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Rache als magisch-schöne Kunst - ein böses Vergnügen! Edinburgh, 1890: Moira McLeod ist tot. Leider. Und kaum hat sie das halbwegs verarbeitet, findet sie sich als – höchst lebendige – Rachehexe wieder mit der Aufgabe, Frauen zu rächen, die ermordet wurden. Mörder gibt es nämlich so einige in der Stadt, insofern ist der edle Hexenzirkel The Foggy Sisters Coven of Blackfriars (est. 1377) ausgesprochen froh, endlich eine Junghexe in seine Mitte aufzunehmen, die sich der Sache anzunehmen hat. Wenn es auch zu Beginn ihrer neuen Karriere die eine oder andere Schwierigkeit geben mag, so lernt Moira doch schnell, mit ihren Gaben umzugehen. Und dass muss sie doch, denn gleich ihre erste Kundin macht ihr mächtig Stress. Könnte es sein, dass nicht immer alles ist, wie es aussieht? Oder ist alles, wie es nicht aussieht? Oder hat Magie Folgen, die sich mit Magie nicht beheben lassen? Moira hat auf jeden Fall gut zu tun ... In dieser paranormalen Cosy Fantasy-Serie geht es feministisch-liebevoll, historisch-nostalgisch und manchmal ein klitzekleines bisschen schadenfroh-romantisch zu. Alles kann geschehen, wir sind immerhin in Edinburgh, wo Geister durch dunkle Gassen streifen und hinter jeder Ecke ein Abenteuer zu warten scheint. Also koch dir einen Tee, leg die Füße hoch und bringe gemeinsam mit Moira bösen Männern das Fürchten bei!
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Moira McLeodVerhexte Rache jeder Art
Gestern Braut,
heute Hexe.
Andrea Instone
Moira McLeod stellt sich vor
In mein Strickcafé am Raeburn Place verirren sich nur selten Touristinnen, aber wenn sie es tun, so kann ich sicher sein, dass sie mich auf ihren Erinnerungsfotos haben möchten. Warum? Weil vermutlich kaum jemand so schottisch wirkt wie ich: Lange rote Locken, die sich kaum bändigen lassen, Sommersprossen auf hellem Teint und überhaupt ganz wie die Bilder, die man in Reiseprospekten findet. Visit Scotland! Walk the streets of Edinburgh! Verkosten Sie Whisky, folgen Sie den Spuren von Mary Queen of Scots, gruseln Sie sich in den Gassen, wenn Geister aus dem Nebel nach Ihnen greifen! Come on, come to Scotland! Und neben all diesen Sprüchen ein knackiger Kerl im Kilt, der sein Hemd verloren hat, und eine wie ich, Tochter der Highlands und unerschrockene Kämpferin für Freiheit und tralala. Und so ganz falsch ist das nicht. Ich bin immerhin Moira McLeod und meines Zeichens …
Wenn ich das jetzt sage, glaubt es mir niemand. Ich muss anders beginnen. Wenn also eine Touristin in mein Lädchen findet, Wollknäuel nach Wollknäuel fühlt und die passenden Farben aussucht, wenn sie immer wieder zu mir hinschaut und endlich den Mut findet, mich um ein gemeinsames Foto zu bitten, dann wagt sie sich meist auch so weit voran, mich auszufragen. Ob ich meinen Pulli selbst gestrickt habe (Aye, wäre seltsam, wenn nicht, oder?). Ob ich das Geschäft schon lange führe (sehr viel länger, als ich ihr verraten kann und will). Ob ich immer schon in Edinburgh lebe (wieder ein schlichtes Aye). Ob mir das Wetter und die dunklen Straßen oben in der Old Town nicht manchmal zu schaffen machen (hell, no!). Ob die schottischen Männer alle so toll sind wie im Film oder auf den Plakaten (wieder so eine Frage, auf die ich nicht wahrheitsgemäß antworten kann). Ob es einen Grund gibt, weshalb ich bei der letzten Frage so ein spöttisches Gesicht mache, woraufhin ich lache und frage, was sie aus der ausgewählten Wolle stricken möchte.
Meist reden wir dann über Strickmuster, Schafe und schottische Wolle. Immer wieder gibt es aber Frauen, die es sich jetzt so richtig gemütlich machen, Kaffee mit Schuss, Gebäck, Suppe und Sandwich bestellen und sich darauf einrichten, mehr über mich zu erfahren. Könnte doch nicht sein, dass ich am Ende schlechte Erfahrungen gemacht hätte mit Männern. Ausgerechnet mit schottischen Männern, weil ach, die breiten Schultern, die hellen Augen, der tolle Akzent, ja, alles eigentlich. Und ich wäre doch eine hübsche Frau, so apart, so witzig, so selbstständig. Und ich gebe jedes Mal klein bei und erzähle meine Lügengeschichten, rede mich irgendwie raus, um nur ja nicht eines Tages doch mal herauszuplatzen mit allem, was ich weiß und kann und erlebt habe. Denn ehrlich, nach 135 Jahren möchte man manchmal einfach nur die Wahrheit sagen. Also einer Frau gegenüber, die nichts mit meinem Beruf zu tun hat, nichts mit dem Zirkel, nichts mit Rache, Geistern und Mördern.
