8,99 €
Von niemandem lassen sich die Deutschen so gern die Welt erklären wie von Helmut Schmidt. Er weiß auf jede Frage eine Antwort. Also kann man ihn auch alles fragen. In diesem Buch haben ganz normale Menschen die Gelegenheit dazu. Sie wollen zum Beispiel wissen, ob er mehr direkte Demokratie begrüßen würde, Griechenland aus der Euro-Zone austreten soll, und was er wirklich von Peer Steinbrück hält. Und in den Antworten zeigt sich plötzlich ein ganz anderer Helmut Schmidt ...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 101
Veröffentlichungsjahr: 2013
Friederike Haupt (Hg.) • Volker Zastrow (Hg.)
Von niemandem lassen sich die Deutschen so gern die Welt erklären wie von Helmut Schmidt. Er weiß auf jede Frage eine Antwort. Also kann man ihn auch alles fragen. In diesem Buch haben ganz normale Menschen die Gelegenheit dazu. Sie wollen zum Beispiel wissen, ob er mehr direkte Demokratie begrüßen würde, Griechenland aus der Eurozone austreten soll, und was er wirklich von Peer Steinbrück hält. Und in den Antworten zeigt sich plötzlich ein ganz anderer Helmut Schmidt ...
Friederike Hauptist Politikredakteurin bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Volker Zastrowleitet das Politikressort der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Bei Rowohlt · Berlin erschien sein Buch «Die Vier. Eine Intrige» (2009).
Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, Oktober 2013
Copyright © 2013 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Illustrationen im Innenteil Bernd Mölck-Tassel
Umschlaggestaltung ZERO Werbeagentur, München
(Abbildung: FinePic, München)
ISBN 978-3-644-50491-2
Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation
Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages.
Die Nutzung unserer Werke für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
Alle angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Printausgabe.
Im Text enthaltene externe Links begründen keine inhaltliche Verantwortung des Verlages, sondern sind allein von dem jeweiligen Dienstanbieter zu verantworten. Der Verlag hat die verlinkten externen Seiten zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung sorgfältig überprüft, mögliche Rechtsverstöße waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Auf spätere Veränderungen besteht keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.
www.rowohlt.de
Vorwort
Verehrter Herr Schmidt, wie geht es Ihnen?
Verehrter Herr Schmidt, was erhoffen und erwarten Sie sich für das nächste Jahr?
Verehrter Herr Schmidt, welche Meinung haben Sie zu Frauen?
Verehrter Herr Schmidt, die EU will Mentholzigaretten verbieten. Wie finden Sie das?
Verehrter Herr Schmidt, wo soll der Atommüll gelagert werden?
Verehrter Herr Schmidt, überall stehen Windkrafträder herum. Glauben Sie an die Zukunft der erneuerbaren Energien?
Verehrter Herr Schmidt, die Polizei hat in letzter Zeit die Hells Angels ins Visier genommen, es gab Razzien und Verbote. Für wie gefährlich halten Sie die Rocker?
Verehrter Herr Schmidt, in meinem Mietshaus gibt es einen Putzplan, an den sich alle halten – nur ein Nachbar nicht. Was tun?
Verehrter Herr Schmidt, war Bonn die bessere Hauptstadt?
Verehrter Herr Schmidt, was denken Sie über China?
Verehrter Herr Schmidt, was ist der Sinn des Lebens?
Verehrter Herr Schmidt, welche Meinung haben Sie zur Todesstrafe?
Verehrter Herr Schmidt, glauben Sie an den Klimawandel?
Verehrter Herr Schmidt, Peer Steinbrück ist Kanzlerkandidat. Kann er es wirklich?
Verehrter Herr Schmidt, Berlusconi hat sein politisches Comeback angekündigt. Machen Sie sich Sorgen?
Verehrter Herr Schmidt, mir ist am Wochenende oft langweilig. Ich finde, die Geschäfte sollten auch sonntags öffnen. Was meinen Sie?
Verehrter Herr Schmidt, worauf sind Sie stolz?
Verehrter Herr Schmidt, wie sehen Sie den NSA-Spionage-Skandal?
Verehrter Herr Schmidt, Bundesfamilienministerin Schröder will durch eine frühere Sperrstunde für Jugendliche das Komasaufen eindämmen. Trinkt die Jugend von heute zu viel?
Verehrter Herr Schmidt, hat der amerikanische Präsident Obama sich in seiner ersten Amtszeit bewährt?
Verehrter Herr Schmidt, ich bin eine große Hermann-Hesse-Verehrerin und liebe vor allem das «Glasperlenspiel». Doch mit Hesses Gedichten kann ich nichts anfangen. Geht es Ihnen auch so?
Verehrter Herr Schmidt, was raten Sie einem jungen Menschen, der Bundeskanzler werden will?
Verehrter Herr Schmidt, was hilft gegen Liebeskummer?
Verehrter Herr Schmidt, wird sich die Piratenpartei auf Dauer etablieren?
Verehrter Herr Schmidt, das Occupy-Camp in Frankfurt soll geräumt werden. Was halten Sie von dem Lager und der Bewegung?
