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Jedes Jahr werden Milliarden an Forschungsgeldern für immer neue Anti-Aging Produkte ausgegeben. Doch was geschieht, wenn es Forschern wirklich gelingt, das Altern der Menschen zu verhindern? Wo sollen Trillionen und Trilliarden von "unsterblichen" Menschen leben und wovon sollen sie sich ernähren? Die "unsterbliche" Marisa Braun versucht, die kommende Katastrophe zu verhindern, doch der undurchsichtige Multimilliardär Phil Jones lässt die "Attentäterin" von den besten Detektiven der Welt verfolgen. Die Hoffnungen der "Unsterblichen" ruhen auf Dädalus, doch der Explorer meldet sich nicht mehr. Ist ein Krieg der letzte Ausweg?
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Seitenzahl: 189
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Robert Lott studierte Englisch, Spanisch, Geschichte und Biologie in Bamberg und Heidelberg. Seine spannungsgeladenen Romane bewegen sich im Grenzbereich zwischen Fantasy, Utopie und Science-Fiction.
Von ihm sind im BoD-Verlag erschienen:
Hexenwerk 2022
Gaia. Menschheit am Abgrund 2023
Die wundersame Geschichte der Menschheit 2024
Inselkinder 2025
Über das Buch
Hexenjagd
Marisa
Ben Skinner
Marisa
Ben Skinner
Marisa
Ben Skinner
Marisa
Ben Skinner
Marisa
Ben Skinner
Phil Jones
Marisa
Ben Skinner
Marisa
Ben Skinner
Marisa
Ben Skinner
Marisa
Ben Skinner
Phil Jones
Marisa
Ben Skinner
Marisa
Ben Skinner
Marisa
Ben Skinner
Phil Jones
Ben Skinner
Marisa
Ben Skinner
Marisa
Ben Skinner
Marisa
Epilog
Nachtrag
Weitere Informationen
Die Hexen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder… Sie schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden, nicht allein, weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben
Tucson, Genetics Incorporated Laboratories
Es war einfacher als erwartet, eine schwere S 3- Sicherheitstür, aber kein Problem für den Exo-Dietrich. Ich begann dennoch zu schwitzen, ich hätte unter diesem luftundurchlässigen Schutzanzug einfach weniger anziehen sollen. Aber nur nichts kontaminieren, nur keine verräterischen Spuren hinterlassen. Ich schaltete meine Stirnlampe an. Der erste Laborraum, mit drei Regalwänden voller Reagenzien und unterschiedlich geformten Glasröhren, einige an Haken zum Trocknen aufgehängt über einem Waschbecken, daneben ein Autoklav und mehrere Inkubatoren. Nein, hier waren sie nicht. Auf in den nächsten Raum. Zwei moderne Ultrazentrifugen, eine weitere Regalwand, prall gefüllt mit Ordnern und kleinen Schächtelchen, ein abgesperrter Aktenschrank. Nein, hier auch nicht, einfach weiter. Der dritte Raum: Mehrere Arbeitstische mit NGS-Plattformen, die auf ihren nächsten Sequenzier-Einsatz warteten. In der Ecke ein großer Stickstofftank. Konnten sie darin liegen? Schockgefroren bei minus 196 Grad? Nein, das würden sie nicht überleben. Es musste der letzte Raum sein. Noch eine NGS-Plattform, zwei Kühl- oder Gefrierschränke, ein Autoklav und wieder Regale mit Glaskolben und verschiedensten Utensilien. Und die Mutanten! Ich hatte sie gefunden. Jetzt musste ich sie nur noch töten. Ich hob ganz vorsichtig den Deckel des Käfigs ab. Die Mäuse rannten wie wild umher und versuchten, meiner Hand zu entkommen, aber ich hatte ja gar nicht vor, sie zu fangen. Eine Injektion war viel zu gefährlich, man würde den Stich eventuell entdecken, da halfen nur die mitgebrachten Futterpellets. Brave Mäuse, sie fraßen die Köder. Drei Minuten später hatte auch die letzte Maus das Mittel intus. Sie würden sterben. Nicht jetzt und auch nicht morgen, aber bald, und Dr. Yang würde nie wissen, warum. Seine Geldgeber würden ihn abservieren und er würde sich hoffentlich frustriert anderen Gebieten zuwenden.