Wie jetzt? Ich bin seit 135 Jahren in einem Job? Der offenbar dafür sorgt, dass ich ein Problem mit Männern habe? Und es gibt einen Zirkel? Klingt spooky, oder? Ist es auch. Ein bisschen.
Für manche Menschen. Männer vor allem. Also männliche Mörder, um es genau zu sagen. Oder schon auch für alle anderen Männer irgendwie. Denn logisch: Das tut was mit einer Frau, wenn sie seit so vielen Jahrzehnten immer mit Mördern zu tun hat. Ich kann Ihnen versichern, dass man es halt keinem Kerl ansieht, ob er mordet oder nicht. Ja, und manche von ihnen waren ungemein attraktiv, unglaublich charmant. Andere waren amüsant, gebildet, umgänglich, talentiert. Und das ist genau, was mir den Job mitunter so verleidet: Sobald ich – sozusagen privat – einen kennenlerne, der all das ist, dann bin ich sofort vorsichtig. Wenn er all das nicht ist … Na, dann will ich ihn ja eh nicht. Das ist ein Problem, kann man verstehen, oder?
Und es ist nicht nur das. Meine eigene Erfahrung mit Liebe, Heirat und Ehe trägt nicht unbedingt dazu bei, meine Meinung vom angeblich starken Geschlecht zu verbessern. Weil diese Erfahrung ziemlich kurz war. Und ziemlich tödlich. Also für mich. Was das Ganze noch unheimlicher klingen lässt. Womit ich da bin, wo ich vorhin nicht recht weiter wusste.
Ich bin also Moira McLeod und ich bin unter anderem die für Edinburgh verantwortliche Rachehexe. So ist das. Und ja, ich sehe ein, dass das nach weiteren Erklärungen verlangt. Und ich denke außerdem, dass es nach all den Jahren an der Zeit ist, endlich einmal zurückzublicken – so mit Abstand, quasi unbeteiligt. Total objektiv halt. Was, so behauptet der Mann an meiner Seite (denn den gibt es halt doch), ja auch unbedingt meine Stärke ist: die Objektivität. Wenn er das sagt, grinst er, aber das ignoriere ich doch gekonnt.
Es war August 1890. Tante Flora rief nach mir. Sehr sanft, fast schon trällernd erklang mein Name. Was mir augenblicklich sagte, es warte eine böse Überraschung auf mich. Ich war nicht auf den Kopf gefallen, ich hatte meine Umgebung immer schon aufmerksam beobachtet. Die Andeutungen meiner Tante am gestrigen Abend und Onkel Roberts sichtliche Zufriedenheit, als er sich eine zweite Portion auf den Teller laden ließ, und jetzt diese zuckrige Freundlichkeit, mit der sie nach mir rief, ließen nur einen Schluss zu: Der Handel war beschlossen und ich würde mich fügen müssen. Was ich nicht vorhatte. Absolut nicht. Das Letzte, was ich wollte, war die Ehefrau von Percival Rattray zu werden.
Ich überlegte: Was brächte es mir, jetzt aus dem Fenster zu steigen und durch die Gärten zu laufen, über die Mauern zu klettern und zu meiner Freundin Aileen zu flüchten? Die würde mich bedauern, das schon, aber tun konnte sie nichts. Vermutlich würde deren Mutter auf mich einreden und mir sagen, welch ein Glück ich hätte, einen so attraktiven Gatten zu bekommen. Dann würde sie mich anschauen mit diesem kritischen Blick, leise seufzen und mich vor einen Spiegel schieben, damit mir klar würde, wie unverschämt mein Glück wirklich war. Aileen ist sehr viel hübscher als ich und würde viel besser zu Percival passen als ich, die ich bleich und unscheinbar bin. Mein dunkles Haar lässt sich schlecht frisieren und ganz egal, wie geschickt meine Zofe es auch aufsteckt, spätestens zum Mittag hin gleicht es einem zerrupften Vogelnest. Meinen Wangen fehlt die Frische, meinen dunklen Augen das Feuer, meine Büste ist zu flach, mein Mund zu schmal – es gibt unendlich viel an mir auszusetzen, das macht Tante Caroline täglich klar. Dass sie mir dennoch Percival hat verschaffen können, das verlangt Hochachtung. Vor allem meine.
