Hero Tales - Matthias Weiß - E-Book

Hero Tales E-Book

Matthias Weiß

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Beschreibung

Das Buch handelt von Talos Hul und Matthew Black aus der Fantasy Welt Solaris. Zusammen erleben sie viele Abenteuer, helfen Menschen und besiegen Kreaturen aller Art mit Magie, Waffen und Freundschaft.

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MOBI

Seitenzahl: 380

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Hero Tales

Hero TalesProlog KingstoneKapitel 1 OakwoodKapitel 2 Die GeisterpartyKapitel 3 RavenwoodKapitel 4 Madrigal die verfluchte StadtKapitel 5 Madrigal, InnenstadtKapitel 6 IndustriegebietKapitel 7 Madrigal, SchlossKapitel 8 Das große NichtsKapitel 9 Kampf um die HauptstadtKapitel 10 Blood n' HellKapitel 11 Ein unerwartetes WiedersehenKapitel 12 DunkelheitKapitel 13 Das ZauberduellKapitel 14 Das Geheimnis von Sunset VillageKapitel 15 Reise nach BrightlakeKapitel 16 NorthcliffKapitel 17 Die Stürme WindstonesKapitel 18 Blitz und DonnerKapitel 19 Die vier NaturgewaltenKapitel 20 Reise nach LlanduriaKapitel 21 KraasKapitel 22 Die KapelleKapitel 23 MizzardKapitel 24 Der KrähenkönigKapitel 25 Der AufstandKapitel 26 Die Fesseln der WeltKapitel 27 Der AbschiedImpressum

Hero Tales

Für alle die mich beim Schreiben in­spiriert und mir beim Ideen sam­meln geholfen haben.

Rebecca Göbel

Marc Weltsch (Talos Hul)

Thomas Schweinfurth

Marc Kocsics

Andreas Wohlfahrt

Christian Müller (Ursus Maior)

Roland Fink

Ebenso ein Dankeschön für ein paar super Jahre mit euch!

Auch ein Danke an meine besten

Freunde

Martin Blum

Joscha Jochum

Lucian Weihrauch

Und an meinen Cousin

Christian Lucke

Prolog Kingstone

Das Land Solaris war die Heimatwelt der Menschheit. Die größte Stadt und dazu noch Hauptstadt des Landes war Kingstone.

Solaris befand sich seit einem Jahrzehnt im Industriezeital­ter, in der Steinschlosswaffen und Kanonen keine Sel­tenheit mehr waren und die Bögen und Armbrüste lang­sam ablösten. Ein entscheidender Aspekt war allerdings die Kunst der mys­teriösen Magie, die nur noch wenige Menschen in Solaris be­herrschten, die uralte Kunst des Geistes und der Elemente.

Ein junger Wanderer reiste früh am Morgen durch die Wäl­der und das Bauernland vor der Hauptstadt. Flüsse verliefen um die große und gut befestigte Burg herum und Teiche be­herbergten viele Tiere wie Fische und Frösche. Das Tau auf dem Gras war noch frisch. Vögel flogen mit ihrem morgend­lichen Gesang über seinen Kopf hinweg und genossen den herrlichen Sommer die­ses Jahres.

Das Getreide auf den Feldern gedieh prächtig, viele Bauern pflückten Äpfel von den Bäumen, trieben ihr Vieh zusam­men oder brachten ihr Getreide zu den Müh­len vor der riesi­gen Festung aus Gestein und Holz.

Der Wanderer wurde vom König dieser Stadt und des Lan­des gerufen. Soweit er es in Erfahrung bringen konn­te, war etwas Schreckliches geschehen, aber der König wollte es mit ihm persönlich besprechen. Das fand der Wanderer etwas merkwürdig, denn selten gab der König private Konferen­zen. Er dachte noch einmal darüber nach, dann schüttelte er den Kopf und schritt an den Bauernhöfen vor­bei. Er wurde freundlich von den Bauern begrüßt. Kings­tone war eine freundliche Stadt, eine der wenigen in diesem Land.

Der Wanderer hatte eine rote Robe an die mit seltsamen blauen Runen verziert war. Dabei hatte er einen seltsam ge­formten hellbraunen Stab. Er war sehr jung, doch das Alter trübte, denn hinter dem jungen Gesicht, verbarg sich ein er­wachsener und reifer Mensch.

Der Wanderer hielt kurz inne als er ein paar aggressive Stimmen vernahm. Er schaute in die Richtung aus der sie ka­men und beobachtete einen Bauern der sich mit einer Wache stritt. Er wusste nicht worum es ging, wohl auch nicht die Wache. Aber die Worte die er heraushörte wa­ren: „Unge­rechtigkeit“ und „zu hohe Steuern.“

Doch die Wache hatte wohl für solche Beschwerden keine Zeit. Er gab ein kurzes „Tut mir Leid“ von sich und trat am Bauern vorbei.

Der Wanderer dachte über diese Erfahrung nach. Der Stadt ging es wohl nicht besonders gut. Oder wollte sich der König nur auf etwas vorbereiten? Wie dem auch sei, es waren schwere Zeiten in diesem Land.

Ein Burggraben trennte die Innenstadt von der Außen­welt. Zwei Wachen standen vor einer großen Zugbrücke. Die Wa­chen waren gut ausgerüstet; sie hatten rote Jacken an, dazu trugen sie ein Gewehr und ein Schwert bei sich, schwarze Stiefel und eine schwarze Hose rundeten ihre Armeekluft ab. Der Wanderer schritt´ weiter und ließ die beiden Verteidiger des Friedens hinter sich, die ihn höf­lich begrüßten. Als er durch die Tore ging, sah er die Größe der Stadt. In der Ferne war das große Schloss zu sehen, das sein Ziel war. Große, meist eckige Häuser mit schrägen Dächern standen in langen Reihen zwischen ihm und seinem Zielort. Als der Wanderer nach rechts schaute, sah er Rauchsäulen, die von Türmen aufstiegen; es war das Industriegebiet von Kingstone, dort wurden moderne Waffen und mechanische Geräte hergestellt.

Das schmutzige Industriegebiet gab einen derben Kon­trast zu dem prächtigen und fruchtbaren Rest des Bauern­landes von Kingstone ab.

Der Wanderer befand sich nun auf dem Marktplatz, vie­le Verkäufer an den Ständen boten ihre Ware preis, von Gemü­se über Gemälde bis hin zu Schmuck und Talisma­nen. Auch orientalische Dinge wie bunt und edel verzier­te Teppiche, Krüge mit seltenen Lebensmitteln waren keine Seltenheit hier. Kingstone lag im Zentrum eines Handelspaktes aus mehreren Ländern.

Ein großes Gasthaus stand rechts am Wegesrand. Auf dem Schild über der großen Tür stand: Two Kings. Ein Mann, der eine Schürze trug, stand davor und kehrte mit einem Besen den Hof, während zwei andere Männer Ti­sche und Stühle hinaustrugen.

Links befand sich eine Waffenschmiede, doch damit konnte der Wanderer nichts anfangen, er legte kaum Wert auf – sei­ner Meinung nach – primitiver Waffen­techniken.

Viele Bürger liefen umher und kauften Waren. Ebenso vie­le Wachen passten auf, dass nichts geschah, denn Verbre­chen war trotz des Wohlstandes in Solaris, keine Sel­tenheit. Besonders außerhalb der zivilisierten Gegenden.

Plötzlich wurde er angehalten. Ein junger Mann stand vor ihm und bot ihm etwas an. Er war dünn, trug zer­lumpte Kla­motten und hatte ein Schwert bei sich, das er gut verbarg. Dem Magier fiel es allerdings auf. Kühl stand er dem Mann gegenüber und wartete auf dessen Schritte, die keinesfalls freundlich zu sein schienen.

