

27.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Melisse

27.1.1 Stimmungsaufhellend und stresslösend

27.1.2 Guter Schlaf

27.1.3 Virusinfekte

27.1.4 Erbgut schützen

27.2 Zitronenmelisse anwenden

27.2.1 Empfohlene Mengen

27.2.2 Bitte beachten

Teil VII Bitter

28 Artischocke

28.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Artischocken

28.1.1 Verdauungsbeschwerden

28.1.2 Leber

28.1.3 Cholesterin und Blutdruck

28.2 Artischocke anwenden

28.2.1 Empfohlene Mengen

28.2.2 Bitte beachten

29 Kaffee

29.1 Kaffeesorten

29.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Kaffee

29.2.1 Erschöpfung und Depressionen

29.2.2 Gehirn

29.2.3 Entgiftung

29.2.4 Insulinresistenz, Entzündungen und Herzinsuffizienz

29.3 Kaffee anwenden

29.3.1 Bitte beachten

30 Kakao

30.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Kakao

30.1.1 Gesundes Herz

30.1.2 Ausgeglichenheit

30.1.3 Gehirn

30.1.4 Erschöpfung

30.2 Kakao anwenden

30.2.1 Empfohlene Mengen

30.2.2 Bitte beachten

31 Kamille

31.1 Kamillenarten

31.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Kamille

31.2.1 Angst und Schlafstörungen

31.2.2 Schmerzlinderung

31.2.3 Wundheilung

31.2.4 Verdauungsbeschwerden

31.2.5 Fieber und Infektionen

31.3 Kamille anwenden

31.3.1 Empfohlene Mengen

31.3.2 Bitte beachten

32 Löwenzahn

32.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik der Löwenzahnblätter

32.1.1 Gesunde Verdauung

32.1.2 Entwässerung

32.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik der Löwenzahnwurzeln

32.2.1 Verdauungsbeschwerden und Darmflora

32.2.2 Hormonhaushalt

32.2.3 Arthritis

32.2.4 Krebs

32.3 Löwenzahn anwenden

32.3.1 Empfohlene Mengen

32.3.2 Bitte beachten

Teil VIII Süß

33 Ashwagandha

33.1 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Ashwagandha

33.1.1 Gesunder Schlaf und weniger Angst

33.1.2 Mehr Energie

33.1.3 Sexualsystem

33.1.4 Gehirn

33.1.5 Immunsystem

33.1.6 Abbauerscheinungen

33.2 Ashwagandha anwenden

33.2.1 Empfohlene Mengen

33.2.2 Bitte beachten

34 Astragalus

34.1 Astragalusarten

34.2 Medizinische Eigenschaften und Energetik von Astragalus

34.2.1 Immunsystem

34.2.2 Energie

34.2.3 Herz, Nieren und Leber

34.3 Astragalus anwenden

34.3.1 Empfohlene Mengen

34.3.2 Bitte beachten

Teil IX Anhang

35 Nachwort

36 Glossar

37 Bezugsquellen und weiterführende Informationen

38 Quellenangaben der Zitate

39 Danksagung

Autorenvorstellung

Impressum

1 Einleitung

Vor mehr als 2000 Jahren forderte der griechische Arzt Hippokrates: »Die Nahrung soll eure Medizin sein.« Dieser kluge Rat gilt nach wie vor, denn er ist sehr weise. Das Konzept, sich gesund zu essen, setzt sich glücklicherweise immer mehr durch. Viele Menschen greifen bewusst zu regional erzeugten Bioprodukten mit hohem Nährstoffgehalt und Wochenmärkte genießen großen Zulauf.

In den USA hat sich die Anzahl der Märkte seit 1994 vervierfacht. Das heißt, es essen mehr Menschen regional erzeugte, vollwertige Lebensmittel. Während die Wertschätzung für nahrhaftes Essen gestiegen ist, vermisse ich bei den Menüs allerdings nach wie vor häufig ganz zentrale Zutaten, nämlich die Kräuter und Gewürze!

Kräuter und Gewürze können jede Mahlzeit in einen delikaten Hochgenuss verwandeln. Das intensive Aroma gut gewürzter Speisen spricht jedoch nicht nur unsere Geschmacksknospen an. Als Leser dieses Buches dürfen Sie davon ausgehen, dass Kräuter und Gewürze auch Ihrer Gesundheit auf die Sprünge helfen können! Sie können für gute Laune sorgen, den schädlichen oxidativen Stress in Schach halten, unsere Verdauung sowie die Nährstoffaufnahme aus gesunder Nahrung verbessern und diversen chronischen Krankheiten vorbeugen.

Dieses gesamte Buch beruht auf einer ganz einfachen Prämisse: Jeder Mensch ist einzigartig. Im heutigen Informationszeitalter erklären uns Experten von allen Seiten, was wir essen sollen und was nicht, welches Wundermittel unsere Symptome überdecken kann und welche Kräuter wir und alle anderen zu uns nehmen sollten. In Wahrheit jedoch sind Sie selbst der beste Experte oder die beste Expertin für das, was Ihrem eigenen Körper am besten tut. Anstatt also das nächste wundersame »Superfood« zu propagieren, zeige ich Ihnen, wie Sie die besten Kräuter für Ihre Bedürfnisse und Ihre persönliche Situation auswählen, indem Sie sich an Ihren individuellen Eigenheiten orientieren.

