Hero Maker - Dave Ferguson - E-Book

Hero Maker E-Book

Dave Ferguson

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Beschreibung

Jeder will ein Held sein, aber nur wenige verstehen die Macht, ein "Hero Maker" zu sein. – Anderen zu helfen, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln: Das kann man wollen und – man kann es auch lernen. In diesem Buch sind fünf praktische Schritte dargestellt, die bei der Förderung und Unterstützung von "Helden" hilfreich sind. Ein praktisches Werkzeug begleitet jeden der fünf Schritte, ergänzt mit mehreren Illustrationen für die einfache Umsetzung. Egal ob du zehn oder zehntausend Menschen führst, "Hero Maker" wird dir dabei helfen, die heutige Kirchenkultur zu einem Modell der Reproduktion und Vermehrung zu machen. Die Autoren Dave Ferguson (ein Pastor und Gemeindegründer aus Chicago) und Warren Bird (preisgekrönter Schriftsteller in den USA) stellen eindrucksvoll dar, dass Gottes Kraft und Zweck am besten offenbart werden, wenn wir andere trainieren und freisetzen, die ihrerseits ebenfalls so handeln.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 395

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Forum Theologie & Gemeinde

Material zum geistlichen Dienst

Band 26

theologisch kompetent – praktisch relevant

Hero Maker

Fünf grundlegende Prinzipien, wie Leiter andere zu wahrer Größe führen können

von Dave Ferguson und Warren Bird

 

  

 

Herausgegeben vom  Forum Theologie & Gemeinde des BFP

 

 

Original: © 2018 Hero Maker by Dave Ferguson and Warren Bird (ISBN: 9780310536932)

Published by arrangement with The Zondervan Corporation L.L.C.

a subsidiary of HarperCollins Christian Publishing, Inc.

 

© 2018 Copyright Forum Theologie & Gemeinde (FThG) im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden KdöR, Erzhausen

 

Bibelstellen sind, wenn nicht anders angegeben, der Revidierten Elberfelder Bibel, © 1985/1991/2006 SCM R. Brockhaus, Witten, entnommen. Die Hervorhebungen wurden vom Autor angebracht.

 

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigungen in Form von Kopieren einzelner Seiten oder Ausdrucken einzelner Abschnitte (digitale Version) sind nur für den privaten Gebrauch bzw. innerhalb einer Ortsgemeinde gestattet. Alle anderen Formen der Vervielfältigung (Mikrofilm, andere Verfahren oder die Verarbeitung durch elektronische Systeme) sind ohne schriftliche Einwilligung durch das Forum Theologie & Gemeinde nicht gestattet.

 

Übersetzung: Judith Petri

Umschlagbild: ©zahar2000 – stock.adobe.com

Layout, Umschlag u. Realisierung E-Book: admida-Verlagsservice, Erzhausen

Druck: CPI books – Clausen & Bosse, Leck

 

ISBN der Printausgabe: 978-3-942001-77-9

ISBN der E-Book-Ausgabe: 978-3-942001-33-5

Bestell-Nr. buw043

 

Forum Theologie & Gemeinde (FThG)

Industriestr. 6–8, 64390 Erzhausen

[email protected] • www.forum-thg.de

 

Inhalt

Vorwort von J. D. Greear

Vorwort von Lothar Krauss

Einführung

Teil 1: HERO MAKER – die Herausforderung, andere zu wahrer Größe zu führen

1 Das Geheimnis von Jesu Leitungsdienst

2 Die falschen Fragen

3 Die richtigen Fragen

4 Leiten wie ein Hero Maker

Teil 2: HERO MAKING – fünf grundlegende Prinzipien, wie andere zu wahrer Größe geführt werden

5 Der Multiplikationsgedanke

6 Die Bevollmächtigung

7 Die Multiplikation von Jüngern

8 Die Aktivierung von Gaben

9 Der Bau des Reiches Gottes

Teil 3: HERO MAKER – diejenigen, die Resultate sehen

10 Einfluss ausüben, indem man andere zu wahrer Größe führt

11 Spannungsfelder im Zusammenhang damit, andere zu wahrer Größe zu führen

12 Eine Kultur, in der andere zu wahrer Größe geführt werden

13 Ein Geheimnis, das weitergegeben werden muss

Nachwort – Ein Aufruf zum Handeln von Oscar Muriu

Hero Maker – ANHANG

Weiteres Material zum Thema Multiplikation

Danksagungen

Über die Autoren

Über den Herausgeber

 

Vorwort von J. D. Greear

Ich bin mir nicht sicher, in wie vielen Punkten Jack Welch und John Calvin einer Meinung sind. Bestimmt nicht in sehr vielen. Doch beide stimmen in einer Sache überein: Mit das Wertvollste, was ein Leiter tun kann, ist es, andere Leiter zu identifizieren und zu entwickeln.

Jack Welch, der ehemalige Geschäftsführer von General Electric, der entscheidende Umstrukturierungen in dem Unternehmen eingeleitet hat, sagt: „Die Zukunft gehört leidenschaftlichen, engagierten Leitern …, die denjenigen, die sie führen, Energie verleihen. Eine der Aufgaben eines Leiters ist es, seinen bzw. ihren Leuten Zuversicht zu geben. Und wenn Sie jemanden haben, bei dem Sie spüren, er kann es kaum abwarten loszulegen, dann sollten Sie der Person eine Chance geben.“

Die folgenden Worte von Johannes Calvin, einem der führenden protestantischen Reformatoren im 16. Jahrhundert, decken sich damit: „Je stärker ein Leiter sein Augenmerk darauf richtet, andere Leiter aufzubauen, umso höher ist er [oder sie] zu schätzen.

Also, wenn Jack Welch und Johannes Calvin sich in einer Sache einig sind, dann ist es sicher im Himmel beschlossen!

Das Buch, das Sie in den Händen halten, wurde mit dem Verlangen geschrieben zu sehen, dass diese Fokussierung in der Gemeinde Realität wird. Meine Freunde Dave Ferguson und Warren Bird, die beide jahrelange Erfahrung mitbringen, veranschaulichen, dass diejenigen, denen die Umsetzung des Missionsbefehls in besonderer Weise am Herzen liegt, sich der Multiplikation und dem Senden und nicht dem Sammeln und Zählen verschreiben. Wenn wir uns darauf konzentrieren, Leiter zu multiplizieren, bedeutet das nicht, dass wir das Wachstum unseres eigenen Dienstes vernachlässigen; es bedeutet, dass wir Multiplikation als ein entscheidendes Element mit auf unsere „Anzeigetafel“ nehmen.

Multiplikation wird nicht von allein geschehen. Wenn wir uns nicht bewusst entscheiden, sie geschehen zu lassen, werden wir sie wahrscheinlich nicht erleben.

Es ist an der Zeit für uns, eine neue Vision für die Gemeinde vorzulegen. Eigentlich ist es keine neue Vision, sondern eine alte Vision, die zuletzt in Vergessenheit geraten ist. Die Erfüllung des Missionsbefehls bestand für Jesus nicht darin, einige hypergesalbte Pastoren von Mega­kirchen auf die Bühne zu stellen, um mit ihren elektrisierenden Botschaften einen Saal zu füllen. Seine Vision war es, ganz gewöhnliche Gläubige zuzurüsten, die das Evangelium hinaustragen würden, wo immer sie hingehen.

In der Apostelgeschichte geschahen 40 der 39 Wunder, die der Heilige Geist wirkte, außerhalb der Gemeinde. Mit solchen Größenverhältnissen sollten wir auch in der heutigen Zeit rechnen. Wenn wir die Kraft Gottes wirklich erleben wollen, müssen wir uns eingestehen, dass sie nicht einzig und allein von der Kanzel kommt. Ich habe nichts gegen die Kanzel einzuwenden, doch die wahre Kraft des Evangeliums wird freigesetzt, wenn ganz gewöhnliche, vom Heiligen Geist erfüllte Menschen das Evangelium an jedem Ort verbreiten.