„Mein werter Herr“, begann der Fremde, „wären Sie interess­iert, Ihr Geld gut anzulegen?“

„Nein danke“, kam die Antwort des Wanderers kalt, und er wollte an ihm vorbei gehen.

Doch nun tauchten zwei weitere Männer auf, sie trugen große Knüppel mit Nägeln darin bei sich.

„Wir wären aber daran interessiert“, erwiderte der Mann arrogant, „packt und schüttelt ihn, bis das Geld heraus kommt.“

Der erste wollte mit dem Knüppel ausholen, da duckte sich der Wanderer weg, und schlug mit dem Stab nach den Füßen seines Gegners. Er fiel zu Boden, und plötz­lich fingen seine Beine an, rot zu leuchten und heiß zu brennen. Es roch nach verbranntem Fleisch, was die Menge anlockte, die um die Vier einen Kreis bildeten.

„Ein Magier“, rief der, der von dem Wanderer mit Feuer angriffen wurde, noch während er sich umher rollte.

Die Hand des Wanderers glühte feuerrot, und er streckte sie nach einem Gegner aus; er packte die Hand des Zwei­ten Gauners und hielt sie fest. Flammen erschienen auf der Hand des Magiers, die sich auf den Arm und Körper seines Gegen­übers übertrugen. Er verspürte keinen Schmerz, was man aber von seinem Gegner nicht sagen konnte. Der Mann fing an zu schreien und ging auf Knie. Der Magier ließ den Arm des Mannes los und wollte sich gerade zum Anführer drehen, als dieser mit seiner Faust zuschlug. Er traf dem Wanderer im Gesicht und er torkel­te ein Stück zurück. Dem Wanderer floss etwas Blut aus der Nase, dieses wischte er, nachdem er sich wieder ge­fangen hatte, sich aber weg und ging zum Ge­genangriff über; er holte ebenfalls mit der Faust aus und ver­passte dem Mann ein blaues Auge. Der Mann fiel nach hin­ten, zog aber noch im Flug eine Pistole und wollte gerade auf den Wanderer schießen, als zwei Wachen kamen.

Einer trat ihm die Pistole aus der Hand und presste sei­nen Fuß auf die Hand während die andere Wache ihr Schwert an den Kopf des Mannes hielt.

„Na, na, wer wird denn?“, sagte er arrogant.

Der Magier sah noch, wie die beiden anderen mit verkohl­ten Körperteilen wegrannten. Kurz darauf erschienen zwei weitere Wachen und folgten den beiden Verbre­chern.

Die Leute um den Wanderer herum jubelten und pfiffen. Der Wanderer richtete sich den Mantel zurecht, wischte sich ein zweites Mal das Blut von der Nase und schritt gerade­wegs auf das Schloss zu.

„Gut gekämpft“, lobte eine der Wachen und wandte sich an den Verbrecher. „Nun zu dir.“

Der Magier ignorierte seine neuen Fans, er hielt nicht viel von Anerkennung. Auch von der Verhaftung des Mannes be­kam er nichts mit.

Es dauerte auch nicht lange, da kam der Magier am Wohn­viertel der Hauptstadt an. In diesem Viertel lebten die meis­ten Menschen, Mittelständige, Adlige und Rei­che. Armut gab es in dieser Stadt nicht. Auch hier pass­ten wieder viele Wachen auf. Diese trugen aber grüne Kleider, was das Zei­chen für einen höheren Rang und eine bessere Ausbildung war.

Die meisten Häuser waren große Villen, aber auch klei­ne Häuser standen an den Straßenrändern, die allerdings schä­big im Gegensatz zu ihren „großen Brüdern“ wirk­ten.

Hier gab es ebenfalls ein Gasthaus, Noble House stand auf dem golden verzierten Hängeschild.

Es dauerte bereits zehn Minuten vom Marktplatz bis zu den Schlossmauern. Die Häuser hier waren zwischen ei­nem bis zu drei Stockwerke hoch. Blumen, die in allen Farben blüh­ten, zierten die Fensterbänke. Hausfrauen oder Dienerinnen fegten vor den Eingangstüren oder gos­sen die Blumen, wäh­rend deren Ehegatten oder Herren beim Arbeiten auf dem Land, in den Büros oder im In­dustriegebiet waren.

In der Mitte des langen Weges befand sich ein großer Baum der prächtig gedieh und einen Schatten warf. Unter dem Baum lagen kleine Kinder, genossen ihre Kindheit und schliefen.

Eine Zugbrücke trennte das Schloss vom Rest der Stadt, in der der Wanderer ankam. Wachen, diesmal waren es andere, stand da. Sie hatten lila Hemden an. Dabei hatten die Wäch­ter Schwerter und auch Hinterlader-Gewehre. Der Wanderer wollte gerade über die Brücke gehen, als ihn zwei Wachen anhielten.

„Wo wollen wir denn hin?“, fragte eine der Wachen.

„Zum König.“

„Zum König? Mit welchem Grund?“, Im Gesicht der Wa­che spiegelte sich Ungläubigkeit und Arroganz.

„Ich wurde hergerufen“, antwortete der Magier ruhig. „Ich gehöre zu den Nai.“

„Viele Leute wollen zu unserem König. Haben Sie einen Beweis?

„Einen Beweis? Den gebe ich Ihnen.“

Auf der Hand des Magiers bildete sich eine blaue Flam­me die langsam zu einer prächtigen blauen Blume ge­dieh, bis sie so groß wie ein Kopf war. Danach faltete sie sich wieder zu­sammen und verschwand langsam in der Hand des Magiers. Nur noch einige Rauchfahnen schwebten langsam von der Hand des Mannes hoch und verschwanden dann auch in der Luft. Die Wachen waren verblüfft, ihre Münder standen offen und sie starrten immer noch auf die Luft, die längst keine Flamme mehr trug.

„Sie sind der Magier, den unser König rufen ließ?“, stotter­te er, er war immer noch nicht über diesen Zauber­trick hin­weg.

„Genau der bin ich.“

„Gut, ich führe Sie in das Schloss.“

Er rief kurz zu den anderen Wachen: „Löst mich kurz ab, ich muss den Mann hier zum König bringen.“

„Geht klar“, rief einer der Verteidiger des Friedens.

Der Soldat begleitete den Magier zum Schloss.

Hier wimmelte es von Adligen, mit ihrem teurem vergol­detem Schmuck und ihrer Kleidung aus Seide, die sich nur darüber unterhielten, wie reich sie waren und wie sie noch reicher werden könnten, oder was gerade der letzte Modes­chrei sei. Als sie den Wanderer sahen, schauten sie ihn ange­ekelt an.

„Was macht denn so ein Mensch hier bei uns?“, fragte einer arrogant seinen Kameraden der nur mit den Schul­tern zuck­te.

„Man sollte diesen Abschaum verbrennen.“

Der Wanderer machte sich darüber keinen Kopf. Viele Ad­lige hielten Menschen wie er einer war für den letzten Dreck, das störte ihn schon lange nicht mehr.

Ein großer Garten, reich geschmückt mit roten, blauen und gelben Rosen, goldenen Statuen und vielem mehr, lag zwi­schen dem Wanderer und dem Schloss.

Die Wache und der Magier kamen am Schlosseingang an, die Wachen dort salutierten vor dem Führer des Wan­derers, und sie gingen in das Schloss hinein. Die Innen­wände waren aus Edelholz, der Teppich lila mit golde­nem Rand. Wachen standen an jeder Ecke. Viele glänzende Rüstungen und Ti­sche mit Marmorplatten und Goldvasen standen an den Wän­den, während Pagen und Hausfrauen die Inneneinrichtung säuberten. Der Wande­rer betrachtete eine Zeitlang ein Ge­mälde auf dem das Bauernland von Solaris abgebildet war, aber direkt dane­ben befand sich ein Bild mit dem Industrie­gebiet von Kingstone. Dem Magier fuhr ein Gedanke durch den Kopf, dass die Welt eines Tages genauso aussehen wür­de, danach verbannte er diesen wieder aus seinem Kopf und schritt weiter durch das Schloss.

