Heimatkinder 10 – Heimatroman - Ute Amber - E-Book

Heimatkinder 10 – Heimatroman E-Book

Ute Amber

3,0

Beschreibung

Die Heimatkinder verkörpern einen neuen Romantypus, der seinesgleichen sucht. Zugleich Liebesroman, Heimatroman, Familienroman – geschildert auf eine bezaubernde, herzerfrischende Weise, wie wir alle sie schon immer ersehnt haben. Während eines Sommerurlaubs lernt der junge Förster Hannes Burger die bildhübsche Städterin Sonja Rosen kennen. Obwohl er seit Langem mit Marett, einem Dirndl aus seinem Dorf, verlobt ist, folgt er der schwarzhaarigen Sonja in die Stadt und verlebt hier eine Zeit unbeschwerten Glücks. Aber dann folgt die Ernüchterung, denn er sieht Sonja an der Seite eines anderen Mannes. Voll Reue kehrt Hannes in die Heimat zurück, fest dazu entschlossen, Marett um Verzeihung und einen neuen Anfang zu bitten. Nur mit ihr, so weiß er jetzt, kann er glücklich werden. Doch kaum ist er zu Hause angekommen, erkennt er, dass er zu lange gewartet hat: Marett hat ihr Jawort einem anderen gegeben …

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Heimatkinder –10–

Verführerin mit schwarzen Haaren

Hannes vergaß Marett und ihr Kind

Roman von Ute Amber

Während eines Sommerurlaubs lernt der junge Förster Hannes Burger die bildhübsche Städterin Sonja Rosen kennen. Obwohl er seit Langem mit Marett, einem Dirndl aus seinem Dorf, verlobt ist, folgt er der schwarzhaarigen Sonja in die Stadt und verlebt hier eine Zeit unbeschwerten Glücks. Aber dann folgt die Ernüchterung, denn er sieht Sonja an der Seite eines anderen Mannes. Voll Reue kehrt Hannes in die Heimat zurück, fest dazu entschlossen, Marett um Verzeihung und einen neuen Anfang zu bitten. Nur mit ihr, so weiß er jetzt, kann er glücklich werden. Doch kaum ist er zu Hause angekommen, erkennt er, dass er zu lange gewartet hat: Marett hat ihr Jawort einem anderen gegeben …

*

Der berauschend schöne Bergfrühling entfaltete seinen ganzen Zauber über dem Berchtesgadener Land. Ein junges Paar erfreute sich besonders daran … Marett Saller, die Lehrerstochter von Steinau, und der Forsteleve Hannes Burger. Sie waren verliebt und glücklich, fest davon überzeugt, dass sie im nächsten Jahr heiraten würden, wenn der dreißigjährige Hannes seine erste Stelle als junger Förster antreten konnte. Er und Marett wünschten sich, dass das auch in ihrer geliebten Heimat sein würde. Am liebsten in einem Forsthaus nahe Steinaus, damit Marett weiter ihren Vater versorgen konnte, wie sie es bisher getan hatte.

Auch an diesem schönen Frühlingstag träumten die beiden Verliebten von der gemeinsamen Zukunft. Der große brünette Hannes nahm Marett an die Hand und lief mit ihr den Hang hinunter, den sie eben etwas mühsam hinaufgestiegen waren. Maretts halblanges braunes Haar flatterte, und ihre dunklen Augen strahlten. Wie glücklich sie war, wie sehr sie Hannes liebte! Sie konnte sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Nie kam ihr der Gedanke, eine andere könnte in seinem Leben eine Rolle spielen. Sie gehörten einfach zueinander, das Schicksal hatte einen für den anderen bestimmt.

So dachte auch Hannes, und doch kam kurze Zeit später eine Prüfung auf ihn zu, die er nicht für möglich gehalten hatte. Er lernte in der kleinen Pension, die seine Mutter führte, Sonja Rosen kennen. Eine junge rassige Frau aus Schwaben, die hier ihre Ferien verbrachte.

Sonja war dreiundzwanzig Jahre alt, hatte tiefschwarzes Haar und blaue Augen. Von ihr ging eine Faszination aus, die Hannes immer wieder fesselte, obwohl er sich dagegen wehrte. Sonja erkannte, welchen Eindruck sie auf den Forsteleven machte und schürte sehr gekonnt das Feuer, das in Hannes immer mehr zu lodern begann. Ihr gefiel dieser Mann, der ihr wie ein Naturbursche vorkam. In ihrem Bekanntenkreis in der Stadt Villingen kam sie mit ganz anderen Männern zusammen, mit weltgewandteren und solchen, die das süße Leben liebten, wie sie es bisher getan hatte. Mit Hannes war es ganz anders, und diese neue Erfahrung wollte sie auf keinen Fall missen.