Zufrieden lehnte ich mich zurück … und stieß mit dem Ellbogen an eines der Regale! Nein! Verdammt! Das ganze Regal kippte! Die Gläser darin klirrten entsetzlich. Ich konnte das Ding gerade noch halten. Buh, so ein Mist! Ich blickte mich um. Der Wachmann konnte mich auf den Überwachungskameras gar nicht sehen, die waren alle mit alten Einstellungen überschrieben, aber er konnte mich natürlich hören. Im Notfall würde ich ihn mit dem Paralyser betäuben müssen. Ich lauschte.
Ein Geräusch! Lampe aus! Die Sicherheitstür fiel ins Schloss. Der Wachmann! Verdammt! Verdammt! Die blöden Regale! Er musste mich gehört haben. Ein Versteck, ich brauchte ein Versteck. Nur wo? Wo? Der Gefrierschrank, dahinter war ein Spalt. Verdammt eng, aber der Schrank war leicht, ich konnte ihn zu mir ziehen. Leise, vorsichtig, nur kein Geräusch! Schritte schon im Nachbarraum! Ich zog den Paralyser aus der Tasche. Ich hatte das futuristische Ding noch nie wirklich benutzen müssen, doch Martin meinte, er würde gut funktionieren, man müsste nur relativ nah an der Zielperson sein. Mein Herz pochte schneller. Ich hätte mich nie auf so etwas einlassen sollen. Das Licht einer Taschenlampe erhellte den Raum, leuchtete von einer Seite zur anderen. Schritte kamen auf mich zu. Hatte er mich gesehen? Ich krümmte meinen Finger um den Abzugshahn des Paralysers.
„Na, ihr schlaft ja wohl nie! Macht hier mal nicht so einen Lärm!“
Der Wachmann sprach mit den Mäusen. Das kreisende, suchende Licht der Taschenlampe. Dann wieder Schritte. Sie entfernten sich. Ich lauschte. Das leise, dumpfe Geräusch war wohl die Sicherheitstür, die sacht ins Schloss fiel. Ich zählte langsam bis hundert, dann wagte ich es, den Gefrierschrank vorsichtig wieder nach vorne zu drücken. Ich stand auf und blickte mich um. Dunkelheit. Vorsichtshalber ließ ich die Stirnlampe aus und tastete mich in den nächsten Raum, den Paralyser fest in der Hand. Nein, der Wachmann war nicht da, er war wirklich gegangen. Ein Stein fiel mir vom Herzen. Buh, das war gerade noch gut gegangen. Gottseidank stand da dieser Gefrierschrank. Hm, was machten eigentlich diese Kühl- und Gefrierschränke neben den Mutanten?
Ich wagte es, die Stirnlampe wieder anzuschalten und öffnete den Kühlschrank. Nein, nur verschiedenfarbige Reagenzien. Und der Gefrierschrank …? Es hätte mir ja klar sein müssen. Dr. Yang wollte auf Nummer Sicher gehen. Da drin lagen mindestens zwanzig Mutanten bei minus 5 Grad in einer Art Winterstarre. So ein Mist, die armen Mäuse, doch nun blieb mir keine andere Wahl. „Tut mir wirklich leid, Jungs, aber euer Betreuer hat scheinbar die falsche Temperatur eingegeben“. Dann drehte ich den Temperaturregler auf minus 25 Grad. Tiefgefrorene Mäuse pflegten nicht mehr aufzuwachen. Huh, und jetzt nichts wie raus hier. Was tat man nicht alles, um Armageddon zu vermeiden.
***
New York, Brooklyn Road 131
Das rote Leuchten ging einfach nicht weg. Eine unterdrückte Nummer wie fast immer. Heute war aber auch wirklich der Teufel los. Sie musste drei Fälle gleichzeitig abarbeiten und Danielle war nicht da. Aber wenn sie jetzt nicht ran ging, war sie womöglich ihren Job los, dabei war sie doch erst drei Monate dabei, hatte ja eigentlich noch Probezeit. Sie traute Ben Skinner mittlerweile alles zu, sogar dass er seine Angestellten spaßweise selbst anrief, um zu sehen, ob sie auch wirklich ihren Job machten. Es half alles nichts. Diese E-Mail ohne Anhänge als Entwurf speichern und den Knopf drücken.
„Detektei Skinner und Co. Shirleen Tamper am Apparat. Was kann ich für Sie tun?“
„Sind Sie wirklich die beste Detektei der USA?“
„Natürlich Mr. ...? Ich glaube, ich habe Ihren Namen nicht verstanden.