Sie gingen zuerst eine breite Treppe hinauf, nach ein paar­mal abbiegen, ging es wieder eine Treppe hoch zu ei­ner ver­schlossenen Tür, zwei Wachen standen davor.

„Besuch für König Cedric“, sagte der Führer des Wan­derers und wandte sich an den Magier. „Hier muss ich Sie jetzt al­leine lassen, hinter dieser Tür befindet sich un­ser König und wartet.“

Der Wanderer nickte kurz, daraufhin verschwand die Wa­che wieder und ging zurück auf ihren Posten. Die an­deren beiden öffneten die große hölzerne Doppeltür und ließen den Wanderer hinein. Der Raum war groß, er hatte ein Büro in der Ecke, und ein Fenster, durch das man in die Stadt sehen konnte. Er sah die großen rauchenden Schornsteine des In­dustriegebietes. Ein Kamin stand ge­genüber des Büros und in der Mitte befand sich ein klei­ner Tisch mit einer Karte darauf. Der Wanderer sah sie sich an, es war eine Karte von Solaris. Die meisten Städ­te, Dörfer und Wälder waren darauf eingezeichnet. Doch viele kleinere Dörfer und Flüsse waren nicht zu sehen, da sie wahrscheinlich noch nicht karto­graphiert worden wa­ren. Auch seine alte Heimat war darauf nicht eingezeich­net.

„Ah, Matthew Black! Schön, dass Sie doch noch kom­men konnten.“

Matthew drehte sich um und sah auf einem Sessel sit­zend mit einem Weinglas in der Hand König Cedric. Er war noch jung, aber trotzdem ein guter Herrscher. Seine Krone hatte einen seltsamen Rubin in der Mitte, der glit­zerte. Er war dünn und trug ein rotes Gewand mit golde­nen Verzierungen.

„Guten Tag, Sire“, begrüßte Matthew.

„Lassen Sie die Floskeln, wir haben Wichtigeres zu bespre­chen“, begann der König mit ernstem Blick und er­hob sich von seinem Stuhl.

Er ging zur Karte und suchte energisch nach etwas. Als er es endlich fand, zeigte er Matthew eine Zeichnung ei­ner großen Stadt.

„Das hier ist Madrigal“, erklärte er. „Die zweitgrößte Stadt von Solaris. Zumindest war sie es. Bis vor einem Monat. Ein Überlebender kam hierher und berichtete, dass der König verschwand, daraufhin suchten Dämonen diese Stadt heim. Nun ist sie besetzt, und wir schickten Soldaten dorthin um die Angelegenheit zu untersuchen, doch sie kamen nie mehr zurück.“

„Und was hat das mit mir zu tun, Sire?“, fragte Matthew skeptisch.

„Ich weiß, dass Ihr ein guter Magier seid, und ich brau­che jemanden der sich dort umsieht.“

„Verstehe. Und der Überlebende, ist Ihnen an ihm etwas aufgefallen?“

„Nun, er wirkte krank“, erwiderte Cedric“, Ich kann es nicht genau erklären. Es schien, als wäre sein Geist er­krankt.“

Matthew dachte nach. Er hatte so etwas schon einmal gele­sen, konnte sich aber partout nicht daran erinnern, um was es sich handelte, doch er erinnerte sich, dass es etwas Böses war.

„Noch etwas. Ich will ihnen jemanden zur Seite stellen, einen Bogenschützen aus Oakwood.

„Ein Bogenschütze, Warum?“, fragte Matthew irritiert.

„Ihr werdet durch diese Wälder und Gegenden kom­men“, erklärte König Cedric und zeigte auf der Karte zwischen Kingstone und Madrigal auf eine große Wald­fläche mit der Aufschrift Oakwood. Auch einige Städte, wie Raven­wood und andere Wälder waren abgebil­det.

Die Tür ging auf und ein Mann trat ein. Er war so groß wie Matthew und trug einen Bogen auf dem Rücken, dazu ein Schwert an der Seite. Er hatte braune Leder­handschuhe an, einen Köcher an der Seite, der mit Pfei­len bestückt war, braune Schuhe, dazu eine farblich glei­che Hose und eine braune Lederjacke. An seiner Seite stand ein grauer Wolf, mit einigen weißen Streifen auf seinem Fell.

„Talos Hul, zu Ihren Diensten, Sire“, stellte sich der Schüt­ze vor und kraulte seinen Freund hinter dessen Ohr.

„Und das ist Sam, mein treuer Begleiter.“

„Das ist er“, sagte König Cedric und trank einen Schluck aus seinem Weinglas.

„Das soll wohl ein Scherz sein, wie?“ Matthew war ent­setzt.

Talos verzog etwas das Gesicht und antwortete: „Ihr braucht, werter Herr.“

Das „Herr“ kam nicht so friedfertig herüber wie seine Vor­stellung.

„Na gut, ich vertraue Euren weisen Worten, mein Kö­nig.“ Matthew war immer noch fassungslos. Er ging zum Fenster um den Kopf freizubekommen und sah hinaus, weit entfernt sah er den großen Wald Oakwood, der sich weit über das Land erstreckte.

„Eine Handelstruppe fährt von hier in die nach Martus“, Er­klärte der König rasch. „Wenn Ihr mit ihnen mitfahrt, könnt Ihr von dieser Stadt aus direkt in den Wald gehen und von dort, nach ein paar Tagen, Madrigal betreten.“

„Gut, gehen wir“, sagte Matthew, machte sich auf zur Tür und verbeugte sich noch vor Cedric. „Auf Wiederse­hen, mein König.“

„Okay“, erwiderte Talos und sein Wolf bellte kurz auf.

„Auf Wiedersehen, mein König.“

Als Matthew und Talos das Schloss verließen, wechsel­ten sie ein paar kurze Worte.

„Seid ihr ein guter Schütze?“, fragte Matthew stichelnd.

„Und ihr ein guter Magier?“, kam die Gegenfrage.

„Wenn es sein muss“, antwortete Matthew knapp. Er warf Talos einen arroganten Blick zu, der diesen aller­dings igno­rierte.

„Was habt Ihr mit Eurer Nase, werter Herr. Ich dachte Ihr seid ein Magier und lasst Euch nicht auf so primitive Schlä­gereien ein.“

Matthew fluchte leise und wischte wieder etwas Blut von seiner Nase ab.

Es dauerte auch nicht sehr lange, da kamen sie wieder beim Marktplatz an. Den ganzen Weg lang schwiegen sie, ab und zu bellte der Wolf Sam und Talos streichelte danach über seinen Kopf.

Von einem Handelstrupp war nichts zu sehen, also frag­ten sich die beiden bei unterschiedlichen Personen durch. Zuerst gingen sie in das Gasthaus, an dem Matthew vor einer halb­en Stunde vorbei gekommen war, Two Kings.

Sie betraten es. Das Gasthaus war schon voll besetzt mit Menschen, die gerade zu Mittag aßen. Ein Barkeeper stand am Tresen und putzte einen Krug, als er die drei sah.

„Das Vieh muss draußen bleiben!“, rief er.

„Das Vieh ist mein Freund“, antwortete Talos barsch und beleidigt und sah Sam in die Augen, „tut mir leid, ich will keinen Ärger, nicht schon wieder.“

Schon gar nicht in der Anwesenheit eines arroganten Ma­giers, der sich für besser als einen gewöhnlichen Waldläufer hält, dachte er im Nachhinein.

