Heute koch' ich. Morgen räch' ich. - Andrea Instone - E-Book

Heute koch' ich. Morgen räch' ich. E-Book

Andrea Instone

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Beschreibung

Das schöne neue Hexenleben ist dann doch nicht so entspannt wie angenommen. So ein Ärger aber auch! Edinburgh, Dezember 1890. Moira McLeod hat so einiges an Aufgaben zu bewältigen: Da ist zum einen die offenbar feindlich gesinnte Konkurrenz in Gestalt der bezaubernden Liebeshexe, zum anderen machen die garstigen Blutvampire der Kasketen auf sich aufmerksam. Weil das aber nicht genug ist, scheint es im Hexenzirkel Probleme zu geben, die nicht nur bürokratischer Natur sein dürften. Als dann auch noch Geister der Vergangenheit mitmischen, wünscht Moira nichts mehr, als sich endlich einmal in Ruhe bei Tee und Scones zu erholen ... Tee und Scones empfiehlt Moira auch ihren Leserinnen, denn dabei lässt sich das Spiel um Rache und Romantik, Feindschaft und Freundschaft am angenehmsten beobachten.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhaltsverzeichnis

Heute koch' ich. Morgen räch' ich!

Impressum

Bei Tee und Kuchen

Alles so verwirrend

Es gibt einiges zu tun …

Wenn es sogar der Hexe unheimlich wird …

Moiras Geschichtsstunde

Ein Treffen in Holyroodhouse

Nordwärts

Magie ist lebendig

Griselda

Meine unsichtbare Heldin!

Es wird düster

Ein wenig Luft zum Durchatmen

Moira McLeodVerhexte Rache jeder Art

Heute koch’ ich. Morgen räch’ ich!

Andrea Instone

© Copyright by Andrea Instone / Licht & Schatten

Umschlaggestaltung: © Copyright by Andrea Instone

mit Grafiken von depositphoto.com und eigenen digitalen Zeichnungen

Andrea Instone

Wesselheideweg 24

53123 Bonnandrea-instone.de

Bei Tee und Kuchen

Wo war ich stehengeblieben? Ah ja, wortwörtlich war ich stehengeblieben und hatte Caitlin Douglas nachgeschaut, wie sie allerbester Laune durch das winterliche Edinburgh flanierte und sich von Herzen darüber freute, dass es mich gab. Was mir nicht schmeichelte. Nicht im Geringsten.

Von schleppenden Geschäften hatte sie gesprochen, die dank meines Erscheinens Aufschwung nahmen. Und davon, dass sie unglücklich gewesen sei, als sie noch zum Hexenzirkel der Foggy Sisters gehört hatte – die sie ›alte Nebelkrähen‹ genannt hatte! Ausgesprochen impertinent und sehr von sich überzeugt war diese Caitlin, und zu gerne hätte ich sie von Herzen verabscheut. Das ist ja, was man uns Frauen schon als Mädchen beibringt, nicht wahr? Heute wie damals: Dass eine andere, wenn sie schöner, klüger, witziger und talentierter ist, unbedingt deine Feindin zu sein hat, die du im Auge zu behalten hast. Neid, Missgunst und Eifersucht, so hat man uns außerdem beigebracht, sind Schwächen, derer wir uns zu schämen haben – und doch sollen wir genau diese Gefühle jeder anderen Frau entgegenbringen, die von der Natur oder dem Schicksal mit mehr bedacht wurde als wir selbst. Bei Männern werden diese Gefühle übrigens immer schon als Bereitschaft zum Wettbewerb und gesunder Ehrgeiz bezeichnet. Finde den Fehler, haha.

Aber ich will mich gar nicht mit all diesen Betrachtungen herumschlagen. Viel lieber hätte ich Caitlin geschlagen – auch das wiederum wortwörtlich, denn was fiel diesem Weib ein, sich in meinen Job einzumischen und mich dazu noch ohne den geringsten Kraftaufwand beiseitezustellen, als wäre ich nichts weiter als ein harmloses Porzellanpüppchen? Und dennoch blieb ich stehen und blickte ihr nach, anstatt hinter ihr herzurennen und klarzumachen, wer hier das Sagen hatte. Sie gewiss nicht! Wäre doch gelacht, wenn wir – also die alten Nebelkrähen und ich – nicht gegen diese unverschämte Person ankämen!

Edna tippte mir auf die Schulter. »Möchtest du ihr nicht nachgehen und zeigen, wer die Herrin der Rache ist?«

»Sei still, ich denke nach«, sagte ich, und ich sagte es nicht freundlich.

