Hinter der Maske -  - E-Book

Hinter der Maske E-Book

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Beschreibung

Das vorliegende Büchlein ist ein Zeitdokument über den Alltag im Lockdown hinter der Maske. Nicht die politische Meinung, nicht das Für und Wider zu politischen Entscheidungen, nicht das Pro und Contra der Impfung oder die Rolle der Pharmakonzerne sind hier das Thema, sondern das persönliche Erleben dieses Ausnahmezustandes in den Jahren 2020 und 2021. Was macht diese Situation mit uns? Wie fühlen wir uns? Wie verändert sich unser Alltag? Das Buch soll bewahren und festhalten, wie es Menschen aus ganz verschiedenen Berufsgruppen im Alltag dieses Lockdowns erging. Es kommen Künstler, Ärzte, Hebammen, Pädagogen, Wissenschaftler und andere zu Wort. Es sind Menschen, die eher selten im Rampenlicht der Medien stehen. Deutlich wird, dass der Lockdown viel mehr Folgen hat, als man auf den ersten Blick vermutet. Es geht nicht nur um Sorgen, Ängste, um Wut und Verzweiflung, sondern letztlich auch um die grundsätzliche Frage, in was für einer Gesellschaft wir leben.

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Seitenzahl: 167

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Jens Behrens

Kleine Chronik der Pandemie

Andreas Trampe

Die Sprache der Pandemie

Gabriela Rudolph (Friseurin und Künstlerin)

Die einfachste Sache der Welt.

Lutz Schlosser (Musiker)

Musikerleben – Musiker leben

Detlef (Künstler)

Das Nackte ist bedingungslos?! - Geborgenheit ist kristallklar.

Michaela Hilbert (Erzieherin)

Lockdown in einer Kita

Jan Caspar (Naturpädagoge)

Der Weg ist das Ziel

Arlette Behrens (Lehrerin)

Corona-Alltag in der Schule

Maria Skogvall (Hebamme)

Die Menschen haben sich verändert

Dirk Habedank (Arzt)

Unvollständiges Klinik-Tagebuch 2020-2021

Stefanie Dobbertin (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)

Wie veränderte sich mein Leben in der Corona Pandemie?

Emil Goleniewski (Polizeistudent)

Überleben im Chaos der Online-Lehre

Hannelore Hänel

Auch mit 70 hat man noch Träume – Als Rentnerin in der Corona-Zeit

Jens Behrens (Kampfkunstlehrer)

Kampfkunst und Heilpraxis im Lockdown

Paula Behrens (Schülerin, Tänzerin)

Kein Bauchgefühl

Carmen Ott-Neuhaus (Körpertherapeutin, Heilpraktikerin)

Ansteckend mein Lächeln, unantastbar meine Würde, heilsam unsere Berührungen

Donda

Mein Lockdown

Renate Escher (Eurythmistin)

Früher in die Rente

Paul Schweiger

Ungeimpft?

Katrin H.

Parallelwelt – ein Versuch ohne das C-Wort

Susanne Krug (Therapeutin)

Impressionen aus dem Corona-Alltag

Paul Püschel

Gegen alles!

Paula Behrens (Schülerin, Tänzerin)

Kakteen

Michael Dau (Musiker)

Und, was gibt es heute?

Jens Behrens

Statt eines Nachwortes – Erwachen

Danksagung

Über den Herausgeber

Vorwort

Im März 2020 rief der Deutsche Bundestag das Vorliegen einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite aus. Das Corona-Virus breitete sich weltweit aus und brachte ungeahnte Auswirkungen mit sich, die nicht nur das Große und Ganze betrafen, sondern den Alltag von wirklich Jedem in dieser Gesellschaft. Jetzt, da ich diese Zeilen im Herbst 2021 schreibe, verkündet der deutsche Gesundheitsminister, dass dieser Zustand ab November nicht mehr verlängert werden müsse. Niemand weiß, ob diese Zeit der extremen Einschränkungen wirklich vorbei ist oder ob es nicht vielleicht sogar noch schlimmer kommt.