Dave und Warren, die beide von einer Leidenschaft für Multiplikation erfüllt sind, erklären, was es damit im Einzelnen auf sich hat. Es ist eine Sache zu inspirieren; eine andere ist es zu unterweisen. Dieses Buch tut beides. Ein Mentor sagte mir einmal, dass große Visionen nicht zustande kommen aufgrund der Träume, die man träumt, sondern aufgrund der kleinen Entscheidungen, die man trifft. Dieses Buch hilft Ihnen nicht nur, die Träume zu träumen, sondern den Prozess zu starten. Sie werden durch die entsprechenden Schritte hindurchgeführt werden und angeleitet, wie Sie in Ihrer Gemeinde am laufenden Band Leiter hervorbringen können – wie Gott es auch beabsichtigt hat.

Im letzten Abschnitt dieses Buches sprechen Dave und Warren über die Herausforderungen, mit denen Sie voraussichtlich konfrontiert werden. Die beiden helfen Ihnen zu sehen, wo schwierige Entscheidungen getroffen und heikle Spannungen bewältigt werden müssen. Was ich an diesem Buch am meisten schätze, ist, dass die Autoren Praktiker und keine Theoretiker sind. Dave hat jahrelange Erfahrung darin, eine Gemeinde zu leiten, die mit den Sorgen und Nöten, die mit Multiplikation verbunden sind, vertraut ist. Warren hat viele Jahre Leiter von Gemeinden, die sich multiplizieren, beobachtet und gecoacht. Dave und Warren dreschen keine Phrasen; sie erzählen nicht von Dingen, die sie nicht kennen – sie sind wie Kämpfer, die von der Front heimkehren und Geschichten erzählen.

Das Evangelium von Jesus Christus ist die wichtigste Botschaft auf der ganzen Welt. Es spricht von einem Gott, der uns so sehr liebt, dass er unsere Sünde auf sich nahm, damit wir in Ewigkeit mit ihm leben können. Diese Botschaft anderen Menschen zu bringen, ist eine Sache auf Leben und Tod. Wir haben keine Zeit für kleine Träume oder leicht zu erreichende Ziele. Wir haben keine Zeit für territoriale Eifersüchteleien oder Dienste, die am Status quo festhalten. Dies ist die Zeit, groß zu träumen und Großes für Gott zu erreichen.

Die gute Nachricht ist, Jesus hat uns verheißen, dass sein Geist nicht nur willig, sondern auch fähig ist, uns in alldem zu leiten. Wenn wir jedoch seine Kraft wollen, müssen wir es auf seine Art und Weise tun. Alle Verheißungen Jesu, in denen es um die Größe der Gemeinde geht, sprechen vom Senden und nicht vom Sammeln.

Dieses Buch hilft Ihnen dabei, diese Verheißungen zu realisieren. Wie wird die nächste Gemeindeexpansion aussehen, wenn die Leiter von heute diese Verheißungen ernst nehmen? Allein darüber nachzudenken, begeistert mich.

Jesus sagte seinen Jüngern einmal, dass sie größere Werke tun würden als er (Johannes 14,12). Diese Verheißung übersteigt unsere Vorstellungskraft – und offen gestanden glauben die meisten von uns gar nicht wirklich daran. Haben Sie das Empfinden, Sie hätten bisher größere Werke als Jesus getan? Er hat verheißen, dass Sie das tun werden. Natürlich meinte er damit nicht, wir würden größere Predigten als die Bergpredigt halten, oder größere Gebete als die Fürbitte von ihm in Johannes 17 beten, oder größere Wunder als die Auferweckung von Lazarus von den Toten vollbringen. „Größer“ spricht von der Reichweite und dem Ausmaß unserer Werke – dass der Geist sich durch uns in dem Leben von anderen multipliziert. „Größer“ werden wir nur erleben, wenn wir Multiplikation anvisieren.

Die Tage, in denen sich treue Leiter mit nur einem einzigen erfolgreichen Dienst zufriedengeben, liegen weit hinter uns. Der neue Maßstab für Erfolg lautet Multiplikation.

Ehrlich gesagt war das schon immer der Maßstab Jesu. Wir waren nur so fasziniert von dem Glanz der Megakirche, dass wir das vergessen haben. Dave und Warren zeigen uns, warum Multiplikation das Herzstück des Evangeliums ist und wie wir – mit Gottes Hilfe – Multiplikation in unseren Gemeinden erleben können.

 

J. D. Greear Pastor von „The Summit Church“ in North Carolina (USA) und Autor verschiedener Bücher

summitrdu.com

 

Vorwort von Lothar Krauss

Helden sterben nicht aus. Jedes Volk hat seine eigenen. Geschichten, Legenden und Sagen beschreiben sie, egal ob fiktiv oder real. Sie toben über die Leinwände und durch unsere Geschichtsbücher. Sie sind Helden der Kindheit, Volkshelden, Nationalhelden – und damit haben wir schon unser deutsches Dilemma. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist das Wort „Held“, weil missbraucht, aus dem Wortschatz gestrichen. Sichtbar oder unsichtbar zucken wir bei seiner Erwähnung zusammen. Und nun kommt Dave Ferguson, verwendet den Begriff ganz unbefangen und fordert uns auf, selbst zu „Heldenmachern“ zu werden. Passt das? Wollen wir das? Sollen wir das?

Als ich Dave Ferguson 2013 kennenlernte, traf ich auf einen Mann, der ein großes Herz für die Kirche, für Jüngerschaft und Gemeindegründung hat. Er bleibt nicht nur bei großen Träumen stehen, sondern findet mit seinem Team Wege, das auch tatsächlich zu tun. Das inspiriert ungemein und hat auch in Deutschland viele angesteckt, die ihn auf den EXPONENTIAL-Konferenzen 2016 oder bei anderen Gelegenheiten persönlich getroffen haben.

Mit „Hero Maker“ greift er (mit Warren Bird) als Amerikaner unbefangen ein Bild auf, das in seiner Kultur unproblematisch ist. Worum es ihnen dabei inhaltlich geht, findet auch bei uns große Zustimmung. Nämlich die Frage, wie wir Menschen helfen können ihre Berufung zu entdecken, zu entwickeln und mit Leidenschaft zu leben? Und sie werfen die Frage auf, wie erfahrene Leiter die nächste Generation von Verantwortlichen fördern kann. Ihr Vorschlag: Werde ein „Heldenmacher“! Jemand, der sich dafür begeistern kann, wenn „seine Früchte auf den Bäumen anderer wachsen“.

Es geht nicht um „meiner, mir, mich“. Gesucht werden Leitende in Kirchen und Gemeinden, die ihre Erfahrung und Kraft selbstlos in die nächste Generation investieren. Weil es nicht um „ihr Reich“ geht, sondern um „Gottes Reich“.

Wie kann das konkret geschehen? Fünf Schritte schlagen die Autoren vor, die der erfahrene Leiter gehen kann. Es sind aber mehr als Schritte. Es sind Haltungen, Beziehungen und Leidenschaften, die es zu entwickeln gilt.

Dave Ferguson und Warren Bird entfalten in „Hero Maker“ diese faszinierende Perspektive. Leicht lesbar und inspirierend. Sie stößen damit für unsere Kirchen und Gemeinden die Tür zu einer dynamischen Zukunft weit auf. So hat sich Jesus seine Kirche gedacht. Dazu erfüllt er seine Nachfolger mit seinem Geist und schickt sie in alle Welt.

Nicht auszudenken, was passieren wird, wenn auch wir aus Überzeugung und mit einem sinnvollen Plan zu „Hero Makern“ werden.