In diesem Buch dreht sich zwar alles um Kräuter, Gewürze und Essen, aber es handelt sich keineswegs um eine Diät. Sie müssen weder Veganer noch Vegetarier werden und umgekehrt auch nicht anfangen, Fleisch zu essen. Sie brauchen keinen Nebenjob anzunehmen, um sich die Zutaten leisten zu können, und müssen auch nicht an exotische Orte reisen, um diese Heilkräuter aufzutreiben. Stattdessen lernen Sie, wie Sie die Kraft der Kräuter und Gewürze in Ihrem Alltag nutzen können, indem Sie die praktischen, einfachen Rezepte aus diesem Buch zubereiten: Getränke und einfache Kräuterheilmittel, aber auch normale Hauptmahlzeiten und sogar Süßspeisen. Sobald sich Ihre Beobachtungsgabe weiterentwickelt hat, beginnt eine beglückende Reise, auf der Sie nicht nur die Kräuter, sondern auch sich selbst neu entdecken. So können Sie auf Dauer gesünder leben.

1.1 Das »Allheilmittel-Syndrom« der Gegenwart

Unser aktuelles Gesundheitsverständnis leidet unter dem, was ich als das »Allheilmittel-Syndrom« bezeichne. Dabei handelt es sich um den Trugschluss, dass es eine Lösung für alle geben könnte: eine Medizin für eine Krankheit, eine bestimmte Ernährungsweise oder nur eine Methode, um gesund zu bleiben. Eine andere verbreitete Auffassung ist, dass die westliche Medizin der unfehlbare Gipfel der Medizin ist und traditionelle oder natürliche Heilmethoden überholt sind. Diese beiden Denkansätze erklären den gegenwärtigen Stand der Gesundheitsversorgung, bei dem die medikamentöse Unterdrückung von Symptomen wichtiger erscheint als die Suche nach der Ursache einer Erkrankung.

Ein Beispiel dafür ist die Ekzembehandlung. Anstatt Faktoren anzugehen, die zur Entstehung beitragen, verordnen Ärzte häufig cortisonhaltige Salben zur Linderung der Symptome. Das ist jedoch nur eine vorübergehende Lösung, denn eine längerfristige Anwendung ist mit ernsten Nebenwirkungen verbunden, ohne die eigentliche Ursache zu beheben. Cortison kann ein Ekzem nicht »heilen«, sondern unterdrückt nur die Symptome. Die Probleme, die ihnen zugrunde liegen, sind weiterhin vorhanden.

Ich bin davon überzeugt, dass die westliche Medizin ihre Berechtigung hat. Ohne jeden Zweifel ist die moderne Chirurgie bei schweren Verletzungen oder lebensbedrohlichen akuten Erkrankungen unglaublich effizient. Wenn ich mir den Arm brechen würde, würde ich selbstverständlich zuerst ins Krankenhaus gehen und nicht zum Heilkräuterexperten. Dennoch erschüttert mich der allgemein schlechte Gesundheitszustand. Über die Hälfte der Amerikaner sind von chronischen Erkrankungen betroffen und ein Viertel der Bevölkerung hat mindestens zwei chronische Krankheiten. Gleichzeitig nehmen die Gesundheitsausgaben der USA weltweit den Spitzenplatz ein, was daran liegen könnte, dass viele chronische Krankheiten in erster Linie über die milliardenschwere Pharmaindustrie behandelt werden. Beim Streben nach mehr Gesundheit läuft definitiv etwas schief. Auch in Deutschland dürften die Verhältnisse ähnlich sein, da sich die Lebensweisen nicht maßgeblich voneinander unterscheiden.

Obwohl unsere Gesundheit von der modernen Medizin auf mancherlei Weise erheblich profitiert, sind viele chronische Beschwerden nach wie vor ungelöst. Manche Menschen setzen inständige Hoffnung auf technische Fortschritte zum Wohl der Bevölkerung, doch mir ist bewusst, dass wir unsere Gesundheit niemals durch eine Pille verwandeln können. Wir sollten vielmehr einen Blick in die Vergangenheit werfen.

1.2 Pflanzenmedizin: der Blick in die Vergangenheit

Jahrtausendelang – und lange vor der Existenz von Büchern oder gar dem Internet – waren Pflanzen auf der ganzen Welt ein wichtiges Heilmittel. Alle Kulturen dieser Erde haben eigene Traditionen und Theorien zur Verwendung medizinisch wirksamer Pflanzen entwickelt, die unter den Begriffen Kräuterheilkunde oder Phytomedizin zusammengefasst werden. Aus diesen vielen Ansätzen werden in den USA derzeit in erster Linie drei Theorien gelehrt: die Kräutertraditionen des Westens, Ayurveda und die traditionelle chinesische Medizin (TCM). Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden gesundheitliche Beschwerden weltweit häufig mit Kräutern behandelt. Naturheilmittel galten nicht nur als Hausmittel. In den USA gab es Colleges, die sogenannte »eklektische Ärzte« ausbildeten, die vor allem mit Pflanzen heilten. Diese Ausbildungsstätten gab es vielerorts in den USA, und die Berichte dieser Mediziner, die ihren Erfahrungsschatz widerspiegeln, gelten bis heute als wichtige Quellen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verkündete die amerikanische Ärztevereinigung (AMA) allerdings wenig beeindruckt, was aus ihrer Sicht Wissenschaft sei und was Quacksalberei. Ab diesem Zeitpunkt wurde chemischen Arzneimitteln und invasiven Verfahren regelmäßig der Vorzug vor Kräutern und anderen Naturheilmitteln gegeben. Die AMA entschied auch, was ins Curriculum angehender Mediziner gehörte und was nicht. Daraufhin wurden die eklektischen Colleges nach und nach geschlossen. Ähnliche Entwicklungen waren auch im europäischen Raum zu beobachten.