Edna lachte nur. »So viel schöner und klüger als du ist sie auch wieder nicht.«

»Wer sagt denn bitte, dass sie schöner und klüger ist?«

»Aye, Missus, das sagt deine Miene.«

»Wer hat dich überhaupt gefragt?«

»Du doch. Eben nun. Und ich muss sagen, Miss Douglas ist durchaus beeindruckend. Sie besitzt Charme und ein gewisses Etwas. Was meinst du?«

»Dass Miss Douglas sich warm anziehen soll.«

»Sie sah nicht aus, als wäre ihr kalt.«

»Oh, ich werde ihr schon einheizen.«

»Das ergibt keinen Sinn, Moira. Wenn ihr doch nicht kalt ist, dann –«

»Edna, sei bitte still, ich muss nachdenken.«

»Den Eindruck habe ich auch, dass du mal in Ruhe nachdenken solltest. Wir –«

»Edna, bitte.«

»Ich sage kein Wort.«

Ich warf ihr einen bösen Blick zu, da hielt sie endlich den Mund. Recht ältlich und verbittert sah sie nun wieder aus, wie sie da halb transparent und etwas zittrig neben meiner Schulter schwebte und mir deutlich zeigte, wie unfreundlich sie mein Benehmen fand, da sie nichts weiter wollte, als meine treue Begleiterin zu sein, die ich ihrer Ansicht nach dringend benötigte.

»Edna, bitte, hör auf.«

»Ich tue nichts.«

»Du bist beleidigt und das stört meine Überlegungen sehr.«

»Vielleicht ist es besser, ich warte daheim auf dich.«

»Sehr gut.«

Edna zuckte mit den Schultern und verschwand. Augenblicklich fühlte ich mich besser; da war einfach zu viel Gefühl in mir und um mich gewesen. Jetzt war ich mit meinen Gedanken allein in der dunklen Gasse. Von den umliegenden Straßen drang der Lärm der Stadt nur gedämpft zu mir, in der Close selbst war kein Geräusch zu vernehmen. Ich hievte mich auf ein Mäuerchen, ließ die Beine baumeln und dachte also endlich nach. Nicht darüber, was zu tun war, sondern darüber, weshalb ich trotz Neid, Eifersucht, Missgunst, Ärger, Empörung und sogar Abneigung Caitlin Douglas mochte. Verrückt, oder? Ich konnte sie nicht ausstehen, ich verachtete, was sie offenbar tat, und doch stellte ich mir vor, wir könnten Freundinnen sein. Was ja sowohl Graham wie auch Edna meiner Nasenspitze abgelesen hatten.

Nun war Caitlins Lebensgeschichte dazu angetan, mein Mitleid zu wecken. Dermaßen benutzt und missachtet zu werden, wie es das Los einer Liebeshexe war, das musste ja etwas mit einer jungen Frau tun. Das tat etwas mit jedem Menschen. Aber war das Grund genug, dass sie jetzt hinging und wirklich schlechten, abgrundtief bösen Männern – Frauenmördern, wohlgemerkt, nicht einfach nur Politikern! – ihre Hilfe gewährte? Für schnöden Mammon? Bar jeder weiblichen Solidarität? Und dann hatte sie noch die Frechheit, mir zu danken! Mir zuzuzwinkern, mich auszulachen und jetzt auch noch zu bestimmen, wann wir uns treffen würden?

Oh nein, mein Fräulein, das bestimmt nicht! Auf gar keinen Fall warte ich bis morgen! Caitlin Douglas, da täuschst du dich aber gewaltig, wenn du glaubst, du könntest mich nach deiner Pfeife tanzen lassen! Niemals!

Nun muss ich sagen, ich war, seit ich als Rachehexe mein neues Leben begonnen hatte, mit einer Tendenz zur Wut ausgestattet, die das übliche Maß der meisten jungen Frauen überstieg; das war und ist ja sozusagen die Grundlage meines Berufs – Zorn ist die Nahrung der Rache. Viel Erfahrung hatte ich zwar noch nicht sammeln können, aber als ich dem Water of Leith entgegeneilte und auf Caitlins Eckhaus in der Mill Row zuraste, da war ich von einer solchen Wut erfasst, dass ich fast zu fliegen glaubte, so schnell kam ich voran. Ich verlangsamte meine Schritte erst, als ich am Ziel meiner Wünsche eingetroffen war. Kurz hielt ich inne und sah mich um.

Der Himmel war von einem tiefen Dunkelviolett, die Schneeflocken tanzten so wirbelnd-weiß herab, der Fluss rauschte und gluckste eine fröhliche, fast weihnachtliche Melodie, aus den Fenstern der umliegenden, oftmals niedrig-gemütlichen Häuser fiel warmes Licht, ein Schneemann stand in einem Garten, irgendwo sang ein Schwesternduo zum Klavierspiel der Mutter (ja, ich weiß solche Dinge, passiere ich ein Gebäude) – es wäre ein so schöner Spaziergang gewesen, hätte ich mich nur auf dem Weg zu einer lieben Freundin befunden.