Diese Situation ist eine ganz neue Erfahrung. Weltweit tragen die Menschen im Alltag Mund-Nasenbedeckungen, Kunst, Kultur und Sport werden nahezu völlig abgeschaltet, der Einzelhandel wird immer wieder geschlossen, der Tourismus bricht weltweit zusammen, es gibt in nahezu allen Ländern des Planeten Kontaktbeschränkungen, selbst für den privaten Haushalt. Inmitten demokratischer Staaten verbietet man zeitweise das Treffen selbst von Familienmitgliedern. Die Lagen auf den Intensivstationen, Infektionszahlen, Inzidenzraten, Todeszahlen und Impfraten bestimmen die Nachrichten. Auch die Sprache verändert sich. Begriffe, die kaum jemand kannte, werden täglich gebraucht. Die Forderung nach unbedingter Einhaltung der AHA-Regeln sind ein tägliches Beispiel: Abstand – Hygiene – Alltagsmaske. In nahezu jedem WC hängt ein Hinweisschild über das richtige Händewaschen. In den Eingängen von Einkaufszentren desinfiziert man sich die Hände.

In jedem Beruf, in jeder Familie, in jedem Verein und in jeder Beziehung hinterlässt diese Epidemie ihre Spuren. Menschen entzweiten sich, die vormals zueinander standen. Eltern verstehen ihre Kinder nicht mehr und beste Freunde konnten sich über die Corona-Maßnahmen nicht mehr unterhalten, weil man unterschiedlicher Meinung ist. Was Meinung und was Wirklichkeit ist, kann kaum getrennt werden, da kaum jemand wirklich sichere Kenntnisse hat. Selbst bei viel Recherche ist kaum sicher herauszubekommen, wie groß die Sterblichkeit durch Corona wirklich ist, welche Auswirkungen die Alltagsmaske im Positiven und im Negativen hat, wie der Vergleich zu den tödlichen Grippewellen wirklich ist, welche Nebenwirkungen die verschiedenen Corona-Impfungen wirklich haben usw. Und somit prallen einfach Meinungen aufeinander und Menschen entfremden sich. Vertrauen geht verloren und sicher geglaubte Rechte scheinen unsicher.

Es gibt eine wichtige politische Dimension dieser neuen Zeit, die jedes Mitglied dieser Gesellschaft betrifft. Es ist die Rede von Querdenkern, die die Regierungsmaßnahmen kritisieren, von Impfgegnern und Corona-Leugnern. Eine Sprache, die es so in Deutschland lange nicht gab. Heute lässt man kritischen Geistern der offiziellen Politik in der Öffentlichkeit kaum Raum. Es ist die Rede von verbotenen Demonstrationen und Zensur im Internet. Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung ist ein fragliches Gut geworden. Der im Jahr 2021 aufkommende Quasi-Impfzwang ist eines der umstrittensten Themen der Gegenwart. Die Rede ist von „2G“ und „3G“, also von „Geimpft oder Genesen“ oder von „Getestet oder Geimpft oder Genesen“. Wenn der Zugang zu Restaurants oder Kulturveranstaltungen oder auch zu Einkaufsläden so geregelt wird, dann ist das im Grundgesetz manifestierte Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit zumindest diskutabel geworden. Im Herbst 2021 führt Österreich den allgemeinen Impfzwang ein. Es gibt schon am ersten Abend danach gewaltsame Proteste. Ebenso reagieren Demonstranten in Holland auf ähnliche Regierungsentscheidungen.