 

Lothar Krauss

Pastor der FCG Gifhorn

www.der-leiterblog.de

 

Einführung

„Ich habe bereits alle möglichen Auszeichnungen bekommen, ich habe Preise gewonnen und bin in meinem persönlichen Leben erfolgreich. Jetzt will ich mehr!“ Diese Worte stammen von Barry1, dem Typen, an den sich alle seine Freunde vom College erinnern, weil er derjenige war, der mit seinem heldenhaften Wurf in letzter Sekunde den Gewinn der Meisterschaft in seinem Abschlussjahrgang sicherte.

Heute ist Barry ein Geschäftsführer mittleren Alters, der Jesus Christus nachfolgt – ein begabter starker Leiter mit einem eindrucksvollen Lebenslauf und einem Bankkonto, das einen vor Neid erblassen lässt. Wenn Menschen einen Raum betreten, in dem Barry ist, meinen sie, er habe das Sagen. Barry weiß, wie man leitet.

Es ist noch nicht so lange her, dass Barry das Gefühl hatte, seine Leitungsgabe würde sich nicht weiterentwickeln. Irgendetwas schien ihm zu fehlen. Als ein Nachfolger Christi wünschte er sich, mehr Einfluss in seinem Leben zu haben. Ein Mentor forderte ihn heraus: „Du hast viel in deinem Berufsleben erreicht. Wovon träumst du als Nächstes? Barry wollte sein Leitungspotenzial maximieren, doch alle Versuche – so heldenhaft sie auch waren – schienen fruchtlos zu sein. Genau in dem Moment fing er an, sich weniger auf seine eigene Leitung und mehr auf die Leitung anderer zu konzentrieren. Er sagte mir, dass er einen entscheidenden Unterschied bemerkte, als er begann, dies in seinem persönlichen Leben wie auch in seinem Beruf umzusetzen. Er formulierte es folgendermaßen:

Jeder möchte gern groß sein. Doch nur wenige verstehen, welche Kraft darin liegt, andere zu wahrer Größe zu führen.

Hero oder Hero Maker?

Ich traf Barry, nachdem er das erkannt hatte, und er führte den Gedanken noch weiter fort: „Dave, die Tage, in denen ich groß sein wollte, sind vorbei. Ich habe es mir stattdessen zur Aufgabe gemacht, das Leben von zehn jungen Leitern entscheidend zu beeinflussen.“ Bislang hat er sieben Leiter ausfindig gemacht, in die er sich investiert. Sein Traum ist zu sehen, dass sie erfolgreicher werden, als er es jemals war. Barry ist ein – wie ich es nenne – Hero Maker.

Auf den Ausdruck „Hero Maker“2 wurde ich zum ersten Mal aufmerksam durch Todd Wilson3, meinen Freund und Co-Leiter bei der Exponential-Konferenz. Warren Bird und ich (dieses Buch wurde von uns gemeinsam geschrieben, doch ich, Dave Ferguson, spreche stellvertretend für uns beide) haben Todds Ausdruck aufgegriffen und ihn wie folgt definiert:

Hero Maker: Ein Leiter, der sich entscheidet, nicht mehr selbst der Held zu sein, sondern der andere zu Helden in Gottes Geschichte macht.

Todd hat mir auch die Vorlage für diese Definition geliefert. Vor mehr als zehn Jahren kam er auf mich zu und sagte: „Ich werde die Arbeit übernehmen, die hinter den Kulissen anfällt, und dafür sorgen, dass alles läuft, wenn du der Präsident der Exponential-Konferenz bist und auf der Bühne stehst.“

„Abgemacht“, erwiderte ich. – Seitdem bin ich der Präsident und Todd ist der Geschäftsführer der Exponential-Konferenz, die inzwischen, soweit uns bekannt ist, die größte Gemeindegründungskonferenz weltweit ist. Viele Menschen meinen, weil ich der Präsident bin, auf der Bühne stehe und jeden willkommen heiße, sei ich auch der kluge Kopf hinter dem Ganzen. Doch das stimmt nicht. Tatsächlich sind Todd und sein Team für den Großteil der Arbeit verantwortlich (Marketing, Organisation, Registrierung, Logistik), wobei es ihm allein um den Auftrag geht, nicht darum, wer die Lorbeeren einkassiert. Er bereitet mir eine Bühne und lässt mich darauf stehen. Todd Wilson ist ein Hero Maker – er führt andere zu wahrer Größe.

Auf unserem gemeinsamen Weg hat Todd mich auch immer wieder daran erinnert, nicht selbst groß sein zu wollen, sondern stattdessen andere zu wahrer Größe zu führen. Ich denke zurück an eine Unterhaltung mit ihm, während wir gemeinsam im Flugzeug saßen und Todd einen Artikel von mir las, in dem ein Säulendiagramm von einem unserer Ostergottesdienste abgebildet war. Über 10.000 Menschen waren zur Community Christian Church gekommen – der Gemeinde, die ich im Großraum von Chicago leitete –, und ich war begeistert über diese Zahl. Todd wies auf den Artikel und rief mir den Traum ins Gedächtnis, den ich bei der Gründung der Gemeinde gehabt hatte: „Ich dachte, du hättest davon geträumt, eine Bewegung sich multiplizierender Gemeinden zu sehen“, sagte er. „In diesem Artikel klingt es so, als würdest du davon träumen, eine einzige riesengroße Gemeinde zu haben.“

Die Worte schmerzten, aber Todd hatte recht. Ich hatte nie beabsichtigt, mich nur darauf zu konzentrieren, die Gemeinde, die ich leitete, zum Wachsen zu bringen. Dann machte Todd mich auf etwas aufmerksam: Die Anzahl der Leute, die genau an diesem Osterwochenende durch NewThing, das Gemeindegründungsnetzwerk, welches wir gestartet hatten, erreicht worden waren, lag bei über 50.000. Und Todd forderte mich noch weiter heraus: „Dave, du solltest mit einem Diagramm arbeiten, welches veranschaulicht, was durch deine Gemeindegründungen und Gemeindegründer geschieht, und nicht eines, das nur darstellt, was du und Community Christian Church machen.“ Er ermutigte mich, nicht selbst groß zu sein, sondern andere zu wahrer Größe zu führen.

Damit ich Sie mit all diesen Geschichten nicht verwirre, möchte ich Ihnen kurz erklären, dass ich drei Funktionen ausübe: Ich bin der leitende Pastor von Community Christian Church; der Visionsträger von NewThing, einem Netzwerk, das aus sich multiplizierenden Gemeinden besteht, und der Präsident der Gemeindewachstumskonferenz Exponential.

Ich wollte herausfinden, ob ein Leitungsstil, der andere zu wahrer Größe führt, maßgeblich ist im Zusammenhang mit einer Bewegung der Multiplikation. Also zog ich meinen australischen Freund Steve Addison zurate. Was es heißt, eine Bewegung sich multiplizierender Gemeinden zu starten, versteht keiner besser als Steve, der diese Thematik studiert und Bücher darüber geschrieben hat. Er sagte mir: „Dave, Bewegungen werden gestartet von Leitern, denen es nicht länger um ihren persönlichen Erfolg geht.“

Der typische Leiter, Pastor oder Gemeindegründer denkt nicht so. Doch so denkt der, der andere zu wahrer Größe führt.

Wir möchten Sie als Leiter herausfordern, nicht selbst groß sein zu wollen, sondern herauszufinden, was es bedeutet, andere zu wahrer Größe zu führen. Vielleicht haben Sie eine leitende Position in der Geschäftswelt inne wie Barry oder Sie sind ein Pastor wie ich. Vielleicht leiten Sie ehrenamtlich ein Team oder eine Gruppe wie mein Koautor Warren. Ob Sie nun für zehn oder für 10.000 Menschen verantwortlich sind – wir wollen, dass Sie Ihr Leitungspotenzial erweitern, dass Sie so viel wie nur möglich für Jesus und sein Reich bewirken und dass Sie Teil unserer Bewegung der Multiplikation werden, indem Sie andere zu wahrer Größe führen.