Doch eigentlich war das hier fast noch besser, denn ich gedachte, meinen Gefühlen Luft zu machen und dafür zu sorgen, dass dieses abgehalfterte und arrogante Liebeshexenbiest das Feld räumte und Edinburgh verließ; heulend und schlotternd sollte sich das dämliche Weib davonmachen und anderswo ihr Unwesen treiben, so man sie ließ! Ha! Hatte es nicht in meinem Lehrmaterial geheißen, kaum eine Hexe sei mächtiger als eine Rachehexe?

Ich hämmerte an die Tür mit geballten Fäusten und konnte es kaum abwarten, Caitlin Douglas zum Teufel zu jagen!

Schon das dritte Klopfen ging ins Leere, denn die Tür sprang auf und ich kippte dank der Wucht, mit der ich klopfte, in die Diele; nur ein beherzter Ausfallschritt bewahrte mich davor, Caitlin Douglas mit der Nase voran vor die Füße zu fallen.

Böse starrte ich sie an. »Du! Du! Du mieses, kleines, abscheuliches Weibsbild! Was fällt dir nur ein, dich so – bleib gefälligst hier, wenn ich mit dir rede!«

Caitlin hatte die Haustür mit einem Fingerschnippen geschlossen und war bereits die halbe Treppe hinauf, bevor ich auch nur meine Rede hatte beenden können. Hastig rannte ich ihr nach, wollte sie am Handgelenk greifen und sie zwingen, sich meine Beleidigungen anzuhören, doch ich bekam meine Feindin nicht zu fassen. Geradezu elfengleich stieg sie weiter hinauf und zeigte nicht die geringste Verwunderung über mein Hiersein – von Schrecken und Angst will ich gar nicht erst reden, da hätte ich vermutlich mit einer Armee feuerspeiender Drachen bei ihr einfallen müssen. Die ich leider nicht bei der Hand hatte, aber selbst diese Monster hätten sich von ihr noch um den Finger wickeln lassen. Ganz so, wie ich es von mir selbst befürchtete.

Und so zornig ich auch war, so bemerkte ich doch, wie überaus geschmackvoll ihr Haus eingerichtet war – zumindest, was Halle und Treppenaufgang betraf. Es war nicht so bunt und kuschlig wie bei mir und nicht so prächtig und herrschaftlich wie bei Graham und noch viel weniger war es vornehm-bürgerlich. Es war ganz und gar Caitlin Douglas. Viel Silber und viel schokobraunes Holz waren zu sehen, dazu mattes Mittelblau und mildes Kirschrot, viel Samt, wenig Seide, herrliche Blumen in formschönen Vasen, viele Streifen und viele Karos auf Tapeten und Teppichen. Überall Kästen, Kerzenleuchter und Kissen – was man halt so sehen kann, kommt man in ein Haus. Es duftete nach Vanille und rauchigen Hölzern, ein Hauch Zitrone hing auch in der Luft. Es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte auf einer Stufe Platz genommen und mich der Atmosphäre willig überlassen, so warm und herzlich und verlockend war all das.

»Was darf ich dir anbieten, Moira? Einen späten Tee mit Scones und Sandwiches? Oder lieber ein frühes Abendessen? Wonach ist dir?«

»Wonach mir ist? Pack deine Sachen und verschwinde! Danach ist mir.«

»Wirklich, meine Liebe, ich finde dich reizend. Du bist so erfrischend anders, so offen und geradeheraus.«

»Ja, das bin ich. Reizend, erfrischend, offen und geradeheraus. Und jetzt verschwinde von hier. Geh nach London, das sollte dir gefallen.«

»Oh ja, London hat seinen Reiz, insbesondere, wenn man so gerne ins Theater geht wie ich. Vielleicht magst du mich einmal begleiten, ich bin sicher, wir würden sehr viel Spaß haben.«

»Spaß haben? Mit dir? Lass es mich erfrischend offen sagen, Caitlin: Mit einer Hexe, die keine Ehre im Leib hat, kann es nur ein Vergnügen geben – wenn sie endlich geht.«

»Oh Moira, du hast keine Fantasie, das ist bedauerlich. Aber sieh, du wirst bald sehen, wie gut es ist, dass ich hier bin. Nun steh nicht länger herum, komm weiter, setze dich, mache es dir bequem. Sieh, ich habe ja alles vorbereitet, nur weiß ich noch immer nicht, was du essen magst.«

Sie führte mich in ein kleines Esszimmer, dessen Tisch liebevoll eingedeckt war: feinstes Geschirr, hauchzarte Champagnerflöten und perfekt geschliffene Kristallgläser, cremeweiße Damastservietten, frische Blumen. All das für zwei Personen. Für sie und für mich. Dieses hinterhältige Weib war also davon ausgegangen, dass ich sie heute schon aufsuchen würde? Das ärgerte mich noch mehr, denn auf gar keinen Fall hatte ich mich von ihr manipulieren und lenken lassen wollen und war ihr genau darum in die Falle gegangen.