Nach der Entdeckung der Antibiotika in den 1930er-Jahren glaubten die Menschen noch bereitwilliger an ein »besseres Leben dank der Wissenschaft« und griffen lieber zu Pharmaprodukten als zu Pflanzen. Man war von den Antibiotika und isolierten chemischen Substanzen wie Acetylsalicylsäure (ASS) derart beeindruckt, dass die Kräuterheilkunde bald nicht mehr viel galt. In den folgenden Jahrzehnten existierte die Kräuterheilkunde zwar überall in isolierten Nischen weiter, war jedoch kein Allgemeinwissen mehr.

In den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts kam es mit der Bewegung »Zurück zur Natur« zu einer neuen Wertschätzung von Kräutern. Die damals einsetzende Wiederentdeckung dieser Heilmittel ist bis heute immer stärker geworden. Inzwischen sind Kräuter in Amerika und auch in Europa ein Milliardengeschäft. Ich hoffe, dass wir eines Tages zu einem ganzheitlichen Medizinverständnis zurückfinden, in dem es darum geht, Krankheiten durch eine gesündere Lebensweise vorzubeugen. Wenn dann jemand krank wird, werden hoffentlich zunächst alle Faktoren abgeklopft, die sich durch Ernährung, Lebensweise und Kräuter beeinflussen lassen. Pharmazeutisch hergestellte Medikamente oder Operationen sollten immer die letzte Option sein.

Doch dieses Buch soll sich weder mit einem Blick auf die Vergangenheit begnügen noch Kräuter und Ergänzungsmittel als Allheilmittel anpreisen. Mir geht es um die Verwendung von Kräutern im Alltag. Deshalb lade ich Sie ein, sich von der Wahnvorstellung des »Allheilmittel-Syndroms« zu lösen und sich auf eine persönliche Entdeckungsreise zu begeben, auf der Sie entdecken können, was für Sie persönlich funktioniert. Ich hoffe, dieser Weg ist für Sie von »Aha-Momenten« gespickt, von denen Sie ebenso unmittelbar profitieren, wie ich es einst erlebt habe.

1.3 Entdeckungsreise in die Welt der Kräuter

Mein Interesse an Naturheilkunde ist schon ewig vorhanden, aber früher war sie mir nicht immer so wichtig. Anfangs war es eher ein Hobby, das mir Freude machte und bei kleineren Wehwehchen auch nützlich war. Als ich 23 Jahre alt war, stellte sich jedoch heraus, dass ich eine seltene Autoimmunkrankheit hatte. Meine Suche nach Lösungen sollte meinen Lebensweg für immer verändern.

Diese Diagnose war meine erste Erfahrung mit dem Allheilmittel-Syndrom der westlichen Medizin. Die Spezialisten erklärten mir, es gäbe keine Heilung. Die einzige Behandlungsoption waren hohe Gaben Steroide, die allerdings irgendwann nicht mehr wirken würden. Man prophezeite mir eine allmähliche Verschlechterung und eine Lebenserwartung von nicht einmal mehr 20 Jahren.

Nach dem ersten Schock begab ich mich auf eine intensivere Suche nach Heilungsmöglichkeiten. Bei meinen Begegnungen mit ganzheitlichen Heilern, ob Phytotherapeuten, Akupunkteuren oder Naturheilkundlern fiel mir auf, dass sie meine Krankheit ganz anders betrachteten als die Ärzte. Die ärztliche Diagnose schien sie weniger zu interessieren, sondern sie bemühten sich, mich umfassend kennenzulernen. Mit ihrer Hilfe und fortschreitendem eigenem Wissen stellte ich meine Ernährung um, ging gezielt gegen Nährstoffmängel vor und nutzte diverse Kräuterrezepte. Nach sechs Monaten war ich symptomfrei, und das bin ich mittlerweile seit über zehn Jahren.

Diese umwerfende Erfahrung verschob nicht nur meine Realität, sondern auch meinen Lebensweg. Jetzt wusste ich, dass ich anderen helfen wollte, denen es ähnlich erging wie mir. Also begab ich mich auf meine eigene Reise in die Welt der Kräuter. Auf den ersten Schritten begleitete mich die Ethnobotanikerin Karen Sherwood. Wir verbrachten viel Zeit in der Natur, wo ich lernte, wie man Wildpflanzen als Nahrung und Heilmittel oder auch als Werkzeug in den Alltag einbezieht. Danach eignete ich mir eingehenderes Kräuterwissen an und beschäftigte mich insbesondere mit traditionell überlieferten Anwendungsmethoden essbarer und heilkräftiger Pflanzen.