Hero Maker – Aufbau des Buches

Damit Sie genau verstehen, was es bedeutet, andere zu wahrer Größe zu führen, haben wir das Buch in drei Abschnitte unterteilt.

Teil 1: Die Herausforderung, andere zu wahrer Größe zu führen. Mein Gespräch mit Todd Wilson und anderen einflussreichen Leitern hat sowohl meinen Leitungsstil in entscheidender Weise verändert wie auch den einer wachsenden Zahl von Leitern auf der ganzen Welt. Wir haben aufgehört, ständig die gleichen Fragen im Hinblick darauf zu stellen, wie wir eine Gemeinde zum Wachsen bringen können. Stattdessen haben wir angefangen neue Fragen zu stellen: „Was muss man als Leiter tun, um andere Leiter und Jünger bis in die vierte Generation zu multiplizieren?“ Und: „Was muss man tun, um eine Gemeindemultiplikationsbewegung schneller voranzubringen?“ Inzwischen sind wir noch konkreter geworden: „Wie können wir erleben, dass der Prozentsatz sich reproduzierender und multiplizierender Gemeinden in den USA von 4 % (wo wir derzeit stehen) auf einen Umkehrpunkt von 10 % (wo wir hinkommen möchten) ansteigt?“ Bei der Exponential-Konferenz nennen wir es unsere 4-10-Mission. Bei der Beantwortung all dieser Fragen kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass es Leiter braucht, die andere zu wahrer Größe führen. Sie haben das Geheimnis entdeckt, dass größere Resultate die Folge sind, wenn man sich durch andere multipliziert.

Im ersten Teil dieses Buches nennen wir sich multiplizierende Gemeinden Level-5-Gemeinden. Machen Sie sich keine Gedanken, wenn wir hier einen neuen Begriff verwenden. Der entscheidende Punkt ist zu verstehen, dass die Anzahl der Gottesdienstbesucher in Level-1-Gemeinden abnimmt, dass Level-2-Gemeinden stagnieren, dass Level-3-Gemeinden wachsen, dass Level-4-Gemeinden sich reproduzieren (einen neuen Standort starten oder eine neue Gemeinde gründen) und Level-5-Gemeinden sich multiplizieren (sich multiplizierende Werke starten, die ihrerseits sich multiplizierende Werke starten). Wenn wir uns auf Multiplikation konzentrieren, sind wir in der Lage, enormen Einfluss auszuüben und große Resultate zu sehen. (Wenn Sie die fünf Stufen bildlich dargestellt sehen wollen, blättern Sie weiter bis zu Abbildung 2.1.)

In diesem ersten Abschnitt möchten wir Sie herausfordern, sich Gedanken zu machen über die Fragen, die Sie stellen, wie auch die Leitungsprinzipien, die Sie anwenden, und zu reflektieren, ob diese Fragen und diese Prinzipien den künftigen Herausforderungen gerecht werden.

Teil 2: Fünf grundlegende Prinzipien, wie andere zu wahrer Größe geführt werden. Dieser Teil bildet das Herzstück des Buches, denn dort wird der Leiter, der andere zu wahrer Größe führt, ausführlich beschrieben. Die fünf Prinzipien bauen aufeinander auf. Um Ihnen einen kurzen Einblick zu gewähren, was noch folgt, habe ich die fünf Prinzipien zusammengefasst und stelle sie allgemein üblichen Leitungsprinzipien gegenüber.

1. Der Multiplikationsgedanke

Allgemein übliches Prinzip:Man leitet, bis man an die Grenzen seiner Zeit und Kapazität stößt.

Hero-Making-Prinzip:Man hat große Träume und investiert sich strategisch in andere, um an Einfluss zuzunehmen.

2. Die Bevollmächtigung

Allgemein übliches Prinzip:Man leitet mit straffer Hand.

Hero-Making-Prinzip:Man macht als Leiter Ja zur Standardantwort.

3. Die Multiplikation von Jüngern

Allgemein übliches Prinzip:Das persönliche Wachstum steht im Vordergrund.

Hero-Making-Prinzip: Man investiert sich in andere, hilft ihnen dabei, Auszubildende zu multiplizieren.

4. Die Aktivierung von Gaben

Allgemein übliches Prinzip:Man stellt sicher, dass jeder Bereich abgedeckt ist.

Hero-Making-Prinzip:Man setzt Leiter in neuen Aufgabenbereichen frei – in dem Maß, wie ihre Gaben und Fähigkeiten zunehmen.

5. Der Bau des Reiches Gottes

Allgemein übliches Prinzip:Was man sammelt und erlangt, ­definiert Erfolg.

Hero-Making-Prinzip:Was man freisetzt und aussendet, ­definiert Erfolg.

Bei allen fünf Prinzipien beschreibe ich, auf welcher biblischen Grundlage das jeweilige Prinzip beruht, indem ich es in dem Leben und Dienst von Jesus hervorhebe. Ich zeige auch zahlreiche Beispiele auf, wie Menschen dieses Prinzip umsetzen. Darüber hinaus gebe ich Ihnen ein simples Hilfsmittel, das Sie und Ihr Team nutzen und schon heute einsetzen können. Wir gehen also von der Motivation zur Anwendung, von der Theorie zur Praxis.

Teil 3: Diejenigen, die andere zu wahrer Größe führen, sehen Resultate. Im dritten Teil möchte ich Sie inspirieren und Ihnen eine Vision geben, was Sie durch Ihre Leitungsaufgabe bewirken können. In diesem dritten und letzten Abschnitt, werden Sie lernen, wie Sie eine Kultur kreieren können, in der andere zu wahrer Größe geführt werden, und ich werde Ihnen einen großen Traum vorstellen, was wir gemeinsam erreichen können. Am Ende lasse ich dann einen guten Freund und Hero Maker, Pastor Oscar Murio aus Nairobi, Kenia zu Wort kommen (Sie werden ihn in Kapitel 4 kennenlernen). Im Anhang finden Sie zudem weiteres Material zum Thema Multiplikation.

Jesus, der Hero Maker

Obwohl Hero Maker ein Ausdruck ist, den wir im heutigen Leitungsjargon neu einführen, ist er doch gegründet auf alten Wahrheiten, die Jesus durch sein ganzes Leben und seinen ganzen Dienst hindurch veranschaulicht hat. Man kann die Prinzipien, die Jesus in seinem Dienst anwandte, nicht studieren, ohne zu dem Schluss zu kommen, dass er ein Hero Maker war – er rückte andere ins Rampenlicht. Als Erstes rückte Jesus Gott den Vater ins Rampenlicht. Dann rückte er die Leiter, die um ihm herum waren, ins Rampenlicht, die das Gleiche wiederum mit anderen taten. Achten Sie einmal auf die generationsübergreifende Multiplikation von Leitern im Lukasevangelium.4

In Lukas 8,1–3 reiste Jesus umher und verkündete die gute Botschaft, wobei die Zwölf und andere „mit ihm“ waren (das diatribo-Konzept, das ich in Kapitel 7 beschreibe). Hier sehen wir, wie Jesus eine zweite Generation von Leitern prägt.In Lukas 9,1–6 sandte Jesus die Zwölf aus und gab ihnen „Kraft und Vollmacht“ sowie den Auftrag, „das Reich Gottes zu predigen und die Kranken gesund zu machen“. Hier sehen wir, wie die zweite Generation eine dritte Generation von Leitern prägt.In Lukas 10,1–2 sandte Jesus 72 andere auf eine ähnliche Mission, aber er wies sie an, für weitere Arbeiter zu beten, weil – wie er betonte – „die Arbeiter wenige sind“. Hier sehen wir vier oder mehr Generationen von Leitern.