Verehrter Herr Schmidt, wie kann der Nahostkonflikt gelöst werden?
Verehrter Herr Schmidt, sind Sie Organspender?
Verehrter Herr Schmidt, sollten Arbeitslose unentgeltlich gemeinnützige Arbeiten verrichten?
Verehrter Herr Schmidt, warum kümmert sich Ihrer Meinung nach hierzulande kein Mensch darum, dass Kühe nicht mehr auf die Weide gelassen werden (außer im Bergland), sondern ihr Leben hinter Gittern verbringen müssen und eiweißhaltiges Kraftfutter mit Mais erhalten, sodass ihnen als Wiederkäuern ständig der Magen zu übersäuern droht?
Verehrter Herr Schmidt, wer ist Sigmar Gabriel?
Verehrter Herr Schmidt, wie verbringen Sie das Weihnachtsfest?
Verehrter Herr Schmidt, dürfen Eltern ihre Kinder zu einer veganen Ernährung zwingen?
Verehrter Herr Schmidt, was halten Sie von Männern, die den Wehrdienst verweigert haben?
Verehrter Herr Schmidt, was in Afrika passiert, interessiert mich nicht. Sie etwa?
Verehrter Herr Schmidt, was bedeutet die Wiederwahl Putins als russischer Präsident für Europa?
Verehrter Herr Schmidt, warum haben die Deutschen bei den Olympischen Spielen 2012 versagt?
Verehrter Herr Schmidt, wie haben Computer unser Leben verändert?
Verehrter Herr Schmidt, wie denken Sie über Willy Brandt?
Verehrter Herr Schmidt, wo fängt Sexismus für Sie an?
Verehrter Herr Schmidt, sollte man aufhören, wenn es am schönsten ist?
Verehrter Herr Schmidt, wie sollen wir unsere Kinder erziehen?
Verehrter Herr Schmidt, welche britischen Politiker imponieren Ihnen oder haben Ihnen einmal imponiert?
Verehrter Herr Schmidt, der berühmte kategorische Imperativ Immanuel Kants ist über zweihundert Jahre alt. Ist für Sie nach so langer Zeit eine Modernisierung vorstellbar, ja vielleicht sogar nötig?
Verehrter Herr Schmidt, was macht der Kapitalismus mit uns?
Verehrter Herr Schmidt, soll Griechenland in der Eurozone bleiben?
Verehrter Herr Schmidt, Sie waren lange glücklich verheiratet. Was ist das Geheimnis einer guten Ehe?
Verehrter Herr Schmidt, Wolfgang Schäuble hat in einem Interview gesagt, er könne sich eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung vorstellen. Sind Sie für mehr direkte Demokratie?
Verehrter Herr Schmidt, soll die Scharia in Deutschland gelten, wenigstens für Muslime? Zum Beispiel im Scheidungsrecht: Wer sich von seiner Frau trennen möchte, muss nur sagen: «Ebbe hammas, ebbe hammas, ebbe hammas»?
Verehrter Herr Schmidt, wer trägt die politische Schuld an den alljährlichen Grippewellen? Und sind Sie auch betroffen?
Verehrter Herr Schmidt, was hat Sie bewogen, in die Politik zu gehen?
Verehrter Herr Schmidt, und was hören Sie so?
Verehrter Herr Schmidt, Bedienungen verdienen sieben Euro pro Stunde und müssen ihr Trinkgeld an den Chef weiterreichen. Wo leben wir eigentlich?
Verehrter Herr Schmidt, gibt es die Hölle?
Verehrter Herr Schmidt, zahlreiche hohe Staatsämter leiden in jüngster Zeit aufgrund ihrer personellen Besetzung unter Ansehensverlust. Nun hat Deutschland auch noch seinen Titel als Papst verloren. Ist es vor diesem Hintergrund nicht überfällig, ein Königshaus in Deutschland zu installieren, an dessen Spitze eine moralische Instanz steht?
Verehrter Herr Schmidt, was hat die Wiedervereinigung Deutschland gebracht?
Verehrter Herr Schmidt, sind Frauen die besseren Politiker?
Verehrter Herr Schmidt, woran merken Sie, ob Sie einem Arzt vertrauen können?
Verehrter Herr Schmidt, darf man lügen?
Verehrter Herr Schmidt, sind Mentholzigaretten Gemüse im Sinne der Five-greens-a-day-Regel?
Verehrter Herr Schmidt, welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit?
Verehrter Herr Schmidt, haben Sie schon einmal ein Familienmitglied gegen Geld beschäftigt?
Verehrter Herr Schmidt, ich weiß nicht, wen ich bei der Bundestagswahl wählen soll. In keine der Parteien kann ich Hoffnung setzen. Ist es Verrat an der Demokratie, wenn ich nicht wählen gehe?
Verehrter Herr Schmidt, sollten die Menschen weiter ins All fliegen? Da ist doch nichts – oder?
Verehrter Herr Schmidt, was halten Sie von der Homo-Ehe?
Verehrter Herr Schmidt, haben Sie eigentlich Humor?