Die Begegnungen mit John und Kimberly Gallagher im Jahr 2005 waren der Auftakt zu einer Partnerschaft, die meiner Entdeckungsreise durch die Kräuterwelt eine neue Ausrichtung gab. Zu ihrer schlichten Herangehensweise an die Kräuterkunde fühlte ich mich gleich hingezogen. Sie betonten, was sie sich von ihren eigenen Lehrern abgeschaut hatten: sich gründlich mit jeder Pflanze einzeln auseinanderzusetzen und diese durch tägliche Verwendung genauer zu studieren. Bald verfasste ich regelmäßig Newsletter mit Rezepten für ihr Unternehmen, LearningHerbs.com, und wurde später Teil ihres Mitgliederbereichs, HerbMentor.com. Heute leite ich bei LearningHerbs den gesamten Schulungsbereich und lasse mich immer wieder von unserem Ansatz inspirieren, Kräuter so einfach zu präsentieren, dass jeder einen Zugang zum Lernerfolg finden kann.

Mit der Zeit wurde mir jedoch klar, dass ich mein Wissen weiter vertiefen wollte. Also schrieb ich mich für die Fortbildung zur Heilpflanzenberaterin ein und machte nach einem vierjährigen Lehrgang an der East West School of Planetary Herbology meinen Abschluss als »Herbal Clinician«. In dieser Zeit studierte ich bei Michael und Lesley Tierra; die berufliche Anwendung übernahm dann als Mentor Karta Purkh Singh Khlasa, ein bekannter Heilpflanzenberater und zugleich ehemaliger Präsident der American Herbalists Guild (Gilde der amerikanischen Heilkräuterberater).

Meine praktischen Studien an Patienten führten mich in die ganz neue Welt der individuellen Kräuterrezepte ein, denn ich musste komplexe, individuelle Behandlungspläne erstellen und mich ganz darauf konzentrieren, wie man mithilfe von Kräutern und anderen naturheilkundlichen Verfahren die besten Ergebnisse erzielt. Ich liebe diese Behandlungsform, und obwohl ich nun schon zehn Jahre mit Menschen und Kräutern umgehe, staune ich nach wie vor, wie wirkungsvoll Kräuter bei chronischen Krankheiten helfen. Ich habe miterlebt, wie Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen sich ihr Leben zurückerobern und andere sich wieder schmerzfrei bewegen konnten, nachdem sie viele Jahre an chronischer rheumatischer Arthritis gelitten hatten. Ich sah wöchentliche Migräneattacken verschwinden, Diabetiker, die (unter ärztlicher Aufsicht) ihre Medikamentendosis verringern oder gar absetzen konnten. Auch chronische Hautausschläge wie Ekzeme heilten vollständig ab. In all diesen Fällen gab es keine einfache Pauschallösung. (Glauben Sie mir, wenn es ein Kraut oder Gewürz gäbe, das einfach jede Krankheit heilen kann, hielten Sie jetzt ein ganz anderes Buch in der Hand.) Es kommt darauf an – wie ich in diesem Buch immer wieder betonen werde —, dass wir nicht nur wissen, unter welcher Krankheit jemand leidet, sondern auch wer diese Krankheit hat.

Weil ich so oft gesehen habe, was Kräuter und Gewürze vermögen, kommt es mir mittlerweile seltsam vor, wenn jemand bei Gesundheitsbeschwerden zuerst an Medikamente denkt und nicht an Pflanzen. Zum Glück erkennen heute auch Ärzte, Naturheilkundler und Akupunkturanwender wieder die Vorzüge von Heilpflanzen. In einem Artikel der Hopkins Medicine mit dem Titel »Essen Sie zwei Möhren und rufen Sie mich morgen früh wieder an«, beschreibt Dr. Gerard Mullin, ein führender Experte für die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Darmerkrankungen, ein Beispiel für die Macht der Nahrung als Medizin: »Menschen mit Übelkeit, Motilitätsstörungen des Magens oder anderen gastrointestinalen Beschwerden verordne ich in erster Linie Ingwer. Er wirkt genauso gut wie Ondansetron, unser stärkster pharmazeutischer Wirkstoff gegen Übelkeit, denn er spricht im Gehirn denselben Rezeptor an. Viele Ärzte wissen das jedoch nicht.«

Kräuter und Gewürze können enormen Einfluss auf die Gesundheit haben, indem sie beispielsweise die Verdauung verbessern oder chronische Entzündungen zurückdrängen. Wenn man gesundheitliche Fortschritte bemerkt, könnte der Arzt eine Anpassung der Arzneimittelverordnung empfehlen oder manche Mittel ganz streichen. Das heißt keinesfalls, dass Sie auf die moderne, westliche Medizin verzichten oder ohne ärztlichen Rat eigenmächtig Ihre Medikation absetzen sollten! Im Einzelfall kann es sinnvoll sein, zusätzlich zu Medikamenten – oder ersatzweise – Kräuter zu verwenden, doch Kräuter entfalten ihre Wirkung nicht im Sinne eines Allheilmittels. Mit anderen Worten: Ingwer hilft wunderbar gegen Übelkeit, ist aber dennoch nicht für jeden geeignet, dem übel ist.

Hinzu kommt, dass ich trotz meiner umfassenden Kräuterausbildung davon überzeugt bin, dass die beste Anwendung in der Küche beginnt. Natürlich kann man eine Handvoll Kräuterpillen oder ein paar Löffel Tinktur (alkoholischen Kräuterextrakt) einnehmen. Doch den stärksten und besten Einfluss auf die Gesundheit haben Kräuter und Gewürze, wenn man sie regelmäßig gezielt im Alltag verwendet.