Wachstum im Reich Gottes – Gottes allumfassendem Werk welt-weit – scheint in direktem Zusammenhang zu stehen mit der Anzahl berufener, ausgebildeter, bevollmächtigter Arbeiter, wie wir in Lukas 10,2 sehen. Jesus schließt andere nicht nur in die Mission mit ein, er selbst multipliziert sich durch andere. Und er trägt jedem auf, nicht nur für einen weiteren Arbeiter zu beten, sondern den Herrn der Ernte zu bitten, dass der Arbeiter viele werden. Jesus war ein Hero Maker; er führte andere zu wahrer Größe und sein Beispiel fordert uns heraus, es ihm gleichzutun.

Sie können andere zu wahrer Grösse führen

In diesem Buch geht es darum, die Welt zu verändern, indem wir andere verändern. Durch die Seiten dieses Buchs hindurch werde ich Sie an das erinnern, was mein Freund Barry zum Ausdruck gebracht hat: Jeder möchte gern groß sein. Doch nur wenige verstehen, welche Kraft darin liegt, andere zu wahrer Größe zu führen. Wie so viele andere Menschen, die Sie in diesem Buch kennenlernen werden, wurde Barry nicht nur ein Hero Maker – er hatte auch einen Hero Maker in seinem Leben, der ihn ermutigte, ein Hero Maker zu sein.

Das Gleiche möchte ich für Sie tun. Ich möchte Ihnen helfen, ein Hero Maker zu sein – eine Person, die andere zu wahrer Größe führt –, damit Sie wiederum anderen helfen, Hero Maker zu sein. Ich bin davon überzeugt, Gott möchte, dass Sie zu einem Leiter werden, der diese Welt verändert. Er möchte, dass sich Ihr Einfluss und Ihr Vermächtnis vermehren, damit die Menschen, die er liebt, den Weg zurück zu ihm finden. Blättern Sie um. Wir werden beginnen mit einem Geheimnis, das Jesus kannte, das er seinen engsten Nachfolger anvertraute und das er auch Ihnen unbedingt weitergeben möchte.

1„Barry“ steht für zwei Freunde. Alle nachfolgenden Geschichten handeln von den genannten Personen, die ihre Einwilligung dazu gegeben haben.

2Der engl. Ausdruck „Hero Maker“ lässt sich ins Deutsche nicht „reibungslos“ übersetzen. „Helden Macher“ ist aufgrund der deutschen Geschichte belastet, sodass wir uns für dieses Buch entweder für die Beibehaltung von „Hero Maker“ oder für die Formulierung des Anliegens entschieden haben: „Andere zu wahrer Größe führen“ – Anm. des Herausgebers.

3Todd zitierte eigentlich Dave Rhodes, der gesagt hatte, „die Heldengeschichte müsse so aussehen, dass der Hauptleiter vom Helden zum Mentor wird, der Helden hervorbringt, die ihrerseits zu Mentoren werden“. Siehe Wilson/Mancini: Dream Big, Plan Smart: Finding Your Pathway to Level Five Multiplication. Exponential 2016, 55. Dieses E-Book steht zum kostenlosen Download unter www.exponential.org zur Verfügung.

4Den Hinweis auf dieses Schema verdanken wir Will Mancini. Er ist der Autor von „God Dreams“ (dieses Buch hat er zusammen mit Warren Bird verfasst) und „Church Unique“.

 

Teil 1: HERO MAKER – die Herausforderung, andere zu wahrer Größe zu führen

 

1 Das Geheimnis von Jesu Leitungsdienst

Leitidee: Leiter, die sich multiplizieren, haben gelernt, dass das Geheimnis zu mehr Effektivität und mehr Einfluss darin liegt, sich selbst zu sterben und durch andere hindurch für das Reich Gottes zu leben.

Was also ist das Geheimnis?

Bei der Beantwortung dieser Frage möchte ich nicht besserwisserisch erscheinen, doch ich habe in den letzten 25 Jahren gelernt, dass es bei der Multiplikation außerordentlicher Leiter tatsächlich ein Geheimnis gibt. Und dieses Geheimnis kann von Pastoren wie auch von ehrenamtlichen Leitern angewandt werden. Selbst Führungskräfte in Unternehmen oder im Sozialwesen werden davon profitieren. Egal ob Sie eine Mega-Kirche oder eine Kleingruppe leiten – dieses Geheimnis lässt sich auf die unterschiedlichsten Situationen und Umstände übertragen und wird jedem Leiter helfen, sich in exponentieller Weise zu multiplizieren. Dieses Geheimnis ist nicht nur für uns alle greifbar, wenn Sie weiterlesen, können Sie sogar noch heute beginnen, es anzuwenden.

Das Geheimnis

Noch lange bevor ich davon träumte, eine Gemeinde zu starten und zu leiten, träumte ich davon, in der Basketball-Profiliga in Nordamerika (NBA) zu spielen. Das ist ziemlich ambitioniert für jemanden, der 1,80 Meter misst und lediglich die Sprungkraft eines Weißen mittleren Alters hat! Aber ich sagte ja schon, es war ein Traum.

Meine Söhne, die beide meine Liebe zu diesem Sport teilen, machten mich auf The Book of Basketball1, das ultimative, 719 Seiten umfassende NBA-Geschichtsbuch von Bill Simmons aufmerksam. Der preisgekrönte Sportjournalist ist einer der wenigen Menschen, die in der Lage sind, ein anerkanntes Standardwerk zum Thema Basketball zu verfassen. Das erste Kapitel von Simmons’ Buch lautet „Das Geheimnis“. Simmons sagt, es gibt ein Geheimnis im Basketball, das nur die wenigsten kennen. Er gesteht, es selbst nicht gekannt zu haben, obgleich er nicht nur schon immer ein großer Fan dieses Sports war, sondern auch ein erfahrener Sportjournalist ist, der Tausende von Profispielen mitverfolgt hat. Er war sich dieses Geheimnisses nicht bewusst, bis er sich eines Tages mit der Spielerlegende Isiah Thomas unterhielt, der Bekanntheit erlangte, als er mit den Detroit Pistons zweimal die NBA-Meisterschaft gewann. (Und Isiah misst nur 1,85 m, was mir Hoffnung macht im Hinblick auf das nächste NBA-Aufgebot!)

Simmons fragte Thomas in einem Interview, ob es ein Geheimnis gebe, wie man einen NBA-Titel gewinnt. Thomas hielt einen Moment inne und lächelte, womit er andeutete, dass es tatsächlich ein Geheimnis zum Gewinn einer Meisterschaft gibt. „Das Geheimnis von Basketball ist“, sagte Thomas schließlich, „dass es nicht um Basketball geht.“2

Das war natürlich nicht die Antwort, die Simmons erwartet hatte. Thomas, der sah, dass er ihn offensichtlich etwas verwirrt hatte, fing an, Simmons von dem unglaublichen Teamgeist in der Mannschaft zu erzählen. Und dieser Teamgeist zeichnete nicht nur die Pistons aus; auch die Lakers und die Celtics waren in ihren besten Zeiten dafür bekannt. Thomas sagte, er habe dieses Geheimnis gelernt, als sein Team mitten in der Saison einen Starspieler, der immer viele Punkte machte, gegen einen älteren, weniger herausragenden Spieler auswechselte. Dieser Spieler kannte das Geheimnis des Sieges. Die Pistons hatten Adrian Dantley, dem es zu sehr um seinen eigenen Erfolg ging, eingetauscht gegen den nur wenig bekannten Mark Aguirre, der ein Jugendfreund von Thomas war. Noch viel wichtiger aber war, dass Aguirre seine Aufgabe darin sah, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um das gesamte Team zum Erfolg zu führen. Theoretisch schien dieser Wechsel keinen Sinn zu ergeben, doch praktisch führte er zu erstaunlichen Resultaten. Die Pistons verbesserten sich in dieser Saison merklich und gewannen die Meisterschaft.