Weshalb ich hochmütig lächelnd an ihr vorbeiging, mich setzte, meine Frisur ordnete und kühl meinte, ich sei enttäuscht. »Eine Gastgeberin, die auf sich hält«, so zitierte ich meine Tante Flora und ahmte dabei ihren Tonfall nach, »ist stets darüber informiert, womit sie ihren Gästen eine Freude bereiten kann. Sie kennt deren Leibspeisen, weiß um deren Abneigungen und Bedürfnisse, sie platziert die passenden Leute nebeneinander und hält für alle eine besondere Überraschung bereit.«

Caitlin lächelte und setzte sich ebenfalls. »Und du denkst, das sei mir nicht gelungen?«

»Das fängt bereits bei der Sitzordnung an, denn keinesfalls möchte ich dir so nahe sein, dass ich mit dir würde Konversation betreiben müssen.«

»Niemand hat dich gezwungen, meine Einladung anzunehmen – und dann gar mit solcher Eile.«

»Ich möchte es hinter mich bringen. Also bitte: Verschwinde! Mehr habe ich dir nicht zu sagen. Oder doch: Verschwinde schnellstens!«

Sie lachte. Und klatschte in die Hände. Schon füllten sich die Kristallgläser mit dem besten Wein Frankreichs und in den Schüsseln und Schalen stapelten sich die feinsten Pralinen, die duftigsten Brioches, die knusprigsten Brote und die leckersten Früchte des Orients. Dazu stieg Dampf aus den Tellern auf; sämige Suppe in dem einen, gebratene Kartoffeln und frisches Gemüse auf dem anderen regten meinen Appetit enorm an.

Ich verschränkte die Arme vor der Brust und schaute Caitlin direkt in die Augen. Sie wich meinem Blick nicht aus, sondern beugte sich sogar weiter über den Tisch. Noch freundlicher lächelte sie; sichtlich war sie amüsiert, wobei es mir nicht so vorkam, als mache sie sich über mich und meine – durchaus lächerliche – Forderung lustig. »Moira, meine Liebe, natürlich werde ich nicht gehen. Und sehr bald wirst du froh darum sein. Doch zunächst tu mir den Gefallen und mache ein nettes Gesicht. Ich bin sicher, auch das wirst du von deiner Tante Flora des Öfteren gehört haben. Oder nicht? Sagte sie nicht etwas wie ›Schau nicht so finster drein, Kind, du machst den Leuten noch Angst‹?«

Das war ganz genau das, was Tante Flora oftmals gesagt hatte. »Hast du das geraten? Oder kannst du meine Erinnerungen lesen?«

»Oh, ich habe es einige Male gehört. Zuletzt, so meine ich, vor einem guten Jahr. Auf einem Ball. Ein Leutnant in Uniform hatte zu dir hinübergesehen und darüber nachgedacht, dich aufzufordern. Du hast allerdings deutlich zu verstehen gegeben, wie ungern du an diesem Ort warst. Was deine Tante Flora zu eben jener Aussage verleitete.«

Verständlich, so nehme ich an, dass mir jetzt tausend Fragen auf der Zunge lagen: Weshalb ich vor über einem Jahr schon von Interesse für Caitlin gewesen war oder weshalb sie sich diese Belanglosigkeit gemerkt haben sollte, wenn sie nicht gewusst hätte, wer ich einmal sein würde. Warum sie glaubt, ich würde irgendwann froh darum sein, dass es sie gibt. Weshalb sie Catriona und die anderen als alte Nebelkrähen verunglimpft. Weshalb sie mit mir reden will und was sie von Graham weiß. Weshalb sie Edna sehen kann. Und vieles mehr. Doch ich sagte kein Wort.

Caitlin erhob sich, legte eine Hand auf meine Schulter und wisperte, sie wolle mir gerne alles beantworten, doch leider, leider wäre sie noch immer nicht gänzlich frei von allen Regeln, die die Magie uns auferlege, und von daher müsse manches warten oder sich von selbst ergeben. »Vertrauen«, so sagte sie, »wir müssen uns vertrauen, erst dann wird sich alles klären.«

»Dann kann ich ebenso gut wieder gehen, denn dass ich dir vertraue, das wird niemals geschehen«, rief ich und sprang auf, was übertrieben theatralisch war.

Caitlin lachte. »Zu spät, meine Liebe. Das Vertrauen zwischen uns wächst bereits, es wird nicht mehr lange dauern, bis wir –«

»Rede keinen Unsinn, niemals werde ich dir trauen, ich –«

»Du hast ohne jeglichen Argwohn so einige der Köstlichkeiten probiert. Würdest du mich fürchten, so hättest du gewiss Sorge gehabt, es wäre Gift in den Pralinen.«

»Wie?« Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich in der Tat ganz gut zugelangt hatte – ich hatte aber auch wirklich einen enormen Hunger, das muss ich zu meiner Verteidigung anführen.