In Deutschland wird im November 2021 die 2G-Regel für das öffentliche Leben eingeführt. Ungeimpfte werden nicht mehr ins Restaurant, in Kulturveranstaltungen oder in Freizeiteinrichtungen gelassen. Wer mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln fahren möchte, soll einen offiziellen Test nachweisen. Selbst auf Arbeit gilt 3G; d.h. Ungeimpfte müssen einen Test zu Arbeitsbeginn vorlegen. Wie es die Menschen aufnehmen, bleibt aktuell abzuwarten. Es betrifft viele Millionen Menschen in Deutschland.

Das vorliegende Büchlein ist ein Zeitdokument über den Alltag im Lockdown hinter der Maske. Nicht die politische Meinung, nicht das Für und Wider zu politischen Entscheidungen, nicht das Pro und Contra der Impfung oder die Lobby der Pharmakonzerne sind hier das Thema, sondern das persönliche Erleben dieses Ausnahmezustandes in den Jahren 2020 und 2021. Was macht diese Situation mit uns? Wie fühlen wir uns, wie verändert sich unser Alltag? Das Buch soll bewahren und festhalten, wie es Menschen aus ganz verschiedenen Berufsgruppen im Alltag dieses Lockdowns erging, in diesem Fall aus deutschen Landen. Es kommen zum Beispiel Musiker, Ärzte, Hebammen, Pädagogen, Wissenschaftler zu Wort. Es sind solche, die eher nicht im Rampenlicht der Medien stehen. Und die Corona-Krise ist, wie es jetzt 2021/22 scheint, noch lange nicht vorbei.

Freudenberg, Februar 2022

Kleine Chronik der Pandemie

Jens Behrens

DEZEMBER 2019

In China treten gehäuft Fälle einer unbekannten Lungenkrankheit auf. Bald gilt ein Markt in der Millionenmetropole Wuhan als Ausbruchsort. Am 30. Dezember werden die Infektionen offiziell an die WHO gemeldet, wenige Tage später wird ein neuartiger Erreger aus der Familie der Coronaviren als Ursache identifiziert: Sars-CoV-2.

11. JANUAR 2020

Es wird in China der erste Todesfall aufgrund des neuartigen Virus registriert. Am 16. Januar 2020 gibt die Berliner Charité die Entwicklung eines ersten Tests bekannt. Innerhalb weniger Wochen stecken sich so viele Menschen mit dem neuen Virus an, dass die WHO am 30. Januar 2020 von einer „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite“ spricht. In Wuhan, dem Epizentrum des Virus-Ausbruchs, wird innerhalb weniger Tage ein Spezialkrankenhaus aus dem Boden gestampft, um die rasant wachsende Zahl der Corona-Infizierten behandeln zu können.

27. JANUAR 2020

Das ursprünglich in Wuhan in China aufgetauchte Coronavirus erreicht Deutschland. Bei einem Automobilzulieferer steckt sich ein Mitarbeiter bei einer Kollegin aus China an, die zu einer Schulung in Bayern war.

23. FEBRUAR 2020

Das Virus breitet sich vor allem in Norditalien rasant aus. Um die Infektionen einzudämmen, hat die Regierung eine Sperrzone eingerichtet, konkret in den Regionen Lombardei und Venetien. Auch der Karneval in Venedig wird abgesagt. Aus Bergamo gehen Fotos und Videos um die Welt, auf denen das Militär beim Abtransport der Covid-Toten hilft.

26. FEBRUAR 2020

Erstmals werden Corona-Infektionen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gemeldet. In Nordrhein-Westfalen ist die Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg besonders stark betroffen. Dort breitete sich das Virus nach einer Karnevalssitzung am 15. Februar aus. Bis Anfang März werden auch aus den meisten anderen Bundesländern Fälle gemeldet.

8. MÄRZ 2020

Erstmals wird der Tod eines Deutschen bekannt, ein 60-jähriger deutscher Tourist stirbt kurz nach seiner Einreise in Ägypten. Nur einen Tag später werden aus Nordrhein-Westfalen die ersten beiden Corona-Todesfälle in Deutschland gemeldet.