Thomas brachte es auf den Punkt. „Worauf es beim erfolgreichen Basketball ankommt, ist das Team“, sagte er zu Simmons. „Jeder muss zuerst an das Team denken.“ Im Rückblick auf diese erfolgreichen Jahre bemerkte Thomas: „Oftmals konnte man nicht ausmachen, wer der beste Spieler des Teams war. … und nur auf diese Weise kann man gewinnen.“3

Die meisten Leute meinen, um erfolgreich Basketball zu spielen, braucht man die Starspieler – diejenigen, die die meisten Punkte machen, am häufigsten den Ball kriegen, die höchste Anzahl an Würfen haben und auf dem Papier gut abschneiden. Doch Thomas glaubt, all das sei kein Garant für Erfolg. Was er vertritt, widerspricht der vorherrschenden Meinung. Statt Starspieler einzusetzen, die einzeln gesehen erfolgreich sind, liegt das wahre Geheimnis des Erfolgs im Basketball aus seiner Sicht darin, Spieler zu haben, die bereit sind, für das Team ihre persönlichen Ambitionen hintanzustellen, und denen mitunter selbst ihre eigene Trefferquote unwichtig ist.

Um zu gewinnen, brauchst du Leute, die dem Team zuliebe auf ihren eigenen Erfolg verzichten. Das ist auf Dauer das Geheimnis des Sieges. „Man darf sich von Zahlen und Statistiken nicht täuschen lassen“, fasst Simmons zusammen.4 „Entscheidender als Statistiken und Talent ist es, den Mitspielern zu helfen, besser zu werden und das Team über alles zu stellen. Darauf kommt es an.“5

Jesus kannte das Geheimnis

Jesus hatte ein Team; und sein Team bestand aus seinen Jüngern. Jesus kannte das Geheimnis und ließ sich nicht von Zahlen und Statistiken täuschen. Er machte deutlich, dass es sein Verlangen war, seine Nachfolger auszurüsten, Außergewöhnliches zu vollbringen: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe“ (Joh 14,12). Jesus ließ seine Nachfolger wissen, dass er sich in sie investieren würde, damit sie größere Werke als er vollbringen würden. Er bereitete sie darauf vor, mehr Menschen zu erreichen, an mehr Orte zu kommen und mehr Jünger zu machen, als er es in den drei Jahren seines Dienstes auf der Erde tun würde.

Paulus kannte das Geheimnis

Der Apostel Paulus beginnt das zwölfte Kapitel des ersten Briefes an die Korinther im Grunde genommen, indem er uns eine Frage stellt: „Wollt ihr wissen, was das Geheimnis ist?“ Dieses Geheimnis hat nichts mit Basketball, sondern mit dem Reich Gottes zu tun und damit, wie jeder von uns etwas zu dem Werk Gottes in seinem Reich beitragen kann. Er schreibt: „Was aber die geistlichen Gaben betrifft, Brüder, so will ich nicht, dass ihr ohne Kenntnis seid“ (1Kor 12,1).

Paulus fährt fort, dieses Geheimnis in Vers 12 aufzudecken. Er erklärt, dass die Gemeinde in besonderer Weise geschaffen ist und dementsprechend auch funktionieren soll. Sie ist ein Leib. Ein Team. Und ob es nun die weltweite Gemeinde ist oder die Ortsgemeinde – die Gemeinde als Ganzes ist von Gott so geschaffen, dass sie als Team zusammenarbeitet und die einzelnen durch den Geist verliehenen Gaben sowie alle anderen Ressourcen gebraucht werden, um den gesamten Leib aufzubauen und die von Gott gegebene Mission zu erfüllen.

Das „Geheimnis“ ist somit ziemlich einfach, nicht wahr? Statt uns also um unseren persönlichen Erfolg oder um den Erfolg unserer Ortsgemeinde zu kümmern, sollten wir unser Augenmerk auf das größere Werk des Reiches Gottes richten – also überall dorthin, wo er als Herr anerkannt wird. Das Ganze hat Vorrang gegenüber jedem einzelnen Teil. Sie und ich, wir sind Teil eines Auftrags, der größer ist als das, was jeder von uns in seiner eigenen Kraft bewerkstelligen könnte – egal wie begabt wir auch sein mögen. Das Reich, für das Jesus sein Leben gab, ist viel größer als die Ortsgemeinde, in der Sie dienen, oder die Denomination oder das Netzwerk, dem Sie angehören. Wenn wir uns alle in Gottes Team einbringen, profitiert das Reich Gottes, weil mehr Menschen dazukommen – egal welcher lokalen Gemeinde sie sich letztlich anschließen werden.

So einfach es auch klingen mag, aber diese Denkweise verändert unser Verständnis von Leitung ganz grundlegend. Wann immer ich in der Vergangenheit im Neuen Testament eine der über 100 Stellen über das Reich Gottes las, habe ich zuerst darüber nachgedacht, was das für mein eigenes Umfeld, also für Community Christian Church bedeutet. Wenn ich heute Reich Gottes lese, versuche ich mir unsere Gemeinde und die anderen Gemeinden in unserer Nachbarschaft vorzustellen, die Gemeinde meines Freundes im Zentrum von New York, die 32 Mitglieder große Gemeinde in einem Dorf in Oklahoma, die Untergrundgemeinde in China und all die anderen Gemeinden in Gottes Reich weltweit.

Hier geht es um unsere Prioritäten. Darauf wollte Jesus auch hinaus, als er sagte: „Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes“ (Mt 6,33). Jesus lenkt unseren Blick auf das Werk der Multiplikation des Reiches durch Gleichnisse, in denen es um Saatgut geht (Mk 4,26–34) und um Sauerteig (Mt 13,33). Und es gibt einen Grund, warum er das tut. Wenn ich anfange, mehr nach dem Reich Gottes als nach meinem eigenen Reich zu trachten, werden seine Kraft und seine Absichten für uns und durch uns sichtbar.

Wir können weder das Reich Gottes voranbringen noch die Mission Jesu erfüllen, wenn wir dieses Geheimnis in unserem persönlichen Leben und in unserer Leitung nicht zur Anwendung bringen. Jede echte Bewegung, die sich der Mission Jesu verschrieben hat, beginnt mit einer Herzensveränderung des Leiters. Und die findet statt, wenn wir lernen, aus dem Rampenlicht zu treten. Nachdem wir diesen entscheidenden Schritt vollzogen haben, beginnen wir andere ins Rampenlicht zu stellen. Das bedeutet, wir wenden unsere Anstrengungen dafür auf, andere Nachfolger Jesu sowie neue Leiter auszurüsten und sie zu befähigen, außerordentliche Leiter zu werden – ganz egal wo Gott sie auch hinstellen wird. Das zeichnet den Leitungsstil Jesu aus. Das ist sein Geheimnis.

Kurz gesagt, wir müssen lernen, als Leiter nicht mehr länger selbst groß zu sein, sondern andere zu wahrer Größe zu führen.

Tabelle 1.1 stellt beide Leitungsstile einander gegenüber.

Prinzipien

Selbst groß sein

Andere zu wahrer Größe führen

Der Multiplikations- gedanke

Ich denke, der Dienst wird durch mich als Leiter ausgeführt.

Ich denke, der Dienst wird durch Leiter ausgeführt, die sich multipliziert haben.

Die Bevollmächtigung

Ich sehe, was Gott durch meine Leitung tun kann.

Ich sehe, was Gott durch andere tun kann und sage ihnen, was ich in ihnen sehe.