Sobald Hannes zu Hause war, verwickelte sie ihn in Gespräche über den Wald, über die Reviere in ihrer Heimat. Darüber konnte sie sich als Tochter eines Forstdirektors sehr gut unterhalten, und das beeindruckte Hannes.

Von Tag zu Tag verdrehte ihm Sonja mehr den Kopf. Sie verlängerte ihren Urlaub, um das bereits heiße Eisen schmieden zu können.

Dass es für Hannes eine Marett gab, störte sie nicht. Im Gegenteil, es stachelte sie an, ihr Hannes abspenstig zu machen.

Marett ahnte von alledem nichts, sie war voll Vertrauen und baute auf Hannes’ Liebe.

Er aber verlor sich immer mehr in den von Sonja geschürten Gefühlen. Als sie eines Abends in sein Zimmer kam, verlor er die Beherrschung und riss sie in die Arme.

Sonja triumphierte innerlich. Nun hatte sie erreicht, was sie wollte. Sie schwor Hannes, dass sie sich in der ersten Stunde in ihn verliebt habe, dass es keinen Mann in ihrem Leben gab, der ihr näherstand.

Marett war zurückhaltender, sie hatte nie so heiße, überschwängliche Worte gefunden und so fiel es Sonja leicht, überzeugend zu wirken.

Hannes glaubte ihr, dass sie ihn liebte und begehrte.

Einige Tage lag er noch im Widerstreit mit seinen Gefühlen, rang mit sich, dachte an Marett, die ihm bisher so viel bedeutet hatte, dann blieb Sonja Siegerin.

Sie stellte ihm in Aussicht, was ihr Vater als Forstdirektor alles für ihn tun könne, wenn er mit nach Villingen komme und dort in der Nähe ein Revier zugewiesen bekäme.

Hannes war sehr ehrgeizig gewesen, er malte sich aus, was es für ihn bedeuten würde, so gefördert zu werden, und er versprach Sonja, ihr zu folgen, sobald er seine Stelle als Eleve gekündigt hatte.

Ein bisher redlicher Mann vergaß die Treue, die er Marett geschworen hatte, und fragte sich nicht, wie sie die Trennung verkraften würde.

Das wurde ihm erst bewusst, als er mit Marett über seinen Entschluss sprach. Sie wich zwei Schritte zurück, ihr hübsches Gesicht wurde totenblass, und sie stammelte: »Du liebst mich nicht mehr?«

Hannes senkte den Kopf. »Ich weiß es nicht, Marett, aber das andere ist stärker in mir.«

»Die Liebe zu dieser Sonja, der Fremden?«, fragte Marett mit zitternder Stimme.

»So muss es wohl sein.« Hannes wollte den Arm um Maretts Schultern legen, aber sie wich ihm aus, und dann lief sie plötzlich weg.

Hannes war in Versuchung, ihr zu folgen. Für einen wachen Augenblick spürte er, dass sein eigentliches Glück bei Marett lag, aber dann sah er Sonja vor sich. Die Verführerin hatte mehr Kraft über ihn, und er folgte Marett nicht.

*

Marett und Hannes sahen sich nicht mehr. Der Lehrer Karl Saller hatte seine Tochter zu entfernten Verwandten nach Rosenheim geschickt, um sie von ihrem Leid etwas abzulenken.

Sonja war abgereist. In dem sicheren Gefühl, dass ihr Hannes bald folgen würde. Sie rief fast jeden Abend in der Pension seiner Mutter an, um mit ihm zu sprechen. Kein Funke des Feuers, das sie in ihm entfacht hatte, sollte erlöschen.

Sie konnte Hannes auch schon versprechen, dass er durch die Vermittlung ihres Vaters eine Stelle als Förster bekommen würde. Allerdings könne er noch nicht im Forsthaus wohnen, da es noch besetzt sei, aber er würde eine Wohnung in Villingen bekommen, von wo aus er es nicht allzu weit in das Revier habe.

Hannes merkte nicht, dass Sonja das alles so lenkte, weil sie ihn in der Nähe haben wollte.