IM MÄRZ2020WIRD DER ERSTE LOCKDOWN DEUTSCHLANDS BESCHLOSSEN

11. MÄRZ 2020

Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußert sich erstmals zur Corona-Krise. Sie mahnt zur Solidarität untereinander und verteidigt die ersten Maßnahmen der Regierung, darunter das Aus für Großveranstaltungen.

16. MÄRZ 2020

Deutschland schließt teilweise seine Grenzen. Bundesweit findet an den Schulen kein Unterricht mehr statt.

22. MÄRZ 2020

Der erste Lockdown in Deutschland ist beschlossen. Bund und Länder vereinbaren ein in der Nachkriegszeit beispielloses weitreichendes Kontaktverbot. Bundesweit werden Gaststätten, Frisiersalons, Kosmetikstudios und ähnliche Betriebe geschlossen.

25. MÄRZ 2020

Der Bundestag stellt die epidemische Lage von nationaler Tragweite fest. Damit bekommt der Bund besondere Befugnisse nach dem Infektionsschutzgesetz, etwa zum Erlass von Rechtsverordnungen.

IM APRIL 2020 WIRD DIE MASKENPFLICHT EINGEFÜHRT

27. APRIL 2020

Die Maskenpflicht wird eingeführt. Sie gilt zunächst im Nahverkehr und bald auch in Geschäften. Zunächst reicht eine einfache Mund-Nasen-Bedeckung, auch Schals sind erlaubt.

2. MAI 2020

Sachsen-Anhalt lockert als erstes Bundesland die strikten Kontaktbeschränkungen. Nach und nach ziehen weitere Bundesländer nach.

16. MAI 2020

Die unterbrochene Saison der Fußballbundesliga wird fortgesetzt.

SEPTEMBER 2020

Nach einem Sommer mit geringen Neuinfektionen baut sich nach den Sommerurlauben die zweite Corona-Welle auf.

IM HERBST 2020 KOMMT ES ZUR „ZWEITEN WELLE“

2. NOVEMBER 2020

Mit einem „Lockdown light“ wollen Bundesregierung und Ministerpräsidenten die Lage in den Griff bekommen. Gastronomie und Tourismus schließen, Schulen und Geschäfte bleiben aber diesmal offen.

9. NOVEMBER 2020

Das Mainzer Startup Biontech und der US-Konzern Pfizer melden einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs.

15. DEZEMBER 2020

Da der Teillockdown die Pandemie nicht bremsen kann, gilt ab Mitte Dezember ein harter Lockdown. Geschäfte müssen schließen, private Reisen werden verboten, für Weihnachten und Silvester Kontaktbeschränkungen beschlossen.

26. DEZEMBER 2020

Die 101 Jahre alte Edith Kwoizalla bekommt in einem Heim in Halberstadt in Sachsen-Anhalt die erste Corona-Impfung in Deutschland. Der damalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verspricht, dass jeder Deutsche bis zum Sommer ein Impfangebot bekommt.

Im Januar 2021 erreicht die Zahl der Corona-Toten den Rekordstand

14. JANUAR 2021

Die Behörden melden 1.244 Corona-Tote an einem Tag.

MITTE FEBRUAR 2021

Infolge des harten Lockdowns ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen bis Mitte Februar rückläufig. Doch von nun an stagniert der Rückgang. Grund ist die auch als britische Mutante bekannte B117-Variante des Coronavirus, später als Alpha bezeichnet. Diese ist deutlich ansteckender.

JULI 2021: DIE DELTA-VARIANTE BREITET SICH AUS

7. JULI 2021

Seit Juni dominiert nach RKI-Angaben die noch ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus das Infektionsgeschehen in Deutschland. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei fünf. Experten warnen vor einer Trendumkehr.