„Nicht schon wieder? Haben wir denn etwas ausgefres­sen?“, flüsterte Matthew hochnäsig.

„Nichts, mit dem ich nicht zurechtkäme“, kam die kühle Antwort des Bogenschützen.

Der Wolf jaulte kurz, ging aber raus und legte sich vor die Türschwelle, er kreuzte die Pfoten und sah betrübt auf den gepflasterten Boden. Matthew sah sich um, mit Trunkenbol­den war hier wenig zu rechnen, alles lief sehr zivilisiert ab.

An einem Tisch saß ein Bauer der sich gerade einen Krug Met genehmigte, als Matthew auf ihn zuging. „Entschuldi­gen Sie.“

„Ja?“

„Wir suchen nach einem Handelstrupp, der nach Martus fahren soll, wissen Sie, wo ich einen der Händler finde?“

„Klar, die Treppe hoch, erstes Zimmer.“

„Danke“, sagte Talos und ging mit Matthew eine Trep­pe nach oben.

Dieses Schankhaus war gleichzeitig Gasthaus und Ho­tel. Es hatte mehrere Zimmer, in denen viele Reisende für einige Tage oder Wochen wohnten, ehe sie weiterreisten.

Matthew und Talos gingen zum ersten Zimmer. Die Tür war geschlossen, Matthew klopfte an, man hörte ein kurz­es „Herein“, und Matthew leistete diesem Wort fol­ge. Sie öff­neten die Tür und sahen einen Mann. Er hat­te einen Stroh­hut, der auf dem Tisch lag. In seiner Hand hielt er ein Messer und schärfte es mit einem Schleif­stein. In seinem Gesicht war ein leichtes Lächeln zu se­hen, aber er runzelte auch et­was die Stirn.

„Wer seid Ihr?“, fragte er.

„Das hier ist Talos Hul, und ich bin Matthew Black. Wir hörten, dass Sie nach Martus reisen wollen, wir wür­den ger­ne mitkommen.“

„Kein Problem, solange Ihr Euren eigenen Proviant mit­bringt.“

„Gut, das lässt sich regeln. Wo treffen wir uns?“

„Vor den Stadttoren befindet sich ein großer Platz, von dort reisen Karawanen hin und her. Dort warten wir auf Euch, aber nicht lange.“

„Verstehe, komm Talos.“

Talos ließ sich nicht gerne herumkommandieren, zu­mindest nicht von einem Magier, aber er wollte nicht, dass sich das wiederholte, was damals in Sralg geschehen war. Also folgte er dem arroganten Magier.

Matthew sah ihn daraufhin mit einem kleinen triumphieren­dem Blick an.

Sie gingen heraus, und schon sprang der Wolf seinen besten Freund an.

„Hast du mich vermisst?“, fragte Talos lächelnd.

„Jetzt müssen wir nur noch zum nächstem Händler, wir brauchen Proviant“, bemerkte Matthew. Er war immer noch skeptisch was den Schützen anging.

Talos spürte, wie Matthew über ihn dachte und hoffte, dass es sich bald ändern würde. Er war nicht derjenige der nach­geben würde. Warum er allerdings spürte was andere Men­schen fühlten, das wusste er nicht. Er wusste nur, dass er es konnte...

Ein paar Meter weiter, neben dem Gasthaus, stand ein Ge­schäft, und Sam musste wieder draußen bleiben.

„Ich weiß, aber so sind nun einmal die Gesetze, zumin­dest in dieser Stadt“, sprach Talos und seinem Freund.

„Ich verstehe auch nicht, warum du dann zum König mit­kommen durftest.“

Talos und Matthew sahen sich um. Der Laden hatte vie­les zu bieten, von einfachem Gemüse, das vom Bauern­land her­gebracht wurde, bis zu Met aus den nordischen Regionen des Landes.

Matthew legte das Gold hin, 21 Münzen, was für die Ware hier etwas überteuert war.

„Ich hasse diese Großstädte“, sagte Matthew“, die sind im­mer so teuer.“

„Da bist du nicht der Einzige“, erwiderte Talos, in der Hoffnung, das Eis zwischen den beiden zu brechen. Je­doch ohne Erfolg.

Matthew bestellte den Proviant, der sogleich von dem Ver­käufer aus dem Lager gebracht und auf den Tresen samt Korb gelegt wurde.

Darin waren Äpfel, ein Brot, verschiedene Wurstsorten und zwei Flaschen Wasser.

Als alles geklärt war, machten sich die beiden auf den Weg aus der Stadt, an den Bauernhöfen vorbei, zu einem großen Platz.

Planwagen mit Pferden standen da. Rinder wurden von Händlern hin und her gescheucht, und der Mann, den sie vor­hin kennengelernt hatten, saß am hinteren Ende eines Plan­wagens und trank noch etwas.

„Ah“, machte er während der seinen Kopf schüttelte. „Wir können los, sobald die letzten Waren eingetroffen sind. Ich bin übrigens Jim.“

„Sehr erfreut“, sagte Talos.

Nach einer Viertelstunde, als die Turmuhr in der Mitte des Marktplatz vierzehn Mal geschlagen hatte, ging die Reise los.

Kapitel 1 Oakwood

Nach ein paar Tagen trafen endlich die fahrenden Händ­ler aus der Stadt Kingstone in Martus ein. Diese Stadt war klei­ner als die Hauptstadt und sie befand sich am Rande eines Waldes, Talos´ und Matthews Ziel, Oak­wood. Der Wald hielt, was sein Name versprach, er war ein großer Eichen­wald.

Die Stadt war relativ klein, aber nur, wenn man Kings­tone schon einmal gesehen hatte. Sie war ebenfalls ummau­ert, doch einen Burggraben mit Zugbrücke hatte sie nicht. Hinter den Burgmauern sah man lediglich ein großes Gebäu­de, das Rathaus, doch dies war nicht das Ziel der beiden Wanderer. Aber sie ruhten sich in der Stadt aus.

Während dieser Tage der Fahrt nach Martus unterhielten sich Talos und Matthew miteinander. Sie erzählten von sich selbst, woher sie kamen, was sie taten und vieles mehr.

Talos begann: „Wir wurden einander schon vorgestellt, aber ich weiß praktisch nichts über Euch.“

„Also, wenn Ihr es wissen wollt“, begann Matthew. „Meine Geschichte ist nicht besonders lang. Ich bin ein Feuermagier, ich lernte unter der Magier-Gilde Nai. Die­se Magier-Gilde versucht, alles Wissen über die alte Ma­gie der Naturgewal­ten zu erlernen. Ich hatte gerade mei­ne Ausbildung beendet und die Kraft des Feuers erlernt. Danach kam ich hierher. Alles, was ich weiß, kommt aus Büchern und ein bisschen praktischem Training. Aber in der Praxis selbst habe ich noch wenig Erfahrung. Und Ihr?“

„Ich bin ein Waldläufer“, erzählte Talos. „Mein Vater war Jäger, von meiner Mutter weiß ich fast gar nichts. Mein Va­ter hat mich alles gelehrt, was ich heute weiß.“

Er streichelte Sam. „Meinen Freund hier habe ich kennengel­ernt, als ich in meinem jungen Alter allein in den Wald kam. Er war noch sehr jung und von seiner Familie verlas­sen, deshalb habe ich ihn mitgenommen. Mein Va­ter war au­ßer sich, als er davon erfuhr, aber als ich ihm ver­sprach, Sam zu ernähren und zu erziehen, gab er sich einver­standen. Nun, seit ein paar Jahren streife ich durch die Wäl­der und versu­che so viel zu lernen, wie nur mög­lich. Ich bin viel herumge­kommen und habe viele Erfah­rungen gemacht.“