»Und es geht dir gut. Kein Gift, kein Zauber, keine Gefahr. Also setze dich wieder und iss deine Kartoffeln, sie werden dir schmecken.«

»Was willst du von mir?«

»Dasselbe, was du dir von mir wünschst.«

»Vergiss es, ich werde Edinburgh nicht verlassen.«

»Dummerchen, das wäre nicht in meinem Interesse.«

»Sondern was?«

»Ich möchte, dass wir Freundinnen werden. Das liegt doch auf der Hand.«

Vollkommen überrascht und vermutlich mit einem dümmlichen Ausdruck im Gesicht saß ich vor ihr; in der einen Hand hielt ich die Teetasse, in der anderen den Unterteller. Eben erst hatte ich einen viel zu großen Bissen von dem unglaublich köstlichen Käseblätterteighörnchen genommen, weshalb ich nur stumm zu ihr starren konnte und hektisch versuchte, meine widerstrebenden Eindrücke zu sammeln und zu begreifen.

Zum einen freute sich ein Teil von mir, denn das war ja, was ich mir insgeheim so sehr wünschte: Eine Freundin meines Alters (Caitlin war ja auf ewig in ihren Zwanzigern und durfte somit als gleichaltrig gelten, so rechnete ich es mir blitzschnell schön), die ebenfalls einem magischen Beruf nachging und mir dank ihrer Erfahrung so manches würde beibringen können. Zum anderen schrillten sämtliche Alarmglocken, denn es konnte nichts Gutes bedeuten, wünschte eine Feindin Freundschaft. Wollte sie mich korrumpieren? Mich ausnutzen und auf ihre Seite ziehen? Was plante das teuflische Weib? Ja, was bildete die sich eigentlich ein? Mich dermaßen mit Leckereien und Schmeicheleien zu verwöhnen und zu glauben, ich wäre so leicht zu überzeugen? Nicht mit mir!

Wieder sprang ich auf, verschüttete dabei Tee und – es war mir unsagbar peinlich – ließ gar einige Krümel aus meinem Mund fallen, als ich empört nuschelte, das wäre das Allerletzte und sie sei ein unerträglich arrogantes Biest, mit dem ich nichts zu tun haben wolle.

Ok, was ich da sagte, verstand nicht einmal ich selbst, dieser verdammte Käse klebte entsetzlich am Gaumen und der Blätterteig machte es auch nicht leichter. Zugleich hatte ich wieder Tante Floras mahnende Worte im Ohr, die mich, wäre sie hier, entgeistert und beschämt beobachtet hätte, um mir hernach auf meinem Zimmer eine Standpauke zu halten zwecks Damenhaftigkeit und Benimm in der Öffentlichkeit.

Ausgelassen lachte Caitlin, schlug die Beine übereinander, lehnte sich zurück und fragte milde interessiert, ob ich wohl wiederholen wollen möchte, was ich zu sagen versucht hätte. Falls ich zum Ausdruck hätte bringen wollen, eine Freundschaft zwischen mir und ihr wäre unmöglich, so reiche es, wenn ich ein schlichtes Nein hervorbrächte; das wäre auch besser für ihren Teppich, den sie üblicherweise nicht mit Tee reinige.

Erneut stritten sich, ach, zwei Seelen in meiner Brust. Caitlin war bei allem Spott so liebenswürdig, sie betrachtete mich mit solcher Wärme, ihr Amüsement war freundlich, nicht verächtlich, und Himmel auch, was hätte ich darum gegeben, einmal nur so lässig und zugleich vornehm-elegant zu wirken wie sie. Es war leicht zu sehen, wie sie einen König zuerst auf sich aufmerksam und ihn dann von sich abhängig machte; ich wäre zu und zu gerne ihre Freundin geworden.

ABER ich hielt mir vor Augen, was ich nicht vergessen durfte: Sie ist die Feindin! Sie hat Angus Fraser vor meiner Rache retten wollen! Sie hat eben erst Percival, meinem Ehemann und Mörder, ein Treffen angekündigt, um ihn von seinem Problem zu befreien – also von mir! Wie konnte sie es wagen!

Ich bemühte mich um Würde und wahrhaftig stiegen selbstbeherrschte Kühle und das Bewusstsein meiner eigenen Macht in mir auf, als ich Tasse und Teller abstellte, mit einer Serviette meine Lippen abtupfte und gelassen über mein Kleid strich. »Miss Douglas«, so sagte ich, »es ist nicht so, als ob mich Ihr Angebot nicht freut; es ist stets als ein Kompliment anzusehen, bietet jemand seine Freundschaft an. Daher danke ich, muss aber doch ablehnen. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend und möchte Ihnen noch einmal nahelegen, mir fürderhin keine weiteren Schwierigkeiten bereiten zu wollen. Ansonsten …«