„Will, Will Bowman.“
„Gut, Mr. Bowman. Was können wir für Sie tun?“
„Wie viele Angestellte haben Sie?“
„Tut mir leid Mr. Bowman, aber das ist Detekteigeheimnis. Worum geht es denn?“
„Das möchte ich mit Mr. Skinner selbst besprechen.“
„Herr Skinner empfängt keine Besuche. Sie können uns jederzeit eine E-Mail schreiben. Wir behandeln alle unsere Fälle sehr diskret.“
„Hat Herr Skinner kein Interesse an einem Auftrag über 20 Millionen Dollar?“
„Wie bitte?“
„Hören Sie, ich hätte gern ein Gespräch mit Herrn Skinner, ansonsten rufe ich bei Helpfinder an.“
„Hm. Also gut. Ich werde sehen, was ich für Sie tun kann, aber ich verspreche Ihnen nichts. Bleiben Sie dran.“
20 Millionen! War der Typ ein Clown, ein Hochstapler oder ein Milliardär, dem seine Ehefrau weggelaufen war? Er kannte offensichtlich Helpfinder, also war er recht gut informiert. Helpfinder war nicht die größte Detektei der USA, eher ein Newcomer im Geschäft, aber ein verdammt guter Newcomer. Manchen guten Deal hatten sie in letzter Zeit schon an diese Konkurrenz verloren. „O.k., also gut. Ich rufe den Chef an.“
„Mr. Skinner?“
„Shirleen, ich sagte doch, ich wollte nicht gestört werden. Bitte später.“
„Entschuldigen Sie Sir, aber ich habe hier einen Anrufer am Apparat, der uns 20 Millionen bietet. Und wenn wir nicht zusagen, will er zu Helpfinder gehen.“
„Hm … 20 Millionen? Was wissen Sie von ihm?“
„Nichts. Ein Will Bowman. Er will aber nur mit Ihnen persönlich sprechen.“
„Na gut, dann geben Sie ihn mir.“
„Ben Skinner am Apparat. Mit wem habe ich die Ehre?“
„Will Bowman. Ich habe eventuell einen Auftrag für Sie.“
„Und um was für einen Auftrag handelt es sich?“
„Das werde ich Ihnen nur persönlich sagen. Man weiß nie, ob man abgehört wird.“
„Hm. Sie befürchten, dass sie abgehört werden könnten? Vom wem?“
„Das geht Sie noch gar nichts an. Ich biete Ihnen einen Auftrag, der Sie sehr reich machen könnte.“
„Glauben Sie denn, dass ich arm bin?“
„Nein, aber ich denke, dass sie an einem Auftrag über 20 Millionen interessiert sein könnten.“
„Hm, gut, wie wäre es, wenn Sie in mein Büro kämen? Sie müssen allerdings damit rechnen, dass wir Sie gründlich durchchecken werden, bevor Sie hier hereinkommen. Wie war noch mal Ihr geschätzter Name?“
„Mein Name ist Will Bowman. Ich arbeite für MetroCorp. Das können Sie ruhig überprüfen.“
„Gut, Herr Bowman, dann kommen Sie doch morgen um 10 Uhr in mein Büro.“
„Einverstanden. Bis morgen.“
Ich legte auf. O.k. Ein großer Fall. 20 Millionen. Dann ran an den Feind. Will Bowman, Metro Corp.