„Und wie kam Cedric dazu, gerade Euch zu wählen?“

Talos fasste das als Kompliment auf und antwortete lä­chelnd: „Ich kam schon vor einem Jahr in die Stadt. Ich half einigen Wachen bei ein paar Problemen mit dem Ge­setz, das heißt, die Straßen säubern und so weiter. Eines Tages rettete ich einem Adligem das Leben, er berichtete dem König da­von, und er wählte mich für diese Mission aus.“

„Verstehe. Der König wollte jemanden Junges“, führte Matthew fort. „Ich habe schneller gelernt als alle anderen Magier, ich war ihnen mehrere Jahre voraus. Der König wollte einen Magier für diese Mission, und meine Meis­ter meinten, dass ich der Beste für diese Arbeit wäre.“

Während der Fahrt hatte es angefangen zu regnen. Die Re­gentropfen flogen auf den Boden und Wasser spritzte auf während sich Matsch bildete. Die Wagenräder der Planwa­gen hinterließen tiefe Spuren im Dreck.

Talos nahm seine Ausrüstung, sprang als Erster heraus und landete im feuchten Dreck. Dieser spritzte auf und verteilte sich um ihn herum.

Matthew sprang hinterher und landete knapp neben Ta­los, den es voll erwischte. Nun sprang auch Sam hinter­her und jammerte etwas.

„Er mag keinen Regen“, erklärte Talos.

„Kann ich mir denken.“

Sie sahen sich das Bauernland vor der Stadt an, es war sehr viel kleiner als das um Kingstone.

Plötzlich rief Jim: „Beeilung, die Ware muss ins Lager, be­vor sie nass wird!“

Die beiden drehten sich um und sahen all die fahrenden Händler, wie sie schnell große hölzerne Kisten heraus schleppten und der Reihe nach in ein großes Lagerhaus brachten.

„Am besten, wir helfen ihnen“, schlug Talos vor und mach­te sich gleich ans Werk.

Er packte eine Kiste und hob sie hoch. Sie war sehr schwer, deshalb fragte er Jim: „Was ist denn da drin?“

„Obst – Beeilung!“ drängte Jim und tappte durch den Matsch.

Matthew packte ebenfalls eine Kiste, sammelte seine Kraft und wollte sie anheben, aber sie rührte sich nicht vom Fleck.

„Wohl etwas zu schwer“, murmelte Matthew packte eine andere, kleinere Kiste und wollte sie hochheben, doch dies schaffte er auch nicht.

Talos kam nun wieder und sah Matthew, wie er ver­zweifelt versuchte, die Kisten zu heben.

„Wohl zu schwer für Euch.“

„Halt die Klappe und hilf mir.“

Talos nahm die erste Kiste von Matthew und hob sie hoch. Er trug sie langsam weg und lachte noch im Weg­gehen.

„Ich weiß nicht, was Ihr habt, werter Herr.“

Matthew ignorierte ihn und nahm die nächste Kiste. Diese war leichter als die anderen, und er schleppte sie nun auch ins Lagerhaus.

„Was ist denn da drin?“, fragte Matthew, als er an Jim vor­beikam.

„Baumwolle“, lachte Jim, lud die nächste Kiste aus und ließ bei jedem schweren Schritt Matsch spritzten.

Matthew stöhnte und stellte die Kiste mit großem Kraftauf­wand auf einige andere, als Talos kam.

„Das wären alle gewesen“, sagte Talos, „gehen wir.“

„Gehen wir erst einmal in die Stadt, ich brauche einen Tag Pause. Suchen wir ein Gasthaus auf“, schlug Matt­hew vor.

Die Stadt hatte kein gesichertes Tor, aber dafür zwei befes­tigte Wachtürme am Eingang und an jeder Ecke der Burg gab ebenfalls jeweils einen. Auf den Türmen stan­den Solda­ten mit Armbrüsten, die alles sicherten.

Als die beiden die Stadt betraten, sahen sie, dass es sich um nur ein großes Dorf umgeben von einer Steinmauer han­delte. Diese Tatsache war ihnen allerdings egal. Die Häuser hatten alle Steindächer und ockerfarbene Wände. Der Haupt­platz bestand aus vielen Läden und Ständen. Ein Gasthaus stand ein paar Schritte einen Hügel hinauf, ein paar Meter vom Rathaus entfernt, es hieß Oakwood House.

Matthew und Talos betraten es; wie immer musste Talos Freund Sam draußen warten. Dieses Gasthaus war klei­ner als das in Kingstone, doch es bot fast so viele Zim­mer wie das in Kingstone an. Matthew lehnte seinen Stab an einen Tisch. Danach setzte er sich und atmete erst einmal aus. Kurz dar­auf stellte Talos seinen Bogen dagegen und setzte sich eben­falls hin.

Später erschien ein Barkeeper, er war groß, hatte kurze schwarze Haare, einen Vollbart und hellbraune dunkle Fle­cken auf der verschmutzten Schürze.

„Was darf ich den Herren bringen?“, fragte er, während er eine Feder und ein Klemmbrett bereithielt.“

„Wasser“, stöhnte Matthew. „Viel... Wasser.“

„Und für Sie, mein Herr?“

„Ein kleines Bier“, antwortete Talos erfreut über Matt­hews Erschöpfung.

„Wird gemacht.“

Der Barkeeper ging hinter seinen Tresen und legte erst ein­mal das Brett ab, danach stellte er zwei Krüge unter zwei der vielen großen Fässer. Er betätigte die Hebel und Bier floss aus dem einem. Aus dem anderem kam klares Wasser. Als beide Krüge gefüllt waren, brachte er sie den Wanderern. Matthew konnte es kaum mehr erwarten, er riss den Barkee­per den Krug förmlich aus der Hand und trank in großen Zü­gen, bis das Wasser nach einer halben Minute weg war.

„Ah“, stöhnte er erleichtert. „Endlich Wasser.“

Talos nahm sein Bier ruhiger aus der Hand des Barkee­pers und nippte kurz daran.

„Das macht dann acht Goldstücke“, sagte der Barkee­per. Matthew stellte seinen Krug auf den Tisch und such­te in sei­nem Beutel nach einigen der goldenen Münzen. Als er Acht beisammen hatte, legte er sie auf den Tisch und der Barkee­per nahm sie an sich. „Danke.“

„Danke fürs Zahlen“, sagte Talos zu Matthew.

„Ich weiß doch, dass Waldläufer kein Geld haben“, fing Matthew wieder an zu sticheln.

„Könnt Ihr nicht einmal höflich sein.“ Talos versuchte ru­hig zu bleiben. Er spürte aber, dass Matthew sich lang­sam an seine Anwesenheit gewöhnte.

Während sie dasaßen und sich unterhielten, kamen nach ei­niger Zeit auch die Händler herein und setzten sich an die runden Holztische.

Nun kamen drei knapp bekleidete Kellnerinnen aus der Tür hinter dem Tresen und fragten sich bei den Gästen durch.

Talos stand auf, ging zum Tresen und fragte den Bar­keeper, der gerade putzte: „Kann man hier irgendwo Tie­re abgeben?“

„Sicher“, erklärte der Barkeeper. „Die Straße nach oben, ein großes Haus, steht auch Tierpension darauf, kann man nicht verfehlen.“

„Danke.“ Talos ging nach draußen und brachte seinen Freund in die Tierpension.

Als Talos weg war, erhob sich ein Mann elegant wie ein Nilpferd von seinem Tisch, torkelte auf Matthew zu und stieß ihn etwas hart an. Er hatte nur eine braune Hose und Weste an, und er stank extrem nach Bier.