Aber ich will ihn nicht. Ich kann nicht begreifen, was andere in ihm sehen. Immer heißt es, er sei charmant, liebenswürdig, unwiderstehlich. Sein Haar ist geradezu lächerlich voll und glänzend, sein Gesicht ähnelt den schönsten griechischen Götterstatuen und seine Figur ist makellos. Was er auch trägt, er ist immer der eleganteste aller Herren, die ihn selbstverständlich bewundern und beneiden. Er ist der beste Schütze, der beste Schachspieler, der beste Tänzer. Niemand spricht ein so perfektes Französisch oder hat eine so reine Tenorstimme wie er. Keiner ist so amüsant, niemand so umgänglich, er ist der Held der Saison. Dieser Saison und der zehn zuvor. Debütantinnen kichern, ist er im selben Saal, erwachsene Damen verfolgen ihn mit ihren Blicken und selbst die Großmütter erröten hold, wenn er mit ihnen spricht. Percival Rattray ist der Inbegriff all dessen, was unsere Gesellschaft vergöttert. Alle lieben ihn.
Nur ich nicht. Ich hasse ihn. Er macht mir Angst. Er widert mich an. Ich kann nicht sagen, weshalb das so ist, doch als er mich zum ersten Mal aufforderte – auf einem Ball der Dalrymples war das –, da überkam mich Übelkeit, sobald ich meine Hand in seine legte. Mir war nicht gleich klar, dass er die Ursache war; ich war ja so begeistert von ihm wie alle anderen auch und nun sollte ich mit ihm tanzen, das war, als ginge ein Traum in Erfüllung. Der leider ein Albtraum war. Als er meine Taille umfasste und mit mir durch den Saal walzte, da empfand ich mit jedem Schritt ein solches Grauen, ja, eine solche Panik, dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Da hielt er inne und bevor ich zu Boden sank, hob er mich auf und trug mich zu einem Sofa. Ganz dramatisch rief er, man möge Platz machen, es wäre Miss Cunningham von einer Schwäche befallen. Nach Riechsalz rief er, nach einem Arzt, und dann beugte er sich über mich und lächelte dermaßen betörend, dass um uns herum wenigstens fünf Fräulein den Tränen nahe waren und alles dafür getan hätten, statt meiner dort zu liegen. Und was hätte ich darum gegeben, mit ihnen zu tauschen!
Ich kann bis heute nicht sagen, weshalb ich da schon in der Lage war, in seine Seele zu blicken, ich weiß nicht einmal, weshalb ich verstand, was sich tat. Dennoch war ich sicher, einem wahrhaft bösen Mann ins Gesicht zu schauen. Eine Überzeugung, die sich verstärkte, je öfter ich auf ihn traf. Und verdammt noch eins, ich traf ihn oft und öfter.
Bald schon begann er, mir Komplimente zu machen. Das Übliche halt, was Herren im Jahr 1890 zu sagen erlaubt war: dass ich eine charmante junge Dame sei. Dass ich reizend Klavier spiele. Dass ich hervorragend tanze. Dass ich einen unauslöschlichen Eindruck auf ihn gemacht habe. Dass er an mich denke, immerzu und überall. Dass er das Beste für mich wünsche und er zu diesem Besten beitragen wolle. Dass meine Stimme die eines Engels sei und meine Augen so unergründlich wie ein See unter einem Gewitterhimmel. Dass ich …
Na, was soll es schon bringen, all den Schmus aufzuzählen? Man möge einen beliebigen Roman aufschlagen und nachlesen, welche Worte der Held aufsagt mit schmachtender Stimme und rollenden Augen, dann weiß man, was Percival Rattray vortrug. Dafür, dass er so einmalig und besonders sein sollte, war seine Brautwerbung ziemlich abgeschmackt. Was ich ihm gerne gesagt hätte, doch eine junge Frau, die so deutlich geworden wäre, wäre ihres Lebens nicht mehr froh geworden – da hätte es schnell geheißen, sie wäre hysterisch, dann hätten sich andere Bewerber nicht mehr in ihre Nähe gewagt, dann wäre sie unverheiratet geblieben und lästig geworden und von da aus wäre der Weg in eine Heilanstalt gar nicht mehr so weit gewesen. Also hielt ich den Mund, wobei ich aber doch versuchte, ihm meine Ablehnung deutlich zu machen.
Was er meiner jugendlichen Zurückhaltung, meiner jungfräulichen Schüchternheit oder was auch immer zuschrieb. Dinge, die Tante Flora absolut nicht in mir sah. Jugendlich und jungfräulich gewiss; ich war neunzehn Jahre alt und hatte mich noch nicht einmal so weit vorgewagt, als dass ich irgendeinen Jüngling geküsst hätte. Ich dachte nicht einmal an diese Dinge und war auch ein rechtes Lämmchen damals, ich hatte wirklich überhaupt keine Ahnung von ›diesen Dingen‹. So gehörte es sich auch, wir Mädchen sollten Kinder sein bis zum Tag unserer Hochzeit und dann zack, wurde von uns erwartet, perfekte Ehefrauen zu sein. In jeder Hinsicht. Und ich war geradezu perfekt in meiner Unschuld. Stets wahrte ich ein gewisses Dekorum; ich sprach leise und vornehm, ich hielt den Blick gesenkt, ich rannte nicht und las auch keine ungeeigneten Bücher in der Öffentlichkeit. Am liebsten verbrachte ich meine Zeit ungestört in meinem Zimmer, wenn ich nicht mit Aileen zusammen war. Es gab so vieles zu lesen, so viele Abenteuer zu planen, dass ich an den sogenannten Ernst des Lebens kaum einen Gedanken verlor. Weshalb Tante Flora immerzu von eben diesem Ernst sprach, auf den sie mich vorbereiten müsse.