„Shirleen! Kontaktieren Sie Suzie und Peter und meinetwegen noch Liam. Sie sollen alles zusammenstellen, was sie über einen Will Bowman bei MetroCorp wissen und was bei dieser Firma in letzter Zeit vorgefallen ist. Höchste Priorität. Morgen früh um 8 Uhr alles auf meinem Tisch.“
Tucson, Hotel California
Ich lag ausgestreckt auf meinem Bett und starrte an die Decke. Dem Polizeibericht zufolge war meine Aktion erfolgreich verlaufen. Dieser Dr. Yang tat mir ja im Grunde meines Herzens leid, aber es gab keine andere Option. Eigentlich kämpften wir einen fast aussichtslosen Kampf. Es gab einfach zu viele gute Molekular- und Zellbiologen und nach CRISPR/CAS und KI- Einsatz waren Eingriffe ins Genom einfach zu leicht geworden. Kaum hatte man eine Anlage zerstört, schoss sofort irgendwo anders auf der Welt eine Forschungsstätte in die Höhe. Aber solange Dädalus sich nicht meldete, mussten wir einfach weitermachen. Ich wollte keinen Plan B 1 oder B 0, ich wollte wie eine normale Frau leben. ‚Wie eine normale Frau‘ … dabei wusste ich genau, dass ich das eigentlich schon seit fünf Jahren nicht mehr war, aber hätte ich damals wirklich ‚Nein‘ sagen sollen? Ich hatte mit Hilfe der Organisation den Beruf, den ich mir erträumt hatte, und ich hatte mich schließlich freiwillig für Einsätze als Destruktorin gemeldet. Jede Mission war wichtig, aber sechs Anlagen in diesem Jahr…? Im letzten Jahr waren es nur zwei gewesen… Das blöde Regal. Der Wachmann hätte mich entdecken können, dann wäre alles viel schwieriger geworden. So wie in Austin, als der Exodietrich versagte und ich das ganze Labor von außen abbrennen musste. Ich hatte tausendmal überprüft, dass um diese Uhrzeit niemand mehr im Labor war, aber ich hatte trotzdem innerlich gebetet, dass auch wirklich kein Mensch zu Schaden kam. Ich brauchte unbedingt mal eine Pause. Diese ständigen Namens- und Ortswechsel machten einen auch völlig fertig. Ich wollte nach Hause. Nach Tucson hatte ich Urlaub eingetragen. Morgen ging mein Flug. Warum antwortete Martin denn nicht?
Zehn Uhr. Bowman war pünktlich. Und er sah genauso aus wie auf dem Foto, dass mir Shirleen geschickt hatte. Ein Endfünfziger mit leicht angegrauten Haaren, etwas dicklich und dadurch gemütlich wirkend, aber mit hellwachen Augen. Jeans, Flanellhemd, Sportschuhe. Kein Stehkragenlakai, sondern eher ein relativ unkonventioneller IT-Mensch.
„Hi.“
„Good morning, Mr. Bowman. Setzen Sie sich doch.“
„Danke. Haben Sie irgendeine Ahnung davon, weshalb ich hier bin?“
„Oh, nun ja, ich könnte mir vorstellen, dass es etwas mit der Firma Austin Bionics zu tun hat.“
„Sie haben gut recherchiert.“
„Es gibt nicht viele Will Bowman bei MetroCorp. Und es gibt nur einen obersten Sicherheitsberater.“
„Ich nehme an, Sie wissen auch, was bei Austin Bionics passiert ist.“
„Das Labor in Austin ist abgebrannt. Angeblich Brandstiftung. Das Wachpersonal hat aber niemanden gesehen.“
„Richtig. Weiter.“
„Hm, und vor zwei Tagen gab es einen Skandal bei Genetics Incorporated. Ein Dr. Yang beschwert sich über das Wachpersonal, weil es angeblich seine Erfindung sabotiert hat. Das Wachpersonal weist aber jede Schuld von sich.“
„Auch richtig. Weiter.“
„Hm, und vor drei Wochen gab es auch noch einen Vorfall in einem kleinen Biounternehmen in Detroit. Interessanterweise war wieder das gleiche Sicherheitsunternehmen eingesetzt“.
„Auch richtig. Was folgern sie daraus?“
„Zunächst einmal finde ich es höchst interessant, dass Autobionics und Genetics Incorporated offiziell gar nicht zu MetroCorp gehören, sondern MetroCorp nur Anteile an diesen Firmen besitzt, aber offensichtlich an deren Forschungen sehr interessiert ist, denn Ihre Firma bezahlt komplett das Reinigungs- und Wachpersonal. MetroCorp leistet sich dabei Brandon & Turner, eine sehr zuverlässige, aber auch relativ teure Sicherheitstruppe, die an allen drei Unternehmen eingesetzt ist. An dem Detroiter Unternehmen halten Sie sogar nur 10 Prozent der Aktien, bezahlen aber fast alle Ausgaben, so dass ich mich frage: Welches Interesse hat eine große Lebensmittel-Kette wie MetroCorp an diesen Firmen?“
„Eine gute Frage und Sie haben wirklich sehr gut recherchiert. Nun, ich nehme an, dass Ihr Büro abhörsicher ist?“
„Absolut abhörsicher. Schalldichte Fenster und Türen. Wir könnten Sie hier foltern und niemand würde Sie hören.“
Mein Scherz verfing nicht. Bowman lächelte nur leicht.