„Hallo“, gluckste er. „Ich bin Tom... wie geht es dir?“

„Gut“, erwiderte Matthew etwas angewidert und wandte seinen Blick zurück zum Tisch.

„Lass... lass uns etwas... trinken.“

„Lassen Sie mich bitte in Ruhe.“

„Aber Herr“, gluckste der Mann schon wieder und rülpste laut.

„Lass mich in Ruhe“, Matthew wurde langsam sauer und wandte sich an den Barkeeper, „könnten Sie mir bitte diesen Trunkenbold vom Hals schaffen.“

„Tut mir leid, das ist Tom, er ist schwer zu überzeugen“, er­klärte der Barkeeper und putzte dabei einen Krug.

Nun wurde Tom handgreiflich, er holte mit seiner Faust aus und schlug Matthew ins Gesicht. Der fiel zusammen mit ei­nem herausgeschlagenen Zahn zu Boden. Der Zahn wurde von etwas Blut bedeckt, rollte durch das Gasthaus und fand seine Ruhe, als er gegen ein Tischbein stieß.

Danach trat ihm der Mann etwas ungeschickt in den Magen und Matthew keuchte.

Doch er hob seine rechte Hand und schnipste mit dem Finger, kurz darauf fing diese an zu brennen. Danach wisch­te er sich mit der anderen Hand das restliche Blut aus dem Mundwinkel. Tom wollte Matthew gerade pa­cken, als dieser sich wegrollte. Den Betrunkenen verwirr­te es, dass er den Magier nicht zu fassen bekam und rülpste ein weiteres Mal.

Die Gäste kümmerten sich erst gar nicht darum, wahr­scheinlich war es nicht das erste Mal, dass Tom jeman­den betrunken zu Boden schlug.

Gerade als Matthew aufstehen und zuschlagen wollte, er­schien Talos.

„Verschwinde“, befahl er gebieterisch und sah Tom zor­nig an.

Die Hand Matthews hörte auf zu brennen.

„Du willst mir... Befehle erteilen, na warte.“

Tom ging auf Talos zu, holte aus, verfehlte den Bogen­schützen allerdings, obwohl dieser sich nicht bewegte. Da­nach schlug Talos Tom ins Genick, der daraufhin auf die Knie ging. Nun packte Talos den Betrunkenen an den Schul­tern und wollte ihn gerade hinauswerfen, als Tom sich zu­rückwarf und mit dem Rücken auf Talos fiel.

Talos vernahm den Geruch des Alkohols an der Klei­dung des Mannes. Jetzt begannen auch die Gäste den bei­den Kämpfenden zuzuschauen.

Talos sammelte seine Kraft, presste seine Hände auf den Boden und versuchte hochzukommen. Als er genügend Platz hatte um seine Füße zu bewegen, unterstütze er mit ihnen die Hände. Tom kippte langsam zur Seite, rülpste laut und woll­te gerade aufstehen. Doch Talos war schnel­ler und er trat ihm in den Rücken. Tom knallte nun mit dem Gesicht auf den Boden. Der Bogenschütze versuchte es erneut ihn her­auszuwerfen, packte den Mann am Arm und zog ihn her­aus.

„Lass mich“, gluckste Tom.

Als Talos Tom aus dem Gasthaus gezogen hatte, half er ihm auf, doch dann schlug er ihn wieder zu Boden.

„Leg dich nicht mit mir an.“

Plötzlich fing Tom an zu schnarchen. Er war eingeschla­fen.

„So, das wäre erledigt.“ Talos rieb sich seine Faust und drehte seine Schultern.

„Hätte ich auch allein geschafft“, murmelte Matthew.

„Wir hätten gerne ein Zimmer“, wandte sich Talos et­was außer Atem an den Barkeeper.

„Für wie lange?“, kam die Gegenfrage des Barkeepers.

„Eine Nacht.“

„Zehn Goldstücke.“

„Lässt sich einrichten“, antwortete Talos und zog einen Beutel voll Gold heraus, er legte zehn Goldstücke auf den Tisch und der Barkeeper brachte die beiden in eines der Zim­mer.

„Du bist nicht der einzige der Gold hat“, stichelte Talos und spürte Zorn und Pein in Matthew. Talos brauchte sei­ne unbekannten Fähigkeiten nicht, um zu erkennen, dass er nicht nur Tom, sondern auch ihn geschlagen hatte.

Matthew murmelte etwas unverständliches, während Talos grinste, kurz darauf wandte er sich an den Barkee­per und be­dankte sich.

Der Tag verging ohne großartige Erkundungen. Sie sahen sich das Rathaus an, es war etwas größer als das Gast­haus in Kingstone und hatte eine goldene Fassade.

Am nächsten Tag ging es raus aus der Stadt, in Rich­tung Oakwood. Der Regen hatte aufgehört und das grüne Gras war von Tau und Regen feucht geworden. Talos, Sam und Matthew gingen einen Trampelpfad entlang, in den dichten Wald hinein.

„Wohin jetzt?“, fragte Matthew.

„Einfach mir nach“, erwiderte Talos und schritt voran. Matthew wusste nicht, wie sich jemand hier in diesem dich­ten Wald zurechtfinden sollte, aber Talos schien zu wissen was er tat. Er ging nach einiger Zeit auf einen Baum zu. Matthew sah, dass dort Symbole eingeritzt wa­ren die er aber nicht entziffern konnte.

„Das sind Wegelagerer-Symbole“, erklärte Talos so, als ob er ein kleines Kind unterrichtete. Erneut spürte er unter­drückte Wut in Matthew.

Matthew murmelte etwas was Talos nicht verstand, wo­durch er sich ein leichtes Grinsen erlaubte.

Der Bogenschütze schritt nun weiter, gefolgt von Sam und Matthew.

Der Marsch durch den Wald dauerte jetzt schon mehrere Stunden. Es war inzwischen Nacht geworden, und Matt­hew ließ an der Spitze seines Wanderstabes ein Licht ent­stehen, das den Wald in einem kleinen Umkreis um sie in ein war­mes Licht tauchte.

Die Reise verlief bis jetzt ohne nennenswerte Ereignis­se, bis plötzlich Sam anfing, zu knurren.

„Was hast du?“, fragte Talos seinen Freund.

Sam sah nach vorne: Etwas im Gebüsch bewegte sich und wurde von Rascheln begleitet. Talos zog seine Klin­ge, Matt­hew ließ eine kleine Flamme auf seiner Hand entstehen. Ta­los schlich langsam um das Gebüsch herum, als Sam aufhört­e, zu knurren.

„Egal, was es war, es ist weg.“ Talos durchsuchte das Ge­büsch, fand aber nichts außer einigen Fußspuren, die nicht von Menschen kamen, sie waren zu klein, zudem hatten sie nur vier Zehen, an jedem waren spitze Krallen befestigt die sich tief in die Erde bohrten.

„Goblins“, flüsterte Talos und steckte langsam sein Schwert weg. „Und sie sind noch hier.“

„Verdammt“, fluchte Matthew und die Flamme auf sei­ner Hand erlosch langsam.

Goblins waren dafür bekannt, dass sie in großer Zahl auf­traten, sie waren gerade mal so groß wie ein Klein­kind, hat­ten eine graublaue Haut und waren bis an die Zähne bewaff­net. Die Waffen stellten sie entweder selbst aus Holz und Stein her, oder sie stahlen sie von getöteten Menschen. Viele behaupteten, dass sie so primitv waren wie Tiere, doch ihre Intelligenz übertraf die der Tiere bei weitem.

„Wir müssen weiter“, flüsterte Talos. „Aber leise, sie beob­achten uns wahrscheinlich.“

Matthew dämpfte das Licht etwas und schlich sich nun mit Talos durch den Wald.