Nach dem frühen Tod meiner Eltern (eine Reise nach Italien endete mit deren Ableben, als ich fünf Jahre alt war) nahmen Mutters Bruder und seine Gattin mich auf. Obwohl ich besser sagen sollte: Ich nahm sie auf, denn mein Vater hatte es verstanden, aus seinem kleinen Erbteil sehr viel mehr Gewinn zu schlagen als mein Onkel aus seinem sehr viel größeren Teil. Wir wohnten in einem modernen Haus am Charlotte Square, in das meine Verwandten nur zu gerne umzogen. Von meinem Vermögen durften sie gerade so viel verwenden, um meinen Lebensstandard zu erhalten – und das möchte ich unbedingt vermerken, dass sie in dieser Hinsicht überaus ehrlich handelten, denn alles, was sie für sich selbst brauchten, ließen sie von dem Notar, der in meinem Interesse handelte, ausdrücklich genehmigen.
Was jedoch ihre Liebe zu mir anging, so hatten sie scheinbar Mühe, dieser Verpflichtung nachzukommen. Eigene Kinder waren ihnen nicht vergönnt und so möchte man meinen, sie hätten Kapazität genug gehabt, all ihre Liebe an mich zu verschwenden. Doch davon kam nicht allzu viel bei mir an. Sie taten, was man zu tun hatte, sie sorgten für Essen und Trinken, für reichlich Spielzeug und die beste Ausbildung, sie sparten an nichts, was mir als Miss Cunningham, Erbin eines beträchtlichen Vermögens, zukam. Ich entsprach nur eben nicht dem, was sie sich unter einer Nichte vorstellten. Sie fanden mich eigentümlich, fremd, sonderbar. Weil ich immerzu Fragen hatte zu den unmöglichsten Dingen. Weil mir das Schicksal anderer Wesen, ob Mann, Frau, Kind oder Tier, über Gebühr zu Herzen ging. Weil ich die Nächte in der Bibliothek verbrachte und schon als Achtjährige wissenschaftliche Artikel las und mich für die Sterne ebenso begeisterte wie für Geschichte, Musik und Medizin. Sie nannten das unkindlich, unweiblich, unnatürlich. Sie fanden mich entweder zu still oder zu laut, zu wild oder zu langsam, zu gewöhnlich oder zu besonders. Es verging keine Minute, in der Tante Flora nicht einen Fehler an mir fand, und keine Stunde, in der Onkel Robert nicht wünschte, es hätten meine Eltern ihrer Aufgabe an mir nachkommen können. Als ich einmal wagte, darauf hinzuweisen, dass er dann nicht Vaters Haus bewohnen würde, ohrfeigte er mich. Ich war nie zuvor geschlagen worden und es geschah auch kein weiteres Mal; ich weiß gar nicht, wer erschrockener war – er oder ich.
Aber als seine Hand mich traf, da war es, als schlüge ich zurück. Da schienen Funken zu sprühen, da spürte ich eine Hitze in meiner Wange, die nichts mit dem Schmerz zu tun hatte; es war vielmehr, als wollte ich seine Finger ins Feuer fassen lassen. Und wirklich zog er seine Hand zurück, als hätte er sich verbrannt. Wir sprachen kein Wort, wir starrten uns an, bis Onkel Robert sich räusperte und kühl erklärte, er habe sich vergessen ob meiner Impertinenz. Es täte ihm leid, dass ich das Opfer, das Tante Flora und er für mich gebracht hätten, nicht zu würdigen wisse.
»Das tue ich sehr wohl«, erwiderte ich, »doch denke ich, es ist dieses Arrangement zu unser aller Vorteil.«
»Wie eigenartig du bist. So spricht doch kein Kind. Das ist das Erbe deiner Mutter, von meiner Familie kommt das nicht.«
Von meiner Mutter sprachen er und Flora nur selten und wenn, dann nur in solchen Andeutungen. Ich hatte einige Fotografien, die sie zeigten, und natürlich das Ölgemälde über dem Kamin, das Vater von ihr hat anfertigen lassen. Zu meinem Bedauern ähnelte ich ihr kaum, wenn auch Aileen stets behauptete, die Ähnlichkeit sei verblüffend. Doch was bei meiner Mutter strahlte und funkelte, war bei mir bleich und unscheinbar. Und das hätte mich vermutlich vor Percival Rattray geschützt, hätte ich nicht zugleich das Vermögen meines Vaters geerbt.