20. AUGUST 2021

Laut RKI-Lagebericht hat die vierte Welle der Corona-Pandemie begonnen, die Zahlen steigen deutlich schneller als im Sommer 2020. Gesundheitsminister Spahn plädiert für Boosterimpfungen für alle Deutschen.

Die epidemische Notlage wird letztmals im August 2021 für drei Monate verlängert und läuft im November 2021 aus.

18. NOVEMBER 2021

Es gibt 65.371 Corona-Neuinfektionen an einem Tag – die höchste Zahl seit Pandemiebeginn. Die Ministerpräsidentenkonferenz und Bundeskanzlerin Merkel erklären nun die Hospitalisierungsinzidenz zum entscheidenden Maßstab für Maßnahmen.

25. NOVEMBER 2021

Die Zahl der Corona-Toten in Deutschland steigt auf 100.119.

10. DEZEMBER 2021

Der Bundestag hat am 10. Dezember 2021, nach gut einstündiger Aussprache, den gemeinsamen Gesetzentwurf von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP zur Stärkung der Impfprävention gegen Covid-19 und zur Änderung weiterer Vorschriften im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie beschlossen. In namentlicher Abstimmung stimmten 569 Abgeordnete für den Gesetzentwurf, 79 lehnten ihn ab. Es gab 38 Enthaltungen. In zweiter Lesung hatten die Koalitionsfraktionen und die Unionsfraktion für den Gesetzentwurf gestimmt, die AfD dagegen, die Linksfraktion enthielt sich. Auch der Bundesrat erteilte seine Zustimmung.

IM JANUAR 2022 DOMINIERT DIE OMIKRON-VARIANTE

7. JANUAR 2022

Die zunächst in Südafrika festgestellte Omikron-Variante dominiert seit der ersten Januarwoche auch in Deutschland. Sie ist viel ansteckender als alle vorherigen Varianten, gleichzeitig scheint sie aber weniger gefährlich zu sein.

26. JANUAR 2022

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland erreicht mit 940,6 einen Höchstwert, die Zahl der Neuinfektionen binnen 24 Stunden mit 164.000 ebenfalls. Gut die Hälfte der Deutschen ist inzwischen geboostert.

27. JANUAR 2022

Exakt zwei Jahre nach dem ersten bestätigten Corona-Fall in Deutschland befindet sich die Zahl der Neuinfektionen auf einem Rekordniveau. Dem Robert-Koch-Institut wurden binnen eines Tages 203.136 Neuinfektionen übermittelt, so viele wie nie zuvor.

16. FEBRUAR 2022

Bund und Länder haben einen Dreischritt der Öffnungen in der Corona-Pandemie vereinbart – bis zum 20. März sollen die weitreichenden Einschrän-kungen des gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens schritt-weise zurückgenommen werden.

Erster Schritt – private Zusammenkünfte und Zugang zum Einzelhandel

Für Geimpfte und Genesene sollen private Zusammenkünfte wieder ohne Begrenzung möglich sein. Sobald eine ungeimpfte Person teilnimmt, gelten bis zum 19.März aber weiterhin die Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte: Das Treffen ist dann auf den eigenen Haushalt und höchstens zwei Personen eines weiteren Haushalts beschränkt. Der Zugang zum Einzelhandel soll wieder bundesweit für alle Bürgerinnen und Bürger ohne Kontrollen möglich sein. Es müssen jedoch weiter mindestens medizinische Maskengetragen werden. Die Nutzung von FFP2-Masken wird empfohlen, soweit sie nicht durch Landesrecht vorgeschrieben ist.