Die Multiplikation von Jüngern

Ich gebe weiter, was ich gelernt habe, sodass mehr Nachfolger hinzukommen.

Ich gebe weiter, was ich gelernt habe, sodass Jünger sich multiplizieren.

Die Aktivierung von Gaben

Ich bitte Gott, mich bei der Ausübung meiner Gaben zu segnen.

Ich bitte Gott, die Leiter zu segnen, die ich aussende.

Der Bau des Reiches Gottes

Ich zähle die Menschen, die zu „meiner Sache“ kommen.

Ich zähle die Leiter, die hinausgehen, um die Sache Gottes voranzubringen.

Tab. 1.1

Eine Warnung: Umzudenken und anzufangen, andere zu wahrer Größe zu führen, wie es in diesem Buch beschrieben wird, bedeutet, dass wir uns selbst sterben, damit wir umso mehr für Christus und sein Königreich leben. Es kann auch bedeuten, für unser Tun niemals öffentlich anerkannt zu werden, weil wir uns entschieden haben, im Hintergrund zu agieren, statt das Rampenlicht zu suchen.

Auch wenn uns bewusst ist, dass diese Entscheidungen richtig sind, weil wir dadurch Gottes Reich voranbringen, werden sie damit nicht leichter. So machte einer der Leiter von Community Christian Church folgende Aussage, als wir darüber sprachen, was es bedeutet, andere zu wahrer Größe zu führen:

Du erinnert uns daran, dass ein wahrer Leiter zuallererst dem Gedanken, persönlichen Ruhm zu erlangen, sterben muss. Dieses Sterben beinhaltet einen tiefgehenden Umwandlungsprozess, der verbunden ist mit Schmerz darüber, niemals der Leiter zu sein, der alles bestimmt und alle, die um ihn herum sind, prägt – ja der niemals groß sein wird und auf dieser Erde keine Anerkennung empfängt.

Für Pastoren ist es ein schwerer Tod, denn wir sind erfüllt von einem Traum. Der Gedanke, vielleicht nie wahrgenommen zu werden, sondern uns in kleinen Einheiten überall in unserer Stadt, unserem Land, ja auf der ganzen Welt zu verteilen, widerstrebt uns. Wir werden wahrscheinlich nie im Rampenlicht stehen, aber wir werden eine ganze Generation prägen. Und das ist es alles wert.

In diesem Buch möchte ich Ihnen helfen, das Geheimnis kennenzulernen, wie Sie andere Leiter bestätigen, als Mentor begleiten und ermutigen können, zu wahrer Größe zu kommen, und sie darüber hinaus für die Arbeit in Gottes Reich freisetzen können, was wiederum einen Multiplikationseffekt hat, weil sie ihrerseits andere als Mentoren begleiten und freisetzen werden. Auf diese Weise bringen wir das Reich Gottes voran.

Leiter in Indien kennen das Geheimnis – kennen wir es auch?

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ich in meinen Kalender schaute und dort einen Termin mit einem Mann namens Sam Stephens vorfand. Ich fragte meine Assistentin Pat, warum dieses Treffen stattfand und wer dieser Mann sei. „Ich dachte, du kennst ihn“, meinte sie. „Ich weiß nur, dass er aus Indien kommt.“

Auf dem Weg zu dem Treffen fragte ich mich innerlich, ob ich mit dem Gespräch meine Zeit verschwenden würde. Ich grüßte den Mann, reichte ihm die Hand und bat ihn, mir von sich zu erzählen. Sam begann mir eine Geschichte über seinen Vater zu erzählen, die in den 50er-Jahren begann. Sams Vater hatte einen Dienst gestartet, um Gemeinden in Indien zu gründen, und im Jahr 1992 hatten sie, nachdem sie ein gewisses Maß an Wachstum erlebt hatten, insgesamt 200 Gemeinden, die alle von der einen Gemeinde ausgingen, die Sams Vater in den 50ern gestartet hatte. Wow, dachte ich bei mir. 200 Gemeinden! Von dem Moment an hörte ich Sam gespannt zu.

Sam fiel es nicht leicht, über seine eigene Arbeit zu sprechen, denn er ist sehr demütig. Ich musste alle Details förmlich aus ihm herausziehen. 1992, so erzählte er mir, hatte er diese erste Gemeinde übernommen und eine einfache, aber strategische Veränderung vorgenommen hinsichtlich dessen, wie sie Dinge umsetzten. Er bestand darauf, dass jeder, der eine Gemeinde gründete, sich dabei einen Auszubildenden6 zur Seite nahm. Dieser Azubi unterstützte den Gemeindegründer und lernte aus erster Hand, wie man eine Gemeinde startet. Auf diese Weise reproduzierte sich das Ganze Jahr um Jahr.

Nun war ich wirklich neugierig. „Wo steht ihr heute?“

Ohne viel Aufheben antwortete Sam: „Wir haben inzwischen 70.000 Gemeinden.“ An diesem Punkt war ich dankbar, dass ich bereits saß. Mir wurde langsam bewusst, dass dies eine wirklich außergewöhnliche Geschichte war. Ich fragte Sam: „Über wie viele Menschen sprechen wir hier?“ Seine Antwort verschlug mir den Atem.

„Ich denke, in etwa 3,5 Millionen Menschen“, sagte er. Und er fügte hinzu: „Aber wir beten für 100.000 Gemeinden und 5 Millionen Menschen!“ Ich begann mich innerlich zu fragen: Wie in aller Welt kam es zu dieser exponentiellen Multiplikation?

Als ich mich weiter mit Sam unterhielt, wurde mir klar, er hatte das Geheimnis entdeckt. Diese kleine Veränderung, die er in 1992 vorgenommen hatte, hatte die Auswirkungen ihrer Gemeindegründungsarbeit entscheidend beeinflusst. Sam hatte gesehen, dass es überall in Indien begabte Menschen und Leiter gab. Und ihm war bewusst, wenn er sie bevollmächtigen, sie ermutigen und ihnen helfen würde, erfolgreich zu sein, dann würde die Mission Jesu auf eine viel effizientere Weise vorangebracht werden. Sam begleitete Leiter als Mentor, die ihrerseits andere Leiter als Mentoren begleiteten, die ihrerseits wieder mit vielen anderen das Gleiche taten. Was sie machten, war nicht nur geistgeleitet und missional – sie waren dabei, sich durch Ausbildung zu reproduzieren und zu multiplizieren. Was Isiah Thomas Bill Simmons weitergegeben hatte, hatte Sam Stephens gerade mir mitgeteilt.

An diesem Tag in meinem Büro sah Sam mich an und sagte: „Dave, möchtest du das Geheimnis wissen, wie das, was Jesus für diese Erde geplant hat, umgesetzt werden kann? Es geht nicht darum, was du persönlich erreichen kannst, Dave. Es geht nicht darum, nur deine Gemeinde wachsen zu sehen. Es geht um das Reich Gottes. Und während du lernst, andere zu wahrer Größe zu führen, mache dir bewusst, was Gott durch dich tun kann!“

Auch ehrenamtliche Leiter kennen das Geheimnis

Seit jenem Tag weiß ich aus erster Hand, dass man kein Pastor, Missionar oder Gemeindeleiter sein muss, um andere zu wahrer Größe zu führen und als Multiplikator im Reich Gottes aktiv zu sein. Michelle Bird, die Frau von Warren, welcher der Co-Autor dieses Buches ist, spielt Tennis in einem Verein in ihrer Nachbarschaft. Michelle lag es sehr am Herzen, eine Kleingruppe innerhalb ihres Tennisvereins zu starten, damit ihre Bekannten dort Jesus kennenlernen konnten. Nachdem sie dafür gebetet hatte, lud sie eine Freundin aus der Gemeinde ein, ihr Azubi zu sein und ihr dabei zu helfen, diese Gruppe zu leiten.