Jetzt also war es so weit: Dass Percival Rattray meinen Onkel Robert um meine Hand bitten wollte, war mir bekannt; das hatte er mir eine Woche zuvor gesagt, als wir einen Cotillon tanzten. Dass er davon ausging, meine Zustimmung zu haben, hatte er ebenfalls klargemacht. Immerhin tanzte ich ständig mit ihm und das öfter als die üblichen zwei Mal pro Ball. Ich war mit ihm ausgefahren, hatte einen Spaziergang ohne Begleitung mit ihm unternommen und war sogar mit ihm in ein Restaurant gegangen – in einem Kleid, das manche als gewagt bezeichneten an einer ledigen jungen Frau. Aus tiefrotem Samt war es, die Ärmel bauschten sich dramatisch unterhalb der nackten Schulter und die Schleppe breitete sich opulent aus.
Freiwillig war all das nicht geschehen. Es war auch nicht so, als hätte Tante Flora es erzwungen, eigentlich sogar gar nicht. Ich war auch nicht seinem bezwingedem Charme erlegen. Aber etwas hatte mich gezwungen. Ich hatte zu all seinen Vorschlägen stets höflich und bestimmt ›Nein‹ sagen wollen und hatte das anfangs auch getan, doch dann, von einem Tag auf den anderen, gelang mir das nicht mehr. Ich stimmte zu, ganz gleich, was er sich wünschte, obwohl ich wusste, man würde mir alles, was wir gemeinsam unternahmen, als verderbt auslegen, mündete unsere Beziehung nicht bald in eine Ehe. Dass Percival mich daher nicht um Erlaubnis bat, mit Onkel Robert zu sprechen, sondern mir schlicht mitteilte, er werde diese Pflicht in Bälde erledigen, kann ich ihm nicht zum Vorwurf machen.
Und dann war es so weit, das wusste ich gleich, als Tante Flora nach mir rief in diesem Ton, den sie nur dann anschlug, waren Besucher anwesend. Sofort fühlte ich mich wie ein kleines Mädchen, das vor einer Bestrafung fliehen möchte. Ich verstand nicht, wie es überhaupt dazu hatte kommen können, dass ich nun einen Mann zu heiraten hatte, den ich nicht mochte. Wirklich gar nicht. Heute weiß ich mehr darüber. Sehr viel mehr. Eine ungemein mächtige Person spielte eine Rolle, denn immerhin ging es darum, mich meinem Schicksal zuzuführen, und da war Percival ganz das perfekte Werkzeug. Es hätte alles anders kommen können, wäre er ein besserer Mann gewesen. War er aber nicht. Also kam es, wie es kommen sollte. Was Miss Amelia Jonasson natürlich wusste.
Dieser Bibliothekarin einer angesehenen Mädchenschule begegnete ich auf einer Veranstaltung der archäologischen Gesellschaft. Wir unterhielten uns sehr lange und sehr angeregt und dann schenkte sie mir unversehens eine Kette mit zwei Anhängern: einem keltischen Ewigkeitsknoten und einem ägyptischen Ankh. Das überraschte mich sehr; ich war derlei spontane Freundschaftsbezeugungen nicht gewohnt. Sie bestand darauf, dass ich den Schmuck annehme, und legte ihn mir auch gleich um. Das Eigenartige war, dass ich Miss Jonasson niemals wiedersah – während ich die Kette bis heute nicht abgelegt habe. Nicht ablegen kann. Seit dieser Begegnung aber hatte ich Percivals Wünschen nichts mehr entgegengesetzt, so sehr ich es auch wollte. Und während ich nach außen hin immer sanftmütiger zu werden schien, wuchs in mir die durch nichts gerechtfertigte Sicherheit, stärker zu sein als er. Auf eine damals nicht zu beschreibende Weise und leider nicht so, wie ich es gebraucht hätte.
Ich stieg nun also die Stufen hinab in die Halle, wo Tante Flora und Percival auf mich warteten. Er schritt auf mich zu, küsste meine Hand, lächelte und küsste dann meine Wangen. Meine Braut, so nannte er mich. Von sich sprach er als dem glücklichsten Mann auf Erden. Von mir sprach er nicht. Alle sprachen von ihm. Nur Tante Flora sah nicht ganz so glücklich aus, wie ich erwartet hatte.
Der schönste Tagund die letzte Nacht
Dieser Tag verging, ohne dass ich viel mitbekommen hätte. Fiebrig fühlte ich mich, immerzu sagte ich zu allem ›Ja‹, ohne es zu wollen. Was mir jedoch deutlich in Erinnerung geblieben ist, war Tante Floras vehementer Widerstand gegen Percivals Vorschlag, binnen einer Woche zu heiraten.