1.4 Schritt für Schritt: in der Küche anfangen

Ein verbreitetes Missverständnis in Bezug auf Gesundheit ist der Umkehrschluss, dass ein »gesundes« Leben langweilig ist, weil man auf viele geschätzte Dinge verzichten soll. So ist es jedoch ganz und gar nicht, am allerwenigsten in Bezug auf Kräuter und Gewürze. Vor Kurzem erzählte mir eine Freundin, wie sie ein Essen voller Kräuter und Gewürze zubereitete. Kaum war ihr Mann zur Tür hereingekommen, überhäufte er sie mit Komplimenten. Erst kam die Bemerkung: »Was riecht denn hier so lecker?«, und dann genoss er jeden Bissen und bat sie, ihm künftig mehr solcher Mahlzeiten vorzusetzen.

Genauso sieht der Weg zum gesünderen Leben aus: schmackhaftes Essen voller Nährwert und Antioxidanzien, mit denen es uns bestens geht. Deshalb finden Sie in diesem Buch jede Menge Rezepte für diesen Ansatz. Küchenkräuter sind im Alltag schon jetzt verbreitet, werden aber häufig viel zu sparsam eingesetzt, um ihre wahre Macht entfalten zu können. Eine Prise Kräuter für eine ganze Mahlzeit sorgt weder für kräftiges Aroma, noch kann sie nennenswerte gesundheitliche Fortschritte einleiten. Genießen Sie also die beruhigende Wirkung eines ▶ Zitronenmelisse-Nährtees, lassen Sie einen himmlischen ▶ Kardamom-Schokomousse-Kuchen auf der Zunge zergehen oder verleihen Sie Speisen mit ▶ Senf nach Art des Hauses eigene Würze. Es gibt unzählige Möglichkeiten, leicht die volle Kraft der Kräuter und Gewürze zu nutzen – für Veganer, Vegetarier, Paleo-Anhänger, regionale Esser und alle anderen.

Zum Auftakt Ihrer Reise entwickeln Sie ersten Kapitel mehr Achtsamkeit, um die besten Kräuter und Gewürze für sich selbst zu wählen. Der Hauptteil des Buches besteht dann aus fünf Abschnitten, die sich gemäß den Grundgeschmacksrichtungen der Kräuter aufteilen: scharf, salzig, sauer, bitter und süß. In jedem Kapitel geht es um eine einzelne Pflanze und Sie bekommen Rezepte, um sich mit diesem Kraut oder Gewürz auseinanderzusetzen. Am Ende des Buches finden Sie weiterführende Informationen wie das Stichwortverzeichnis, ein Glossar und Bezugsquellen. Bei den Bezugsquellen sind auch Schulen genannt, wo Sie mehr über Kräuter und Gewürze lernen können.

Der Umgang mit Kräutern wird Ihnen von Anfang an Spaß machen. Sie lernen durch praktische Anwendung und müssen nicht erst kompliziertes theoretisches Wissen auswendig lernen. Wenn Sie beim Lesen auf eine Pflanze stoßen, die genau zu Ihrer Situation zu passen scheint, können Sie sofort mit einem der einfachen Rezepte loslegen.

Dieses Buch zielt darauf ab, Ihre Einstellung zu Kräutern und Gewürzen zu verändern. Ich hoffe, dass Sie einen erweiterten Blickwinkel erhalten, die machtvolle Wirkung von Heilpflanzen mit allen Sinnen sehr bewusst registrieren und diese dann täglich großzügig verwenden. Auf diese Weise können Sie einigen chronischen Beschwerden vorbeugen, unter denen heute so viele Menschen leiden, oder mitunter sogar eine Heilung einleiten. So können Sie am Ende gut informierte Entscheidungen zur eigenen Gesundheit treffen.

Teil II Die Welt der Kräuter und Gewürze

2 Kräuter und Gewürze als Naturheilmittel

3 Erfahrungswissen und Wissenschaft

4 Kräuter für Menschen, nicht gegen Krankheiten

2 Kräuter und Gewürze als Naturheilmittel

Mit jeder Mahlzeit bietet sich die Gelegenheit, den Körper zu nähren und der eigenen Gesundheit auf die Sprünge zu helfen. Der Verzehr von reichlich Kräutern und Gewürzen hat viele Vorteile. Sie liefern wichtige Nährstoffe, unterstützen die natürliche Energie, fördern das gesunde Altwerden, beugen Krankheiten vor, unterstützen die Reparatur lebenswichtiger Prozesse und stärken insgesamt die gesunde Körperfunktion. Bei richtiger Anwendung ist diese Form der Phytomedizin zudem unbedenklich – und mit deutlich mehr Genuss verbunden, als wenn man eine Kapsel Kräuterextrakt oder einen Löffel Kräutertinktur zu sich nimmt.

Doch wie kann etwas ganz Alltägliches so viele Aspekte der Gesundheit beeinflussen? Im zweiten Teil des Buches werden die besonderen Gaben typischer Küchenkräuter und Gewürze näher behandelt. Bevor wir ins Detail gehen, möchte ich jedoch ganz allgemein erklären, auf welche Weise Kräuter ihre Wirkungen entfalten.

2.1 Kräuter unterstützen die Verdauung

Die Kräuterheilkunde geht davon aus, dass die meisten chronischen Krankheiten mit Verdauungsstörungen beginnen. Wenn man die Nahrung nicht in die Nährstoffe umwandeln kann, die der Körper benötigt, wie soll man dann gesund bleiben? Viele Küchenkräuter werden seit Jahrtausenden verwendet, und dies nicht nur wegen ihres Geschmacks, sondern auch, weil sie die Verdauung unterstützen.