„Ich helfe gern mit, aber ich bin keine Leiterin“, antwortete Michelles Freundin Hannah. „Das ist okay, aber wärst du bereit, einmal in der Woche am Telefon mit mir zu beten, das letzte Treffen zu besprechen und mir zu helfen, das nächste Treffen zu planen?“, erwiderte Michelle. „Ja klar, solange dir bewusst ist, dass ich keine Leiterin sein möchte“, sagte Hannah. Michelle gab Hannah jede Woche eine andere Aufgabe: Mal begrüßte sie die Frauen an der Tür, mal startete sie das Treffen im Gebet, mal stellte sie die erste Frage bei der Diskussionsrunde. Immer willigte Hannah ein, doch sie erinnerte Michelle daran: „Ich werde keine Leiterin sein.“

Die Frauen in der Gruppe liebten diese gemeinsamen Zeiten und fragten, ob man sich nicht weiterhin treffen und ein neues Thema studieren könnte. Erneut fragte Michelle Hannah, ob sie ihr Leiter-Azubi werden wolle. Wieder lehnte Hannah ab, doch meinte, sie wäre bereit zu helfen. Nachdem sie bei zwei weiteren Gruppen mitgeholfen hatte, willigte Hannah schließlich ein, die Leiterin zu sein, und traf sich mit der neuen Gruppe in ihrem Wohnviertel, um auch einige ihrer Bekannten einladen zu können. „Ich denke, ich schaffe das.“ Hannah mobilisierte ihre Bekannten und leitete die Gruppe, wobei Michelle ihr assistierte. Die nächste Gruppe leitete Hannah dann mit einer Leiterin als Azubi, die sie rekrutiert hatte. Michelle traf sich mit ihnen, um sie bei der Planung und beim Gebet zu unterstützen, wobei sie die Rolle des Coaches einnahm.

Inzwischen hat Hannah zwei Gruppen selbst geleitet, und ihr Azubi leitet nun eine weitere Gruppe und Hannah spornt sie dabei an. Durch die Jahre hindurch, in denen etliche Gruppen zusammengekommen sind, haben viele Frauen ihren Weg zurück zu Gott gefunden und sind in der Nachfolge angeleitet worden. Michelle, die gemerkt hat, dass es nicht einfach ist für Hannahs Azubi, sich zu reproduzieren, fragt immer wieder nach: „Wie sieht’s aus, hast du inzwischen einen Azubi gefunden?“ Die Bilanz: Die Anzahl derer, die sich für die Arbeit in Gottes Reich trainieren lassen, multipliziert sich.

Das meinen wir, wenn wir davon sprechen, andere zu wahrer Größe zu führen – und es ist weder ein Pastor noch ein Vollzeitmitarbeiter nötig, damit das Ganze funktioniert.

Geben Sie das Geheimnis weiter

Es gibt Geheimnisse, die sollte man für sich behalten. Doch dieses Geheimnis sollten Sie unbedingt weitergeben.

Ich denke zurück an eine Weihnachtszeit, als unsere Kinder noch klein waren und ich sie mitnahm, um Weihnachtsgeschenke für meine Frau zu besorgen. Wir sahen uns in verschiedenen Geschäften um, und jeder fand etwas Passendes für sie. Unser jüngster Sohn, Caleb, war damals drei Jahre alt und er hatte ein wunderschönes Paar Winterhandschuhe für seine Mutter ausgesucht. Als wir ins Auto stiegen, um zurück nach Hause zu fahren, sagte ich zu ihm: „Caleb, dieses Geschenk ist ein Geheimnis.“ Ich hätte ihm wahrscheinlich erklären sollen, was ein Geheimnis ist. Zu Hause angekommen fragte meine Frau die Kinder aus Spaß: „Und, habt ihr Weihnachtsgeschenke für mich gefunden?“ Voller Begeisterung rief Caleb aus: „Ja, ich habe Handschuhe für dich gefunden …, und dieses Geschenk ist ein Geheimnis!“

Obwohl ich Ihnen grundsätzlich raten würde, zu Ihrem Wort zu stehen und Geheimnisse nicht auszuplaudern, ermutige ich Sie in diesem Fall, so zu handeln wie Caleb. Hier geht es um ein Geheimnis, das wir weitergeben müssen! Das hat mich übrigens auch veranlasst, dieses Buch zu schreiben: Ich möchte Ihnen weitergeben, was im Einzelnen das Geheimnis von Jesu Leitungsstil und -fähigkeiten ist, damit Sie es anderen weitergeben, die es anderen weitergeben und so weiter.

Diejenigen, die das Geheimnis Jesu heute verstehen und ausleben – also Menschen, die die Verbindung zwischen „Reich Gottes“ und „Team“ begreifen –, spielen für den Namen des Teams, der auf der Vorderseite ihres Basketballtrikots steht, und nicht für ihren eigenen Namen, der auf der Rückseite steht. Durch das ganze Buch hindurch werde ich diesen Gedanken immer wieder aufgreifen. Wir wollen lernen zu verstehen, wie Jesus mit einer Handvoll Nachfolger arbeitete und eine Reich-Gottes-Bewegung initiierte.

Mein Wunsch ist, dass Hero Maker Ihnen helfen wird, neu zu definieren, was für Sie als Leiter Erfolg bedeutet, indem Sie den Fokus von Ihren eigenen Fähigkeiten weg auf die Fähigkeiten derer richten, die Sie hervorbringen und multiplizieren. Wir möchten, dass dieses Buch Leiter von Gemeinden – wie auch Führungskräfte in anderen Bereichen – inspiriert zu überdenken, woran sie ihren Erfolg messen. Wir müssen die Anzeigetafel wechseln, auf der die Punkte gezählt werden, die darüber entscheiden, ob wir das Spiel gewinnen oder verlieren. Dann werden wir unseren persönlichen Erfolg aus einer Reich-Gottes-Perspektive heraus wahrnehmen, statt das Reich Gottes durch die Brille unserer eigenen Anstrengungen zu sehen. Wir werden auch neue Prioritäten setzen und nicht mehr länger nur Gemeinden gründen und Menschen zu Jüngern machen, sondern wir werden Menschen zu Jüngern machen, die andere zu Jüngern machen, und wir werden Gemeinden gründen, die andere Gemeinden gründen. Das verstehen wir unter Hero Making!

Der Schlüssel dazu, ein Leiter zu werden, der sich multipliziert und andere großartige Leiter hervorbringt, ist eine Reich-Gottes-Mentalität. Das bedeutet, Menschen zu helfen, ihre einzigartige Bestimmung zu erkennen und sie dann freizusetzen, damit sie sich in andere investieren können. Indem Sie das tun, wachsen Sie selbst – sowohl persönlich wie auch als Leiter. In dem Moment, wo Sie Ihre ganze Kraft und Aufmerksamkeit darauf richten, sich in andere zu investieren, beginnen Sie Ihren Einfluss exponentiell zu vergrößern. Sie werden zum Hero Maker.

Andere zu wahrer Größe zu führen ist auf jeder Ebene und in jedem Umfeld möglich. Nehmen wir einmal an, Gott hat Ihnen die Fähigkeit gegeben, eine Kleingruppe mit zehn Personen zu leiten. Großartig! Was würde geschehen, wenn es nicht nur Ihr oberstes Ziel wäre, der beste Kleingruppenleiter zu sein, sondern alles zu geben, damit ein anderer ein noch besserer Leiter wird als Sie? Was wäre, wenn diese Person dann ihre Gaben und Kraft in jemand anders investieren würde? Wenn wir andere zu wahrer Größe führen, können wir so viel mehr für die Ewigkeit bewirken, als es uns mit unseren eigenen begrenzten Fähigkeiten und Anstrengungen möglich ist.