»Mr Rattray«, so sagte sie, als wir im Wohnzimmer Platz genommen hatten, »mir erscheint diese Eile unangebracht. Bedenken Sie, es ist November und eine jede Braut träumt von einer Feier bei Sonnenschein.«
»Ich bitte Sie, Mrs Cunningham, nennen Sie mich Percival, wir sind doch en famille.«
»Noch nicht, Mr Rattray, noch nicht. Wir halten auf Anstand und Ordnung. Wollen wir den Mai ins Auge fassen? Agnes wird eine hübsche Maibraut und –«
»Mrs Cunningham! Mai? Viel zu spät. Wir erledigen das am Montag, ich habe bereits für das verkürzte Ausrufen unseres Verlöbnisses bezahlt und dem Pfarrer gesagt, er möge sich um elf Uhr vormittags hier einfinden. Es ist Ihnen doch recht, dass Agnes und ich uns hier das Ja-Wort geben?«
»Mr Rattray, das ist nicht machbar. Das Schneidern eines Brautkleides ist –«
»Agnes wird entzückend aussehen in dem roten Samtkleid. Ich muss sagen, sie gefällt mir in nichts besser. Ein weißes Kleid? Bei ihrem Teint? Nein, das würde mir nicht gefallen. Wir bleiben also bei Montag, elf Uhr.«
Tante Flora war empört und warf Onkel Robert einen strengen Blick zu, der ihn zum Handeln aufforderte. Also sprach auch er. Jovial lächelte er. »Aber Mr Rattray … Mein lieber Percival, Sie kennen die Frauen. Meine Nichte möchte gewiss in der Vorfreude schwelgen, Ihre Gattin zu werden, und dazu gehört unbedingt eine Verlobungszeit, die unser aller Status angemessen ist. Sie wollen ihr nicht das Vergnügen rauben, all die Bälle der Saison als die beneidete Verlobte des begehrtesten Junggesellen angesehen zu werden?«
»Mir ist es lieber, man sieht in ihr meine beneidenswerte Gattin. Montag, darauf bestehe ich. Meine Liebe zu Ihrer Nichte ist von solcher Art, dass Geduld nicht denkbar ist.«
»Aber mein lieber Percival, Sie werden gewiss –«
»Mir scheint, mein Antrag stößt nicht länger auf Ihre Zustimmung. Bitte, ich werde mein Recht nicht einklagen, ich entbinde Sie von Ihrem Versprechen.«
Tante Flora richtete sich etwas höher auf und für einen Augenblick kam es mir so vor, als wäre sie froh um dieses Angebot. Auch Onkel Robert sah aus, als wollte er Percival mit Freude vor die Tür setzen. In mir keimte Hoffnung auf – da hörte ich mich sagen, dass es also Montag werden würde. Ich selbst hatte mich an einen Mann gebunden, der mich ängstigte! Ich verstand es nicht und wahrhaftig kamen mir die Tränen. Meine Tante sprang auf und umarmte mich – so zärtlich und mitfühlend, wie ich es nicht von ihr kannte, wenn ich auch sagen muss, dass sie trotz ihrer oft gezeigten Kühle und Entnervtheit stets da war, wenn ich ihre Hilfe oder ihre Nähe benötigte. Es war ein seltsames Verhältnis zwischen uns dreien. Onkel Robert erhob sich ebenfalls und schaute unschlüssig von uns zu Percival.
Der blieb sitzen, strich sich über seinen gepflegten Bart, bevor auch er aufstand, meiner Tante die Hand küsste, meinem Onkel zunickte und mich schon wieder auf beide Wangen küsste. »Das rote Samtkleid möchte ich an dir sehen.«
»Ja aber, Mr Rattray, wie steht es mit den Vorbereitungen? Wen laden Sie ein, wer -«
»Ich ziehe eine intime Feier im kleinsten Kreis vor. Am Abend findet ein Ball in den Assembly Rooms statt, den werden wir besuchen.«
Dass Tante Flora und Onkel Robert den Besuch eines öffentlichen Balls für nicht ausreichend hielten und es schäbig fanden, ein solches Ereignis wie meine Hochzeit sozusagen zweiter Hand zu feiern, war ihnen deutlich anzusehen. Auch Percival sah das. Es amüsierte ihn sichtlich, als er sich verbeugte und uns verließ. Noch bevor er aus der Haustür trat, hörten wir ihn ein Liedchen pfeifen.
Ich nehme an, wir aßen zu Abend und vermutlich redeten wir über diese Angelegenheit, doch ich kann mich daran beim besten Willen nicht erinnern. Die ganze Woche verging, ohne dass ich etwas mitbekam; es war, als wäre ich kaum je wirklich wach gewesen.
Der Montag kam. Ich erwachte sehr früh. Es regnete heftig – fast waagerecht prasselten die Tropfen gegen die Fensterscheibe. Ich fröstelte. Wenn ich jetzt von damals spreche, dann bin ich versucht, von mir als einer Fremden zu reden. Manchmal, wenn ich zurückblicke, ist es wirklich so, als betrachte ich das Leben einer jungen Frau, die ich kaum kenne. Agnes Cunningham war eine seltsame kleine Person in den Augen ihrer Mitbürger, und obwohl sich mein Charakter gar so sehr nicht geändert hat, ist da dieses Gefühl von Wesensfremdheit, denke ich an Agnes. An mein junges Ich. An die, die ich war und sein musste, um die zu werden, die ich bin.