Verdauungsstörungen sind leider vielfach derart hartnäckig, dass viele Menschen sie für natürlich halten. Als Heilpflanzentherapeutin habe ich schon Hunderte Menschen beraten, die mich wegen unterschiedlicher chronischer Beschwerden aufsuchten. Ihre Verdauungsprobleme tun die Betroffenen dabei häufig als »normal« ab. Sobald wir ihre Verdauung jedoch mit Kräutern und Gewürzen stärken, stellen sie vielfach fest, dass auch andere Beschwerden verschwinden.

Die folgenden Symptome deuten auf eine gestörte Verdauung hin:

Aufstoßen

Blähungen

Magenschmerzen

Sodbrennen

Verstopfung

Übelkeit

Appetitlosigkeit

wiederkehrender Durchfall

Magengeschwüre

2.2 Kräuter liefern Antioxidanzien

Kräuter und Gewürze haben einen hohen Gehalt an Antioxidanzien, die bei der Begrenzung von oxidativem Stress für den Körper eine Schlüsselrolle einnehmen, der Herzbeschwerden, Leberprobleme, Arthritis, vorzeitige Hautalterung und Augenschäden in Verbindung erzeugen kann. Er tritt auf, wenn der Körper mit freien Radikalen (Atome oder Moleküle, denen ein Elektron fehlt) überlastet ist. Sobald solche freien Radikale mit anderen Molekülen in Kontakt kommen, können sie diesen ein Elektron rauben. Dabei entsteht ein neues, instabiles Molekül, und es kommt zu einem Dominoeffekt, der den Körper mit freien Radikalen überschwemmt und den Körper unter oxidativen Stress setzt. Antioxidanzien enthalten ein überschüssiges Elektron, das sie an freie Radikale abgeben können. So wird die Kaskade gestoppt.

Freie Radikale entstehen im Rahmen des normalen Lebens, Essens und Atmens. Stress, industriell erzeugte Fertigprodukte, der Verzehr übermäßig erhitzter Öle, Schadstoffe oder Zigarettenrauch in der Luft, Schlafmangel oder das Essen von verbranntem Fleisch können die Anzahl der freien Radikale stark ansteigen lassen. Zur Eindämmung von oxidativem Stress sollte man solche negativen Einflüsse einschränken und regelmäßig Nahrung mit hohem Antioxidanzienanteil – zum Beispiel in Form von Kräutern und Gewürzen – verzehren.

2.3 Kräuter stabilisieren das Nervensystem

Wer sich kritisch umschaut, wird bestätigen, dass unsere Kultur von Dauerstress geprägt ist.

Wie oft erhalten Sie auf die Frage »Wie geht’s?« die Antwort: »Viel zu tun«? Übermäßiger Stress ist so verbreitet, dass es schon fast als normal gilt, zu wenig zu schlafen und ständig gehetzt, überarbeitet und übereifrig zu sein.

Auch wenn viele ein umtriebiges Leben als selbstverständlich einstufen, sind die Auswirkungen der Dauerstressbelastung gesundheitlich kaum zu übersehen. Chronischer psychischer Stress wird mit führenden Todesursachen in Verbindung gebracht: Krebs, koronare Herzkrankheit, Unfälle, Atemwegserkrankungen, Leberzirrhose und Suizid.

Ich hoffe, dass wir bei steigendem Bewusstsein zu kulturell bedingtem Stress deutlichere Schritte einleiten, um unser Leben wieder einfacher zu gestalten und unrealistische Erwartungen zurückzuschrauben. Dazu gehören nicht nur ein Umdenken auf individueller Ebene, sondern auch politische Rahmenbedingungen, die Familien, die sich trotz harter Arbeit nur mit Mühe über Wasser halten, das Leben leichter machen.

Kräuter verleihen selbstverständlich keine übermenschlichen Kräfte. Wir brauchen trotzdem ausreichend Schlaf und müssen eine übertrieben ehrgeizige To-do-Liste trotzdem zusammenstreichen. Doch beim Lesen werden Sie feststellen, dass Kräuter und Gewürze uns helfen können, die negativen Auswirkungen von Stress anders zu bewältigen. Zum Beispiel können sie dazu beitragen, dass wir aus dem Kampf-oder-Flucht-Modus des sympathischen Nervensystems in den Ausruh- und Verdauungsmodus des parasympathischen Nervensystems übertreten. Sie können uns zu einem erholsamen Nachtschlaf verhelfen und tagsüber das Angstniveau herunterschrauben. Im Zusammenspiel mit frischen, regional erzeugten Lebensmitteln liefern sie viele Vitamine und Mineralstoffe zur Unterstützung des Nervensystems.

2.4 Kräuter schützen vor unerwünschten Keimen

Manche Kräuter und Gewürze liefern Schutz vor Krankheitserregern. Im Zeitalter der Antibiotika klingt das vielleicht nicht sonderlich revolutionär, doch die Menschheit steht angesichts zunehmender resistenter Keime vor einem erheblichen Problem. Bakterien haben sich evolutionär inzwischen an viele übliche Antibiotika angepasst. Nach jahrzehntelangem, überbordendem Antibiotikaeinsatz lassen sich bakterielle Erkrankungen häufig nicht mehr mit Antibiotika besiegen. Allein in den USA sterben jährlich 23 000 Patienten an Infektionen durch resistente Keime. Pflanzen haben sich seit Jahrtausenden parallel zu Bakterien verändert und fortentwickelt. An ihre Komplexität können Krankheitserreger sich schlechter anpassen.