Zweiter Schritt – Gastronomie und Großveranstaltungen

Ab dem 4. März soll der Zugang zur Gastronomie für Geimpfte, Genesene und Personen mit tagesaktuellem Test ermöglicht werden (3G-Regelung). Dies soll auch für Übernachtungsangebote gelten. Diskotheken und Clubs werden für Genesene und Geimpfte mit tagesaktuellem Test oder mit dritter Impfung (2G-Plus) geöffnet. Bei überregionalen Großveranstaltungen (inklusive Sport) können Genesene und Geimpfte (2G-Regelung) beziehungsweise Genesene und Geimpfte mit tagesaktuellem Test oder dritter Impfung (2GPlus-Regelung) als Zuschauerinnen und Zuschauer teilnehmen. In Innenräumen ist maximal eine Auslastung von 60 Prozent der jeweiligen Höchstkapazität zulässig, wobei die Zahl von 6.000 Zuschauerinnen und Zuschauern nicht überschritten werden darf. Bei Veranstaltungen im Freien ist maximal eine Auslastung von 75 Prozent zulässig, wobei die Zahl von 25.000 Zuschauerinnen und Zuschauern nicht überschritten werden darf.

Dritter Schritt – alle tiefgreifenden Schutzmaßnahmen entfallen

In einem letzten Schritt ab dem 20. März sollen alle tiefgreifenderen Schutzmaßnahmen entfallen. Auch die nach dem Infektionsschutzgesetz verpflichtenden Homeoffice-Regelungen sollen entfallen. Arbeitgeber können aber weiterhin im Einvernehmen mit den Beschäftigten die Arbeit im Homeoffice anbieten, wenn keine betrieblichen Gründe entgegenstehen und diese im Interesse des betrieblichen Infektionsschutzes liegt, zum Beispiel bei Tätigkeit in Großraumbüros.

Auch danach wichtig – Basisschutz-Maßnahmen

Auch über den 19. März 2022 hinaus sind aus Sicht von Bund und Ländern niedrigschwellige Basisschutz-Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens und zum Schutz von Risikogruppen weiterhin nötig. Hierzu zählen insbesondere eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen von Publikumseinrichtungen sowie in Bussen und Bahnen, das Abstandsgebot und allgemeine Hygienevorgaben. Außerdem soll es möglich bleiben, in bestimmten Bereichen Test-pflichten vorzusehen sowie den Impf-, Genesenen- und Teststatus zu überprüfen.

Die Sprache der Pandemie

Andreas Trampe

Historische Ereignisse prägen und verändern immer auch unsere Sprache und erweitern unser Vokabular. Neue Begriffe, neue Sprachbilder entstehen, manche von ihnen finden später Eingang in die Wörterbücher. Die Friedliche Revolution 1989/90 bescherte uns Wortbildungen wie Mauerspecht, Wendehals, Runder Tisch, Stasi-Akte. An die Terrorakte vom 11. September 2001 erinnern Wendungen wie Nine Eleven, Ground Zero, die Achse des Bösen. Und seit dem verstärkten Zustrom von Flüchtlingen und Migranten nach Europa ist von Flüchtlingskrise und Flüchtlingswelle, von Balkanroute, Flughafenverfahren und illegalen Pushbacks die Rede.

Auch die seit nunmehr zwei Jahren andauernde Corona-Pandemie erweitert unsere Sprache, unseren Wortschatz. Der Corona-Begriff selbst wurde von der Gesellschaft für Deutsche Sprache zum Wort des Jahres 2020 gekürt. „Als Wort des Jahres steht Corona-Pandemie nicht nur für die nach Einschätzung der Bundeskanzlerin ebenso wie vieler Fachleute schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, sondern sprachlich auch für eine Vielzahl neuer Wortbildungen“, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Wortschöpfungen wie Coronavirus, Coronaangst, Coronatest, Coronampel, Coronakontaktliste, Coronaknigge, Coronasoforthilfe, Coronaverordnung, Coronasommer gehörten plötzlich zu unserem Vokabular. Ein Coronakabinett mühte sich um Schadensbegrenzung, Coronahelden wurden beklatscht, eine Coronawarnapp eingeführt. Einige bekamen einen Coronakoller, manche waren als Coronaskeptiker und Coronarebellen unterwegs oder übten sich als „Querdenker“. Das Wort von der Coronalüge machte die Runde. Und der Fraktionsvorsitzende einer Oppositionspartei beschwor im Deutschen Bundestag gar das Schreckgespenst einer Corona-Diktatur – und erntete dafür heftigen Widerspruch. Kritiker warnten, das Virus könne unsere Demokratie infizieren.