Nun ja, da war er also: mein Hochzeitstag. Der angeblich schönste Tag im Leben einer Frau. Was die größte Lüge ist, die man uns hat eintrichtern können. Aber bitte, ich möchte nicht jetzt schon ins Schimpfen geraten.
Ich rief meine Zofe, die sogleich ein Wannenbad einließ; Onkel Robert hielt unseren Haushalt stets auf dem neuesten Stand der Technik und so hatte er früh schon einen Gaserhitzer einbauen lassen – was ja für meine Geschichte eigentlich keine Bedeutung hat und doch scheint es mir wichtig, das zu erwähnen. Es wird schon seinen Grund haben, auch wenn ich selbst nicht weiß, worin der liegen könnte. Auf jeden Fall machte sich meine Zofe daran, mich gründlich abzuschrubben und einzuölen. Da hockte ich im dampfigen Badezimmer, meine Haut war weich und rosig, ich duftete nach Rosen und Lavendel, und nie war ich unglücklicher gewesen als in diesem Moment. Teilnahmslos sah ich zu, wie sie meine Haare kämmte und aufsteckte; es interessierte mich nicht, welche Strümpfe oder welches Korsett sie wählte, ich ließ alles stumm über mich ergehen.
Bis sie den Versuch unternahm, die Kette von meinem Hals zu nehmen. »Das billige Ding passt ja gar nicht zum Kleid, nicht wahr, Miss? Das wollen wir mal ablegen.«
Sie griff nach dem Verschluss, da schlug ich ihre Hand fort. Und entschuldigte mich sofort; so ging ich wirklich nicht mit unseren Dienstboten um, wenn ich auch aus heutiger Sicht gestehen muss, dass ich ihre Anwesenheit und ihre harte Arbeit als viel zu selbstverständlich hingenommen hatte. So sehr, dass ich mich nicht mal mehr an den Namen meiner Zofe erinnere. Eine Schande, ich weiß.
Ich entschuldigte mich also und sie versuchte es noch einmal. Jetzt musste ich nicht eingreifen: Mit einem erschrockenen Schmerzensschrei zog sie die Hand zurück und starrte auf die winzige Wunde, aus der ein Blutströpfchen nach dem anderen trat.
»Wie ist denn das passiert?«, fragte ich und fühlte über die Glieder der Kette, fand jedoch nichts Dorniges, was die Ursache hätte sein können.
»Ja, Miss, das weiß ich auch nicht. Es hat erst gebrannt und dann gepiekt.«
Ich reichte ihr ein Pflaster und bat sie, Mutters Smaragdcollier einfach über die kleine Kette zu legen; das wäre groß genug, um das ›billige Ding‹ zu verdecken. Sie gehorchte und wirklich lugte der einfache Schmuck nirgendwo hervor. Allerdings bildete ich mir ein, etwas wie das Knistern feinsten Seidenpapiers zu hören, und seltsam warm wollten mir beide Ketten auch erscheinen. Als ich in den Spiegel sah, leuchtete ich geradezu. Wie verwandelt sah ich aus, wirklich wie eine glückliche Braut. Die ich nicht war.
Percival traf bald nach dem Pfarrer ein und er kam allein. Kein Freund begleitete ihn, keine Familie – ich wusste nicht einmal, ob seine Eltern noch lebten oder ob er Geschwister besaß. Unsere Unterhaltungen hatten meist nur ein Thema gehabt: den ehrenwerten Mr Percival Rattray. Selbst als er mich umwarb und geschmeidig-charmant Komplimente servierte, war es doch immer er selbst, dem seine Aufmerksamkeit galt.
Tante Flora und unsere Dienstmädchen hatten sich Mühe gegeben und das Wohnzimmer festlich dekoriert, was Percival mit der Frage kommentierte, ob wir den Weihnachtsschmuck immer so früh aufhingen. Er lachte zwar und gab sich umgänglich und erwartungsfroh, doch es gelang ihm nicht, Tante und Onkel für sich einzunehmen. Was mich verblüffte; sie hatten schließlich seit einem guten Jahr kein anderes Ziel gekannt, als mich bestmöglich zu verheiraten, und ganz Edinburgh würde zustimmen, dass sie das erreicht hatten. Und obwohl sie am Tage unserer Verlobung noch gestrahlt hatten, waren sie nicht zufrieden, ja, Tante Flora nahm mich sogar zur Seite, als ich herunterkam. Sie zog mich ins Wohnzimmer und fragte, ob ich diese Ehe wirklich wolle.