„Wird unser Gespräch von Ihnen aufgezeichnet?“
„Natürlich.“
„Das habe ich erwartet. Schalten Sie die Aufnahme ab.“
„Schon geschehen.“
Bowman grinste. „Ich vertraue Ihnen, aber ich sage Ihnen auch gleich, sollte mich später irgendjemand danach fragen, werde ich mich an dieses Gespräch nicht mehr erinnern und Ihre Aufnahme als KI-Fake abqualifizieren. Doch jetzt endlich zu Ihrer Frage: Ja, MetroCorp unterstützt diese Firmen, die gentechnische Versuche durchführen. Wir glauben, dass darin eine große Zukunft liegt. MetroCorp möchte aber nicht, dass jemand erfährt, dass wir indirekt Gentechnik unterstützen. Ein guter Teil unserer Produkte trägt schließlich das Label „Bio“ und Gentechnikprodukte verkaufen sich immer noch nicht so gut. Deshalb sollte niemand etwas von unseren Forschungsbeteiligungen wissen. Es sieht aber leider so aus, als hätte jemand davon Wind bekommen und würde das Ganze sabotieren.“
„Und wir sollen den Saboteur oder die Saboteure finden?“
„Genau.“
„Was ist mit der Polizei?“
„Sie hat keine Spur gefunden. Die Ermittler tappen völlig im Dunklen.“
„Hm, nun, falls wir den Fall übernehmen, müsste man natürlich zunächst mit dem Chef von Brandon & Turner sprechen und dann eventuell auch mit dem Chef von MetroCorp.“
Bowman lächelte überlegen. „Das Erstere kann ich für Sie leicht einrichten, das Letztere ist leider nahezu unmöglich. Selbst ich spreche meist nur mit der Sekretärin von Phil Jones.“
„Phil Jones? MetroCorp gehört Phil Jones? Ich dachte, es wäre eine Körperschaft?“
„Das denken die meisten, aber der Name Corp ist nicht gesetzlich geschützt. Jeder denkt, dass es eine Corporation wäre, aber MetroCorp gehört ausschließlich Phil Jones, es ist eines seiner vielen Unternehmen. Sie können eher mit Elon Musk oder Mark Zuckerberg reden als mit Phil Jones, aber das Geld fließt, kein Problem. Sie sollen nur den Verantwortlichen für die Anschläge finden und Sie erhalten eine Anzahlung von einer Million und weitere 19 Millionen bei einer erfolgreichen Aufklärung.“
„Das klingt nach einem relativ interessanten Geschäft. Machen Sie mir doch mal einen Termin mit Brandon und Turner und geben Sie mir die Nummer der Sekretärin.“
„Kein Problem. Hm, wissen Sie, Phil Jones ist… Nun, diese Superreichen sind, sagen wir, oftmals etwas merkwürdig. Aber finden Sie einfach den Saboteur und nehmen Sie das Geld.“
„Das Geld nehme ich gerne und den Saboteur finde ich auch, aber ich brauche natürlich einen Vertrag.“
„Der Vertrag wurde Ihnen garantiert schon geschickt und zwar in dem Moment, in dem ich hier hereinkam. Sie müssen ihn nur gegenzeichnen. So war das bei mir damals auch.“
Ich tippte auf meinen Posteingang. Tatsächlich, ein Vertrag mit 21 Seiten. Absender Metro Corp.
„Meine Rechtsabteilung wird sich den Vertrag erst einmal ansehen. Sollten wir zustimmen, bräuchte ich natürlich Zugang zu allen relevanten Daten.“
„Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir. Sie können sich natürlich auch direkt an die Zentrale von MetroCorp wenden. Sie bekommen alles, was Sie wollen, aber Sie sehen weder die Chefsekretärin noch Phil Jones, darauf wette ich.“ Er lächelte.
„Wir werden sehen. Wie verbleiben wir solange? Falls ich den Auftrag annehme, natürlich.“
„Hier haben Sie meine E-Mail-Adresse und meine Handynummer.“
Er stand auf.