Bei bestimmten Erkrankungen sind pharmazeutisch erzeugte Antibiotika zwar notwendig, doch ihr Einsatz kann weitreichende unerwünschte Folgen nach sich ziehen. Besonders die Darmflora – als Oberbegriff für die erwünschten Bakterien im Dickdarm – wird in Mitleidenschaft gezogen. Neuere Forschungen belegen, wie wichtig eine gesunde und vielfältige Darmflora ist, zumal der Begriff »Antibiotika« letztlich »gegen das Leben« bedeutet.

Gewürze können eine starke antimikrobielle Wirkung entfalten, ohne dem Leben zu schaden. Pflanzen vernichten nicht einfach alles, womit sie in Berührung kommen, sondern lassen sich gezielt je nach Infektion auswählen. Einige Kräuter helfen gegen bestimmte Bakteriensorten besser als gegen andere. Zudem helfen Pflanzen auch bei Virus- und Pilzinfektionen.

Wissenschaftler haben geprüft, wie Pflanzen die Wirksamkeit von Antibiotika verbessern können. Zum Beispiel kann der Wirkstoff Berberin, der in Pflanzen wie der kanadischen Gelbwurz (Hydrastis canadensis) oder der Gewöhnlichen Mahonie (Mahonia aquifolium) vorliegt, Antibiotika beim Einsatz gegen resistente Keime wirksamer machen.

Und das ist noch nicht alles, denn Kräuter töten nicht nur Erreger ab. Sie stabilisieren zugleich das Ökosystem Körper, tragen zur Wiederherstellung der Schleimhäute bei und unterstützen eine gesunde Darmflora.

2.5 Kräuter stärken das Immunsystem

Kräuter unterstützten die Gesundheit bei Infekten nicht nur über direkte Erregerbekämpfung, sondern auch durch ihre Wirkung auf das körpereigene Immunsystem, das zweifellos unsere beste Abwehr gegen Krankheitserreger darstellt. Wenn das Immunsystem nicht ungestört arbeiten kann, steigt das Infektrisiko und parallel dazu das Risiko für Krebs, Autoimmunerkrankungen und allergische Reaktionen auf Pollen und andere Substanzen aus der Umwelt. Kräuter können dazu beitragen, unser Immunsystem zu stärken, damit es seine komplexen Aufgaben korrekt erfüllen kann.

Kräuter und Gewürze unterstützen die Gesundheit somit auf vielerlei Weise, indem sie die Verdauung und das Immunsystem stärken, aber auch alle Sinne ansprechen und unser Leben insgesamt bereichern. Um möglichst viel davon zu profitieren, sollte man sie täglich großzügig einsetzen. Darunter verstehe ich nicht, dass man die Suppe nachwürzt und mit ein bisschen Schnittlauch oder Petersilie bestreut. Betrachten Sie vielmehr jede Mahlzeit als gute Gelegenheit, Ihrer Gesundheit mit einer Fülle an Kräutern etwas Gutes zu tun. So wird Nahrung wahrhaftig zur besten Medizin!

3 Erfahrungswissen und Wissenschaft

Wenn man mehr über die Vorteile und Eigenschaften der Kräuter erfährt, fragt sich ein kritischer Geist irgendwann: Können Kräuter das alles wirklich? Woher wissen wir das? Oder hat die Autorin das alles einfach nur erfunden? Wer sich intensiver mit Pflanzen befasst, sollte sich bewusst machen, dass es nicht nur eine Herangehensweise gibt. Es existieren historische Aufzeichnungen, die mitunter mehrere Jahrtausende zurückreichen. Viele moderne Phytopraktiker setzen Kräuter im eigenen Leben und in ihren Behandlungen ein und tauschen sich über ihre Erfahrungen aus. Hinzu kommen selbstverständlich immer mehr wissenschaftliche Studien zu Heilpflanzen.

3.1 Historische Überlieferung und moderne Naturheilkunde

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen zum medizinischen Einsatz von Kräutern sind über 5000 Jahre alt. Seitdem wurden viele wichtige Abhandlungen erstellt, die überliefert wurden und nach wie vor unser Wissen beeinflussen. Eine gewisse Skepsis gegenüber älteren Dokumenten ist natürlich sinnvoll. Dennoch können wir daraus vieles lernen, was sich über unzählige Jahre bewährt hat. Dass eine einzelne Information in einem Werk nicht mehr aktuell ist, bedeutet nicht zwangsläufig, dass darin keine Perlen der Weisheit mehr enthalten sind.

Moderne Therapeuten, die mit Kräutern arbeiten, prüfen solche historischen Anwendungsgebiete gern durch persönliche und praktische Anwendung. So bleiben sie in der Vergangenheit verwurzelt, geben bewährte Traditionen weiter und entwickeln neue Anwendungsgebiete. Phytopraktiker teilen ihre Erfahrungen und ihre Fallstudien – auch die Misserfolge – über Ausbildungsgänge, Schulen, Konferenzen und Organisationen wie die American Herbalists Guild (Gilde der amerikanischen Heilpflanzenberater) untereinander. Sie sind daher die wichtigsten Ansprechpartner zu diesem Thema.