Caitlins Lächeln verlor sich nicht, im Gegenteil verstärkte es sich. »Ansonsten …?«

»Das wird sich zeigen.«

»Meine liebe Moira, du möchtest herausfinden, welche Kraft die Stärkere ist? Die einer Rachehexe – und bei Gott, ich sehe, du wirst formidabel werden mit ein wenig Erfahrung – oder die meine?«

»Ich wünsche nicht, dass es dahin kommt, Miss Douglas. Was nun Ihre Macht angeht, so frage ich mich jedoch, wie groß diese sein mag, da sie so gänzlich gegen ihre Natur angewendet wird.«

»Gegen ihre Natur, ja? Moira, du albernes Hexenstück, setze dich und höre mir zu.«

»Ich habe genug gehört, besten Dank.«

»Hast du das? Da bist du dir sicher?«

»Sie wollen Mr Rattray beistehen. Dem Mann, der mich kaltblütig gemordet hat! Und der das vermutlich bei Gelegenheit wieder tun wird.«

»Er kann dich nicht zweimal morden, keine Sorge.«

»Das meinte ich nicht. Ich meinte, er wird –«

»Er wird das einer anderen antun. Das habe ich schon verstanden.«

»Ich habe keinen Sinn für Ihre kindischen Spielchen, Miss Douglas. Gehen Sie, darum bitte ich Sie.«

»Sonst was, Moira? Wirst du die alten Nebelkrähen zu Hilfe rufen? Oder Graham? Soll der Hexenrat zusammentreten? Das wäre alles recht spaßig, aber doch eine entsetzliche Zeitverschwendung.«

Das mit den Nebelkrähen, das nagte seltsamerweise am stärksten an mir. Dass es mich nicht drängte, meine Hexenkolleginnen zu verteidigen, gab mir zu denken. Ich spürte, dass da etwas war, was mir mein Zirkel verschwiegen hatte, etwas, das mit dem Zerwürfnis zwischen dem Coven und Caitlin zu tun hatte und das ich unbedingt wissen sollte. Aber meine Neugierde befriedigen um den Preis, Caitlins Gewäsch anzuhören? Und damit zugeben, dass ich ihr doch weit genug traute und im Zweifel meinen Kolleginnen gegenüber war? Das ging nicht, keinesfalls.

»Du machst es dir unnötig schwer, meine liebe Moira. Und mich verkennst du völlig.« Sie lachte und trank vom Rotwein, prostete mir zu. »Nun, vielleicht nicht völlig, aber doch in entscheidenden Punkten.«

Ich schwankte; ich würde zu gerne bleiben, würde mich zu gerne länger hier aufhalten in diesem warmen Raum und in Caitlins Nähe. Es war ja, als fülle mich etwas hier mit Selbstbewusstsein, mit Stärke und Entschlossenheit – und mit Mitleid, Respekt, Liebe für alles, was in der Welt kreuchte und fleuchte. Ich war verwirrt.

»Setze dich bitte wieder hin. Bitte, Moira.«

Gegen meinen Willen brach es aus mir heraus: »Warum magst du Catriona nicht? Und die anderen? Sie können nichts dafür, wie die Magie dich behandelt hat.«

»Das ist die Frage, die dich am meisten beschäftigt? Interessant.«

»Das hat nichts zu bedeuten.«

»Oh doch. Du stellst dein Vertrauen in die Foggy Sisters infrage und das ist wahrlich klug.«

Als ich mich wieder setzte, kam ich mir vor wie eine Verräterin. Catriona. Euphemia. Serena. Griselda. Arabella. Prudentia. Keine von ihnen war mir in meinem ersten Monat als Hexe anders als liebevoll begegnet. Sie hatten mich aufgenommen mit einer Herzlichkeit, so selbstverständlich und freudig, dass ich keinen Grund hatte, an ihnen zu zweifeln. Oder an dem, was sie mir gezeigt und gesagt hatten. Und doch spürte ich, ich sollte mehr über sie wissen.

Was also erfuhr ich über den Coven der Foggy Sisters of Blackfriars? Caitlin hatte mich zunächst darum gebeten, ihr zu glauben, wenn sie beteuerte, es habe ihr Tun einen guten Grund und was ich als Feindschaft ansähe, sei nichts weiter als ein leider notwendiges Missverständnis, das sich erst klären könne, wenn ich Vertrauen zu ihr gefasst haben würde. Und ja, sie sähe ein, dass das leider nicht ganz einfach sei, denn um Vertrauen zu fassen, müsse ich ihr glauben, während ich ihr nur glauben könne, sobald ich ihr auch vertraue. Es wäre alles leider sehr kompliziert, obwohl es doch eigentlich alles sehr einfach sei. Was die Sache nicht leichter oder deutlicher machte, dafür aber meine Ungeduld sehr steigerte.

Gut, das ist jetzt sehr unverständlich. Also bitte: Ich hatte wieder Platz genommen und schaute Caitlin an, kühl, interessiert, beherrscht.