„Auf Wiedersehen, Mr. Skinner. Es war nett, Sie zu treffen.“
„Ganz meinerseits. Auf Wiedersehen Mr. Bowman.“
Er war gegangen. Bowman war ein cooler Typ, der meiner Meinung nach genau wusste, was er wollte und wen er dafür brauchte. 20 Millionen! Wow! Dafür konnte ich weit mehr als zwanzig andere Fälle ablehnen, bei denen es meist nur um Ehebruch, Betrug und die Suche nach Vermissten ging. Eine Firma, die mit dem Anspruch auftrat, umweltfreundliche und biologisch unbedenkliche Lebensmittel zu verkaufen, die aber heimlich Gentechnik förderte, das war schon krass. Und dass weder die Polizei noch Brandon & Turner die Attentäter finden konnten, war höchst ungewöhnlich. Interessant, sehr lukrativ und ungewöhnlich. Ich blickte auf meinen Schreibtisch, den Stapel der zu erledigenden Tasks: Abrechnungen, Verhandlungen mit den Geschädigten, Nachforderungen, Polizeiberichte, Steuererklärungen. Ich hatte das ewige Organisieren und Verwalten satt. Seit drei Jahren hatte ich keinen einzigen Fall mehr selbst übernommen. Eigentlich waren Dave und ich jahrelang ein gutes Leitungsteam gewesen, aber mittlerweile hing die ganze Verwaltung nur an mir. Dave hatte nie Zeit, er musste sich ja um seine tolle Schriftstellerkarriere kümmern. Warum fingen alle 50-Jährigen an, herumzuspinnen und sich einen neuen Job zu suchen? Diese ganze Midlifecrisis war doch nichts weiter als die erste Torschlusspanik. Ich hatte kein Problem damit, die nächsten 10 oder 20 Jahre Detektiv zu sein, ich liebte den Beruf, aber ich hatte Lust, auch endlich selbst mal wieder einen Fall zu lösen. Und das würde ich jetzt und zwar mit meinen besten Leuten tun. „Shirleen! Kontaktieren Sie Alex, Suzie und Norman! In zwei Stunden Einsatzbesprechung bei mir im Office!“
Dave schuldete mir noch einen Gefallen und Danielle und Shirleen würden die Sache hier schon schaukeln. Endlich mal wieder raus hier.
Scheibenkleister! Schon 15 Uhr! Ich war eingeschlafen und hatte das Tinky nicht aufgeladen. Dabei hatte ich Barbara doch versprochen anzurufen, bevor ich losflog. Und Newcore wartete schon ewig auf meine nächste Rückmeldung. Wo zum Teufel, war der Wlan-Code dieses schäbigen Hotels? Ich musste nach unten.
Ein Latino stand hinter der Rezeptionstheke. „Guten Abend, Miss …“
„Miss Jennings, Zimmer 14. Entschuldigung. Wie ist der WLAN-Code hier?“
„Ah, aber der steht doch auf Ihrer Karte. Warten Sie… Hier.“
„Danke.“
Ich eilte wieder hinauf. Wir sollten möglichst kein normales Handy für unsere Kontakte benutzen. Aber ich würde es nachher ja ohnehin zerstören und im nächsten Mülleimer versenken. Ich rief erst einmal Barbara an.