Und wieder antwortete ich mit ›Ja‹, obwohl ich laut ›Nein‹ brüllen wollte. Sie sah mich an, irgendwie enttäuscht und mit so viel Mitgefühl und fast schon mütterlicher Sorge, dass ich glaubte, mich all die Jahre in ihr geirrt zu haben.
»Bist du dir sicher?«, fragte sie. »Er ist ein attraktiver Mann, das unbedingt, und alle Frauen schwärmen von ihm, aber du und er …«
»Bin ich zu hässlich für ihn?«
»Wie kommst du auf einen solchen Unsinn, Agnes?«
»Was sonst spricht gegen diese Verbindung, die dir doch gefallen müsste?«
»Das müsste sie wohl, ja.«
»Aber?«
»Ich weiß nicht. Ich denke, wir machen einen Fehler.«
»Ist es, weil ihr ein anderes Heim finden müsst?« Es war ausgemacht, dass Percival und ich am Charlotte Square wohnen und meine Verwandten in das kleinere Haus ziehen würden, in dem Percival bislang lebte.
»Aber nein. Immer denkst du so schlecht von uns.«
Darauf ging ich nicht ein. Was hätte ich auch sagen sollen? Ich war neunzehn Jahre jung, hatte Angst vor dem, was auf mich zukam, und verstand nichts von dem, was gerade vor sich ging. Und damals, das sollte ich nicht vergessen, war es nicht üblich, dass eine so junge Frau frei heraus sagte, was ihr durch den Kopf ging – sie war zwar alt genug, um einen Mann zu heiraten, der die Dreißig bereits überschritten hatte, aber dennoch galt sie als ein Wesen, das nicht wusste, was gut ist für das eigene Wohl. Frauen überhaupt wurden ja kaum als Menschen mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen betrachtet. Schmuck und Zierde waren wir, Arbeitstiere, Zuchtkühe, ein Mittel, um an Geld und ein gemütliches Heim zu gelangen. Natürlich gab es Frauen, die sich dagegen wehrten, und Männer, die ihnen beistanden. Sie hatten bessere Schulen für Mädchen erkämpft und mehr Rechte im eigenen Haus, sie schrieben Bücher und hielten Reden und diskutierten mit Politikern, doch im Großen und Ganzen änderte sich für junge Frauen wie mich nicht viel. Wir hatten zu heiraten und den Mund zu halten. Obwohl Tante Flora darauf zu hoffen schien, dass ich etwas sagte.
Was mir nicht gelang. Es ging nicht, die Worte wollten nicht heraus, obwohl ich mich anstrengte. Wieder hatte ich das Gefühl, die Kette knistere und glühe, und zu gerne hätte ich sie abgelegt, doch als ich sie berühren wollte, entglitt sie immerzu meinen Fingern.
»Was tust du denn? Kratzt dich etwas?«
»Nein, nein, mir ist nur ein wenig kalt.«
Tante Flora seufzte und rubbelte meine nackten Schultern. Nie waren wir uns so nah gewesen. Ich murmelte meinen Dank, dann rief schon Percival nach seiner kleinen Braut. Onkel Robert trat um die Ecke, reichte mir seinen Arm und führte mich ins Wohnzimmer, wo der Pfarrer einen provisorischen Altar aufgebaut und zwei Fußschemel zurechtgerückt hatte.
Die Zeremonie war kurz, wir sprachen unser Treuegelöbnis, erhielten den Segen, unterschrieben ein Dokument, verabschiedeten den Pfarrer und setzten uns im Speisezimmer zu Tisch, den Tante Flora ebenfalls aufs Schönste gedeckt und dekoriert hatte. Wir aßen in aller Stille. Es war, als säßen wir bei einem Leichenschmaus. Tante Flora weinte, als Percival den Dessertlöffel ablegte und meinte, er werde mich jetzt ins Waterloo Hotel bringen, wo er für die nächsten drei Tage eine Suite gemietet habe. Er sagte es nicht ausdrücklich, aber als Onkel Robert meinte, er werde sicherstellen, dass das Haus am Freitag zu unserer Verfügung stünde, da drückte er ihm einen Schlüssel in die Hand und versicherte, es sei in der Great King Street (wo er bisher lebte) alles für den Einzug der neuen Bewohner vorbereitet; es möchten sich meine Verwandten dort bitte recht wohlfühlen. Über die Miete, so setzte er hinzu, werde man erst im nächsten Jahr sprechen; derlei habe in der Familie keine Eile. Tante Flora lief rot an und es könnte sein, sie hätte ihm gerne eine saftige Ohrfeige verpasst, denn ihre Hand zuckte und Onkel Robert trat so vor sie, dass sie Percival nicht hätte erreichen können, ohne den Gatten zur Seite zu stoßen. Was sie niemals getan hätte.
Percival verbeugte sich, winkte eines unserer Dienstmädchen heran und verfügte, es sollte mein Gepäck gebracht und in seiner Kutsche verstaut werden. Als wir aus dem Haus traten und ich sah, dass nicht sein praktischer Brougham