Sie richtete sich auf, setzte eine ernste Miene auf, stellte das Weinglas ab. »Du findest, ich lasse weibliche Solidarität vermissen und mache einzig die alten Nebelkrähen für mein Los verantwortlich. Ein Los, von dem dir vermutlich Graham berichtet hat.«

»In der Tat hat er das getan.«

»Das wird er sicherlich mit der gebotenen Zurückhaltung getan haben und natürlich unter Aufbietung all seines Mitleids. Dennoch wird er dich vor mir gewarnt haben. So ist es doch?«

»Ungefähr so, ja. Aber das sollte keine Rolle spielen, wenn es darum geht, mir deine Version vorzutragen.«

»Weil du so unvoreingenommen bist.«

»Ich gebe mir zumindest Mühe.«

»Dann lass mich nicht lange drumherumreden. Was werfe ich den Foggy Sisters vor?Unsere Schwierigkeiten – oder vielmehr meine – begannen schon damit, dass sie mir meine Aufgabe mit ihrem Neid und ihrer Verärgerung noch unerträglicher gemacht haben, als sie es ohnehin schon war.«

»Das klingt nicht im Geringsten nach ihnen.«

»Weil, das will ich ihnen zugestehen, sie seit dem Fiasko mit ihnen und mir dazugelernt haben. Und weil du ihnen nichts mehr nehmen konntest mit deinem Erscheinen.«

»Was bitte hätte ich ihnen nehmen sollen?«

»Jugend und Schönheit.«

Ich lachte auf. Das war ja lächerlich. »Das Letzte, um was es dem Zirkel geht, sind menschliche Oberflächlichkeiten.«

»Du verstehst nicht, was ich dir sage. Weil du, die du doch immer noch auch Agnes Cunningham bist, das wohlerzogene, scheue Mädchen, das trotz ihrer Vorbehalte den Menschen gegenüber kaum wagte, schlecht von irgendwem zu denken.« Caitlin hob die Hand, bevor ich einen Einwand hatte vorbringen können. »Nein, lass mich ausreden. Eine Liebeshexe ist nicht nur eine seltene Erscheinung, sie ist auch eine, die ohne die Gaben ihres Zirkels nicht in die Welt treten kann. Wenn du die alten Nebelkrähen heute ansiehst, dann magst du annehmen, dass sie vor sehr vielen hundert Jahren einmal jung und adrett gewesen sein mochten, aber mittlerweile selbst die Erinnerung an ihre Jugend längst verblasst sein muss. Dazu hast du gelernt, in welchem Rhythmus normale Hexen altern, du hast auch kürzlich erst erlebt, dass sie sich ein wenig hatten verjüngen können, als die Magie euch zur Isle of Skye rief. Aber was du nicht weißt und was sie dir nicht gesagt haben, weil sie es noch immer nicht verwunden haben: Hexen, in deren Zirkel keine Liebeshexe eintritt, bleiben jung. Und selbst, wo die Natur Schönheit nicht geschenkt hat, wird eine solche Hexe doch stets als Schönheit erscheinen, wenn es nötig ist.«

Mir war unwohl dabei, diese Dinge zu hören; irgendwie war klar, worauf es hinauslief. Und so war es dann auch: So dringlich eine Liebeshexe benötigt wurde in den Zeiten politischer Unruhen und heftigen Umbruchs, so wenig war der Coven darauf eingestellt, dafür mit Jugend und gutem Aussehen zu zahlen. Die Hexen hätten sich weigern können, dann wäre Caitlin sozusagen freiberuflich zur magischen Mätresse der Macht geworden. Niemandem unterworfen, an keine Weisung gebunden, doch ohne Schutz und Beistand, ohne Lehrmeisterin und ohne Freundschaft. Das hätte Catriona nie zugelassen, das gestand Caitlin ihr und den anderen zu. Aber es war nicht nur eine schwesterliche Entscheidung, Caitlin aufzunehmen und Opfer zu bringen, nein, da ging es auch um die Ehre und darum, das Schicksal Schottlands mitzubestimmen – es ging um Macht für den Zirkel, also hatte man zugestimmt, Caitlin aufzunehmen und auszubilden, sie zu lehren und zu formen. Und ihr Jugend und Schönheit abzutreten.

Wie gesagt, es war mir unangenehm, das zu hören und meine Schlüsse daraus zu ziehen, also fragte ich ziemlich barsch, was denn geschehen wäre, wenn die Hexen den Handel abgelehnt hätten. Wo Jugend und Schönheit dann hergekommen wären, um Caitlin als Liebeshexe zu etablieren.