„Barbara?“
„Hallo, Marisa. Wie geht es dir? Wann kommst du?“
„Ich habe in vier Stunden einen Flieger, mit Zwischenlandung in New York, und komme dann morgen früh um 12:00 Uhr in Frankfurt an.“
„Oh schade, ich habe am Freitagmorgen Hauptpraktikum, das kann ich nicht ausfallen lassen, sonst würde ich dich abholen. Aber melde dich auf jeden Fall morgen. Ich habe dir viel zu erzählen.“
„Ich dir auch, ich freue mich schon so, endlich wieder nach Hause zu kommen.“
„Was ist eigentlich mit Martin? Kommt er auch?“
„Nein, er bleibt in IFTROD und wartet auf Nachricht von Dädalus. Aber ich rufe ihn auch gleich an …“
Tucson, Genetics Incorporated Laboratories
Die kurze Recherche zu Phil Jones, die ich auf dem Flug nach Tucson überflog, ließ Bowmans Bemerkungen über seinen Boss durchaus gerechtfertigt erscheinen. Phil Jones war ein 62jähriger exzentrischer Multimilliardär, die 20 Millionen waren für ihn nichts als Peanuts. Er war mit Auszeichnungen durch die renommiertesten amerikanischen Unis gegangen, hatte einen Abschluss in Wirtschaftsmathematik und International Business gemacht und war dann in das Unternehmen seines Vaters eingestiegen. Mittlerweile leitete er ein Imperium aus unterschiedlichsten Firmen, die er meist zusammengekauft und verschmolzen hatte. MetroCorp hatte sich auch nur durch die Zusammenlegung zweier kleinerer Ketten zum drittgrößten Lebensmittelkonzern Amerikas hinter Walmart und Costco gemausert. Beim erzwungenen Zusammenschluss hatte Jones sämtliche Gewerkschaftsmitglieder entlassen, was ihm den Ruf eines eiskalten Kapitalisten einbrachte. Wobei das nicht ganz richtig war, denn die Kündigungen hatte schon sein Vater durchgesetzt, in dessen Schatten der junge Jones lange Zeit gestanden hatte. Aber schließlich hatte der Junge genug von dem Alten und hatte Jones Senior in irgendeinem luxuriösen privaten Altersheim verschwinden lassen, wo er seinen senilen Vater aber immer noch alle Verträge unterzeichnen ließ. Tja, das Leben als menschliches Raubtier war hart. Wer schwach wird, hat einfach keine Existenzberechtigung mehr. Menschlichkeit und christliche Nächstenliebe waren Schwächen, die man ausnutzen konnte. Aus dem Wenigen, was man sonst über Phil Jones wusste, wurde man nicht schlau. Die Ehe mit der Erbin einer Modefirma hielt nur sechs Monate, keine Kinder. Jones galt als unkalkulierbar, in einem Moment eiskalt, im nächsten fast überbordend freundlich und nett. Aber viel mehr wusste man auch nicht über ihn, er war kein Showman wie Elon Musk oder Jeff Bezos und ich würde ihn wahrscheinlich wirklich weder sehen noch sprechen.
Den Chef von Brandon & Turner allerdings schon. Greg Brandon war ein fast zwei Meter großer Mann, kräftig, durchtrainiert, etwa 45 Jahre, die Haare extrem kurz, um die die ersten Ansätze einer Glatze zu verdecken. Er hätte mit seinem Brustkorb und seinen Armmuskeln sofort beim World Wide Wrestling mitmachen können. Aber all seine Kraft hatte ihm nicht geholfen, die Anschläge zu vermeiden. Er wirkte nicht gerade erfreut über meinen Besuch.
„Drei Attentate und keiner Ihrer Wachleute hat etwas bemerkt. Ungewöhnlich oder?“
„Ja“, knurrte er mich an, „ungewöhnlich. Und wenn ich diesen Saboteur erwische, dann drehe ich ihm persönlich die Gurgel um.“
„Nun, kann es denn sein, dass Sie einen Gentechnik-Gegner in Ihrem eigenen Unternehmen haben?“
„Nein, ausgeschlossen. Meine Leute sind alle hundert prozentig durchgecheckt, da gibt es keine Spinner darunter. Die tun hier ihren Job und ansonsten interessiert es sie null, an was hier geforscht wird. Außerdem haben wir in jedem dieser Unternehmen eine andere Wachmannschaft. Unsere Leute sind nun wirklich außen vor. Hören Sie, Mr. Skinner, wir bewachen alle Einrichtungen und Labore von MetroCorp und es ist jahrelang nie etwas vorgefallen. MetroCorp glaubt gottseidank immer noch an uns. Aber wenn sich noch weitere Fälle wie diese ereignen, können wir unseren Laden hier dicht machen. Wir haben außer MetroCorp noch weitere Objekte, aber den Ruf als Versager hat man schnell weg und das ist in unserer Branche das absolute Aus. Aber ich lasse meine Leute nicht hängen. Ich finde den Saboteur und dann bringe ich den Kerl eigenhändig um.“
„Schön zu wissen. Vielleicht schauen wir uns erst mal den letzten Tatort an. Vielleicht finden wir ja gemeinsam irgendeine Spur.“
„Ich habe schon alles dreitausend Mal durchsucht und die Polizei war auch schon da, aber wenn Sie meinen… Bowman hat gesagt, ich soll Sie unterstützen, also werde ich das machen.“
Eine wohlwollende Unterstützung sah anders aus.
„Wo ist denn eigentlich der Wachmann, der an dem betreffenden Abend Dienst hatte? Ich würde gerne mit ihm sprechen.“