Nach Beendigung seiner Ausbildung fuhr er nach Villingen und zog in das Appartement ein, das ihm Sonja besorgt hatte. Als er ihren Eltern vorgestellt wurde, war ihm beklommen zumute. Von der gewohnten Bescheidenheit war hier keine Spur, es wurde ein großes Haus geführt. Sonjas Eltern kamen ihm freundlich, aber doch etwas reserviert entgegen. Sie kannten ihre Tochter besser als er und wussten daher, dass sie mit dieser Liebschaft wieder einmal einer ihrer Launen gefolgt war.

Das sollte sich auch für Hannes in den nächsten Monaten herausstellen. Sonja ließ ihn bald merken, dass sie ihn vollkommen umändern wollte. Aber dazu war Hannes nicht bereit. Er, der Bursche aus dem kleinen Bergdorf, würde nie ein Mensch werden, der in die große Gesellschaft in der Stadt passte und sich dort wohlfühlte.

Aus Hannes wurde ein zerrissener Mensch, der bald nicht mehr wusste, wohin er wirklich gehörte. Je ungeduldiger Sonja wurde, wenn er ihr nicht immer zu Willen war, umso mehr plagte ihn das Heimweh nach seinen geliebten Bergen.

Und auch nach Marett. Er schämte sich, dass er ihr so weh getan hatte, und immer öfter kam es ihm vor, als habe er Gold gegen Talmi eingetauscht. Die Leidenschaft zu Sonja verflog, zurück blieb eine Ernüchterung, die Hannes furchtbar quälte. Er wollte nicht mehr von Sonjas Vater gefördert werden, sondern durch eigene Kraft vorankommen. Sein eigentlicher Charakter hatte nach der Verblendung wieder die Oberhand gewonnen.

Ohne darüber mit Sonja zu sprechen, bewarb er sich um eine Stelle im Berchtesgadener Land. Er wollte nach Hause, wenigstens in die Nähe.

So einfach, wie er sich das vorgestellt hatte, aber ging das nicht. Man schrieb ihm, dass er sich gedulden müsse, bis eine Stelle frei sei.

So trennte er sich wenigstens von Sonja, und dabei merkte er, wie wenig er ihr bedeutet hatte.

Sie ließ ihn leichten Herzens ziehen. Das Abenteuer, auf das sie aus gewesen war, hatte sie gehabt, jetzt stand ihr der Sinn nach einem neuen, mit einem anderen Mann, der für sie weniger schwierig war als Hannes.

Dieser musste sich länger als ein Jahr gedulden, bis ihm eine Revierförsterstelle im Berchtesgadener Land zugewiesen wurde. Eine Zeit, die er schwer durchstand.

Es war ihm recht, dass er keine Stelle in der Nähe Steinaus bekommen hatte. Er scheute die Begegnung mit Marett, so sehr er sich oft nach ihr sehnte. Ihr Bild hatte er immer vor Augen, aber er meinte, die Hände nicht mehr nach ihr ausstrecken zu dürfen. Zu sehr hatte er sie getroffen, ihren Stolz verletzt und sie ihrem Schicksal überlassen.

Er zog in das mitten im Wald stehende Forsthaus am Hang des Hohen Gölls, dieses grandiosen Berges des Berchtesgadener Landes.

Agnes Wimmer, die alte Wirtschafterin des Försters, der in den Ruhestand gegangen war, betreute ihn und das Haus. Er war bei ihr in guten Händen und wusste das zu würdigen.

Jetzt kannte er nur seine Arbeit. Er wollte sich bewähren, zeigen, was er gelernt hatte und verstand aber auch, dass der Abstecher ins Schwäbische ein Stück Niemandsland für ihn gewesen war, das er vergessen wollte.

Als er seine Mutter zum ersten Mal besuchte, sprachen sie kein Wort von Marett. Er hätte es nicht gewagt, nach ihr zu fragen, und er ging unsicher durch Steinau, nie in die Nähe des Lehrerhauses. Zu groß war die Scham über seine Treulosigkeit.

Aber nach dem Besuch in seinem Heimatort, in dem er mit Marett so glückliche Stunden verlebt hatte, war er noch verschlossener als vorher. Im gemütlichen Forsthaus hielt er sich wenig auf, immer trieb es ihn hinaus in den Wald. Das Revier war bei ihm in den besten Händen, mit den Waldarbeitern kam er gut aus.