»Du missverstehst das, Moira. Nicht mir selbst kam das zugute, nicht so, wie du meinst. Ich bin kein bisschen hübscher oder jünger geworden durch diese Gabe. Ihr Opfer band mich an den Zirkel und es zwang mich, Dinge zu tun, die ich nach eigenem Ermessen nicht getan hätte. Bald schon begriff ich, dass ich weniger die siebte Hexe im Bund mit gleichen Rechten als vielmehr die Dienerin des Zirkels war. Sieben Mal sieben Aufgaben hatte ich zu vollbringen, bis ich das Band lösen durfte. Dann war ich frei, dann hätte ich auch frei entscheiden sollen, was ich tue – als siebte im Zirkel. Gleichberechtigt. Mitbestimmt. Aber so war es nicht. Sie meinten noch immer, ich wäre zu eitel, zu leichtsinnig, zu verführbar, um meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Sie verweigerten mir meinen mir zustehenden Platz, die wollten weiterhin befehlen, was ich zu tun hätte. Das ärgerte mich sehr, zumal sie wenig Feingefühl bewiesen, wenn es darum ging, zu welchen Männern sie mich schicken wollten. Und dennoch wäre ich vielleicht geblieben, hätten sie mich so liebevoll empfangen wie dich. Doch tagtäglich konnte ich sehen, wie sie mir verübelten, was sie für mich hatten aufgeben müssen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viel Energie sie über Jahre hinweg in die Suche nach einem Zauber steckten, der ihnen Schönheit und Jugend zurückgeben sollte. Und bitte, es ist nicht so, als verstünde ich nicht, wie hart es gewesen sein muss, in der einen Stunde ewige zwanzig Jahre gewesen zu sein, um am nächsten Morgen als Siebzigjährige aus dem Bett zu steigen. Doch nicht ich war es, die diesen Preis verlangte – es war die Macht, die sie durch mich ausüben wollten. Und nie waren sie bereit, das anzuerkennen und sich selbst die Schuld für ihren Verlust zuzuschreiben.«

Wie gesagt, es fiel mir schwer, das anzuhören. Das Bild, das ich von meinen sechs Hexentanten hatte, war ein gänzlich anderes. Ich wollte mir einreden, dass Caitlin log, dass sie als meine Feindin nichts weiter wollte, als Unfrieden zwischen ihnen und mir zu stiften. Und trotzdem wusste ich, sie log nicht. Ich wusste nur nicht, ob es eine Rolle spielte – die Hexen hatten sich im Laufe der gut hundert Jahre seit Caitlins Weggang verändert, sie hatten ihren Fehler erkannt, hatten daraus gelernt, sich arrangiert mit ihrem Verlust. Was Caitlin mit ihnen erlebt hatte, hatte keine Bedeutung für mich. Oder doch?

Alles so verwirrend

Um es kurz zu machen: Obwohl ich es nicht beabsichtigt hatte, blieb ich fünf Stunden bei Caitlin. Das lag sicherlich nicht nur an der unverrückbaren Tatsache, dass eine Liebeshexe selbst dann, wenn sie es nicht darauf anlegt, eine Atmosphäre von Wärme, Zuneigung und Respekt erschafft, in die man sich wie in einen kuscheligen Mantel einhüllen möchte. Weil ich mich aber von dem vermeintlichen Teufelsbiest nicht einlullen lassen wollte, besann ich mich mit einiger Anstrengung auf das, was eine Rachehexe in kritischen Momenten ausmacht: Kälte und Wachsamkeit. Ich lehnte nicht länger bequem auf meinem weichen Sessel, sondern saß mit durchgedrücktem Rücken auf der vorderen Kante. Ich trank nichts mehr vom Wein oder der samtig-süßen Schokolade mit Sahne; ich hielt mich an Wasser und schwarzen Tee. Keine Scones und keine Käsestangen und keine Pralinen mehr für mich, dafür knabberte ich an Walnüssen. Ich war zu Gast, wie man es ist, ist der Besuch eine lästige Pflicht. Man gibt sich höflich, hört zu und wartet überdeutlich auf den erlösenden Moment, an dem man endlich das Haus verlassen kann.

Was bei Caitlin kaum eine Wirkung zeigte; einige Male erwähnte sie mein Verhalten und schüttelte bedauernd-amüsiert den Kopf, ohne jedoch in ihrem Werben um mein Verständnis und meine Freundschaft nachzulassen. Sie war reizend, geistreich, unterhaltsam. Und sie war ehrlich, wenn sie über ihr Leben und ihre Erfahrungen sprach – ohne dem Selbstmitleid anheimzufallen. Auf meine Aufforderung hin sprach sie von den Männern, mit denen sie zu tun gehabt hatte, sie sprach bescheiden von ihren Erfolgen und sachlich über das Leid, das sie erlebt hatte. Einzig, wenn sie auf den Zirkel kam, schlichen sich Enttäuschung und Wut in ihre Stimme. Weshalb ich sie fragte, ob sie es deshalb auf meine Freundschaft anlege, um den Hexen zu schaden.

---ENDE DER LESEPROBE---