Die Pandemie hat nicht nur unsere Sprache verändert, sondern auch unser Sozialverhalten. Statt Küsschen links, Küsschen rechts oder Begrüßung durch Handschlag beachteten wir peinlich genau die AHA-Regeln und nutzten Ellenbogengruß, Fußshake oder Fist-Bump (Faust-an-Faust-Gruß). Aber selbst dafür gab es ja schon bald nur noch selten Gelegenheit. Im bundesweit verhängten Lockdown (2020) galten weitreichende Ausgangs-, Kontakt- und Reisebeschränkungen. Das öffentliche Leben wurde „heruntergefahren“ – mit erheblichen Folgen für jeden Einzelnen, beruflich wie privat. Theater, Kinos, Restaurants, Kaufhäuser, Trainingszentren, Schwimmhallen mussten schließen. Für Hotels galt plötzlich ein Beherbergungsverbot. Unsere Angehörigen in den Seniorenheimen und Krankenhäusern durften wir nicht besuchen – oder nur auf Abstand und mit Mund-Nasen-Schutz bzw. FFP2-Maske. Ein Großteil der Begegnungen fand für viele Monate vor allem virtuell statt.

Um die Infektionsrate mit dem Sars-CoV-2-Virus zu verlangsamen, wurde Social Distancing nicht nur empfohlen, sondern staatlich angeordnet. Schülerinnen und Schüler lernten plötzlich im Hybrid- oder Wechselunterricht, im Distanzunterricht bzw. im Homeschooling. Wer über die erforderlichen digitalen Endgeräte verfügte, konnte sich ins virtuelle Klassenzimmer einwählen und am digitalen Unterricht teilnehmen. Diverse E-Learning-Plattformen stellten Arbeitsmaterialien und Informationen für das digitale Lernen zur Verfügung. In politischen Gremien, in gymnasialen Abschlussklassen und in Elternhäusern wurde über die Nachteile eines Corona-Abiturs diskutiert. Die Hörsäle in den Universitäten blieben häufig geschlossen, Seminare und Vorlesungen wurden in einen digitalen Lernraum verlagert.

Das Vokabular der Pandemie enthält erstaunlich viele aus dem Englischen übernommene oder entlehnte Begriffe, darunter eine Reihe denglischer Wörter, von denen Home Office wohl das meistgebrauchte sein dürfte. In Großbritannien bezeichnet dieser Begriff allerdings nicht den heimischen Schreibtisch, sondern das Innenministerium. Doch einen der naheliegenden deutschen Begriffe (Heimarbeit, Hausarbeit) mag kaum jemand nutzen, wahrscheinlich klingen diese Wörter zu sehr nach Abwaschen und Müllraustragen. Anglizismen haftet offenbar noch immer ein Hauch Weltläufigkeit an. Ihr Gebrauch hilft jedenfalls zu verschleiern, dass der Covid-Laptop am Ende doch auf dem Küchentisch steht – neben Butter, Wurst und Brötchenkorb.

Dass Millionen Menschen über einen so langen Zeitraum von zu Hause aus arbeiten, lernen, studieren und ganz nebenbei auch noch die Kinder betreuen – das hat es in Deutschland in dieser Form und in diesem Umfang noch nicht gegeben. Der dafür erfunden Begriff führt allerdings in die Irre – die Neue Normalität. Er klingt allzu harmlos und kaschiert die eigentlichen Gefahren und Risiken der Pandemie. Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen begrenzen zwar die Verbreitung des Virus, aber sie können schlimme gesellschaftliche Folgen haben – Vereinsamung, Firmenpleiten, gefährdete Existenzen, langandauernde körperliche und psychische Probleme bei Kindern. Es ist fahrlässig, dem Ausnahmezustand Pandemie das Wörtchen „normal“ an die Seite zu stellen.