*

Als er eines noch frühen Morgens vom Hochstand zurückkehrte und wieder einmal spät frühstückte, sagte Agnes Wimmer: »So sollte es aber nicht weitergehen, Hannes.« Auf seinen Wunsch sprach ihn die mütterliche Frau so vertraut an.

»Was meinen Sie, Frau Wimmer?«, fragte Hannes.

»Dass Sie die meiste Zeit draußen sind und sich keine Ruhe gönnen. Wie jung Sie auch noch sein mögen, einmal wird das zu viel für Sie sein. Irgendetwas treibt Sie um. Anders kann ich mir Ihre Unrast nicht erklären.«

Hannes sah an der besorgten Frau vorbei. Wie recht sie hatte! Aber das zugeben? Nein, das brachte er nicht fertig. Es gab niemanden, bei dem er sich mal aussprach. Schließlich war alles allein seine Schuld.

Er atmete erlöst auf, als er vor dem Haus Stimmen hörte. Nun brauchte er keine Antwort zu geben.

Gleich darauf wurde an die Tür geklopft, dann trat ein stämmiger Mann in Arbeitskleidung ein. Er hatte ein erhitztes Gesicht.

»Herr Förster«, stieß er hervor, »am Natternhang ist ein Unglück passiert. Bitte, kommen Sie gleich mit.«

»Und was ist passiert?«, fragte Hannes. Er war schon aufgestanden und zog seinen Rock an.

»Sie wissen ja, dass wir dort die alten starken Bäume fällen. Zwei Männer sind von einem stürzenden Baum getroffen worden. Den einen – Urs Karner – werden Sie noch nicht kennen. Er ist erst gestern zu uns gestoßen. Der andere ist Georg Brugger. Ich fürchte, ihm wird nicht mehr zu helfen sein. Ich bin heruntergelaufen, um Sie zu holen. Den Urs Karner müssen wir gleich ins Krankenhaus schaffen.«

Hannes war schon an der Tür. Er hörte nicht, dass Agnes Wimmer lamentierte, weil er noch nicht einmal mit dem Frühstück begonnen hatte.

Bis zum Natternhang war es nicht weit, und der Förster schritt so kräftig aus, dass ihm der Holzfäller kaum folgen konnte.

Mehrere Männer riefen und winkten ihm, als er auf die Unglücksstelle zukam. Ein älterer Mann kam ihm entgegen. Er hatte ein vergrämtes Gesicht.

»Der Georg ist tot«, sagte er und zuckte die Schultern. »Dem hätte niemand mehr helfen können.«

»Georg Brugger, tot?«, fragte Hannes erschüttert.

Der Mann nickte. »Ein Glück, dass er keine Kinder hat.«

»Woher kommt der andere?«

»Der Urs Karner? Von denn kleinen Hof da oben über dem Lärchenwald, an der Wildwasseralp.«

»Verflucht, wie lange braucht der Förster denn noch?«, erklang jetzt eine Männerstimme.

»Das ist der Urs Karner«, sagte der ältere Mann. »Wir haben ihm da drüben ein Lager gemacht. Und hier liegt der Georg.«

Hannes beugte sich über den toten Holzfäller. »Ja, dem kann niemand mehr helfen.« Er sah sich um. »Wie konnte das passieren?«

»Der Karner hat Georg auf einmal von dem Platz weggezogen, auf dem wir standen, als der Baum da drüben fiel. Wir verstehen das alle nicht. Er hat seinen eigenen Kopf und will alles besser verstehen.«

»Bringt den Toten hinunter. Aber einer geht voraus, damit die junge Frau vorbereitet ist. Wenn zwei Mann hierbleiben, können wir den Verletzten hinuntertragen, falls es nötig wird.« Hannes ging jetzt schnell zu einem kleinen Felsen, an dem ein Mann saß und die Hände fest in den Boden stemmte.

Er zeigte auf seine Beine. »Die hat’s erwischt.« Auf seinem derben Gesicht stand der Schweiß, die Zähne knirschten aufeinander. Er musste furchtbare Schmerzen haben.

Hannes schob ihm vorsichtig die Hosenbeine hoch und tastete die Knie und die Unterschenkel ab. Schon richtete er sich wieder auf. »Habt ihr eine Trage vorbereitet?«

Die Männer nickten.

»Wir müssen ihn hinunterbringen.«

»Hinunter?«, schrie Urs Karner. »Ich will in mein Haus hinauf, zu meiner Frau, zu meinem Kind. Du bist verrückt geworden, Förster, willst du mich ins Krankenhaus bringen lassen?«