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Dieses Buch erzählt von einem spanischen Windhund, der von der Autorin adoptiert wurde - oder war es umgekehrt? Witzige und nachdenkliche Geschichten berichten von den Ereignissen im ersten Jahr des Zusammenlebens der Autorin mit einem Direktimport aus Spanien, einem Galgorüden mit bernsteinfarbenen Augen und einem Hang zu Wurzelgemüse.
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Seitenzahl: 57
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Für Johanna Katharina
Der Mensch hat verlernt, die Tiere zu achten.
Helena von Boruch
Spitzengeschwindigkeit
Zweifel
„Platz“
Kacke
Kavalier
Giftkötder
Weil wir uns maßlos überschätzen
Gute Ratschläge
Herr Hund geht nach draußen
Feldhasen
Hundewiese
Hundekorb
Murcia
Physiotherapie
Feldhasen II
Herr Hund liest
Pony
Hundewiese II
Pollen
Esel
Schwarz auf Weiß
Schöpfung
Wirsing
Wohlstand
Hundewiese III
Hundewiese IV und Physiotherapie II
Treue Seele
Endlich
Sommer
24 Grad Celsius, Tendenz steigend
Muschel
Gorilla
Rosenbrand
Respekt
Super Beutel
Plus
Doch nicht Rosenbrand
Bücher
Raubgut: Brokkoliauflauf
Camouflage
Rudi
Riese
Geiß
Frei
Herr Hund ist ein Windhund aus Spanien. Aber eigentlich ist er vom Himmel gefallen, mit dem Wind her geweht worden – oder war es ein Sturm? – und direkt vor mir liegen geblieben, bevor er sich in meinem Leben und in meiner Wohnung eingerichtet hat, um mich zu beschützen, zu trösten und meinen Humor wieder zu wecken.
Hört sich jetzt pathetisch an – und ist es auch. Denn das Letzte, was mir in meinem anstrengenden Leben noch gefehlt hatte, war ein weiterer Esser mit einer Getreideallergie, ohne Unterfell, dafür mit Hüftproblem und einer Spitzengeschwindigkeit von fünfzig km/h.
20. November
Zuerst sah ich ihn rennen – und wunderte mich, warum der Hund so hell war, bis ich erkannte, dass ein Hase gerannt kam, der hinter einer Böschung verschwand, nachdem er vor mir einen Haken geschlagen hatte. Eine Sekunde später sah ich meinen Hund rennen, dem Hasen hinter die Böschung folgend.
Die Worte auf der Internetseite einer Tierschutzorganisation fielen mir ein: „Ein Spaziergang mit einem Galgo ist nie entspannt.“ Erst später würde ich erleben, dass das nicht stimmt.
Da kam ein zweiter Hase gerannt.
Liebe Güte, wie viele Hasen waren hier unterwegs? Und dieser Hund mittendrin! Dann wieder der Hund – ich begriff, dass der Hase derselbe war und die beiden um die Böschung eine Runde gedreht hatten.
Dann waren sie verschwunden. In der Zwischenzeit hatte ich meine Pfeife gegriffen, schrie und pfiff und – was soll ich sagen? – nach einer Minute kam Herr Hund angerannt, stand bei mir, außer Atem, und ließ sich den Hals tätscheln, bevor er sein Luxus-Leckerli entgegennahm. Eine doppelte Portion, natürlich.
Erst dachte ich, ich belohnte ihn fürs Zurückkommen. Aber dann bekam ich Zweifel. Womöglich fühlte er sich fürs Jagen belohnt? Um diesen wunderbaren, wilden Hund besser zu verstehen, kaufte ich mir ein Buch über Hundeerziehung.
1. Dezember
Nachdem ich den Hunderatgeber gelesen habe, weiß ich jetzt, was „Generalisieren“ bedeutet und warum Herr Hund manchmal macht, was ich von ihm will, und manchmal eben nicht.
Zweitausend Mal muss er ein Zeichen hören, sehen und befolgen, bis er es als solches aus allen anderen Reizen isolieren und zuverlässig ausführen kann. Und wehe, das Zeichen weicht geringfügig ab, weil Frauchen es nicht konsequent anwendet. Der Hund, der bei mir lebt, ist ein Meister der Zeichen, während ich es eher mit den Worten habe. Manchmal rede ich den ganzen Tag (meistens mit mir selber). Wie soll das also zusammenpassen?