Verehrter Herr Schmidt, unsere riesigen Goldreserven sind in drei mit uns befreundeten Staaten – Amerika, Großbritannien und Frankreich – gelagert. Wann werden wir sie nach Deutschland zurückholen dürfen? Und ist davon überhaupt noch etwas übrig, oder ist unser Gold vielleicht schon längst verpulvert worden?
Verehrter Herr Schmidt, was tun Sie für die Hochwasseropfer?
Verehrter Herr Schmidt, wenn Sie noch einmal 18 wären, was würden Sie anders machen?
Verehrter Herr Schmidt, nervt es Sie eigentlich, dass Sie immer zu allem befragt werden?
Ich habe Helmut Schmidt möglicherweise schon einmal im Fernsehen gesehen. Genau weiß ich es nicht, da ich mich sehr wenig für Politik interessiere. Klar ist: Er raucht. Ich bin selber Raucher – aber Marlboro. Gut, vor dem Fernsehpublikum zu rauchen muss nicht sein. Aber wenn Helmut Schmidt das braucht, muss es so akzeptiert werden. Es wäre ja auch nicht besser, wenn er es heimlich tun würde. Wenn einer Raucher ist, muss man das hinnehmen. Auch Politiker muss man hinnehmen.
Für mich sind alle Politiker gleich, ob Berlusconi oder die Kanzlerin Merkel. Schauen Sie, ich bin Südländer. Ich komme aus Süditalien, 160 Kilometer südlich von Neapel, die Region heißt Kampanien. Und zum Beispiel Berlusconi, den respektiere ich als Mensch und Politiker. Eines kann ich Ihnen sagen, als Südländer: Ich bin vor 25 Jahren nach Deutschland gezogen, weil es damals mit Arbeit bei uns ganz schlecht ausgeschaut hat. Keine Straßen, keine Fabriken. Wie in der alten DDR. Da hatte ich die Möglichkeit, hier heraufzukommen, und ich bin heraufgekommen. Als Südländer will ich Ihnen sagen: Ich hatte einmal die Möglichkeit, Berlusconi zu wählen, und ich habe ihn gewählt. Wenn ich wieder die Möglichkeit hätte, würde ich es wieder tun.
Warum? Weil er der einzige Politiker ist, der in Süditalien gute Sachen gemacht hat. Straßen, Strände und so weiter. Die meisten Politiker in Italien kommen aus Norditalien, und die sind einer wie der andere, die vergessen den Süden. Was Berlusconi sonst treibt, interessiert mich überhaupt nicht. Das ist sein Privatleben. Vergleichbar mit Berlusconi ist in Deutschland Frau Merkel. Ich respektiere sie so, wie sie ist. Für mich geht sie in Ordnung. Wenn eine Frau in der Lage ist, solche Situationen durchzuziehen – herzlich willkommen. Helmut Schmidt ist zu alt, um den Staat jetzt noch zu führen. Das ist wie mit dem Papst. Der musste auch aufhören wegen dem Alter. Irgendwann geht es nicht mehr. Das ist eine uralte Generation. Aber die Erfahrung ist schon etwas wert.
Ich bin nicht einmal halb so alt wie Helmut Schmidt: 45. Trotzdem habe ich auch schon etwas erlebt, und ich habe eine Familie. Meine Frau habe ich hier in Deutschland kennengelernt, in meiner Pizzeria. Also da, wo ich früher gearbeitet habe. Wir haben ein sieben Jahre altes Mädchen, und nächste Woche werde ich noch einmal Papa. Über Politiker denke ich nicht viel nach. Wie gesagt, für mich sind diese Menschen alle gleich. Wer mehr, wer weniger, wissen wir ja. Jeder versucht, zehn Euro mehr in der Tasche zu haben. Wenn sich jemand solche Sachen traut, von mir aus, dann soll er sie machen. Manche Sachen gibt es schon, wo ich denke: Ach Gott. Ich bin halt Südländer, ich habe mich an eure Mentalität angepasst, sonst wäre ich ja nicht hier. Aber ich bin auch stolzer Italiener – verständlich. Ich respektiere jeden, aber ich will auch respektiert werden.
Zum Schluss: Ich wünsche Helmut Schmidt alles Gute.
Giovanni di Lorenzo, 45 Jahre, Hof
Uli Driesacker, Frankfurt
Gut! Ich reise bald – nachdem der Garten fertig ist – nach Gran Canaria, Golf spielen. Da ist noch Sommer. Ruheständler wie ich sind gut beraten, dem Novemberwetter zu entfliehen. Wir haben das in den ganzen letzten Jahren so gemacht. Immer an denselben Ort, in das gleiche Hotel. Es gibt ein tolles Hotel in Maspalomas, mit einer super Küche, und ich meine, das muss man nutzen. Früher war mein Leben auch schön. Damals habe ich in ganz Europa gearbeitet. Wenn man sein halbes Leben durch die Welt gereist ist, genießt man es, dass man jetzt nicht mehr so viel auf Reisen sein muss. Es gab Zeiten, da habe ich mehr außerhalb geschlafen als zu Hause. Das war eine Herausforderung. Die Aufgaben damals waren immer eine Herausforderung. Man will ja etwas bewegen.