Dass wir keineswegs in „normalen“ Zeiten leben, offenbart der umfangreiche Fachwortschatz, der noch vor wenigen Jahren allenfalls in medizinischen Kontexten geläufig war. Fachbegriffe wie Latenz, Reproduktionswert, Virusvariationen und Mutanten, Aerosolübertragung, Herdenimmunität, Ü-50-Inzidenz, Patient Null, Spikeprotein, mRNA-Impfstoff, PCR-Test, Antikörpertest, Vulnerable, Long Covid / Post Covid, Letalitätsrate, Übersterblichkeit, Triage werden inzwischen auch von Nichtmedizinern verstanden und ganz selbstverständlich genutzt – in der politischen Berichterstattung, in unzähligen Talkshows, in der Umgangssprache, von Hobbyvirologen.

Jede Phase der Pandemie brachte (und bringt) eigene Begriffe in Umlauf. Manche verschwinden wieder, sobald sich die Situation geändert hat. Wer erinnert sich noch an die erste Covid-19-Welle, als die Hamsteritis ausbrach und es kaum noch Mehl, Hefe und Toilettenpapier zu kaufen gab? Von Gesichtsmasken, Blabberdeggl, Maultäschle, Seuchensegel, Virenbinden und Schnutenpullis ganz zu schweigen. Der Schnutenpulli wurde übrigens zum „Plattdeutschen Wort des Jahres“ 2020 gekürt.

Später berichteten die Medien von Rückkehrern aus Hochrisiko- und Risikogebieten – gemeint waren auch unsere Nachbarländer. Die früheren Staatsgrenzen gibt es längst nicht mehr, aber die wechselseitige Wahrnehmung der Nachbarn war – sprachlich konnotiert – plötzlich wieder angstbesetzt, geradezu feindlich. In Windeseile wurden Grenzkontrollen eingeführt und Menschen daran gehindert, ihre Arbeitsstellen zu erreichen, Angehörige zu besuchen. Die Gesundheitsämter bemühten sich um Kontaktnachverfolgungen und ordneten für positiv Getestete Selbstisolation und Quarantäne an. Erfasst wurden Kontaktpersonen der Kategorie I und Kontaktpersonen der Kategorie II. Plötzlich wurde es möglich, sich eine telefonische Krankschreibung ausstellen zu lassen.

Ging es zunächst vor allem um Phänomene des Herunterfahrens, der Schließung, des Zuhausebleibens, wurden bald schon Forderungen nach Lockerungen, nach intelligenten Öffnungsstrategien, nach mehr Freiheiten laut. Schnelltests kamen auf den Markt, offizielle Test-to-go-Stationen boten kostenlose Bürgertests an, die ihnen gleichsam ein „Freitesten“ (Kanzlerin Merkel, FAZ, 24.02.2021) ermöglichen sollten.

Mit Beginn der Impfkampagne standen ganz neue Fragen auf der Tagesordnung. Angesichts der zunächst begrenzten Verfügbarkeit von sicheren und wirksamen Corona-Impfstoffen wurde über Impfstoffnationalismus debattiert, vor allem aber über die Frage, in welcher Reihenfolge die Angehörigen der verschiedenen Alters-und Berufsgruppen geimpft werden sollten. Begriffe wie Impfprivilegien, Impfvordrängler, Impfneid machten die Runde.

Seit dem 27. Dezember 2020 wird in Deutschland gegen das Corona-Virus geimpft. Die Priorisierung bestimmter Personengruppen wurde im Juni 2021 aufgehoben, die Impfkampagne nahm Fahrt auf. Im Spätsommer 2021 wurden erste Beschlüsse zu