Ich selbst verwende Kräuter seit über zehn Jahren für mich, meine Familie und meine Klienten. Ich sehe regelmäßig, wie Kräuter (im Zusammenspiel mit Lebensweise, Ernährung und Beratung) erhebliche Auswirkungen auf die Heilung haben können. Das reicht von der schlichten Beruhigung eines rauen Halses bis hin zur ursächlichen Bekämpfung einer chronischen Erkrankung. Deshalb sind im ganzen Buch Geschichten von eigenen Erfahrungen eingestreut, aber auch von Personen, mit denen ich im Laufe der Jahre arbeiten durfte. (Zum Schutz der Privatsphäre wurden die Namen geändert.)

3.2 Zum Stand der Wissenschaft

Es gibt zunehmend mehr wissenschaftliche und klinische Studien zum Einsatz von Kräutern und Gewürzen. Immer wieder höre ich Stimmen, dass wissenschaftlich längst erwiesen sei, dass Kräuter nicht helfen. Dabei beweisen Tausende Studien das Gegenteil. Viele bestätigen traditionelle Einsatzmöglichkeiten, andere zeigen neue Anwendungsmethoden auf.

Es gibt viele gut konzipierte Studien, in denen Kräuter so eingesetzt werden, wie ein traditioneller Kräuterheilkundiger es tun würde, also mit der passenden Dosierung, der optimalen Extraktion (Tee, Tinktur oder andere Verfahren) und Behandlung der richtigen Indikationen.

Andere wiederum sind schlecht gemacht und genau diese führen zu fetten Schlagzeilen, die den Menschen den Eindruck vermitteln, dass Kräuter nicht helfen. Ein unglückseliges Beispiel war eine Studie, die 2009 im JAMA erschien, dem renommierten Journal der American Medical Association. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass man mit Ginkgo nicht einer Demenz vorbeugen kann. Daraufhin erschienen in wichtigen Zeitungen Artikel mit Überschriften wie »Ginkgo wirkungslos«. Kurz darauf gab der American Botanical Council eine Pressemitteilung heraus, der zufolge die Studie in mehrfacher Hinsicht fehlerhaft war. Unter anderem fehlte eine Kontrollgruppe, und die Statistik berücksichtigte nicht die 40 Prozent Teilnehmer, die vorzeitig aus der Studie ausschieden. Die Pressemeldung betonte auch: Mindestens 16 kontrollierte klinische Studien haben den Einsatz verschiedener Ginkgo-Extrakte bei gesunden Erwachsenen ohne kognitive Einschränkung getestet. Eine systematische Durchsicht vieler bereits bestehender Studien, eine sogenannte Metaanalyse, ergab, dass Ginkgo in elf dieser Studien Kurzzeitgedächtnis, Konzentration und das Tempo der geistigen Verarbeitung erhöhen konnte. Eine kritische Beleuchtung handwerklicher Fehler bei einer Studie ist leider nicht interessant genug für die Titelseiten. So bleibt der Eindruck haften, dass Kräuter nicht helfen.

Die Mehrheit der in diesem Buch zitierten Ergebnisse stammt aus klinischen Studien an Menschen, sogenannten In-vivo-Studien. Zusätzlich verweise ich auf einige wenige interessante In-vitro-Studien an Pflanzen, also Studien, die in kontrollierter Umgebung nicht am lebenden Organismus durchgeführt werden wie zum Beispiel Zelltests in der Petrischale. Solche Laborexperimente können zu einem besseren Verständnis für die Wirkweise einer Pflanze beitragen, reflektieren aber nicht unbedingt die Wirkung, die diese Pflanze beim Menschen hätte. Tierversuche habe ich aus zwei Gründen nicht einbezogen. Zum einen halte ich viele Tierversuche für ethisch nicht vertretbar.

Zum anderen lassen sich die Ergebnisse häufig nicht auf den Menschen übertragen.

Wenn wir die traditionelle Anwendung von Kräutern ignorieren und uns stattdessen auf schlecht konzipierte klinische Studien verlassen, bleibt unser Verständnis zum Potenzial der Kräuter begrenzt. Verlassen wir uns hingegen einzig und allein auf Geschichte und Tradition, ohne wissenschaftliche Studien und die vielfältigen Rückmeldungen moderner Phytopraktiker zur Kenntnis zu nehmen, sind wir gleichermaßen schlecht informiert. Wirklich spannend wird es, sobald traditionelle Anwendung, moderne Behandlungsformen und Wissenschaft zusammentreffen! Im Idealfall kombinieren wir damit jahrtausendealtes Wissen mit den therapeutischen Erfahrungen von heute sowie den Ergebnissen vieler gut durchdachter klinischer Studien am Menschen. Auf diese Weise entwickeln wir ein klareres Bild von den vielen Möglichkeiten, wie Pflanzen heilen können.

Im Sinne dieser ganzheitlichen Betrachtung der Kräuter habe ich mir größte Mühe gegeben, die Informationen in diesem Buch aus Sicht der Kräuterheilkunde zu präsentieren und zugleich hervorzuheben, in welcher Weise die Wissenschaft die traditionelle Nutzung von Pflanzen bestätigt. Im folgenden Kapitel geht es um die Grundlage der Kräuterkunde: Energetik und Geschmack.

4 Kräuter für Menschen, nicht gegen Krankheiten