Ein Galgo ist ein Menschentherapeut, sagt man, sofern man ihm den Respekt zollt, den er verdient. Tut man das nicht, nimmt man ihm seine Würde und infolge auch die eigene, was nicht nur peinlich, sondern auch sehr traurig ist, weil man den Hund damit entwürdigt und durch diesen Hochmut viel verpasst.
Aber – und das ist die gute Nachricht – ein Galgo ist nachsichtig, das mindestens kann ich von dem sagen, der bei mir zu Hause ist. Er verzeiht mir meine Fehler, weil er spürt, dass ich gewillt bin, aus ihnen zu lernen. Für Nicht-Hundehalter hört sich das mutmaßlich übertrieben an. Ein Galgohalter dagegen wird das bestätigen. Ein Galgo ist ein wunderbarer Begleiter, wenn man ihm vertraut.
Aber zurück zur Hundeschule. Wir üben jetzt „Platz“. Anfangs habe ich mich in den Türrahmen gesetzt und die Beine im Neunzig-Grad-Winkel angehoben, so dass er, nach einem Leckerli angelnd, sich flach hinlegen musste, um darunter durchzurobben. Immer wenn er lag, habe ich „Platz“ gesagt.
Und heute – deshalb erzähle ich es – hab ich mich irgendwann anschließend vor ihn hingestellt, ihm die flache Hand entgegengehalten und „Platz“ gesagt. Nach einer Weile hat er sich – wirklich und tatsächlich – hingelegt.
Das Ergebnis waren eine leere Packung Leckerli und ein glücklicher Hund, ganz zu schweigen von Frauchen, aber die ist ja immer glücklich, wenn der Hund glücklich ist. Ich lobte ihn überschwänglich, was er sehr genoss.
Herr Hund frisst die Kacke anderer Hunde. Das ist sein Aasbedürfnis. Trotzdem lasse ich ihn nicht immer davon fressen. Alternativ bekommt er von mir manchmal ein Leckerli, ich entscheide das nach Gefühl.
Manchmal macht er einen Tanz, wenn er einen besonders guten Happen entdeckt hat. Er krümmt den Rücken und lüpft die Hinterpfoten abwechselnd, manchmal steht er dabei nur noch auf den Vorderbeinen – leider nur eine Zehntelsekunde, sonst hätte ich mir eine Zirkusdressur überlegt. Einmal hat er sich dabei so gedreht und gewunden, dass er umgefallen ist(!). Es sah sehr witzig aus.
Erst später würde ich von einem Hundetrainer erfahren, dass der Hund sich so zum Wälzen anschickt; der Duft soll an Hals- und Rutenansatz kleben. Herr Hund allerdings wälzt sich nicht. Auf jeden Fall habe ich ihn noch nie dabei gesehen.
Manchmal schiebt er die Zungenspitze durch die geschlossenen Lefzen seitlich heraus, wo sie dann zappelt, wenn er trabt, was ebenfalls sehr witzig aussieht. Wenn dann noch sein linkes Ohr über dem Kopf nach rechts wippt, als hätte er einen Seitenscheitel, dann amüsiert mich das noch mehr.
Herr Hund ist ein wirklich feiner Mensch. Sehr distanziert, ich will fast sagen distinguiert. Am Anfang war er sehr ängstlich, die neue Umgebung, neue Menschen – überhaupt einmal Menschen...?
Ganz am Anfang, ich glaube, da war er gerade zwei, drei Wochen bei mir gewesen, begegneten wir einer Maus, die über einen Feldweg torkelte, während sie merkwürdige Fiepgeräusche von sich gab. Herr Hund schnupperte an ihr, als sie plötzlich herzzerreißend schrie. Er ist so erschrocken, dass er einen großen Satz machte, der mich beinahe mitgerissen hätte. Ich glaube, er hat dem Tod ins Auge geblickt. Dem Tod der Maus. Das hat ihn so geängstigt.
18. Dezember
Neulich hat Herr Hund eine Packung Toilettenpapier angeknabbert. In der nächsten Zeit werde ich mich also mit löchrigen Bahnen begnügen müssen.