Matthew stolperte über etwas, er führte seinen Stab nä­her an dieses Etwas heran. Es war ein Körper, der Körper eines Menschen, einer Frau, um genau zu sein. Ganze Fleisch­stücke fehlten, waren abgebissen, die Haare fast vom Kopf gerissen. Goblins fraßen gerne Menschenfleisch, besonders das von Frauen. Matthew schüttelte sich. Sam knurrte kurz und rannte voraus, Matthew und Talos liefen hinterher.

Es dauerte nicht lange, da fanden die drei eine kleine Feuer­stelle, das Holz glühte noch und einige Leichen lagen am Boden, sie waren ebenfalls, wie die Frau, ange­bissen. Kleine Fußspuren im Matsch führten in alle Him­melsrichtungen.

„Oh mein Gott“, flüsterte Matthew, sein Blick war ent­setzt und angewidert.

Wieder hörten sie es rascheln, Sam knurrte erneut. Als Ta­los sah, woher das Rascheln kam, ging er langsam mit ge­zücktem Schwert auf das Gebüsch zu. Doch gerade, als er hinein springen wollte, war das Rascheln verschwun­den, und wieder waren ähnliche Spuren zu sehen.

Talos fluchte leise und steckte das Schwert wieder in seine Scheide zurück.

„Talos spürte Angst und Wut, aber von wem wusste er nicht. Er konnte es nicht identifizieren.

„Warum greifen sie uns nicht an?“, fragte Matthew. „Ich habe gelesen, dass sie ohne Rücksicht auf Verluste angrei­fen.“

„Sie bewachen anscheinend etwas“, erklärte Talos.

Matthew und Talos schlichen weiter durch das sommer­liche Oakwood und hörten nicht mehr auf das Knurren des Wolfes.

Immer wieder war das Dickicht in Bewegung, beson­ders hinter ihnen. Es wurde immer lauter.

„Ich halte das nicht mehr lange aus“, flüsterte Matthew zor­nig. „Wenn es sein muss, zünde ich den ganzen Wald an.“

Als ob diese Wesen Matthews Satz gehört hätten, spran­gen sie aus dem Gebüsch um sie herum heraus. Sie waren klein, trugen zerfetzte Stofflumpen, und sie hatten viele Waffen bei sich, Schwerter, Äxte und sogar Gewehre. Ihre Münder wa­ren blutrot, sie fletschten ihre spitzen gel­ben Zähne, gierten nach dem Blut der drei. Ihre Worte waren eine Mischung aus Knurren und Beißen. Sie hatten scharfe Reißzähne, große, gelbe Augen und graue bis grau-blaue Körper. Und sie hat­ten nur eines im Sinn: Tö­ten.

Talos zog sein Schwert, während Matthew sich auf einen der Goblins konzentrierte. Eine Flamme bildete sich auf sei­ner Hand, die er nach dem Goblin warf. Sei­nen Gegner hatte es voll erwischt, es schlug ihn nach hin­ten. Doch das Wesen lebte noch, es hatte zwar ein großes verbranntes Loch am Bauch, aber es stand auf und stürm­te wieder auf Matthew zu. Es holte mit seiner Axt aus und schlug zu. Doch der Magier konnte gerade noch rechtzeitig zur Seite weichen, ehe ihn die Axt ein Bein abgeschlagen hätte. Der Goblin aber gab nicht auf. Als er sah, dass er an Matthew vorbeilief, drehte es sich um und stürmte wieder stöhnend auf den Magier zu. Matt­hew trat dem Wesen an die Hand und es ließ die Axt fallen. Talos hielt währenddessen die restlichen Goblins mit Sam zu­sammen zurück, indem er sich zu einer imposanten Ge­stalt aufbaute.

Der Goblin, der gegen Matthew kämpfte, gab immer noch nicht auf. Es fing an sich an Matthews Fuß festzu­beißen. Matthew spürte Schmerzen und stieß das Wesen weg, indem er mit dem Fuß wackelte. Als das Wesen aufkam, hatte es aufgegeben. Es blieb nur noch im Dreck liegen und rührte sich nicht. Etwas Blut drang durch die Stoffe des Mantels von Matthew.

Die anderen Goblins griffen nun an. Eines der kleinen We­sen sprang Talos an, doch er fing den Sprung ab, stieß den mordlustigen Feind mit der Schwertkante zu Boden und wollte gerade mit seinem Schwert zustechen als der Goblin beiseite wich. Das Schwert landete knapp neben dem bösar­tigem Wesen, tief im Dreck. Es brüllte den Schützen an. Spucke flog ihm entgegen. Doch Talos zog das Schwert raus und stieß es endgültig in den Magen dieses Ungeheuers. Sam sprang ein anderes der Wesen an, rammte es zu Boden und wollte ihm gerade die Kehle durchbeißen, als das Wesen seinen Kopf festhielt. Sam drückte dagegen. Das Wesen wehrte sich immer mehr, bis Sam es schaffte an den Hals des Goblins zu kommen und so heftig zuzubeißen wie es ihn möglich war. Gelbes Blut floss in rauen Mengen aus dem Hals des Goblins.

Matthew schleuderte noch einen Feuerball, und noch ein weiterer Goblin fiel, dieser gab aber sofort auf.

Doch plötzlich verschwanden sie wieder in die Büsche. Sam wollte gerade hinterher rennen, da pfiff Talos. Der Wolf blieb stehen, drehte sich um und kam zurück zu sei­nem Herrn.

„Das hätten wir“, wagte Matthew auszusprechen. Er spürte nun wieder die Schmerzen an seinem Bein und sah sie sich an. Eiter und Blut floss heraus. Er stöhnte, ließ seinen Stab fallen und presste seine Hand gegen die Wunde.

„Ich habe Verbandszeug“, sagte Talos dem seine Wun­de auffiel.

Der Jäger legte seine Waffe beiseite, holte aus seiner Reise­tasche einige Tücher heraus und band sie sorgfältig um die Wunde.

„Danke“, stöhnte Matthew. Er nahm seinen Stab mit zit­ternder Hand auf und sackte zu Boden.

„Sie sind wohl nicht so unverwundbar wie Sie immer an­nahmen, nicht war, verehrter Magier.“

Matthew murmelte etwas dass sich nicht freundlich anhört­e, doch Talos spürte keine Gewalt in Matthew, zu­mindest noch nicht.

„Sie kommen garantiert wieder“, meinte Talos nachdenk­lich und steckte seine Waffe ein.

Nach einer halben Stunde der Erholungszeit gingen die drei weiter.

Talos hielt, als sie an einer kleinen Lichtung ankamen. Wolken hatten sich inzwischen vor den Mond und die Sterne geschoben, und die Lichtung wurde nur noch von Matthews Stab beleuchtet.

„Lass uns hier rasten“, schlug Talos vor. „Nach Madri­gal brauchen wir wahrscheinlich mehrere Tage. Ich halte Nacht­wache, Sam wird mich unterstützen.“

Talos streichelte das Fell seines Wolfes fröhlich, der aber leise bellte um diese kleinen Missgestalten der Natur nicht aufzuscheuchen.

Matthew löschte das Licht seines Stabes, als die Wolken den Mond nicht mehr bedeckten.

„Ich mache uns ein Lagerfeuer“, schlug er vor und such­te nach etwas Holz, das er zu einem Haufen zusammen­legte und mit einer Flamme aus seiner Hand entzündete.

„Wie kommt es, dass, als Ihr Euer Feuer gegen die Gob­lins eingesetzt habt, nichts anbrannte, aber trotzdem ein Feuer entzünden könnt?“, fragte Talos neugierig.

„Ich kann kontrollieren wann ich Feuer brennen lassen kann und wann nicht“, erwiderte der Magier und gähnte. Er löschte die Flamme auf seiner Hand und legte sich auf den Boden.

Talos war beeindruckt von seiner Magie, Zauberkräfte wa­ren für ihn etwas völlig neues. Er verspürte aber keine Arro­ganz in Matthew. War es das Leben das er in der Gilde führ­te, weil es für ihn alltäglich, dass er ihn nicht verletzen woll­te oder – was die wahrscheinlichste Ant­wort war, dass er einfach müde war.

Talos stellte seinen Bogen beiseite und wollte den Ma­gier gerade etwas Neues fragen, doch er hörte schon ein leises Schnarchen. Der Zauberer war eingeschlafen. Ta­los zuckte mit den Schultern und ließ sich auf einem Baumstumpf nie­der.

„Na, denen hast du´s vorhin aber gezeigt“, sprach Talos zu seinem Wolf.

Sam bellte und ließ sich wieder von Talos streicheln.

„Weißt du, langsam beginne ich ihn zu mögen, du auch?“

Sam bellte wieder.

„Ich hab´ eigentlich was gegen Magier, aber er scheint in Ordnung zu sein. Ich hoffe nur... was war das?“ Talos hörte das rascheln von Blättern.

Sam fing wieder an zu knurren, als sich wieder das Ge­büsch bewegte. Talos zog sein Schwert und ging langsam auf die Pflanzen zu. Plötzlich sprang ihn etwas mit bösarti­gen gelben Augen an und zog ihn in das Gebüsch.

Matthew wurde unsanft geweckt, denn Sam schleckte sein Gesicht ab.

„Was ist denn los, Köter?“, fragte er und öffnete lang­sam die Augen. Es war wieder Morgen, das Feuer, das er entzün­det hatte, war bereits erloschen und die Holzkohle, die ent­standen war, glühte noch etwas.

Sam rannte zu dem Baumstumpf, auf dem Talos saß, und tippte mit seiner Pfote aufgeregt auf den Bogen.

„Wo ist er?“, fragte Matthew.

Sam rannte voraus, Matthew schnappte sich den Bogen, hing ihn sich um die Schulter und nahm seine übrige Ausrüs­tung ebenfalls mit. Er wurde von Sam quer durch den Wald geführt. Der Wolf bellte ab und zu aufgeregt. Das Gestrüpp wurde immer dichter. Nun blieb Sam auf einem kleinen Hü­gel stehen.

Matthew hörte Gesang, aber es war keiner von Men­schen. Es hörte sich eher wie das misshandeln von Tieren an. Er stieg ebenfalls auf den Hügel und sah herunter, ein kleines Dorf aus Holzgebäuden war auf einer Lichtung zu sehen. In der Mitte befand sich ein großes Lagerfeuer, und drum her­um sprangen und tanzten viele Goblins. Ta­los war auch dort, er war an einem Pfahl gefesselt.

„Wir müssen ihn befreien“, flüsterte Matthew Sam zu.

Matthew ließ den Bogen liegen und kroch am Boden ent­lang, zum Dorf, wo einige Goblinwachen standen, doch die schnappte sich sofort der Wolf und biss ihnen die Kehlen durch, damit sie keinen Laut von sich geben konnten.

Langsam ließ sie Sam auf den Boden gleiten und ver­kniff es sich zu knurren. Das gelbe Blut floss in Mengen aus den Hälsen seiner Opfer.

Nun sah Matthew auch viele Leichen und Skelette an den anderen Pfählen. Er sah Talos aus der Nähe, er war bewusst­los. Matthew duckte sich hinter einer der Hütten und schlich um sie herum. Er sah wieder eine Wache, die Sam sich blitz­schnell schnappte. Die beiden machten sich auf zum Lager­feuer und versteckten sich wieder hinter einer der Hütten. Plötzlich hörte der Gesang auf. Matt­hew sah, wie ein Goblin mit seinem Messer Talos von ei­nem der Pfähle befreite.

„Wir müssen jetzt eingreifen“, flüsterte Matthew erneut zum Wolf, sein Herz klopfte wild. „Ich lenke sie ab und du wirst Talos schnappen und ein paar von denen erledi­gen.“

Sam knurrte.

Matthew berührte mit seiner Hand eine der Hütten, und sie fing Feuer. Das Feuer breitete sich aus und brannte die ganze Hütte nieder.

Die Goblins ließen Talos fallen und holten Wasser. Er wachte auf und sah, dass Sam auf ihn zu rannte; er biss die Fesseln an Talos´ Händen durch. Als das Seil durch­gebissen war, rieb sich der Schütze die Hände und entfes­selte seine Füße. Er sah, dass an seinen Handgelenken tiefe Kerben hin­eingedrückt worden waren, er musste wohl ziemlich lange Bewusstlos gewesen sein.

„Danke“, sagte er erleichtert und atmete tief durch. „Wer weiß, was diese Dinger mit mir gemacht hätten.“

Matthew warf auf einen Goblin einen Feuerball, doch die­ser gab nicht auf. Er stürmte trotz der brennenden Wunde auf seinem Bauch weiter auf Matthew zu. Dieser holte mit sei­nem Stab den Goblin von den Füßen und hielt ihm diesen an die Kehle. Doch plötzlich hörte er einen Schrei hinter sich und Matthew drehte sich um. Hinter ihm standen zwei Gob­lins mit Stöcken an denen Spitze Steine befestigt waren und fletschten mit ihren Zähnen, Sabber floss aus ihren Mündern und sorgten für kleine Pfützen auf dem Waldboden.

Matthew ließ den liegenden Goblin in Ruhe und hielt sei­nen Stab als Verteidigungswaffe vor sich. Die Goblins um­zingelten ihn und wollte ihn langsam auseinander rei­ßen. Sie wollten seinen Tod genießen. Beide stürmten auf Matthew zu. Einer rannte um Matthew herum, um ihn von hinten an­zugreifen, der andere von vorne. Das tödli­che Wesen vor ihm schlug zu, doch Matthew konnte den Schlag abwehren. Eine kleine Schramme wurde in sei­nem Stab hinterlassen. Er stieß die Waffe seines Geg­ners weg, der nach hinten fiel. Da­nach rollte sich Matt­hew schnell weg bevor das andere Biest zuschlagen konnte. Er drehte sich schnell um und schoss einen Feu­erball auf seinen Gegner. Diesen stieß es zurück, und während er fiel, hielt Matthew seinen Stab auf den Bauch des ersten Goblins. Eine Flamme bildete sich an der Spit­ze und übertrug sich auf seinen Feind der erst vor Schmerzen brüllte, dann aber ganz ruhig wurde. Als nur noch ein brennendes schwarzes Skelett übrig war, über­kam Matthew ein Gefühl der Genugtuung.

Talos durchsuchte alle Hütten nach seinem Schwert wäh­rend Matthew alle ablenkte. Er stürmte in die erste Hütte die er sah, dort stand ein Goblin mit einer Pistole, der aber so über das Auftauchen des Menschen erstaunt war, dass nach einer lauten Explosion des Schießpulvers seiner Waffe die Kugel nach oben gegen die Decke des Gebäudes knallte. Ta­los stürmte auf den Goblin zu, der zitternd versuchte eine neue Kugel in seine Waffe zu la­den. Doch Talos schlug dem Wesen ins Gesicht. Der Goblin ließ die Waffe fallen, holte aber mit seiner Klaue aus und schnitt Talos in den Arm. Das Leder der Arm­schiene hatte zwar das meiste abgefangen, aber dennoch hatte sie nun tiefe Rissspuren und etwas Blut war am Arm des Jägers zu sehen.